DAS RECHT DER TIERE DAS RECHT DER TIERE - Bund gegen ...

bmt.tierschutz.de

DAS RECHT DER TIERE DAS RECHT DER TIERE - Bund gegen ...

Oktober 2011

DAS RECHT DER TIERE

T IERSCHUTZMAGAZIN VOM B UND G EGEN M ISSBRAUCH DER T IERE E.V.

BRASOV IM

AUFBRUCH

HOFFNUNG

FÜR RUMÄNIENS

STRASSENHUNDE!

GUTACHTEN

STELLT KLAR:

TIERSCHUTZ-

TRANSPORT

VON AUSLANDS-

HUNDEN IST KEIN

HUNDEHANDEL

KONSEQUENT

KEINE GÄNSE-

STOPFLEBER AUF

ERNÄHRUNGSMESSE


Das Recht der Tiere 3/2011

2

I NHALT

8

Wendepunkt in Brasov

Die Hunde brauchen jetzt unsere Hilfe!

20

EU-Fischereipolitik

Meere vor dem Kollaps

36

Haben Sie einen

Missstand beobachtet?

So können Sie den Tieren helfen!

4 IM BRENNPUNKT

Ein Gutachten schafft Klarkeit:

Das Verbringen Tierschutz-Hunden aus dem Ausland ist kein Tierhandel!

14 UNGARN

Der bmt baut ein Welpenhaus

im Tierheim Pecs

Impressum

DAS RECHT DER TIERE Nr. 3/2011 Mitgliederzeitschrift des Bund

gegen Missbrauch der Tiere e. V.; Herausgeber: Bund gegen Missbrauch

der Tiere e.V, Viktor-Scheffel-Str. 15, 80803 München, Deutschland, Email:

mail@bmt-tierschutz.de; Redaktion: Verantwortlicher Redakteur .i.S.d.P.:

Claudia Lotz, Tel.: (030) 80 58 33 -38, Fax: -39, Petra Zipp, Tel.: (07121)

820 17 -0, Fax: -18; Rubrik Tierschutzpolitik Verantwortlicher Redakteur

i.S.d.P.: Torsten Schmidt, Tel.: (04642) 92 24 97;

Gestaltung: Stefan Lotz, Andrea Sturm;

8 AUSLANDSTIERSCHUTZ

Hoffnung für Straßenhunde

Bürgermeister aus Brasov hält Wort

18 AKTUELL

Der Konflikt um das Gänsestopfen

20 TIERSCHUTZPOLITIK I

Keine Reform: Die Gemeinsame

Fischereipolitik der EU

22 bmt-INTERN

Ausbildung zum Tierpfleger

24

bmt-GESCHÄFTSSTELLEN

24 TH Köln Die Entführung von Chica

26 TSZ Pfullingen Katzendramen mit Happy End

28 TH Arche Noah Hilfe für bmt-Mitglied

30 TH Hage Die Hundehalter-Trainerin

32 Berlin Pankower Katzentafel

34 Katzenhaus Lena - im Karton ausgesetzt

36 LV Bayern So helfen Sie bei Missständen

38 Franziskus-TH Das Schicksal zweier Hunde

40 TH Elisabethenhof Kater mit Handicap

42 Issum Hunderalley begeistert Gäste

44 TH Kassel Veganismus - ein Lebensstil

46 TIERSCHUTZPOLITIK II

Putenhaltung weiter in der Kritik

ANZEIGEN Markt & Service 7 und 11

48 Prominente Unterstützung

Tanja und Peter Maffay

setzen sich für Straßenhunde

in Brasov ein

Druck: L.N. Schaffrath DruckMedien, Geldern;

Übernahme von Artikeln, auch auszugsweise, nur mit Quellenangabe

gestattet. Gedruckt auf chlorfrei gebleichtem Papier.

Auflage: 44.000 Exemplare,

Titel: Straßenhund in Brasov, fotografiert von Stefan Kirchhoff

Verantwortlich für den Anzeigenteil: Anzeigen-Büro Udo Kraushaar,

Email: bmt@anzeigen-buero.de,

Tel. (0 28 45) 53 86, Fax (0 28 45) 80 69 49


AUF EIN WORT…

Es liegt in unserer Hand,

die Welt zu verändern …

Liebe Mitglieder, liebe Tierfreunde,

geht es Ihnen auch so? Manchmal möchte man den Fernseher abschalten oder alle Emails gleich

löschen, wenn man wieder und wieder mit den grausamen Realitäten dieser Welt konfrontiert

wird. Aber Wegschauen hilft nicht!

Wir sollten dankbar sein, dass die Medien heutzutage immer häufiger berichten - über die

entsetzliche Tierproduktion für Fleisch, Langstreckentransporte, die zunehmenden Tierversuche,

die Zustände der Tierhaltung in Zirkussen, über Missstände in Urlaubsländern, grausame

Tötungen und Misshandlungen von Streunertieren, dem trotz intensiver Aufklärung noch immer

boomenden Handel mit Hundewelpen und leider vieles, vieles mehr.

Der bmt schöpft alle rechtsstaatlich gegebenen Mittel aus, um Missstände anzugehen. Vielfach

liegt es aber einfach in der Hand der Menschen, die Welt zu verändern. Würde keiner mehr Pelze

kaufen, müssten wir über Fallenfang und Pelztierhaltung nicht mehr debattieren.

Puten müssten nicht mehr leiden, wenn ihr Fleisch einfach nicht mehr gekauft würde, wenn

Lebensmittel nicht immer billiger sein müssten, als sie umwelt- und tiergerecht erzeugt werden

können. Zirkusse mit Wildtieren müssten schließen, wenn keiner mehr hinginge. Diese Liste ließe

sich beliebig fortführen.

Zurzeit bestimmen auf der einen Seite das Streben nach Profit und auf der anderen Seite der

bequeme billige Konsum unser Leben. Lassen Sie uns doch wieder die wahren Werte des Lebens

erkennen und auch wertschätzen.

Nur mit Ihrer Unterstützung können wir helfen, herzlichen Dank dafür.

Ihre

Petra Zipp, bmt-Vorsitzende

und Auslandstierschutzkoordinatorin

E DITORIAL

bmt-Vorsitzende Petra Zipp

Das Recht der Tiere 3/2011

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Das Recht der Tiere 3/2011

4

RdT: Herr Dr. Leondarakis, warum

wurde dieses Gutachten nötig?

Dr. Konstantin Leondarakis: Anfang

2010 hatten wir die ersten Beratungsanfragen

- und mittlerweile sind es viele

Mandate - mit der Problematik, dass

verschiedene Behörden plötzlich von

Tierschutzeinrichtungen verlangten, eine

gesonderte Erlaubnis für die gewerbliche

Verbringung von Hunden

nach Deutschland zu beantragen.

Das Vorgehen der zuständigen Veterinärbehörden

war und ist dabei immer

ähnlich: Es wurde von Seiten der Behörde

so getan, als sei es rechtlich

zwingend erforderlich, dass die jeweilige

Tierschutzorganisation eine gewerbliche

Erlaubnis für das Verbringen

der Tiere benötige, weil sie Hunde aus

dem EU-Ausland hole. Entsprechend

müsste eine Erlaubnis nach § 11 Abs.1

Nr.3b TierSchG für einen gewerblichen

Handel mit Wirbeltieren gestellt werden.

Würde diese Erlaubnis von den jeweiligen

Tierschutzeinrichtungen nicht eingeholt,

drohten die Veterinärämter mit

ganz unterschiedlichen Folgen: Zum

Beispiel mit der Entziehung bestehender

Genehmigungen, einer Anordnung

TIERSCHUTZ

Dr. jur. Konstantin Leondarakis LL.M. ist einer der

wenigen Anwälte Deutschlands, die sich auf das

Tierschutzrecht spezialisiert haben. Nachdem Tierschutzorganisationen

sich immer häufiger für ihren

aktiven Tierschutz im Ausland rechtfertigen

und vor Behörden den Vorwurf des gewerblichen

Hundehandels widerlegen müssen, wandten sich

der bmt, ETN (Europäischer Tier- und Naturschutz)

und Tasso an den in Göttingen ansässigen Anwalt

und gaben ein juristisches Gutachten zu dieser

neuen Problematik in Auftrag. Das Gutachten mit

dem Titel: "Die Verbringung von Hunden nach

Deutschland - Tierschutz und gewerblicher Handel"

wurde im August 2011 fertig gestellt.

DR. KONSTANTIN LEONDARAKIS IM INTERVIEW

auf Beantragung der Erlaubnis oder

mit einem Bußgeld.

Kamen die Tierschützer der von den

Behörden geforderten "freiwilligen

Beantragung" nicht nach, erließen die

Behörden ganz unterschiedliche

Schreiben, mal als rechtsmittelfähigen

Verwaltungsakt, mal nicht oder es passierte

gar nichts mehr…

Insgesamt erscheint mir das Vorgehen

der Behörden nicht nur rechtswidrig,

sondern auch höchst bedenklich. Die

der Exekutive eingeräumten rechtsstaatlichen

Mittel werden bei einem

derartigen Vorgehen missbraucht.

RdT: Können Sie sich die Gründe für dieses

Vorgehen der Behörden erklären?

Dr. Leondarakis: Nein, da kann ich nur

mutmaßen. Mein persönlicher Eindruck

ist, dass der Auslandstierschutz in

Deutschland restriktiv eingegrenzt oder

gar verhindert werden soll.

RdT: Haben die Forderungen der Behörden

Folgen für die Tierschutzeinrichtungen?

Dr. Leondarakis: Der Druck, den die

Behörden ausüben, scheint ernorm.

Tierschutzorganisationen, Tierheime

oder Ti

und alle weiteren Betroffenen fühlen

sich nach meinem Eindruck sehr unsicher

und wissen nicht, ob und wie es

mit ihrer Tierschutzarbeit weitergeht.

Die Behörden verlangen die Beantragung

einer Erlaubnis für den gewerblichen

Handel mit Tieren nach § 11

Abs.1 Ziffer 3b) TierSchG - aber diese

Erlaubnis entspricht überhaupt nicht

der Realität vor Ort, was den Behörden

auch bekannt sein muss.

RdT: Sie halten das amtliche Vorgehen

in dieser Angelegenheit für rechtswidrig.

Welche Begründungen liefern die

Behörden selbst?

Dr. Leondarakis: Mir wurde bislang

keine schlüssige, nachvollziehbare Begründung

vorgelegt, was nach meiner

Auffassung rechtmäßig gegenwärtig ja

auch gar nicht möglich ist.

Ich vermute aber aufgrund der mir vorliegenden

behördlichen Ausführungen,

dass eine Begründung unter der EG-

Verordnung Nr. 388/2010 erfolgt. Sie

schreibt vor, dass im Falle eines Transports

von fünf oder mehr Tieren innerhalb

der EU die Voraussetzungen über

das Verbringen von Tieren zu Handelszwecken

Anwendung finden.


erhandel?

Es würde mich allerdings wundern,

wenn die Behörden fälschlicherweise

nur diese Verordnung als Rechtsgrundlage

angesehen hätten. Denn es ist für

jeden Laien einleuchtend, dass man

keinen gewerblichen Tierhandel betreibt

(und daher auch nicht die entsprechende

Erlaubnis nach § 11

TierSchG benötigt), nur weil man für einen

Transport ab fünf Tieren zusätzliche

Voraussetzungen erfüllen muss.

Scheinbar tun aber genau dies die Behörden.

Sie behandeln die Tierschutzorganisationen

so, als ginge es ihnen

bei dem Verbringen der Tiere um einen

ausschließlich gewerblichen Zweck.

Das entspricht nicht Sinn und Zweck

der europäischen Verordnung und vor

allem nicht der Realität.

RdT: Sie führen aus, dass die europäische

Verordnung Nr. 388/2010 von

den Behörden fehlerhaft verstanden und

angewendet wird. Welchen Sinn hat die

EU-Verordnung denn überhaupt?

Dr. Leondarakis: Im Wesentlichen geht

es darum, den Seuchenschutz einzuhalten

und die Verbreitung von Seuchen

durch die (erlaubnisfreie) Einfuhr

von Tieren zu verhindern. Gleichfalls

soll der betrügerische Handel mit Tieren

- der also nur unter dem Deckmantel

des Tierschutzes erfolgt - unterbunden

werden.

In keinem Fall kann die

Verordnung so verstanden

werden, dass grundsätzlich

ein gewerblicher

Handel vorliegt, wenn

fünf und mehr Tiere in

einen anderen Mitgliedsstaat

der EU transportiert

werden. Es ist mir wirklich

ein Rätsel, wie die

Behörden ernsthaft auf diese Auslegung

kommen und vehement daran

festhalten!

Mein Rat wäre, dass die Behörden

wesentlich kooperativer mit den

Tierschutzeinrichtungen zusammen

arbeiten sollten. Denn natürlich gibt

es auch beim Auslandstierschutz,

wie in allen anderen Tätigkeitsbereichen,

Missbrauch. Ein sehr ernstzunehmendes

Tierschutzproblem ist

der profitbetriebene, rechtswidrige

Welpenhandel (besonders aus Osteuropa),

der in den letzten Jahren

erheblich zugenommen hat.

Politik und Verwaltung haben dieses

Problem bislang weitgehend ignoriert

und versuchen scheinbar jetzt mit

dem erschreckend undifferenzierten

und rechtswidrigen Vorgehen mit der

"Rasenmähermethode" die Versäumnisse

der Vergangenheit aufzuholen.

Dabei ist die Unterscheidung zwischen

einer tatsächlichen Tierschutzeinrichtung

und vermeintlichen Tierschutzeinrichtungen

ganz einfach: Erstere holen

Mischlinge aller Altersgruppen, oft unabhängig

vom Gesundheitszustand

und Geschlecht nach Deutschland, um

ihnen die Chance auf ein neues Zuhause

zu bieten. Letztere sind ausschließlich

an Welpen und Junghunden

interessiert, mit denen sich Profit machen

lässt - dass den Behörden hier eine

Unterscheidung nicht möglich sein

soll, ist unglaubwürdig und erweckt

den Anschein grober Fahrlässigkeit

oder gar bedingten Vorsatzes.

RdT: An welche rechtlichen Vorgaben

müssen sich Tierschützer halten, wenn

sie Hunde aus dem Ausland holen?

Dr. Leondarakis: Das Verbringen von

Tieren ist durch internationale und na-

I M B RENNPUNKT

Wie können Sie helfen?

� Durch Patenschaften

(ab 15 Euro im Monat)

� Aufnahme eines Straßenhundes

aus unseren Tierheimen

� Mit Spenden

Infos unter:

www.bmt-auslandstierschutz.de

tionale Vorgaben geregelt. Die einschlägigen

internationalen Regelungen

sind mit den auf nationaler Ebene geltenden

Rechtsnormen (Gesetzen, Verordnungen,

Satzungen) verzahnt.

RdT: Beginnen wir mit dem internationalen

Recht. Welche Unterscheidungen

macht das europäische Regelwerk bei

dem Transport von Tieren?

Dr. Leondarakis: Es wird zwischen dem

Verbringen von Tieren zu Handelszwecken

und zu Nichthandelszwecken

unterschieden. Weiter trennen die europäischen

Regelungen noch einmal

bei dem Transport zu Nichthandelszwecken

nach der Anzahl der Tiere,

nämlich, wenn es mehr als fünf sind.

RdT: Bitte erklären Sie uns: Wann

liegt ein "Verbringen zu Nichthandelszwecken"

vor und welche Voraussetzungen

sind dabei zu erfüllen?

Dr. Leondarakis: Zur ersten Frage: In

der EG-Verordnung (EG) Nr. 998/

2003 wird der Begriff "Heimtier" definiert.

Sie regelt auch die Voraussetzun-

Das Recht der Tiere 3/2011

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Das Recht der Tiere 3/2011

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DR. KONSTANTIN LEONDARAKIS IM INTERVIEW

gen für das Verbringen zu Nichthandelszwecken.

Ein Heimtier im Sinne der

Verordnung ist ein Tier, das nicht dazu

bestimmt ist, Gegenstand eines Verkaufs

oder einer Eigentumsübertragung

zu sein. In dem Fall liegt ein Verbringen

zu Nichthandelszwecken vor,

so dass keine Erlaubnis erforderlich ist.

Wer einen solchen nicht gewerblichen

Transport durchführen möchte, muss

laut EG-Verordnung die Hunde mit einem

elektronischen Kennzeichen, einem

Transponder, versehen und für jedes

Tier einen gültigen Heimtierausweis

(mit der Bestätigung der gültigen

Tollwutimpfung) dabei haben.

RdT: … und wenn die Zahl der transportierten

Tiere fünf übersteigt?

Dr. Leondarakis: Die EG-Verordnung

Nr. 388/2010 besagt, dass in diesem

Fall die Voraussetzungen für ein Verbringen

zu Handelszwecken anwendbar

seien. Diese wiederum werden

durch die europäische Richtlinie

92/65/EWG bestimmt, die durch die

Binnenmarkt-Tierseuchenschutzverordnung

in das nationale Recht umgesetzt

worden ist. Kurz zusammengefasst:

Das Verbringen von mehr als fünf Tieren

ist natürlich ebenfalls ohne eine

Genehmigung möglich, wenn auch die

weiteren Voraussetzungen vorliegen.

Das sind einerseits die oben genannten

Bedingungen für einen nicht gewerblichen

Tiertransport. Die Tiere müssen

weiter frei von sichtbaren Krankheitszeichen

und transportfähig sein. Dafür

ist eine Untersuchung notwendig, die

mindestens 24 Stunden vor dem Transport

durchgeführt und im jeweiligen

Heimtierausweis dokumentiert werden

muss. Außerdem kommen noch weitere

formelle Voraussetzungen der

Binnenmarkt-Tierseuchenschutzverordnung

und gegebenenfalls Anforderungen

an einen Transport nach der Tierschutztransportverordnung

dazu.

Welpen dürfen ohne Impfung verbracht

werden, wenn sie vom Muttertier

begleitet werden oder eine schriftliche

Erklärung des Verfügungsberechtigten

vorliegt. Diese muss bestätigen, dass

der Welpe ausschließlich am Ort seiner

Geburt gehalten wurde und nicht mit

wild lebenden Tieren in Berührung gekommen

ist.

RdT: Welchen Stellenwert hat nun das

deutsche Tierschutzgesetz inmitten dieser

europäischen Voraussetzungen?

Dr. Leondarakis: Das Tierschutzgesetz

verlangt unter anderem für das Halten

von Tieren in einem Tierheim oder einer

ähnlichen Einrichtung eine Erlaubnis

nach § 11 Abs.1 Nr.2 TierSchG.

Weiter schreibt diese Norm auch eine

Erlaubnis für den gewerbsmäßigen

Handel mit Wirbeltieren nach § 11

Abs.1 Nr.3b) TierSchG vor.

Die Frage ist nun, ob die Tierheime, die

Hunde aus dem EU-Ausland vermitteln,

eine Erlaubnis gemäß des §11

Abs. 1 Nr. 3b) für einen gewerblichen

Handel benötigen? Das gilt besonders

dann, wenn mehr als fünf Hunde nach

Deutschland eingeführt werden und

damit wiederum die Anforderungen für

ein Verbringen zu Handelszwecken Anwendung

finden.

Es muss also geklärt werden, ob und

wann bei den Tierschutzeinrichtungen

ein gewerblicher Handel vorliegt. Dies

ist nur dann zu bejahen, wenn die Tierschutzeinrichtungen

Hunde mit einer

Gewinnerzielungsabsicht vermitteln

würden.

RdT: Bei Tiervermittlungen erheben die

Tierheime eine Schutzgebühr. Kann

dieser Umstand schon dazu beitragen,

dass gewerblicher Handel unterstellt

wird?

Dr. Leondarakis: Hier sind wir an einem

äußerst wichtigen Punkt angekommen.

Die Tierheime mögen zwar

eine Schutzgebühr bei erfolgreicher

Vermittlung erhalten. Aber die Gebühr

ist so niedrig, dass damit nach meiner

Einschätzung keine Gewinne erzielt

werden können. Auf Seiten der Tierheime

und Tierschutzorganisationen besteht

demnach keine Gewinnerzielungsabsicht,

ja gar nicht einmal die

Möglichkeit der Gewinnerzielung. Das

ist sogar für jeden Außenstehenden

oder Laien auch sofort erkennbar.

Denn der durchschnittlichen "Schutzgebühr"

von ca. 200-250 Euro stehen erhebliche

Ausgaben gegenüber: Der

Transport nach und in Deutschland, die

oben genannten medizinischen Voraussetzungen

und weitere kostenintensive

Faktoren, wie Operationen, Kastrations-

und medizinische Versorgungskosten,

Medikamente und Futter.

Da kann man keinen Gewinn erzielen,

im Gegenteil.

RdT: Bitte noch einmal abschließend:

Was bedeutet Ihr Gutachten konkret für

Tierschutzorganisationen, die im Ausland

tätig sind?

Dr. Leondarakis: Nach meinen Erkenntnissen

benötigen Tierschutzeinrichtungen

keine Erlaubnis nach § 11

Abs. 1 Nr. 3b) TierSchG, weil sie mit

der Verbringung von Hunden nach

Deutschland auch keinem gewerbsmäßigen

Handel nachgehen.

Bekommen Tierschutzorganisationen

rechtswidrig eine solche Pflicht auferlegt,

sollten sie ihre Rechtsschutzmöglichkeiten

ausschöpfen, also Widerspruch

einlegen oder Klage erheben.

Da die Behörden dabei unterschiedlich

vorgehen, würde ich dringend empfehlen,

einen Anwalt zu konsultieren.

Abschließend kann ich dazu ermutigend

sagen, dass wir bislang in keinem

Gerichtsverfahren unterlegen waren.

Gleichzeitig gibt es zu dieser Problematik

noch keine höchstrichterliche

Rechtssprechung, so dass ich weiter

von einem rechtswidrigen Verhalten einiger

Behörden bis zu einer höchstrichterlichen

Klärung ausgehe.

Herr Dr. Leondarakis, wir bedanken

uns für das Gespräch.

Interview: Claudia Lotz


Das Recht der Tiere 3/2011

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Das Recht der Tiere 3/2011

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T ITELTHEMA

Der grausamen

Tötungsstation

für immer

entkommen!

Hundeleben auf den Straßen

Rumäniens


DAS TÖTEN

Zu den größten Erfolgen im praktischen Auslandstierschutz

des bmt gehört sicherlich diese Nachricht:

Ende Dezember wird in Brasov die berüchtigte Tötungsstation

Stupin, in der Zehntausende Hunde ihr

Leben ließen, geschlossen. Zahlreiche Gespräche von

Cristina Lapis (Millions of friends) mit regionalen Politikern

- oft unterstützt durch die Auslandskoordinatorin

und bmt-Vorsitzende Petra Zipp - Aufrufe und

Appelle an die Bevölkerung und Behörden haben dazu

geführt, dass der Bürgermeister von Brasov sich

klar von den grausigen Praktiken gegen Straßen-

Das bmt-Team trifft in der

städtischen Tötungsanlage ein

Seit elf Jahren arbeite ich für den bmt,

habe zwei Jahre an einem Streunerprojekt

in Italien für Günther Bloch mitgearbeitet

- aber "echte" Straßenhunde

habe ich zum ersten Mal in Rumänien

gesehen.

