RDT 4/2006 - Bund gegen Missbrauch der Tiere ev

bmt.tierschutz.de

RDT 4/2006 - Bund gegen Missbrauch der Tiere ev

Nr. Nr.

4 Dezember 2006

DAS RECHT DER TIERE

PIERRE BRICE HILFT IN RUMÄNIEN

"Gebt den Hunden

eine Chance!"

CITY HALL

VON BRASOV

WO DIE ENDSTATION

FÜR HUNDE LIEGT

JILL ROBINSON

VON “ANIMALS ASIA”

ÜBER TIERSCHUTZ

IN CHINA

SKANDAL

JÄGER TÖTEN

100 MIO. VÖGEL

PATENSCHAFTEN

FÜR TIERE

SCHENKEN SIE

IHRE HILFE!

BUND GEGEN MISSBRAUCH DER TIERE E.V.


Das Recht der Tiere 4/2006

2

I NHALT

INHALT

Inhaltsverzeichnis / Impressum 2

EDITORIAL 3

TITELTHEMA 4

Pierre Brice mit bmt in Brasov/Rumänien

Eröffnung des Bärenparks und Besuch im Tierheim

INTERVIEW 10

Jill Robinson über die Tierschutzarbeit

von Animals Asia in China

TIERSCHUTZPOLITIK I 12

Mord an Zugvögeln

Schächturteil: “Religionsfreiheit” vor Tierschutz

Wie Japan das Abschlachten der Wale rechtfertigt

TIERSCHUTZPOLITIK II 14

Leitlinien für Tierbörsen

TIERSCHUTZPOLITIK III 16

Deutsche EU-Ratspräsidentschaft beginnt 2007

Forderungen des bmt an die Bundesregierung

WEIHNACHTEN 18

Tierschutz fängt beim Essen an

DIE BESONDERE GESCHICHTE 20

George, der Bergsteigerhund

GESCHÄFTSSTELLEN

TSZ Pfullingen Andrang am Tag der Offenen Tür 22

TH Arche Noah Sorgenkind Kalle 24

TH Köln/Dellbrück Porträt von Sylvia Sauerland 25

TH Hage Die vergessenen Schäferhunde 26

TH Elisabethenhof Happy End für vier Samtpfoten 28

KLEINE TIERGESCHICHTEN von Gaby Rudolph, bmt 32

ANSCHRIFTEN / Internetadressen der Geschäftsstellen 34

DAS LETZTE 35

Unverständlich: Mildes Urteil für grausame Tierquälerei

In letzter Minute: Helfen Sie Mela und Ronny

Beitrittserklärung 36

Impressum

DAS RECHT DER TIERE Nr. 4/2006

Mitgliederzeitschrift des „Bund gegen Missbrauch der Tiere e. V.“

Redaktion:

Claudia Lotz, Dr. Jörg Styrie, Mike Ruckelshaus, Hans Schroer

Gestaltung: Stefan Lotz, Andrea Sturm

Anzeigen: Willy Passmann, 44879 Bochum, Tel.: 0234-49 42 84

Artgerchte Offenstallhaltung

Seiten 4-8

Pierre Brice

Eröffnung des Bärenparks

Seite 10

Interview mit Jill Robinson

Tierschutzarbeit von Animals Asia

in China

Seite 13

Neues Urteil

Muslime dürfen weiter schächten

Seite 8

Patenschaft für Tiere

Ein schönes Weihnachtsgeschenk!

Druck: Brendow PrintMedien, Moers;

Titelbild: Claudia Lotz

Übernahme von Artikeln, auch auszugsweise, nur mit Quellenangabe

gestattet. Gedruckt auf chlorfrei gebleichtem Papier.

Auflage: 41.000 Exemplare


AUF EIN WORT…

Liebe Mitglieder, liebe Tierfreunde!

GEMEINSAM KÖNNEN WIR VIEL ERREICHEN!

Ich möchte Ihnen an dieser Stelle ganz herzlich danke

sagen. Danke für Ihre überwältigende Unterstützung

unserer Protestkartenaktion gegen das Töten von Hunden

und Katzen in Asien zur Fellgewinnung. Körbeweise kamen

Ihre Protestkarten bei mir an. Viele Tierfreunde hatten

weitere Unterschriften im Freundes- und Bekanntenkreis

gesammelt. Oft waren gute Wünsche von Ihnen beigefügt, dass diese Aktion helfen möge, das

unerträgliche Leid möglichst schnell zu beenden. Es tut gut zu wissen, dass wir nicht alleine für

die Tiere kämpfen; es tut gut zu wissen, dass Tausende Tierfreunde hinter uns stehen. Das gibt

uns Mut und Kraft für unsere weitere Arbeit.

Besonders freue ich mich, Ihnen bereits hier schon mitteilen zu können, dass unser Protest nicht

ungehört geblieben ist. Vor wenigen Stunden erhielt ich die Nachricht, dass die Europäische

Kommission einen Verordnungsentwurf auf den Weg gebracht hat, wonach in Europa die

Herstellung und Vermarktung sowie die Ein- und Ausfuhr von asiatischen Hunde- und

Katzenfellen ausnahmslos verboten werden soll. Diesem Entwurf müssen nun noch das

Europäische Parlament und der Ministerrat zustimmen. Die Zustimmung gilt als sicher, weil von

beiden Instanzen ein Verbot des Handels befürwortet wird.

Wir haben somit einen grandiosen Etappensieg erreicht! Da die Europäische Union größter

Abnehmer der Felle war, haben wir die Hoffnung, dass zukünftig Millionen von Hunden und

Katzen ein grausames Leben und ein noch grausamerer Tod erspart bleiben. Ein sehnlicher

Wunsch geht für mich damit in Erfüllung.

Doch nicht nur in Asien ist das Tierleid unendlich. Manchmal brauchen wir nur über unsere

Grenzen hinaus zu sehen und müssen erkennen, dass auch in der EU und in den

Beitrittsländern Tieren kein Schutz gewährt wird. Dass Hundewelpen vor unserer Haustür

getötet werden, weil sie niemand haben will, treibt mir die Tränen in die Augen. Einige können

wir über unsere Tierheime in ein neues Zuhause vermitteln. Viele müssen wir zurücklassen. Hier

warten noch viele Aufgaben auf uns.

Für Ihre Unterstützung im Jahr 2006 danke ich Ihnen ganz herzlich. Bitte bleiben Sie uns auch

weiterhin treu, denn nur mit Ihrer Hilfe können wir unsere Aufgabe, Tieren in Not zu helfen,

erfüllen.

Ihnen, Ihren Angehörigen und Ihren Tieren wünsche ich ein friedliches Weihnachtsfest und ein

gutes Neues Jahr.

In tierschützerischer Verbundenheit

Ihr

Dr. Jörg Styrie

E DITORIAL

Das Recht der Tiere 4/2006

3


Das Recht der Tiere 4/2006

4

T ITELTHEMA

MIT PIERRE BRICE

IN RUMÄNIEN

Botschafter für

mehr Respekt

im Umgang

mit Tieren

Dichter Nebel liegt über dem

verlassenen Fabrikgelände.

Schon von weitem hören wir die

Hunde. Ihr Bellen ist kläglich;

es verrät die Panik gefangener

Tiere, die eine Situation als ausweglos

erkannt haben.

Die City Hall von Brasov, eine

letzte Station für Hunde, denen

eines zum Verhängnis wurde:

keine Menschen zu haben, die

ihre schützende Hand über sie

halten.

Die City Hall in Brasov,

Tötungsstation für Hunde

Sie liegen auf bloßem Beton, kein Futter,

kein Wasser, die Spannung unter

den gestressten Tieren ist gefährlich

hoch. Die im Drahtverhau eingesperrten

Hunde zwängen Nasen und Pfoten

durch Drähte, winseln, suchen verzweifelt

den Kontakt zu den Menschen, die

vor ihnen stehen und doch unerreichbar

sind. Hunde aller Größen, aller Altersgruppen,

dazwischen Welpen, wenige

Tage oder Wochen alt, die sich vor

Schwäche kaum auf den Beinen halten

können.

14 Tage Leid liegen vor ihnen. Dann

werden sie von den City-Hall-Mitarbeitern

eingeschläfert. Mit Misstrauen haben

die Männer in ihren Armee-Anzügen

unsere Ankunft beobachtet. Dr.

Cipriano Cocianu, der für die von Cristina

Lapis geführte rumänische Tier-

Letzte Meldungen

sterben +++

Geflügelgrippe

12 Wölfe oder ++

Geflügelgrippe

40 biGeflügelgrip

Geflügelgrippe200

Warten auf den Tod:

Nach 14-tägiger Frist

werden eingefangene Straßenhunde getötet

GEBT DE

schutzorganisation "Asociatia de protectie

a animalelor" im Tierheim Brasov

arbeitet, erklärt, warum wir gekommen

sind. "Es sind Tierschützer aus Deutschland",

sagt er, "die helfen wollen, die Situation

der Straßenhunde langfristig zu

verbessern." Der Tierarzt wirft einen

Blick auf die Hunde in den Zwingern;

jahrelange Erfahrung sagt ihm, welche

Hunde so schwach sind, dass sie in den

nächsten Tagen verenden werden.

Am schlechtesten sind die Welpen

dran, die Muttermilch bräuchten und

nicht einmal Wasser bekommen. "Sie

haben keine Chance", sagt der Rumäne

Cocianu. Selbst im Tierheim Brasov

sterben 90% aller Welpen, trotz medi-


+

lügelgrippe

peder +++

Chin ++++++

zinischer Versorgung, an den Folgen

ihres geschwächten Zustandes. Diese

Kleinen mit ihren getrübten Augen tragen

den Tod schon in sich.

Der Tierarzt greift zur Spritze. Die apathischen

Welpen merken den Einstich

kaum. Den Tierheim-Tierärzten ist es

nicht erlaubt, erwachsene Hunde, ob

verletzt oder von ihren Artgenossen

schwer zusammen gebissen, einzuschläfern.

Das Euthanasieren nach der

vorgeschriebenen Frist von zwei Wochen

übernehmen die Mitarbeiter der

City Hall selbst.

Drei bis vier Mal in der Woche, das hat

Cristina Lapis in Gesprächen mit den

Verantwortlichen aus Brasov erreicht,

dürfen ihre Tierärzte die City-Hall-Hunde

versorgen und in Ausnahmefällen

auch ins Tierheim mitnehmen.

Dr. Cocianu wirkt erschöpft, er, der Tierarzt,

der seinem Eid gemäß Tieren das

Leben retten soll, muss immer wieder

Entscheidungen treffen, die dem Leben

so offensichtlich entgegenstehen. "Sie

wären so jämmerlich verendet", sagt er

leise und zeigt auf die über 20 Welpen,

die ihren letzten Atemzug getan haben.

Hope - wie die kleine Hündin

sich vor dem Tod rettete

Während wir tränenblind die Kleinen

halten, als sie die Beruhigungsspritze

R UMÄNIEN

Petra Zipp

(bmt-Auslandstierschutz)

trauert um getöteten Welpen

DIE FURCHTBAREN

TÖTUNGSAKTIONEN MÜSSEN AUFHÖREN

N STRASSENHUNDEN EINE CHANCE!

bekommen, hat sich eine Mutterhündin

ans Tor vorgewagt. Plötzlich sieht sie ihre

Chance; sie zeigt sich kurz in der Tür

- und Petra Zipp zieht sie schnell entschlossen

zu sich heraus. Unbemerkt

trägt sie das Tier ins Auto und verschließt

die Türen.

Die Hündin erwartet uns mit einer Freude,

die anrührend ist. Sie schmiegt sich

in unsere Arme, winselt leise und

scheint über das ganze Hundegesicht

zu lachen. "Sie heißt Hope", sagt Auslandstierschutz-Koordinatorin

Petra

Zipp, "und soll unsere Hoffnung verkörpern.

Auf dass eines Tages eine Zeit

kommt, in der so etwas nicht mehr

denkbar sein wird."

Das Recht der Tiere 6/2006

5


Das Recht der Tiere 4/2006

6

T ITELTHEMA

Die kleine Hope von Dr. Cocianu ins

Tierheim begleiten und, nachdem sie

alle Impfungen bekommen hat, in wenigen

Wochen nach Deutschland vermittelt.

Ca. 900 Hunde leben zur Zeit

im Tierheim Brasov, die meisten viele

Jahre bis an ihr Lebensende.

Dank unermüdlicher Öffentlichkeitsarbeit

kann Cristina Lapis pro Monat einige

Hunde an die Bevölkerung ver-

Die hohe Zahl an herrenlosen Hunden

im Tierheim übertrifft die schlimmsten

Erwartungen von Pierre Brice. Der französische

Schauspieler, in Rumänien

ähnlich verehrt wie in Deutschland,

macht mit Cristina Lapis und bmt-Mitarbeitern

einen Rundgang durch das

riesige Tierheim. Er ist nach Brasov gekommen,

um die gebürtige Rumänin

bei ihrer engagierten Tierschutzarbeit

im Land zu unterstützen. "Menschen",

sagt er, "haben mich schon oft enttäuscht.

Tiere nie."

Vor jedem Zwinger bleibt der sichtbar

betroffene Franzose stehen; er spricht

mit sanfter Stimme auf die Hunde ein,

die schnell ruhig werden und mit ihren

ausdrucksvollen Augen zu ihm aufschauen.

"Nicht streicheln, er beißt",

warnt ein Tierpfleger den prominenten

Gast, als Pierre Brice sich zu einem verstört

aussehenden Rüden bückt. Doch

der Hund scheint zu spüren, dass dieser

Mann als Freund gekommen ist.

mitteln. Sie bietet mittellosen Menschen

an, die Kosten für die Versorgung des

Tieres nach der Vermittlung weiter zu

tragen. "Auch wenn ich für das Futter

aufkommen muss, haben die Hunde

wenigstens ein Zuhause", begründet

die anerkannte Tierschützerin ihr Angebot.

Doch leider sind es zu wenig

Vermittlungen, um Platz für die Todeskanditaten

der City Hall zu bekommen.

BESUCH IM TIERHEIM IN BRASOV

Vorsichtige Annäherung

Von links: Roger Lapis, Petra Zipp, Pierre Brice, Cristina Lapis

Die größte Hilfe für Hunde:

Machen Sie es wie Pierre Brice

Adoptieren Sie einen Hund!

Kleiner Winnetou heißt der Welpe,

der von Cristina Lapis und Pierre

Brice, schon auf dem Weg zum

Flughafen, gerettet wurde. Der

Franzose mit dem großen Herz wird

ihn aufnehmen, wenn der Welpe die

nächsten Wochen überlebt.

Schenken auch Sie einem Hund ein

Zuhause. Jeder frei werdende Platz

im Tierheim kann wieder von einem

Hund besetzt werden, der sonst in

der Tötungsstation oder auf der

Straße sterben müsste. Die Adoption

eines Hundes aus Rumänien

nach Deutschland ist legal - nähere

Infos erhalten Sie bei Petra Zipp,

Tel: 07121/82017-12.

"Kleiner Winnetou" wird von Cristina Lapis aufgepäppelt


Pierre Brice eröffnet Bärenpark

Am Tag zuvor hat der als Winnetou berühmt gewordene

Schauspieler den größten Bärenpark Europas bei

Brasov eröffnet. Auf einem über 50 Hektar großen Gelände,

das mit Wald, Hügeln, Bachläufen und Höhlen

dem Lebensraum der Bären entspricht, sollen ca. 50 gerettete

Bären leben können. Das Projekt wird, nachdem

australische Investoren abgesprungen sind, von der

Welttierschutzgesellschaft (WSPA) getragen. Das gesamte

Areal ist aufwändig gesichert.

Weitere Infos zum Bärenpark: www.wspa.de

Auch die Regierung verspricht sich viel

von dem Bärenpark: Nachdem sie

nach jahrelangem Zögern das Gelände

nördlich von Brasov zur Verfügung

gestellt und weitere Hilfe in Form von

Ausbau der Zufahrtsstraßen in Aussicht

gestellt hat, wird deutlich, dass sie auf

das Interesse von Touristen aus dem

Ausland setzt.

Im Sommer 2007 soll der Bärenpark

für die Allgemeinheit geöffnet werden.

Damit die Besucher die Bären nicht stören,

füttern oder gar erschrecken können,

ist der Bau von Holzbrücken über

die Gehege geplant. "Diese Einrichtung",

betont Victor Watkins von der

WSPA, "ist kein Zoo. Es ist eine letzte Zuflucht

für Bären, eine Rettungsstation."

Hinter dem Bärenpark steht ein pädagogisches

Konzept, von dem sich die

WSPA und alle anderen beteiligten Organisationen

viel erhoffen: Die Menschen

sollen, ausschließlich auf geführten

Touren, die Bären in ihrer

ursprünglichen Umgebung wahrnehmen

und achten lernen. Nur dann werden

sie erkennen können, wie sehr jedes

Wildtier unter dem Verlust seiner

Freiheit leidet. "Wir möchten den Menschen

nahe bringen", erklärt Cristina

Lapis, "dass Gefangenschaft den permanenten

Entzug der natürlichen Bedürfnisse

bedeutet und die Tiere krank

machen muss."

15 Bären, davon sechs noch in Quarantäne,

sind die ersten Parkbewohner.

Zwei kleine Bärenmädchen, im Febru-

ar geboren und aus einem Privatzoo

übernommen, werden keine Dauergäste

sein. Für sie, die nach kurzer Zeit in

den Karpaten ausgewildert werden sollen,

ist der Bärenpark nur eine Übergangsstation.

Gina und Sophia tauft

Pierre Brice die Schwestern, die zur

Feier des Tages ein Schälchen Honig

bekommen.

Alle anderen Bären, deren Schicksale

sich erschreckend ähneln, bleiben bis

an ihr Lebensende im Park. Bären können

40 Jahre alt werden, in nicht artgerechter

Privathaltung sterben sie

weitaus früher. Der sensible Franzose

und bekennende Tierfreund kann seine

Tränen nur schwer zurück halten, als

Cristina Lapis ihn in die abgesperrte

Quarantänestation führt.

