RDT 4/2009 - Bund gegen Missbrauch der Tiere ev

bmt.tierschutz.de

RDT 4/2009 - Bund gegen Missbrauch der Tiere ev

Nr. Nr 4 Dezember 2009

DAS RECHT DER TIERE

SHADOW AUS DEM

bmt-TIERHEIM

ARCHE-NOAH

ZU TODE GEMÄSTET

PUTENALLTAG

IN DEUTSCHLAND

WÜHLTISCHWELPEN

- NEIN DANKE!

KAMPAGNE GEGEN

WELPENHANDEL

TIERMÄRKTE

VERSTÖSSE AN DER

TAGESORDNUNG

INTERVIEW

DER TIERÄRZTEPOOL:

EINSATZ IM AUSLAND

BUND GEGEN MISSBRAUCH DER TIERE E.V.


Das Recht der Tiere 4/2009

2

I NHALT

INHALT

EDITORIAL 3

IM GESPRÄCH 4

bmt-Schatzmeister Bernd Stephan

TITEL: "PUTENALLTAG - ZU TODE GEMÄSTET" 6

Videoproduktion von bmt und Deutschem Tierschutzbüro

Interview mit Dr. Jörg Styrie

"WÜHLTISCHWELPEN - NEIN DANKE!" 9

bmt, Tasso und ETN: Kampagne gegen illegalen Welpenhandel

EIN TIERMARKT IN DEUTSCHLAND 10

bmt stellt grobe Tierschutz-Verstöße in Eckenhagen fest

TIERSCHUTZPOLITIK 12

Die Auswirkungen der Wahlergebnisse auf den Tierschutz

bmt fordert Verkaufsstopp für lebende Hummer

PFERDEKUTSCHEN 15

Rothenburg o. d. Tauber verbietet Pferdegespanne

AUSLANDSTIERSCHUTZ 16

Interview mit Thomas Busch

Was der Tierärztepool im Ausland leistet

bmt-GESCHÄFTSSTELLEN

LV Berlin Berlin hat jetzt einen Tierschutzlehrer 20

LV Bayern Anzeige gegen Wanderzirkus 22

TH Köln-Dellbrück Igelpflege im Tierheim 23

TH Elisabethenhof "Eishund" Günny ist vermittelt 24

Franziskus-TH Unser Sorgenkind Miso 25

Katzenhaus Kleiner Findling Florian 26

TH Arche Noah Hunde vergessen den Zwingeralltag 27

Gst Issum Der bmt im Hunsrück 28

TSZ Pfullingen Eine Liebe im Tierheim 30

TIERE IN NOT 31

VERMISCHTES Literaturauswahl / bmt-Kalender 32

ANSCHRIFTEN / Internetadressen der Geschäftsstellen 34

ZU GUTER LETZT 35

TH Hage: Nachruf auf Husky Bernd

Beitrittserklärung 36

Impressum

DAS RECHT DER TIERE Nr. 4/2009

Mitgliederzeitschrift des „Bund gegen Missbrauch der Tiere e. V.“

Redaktion:

Claudia Lotz, Dr. Jörg Styrie, Mike Ruckelshaus, Torsten Schmidt

Gestaltung: Stefan Lotz, Andrea Sturm

Artgerchte Offenstallhaltung

Seite 6

Videodokumentation

Putenalltag - Zu Tode gemästet

Seite 9

Wühltischwelpen- nein Danke!

Neue Kampagne von bmt, Tasso

und ETN

Seite 15

Pferdekutschen

Rothenburg o.d.T. verbietet Pferdegespanne

Seite 16

Tierärzte im Ausland

Thomas Busch vom Tierärztepool

im Interview

Druck: L.N. Schaffrath DruckMedien, Geldern;

Titelbild: “Shadow” aus dem bmt-Tierheim “Arche Noah” (s. Seite 31)

Übernahme von Artikeln, auch auszugsweise, nur mit Quellenangabe

gestattet. Gedruckt auf chlorfrei gebleichtem Papier.

Auflage: 45.000 Exemplare


AUF EIN WORT…

Liebe Mitglieder, liebe Tierfreunde!

Weihnachten steht vor der Tür - und der Absatz von Fleisch- und

Fischprodukten steigt noch einmal kräftig an. Millionen Tiere sterben

pro Tag für menschliche Bedürfnisse, der Großteil von ihnen für

unseren stetig wachsenden Fleischkonsum.

Verantwortlich ist man nicht nur für das,

was man tut, sondern auch für das,

was man nicht tut

(Laotse)

Im Sinne dieses chinesischen Weisen möchte ich Sie bitten, an den Festtagen auch an die Tiere

zu denken, die für den traditionellen Weihnachtsbraten und die Sylvestertafel ihr Leben lassen

müssen. Und sich die Frage zu stellen: Ginge es nicht auch anders, könnten wir uns nicht den

Tieren zuliebe an einem vegetarischen Menü erfreuen?

Wer die neue Videodokumentation "Putenalltag - Zu Tode gemästet" von bmt und Deutschem

Tierschutzbüro sieht, wird erkennen, wie ungeheuer Tiere unter den ausschließlich an Profit

orientierten Bedingungen der industriellen Massentierhaltung leiden. Das gilt natürlich nicht nur

für Puten, sondern für alle so genannten "Nutztiere" wie Schweine, Rinder, Legehennen etc..

Wie wichtig Ihre Unterstützung für unsere Tierschutzarbeit ist, möchte ich Ihnen an dieser Stelle

noch einmal sagen und Ihnen von Herzen dafür danken. Bernd Stephan, seit sechs Monaten

neuer Schatzmeister des bmt, macht auf den Seiten 4-5 deutlich, dass die vereinte Hilfe für Tiere

in unserer Gesellschaft nach wie vor unerlässlich ist.

Bitte schenken Sie uns auch im kommenden Jahr Ihr Vertrauen, damit wir gemeinsam für Tiere

da sein können, wann immer sie in Not sind und unseren Beistand brauchen.

Ich wünsche Ihnen ein wunderschönes Weihnachtsfest und ein glückliches Neues Jahr,

Ihr

Dr. Jörg Styrie

E DITORIAL

bmt-Vorsitzender Dr. Jörg Styrie

Das Recht der Tiere 4/2009

3


Das Recht der Tiere 4/2009

4

Ein erfolgreicher Unternehmer, der einen Großteil seines Vermögens

in den Tierschutz investiert, ein Mann, der Tiere seine Brüder

und Schwestern nennt - und dieses Bekenntnis auch lebt.

"Kann sich Tierschützer nennen", fragt er, "der die Tiere isst, die er

doch schützen möchte?" Bernd Stephan, seit Juni amtierender

Schatzmeister des bmt, ist kompromisslos, wenn es um die Unversehrtheit,

die Würde und den Schutz von Tieren geht.

"Setzen Sie sich", sagt er und lächelt, "ich nehme meinen

Kummersessel." Kummersessel? "Er hat alles gehört, was in

den vergangenen Jahren an Tierleid an mich herangetragen

wurde." Und der stille Zeuge, der in der Bibliothek des Bad

Homburger Unternehmers steht, hat auch mitbekommen,

wie sein Besitzer jenen engagierten Menschen geholfen hat,

die sich wie er dem Tierschutz verschrieben haben. "Tiere haben

keine Lobby", erklärt er seine tiefe innere Überzeugung,

"sie sind keine Wähler und keine Verbraucher - sie haben nur

uns."

Für die Befriedigung menschlicher Bedürfnisse sterben Millionen

Tiere pro Tag, werden geschlachtet, geschächtet, nach

Versuchen getötet. "Es ist Mord an Lebewesen", sagt Bernd

Stephan, "und wir beschönigen ihn, weil wir die Tiere essen."

Wer gibt uns das Recht, ein Tier, Millionen Tiere zu töten und

wer das Recht, uns die Erde untertan zu machen? fragt er, der

seit dem 35. Lebensjahr

seine, für

viele Zeitgenossen

unbequeme, Einstellung,

lebt.

69 Jahre ist der

Tierschützer in

diesem Jahr geworden,

und er erinnert

sich genau,

wann sein Bewusstsein

für die

Belange von Tieren

in ihm erwachte

und so laut wurde,

dass er bis heute seine gesamte Kraft, Zeit und nicht

zuletzt sein Geld in den Tierschutz einbringt.

"Tiere sind meine Brüde

BERND STEPHAN, SCHATZMEISTER DES

Kurz vor Weihnachten

trat der damals

junge Mann an seinen

Briefkasten und

zog einen Flyer heraus.

Er zeigte ein Tier

in der Schnappfalle

und im Text wurde erwähnt,

dass die gefangenen

Pelztiere in

höchster Not ihre Gliedmaßen

abbeißen, um sich zu befreien…

"Du wirst dich kümmern", sagte sich der aufstrebende Unternehmer

und übernahm im Laufe der Jahre immer mehr Aufgaben

und Verpflichtungen, einzig beseelt von dem Gedanken,

Tieren beizustehen.

Seine Bernd-Stephan-Tierschutz-Stiftung unterstützt

mehrere Tierheime im Ausland, Gnadenbrothöfe und weitere

Tierheime in Deutschland. Seit 20 Jahren ist er Mitglied des

bmt und einer seiner größten Förderer. Bernd Stephan, der

von 1993 bis 1997 schon einmal Schatzmeister des bmt war,

hat vier Ehrenämter inne. Die französische Tierschutzorganisation

"Sans Collier Provence" in Gareoult hat ihn unlängst

zu ihrem Ehrenpräsidenten ernannt.

"Wir haben zwei Augen, Ohren, gute Laune, empfinden

Angst, Schmerz und Verlust; wir unterscheiden uns nicht sehr

von den Tieren", erklärt Bernd Stephan, "aber diese Erkenntnis

tut weh, denn sie fordert uns - und dazu sind wir oft nicht

bereit."

Würden Sie Ihren Hund essen?, fragt er provokativ und

kommt noch einmal auf einen Widerspruch, eine Gedan-


und Schwestern"

bmt

kenlosigkeit zu sprechen, von dem auch erklärte

Tierfreunde nicht frei sind. Das eigene

Tier zu schützen, ihm das Recht auf Leben

zuzugestehen, dasselbe Recht jedoch

einem so genannten Nutztier abzusprechen.

"Jedes Tier", sagt Bernd Stephan, "will

leben, wie Sie und ich auch. Warum haben

Kälber und Lämmer keine Chance zu leben,

warum nicht?"

In der Tat, der Kummersessel von Bernd Stephan

hat viel erlebt in den letzten Jahrzehnten,

denn auch der Unternehmer weiß,

dass seine Hilfe, und

sei sie noch so groß,

nur ein Tropfen auf

den heißen Stein

sein kann. Und darum

trägt der sensible

Tierschützer Bilder

oft in die Nacht

hinein, die er nicht

vergessen kann. Von

einer Welt, die mit

den Tieren umgeht, als

seien sie leblose Dinge…

"Wer weiß, was mit den Tieren geschieht,

kann sich nicht verweigern",

sagt der 69jährige Unternehmer und

ist sich bewusst, dass er nur ein glücklicher

Mensch in der Rolle des Helfers

sein kann. "Wir haben den Verstand

bekommen", sagt er, "das Geschenk

der längeren Lebenszeit - das sind Privilegien,

die wir nutzen müssen. Wir

dürfen keine Ausbeuter gegenüber

den Schwachen sein, wir müssen ihnen

beiseite stehen."

Und weil Bernd Stephan seine Maxime

immer und überall leben möchte,

plant er, aus seinem neu erworbenen

Haus im Münsterland einen kleinen

Gnadenhof zu machen. "Nur drei

Schafe", beschwichtigt er seiner ebenfalls

berufstätigen Frau gegenüber,

der erst einmal zwei Tierheimhunde

genug wären. Nachdem sein geliebter

Tibet-Terrier starb, war es dem Bad Homburger unmöglich,

an einen neuen Hund zu denken. Sein Haus ist mit Bildern

voller Erinnerungen an Lou (siehe Bild), und noch heute fällt

es Bernd Stephan sichtbar schwer, die Abwesenheit des

Freundes als Dauerzustand zu akzeptieren.

Wie es ihm überhaupt schwer fällt, Zustände zu akzeptieren,

die unrecht sind. "In meinen jungen Jahren", bekennt er, "habe

ich Tiere befreit, die leiden mussten - und es war richtig

so, weil es immer wieder und nur um jedes einzelne Lebewesen

gehen muss. Darin sehe ich meine Lebensaufgabe."

Durch Spenden und Testamente

Tieren helfen

"Denken Sie an die Tiere", bittet Schatzmeister Bernd Stephan. Es gibt mehrere

Wege, Tieren zu helfen und den Tierschutz zu fördern: Seit 1.1.2007 "belohnt"

das Finanzamt Spender: Bis zu 20% des zu versteuernden Einkommens (früher

5%) können nun von der Steuer abgesetzt werden.

Beispiel: Bei einem Jahresverdienst von 30.000 Euro können bis zu 6000 Euro

steuerbegünstigt gespendet werden. Das zu versteuernde Einkommen verringert

sich entsprechend auf 24.000 Euro.

Neben diesem durchaus interessanten Anreiz der Steuerminderung zu Lebzeiten,

ist es auch möglich, Tiere über den eigenen Tod hinaus im Testament zu

bedenken. Der bmt kann als Alleinerbe oder Vermächtnisnehmer (für einen Teil

des Erbes) eingesetzt werden.

Im Fall einer Erbschaft muss der bmt keine Steuern zahlen, weil er als gemeinnütziger

und besonders förderungswürdiger Verein von der Erbschafts- und

Schenkungssteuer befreit ist. Jede Spende und testamentarische Zuwendung an

den bmt kommt somit zu 100% den Tieren zugute.

Wir danken Ihnen für Ihre Hilfsbereitschaft

und Ihr Vertrauen in unsere Arbeit. Wenn

Sie Fragen zum Thema Spenden oder

Nachlass haben, wenden Sie sich bitte an

unseren Schatzmeister Bernd Stephan

(Telefon 06172/ 13 88 026)

Gerne können Sie auch die bmt-Testamentsbroschüre

beziehen unter:

Bund gegen Missbrauch der Tiere e.V.

Hauptgeschäftsstelle

Viktor-Scheffel-Straße 15

80803 München

Tel.: 089 / 38 39 52 - 0

Text: Claudia Lotz

Das Recht der Tiere 4/2009

5


Das Recht der Tiere 4/2009

6

T ITELTHEMA

VIDEODOKUMENTATION

PUTENMAST

Gemeinschaftsproduktion

von bmt und Deutschem

Tierschutzbüro

Allein in Deutschland werden pro

Jahr ca. 49 Millionen Puten verzehrt

- ein ungeheurer Verbrauch,

der in den Adventstagen noch einmal

kräftig ansteigt. Seit 1998 hat

sich der Verkauf von Putenfleisch

nahezu verdoppelt, nicht zuletzt

aufgrund des geringen Preises.

Doch kaum ein Verbraucher weiß,

wie grausam die Haltung und

Schlachtung von Puten tatsächlich

ist. Großkonzerne und Lobbyvereinigungen

lassen keinen Blick hinter

die Kulissen zu und täuschen

tierschutzgerechte Bedingungen

vor, die nicht der Wirklichkeit entsprechen.

Nun hat der bmt in Zusammenarbeit

mit dem Deutschen

Tierschutzbüro hinter die "glänzende

Fassade" der Putenmäster geschaut

und aus diesen schockierenden

Bildern die Videodokumentation

"Putenalltag - Zu Tode gemästet"

erstellt. Im Interview beleuchtet

Dr. Jörg Styrie, Vorstandsvorsitzender

des bmt, die Zusammenhänge

für die Zuschauer. Bmt-

Mitglieder können die Dokumentation

zu einem Vorzugspreis von

7,99 Euro beim Deutschen Tierschutzbüro

bestellen.

Wie werden Puten in Deutschland

üblicherweise gehalten?

Dr. Jörg Styrie: Leider nicht unter tierschutzgerechten

Bedingungen. Nahezu

10 Millionen Mastputen werden durch-

ZU TODE GEMÄSTET -

schnittlich in Deutschland gehalten,

mehr als die Hälfte in Niedersachsen.

Die Tiere werden in sehr großen Gruppen

(bis zu 20.000) auf dem Boden gehalten.

Damit sich die beengt lebenden

Puten nicht gegenseitig verletzen, wird

ihnen der Schnabel gekürzt. Federpicken

oder Kannibalismus sind gängige

Verhaltensstörungen unter industriellen

Mastbedingungen.

Weil die Putenrasse, die grundsätzlich

für diese Mastform verwendet wird, extrem

rasch an Gewicht zunimmt, wird

es für die stetig wachsenden Tiere immer

enger. Das Körpergewicht der Pute

erhöht sich in den ersten 12 Lebenswochen

etwa um das 300-fache!

Viele Tiere bekommen X- oder O-Bei-

ne, ihre Sehnen reißen. Durch den

stark entwickelten Brustmuskel können

sie das Gleichgewicht nicht mehr halten,

so dass zum Mastende hin die armen

Tiere bewegungsunfähig auf dem

Boden liegen - ein fürchterlicher Anblick!

Es ist unstrittig, dass die Bedingungen

der industriellen Putenmast indiskutabel

und tierschutzwidrig sind. Und das

Unglaubliche daran: Obwohl diese

nicht hinnehmbaren Haltungsbedingungen

mit ihren gesundheitlichen Folgen

für die Puten seit vielen Jahren wissenschaftlich

dokumentiert sind, hat es

die Agrarlobby bis heute geschafft,

dass die Politik diese tierschutzwidrigen

Zustände duldet.


T ITELTHEMA

PUTENALLTAG IN DEUTSCHLAND

Wo sehen Sie Handlungsbedarf?

Dr. Jörg Styrie: Wir brauchen konkrete

rechtliche Bedingungen für die Putenmast,

die eine tiergerechte Haltung

gewährleisten. Bislang fehlen hier

rechtlich verbindliche Tierschutzvorgaben.

Es existiert lediglich eine Empfehlung

von 2001 zum Schutz von Puten

im Rahmen des Europäischen Übereinkommens

zum Schutz von Tieren in

landwirtschaftlichen Tierhaltungen.