So begegnen uns auf dem Weg vom

Flughafen Bukarest nach Brasov zahlreiche

Hunde an der befahrenen Stra-

ße. Mir fällt mir auf, dass es überwiegend

einzelne Hunde in relativ gutem

Zustand sind und keine verwahrlosten

Rudel, die die Gegend unsicher machen.

Allerdings wird dieser vordergründig

positive Eindruck immer wieder

von toten Hunden auf der Straße

zunichte gemacht.

Am nächsten Tag fahren wir direkt nach

Stupin, zum städtischen Hundelager,

das für unzählige Lebewesen zur Endstation

ihres Lebens wurde. Trotz der

mir bekannten Umstände rechne ich

mit einem einigermaßen intakten Gebäude,

aber diese schrecklichen Haltungsbedingungen

hatte ich selbst in

Rumänien nicht erwartet.

T ITELTHEMA

Im rumänischen Brasov

wird das städtische Hundelager

Stupin endlich geschlossen

HAT EIN ENDE !

hunde der vergangenen Jahre distanziert hat und öffentlich

eine humane Lösung des Streunerproblems

befürwortet.

Doch so wunderbar die Nachricht, so schwierig die Logistik:

Denn in der Tötungsstation sitzen mehr als 329

Hunde, manche krank, verletzt, die meisten hochgradig

verängstigt. Viele Hündinnen führen Welpen

mit sich - und sie alle müssen in wenigen Tagen ins

Tierheim Brasov überführt werden, um von dort (auch

nach Deutschland) vermittelt zu werden.

Im August trafen sich Petra Zipp, Philip McCreight (Tasso) und Stefan

Kirchhoff (bmt-Tierheimleiter Stuhr) mit den rumänischen Tierschützern

um Cristina Lapis in Brasov, um die weiteren Schritte zu besprechen.

Stefan Kirchhoff schildert Ihnen die Eindrücke der fünftägigen Fahrt.

In einer abrisswürdigen ehemaligen

Schweinemastanstalt werden zurzeit

329 Hunde gehalten. Zu Höchstzeiten

waren dort über 350. Es gibt kein

künstliches Licht, im Winter keine Heizung;

einige Hunde sitzen ausschließlich

im dunklen Innenbereich. Die Maschen

der Gitter sind so groß, dass sich

die Hunde durch die Gitter beißen und

selbst tödlich verletzen können. Der Boden

gleicht einem betonierten Kiesfeld.

Selbst wenn man wollte, könnte man

hier nicht für hygienische Verhältnisse

sorgen. Viele Hunde liegen in Urinpfützen,

der Geruch in den Verschlägen

nach Blut, Ausscheidungen und Todesfurcht

ist kaum zu ertragen.

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Das Recht der Tiere 3/2011

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T ITELTHEMA

In der Vergangenheit kam es vor, dass

die einzige Wasserpumpe defekt war,

dann gab es natürlich auch kein Wasser

für die Hunde, die Restbestände in

den Trinknäpfen waren grün und faulig.

Am Wochenende blieben die Tiere

grundsätzlich unversorgt. Um die Gruppenstruktur,

die wichtigste Voraussetzung

zur Haltung mehrerer Hunde in einem

Zwinger, kümmerte sich niemand

- und so wurden täglich über viele Jahre

hinweg Hunde jämmerlich von ihren

Artgenossen zu Tode gebissen.

Ich erlebe bei meinem ersten Besuch

hier die "guten Zeiten", das heißt, es

gibt trockene Körbchen, Eimer mit frischem

Wasser und Trockenfutter aus

sauberen Fressnäpfen. Dafür sorgen

die Mitarbeiter des Tierheims Brasov,

unter der Leitung von Millions of

friends, und Ehrenamtliche einer kleinen

Tierschutzorganisation vor Ort.

Meine Aufgabe ist es, an diesem Tag

die Hunde zu fotografieren und zu katalogisieren.

Mehrere Stunden fotografierte

ich im Innenbereich und obwohl

mittlerweile auch für eine bessere

Be- und Entlüftung gesorgt ist, stinkt es

erbärmlich. Fast alle Hunde schauen

misstrauisch und einige geraten in Panik,

weil sie von mir, einem Mann, mit

einer Kamera fixiert werden. Ich mache

meine Arbeit so schnell wie möglich,

um die Tiere nicht noch mehr zu

stressen.

Die Luft, die Atmosphäre aus Furcht

und Aggression sind so unerträglich im

Inneren der Anlage, dass ich mich geradezu

auf das Fotografieren vor den

Außen-Zwingern freue. Doch diese Erleichterung

vergeht schnell, als ich erfahre,

dass manche Hunde bereits seit

über einem Jahr hier ausharren. Kaum

ein Hund läuft noch freudig auf mich

zu, um ein wenig Zuwendung zu bekommen.

Die Blicke - voller Trauer

und Hoffnungslosigkeit -

erfassen mich zutiefst.

Sie werden mich auch

die kommenden

Tage nicht loslassen.

Dieser gerettete Hund wartet

jetzt im Tierheim Brasov

auf die richtigen Menschen

Den Nachmittag verbringen wir im

Tierheim Brasov, das gemessen an

dem eben Erlebten geradezu gute Haltungsbedingungen

bietet. Viele Hunde,

die in Stupin scheu und ängstlich reagiert

haben, blühen hier wieder auf. Allein

ihre Blicke gehen nicht mehr ins

Leere, in der Hoffnung nicht beachtet

und verschont zu werden. Sie freuen

sich oder schlagen an, weil ich fremd

bin, diese Tiere verhalten sich wieder

wie Hunde, die leben möchten.

Natürlich sind trotz allem noch scheue

oder zurückhaltende Hunde dabei.

Diese ehemaligen Straßenhunde wollen

sehr wohl etwas mit uns Menschen

zu tun haben. Die Behauptung, Hunde

aus dem Ausland seien nicht (mehr) integrierbar,

bestätigt sich definitiv nicht.

Verblüffend viele Hunde leben hier in

Brasov mit ihrer Familie im Haushalt,

und die Besitzer gehen auch mit ihnen

spazieren. Das erklärt, warum wir in

unseren bmt-Tierheimen Hunde aus

Rumänien so gut vermitteln können - es

sind oft ursprünglich gut sozialisierte

Tiere, die aus verschiedenen Gründen

(soziale Not der Besitzer, Krankheit, Tod,

ungewollter Nachwuchs unkastrierter

Tiere) plötzlich ein Leben auf der Straße

führen mussten und später zum Opfer

von Hundefängern wurden.

Allerdings fällt mir auf, dass

die Hundehaltung generell lockerer gesehen

wird. Viele Hunde haben jederzeit

die Möglichkeit, das Grundstück zu

verlassen, und entsprechend sieht man

auch in den Städten (vermutlich unkastrierte)

Hunde völlig unbeaufsichtigt

durch die Straßen laufen.

Ich merke nach den fünf Tagen in Brasov,

dass man nichts "über einen Kamm

scheren" kann. Die Strassenhundproblematiken

in den jeweiligen Ländern

können sehr unterschiedlich sein, und

daraus müssen dann auch unterschiedliche

Lösungen resultieren. Kein

Mensch, keine Behörde oder Organisation

kann das Problem der über Jahrzehnte

hinweg entstandenen Überpopulation

der Hunde alleine bewältigen.

Tierschützer, Hundebesitzer und Politiker

müssen eng zusammenarbeiten,

wenn es eine befriedigende und dauerhafte

Lösung geben soll. Um so viel

Menschen wie möglich zu überzeugen,

braucht es Zeit und diplomatisches Geschick.

Und plötzlich weiß ich: Unsere

Bemühungen werden fruchten, und es

wird die Zeit kommen, in der kein Hund

mehr um sein Leben fürchten muss.

Gut, dass wir hier sind.

Cristina Lapis, Petra Zipp und

Philip McCreight bereiten die

Fütterung in Stupin vor


Das Recht der Tiere 3/2011

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Das Recht der Tiere 3/2011

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R UMÄNIEN

BRASOV IM AUFBRUCH

BÜRGERMEISTER GEORGE SCRIPCARU HÄLT WORT!

Die bmt-Vorsitzende Petra Zipp hat oft einen verzweifelten

Kampf in Rumänien geführt: Hoffnung

wechselte mit niederschmetternden Nachrichten über

erneute Tötungsaktionen von Straßenhunden, Politiker

machten das Schicksal der herrenlosen Tiere zum

Keinen Krieg mehr gegen Straßenhunde

in Brasov - wir können es kaum

glauben.

Während im rumänischen Parlament

derzeit weiter und wieder über die

Wiedereinführung der Tötung von Straßenhunden

diskutiert wird, überträgt

der Bürgermeister einer der größten rumänischen

Städte endlich die Verantwortung

für die Straßenhunde auf eine

Tierschutzorganisation, auf Millions of

friends von Cristina Lapis und indirekt

auch auf den bmt, weil wir unsere Partner

in dieser hoffnungsvollen, zukunftsweisenden

Situation mit allen

Kräften unterstützen werden. Wir bauen

dabei ganz fest auf Ihre Hilfe!

Was soll in Brasov mit den Hunden

geschehen?

George Scripcaru akzeptiert im Stadtkern

kein Wiederaussetzen von ka-

strierten Hunden, was auf Grund des

starken Verkehrs für Mensch und Tier

tatsächlich auch zu gefährlich wäre. Er

ist aber willens, alles Notwendige zu

unternehmen, um das Hundeproblem

in seiner Stadt human zu lösen.

Schließlich hat er selbst zwei Hunde,

die er jetzt kastrieren ließ.

Dementsprechend hat der Stadtrat Brasov

eine Verordnung verabschiedet,

nach der alle Besitzerhunde mit Mikrochip

zu kennzeichnen,

zu registrieren

und zu

kastrieren sind.

Wer sein Tier

nicht kastrieren

möchte, muss in

Zukunft Hundesteuer

zahlen - eine

wirksame "Abschreckung"

für

die Hundehalter,

Spielball ihrer Interessen. Doch nun wird es mit dem

Bürgermeister von Brasov einen wirklichen Aufbruch

geben.

Petra Zipp fasst für Sie die aktuelle Entwicklung in der

ehemaligen Kronstadt Brasov zusammen.

Diese Junghunde werden ein

besseres Leben haben als Generationen vor ihnen

ihre Tiere weiter unkastriert auf die

Straße zu schicken.

Die Hundefänger, nun arbeitslos geworden,

gehen ab sofort von Haustür

zu Haustür, um die Hunde zu erfassen.

Das Ziel: Den Zustrom von Hunden auf

die Straße zu stoppen und die aufgefundenen

Hunde dank Chip und Registrierung

schnell als Besitzer- oder Straßenhund

zu identifizieren.

Cristina Lapis hat mit Unterstützung des

bmt zugesagt, dass

ihr Verein die Hunde

bedürftiger Tierbesitzer

kostenfrei kastrieren

und chippen

wird. Das Tasso-

Haustierregister stellt

dabei sein rumänisches

Register und

sein jahrelanges

Knowhow zur Verfügung.


So erfreulich die jüngsten Ereignisse,

so gewaltig die Aufgabe, der sich die

Tierschützer aus Brasov in den kommenden

Wochen stellen müssen:

1. Sie müssen (ohne zusätzliche Hilfe)

schnellstmöglich die 329 Hunde aus

der städtischen Anlage übernehmen,

ihre medizinische Versorgung und Kastration

sicherstellen und die Integration

der fremden Hunde in das ohnehin

schon volle Tierheim Brasov

bewerkstelligen.

2. Alle aufgefundenen Tiere kommen

nun direkt ins Tierheim Brasov. Allerdings

werden es nicht wie zuvor wahllos

eingefangene Besitzer- und Straßenhunde

sein, sondern - aufgrund

obiger Anordnungen - tatsächlich herrenlose

Hunde. Ein Tierheimmitarbeiter

wird den Ablauf kontrollieren.

3. Es werden dringend weitere erfahrene

Tierärzte benötigt: Im Tierheim

Brasov arbeiten nur zwei Tiermediziner,

die schon bei der jetzigen Besatzungs-

Sie können jetzt sehr viel für die Straßenhunde

tun

� Spenden Sie für die tierärztliche Betreuung

und für Kastrationen

� Übernehmen Sie eine Patenschaft

für das Tierheim Brasov (Personal,

Futter, Umbauten, neue Gehege etc.)

� Bieten Sie Ihre Unterstützung vor

Ort an, wenn Sie ein OP-erfahrener

Tierarzt sind und unter einfachsten Bedingungen

arbeiten können

dichte mit Operationen, Kastrationen

und sonstiger medizinischer Versorgung

hart an ihrem Limit arbeiten.

Millions of friends, unter Vorsitz von

Cristina Lapis, hat eine Übergangsfrist

von fünf Monaten, in denen sie beweisen

muss, dass ihr Verein in der Lage

ist, sich um die Hunde in der Stadt zu

kümmern. Erst danach wird ein dauerhafter

Vertrag (ab dem 1. Januar 2012)

ausgehandelt.

Jetzt müssen wir, die wir Cristina Lapis

Ende des Jahres wird in dieser Anlage

kein Hund mehr leiden müssen

A USLANDSTIERSCHUTZ

bei ihren Anstrengungen unterstützen,

beweisen, dass wir es schaffen. Geht

nicht, gibt es nicht! Geht nicht akzeptiert

kein Tierschützer! Wir müssen diese

einmalige Chance im Sinne der

Hunde ergreifen. Wenn es dem Tierschutz

in Brasov gelingt, die Hunde von

der Straße zu holen, wird die Stadt Vorbildcharakter

für andere rumänische

Städte und Gemeinden bekommen,

das ist unsere Hoffnung.

Doch nach wie vor ist auch Wachsamkeit

angebracht, denn die Hundefängermafia

spekuliert nun auf die Städte

im Umland. Sie erinnern sich sicher an

frühere Berichte von uns, in denen von

Kopfgeldern pro gefangenem Hund

die Rede war und die Profiteure in den

Städten und Gemeinden saßen. Erst

wenn wir die Situation in Brasov beherrschen

und die Tötungsanlage Stupin

leer (und endlich funktionslos geworden)

ist, können wir weiter

vorgehen.

Text: Petra Zipp

Fotos: Stefan Kirchhoff (Seite 4-13)

Wie können Sie in der aktuellen Situation helfen?

� Adoptieren Sie einen rumänischen Hund aus unseren

bmt-Tierheimen, der dann wieder Platz für einen weiteren

Vierbeiner macht

� Machen Sie Werbung für unser Projekt. Wenn es gelingt,

wird es Modellcharakter haben für ein Rumänien, das derzeit

noch über Tötungen diskutiert.

Die Zukunft der Straßenhunde liegt erstmalig in

unseren Händen. Lassen Sie uns diese Chance

nicht entgehen. Für ein Rumänien, in dem nicht

mehr gelitten und gestorben wird.

bmt-SPENDENKONTO AUSLAND

Stichwort: Rumänien oder Ungarn

Frankfurter Sparkasse

Konto 847 275

BLZ 500 502 01

IBAN DE 795005 0201 0000847275

SWIFT BIC HELADEF 1822

13


Das Recht der Tiere 3/2011

14

A USLANDSTIERSCHUTZ

EIN

DAS WELPENHAUS WIRD CA. 20.000 EURO KOSTEN

Sie können unsere Tierschutzarbeit in Ungarn unterstützen,

indem Sie

� eine projektbezogene Spende für das zukünftige

Welpenhaus leisten

� einen Hund aus dem Tierheim Pecs adoptieren

� eine Patenschaft für einen Hund übernehmen

und damit seine Versorgung sichern

(ab 15 Euro monatlich)

� den Tierheimtierarzt ehrenamtlich bei seiner

Arbeit (Kastrationen etc.) durch kurzfristige

Aufenthalte in Pecs unterstützen.

Infos zum Tierschutz in Pecs erhalten Sie bei:

Karin Stumpf, Tierheim Köln-Dellbrück

Am Heiligenhäuschen 2, 50859 Köln

Telefon privat: 0221/950 51 - 55, Fax privat: - 57

eMail: karinstumpf@net

Spendenkonto: siehe Kasten auf seite 13 unten.

W

ELP

FÜR

Karin Stumpf ist Vorstandsmitglied und verantwortlich

für das bmt-Auslandsprojekt in Pecs.

Seit 10 Jahren fährt die Assistentin der Geschäftsführung

von KölnKongress an Wochenenden

und freien Tagen in das im Süden Ungarns

gelegene Tierheim, um die befreundeten

RdT: Wie lange engagiert sich der bmt in Ungarn,

und wie sieht seine Hilfe aus?

Der bmt engagiert sich seit 1996 in Pecs, in erster Linie

durch finanzielle Hilfe.

Von unserer festen monatlichen Zahlung in Höhe von

4500 Euro werden Tierarzt, Medikamente, Futter und

auch ein Tierpfleger finanziert. Zusätzlich übernimmt

der bmt die Kosten für die Mikrochips, denn in Ungarn

besteht seit einiger Zeit die Pflicht, Tierheimhunde zu

chippen. Züchter bzw. Zuchthunde unterliegen dieser

Pflicht übrigens nicht.

Mehrere bmt-Mitarbeiter und ich fahren regelmäßig ins

Pecser Tierheim, damit wir uns immer wieder ein genaues

Bild von der Situation vor Ort machen können.

Bei jeder Tour nehmen wir Hilfsgüter in Form von Futter,

Käfigen und Arbeitsmaterialien wie Werkzeug und

Reinigungsmittel etc. mit.

Auf dem Rückweg nach Deutschland begleiten uns

Hunde, die wir dann über unsere Tierheime in liebevolle

Hände vermitteln. Die Auswahl der Kandidaten

fällt uns jedes Mal ungeheuer schwer; wir gehen nach

Vermittlungschance und Gesundheitszustand. Wenn wir

erkennen, dass bestimmte Verletzungen oder Erkrankungen

im Pecser Tierheim nicht versorgt werden können,

nehmen wir diese Patienten mit und lassen sie von

unseren Tierärzten medizinisch versorgen.

In erster Linie kommen Hündinnen und "kompatible"

Familienhunde mit uns nach Deutschland, die sehr gute

Aussichten auf eine Vermittlung haben. In unseren

deutschen Tierheimen sitzen hauptsächlich Rüden,

großrahmige, oft schlecht sozialisierte Tiere, für die wir

meist schwer neue Besitzer finden.


ENHAUS

DAS TIERHEIM IN PECS !

Tierschützer mit Hilfslieferungen zu unterstützen -

und Vermittlungskandidaten mit nach Deutschland

zu nehmen. "Mein erster Besuch 2001 war ein Schock",

erinnert sich die 52jährige noch heute, "so viele

Hunde auf engstem Raum hatte ich noch nie gesehen."

Die Kölnerin erklärt, welche Fortschritte das

Insofern schließen die - in der Regel äußerst

verträglichen und anpassungsfähigen

- Ungarnhunde diese "Versorgungslücke".

In diesem Zusammenhang möchte ich

noch mal betonen: Kein ungarischer

Hund nimmt einem heimischen Hund

einen Platz im Tierheim weg - und unser

Engagement im Ausland heißt

nicht, dass wir an Notfällen in Deutschland

vorbeisehen. Wer Tierschutz leistet,

weiß, dass Tierschutz nicht an den

Grenzen endet und nicht enden darf,

weil jedes leidende Lebewesen unseren

Schutz und unsere Hilfe verdient.

Selbstverständlich wissen wir vom bmt,

dass wir nicht überall auf der Welt helfen

können, daher haben wir unser

Auslandsengagement auf wenige, von

uns stetig begleitete Projekte in Ungarn

und Rumänien beschränkt.

Hat Ungarn Fortschritte in Sachen

Tierschutz erzielt? Was konnten Sie

beobachten?

Ich selber war 2001 das erste Mal im

Tierheim in Pecs. Seit dieser Zeit haben

sich einige Umstände in der Tierhaltung

verändert, vielleicht sogar

verbessert, aber bei weitem nicht genug,

um von zufriedenstellenden Bedingungen

sprechen zu können.

Vor zehn Jahren lagen fast alle Hun-

de, die wir auf unserer Fahrt durch Ungarn

sehen konnten, ausschließlich an

der Kette - und das seit Welpenalter!

Dass Hunde als "Alarmanlage" fungieren

und funktionieren müssen, ist auch

heute noch so, aber mittlerweile laufen

bereits viele Hunde frei in den umzäunten

Gärten herum. Und in der

Stadt werden immer mehr kleine Hunde,

die in Familie und in Wohnung gehalten

werden, an der Leine spazieren

geführt - vor einem Jahrzehnt ein undenkbares

Bild!

Dieses langsame Umdenken hinsichtlich

eines weniger funktionalen Umgangs

mit dem Tier lässt sich auch an

den Vermittlungszahlen des Tierheims

ablesen. Während vor Jahren kaum ein

Tierheimhund jemals einen Interessenten

im eigenen Land gefunden hätte,

werden heute bis zu 1000 Hunde im

Jahr aus dem Tierheim aufgenommen.

Großen Anteil an dieser Entwicklung

hat der Träger des Pecser Tierheims,

der ungarische Misina Tier- und Natur-

U NGARN

Interview mit Karin Stumpf

ungarische Tierheim in 10 Jahren gemacht hat und

wo nach wie vor dringender Handlungsbedarf besteht.

Das derzeit größte Problem: Die hohe Anzahl

von Welpen und Junghunden. Lesen Sie, wie Karin

Stumpf und Tierheimleiter Karsten Plücker aus Kassel

die Unterbringung für Welpen verbessern wollen.

schutzverein. Er hat durch Aufklärung

und Information viel dazu beigetragen,

dass sich das Verhältnis der Ungarn zu

ihren Haustieren stetig verbessert hat.

Schwerpunkt im Tierheim ist der Kinder-

und Jugendtierschutz. Diesen halte

ich für einen ganz wichtigen Tätigkeitsbereich,

der unsere Unterstützung

verdient. Denn die Lebensbedingungen

für Tiere werden sich - wie bei uns

auch - nur dann nachhaltig verbessern

können, wenn Aufklärung schon unter

den Jüngsten betrieben wird.

So organisiert Misina mehrfach im Jahr

Veranstaltungen und Führungen durch

das Tierheim für Schüler aller Altersgruppen.

In Sommercamps lernen Kinder

den artgerechten Umgang mit

Hunden und anderen Tieren. Neben

Hunden und Katzen versorgt das Tierheim

in Pecs Schafe, Ziegen, Esel, Pferde,

Kleintiere und Vögel und kümmert

sich um verletzte oder kranke Wildtiere

- für Schulklassen ein optimaler Anschauungsunterricht.