Da ist Max, der eindrucksvolle, fast

schwarze Bär; ihm wurden Augenlicht

und Geruchssinn mit einer Säurelösung

zerstört. Mit Artgenossen wird er nie zusammen

leben können; die anderen

Bären würden ihn nicht akzeptieren. Er

wird in einem separaten Teil des Bärenparks

angesiedelt. Max war das

Schauobjekt von “Zigeunern”; jeder

konnte den an Körper und Seele Zerbrochenen

anfassen, ärgern, treten,

stoßen, sich mit ihm fotografieren lassen

- eine Gegenwehr war für den

blinden und geruchsunfähigen Bären

unmöglich geworden.

Mura, bereits mit ihrer neuen Umgebung

vertraut, musste 12 Jahre lang

Kunststücke in einem Zirkus zeigen; sie

wurde gezwungen auf einem Fahrrad

Rettung für misshandelte Bären

GRÖSSTE

ANLAGE IHRER ART IN EUROPA:

Enthüllung der Eingangstafel des Parks

durch Pierre Brice und Cristina Lapis

durch die Manege zu radeln, bis die

widernatürliche Bewegung Rücken und

Gelenke unwiderruflich zerstörten.

"Ich habe Tiere gesehen", sagt Pierre

Brice am Abend vor der rumänischen

Presse, "die misshandelt wurden. Von

Menschen, unfassbar, wie kann das

sein, dass Menschen sich gegen Tiere,

die doch lebendige Wesen sind, so vergehen?"

Da gibt es Menschen, fährt er

in Anspielung auf den Jagdtourismus

fort, die aus Prestige töten. "Sie morden

Lebewesen, fahren nach Hause und

hinterlassen nur Elend."

Pierre Brice, hoch geachtet für sein humanitäres

Engagement, seinen Einsatz

für Opfer von Kriegen und Katastrophen,

möchte mit seinem Besuch in der

ehemaligen Kronstadt Brasov dazu beitragen,

dass sich die Lebensbedingungen

für Tiere in Rumänien langfristig

bessern. "Der Bärenpark ist ein wunderbares

Projekt", sagt er, "das unsere

ganze Unterstützung verdient. Meine

Bitte an Sie alle: Helfen Sie mit, unseren

Freunden, den Tieren, ein besseres

Leben zu ermöglichen."

Das Recht der Tiere 4/2006

7


Das Recht der Tiere 4/2006

8

Es leben ca. 900 Hunde im Tierheim

Der bmt unterstützt Cristina Lapis und

ihre Tierschutzorganisation in Brasov

seit über sechs Jahren. Zwischen beiden

Verbänden hat sich eine vertrauensvolle

und sehr effektive Zusammenarbeit

entwickelt.

Die Rumänin, mit Kontakten bis in die

Regierungsebene, hat in ihrer Heimat

den Keim für mehr Sensibilität im Umgang

mit Tieren gelegt. Sie hat erreicht,

dass das europäische Ausland die Tierschutzprobleme

in Rumänien im Hinblick

auf die EU-Mitgliedschaft bereits

kritisch kommentiert.

Und was

können Sie tun?

� Wir können Cristina Lapis nur helfen,

wenn Sie uns dabei unterstützen.

Eine Patenschaft für einen rumänischen

Hund ist mehr als eine Geste: Eine Patenschaft

sichert das Überleben eines

Hundes und ermöglicht es den Tierschützern

vor Ort, weitere Hunde zu

kastrieren und zu versorgen.

� Sie können dem Tierheim in Brasov

einen Besuch abstatten, wenn Sie Urlaub

in Rumänien machen.

� Sie können projektbezogen spenden

und sich bei unserer Auslandskoordinatorin

Petra Zipp erkundigen, welche

Maßnahmen gerade vom bmt

gefördert werden.

Ihre Ansprechpartnerin beim bmt:

Petra Zipp, Tel. 07121 / 820 17 12

www.bmt-tierschutz.de

Spendenkonto Ausland:

Frankfurter Sparkasse

Kto. 847 275

BLZ 500 502 01

Wie in vielen süd- und osteuropäischen

Ländern gehört auch in Rumänien die

Existenz der Straßenhunde zu den

Streitpunkten zwischen Regierung und

Tierschutzorganisationen. Während

die Regierung auf Fang- und Tötungsaktionen

baut, setzen Tierschutzorganisationen

wie der bmt auf Kastration

der Tiere, die nachhaltig die Zahl der

Tiere verringert. Tötungsaktionen hingegen

führen nach kurzer Zeit zum erneuten

Anwachsen der Populationen.

Der bmt trägt mit monatlich 4000 Euro

einen Teil des Unterhalts für Tier-

Brief einer Mutter

T ITELTHEMA

Der bmt in Rumänien

heim, Futter und medizinische Versorgung.

Trotz der Auslastung des Tierheims

mit ca. 900 Hunden machen die

Tiere keinen gestressten Eindruck - gut

genährt, freundlich zu Menschen und

bis auf Ausnahmen sozial mit ihren Artgenossen.

Das Tierheim hat eine Quarantäne,

einen Arztraum und zwei fest

angestellte Tierärzte. 18 Mitarbeiter

versorgen die Tiere, kochen in riesigen

Kübeln Hühnchen mit Reis und Margarine,

damit die Hunde gut über die sehr

kalten Winter kommen. Was ihnen

fehlt, ist ein schönes Zuhause.

Text und Fotos: Claudia Lotz

"Auf meiner Reise von Rumänien nach Hause ist mir

prompt dieser wunderbare Satz von Álbert Schweitzer

eingefallen: "Leben inmitten von Leben, das auch

leben will"

Ich habe mir vorgestellt, wie es eines Tages sein wird,

wenn ich vor meinem Schöpfer stehe, und er mich

Corinna Wagner

fragt, warum ich nie etwas zu meinen Mitmenschen

gesagt habe, obwohl ich doch das ganze Elend gesehen habe. Ich habe mir überlegt,

dass es im Leben eben zwei Wege gibt: Entweder man weist auf die Missstände

hin oder man sagt nichts und hat seine Ruhe und eckt nirgends an. Sich

wegzudrehen und einzureden, dass ja alles gar nicht so schlimm ist, ist sicherlich

die weitaus bequemere Variante, wären da nicht all die Eindrücke, die man gewonnen

hat und die einem das Herz schwer machen.

Ich bin dankbar, dass ich Cristina und Roger Lapis kennen lernen durfte. Es sind

zwei bemerkenswerte Menschen, die unter schwierigsten Bedingungen eine hervorragende

Tierschutzarbeit in Rumänien leisten. Ich freue mich ebenfalls, dass ich

Pierre Brice kennen lernen durfte, aber nicht weil er eine bekannte Persönlichkeit

ist, sondern weil ich gesehen habe, dass es ein Mensch mit großem Herz ist, für

Kinder und Tiere und der nicht vor dem Elend der Welt die Augen verschließt.

Ich habe Bären mit ausgestochenen Augen, verletzten Tatzen und Füssen gesehen,

die jetzt vor dem Menschen in Sicherheit in einem Bärenreservat leben. Ich habe

Hunde mit kaputten Augen, abgeschlagen Füssen und verbrühten Körpern gesehen.

Als ich all diesen Tieren in die Augen geschaut habe, habe ich mich geschämt,

dass meine Spezies Mensch so etwas angerichtet hat. Ja, Leben inmitten von Leben,

das auch leben will.

Unser diesjähriges Weihnachten wird viel erfüllter und schöner sein, denn ich habe

meinen Kindern erklärt, dass wir uns fernab vom Konsumrausch ein viel schöneres

Geschenk machen: Wir nehmen eine Patenschaft für einen Bären und einen

Hund. Warum ich mich gerade dafür entschieden habe?

Ich habe gesehen, dass meine Spende beim bmt und Cristina und Roger Lapis in

den allerbesten Händen ist, davon konnte ich mich persönlich überzeugen. Ohne

Spenden können wir die Tierschutzarbeit, die überall bitter notwendig ist, nicht fortführen."


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Das Recht der Tiere 4/2006

10

I NTERVIEW

RdT: Gibt es Hoffnung, dass in China

in absehbarer Zeit ein Tierschutzgesetz

erlassen werden könnte?

Jill Robinson: Ja, vielleicht. Zufällig

habe ich vor kurzem einen starken Befürworter

dieses Vorhabens getroffen,

Professor Song Wie, der die Vorgaben

entwirft und daran arbeitet, die Regierung

zu überzeugen. Aber dies wird ein

langwieriger Prozess, denn das Thema

ist kompliziert und heiß diskutiert - es

reicht von Tieren in der Medizin, Unterhaltung

bis hin zu den intensiven Farmpraktiken

usw.

Ein erster Gesetzesentwurf wurde Anfang

des Jahres zur Seite gelegt. Aber

der Bürgermeister der Insel Hainan

(Südchina) scheint ein aktiver Befürworter

des Tierschutzgesetzes zu sein,

so dass möglicherweise von dort aus

ein erster Schritt auf Provinzebene erfolgen

und weitergehen wird.

RdT: Akzeptiert die chinesische Regierung

die Arbeit von Animals Asia?

Jill Robinson: Ohne die Hilfe unserer

Regierungspartner sowohl in Sichuan

als auch in Peking könnten wir nicht

in China arbeiten. Beamte des Forstministeriums

in Sichuan und der China

Wildlife Association in Peking haben

uns in den letzten sechs Jahren unterstützt

und dabei geholfen, 217 Bären

zu retten. Wir haben jetzt auch Förderer

im Nationalen Volkskongress, die

uns helfen. Trotzdem ist die Arbeit sowohl

inspirierend als auch frustrierend,

denn so wie uns einige Beamte unterstützen,

gibt es auch andere, die gegen

uns arbeiten.

RdT: Können Sie ein Umdenken in der

Bevölkerung hinsichtlich ihres Verhältnisses

zum Tier erkennen?

Jill Robinson: Manche glauben,

China sei so groß und die Kultur so tief

verwurzelt, dass keine Veränderung in

Gang kommen kann. Vielleicht gilt das

für einen alten, streng traditionellen

Dorfbewohner. Aber bei den jungen

Leuten haben wir eine echte Chance.

Mit den vielen Veränderungen und den

nahenden Olympischen Spielen geht

Jill Robinson, Gründerein von Animals Asia, im

KOMMT DER WAN

HOFFNUNG AUF EINE GESELLSCHAFT

Im letzten RdT startete der bmt seine große Kampagne

zum Importverbot von Haustierfellen aus

Asien. Tausende von Ihnen haben unsere Protestkarten

an Bundesminister Horst Seehofer und den

chinesischen Botschafter Ma Canrong unterzeichnet.

Der Briefträger musste die Karten in Waschkörben

transportieren - so zahlreich haben Sie sich

an unserer Aktion beteiligt. Das war großartig!

Die Kampagne läuft noch bis Mitte Dezember,

dann wird der bmt mit den gesammelten Protestunterschriften

den Verbraucherschutzminister und

Jill Robinson auf einem chinesischen Tiermarkt

den chinesischen Botschafter in Berlin aufsuchen.

Inzwischen hat die Europäische Komission einen

Verordnungsentwurf auf den Weg gebracht, der in

ganz Europa die Herstellung, Vermarktung sowie die Ein- und Ausfuhr von asiatischen Haustierfellen

verbieten soll.

Dass die Europäer sich mittlerweile für die gravierenden Tierschutzprobleme in Asien interessieren,

ist besonders Jill Robinson zu verdanken. Die Engländerin gründete 1998 Animals Asia Foundation in

Peking. Über die Fortschritte ihrer Arbeit spricht sie in unserem aktuellen Interview.

auch eine atemberaubende Modernisierung

einher und damit eine neue

Aufmerksamkeit gegenüber Tieren und

ihrem Wohlergehen. An den Universitäten

sind immer mehr "grün" orientierte

Studenten. Das Internet zeigt die

Probleme des Arten- und Tierschutzes

auf der ganzen Welt - und in China.

Neben lokalen Tiergruppen spielen

auch die Medien eine wichtige Rolle.

Das hilft natürlich unserer Arbeit, und

das Feedback darauf ist phänomenal.

RdT: Haben Sie erlebt, dass Ihre Arbeit

vor Ort behindert wird?

Jill Robinson: Ja, das war zum Beispiel

Anfang 2006, als Wang Wei vom

Staatlichen Forstministerium äußerte,

der Erhalt der Bärenfarmindustrie sei

wegen der Traditionellen Chinesischen

Medizin notwendig und dass es inzwischen

eine humane und hygienische

Industrie sei. Das war seine Reaktion

auf ein Ereignis im Dezember 2005, als

377 Mitglieder des Europäischen Parlaments

sich in einer Erklärung offiziell

für ein Ende der Bärenfarmen in China

aussprachen.

Dieser Erfolg wurde möglich durch unsere

eigenen Mitarbeiter, Christa Filipowicz

in Deutschland und Dave Nea-

Bärenfarm zur Gewinnung von Gallensaft


Gespräch bmt-Protestpostkarten

DEL IN CHINA ?

MIT MEHR MITGEFÜHL

le in England. Es war die siebte Erklärung,

die jemals in der Geschichte der

EU erfolgreich war und wurde weithin

als großartiges Ergebnis berichtet. Sie

verursachte einen großen Widerhall in

Peking und brachte einige Regierungsbeamte

in große Verlegenheit.

Wir sind sehr froh über diese Resolution

- sie war ein notwendiger Schritt und

brachte viel politischen Respekt und

Unterstützung für uns. Seitdem wurden

wir mehrfach nach Straßburg und Brüssel

eingeladen, um uns mit EU-Offiziellen

zu treffen.

Interessanterweise erklärte bereits im

Mai 2006 Zhou Rong Sheng, Leiter des

Forstministeriums und Chef Wang Weis

gegenüber Neil Parish (EU-Abgeordneter

& Initiator der EU-Resolution), er

träume von dem Tag, an dem die Bärenfarmen

geschlossen würden, und es

sei in der Tat die Absicht Chinas,

pflanzliche Alternativen statt der Galle

zu verwenden. Diese Pille ist natürlich

nicht ganz leicht zu schlucken, denn wir

wissen, dass es bereits heute mehr als

54 pflanzliche Alternativen gibt. Dennoch

ist es ein sehr deutliches und positives

Statement.

RdT: Woher, glauben Sie, rührt die für

westliches Verständnis an Brutalität

grenzende Gleichgültigkeit gegenüber

Tieren bei den Asiaten?

Jill Robinson: Es stimmt, dass Asien

in Bezug auf Tierschutz einen entsetzlichen

Ruf hat. In der Traditionellen Medizin

z.B. werden jährlich mehr als zehn

Milliarden US Dollar eingenommen für

Tonnen lebender und toter Tiere - verkauft

an Kunden in ganz Asien, die diese

Wild- und Haustiere eifrig konsumieren,

obwohl viele vom Aussterben

bedroht sind.

Wir entlarven die so genannte Unterhaltungsindustrie,

die zunehmend wächst

und Formen annimmt wie lebende Fütterungen,

bei denen junge Tiger lebende

Schweine und Kälber vor den Augen

zahlender Zuschauer in Stücke reißen.

Wir verzweifeln an der rapiden Zunah-

me an Nutztieren,

denn aufgrund der

wirtschaftlichen Entwicklung wächst die

Nachfrage nach Fleisch wie nie zuvor.

Wir retten streunende Katzen und Hunde,

die nur allzu oft als Störenfriede

des öffentlichen Lebens gesehen und

getötet werden.

Die Probleme sind mit denen vergleichbar,

die Tiere im Westen haben -

meist hinter verschlossenen Türen. In

den USA werden jährlich neun Milliarden

Tiere geschlachtet. Viele sind unglaublicher

Brutalität ausgesetzt - sie

fristen ihr Leben in winzigen Käfigen

oder Stellplätzen. Sie werden verstümmelt,

auch ihr Tod ist weder schnell

noch schmerzfrei. In einem Land, das

Praktiken der intensiven Farmhaltung

"reguliert" hat, geben Schlachthausarbeiter

zu, regelmäßig Tiere bei vollem

Bewusstsein zu strangulieren, schlagen,

kochen, häuten und zu zerstückeln.

Auch bei Grausamkeiten gegenüber

Begleittieren sollten wir nicht mit dem

Aus Farmen befreite Bären

Finger auf Asien zeigen. In westlichen

Ländern schafft die Nachfrage nach

Rassetieren großes Leid und eine erschreckende

Anzahl getöteter Tiere.

Sehen Sie sich andere Beispiele westlicher

Praktiken an, die nach Osten

wandern: die wachsende Fellindustrie.

Oder die Ausweitung der Jagd in asiatischen

Nationalparks, die es Ausländern

erlaubt, ihre Lust am Blut als Sport

auszuleben. Können wir wirklich ausschließlich

Asien für Grausamkeit und

Missbrauch an Tieren beschuldigen?

RdT: Wie stehen Sie diese emotional

belastende Tierschutzarbeit durch?

Jill Robinson: Ich bin fest davon

überzeugt, dass das Gute über das Böse

siegen wird. Dass immer mehr Menschen

hier in Europa und in China sich

unserer Vision anschließen zeigt mir,

dass das stimmt. In China geschehen

große Veränderungen - beginnend an

der Spitze der Regierung bis hin zu den

Leuten auf der Straße - zu einer Existenz

geprägt von mehr Mitgefühl.

Letztendlich ist es das Glück, das ich bei

Bären wie der alten Franzi empfinde,

die ihre letzten Lebensjahre in Gesellschaft

ihres Freundes Rupert genießt.

Oder wenn ich dem Schelm Jasper zusehe,

der sich Banjo grabscht und mit

ihm kämpfend über den Rasen rollt -

das ist all´ unsere Arbeit wert.

RdT: Wie kamen Sie dazu, Animals

Asia zu gründen?