Kernforderungen wären:

1. Besatzdichten von max. 1-2 Puten/qm,

die das Wohlbefinden der Puten

gewährleisten.

2. Freier Zugang zum Auslauf im

Freiland mit Möglichkeiten zur Be-

schäftigung, zum Scharren, Picken,

Sandbaden, Aufbaumen etc..

3. Kein prophylaktisches Schnabelkürzen,

weil die Puten in artgerechter

Haltung keine Verhaltensstörungen wie

Federpicken oder Kannibalismus entwickeln.

Unumgänglich ist ein Umdenken in der

Putenzucht, weg von der Monopolisierung

und weg von genetischen Einbahnstraßen.

So liegt der weltweit vorhandene

Gen-Pool der Putenwirtschaft

derzeit in den Händen von nur vier

Unternehmen (Nicholas/USA, British

United Turkeys/Großbritannien, Hybrid/Kanada

und Betina/Frankreich).

Zuchtziele sollten in erster Linie Tierge-

sundheit, Langlebigkeit, Robustheit und

Stressresistenz sein. Und dies auf einer

möglichst breiten genetischen Basis,

um Gendefekte und geninduzierte Erkrankungen

zu vermeiden. Bronzeputen

z.B. sind eine langsam wachsende,

robuste Putenrasse ohne zuchtbedingte

Probleme des Bewegungsapparates.

Sie sind vital und widerstandsfähig und

können tiergerecht gehalten werden.

Wir brauchen eine bessere Verbraucheraufklärung.

Den meisten Verbrauchern

ist nicht bewusst, unter welchen

katastrophalen Bedingungen Puten gehalten

werden. Dass solche Aufklärungsarbeit

Erfolg haben kann, zeigt

sich eindrucksvoll an der Diskussion

um Käfigeier.

Das Recht der Tiere 4/2009

7


Das Recht der Tiere 4/2009

8

T ITELTHEMA

Kann ihr Gewicht nicht tragen

Die Videoaufnahmen zeigen einen

massiven Einsatz von Antibiotika.

Laut Gesetz ist dies seit

wenigen Jahren verboten, warum

kommt es dennoch dazu?

Dr. Jörg Styrie: Seit Anfang 2006 ist in

der EU der Einsatz von Antibiotika als

"Leistungsbeschleuniger" in der Tiermast

generell verboten. Lediglich beim

Verdacht auf eine Erkrankung dürfen

Tiere Medikamente bekommen.

Doch dabei werden oftmals nicht einzelne

Puten behandelt, sondern ganze

Herden. Diese Handhabe öffnet dem

unnötigen und keinesfalls unproblematischen

Einsatz von Antibiotika Tür

und Tor. Nicht selten werden deshalb

Putenbestände unter dem Deckmantel

einer tierärztlichen Indikation während

der gesamten Mastdauer mit Medikamenten

behandelt. Klar ist, dass diese

Wirkstoffe neben dem heilenden auch

einen leistungsfördernden Effekt haben

- so wie beim Doping auch.

Wenn man sich die Website der

Lobbyvereinigung "Deutsche Pute"

ansieht, könnte man insbesondere

bei den Fotoaufnahmen

den Eindruck erhalten, dass es

der deutschen Mastpute recht

gut geht, wie sehen Sie das?

Dr. Jörg Styrie: Es wundert nicht, dass

sich die Agrarlobby gerne von ihrer

"Schokoladenseite" zeigt und ausschließlich

gesunde Tiere in Mustereinrichtungen

ablichten lässt. Klar ist allerdings,

dass diese Bilder mit der

Wirklichkeit nicht viel zu tun haben, wie

auch die Videodokumentation des

Deutschen Tierschutzbüros plastisch

vor Augen führt.

Bedauerlich ist der völlig unkritische

Umgang mit den desolaten Haltungsbedingungen

auf der Webseite. Anstatt

zu den Problemen offen zu stehen, wird

der Haltungsstandard als "einzigartig

in Europa" gelobt und auf völlig überalterte

Eckwerte einer freiwilligen Vereinbarung

mit dem Landwirtschaftsministerium

von 1999 verwiesen. So wäre

es wünschenswert, wenn der Verband

Aussagen machen würde, wie hoch die

Tierverluste sind oder wie viel Tonnen

an Antibiotika pro Jahr von seinen Mitgliedern

eingesetzt werden.

Warum gibt es keine gesetzliche

Haltungsverordnung?

Dr. Jörg Styrie: Gesetzliche Haltungsverordnungen

gibt es derzeit nur für

die großen Gruppen landwirtschaftlicher

Nutztiere: Hühner, Schweine,

Rinder. Nationale Regelungen für andere

Tierarten werden gescheut, weil

Die 20-minütige Videodokumentation "Putenalltag - zu

Tode gemästet" können Sie über den Shop des Deutschen

Tierschutzbüros unter www.tierschutz-videos.de

oder per - Telefon: 0221-20463862,

- E-Mail: info@tierschutzbuero.de

für 14,99 € plus Versandkosten bestellen.

Exklusiv für bmt-Mitglieder:

bmt-Mitglieder erhalten die Dokumentation für ermäßigte

7,99 € (plus Versand). Bei der Bestellung bitte den

Rabattcode “454599g” angeben.

man vor dem Hintergrund des internationalen

Warenverkehrs wirtschaftliche

Nachteile aufgrund der gegebenenfalls

strengeren Vorgaben befürchtet.

Deshalb geht die Tendenz auch in der

deutschen Landwirtschaftspolitik eindeutig

in Richtung 1:1-Umsetzung von

europarechtlichen Vorgaben. Mit derzeit

27 Mitgliedern dauert es aber auf

Europaebene Jahre, bis man sich zumindest

auf einen Minimalkonsens einigen

kann, der dann die Tierschutzsituationen

auch nicht deutlich verbessert.

Hier wäre es wünschenswert, wenn

man in Deutschland und anderen europäischen

Ländern hohe Tierschutzstandards

als nationalen Wettbewerbsvorteil

erkennt, weil die so erzeugten

Lebensmittel beim Verbraucher ein positives

Image haben und höhere Erlöse

am Markt erzielen können.

Die Lobby Deutsche Pute

und ihre "freiwillige Selbstverpflichtung"

Der interessierte Verbraucher wird von der größten Lobbyvereinigung "Deutsche

Pute" gerne auf eine freiwillige Selbstverpflichtung hingewiesen, welche unter

Federführung des zuständigen Bundesministeriums sowie verschiedener Tierschutzbündnisse,

außerdem von Vertretern der großen deutschen Geflügelverbände

verfasst wurde.

Diese Vereinbarung soll bundeseinheitliche Eckwerte von Masthühnern und -Puten

bieten, nach Angaben der Geflügellobby wird sie von allen deutschen Geflügelmästern

mitgetragen und anerkannt. Besonders betont wird darin der Tierschutzgedanke,

der negative Begriff "Massentierhaltung" sei in der Geflügelwirtschaft

fehl am Platz. Unter anderem soll die Vereinbarung die Besatzdichte beschränken,

den Verzicht auf prophylaktische Gabe von Antibiotika zur Leistungssteigerung

unterstreichen sowie allgemein für eine artgerechte Haltung stehen. Im

Einzelnen bedeutet dies etwa eine angemessene tierärztliche Betreuung, ausreichend

Zugang zu Nahrung und Wasser und einwandfreie Hygienebedingungen.

VIDEODOKUMENTATION PUTENMAST


GEGEN DEN ILLEGALEN WELPENHANDEL!

Im Pappkarton oder aus dem

Kofferraum, auf Parkplätzen,

Tankstellen und Wochenmärkten

werden sie angeboten: Welpen

aus Osteuropa zum Schnäppchenpreis.

Nur wenige Wochen alt,

viel zu früh von der Mutter getrennt,

halb verhungert, oftmals

krank und ohne die notwendige

Impfung warten die zitternden

Hundebabys auf einen Käufer.

Seit der EU-Osterweiterung und dem

Wegfall der Außengrenzen hat der illegale

Handel mit Hunden aus den Ländern

des ehemaligen Ostblocks

sprunghaft zugenommen. Das skrupellose

Geschäft mit der "Ware Hund" hat

inzwischen mafiaartige Strukturen angenommen

und weist ähnliche Gewinnspannen

auf wie der Zigarettenoder

Drogenschmuggel. In Zeitungsanzeigen

und besonders im Internet

lockt die Hundemafia mit Dumpingpreisen

für Rassehundwelpen. Vielfach

kaufen die Interessenten einen kleinen

Welpen auch aus Mitleid, um ihm ein

liebevolles Zuhause zu geben, doch gerade

dieses Mitgefühl ist einkalkuliert,

denn es steigert die horrenden Gewinne

der Hundevermehrer und gefährdet

darüber hinaus weitere Hundeleben.

Die "Produktion" der Welpen kostet in

den osteuropäischen Ländern wenig.

In ehemaligen LPG-Betrieben, Schuppen,

Kellern und Hinterhöfen werden

Hündinnen als Gebärmaschinen missbraucht,

bis sie völlig ausgezehrt sind.

Ein Hundeleben zählt dabei nichts. Aus

Profitgier erhalten weder Muttertier

noch Welpen ausreichendes Futter, Bewegung,

Auslauf, Kontakt- und Erkundungsmöglichkeiten.

Häufig sehen die

Hunde nicht einmal das Tageslicht.

Nein zum Handel

mit Billigwelpen!

Unter dem Slogan "Wühltischwelpen -

nein Danke!" hat der Bund gegen Missbrauch

der Tiere e.V. (bmt) daher zu-

Welpen zu Dumpingpreisen

A KTUELL

TASSO, bmt UND ETN STARTEN GEMEINSAME KAMPAGNE

sammen mit Tasso e. V. und dem Europäischen

Tier- und Naturschutz e.V.

(ETN) eine Kampagne gegen den unseriösen

Handel mit Hundewelpen gestartet.

Ziel der breit angelegten Aufklärungsoffensive

ist es, die Hintergründe

des illegalen und grausamen Hundehandels

offen zu legen und damit das

zehntausendfache Tierleid zu beenden.

Tasso, bmt und ETN haben gemeinsam

ein Positionspapier als Orientierungshilfe

erstellt, um Interessenten die Möglichkeit

zu geben, seriöse Tierschutzorganisationen,

die Welpen vermitteln, zu

erkennen.

Diese Orientierungshilfe und die zur

Kampagne gehörende Postkarte (siehe

oben) zur Aufklärung über den unseriösen

Welpenhandel erhalten Sie über

www.bmt-tierschutz.de, www.tasso.net

und www.etn-ev.de.

Neben der Aufklärung bieten die drei

Tierschutzorganisationen den Betroffenen

Hilfestellung, um ihre Erfahrungen

mit den Machenschaften der Hundemafia

öffentlich zu machen und so andere

vor einer solchen Kaufentscheidung

zu schützen. Geschädigte Käufer

finden unter www.tasso.net ein Formular,

um ihre Erlebnisse mit unseriösen

Hundehändlern öffentlich zu machen.

Text: Mike Ruckelshaus

Das Recht der Tiere 4/2009

9


Das Recht der Tiere 4/2009

10

A KTUELL

Welche Bilder gehen Ihnen durch den

Kopf, wenn Sie von einem Bauernmarkt

hören? Richtig, regional angebautes Obst

und Gemüse, frei von Pestiziden und chemischen

Düngemitteln, Produkte von artgerecht

gehaltenen Tieren und Verkäufer,

die aus Liebe zu Tieren und der Natur in

der Landwirtschaft arbeiten ...

Dass auf den zahlreichen, deutschlandweiten

Bauernmärkten - wie auf Tiermärkten

auch - Tiere verkauft werden,

ahnen die wenigsten Verbraucher. Und

noch schlimmer: Die Tiere werden häufig

Kaninchen und “Nutzgeflügel” ohne Trinkwasser

unter Bedingungen angeboten, die grobe

Tierschutzverstöße darstellen.

Deutsche Tier- und Bauernmärkte - kaum ein Unterschied zu den überfüllten asiatischen Märkten, die

wegen ihrer fürchterlichen Präsentationsbedingungen für Tiere jeglicher Art bekannt sind?

Torsten Schmidt, wissenschaftlicher Mitarbeiter des bmt, hat den Bauernmarkt Eckenhagen besucht,

nachdem Ehrenamtliche des Tierheims Köln-Dellbrück auf die fatalen Haltungsbedingungen aufmerksam

gemacht hatten. Seinen Bericht lesen Sie hier:

Glaubt man den Aussagen von Politikern

besitzt der Tierschutz in Deutschland

im europäischen Vergleich geradezu

eine Vorbildfunktion. Diese

Aussage dient jedoch oft als Argument,

um berechtigte Forderungen von Tierschutzverbänden

zu verhindern.

Dass man grundsätzlich skeptisch sein

sollte, wie es um den Tierschutz in

Deutschland bestellt ist, zeigt sich,

wenn man Tier- oder Bauernmärkte in

Deutschland besucht. Die Veranstaltungen

finden meist an Wochenenden

statt, häufig unter freiem Himmel. Auf

diesen Märkten werden Tiere unterschiedlichster

Arten und Rassen angeboten,

getauscht und verkauft. Obwohl

Tier- und Bauernmärkte von den zuständigen

Veterinärbehörden genehmigt

und ihre ordnungsgemäße Durchführung

kontrolliert werden muss, sind

grobe Tierschutz-Verstöße an der Tagesordnung.

Wie kann das sein?

Allein die große Anzahl der untereinander

fremden Tiere, die auf engem

Raum in oft kleinsten Behältnissen präsentiert

werden, und ein hoher Besu-

cherandrang stellen eine erhebliche

Belastung für die Tiere dar. Man meint,

einen der Tiermärkte Osteuropas oder

Asiens vor sich zu haben, in denen die

schreckliche Degradierung von Tieren

zur Ware ihren

Höhepunkt erreicht.

Doch auch auf

deutschen Tiermärkten

muss

man nicht zwingend

davon ausgehen,

dass eine

hinreichende

fachliche Beratung

stattfindet -

und so gehören

Spontankäufe

und völlig unüberlegte Anschaffungen

von Tieren zur Tagesordnung und werden

von den Anbietern bewusst einkalkuliert.

Der bmt lehnt diesen Handel

mit Tieren, der manigfaches Leid nach

sich zieht, strikt ab!

Da es keine rechtsverbindlichen Regelungen

zur Durchführung derartiger

Tiermärkte i

Überbelegte enge Käfige

WO DASTIER ZUR WARE

Veranstaltungen gibt, wurden auf

Druck des bmt und anderer Tierschutzorganisationen

vom Bundesministerium

für Ernährung, Landwirtschaft und

Verbraucherschutz (BMELV) im Jahre

2006 "Leitlinien

zur Ausrichtung

von Tierbörsen

unter Tierschutzgesichtspunkten"

(so genannte Börsenleitlinien)erarbeitet.

Allerdings

ist festzustellen,

dass selbst die

festgehaltenen

Minimalanforderungen

in der Praxis

von Veranstaltern

und Veterinärbehörden nicht nur

großzügig interpretiert, sondern teilweise

sogar ignoriert werden!

Zurück zum Bauernmarkt Eckenhagen:

Ehrenamtliche Mitarbeiter des bmt-

Tierheims in Köln-Dellbrück dokumentierten

auf dem Bauernmarkt in Ecken-

Kontrollbesuch des bmt mit


n Deutschland

DEGRADIERT WIRD

hagen (Nordrhein-Westfalen) zahlreiche

Missstände. Der bmt nahm sofort

Kontakt zum zuständigen Amtsveterinär

auf. Auf Drängen des bmt wurde

vereinbart, den nächsten Bauernmarkt

in Eckenhagen gemeinsam mit dem

Veterinäramt zu besuchen. Anschließend

sollten mit dem Veranstalter Lösungsmöglichkeiten

gesucht werden.

Obwohl der Veranstalter rechtzeitig vor

unserem Besuch Anfang Oktober

unterrichtet wurde und er genügend

Zeit gehabt hätte, Missstände abzustellen,

war die Zahl der tierschutzwidrigen

Verstöße erschreckend hoch (siehe Kasten).

Positiv zu werten ist, dass einige Verbesserungsvorschläge

in unserem Beisein

sofort umgesetzt wurden. So untersagten

Amtsveterinär und Veranstalter

ab sofort den Verkauf von kupierten

Hunden. Der Veranstalter veranlasste

zudem, dass aus überbelegten Käfigen

Vögel in andere Käfige umgesetzt wurden,

um die Besatzdichte auf ein akzeptableres

Niveau zu verringern.

Besonders bemerkenswert ist, dass es

nun für den Tiermarkt in Eckenhagen

erstmalig in seiner 24jährigen Geschichte

eine Marktordnung gibt, in der

grundlegende Tierschutzvorgaben wie

Käfigmindestgrößen, Transport und

Versorgung der Tiere festgehalten werden

sollen. Die Marktordnung orientiert

sich deutlich an den Vorgaben der

Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz

("Richtlinien für Kleintiermärkte/börsen",

Merkblatt Nr. 87), auch wenn

die Vorgaben von den Ausstellern nicht

komplett eingefordert werden.

dem Veterinäramt auf Bauernmarkt im Oktober

Folgende Änderungen wurden gemeinsam

vereinbart: Die neue Marktordnung

wird künftig allen Anbietern

persönlich ausgehändigt. Denn das

bloße Aushängen der Marktordnung

am Eingang reicht nach Ansicht des

bmt nicht aus, um davon ernsthaft Notiz

zu nehmen. Es muss darauf geachtet

werden, dass allen Tieren Wasser

angeboten wird. Außerdem soll eine

Absperrung die Besucher auf Abstand

zu den Verkaufskäfigen halten.

In einigen Punkten konnten wir uns bislang

jedoch nicht durchsetzen, z.B.

dass grundsätzlich keine Hunde und

Katzen angeboten werden dürfen und








Ein Höchstmaß an Tierquälerei

Ziervögel nur in einem geschlossenen

Gebäude verkauft werden sollten.

Sicherlich stehen wir in Eckenhagen

noch am Anfang. Der bmt hat sich jedoch

die Aufgabe gestellt, die Marktsituation

über eine längere Zeit zu beobachten,

um einerseits sicherzustellen,

dass die angekündigten Verbesserungen

tatsächlich konsequent umgesetzt

werden und - gemäß dem Motto "steter

Tropfen höhlt den Stein" - weitere

Verbesserungen über Veterinäramt und

Veranstalter zu erreichen.