Darüber hinaus

gibt es Reitunterricht und für Privatpersonen

bzw. künftige Hundehalter eine

Hundeschule.

Was fiel Ihnen bei Ihrem Besuch im

Sommer 2011 auf? Mit welchen Problemen

hat das Tierheim Pecs im Augenblick

besonders zu kämpfen?

Das Recht der Tiere 3/2011

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Das Recht der Tiere 3/2011

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T ITELTHEMA

Es gibt mehrere problematische Umstände:

Seit kurzem verlangt das ungarische

Tierschutzgesetz, dass ein im

Tierheim aufgenommener Hund erst

nach 14 Tagen die Tollwutimpfung bekommen

darf und dann noch einmal

drei Wochen Frist vergehen müssen, bis

er vermittelt werden kann. Für das Tierheim

eine zusätzliche Belastung, denn

nun müssen mindestens fünf Wochen

verstreichen, bevor überhaupt an eine

Vermittlung gedacht werden kann.

Für die Hundefänger hingegen eine

Kostenersparnis: Sie brauchen innerhalb

der 14tägigen Frist, die die aufgegriffenen

Hunde in den Hundefängeranlagen

verbringen müssen, nicht

mehr zu impfen. Nach diesen zwei Wochen

dürfen die Hunde legal, wenn sich

kein Besitzer gemeldet hat, getötet werden

- die Hundefänger haben also in

jedem Fall die Impfausgaben gespart.

Zurück zum Tierheim: Es ist augenblicklich

mit 350 bis 400 Hunden besetzt,

viele Tiere werden krank und verletzt

gefunden oder abgegeben. Fast 80%

der Hunde sind Rüden - Sie können

sich vorstellen, wie explosiv die Stimmung

in den mit fünf bis sieben Tieren

übervollen Zwingern ist. Und das nächste

Problem ist die hohe Anzahl an Welpen

und Junghunden…

Warum gibt es plötzlich so viele Welpen

im Tierheim, und wo kommen die

Kleinen her? Werden sie mutterlos

aufgefunden, als vollständiger Wurf

ausgesetzt oder die hochträchtige

Hündin einfach abgeschoben?

Alle Fälle hatten wir schon: Meist kommen

die Hündinnen mit ihren Welpen

über den Hundefänger, Privatleute

oder werden ausgesetzt. Oft finden

Passanten die Hundebabys im Wald,

Feld oder an der Straße oder Mitarbeiter

den Karton vor dem Tierheimtor.

Viele Welpen sind - zu früh von der

Mutter getrennt - geschwächt, krank,

dehydriert und stark unterernährt. Bei

unserem Besuch im Juli haben wir über

70 Welpen im Alter von vier bis zwölf

Wochen gezählt.

Die Sterberate unter den Kleinen ist

hoch - aber auch deswegen, weil das

Tierheimteam aus Platzmangel die

Welpen mit kranken und verletzten

Hunden gemeinsam unterbringt.

Monatliche Kosten des Tierheims Pecs (Stand: September 2011)

In Deutschland werden bei einer Vermittlung Schutzgebühren erhoben,

das Tierheim Pecs kann bei Vermittlung nur um freiwillige Spenden bitten!

Ft.

Löhne aller Mitarbeiter 2.340.000

Futterkosten Hunde 400.000

Futterkosten andere Tiere 600.000

Strom 420.000

Tierarzt (Gehalt u. Medikamente) 550.000

Wasser eigener Brunnen *

Abwasser 70

ca. in Euro

8.070

1.400

2.070

1.500

1.900

* Problem sind große Trockenperioden. Das Tierheim hat sich bei der Kommune

daher um die Förderung für einen Ökosee (Kosten 67.000.000 Ft) beworben

-*

345

Durch die notorische Überbelegung

der Innen- und Außenboxen ist eine

Säuberung der Zwinger mit Hochdruckreiniger

leider nur möglich, während

die Welpen im Zwinger sind. Dies ist eine

fürchterliche Situation für die ohnehin

geschwächten Tiere, außerdem ist

so eine intensive Reinigung kaum

möglich.

Zu der Flut von Welpen im Tierheim

tragen übrigens die Wochenmärkte

bei, auf denen u.a. auch Hunde verkauft

werden. Von Händlern und Privatleuten,

die die unverkauften Tiere

nicht mehr behalten wollen und einfach

Welpen im Kaninchenkäfig:

Horrender Platzmangel im TH Pecs

ihrem Schicksal überlassen.

Wie ist die Nachfrage nach Welpen

und Junghunden aus dem Tierheim?

Wie schon ausgeführt, hat sich die Vermittlungsquote

auf relativ hohem Niveau

eingependelt, das gilt besonders

auch für Junghunde und Welpen. Absolut

chancenlos sind jedoch alte und

kranke Hunde, das ist völlig anders als

in Deutschland. Bei uns gibt es viele

Tierfreunde, die gerade alten und/oder

kranken Hunden noch schöne Jahre

bieten möchten und voller Freude erleben,

dass der Hund mit der vermeintlich

kurzen Lebenserwartung noch mal

alle Kräfte mobilisiert…

Sie waren mit Tierheimleiter Karsten

Plücker unterwegs, der in Kiskunhalas

selbst ein Tierheim unterhält. Herr

Plücker hat, wie Sie, viele Jahre Erfahrung

im Tierschutz in Ungarn gesammelt

- und so war für Sie beide das

Wichtigste, das vorrangigste Problem

im Tierheim Pecs anzugehen und für

die Welpen bessere Unterbringungsmöglichkeiten

zu schaffen. Was genau

haben Sie sich überlegt?

Um die hohe Sterberate unter den Welpen

zu minimieren, müssen sie dringend

von den erkrankten, erwachsenen

Tieren getrennt werden. Das heißt:

Oberste Priorität muss eine separate

Unterbringung der Kleinen haben. Als

wir im Juli im Tierheim waren, teilten

sich unzählige Welpen einen Raum,

andere waren aus Platzmangel in Kaninchenställen

untergebracht, um sie

zumindest so separieren zu können.

Wir haben dann mit dem Tierheimleiter

Farkas Tamas das Gelände besichtigt

und einen geeigneten Platz zum

Bau eines Welpenhauses gefunden.

Dieses Haus, ausschließlich für Welpen,

soll zehn Zwinger bekommen und

wird direkt hinter der jetzigen Quarantäne

errichtet. Mein Kollege Karsten

Die Bauarbeiten

am Welpenhaus beginnen


Plücker, der ein eigenes Tierheim im

ungarischen Kiskunhalas unterhält, hat

mit solch einem Welpenhaus auf seinem

Gelände sehr gute Erfahrungen

gemacht und ermöglicht den Kleinen

so einen weitgehend guten, gesunden

Start ins Leben.

Wie wollen Sie das Projekt Welpenhaus

finanzieren?

Ich muss es ganz klar sagen: Eine Finanzierung

des Welpenhauses ist nur

durch die Hilfe und Spenden der bmt-

Mitglieder möglich und darum bitte ich

an dieser Stelle herzlich!

Ich baue meine Hoffnungen dabei auf

alle Menschen, die ein Tier aus unseren

acht bmt-Tierheimen aufgenommen

haben. Und dabei noch mal auf jene,

die schon einen Hund aus Pecs haben

und damit dem Tierheim auf spezielle

Weise verbunden sind. Wir benötigen

für dieses Projekt dringend finanzielle

Unterstützung, denn die Gesamtkosten

belaufen sich auf ca. 20.000 Euro.

Wir wollen das Welpenhaus unbedingt

noch vor dem Winter fertig stellen. Eine

Betonplatte wurde bereits gegossen

- und nun folgt der Aufbau der Zwinger

durch Karsten Plücker und ehrenamtlicher

Helfer. Es entstehen aber noch

weitere Kosten für die Hundehütten und

Paletten, die ebenfalls für das Haus benötigt

werden.

Was braucht das Tierheim Pecs am

nötigsten?

Das Tierheim benötigt grundsätzlich

Futter und "banale Dinge" wie Näpfe,

Halsbänder, Leinen und Bürsten, aber

keine Decken und Körbe.

Wäre es hilfreich, wenn Tierärzte ehrenamtliche

Arbeitseinsätze im Tierheim

durchführen würden, um Hunde

und Katzen zu kastrieren und medizinisch

zu versorgen?

Jeder ehrenamtliche Tierarzteinsatz

wäre eine unschätzbar große Hilfe!

Denn das Tierheim hat nur einen

(vom bmt bezahlten) Tierarzt, der -

auf sich gestellt - Hunde und Katzen

kastriert, chippt und anderweitig medizinisch

versorgt.

Wie viele Tiere werden im Moment

Tierheim versorgt, wie viel Personal

gibt es? Vergleichen Sie bitte mit einem

bmt-Tierheim, damit wir uns die

Verhältnisse besser vorstellen können.

Wie gesagt, der Hundebestand liegt

bei fast 400 Tieren, dazu kommen

zahlreiche Katzen. Im Tierheim Pecs

arbeiten sechs Tierpfleger, im Einsatz

sind jeweils aber immer nur drei Kräfte

durch freie Tage, Urlaub oder Krankheit.

25 Hunde kann ein Tierpfleger, so

ist es in Deutschland grob festgelegt,

pro Tag versorgen - in unserem Partnertierheim

in Ungarn kümmert sich

ein Pfleger um mindestens 120 Hunde,

außerdem noch um die Katzen. Das

sind die Verhältnisse, die wir uns kaum

vorstellen können…

Was bedeutet es für Sie persönlich in

Ungarn zu helfen?

Meine erste Fahrt, ich erwähnte es ja

schon, fand 2001 statt. Ich wollte einfach

nur "mitfahren" und daraus sind

jetzt schon über zehn 10 Jahre des "Mitfahrens"

geworden. Mein erster Besuch

war ein Schock, so viele Hunde auf

engstem Raum hatte ich noch nie gesehen

- und sie alle hatten keine Aussicht

auf ein anderes Leben!

Ich habe damals eine kleine Hündin

aus einer Gruppe großer Hunde gefischt.

Die haben wir mitgenommen,

und kurze Zeit später zog sie bei uns zu

Hause ein, obwohl mein Mann und ich

absolute "Schäferhundfans" sind.

Lilly hatte noch neun schöne Jahre bei

uns, später kamen wieder Schäferhunde

Das neue Welpenhaus wird

ca. 20.000 Euro kosten

zu uns, u.a. der Rumäne Ben und die

dreibeinige Anna aus Spanien.

Mir ist es ein Herzensanliegen, im Tierheim

Pecs zu helfen und die Situation

der Hunde vor Ort zu verbessern, ihnen

die Umstände erträglicher zu gestalten.

Aber ich stehe auch dazu, dass ich gerne

Hunde mit nach Deutschland nehme

und ihren weiteren Weg in ein neues

Zuhause verfolge. Das sind immer

Glücksmomente für mich!

Wie schaffen Sie die Vereinbahrung

von Vollzeit-Beruf, Vorstandsamt und

der Projektleitung für den Tierschutz

in Ungarn?

Ich mache alle drei Bereiche gerne und

dann klappt es auch, zumal mein Ehemann

mein Engagement im Tierschutz

mit trägt und unterstützt. Dennoch

könnte der Tag für mich mehr als 24

Stunden haben…

Was wünschen Sie sich für die Tierheimtiere

in Ungarn?

Entspanntere Haltungsbedingungen,

keine überfüllten Zwinger, keine (tödlichen)

Beißereien, Sauberkeit, genügend

Futter, viele Interessenten, öffentliches

Interesse für die Lage der

Tierheimhunde in Ungarn - und für alle

ein schönes Zuhause, nicht an der

Kette, sondern mit Familienanschluss.

Wie kann jeder einzelne Tierfreund

helfen?

Helfen kann man nachhaltig durch Patenschaften

für einen Tierheimhund

aus Pecs. Mit 15 Euro monatlich ist die

Versorgung eines Hundes sichergestellt.

Spenden sind natürlich immer

wichtig; sie werden in erster Linie für

das Futter benötigt.

Interview: Claudia Lotz

Das Recht der Tiere 3/2011

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Das Recht der Tiere 3/2011

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Das brutale Gänsestopfen ist

in Deutschland verboten

Im Vorfeld der zweijährlich

stattfindenden ANUGA, der

weltweit führenden Ernährungsmesse,

sorgte eine Ankündigung

der Betreiber für Zwist:

In verschiedenen Medien hatten

Sprecher der Kölner Messe bekanntgegeben,

ein ganz "besonderes"

Erzeugnis aus dem

Produktverzeichnis entfernen

zu wollen: Foie gras, zu deutsch

"fette Leber", soll im Warenverzeichnis

der Messe nicht mehr

auftauchen. Bei Angehörigen

verschiedenster Tier- und Umweltschutzorganisationen

stieß

die Ankündigung auf große

Freude, wird doch mit Foie gras

vor allem Tierleid verbunden.

Ein Bericht von Roman Kriebisch

Vertreter der meist französischen Anbieter dieser "Delikatesse"

reagierten empört, sogar auf politischer Ebene schlug der

Ausschluss Wellen: Staatssekretäre verhandelten mit deutschen

Diplomaten, der französische Agrarminister wandte

sich in einem persönlichen Brief an seine deutsche Amtskollegin

Ilse Aigner, in dem er sein Fernbleiben von der Messe

androhte, werde die Entscheidung nicht zurückgenommen.

Schließlich, so der französische Politiker, hingen von der

Stopfleber-Branche allein in Frankreich ca. 35.000 Arbeitsplätze

ab. Dabei soll Stopfleber auf der Messe gar nicht verboten

werden; lediglich der Eintrag im Warenverzeichnis soll

gelöscht werden - trotzdem mehr als nur ein kleiner Erfolg für

Gegner der qualvollen Spezialität, wie der entstandene Aufruhr

zeigt.

Die Produktion von Foie gras ist in Deutschland ebenso wie

in 13 anderen europäischen Staaten verboten, da sie massiv

gegen das Tierschutzgesetz verstößt. Neben Ungarn und

Bulgarien zählt Frankreich zu den drei Hauptproduzenten

von Stopfleber, bis zu 80 % der gehandelten Foie-gras-Produkte

stammen aus französischen Betrieben.

Um die Fettleber zu erzeugen, werden Enten und Gänse mit

Metallrohren "gestopft": Ein bis zu 50 cm langes Metallrohr

wird den Tieren dabei in den Schlund gerammt und eine Mi-

Auf der sc

STREIT UM GÄNSESTOPFLEBER

schung aus Getreide und Fett direkt in den Magen gepumpt.

Die Menge erreicht dabei nicht selten die Hälfte des Körpergewichtes

der Tiere, besonders der kleineren Enten. Bei Gänsen

wird dieser Vorgang dreimal, teilweise sogar viermal täglich

vorgenommen, bei Enten wird der gleiche Effekt schon

mit zwei Stopfvorgängen erzielt, weshalb heute über 90 % der

gestopften Tiere Enten sind.

Da die Vögel das Fett nicht verwerten können, speichern sie

es in der Leber, die nun so lange verfettet, bis diese etwa das

Zehnfache ihres ursprünglichen Gewichtes und ihrer früheren

Größe erreicht hat. Dieser Prozess dauert meist weniger

als einen Monat. Das Tier wird nun geschlachtet, bevor es an

den Folgen der brutalen Mast eingeht. Typische Verletzungen

von in der Stopfmast verendeten Tieren sind durchstoßene

Speiseröhren, ein verkümmerter Bewegungsapparat infolge

des zu schnellen Wachstums, Atemnot durch eingedrückte

Lungen, Entzündungen von Darm und Kloake.

Auch die Stopfmast ist ein mittlerweile hoch technisierter

Agrarsektor, der es auf modernen Farmen ermöglicht, mit

nur wenigen Arbeitern viele hundert Tiere zu "betreuen". Auch

der so entstehende Zeitdruck - oft bleiben nur Sekunden für

das Stopfen eines Tieres - ist zusätzlich verantwortlich für ei-


hwarzen Liste

FLAMMT ERNEUT AUF

Jedes 10. Tier stirbt

während der Mast

ne Sterbensrate von bis

zu 20 %, die während eines

Mastvorganges mit

eingeplant wird. Zudem

leiden die Tiere unter

enormem Stress und

ständigen Schmerzen, da

sie alles andere als artgerecht

gehalten werden.

Typische Zeichen

sind etwa Kannibalismus

und das Ausreißen von

Federn.

Zwar ist die Produktion in Deutschland verboten, der Import

jedoch nicht. Foie-gras-Produkte dürfen durch die Bestimmungen

zum freien Warenverkehr auch in Deutschland verkauft

werden. Allein im letzten Jahr importierte Deutschland

170 Tonnen Stopfleber aus Frankreich, der Verkauf boomt

besonders zur Weihnachtszeit: Traditionell werden hier bis zu

50 % des Jahresumsatzes erzielt. Gerade zur Adventszeit

läuft derweil auch das Geschäft mit dem restlichen Körper

der Tiere - als Nebenprodukt wird das Fleisch gerne verkauft,

etwa als "ungarische Hafermastgans" oder Gans aus "bäuerlicher

Haltung" - diese Begriffe sind nicht geschützt. Nur wer

das Kleingedruckte genau studiert, findet eventuell den Hinweis:

aus Stopfmast.

Tierschützer streiten daher seit langem nicht nur für ein Verbot

der Foie gras, sondern auch für eine deutliche Kennzeichnung

von tierquälerisch erzeugten Produkten aus Stopfmast.

Auch in Frankreich gibt es Tierschutzgesetze, die die

Produktion der Stopfleber eigentlich verbieten müssten. Doch

die französische Nationalversammlung hat die Foie gras

2005 zum nationalen und gastronomischen Kulturerbe erklärt

- und damit für den Tierschutz unantastbar gemacht.

Frankreich ist das einzige westeuropäische Land, in dem das

Stopfen - auch "Nudeln" genannt - noch nicht verboten ist.

Die Franzosen sind der weltweit größte Produzent von Stopflebern;

im Jahr 2005 stellten die Franzosen knapp 20.000

Tonnen dieser "Delikatesse" her und verarbeiteten damit

98 % der weltweit erzeugten Menge.

Die Entscheidung der Kölner Messebetreiber, die Fettleber

aus den Verzeichnissen zu verbannen, ist nur ein kleiner

Schritt - aber er zeigt in die richtige Richtung. Dass gleichzeitig

jedoch ein enormer Handlungsbedarf besteht, legen

dieser Schritt und die Reaktionen darauf schonungslos offen.

A KTUELL

Deutsches

Tierschutzbüro

veröffentlicht

Videodokumentation

Die Dokumentation bringt Licht ins Dunkel dieser grausamen

Mastform. Während das "Stopfen" in jedem anderen westeuropäischen

Land aus Tierschutzgründen

verboten wurde,

wurde es von Frankreich zum Kulturerbe

erklärt und ist somit unantastbar.

Doch auch der deutschen

Mastgans geht es alles andere als

gut. Mehr als 1,5 Millionen von ihnen

- das entspricht etwa der Einwohnerzahl

von Hamburg - werden

jedes Jahr unter meist

qualvollen Bedingungen gehalten.

Das Deutsche Tierschutzbüro

zeigt den traurigen Alltag der Mastgänse, die gerade zu

Sankt Martin und Weihnachten ihr Leben für einen angeblichen

Gaumenschmaus lassen müssen, und wie sich Handelskonzerne

aus der Verantwortung stehlen.

Die DVD-Videodokumentation mit dem Titel "Gänsealltag:

Gestopft - gemästet - gequält: Gans arm dran"

kann für 14,99 Euro beim Deutschen Tierschutzbüro

(www.tierschutz-videos.de oder Tel. 0221-20463862) bestellt

werden.

Die Dokumentation hat eine Länge von 20 Minuten.

Fotos www.tierschutzbilder,

Jan Peifer

Das Recht der Tiere 3/2011

19


Das Recht der Tiere 3/2011

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T IERSCHUTZPOLITIK I

"REFORM"

der Gemeinsamen

EU-Fischereipolitik

Auch die neuste Reform der Gemeinsamen Fischereipolitik (GFP) der

EU bringt keinen Tierschutz, keine Meeresschutzzonen, keinen Fairen

Handel - sie bringt eigentlich nichts Neues.

Im April 2009 hatte die EU-Kommission ein "Grünbuch" publiziert, in welchem

sie erstaunlich schonungslos mit den verhehrenden Folgen der Gemeinsamen Fischereipolitik

der EU (GFP) abrechnete. Das "Grünbuch" enthielt zudem Vorschläge

für eine Wende und lud zu einer breiten Konsultation hierüber ein. Auch

wenn diese Vorschläge nicht gerade berauschend waren, erhofften sich selbst Skeptiker, dass der ausgelöste

Prozess ein paar griffige Massnahmen bringen werde.

Was die EU-Kommission nun im Juli 2011 als Reformprojekt präsentiert hat, liegt weit hinter den Erwartungen

zurück. Offensichtlich hatten die grossen Fischindustriellen und die von ihnen bearbeiteten Regierungen

(allen voran Spanien) erfolgreich in Brüssel lobbyiert.

Der Verein fair-fish hatte zum "Grünbuch" mit acht Forderungen Stellung genommen.

Stellt man diese den jüngsten Vorschlägen der Kommission entgegen,

sieht das Bild besonders ernüchternd aus.

1. Kein Ende der Propaganda für

immer mehr Fisch

Die fair-fish-Forderung 2009: Keine Unterstützung

irgendwelcher Art für "Gesundheits"-Propaganda zugunsten

eines hohen Fischkonsums. Omega-3-Fettsäuren lassen sich

direkt dort gewinnen, wo sich die Fische selbst damit versorgen:

aus Algen.

Statt dessen soll die EU Bestrebungen zur Aufklärung der Verbraucher/innen

über die Zusammenhänge zwischen Fischkonsum

und Überfischung sowie zwischen rücksichtslosem

Umgang mit Fischen und Qualitätsverlust ihres Fleischs fördern

(Punkt 7).

Vorschlag der EU-Kommission 2011: Das Thema

wird überhaupt nicht berücksichtigt; gestärkt wird einzig die

Deklarationspflicht.

2. Weiterhin

Förderung der

nicht nachhaltigen

Fischzucht

fair-fish: FörderundForschungsmittel

für die Aquakultur

werden nur

Auch im Senegal sind Fischer

Opfer der industriellen Fischerei

noch an Projekte und Betriebe ausgerichtet, welche erheblich

weniger Wildfisch verfüttern, als sie gewinnen, und welche

die Tiere nach neustem Wissensstand artgerecht halten,

um das Wohl der Tiere zu fördern und Stress und Leiden so

gering wie möglich zu halten (Punkt 7).

EU-Kommission: Thema überhaupt nicht berücksichtigt;

im Gegenteil soll Aquakultur massiv gefördert werden.


3. Europas Schiffe rauben auch künftig in Afrika

fair-fish: Wenn Länder des Südens Fisch nach Europa liefern

wollen, dann sollen sie den selber fangen und verarbeiten.