Jill Robinson: Je vertrauter mir das

Leben in Asien wurde und je mehr ich

von dem Leid der Tiere in dieser Region

geschockt war, um so klarer wurde mir

die Notwendigkeit von Programmen,

die sowohl die Bedürfnisse der Ministerien

und der lokalen Behörden erfüllten,

als auch die der Tiere selbst. Deshalb

gründete ich 1998 die Animals

Asia Foundation, was sich als die beste

Entscheidung herausstellen sollte, die

ich jemals getroffen habe.

Mehr Informationen unter

www.animalsasia.de

Spendenkonto:

Animals Asia Foundation e.V.

Deutsche Bank PKG AG, Frankfurt

BLZ 500 700 24

Konto 800 49 96

Fotos: Animals Asia

Das Recht der Tiere 4/2006

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Das Recht der Tiere 4/2006

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T IERSCHUTZPOLITIK

Bei konsequenter Umsetzung der Leitlinien

durch die zuständige Behörde

vor Ort können nach Ansicht von Tierund

Artenschutzverbänden zumindest

die gravierendsten Missstände auf Tierbörsen

abgestellt werden. Daher begrüßt

der bmt die Leitlinien, in denen

sich viele unserer Forderungen wiederfinden,

als einen ersten Schritt in die

richtige Richtung.

Verboten ist künftig der

Verkauf von:

� Wildfängen (Naturentnahmen),

Ausnahme: Das Tier ist seit einem Jahr

in menschlicher Obhut. Leider umfasst

dieses Verbot nicht so genannte Ranchund

Farmzuchten, bei denen es sich

letztlich auch um Wildfänge handelt,

die nicht an ein Leben in Gefangenschaft

gewöhnt sind,

� verschiedenen Tierkategorien, die

auf Tierbörsen nicht tierschutzkonform

angeboten werden können bzw. deren

tiergerechte Haltung in Privathaushalten

aufgrund ihrer spezifischen biologischen

Haltungsansprüche nur in Ausnahmefällen

möglich erscheint (z. B.

Primaten, Groß- und Kleinbären, Kängurus,

Gürteltiere, Kraniche, Laufvögel,

eigentliche Aras, Blauaras, Tukane,

Flughunde, Krokodile, Haie, Rochen

und Sägefische). Diese Liste von Tieren

ist aus Tierschutzsicht unzureichend.

Daher fordern wir eine Positiv-Liste der

anzubietenden Tiere. Diese sollte dann

das Artenspektrum auf nachgezüchtete

Tiere und Tiere mit niedrigen Haltungsanforderungen

reduzieren,

� kranken, verletzten, geschwächten

und abgemagerten Tieren,

Tieren, bei denen Verstöße gegen

das Tierschutzgesetz, insbesondere § 6

(Amputationsverbot) oder § 11b (Qualzuchtverbot)

festzustellen sind,

� weiblichen Säugetieren, die sich

kurz vor der Geburt befinden, säugenden

Muttertieren sowie nicht entwöhnten

Jungtieren,

� gestressten Tieren oder Tieren mit

erheblichen Verhaltensauffälligkeiten.

Darüber hinaus schreiben die Leitlinien

Mehr Tiersc

... UNTERLAUFEN

DEN

LEITLINIEN

TIERSCHUTZ

ALS ORIEN

Am 1. Juni 2006 sind die

"Leitlinien zur Ausrichtung

von Tierbörsen unter Tierschutzgesichtspunkten"

in

Kraft getreten, die einen

tierschutzkonformen Ablauf

von Tierbörsen gewährleisten

sollen. Diese Leitlinien

haben jedoch keinen rechtsverbindlichen

Charakter wie

z. B. eine Verordnung und

dienen in erster Linie als

Orientierungs- und Entscheidungshilfe.

Die Praxis wird zeigen, ob die Gerichte im Streitfall den Anordnungen der zuständigen Behörde, die

auf Grundlage dieser Leitlinien getroffen wurden, folgen werden.

vor, dass eine Beunruhigung der Tiere

durch Herumreichen und Beklopfen

der Behältnisse unterbleiben muss. Das

Herausnehmen der Tiere aus den Behältnissen

ist nur durch den Anbieter

bei Vorliegen eines triftigen Grundes

(ernste Kaufabsicht) erlaubt. Ein Herumreichen

der Tiere unter den Besuchern

ist ebenso verboten, wie das Herausnehmen

zu Werbezwecken oder zur

Geschlechtsbestimmung. Das Angebot

lebender Wirbeltiere als Futtertiere bedarf

der Erlaubnis durch die zuständige

Behörde.

PELZTIERHALTUNGSVER

Mehr Haltungsafläche für Nerze, Iltisse


hutz auf den Tierbörsen?

TIERUNG FÜR AMTSVETERINÄRE

Futtertiere sind räumlich getrennt von

den Tieren anzubieten, für deren Fütterung

sie bestimmt sind. Tierschutzwidriges

Zubehör, wie geschlossene Hamsterkugeln,

Papageiensitze mit

Ankettung, Rundkäfige oder Goldfischkugeln

darf nicht angeboten werden.

Ferner werden in den Leitlinien Mindestanforderungen

an die Börsenräume

und die Verkaufsbehältnisse geregelt

(Sichtschutz, Rückzugsmöglichkeiten,

Strukturierung).

Kein Verbot gewerbsmäßiger

Händler

In den vergangenen Jahren haben

Tierbörsen immer mehr den Charakter

von gewerblichen Veranstaltungen angenommen,

obwohl die Zielgruppe der

Börsen in der Allgemeinen Verwaltungsvorschrift

zur Durchführung des

Tierschutzgesetzes (AVV) eindeutig definiert

ist: "Tierbörsen sind dadurch gekennzeichnet,

dass Tiere durch Privatpersonen

feilgeboten oder untereinander

getauscht werden."

Die Teilnahme gewerbsmäßiger Händler

auf Tierbörsen widerspricht dieser

Definition und sollte daher ausnahmslos

untersagt werden. Obendrein steht

die Zulassung gewerbsmäßiger Händler

der Zielsetzung der Tierbörsen,

ORDNUNG

und Füchse

nämlich Wildtierimporte zu verhindern,

entgegen. Denn es sind hauptsächlich

diese Händler, die Wildfänge anbieten.

Bei gewerbsmäßigen Händlern ist zudem

davon auszugehen, dass sie die

Tiere wiederholt auf verschiedenen

Börsen anbieten. Durch die ständigen

Transporte und ständige Präsentationen

entstehen für die Tiere zusätzliche

Belastungen und Leiden.

Zusammenfassend ist zu sagen, dass

die Leitlinien aus der Sicht des Tierschutzes

zahlreiche Verbesserungen für

die Tiere vorsehen. Doch trotz aller

Fortschritte bleibt es für den bmt dabei,

dass wir die Durchführung von Tierbörsen

aus Tierschutzgründen generell

ablehnen, weil die den Tieren zugemutete

Belastung dem Zweck nicht angemessen

ist.

Bundesländer verbieten

Haltung gefährlicher Tiere

Nach Bayern und Schleswig Holstein

plant nun auch Hessen ein Verbot der

Privathaltung von gefährlichen Tieren

wie Giftschlangen und Krokodile. Als

Grund für den gesetzlichen Vorstoß

wurden drastische Fehler bei der Haltung

der gefährlichen Exoten genannt.

Angaben des Umwelt- und des Innenministeriums

zufolge werden in Hessen

Während deutsche Warenhauskonzerne (Peek &

Cloppenburg West, P&C-Schwesterfirma Nord und

Kaufhaus Warenhaus AG) aus der ablehnenden Haltung

der Bevölkerung zur Pelztierhaltung Konsequenzen

ziehen, zeigte sich die Politik in den letzten

Jahren wenig entscheidungsfreudig.

Nach jahrelangem Zögern hat der Bundesrat am 3.

November 2006 der zweiten Verordnung zur Änderung

der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung zugestimmt

und den Weg für rechtsverbindliche Haltungsstandards

für Pelztiere in Deutschland freigemacht.

Die Verordnung sieht vor, dass Haltungs-

T IERBÖRSEN

z. Zt. ein Wolf, zwei Pumas und Luchse,

mehrere Vipern, Krokodile, Giftschlangen

und giftige Spinnen gehalten. Der

Handel mit den exotischen Tieren

scheint inzwischen kaum noch kontrollierbar,

so das Innenministerium. Viele

Tiere kämen über Osteuropa nach

Deutschland sowie über Internet-

Tauschbörsen.

Die "Leitlinien zur Ausrichtung von Tierbörsen

unter Tierschutzgesichtspunkten"

können unentgeltlich bezogen

werden beim:

Bundesministerium für Ernährung,

Landwirtschaft und

Verbraucherschutz,

Postfach,

Referat Tierschutz,

53107 Bonn

Texte: Mike Ruckelshaus

Der Bundesrat stimmt für Verbesserungen

einrichtungen für Pelztiere künftig über Rückzugs-,

Grabe- und Beschäftigungsmöglichkeiten verfügen

müssen. Jungtiere dürfen nur in Gruppen gehalten

werden. Darüber hinaus wird den Tieren mehr Platz

als bisher zugestanden: Füchsen 3 qm/Fläche, Nerzen

und Iltissen 1 qm/Fläche pro Tier. Allerdings sollen

zahlreiche Verbesserungen für die Tiere erst nach

langen Übergangsfristen Rechtsgültigkeit erlangen.

Danach werden z.B. die größeren Grundflächen erst

in 5 Jahren, Schwimmbecken für Nerze und Sumpfbiber

sowie Grabemöglichkeiten für Füchse erst in

10 Jahren verbindlich vorgeschrieben.

Das Recht der Tiere 4/2006

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Das Recht der Tiere 4/2006

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T IERSCHUTZPOLITIK

EINE SCHANDE FÜR EUROPA

JÄGER DÜRFEN JÄHRLICH 100 MILLIONEN ZUGVÖGEL TÖTEN

Können Sie sich vorstellen, dass

jedes Jahr 100 Millionen Zugvögel

legal von Jägern erlegt

werden? Die Europäische Vogelschutzrichtlinie

gestattet die

Bejagung von 82 der insgesamt

500 in Europa brütenden und

rastenden Vogelarten.

Platz 1 der "Vogelmordstatistik" belegt

Frankreich mit jährlich 25 Millionen geschossenen

Vögeln, gefolgt von Großbritannien

(22 Millionen) und Italien

(17 Millionen). Mit 2,3 Millionen getöteten

Vögeln konnten sich die deutschen

Grünröcke auf Rang 6 schießen.

Etwa ein Drittel der erlegten Wildvögel

sind Singvögel (37,3 Millionen). Hinzu

kommen 33,5 Millionen Hühnervögel,

18,6 Millionen Tauben, 7,6 Millionen

Enten und Gänse, 4,1 Millionen Watvögel

und 391.000 Rallen.

Zu diesem traurigen und für

die Jägerschaft beschämenden

Ergebnis gelangt eine

Studie, die die jagdbedingte

Mortalität von Zugvögeln in

Europa untersucht. Im Rahmen

der Analyse wurden die

Streckenlisten aus 27 Ländern

mit insgesamt 6,8 Millionen

Jägern ausgewertet.

Die Untersuchung belegt,

dass die Jagd für viele europäische

Vogelarten ein erheblicher

Mortalitätsfaktor

ist und für den Rückgang zahlreicher

Zugvogelarten mitverantwortlich ist.

Selbst extrem gefährdete Arten, wie Bekassine

oder Goldregenpfeifer, werden

weiterhin rücksichtslos bejagt.

Nicht erfasst wurden die Zahlen der

Vögel, die unter Schutz stehen und nur

mit Sondergenehmigungen erschossen

werden dürfen, wie z. B. in Deutschland

der Kormoran. Das gleiche trifft auf die

Wilderei und die bei der Jagd nur angeschossenen

Vögel zu. Deren Anteil

wird von Experten auf 25 % der Gesamtstrecke

geschätzt.

"SCHÄCHTURTEIL": RELIGIONSFREIHEIT CONTRA TIERSCHUTZ

Nach einer Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts

in Leipzig vom

23.11.2006 reicht das Staatsziel Tierschutz

im Grundgesetz nicht aus, um

Muslimen eine Ausnahmegenehmigung

für das betäubungslose Schlachten

(Schächten) zu versagen. Damit haben

die Richter dem Grundrecht der

Religionsfreiheit Vorrang vor dem Verfassungsgut

Tierschutz eingeräumt.

In Deutschland ist das Schächten von

Tieren grundsätzlich verboten, allerdings

sieht § 4a des Tierschutzgesetzes

Ausnahmegenehmigungen vor, wenn

zwingende religiöse Gründe ein betäubungsloses

Schlachten vorschreiben.

Das Schlachten ohne Betäubung ist für

die betroffenen Tiere mit erheblichen

Leiden verbunden. Den unbetäubten

Tieren wird bei vollem Bewusstsein der

Hals mit einem Messerschnitt durchtrennt.

Anschließend werden sie zum

Ausbluten an den Beinen aufgehängt.

Der Todeskampf kann hierbei bis zu einer

halben Stunde dauern.

Angesichts der eklatanten Missachtung

des Staatsziels Tierschutz durch das

Bundesverwaltungsgericht und um die

beiden Verfassungsgüter "Tierschutz"

und "freie Religionsausübung" in Einklang

zu bringen, fordert der bmt den

Gesetzgeber auf, die Vorschriften für

das religiös motivierte Schlachten zu

ändern. Um künftig den Belangen des

Tierschutzes Rechnung zu tragen, bleibt

die Einführung der Elektrokurzzeitbetäubung

unumgänglich.

Durch die Elektrokurzzeitbetäubung

werden die Tiere über einen kurzen

Zeitraum in einen empfindungslosen

Zustand versetzt. Diese Methode wird

bereits von zahlreichen hoch stehenden

Glaubensgelehrten für das religiös

motivierte Schlachten akzeptiert, da

diese Form der Betäubung auch vollständig

reversibel ist, d. h. nicht zum

Tod des Tieres führt. Denn die Schlachtung

von bereits toten Tieren ist nach

dem Koran strengstens untersagt.

Der bmt weist im Hinblick auf das bevorstehende

Opferfest (Kurban Bayrami/Id

Al-Adah) am 31. Dezember ausdrücklich

darauf hin, dass das

Schächten auch weiterhin, trotz des

Leipziger Urteils, nur mit einer Ausnahmegenehmigung

gestattet ist. Gleichzeitig

appellieren wir an unsere islamischen

Mitbürger, keine Tiere ohne

vorherige Betäubung zu schlachten.

Foto: dpa, Text: Mike Ruckelshaus


Japans Jagd auf Wale und Delphine

Massaker an Meeressäugern

WIE SICH DIE JAPANISCHE

REGIERUNG RECHTFERTIGT

Frau Schlachter hat bei der japanischen Botschaft

gegen das Massaker an Walen und Delphinen protestiert.

Damit Sie wissen, wie Japan das Abschlachten

der Meeressäuger rechtfertigt, drucken

wir hier das Antwortschreiben.

Sehr geehrte Frau Schlachter,

Ihren Protest gegen die Delfinjagd in Japan haben wir aufmerksam

zur Kenntnis genommen. Bei der Botschaft sind eine

Reihe ähnlicher Zuschriften eingegangen, weshalb ich die

Position meines Landes in bezug auf diese Angelegenheit

kurz darstellen möchte.

1. Zum Fang von Delfinen allgemein

In einigen Küstenregionen Japans (z.B. in Izu in der Präfektur

Shizuoka, in Taichi in der Präfektur Wakayama und in

Sanriku in der Präfektur Iwate) wird der Fang von Delfinen

betrieben, weil in dieser Region traditionell der Brauch besteht,

Delfinfleisch zu essen. Die Delfine sind eine der erneuerbaren

Meeresressourcen, und Japan betreibt den Fang

dieser Tiere im Rahmen angemessener Kontrollmaßnahmen.

Ich möchte Ihnen gern den Hintergrund für das Bestehen dieser

Tradition erläutern. In Japan kommt der Nutzung der

Ressourcen des Meeres seit alters her große Bedeutung zu.

Da das Land größtenteils aus Bergen besteht und landwirtschaftliche

Nutzflächen nur begrenzt zur Verfügung stehen,

spielte die Tierzucht traditionell eine sehr untergeordnete Rolle.

Die Japaner sind daher für die Versorgung mit lebensnotwendigem

tierischen Eiweiß in hohem Maße von Meeresprodukten

abhängig, die in den Küstengewässern reichhaltig

vorhanden sind. Dazu gehören seit langem auch Wale und

Kleinwale einschließlich Delfine. Archäologische Funde belegen

die Nutzung dieser Tiere in Japan seit mindestens

5000 Jahren. Im Gegensatz zum industriellen Walfang, wie

ihn westliche Nationen früher betrieben (Bedarf an Walöl für

industrielle Zwecke), wurden in Japan Wale und Delfine stets

als Nahrungsmittel für Menschen gejagt.

Konkret werden in Japan die Delfinarten gegenwärtig in drei

Kategorien eingeteilt: (1) Delfinarten, deren Fang streng verboten

ist, (2) Delfinarten, über deren Bestand z.B. keine ausreichenden

Informationen vorliegen, und bei denen deswegen

vor einem Fang das Amt für Fischereiwesen der

japanischen Regierung konsultiert werden muss sowie (3)

Delfinarten, deren Fang aufgrund der gesetzlichen Vorschriften

und innerhalb der festgelegten Quoten erlaubt ist.

Der Fang von Delfinen der letzten Kategorie darf allein mit

Genehmigung des zuständigen Gouverneurs der Präfektur

oder des regionalen Koordinierungsausschusses für Fischer-

I HR P ROTEST

eiwesen durchgeführt werden und es bestehen hierfür genau

festgelegte Quoten. Die Überwachung dieser Quoten erfolgt

durch Beamte der Präfektur, die beim Anlanden des Fangs

anwesend sind sowie z.B. die Lieferscheine für die örtlichen

Fischmärkte prüfen. Nähert sich die jährliche Fangmenge der

festgelegten Quote, wird der Fang per Verordnung gestoppt.