Fotos: Torsten Schmidt

Bilanz der tierschutzwidrigen Verstöße

Bei Kaninchen und "Nutzgeflügel" (Hühner, Tauben, Enten, Wachteln,

Schwänen) fehlte bei nahezu jedem Aussteller Trinkwasser. Das bedeutet:

Die Tiere konnten mindestens acht Stunden (Zeit des Hin- und Rücktransportes

mitgerechnet) keine Flüssigkeit aufnehmen - ein untragbarer Zustand und

ein klarer rechtlicher Verstoß gegen tierschutzrechtliche Bestimmungen.

Der Verkauf von Papageien und Kanarienvögeln fand entgegen der klaren

Vorgabe der Börsenleitlinie des BMELV nicht in geschlossenen Räumen, sondern

im Freien statt. Entweichen

Vögel beim Verkauf, besteht keine

Chance, sie wieder einzufangen.

Es bestand fast nie eine (schützende)

Absperrung zwischen Besuchern

und Verkaufskäfig.

Bei einigen Anbietern saßen Kanarienvögel

und Tauben in Käfigen,

die aufgrund ihrer geringen Maße zur Haltung ungeeignet waren.

U.a. standen Verkaufskäfige auf dem Boden, nicht in Tischhöhe, wie empfohlen,

um den Stress der Tiere zu minimieren.

Der Witterungsschutz war ebenfalls bei einem Großteil der Anbieter so ungenügend,

dass Wind und Regen die Tiere sofort durchnässt hätten.

Die Besatzdichte war bei allen Käfigen mit so genanntem Nutzgeflügel zu

hoch.

Es wurden kupierte Hunde angeboten.

Das Recht der Tiere 4/2009

11


Das Recht der Tiere 4/2009

12

T IERSCHUTZPOLITIK I

TIERSCHUTZ IN DEUTSCHLAND NACH DER WAHL

AUSWIRKUNGEN ... UNTERLAUFEN DER DEN WAHLERGEBNISSE TIERSCHUTZ AUF DEN TIERSCHUTZ

IM BUND

"Tierschutz im Einklang mit

der Wirtschaftlichkeit

voranbringen"

Der Koalitionsvertrag zwischen CDU,

CSU und FDP für die 17. Legislaturperiode

misst dem Tierschutz eine "zentrale

Bedeutung" bei. Verantwortlich für

das Bundeslandwirtschaftsministerium

und somit zuständig für den Tierschutz

bleibt weiterhin Ilse Aigner (CSU).

Union und FDP wollen sich für artgerechte

Tierhaltung einsetzen und "den

Tierschutz in der landwirtschaftlichen

Nutztierhaltung im Einklang mit der

Wirtschaftlichkeit voranbringen." Darü-

Ilse Aigner: Qualvolle Tiertransporte

nach Lybien abgesegnet

ber hinaus lehnen die Koalitionäre die

Patentierung landwirtschaftlicher Nutztiere

ab.

Das Bundesjagdgesetz soll in seiner jetzigen

Form erhalten bleiben, ein Verbot

des Haustierabschusses und der Fallenjagd

ist folglich nicht beabsichtigt.

Zur Verringerung von Tierversuchen

soll die Entwicklung von Ersatzmethoden

weiter gefördert werden. Tiertransportzeiten

in der EU sollen weiter begrenzt

werden. Konkrete Maßnahmen

hierzu werden jedoch nicht genannt.

Dagegen hat das Bundeslandwirtschaftsministerium

erst vor wenigen

Monaten eine Vereinbarung mit Libyen

unterzeichnet (das RdT berichtete in seiner

Ausgabe 3/2009), die vorsieht, lebende

Rinder von Deutschland aus auf

einen tagelangen, qualvollen Transport

in das Wüstenland zu schicken, wo sie

anschließend geschächtet werden.

BRANDENBURG

"Keine Patentierung

von Tierarten"

Eine rot-rote Koalition aus SPD und

LINKEN wird künftig in Brandenburg

regieren. Auf der politischen Agenda

der neuen Landesregierung spielt der

Am 27. September haben die Bürgerinnen und

Bürger in Deutschland einen neuen Bundestag

gewählt. In den fünf Bundesländern Brandenburg,

Saarland, Sachsen, Schleswig-Holstein und

Thüringen haben die Wähler zusätzlich über die

neue Zusammensetzung ihrer Landtage entschieden.

Inzwischen haben sich die Parlamente

neu konstituiert, die Regierungen sind vereidigt,

und die Parteitage haben den Koalitionsvereinbarungen

zugestimmt. Doch was bedeuten die

einzelnen Koalitionsverträge für den Tierschutz?

Der bmt gibt einen Überblick über die Koalitionsvereinbarungen

der neuen Bundesregierung

und der neu gewählten Landesregierungen

von Brandenburg, Saarland, Sachsen, Schleswig-

Holstein und Thüringen.

Tierschutz eine untergeordnete Rolle.

In dem 61seitigen Koalitionsvertrag für

die 5. Wahlperiode des Brandenburger

Landtages befindet sich hierzu lediglich

ein Satz: "Die Landesregierung wird

sich gegen die Patentierung von Tierarten

einsetzen."

SAARLAND

"Einführung der Verbandsklage

und Verbot des

Haustierabschusses"

Erstmalig in Deutschland wird im Saarland

eine Jamaika-Koalition aus CDU,

FDP und Bündnis 90/Die Grünen ein

Bundesland regieren. Nach dem Koalitionsvertrag

für die 14. Legislaturperiode,

in dem der Tierschutz äußerst

umfangreich und teilweise sehr detailliert

berücksichtigt wird, sollen "Tiere

nicht nur als Nutzobjekte behandelt

werden, sondern (…) ihnen um ihrer

selbst willen Schmerz und Leid erspart

bleiben" und sie sollen "artgerecht leben

dürfen."

Nach Bremen will auch das Saarland

die Verbandsklage für anerkannte Tierschutzverbände

einführen. Neben der

"Weiterführung und Verbreiterung der

artgerechten Tierhaltung" in der Landwirtschaft

soll der Vollzug gestärkt und


Phönix Kleintierbestattungszentrum

Peckelsheim

In unserem Tierkrematorium gibt es

zwei Möglichkeiten der Einäscherung:

Bei der Einzeleinäscherung wird ausschließlich

nur ein Haustier eingeäschert,

der Tierbesitzer kann nach der

Einäscherung die Asche seines Tieres in

einer schönen Urne mit nach Hause

nehmen. Bei der Übergabe der Urne

ein/eine ehrenamtliche/r Landesbeauftragte/r

berufen werden.

Vorgesehen ist weiter die Novellierung

des Jagdgesetzes vor dem Hintergrund

neuer wild-biologischer Erkenntnisse.

Der Abschuss von Hunden und Katzen,

die Ausbildung von Jagdhunden an lebenden

Tieren und die Fallenjagd werden

"aus überwiegendem Interesse des

Tierschutzes" abgeschafft. Darüber hinaus

erhält der Fuchs eine halbjährige

Schonzeit. In der Biosphärenregion

Bliesgau wird ein Modellprojekt "Bejagungsverbot

Fuchs" umgesetzt und wissenschaftlich

begleitet.

SCHLESWIG-HOLSTEIN

"Abschaffung der Rasseliste und

Verbot der Wildtierhaltung im

Zirkus"

Im nördlichsten Bundesland sehen sich

die Regierungsparteien CDU und FDP

in ihren Koalitionsvereinbarungen für

die 17. Legislaturperiode des Schleswig-Holsteinischen

Landtags "dem

Tierschutz besonders verpflichtet."

Bestehende Rechtsgrundlagen sollen

zur Verbesserung des Tierschutzes

"evaluiert und ggf. angepasst" werden.

Die Bürgerinnen und Bürger sollen vor

"verantwortungslosen Hundehaltern"

geschützt werden. Nach Ansicht von

CDU und FDP hat sich die Rasseliste

"dafür als nicht geeignet erwiesen und

wird daher im Gefahrhundegesetz abgeschafft."

Weiter setzt sich die Koalition "dafür

ein, dass die Zahl der Tierversuche das

erhält der Tierbesitzer eine Urkunde mit

dem Einäscherungsdatum und dem

Namen seines Tieres.

Bei der Sammeleinäscherung werden

mehrere Tiere gleichzeitig eingeäschert,

und die Asche wird anschließend auf

unserer Streuwiese ausgestreut.

Auf Wunsch kann die Urne auf unserem

Tier- und Urnenfriedhof beigesetzt werden.

Wir beraten Sie gerne!

notwendige Maß nicht überschreitet."

Darüber hinaus wird sich die schwarzgelbe

Landesregierung "für ein Haltungsverbot

von Wildtieren in Zirkusbetrieben

einsetzen." Eine Novellierung

des Jagdgesetzes ist ebenfalls vorgesehen,

Einzelheiten werden jedoch nicht

genannt.

Schleswig-Holstein für Haltungsverbot

von Wildtieren in Zirkussen

SACHSEN

"Schutz der Tiere im Koalitionsvertrag

nicht berücksichtigt"

Kein Thema ist der Tierschutz im Vertrag

zwischen CDU und FDP über die

Bildung der Staatsregierung für die

Phönix

Kleintierbestattungszentrum

Peckelsheim GmbH

Helmernsche Straße 20

34439 Willebadessen

Tel: 05644 - 98 15 66 . Fax: 98 15 68

kontakt@phoenix-kleintierbestattungen.de

www.phoenix-kleintierbestattungen.de

Fünfte Legislaturperiode des Sächsischen

Landtages. In den 57 Seiten umfassenden

Koalitionsvereinbarungen

wird der Tierschutz nicht berücksichtigt,

selbst das Wort "Tierschutz" wird in dem

Vertragswerk nicht erwähnt.

THÜRINGEN

ANZEIGE

"Angemessene Unterstützung

des Tierschutzes"

Für die Regierungskoalition aus CDU

und SPD ist der Tierschutz "eine wichtige

Aufgabe". Der Koalitionsvertrag für

die Fünfte Legislaturperiode des Thüringer

Landtages weist auf die unerlässliche

Arbeit der Tierschutzvereine

und Tierheime "vor allem für den

Schutz der Haustiere" hin.

Die Regierungsparteien werden sich

"für eine angemessene Unterstützung

des Tierschutzes in Thüringen" einsetzen.

Weiter setzen sich CDU und SPD

"für eine artgemäße, ethisch vertretbare

und umweltverträgliche Tierhaltung

ein." Gleichzeitig sehen die Vereinbarungen

jedoch eine Förderung der

"wertschöpfungsorientierten Tierhaltung"

vor.

Text: Mike Ruckelshaus

ANZEIGE

Das Recht der Tiere 4/2009

13


Das Recht der Tiere 4/2009

14

T IERSCHUTZPOLITIK II

QUALVOLLES HUMMERSTERBEN IM KOCHTOPF

bmt ... UNTERLAUFEN FORDERT VERKAUFSSTOPP DEN TIERSCHUTZ FÜR LEBENDE HUMMER

”Hälterung” von Hummern

Nach dem Fang der Hummer in europäischen

oder amerikanischen Gewässern

werden die Tiere mit fixierten

Scheren und ohne Nahrung bis zu einigen

Wochen in Kühlhäusern gehältert,

bis sie schließlich zu den Lebensmittelketten

verschickt werden. Auch

hier bleiben die Scheren der Tiere bis

zum Verkauf fixiert, so dass eine Nahrungsaufnahme

der Tiere unmöglich ist.

Die strukturlosen Hälterungsbecken

berücksichtigen nicht im Ansatz die biologischen

Bedürfnisse der Tiere, sind

dicht überbelegt und Rückzugsmöglichkeiten

sind nicht vorgesehen.

Nach einer Studie der Technischen Universität München

(TUM), die im Auftrag des bayerischen Umweltministeriums

durchgeführt wurde, weisen Bio-Eier keine höhere Keimbelastung

als Eier aus der Käfighaltung

auf. Außerdem wurde an ökologisch

gehaltenen Legehennen eine niedrigere

Anzahl an Keimen als bei ihren

Artgenossen in Legebatterien festgestellt.

Darüber hinaus fanden die Forscher

heraus, dass die Bakterienstämme,

die in der ökologischen Tierhaltung

gefunden wurden, seltener resistent

gegen Antibiotika sind. Daher können

sie bei Krankheit besser behan-

Der eigentliche Skandal

folgt jedoch bei

der Tötung durch den

Endverbraucher oder

in der Gastronomie:

Nach der deutschen

Tierschutzschlachtverordnung

dürfen Hummer

nur in stark kochendem Wasser

getötet werden.

Wissenschaftliche Studien bestätigen

jedoch die Einschätzung des bmt, dass

dieses Töten den Tieren mehr als notwendige

Schmerzen zufügt und somit

gegen tierschutzrechtliche Bestimmungen

verstößt. So weist die Biologische

Anstalt Helgoland in einem Gutachten

2002 darauf hin, dass ein in dieser

Weise behandelter Krebs "nicht sofort"

stirbt. "Er zeigt bis zu 15 Sekunden heftigste

Abwehrreaktionen und Spasmen.

All diese Verhaltensweisen würden wir

(...) als Ausdruck extremen Schmerzes

STUDIE BELEGT: AUCH WENIGER ANTIBIOTIKA-RESISTENZEN

Gerade jetzt zur Weihnachts- und Silvesterzeit stehen "edle"

Gerichte auf dem feierlichen Speiseplan. Auch der Hummer,

der traditionell rot gekocht auf einem Silbertablett serviert

wird, gilt immer noch als etwas Besonderes. Vielen ist

jedoch nicht bewusst, welches enorme Tierleid sich hinter

dieser "Delikatesse" verbirgt.

BIO-EIER SIND DOCH DIE BESSERE WAHL!

deuten. Selbst ein schließlich durch Hitze

paralysiertes Tier könnte noch für einen

mehr oder weniger langen Zeitraum

Schmerzen empfinden."

Da eine Änderung der Tierschutzschlachtverordnung

in Kürze nicht zu

erwarten ist, hat der bmt die Metro-

Group-Zentrale, einen der wichtigsten

Abnehmer von Hummern, aufgefordert,

den Verkauf lebender Hummer in

seinen Märkten umgehend zu stoppen.

Für den bmt steht fest: Die großen Lebensmittelkonzerne

müssen ihrer Verantwortung

gegenüber Tieren gerecht

werden und durch einen konsequenten

Verkaufsverzicht dem Verbraucher signalisieren,

dass Hummer schmerzempfindliche

Tiere sind und mehr als ein

frei verfügbares Lebensmittel.

Eine Antwort der Metro-Group lag bei

Redaktionsschluss noch nicht vor.

Text: Torsten Schmidt

delt werden als Antibiotika-resistente Bakterienstämme. Somit

trägt die Bio-Haltung von Legehennen nicht nur zum Tierschutz

bei, sondern auch zum Erhalt der Wirksamkeit von

Antibiotika bei Tieren und Menschen.

Die immer wieder gebetsmühlenhaft

vorgetragene Behauptung der Gegner

alternativer Haltungssysteme,

dass Legehennen und Eier aus ökologischer

Haltung häufiger mit

Krankheitserregern kontaminiert

seien als bei konventioneller Haltung,

ist damit endgültig widerlegt.

Text: Mike Ruckelshaus


TIERSCHUTZPOLITIK

ERSTES VERBOT VON PFERDEGESPANNEN

NACH 3 VERENDETEN PFERDEN:

ROTHENBURG O.D.T. SCHAFFT

KUTSCHFAHRTEN ENDLICH AB

Am 24. September 2009 hat der Stadtrat von Rothenburg

ob der Tauber beschlossen, den Kutschen

in Zukunft keinen öffentlichen Stellplatz mehr zur

Verfügung zu stellen und die Altstadt für Kutschfahrten

zu sperren.

Im August war wieder einmal ein Kutschpferd gestorben

- vor den Augen entsetzter Touristen stolperte

der elfjährige Schimmel Presto und stürzte in

den Gassen der Innenstadt, während er eine mit 13

Personen besetzte Kutsche zog.

Helfern war es noch gelungen, den Schimmel wieder aufzurichten.

Eine junge Frau gab ihm ihr Vesperbrot, doch Presto

konnte auf dem verletzten Hinterlauf nicht lange stehen. Laut

Augenzeugen schwitzte und zitterte das Pferd am ganzen

Leib; es sackte wieder zusammen und starb wohl aufgrund

der Aufregung an Herzversagen.

Passanten beschwerten sich lautstark über die "unmögliche

Pferdeschinderei von Rothenburg". Oberbürgermeister Walter

Hartl sagte später in der Stadtratssitzung, alle Vorfälle - in

Rothenburg brachen in den letzten vier Jahren drei Kutschpferde

zusammen und starben - hätten einen enormen Imageschaden

verursacht. Es habe so viele Beschwerde-E-Mails

von Touristen, Tierschützern und Bewohnern gegeben, dass

man sich die Negativwerbung nicht länger leisten könne.

So werden mit dem Stadtratsbeschluss Kutschfahrten zum

Jahresende abgeschafft, indem den Kutschbetreibern die bestehendeSondernutzungserlaubnis

entzogen wird. Die

Stadt stellt Kutschen

künftig keine

Standflächen

mehr zur Verfügung

- und nimmt

den Betreibern damit

eine wichtige

Voraussetzung für

ihr Geschäft. Offiziell

gibt es für sie

dann keine Gelegenheit

mehr,

Fahrgäste aufzu-

Ein Bus bedrängt die Pferde nehmen.

Scheinbare Idylle: Touristen-Pferdekutsche in Berlin

Pferdekutschen in Städten sind ein

weltweites Tierschutz-Problem

Weltweit werden Pferde in Städten als Kutschpferde eingesetzt.

Immer wieder brechen dabei Pferde zusammen oder

verunglücken. 85% aller Kutschunfälle, hat eine bundesweite

Untersuchung aller Kutschenunglücke in den USA ergeben,

gehen auf Angstzustände der Tiere im Verkehr zurück.