Nur so erhalten Fischer und Arbeiterinnen dort den ihnen

zustehenden Mehrwert. Und nur so wird Europa

gezwungen, für die eigenen Fischgründe Sorge zu tragen.

Um zu verhindern, dass überzählige europäische Schiffe unter

anderer Flagge weiterhin in aussereuropäischen Fanggebieten

fischen, werden die überdimensionierten Fangkapazitäten

der EU reduziert. Dazu setzt die EU eine einmalige

Verschrottungsprämie aus, die ausbezahlt wird, wenn das

Schiff nachweislich verschrottet worden ist.

EU-Kommission: Thema überhaupt nicht berücksichtigt;

an Fischereiabkommen mit andern Ländern wird festgehalten,

bei vager Verpflichtung der EU auf soziale und ökologische

Kriterien.

4. Raubbau wird fortgesetzt

fair-fish: Verbot der Befischung überfischter Bestände oder

gar gefährdeter Arten.

EU-Kommission: Thema nicht berücksichtigt.

5. Industrielle Fangmethoden bleiben erlaubt

fair-fish: Fangmethoden wie Grundschleppnetze, die viel

Beifang verursachen und den Lebensraum der Fische zerstören,

sind zu verbieten. Die handwerkliche Fischerei mit kleinen

Booten schafft mehr Arbeitsplätze als Fabrikschiffe.

EU-Kommission: Thema gar nicht berücksichtigt; möglicherweise

macht das geplante Verbot des Rückwurfs unerwünschter

Fänge die industrielle Fischerei etwas teurer.

6. Weiterhin Geld für rücksichtslose Fischereien

fair-fish: Jegliche Förderung der Fischerei durch die EU

wird nur noch an Betriebe ausgerichtet, welche Mindestauflagen

an Tierschutz und Nachhaltigkeit erfüllen. Dabei ist die

lokal verankerte artisanale Fischerei mit kleinen Booten und

Geräten zu bevorzugen. Sie schafft nicht nur mehr Arbeitsplätze

als die industrielle Fischerei, sondern lässt sich auch

leichter so gestalten, dass sie sozial und ökologisch nachhaltig

und ethisch verantwortlich geführt werden kann.

EU-Kommission: Thema nicht berücksichtigt; die künftige

Regionalisierung von Entscheidungen und die Möglichkeit

von Fördermassnahmen für kleine Fischereien kann schonendere

Fangmethoden allenfalls etwas fördern.

7. Fischwohl bleibt unberücksichtigt

fair-fish: Europas neue Gemeinsame Fischereipolitik berücksichtigt,

dass es sich bei Fischen um leidensfähige Lebewesen

handelt. Fischerei und Aquakultur werden darauf ausgerichtet,

dass sie das Wohl der Tiere möglichst wenig

beeinträchtigen und dass die Tiere vor der Schlachtung so

kurz und wenig wie möglich leiden müssen.

EU-Kommission: Thema überhaupt nicht berücksichtigt.

T IERSCHUTZPOLITIK I

In Deutschland wurden große Euro-Kutter gefördert

und kleine selbständige Fischer verdrängt

8. Nach wie vor keine Meeresschutzzonen

fair-fish: Schaffung von untereinander vernetzten Meeresschutzzonen,

die mindestens einem Anteil von 40% an Europas

Meeresfläche entsprechen. Die Fischerei in diesen Zonen

soll ausschliesslich lokalen Fischern erlaubt sein, welche extensive

Methoden anwenden und Artenschutz, Schonzeiten

und Fangquoten einhalten und die Überwachung ihrer Zone

aktiv unterstützen. Wo Europa Fisch aus andern Kontinenten

bezieht, fördert es dortige Bestrebungen zur Schaffung analoger

Zonen.

EU-Kommission: Thema überhaupt nicht berücksichtigt.

Und das Schlimmste kommt erst noch …

Über die Reform entscheidet nicht die Kommission, sondern

der Rat der Fischereiminister der Mitgliedsstaaten. Dieser Rat

hat bisher immer versagt, wenn es um den Schutz der Fischbestände

und der Meere ging. Der bescheidene Plan der

Kommission wird vom Rat mit Sicherheit noch gerupft werden.

Voraussichtlich dürfte die ab 2013 schrittweise geplante

Reform am Ende soviel bewirken wie ihre Vorgängerinnen:

� keine Entlastung für Fischbestände und marine Umwelt,

� weitere industrielle Aufrüstung zulasten der kleinen

Fischereibetriebe,

� fortgesetzte Ausbeutung aussereuropäischer

Meeresgebiete,

� vom unverminderten Leiden der gefangenen Fische

ganz zu schweigen.

BILLO HEINZPETER STUDER

gründete 2000 den Verein fair-fish,

dessen Fachstelle er bis heute leitet.

Der Verein ist mit Büros in der

Schweiz, Deutschland und Österreich vertreten.

Kontakt: billo@fair-fish.net

Das Recht der Tiere 3/2011

21


Das Recht der Tiere 3/2011

22

B ERUFE

Mehr als ein

Mehr

"Sie haben es gut; Sie können den gan-

Hundespazier

zen Tag mit den Hunden spazieren gehen

und werden dafür auch noch bezahlt!"

Immer wieder werden Tierpfleger/

innen mit ähnlichen Vorstellungen über

ihren Berufsalltag im Tierheim konfrontiert.

Dass die Tierpfleger-Ausbildung DIE AUSBILDUNG

äußerst vielschichtig ist und weit über

"Hundespaziergänge und Katzenku- ZUR/M TIERPFLEGER/IN

scheln" hinausgeht, erklärt Tierheimleiter

Stefan Kirchhoff. In der Arche Noah in

Stuhr/Brinkum können junge Menschen ihren Traumberuf erlernen, außerdem im bmt-Tierheim Köln-

Dellbrück, der Wau-Mau-Insel in Kassel und dem Tierheim Elisabethenhof in Reichelsheim.

In den letzten 20 Jahren hat sich viel in

den Tierheimen getan: Die Einrichtungen

setzten die Anforderungen an artgerechte

Tierhaltungen mit viel Platz,

Freiläufen und Sozialkontakten um

und gleichzeitig steigen die Erwartungen

der Menschen, die sich mit Anfragen,

Bitte um Hilfe, Information, Beratung

und praktische Unterstützung an

uns Tierheimmitarbeiter richten.

Mittlerweile werden mehr als 25 verschiedene

Haustierarten - vom Hund

über den Nymphensittich bis zum Degu

- in unseren Tierheimen versorgt.

Ihnen allen müssen die Tierpfleger

hinsichtlich Haltung, Fütterung, Vergesellschaftung

und Suche nach einem

geeigneten Zuhause gerecht werden.

Hygienemaßnahmen, Kundenge-

spräche, EDV-Kenntnisse, Vertragsabwicklungen,

Arbeitsschutz, Öffentlichkeitsarbeit

und rechtliche Grundlagen

sind weitere Aufgaben, die Tierheimleitungen

von motivierten Tierpflegern erwarten.

Während sich vor Jahren Quereinsteiger

durch Engagement und Weiterbildungen

die nötigen Kenntnisse erwarben,

stellen heute die Tierheime in der

Regel nur ausgebildete Tierpfleger ein.

Die/der Tierpfleger/in ist in Deutschland,

Österreich und der Schweiz eine

Berufsbezeichnung.

Das Aufgabengebiet umfasst die fachund

artgerechte Pflege, Betreuung und

Zucht von Tieren in Tierheimen, Zoos,

Forschungseinrichtungen und Zuchtbetrieben.

Das Berufsbild umfasst drei

Tätigkeitsfelder: Forschung und Klinik

(Labortierpflege), Zootierpflege und

seit 2003 den Bereich Tierheim- und

Pensionstierpflege. Die Ausbildung

dauert drei Jahre und findet im Dualen

System statt - Ausbildungsbetrieb und

Berufsschule teilen sich also die Ausbildung.

Zu den Fächern in der Berufsschule gehören

Haltung und Pflege, Zucht und

Erziehung, Wirtschafts- und Sozialkunde,

Deutsch, Politik und fachbezogenes

Rechnen sowie Religion und Bewegungslehre.

Leider haben wir nach

Rückmeldungen unserer Azubis immer

wieder festgestellt, dass der Unterricht

in den Berufsschulen in den Bundesländern

nicht gleichermaßen anspruchsvoll

ist.


gang

Auch Assistenz bei Tierärzten ist

eine Aufgabe von Tierpflegern

Die praxisnahen Fächer "Haltung und

Pflege" sowie "Zucht und Erziehung"

beinhalten u.a.: Gehegeeinrichtung,

Krankheitslehre, Biologische Daten, Ernährung,

Beschäftigung, Vergesellschaftung,

Verhalten, Systematik, Hygiene

und Desinfektion, Quarantänemaßnahmen,

Tiertransport, Pflanzenkunde,

Erziehung, Genetik, Anatomie,

Ursprung, Umgang mit Tieren und Arbeitsschutzmaßnahmen.

Am Ende der

Lehre muss eine theoretische und praktische

Abschlussprüfung bestanden

werden.

Der Ablauf einer

praktischen Prüfung

könnte so aussehen:

� "Desinfizieren Sie eine Tierunterkunft".

Dabei müssen bis zu 20 Arbeitsschritte

und Abläufe wie zum Beispiel

Einwirkzeit, Mischverhältnis, Sicherheitsmaßnahmen

etc. beachtet werden

� "Führen Sie einen Gesundheitscheck

bei einem Tier durch und richten

Sie eine Quarantänebox ein"

� "Erkennen und Erläutern Sie Krankheitsanzeichen"

� "Bestimmen Sie das Geschlecht des

Tieres"

� "Was sind die anatomischen Besonderheiten

dieses Tieres?"

� "Führen Sie Quarantänemaßnahmen

durch". Zu diesem Punkt werden

bis zu 40 Arbeitsschritte und diverse Erklärungen

erwartet.

Im Bereich Futtermittelkunde müssen

die Prüflinge ca. 50 Pflanzen und Futtermittel

(Saaten, Obst, Gemüse,

Fleisch etc.) erkennen und beschreiben.

Inhaltstoffe und Verträglichkeit des Futters

sollen benannt bzw. für ein

Tier zusammengestellt werden.

Diese nur einzelnen Beispiele

zeigen, wie anspruchsvoll die

Ausbildung ist. Aber auch ein

guter Abschluss macht noch

keine/n gute/n Tierpfleger/in

aus.

Um den Beruf im Sinne der Tiere

so professionell wie möglich

durchzuführen, braucht man

ständiges Interesse an Tieren, sehr viel

Eigeninitiative und Achtsamkeit.

Man muss körperlich fit und absolut

unempfindlich gegen Schmutz und Gerüche

sein, starke Nerven haben und

ein gutes Gefühl für Tier und Mensch

entwickeln, um seiner Verantwortung

für beide gerecht zu werden. Wer die

Ausbildung zur/zum Tierpfleger/in nur

deswegen durchläuft, weil sie/er "Tiere

mag" oder "mit Tieren arbeiten möchte",

ist im Tierheim fehl am Platz, weil

sich der Berufsalltag aus weitaus mehr

Komponenten - wie der Beschäftigung

mit Interessenten, Tierheimbesuchern,

Spendern, Hilfesuchenden, Behörden

etc. - zusammensetzt.

Fotos: Stefan Kirchhoff, Azubis im Tierheim Arche Noah

B ERUFE

Tierpfleger müssen sich damit anfreunden,

deutschlandweit nach Arbeitsplätzen

zu suchen, unbezahlte Überstunden

in Kauf zu nehmen, an Feiertagen

zu arbeiten und trotzdem mit einem geringen

Gehalt auszukommen. Doch da

wir alle mit diesen "Widrigkeiten" leben,

scheint der Beruf gleichzeitig mehr

als nur ein Job für uns zu sein: Er ist eine

Berufung, weil uns alle eines eint:

Die Liebe zum Tier und der Wunsch zu

helfen, wann immer ein Tier uns

braucht.

Hier finden Sie die Ausbildungsverordnung

für Tierpfleger:

http://bundesrecht.juris.de/

bundesrecht/tierpflausbv2003/

gesamt.pdf

Suchen Sie eine Stelle

als Tierpfleger/in?

Das Tierheim Elisabethenhof stellt

eine/n Tierpfleger/in ein.

Erwartet werden:

� Abgeschlossene Ausbildung

zur/zum Tierpfleger/in

� Berufserfahrung

� Klares Bekenntnis zum Tierschutz

bzw. Tierschutzhintergrund

� Soziale Kompetenz, körperliche

Belastbarkeit, Eigeninitiative und

Bereitschaft zu Sonn- und Feier -

tagsarbeit.

Außerdem sucht das Tierheim Elisabethenhof

Mieter für ein Haus mit

Garten auf dem Tierheimgelände.

Bewerbungen bitte an:

Tierheim Elisabethenhof

Tierheimleiter Christian Werner

Siedlerstraße 2

61203 Reichelsheim

www.tierheim-elisabethenhof.de


Das Recht der Tiere 3/2011 DRAMA

24

TH KÖLN-DELLBRÜCK

UM CHICA

Wie eine ganze Stadt mithalf,

unsere entführte Hündin wiederzufinden

08. Juli 2011, 16:00 Uhr: Es sind Sommerferien und zur Öffnungszeit

ist bei uns im Tierheim jede Menge los. Mit 140 Hunden

und 130 Katzen sind wir wie in jedem Jahr hoffnungslos

überfüllt und sehr froh, dass es so viele Tierfreunde gibt, die

zu uns kommen, um einen unserer Schützlinge zu adoptieren.

Im Katzenhaus findet eifriges Kennenlernen mit unseren

Samtpfoten statt, und auch auf dem Hof beschnuppern sich

Zwei- und Vierbeiner durch die Gitterstäbe der Zwinger. Einige

Hunde gehen Probegassi, unter ihnen auch unsere elfjährige

Schäferhündin Chica.

Die Hündin und ihre Interessenten freuen sich auf den Spaziergang

im Wald, verlassen das Tierheimgelände und dann

passiert es plötzlich: Ein ungepflegter Mann mit langen Dreadlocks

springt zwischen den Autos hervor, reißt Chica das Halsband

ab und verschwindet mit ihr im Wald. Alles geht in Sekundenschnelle,

noch bevor irgendjemand reagieren kann

sind beide außer Sichtweite.

Zur Vorgeschichte: Chica wurde in den

letzten Monaten bereits zweimal von

der Polizei sichergestellt, weil sie vom

Sohn ihres Besitzers massiv misshandelt

worden war. Dieser hatte sich den

Hund seines gehbehinderten Vaters immer

wieder ausgeliehen, wahrscheinlich

um mit ihr auf der Straße zu betteln.

Der erste schreckliche Vorfall

ereignete sich in einer Straßenbahn:

Weil Chica sich auf seinen Befehl hin

nicht sofort hinlegen wollte, warf er sie

zu Boden, trat ihr in die Seiten und auf

den Kopf und schrie immer wieder,

dass er sie hasse. Beim Aussteigen

nahm er sie am Nacken und

schleuderte sie gegen eine

Betonwand. Beim

zweiten Mal prügelte

er auf offener

Straße

auf sie

ein,

weil sie zu einem anderen Hund hingelaufen

war. Glücklicherweise hatten

Passanten beide Male eingegriffen und

den Mann angezeigt. Wir waren heilfroh,

dass Chica nach diesem Martyrium

seit Mitte Juli nun endlich bei uns

in Sicherheit war und sich langsam einlebte

- und dann passierte diese

schreckliche Entführung!

Aufgrund des auffälligen Äußeren war

uns schnell klar, dass es sich bei dem

Dieb nur um ihren Peiniger handeln

konnte. Wir durften uns gar nicht ausmalen,

was er Chica jetzt wieder antun

könnte. Würde er an ihr seine Wut auslassen?

Sie in eine andere Stadt bringen?

Oder gar ganz beseitigen wollen,

um uns eins "auszuwischen"? Sofort

fuhren wir mit sämtlichen Autos und

Fahrrädern die komplette Umgebung

ab und suchten bis in den späten

Abend, aber Chica und der Mann blieben

wie vom Erdboden verschluckt.

Am nächsten Tag musste ein Masterplan

her. Alleine würden wir es nicht

schaffen, die Hündin zu finden, dafür

war eine Millionenstadt wie Köln einfach

zu groß. Also mussten wir

möglichst vielen Menschen von

Chica berichten. Ganz Köln

sollte wissen, dass sie entführt

und in Gefahr war, alle sollten

die Augen nach ihr auf-

Das Martyrium für Chica ist vorbei


halten. Also gaben wir eine Presseerklärung

an die Medien heraus und verbreiteten

ihr Foto auf sämtlichen Internetseiten.

Mit Hilfe vieler Tierfreunde war Chicas

Foto auf der Internetplattform Facebook

binnen kürzester Zeit hundertfach

verbreitet und die Entführung in aller

Munde. Die lokale Presse reagierte sofort

mit großen Artikeln, und sogar der

WDR war bei uns, um in der abendlichen

"Lokalzeit" zu berichten und uns

bei der Suche zu helfen. Spontan gegründete

Suchtrupps fuhren in Köln alle

verdächtigen Plätze ab, und auch wir

selbst waren ständig mit den Autos

unterwegs. Vom Hauptbahnhof bis

zum Chlodwigplatz, von der Kalker

Post bis zum Aldi Supermarkt in Merheim

- kein Quadratmeter blieb unbeobachtet.

Wir sprachen mit Kneipenwirten, KVB-

Fahrern und Bäckerfrauen, der Kreis

der suchenden Personen wurde stündlich

größer. Ganz Köln war auf den Beinen

und suchte unsere Chica. Es war

rührend zu sehen und zu spüren, wie

viel Unterstützung wir von allen Seiten

bekamen - sogar die Kripo war im Einsatz.

Die ersten 48 Stunden waren unendlich

lang und leider ohne jeglichen

Erfolg gekrönt. Hier und da gingen

Hinweise ein, dass die beiden gesehen

wurden, doch immer, wenn einer von

uns dort ankam, gab es keine Spur

mehr von Chica. Wir gaben die Hoffnung

in keiner Weise auf, aber nach

zwei erfolglosen Tagen der Suche hatten

wir große Zweifel, dass sie überhaupt

noch in der Stadt war.

Doch dann, am Mittwochabend gegen

18:00 Uhr, kam der erlösende Anruf:

Chica war gefunden! Eine Tierfreundin,

die bei Facebook die Suche über

Tage verfolgt hatte, sah die Hündin

samt ihrem Peiniger in Köln Porz an einer

Bushaltestelle sitzen. Sie rief ohne

zu zögern die Polizei, die auch in weniger

als 10 Minuten vor Ort war und

zugriff. Der Tierquäler wehrte sich zunächst

und war sich nicht bewusst, etwas

Unrechtes getan zu haben, gab

die Hündin aber schließlich frei.

Er wurde festgenommen und Chica

kam direkt an einen sicheren, aber geheimen

Ort. Selbst wir durften aus Sicherheitsgründen

nicht wissen, wo sie

sich befand. Obwohl wir sie nicht in die

Arme schließen konnten, war unsere

Freude unermesslich. Die Nachricht,

dass Chica wohlbehalten gefunden

wurde, verbreitete sich wie ein Lauffeuer.

Wir hatten das Gefühl, ganz Köln

freute sich mit uns über Chicas Rückkehr.

Wie schrieb jemand so schön auf

der Tierheim-Dellbrück Facebook-Seite:

"Ich glaube, es ging ein Donnergrollen

durch Facebook von den ganzen

Steinen, die den Menschen hier von

den Herzen geplumpst sind... Gott sei

Dank ist Chica in Sicherheit!"

Wie sollte es aber nun mit Chica weitergehen?

Nach all dem Stress wollten wir

ihr ungern zumuten, wieder ins Tierheim

zu müssen. Sie sollte nun endlich

ein Zuhause für immer bekommen.

Und endlich anfangen, ein lebenswertes,

angstfreies Hundeleben zu führen.

Leider waren ihre Interessenten durch

TH Köln-Dellbrück

Iddelsfelder Hardt, 51069 Köln

Leiterin (GSt): Sylvia Bringmann

Leiter (TH): Bernd Schinzel

Tel. (0221) 68 49 26, Fax 68 18 48

Postbank Köln, BLZ 370 100 50

Konto 924 02-505

www.tierheim-koeln-dellbrueck.de

TH KÖLN-DELLBRÜCK

das schlimme Erlebnis so eingeschüchtert,

dass sie von der Adoption Abstand

nahmen. Zu groß war die Angst, dass

so etwas noch einmal passieren könnte.

Sie haben sich schließlich für einen

anderen Hund aus unserem Heim entschieden.

Dank der Hilfe vieler Tierfreunde

kann Chica jetzt ihr Leben genießen

Aber da Märchen immer ein gutes Ende

haben, ging auch Chicas Geschichte

schön aus. Freunde unseres Tierheimleiters

hatten tagelang um die

Hündin mitgefiebert und nach ihrer

Rettung sofort angeboten, sie für immer

bei sich aufzunehmen. Und so

konnte sie keine 48 Stunden später in

ihr neues Zuhause ziehen. Sie lebt jetzt

mit zwei weiteren Tierschutzhunden in

einem schönen Haus mit großem Garten,

und wir sind sicher, dass sie dort für

immer in Frieden leben kann.

Wir möchten uns an dieser Stelle noch

einmal ganz herzlich bei allen Medien,

der Polizei und vor allen den vielen privaten

Personen bedanken, die uns bei

der Suche nach Chica unterstützt haben.

Ohne die vielen Hilfsaktionen hätten

wir den Hund nie wieder gefunden.

Unser besonderer Dank geht natürlich

an die Finderin, die mutig genug war,

die Polizei zu rufen und damit den

Hund zu retten. Uns hat die Aktion gezeigt,

dass in der Not auf Tierfreunde

immer Verlass ist. Dankeschön.

Besuchen Sie unsere Tierheim-Dellbrück

Facebook Seite:

www.facebook.com/

tierheim.koeln.dellbrueck

Text: Sylvia Hemmerling

Das Recht der Tiere 3/2011

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Das Recht der Tiere 3/2011

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T IERSCHUTZZENTRUM

2x

Ramira ist eine zutrauliche

und verschmuste Wohnungskatze,

doch wenn sie

dem Vater zu viel wird,

wirft er sie mal eben raus.

Er mag keine Tiere.

Eines Tages kommt Ramira zurück und ist trächtig, denn sie

ist nicht kastriert. Keinem in der Familie scheint etwas aufzufallen.

Plötzlich ist der Nachwuchs da. Fünf Katzenbabys

bringt Ramira zur Welt. In den ersten Tagen ist alles perfekt.

Die Katzenmutter kümmert sich

liebevoll um ihren Nachwuchs.

Eines Tages aber verschwindet

sie. Sie sei angeblich aus der

Wohnung gehuscht, so der

Vater.

Die Kleinen, erst wenige Wochen

alt, schreien und wimmern

vor Hunger und Kälte. Doch Ramira

kommt auch am nächsten

Tag nicht zurück. Das Geschrei

der verlassenen Kätzchen nervt.