(...) Delfine, die als unbeabsichtigter Beifang in Netze geraten

oder an Küsten stranden, sollen nicht gefangen werden,

sondern sind entsprechend einer Anweisung der japanischen

Regierung ins offene Meer zurückzuführen. Konkret betreibt

die Regierung im Rahmen des Programms "Save the marine

mammal" Aufklärungsarbeit über Rettungsmethoden für Delfine

und leistet einen Zuschuss zu den durch die Rettung entstandenen

Kosten. Insgesamt werden hierfür Finanzmittel in

Höhe von zwanzig Millionen Yen (ca. 160.000 Euro) pro Jahr

aufgewendet.

Werden Kleinwale gefangen, für die keine Quoten bestehen,

so werden gegen den betreffenden Fischer Maßnahmen aufgrund

der bestehenden Verordnungen ergriffen wie z.B. ein

Fischereiverbot für einen bestimmten Zeitraum.

Weitere Strafen können verhängt werden.

2. Zur Verbesserung der Tötungsmethoden

Ich verstehe, dass die angewandten Tötungsmethoden als

grausam bezeichnet werden. Auch die japanische Regierung

ist der Auffassung, dass nicht nur bei Delfinen, sondern beim

notwendigen Töten aller Tiere ein unnötig langes Leiden vermieden

werden sollte. Deshalb bemühen sich die Fischer, die

für das Töten der Delfine erforderliche Zeitspanne so kurz wie

möglich zu halten. Zugleich hat das Amt für Fischereiwesen

Experten ins Ausland entsandt, um alternative Fang- und Tötungsmethoden

zu entwickeln und einzuführen. Über diese

effizienteren Methoden werden die Fischer nun unterrichtet.

Ich hoffe, dass meine Ausführungen den Sachverhalt ein wenig

erhellen konnten.

Mit freundlichen Grüßen

Takashi TERAOKA,

1. Botschaftssekretär, Abt. f. Kultur u. Öffentlichkeitsarbeit

Das Recht der Tiere 4/2006

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Das Recht der Tiere 4/2006

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T IERSCHUTZPOLITIK

� Die Ziele des EU-Tierschutzaktionsplanes, der ein integriertes

Gesamtkonzept für die Weiterentwicklung des

Tierschutzes in Europa darstellt, müssen verbindlich festgeschrieben

und konsequent umgesetzt werden.

� Einführung eines transparenten und leicht verständlichen

Tierschutz-Etikettierungssystems, das es dem

Verbraucher ermöglicht, tierschutzgerecht erzeugte Produkte

zu erkennen. Die aktuellste Eurobarometer-Umfrage belegt,

dass die Bürger aller Mitgliedsstaaten bereit sind, für tierschutzgerecht

erzeugte Produkte mehr Geld auszugeben.

� EU-weites Verbot der Käfighaltung von Legehennen,

Ausweitung der Kennzeichnungspflicht für Eier

auch auf Eiprodukte.

Artgerechte Haltung von Legehennen

2007: Deutsche

DIE FORDERUNGEN DES bmt AN

Deutschland übernimmt ab Januar 2007 turnusgemäß

für sechs Monate die Ratspräsidentschaft

der Europäischen Union. Die Bundesregierung

erhält damit die Chance bei der künftigen Entwicklung

des Tierschutzes in Deutschland und Europa

eine Vorreiterrolle einzunehmen.

Durch die Aufnahme des Tierschutzes als Staatsziel

in die Verfassung sieht der bmt die Bundesregierung

in der Pflicht, den Tierschutz nicht nur

auf nationaler, sondern auch auf europäischer

Ebene ein gutes Stück voranzubringen.

Denn zahlreiche gesetzliche Bestimmungen, die den Schutz und das Wohlbefinden der Tiere betreffen

und Auswirkungen auf die nationale Gesetzgebung haben, werden in Brüssel erlassen.

Der bmt fordert die Bundesregierung während ihrer Ratspräsidentschaft auf:

BEI DIESEN TIERSCHUTZTHEMEN MUSS GEHANDELT WERDEN!

� Bei der geplanten Weiterentwicklung der EU-Richtlinie

zum Schutz von Versuchstieren muss sichergestellt werden,

dass deren Anwendungsbereich künftig auch auf die

Grundlagenforschung und Lehre ausgedehnt wird. Darüber

hinaus muss die Richtlinie Versuche an Primaten verbieten.

� Rasche Umsetzung EU-weiter Importverbote für Robbenprodukte,

Hunde- und Katzenfelle sowie für Wildvögel.

� Europaweite Begrenzung der Transportzeiten

bei Schlachttiertransporten auf maximal acht Stunden.

� Bei der Umsetzung der EU-Chemikalienrichtlinie REACH

müssen Tierversuche weitestgehend vermieden

werden. Dazu ist es notwendig, dass die Industrie verpflichtet

wird, alle ihre Daten offen zu legen und gemeinsam

zu nutzen, um Doppelversuche zu vermeiden. Die Förderung

und Anerkennung tierversuchsfreier Forschungsmethoden

muss intensiviert und entbürokratisiert werden.

� Die Vorschriften des Verordnungsentwurfs zur Masthähnchenhaltung

sind bei weitem nicht für eine auch nur

annähernd artgemäße Haltung ausreichend. Umfangreiche

Nachbesserungen sind im Sinne des Tierschutzes dringend

erforderlich. Darüber hinaus müssen Haltungsstandards

für Tiere ausgearbeitet werden, für die noch keine gesetzlich

verbindlichen Bestimmungen existieren, wie Puten,

Mastkaninchen, Rinder, Schafe und Ziegen.

Eine der bmt-Protestaktionen, hier vor dem Bundesrat


EU-Ratspräsidentschaft

DIE BUNDESREGIERUNG

Tierschutz - eine "Dauerverpflichtung" der Gemeinschaft

EU-PARLAMENT FÜR TIERSCHUTZ-AKTIONSPLAN

Mit überwältigender Mehrheit hat das Europaparlament am 12. Oktober dem Aktionsplan der Gemeinschaft

für den Schutz und das Wohlbefinden von Tieren 2006-2010 zugestimmt. Die Abgeordneten

betonten die Notwendigkeit eines umfassenden Tierschutzes in Europa und mahnten wesentliche

Verbesserungen gegenüber dem ihrer Ansicht nach unverbindlichen Entwurf der EU-Kommission an.

Gleichzeitig forderten sie die Kommission

und die Mitgliedstaaten auf, im

Rahmen ihrer Zuständigkeit den Tierschutz

weiter zu entwickeln und dabei

Schutz und Wohlbefinden aller Tiere

umfassend zu berücksichtigen. Ferner

wird die Kommission aufgefordert, sich

europaweit dafür einzusetzen, dass

Ferkel ab dem siebten Lebenstag mit

Betäubung kastriert werden.

In dem von ihnen abgestimmten Text

weisen die Parlamentarier darauf hin,

dass Tierschutz mehrere Politikfelder

und eine Vielzahl ethischer, sozialer,

politischer und wirtschaftlicher Fragen

betrifft und sich nicht nur auf den

Schutz und das Wohlbefinden von Versuchstieren

oder landwirtschaftlichen

Nutztieren beschränken darf, sondern

alle Tiere erfassen muss, auch Heimtiere,

Wild-, Zoo- und Zirkustiere.

EU-Label ermöglicht informierte

Kaufentscheidung

Die Anstrengungen der EU-Kommission

zur Einführung einer transparenten

und leicht verständlichen "Tier-

schutzetikettierung", die die Einhaltung

der Tierschutznormen sicherstellen,

werden ausdrücklich unterstützt, da sie

eine "informierte Kaufentscheidung der

Verbraucher" ermöglichen.

Demnach würde ein "EU-Label", wie

z.B. "erzeugt nach EU-Tierschutzstandards"

und "nicht nach EU-Tierschutzstandards

erzeugt" bereits die Erfüllung

einer einfachen und verbindlichen Tierschutznorm

für alle in Europa vertriebenen

Produkte gewährleisten.

Produkte, die unter Tierschutznormen

hergestellt werden, welche über den

gesetzlichen Mindestanforderungen

liegen, sollen besonders gekennzeichnet

werden. Für Tierarten, deren Haltungsanforderungen

noch nicht durch

gesetzliche Bestimmungen geregelt

sind, wie Milchkühe, erwachsene Rinder,

Aquakulturtiere, Mastschweine

und Puten, fordern die Parlamentarier

die Ausarbeitung rechtsverbindlicher

Mindeststandards.

Tiertransporte: Wirksamere

Überwachung gefordert

Im Hinblick auf Schlachttiertransporte

bemängeln die Abgeordneten, dass

die europäischen Rechtsvorschriften in

der Praxis oft nicht eingehalten werden,

besonders hinsichtlich der Ruhezeiten,

der Wasserversorgung und der Fütterung.

Ministerrat und Kommission müssten

deshalb "angemessene Maßnahmen"

ergreifen, damit die Mitgliedsstaaten

die Anwendung der europäischen

Rechtsvorschriften stärker und

wirksamer überwachen.

Tagelange Transporte ohne

ausreichende Versorgung

Tierversuchsfreie Methoden

müssen gefördert werden

Darüber hinaus sieht der Aktionsplan

die Vermeidung von Tierversuchen und

die Beschleunigung der Entwicklung,

Validierung und Akzeptanz tierversuchsfreier

Methoden vor. Hierfür müssen,

nach Ansicht des Parlaments, verstärkt

Mittel, Personal und administrative

Unterstützung bereitgestellt werden,

um eine möglichst rasche Ersetzung

von Tierversuchen sicherzustellen.

Importverbot für Hundeund

Katzenfelle

Nach dem Votum des EU-Parlaments

soll es künftig Einfuhr-, Ausfuhr-, Handels-

und Verarbeitungsverbote für Produkte

geben, die "unter grausamen

Praktiken erzeugt" werden, wie Robbenprodukte

oder Hunde- und Katzenfelle

aus Asien. Ebenso müsse das derzeit

befristete Importverbot von Wildvögeln

in die EU "aus ethischen und gesundheitlichen

Gründen und aus Gründen

des Wohlergehens der Tiere" dauerhaft

festgeschrieben werden.

Texte: Mike Ruckelshaus

Das Recht der Tiere 4/2006

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Das Recht der Tiere 4/2006

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W EIHNACHTEN

Hummer sterben einen der qualvollsten

Tode, den Menschen für Tiere ersonnen

haben: Bis zu vier Minuten verbrühen

die in kochendes Wasser

geworfenen Hummer am lebendigen

Leib.

Weil die Nachfrage nach Hummer

steigt, sind die Bestände stark zurückgegangen.

Im Schnitt werden in

Deutschland täglich 4000 Hummer gegessen.

Damit die Verbraucher ihren

Hummer "frisch" auf den Teller bekommen,

werden ab 250 Gramm schwere

Hummer für den Lebendversand vorgesehen

und bis zu sechs Monate in

Kühlhäusern gelagert. Fast ein Drittel

der Hummer, die Scheren eng verschnürt,

überleben die Tortur nicht.

Auch die Bestände vieler Speisefische

wie Lachs und Aal - als Alternative

zum weihnachtlichen Gänse- oder Entenbraten

beliebt - sind weiter rückläufig.

Das gilt besonders für Aale, die als

wandernde Jungtiere (Glasaale) gefangen

und zwei Jahre in Zuchtbetrieben

gemästet werden. Für die Massen-

produktion von Fischen, die in industriemäßigen

Zuchtanlagen in Wasserkäfigen

gehalten werden, gibt es in der

Regel keine Vorschriften zur schmerzfreien

Tötung. In den Niederlanden werden

zum Beispiel Aale in wasserlose,

mit Salz gefüllte Behälter geworfen, bis

sie nach Stunden verenden (Totlaufen).

Dass über 80% des im Handel erhältlichen

Kaviars aus illegalen Fängen

stammt, sollte gerade zu den Festtagen

interessieren. In Deutschland werden

jährlich ca. 100 Tonnen Kaviar gegessen;

an Weihnachten und Silvester

steigt die Nachfrage noch einmal. Der

Tierschutz au

DAMIT ES WIRKLICH

"Wir verzichten Heiligabend

und die Feiertage immer auf

Fleisch", sagt eine Kundin in der

Gourmetabteilung des Berliner

Kaufhauses des Westens zur

Verkäuferin. Wie viele Menschen

hält die junge Frau Fisch

für eine "tierschutzgerechte " Alternative

zu Fleisch.

Doch Lachs, Karpfen, Hummer

und Kaviar gehören genauso

wenig wie Gänsestopfleber

oder Geflügel aus Intensivmast

auf die Festtafel.

“Genüsse” - mit Tierleid erzeugt

Stör steht als bedrohte Tierart unter

dem besonderen Schutz des Washingtoner

Artenüberkommens; das gilt für

seine Produkte, die Eier (Kaviar),

gleichermaßen. Der Stör darf nur unter

Beachtung festgelegter Beschränkungen

gefangen werden - und doch landet

in den Regalen der Feinkostläden

und Gourmetabteilungen der illegal

gehandelte, in der Regel aus Russland

oder Iran stammende Kaviar.

Auch Gänsestopfleberpastete gilt

einigen Menschen noch immer als "Delikatesse",

die auf keiner Weihnachtsta-


ch zu Weihnachten

EIN FEST DER LIEBE WIRD

fel fehlen darf. Doch Gänsestopfleber,

in Deutschland verboten, ist ein importiertes

Produkt aus der Folterkammer:

Damit "Gourmets" sich die Pastete "im

Mund zergehen lassen", erdulden Gänse

Höllenqualen: Mehrmals täglich

wird ihnen ein Stahlrohr in den Magen

gestoßen und ca. 2,5 kg verquollener

Maisbrei hineingepumpt. Oft platzt den

Tieren dabei der Magen oder wird die

Speiseröhre so verletzt, dass getrunkenes

Wasser durch die Wunden wieder

herausläuft. Die Gänse blähen auf und

ihre Leber wiegt zum Schluss ca. das

10-fache des Normalgewichts.

Schon Wochen vor den Feiertagen wird

Deutschland mit Geflügel-Billigangeboten

aus der Intensivhaltung überschwemmt.

Aus Polen und Ungarn

stammen fast 80% der Gänse, die im

Vergleich zu artgerecht gehaltenen Tieren

so preiswert sind, dass der Tierschutz

beim Verbraucher schnell das

Nachsehen hat. Dabei ist das Leid der

Gänse, die unter artwidrigsten Bedingungen

- drangvolle Enge, Kunstlicht,

Betonböden - in wenigen Wochen Gewicht

ansetzen müssen, gewaltig.

Mit Schäden an Sehnen, Gelenken und

Knochen quittieren Puten ihre unnatürliche

Gewichtszunahme. Wogen Puten

früher im Schnitt ca. 3-5 kg, werden

heute Zuchtlinien gehalten, die sich mit

Intensivfuttermitteln auf 35 kg mästen

lassen. Keine Pute kann mit diesem

Endgewicht noch laufen, allerdings ist

das ist den Masthallen, in denen 5000

und mehr Tiere gehalten werden, auch

nicht erwünscht. In den ersten Lebenstagen

wird Puten der Schnabel gekürzt,

den männlichen Tieren die Zehenglieder

abgeschnitten. Diese Eingriffe, ohne

Betäubung durchgeführt, erfolgen

"zum Wohl" der Tiere: Sie sollen sich in

der qualvollen Enge nicht verletzen.

Ein ähnliches Schicksal - Turbomast in

intensiver Stallhaltung - teilen Enten,

wobei den Flugenten noch zusätzlich

die Flügel gestutzt werden. Ein widersinniges

Unterfangen, leben doch die

Flugenten auf Drahtgitterrosten, die

schon nach wenigen Tagen durch die

Exkremente so glitschig gewordenen

sind, dass ein Stehen kaum noch möglich

scheint. Pekingenten dürfen zumindest

auf Einstreu leben, wenn auch ihnen

der mit Nerven und Blutgefäßen

versehene Oberschnabel schmerzhaft

gekürzt wird.

Ihr Kaufverhalten trägt dazu bei, dass

Hersteller ihre mit so viel Tierleid erzeugten

Produkte eines Tages nicht

mehr bei uns absetzen können. Solange

Verbraucher auf Billigangebote po-

Darum unsere Bitte:

W EIHNACHTEN

sitiv reagieren und tierquälerische Haltungsbedingungen

nicht mit Kaufverweigerung

sanktionieren, müssen Tiere

für uns leiden.

Text: Claudia Lotz

Fotos: Reinhardt-Tierfoto

Bedenken Sie immer, dass Ihr Kaufverhalten eine

Entscheidung für oder gegen Tiere ist.

� Für eine gesunde Ernährung ist Fleisch nicht zwingend notwendig. Reduzieren

Sie den Fleisch-Anteil in Ihrem Speiseplan und steigen Sie öfter

auf vegetarische Gerichte um. Die Vegetarische Initiative berät Sie gern,

und hält für Sie Rezeptsammlungen für ein weihnachtliches Menü ohne

Fleisch bereit. www.vegetarische-initiative.de

� Wenn Sie auf Fleisch nicht ganz verzichten mögen, dann steigen Sie bitte

konsequent auf Fleisch und tierische Erzeugnisse aus artgerechter Haltung

um. Sie erkennen Öko-Produkte an den entsprechenden Bio-Siegeln,

die u.a. gewährleisten, dass die Tiere tiergerecht gehalten wurden, natürliches

Futter ohne Leistungsförderer/Gentechnik bekommen haben.

� Kaufen Sie bitte niemals - auch nicht ausnahmsweise zu Weihnachten

oder Silvester - tierquälerisch erzeugte Produkte wie Gänse- oder Entenleber,

Hummer, Wachtel, Perlhühner und weißes Kalbfleisch.