Auch in der Hauptstadt Berlin, in der seit über vier Jahren

Kutschen eingesetzt werden, kam es öfter zu Zwischenfällen:

2008 brach ein Pferd am Pariser Platz zusammen und

gingen im Dezember Pferde mit der Kutsche durch, die den

Fahrer schließlich überrollte. 2009 erließ der Senat Leitlinien

für Kutschpferde, die u.a. dafür sorgen sollen, dass

die Betreiber ihre Pferde nicht überlasten und selbst die nötige

Sachkunde aufweisen. Der bmt hatte sich für ein

grundsätzliches Verbot von Kutschfahrten in Berlin stark ge-

macht.

Risikoreich: Pferde im Verkehr

Text: Ulrich Jäger, Claudia Lotz

Fotos: Deutsches Tierschutzbüro, Horstmann

Das Recht der Tiere 4/2009

15


Das Recht der Tiere 4/2009

16

A USLANDSTIERSCHUTZ

Thomas Busch (Mitte) mit Team bei der ersten großen

Kastrationsaktion im rumänischen Brasov.

RdT: Warum engagieren Sie sich als

Tierarzt im Auslandstierschutz?

TA Thomas

Busch: Ich

habe das nicht

geplant, sondern

bin in

diese Arbeit

hineingewachsen.

Vor vielen

Jahren wollte es der Zufall, dass auf

Kreta Tierärzte in einem Tierheim mit

fürchterlichen Zuständen gesucht wurden.

Engagiert und mit ein bisschen

Naivität flog ich hin und fing an zu arbeiten.

Die tagtägliche Situation zeigte

deutlich, dass Hilfe dringend von Nöten

war.

Ist in Deutschland kein Tierarzt erreichbar,

konsultiert man die nächste Klinik.

Wenn wir auf Kreta nicht anwesend waren,

kam es häufig vor, dass Tiere starben,

da das medizinische Netz für Tiere

nicht in ausreichender Dichte vorhanden

war. Die Not war einfach

dringlicher als hier. Bei dieser Arbeit

blieb es bis heute.

RdT: Sie haben den Tierärztepool ins

12-15 STUNDEN DAU

bmt - INTERVIEW MIT DEM T IERARZT

Leben gerufen. Bitte erklären Sie, was

hinter dieser Idee steckt.

TA Thomas Busch: Der Tierärztepool

entstand ursprünglich "nebenbei". Es

war schon damals klar, dass die fehlende

medizinische Hilfe eine der größten

Lücken auf Kreta war.

Es liegt in der Natur der Sache, dass

diese Lücke nur von Tierärzten geschlossen

werden konnte. Leider gibt es

nur wenige Kollegen, die ihre Arbeitskraft

und ihre Fähigkeiten in den Auslandstierschutz

investieren. Bis heute

werden wir in unserem Beruf häufig als

eine Art Exoten wahrgenommen; das

merken wir in Gesprächen mit Kollegen

immer wieder.

Wir fingen damals auf Kreta an, aus

den "sicheren" Mauern des Tierheimes

herauszutreten und auch anderenorts

zu kastrieren. Unser Equipment bestand

zu dieser Zeit aus Geldmangel

leider nur aus dem Nötigsten, aber

schon damit konnten wir große Erfolge

verbuchen, da die chirurgischen Fähigkeiten

unserer Ärzte exzellent waren.

Von unserer Arbeit hörten Tierschützer

auf anderen Inseln oder auch auf dem

Festland und luden uns ein. Wir stellten

Manchmal operieren sie beim Licht ihrer Handys

- der Tierärztepool um Tierarzt Thomas

Busch (43) hat bei seinen weltweiten Tierschutzeinsätzen

eines gelernt: Auch in außergewöhnlichsten

Situationen Ruhe zu bewahren

und zu improvisieren.

Für den bmt hat der Tierschutzpool, 2004 vom

1. Vorsitzenden des "Fördervereins Arche Noah

Kreta e.V." gegründet, die erste Kastrationsaktion

im Frühjahr 2009 in Gemeinden

nahe Brasov durchgeführt. Die Resonanz der

Bevölkerung und der Medien war so überraschend

groß, dass die engagierten Tierärzte

Wochen später zu ihrem nächsten Einsatz nach

Rumänien aufbrachen.

Wie die Idee entstand, mit Hilfe eines Tierärztepools

den Straßentieren dieser Welt zu helfen,

erklärt Initiator Thomas Busch.

unsere

Erfahrung gerne zur

Verfügung, und die Anfragen wurden

bis heute weltweit immer zahlreicher.

Eine Entwicklung, die im Hinblick auf

zukunftsorientierten, präventiven Tierschutz

äußerst erfreulich ist.

RDT: Welche Ziele verfolgt der

Tierärztepool?

TA Thomas Busch: Ich bin vorsichtig

geworden, was das Stecken hoher Ziele

anbelangt, aber ich möchte nicht

leugnen, dass der Gedanke, den Tierärztepool

im Laufe der Zeit um weitere

Tierärzte erweitern zu können, für


EREINSATZ AM OP-TISCH

THOMAS BUSCH

mich viel Hoffnung in sich trägt.

Viele Ärzte, die überall dort helfen könnten,

wo die medizinische Not dringend

ist - und das ist fast überall - wäre ein

kleiner Traum. Eine unterstützenswerte

Vorstellung, für die wir täglich unsere

Kraft einsetzen. Vielleicht reicht auch ab

einer bestimmten Größe des Tierärztepools

der Einfluss aus, um in der EU

Stimmen für den Tierschutz zu finden.

Bei uns ist es manches Mal so, dass wir

betteln müssen, um helfen zu dürfen.

Stellen Sie sich einmal große humanitäre

Organisationen vor, die schwer verletzten

Menschen in Gebieten helfen

wollen, die von Naturkatastrophen

heimgesucht wurden und dort ewig warten

müssten, um die Erlaubnis zu bekommen.

Nicht auszudenken.

Im Tierschutz

leider oft

frustrierende

Realität.

RdT: Wer

kann sich

dem Tierärztepool

anschließen,

wie funktioniert

die Arbeit,

wer finanziert

die Einsätze und

das Equipment?

TA Thomas Busch: Wir

arbeiten nicht mit Kollegen zusammen,

die ihre Hilfe ehrenamtlich anbieten.

Diese Hilfsangebote sind latent immer

mit dem eigenen Egoismus verbunden,

auch etwas zu lernen. Das ist soweit ja

nicht schlimm, aber die Ausbildung zu

einem guten Chirurgen ist nicht in zwei

oder drei Wochen zu absolvieren.

Unsere erfahrenste Chirurgin benötigt

zirka fünfzehn Minuten für die Kastration

einer Hündin, "Lernoperationen" dauern

leicht mal 1-2 Stunden. Dafür fehlt bei

den Einsätzen die Zeit. Wer uns anfordert,

erwartet professionelle Arbeit und

bekommt diese auch. Außerdem werden

oftmals die Tiere recht schnell wieder auf

die Straße entlassen, da müssen die Ligaturen

sitzen.

Außerdem muss es im Team harmonisch

ablaufen. Wenn die zwischenmenschliche

Chemie nicht stimmt, kann das

schnell zur Katastrophe für alle werden,

da die Nerven bei täglich 12-15 Stunden

Dauereinsatz am OP-Tisch schon einmal

sehr angespannt sein können. So gestatte

ich mir, die Kollegen, die uns begleiten

möchten, im Vorfeld gründlich auf

Herz und Nieren zu prüfen.

Die Finanzierung ist manchmal ein Problem.

Kleinere Tierschutzvereine arbeiten

ohnehin häufig bereits am finanziellen

Minimum und können sich die

Kastrationen nicht leisten. Ebenso verhält

es sich mit Gemeinden oder Städten

im Ausland. Hier ist die Staatskasse für

Tierschutzausgaben grundsätzlich leer.

Dann versuchen wir das Projekt anderen

größeren Vereinen vorzustellen und bei

Gefallen stimmen diese der Kostenübernahme

zu.

RdT: Welche Einsätze führen Sie wo

durch?

SPENDEN SIE FÜR UNSERE

NÄCHSTE KASTRATIONS-

AKTION 2010!

Kosten der Kastrationen

Hündin: ca. 25,-- Euro

Rüde: ca. 15,-- Euro

Katze: ca. 10,-- Euro

Kater: ca. 5.-- Euro

B RASOV

TA Thomas Busch: Wir führen Kastrationsprogramme

weltweit durch. Was ist

es denn auch für ein Blödsinn, den Tierschutz

nach Landesgrenzen einzuteilen?

Allerdings ist uns an einem guten Gelingen

dieser Aktionen gelegen. Viele kastrierte

Tiere, gute Kontakte zu einheimischen

Tierärzten, die unsere Arbeit

eventuell weiterführen oder auch das

Herbeiführen eines Umdenkens sind erfolgreiche

Aktionen und förderungswürdig

- egal wo!

RdT: Wie läuft die Zusammenarbeit mit

Behörden und Tierärzten vor Ort?

TA Thomas Busch: Werden wir eingeladen,

egal von wem und von welchem

Land, muss zuerst die behördliche Genehmigung

eingeholt werden.

Dies geht in manchen Ländern leicht, in

anderen, wie z.B. Griechenland, gar

nicht. Wenn diese vorliegt, besprechen

wir die Einzelheiten. Tierart und Anzahl,

Räumlichkeiten, Möglichkeiten der post-

Professionelle Arbeit

Spendenkonto-Nr. 847275

Frankfurter Sparkasse

BLZ 500 502 01

www.bmt-auslandstierschutz.de

Das Recht der Tiere 4/2009

17


Das Recht der Tiere 4/2009

operativen Betreuung, Fängerteams

und Kleinigkeiten werden besprochen.

Alles weitere bringen wir mit.

Einfach ist es für uns, wenn wir die Praxis

eines einheimischen Kollegen benutzen

dürfen. Selbstverständlich ist es

ein großes Glück, wenn wir dabei auf

einen Tierarzt treffen, der unsere Operationsmethode

lernen möchte und anschließend

unsere Arbeit fortsetzt. Sozusagen

Hilfe zur Selbsthilfe! Dass

einheimische Tierärzte unsere Operationsmethode

kennenlernen möchten

und uns begleiten, kommt, erfreuli-

AKTUELLE SITUATION IN BRASOV

HUNDETÖTUNGEN NUN ENDLICH KOMPLETT GESTOPPT!

Die Behörden halten sich an ihre

Zusage, keine Hunde mehr

zu töten! Auslandstierschutzkoordinatorin

Petra Zipp, Anfang

November aus Brasov zurückgekehrt,

hat die erste

Freilassung im Rahmen des

"catch and release Programms"

von gekennzeichneten Rüden

in die Freiheit begleitet.

Die augenblickliche Situation in

Kürze: Hündinnen und Welpen

werden wie bisher vom Tierheim

Brasov aufgenommen und herrenlose

Hunde im Bezirk Brasov nur

noch im Notfall (Verletzung etc.)

und auf Anforderung aufgegriffen -

Gespräche über eine entsprechende

Vereinbarung sind im Gang.

Außerdem stehen Pläne für ein Informationsprogramm

zur Diskusion,

dass die Bevölkerung von der

Notwendigkeit von Kastrationen

überzeugen soll.

R UMÄNIEN

Großer Erfolg: Die Rumänien sind von der Notwendigkeit der Kastration überzeugt ... ...

cherweise, immer häufiger vor.

RdT: Was unterscheidet Sie von anderen

Tierärzten?

TA Thomas Busch: Nun ja, zunächst

einmal nicht viel. Aber wir haben in

den letzten 10 Jahren eine Art Spezialisierung

erfahren. Im Einsatz operieren

wir ca. 50 Tiere pro Tag - oft unter improvisierten

Umständen.

Die Routine unserer erfahrensten Chirurgin

mit ca. 25.000 Kastrationen liegt

natürlich ein bisschen höher als die eines

Kollegen, der vielleicht 2 Kastratio-

Weil es in Rumänien schon sehr kalt

ist, können größere Kastrationsaktionen

erst im Frühjahr starten. Aufgrund

der wirtschaftlichen Situation

werden die Programme derzeit

nicht von den rumänischen Städten

finanziert. Da auch Mittel aus Brüssel

noch ausstehen, müssen wir Sie,

liebe Tierfreunde, wieder einmal

um Ihre so überaus wichtige Mithilfe

bitten.

Wir dürfen diese neuen Chancen

der Zusammenarbeit, die sich uns

nun endlich bieten, nicht ungenutzt

verstreichen lassen.

Helfen Sie uns,

damit wir den Straßentieren

helfen

können.

Herzlichen Dank!

Spenden Sie bitte

zweckgebunden

Spendenkonto

auf Seite 17!

nen im Monat durchführt.

So hat sich der Tierärztepool des Fördervereins

Arche Noah Kreta e.V. einen

Namen erarbeiten können, der sogar

schon von anderen Vereinen versucht

wurde, zu kopieren. Das ehrt uns natürlich,

allerdings warne ich auch davor,

sich Tierärzten anzuvertrauen, die

ihr Handwerk nicht wirklich beherrschen

oder noch üben müssen.

Es hat Gründe, warum wir über ein

Jahr gesucht haben, um eine weitere

Tierärztin zu finden, die uns seit einem

halben Jahr in Festanstellung begleitet.

Pierre Brice überreicht

Auslandstierschutzpreis

an Cristina Lapis

Über 5000 Besucher kamen am 5.

Oktober in das bmt-Tierschutzzentrum

Pfullingen, um den Weltstar

Pierre Brice live zu erleben.

Der Schauspieler überreichte Cristina

Lapis den bmt-Auslandstierschutzpreis

für ihren Einsatz

für Straßentiere in Brasov.


RUMÄ N I E N

BUKAREST

BRASOV

Außerdem ist es für Laien überaus

schwer, chirurgisch erfahrene Tierärzte

von weniger erfahrenen zu unterscheiden.

Mir gelingt dies auch nicht am Telefon.

Ich bilde mir mein Urteil ausschließlich

im OP.

RdT: Sie haben die erste große Kastrationsaktion

von Straßentieren bei Brasov

durchgeführt. Wie erfolgreich war

sie aus Ihrer Sicht?

TA Thomas Busch: Jedes kastrierte

Tier kann sich nicht mehr an der Zeugung

von Nachkommen beteiligen. Von

daher ist jede Kastration erfolgreich.

Die Kastrationsaktion bei Brasov war

die erste große in dieser Region. Das

Interesse der Medien, das der Bürokratie

und auch das der Privatleute war extrem

hoch, so dass es eine sehr erfolgreiche

Aktion wurde.

Selbst in der Kirche wurde über das

Thema gesprochen und die Menschen

aufgefordert, ihr Tier zur Kastration zu

bringen. Da auch rumänische Tierärzte

dabei waren, bestand sehr guter

Kontakt zu den Interessenten. Aber eine

Schwalbe macht noch keinen Sommer,

will heißen, dass diese Aktionen

unbedingt weitergeführt werden sollten.

Vielleicht mit noch mehr Ankündigung

in den Medien und über einen längeren

Zeitraum. Bei 500 kastrierten Hündinnen

werden ungefähr 5000 Welpen

nicht geboren. Sehr schnell wird man

das nicht geborene Resultat bemerken!

RdT: Haben Sie das Gefühl, dass die

Bevölkerung Rumäniens hinter solchen

Einsätzen steht? Erkennen Sie Fortschritte

hinsichtlich des Umgangs mit

Straßentieren in Rumänien, aber auch

in anderen europäischen Ländern?

TA Thomas Busch: Es gibt kein Land,

in dem es ausschließlich tierliebe Menschen

gibt! So darf ich antworten, dass

ich der festen Überzeugung bin, dass

es auch in Rumänien Menschen gibt,

die sehr nett mit Tieren umgehen.

Ich kenne Rumänien inzwischen recht

gut und bei Einsätzen in Dörfern, in de-

nen es kein Tierheim gibt und

auch keinen Tierarzt, warten unzählige

Menschen mit ihren Tieren

solange vor unserer Tür, bis

sie an der Reihe sind. Teilweise stundenlang,

nur damit ihre Katze oder

Hündin kastriert wird und sie die Welpen

nicht mehr umbringen müssen.

Wir haben auch schon von Hundefängern

erzählt bekommen, dass die Bevölkerung

die Straßentiere versteckt, da

sie denken, die Hundefänger holen sie

ab, um sie umzubringen.

Je reicher ein Land wird, desto besser

behandelt es die Haustiere, die Nutztiere

allerdinges nicht selten schlechter...

Rumänien ist seit dem EU-Eintritt

wohlhabender geworden.

RdT: Unterscheidet sich der Einsatz in

Rumänien von anderen europäischen

Einsätzen?

TA Thomas Busch: Unsere Einsätze

gleichen sich. Bauch auf, Eierstöcke

und Gebärmutter raus, Bauch zu. Und

das täglich 12-15 Stunden. Lediglich

der Ausblick aus dem Fenster variiert

(lacht).

RdT: Sie halten es für möglich, durch

Kastrationsaktionen die Zahl der Straßentiere

absehbar zu reduzieren?

TA Thomas Busch: Ich halte es nicht

nur für möglich, sondern ich weiß es

und kann es beweisen! Auf den Kapverdischen

Inseln ist in dem Bezirk, in

dem wir seit Jahren arbeiten, die Zahl

erkennbar zurückgegangen. Ebenso

hat sich bei allen Tieren der Gesundheitszustand

merklich verbessert, da

die Tiere ihre Kraft für ihren Körper nutzen

können und nicht mehr dem Stress

des Sexualtriebs ausgesetzt sind.

Auf Kreta haben wir an vielen Stellen

einen deutlichen Rückgang zu verzeichnen,

worauf ich aber aufgrund

der gesetzlichen Probleme nicht weiter

eingehen möchte. Ein großer Erfolg

zeichnet sich auch gerade 200 km südlich

von Brasov ab, wo wir, dank der

Unterstützung, unter anderem des bmt,

A USLANDSTIERSCHUTZ

und bringen Tiere zum Kastrieren.

in einem kleineren Ort namens Bals

zum zweiten Mal arbeiteten und fast

500 Tiere operierten.

Bei der Nachkontrolle zeigte sich, dass

sehr viele Tiere in einem deutlich besseren

Zustand waren als zuvor und wir

von der Bevölkerung und dem Bürgermeisteramt

nur lobende Worte erhielten.