Sie werden kurzerhand in einem

Karton vor die Tür gestellt.

Als die fünfzehnjährige Tochter

von der Schule nach Hause kommt, ist sie entsetzt. Der Zustand

der verlassenen Kätzchen hat sich drastisch verschlechtert.

Die Jugendliche erkennt, dass sie hier sofort handeln

muss. Sie fürchtet um das Leben der Kleinen, nimmt sie

im Karton mit und versucht, an verschiedenen Stellen Hilfe zu

bekommen, doch vergebens. Niemand hilft!

Völlig verzweifelt und außer sich ruft bei uns an. Sofort fährt

eine unserer Mitarbeiterinnen los und findet das junge Mädchen

aufgelöst vor einer Tierarztpraxis. Auch dort bekam sie

keine Hilfe! Die Katzenwelpen sind schon sehr schwach. Das

Kleinste ist in einem Besorgnis erregenden Zustand. Zurück

im Tierheim kümmern sich die Tierpfleger sofort um die Klei-

Katzendrama

... mit Happy

End !

“Du bist zeitlebens für das verantwortlich,

was du dir vertraut gemacht hast.”

nen. Mit Wärmelampe und Nuckelfläschchen werden sie

aufgepäppelt.

Dann kommt ein Anruf, die Katzenmutter ist wieder aufgetaucht

und sucht nach ihren Babys. Die Jugendliche und ihre

Freundin können die Mutterkatze einfangen

und bringen sie zu uns. In der

Zwischenzeit ist ein Mutter-Kind-Zimmer

eingerichtet worden. Nun kommt der

Moment der Familienzusammenführung.

Alle sind gespannt! Wie wird Ramira

auf ihre Jungen reagieren? Doch

die Mitarbeiter des Tierheims können

aufatmen! Liebevoll legt die Katzenmama

die Pfoten um ihre Kleinen und

schleckt sie ab. Die Welpen suchen sich

sofort an der heimischen Milchbar ihren

Platz und beginnen schnurrend zu saugen.

Das ist vollendetes Familienglück.

Doch es hätte auch ganz anders kommen

können. Nur das schnelle Reagieren

und das Durchhaltevermögen des jungen

Mädchens haben diesen fünf Babykatzen

in letzter Sekunde das Leben

gerettet.

Glückliches Wiedersehen:

Ramira hat ihre Kleinen

wieder!

ANTOINE DE SAINT EXUPÉRY


Pünktlich zur Ferienzeit

ereignet sich das zweite

Katzendrama.

Am frühen Morgen des ersten Ferientages

hatte man sie vor unserem

Tor abgestellt, zwei hilflose Babykatzen

von ungefähr 6 Wochen. Kalt

und herzlos hatte man sie zurückgelassen,

in einer blauen Plastikbox,

ohne Decke, ohne Futter - nur schnell weg damit! Über die

Box war eine Gitterbox gestülpt, beschwert mit einem halb

gefüllten BIERKASTEN.

Keiner hatte sich Gedanken gemacht, ob Fuchs oder Marder

auf der Suche nach einer leckeren Mahlzeit vorbeikommen

könnten.

Die beiden Kätzchen waren so geschockt, dass sie nicht einmal

miauten, als Mitarbeiter des Tierschutzzentrums sie früh

am Morgen fanden. Zum Glück waren sie wohlauf und haben

gleich gefressen, als sie aus ihrem Gefängnis befreit

worden waren und vorerst in eine große Box mit weichen

KATZENPATEN GESUCHT!

Vernachlässigung und mangelndes Verantwortungsgefühl

gegenüber einem Tier ist eine Form von Missbrauch, das Animal-Hoarding-Syndrom,

das zwangsläufig auch zur Vernachlässigung

der Tiere führt, eine andere.

Aus solch einem Animal-Hoarding-Fall gestaltete sich ebenfalls

ein Drama für uns. Seit dem Jahr 2006 übernahmen wir

ca. 50 Katzen, die wild in einem Haus lebten. Die letzten kamen

vor zwei Monaten zu uns ins Tierheim. Ihr gesundheitlicher

Zustand war zum Teil so dramatisch, dass es einige

nicht geschafft haben. Viele von ihnen fanden ein schönes

neues Zuhause. Doch vierzehn dieser Samtpfoten leben heute

noch bei uns. Ihr Verhalten und ihr Aussehen sind geprägt

von ihrer Vergangenheit. Körperlich und

seelisch sind sie alle mit

bleibenden

Decken umziehen durften.

Stunden später entdeckte der Briefträger im Gebüsch, dort,

wo die jungen Katzen gefunden wurden, eine erwachsene

Katze, die kläglich und suchend miaute. Sie hatte ein geschwollenes

Gesäuge und war sehr mager. Wir vermuteten,

dass es die Mutterkatze war und setzten sie vorsichtig zu den

Babykatzen, die sofort auf sie zuliefen und von ihr abgeschleckt

wurden.

Wir waren geschockt! Man hatte die noch säugende Mutterkatze

getrennt von ihren Jungen auch ausgesetzt, ohne die

Möglichkeit, zu den Babykatzen gelangen zu können.

Spuren aus dieser Zeit

behaftet. Es ist fraglich,

ob wir auch für diese

Katzen ein liebevolles

Zuhause finden, da sie

sehr viel Zeit brauchen,

um Vertrauen zu den

Menschen aufzubauen.

P FULLINGEN

Der Mutter weggenommen und unter einem Bierkasten eingesperrt

Da ist zum Beispiel Stevie,

der blinde Kater, Der blinde Stevie kommt

dessen beide Augen trotz Handicap zurecht

krankheitsbedingt völlig

zerstört wurden. Für manche Tierheimbesucher ein schwer

zu verkraftender Anblick. Doch Stevie kommt mit dieser Behinderung

sehr gut zurecht. Er bewegt sich vorsichtig, mit Na-

Tierschutzzentrum

Pfullingen

Gönninger Straße 201,

72793 Pfullingen

Leiter (GSt): Dr. Uwe Wagner

Tel. (07121) 820 17 -0, Fax -18

Leiterin (TH): Petra Zipp

Tel. (07121) 820 17 20

Kreissparkasse Reutlingen,

BLZ 640 500 00, Kto. 75 7889

www.tierschutz-bmt-bw.de

STEVIE

se und Schnurrhaaren alles abtastend.

Stevie klettert im Katzenauslauf

sogar auf die Sitzbretter des Kratzbaumes.

Hinunter geht es rückwärts,

langsam, aber sicher. Für Stevie und

seine Katzenkumpels suchen wir nun

Tierpaten, die mit ihrer Patenschaft

einen Beitrag zur Versorgung und

medizinischen Betreuung dieser

wahrscheinlich schwer vermittelbaren

aber liebenswerten Samtpfoten leisten

möchten.

Text und Fotos: Gabriele Rudolph

Das Recht der Tiere 3/2011

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Das Recht der Tiere 3/2011

28

Alexis wird

Gnadenbrotpferd des

Zwei bmt-Mitglieder, die von der Notlage

der alten Dame erfahren hatten,

wenden sich an den bmt in Stuhr/Brinkum.

Ob in diesem besonderen Fall

der Verein helfen und die 26 Jahre alte

Stute aufnehmen könne?

Geschäftsstellenleiterin Anke Mory und

Tierheimleiter Stefan Kirchhoff entscheiden

schnell: Sie wollen dem Pferd

eine ungewisse Zukunft ersparen - zu

viele Vorfälle hatte es in der Vergangenheit

bei der gut gemeinten Abgabe

von Privatpferden als Beistellpferde

gegeben - und der unverschuldet in

Not geratenen Witwe beistehen.

Die alte Dame

weint vor Erleichterung,

als

sie hört, dass

das Tierheim

Arche Noah

einen guten

Platz für ihre

geliebte Stute

gefunden hat.

Und so wird

Tierheims

WARUM TIERSCHUTZ AUCH MENSCHENSCHUTZ IST!

Mit vier Jahren wird die Hannoveranerstute Alexis an ein Ehepaar in

Niedersachsen verkauft und lebt dort 16 Jahre in der Gesellschaft eines

weiteren Pferdes. Die Besitzer, begeisterte Reiter, gehen liebevoll

mit den Pferden um und widmen Alexis noch mehr Zeit, als ihr langjähriger

Weidegefährte stirbt.

Weil die Rente nach dem Verlust des familieneigenen Möbelhauses in

Oldenburg nicht ausreicht, nimmt der Ehemann gleich mehrere Jobs

an, um das Pferd weiter gut versorgen zu können. Doch dann stirbt vor

wenigen Monaten der inzwischen über 70jährige - und die mittellose

Witwe ist nicht mehr in der Lage, Futter- und Tierarztrechnungen für

die Stute zu begleichen. Wohin nun mit Alexis?

Anke Mory und Hille Lübben

im Gespräch

Alexis aus ihrem beschaulichen Dörfchen

nahe Oldenburg einige Kilometer

weiter nach Wardenburg zu Hille und

Gerold Lübben umgesiedelt.

1999 war das Ehepaar mit Sohn, 27

Jahre altem Kater und vielen Motorrädern

auf den ehedem landwirtschaftlichen

Hof gezogen, nachdem ihnen

die Stadt "zu eng" geworden war. Sie

suchen die Weite der niedersächsischen

Landschaft und wollen auch ihren

Tieren, die nach und nach zu ihnen

stoßen, diese Freiheit zugestehen.

Mit Pachtland hält die Familie in Hochzeiten

auf über elf Hektar 23 Pferde,

Zucht- und Pensionstiere, bauen die

ehemaligen Kuhställe

um, errichten

Offenställe,

ziehen Wände,

setzen Dächer

und sehen eines

Tages fassungslos

zu, wie ihr

Schrank durch

die morschen

Holzdielen des

Wohnzimmers im moorigen Untergrund

versinkt…

Zwar war wird auch dieses Malheur

fachmännisch durch den Ehemann behoben,

doch das Paar muss sich eingestehen,

dass die Arbeit für zwei Personen

- der Sohn ist mittlerweile

ausgezogen - im Alter zu viel zu werden

beginnt. Und so reduzieren Hille und

Gerold Lübben die Anzahl der Pensionstiere

und geben die eigene Pferdezucht

auf. Als Alexis in diesem Frühsommer

auf dem Transporter durch die

Einfahrt rollt, spitzen nur noch vier Pferde,

fünf Hunde und vier Katzen die Ohren…

Eine der ersten, der den Neuankömmling

am Ankunftstag taxiert, ist der rote

Kater Findus, der gerade seine Hofvisite

beendet hat. Hille Lübben entdeckte

den wenigen Tage alten Winzling vor

Jahren zwischen Pferdehufen auf dem

benachbarten Gut. "Schmeiß ihn an die

Wand; Petrus sammelt solche", sagte

der Landwirt - eine Bemerkung, die sie

bis heute nicht vergessen kann.


"Mir haben die Tiere das Leben gerettet",

sagt Hille Lübben, die vor

Jahren an Krebs erkrankte und

sich von ihren Pferden, Hunden

und Katzen durch diese schwere

Zeit ziehen ließ, wie sie es nennt.

"Jetzt bin ich an der Reihe, euch zu

helfen", verspricht sie nach ihrer

Genesung den vierbeinigen

Freunden und nimmt die ersten

Notfälle aus dem Tierschutz auf,

darunter auch die Labradorhündin

Lena aus der Arche Noah.

Hille Lübben unterstützt das Tierheimteam

in Stuhr/Brinkum fortan

bei Veranstaltungen, verkauft am

Tag der Offenen Tür das "Brot für

die Katz" und wird Pflegestelle der

Arche Noah und der bmt-Geschäftsstelle

in Berlin. Sie bietet

dem bmt die Möglichkeit, einige

Pferde und Esel auf ihren weitläufigen

Weiden mit ganzjähriger Offenstallhaltung

zu betreuen.

Für ihre vorbildliche Pferdehaltung

ist die Tierfreundin von der LAG

(Laufstall-Arbeits-Gemeinschaft)

ausgezeichnet worden, sie selbst verfügt neben der heilpädagogischen

Ausbildung am Pferd über den VFD-Sachkundenachweis

in der Pferdehaltung

und hat

Weiterbildungen

in Verladetraining,Longierabzeichen,BasispassPferdekunde

und Erster

Hilfe am Pferd

Alexis (rechts) teilt sich

mit Chieftaine eine Weide

absolviert.

Außerdem hat

sie den Führerschein

Klasse 4.

Alexis ist nun das erste Gnadenbrotpferd des bmt, das von

den umfangreichen Kenntnissen der "Pflegemama" profitiert.

Und so horcht Hille Lübben denn auch sofort auf, als

die Hannoveranerstute in den feucht-schwülen Tagen im

August zu husten beginnt. Eine chronische Dämpfigkeit mit

Belastung des Herzens diagnostiziert der Tierarzt, ein

Atemwegsleiden, das schon bei den ehemaligen Besitzern

aufgetreten war.

Hille Lübben informiert die alte Dame über den erneuten

Ausbruch der Erkrankung - und die Pferdefreundin stattet

ihrer Stute einen zusätzlichen Besuch ab.

T IERHEIM A RCHE N OAH

Einmal pro Woche fährt sie nach Wardenburg, um den

Kontakt zu Alexis nicht abreißen zu lassen, sie zu striegeln

und zu liebkosen. Sobald die Stute die Stimme der alten

Dame hört, stellt sie die Ohren auf und kommt an das Gatter

- so laut wiehernd, dass Hille Lübben die freudige Begrüßung

bis ins geschlossene Haus hinein hört.

Wir würden uns

sehr freuen, wenn

Sie das Tierheim

Arche Noah bei

den Unterhaltskosten

für Alexis mit

einer Patenschaft

unterstützen könnten.

Patenschaften

(ab 15 Euro monatlich)

sind eine wich- "Schmeiß ihn an die Wand …"

tige Hilfe bei der geretteter Kater Findus

Versorgung der

Gnadenbrottiere. Insgesamt betreut der bmt über 160 gerettete

Tiere auf ausgesuchten Pflegestellen und zahlt dafür

ca. 20.000 Euro Unterhalt im Monat. Dank vieler Paten

kann der bmt - als eine der ganz wenigen

Tierschutzorganisationen in Deutschland - neben dem

Unterhalt der Tierheime auch noch die Versorgung von

Gnadenbrottieren sicherstellen. Helfen Sie uns weiter dabei?

Für die (künftigen) Paten von Alexis veranstaltet das Tierheim

Arche noch in diesem Jahr einen Ausflug auf den

Lübben-Hof mit Picknick und nettem Beisammensein.

GSt u. TH "Arche Noah"

Rodendamm 10, 28816 Stuhr/Brinkum

Leiterin (GSt): Anke Mory

Tel. (0170) 632 52 40

Leiter (TH): Stefan Kirchhoff

Tel. (0421) 890171, Fax 80 90 553

Kreissparkasse Syke,

BLZ 291 517 00, Kto. 113 000 29 57

ww.tierheim-arche-noah.de

Text und Fotos: Claudia Lotz

Das Recht der Tiere 3/2011

29


Das Recht der Tiere 3/2011

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Die Hundehalter-

Trainerin

Jeden Montag um 10.00 Uhr kommt Diana Meier ins Tierheim. Seit fast

drei Jahren arbeitet sie mit den Hunden, ihren Besitzern und mit Menschen,

die sich mit dem Gedanken tragen, einen Tierheimhund bei sich

aufzunehmen. "Ich bezeichne mich nicht als Hundetrainerin", erklärt

die 35jährige, "sondern als Trainerin der Hundehalter. Denn ein Hund

bleibt immer ein Hund - die Menschen verstehen ihn nur falsch!"

Basco war so ein Fall. Er saß alleine im

Zwinger, ging Mensch und Hund an

und gebärdete sich so unberechenbar,

dass sich kaum ein Tierheimmitarbeiter

in seine Nähe wagte. "Wollen Sie mit

Schutzanzug zu ihm gehen?", wurde

Diana Meier gefragt, doch sie lehnte

ab. Wie kann ich eine Kommunikation

aufbauen, fragte sich die Trainerin,

wenn ich dem Hund bis zur Unkenntlichkeit

verkleidet gegenüber stehe?

Also betrat sie wie selbstverständlich

seinen Zwinger und setzte sich auf die

Hundehütte. Sie redete mit ihm, sah,

wie er die Ohren spitzte, den Kopf zu

ihr wandte und schließlich auf sie zukam.

Diana Meier nahm Basco, den

viele Wochen niemand mehr angefasst

hatte, an die Leine und begann mit ihm

zu arbeiten.

"Sehr häufig klappt es mit der Verständigung

zwischen Mensch und Hund

nicht", erläutert sie am Beispiel des Tierheimhundes

Basco, "weil der Hund

missverstanden wird und der Mensch

ihm daraufhin "merkwürdig" (verkrampfte,

abwehrende Haltung, drohende

Gesten etc.) gegenübertritt - ein

Kreislauf, der sich hochschaukelt und

dann nur noch durch professionelle

Hilfe durchbrochen werden kann."

Diana Meier hat ihre Ausbildung bei

Canis Kynos fast abgeschlossen, Seminare

und Workshops bei bekannten

Hundetrainern und Kynologen (u.a.

Ein Hund

bleibt ein Hund !

Günther Bloch) besucht und an der

Welpenausbildung bei Gabriele Niepel

teilgenommen. Ihr Traum ist eine Hundepension

im Südbrookmerland, in der

sie als Trainerin auch mit schwierigen -

oder besser unverstandenen - Hunden

arbeiten kann.

"Die meisten Probleme zwischen Hunden

und ihren Haltern", erklärt die gebürtige

Berlinerin, "entstehen zu Hause,

wirken sich dann aber draußen, in der

alltäglichen Begegnung mit Menschen

und Artgenossen, aus." Eine der Hauptursachen

für spätere Verhaltensauffälligkeiten

von adoptierten Tierheimhunden

liegt nach ihrer Einschätzung an

der gefühlsbetonten Zuwendung der

neuen Besitzer. "Der arme Hund, er hat

so Schreckliches erlebt; jetzt soll er es

endlich gut haben", hört die Trainerin

immer wieder und erlebt Menschen,

die jede erdenkliche Rücksicht auf den

vermeintlich bedauernswerten Hausgenossen

nehmen.

Da gibt es die ängstlichen Hunde, denen

ihre Halter Schutz- und Fluchträume

im Haus zugestehen, akzeptieren,

dass sie nur nachts fressen und den Tag

zusammengekauert unter Möbeln verbringen.

Oder andere Besitzer, deren

Hunde tyrannisch Betten, Sofas und

Plätze besetzen, die einst den Menschen

vorbehalten waren oder sein

sollten, die Besucher nicht ins Haus

lassen oder beim Spaziergang Jogger

und Artgenossen

das

Fürchten

lehren.

"Lassen Sie

ihn links liegen,

nehmen Sie

ihm die Wichtigkeit

und seien Sie

ihm ein sicherer,

souveräner Partner,

der die Führung

in seinem Leben

übernimmt", rät

die Trainerin. Wenn das

Zusammenspiel zwischen

Zwei- und Vierbeiner

gar nicht mehr

klappt, nimmt sie einige

Kandidaten auch schon

mal nach Hause in ihr

Rudel auf. Dort lässt sie

die Neuzugänge mit

einem Maulkorb laufen,

der die Kontaktaufnahme

zu Hunden und arteigene

Verhaltensweisen weiter zulässt.

Manchen Hunden hat sie auf diese

Weise das Tierheim erspart - anderen

die Fahrkarte in ein neues Leben ermöglicht.

Da gab es den Welsh-Terrier,

der die Familie so massiv bedrohte,

dass sie ihn ins Tierheim Hage brachten.

Diana Meier bot dem verzweifelten

Ehepaar an, den kleinen Rüden 14 Ta-


ge aufzunehmen und in ihre Familie mit

Hunden, Kindern, Meerschweinchen und

einer Norwegerstute zu integrieren. Der

renitente Terrier konnte sich mit seinem

Maulkorb zwar seinen Artgenossen

gegenüber verständigen, trinken und

schnüffeln, aber eben nicht beißen.

Die Trainerin nutzte seine "Wehrlosigkeit",

um ihn zu klopfen, zu streicheln, zu

massieren. "Zwangs-Grooming nennt

man das, wenn ein Hund sich die Berührungen

gegen seinen Willen gefallen lassen

muss", erklärt die Wahl-Ostfriesin

und präsentiert den erstaunten Eltern

und ihren Kindern zwei Wochen später

einen ausgeglichenen, freundlichen

Hausgenossen. "Die sind heute ein perfektes

Team", sagt sie, "genauso wie

Merlin und seine Familie."

Merlin ist ein über 40 Kilo schwerer

Bouviermischling, der aus schlechten

Haltungsbedingungen befreit

und ins Tierheim gebracht wurde.

Fast zwei Jahre hatte der Rüde

mit einem Neufundländermix,

zwei Erwachsenen

und einem sechsjährigen

Jungen in

50 Quadratmetern

gelebt -

ohne ein einziges

Mal

vor die

Tür

Geschäftsstelle Norden

Nordbuscherweg 17, 26553 Dornum

Leiter: Dieter Kuhn,

und Ursula Sottmeier

Tel. (04933) 99 28 24, Fax 99 28 26

Tierheim Hage

Hagermarscher Str. 11, 26524 Hage

Tel. (04938) 4 25, Fax 91 49 90

Raiffeisen-Volksbank

Fresenae.G.Norden, BLZ 283 615 92

Konto 6302020300

www.tierheim-hage.de

getreten zu sein. "Merlin kannte nichts",

erinnert sich seine Besitzerin Brigitt Hedlefs

(s. rechts und unten), "keinen Baum,

keine Straße, er hob nicht mal das Bein,

um zu markieren."

Dementsprechend schwierig wurde das

Zusammenleben schon nach kurzer Zeit.

Konnte die Mutter dreier Kinder ihm noch

in der ersten Nacht probeweise den Knochen

fortnehmen, verstärkte sich mit zunehmender

Sicherheit, die ihm seine

neue Familie bot, sein dominantes Verhalten

gegen Menschen und Artgenossen.

Ein falscher Blick eines Rüden und er

drohte mit Kehlbiss, Fremde wurden mit

Argwohn betrachtet, im Haus an die Wand

gestellt, Räder, Jogger und Menschen (und

Gegenstände) in Bewegung vertrieben.

"Setzen Sie ihm ganz eng gefasste Grenzen",

riet Diana Meier gleich zu Beginn

der gemeinsamen Arbeit, "innerhalb derer

er sich bewegen muss - das wird ihm

Sicherheit geben." Und Familie Hedlefs

lernt auch, dass ihr Hund wie die übrigen

Tierheimkandidaten keine "Sonderbehandlung"

braucht, nur weil er eine unerfreuliche

Vergangenheit hinter sich hat.