� Wenn Sie weiter gerne Fisch essen, dann fragen Sie bitte unbedingt nach

dessen Herkunft. Wählen Sie nur Fisch aus extensiver Fischhaltung und verzichten

Sie auf Fische, die in intensiver Massentierhaltung in engen Becken

gemästet werden. Bitte vergessen Sie auch beim Thunfisch auf der Pizza

nicht, dass nach wie vor unzählige Delphine beim Thunfischfang jämmerlich

verenden.

� Kaufen Sie auch Obst und Gemüse aus ökologischem (regionalem) Anbau.

Denn nur hier können Sie sicher sein, dass auf chemische Dünge- und

Pflanzenschutzmittel verzichtet wird. Mit Ihrer Entscheidung für den Bio-Anbau

schützen Sie Kleinstlebewesen, die im konventionellen Ackerbau vernichtet

werden, und verhindern die Schädigung von Hasen, Igeln, Rehen,

Vögeln und Bienen.

Das Recht der Tiere 4/2006

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Das Recht der Tiere 4/2006

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H UNDE

Er heißt wie sein großes Vorbild: George.

Nach dem Briten George Leigh, der

1924 am Nordgrat des Mount Everest

verschollen ist. "Ein harter Kerl, der George

Leigh", sagt Bergsteiger Heinrich

Kupper. Aus Achtung vor dem berühmten

englischen Alpinisten, dessen Leichnam

erst 1999 in über 8000 Meter Höhe

gefunden wurde, hat er seinen

Hund nach ihm benannt - und George

macht seinem Namensvetter jetzt

schon alle Ehre: Mit 5,5 Jahren hat er

inzwischen mehr als 30 Gipfel bestiegen,

Gletscher überwunden, Wetterstürze

erlebt, angeseilt den Abstieg in

die Tiefe gewagt und sich, den Blick

starr auf sein Herrchen gerichtet, auf

den Hinterbeinen über engste Felspassagen

getastet.

"Alle Leute", sagt Heinrich Kupper (54),

"halten es für unfassbar, was dieser

Hund macht." Mit sieben Monaten bestieg

der schmächtige, kaum 12kg wiegende,

Hütehund seinen ersten Berg,

den Großen Hundstod in den Berchtesgadener

Alpen, ca. 2600 Meter

hoch. "Ich habe diesen Berg absichtlich

gewählt", erklärt der Extremsportler,

"wenn George den Großen Hundstod

bewältigen würde, so dachte ich damals,

könnte er jeden Berg schaffen."

Und nomen est omen: Der schwarzweiße

Vierbeiner besiegt den Großen

Hundstod mit der Nonchalance des

echten Abenteurers.

"Er hätte am Fuß des Berges", sagt der

Berliner, "noch die Wahl gehabt.

Tiere von bmt-Mitglie-

In lockerer Reihenfolge stellen wir Ihnen hier bmt-Mitglieder

vor, deren Tiere ganz außergewöhnliche Fähigkeiten

entwickelt haben. Heinrich Kupper, langjähriges

Mitglied im Landesverband Berlin, besteigt mit

seinem Hund George Berge. George wurde vor

Jahren im Ausland von Tierschützern gerettet

und an den Berliner vermittelt.

George - ein Hund der

BERGLUFT IN DER NASE - AUF VIER PFOTEN IN

Furchtsame Hunde

kehren spätestens

dort um; an ihrem Verhalten

- sie laufen zurück,

sind bestrebt, sich

vom Berg zu entfernen, schauen

nicht in die Höhe - wird ganz

deutlich, ob sie Freude am Klettern haben

oder ihnen der Mut fehlt." George

signalisiert seinen Freunden, Heinrich

und dem Elbsandsteinkletterer Hendrik

vor seiner ersten großen Tour jedoch

die nötige Bereitschaft für den Aufstieg;

der Junghund scheint den Berg zu taxieren;

er blickt an den schroffen Hängen

und zackigen Felsen entlang, als

orte er das Ziel in 2600 Metern Höhe.

Seine Nase zuckt: Er hat hochinteressante

Witterung von Tieren aufgenom-

men, die er aus den

heimischen Wäldern um Berlin

nicht kennt: Gemsen, Steinadler, Murmeltiere

- sie alle reizen den verwegenen

Hund zur Jagd, auch wenn es dabei

über scharfkantige Felsen geht, die

steil in die Tiefe abfallen. Die baumfreie

Zone, in Eis und Schnee erstarrt,

bietet dem Wild keinen Lebensraum

mehr - und erst auf dieser Höhe kann

der temperamentvolle Vierbeiner von

der Leine gelassen werden. Freiheit,

signalisiert seine Körpersprache. George

schießt los, verschwendet keinen

Blick zurück, er sondiert den Weg nach

oben, hat schneller als die passionierten

Bergsteiger Pfade gefunden, die

den sicheren Aufstieg ermöglichen.

14 Stunden dauert diese Jungferntour;

eine großartige Leistung bei einem

Berg, der üblicherweise in zwei Tagen

bestiegen wird. Zurück im Gasthaus,

Hunde dürfen nicht in den Berglagern

übernachten, fällt der junge Hund aus

dem Stand in tiefen Schlaf, so erschöpft

ist er nach der ungewohnten Anstrengung.


Extreme

EISIGE HÖHEN

George:

schneller als

passionierte Bergsteiger

Solche Ausrutscher

leistet sich der durchtrainierte,

mittlerweile 18 kg

schwere George heute schon

längst nicht mehr. Wer als Zweijähriger

in entsprechend professioneller Begleitung

auf dem 4099 Meter hohen

Mönchsgipfel im Berner Oberland

stand und von einem französischen

Team gefilmt wurde, wie er völlig cool

über einen vereisten Verbindungsgrat

abgeseilt wurde, der lässt sich auch

von Müdigkeit nicht besiegen. Noch

hat sein 54 Jahre alter Freund Heinrich

Kupper ihm 12jährige Bergerfahrung

mit diversen Gletscher-, Lawinen- und

Felskletterkursen voraus, doch George

dürfte einer der wenigen Vierbeiner Europas

sein, der inzwischen den unteren

3. Grat (Schwierigkeitsstufe) klettert.

"Das ist viel für einen Hund", sagt Naturliebhaber

Kupper, "da geht es schon

fast senkrecht (80-90% Gefälle) in die

Höhe."

Pause am Watzmann-Hauptgipfel in

den Berchtesgadener Alpen in Bayern:

Die Weite, Unendlichkeit, Erhabenheit

der gewaltigen Natur. Auch George ist

still, sitzt so unbeweglich und in stoischer

Ruhe in 2713 Meter Höhe, als

fiele es nicht unmittelbar neben ihm

schroff in die Tiefe ab. Und plötzlich

bricht ein Unwetter los; es wird

dunkel, dann setzt Regen ein, der

die Felsen in Minutenschnelle mit

einer Eisschicht (Wettersturz) überzieht.

George wird bei seinem

Herrchen Heinrich angeseilt; für

ihn könnte jeder falsche Tritt nun

den sicheren Tod bedeuten.

Schneesturm nimmt ihnen die

Sicht, macht die Verständigung

unmöglich. Die vereisten Felsen

sind jetzt mit Schnee bedeckt; auf

den ersten Blick bieten sie Halt,

doch darunter die lebensgefährliche

Glätte. Heinrich und sein langjähriger

Bergkamerad Hendrik schnallen Steigeisen

an und wagen den beschwerlichen

Abstieg.

Mönch, Jungfrau und bis zum Einstieg

der Eiger-Nordwand - der mutige und

klettergeübte Hund hat, gut gerüstet

mit Tiroler Steinölsalbe für geschmeidige

Pfoten, u.a. das berühmte Dreiergestirn

der 4000er im Berner Oberland

(Schweiz) bestiegen und sich auf

der Schönfeldspitze in den Berchtesgadener

Alpen dazu noch ein besondere

Fähigkeit zugelegt. "Wir kamen an eine

Felspassage", erklärt Kupper, "die so

schmal war, dass ich mich eng an der

Felswand entlang tasten musste.

George, er war zur Sicherheit angeseilt,

machte es mir plötzlich nach: Er

erhob sich auf die Hinterbeine, stützte

sich mit den Vorderbeinen an der senkrechten

Wand und setzte vorsichtig Pfote

neben Pfote, Bein neben Bein und

blieb dabei dicht hinter mir."

"Wir beide, George und ich", sagt

Heinrich Kupper, "suchen nicht die Gefahr.

Aber wir nehmen Herausforderungen

des Lebens an." Und für den

schwarz-weißen Hütehund zählen diese

Herausforderungen zusammen mit

seinem Freund sicherlich zu

leichteren.

G LÜCKLICH VERMITTELT

Gerettete Notfälle ...

Das Ehepaar Kupper ist langjähriges Mitglied

im Landesverband Berlin. Ihre inzwischen

verstorbene Hündin Julchen hatten

sie aus dem Franziskus-Tierheim aufgenommen

und ihr später Notfall George an

die Seite gesetzt. Doch auch Julchens Platz

blieb nicht lange leer: Heute versucht die

kleine Feja, die auf Teneriffa getötet werden

sollte und von Frau Kupper rechtzeitig gerettet

werden konnte, mit Georges raumgreifendem

Schritt mitzuhalten.

Denn seine schwerste, das Überleben,

hat er bereits hinter sich. "Meine Frau",

erzählt der Tierschützer, "entdeckte auf

Teneriffa sechs halbverhungerte Welpen."

Einer von ihnen war George.

Sie waren in eine Baugrube geworfen

worden, zu tief, zu unzugänglich für die

Mutterhündin, die ihre Kleinen in verzweifeltem

Kampf mit erbetteltem Futter

vom Rand der Grube versorgte. Die

Hunde konnten, dank der Intervention

von Ehefrau Kupper und einer spanischen

Tierschutzorganisation, mit der

Mutter gerettet und vorübergehend in

einer Pflegefamilie auf der Insel untergebracht

werden; drei Welpen starben

an einem Virus, der auch George fast

das Leben gekostet hätte.

"Der Hund hatte den Vorgang der Futteraufnahme

nicht lernen können", erklärt

der 54Jährige. Bis die Podenco-

Hündin des Hauses eines Tages dem

schwerkranken George, der mittlerweile

mehrmals am Tropf gelegen hatte

und von Tierärzten aufgegeben worden

war, eine Maus vor die Füße legte

und ihn mit Kaubewegungen zum

Fressen animierte. "Sie hat ihm

das Leben gerettet", sagt

Heinrich Kupper, "und

jetzt machen wir gemeinsam

weiter."

Text : Claudia Lotz

Fotos: Heinrich Kupper

Das Recht der Tiere 4/2006

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Das Recht der Tiere 4/2006

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LV BADEN-WÜRTTEMB.

"18 Euro zum ersten, zum zweiten

- und zum dritten", ruft Miriam

Deforth in das vollbesetzte Zelt.

Vor dem Podium, auf dem die

Moderatorin vom Hessischen

Rundfunk einen Stoffhund in die

Höhe hält, drängen sich Kinder.

Sie wollen den "ausgesetzten

Welpen" adoptieren und versprechen

Miriam Deforth, den jungen

Hund gut zu behandeln und immer

für ihn da zu sein.

Die Versteigerung der Kuscheltiere ist

für die kleinen Tierschützer unbestritten

der Höhepunkt der Tage der Offenen

Tür im Tierschutzzentrum. Auch den Eltern

macht das Bieten Spaß - immerhin

kommt der Erlös der über 30 Stofftiere

den aufgenommenen Vierbeinern im

Tierschutzzentrum zugute.

"Hier haben wir noch einen Notfall",

sagt Tierschutzlehrerin Gabriele Rudolph

besorgt. "Eine erst wenige Monate

alte Pitbull-Hündin. Sie wurde aus

schlechter Haltung beschlagnahmt."

Als Bernd Schinzel, Tierheimleiter aus

Köln-Dellbrück die Geschichte hört, die

ihn so sehr an die Realität im Ballungsraum

Köln erinnert, kann er nicht

widerstehen und bietet mit. Seine Zuneigung

gehört dieser, von der Gesellschaft

gebrandmarkten Rasse. Wie

häufig solche Hunde ihr Leben im Tierheim

beschließen, weil niemand einen

Tierschutzzentrum i

21. UND 22. OKTOBER - BEGEISTERTE BESUCHER BEI TAGEN

Petra Zipp stellt die Tierheimhunde vor

"Kampfhund" aufnehmen möchte, weiß

der Tierheimleiter aus bitterer Erfahrung.

Nach der Kuscheltier-Auktion stellt Miriam

Deforth Hunde aus dem Tierschutzzentrum

vor. Sie macht das mit

sehr viel Einfühlungsvermögen -

schließlich moderiert sie seit über 2

Jahren mit großem Erfolg die Sendung

"Herrchen gesucht" im Hessischen

Rundfunk. So war ursprünglich der

Kontakt zu Petra Zipp entstanden, die

sich über die prominente Unterstützung

am 2. Festtag besonders freute.

Die Tage der Offenen Tür an diesem

wunderbar sonnigen Herbstwochenende

hatten zwei thematische Schwerpunkte:

den Auslands- und den Kindertierschutz.

Um den Gästen eine

authentische Berichterstattung von der

schwierigen Tierschutzarbeit in Ungarn

geben zu können, waren die

Partner des bmt aus den Tierheimen

in Pecs (Adrien und

Tamas Farkas) und Kiskunhalas

(Ines Stefan) angereist. Sie

standen den Besuchern gerne

Rede und Antwort.

Gaby und Arpad Lukas, Leiter

Infostände des bmt

der bmt-eigenen Hundeauffangstation

in Ikervar, hatten typisch ungarische

Spezialitäten mitgebracht. Der Erlös

dieser kulinarischen Köstlichkeiten

kommt dem Auslandstierschutz zugute.

Das Ehepaar Farkas aus dem südungarischen

Pecs engagiert sich im Tierheim

vorbildlich für den Kinder und Jugendtierschutz.

So war der Pädagoge

Tamas Farkas besonders begeistert, als

Moderatorin Miriam Deforth

und Gabriele Rudolph

sie das neue Kinder-Infoblatt des bmt

sah. Hier geht es um die Problematik

der weit verbreiteten Kettenhundhaltung

in seiner Heimat. Dieses Blatt ergänzt

die in diesem Jahr erstmalig der

Öffentlichkeit vorgestellten Tierschutzmaterialen

für Grundschulen um ein

wichtiges Thema.


n Pfullingen

DER OFFENEN TÜR

Spezialitäten aus Ungarn

"In Deutschland", sagt die Auslandstierschutzkoordinatorin

Petra Zipp, "ist die

Kettenhundhaltung verboten, nicht jedoch

in anderen Ländern wie Ungarn."

Unser Ziel ist es, erklärt die engagierte

Tierschützerin, die Sensibilität der ungarischen

Bevölkerung für die Bedürfnisse

ihrer Haustiere zu schärfen und

sie über artgerechte Haltung und Behandlung

von Hunden zu informieren,

ohne dabei belehrend zu wirken.

Die Kinder-Tierschutzmappe enthält

zehn Themen und wird mit sehr guter

Resonanz von Schülern, Lehrern und

Eltern angenommen. "Jago, der Kettenhund",

ist das elfte Blatt. Derzeit wird

sie um die Themen Schildkröten, Ziervögel

und Fische ergänzt. In Kürze soll

die Mappe in die ungarische Sprache

übersetzt und im Land an Schulen verteilt

werden.

Illustriert wurde die Materialsammlung

von der Künstlerin Maf Räderscheidt

aus Köln. Die Originale konnten die

Besucher in Pfullingen erwerben - und

auch hier wieder zugunsten des Tier-

Stofftier glücklich ersteigert

schutzes. Ehemann Stefan Everling ist

der neue Tierschutzlehrer des bmt für

Köln und Umgebung. Der Vater einer

neunjährigen Tochter ist derartig gefragt

bei Grund- und weiterführenden

Schulen, dass er mittlerweile Termine

vergeben muss.

Wie schlecht es eine Legehenne in Batteriehaltung

hat und dass sich ein Elefant

niemals mit seiner verlorenen Freiheit

im Zirkus arrangieren kann -

davon sangen und lasen die "Pfullinos",

die Jugendgruppe des Tierschutzzentrums.

Manche Zuhörer hatten Tränen

in den Augen, als die kleinen Künstler

mit ihren hellen Stimmen das Schicksal

der Tiere besangen. Mogul, der Elefant

aus Indien, gefangen in seiner Heimat

und verloren in seinem Schmerz im Zirkus.

Die Lieder komponierte Gabriele

Rudolph

und studierte

sie mit

den Kindern

ein.

Jugendgruppe “Pfullinos” des Tierschutzzentrums

T IERSCHUTZZENTRUM

Tierschutzlehrer Stefan Everling

Die Kindermappe des bmt soll dazu

beitragen, das Bewusstsein der Schüler

für das Leid von Tieren zu schärfen und

ihnen Handlungsmöglichkeiten aufzuzeigen,

die Tieren ein besseres Leben

ermöglichen. Die Kinder von heute sind

die Tierschützer von morgen - darum

gehört der "Tierschutzunterricht" zu den

wichtigen Projekten der Zukunft. Helfen

Sie mit, dass wir die Grundlagen für eine

Gesellschaft legen, in der Menschen

mit Tieren achtungsvoller umgehen, als

wir es heute tun.

Wir brauchen Ihre Unterstützung dazu!

Tierschutzzentrum Pfullingen

Kreissparkasse Reutlingen

Konto 75 7889

BLZ 640 500 00

Text und Fotos: Claudia Lotz

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Das Recht der Tiere 4/2006

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TH ARCHE N OAH

“Kleiner Tyrann” auf vier Beinen

Sorgenkind Kalle

Als Kalle mit zwei Jahren als Fundhund in die Wau-

Mau-Insel nach Kassel kam, ahnte niemand, dass der

Mischlingsrüde mit dem kessen Blick bald schwer erkranken

würde.

Der pfiffig wirkende Hund fand schnell

Interessenten und wurde in eine Familie

vermittelt. Die neuen Besitzer wunderten

sich bald über sein Verhalten:

Manchmal stand Kalle wie selbstvergessen

herum, drehte sich im Kreis, fiel

hin, dann folgten wieder Phasen der

Normalität. Erste Untersuchungen ergaben

nichts, der zunehmend verwirrt

wirkende Hund wurde ins Tierheim zurückgebracht.