Dort durften wir zuzüglich der Straßentiere

auch die Tiere von Privatleuten

kastrieren und auch die der Zigeuner,

zu denen sich der Zugang normalerweise

als schwer gestaltet.

In diesem Ort ist geplant, zweimal im

Jahr "Nachkastrationen" durchzuführen

und anschließend die Arbeit auf die

umliegenden Dörfer auszuweiten.

Durch unseren Einsatz hat sich die Situation

vor Ort spürbar verbessert. Das

haben die Behörden erkannt und deshalb

werden wir weiter angefordert.

RdT: Sie sehen bei Ihren Auslandseinsätzen

sehr viel tierisches Leid. Wie verkraften

Sie diese Belastung? Was gibt

Ihnen Hoffnung und Kraft?

TA Thomas Busch: Noch brauche ich

keine psychologische Betreuung

(lacht). Nein ernsthaft, in diese Arbeit

wächst man ja hinein. Und das Wissen,

zu 99% helfen zu können, ist ein schönes

Gefühl. Die wenigen Male, in denen

wir euthanasieren müssen, sind

traurig. Doch auch dies ist Hilfe, denn

wir konnten einem Wesen die schrecklichen

Qualen ersparen, die es sonst

hätte erleiden müssen. Das tröstet.

Einen gewissen Abstand zur Arbeit versuche

ich aufrecht zu erhalten, um mich

zu schützen und durchzuhalten. Es gibt

aber auch diese Momente, in denen

der Blick in die Augen eines Tieres diesen

Sicherheitsabstand von einem Moment

auf den nächsten auslöscht. Plötzlich

ist eine unmittelbare Nähe da und

dann wird es auch für mich schwer.

Interview: Claudia Lotz

Das Recht der Tiere 4/2009

19


Das Recht der Tiere 4/2009

20

LV BERLIN

Seit November arbeitet der bmt in Berlin mit der Initiative

"Tierschutz im Unterricht Berlin-Brandenburg"

zusammen. Der Senat begrüßt und unterstützt die Kooperation

der beiden Organisationen. Sebastian

Zösch über Entstehung, Arbeit und Ziele von "Tierschutz

im Unterricht" und seine Hoffnungen, die er mit

dem bmt-Zusammenschluss verbindet.

RdT: Wie kam es zur Tierschutzlehrer-

Initiative in Berlin?

Sebastian Zösch: Das Projekt "Tierschutz

im Unterricht" wurde bereits in

den 70er Jahren in Österreich von

Charlotte Probst gegründet, die schon

damals erkannt hatte, welche Bedeutung

der Tierschutzarbeit mit Kindern

beizumessen ist. In Graz wird heute

einmal im Jahr die jeweils zehntägige

Schulung zum Tierschutzlehrer an der

"Akademie für Mensch-Tier-Beziehungen"

angeboten, damit das Anliegen

über die Tierschutzpädagogen in

möglichst viele Klassenzimmer gelangen

kann.

Eine Gruppe von deutschen TierschutzlehrerInnen

hat vor einigen Jahren nun

den bundesweiten "Arbeitskreis deutscher

TierschutzlehrerInnen" ins Leben

gerufen, aus dem sich wiederum die eigenständige,

lokale Gruppe "Tierschutz

im Unterricht Berlin-Brandenburg" gebildet

hat. Die Aufgaben sind bei allen

Gruppen identisch: Unser Ziel ist es,

Kinder und Jugendliche zu einem bewussteren

und besseren Umgang mit

ihrer Umwelt und insbesondere den

Tieren zu motivieren.

RdT: Welches Profil erwarten Sie von

Tierschutzlehrern, die sich Ihrer Organisation

anschließen?

Sebastian Zösch: Idealerweise sollten

angehende TierschutzlehrerInnen

eine pädagogische Ausbildung sowie

die Ausbildung zum Tierschutzlehrer in

"Mit jedem Kind be

bmt UND "TIERSCHUTZ IM UNTERRICHT IN BERLIN-

Graz absolviert haben. Darüber

hinaus sollten sie Tierschutz

natürlich auch praktisch in ihrem

eigenen Leben umsetzen. Alle unsere

TierschutzlehrerInnen leben vegetarisch

und arbeiten vollkommen ehrenamtlich.

RdT: Welche Schulen besuchen Sie? Wie

bauen Sie Ihren Unterricht auf?

Wie reagieren die Schüler - und auf welche

Themen am interessiertesten?

Sebastian Zösch: Wir richten unser

Angebot grundsätzlich an alle Bildungseinrichtungen

in Berlin und Brandenburg.

Gemeinsam mit dem Berliner

Senat haben wir erst im November

über 800 Grund- und Oberschulen angeschrieben

und unser Projekt vorge-

stellt. Interessierte Einrichtungen können

uns telefonisch oder per E-Mail zu

einem selbstgewählten Termin zu sich

einladen und dabei auch bestimmte

Schwerpunkte vorgeben.

Der

Aufbau

unseres Unterrichts

gliedert sich immer in drei Teile. Wir beginnen

mit einem ethischen Einstieg,

dann folgt ein Sach- bzw. Informationsteil.

Zum Abschluss bieten wir im

Lösungsteil konkrete Handlungsmöglichkeiten,

den Tieren zu helfen.

Die Schüler freuen sich in der Regel

sehr auf die Tierschutzstunde und arbeiten

oft überraschend gut mit. Tiere

faszinieren eben die meisten Kinder

und Jugendlichen von sich aus. Die

Schüler denken aber auch weiter. Eine

Frage, die fast immer gestellt wird, ist:

"Essen Sie Fleisch?". Da ist es dann gut,

dass alle unserer TierschutzlehrerInnen

diese Frage guten Gewissens verneinen

können. Es ist erstaunlich, mit welchem

Gespür Kinder erkennen, für wie

glaubwürdig sie einen Erwachsenen

halten können.

RdT: Wie kam es zur Zusammenarbeit

mit dem Senat?

Sebastian Zösch: Frau Charlotte

Probst und ich haben im Oktober 2008

der Senatsverwaltung das erfolgreiche

Projekt in Österreich sowie unsere Pläne

für Berlin und Brandenburg vorgestellt.

Das Konzept war so überzeu-


ginnt die Zukunft"

BRANDENBURG" GEHEN KOOPERATION EIN

Sebastian Zösch hat

sich in Graz zum

Tierschutzlehrer

ausbilden

lassen

gend, dass man sofort vorgeschlagen

hat, den Tierschutzunterricht

auch in Berlin von offizieller Seite

zu empfehlen und zu unterstützen.

RdT: Wie viele Schulen besuchen Sie im

Schnitt pro Monat? Unterscheidet sich

der Unterricht in sozialschwachen Gebieten

von sozial stärkeren?

Sebastian Zösch: Bereits im ersten

Jahr haben wir pro Monat rund zehn

Schulen besucht, teilweise sogar im

Rahmen mehrtägiger Projekttage. Je

länger das Projekt läuft, desto mehr

etabliert es sich und desto mehr Anfragen

von Seiten der Lehrkräfte bekommen

wir. Auch die Anzahl unserer TierschutzlehrerInnen

wollen wir noch

weiter ausbauen, um der steigenden

Nachfrage in Zukunft gerecht werden

zu können.

Der Unterricht unterscheidet sich abhängig

von Schulform, Jahrgangsstufe,

Unterrichtsfach und Thema sehr

stark. Auch die soziale Lage der Schule

spielt dabei natürlich eine Rolle. In

sozial schwachen Gebieten kann es

beispielsweise schon vorkommen, dass

einige Schüler sich zu Beginn der Tierschutzstunde

damit brüsten, wie viele

Tiere sie selbst schon gequält und gegessen

haben.

Ein guter Tierschutzlehrer ist aber auf

sowas vorbereitet und weiß, wie

man solche Situationen richtig

nutzt. Oft ist es dann so, dass gerade

in solchen Klassen die Schüler

nach 90 Minuten Tierschutzunterricht

stark

beeindruckt und mit

einem neuen Blick auf

ihre Mitwelt nach Hause

gehen.

RdT: Welche Ausbildung haben

Sie absolviert?

Sebastian Zösch: Während

meines Zivildienstes habe ich eine

Ausbildung zum Rettungssanitäter

gemacht und war auch in der Ausbildung

von Notärzten aktiv. Nach

meinem Bachelor in "Cognitive

Science" habe ich ein einjähriges

Trainee-Programm bei der Tierrechtsorganisation

PETA in

Deutschland und den USA absolviert.

Anschließend habe ich den Master

in "Management in Nonprofit-Organisationen"

erworben und arbeite

nun als Geschäftsführer des Vegetarierbundes

(VEBU).

RdT: Wie kamen Sie zum Tierschutz bzw.

zum Tierschutzlehrer-Projekt?

Sebastian Zösch: Die Ausbildung

zum Tierschutzlehrer habe ich während

meiner Zeit bei PETA abgeschlossen.

Schon damals habe ich mir vorgenommen,

mitzuhelfen, das in Österreich so

erfolgreiche Projekt auch in Deutschland

zu etablieren.

Zum Vegetarierbund kam ich während

meines Masterstudiums. Der überwältigende

Großteil der für Menschen getöteten

Tiere sind sogenannte Nutztiere

wie Schweine, Kühe, Hühner und

Fische. Der effektivste Tierschutz besteht

deshalb darin, eine pflanzenbetonte

Ernährung in unserer Gesellschaft

stärker zu fördern.

"Tierschutz im Unterricht" liegt mir persönlich

sehr am Herzen. Tiere müssen

LV BERLIN

Das bmt-Infomaterial

für Grundschüler

Für Grundschulen hat der bmt ein eigenes

Lehrmaterial entwickelt. Die Infomappe behandelt

elf aktuelle Tierschutzthemen von

der Haustier- über die Massentierhaltung

bis zur Zirkusproblematik. Bestelladresse

Hauptgeschäftsstelle (s. Seite 34) und zum

download auf

www.bmt-kindertierschutz.de

in unserer Gesellschaft so viele unnötige

Qualen erleiden. Was könnte da

besser sein, als dafür zu sorgen, dass

die kommenden Generationen menschlicher

mit Tieren umgehen? Wie

sagte Maria Montessori schon: "Mit jedem

Kind beginnt die Zukunft".

RdT: Was erwarten Sie von der

Zusammenarbeit mit dem bmt?

Sebastian Zösch: Dass der bmt das

Projekt "Tierschutz im Unterricht" fördert

und unterstützt, freut uns natürlich

sehr. Ich denke, dass die beiden Organisationen

sich in ihren Kompetenzen

sehr gut ergänzen. In einigen Jahren

werden die Lehrpläne in Berlin überarbeitet.

Es wäre schön, wenn es uns

dann gemeinsam gelänge, das Thema

Tierschutz auch gleich dort noch stärker

zu verankern.

www. Tierschutz-im-Untericht-B.B.de

info@Tierschutz-im-Untericht-B.B.de

Tel.: 030 / 89 39 04 83

Interview: Claudia Lotz

Das Recht der Tiere 4/2009

21


Das Recht der Tiere 4/2009

22

LV BAYERN

Anzeigen bleiben folgenlos!

WANDERZIRKUS "HANSA"

KANN SEINE TIERE

NICHT MEHR ERNÄHREN

In der Nähe von München überwintert der kleine, finanzschwache

Wanderzirkus "Hansa" auf einem Gelände

zwischen Bürogebäuden und Firmen. Das zuständige

Veterinäramt Ebersberg ist informiert und hat

Ewa Gara, der Leiterin des Landesverbandes Bayern,

zugesagt, die Tiere wöchentlich zu kontrollieren.

Immer wieder

schaut sich Ewa

Gara die Tierhaltungen

von

Wanderzirkussen,

die im

Raum Bayern

ihre Vorstellungen

geben,

oder wie der

Kritikwürdige Haltung Betreiber von

"Hansa" auf einem

Gelände ihr Winterquartier aufschlagen, an. Dieser

aus Hamburg stammende Zirkus führt Ziegen, Ponys, einen

Esel, zwei Pferde und zwei Hunde mit.

Die Tiere werden tagsüber auf einem wenige Quadratmeter

kleinen Platz gehalten. Hier stehen die Tiere auf kahlem,

bei Regen völlig verschlammtem Boden, ohne Futter und

ausreichend Bewegungsmöglichkeit. Ein angeblich unverträgliches

Pony wird isoliert in einem Extragehege gehalten.

Weil mittlerweile unter den Anwohnern bekannt ist, dass der

Zirkusbetreiber kein Geld hat, um seine Tiere zu versorgen,

helfen Passanten aus und bringen, wenn auch unregelmäßig,

Heu und Mohrrüben vorbei.

Das Veterinäramt kann die Tiere nach eigener Aussage erst

übernehmen, wenn sie sehr stark abmagern oder schwer

krank werden. Ein Pony ist bereits vom Amtstierarzt untersucht

und für alle Tiere eine Entwurmung angeordnet worden.

Ende September hielt die Behörde den Futterzustand

der Tiere noch für "verträglich", wie einer Mitarbeiterin mitgeteilt

wurde, die in einem der Bürogebäude arbeitet und

die Haltungsbedingungen der Tiere nach einer Rückfrage

beim bmt bei dem örtlichen Veterinäramt anzeigte.

Vor Hunger über den Zaun ...

Inzwischen hat sich die Situation für die Tiere noch einmal

verschärft, nachdem der mittellose Betreiber die Tierzelte

verkaufen musste. Die Nacht verbringen die Tiere nun gemeinsam

in einem Transportwagen, der nur über Stufen erreichbar

ist. Die Pferde weigern sich, den Transporter zu betreten

und können sich nicht einmal für die Nachtstunden

unter Schutz aufhalten. Die letzten Wochen hat es nur laufend

geregnet, auch die Nächte werden zunehmend frostiger


Das Veterinäramt denkt über eine Beschlagnahmung der

Tiere nach, weiß jedoch nicht, wohin mit den sichergestellten

Tieren. Am meisten fürchtet Ewa Gara und mit ihr die

Behörde, dass der Wanderzirkus sich dem zunehmenden

Druck durch die Öffentlichkeit entziehen könnte, den Platz

verlässt und einfach untertaucht - dann hätte niemand mehr

eine Kontrolle über die Tiere.

Letzte Meldung vor Redaktionsschluss: Nach einer Räumungsklage,

die der Grundstücksbesitzer angeordnet hat,

muss "Hansa" das Gelände verlassen. Ewa Gara hat erfahren,

in welcheGemeinde

der Zirkus

nun ziehen

wird und hat

sofort das

zuständige

Veterinäramt

informiert.

Der bmt

bleibt weiter

an diesem

Fall.

HILFE FÜR TIERE DURCH IHRE

MISSSTANDSMELDUNGEN!

Ewa Gara hat die Versorgung der

Zirkustiere übernommen


TH KÖLN-

D ELLBRÜCK

NEUE HERAUS-

FORDERUNG FÜR

DAS TIERHEIM:

Immer mehr unterernährte Igel

müssen versorgt werden

Wenn sich die Blätter zu färben beginnen, ziehen ganz besondere

Gäste im Tierheim Köln-Dellbrück ein. Kleine Igel, die es nicht geschafft

haben, sich das nötige Fettpolster für den langen Winterschlaf

anzufressen. Manche Neuankömmlinge wiegen kaum 100 Gramm,

andere sind verletzt, erkältet, krank oder leiden unter schwerem Parasitenbefall

- die Versorgung der unter Naturschutz stehenden Stacheltiere

ist zeit- und sehr kostenaufwendig.

"Außer uns", sagt Tierpflegerin Sandra

Kammann, die sich im Tierheim auch

um die Igel kümmert, "fühlt sich niemand,

kein anderes Tierheim, kein Veterinäramt,

für die Wildtiere verantwortlich."

Und so gilt das Tierheim

Köln-Dellbrück in der gesamten Region

um Bergisch Gladbach und Kreis als

der Ansprechpartner für die Belange

der Stachelträger. "Bis zu 40 Igel versorgen

wir in Spitzenzeiten", erklärt

Sandra Kammann, die in diesem Jahr

eine Fachtagung von Pro-Igel in Münster

besucht hat.

So gerne die seit sechs Jahren im

Tierheim beschäftigte Tierpflegerin

ihre kleinen

Extragäste mit betreut, so

umfangreich gestaltet sich

deren Pflege:

Die Neuankömmlinge werden

gewogen und in einem

mit Zeitungspapier und

Höhle zurechtgemachten

Kaninchenkäfig untergebracht.

Je nach Gewicht erhalten

die Kleinen Aufzuchtsmilch

und werden

grundsätzlich tierärztlich

durchgecheckt. Alle Tiere

werden entwurmt und wenn

nötig medizinisch behandelt.

"Vor kurzem brachte uns eine Spaziergängerin

9 Igelbabys eines Wurfes",

erinnert sich Sandra Kammann. Die

100 Gramm leichten Tiere teilten sich

anfänglich noch eine Igelbehausung

im Tierheim, wurden dann, als sie ein

Gewicht von 300 Gramm erreicht hatten,

einzeln untergebracht. "Igel", erklärt

die Kölner Tierpflegerin, "sind Einzelgänger;

sie gehen in der freien

Wildbahn mit sechs Wochen ihre eigenen

Wege."

Noch Anfang November hat Sandra

Kammann einen 700 Gramm schwe-

Igel ...

� werden zwischen 24 und 28 cm groß

� erreichen ein Gewicht von 800g bis 1500g

� rollen sich bei Gefahr und Berührung ein und

richten die Stacheln auf

� fressen hauptsächlich Insekten, jedoch kein Obst

und Gemüse

� halten zur Überbrückung der nahrungsarmen

Monate Winterschlaf und reduzieren ihre Körpertemperatur

dabei von 36 auf 5 Grad

� können zwar bis zu 7 Jahre alt werden, erreichen

aber durchschnittlich oft nur das 4. Lebensjahr

� 500.000 Igel sollen jährlich im Verkehr sterben

und unzählige verwaiste Igeljunge verenden.