"Ohne Frau Meier hätte ich aufgegeben",

sagt Brigitt Hedlefs rückblickend. Heute

kann sie mit ihrem bärenstarken Bouvierrüden

durch die Fußgängerzone in

Esens gehen, ohne Vorfälle befürchten

zu müssen. Merlin - durch ein Kopfhalti

fixiert - hat im Laufe des intensiven Trainings

seine Grenzen akzeptiert und ist

nun bereit, sich in der souveränen Führung

seiner ihm körperlich weit unterlegenen

Bezugsperson zu fügen.

Bitte unterstützen Sie

dieses wichtige Projekt!

Geschäftsstellenleiter Dieter Kuhn würde

Diana Meier gerne öfter in Anspruch nehmen,

weil die Tierheimhunde von dem

Training profitieren und Konflikte zwischen

Hundehaltern und ihren Vierbeinern (oft

schon im Vorfeld) entschärft werden können.

Die Trainerin arbeitet im Tierheim für

einen ermäßigten Stundensatz.

Ihre Spenden würden dazu beitragen,

dass Diana Meier öfter mit den Hunden

arbeiten könnte und damit deren Vermittlungschancen

erhöht. Gerne können

Sie auch eine "Patenschaft" für das Projekt

übernehmen. Je mehr Menschen das

Projekt mit regelmäßigen, monatlichen

Beiträgen fördern, desto sicherer sein

Fortbestand.

Die Hundehalter-Trainerin

können Sie übrigens auf

unserem Tag der Offenen Tür

am 9. Oktober kennen lernen.

Bitte kommen Sie zahlreich, wir freuen

uns auf Ihren Besuch und haben ein

schönes Programm nebst Verpflegung

für Sie vorbereitet. Kontakt zu Diana

Meier bitte über das Tierheim Hage auf-

nehmen.

T IERHEIM H AGE

Text: Claudia Lotz

Fotos: Ursula Sottmeier

Das Recht der Tiere 3/2011

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Das Recht der Tiere 3/2011

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ROSWITHA SIMDORN UND IHR LEBENSWERK

Pankower ankower

Katzentafel

Als Roswitha Simdorn in den 70iger

Jahren mit ihrem Gatten, einem Kameramann,

nach Pankow zieht, erfährt

sie schnell, worüber Nachbarn und Anwohner

sich gemeinschaftlich erregen:

Ca. 60 bis 70 Katzen leben im Schlosspark

des nördlichen Bezirks von Berlin

und durchstreifen auf der Suche nach

Nahrung auch die Gärten der Wohnanlage

in der Bleicheroder Straße.

Niemand scheint sich verantwortlich für

die hungrigen, oft kranken und verletzten

und ständig trächtigen Tiere zu fühlen

- bis auf eine betagte Nachbarin.

Sie hat feste Futterplätze für die Katzenrudel

aufgebaut und bittet eines Tages

Roswitha Simdorn, deren Mann oft

im Ausland unterwegs ist, um Unterstützung

bei der Arbeit, die ihr aufgrund

des Alters immer schwerer fällt.

Und so wird Roswitha Simdorn "Katzenfütterin"

und erlebt nicht nur, wie

zeit- und kostenintensiv die tägliche

Versorgung der bedürftigen Tiere ist,

sondern auch wie enorm belastend die

aggressiv anmutende Ablehnung der

Gesellschaft.

"Sie füttern diese elenden Viecher?" Sätze

wie diesen hat sie inzwischen ihr hal-

Gleich Mitternacht. Roswitha

Simdorn schaut auf die Uhr und

sieht sie im Geiste vor sich: Junge,

alte, behinderte, schwarze,

bunte, getigerte und rote Katzen,

die in ihren schützenden

Verstecken auf die erste Mahlzeit

des Tages warten. Die

68jährige versorgt die herrenlosen

Katzen aus Pankow.

Nacht für Nacht, Sommer und

Winter, bei jeder Witterung …

Aber nicht nur das: Seit über drei Jahrzehnten kümmert sie sich auch weitgehend

alleine um die Geburtenkontrolle, den Impf- und Gesundheitszustand ihrer wilden

Schützlinge - eine emotional belastende, kräftezehrende und nicht zuletzt finanziell

auf Dauer untragbare Aufgabe, die dem Gemeinwohl zugute

kommt und dennoch von den wenigsten Menschen geschätzt wird.

Roswitha Simdorn versorgt

auch Katzen in ihrer Wohnung

bes Leben gehört, Beschimpfungen

und Androhungen bis hin zu körperlicher

Gewalt durchgestanden. "Die

Menschen lassen sich so leicht beeinflussen",

sagt sie bedauernd, "von den

Medien, den Vorurteilen über Tiere. Da

wird auf Tauben, Katzen und Igel geschimpft

(und geschossen), sie mit Ratten

verglichen, die dezimiert werden

müssten, weil sie Krankheiten übertrügen

und "Schmarotzer" seien."

Doch die so geschmähten Tiere sind

die Folge eines zutiefst verantwortungslosen

Umgangs mit Lebewesen.

"Keine Katze da draußen", sagt die engagierte

Tierfreundin, "hat sich ihr elendes

Leben auf der Straße ausgesucht,

den Hunger, die bohrende Kälte des

Winters, den ständigen Nachwuchs..."

Und so packt Roswitha Simdorn (s. Bild

S. 32) jede Nacht wieder Näpfe, Wasserflaschen,

Stroh in ihr Wägelchen

und läuft zu Fuß die sieben Futterstellen

ab. Das Gehen fällt ihr immer schwerer,

Herz, Lunge und Gelenke haben im

Laufe der Jahre gelitten. 60 Dosen verfüttert

die alte Dame im Schnitt und

kündigt sich vor ihrer Ankunft an den

Futterplätzen mit mehrfachem Hüsteln

an. Dann kommen die Katzen aus ihren

Verstecken gesaust und stürzen sich auf

die Schälchen, die sie erst nach 24.00

Uhr bekommen können, weil dann die

Hundebesitzer aus Pankow ihren letzten

Rundgang beendet haben.

Während ihre Schützlinge fressen, taxiert

Roswitha Simdorn die Tiere genau,

schätzt ihren Gesundheitszustand


ein und organisiert schon

im Geiste die nächste Fangaktion,

wenn sie einen Neuzugang

entdeckt hat. Dass

die Population in Pankow

seit Jahren rückläufig ist,

verdankt der Bezirk einzig

ihrer engagierten Arbeit.

Hunderte Katzen hat sie kastrieren

und medizinisch

versorgen lassen, für einige

Katzenwelpen sogar ein

neues Zuhause gefunden -

und doch gibt es keine

Unterstützung, weder materiell

noch immaterieller Art.

Die ersten Jahre konnte sie

ihre praktische Tierschutzarbeit

noch aus Ersparnissen,

später aus Darlehen finanzieren,

doch mittlerweile ist

die nicht mehr gesunde

Frau kaum noch in der Lage,

für ihren eigenen Lebensunterhaltaufzukommen.

In ihrer Not wandte sie

sich 2001 an die Stadträtin

Ines Sager, die nachts mit

ihr die Futterstellen ablief

und von ihrem Engagement fasziniert war. Medien berichteten

über die "Pankower Katzentafel" von Roswitha Simdorn

und ihre Hoffnung auf eine Unterstützung wuchs.

"Wenn die Leute feststellten, wie anstrengend diese Art des

Tierschutzes, das regelmäßige Versorgen vor Ort, ist, sind

sie fortgeblieben." Die engagierte Tierfreundin sagt das

nicht ganz ohne Bitterkeit - sie, die sich seit mehr als 30

Jahren gegen den Widerstand ihrer Umgebung für in Not

geratene Katzen eingesetzt hat, kann nicht verstehen, dass

Hilfe für Schwächere so schnell aufkündbar ist...

Geschäftsstelle Berlin

Sauerbruchstraße 11, 14109 Berlin

Leiterin (GSt): Claudia Lotz

(030) 80 58 33 -38, Fax -39

claudia.lotz@bmt-tierschutz.de

Postbank Berlin,

BLZ 100 100 10, Konto 9603-107

www.tierschutz-bmt-berlin.de

Allerdings gilt das

nicht grundsätzlich:

Zwei Frauen

unterstützen sie,

wie und wo sie

können. Gisela

Brandhorst fährt

eingefangene Katzen

zum Tierarzt

und immer häufiger

Roswitha Simdorn

auch in der

Nacht zu ihren Futtertouren,

weil sie

die beschwerlichen

Wege mit ihrem

Rolli kaum noch

bewältigen kann.

� Dann spenden Sie für Futter, Kastrationen,

Benzin. Wichtig wären monatliche

Festbeträge, um besser kalkulieren

zu können

� Schenken Sie einen gebrauchten

PC/Laptop und/oder helfen Sie beim

Aufbau und Betreuung einer homepage

"Pankower Katzentafel"

� Stellen Sie ein altes Auto zur Verfügung,

um Tierarzt- und Einkaufsfahr-

Eine andere Nachbarin kümmert sich neben ihrem Beruf

ebenfalls sehr, kauft ein, macht Behördengänge und vieles

mehr, was die Pankowerin körperlich nicht mehr schafft.

Die größte Angst von Roswitha Simdorn ist durch Krankheit

auszufallen. Als sie vor mehreren Jahren eine Operation

durchführen lassen musste, erbat sie einen kleinen

Aufschub - diese 24 Sunden nutzte sie, um eine Kraft zu finden,

die sich gegen Entgelt um die tägliche Versorgung der

Schlossparkkatzen auch tatsächlich zuverlässig kümmerte.

"Der einzige Tierschutzverein", sagt sie, "der mir geholfen

hat und noch hilft, ist der bmt, er ist mir fast etwas heilig."

Während andere Menschen in ihrem Alter vom Reisen oder

geruhsamen Lebensabend träumen, hat Roswitha Simdorn

ganz andere Wünsche: Ein altes Fahrrad mit drei Rädern

und einer Tragfläche, damit ihre nächtliche Arbeit ein wenig

leichter wird.

"Armut", sagt sie, "macht unflexibel und würdelos, aber ich

würde mich immer wieder für die Tiere entscheiden. Die

Gesellschaft entscheidet über das Äußere, aber es ist nicht

wichtig, wie man aussieht, sondern ob man etwas tut im

Leben."

Möchten Sie helfen, dass Roswitha Simdorn

ihre großartige Arbeit fortsetzen kann?

GST B ERLIN

Sigrid Ebert unterstützt

Gisela Simdorn,

wann immer sie kann

Text: Claudia Lotz

ten (Futter etc.) durchzuführen

� Wichtig außerdem: Unterstützung

durch sehr zuverlässige Menschen, die

die Versorgung der Katzen mit übernehmen.

� Spenden bitte unter dem Stichwort

"Pankower Katzentafel" auf das Konto

der bmt-Gst Berlin

Pankower Katzentafel:

030/23 13 46 79

Das Recht der Tiere 3/2011

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Das Recht der Tiere 3/2011

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Lena

- im Karton

ausgesetzt

Katzenfreunde und Tierschützer wissen schon lange: Auch vermeintliche

Glückskatzen werden vom Schicksal nicht anders behandelt als

ein- oder zweifarbige Tiere. Und Lena, die dreifarbige Schönheit, hat

sogar noch besonderes Pech. Denn sie scheint den Vertrauensbruch,

den Menschen ihr zufügten, schwer zu verwinden. In einem verschlossenen

Karton wurde die scheinbar schon ältere Katze vor dem Katzenhaus

ausgesetzt - ohne Mitleid, ohne Skrupel, ohne Erbarmen mit

einem Tier, das in sein dunkles, stickiges Gefängnis gesperrt Todesängste

ausstehen muss. Was sich sonst noch ereignete, berichten

Gabrielle Missalla und Katzenhaus-Mitarbeiterin Silvia Koch.

Lena ist nun schon einige Wochen bei

uns und noch immer völlig verstört.

Dennoch haben wir den Eindruck, dass

Lena eigentlich eine zahme Katze war,

bis sie in den Karton gesteckt wurde.

Nun ist ihr Vertrauen in den Menschen

zerstört, und sie muss Tierarztbesuche

über sich ergehen lassen, die wir ihr

vielleicht ersparen könnten, wenn wir

etwas mehr über ihre Vergangenheit in

Erfahrung bringen könnten: Gab es Infektionen,

Verletzungen, ist sie geimpft,

kastriert? Zumindest scheint es so, als

ob Lena nicht mehr die allerjüngste ist,

denn sie hat nur noch wenige Zähne.

Platzprobleme sind um diese Jahreszeit

traurige Normalität im Katzenhaus.

Auch dieses Jahr strandeten wieder viele

unerwünschte Katzenkinder bei uns;

leider abermals zahlreiche mutterlose

Katzenwelpen, die wir mühsam mit der

Flasche großzuziehen versuchen.

Darunter viele, die an Katzenschnupfen

erkrankt sind.

Doch so schlimm diese Krankheit

gerade für junge Katzen ist,

so häufig gibt es auch die positiven

Nachrichten von Katzen,

die die Infektion überstanden haben

und wieder völlig gesund geworden

sind.

So kam zum Beispiel Ende Juni Max,

ein kleiner schwarzer Kater, als Fundtier

zu uns ins Katzenhaus. Zunächst dachten

wir, dass wir ihn einschläfern lassen

müssten, weil er dem Tod näher schien

als dem Leben. Er hatte eine Körpertemperatur

von nur noch 35º C - bei

jungen Katzen ist eine Temperatur von

38 - 39,5º C normal. Seine vereiterten

Augen wirkten wie zugewachsen…

Die Tierärztin trennte behutsam die verklebten

Augenlieder auseinander. Max

bekam die nächsten 14 Tage alle zwei

MAX

Stunden Augentropfen, damit die Lider

zumindest einen Spalt breit geöffnet

blieben. Zusätzlich gab es Antibiotika,

er wurde entwurmt und gegen weitere

Parasiten behandelt.

Die Therapie schlug an und schon

sechs Wochen später (s. Bilder) hatte

sich der kleine Kater erholt. Solche Erfolgsgeschichten

lassen uns alle Rückschläge,

die wir ja auch mit unseren

Schützlingen erleben, vergessen. Auch

Polly ist so ein Fall:

Polly kam im August 2010 mit ca. drei

Wochen zu uns ins Katzenhaus. Sie und

ihre vier Geschwister hatten schweren

Katzenschnupfen und mussten über

Wochen täglich zum Tierarzt. Polly hatte

es dabei am schlimmsten erwischt.

Jeden Tag mussten ihr die Lider "aufgeschnitten"

werden, damit der Eiter

ablaufen konnte, und alle zwei Stunden

gesalbt und getropft werden. Ich

(Silvia Koch) habe Polly und zwei Geschwister

mit nach Hause genommen

und gepflegt. Während ihre Brüder

völlig gesund wurden und vermittelt

werden konnten, blieb die kleine Patientin

trotz aller Bemühungen fast

Der kleine Patient ist wieder gesund geworden


BUBI

LENA

blind; keiner interessierte sich für sie. Also entschieden wir

uns, sie zu behalten. Jeden Weg im Haus hat sie sich erhorcht

und erschnüffelt.

Im Februar haben wir sie kastrieren lassen und

gleichzeitig die Nickhäute beider Augen noch

einmal öffnen lassen. Seitdem hat sie ihre Sehkraft

(zu 90%) wiedererlangt. Sie spielt im Garten,

fängt alles, was fliegt, krabbelt und umsorgt

liebevoll jedes Katzenbaby, das ich in

Pflege habe. Wir würden sie für nichts auf der

Welt mehr hergeben.

Aber wir haben auch traurige Nachrichten:

Bubi und Olga sind tot. Beide teilten

dasselbe Schicksal: Sie wurden als

junge, scheue Katzen bei uns abgegeben

und sind nie richtig zahm geworden.

Dennoch glauben wir, dass sie ein gutes

Leben bei uns verbringen konnten. Möglich

wird das unter anderem durch Ihre

Patenschaften und Spenden - herzlichen

Dank für Ihre Unterstützung!

Bubi lebte über 14 Jahre im Katzenhaus.

Er kam als scheues Fundtier, und bis zu

seinem Tod hatte man nur dann eine

Chance an ihn heranzukommen, wenn

leckere Dinge zum Fressen winkten.

Doch vielleicht fiel Bubi gerade durch

seine Distanziertheit gegenüber Menschen auf. Er legte dabei

eine gewisse

Würde an den Tag …

Mitte des Jahres kündigte

sich an, dass

mit Bubi etwas nicht stimmte.

Der Verdacht lag nahe, dass

dies etwas mit seinem stolzen

Alter von 15 Jahren zu tun hat-

te und so war es auch. Trotz intensiver tierärztlicher

Behandlung verschlechterte sich Bubis Zustand;

im Juli starb er dann an multiplem

Organversagen.

Olga war erst 8 Jahre alt, als sie starb und bei ihr

gab es keinerlei Vorzeichen. Sie hatte plötzlich eines

Morgens starke motorische Störungen. Es

war kaum mit anzusehen, wie sie zu laufen versuchte,

immer wieder hinfiel, weil sie ihre Bewegungsabläufe

nicht mehr koordinieren konnte.

Die Tierärztin diagnostizierte einen Schlaganfall;

manche Katzen sterben daran und andere erholen

sich. Olgas Zustand verschlechterte

OLGA

K ATZENHAUS L UTTERTAL

sich jedoch innerhalb weniger Tage, so starb sie Ende August.

Olga hinterlässt Kater Moritz, der wirklich um sie trauert. Zwischen

Olga und Moritz hatte sich eine tiefe Katzenfreundschaft

entwickelt. Oft lagen sie gemeinsam im Körbchen, und

wenn beide wach waren, strichen sie sich häufig gegenseitig

um die Beine. Fast konnte man den Eindruck haben, sie würden

sich durch dieses Umeinanderstreichen die gegenseitige

Zuneigung immer wieder aufs Neue versichern. Moritz ist untröstlich,

und wir versuchen unser Bestes, um ihn ein wenig

aufzumuntern. Wenn Sie uns dabei unterstützen möchten,

sind Sie herzlich eingeladen, zu unseren Öffnungszeiten bei

uns vorbeizuschauen.

Uns erreichen immer wieder Anfragen, in denen uns Hilfe angeboten

wird. Die vielleicht einfachste, angenehmste und

doch sehr, sehr wichtige Hilfe ist: Katzen streicheln, mit Katzen

spielen, Katzen beschmusen. Mancher Leser dieser Zeilen

wird sich über diese Aussage wundern, doch neben dem

trauernden Moritz warten im Katzenhaus viele Katzenseelen,

die sich nach menschlicher Nähe und Zuneigung sehnen.

Daneben sind gerade Bubi und Olga Beispiele dafür, wie gering

die Vermittlungschancen von scheuen Katzen sind. Auch

in diesem Sommer sind bei uns wieder junge Katzen gestrandet,

die sich kaum anfassen lassen. Um daran etwas zu

ändern, muss man Zeit mitbringen, sich in die Zimmer bzw.

Ausläufe setzen, die Kleinen mit Spielen und Futter locken

und ihnen zeigen, dass die Nähe des Menschen auch angenehm

sein kann.

Auch hierzu laden wir Sie herzlich ein. Damit all die kleinen

scheuen Kätzchen bald zahm werden und schnell neues Zuhause

- vielleicht sogar bei Ihnen - finden.

"Katzenhaus Luttertal"

Luttertal 79, 37075 Göttingen

Leiterin (GSt): Gabriele Missalla

(06678) 91 85 67

Leiterin (TH): Monika Bossmann

Tel. (0551) 2 28 32

Postbank Hannover,

BLZ 250 100 30, Konto 732 223 06

www.katzenhaus-luttertal.de

POLLY

Polly, schwer krank, kann

heute wieder sehen

Fotos: Monika Bossmann,

Silvia und Heiko Koch

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Das Recht der Tiere 3/2011

36

Fast unmittelbar nach

dem Gespräch mit der

Tierfreundin erreicht uns

die nächste erschütternde

Meldung über einen Bauernhof,

auf dem katastrophale Zustände

herrschen sollen. Drei

Pferde werden dort völlig isoliert

auf engstem Raum in einem muffigen,

dunklen Verschlag ohne jedwede

Bewegungsmöglichkeit gehalten.

Ihre Tränken sind meist leer, Futter ist

Mangelware und an frische Luft gar

nicht zu denken. Obwohl bereits ein

Tierarzt den extrem schlechten Zustand

der Pferde attestiert hat und den verwahrlosten

und abgemagerten Tieren,

die aufgrund dieser miserablen Haltungsbedingungen

bereits schwere

Lungenschäden davongetragen haben,

kaum noch eine Überlebenschance

einräumt, geben sich die Besitzer

uneinsichtig.

Der Hof, auf dem außerdem noch

Hühner und Schweine unter ähnlich

schlimmen Verhältnissen in fensterlosen,

finsteren Stallungen untergebracht

sind, wird von einem älteren Ehepaar

bewirtschaftet, das mit einer artgerechten

Versorgung und Pflege ihrer Tiere

ganz offensichtlich vollkommen überfordert

ist.

Doch auch dies sollte nicht die letzte

Haben Sie einen

aufwühlende Nachricht über

eine Tiermisshandlung an

diesem Morgen bleiben.

Gleich mehrere Meldungen

bezüglich einer misshandelten

Gans in der

Münchner Innenstadt erreichen

wenige Stunden später

unsere Geschäftsstelle. Ein Fall,

der uns besonders berührt und uns

mittlerweile seit fast vier Monaten be-

schäftigt.

Alle drei, voneinanderunabhängige,

Augenzeugen

schildern uns entsetzt,

einen Mann

in der Münchner

Innenstadt beobachtet

zu haben,

der eine geschundene,

völlig verwahrloste Gans mit abgebrochenen

Federn und kahlen Stellen

zur Belustigung der Touristen zur

Schau stellt. Transportiert wird die Gans

auf dem Gepäckträger seines Fahrrads.

Alle drei Zeugen berichten zudem

übereinstimmend, dass ein vernünftiges

Gespräch mit dem Besitzer des Tieres

nicht möglich ist, dieser sogar äußerst

verwirrt und aggressiv auf

persönliche Ansprache reagiert.

Und es folgen noch zwei weitere Anru-

MISS

IHRE SCHNELLE REAKTION KANN

Kaum im Geschäftsstellenbüro angekommen, klingelt

das Telefon. Eine junge Frau aus München informiert

uns, dass in ihrer Nachbarschaft eine Schäferhündin

Tag und Nacht in einem Zwinger eingesperrt

ist. Sie hat keinerlei Auslauf und wird so gut wie nie

ausgeführt. Dementsprechend ist der Zwinger der

Hündin permanent verdreckt, so dass sie sich kaum

noch bewegt, um nicht ständig in den eigenen Kot zu

treten. Das Tier wird nicht regelmäßig gefüttert, hat

kein frisches Trinkwasser zur Verfügung und ist auch

sozial völlig isoliert.

Geschäftsstelle Bayern

Viktor-Scheffel-Straße 15,

80803 München

Leiterin (GSt): Elvira Schiöberg

Tel. (089) 38 39 52-13, Fax -23

Postbank München,

BLZ 700 100 80, Kto. 142 20-802

fe von entsetzten Tierfreunden, die angeben,

dass es sich inzwischen um zwei

verstörte Gänse handelt, denen beiden

vor Publikum gewaltsam die Federn

ausgerissen werden, nur um die Leute

in der Stadt zu unterhalten.