Tierheimleiter Karsten Plücker wandte

sich an seine, mit "Problemhunden" erfahrene

bmt-Kollegin Verena Krüpe.

Die Leiterin der Arche Noah in

Stuhr/Brinkum nahm den Hund auf

und beobachtete ihn genau. Könnte

ein Gehirn-Tumor zu den unkontrolliert

wirkenden Reaktionen des Hundes führen,

fragte sie sich und veranlasste ein

MRT. Die Magnetresonanztomographie

zeigte Wasseransammlungen in

einer Gehirnhälfte, die zu einem Drukkanstieg

im Kopf geführt hatten.

Kalle musste anfallsweise unter fast unerträglichen

Kopfschmerzen gelitten

haben. Doch nun gab es eine Diagnose

mit Erfolg versprechender Therapie:

Medikamente sollten Wasserbildung

und Druckanstieg im Kopf verhindern.

Der Rüde sprach schnell auf die medikamentöse

Therapie an, die zusätzlich

durch eine Minimaldosis Cortison

unterstützt wird.

Die Hoffnungen des Tierheim-Teams,

das Kalle wieder ein völlig normales

Hundeleben würde führen können, erfüllten

sich leider nicht. Der Rüde muss

ständig beaufsichtigt werden. Seine

motorischen Abläufe sind oft sehr unkoordiniert,

sein Verhalten unbere-

chenbar und selbst für Artgenossen

kaum einschätzbar.

So wahrt Kalle häufig zu wenig

Distanz zu anderen

Hunden - rempelt, stößt und provoziert

- und gerät im Gegenzug in panikartige

Zustände, wenn seine Kollegen ihn

dafür in seltenen Fällen abmahnen.

Der Rüde lebt, um ständig beobachtet

werden zu können, in der Tierheim-Futterküche

und darf sich unter Aufsicht

auf dem Gelände frei bewegen. Kalle

stößt seine gefüllten Näpfe um, hat

Phasen, in denen er sich im eigenen

Kot und Urin wälzt, Möbel umstößt und

sich in die kleinsten Ecken und unzugänglichsten

Nischen zwängt, aus denen

er dann nicht mehr herauskommt.

Kalle, inzwischen 4 Jahre alt, hat nach

Auskunft der Tierärzte keine Schmerzen

und ist sonst gesund. Er bewegt sich

Auch Leinen können für Kalle zu

einer großen Gefahr werden

gerne - sein Laufen erinnert an das Galoppieren

von Pferden - liebt Spiele und

zeigt eine unerschütterliche Lebensfreude.

Der "kleine Tyrann", wie ihn das

Tierheimteam liebevoll nennt, ist nicht

in der Lage, Situationen als bedrohlich

einzuschätzen. "Kalle lässt sich stun-

denlang nass regnen und würde sich

auch in den Schnee legen und erfrieren",

sagt Verena Krüpe, "oder sich so

mit dem Wasserschlauch beschäftigen,

dass er sich in kurzer Zeit eine lebensgefährliche

Schlinge um den Hals gezogen

hat."

Seine Flüssignahrung - das Bewegen

der Kiefer kann er nicht richtig koordinieren

- nimmt er schon alleine zu sich

und wiegt inzwischen 15 Kilo, ein gutes

Gewicht für einen Hund seiner Größe.

Sein Krankheitsbild macht eine Vermittlung

jedoch auch in Zukunft fast unmöglich.

Es gab immer wieder Familien,

die Kalle aufnehmen wollten, doch

die Verantwortung für einen derart verhaltensauffälligen

Hund mochte die

Tierheimleiterin nicht abgeben.

Sollte Kalle tatsächlich eines Tages vermittelt

werden können, dann nur zu

Menschen, die sich bewusst sind, dass

das Halten eines nicht gesunden Hundes

eine besondere Toleranz, ja fast

schon Hingabe erfordert. "Und Aufsicht

den ganzen Tag", ergänzt Verena Krüpe.

Kontakt: 0421/ 890 171

Wenn Sie eine Patenschaft für Kalle

übernehmen und sich damit an seinen

Behandlungskosten beteiligen möchten,

helfen Sie dem Tierheim sehr.

Spendenkonto:

Kreissparkasse Syke,

Stichwort “Kalle”

Kto. 113 000 29 57

BLZ 291 517 00


Tierheimmitarbeiter...

... stellen sich Ihnen vor.

Was bewegt Menschen, sich für Tiere einzusetzen? Silvia Sauerland, seit drei Jahren offiziell stellvertretende

Tierheimleiterin in Köln-Dellbrück, erklärt im Interview, warum die praktische Tierschutzarbeit

ihr Traumberuf ist. "Ich möchte niemals etwas anderes machen", sagt die 52jährige Kölnerin.

RdT: Sie wollten nach dem Abitur Tiermedizin studieren,

jetzt blicken Sie auf 16 Jahre Mitarbeit im Tierheim Köln-

Dellbrück zurück. Haben Sie Ihre Entscheidung je bereut?

Silvia Sauerland: Nein,

nie. Ich mache genau das,

was ich immer tun wollte.

RdT: Wie sieht Ihr Arbeitstag

aus?

Silvia Sauerland:

Füttern, Saubermachen,

Medikamente geben, Hunde

in Freiläufe lassen und

in die Zwinger zurückbringen,

Vermittlung, dazwischen

Telefon, Beratung,

Notfälle, neue Tieraufnahmen

und die abendliche

Fütterung. Mein Tag beginnt

um 8.00 Uhr und en-

det meist nicht vor 20-

21.00 Uhr. Von März bis

September versorge ich zusätzlich

Eichhörnchen, die aus dem Nest gefallen sind. Je

nach Alter bekommen sie alle drei Stunden, später alle vier,

die Flasche. Die Kleinen nehme ich dann mit nach Hause,

um sie auch in der Nacht füttern zu können.

RdT: Was mögen Sie an Ihrem Beruf am meisten?

Silvia Sauerland: Die praktische Arbeit an der Basis.

Dass ich Tieren, die aus den unterschiedlichsten Gründen

bei uns sind, die Zeit im Tierheim so angenehm wie möglich

mache. Ich kann ihnen in jeder Form helfen und Einfluss

darauf nehmen, wohin sie kommen, damit sie es für

den Rest ihres Lebens schön haben.

Was ich persönlich sehr schätze, ist, dass ich meine Meinung

sagen kann, Menschen positiv beeinflussen, aber

auch verbal abstrafen kann, wenn sie mit ihren Tieren achtungslos

umgehen.

Porträt von Silvia Sauerland

Im Notfall werden im Tierheim auch Wildtiere wie

zum Beispiel Igel versorgt

TH KÖLN-DELLBRÜCK

"Ich habe meinen Platz gefunden"

RdT: Können Sie inmitten der oft doch emotional sehr belastenden

Tierschutzarbeit innere Ruhe finden?

Silvia Sauerland: Ja, abends. Wenn die Besucher unser

Gelände verlassen haben,

und ich mich überzeugen

konnte, dass die

Hunde - ich bin hauptsächlich

für die Hunde zuständig

- satt in ihren Körben oder

auf Decken gekuschelt

schlafen. Eigentlich empfinde

ich an all jenen Tagen

großen Frieden, an denen

wir uns ungestört um die

Tiere kümmern können.

RdT: Fühlen Sie sich hoffnungslos

angesichts der

vielen Brennpunkte im Tierschutz?

Silvia Sauerland: Nicht

hoffnungslos, eher enttäuscht.

Der mangelnde

Respekt vieler Menschen vor allen Lebewesen, nicht nur den

Tieren, ist ja der Ausgangspunkt für die Tierschutzprobleme

überhaupt. Und das gilt in noch stärkerem Maße für die

meisten europäischen und außereuropäischen Länder, in

denen Tiere nichts wert sind und ihre Würde buchstäblich

mit Füßen getreten wird. Aber bei uns werden Sie auch täglich

mit Grausamkeiten konfrontiert; ich denke nur an Tierversuche,

das Halten von Tieren zur Belustigung oder die

unüberlegt angeschafften und so gleichgültig wieder weg

gegebenen Tiere.

RdT: Gibt es Tierschicksale, die Sie schwer vergessen können?

Silvia Sauerland: Da fällt mir sofort eine Staffhündin

aus Köln ein. Ihr wurde von zwei Männern vor Augen der

Besitzerin das Genick gebrochen, nachdem sie wieder und

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TH KÖLN

wieder am Nackenfell aus dem Fester

gehalten wurde. Die weinende Besitzerin

hat später der Polizei die Stelle gezeigt,

an der ihre Hündin verscharrt

wurde…

RdT: Haben Sie - trotz solcher Erfahrungen

- die Hoffnung, dass sich das

Verhältnis der Menschen zu ihren Tieren

zum Positiven verändert?

Silvia Sauerland: Ich bin überzeugt,

dass wir uns derzeit in einem

Prozess des Umdenkens befinden. Es

werden immer mehr Tierschutzorganisationen,

europa- und weltweit, gegründet,

die Menschen sind aufmerksamer

geworden, wenn es um Tierleid

geht. Viele versuchen im Ausland zu

helfen, die Lebensbedingungen von

Tieren vor Ort zu bessern, begleitet

vom pädagogischen Ansatz, Kinder auf

den richtigen Weg zu bringen.

Auf der anderen Seite findet in Großstädten

eine zunehmende Verwahrlosung

statt, steigende Gewaltbereitschaft

unter Alkoholeinfluss. Oft

müssen die Tiere sehr lange leiden und

sogar verhungern, weil niemand auf ihr

Elend aufmerksam wird. Es müssten

einfach mehr Tierhaltungsverbote aus-

Umsetzen in den Freilauf

gesprochen und kontrolliert werden!

Mein größter Wunsch wäre, dass Tierschutzorganisationen

mehr politischen

Einfluss nehmen können, um die Lebensbedingungen

von Tieren nachhaltig

zu verbessern.

Text und Fotos: Claudia Lotz

Können Sie sich vorstellen, dass jemand seinen Hund in einem

Schuppen einfach vergisst? Schäferhund Asko ist das passiert:

Sein Besitzer sperrte ihn dort ein - und holte ihn nicht mehr heraus.

Der bmt hat Strafanzeige gestellt und konnte erreichen,

dass der Mann nie wieder ein Tier halten darf.

Entdeckt wurde Asko nur, weil der

Bruder des Besitzers ein Werkzeug

im Schuppen suchte und dort auf

den Hund stieß. Zu dem Zeitpunkt

konnte Asko nicht mehr aufstehen,

war völlig abgemagert, durch den

Wassermangel lebensbedrohlich

ausgetrocknet und hatte eine große,

offene Wunde am Hinterlauf.

"Noch einen Tag länger", sagte Dr.

Wolfgang Ely, "und der Hund wäre

gestorben." Der Tierarzt kümmerte

sich intensiv um den von der Polizei

sichergestellten und ins Tierheim gebrachten

Schäferhund. Nach einer

mehrtägigen Behandlung mit Infusionen

erholte sich Asko soweit, dass

er eine Woche nach seiner Rettung

zumindest wieder stehen und die ersten

Schritte gehen konnte.

Mittlerweile liegt seine Ankunft im

Tierheim acht Monate zurück, und

Asko hat sich weitgehend stabilisiert.

Der ca. 6 Jahre alte Rüde wird allerdings

nie wieder voll belastbar sein.

Asko ist vertrauten Menschen

gegenüber sehr anhänglich, bei

Fremden bleibt er zurückhaltend

und misstrauisch. Seine Wunde am

Hinterlauf heilt nicht, weil er die Verbände

abreißt und die Stelle immer

wieder beleckt. Die Pfleger haben

beobachtet, dass der Schäferhund

Tierquälerei

ASKO

VERG

sich nur dann an der Wunde zu

schaffen macht, wenn er sich einsam

fühlt. Sobald er Ablenkung hat

und alleine schon die Besucher beobachtet,

lässt sein zwanghaftes

Verhalten nach.

In einer liebevollen Umgebung mit

fürsorglichen Menschen hätte Asko

natürlich besser als im Tierheim die

Möglichkeit, sich seelisch wieder zu

fangen. "Hoffentlich", sagt Hildegard

Schumacher, die den Tierheimalltag

managt, "gibt jemand diesem

feinen Kerl eine Chance. Er hat es so

sehr verdient."

Die 52jährige assistierte wie mit allen

Tierheimtieren bei Askos Behandlung

und sorgte dafür, dass

sich der von Menschen enttäuschte

Schäferhund nicht in sich zurückzog.

Gerne würde die Hundeausbilderin

mehr mit den Hunden arbeiten,

doch der lange Tierheimalltag lässt

eine intensive Beschäftigung mit einzelnen

Tieren kaum zu.

Das Team in Hage: H. Schumacher, P. Behrends, M. Kalleit, U. Sottmeier, D. Kuhn


aus Gleichgültigkeit ... und andere NotFELLE

, DER

Hildegard Schumacher, seit 2,5 Jahren

fest angestellt im Tierheim, wird von

den Tierpflegerinnen Petra Behrends

und Melanie Kalleit unterstützt. Beide

fingen als 1-Euro-Kräfte im Tierheim

an und sind aus innerer Überzeugung

dabei geblieben. Unterstützt werden

die Frauen von zwei 1-Euro-Kräften,

die überall dort anpacken, wo Not am

Mann ist. Sie führen Reparaturen und

Außenarbeiten am Tierheim durch und

halten das große Gelände in Ordnung.

Wenn einer der Mitarbeiter mit dem Rasenmäher

über die weitläufigen Flächen

fährt, kann es passieren, dass sie

dabei beobachtet werden: Von Sam,

Sammy, Farah, Falko oder Asko - um

nur fünf von vielen Schäferhunden zu

nennen, die immer wieder zu den

Hauptgästen im Tierheim gehören. Oft

sind gerade Schäferhunde und Mischlinge

dieser Rasse in einem erbärmlichen

Gesundheitszustand, wenn sie

gefunden oder abgegeben werden.

Gerade im ländlichen Bereich werden

Schäferhunde gerne als Wach- und

Hofhunde eingesetzt - und noch immer

gilt einigen Menschen ihre fürsorgliche

Betreuung als lästige Pflicht.

Die schlechte Behandlung gräbt sich

in die Seele der Hunde, und Farah ist

nicht die einzige, die wie ein Häufchen

Elend ins Tierheim kam. Zwischen

zwei und drei Jahren alt ist die

zierliche Schäfermixhündin, die lange

brauchte, um sich den Menschen wieder

nähern zu können. Ängstlich, aggressiv,

verstört - so nahmen sie in den

ersten Wochen ihre Betreuer wahr. In-

Falko

ESSENE SCHÄFERHUND

zwischen zeigt sie andere, fröhlichere

Seiten von sich: Farah spielt und läuft

gerne, ist wissbegierig und würde sich

über eine aktive Familie mit etwas größeren

Kindern (ab 12 Jahren) freuen.

Zwei Kastrationsaktionen, bei denen

Katzenbesitzer ihre Tiere zu 50% ermäßigt

im Tierheim kastrieren lassen können,

hat Dieter Kuhn ins Leben gerufen.

Die Übernahme der hälftigen Kosten

fällt dem Tierheim schwer, aber der

Geschäftsstellenleiter sieht in dieser populären

Aktion die einzige Möglichkeit,

die Besitzer für den kleinen Eingriff bei

ihrer Katze zu gewinnen.

Die Kastration führt Dr. Wolfgang Ely

durch, der von Dieter Kuhn als Tierheim-Tierarzt

gewonnen werden konnte.

Zwei Mal in der Woche kommt der

in Norden ansässige Tierarzt ins Tierheim

und behandelt kranke und ver-

Auch Farah wartet!

Sam

T IERHEIM H AGE

letzte Vierbeiner. Die Assistenz übernimmt

Hildegard Schumacher - eine

ihrer vielen Aufgaben. Sie ist die erste,

Dr. Wolfgang Ely behandelt

die morgens die Tiere begrüßt und die

letzte, die ihnen gute Nacht sagt. An

Wochenenden, Feiertagen und Ferien

guckt sie nach ihren Schützlingen, damit

es den Tieren zu keiner Zeit an etwas

fehlt.

Text: Claudia Lotz

Geschäftsstelle Norden

Tel: 04933 / 99 28 24

"Es sind wunderbare Hunde, treue Gefährten mit offenem Wesen und feinem

Charakter", bedauert Ursula Sottmeier die Tatsache, dass sich Vertreter

größerer Rassen wie Sam und Falko (s. Bilder) häufig so schwer vermitteln

lassen. Mit ihrem Ehemann Dieter Kuhn leitet sie die Geschäftsstelle in Norden

seit ca. 4 Jahren. Unter ihrer gemeinsamen Regie hat sich im Tierheim

viel getan:

Verdopplung der Quarantänestation,

Fliesung des gesamten Tier- Farah

heims, Ausbau der Katzengehege,

Optimierung der Raumnutzung,

und Ergänzung des Teams. Seit

Ende 2005 Erweiterung des Geländes

mit neuen Übungsflächen

für Hunde und ihre Halter nebst

vergrößerten Parkmöglichkeiten

für Besucher.

Das Recht der Tiere 4/2006

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Das Recht der Tiere 4/2006

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TH ELISABETHENHOF

Im September 2004 erleidet Regine Paetsch, die sich

auf den Tagen der Offenen Tür um den Flohmarkt des

Tierheims kümmert, einen Hirninfarkt. Ihr Mann findet

sie rechtzeitig und rettet ihr damit das Leben. Schon

auf dem Wege der Besserung gilt die große Sorge der

Tierfreundin ihren Katzen. Neben acht eigenen Katzen

versorgt das Ehepaar zusätzlich vier Pflegekatzen. Sie

geben die Tiere - nur vorübergehend,

so die Hoffnung - in den

Elisabethenhof.