Umfassende Information zu Igeln:

www.pro-igel.de

So sehen neu geborene Igelbabys aus

Sandra Kammann wiegt einen Igel

ren Igel ausgewildert, damit er sich im

dichten Unterholz seinen Schlafplatz

für die kommenden Wintermonate suchen

konnte. "Neben offensichtlich

verwaisten Jungtieren braucht ein Igel

nur dann Hilfe", erläutert sie Notlagen

der Wildtiere, "wenn er auffallend

unterernährt ist, sich auf Berührung

nicht zusammenrollt, Verletzungen,

Wunden oder Madenbefall

hat oder erkältet ist." Dann niest

der kleine Patient und hat verklebte

Augen.

Mehrere private Pflegestellen unterstützen

das Tierheim bei der Igelversorgung.

Doch nicht alle Tierfreunde,

die sich melden, können

den Stachelträgern das geeignete

Umfeld zum Überwintern bieten.

Text: Claudia Lotz

Fotos: Sandra Kammann

Das Recht der Tiere 4/2009

23


Das Recht der Tiere 4/2009

24

TH ELISABETHENHOF

Glücklich vermittelt

Wie das Sommerfest

zum Glückstag für

Günny wurde

Günny bei Waltraud Rau. Rechts:

Als "Eishund" im Tierheim Brasov

"Habt Ihr nicht irgendeine ‚arme Socke', die keiner haben

will?" Mit dieser Frage trat Waltraut Rau bei den diesjährigen Tagen der Offenen Tür im

Tierheim Elisabethenhof an mich heran. "Die einzige Bedingung ist, dass er sich mit unserem

Pepe und den Katzen verträgt. Platz und Zeit haben wir genug."

Die Wahl fiel sofort auf Günny, einen dreibeinigen Straßenhund

aus Rumänien. Wie die meisten Dreibeiner, die der bmt

aus seinen ungarischen und rumänischen Partnertierheimen

aufnimmt, hatte auch der siebenjährige Pudelmischling sein

Bein durch einen Autounfall verloren. Derart gehandicapte

Hunde haben es unter

den ungleich härteren

Tierheimbedingungen

in Osteuropa besonders

schwer, und

so war schnell klar,

dass Günny nach

Deutschland ins Tierheim

Elisabethenhof

übersiedeln sollte.

Als die Auslandstierschutzkoordinatorin

Petra Zipp den kleinen Pudel im Winter

aus seinem Zwinger in Brasov holte, war es höchste Zeit.

Scharfe Winde, Eis und Schnee hatten allen Tierheimhunden

zugesetzt, aber Günnys krauses Fell war ganz steif gefroren

(siehe kleines Bild oben).

Wer hätte geahnt, dass der "Eisbär" Monate später das große

Los ziehen würde? Günny und Waltraud Rau warfen sich nur

einen Blick zu, und die 56jährige wusste, dass sie genau diesem

Hund ein schönes Leben bieten wollte. Waltraud Rau ist

seit 1998 bmt-Mitglied und war in den vergangenen Jahren

für den Flohmarkt des Tierheimfestes verantwortlich.

Trotz ihres Umzugs nach Lachendorf (Landkreis Celle) im

April 2009 ließ sie es sich auch in diesem Jahr nicht nehmen,

wieder tatkräftig beim Flohmarkt mitzuhelfen. Aber die Fahrt

nach Reichelsheim hatte ja auch noch einen anderen Grund:

"Das Günny", wie der aufgeweckte Rüde inzwischen liebevoll

genannt wird, hat sich völlig problemlos in seinem neuen

Umfeld eingelebt. Neben Waltraut Rau und ihrem Ehemann

Martin zählen zu seiner neuen Familie der achtjährige Pointermix

Pepe und die Katzen Morgan (5), Otti (7), Leo (3) und

Whisky (10). Leo und Whisky sind freilebende Katzen, die kei-

nen großen Wert auf menschliche Gesellschaft legen und ihr

gemütliches Domizil mit zahlreichen Decken und Körben in

der Scheune gefunden haben.

Der Rest der "tierischen WG" lebt in der zum Wohnhaus umgebauten

alten Dorfschule unter optimaler menschlicher Fürsorge.

Denn genügend Zeit für die Tiere zu haben, ist dem

Ehepaar Rau besonders wichtig. Und die haben sie auch:

Waltraut Rau ist nicht mehr berufstätig, ihr Mann arbeitet als

Selbständiger von zu Hause aus.

Die beiden Rüden, Pepe und Günny, haben sich sofort angefreundet

und lieben ausgedehnte Spaziergänge und das gemeinsame

Toben und Spielen im Garten, wobei Günnys Handicap

für ihn kein Problem darstellt. Die Einzäunung des

2.000 qm Grundstücks war im Übrigen eine der ersten Maßnahmen,

die nach dem Umzug erfolgte. Nicht zuletzt wegen

Pepes ausgeprägtem Jagdtrieb sollte so eine hundegerechte

und ausbruchsichere "Spielwiese" geschaffen werden.

"Die Entscheidung, Günny bei uns aufzunehmen, haben wir

zu keinem Zeitpunkt bereut. "Das Günny" bildet ein ruhiges

Pendant zu Pepe, trotz seiner Behinderung läuft er normal, er

ist klug und lernt sehr schnell", schwärmt Waltraut Rau von ihrem

neuen Mitbewohner. "Nur manchmal, da ist er ein richtiger

‚Dickschädel'. Aber das ist eben so …"

Text und Fotos: Mike Ruckelshaus

Günny und Pepe sind dicke Freunde geworden


Tierische Dauergäste

Von Frank Weber, Leiter des Franziskus-Tierheim

Schwer Vermittelbare:

Misu hat noch kein Zuhause!

Ein Tierheim ist ja eigentlich als Durchgangsstation gedacht. Tiere, die sich in Not befinden, werden

untergebracht, versorgt und sollen in gute Hände vermittelt werden. Das ist eine einfache Gleichung

und funktioniert in der Regel ziemlich gut. Allerdings gibt auch hier, wie immer, Ausnahmen. Und die

sind bei uns tierischer Natur und bestechen zumeist durch einen ausgeprägten Hang zum Individualismus.

Bei den vielen Tieren, die ein Mitarbeiter im Laufe des Jahres

betreut, bleibt es nicht aus, dass man zu manchen

Schützlingen eine besondere Beziehung aufbaut.

Dabei lernt man von den schwierigen Tieren am meisten;

sie sind ein unerschöpflicher Quell für alle, die die Herausforderung

angenommen haben, dem komplexen Verhaltensrepertoire

der Vierbeiner auf den Grund zu gehen.

Und an schwer Vermittelbaren

herrscht in keinem Tierheim ein

echter Mangel. Im Gegenteil:

Rund 40 Prozent verbringen

manchmal mehrere Jahre bei

uns. Auch Misu wartet inzwischen

seit mehr als einem Jahr

auf adoptionswillige Menschen.

Mit 8 Wochen kommt die Hündin

aus dem ungarischen Pecs

zu uns nach Hamburg. Und bereits

da hat das zierliche Tierchen

das Regiment in der Hundegruppe

fest in der Hand. Im

Gegensatz zu ihrer aufbrausenden

Erscheinung hat sie körperlich

eher wenig zu bieten. Trotz

bester mehrmalig täglicher Fütterung

scheint sie immer kleiner

und dünner zu werden.

Nachdem mehrere Tierärzte konsultiert werden, wird eine

Pankreas-Insuffizienz festgestellt. Ein Enzymmangel mit der

Folge, dass sie ihr Futter nicht verwerten kann.

Nach der Diagnose können wir reagieren und eine passende

Familie für den kleinen Wurm finden. Herrchen ist

Mediziner, und die Weichen für ihr Leben scheinen optimal

gestellt zu sein. Doch trotz liebevoller Betreuung und regelmäßiger

Welpenspielstunde hat Misu Probleme im Umgang

mit Artgenossen.

F RANZISKUS-TIERHEIM

Es kommt zu einem Vorfall, in dem ein Hund sehr schwer

verletzt wird. Dutzende von kostspieligen Trainerstunden

folgen. Und tatsächlich wird es besser mit ihr, bis Frauchen

die mittlerweile geläuterte und einigermaßen pflegeleichte

Misu kastrieren lässt - eine Entscheidung mit verheerenden

Folgen.

Hündinnen, die Probleme im Sozialverhalten mit Artgenossen

zeigen, sollten auf keinen

Fall kastriert werden. Durch

die Testosteronumstellung kann

es zu einer völligen Unverträglichkeit

mit Artgenossen kommen.

Und Misu verletzt in Folge

mehrere Hunde schwer. Trotz

enormer Schadenersatzforderungen

halten ihre Herrchen zu

ihr. Doch das Ende ist vorprogrammiert,

als die Tochter mit

Kind wieder in die Familie

zieht...

Zurück im Tierheim zeigt Misu,

dass sie neben ihren problematischen

Seiten ein ausgesprochen

intelligenter, lernwilliger

Hund ist, der voller Tatendrang

steckt. Dieser Malinois im Kleinformat

brennt darauf, Aufgaben

zu erledigen - der ideale Arbeitshund für den fortgeschrittenen

Hundehalter, der einen triebstarken und arbeitswilligen

Vierbeiner sucht.

Misu braucht Menschen, die sich auf ihren starken Charakter

einstellen, keine Kinder und andere Haustiere haben

und jede Menge Zeit, Liebe und Geduld in sie investieren.

Echte Hundemenschen eben, die einem Notfall aus dem

Tierschutz eine Chance geben...

Fotos: Debra Bardowicks, www.animal-photography.de

Das Recht der Tiere 4/2009

25


Das Recht der Tiere 4/2009

26

K ATZENHAUS

Kleiner Findling Florian

Rettung in allerletzter

Minute

Eines Morgens steht ein Mädchen vor dem Katzenhaus.

Im Gebüsch hat sie einen kleinen Kater gefunden,

knapp drei Wochen alt. Seine drei Geschwister sind tot,

er selbst zu schwach, um seinen Kopf zu heben. 120

Gramm wiegt das Katzenbaby, das mit 33,4 Grad Körpertemperatur

gefährlich unterkühlt ist (normal sind

38,5 Grad).

Das geschwächte Tier ist voller Flöhe

und Zecken, und das Katzenhaus-Team

findet sogar Maden, die bereits aus

den von Fliegen abgelegten Eiern geschlüpft

sind. Florian wird gebadet, von

den Parasiten befreit und sein Lager

unter einer wärmenden Rotlichtlampe

aufgebaut.

Der kleine Patient bleibt unter ständiger

Beobachtung und nach Tagen intensiver

Pflege kann Monika Bossmann, die

Leiterin des Katzenhauses, erleichtert

feststellen, dass Florian über den Berg

ist. Jetzt, kurz vor Redaktionsschluss, ist

der bezaubernde Kater ca. drei Monate

alt und wickelt seine Bezugspersonen

um die samtenen Pfötchen.

Einige Wochen nach Florians Erscheinen

stehen drei Transportkörbe vor

dem Katzenhaus. Monika Bossmann

Florian war zu schwach, um auch

nur sein Köpfchen zu heben.

findet sie früh morgens und

mit ihnen ein Zettel. Wegen

der Nachbarn können die

drei Katzen nicht mehr gehalten werden,

steht da, und so wird das kleine,

ständig überfüllte Katzenhaus wieder

einmal zum Rettungsanker für in Not

geratene Tiere.

Häufchen Elend von 120 Gramm:

Florian am Tag seiner Rettung

Wie sehr aber das Katzenhaus selbst

auf finanzielle Hilfe angewiesen ist, haben

unsere Mitglieder in unserem letzten

Schreiben lesen können. Monatlich

fehlen dem Katzenhaus ca. 5000 Euro,

um die Kosten für Futter, Medikamente

und tierärztliche Versorgung zu decken.

Diese Notlage entsteht auch deswegen,

weil immer häufiger Katzenwürfe bzw.

tragende Katzen ausgesetzt und sich

selbst überlassen werden - und die Tiere

meist erst dann gefunden werden,

wenn sie bereits in einem sehr ge-

schwächten Zustand sind. Entsprechend

(kosten)intensiv ist dann die tierärztliche

Versorgung, die für das finanzschwache

Katzenhaus jedes Mal

einen zusätzlichen Aderlass bedeutet.

An dieser Stelle danken wir all jenen

Tierfreunden, die sich auf unser Schreiben

entschlossen haben, uns als Paten,

Förderer und ehrenamtliche Helfer zu

unterstützen. "Besonders gefreut hat

mich die Spende zweier Mädchen",

sagt Monika Bossmann. Sie standen

mit einem großen Korb voller Futter

und Katzenleckereien vor der Tür, die

sie von ihrem Taschengeld bezahlt hatten.

Vielen herzlichen Dank für diese

tolle Aktion!

Wenn Sie mit Ihrer Spende dazu beitragen

möchten, dass das Katzenhaus

auch in Zukunft für Tiere in Not da ist,

unterstützen Sie uns bitte.

Auch mit einer Patenschaft helfen Sie

uns schon sehr.

Spendenkonto:

Bund gegen Missbrauch der

Tiere e.V.

Katzenhaus

Postbank Hannover

Kto. 732 223 06

BLZ 250 100 30

Text: CLaudia Lotz


TH ARCHE N OAH

WICHTIG FÜR´S

WOHLBEFINDEN:

DAS GEMEINSAME TOBEN

IN DER GRUPPE

So vergessen Hunde den Zwingeralltag …

Wie in allen bmt-Tierheimen wird auch in der Arche Noah die Hundehaltung in der Gruppe groß geschrieben.

Wenn es das Sozialverhalten des Vierbeiners zulässt, teilt er seine Box mit einem oder mehreren

Artgenossen. Und wer seine Sozialverträglichkeit unter Beweis gestellt hat, kann mit seinen Kumpels

gemeinsam im Freilauf toben. Tierheimleiter Stefan Kirchhoff hat die Kommunikation mehrerer

Hunde im Bild festgehalten.

Regelmäßig lässt das Tierheim-Team

unter Aufsicht Gruppen bis zu 13 Hunde

in den Auslauf. Die Anwesenheit von

mindestens einem, wenn nicht mehr,

Tierpflegern ist dabei unerlässlich. Die

Hunde sollen zwar in gemeinsamer Bewegung

ihr Sozialverhalten ausleben,

doch ohne dabei Rangordnungs- und

Statusspielchen auszufechten (Bild

oben und Bild 2).

"Es sollen und dürfen keine Rudelstrukturen

entstehen", erklärt Tierheimleiter

Stefan Kirchhoff, "weil die Hundegruppen

durch Vermittlungen und Neuaufnahmen

ja dynamisch sind. Ständig

neue Rangordnungen aufzubauen,

wäre viel zu stressig für die Tiere."

3. Stefan Kirchhoff ignoriert

Timos Anspringen

Für die gemischte Hundegruppe, Rüden

und Hündinnen, ist die Beschäftigung

miteinander nicht nur eine willkommene

Abwechslung zum Tierheimalltag,

sondern auch eine notwendige

Voraussetzung für ihr Wohlbefinden.

Die Anwesenheit eines Artgenossen

wirkt sich positiv auf Körper und

Seele aus: Untersuchungen zufolge sinken

durch soziale Verhaltensweisen wie

zum Beispiel die gegenseitige Fellpflege

Stresshormone, Puls und Blutdruck.

Doch die beaufsichtigenden Tierpfleger

haben mehr zu tun, als nur auf die

laufenden Hunde zu schauen. Sie müssen

einschätzen können, ob Begegnungen

von Hunden konfliktträchtig

sind und wann eine Situation in eine

Auseinandersetzung münden könnte.

Der Besenstiel, den alle Tierpfleger in

der Hand halten, dient dabei als verlängerter

Arm. Mit ihm wird der Konflikt

verursachende Hunde kurz angestoßen,

um die Situation zu unterbrechen

(Bild 3).

Gleichfalls muss jede Kontaktaufnahme,

wie zum Beispiel das Anspringen

eines einzelnen Hundes, abgewehrt

werden, weil die Zuwendung zu ihm

Streitigkeiten in der gesamten Gruppe

auslösen könnte. So versuchen die Tier-

Objektspiel von Aica und Whisky

2. Schüchterne Kontaktaufnahme

4. Sabine verhindert Statusspielchen,

sie bleibt in Bewegung

pfleger Statusspielchen unter den Hunden

zu unterbinden, in dem sie selbst

ständig in Bewegung bleiben und so

zum Objekt der Aufmerksamkeit der

Hunde (Bild 4) werden.

Text: Stefan Kirchhoff, Claudia Lotz

Das Recht der Tiere 4/2009

27


Das Recht der Tiere 4/2009

28

P FLEGESTELLEN

bmt im Hunsrück? Ja, den gibt es wirklich!

Und zwar schon ziemlich lange - seit dem

1.8.1996. Es ist nur ein kleiner Ableger des

großen bmt, der dort recht im Verborgenen

im rauen Hunsrücker Klima still vor

sich hin blüht, aber mit seinen Pflegestellen

sehr effektive Tierschutzarbeit leistet.

Von Mechthild Sody (Bild Mitte)

Kürzlich wurde ich, Mechthild Sody, gefragt, wie

ich zum Tierschutz kam. Dies konnte ich sofort mit

Daten und Fakten beantworten. Aber dann kam

ich ins Grübeln mit dem Resultat, ich kam nicht zum Tierschutz,

der Tierschutz war schon immer da...

Aufgewachsen auf einem Bauernhof habe ich mich schon als

kleines Mädchen eingemischt, wenn Tiere ungerecht behandelt

wurden. Dass ich jetzt Tierschutzarbeit leiste, ist faktisch

"genetisch bedingt", so dass mein Lebensweg zwangsläufig

in diese Richtung gehen musste. Aber ich denke, so geht es

den meisten meiner Mitstreiter.

Jedoch gab es ein auslösendes Erlebnis für meine Mitarbeit

beim bmt. Mein Weg führte mich vor vielen Jahren nach Süditalien,

wo ich erstmals mit dem entsetzlichen Dahinvegetieren

der Straßenhunde konfrontiert wurde. Dieses Elend hat

mich nie mehr losgelassen und mein bereits vorhandenes

Helfersyndrom erst richtig aktiviert. Über einige Umwege

kam ich dann in Kontakt mit Werner Sigle, damals Leiter der

Geschäftsstelle Baden Württemberg, der eine Arbeitsgruppe

"Europeans for animals" gegründet hatte.