ANZEIGE BEI DEN BEHÖRDEN MIT OFT

ÜBERRASCHENDEM ERGEBNIS

Wir haben in allen Fällen sofort das jeweils

zuständige Veterinäramt einge-

schaltet und um unverzügliche

Kontrollen gebeten.

Die Ergebnisse fielen

allerdings sehr

unterschiedlich aus.

Im Falle der Schäferhündin

im Zwinger

wurde die Tierhaltung

beanstandet, und es wurden dem

Tierhalter konkrete Auflagen erteilt

(sprich Verbesserungsmaßnahmen angeordnet),

die er innerhalb einer angemessenen

Frist zu erfüllen hat. Das war

dem Hundebesitzer allerdings zu viel

Aufwand; so hat er sich dann einverstanden

erklärt, die Schäferhündin an

eines unserer Tierheime abzugeben.

Mittlerweile ist die Hündin gut vermittelt

worden.

Auch der Bauernhof des älteren Ehe-

www.bmt-bayern.de


STAND beobachtet?

TIEREN DAS LEBEN RETTEN:

paares wurde vom Veterinäramt überprüft,

wobei tierschutzrechtliche Verstöße

gegen geltende Verordnungen und

Gesetze festgestellt wurden, die so gravierend

waren, dass eine sofortige Beschlagnahmung

eingeleitet wurde.

Auch in diesem Fall eine Entscheidung

zum Wohl der Tiere, die inzwischen auf

verschiedenen Gnadenhöfen des bmt

einen ruhigen Lebensabend verbringen

können.

Doch manchmal bringt auch eine enge

Zusammenarbeit mit den Behörden

kein befriedigendes Ergebnis - so im

Fall der misshandelten Gans in der

Münchner Innenstadt. Der Sachverhalt

war dem zuständigen Amtsveterinär

bereits lange vor unseren Meldungen

bekannt, und es wurden seitens des Veterinäramtes

wohl auch mehrere Kontrollen

durchgeführt. Das Problem dabei

war leider, dass der Besitzer eine

behördliche Genehmigung für die Haltung

von drei Gänsen hat, die es ihm

sogar erlaubt, diese vor Publikum gewerbsmäßig

zur Schau zu stellen.

Da auch der Gesundheitszustand der

Gans von einer Tierklinik für "gut"

("nicht krank") befunden wurde und die

Gans angeblich nur auf dem Weg vom

Stall in die Stadt in dem Fahrradkorb

transportiert wird, gab es keine hinreichenden

Verstöße, die eine sofortige

Beschlagnahmung des Tieres seitens

des Veterinäramtes gerechtfertigt hätte.

Und so steht der Rentner, der die Beachtung

des Publikums braucht, auch

weiterhin mit der bemitleidenswerten

Gans in der Münchner Innenstadt. Weil

dem Veterinäramt in diesem Fall bedauerlicherweise

die Hände gebunden

zu sein scheinen, besteht die einzige

Möglichkeit darin, dem Mann kein

Geld für die vermeintliche Versorgung

seiner Gänse zu geben und ihn zu ig-

Text: Tanja Pöch

norieren. Denn nur dann bleibt zu hoffen,

dass diese Art von Geschäft für ihn

uninteressant wird und er mit diesem

würdelosen Schauspiel auf Kosten seiner

Tiere aufhört.

VERDACHT AUF VERSTOß GEGEN DAS

TIERSCHUTZGESETZ?

SO KÖNNEN SIE HELFEN!

Grundsätzlich gilt: Nach dem Tierschutzgesetz

müssen Tiere artgerecht

gehalten und gepflegt werden und dürfen

nicht gequält, ausgesetzt oder getötet

werden. Für den Vollzug des Tierschutzgesetzes

sind die Behörden

zuständig; das Veterinäramt ist verpflichtet,

allen Anzeigen von Missständen

in der Tierhaltung nachzugehen

und die gesetzlichen Mindestanforderungen

an eine artgerechte Tierhaltung

durchzusetzen.

Deshalb informieren Sie in einem Tierschutzfall

bitte schnellstmöglich das regional

zuständige Veterinäramt, denn

im Gegensatz zu Privatpersonen oder

Tierschutzorganisationen hat das Veterinäramt

weit reichende Befugnisse,

um den Tieren schnell und kurzfristig

helfen zu können. Das Betreten von

fremden Grundstücken, das Erteilen

von Auflagen für den betroffenen Tierhalter,

das Ausstellen von Tierhaltungsverboten

sowie die Beschlagnahmung

von Tieren bleibt rechtlich allein der Veterinärbehörde

vorbehalten.

Sollte es sich um einen akuten Notfall

handeln (Gefahr im Verzug), können

Sie sich natürlich auch an jede Polizeidienststelle

wenden, in schwerwiegenden

Fällen eine Strafanzeige bei der

Staatsanwaltschaft stellen.

Voraussetzung für das Handeln der Behörde

ist eine Schilderung des Sachverhalts,

am besten in schriftlicher Form.

Lucy (links) und Lisa (2. Fall) wurden

nach ihrer Beschlagnahmung vom bmt aufgenommen

G ST B AYERN

Wichtig ist es dabei, Ihre Angaben

durch schriftliche Zeugenaussagen, Fotos,

tierärztliche Bescheinigungen etc.

zu belegen.

Die Unterlagen senden Sie an das regional

zuständige Veterinäramt mit der

Bitte um Überprüfung der jeweiligen

Tierhaltung. Da die persönlichen Daten

des Meldenden dem Datenschutz

unterliegen und grundsätzlich vertraulich

behandelt werden, sollte man bereit

sein, seinen Namen und seine Anschrift

zu nennen. Außerdem dienen

diese Informationen der Glaubhaftigkeit

der Anzeige, die dann von den Behörden

auch eher mit der angebrachten

Ernsthaftigkeit verfolgt werden wird.

Eine anonyme Anzeige verzögert die

Kontrolle und gefährdet die Hilfe für

das Tier.

Bitte schauen Sie nicht weg - helfen Sie

den Tieren!

Das Recht der Tiere 3/2011

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Das Recht der Tiere 3/2011

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F RANZISKUS-TIERHEIM

Wenn es den Menschen schlecht geht, leiden

auch ihre Tiere. Das ist eine Wahrheit, mit

der wir bei unserer Arbeit im Tierheim täglich

konfrontiert werden. Die Tiere haben

keine Wahl - das Schicksal ihrer Menschen

ist immer auch ihr Schicksal. Mit allen damit

verbundenen Konsequenzen. Besonders

tragisch ist das, wenn es Menschen trifft, die

alles für ihr Tier tun würden. So wie bei Familie

Karius aus Hamburg.

Auch Tiere

Der Tag beginnt wie jeder andere: Frau

Karius hat gerade den Morgenspaziergang

mit ihren Hunden Bonnie und

Mucki beendet. Sie schenkt sich eine

Tasse Kaffee ein, während die Katze

schnurrend um ihre Beine streicht. Die

vier sind ein eingespieltes Team; Bonnie

ist zu diesem Zeitpunkt bereits zwölf

Jahre alt, Mucki zehn, und die Katze

Mausi hat gesegnete 19 Lenze auf dem

Buckel.

KIA

Wie jeden Morgen bekommen erst die

schwarzen Mischlinge ihre Leckerchen,

dann greift sie nach dem blauen Näpfchen

und dem Dosenöffner, um der

Katze ihr Frühstück zu geben. Ob es in

diesem Moment geschehen ist, kann -

außer Bonnie, Mucki und Mausi - niemand

genau sagen. Als ihr Herrchen

nach Hause kommt, liegt seine Frau jedenfalls

leblos auf dem kalten Küchen-

haben ein

Schicksal

boden. Mit Blaulicht wird sie ins Krankenhaus

gebracht, die Diagnose ist

niederschmetternd - Schlaganfall!

Und es soll nicht der letzte gewesen

sein - insgesamt erleidet Frau Karius

kurz nacheinander sieben Schlaganfälle.

Innerhalb weniger Stunden wird aus

der freundlichen, lebenslustigen Frau

ein Pflegefall. Zwei Jahre nach diesem

Schicksalstag hat sich ihr Zustand weiter

verschlechtert, das Gehirn ist irreparabel

geschädigt. Sie ist vollständig

gelähmt und kann nur noch einen Finger

und ihre Zehen bewegen. Ohne

die Hilfe ihres Mannes Gerhard, der

sich rund um die Uhr um sie kümmert,

müsste sie in ein Pflegeheim.

Die Versorgung seiner Frau ist für ihn

Schwerstarbeit, die mental wie körperlich

extrem anstrengt. Dazu kommt die

drückende Enge in der 50 qm kleinen

Zweizimmerwohnung. Doch eine größere

zu bekommen, scheitert ausge-


echnet an den

Lieblingen seiner

Frau: Mit

zwei Hunden

und einer Katze

eine behindertengerechte

Wohnung zu

finden, ist aussichtslos.

Fünf Mal hätten

sie schon umziehen

können -

allerdings ohne

die Haustiere.

Doch ein Leben

ohne seine vierbeinigenSchicksalsgenossen

konnte sich

Herr Karius bisher

nicht vorstellen.Allerdings

bleibt ihm

immer weniger

Zeit für die Versorgung

der

Tiere übrig.

Wenn einer der

häufigen Arztbesuche

ansteht, ist er den gesamten

Tag unterwegs. Und auf den

kurzen Spaziergängen mit den Hunden

macht er sich Sorgen, dass während

seiner Abwesenheit Zuhause etwas

passieren könnte. Dazu drücken ihn finanzielle

Sorgen: Weil er nicht arbeiten

gehen kann, hat die Familie kein Einkommen.

Auch nach zahllosen Behördengängen

hat sich die Situation nicht gebessert; es

Franziskus-Tierheim

Geschäftsstelle Hamburg

Lokstedter Grenzstr. 7, 22527 Hamburg

Leiter: Frank Weber

Tel. GSt (040) 55 49 28 - 34, Fax -32

Tel. Tierheim (040) 55 49 28 37

Haspa, BLZ 200 505 50,

Konto 1049220799

www.franziskustierheim.de

bleiben gerade mal 600 Euro zum Leben

für alle übrig. Und davon müssen

noch Pflegeprodukte und Windeln für

seine bewegungsunfähige Frau finanziert

werden. Zu allem Überfluss gibt es

auch noch Probleme mit den Nachbarn:

Bonnie und Mucki langweilen

sich natürlich und schlagen bei jedem

Geräusch im Treppenhaus an und toben

lautstark durch die Wohnung.

Zwei lange Jahre kämpft Gerhard Karius

für den Erhalt seiner kleinen Familie,

dann ist er am Ende seiner Kräfte.

Er meldet sich im Franziskus Tierheim

und bittet darum, die Tiere aufzunehmen.

Die Situation ist auch für uns nicht

einfach. Mittlerweile sind Bonnie und

Mucki 14 und 12 Jahre, Mausi sogar

Manchmal muss man

dem Glück auf die

Sprünge helfen …

21 Jahre alt, und die Vermittlungschancen

damit verschwindend gering.

Gerade sehr alte Tiere, die ein gutes

Zuhause hatten, leiden im Tierheim extrem.

Der kleine Mucki hat ein ziemlich

großes, hässliches Geschwür direkt am

After, eine Operation ist dringend notwendig,

damit überhaupt eine Vermittlungschance

besteht. In seinem fortgeschrittenen

Alter und an dieser Stelle ist

das nicht ganz ungefährlich. Wir machen

uns Sorgen um die beiden, und

die sind leider auch begründet.

Zunächst versuchen wir, die Tiere von

Zuhause aus zu vermitteln, doch ohne

F RANZISKUS-TIERHEIM

Erfolg. Zumindest gelingt es uns überraschend

schnell, einen Platz für die 21

jährige Katze Mausi bei sehr netten jungen

Leuten zu finden. Doch für die beiden

alten Hunde haben wir lange keine

Anfragen. Schließlich findet sich

doch noch eine sehr nette Interessentin

bei uns ein. Sie hatte eine kleine ältere

Pinschermixhündin aus dem Franziskus

Tierheim, die vor kurzem verstorben ist.

Nach einem Spaziergang mit Mucki ist

sie so begeistert, dass sie ihn am liebsten

sofort mit nach Hause nehmen

möchte.

Das wäre auch für uns

ein Glücksfall, doch

wir haben die Rechnung

ohne seine

Freundin Bonnie gemacht.

Sie jammert ihrem

vierbeinigen Freund

hinterher, als ob ohne

ihn die Welt für sie

untergehen würde.

Und ihre Welt ist ja tatsächlich

vor einigen

Tagen erst untergegangen.

Doch die Interessentin kann

nur einem Hund ein Zuhause bieten,

bei zwei Hunden spielt - das kennen wir

schon - der Vermieter nicht mit. Schweren

Herzens sagen wir der Interessentin

ab, Hunde die so aneinander hängen

kann man nicht trennen. Entweder

beide oder keinen!

Und so warten Mucki und Bonnie immer

noch auf ein gutes neues Zuhause,

in dem sie zusammen ihren Lebensabend

verbringen können. Sie

brauchen jemanden, der Zeit für sie hat

und sich um sie kümmert, weil sich ihr

Herrchen um ihr Frauchen kümmern

muss. Das ist ihr Schicksal. Und wir

werden alles in unserer Macht Stehende

tun, dass es sich wieder zum Guten

wendet.

Text: Frank Weber

Fotos: dogma tv und Franziskus-Tierheim

Das Recht der Tiere 3/2011

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Das Recht der Tiere 3/2011

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U MWELT

Kater

"Er schnurrt wie ein Außenbordmotor", sagt Christian

Werner lächelnd, "sobald Sie seinen Raum betreten".

Der gesundheitlich angeschlagene Kater hat es

dem Tierheimleiter besonders angetan.

Nicht nur, dass der ca. neun Jahre alte

Ruben die Welt nur noch durch ein

Auge sieht; er hat zugleich (medikamentös

gut eingestellte)

Epilepsie, Diabetes

und ist FIV-positiv - eine

Diagnose, die trotz Aufklärung

noch immer viele

Interessenten abschreckt.

RUBEN

Dabei bedeutet die Diagnose FIV-positiv

nicht, dass die vierbeinigen Patienten

eine sehr viel kürzere Lebenserwartung

haben - im Gegenteil: Viele

FIV-Katzen können bei gutem Wohlbefinden

ein recht hohes Alter erreichen.

Wichtig ist nur, dass die Tiere ihre Infektion

nicht auf andere Katzen übertragen,

daher dürfen sie nicht in Haushalte

mit gesunden Samtpfötchen

vermittelt werden und entsprechend

auch keinen Freigang erhalten.

Der Vergesellschaftung zweier FIV-positiver

Katzen steht jedoch nichts im Wege,

wobei sich Ruben - vor die Wahl gestellt

- wohl eindeutig für einen

zweibeinigen Freund entscheiden würde.

"Ruben", beschreibt der Tierheimleiter

das Verhalten des anhänglichen

Fundkaters, "ist von Menschen total begeistert."

Er liebt jede Form von Zuwendung

wie Streicheln oder Bürsten und

lässt selbst den kleinen Piks für die notwendige

Insulinration mit stoischer Ruhe

über sich ergehen.

"Ich bewundere diesen kleinen Kerl",

sagt Christian Werner, der im November

vier Jahre den Elisabethenhof leitet.

"Er hat fast alles an gesundheitlichen

Einschränkungen "mitgenommen" und

sich dennoch sein lebensfrohes Wesen

bewahrt. Wenn ich einen Wunsch hätte,

würde ich Ruben die "richtigen Menschen"

vorbeischicken, die ihm ein warmes,

liebevolles Zuhause bieten

können."

Anfang des Jahres schien das Glück

schon greifbar, als eine Krankenschwester

großes Interesse an Ruben zeigte

und ihn zu sich holen wollte. Dann veränderten

sich unerwartet ihre beruflichen

Anforderungen, sie konnte die

geforderte Reisetätigkeit nicht mit der

Betreuung des Katers vereinbaren - für

das Tierheimteam ein schwarzer Tag.

"Wir waren wirklich bitter enttäuscht",

so Christian Werner.

Der 35jährige ist ein Quereinsteiger,

wie so viele hauptamtliche arbeitende

Tierfreunde. Der gelernte Lagerist ent-

mit klei

schied sich vor Jahren, seine Liebe zum

Tier zum Beruf zu machen, holte die

Ausbildung zum Heim- und Pensionstierpfleger

nach, arbeitete u.a. im Tierheim

Frankfurt und übernahm 2008

die Tierheimleitung für den bmt in Reichelsheim.

Sein Arbeitstag beginnt um 8.00 Uhr

und endet kaum vor 18.30 Uhr. "Ich bin

mein eigener Ersatzmann", umreißt er

humorvoll seinen vielseitigen Tätigkeitsbereich.

Wenn jemand in der Tierversorgung

fehlt, greift er genauso

zu Gummistiefeln

und Putzzeug wie zum Hörer,

wenn das Telefon nicht

stillsteht, berät, informiert,

erklärt und hört zu.

"Verantwortung gegenüber

den uns anvertrauten Tieren

ist immer auch Verantwortung

gegenüber Menschen",

sagt der Tierheimleiter und

beschreibt folgenden Fall:

Um Dabo zu halten,

braucht man viel Kraft


nen Handicaps

WARUM RUBEN DRINGEND EIN ZUHAUSE BRAUCHT:

Dabo, eine über 70 cm Stockmaß große

Leonberger-Mixhündin, wurde im

Juni 2010 von ihrer älteren Besitzerin

ins Tierheim zurückgebracht. Sie sei

körperlich der Hündin nicht gewachsen,

begründet sie die Abgabe. Bis vor

kurzem hatte ihr Sohn Dabo die nötige

Bewegung verschafft, doch nun sei er

beruflich gebunden und sie mit der

Haltung und Betreuung der großrahmigen

Hündin überfordert.

Der Tierheimleiter nimmt Dabo, die im

Januar 2006 als Fundhund aufgenommen

und einen Monat später an die ältere

Dame und ihren Sohn vermittelt

wurde, wieder auf. "Das war richtig von

ihr", sagt er, "jeder weitere Tag, an dem

sie mit der Hündin auf die Straße gegangen

wäre, hätte ein nicht einschätzbares

Risiko bedeutet."

Denn Dabo ist nicht grundsätzlich sozialverträglich.

Die Hündin lehnt Geschlechtsgenossinnen

ab und muss

umsichtig an andere Hunde herangeführt

werden. Dann kann aus der ersten

Begegnung durchaus ein harmonisches

Spiel werden. Für Dabo sucht

das Tierheim eine Familie (mit Kindern

mindestens ab zwölf), die Erfahrung in

der Hundehaltung hat und körperlich

stabil ist. "Letzter Punkt", sagt Christian

Werner, "ist wirklich wichtig: Ich bin 190

cm groß, 35 Jahre, wiege 90 kg und

halte sie trotzdem nur mit Mühe."

Finden sich ihre passenden Gegenüber,

steht einer schönen Freundschaft nichts

im Wege:

SUNNY

Darbo hört gut, kann Stunden alleine

bleiben, mag junge Hunde und vor allem

ihre Menschen, denen sie am liebsten

vor Zuneigung auf den Schoß klettern

würde…wären da nicht schon

wieder diese störenden Größenunterschiede.

Sunny und Susa dagegen dürften

kaum Zuwendung genossen haben.

Sie wurden vom Veterinäramt aus einem

Missstand sichergestellt und waren

anfänglich sehr zurückhaltend.

Inzwischen lassen sie nicht nur menschlichen

Kontakt zu, sie beginnen ihn

auch mehr und mehr zu schätzen. Beide

Tiere sind wie Ruben FIV-positiv und

teilen nur deswegen nicht den Raum

mit ihm, weil der Kater aufgrund seiner

Zuckerkrankheit über den Tag verteilt

fressen muss. Sunny leidet unter Durchfall,

möglicherweise könnte sich die

Darmirritation im neuen Zuhause aber

geben. "Solche Spontanheilungen",

sagt Christian Werner, "haben wir

schon öfter erlebt. Das zeigt immer

wieder, wie wichtig ein stabiles Umfeld

und eigene Bezugspersonen für das

seelische und körperliche Wohlbefunden

von Tieren ist".

Diese vier Tiere sind nur einige Kandidaten

aus dem Elisabethenhof.

Weil die

Vermittlung in die-

TH ELISABETHENHOF

sem Jahr schleppender als in den Vorjahren

lief, sitzen manche Vierbeiner

Monate und Jahre, bis sie ein neues Zuhause

finden. Für fast alle Tiere wäre

die lange Verweildauer im Tierheim eine

noch höhere Belastung, wenn da

SUSA

nicht die vielen Ehrenamtlichen wären,

die mit "ihren Hunden" spazieren gehen

und mit den Katzen spielen würden.

"An dieser Stelle möchte ich mich ganz

herzlich für die Unterstützung unserer

Ehrenamtlichen bedanken, gerade

auch für den Einsatz beim jährlichen

Tag der Offenen Tür", sagt Christian

Werner. Mit Hilfe von Ehrenamtlichen

würde der Tierheimleiter gerne eine Jugendtierschutzgruppe

ins Leben rufen -

wenn Sie also Freude am Umgang mit

Kindern und Jugendlichen haben und

ihnen den Schutz von Tieren nahe bringen

und Projekte erarbeiten wollen,

sprechen Sie mit Christian Werner.

Text: Claudia Lotz

Fotos: Christian Werner

Tierheim Elisabethenhof

Geschäftsstelle Hessen

Siedlerstraße 2, 61203 Reichelsheim

Tel. (06035) 96 11 11

Leiter (TH): Christian Werner

Tel. (06035) 59 16, Fax 96 11 18

Frankfurter Sparkasse,

BLZ 500 502 01, Konto 5975

www.tierheim-elisabethenhof.de

Das Recht der Tiere 3/2011

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Das Recht der Tiere 3/2011

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G ST I SSUM

Über6

Über

Die Hunderallye, von der Geschäftsstelle

Issum und der Hundeschule am Schürmannsgraben

ausgerichtet, ist eine seit

Jahren stattfindende Veranstaltung und

beliebter Treffpunkt für Menschen, die

einen Hund vom bmt aufgenommen haben.

So trifft Geschäftsstellenleiterin

Dagmar Weist immer wieder auf vierbeinige

Bekannte, die sich bei ihren

neuen Besitzern gut entwickelt haben

und nun voller Tatendrang die sechs

Stationen des Parcours angehen...

Dagmar Weist hatte Punkt 10.00 Uhr

zur Rallye eingeladen. Auch Petrus hatte

sich diesen Termin offensichtlich notiert:

Ebenso pünktlich ging

der erste Schauer nieder.