Dana

Wie aus einem

Unglücksfall doch noch

ein Happy End wurde

Glücklich vereint

Doch der Genesungsprozess von Regine

Paetsch dauert länger als erwartet

und übereinstimmend wird beschlossen,

für die Tiere ein neues

Zuhause zu suchen. Ob sich jemand

bereit erklärt, gleich vier Katzen bei

sich aufzunehmen? Ein schwieriges

Unterfangen, wie sich zeigt.

Dana und Dicki sind die ersten, die vermittelt werden.

Angelika Graf, eine Tierfreundin mit Katzenerfahrung,

hat ihr Herz an den roten Kater und die schwarz-weiße

Kätzin Dana verloren. Sie ist

glücklich mit den Tieren, die

nach anfänglicher Scheu immer

zutraulicher werden. "Schön waren

die Tage", schreibt Angelika

Graf an das Team vom Elisabethenhof,

"an denen Dana und

Dicki mich das erste Mal begrüßt

haben, als ich von der Arbeit

kam, oder der Morgen, an

dem beide Katzen vor dem

Schlafzimmer saßen und sich

sichtlich freuten, mich zu sehen."

Regine Paetsch

Nach vier Wochen lässt sie Dana und Dicki auf die abgesicherte

Terrasse und schon wenige Tage später in

den Garten. Während die Beiden ihre neue Freiheit genießen

und sich abends im Haus ihr Futter und natürlich

ihre Schmuseeinheiten abholen, leidet besonders

Katzendame Kiwi unter dem Verlust von Dicki.

Regine Paetsch kann die Trauer der im Tierheim zurück

gebliebenen Katzen kaum ertragen. Sie bespricht sich

mit Angelika Graf und überzeugt sie schließlich, dass

die Haltung auch von vier Katzen völlig umkompliziert

sein kann.

Als die Katzenfreundin im Oktober Kiwi und Momsi zu

sich nimmt, ist die Wiedersehensfreude gewaltig. Wir

wünschen den fünf Freunden eine wunderschöne und

unbeschwerte Zeit miteinander.

Wie die vier Katzen ins Tierheim kamen

Dicki: Der rote Kater lebte viele Jahre auf der

Straße. Im Winter wärmte er sich an Schaufenstern

und wurde gelegentlich von Passanten

gefüttert.

Dana: Ihre Besitzerin starb; die Erben wollten

die Katze nicht behalten und vertrieben sie

vom Hof.

Momsi: Die gestromte Katze wurde hochträchtig

ausgesetzt und brachte ihre Welpen

im Straßengraben zur Welt. Im Tierheim spielte

sie Ersatzmama für 18 Findlingskatzen.

Kiwi: Kam als unerwünschter Nachwuchs zur

Welt und hatte kaum Chancen, Vertrauen

zum Menschen aufzubauen.

Dicki

Kiwi und Momsi


Arco

Maja

Susi

Lebte 5 Jahre in einer Kiste

Die kleine Westhighlandterrierhündin hat ein Martyrium hinter sich. Sie

ist blind, lebte fast 5 Jahre lang, missbraucht als Gebärmaschine, in einer

Kiste. Als ihre Fruchtbarkeit nachließ, sollte sie getötet werden. Tierfreunde

ersparten ihr das Schicksal. Susi kannte nichts außer ihrem Holz-

Gefängnis, und die Geschäftsstelle Issum bemühte sich sehr, sie an Leine

und Straßengeräusche zu gewöhnen. Susi (5) ist sehr anhänglich, liebebedürftig,

verträglich mit Hunden und Katzen und würde sich bei sehr netten

Menschen gerne auch

als Zweithund wohlfühlen.

Schön wäre ein Garten.

Kontakt: GsT Issum, Tel:

02835 / 44 44 697

Schäferhundmix Arco kam als

Fundhund ins Tierheim. An seinen

neuen Besitzer schloss er

sich eng an - und entsprechend

groß war die Trauer, als Arco

wieder ins Tierheim gebracht

wurde, weil der junge Mann für

längere Zeit erkrankte und den

Hund nicht mehr halten konnte.

Der Rüde ist kastriert, umgänglich

mit Hündinnen und liebt die

Bewegung. Arco ist gesund und

kann sicher noch einige Jahre

leben, wenn jemand ihm ein

schönes Zuhause bietet. Lassen

Sie Arco bitte nicht den Rest seines

Lebens im Tierheim verbringen.

Kontakt: TH Arche Noah,

Tel: 0421 / 890 171

Haben Sie ein Herz für einen lieben Hundesenioren?

Wer bietet einen Altersruhesitz?

T IERE IN N OT

Liebevolle Menschen gesucht!

Die kleine Hündin Jessica erblindete mit 2 Jahren. Sie

litt unter Kopfschmerzen und einem starken Druck

hinter den Augen, der die Augäpfel immer stärker

hervortreten ließ. Die beiden Augen wurden in zwei

Operationen entfernt - und heute fühlt sich die Hündin

wieder wohl. Sie ist sehr anhänglich, liebt Schmusestunden

über alles und geht gerne spazieren. Bei

Hunden ist sie misstrauisch und sollte besser als Einzelhund

gehalten werden. Jessica hat schon gelernt,

sich ohne Augenlicht zu bewegen und orientiert sich

recht schnell. Ein umzäunter Garten wäre ein passendes

Umfeld für sie. Wollen Sie die Kleine mal kennen

lernen?

Kontakt: TH Arche Noah, Tel: 0421 / 890 171

Jessica

Maja (9) hat es in der Vergangenheit

nicht sehr schön gehabt, … braucht Ihre Hilfe!

denn ihre Besitzerin war nicht

mehr in der Lage, sie richtig zu

versorgen.

Als Maja zu uns gebracht wurde, musste sie sofort in die Tierklinik - sie hatte

Wasser in der Lunge und ein vergrößertes Herz. Leider hat sie Probleme

mit der Hüfte und den Gelenken, so dass sie keine langen Spaziergänge

mehr machen kann. Was sie sich jedoch in all den Jahren erhalten hat, ist

ein absolut liebenswertes Wesen und einen wunderbaren Charakter. Wir suchen

für die Schäferhündin ein Zuhause, in dem sie noch einmal die schönen

Seiten des Lebens kennen lernen darf.

Kontakt: TH Wau-Mau-Insel, Tel: 0561 / 86 15 680

Das Recht der Tiere4/2006

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Das Recht der Tiere 4/2006

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T IERE IN N OT

Liebevolle Menschen gesucht!

Mona Lisas Schicksal ist ein sehr tragisches: Im August 2006 hat ein Ehemann seine Ex-Frau erstochen und

dann das Messer gegen sich selbst gerichtet. Zwei Tage später starb auch er. Zurück blieben zwei Kinder, die

Rottweiler Mona Lisa und Alf und fünf Katzen. Die Tiere wurden in die Wau-Mau-Insel gebracht.

Bedauerlicherweise ist wenig später bei der Hündin eine Lähmung der Hintergliedmaßen aufgetreten. Die

Reflexe an der Wirbelsäule sind erloschen, die Muskulatur sehr schwach. Trotzdem zeigt Mona Lisa einen

ausgeprägten Lebenswillen. Wir haben uns entschlossen, den Versuch mit einem Rollwagen zu starten. Dabei

bekommt der Hund ein Brustgeschirr umgelegt,

das die gelähmten Hinterbeine unterstützt

und die Fortbewegung dank der

funktionstüchtigen Vorderbeine ermöglicht.

Erfahrungen haben gezeigt, dass Hunde den

Rollwagen gut annehmen und die Möglichkeit

der Bewegung wieder sehr genießen. Bitte

unterstützen Sie uns mit einer Spende dabei.

Die "Hunde-Rollstühle" kosten ca. 400 Euro.

Zusätzlich soll die Rottweilerhündin u.a.

physiotherapeutische Behandlungen erhalten.

Kontakt: TH Wau-Mau-Insel,

Tel: 0561 / 86 15 680

Wir suchen für die schwarz-weiße

Helena ein artgerechtes Zuhause.

Artgerecht heißt: Haltung mit mehreren

oder zumindest noch einem

weiteren Kaninchen (in diesem Fall

einem kastrierten Bock). Schön wären

großzügige Freilaufgehege für

die aktiven und unternehmungslustigen

Tiere. Wer Helena dann noch

mit gutem Futter bestechen möchte…hat

das große Los bei ihr gezogen.

Versuchen Sie Ihr Glück mit Helena?

Kontakt: TH Wau-Mau-Insel, Tel:

0561 / 86 15 680

Helena Daphne (9) ist leider ins Tierheim zurückgekommen,

weil ihre Besitzerin ins Ausland geht und das

Tier nicht mitnehmen kann. Für ein behindertes und

braucht eine artgerechte Haltung

nicht mehr junges Tier ist der Tierheimaufenthalt

noch schwerer, als er ohnehin für alle ist. Wir suchen

für unsere Samtpfote Daphne einen ruhigen Einzelplatz

als Wohnungstier bei Katzenfreunden, die sich

mit der Fellpflege von Langhaarkatzen auskennen

und die Perserkatze verwöhnen möchten.

Kontakt: TH Wau-Mau-Insel, Tel: 0561 / 86 15 680

TRAGISCHER FALL

Mona Lisa hat ihre Familie verloren

... ist 13 Jahre und gelähmt

Mona Lisa

Daphne

Perserkatze möchte verwöhnt werden


Munzi

Billy

Flocki

Schon viel zu lange im Tierheim

...ist 11 Jahre und taub

Hier sind erfahrene Hundehalter gefragt

Die 8 Jahre alte Katze lebt schon viele Jahre im Tierheim.

Einer glücklichen Vermittlung stand meistens ihr wenig menschbezogenes

Verhalten entgegen. An ihrer Zurückhaltung scheiterte auch

ihr erster Umzug in ein neues Zuhause. Nun wartet die neugierige

Munzi, die einen recht ausgeprägten Willen haben kann, auf ihre

nächste Chance.

Kontakt: Tierheim Elisabethenhof, Tel: 06035 / 59 16

Westhighlandterrierrüde Billy

kam im September 2006 ins

Tierheim, weil sein Frauchen ins

Pflegeheim musste und die Familie

ihn nicht übernehmen

konnte. Er ist ein lieber, verträglicher

Hund, der etwas Zeit

braucht, um sich in seiner neuen

Familie einzuleben. Billy ist ca.

11 Jahre alt und ist taub. Ideal

für ihn wäre ein ruhiger Haushalt

ohne Kinder.

Kontakt: Tierheim Elisabethenhof,

Tel: 06035 / 59 16

Flocki kam mit 11 Monaten

(November ´05) in unser Tierheim.

Der Rüde ist ein recht

schwieriger Hund, der aufgrund

früherer Misshandlungen

und falscher Erziehung

T IERE IN N OT

Der mittelgroße Mixrüde Timmy kam im Juli 2006

in unser Tierheim. Er wurde als Welpe vermittelt und

wurde wegen Krankheit der Besitzerin leider ins

Tierheim zurückgebracht. Der Rüde ist ein lieber,

verträglicher Hund, der sich sehr schnell auf seinen

Menschen fixiert. Erziehungsmäßig wurde bei ihm

nicht viel gemacht, er durfte bei seinem Frauchen

fast alles und wurde verwöhnt. Timmy ist ein Hund,

der seinem Herrchen oder Frauchen einfach nur

gefallen will. Er benötigt Herzmedikamente.

Kontakt: Tierheim Elisabethenhof,

Tel: 06035 / 59 16

Timmy

gelernt hat, sich mit Zähnen zu wehren. Diese negativen Erfahrungen erschweren

bis heute eine Vermittlung. Wir suchen für ihn eine erfahrene Person,

die ihm das Vertrauen zurückgibt und zuverlässig mit ihm weiterarbeitet.

Flocki kennt das 1x1 der Hundeerziehung, läuft gut an der Leine

und wird regelmäßig trainiert. Der fast 2 Jahre alte, kastrierte Hund akzeptiert

Katzen, muss im Umgang mit Hunden jedoch noch ein wenig angeleitet

werden. Sein neuer Besitzer wird von unserer Hundeschule eingewiesen

und weiterhin betreut. Gleichzeitig suchen wir für Flocki Paten (ab

10 Euro im Monat), die sich finanziell an seinem langem Aufenthalt im

Tierheim beteiligen möchten.

Kontakt: Tierheim Elisabethenhof, Tel: 06035 / 59 16

Foto: Nicci Merz, Wetterauer Zeitung

Lieber Rüde sucht eine gleichgesinnte

Familie!

Das Recht der Tiere 4/2006

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Das Recht der Tiere 4/2006

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Angelika heute, inzwischen 8 Jahre alt

Von Tierschutzlehrerin Gabriele Rudolph

"Ist das warm", stöhnte Ruby und zog

sich in den Schatten des alten Apfelbaumes

zurück. Sie lag im Garten und

wartete auf Frauchen. "Ich fliege weit

weg, da ist es noch heißer als hier. Ich

kann dich wirklich nicht mitnehmen,

meine Süße.", sagte Frauchen vor einer

Woche. Ruby saß traurig neben den

Koffern, als sie gepackt wurden.

Nun machte sie Urlaub auf dem Bauernhof

bei Freunden. Aber Frauchen

musste bald wiederkommen. Ruby hatte

dieses Kribbeln in den Pfoten, das sie

immer spürte, wenn sie aufgeregt war.

"Hier halte ich es nicht länger aus." Ihr

langes schwarzes Fell schien die Sonne

sogar durch die Zweige des Baumes

anzuziehen.

Ruby trottete in die dämmrige Scheune,

doch hier war die Luft noch trockener

und stickiger. "Nichts wie raus hier. Ist ja

noch schlimmer als draußen." Vorsichtig

bewegte sie sich zum Scheunentor.

Ruby war blind. Eigentlich kam sie damit

gut zurecht, denn sie kannte es seit

ihrer Geburt nicht anders. Doch in die

Scheune wurden oft Maschinen gestellt,

die am Tag zuvor noch nicht da waren.

Deshalb schaute sich Ruby alles mit ihrer

Nase erst einmal genau an.

Als sie am leeren Hänger für Heu und

Stroh vorbeilief, blieb sie stehen. Hier

roch es nach Katze und nach Angst. Sie

schnupperte und stieß mit der Schnauze

an etwas Weiches. "Mama?", hauchte

ein dünnes Stimmchen neben ihrem

Ohr. "Ich will hier raus. Hilf mir." Vor Rubys

Schnauze begann es schwach zu

zappeln. Jetzt roch sie die Angst ganz

deutlich, genau vor ihr. Sie tappte so

schnell es ging aus der Scheune und

fing unter den Fenstern des Hauses

lautstark an zu bellen. Niemand kam,

keiner schien sie zu hören.

Sie bellte weiter. Im Nachbarhaus wurde

ein Fenster aufgerissen. "Ruhe, verdammter

Köter", schrie der dicke Mann

im Unterhemd und knallte das Fenster

so heftig zu, dass die Scheiben klirrten.

Ruby überlegte, was sie noch tun könnte.

Ratlos lief sie zurück in die Scheune,

stellte sich vor das hilflose Katzenbaby

und hörte nur noch ein schwaches

Wimmern. "Ich muss was tun. Aber

was?" Vorsichtig schleckte Ruby mit ihrer

warmen weichen Zunge über das

Fell des Kätzchens. "Bleib ruhig Kleine,

ich hole Hilfe".

Diesmal hatte sie mehr Glück. Die Bäuerin

lief über den Hof, um nachzusehen,

ob alles in Ordnung sei. Sie hatte

das Gebell, während sie telefonierte,

gehört. "Ruby, was ist los mit dir? Was

hast du?" Ruby rannte aufgeregt zum

Scheunentor und wieder zurück und

bellte aufgeregt weiter. Die Bäuerin ver-

Ruby war seit ihrer Geburt blind

Wie eine blinde Hündin einem

Katzenbaby das Leben rettet

Ruby & Angelika

Eine blinde Hündin rettet einem Katzenbaby das

Leben. Zwischen beiden Tieren entwickelt sich eine

bezaubernde Freundschaft. Die wahre Geschichte

hat Gabriele Rudolph aufgezeichnet und

lässt Hündin Ruby und Katze Angelika selbst erzählen.

Die Tierschutzlehrerin aus Pfullingen arbeitet

an einem Tierschutz-Buch für Kinder, in dem

es Tiere und ihre Schicksale geht. Wir stellen Ihnen

hier eine der Geschichten vor…

stand sie und folgte ihr. Als sie sah, wohin

die Hündin sie führte, war sie gerührt

und streichelte ihr den Kopf. "Das

hast gut gemacht, mein Mädchen,

wirklich gut."

Vorsichtig hob sie den kleinen fast leblosen

Katzenkörper an. Die Schnur des

Schutzgitters hatte sich fest um das linke

Hinterbein des Kätzchens gezogen.

Nachdem sie die Schnur durchschnitten

hatte, betrachtete die Bäuerin das

kleine Fellknäuel genauer. Es atmete

noch und zitterte vor Aufregung. Sie

trug es in die große Wohnküche. Ruby

vibrierte vor Aufmerksamkeit. Sie liebte

Katzen nämlich über alles und war

schon einmal als Pflegemama eingesprungen.

Ob sie das diesmal auch

durfte?

Doch plötzlich waren ihr alle Katzen

dieser Welt völlig egal. Vor dem Haus

hielt ein Auto. Ruby stimmte ein Freudengeheul

an und lief so schnell sie

konnte. "Frauchen kommt, Frauchen

kommt", das war alles, was sie denken

konnte.

Sie zerschmolz unter den streichelnden

Händen und saugte die vertraute Stimme

auf wie ein Schwamm. Die Freudensprünge

und das Schwanzwedeln

wollten nicht enden.


Teddy

"Frauchen, ich muss dir was zeigen."