Er gab mir wertvolle Tipps für meine Tierschutzarbeit im Ausland,

war ich damals doch so etwas wie eine Einzelkämpferin,

nur noch unterstützt von meinem Tierarzt Dieter Geiß und

seiner Frau Ellen. Und irgendwann kam der Tag, an dem

Werner Sigle mich einlud, beim bmt mit zu arbeiten.

Wir bekamen den Namen "Arbeitsgruppe Hunsrück" und waren

ein eigenständiges Team unter meiner Verantwortung

gegenüber der Geschäftsstelle Baden Württemberg. Ein Tierheim

hatten wir natürlich nicht, aber einige wenige Gleichgesinnte,

die als Pflegestellen mitarbeiten wollten. Leider ist

im Laufe der Jahre, außer dem Ehepaar Geiß und mir niemand

mehr übrig geblieben von den damaligen Helfern.

Tierschutzarbeit erfordert sehr viel Durchhaltevermögen, immer

getragen von dem tiefen Wunsch, Tieren helfen zu wollen

- das ist mehr als die meisten Menschen zu leisten bereit

sind. Mit einem reinen Hobby hat diese ehrenamtliche Tätigkeit

nichts mehr zu tun. Und dennoch kann ich rückblickend

sagen: Sobald sich eine Tür schloss, ging eine neue auf,

fast wie "ferngesteuert"…

Heute habe ich hier auf dem Hunsrück drei Hauptpflegestellen,

auf die ich sehr stolz bin, denn sie leisten alle hervorra-

Der bmt im Huns

DER KLEINE BRUDER DES GROßEN bmt

Ehepaar Ambrosia und Eva Barkowski, rechts Jasmin Schlösser

gende Arbeit. Und es ist wirklich an der Zeit, sie einmal vorzustellen

und ihnen auf diesem Wege Dank und Anerkennung

zukommen zu lassen.

Allen voran und bereits seit 12 Jahren mit ganzem Herzen

dabei: Eva Barkowski aus Rheinböllen.

Die zum Teil wirklich aufopferungsvolle Pflege vieler

kranker und auch alter Hunde ist ihre Lebensaufgabe,

aber gleichzeitig auch ihr Lebenselixier.

Bei ihr finden vor allem kleinere, kranke oder ältere

Hunde Aufnahme und werden liebevoll gepäppelt

bis zu ihrer Vermittlung. Eva Barkowski

dazu: "Der bmt ist eine seriöse Organisation,

sonst wäre ich nicht so lange dabei, und ich habe

bisher keine Minute bereut".

Seit einigen Jahren wird sie von dem mit ihr befreundeten

Ehepaar Ambrosia unterstützt. Gemeinsam geht

es täglich mit allen Hunden zum Spaziergang, sonntags zum

Pick-nick, zu Vor- und Nachkontrollen, Tierarztfahrten etc..

Ständig wechseln sich Sorgen und Freuden mit den Tieren ab,

täglich tun sich neue Sozialkontakte durch die Arbeit mit den

Hunden auf - es bleibt keine Zeit, alt zu werden! Ihr werdet

noch viele Jahre gebraucht.

Fast 6 Jahre dabei und noch immer hoch motiviert ist Familie

Schlösser aus Morbach, allen voran die Mutter

der Kompanie, Marianne Schlösser. Unterstützt wird sie von

ihrem Mann Wolfgang, Sohn Max und den drei Töchtern Sophia,

Jasmin und Steffi. Viele Hunde sind in dieser Zeit durch

den Haushalt der Schlössers gegangen. Als gelernte Tierarzthelferin

ist Marianne sehr versiert in allen Belangen rund

um den Hund.

Mancher verängstigte Vierbeiner hat in den Betten der Töchter

zum ersten Mal menschliche Nähe und Wärme kennen

gelernt. Viele Kilometer fährt der VW-Bus der Schlössers im

Laufe eines Jahres in Sachen Tierschutz. Und Wolfgang

Schlösser muss leider sehr oft zähneknirschend die "Baustellen"

der Pflegehunde in seinem großen Garten beseitigen. Alle

halten durch, auch wenn es oft auch mal schwierig und anstrengend

ist.


ück

LEISTET EFFEKTIVE TIERSCHUTZARBEIT

Anja Wagner mit Mann Reinhold und Sohn Roman

arbeiten nun seit ca. 4 Jahren als Pflegestelle bei uns mit. Aus

dem Frankfurter Raum in einen kleinen Bauernhof in den

Hunsrück gezogen, leben Wagners in Bell. Der bmt war ihnen

durch das Tierheim Elisabethenhof in Reichelsheim bekannt,

so dass uns dann eines Tages angeboten wurde, als

Pflegestelle mit zu arbeiten.

Viele, teilweise auch wirklich schwierige, "Fälle" sind mittlerweile

durch den Haushalt der Familie Wagner gegangen.

Kinder-unverträgliche Hunde wurden dank Roman (8 Jahre)

wieder freundlich, die Behandlung von Ratong, unserem

Allergiehund, wurde konsequent durchgezogen

oder unser alter Martin liebevoll wieder

aufgebaut, bis er endlich ein neues

Zuhause finden konnte, mit

dem niemand mehr gerechnet

hatte.

Eine Besonderheit haben

diese 3 Pflegestellen

gemeinsam - alle

Erwachsenen sind ausgebildete

Altenpfleger.

Sie haben das "Pflegen"

sozusagen verinnerlicht

und auf die Tiere übertragen.

Mit zu unserer Truppe gehört

auch Christa Schaack, unser Mädchen

für alles, besonders für´s Fotografieren

(sie hat eine künstlerische Ader), als gelegentliche Hundebetreuerin

und leider nur selten auch mal als Pflegestelle.

Nicht zu vergessen Ellen und Dieter Geiß, hoch ambitioniert

von Anfang an. Gemeinsam haben wir so vieles

durchgestanden, Freude und Leid geteilt. Ohne sie wäre so

vieles nicht möglich gewesen: Unzählige Welpen hat Ellen

Geiß groß gezogen und gut vermittelt. Als Tierarzt ist Dieter

Geiß nun in den wohlverdienten Ruhestand gegangen. Aber

beide sind Freunde für´s Leben und werden immer dem Tierschutz

verbunden bleiben

Wir sind zwar nur eine kleine Gruppe, aber

wir arbeiten sehr effektiv. Zwischen 40 und 50

Hunde durchlaufen jährlich die Pflegestellen.

Unsere Vermittlungsarbeit ist qualitativ sehr

hoch, Rückläufe sind äußerst selten. Das erste

Gespräch mit Interessenten führe ich immer

selbst und gebe erst weiter an die Pflegestellen,

wenn echtes Interesse an einem bestimmten

Hund besteht.

So gibt es bei uns keine Laufkundschaft wie in

Christa Schaack

E HRENAMTLICHE

Tierheimen.

Das hat zwar

Vor- und

Familie Schlösser

Nachteile, ist

uns aber lieber

so. Unangenehme

Interessenten

kommen

meistens

nicht bis zu

den Pflegestellen.

Kein

Hund geht

Familie Wagner

bei uns ohne

Vorkontrolle

in sein neues Zuhause - das ist besonders wichtig. Nach der

Vermittlung halten wir über längere Zeit Kontakt, wie es halt

der einzelne Fall ergibt. Daraus sind schon Freundschaften

und Mithelfer über viele Jahre entstanden.

Ganz wichtig ist uns auch der jährliche Termin in der Sendung

"Tiere suchen ein Zuhause". Hier haben wir die Möglichkeit,

Hunde mit Handicaps und ältere Vierbeiner vorzustellen und

zu vermitteln.

Natürlich gibt es auch bei uns Konflikte, untereinander, mit

Interessenten und wem auch immer. Oft haben wir uns alle

schon gefragt, warum wir uns eine solche Arbeit antun, neben

Berufstätigkeit und familiärem Geschehen. Häufig war

es so schwer, dass wir alles hinschmeißen wollten. Aber

irgendwie ging es für uns alle immer wieder weiter. "Motiviert"

durch die grausamen Verbrechen an Tieren, vor allem im

Ausland, haben wir es immer wieder geschafft, unsere persönlichen

Belange hinten an zu stellen und mit unserer Arbeit

einen positiven Gegenpol zu bilden.

Unser Lohn? Den gibt es "nur" auf emotionaler Ebene. Die

Freude darüber, einen guten Platz gefunden zu haben bei

Menschen, die gerade einem geschundenen, alten oder

kranken Hund ein Zuhause geben wollen, wie es bei dem

11jährigen Kettenhund Martin und vielen anderen

der Fall war. Das sind unsere Highlights!

Ich bin mächtig stolz auf meine Pflegestellen.

Niemand Außenstehender kann ermessen,

was dort geleistet wird, sehr professionell und

doch mit sehr viel Herz. Ich hoffe, wir können

unsere gemeinsame Arbeit noch viele Jahre

zum Wohle der Tiere leisten.

Das Recht der Tiere 4/2009

29


Das Recht der Tiere 4/2009

30

T IERSCHUTZZENTRUM

Ralf und Regina aus Rumänien:

Eine Liebe

im Tierheim

Zur Zeit sprechen alle von "Hachiko", einem Film, der,

durch eine wahre Begebenheit inspiriert, anrührend

von einer wunderbaren Freundschaft zwischen Hund

und Mensch erzählt.

Nicht weniger anrührend jedoch ist die Geschichte von

Ralf und Regina, zwei rumänischen Straßenhunden, die

sich im Tierheim kennen und lieben lernten. Ohne gestellte

Szenen, ganz einfach, wie sie das Leben schreibt.

Beide Hunde brachten ihr ganz persönliches

Schicksal mit.

Ralf, der jetzt fünfjährige Schäferhundmischling,

konnte die schweren Misshandlungen,

die ihm ein Mann zugefügt

hatte, nicht vergessen. Als er vor

einem Jahr zu uns kam, war er nervös

und sehr misstrauisch, anfangs auch

Frauen gegenüber. Doch das legte sich

bald, und einige auserwählte weibliche

Mitarbeiter erwarben sich sein Vertrauen.

Näherten sich ihm jedoch weniger

vertraute Personen, besonders Männer,

legte Ralf sofort die Ohren an und begann

zu knurren und zu bellen. Wer

konnte es ihm verdenken? Doch nach

und nach spürte er, dass ihm hier im

Tierheim keinerlei Gefahr mehr drohte.

Nun zeigte Ralf, was eigentlich in

Ralf (5) würde am liebsten bei

Frauen einziehen …

... und Regina (2) macht alles

mit, was Freund Ralf gut tut.

ihm steckte: ein Sensibelchen, von uns

oft liebevoll "unsere männliche Prinzessin"

genannt.

Als Ralf sich entspannt und eingelebt

hatte, kam die Zeit, in der er Gassi gehen

durfte. Mit seiner Gassigängerin

verband ihn bald eine innige Zuneigung.

Und da er sie so liebte, akzeptierte

er auch ihren Mann. Doch nach

wie vor fühlt Ralf sich mehr zu Frauen

hingezogen.

Regina, die zweijährige Vizslamischlingshündin,

verbrachte ihr erstes Lebensjahr

ebenfalls in einer Gruppe von

Straßenhunden in Rumänien. Als sie

bei einem Unfall verletzt wurde, nahm

sie eine rumänische Tierfreundin vorübergehend

auf. Doch sie konnte die

Hündin nicht behalten. So trat auch Regina,

drei Monate später als Ralf, die

große Reise zu uns ins Tierheim an.

Scheu und ängstlich allem Neuen

gegenüber, war es schwer, Kontakt zu

ihr aufzubauen. Vor Tierheimbesuchern

versteckte sie sich immer wieder.

Die Chancen einer Vermittlung waren

dadurch sehr gering.

Regina wurde immer wieder in eine

neue Hundegruppe integriert, um ihr

die Möglichkeit zu geben, sich anderen

Hunden enger anzuschließen, alles

schlug fehl. Dann kam der Tag, an dem

sie sich mit Ralf und seinen vierbeinigen

Mitbewohnern einen Raum teilen musste.

Ralfs Vorliebe für die holde Weiblichkeit

bezieht sich jedoch nicht nur auf Zweibeiner.

Auch bei den Artgenossen bevorzugt

er eindeutig die Damen.

Regina hatte es ihm angetan, und mit

seinem ganz eigenen Charme eroberte

er langsam ihr großes Hundeherz.

Nun sind beide ein Herz und eine Seele.

Und uns allen ist klar: um diese

wunderbaren Herzen nicht zu brechen,

müssen sie gemeinsam ein Zuhause

finden.

Text und Fotos: Grabriele Rudolph

Diese


Tiere suchen ein schönes Zuhause

Ringo

Dreibeiner sucht ein Zuhause

Sam

Von Tierquäler angeschossen

Marty & Martina

Geschwisterpaar für sportliche Menschen

Auf seinen ganz persönlichen Glückstag wartet noch immer unser

Pechvogel Ringo. Vielleicht erinnern Sie sich? Wir hatten den

3 Jahre alten Rüden bereits in der Dezemberausgabe 2008 des

RdT als Notfall vorgestellt. Der quicklebendige Terrier-Mix war

anschließend auch kurzzeitig vermittelt, kam aber auf Grund

persönlicher Probleme seines Besitzers wieder zurück. Ringo ist

ein anhänglicher, verschmuster Hund, der voller Lebensfreude

steckt und sich mit seiner Dreibeinigkeit gut arrangiert.

Er läuft an der Leine und kennt auch schon einige Grundkommandos.

Da er sehr unter dem Tierheimleben leidet, wünschen

wir uns nun verantwortungsvolle Menschen, die Ringo ein endgültiges

(ebenerdiges)

Zuhause geben.

Kontakt: Tierheim

Elisabethenhof

(s. Seite 34).

Sam ist ein total verschmuster,

dreijährige Mischlingsrüde. Er hat

ein schreckliches Schicksal in Rumänien

hinter sich. In Prejmer, bei

Brasov, wurde wahllos auf Besitzer-

und auf Straßenhunde geschossen.

Die Tierquäler wurden

ermittelt und angezeigt. Sam hat

mit einem durchschossenen Bein

und mehreren Schrotkugeln im

Körper überlebt. Sein Bein musste

operiert werden. Inzwischen kann

er es wieder gut belasten. Die

Schrotkugeln im Körper allerdings

konnte man nicht entfernen - nun

suchen wir für ihn Menschen, die

diese Behinderung nicht stört, und

die immer ein wachsames Auge

auf seinen gesundheitlichen Zustand

haben.

Kontakt: Tierschutzzentrum (s. S. 34).

T IERE IN N OT

Titelhund Shadow, kastriert, 2 Jahre alt, ist gut erzogen.

Der eher ruhige Border Collie-Mix ist verträglich

mit Artgenossen und Katzen, kinderlieb,

fährt gerne Auto und kann auch alleine bleiben -

ein echter Traumhund. Jetzt das ABER: An der Leine

drängt er zu anderen Hunden, will sie begrüßen

und bellt sie an. Mit Katzen will er ständig spielen, wird

von den meisten aber als aufdringlich empfunden. Also

besser kein Zuhause mit älteren oder hundeunerfahrenen

Katzen! Der Rüde hat Epilepsie. Mit den

entsprechenden Medikamenten sind Anfälle aber

recht selten. Wenn sie auftreten, dann allerdings

sehr heftig in Form von unruhigen Krämpfen, bei

dem sich auch mal Kot und Urin lösen kann.

Kontakt: Tierheim Arche Noah (s. Seite 34).

Shadow

Martina & Marty

Traumhund mit kleinen Handicaps

(geb. 13.6.2009)

sind Geschwister.

Beide sind sehr verschmust, anhänglich und mit ihren Artgenossen

super sozialisiert. Sie können zusammen vermittelt

werden, natürlich auch einzeln, aber sehr gerne als Zweithunde.

Beide suchen sportliche Familien, gerne mit älteren

Kindern, die genügend Zeit haben und ihre Erziehung in

kompetente Hände nehmen. Nähere Auskünfte:

Frau Sody Tel. 06764-1502, www.bmt-nrw.de

Das Recht der Tiere 4/2009

31


Das Recht der Tiere 4/2009

32

W EIHNACHTEN

In Zeiten des Klimawandels, qualvoller Massentierhaltung,

grausamer Schlachttiertransporte sowie des unbefriedigenden

Zustands unseres Gesundheitssystems findet das Thema

Vegetarismus zunehmend öffentliches Interesse.

Die potentiellen Vorteile einer vegetarischen Ernährung machen

diese Kostform für immer mehr bewusst lebende Menschen

zur Ernährungsweise ihrer Wahl. Die fast schon regelmäßig

auftretenden Lebensmittelskandale beunruhigen die

Öffentlichkeit und tragen zur Entscheidung bei, sich vegetarisch

zu ernähren.

Der Vegetarismus ist nicht nur eine Ernährungsweise, sondern

ein Lebensstil, der neben gesundheitlichen auch ethische,

ökologische, soziale und wirtschaftliche

Aspekte einbezieht. Der sich abzeichnende

Klimawandel, die zunehmende Umweltbelastung,

die Nahrungs- und Wasserunsicherheit

einer rasant wachsenden Weltbevölkerung

und die damit verbundenen Monokulturen

und Massentierhaltungen sind Probleme, die

durch eine vegetarische Ernährungsweise erheblich

entschärft werden können. Vegetarische

Ernährung ist deutlich weniger Klima belastend,

benötigt erheblich weniger Ackerland

und achtet die Tierrechte.

Seit dem Erscheinen der 1. Auflage "Vegetarische

Ernährung" sind dreizehn Jahre vergangen.

In dieser Zeit gab es einen kräftigen Anstieg

wissenschaftlicher Untersuchungen und Veröffentlichungen,

die sich mit den verschiedenen Aspekten der vegetarischen

Ernährung befassen. Diese Literatur wurde von

den Autoren gesichtet und ausgewertet, so dass eine Reihe

neuer Erkenntnisse Eingang in die vorliegende, völlig neu bearbeitete

2. Auflage fanden.

Die Schwerpunkte des Buches sind die historische Entwicklung

des Vegetarismus, das Potential zur Krankheitspräven-

Tierschutz auch zu

BÜCHER - FÜR SIE GELESEN

"Vegetarische

Ernährung"

Wir möchten Ihnen dieses Buch gerade auch in der

Weihnachtszeit ans Herz legen, weil in den Festtagen

der Fleischverzehr traditionell noch einmal

in die Höhe schnellt. Der Großteil der unter Tierqual

erzeugten Produkte stammt aus industriellen

Massentierhaltungen, viele mittlerweile aus Osteuropa.