Schade - war die Rallye

doch mit viel Herzblut ausgerichtet

worden. Schnell

mussten noch ein paar vorsichtshalber

mitgebrachte

Planen über die Sitzgruppen

gespannt und die Stände

gegen den Wetterumschwung

gesichert werden.

Viele "alte Bekannte" besuchten

die Rallye - Zweiund

Vierbeiner, die durch

Vermittlung des bmt zueinander

gefunden hatten und

GROSSE HUNDERALLYE

BEGEISTERT TEILNEHMER

ihre Teamfähigkeit nun unter Beweis

stellen wollten. Emsig wurden die Aufgaben

angegangen, unerschrocken

und ausdauernd

kämpften

sechs Beine

auf einemherrlich

mitten

durch den

Wald führenden

Parcours

um Punkte

und Ehre.

Da konnte

auch ein

Nette Begegnungen am

Rande

Stationen

zum Sieg

zweiter ergiebiger

Schauer den aktiven Teilnehmern die

Laune nicht vermiesen.

Wer hat bloß diese Aufgaben ersonnen?

mag mancher Hundebesitzer

(und vielleicht auch sein vierbeiniger

Gefährte gedacht haben), als das

Team Hund und Mensch die verschiedenen

Stationen angingen. Geschick,

schnelle Auffassungsgabe, Trittsicherheit,

Mut und Wendigkeit waren bei allen

Prüfungsabschnitten gefragt.

An der ersten Station "Eierlauf" kriegte

Frauchen bzw. Herrchen einen Löffel in

die Hand, auf den ein Ball gelegt wurde.

Die Hundeleine lose über den

Unterarm gelegt, musste das Hunde-

Mensch-Team zehn Meter überwinden,

ohne dass Leine, Hund oder Ball verloren

gingen.


Pfötchendrücken für

Frauchen und Herrchen

Bei den "Fliegenden Teppichen" musste

Hund auf einer Matte sitzen, während

sein Mensch eine zweite Matte davor

legte. Dann sollte der Hund auf diese

Siegerehrung mit Dagmar

Weist (ganz links)

zweite Matte wechseln, während der

Zweibeiner die erste Matte um den

Hund herum wieder nach vorne legt,

damit der schlaue Hund dann diese

Matte erneut besetzte. Und das alles

sechs Mal hintereinander. Und der

Hund durfte die Matte nur zum Wechseln

verlassen…

Das alte "Hütchenspiel" - Älteren noch

bekannt mit "Salvatore" aus dem TV -

erlebte seine Wiederbelebung an der

dritten Station: Von drei umgestülpten

Bechern, unter einem von ihnen ein

Leckerli versteckt, musste die Spürnase

das richtige "Hütchen" erkennen.

Next Stop Slalom: Sechs stehende Stangen

mussten, wie im Ski-Slalom-Abfahrtslauf,

möglichst schnell umrundet

werden. Die fünfte Aufgabe war die "Löwennummer":

Der Vierbeiner musste

durch einen Hula-Hoop-Reifen springen

- der war hier natürlich feuerfrei.

Mit der sechsten Aufgabe war der Hund

dann schon fast fertig: Pfötchen geben!

Hier gab es fast immer die volle Punktezahl.

Und die letzte Aufgabe musste

das andere Ende der Leine alleine bewältigen:

Für Frauchen und/oder Herrchen

gab es - ähnlich einem Scrabble-

Spiel - einige Buchstaben, aus denen

dann möglichst lange Wörter gebildet

werden sollten. Hund konnte seinem

Besitzer nur die Pfötchen drücken.

Etwas über zwei Dutzend Hund-

Mensch-Mannschaften machten sich

über diesen schwierigen Parcours. Souveräner

Sieger wurden "Suna" und Frau

Kuhlmann, die sich riesig freute: "Klasse,

dass unsere langjährige Beschäftigung

auf dem Hundeplatz belohnt

wird!"

Für "Suna" und "Lucky" (Besitzer

Familie Nolden) auf dem -

zweiten Siegertreppchen-Platz

gab's je einen Gutschein für ein

Tierportrait bei der Künstlerin

Inge Mostowy aus Geldern.

Den dritten Preis erkämpfte

sich "Tom" mit Familie Scholl,

Trostpreise gab's für "Cookie"

und seine Familie Haubruck

und für "Lila" mit Familie Sylt.

Nach der Arbeit wartete das Vergnügen:

Eine Riesen Auswahl an Kuchen,

Snacks, Kaffee, kühlenden Getränke

für Frauchen, Herrchen und Hund, ein

gut bestückter Flohmarkt und viel Zeit

Geschäftsstelle Issum

Drosselweg 15, 47661 Issum

Leiterin: Dagmar Weist

Tel. (02835) 44 46 97, Fax (02835) -99

Sparkasse am Niederrhein,

BLZ 354 500 00,

Konto 111 500 2063

www.bmt-nrw.de

G ST I SSUM

JOSHUA

Diese beiden suchen ein

neues Zuhause!

Joshua (9) ist ein umkomplizierter

Hund, mag Artgenossen und Katzen,

hört sehr gut und fährt gerne Auto.

Peti (3) wurde aus Zeitmangel abgegeben

und zeigt noch Verlustängste.

Er ist ein sehr bewegungsfreudiger

und anhänglicher Hund.

PETI

für Hunde-Gespräche machten die

Rallye rund. Und Petrus hatte dann

doch noch ein Herz für Hunde: Nach

elf Uhr blieb's schauerfrei.

Geschäftsstellenleiterin Dagmar Weist

stellte noch zwei Hunde vor, die in liebevolle

und hundefreundliche Familien

vermittelt werden wollen: Peti liebt Katzen

(!) und Joshua ist eine ausgemachte

Schmusebacke - aber vielleicht stecken

noch ganz andere Qualitäten in den

beiden und sie kämpfen im nächsten

Jahr um das Siegertreppchen der Hunderallye

2012? Lassen wir uns überraschen!

Text und Fotos: Udo Kraushaar

Das Recht der Tiere 3/2011

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Das Recht der Tiere 3/2011

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Die Gründe, vegan zu leben, sind so vielfältig

wie die Menschen, sagt Alex Siepmann. Der

Besitzer des zweibeinigen Hundes Uli (RdT

4/2010) hat sich vor 18 Jahren für den veganen

Ernährungsstil entschieden.

Dass der Veganismus mehr ist als der Verzicht

auf Fleisch-, Ei- und Milchprodukte - nämlich

ein Lebensstil - erklärt er im folgenden Text.

"Willst du einen Kaffee?" - "Ja, gern!" - "Mit Milch und

Zucker?" - "Nur mit Zucker, ich trinke keine Milch" - "Keine

Milch, bist du Veganer???" - "Ja."

Immer wieder taucht das Wort "vegan" in den Medien

auf. Berichte über Menschen, die "Veganer/innen" sind

bzw. "vegan" leben. Aber auch im Alltag finden sich

diese Worte auf Lebensmittelverpackungen, nicht nur

im Bio-Laden, sondern zunehmend auch auf Produkten

großer Handelsketten. Augenscheinlich dreht es

sich hier um das Thema Ernährung…

Aber wo ist denn jetzt der Unterschied zwischen der vegetarischen

und der veganen Lebensweise? An diesem

Punkt wird es auch schon schwierig, sich umgangssprachlich

mit diesem Thema auseinanderzusetzen.

Der Vegetarier oder die Vegetarierin verzichtet

in der Regel auf den Konsum von Fleisch, einige

auf das Verzehren von Fisch, essen aber Eier und

Milchprodukte.

Was aber macht der Veganer anders? Vegan leben

bedeutet, bewusst auf jegliche tierischen Produkte zu

verzichten. Eine Ernährung ohne Fleisch, Eier, Milch

und Käse, Kleidung ohne Wolle oder Leder, Kosmetik

ohne tierische Fette und Bestandteile. Neben dem Verzehr

getöteter Tiere wird eben auch die Nutzung von

Tieren für die Erzeugung oben genannter Produkte abgelehnt.

Hierin unterscheiden sich die vegan lebenden

Menschen in ihrer Haltung von den Vegetariern.

Sie sehen Tiere eben nicht als "Lieferanten" von Fleisch

oder als "Produzenten"

für Milch

oder Eier. Tiere

sind empfindsame,

lebende Individuen,

welche

das Recht auf

Unversehrtheit

und ein artge-

RdT-Leser kennen Alex Siepmann und

die Geschichte seines zweibeinigen

Hundes Uli aus Heft 4/2010

(


Tier-)

rechtes Leben haben. Es geht eben nicht nur um die Frage, ob

ein Tier zum Verzehr getötet wird, es geht auch um die Beteiligung

des Konsumenten an den Grausamkeiten der Massentierhaltung

zur Herstellung von tierischen Produkten.

Es gibt keinen Unterschied zwischen Nutz- und Haustieren.

Tierliebe oder das Eingeständnis von Tierrechten ist jedoch

nur ein Motiv, vegan zu leben. Ich möchte hier nicht weiter

auf die verschiedensten Gründe für ein tierleidfreies Leben

eingehen, da diese so vielfältig wie auch individuell sind.

Vegan lebende Menschen praktizieren in der Regel neben

dem Tierschutz durch Ernährung auch praktischen Tier- und

Umweltschutz. Sie

versuchen, weitgehend

ethisch und

moralisch fair zu

handeln. Eine vegane

Lebensweise

beinhaltet die kritischeAuseinandersetzung

mit dem eigenen

Konsum und

Handeln. Veganismus

ist eine Lebenseinstellung,

die

versucht, über den Tellerrand des Alltags zu schauen.

Sind Veganer/inner Exoten, Außenseiter oder Extremisten?

Nun, so vielfältig, wie die Gründe, vegan zu leben, so vielfältig

sind auch die Menschen. Ich möchte einfach mal drei

Prominente nennen, die vegan leben, den Musiker Bryan

Adams, Schauspieler Woody Harrelson und Tennisspielerin

Martina Navratilova. Wie exotisch oder extrem sind sie?

" Na, ohne Fleisch könnte ich leben, aber vegan?" Ich lebe

seit über 18 Jahren vegan. Damals habe

ich auch mit dem Verzicht auf Fleisch angefangen.

In der Auseinandersetzung mit

der landwirtschaftlichen oder besser gesagt

industriellen Tierhaltung war es unumgänglich

geworden, auch andere tierische

Produkte zu meiden. Mit dem Wissen

über die Zustände in Legebatterien (mitt-

lerweile auf nicht minder tierverachtende

Haltungsformen

umgestellt) und Milchbetrieben

war es für mich nur konsequent,

mich vegan zu ernähren.

Es wurde ein stetiger Prozess,

mit wachsender Information,

sich angemessen zu

verhalten.

Auch nach dieser langen Zeit

gilt es, viele alltägliche Dinge zu

hinterfragen. Ist es

sinnvoll, einen Öko-

TH WAU-MAU-INSEL

Liebe

GEHT DURCH DEN MAGEN

oder: was heißt eigentlich vegan?

stromanbieter zu wählen, der Biogasanlagen fördert,

die wiederum mit Gülle aus der Massentierhaltung

betrieben werden? Wie ernähre ich

meine Hunde und Katzen? Was bedeutet Fair-Trade,

wenn ich beim Discounter kaufe?

Vegan leben bedeutet für mich, zu hinterfragen

und bewusst zu entscheiden. Auch wenn die Antworten

leider oft nur Kompromisse sein können.

Dieser Text soll niemanden bekehren, vegan zu

leben. Er soll ein Gedankenanstoß sein, sich mit

seinen Ess- und Lebensgewohnheiten auseinanderzusetzen.

Und beim Einkaufen einfach mal einen Blick

auf die Zutatenliste zu werfen. Vielleicht müssen es nicht die

Eiernudeln sein? Statt dem Milcheis mal ein Sorbet. Beim

nächsten Schuhkauf einmal auf das Etikett zu schauen? In der

Drogerie eine pflanzliche Seife ohne tierische Fette einzukaufen.

Für mich heißt vegan leben, nicht zu verzichten, sondern Alternativen

zu entdecken.

GSt u. TH "Wau-Mau-Insel"

Schenkebier Stanne 20, 34128 Kassel

Leiterin (GSt): Petra Hollstein

Leiter (TH): Karsten Plücker

Tel. (0561) 86 15 680, Fax 86 15 681

Kasseler Sparkasse,

BLZ 520 503 53,

Konto 70 700

www.wau-mau-insel.de

ULI

Ich kann und möchte jeden einladen,

diese Alternativen für sich zu entdecken.

Weitere Infos:

www.vegane-gesellschaft.org

Text: Alex Siepmann

Fotos: Sara Meißner

Das Recht der Tiere 3/2011

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Das Recht der Tiere 3/2011

46

T IERSCHUTZPOLITIK

Die Putenhaltung steht seit Jahren

in der Kritik der Tierschutzverbände.

Tatsächlich gibt es

kaum eine vergleichbare Haltung

im Nutztierbereich, die mit

so viel Tierleid verbunden ist.

II

IERSCHUTZPOLITIK II

Puten

TRAURIGES FAZIT NACH ZEHN JAHREN

Gerade die einseitige Zucht

auf extrem rasch wachsende

Tiere mit der deutlichen Betonung

auf die Brustmuskulatur

hat dazu geführt, dass

sich am Ende der Mast die

Tiere kaum mehr auf den

Beinen halten können.

Schmerzhafte Fußballenentzündungen,

Beinschwächen,

Brustblasenverletzungen und Verhaltensstörungen sind die

Folgen. Damit sich die Puten bei den hohen Besatzdichten

nicht gegenseitig verletzen, werden die Schnäbel schon im

Kükenalter weggelasert, wodurch die Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme

stark behindert wird.

Trotz der seit Jahren bekannten Missstände werden die Puten

vom Gesetzgeber im Stich gelassen. Denn neben den allgemeinen

Regelungen des Tierschutzgesetzes und der Tierschutznutztierhaltungsverordnung

existieren bislang keinerlei

rechtlichen Anforderungen an die Haltung. Auch europäische

Vorgaben beschränken sich lediglich auf Empfehlungen

des Europarates.

Unter der Federführung des Bundeslandwirtschaftsministeriums

(BMELV) wurden 1999 "Bundeseinheitliche Eckwerte für

eine freiwillige Vereinbarung zur Haltung von Jungmasthühnern

(Broiler, Masthähnchen) und Mastputen" erarbeitet, die

von Vertretern der Länder, des damaligen Bündnisses Tierschutz

(bmt, Bundesverband Tierschutz, Deutscher Tierschutzbund)

der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz und

der Putenwirtschaft unterzeichnet wurden.

Doch zehn Jahre später ist das Fazit der Tierschutzverbände

ernüchternd. Erfahrungen aus den Ländern und aktuelle wissenschaftliche

Untersuchungen bestätigen, dass die o.g.

eklatanten tierschutzrelevanten Defizite in der Putenhaltung

noch immer bestehen - und hinsichtlich der maximalen Besatzdichten

von den Putenzüchtern nicht selten sogar unterlaufen

werden!

leiden weiter

Angesichts der kastrastrophalen Zustände in der Putenhaltung

und vor dem Hintergrund, dass die "Freiwilligen Vereinbarungen"

eine regelmäßige Überprüfung der Anforderungen

vorsehen, hat der Verband Deutscher Putenerzeuger

e.V. nun zu umfangreichen Beratungen eingeladen.

Die erste Sitzung fand im März 2011 in Berlin statt. Teilnehmer

waren Vertreter aus dem BMELV, der Wissenschaft, der

Putenwirtschaft und drei Tierschutzorganisationen (bmt, BVT,

ProVieh in Vertretung für den

DTB), außerdem die Tierärztliche

Vereinigung für

Tierschutz und die Tierschutzreferenten

der Länder.

Es wurden drei Unterarbeitsgruppen

zu

folgenden Themen

gebildet:

1. UAG Haltungsbedingungen;

Vorsitz: Prof. Hartung, Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover;

von Tierschutzseite: Dr. Jörg Styrie (Bundesverband

Tierschutz).

2. UAG Tiergesundheit/Fitness/Verhalten;

Vorsitz: Prof. Hafez, Freie Universität Berlin; von Tierschutzseite:

Stefan Johnigk (ProVieh).

3. UAG Tierbetreuung/Kontrolle;

Vorsitz: Prof. Anderson; Fachhochschule Osnabrück; von

Tierschutzseite: Torsten Schmidt (bmt), Sylvia Heesen, Tierärztliche

Vereinigung für Tierschutz.

Ob schlussendlich eine konsensfähige Vereinbarung getroffen

werden kann, ist aufgrund der sehr kontroversen Diskussionen

noch offen. Aus Sicht der Tierschutzverbände wären

hierzu substanzielle Verbesserungen im Bereich Tierschutz

notwendig, die behördlich überprüfbar sein müssen und bei

Nichteinhaltung auch geahndet werden.

Text: Torsten Schmidt

Fotos: Deutsches Tierschutzbüro


10 Geschäftsstellen , 8 Tierheime und ein Tierschutzzentrum

Geschäftsstelle Norden Franziskus-Tierheim

Nordbuscherweg 17, 26553 Dornum

Tel. (04933) 99 28 24, Fax 99 28 26

Tierheim Hage

Hagermarscher Str. 11, 26524 Hage

Tel. (04938) 4 25, Fax 91 49 90

Raiffeisen-Volksbank

Fresenae.G.Norden, BLZ 283 615 92

Konto 6302020300

www.tierheim-hage.de

GSt u. TH "Arche Noah"

Rodendamm 10, 28816 Stuhr/Brinkum

GSt.: Tel. (0170) 632 52 40

Tierheim: Tel. (0421) 890171,

Fax 80 90 553

Kreissparkasse Syke,

BLZ 291 517 00, Kto. 113 000 29 57

ww.tierheim-arche-noah.de

Geschäftsstelle Issum

Drosselweg 15, 47661 Issum

Tel. (02835) 44 46 97, Fax 44 46 99

Sparkasse am Niederrhein,

BLZ 354 500 00,

Konto 111 500 2063

www.bmt-nrw.de

TH Köln-Dellbrück

Iddelsfelder Hardt, 51069 Köln

Tel. (0221) 68 49 26, Fax 68 18 48

Postbank Köln, BLZ 370 100 50

Konto 924 02-505

www.tierheim-koeln-dellbrueck.de

Tierschutzzentrum

Pfullingen

Gönninger Straße 201,

72793 Pfullingen

GSt: Tel. (07121) 820 17 -0, Fax -18

Tierheim: Tel. (07121) 820 17 20

Kreissparkasse Reutlingen,

BLZ 640 500 00, Kto. 75 7889

www.tierschutz-bmt-bw.de

GSt Issum

Geschäftsstelle Hamburg

Lokstedter Grenzstr. 7, 22527 Hamburg

Tel. GSt (040) 55 49 28 - 34, Fax -32

Tel. Tierheim (040) 55 49 28 37

Haspa, BLZ 200 505 50,

Konto 1049220799

www.franziskustierheim.de

TH Hage/

GSt Norden

TH Köln

www.bmt-tierschutz.de

Tierschutzzentrum

Pfullingen

VORSTAND

TH Arche Noah

TH Elisabethenhof

Franziskus-TH, Hamburg

Katzenhaus, TH

TH Wau-Mau-Insel

GSt Bayern

Vorsitzende: Petra Zipp

Tierschutzzentrum Pfullingen

Gönninger Straße 201, 72793 Pfullingen

Tel. (07121) 820 17 -23, Fax 820 17 -18

Stellv. Vorsitzender: Bernd Stephan

Kaiser-Friedrich-Promenade 82

61348 Bad Homburg

Tel. (06172) 138 80 26, Fax 23 691

Weiteres Vorstandsmitglied: Karin Stumpf

Am Heiligenhäuschen 2, 50859 Köln,

Tel. (0221) 950 51 55, Fax 950 51 57

GSt Berlin

DER bmt

Geschäftsstelle Berlin

Sauerbruchstraße 11, 14109 Berlin

Tel. (030) 80 58 33 -38, Fax -39

Postbank Berlin,

BLZ 100 100 10,

Konto 9603-107

www.tierschutz-bmt-berlin.de

"Katzenhaus Luttertal"

Luttertal 79, 37075 Göttingen

GSt.: Tel. (06678) 91 85 67

Tierheim: Tel. (0551) 2 28 32

Postbank Hannover,

BLZ 250 100 30, Konto 732 223 06

www.katzenhaus-luttertal.de

GSt u. TH "Wau-Mau-Insel"

Schenkebier Stanne 20, 34128 Kassel

Tel. (0561) 86 15 680, Fax 86 15 681

Kasseler Sparkasse,

BLZ 520 503 53,

Konto 70 700

www.wau-mau-insel.de

Tierheim Elisabethenhof

Geschäftsstelle Hessen

Siedlerstraße 2, 61203 Reichelsheim

GSt.: Tel. (06035) 96 11 11

Tierheim: Tel. (06035) 59 16,

Fax (06035) 96 11 18

Frankfurter Sparkasse,

BLZ 500 502 01, Konto 5975

www.tierheim-elisabethenhof.de

Geschäftsstelle Bayern

Viktor-Scheffel-Straße 15,

80803 München

Tel. (089) 38 39 52-13, Fax -23

Postbank München,

BLZ 700 100 80, Kto. 142 20-802

www.bmt-bayern.de

Das Recht der Tiere 2/2011

47


„Das Recht der Tiere“ – Postvertriebsstück B 13769 – Entgelt bezahlt

Bund gegen Missbrauch der Tiere e.V.

Als gemeinnützig und besonders förderungswürdig anerkannt

Beiträge und Spenden sind steuerlich absetzbar

Hauptgeschäftsstelle: D-80803 München , Viktor-Scheffel-Str.15

www.bmt-tierschutz.de

Tanja und Peter Maffay haben ein Herz

für die Straßenhunde in Brasov !

Tanja und Peter Maffay informieren sich bei Cristina Lapis

(Millions of friends, links) über das Schicksal der rumänischen Straßenhunde

Peter Maffay hat im Juli

2011 das "Fundatia Tabaluga"

in Siebenbürgen eröffnet

und damit das dritte Refugium

für traumatisierte

Kinder in Europa.

Peter Maffay, 1949 im rumänischen

Brasov geboren,

setzt sich mit seiner gleichnamigen

Stiftung international

für die Schwächsten

in der Gesellschaft ein. Neben

den Kindern sind das

für ihn auch die Tiere, besonders

jedoch die der Willkür

der Menschen ausgesetzten

Straßenhunde in

seiner ehemaligen Heimat.

Mit seiner Frau Tanja informierte

er sich vor Ort in Brasov

über die Arbeit von Cristina

Lapis (Millions of

friends, im Bild links) und

des bmt.

Peter eter Maffay begrüßt die Entscheidung der Stadt Brasov, Brasov,

auf Tötungen in Zukunft

zu verzichten und in Zusammenarbeit mit dem Tierschutz das Straßenhundproblem

Straßenhundproblem

human anzugehen. Tanja Tanja

und Peter Peter

Maffay bitten alle Tierfreunde um Unterstützung,

Unterstützung

damit dieses Projekt gelingen wird.

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