Ruby zog ihre Freundin sanft am Arm

zum Tisch, auf dem in einem Korb mit

weichen Tüchern das Kätzchen lag. Als

Frauchen erfuhr, was geschehen war,

lobte sie Ruby sehr. "Du hast dem Kätzchen

das Leben gerettet. Das hast du

wirklich toll gemacht!" Ruby spürte aus

dem Klang der Stimme, dass Frauchen

sehr stolz auf sie war.

Beide fuhren mit dem kleinen Findelkind

nach Hause. Natürlich durfte Ruby

auch diesmal wieder Pflegemama

sein. Sie leckte Angelika, so hatte Frauchen

die Katze getauft, das Fell, stupste

sie zärtlich an und hatte nichts dagegen,

wenn Angelika sich zum Schlafen

in Rubys buschigen Schwanz kuschelte.

Die Seele der kleinen Katze heilte, doch

ihr Beinchen das in den Stricken so eingeschnürt

war, nicht. Der Tierarzt entschied:

"Das Bein muss ab." Schweren

Herzens fuhr Frauchen das Kätzchen

zur Operation. Es folgten Stunden bangen

Wartens, doch alles ging gut. Und

Angelika schien das Fehlen ihres Beinchens

überhaupt nicht zu kümmern. Sie

turnte schon kurze Zeit später in der

Einkaufskiste umher, die Frauchen ihr

als Krankenstation mit weichen Tüchern

ausgelegt hatte.

Ruby hatte die kleine Freundin sehr vermisst.

Nun stand sie vor ihr und sog die

fremden Gerüche in ihre große Hundenase.

Angelika saß dreibeinig in ihrer

Einkaufskiste. Ruby legte den Kopf

schief.

"Was haben sie mit Dir gemacht?"

"Ich habe nur noch drei Beine!"

"Kannst du da überhaupt laufen?"

"Wenn ich aus dieser Einkaufskiste

rauskomme, kann ich es dir zeigen."

Angelika versuchte über den Rand zu

klettern. Aber das klappte nicht. Außerdem

verspürte sie dabei Schmerzen.

"Frauchen!" Sie schrie, so laut sie kann.

"Ich will hier raus!"

Frauchen kam angerannt. "Du armes

Mäuschen! Du hast Schmerzen, nicht

wahr?"

Sie nahm die Katze auf den Arm. Das

Katzenkind zappelte so wild, dass es

um ein Haar heruntergefallen wäre.

Frauchen setzte es auf den Boden. Und

blitzschnell flitzte der kleine Racker unter

den Küchentisch. Ruby staunte nicht

schlecht.

"Du hast echt Speed drauf, Dreibein.

Wollen wir spielen?"

Angelika biss den Hund in die Zehen.

"Nenn mich nie wieder Dreibein, aber

spielen ist okay." Und die Katze tobte

über den Teppich, dass Ruby ihr kaum

folgen konnte. "Haha, du fängst mich

nicht!" Übermütig sprang sie vor der

großen Hundenase hin und her.

"He du, ich sehe dich nicht. Ich kann

dich aber riechen."

"Na so klein bin ich doch nicht mehr",

Angelika machte sich ganz groß.

"Ich hab keine so guten Augen. Ich sehe

nur ein klitzekleines Bisschen. Dafür

T IERGESCHICHTEN

Teddy auf dem Weg der Besserung

Im RdT3/06 haben wir Ihnen von Teddy aus der Geschäftsstelle Vollenborn (Thüringen)

berichtet. Die Mischlingshündin war nach einer telefonischen Ankündigung vergiftet

worden. Nun geht es ihr endlich wieder besser. "Diese Zeit", erinnert sich Geschäftsstellenleiterin

Hannelore Thied, "war sehr schlimm für uns. Täglich haben wir

damit gerechnet, dass Teddy an den Folgen der schweren Vergiftung verenden würde."

Durch das Gift wurde das zentrale Nervensystem in Mitleidenschaft gezogen - als

Folge hält die Hündin ihren Kopf nun etwas schief und scheint oft ein wenig durcheinander.

Das Schicksal hat viele von unseren Mitgliedern gerührt. "Die Bereitschaft,

uns bei den aufwändigen Behandlungskosten zu unterstützen, war sehr groß", freut

sich Hannelore Thied. Vielen Dank für die Hilfe, die übrigens aus dem gesamten

Bundesgebiet kam, und auch für Ihre Spenden zum Ausbau der Vogelvoliere.

Angelika, damals erst wenige Wochen alt

kann ich prima riechen. Ich sehe mit

der Nase, sagt Frauchen immer."

Angelika war es nie aufgefallen, dass

Rubys Augen fast gänzlich von einer

Haut überzogen waren. Nur ganz oben

war ein Stück frei. Rubys Augen waren

seit ihrer Geburt so. Sie kannte es nicht

anders. Außerdem konnte sie sich auf

Frauchen verlassen. Rief Frauchen

"Achtsam", wusste Ruby, dass sie sich

vorsehen musste.

"Da hat sich Frauchen ja tolle Tiere ausgesucht",

kicherte Angelika. "Eine Katze

mit drei Beinen und einen Hund ohne

Augen. Aber sie hat uns lieb, glaubst du

das auch?"

Ruby nickte eifrig. "Ja, sie ist das beste

Frauchen, das man sich wünschen

kann."

Die Hündin hatte sich hingelegt und

leckte ihre Pfoten. Angelika hoppelte

neben sie und kuschelte sich eng an

das dichte Fell. Dann fing sie an zu

schnurren." Oje, jetzt geht der Motor

an", dachte Ruby und schniefte. Doch

sie leckte zärtlich mit ihrer warmen weichen

Zunge der kleinen Katze über den

Kopf.

Das Recht der Tiere 4/2006

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Das Recht der Tiere 4/2006

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HAUPTGESCHÄFTSSTELLE

Viktor-Scheffel-Straße 15, 80803 München

Tel. (089) 38 39 52-0, Fax (089) 38 39 52-23

Postbank München Kto. 1819 30-807 (BLZ 700 100 80)

VORSTAND

B UND GEGEN M ISSBRAUCH DER T IERE

MIT 11 GESCHÄFTSSTELLEN , 7 TIERHEIMEN UND EINEM TIERSCHUTZZENTRUM

1. Bundesvorsitzender:

Dr. Jörg Styrie

Alt-Heiligensee 42, 13503 Berlin

Tel. (030) 43 65 58 63, Fax (030) 43 65 58 65

2. Bundesvorsitzende:

Petra Zipp, Tierschutzzentrum Pfullingen

Gönninger Straße 201, 72793 Pfullingen

Tel. (07121) 820 17 -12, Fax (07121) 820 17 -18

Bundesschatzmeister:

Hans Hoffsümmer, Gierather Str. 51

51469 Bergisch Gladbach

Tel. (02202) 59517, Fax (01805) 62 45 62-11415

Bundesschriftführerin:

Karin Stumpf, Am Heiligenhäuschen 2, 50859 Köln,

Tel. (0221) 950 51 55, Fax (0221) 950 51 57

LV Baden-Württemberg (www.tierschutz-bmt-bw.de)

Tierschutzzentrum Pfullingen

Leiter: Dr. Uwe Wagner

Leiterin (TH): Petra Zipp

Gönninger Straße 201, 72793 Pfullingen

Tel. (07121) 820 17 -0, Fax (07121) 820 17 -18

Kreissparkasse Reutlingen Kto. 75 7889 (BLZ 640 500 00)

Hundeauffangstation Ikervar/Ungarn

Petöfi u. 23, H-9756 Ikervar

LV Bayern (www.bmt-bayern.de)

Leiterin: Ewa Gara

Viktor-Scheffel-Straße 15, 80803 München

Tel. (089) 38 39 52-13, Fax (089) 38 39 52-23

Postbank München Kto. 142 20-802 (BLZ 700 100 80)

LV Berlin (www.tierschutz-bmt-berlin.de)

Leiter: Dr. Jörg Styrie

Alt-Heiligensee 42, 13503 Berlin

Tel. (030) 43 65 58 63, Fax (030) 43 65 58 65

Postbank Berlin Kto. 9603-107 (BLZ 100 100 10)

LV Hamburg / Schl.-Holstein (www.franziskustierheim.de)

Geschäftsstelle: Tel. (040) 55 49 28-34, Fax -32

„Franziskus-Tierheim“, Tel. (040) 55 49 28 37

Leiter (TH): Frank Weber

Lokstedter Grenzstraße 7, 22527 Hamburg

Haspa Kto. 1049220799 (BLZ 200 505 50)

LV Hessen / Rheinland-Pfalz / Saarland

1. Geschäftsstelle u. Tierheim „Elisabethenhof“

(www.tierheim-elisabethenhof.de)

Komm. Leiter (Gst.): Mike Ruckelshaus, Tel. (06035) 96 11 11

“Elisabethenhof”, Siedlerstraße 2, 61203 Reichelsheim

Tel. (06035) 59 16, Fax (06035) 96 11 18

Frankfurter Sparkasse Kto. 5975 (BLZ 500 502 01)

2. Tierheim „Wau-Mau-Insel“ (www.wau-mau-insel.de)

Leiterin (Gst.): Petra Hollstein

Leiter (TH): Karsten Plücker

Schenkebier Stanne 20, 34128 Kassel

Tel. (0561) 86 15 680, Fax (0561) 86 15 681

Kasseler Sparkasse Kto. 70 700 (BLZ 520 503 53)

AUSLANDSTIERSCHUTZ

Koordination im Tierschutzzentrum Pfullingen

Sonderkonto Ausland:

Rumänien und Ungarn

Frankfurter Sparkasse Kto. 847 275 (BLZ 500 502 01)

LV Niedersachsen

1. Geschäftsstelle u. Tierheim „Arche Noah“

(www.tierheim-arche-noah.de)

Leiterin (Gst): Gaby Redeker; Tel. (0421) 834 223

Leiterin (TH): Verena Krüpe,

Rodendamm 10, 28816 Stuhr/Brinkum

Tel. (0421) 890171, Fax 80 90 553

Kreissparkasse Syke Kto. 113 000 29 57 (BLZ 291 517 00)

2. Geschäftsstelle Vollenborn (Thüringen)

Leiterin: Hannelore Thied, Hauptstraße 7a, 37355 Vollenborn

Tel. (036076) 40 555, Fax (036076) 40 556

„Katzenhaus Luttertal“, (www.katzenhaus-luttertal.de)

Luttertal 79, 37075 Göttingen

Leiterin: Monika Bossmann, Tel. (0551) 2 28 32

Postbank Hannover Kto. 732 223 06 (BLZ 250 100 30)

3. Geschäftsstelle Norden

Leiter: Dieter Kuhn und Ursula Sottmeier

Nordbuscherweg 17, 26553 Dornum

Tel. (04933) 99 28 24, Fax (04933) 99 28 26

Tierheim Hage (www.tierheim-hage.de)

Hagermarscher Str. 11, 26524 Hage

Tel. (04938) 4 25, Fax (04938) 91 49 90

Raiffeisen-Volksbank Fresena e.G. Norden

Kto. 6302020300 (BLZ 283 615 92)

LV NRW

1. Geschäftsstelle u. Tierheim Dellbrück

(www.tierheim-koeln-dellbrueck.de)

Leiterin (Gst): Sylvia Bringmann , Leiter (TH): Bernd Schinzel

Iddelsfelder Hardt, 51069 Köln

Tel. (0221) 68 49 26, Fax (0221) 68 18 48

Postbank Köln Kto. 924 02-505 (BLZ 370 100 50)

2. Geschäftsstelle Issum (www.bmt-nrw.de)

Leiterin: Dagmar Weist

Drosselweg 15, 47661 Issum

Tel. (02835) 44 44 697, Fax (02835) 44 44 699

Sparkasse am Niederrhein

Kto. 111 500 2063 (BLZ 354 500 00)

WEITERE ANSCHRIFTEN VON MITARBEITERN:

Mike Ruckelshaus

(mike.ruckelshaus@web.de)

Wissenschaftlicher Mitarbeiter

Tel. (06035) 96 11 11, Fax (06035) 96 11 18

Claudia Lotz (Redakteurin)

(lotzcl@nexgo.de)

Hugo-Vogel-Str. 5b, 14109 Berlin,

Tel. (030) 80 58 33 38, Fax (030) 80 58 33 39

Stephan Everling (Tierschutzlehrer)

Benfleetstr. 27, 50858 Köln

Tel. und Fax (02234) 73 73 7

www.bmt-tierschutz.de


Mela und Ronny -

Zwei Freunde in der Not

Als Mela (ca. 10) und Ronny (ca. 8) gefunden wurden, waren sie in

einem sehr schlechten Gesundheitszustand. Wenn Sie sehen, wie

sich die beiden innerhalb von drei Wochen im Katzenhaus erholt

haben, können Sie sich vorstellen, was das Team an liebevoller und

sachkundiger Pflege leistet.

Mela - vorher und nachher

KATZENELTERN

GESUCHT !

Um den Katzen nicht noch einmal

Trennungsschmerz und Stress zufügen

zu müssen, sollen sie nur gemeinsam

vermittelt werden. Kontakt:

Katzenhaus Luttertal,

Tel: 0551/ 2 28 32

Ronny - vorher und nachher

ANONYME

SPENDE!

Z U GUTER L ETZT

UNFASSBAR !

30 Tagessätze für

beispiellose Tierquälerei!

Erinnern Sie sich an Schäferhund Meiko, der

von seinem 86jährigen Besitzer mit einem

Hammer fast zu Tode geprügelt wurde? Wir

berichteten im RdT 3/06 darüber.

Die Hammerschläge auf den Kopf des Schäferhundes

hinterließen eine Schädelfraktur -

Zeichen einer massiven Gewaltanwendung,

die der Rentner, angezeigt wegen des Verstoßes

gegen das Tierschutzgesetz, später auch

zugab. Ja, er habe seinen 6 Jahre alten Schäferhund

mit dem Hammer geprügelt, die

Gründe ließ er offen.

Mit 30 Tagessätzen Strafe kommt dieser Mann

aus Großenenglis (bei Kassel) davon, der seinen

Hund vor den Augen seiner tatenlos zusehenden

Familie fast getötet hat. Dass der

Schutz der Tiere im Grundgesetz festgeschrieben

ist, lässt diese "Rechtssprechung" nicht erkennen.

Wie ist eine derartige Ignoranz möglich,

nachdem der Respekt vor allen Lebewesen

und ihr Schutz rechtlich verankert wurden?

Kommen solche Botschaften bei den

Vollzugsorganen nicht an?

Meiko ist übrigens vermittelt und lebt in der

Nähe von Kassel. Gäbe es Menschen wie seine

neuen Besitzer nicht, die mit sehr viel Einfühlungsvermögen

den Vertrauensaufbau angehen

müssen, wären Hunde wie Meiko

verloren. Unsere große Bitte in diesem Zusammenhang:

Melden Sie jede Tierquälerei,

jede Vernachlässigung eines Tieres dem zuständen

Veterinäramt. Sie können Tieren mit

Ihrer Aufmerksamkeit das Leben retten!

Auch das gibt es: 10.000 Euro für den Tierschutz

Im November wurde dem bmt-Schatzmeister per Post eine Spende über 10.000

Euro an seinem Wohnort in Bergisch Gladbach zugestellt. Anbei ein anonymes

Schreiben, in dem gebeten wurde, das Geld für den Tierschutz im bmt einzusetzen.

Wir bedanken uns sehr herzlich für diese überaus großzügige Unterstützung.

Das Recht der Tiere 4/2006

35


„Das Recht der Tiere“ – Postvertriebsstück B 13769 – Entgelt bezahlt

Bund gegen Missbrauch der Tiere e.V.

Als gemeinnützig und besonders förderungswürdig anerkannt

Beiträge und Spenden sind steuerlich absetzbar

Hauptgeschäftsstelle: D-80803 München , Viktor-Scheffel-Str.15

Tel. (089) 3839520 Fax (089) 38395223

SPONSOREN GESUCHT: INFOMAPPE FÜR SCHÜLER MUSS NACHGEDRUCKT WERDEN!

B EITRITTSERKLÄRUNG

Unsere Infomappe für Grundschüler mit

bislang zehn Tierschutzthemen war so

ein Erfolg, dass sie schon vergriffen ist!

Wir müssen die Mappe nun schnellstmöglich

drucken lassen, um den vielen

Anfragen aus den Schulen nachzukommen.

Weiter planen wir, die Textsammlung

um die Themen Kettenhundhaltung

(s. Abbildung), Schildkröten,

Ziervögel und Wildtiere zu ergänzen.

Im Schnitt kostet eine Mappe mit Druck

und Versand ca. 5 Euro. Bitte unterstützen

Sie uns dabei durch projektbezogene

Spenden.

Wir danken Ihnen für Ihre Hilfe!

Spendenkonto

Postbank München

Stichwort: “Druckkosten Infomaterial

Kindertierschutz”

Kto. 1819 30-807

BLZ 700 100 80

Ich unterstütze den Bund gegen Missbrauch der Tiere e.V. und

werde Mitglied zum selbstbestimmten Jahresbeitrag von EUR ......................................................................

(Mindest-Jahresbeitrag: 20 EURO. Mitgliedschaft kann jederzeit satzungsgemäß beendet werden.)

Nach Überweisung des Beitrages erhalten Sie Ihre Mitgliedsunterlagen.

spende hiermit EUR....................................................................................................................................................................

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ÜBERREICHT VON:

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Telefon (02 21) 68 49 26

Telefax (02 21) 68 18 48

Bitte Coupon ausschneiden und frankiert an die Hauptgeschäftsstelle oder untenstehende Geschäftsstelle senden.

Tierheim Köln-Dellbrück

Öffnungszeiten: Mo.; Mi.; Do.; Fr. 15.00 - 17.00 Uhr.

Sa. 14.00 - 17.00 Uhr.

Di.; So. und an Feiertagen geschlossen

Homepage: www.tierheim-koeln-dellbrueck.de • E-Mail: tierheim-dellbrueck@gmx.de

Stadtsparkasse Köln

Kto.-Nr. 11 402 161 (BLZ 370 501 98)

Postbank Köln

Kto.-Nr. 924 02-505 (BLZ 370 100 50)

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