Darum unsere Bitte: Eine vegetarische Ernährung

lässt nicht nur Tiere leben, sondern tut

auch Mensch und Umwelt gut.

tion und die Versorgungslage der Vegetarier mit Nährstoffen.

Das Buch bewertet die vegetarische Ernährung wissenschaftlich

auf Basis der umfangreichen Fachliteratur und stellt die

zahlreichen Vorzüge und auch die potentiellen Risiken des

Vegetarismus vorurteilsfrei und neutral dar.

"Vegetarische Ernährung" ist ein äußerst interessantes und

fundiertes Buch für alle Menschen, die sich für den Vegetarismus

interessieren und besonders empfehlenswert für diejenigen

Tierfreunde, die nicht weiter mitschuldig sein wollen

am Leid der Tiere in den modernen Agrarfabriken und sich

deshalb mit dem Gedanken tragen, ihre Ernährungsgewohnheiten

zu ändern.

Claus Leitzmann, Jahrgang 1933, hat

Chemie, Mikrobiologie und Biochemie in den

USA studiert und dort als Molekularbiologe

gearbeitet. Seit 1974 arbeitet er am Institut für

Ernährungswissenschaft der Universität Gießen.

Seine Forschungsgebiete sind die internationale

Ernährung, Vegetarismus, Vollwert-

Ernährung und Ernährungsökologie.

Markus Keller, Jahrgang 1966, studierte

Ökotrophologie an der Universität Gießen.

Nach einer Tätigkeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter

bei Prof. Leitzmann am Institut für Ernährungswissenschaft

der Universität Gießen

arbeitet er seit 1997 als freiberuflicher wissenschaftlicher Autor,

Lehrbeauftragter und Dozent. 2009 gründete er das Institut

für vegetarische Ernährung.

Am Donnerstag, den 14. Januar, ist Dr. Markus

Keller im bmt-Tierheim Elisabethenhof zu Gast

mit einem Vortrag zum Thema "Vegetarische Ernährung

- Alles, was man wissen muss"


Weihnachten

"WINTER IN MAINE"

von Gerard Donovan

Julius Winsome lebt allein mit seinem

Pitbull Terrier Hobbes und 3282 Büchern

in den Wäldern von Maine. Sein

Leben ist geprägt von

Verlusten. Mutter, Vater

und Claire, seine große

Liebe - alles hat er

verloren. Als an einem

kalten Herbstnachmittag

sein Hund von einem

Jäger erschossen

wird, gerät sein Leben

aus dem Gleichgewicht.

Er beschließt Rache

an den Mördern

seines treuen Weggefährten

zu nehmen

und macht Jagd auf die Jäger.

"Winter in Maine" ist sicherlich kein

Anti-Jagd-Buch im klassischen Sinne,

dennoch ist dieser Roman ein ergreifendes

Plädoyer gegen den Haustierabschuss.

Zweifelsohne sind Jagdund

Waffengesetzgebung in den USA

und Deutschland unterschiedlich geregelt,

doch das Leid der Tiere und der

Schmerz von Haustierbesitzern über

den Verlust ihres geliebten Vierbeiners,

sind international. Jäger, die auf Hunde

schießen, sollten dieses Werk als

Warnung ansehen, denn wer weiß,

vielleicht wartet bereits ein Julius Winsome

in den Wäldern …

Gerard Donovan wurde 1959 in

Irland geboren, studierte Philosophie

und Germanistik und lebt heute mit

seinem Pitbull Hobart in einer ehemaligen

Bahnstation im Staat New York.

Vor fünf Jahren wurde die Hündin seines

Nachbarn von einem unbekannten

Jäger angeschossen. Dieser Vorfall

inspirierte ihn zu seinem Roman. Die

englische Tageszeitung The Guardian

kürte "Winter in Maine" zum "Buch des

Jahres 2008".

Texte: Mike Ruckelshaus

DER GROßE bmt-TIERSCHUTZ

KALENDER 2010

Verschenken Sie den bmt-Kalender

und machen Sie damit nicht nur

Tierfreunden eine große Freude:

Denn der Erlös kommt zu 100% den

Tieren zugute, die der bmt betreut.

Jeder Monat wird von einem ausgewählten

Zitat zum Thema Mensch-

Tier-Beziehung begleitet. Die Bilder

zeigen Tiere, die vom bmt gerettet

wurden. Einige sind vermittelt, andere

warten noch in unseren Tierheimen

auf ein Zuhause. Helfen Sie

uns, damit wir noch mehr Tieren in

Not beistehen können. Vielen Dank!

Der Kalender kostet 7,50 (zuzüglich

1,45 Euro Porto).

Bestellung bei:

Bund gegen Missbrauch der Tiere e.V.

Claudia Lotz,

Tel: 030/80 58 33 38

claudia.lotz@bmt-tierschutz.de

Überweisung bitte auf das

bmt-Konto Postbank München,

Konto: 1819 30-807,

BLZ 700 100 80,

Stichwort bmt-Kalender 2010

ANZEIGE

Das Recht der Tiere 4/2009

33


Das Recht der Tiere 4/2009

34

HAUPTGESCHÄFTSSTELLE

Viktor-Scheffel-Straße 15, 80803 München

Tel. (089) 38 39 52-0, Fax (089) 38 39 52-23

Postbank München Kto. 1819 30-807 (BLZ 700 100 80)

VORSTAND

1. Bundesvorsitzender:

Dr. Jörg Styrie

Alt-Heiligensee 42, 13503 Berlin

Tel. (030) 43 65 58 63, Fax (030) 43 65 58 65

2. Bundesvorsitzende:

Petra Zipp, Tierschutzzentrum Pfullingen

Gönninger Straße 201, 72793 Pfullingen

Tel. (07121) 820 17 -23, Fax (07121) 820 17 -18

Bundesschatzmeister:

Bernd Stephan, Kaiser-Friedrich-Promenade 82

61348 Bad Homburg

Tel. (06172) 138 80 26, Fax (06172) 23 691

Bundesschriftführerin:

Karin Stumpf, Am Heiligenhäuschen 2, 50859 Köln,

Tel. (0221) 950 51 55, Fax (0221) 950 51 57

LANDESVERBÄNDE

B UND GEGEN M ISSBRAUCH DER T IERE

MIT 10 GESCHÄFTSSTELLEN , 8 TIERHEIMEN UND EINEM TIERSCHUTZZENTRUM

LV Baden-Württemberg (www.tierschutz-bmt-bw.de)

Tierschutzzentrum Pfullingen

Leiter: Dr. Uwe Wagner

Leiterin (TH): Petra Zipp

Gönninger Straße 201, 72793 Pfullingen

Tel. (07121) 820 17 -0, Fax (07121) 820 17 -18

Kreissparkasse Reutlingen Kto. 75 7889 (BLZ 640 500 00)

LV Bayern (www.bmt-bayern.de)

Leiterin: Ewa Gara

Viktor-Scheffel-Straße 15, 80803 München

Tel. (089) 38 39 52-13, Fax (089) 38 39 52-23

Postbank München Kto. 142 20-802 (BLZ 700 100 80)

LV Berlin (www.tierschutz-bmt-berlin.de)

Leiter: Dr. Jörg Styrie

Alt-Heiligensee 42, 13503 Berlin

Tel. (030) 43 65 58 63, Fax (030) 43 65 58 65

Postbank Berlin Kto. 9603-107 (BLZ 100 100 10)

LV Hamburg / Schl.-Holstein (www.franziskustierheim.de)

Geschäftsstelle: Tel. (040) 55 49 28-34, Fax -32

„Franziskus-Tierheim“, Tel. (040) 55 49 28 37

Leiter (TH): Frank Weber

Lokstedter Grenzstraße 7, 22527 Hamburg

Haspa Kto. 1049220799 (BLZ 200 505 50)

LV Hessen / Rheinland-Pfalz / Saarland

1. Geschäftsstelle u. Tierheim „Elisabethenhof“

(www.tierheim-elisabethenhof.de)

Leiter (Gst.): Mike Ruckelshaus, Tel. (06035) 96 11 11

Leiter (TH): Christian Werner

“Elisabethenhof”, Siedlerstraße 2, 61203 Reichelsheim

Tel. (06035) 59 16, Fax (06035) 96 11 18

Frankfurter Sparkasse Kto. 5975 (BLZ 500 502 01)

2. Tierheim „Wau-Mau-Insel“ (www.wau-mau-insel.de)

Leiterin (Gst.): Petra Hollstein

Leiter (TH): Karsten Plücker

Schenkebier Stanne 20, 34128 Kassel

Tel. (0561) 86 15 680, Fax (0561) 86 15 681

Kasseler Sparkasse Kto. 70 700 (BLZ 520 503 53)

AUSLANDSTIERSCHUTZ

Koordination im Tierschutzzentrum Pfullingen

Sonderkonto Ausland:

Rumänien und Ungarn

Frankfurter Sparkasse Kto. 847 275 (BLZ 500 502 01)

LV Niedersachsen

1. Geschäftsstelle u. Tierheim „Arche Noah“

(www.tierheim-arche-noah.de)

Leiterin (Gst): Anke Mory; Tel. (0170) 632 52 40

Leiter (TH): Stefan Kirchhoff,

Rodendamm 10, 28816 Stuhr/Brinkum

Tel. (0421) 890171, Fax 80 90 553

Kreissparkasse Syke Kto. 113 000 29 57 (BLZ 291 517 00)

2. “Katzenhaus Luttertal“, (www.katzenhaus-luttertal.de)

Luttertal 79, 37075 Göttingen

Leiterin: Monika Bossmann, Tel. (0551) 2 28 32

Postbank Hannover Kto. 732 223 06 (BLZ 250 100 30)

Mitglieder- und Spendenverwaltung durch das

Tierheim „Wau-Mau-Insel“ Kassel

3. Geschäftsstelle Norden

Leiter: Dieter Kuhn und Ursula Sottmeier

Nordbuscherweg 17, 26553 Dornum

Tel. (04933) 99 28 24, Fax (04933) 99 28 26

Tierheim Hage (www.tierheim-hage.de)

Hagermarscher Str. 11, 26524 Hage

Tel. (04938) 4 25, Fax (04938) 91 49 90

Raiffeisen-Volksbank Fresena e.G. Norden

Kto. 6302020300 (BLZ 283 615 92)

LV NRW

1. Geschäftsstelle u. Tierheim Dellbrück

(www.tierheim-koeln-dellbrueck.de)

Leiterin (Gst): Sylvia Bringmann , Leiter (TH): Bernd Schinzel

Iddelsfelder Hardt, 51069 Köln

Tel. (0221) 68 49 26, Fax (0221) 68 18 48

Postbank Köln Kto. 924 02-505 (BLZ 370 100 50)

2. Geschäftsstelle Issum (www.bmt-nrw.de)

Leiterin: Dagmar Weist

Drosselweg 15, 47661 Issum

Tel. (02835) 44 46 97, Fax (02835) 44 46 99

Sparkasse am Niederrhein

Kto. 111 500 2063 (BLZ 354 500 00)

WEITERE ANSCHRIFTEN VON MITARBEITERN:

Mike Ruckelshaus

(mike.ruckelshaus@web.de)

Wissenschaftlicher Mitarbeiter

Tel. (06035) 96 11 11, Fax (06035) 96 11 18

Torsten Schmidt

(torsten.schmidt@bmt-tierschutz.de)

Wissenschaftlicher Mitarbeiter, An der Kirsebek 3,

24376 Kappeln, Tel. (04642) 922 407, Fax (04642) 922 714

Claudia Lotz (Redakteurin)

(lotzcl@nexgo.de)

Sauerbruchstr. 11, 14109 Berlin,

Tel. (030) 80 58 33 38, Fax (030) 80 58 33 39

Gisela Lichterfeld (Tierschutzlehrerin)

(huglichterfeld@gmx.de)

Kirchhellener Ring 93, 46244 Bottrop-Kirchhellen

Tel. (02045) 23 54

www.bmt-tierschutz.de


FÜR BERND

NACHRUF VON HOLGER WIRRINGA

Still und leise bist Du in unser Leben getreten. Die Spuren,

die die dunkle Seite des Lebens bei Dir zurück gelassen hat,

waren unübersehbar, als Du zu uns gezogen bist, aber Du

hast stets den Kopf oben gehalten und uns mit Deiner Geduld,

Deiner großen Weisheit und Deiner Würde gezeigt,

dass es sich lohnt, für ein gutes Leben zu kämpfen. Wir hatten

zwei wunderbare gemeinsame Jahre, Du wurdest unser

bester Freund, unser engster Vertrauter und die heimliche

Nummer Eins der Familie. Nichts und Niemand wird

das je ändern können - nicht einmal der Tod.

Eines Tages werden wir uns auf der anderen Seite der Regenbogenbrücke

wiedersehen und wir hoffen, dass wir

selbst diesen schweren Schritt mit der gleichen Ruhe gehen

werden können, wie Du ihn in meinen Armen gegangen

bist. Wir werden uns wiedersehen und gemeinsam, Seite an

Seite, die große Reise in die Unendlichkeit antreten. Dann

werden wir nie wieder getrennt sein. Nie wieder.

In tiefer Trauer, aber voller Dankbarkeit und unendlicher

Liebe, Holger, Sigrun, Viktoria, Martti, Elli, Oma und Opa

und alle, die Dich immer lieb haben werden.

Im RdT 2/08 hatten

wir die Geschichte Bernd

des Huskys Bernd

erzählt.

Der Fundhund war

schwer vernachlässigt

gefunden und im April

2007 vom Tierheim

Hage aufgenommen worden. Nach zwei Operationen und

mehreren Behandlungen war Bernd vermittlungsbereit, und

das Tierheim suchte über den "Norder Echo" zuerst einmal

Gassigänger für den Rüden. Familie Wirringa auf Norderney

las den Aufruf, und fortan nahm der Familienvater jeden

Samstagmorgen die erste Fähre um 6.00 Uhr nach Norddeich,

um mit dem Husky zu laufen.

WEIHNACHTSMOTIV MIT TIEREN

Erlös kommt Tierheim Hage zugute!

Erinnern Sie sich an den RdT-Bericht (4/08) über die Künstlerin aus Norden,

die aus Papierschnipseln wunderbare Tier- und Landschaftsszenen

zusammensetzte? Die Erlöse der

verkauften Drucke kamen dem

Tierheim Hage zugute. Auch in

diesem Jahr hat sie zugunsten des

Tierheims ein bildschönes Motiv

entworfen. Mehr Infos bei der

Künstlerin: Ursula Karge,

Hollweg 20 b, 26506 Norden,

Telefon 04931 / 3166

TH HAGE

Holger Wirringa und Bernd im Sommer 2008

Am 4. August holte ihn die vierköpfige Familie auf die Insel

und begleitete mit sehr viel Achtsamkeit und Sensibilität die

Vergesellschaftung von Bernd mit Elli, der bereits im Haus lebenden

Huskyhündin. Die Annäherung der beiden führte

durch Höhen und Tiefen, Elli verteidigte noch einige Zeit ihren

Status als Ersthündin, bis Holger Wirringa ganz glücklich

an seine Freunde schrieb: In Ellis Augen leuchten endlich die

Herzchen! Bis zu 100 Kilometer lief der Bürokaufmann mit

seinen Huskys in der Woche über Dünen, durch Wälder, am

Strand entlang und durchs flache Wasser - und gab Bernd

die Sicherheit, endlich angekommen zu sein.

Als der bmt am 1. Juni 2008 den Husky inmitten seiner neuen

Freunde auf der Nordseeinsel besuchte, trafen wir einen

Hund, dessen Augen voller Vertrauen waren.

Wie wunderbar, dass es Menschen

wie die Familie Wirringa

gibt, die Tieren soviel Liebe

zu geben haben…

Das Recht der Tiere 4/2009

35


„Das Recht der Tiere“ – Postvertriebsstück B 13769 – Entgelt bezahlt

Bund gegen Missbrauch der Tiere e.V.

Als gemeinnützig und besonders förderungswürdig anerkannt

Beiträge und Spenden sind steuerlich absetzbar

Hauptgeschäftsstelle: D-80803 München , Viktor-Scheffel-Str.15

Tel. (089) 3839520 Fax (089) 38395223

ALLEN TIERFREUNDEN EIN SCHÖNES WEIHNACHTSFEST UND EIN GLÜCKLICHES NEUES JAHR!

Ich unterstütze den Bund gegen Missbrauch der Tiere e.V. und

ÜBERREICHT VON:

Wir möchten Ihnen an dieser Stelle sehr

herzlich für Ihre Unterstützung danken, mit

der Sie unsere Tierschutzarbeit ermöglicht

haben.

Mit Ihrer Hilfe konnten wir zahlreichen Tieren

ein besseres Leben bescheren und in vielen

Fällen sogar das Leben retten!

Bitte vertrauen Sie uns auch im kommenden

Jahr und lassen Sie uns gemeinsam für Tiere

da sein.

Wir wünschen Ihnen im Kreis Ihrer Familie

und Tiere ein wundervolles Weihnachtsfest

und einen hoffnungsvollen Start in das Neue

Jahr.

Ihr bmt-Team

werde Mitglied zum selbstbestimmten Jahresbeitrag von EUR ......................................................................

(Mindest-Jahresbeitrag: 20 EURO. Mitgliedschaft kann jederzeit satzungsgemäß beendet werden.)

Nach Überweisung des Beitrages erhalten Sie Ihre Mitgliedsunterlagen.

spende hiermit EUR ..................................................................................................................................................................

Name:............................................ Vorname:.......................................... Geburtsdatum:..............................................

PLZ und Ort:....................................................... Straße und Hausnr.:............................................................................

Telefon:.............................................................. E-Mail-Adresse:...................................................................................

Beruf:................................................................. Datum:.............................. Unterschrift:.............................................

(Die Spendenkonten finden Sie auf S.34)

Bitte Coupon ausschneiden und frankiert an die Hauptgeschäftsstelle oder untenstehende Geschäftsstelle senden.

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine