RDT 1/2005 - Bund gegen Missbrauch der Tiere ev

bmt.tierschutz.de

RDT 1/2005 - Bund gegen Missbrauch der Tiere ev

Nr. Nr.

1 März 2005

DAS RECHT DER TIERE

BRIEFTAUBEN

Vom Hobby

zur Tierquälerei

KASTRATION

ALTE DISKUSSION -

NEUE ERKENNTNISSE

ENGAGEMENT

JUGEND AKTIV

IM TIERSCHUTZ

NOTFALL

UNGARN: TIERHEIM

UNTER WASSER

PATENSCHAFTEN

GEWINNEN SIE

EINEN FREUND

BUND GEGEN MISSBRAUCH DER TIERE E.V.


Das Recht der Tiere 1/2005

2

I NHALT

I NHALT

Inhaltsverzeichnis / Impressum 2

EDITORIAL 3

TITELTHEMA 4

Tierquälerei: Sport mit Brieftauben

TIERSCHUTZPOLITIK 10

Die Wahrheit über Dioxin in Eiern

JETZT BEWERBEN: TIERSCHUTZ-PREIS 2005 12

bmt fördert frühes Engagement von Schülern

JUGENDTIERSCHUTZ 13

15jährige baut artgerechtes Kaninchengehege

KASTRATION 14

Alte Diskussion mit neuen Erkenntnissen

PATENSCHAFTEN 16

Gewinnen Sie einen Freund- werden Sie Pate

AB 2005 WIEDER TIERSCHUTZUNTERRICHT 18

Mit Midas in der Schule

TIERSCHUTZ IM AUSLAND 20

Wie geht es weiter in Rumänien?

TIERE IN NOT, UNGARN: Tierheim unter Wasser! 22

AUSLANDSPATENSCHAFTEN 24

GESCHÄFTSSTELLEN

TH Hage Kastrationsprojekt angelaufen 25

Franziskus-Tierheim Frank Weber stellt sich vor 26

TH Köln-Dellbrück Physiotherapie im Tierheim 28

TH Elisabethenhof Astra und Bentley 30

LV Ba-Wü Ehrung: 50 Jahre Mitglied im bmt 31

LV Berlin Umsiedelung von Dingo “Tina” 32

TH “Arche Noah” Estellas Geschichte 33

ANSCHRIFTEN / Internetadressen der Geschäftsstellen 34

ZU GUTER LETZT Lassen Sie Ihr Haustier registrieren 35

Beitrittserklärung 36

Impressum

DAS RECHT DER TIERE Nr. 1/2005

Mitgliederzeitschrift des „Bund gegen Missbrauch der Tiere e. V.“

Redaktion:

Claudia Lotz, Dr. Jörg Styrie, Hans Schroer

Gestaltung: Stefan Lotz, Andrea Sturm

Artgerchte Offenstallhaltung

Brieftauben

Vom Hobby zur Tierquälerei

Engagement

Jugend im Tierschutz aktiv

Patenschaften

So helfen Sie Tieren

Tierphysiotherapie

TH Köln-Dellbrück geht neue Wege

Anzeigen: Willy Passmann, 44879 Bochum, Tel.: 0234-49 42 84

Druck: Brendow PrintMedien, Moers; Titelbild: “Reinhard Tierfoto”

Übernahme von Artikeln, auch auszugsweise, nur mit Quellenangabe

gestattet. Gedruckt auf chlorfrei gebleichtem Papier.

Auflage: 34.500 Exemplare


AUF EIN WORT…

Liebe Mitglieder, liebe Tierfreunde!

DER KAMPF FÜR DIE LEGEHENNEN

GEHT WEITER!

Verbraucher dürfen sich nicht durch falsche Informationen

der Käfighalter-Lobby verunsichern lassen. Wissenschaftliche

Untersuchungen belegen: Die Dioxinbelastung

von Eiern aus Freilandhaltung unterscheidet sich in der

Regel nicht von denen aus der Käfighaltung. Boulevardblätter, die in ihren Schlagzeilen das

Gegenteil verbreiten, sind unseriös und sollten den Leserschwund zu spüren bekommen. Wir

bleiben unserem Motto treu: "Kein Ei aus Tierquälerei - kein Ei mit der 3".

Gerade jetzt in der Vor-Osterzeit entscheiden Sie bei Ihrem Eierkauf über das Schicksal der

Legehennen. Bitte denken Sie daran: Gefärbte Eier sind meist aus Käfighaltung! Und nun noch

meine Bitte: Motivieren Sie Freunde und Bekannte, nur Eier aus artgerechter Haltung zu kaufen.

Die wichtigsten Argumente erläutern wir Ihnen in diesem Heft.

Mit unserem Artikel zum Brieftaubensport greifen wir ein Thema auf, dessen Tierschutzbrisanz

bisher nur wenigen Tierfreunden bekannt ist. Mit fragwürdigen Methoden werden die Vögel zu

Höchstleistungen animiert. So manches Tier bezahlt die Trophäenjagd seines Besitzers mit dem

Tod. Doch es gibt auch die positive Seite: Tierfreunde, die sich besonders den Tauben

verpflichtet fühlen, verletzte Tiere bei sich aufnehmen, sie liebevoll gesund pflegen und ihnen

dann die Freiheit schenken.

Sie sehen: Unsere Tierschutzarbeit ist vielfältig. Mit Sachwissen, Mitgefühl, Ausdauer und

Energie geben wir täglich unser Bestes, um das unermessliche Tierleid zu verringern. Dies

gelingt uns nur gemeinsam mit Ihnen als Mitglied, Spender und Helfer.

Lassen Sie unsere Gegner spüren, dass wir eine gesellschaftliche Kraft sind, die sich mutig und

entschlossen für die Tiere einsetzt. Ich danke Ihnen für Ihre bisherige Unterstützung und zähle

auch weiterhin auf Sie!

In tierschützerischer Verbundenheit

Ihre

Jutta Breitwieser

Bundesvorsitzende

E DITORIAL

Das Recht der Tiere 1/2005

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Das Recht der Tiere 1/2005

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T ITELTHEMA

Der Sport

mit

Brieftauben

Man sieht sie oft in den Städten - beringte

Tauben, die gemeinschaftlich

mit anderen "normalen" Stadttauben

nach jedem fressbaren Krümel

picken. Warum fliegen sie nicht in

den Heimatschlag, sondern schließen

sich dem erbärmlichen Leben

der Stadttauben an? Geht man dieser

Frage nach, stößt man auf Unglaubliches.

Der von der Öffentlichkeit

kaum wahrgenommene Brieftaubensport

hat sich auf Kosten der

Tiere zum Hochleistungssport entwickelt.

Einzigartiges

Orientierungsvermögen

Die Fähigkeit der Brieftauben, sich ohne

Kompass und Landkarte über Hunderte

von Kilometern zu orientieren, um

VOM HOBBY ZUR

den heimatlichen Schlag anzufliegen,

hat den Menschen schon immer fasziniert.

Trotz intensiver wissenschaftlicher

Forschung konnte das Geheimnis des

Orientierungsvermögens jedoch bis

heute nicht endgültig gelüftet werden.

Wissenschaftler sind sich einig, dass

dem ein komplizierter Prozess zugrunde

liegen muss, an dem beispielsweise

der Sonnenstand, das polarisierte Licht,

die Erdmagnetfelder, die Gerüche und

der Schall beteiligt sein können.

Wettflüge mit langen

Distanzen

Das Wettflugprogramm besteht bei äl-

Der Ring: Erkennungszeichen von Brieftauben

teren Brieftauben in der Regel aus 12-

14 Wettflügen über Entfernungen von

200 bis 700 Kilometern.

Nach dem bisher gültigen Reglement

muss darin mindestens ein Nationalflug

mit einer Entfernung von mindestens

700 Kilometern enthalten sein. Die

Flüge werden in der Zeit von Mai bis Juli

durchgeführt. Jungtiere, das heißt,

Tauben, die nicht älter als ein Jahr sind,

müssen zwischen August und September

6 Wettflüge über Entfernungen von

100 bis 250 km absolvieren.

Die Tiere werden während dieser Zeit

üblicherweise jede Woche an den Start

geschickt. Vor Beginn eines Wettkamp-


BRIEFTAUBEN:

AUCH EIN THEMA FÜR UNS

TIERQUÄLEREI ...

fes muss der Taubenzüchter ermitteln,

wie weit seine Schlaganlage von dem

vorgesehen Startplatz entfernt liegt.

Allen Tauben, die an dem Wettflug teilnehmen,

wird ein abnehmbarer

Gummiring mit einer fortlaufenden

Nummer am Fuß angelegt. Ein Lastkraftwagen,

der als "Kabinenexpress"

bezeichnet wird und mit bis zu 500

Tauben in ihren Einzelkäfigen besetzt

sein kann, befördert die Tauben an den

Startpunkt.

Dort werden die Tiere offiziell noch einmal

gefüttert und getränkt - ob dies geschieht,

ist allerdings nicht nachprüfbar.

Anschließend werden die Tauben

"aufgelassen".

Die genaue Uhrzeit des Abflugs wird

den Züchtern, die Zuhause warten, mitgeteilt.

Den Zeitpunkt der Rückkehr halten

sie dann mit Hilfe einer speziellen

"Konstatieruhr" fest. Dazu wird dem Tier

sofort nach seiner Ankunft der Fußring

abgenommen und in eine dafür vorgesehene

Öffnung der Uhr geworfen. Der

genaue Zeitpunkt wird auf einem Kontrollstreifen

festgehalten.

Preisgelder

für schnellste Tauben

Nach dem Wettflug werden die Flugzeiten

der Tauben unter Berücksichtigung

der verschiedenen Entfernungen

B RIEFTAUBENSPORT

verglichen. Die Geschwindigkeit eines

jeden Tieres wird berechnet, und nur

die schnellsten Tauben - die ersten 25

Prozent - werden in eine Platzierungsliste

aufgenommen. Am Ende der Wettflugsaison

erfolgt eine Endauswertung.

Ziel jedes Züchters ist es, Reisetauben

zu besitzen, die sich auf jedem Wettflug

der Saison platziert haben.

Dem finanziellen Aspekt kommt dabei

eine immer größere Bedeutung zu: So

errang z. B. ein Züchter mit seiner Täubin

auf einem Wettflug 5.000 EURO.

Eine gute Brieftaube kann bei einer Versteigerung

immerhin einen Preis von

1.500 EURO erzielen.

Das Recht der Tiere 1/2005

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Das Recht der Tiere 1/2005

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T ITELTHEMA

Brieftaubenzüchter in

der Kritik

Brieftauben fliegen mit einer Geschwindigkeit

von 70 bis 100 Kilometern

pro Stunde. Die Entfernungen von

700 Kilometern können sie innerhalb

eines Tages zurücklegen. Doch spätestens

seit die Manipulationen bekannt

geworden sind, mit denen die Tauben

künstlich zu diesen Höchstleistungen

getrieben werden, ist die angebliche

Tierliebe der Brieftaubenzüchter ins

Zwielicht geraten.

Durch Trennung vom

Partner zu Höchst-

leistungen animiert

Ein unter Tierschützern besonders umstrittenes

Verfahren, die Tauben zu einer

möglichst schnellen Rückkehr zum

Heimatschlag zu bewegen, ist die "Witwerschaft".

Tauben sind monogam, d.

h. sie leben zeitlebens mit dem selben

Partner zusammen. Trennt man die Tiere

voneinander, werden sie ihre ganze

Kraft darauf ausrichten, möglichst

schnell wieder beisammen zu sein. Diese

natürliche Verhaltensweise nutzen

viele Brieftaubenzüchter aus, indem sie

die Partner für die Dauer der Flugsaison

getrennt halten.

Durch die Trennung werden die Fortpflanzungsvorgänge

unterbunden, die

Kräfte für die Wettflüge geschont. Lediglich

unmittelbar nach der Rückkehr

vom Wettflug wird den Tieren für eine

kurze Zeit Sozialkontakt gestattet. Um

das Bedürfnis der Partner, möglichst

schnell wieder beieinander zu sein, anzuspornen,

bedienen sich einige Züchter

auch der "Eifersuchtsmethode". Der

Täuberich wird in einen Kasten mit

"Guckloch" gesteckt. In den benachbarten

Käfig der Taube lässt man einen

fremden Täuberich herein, der unverzüglich

bestrebt ist, mit der Taube zu

kopulieren. Diese Szene versetzt den

regulären Partner der Taube in eine solche

"Eifersucht", dass er alles versuchen

wird, auch wenn er Hunderte von Kilometern

entfernt aufgelassen wird, den

Nebenbuhler zu vertreiben.

RÜCKFÜHRUNG VERIRRTER BRIEFTAUBEN

Immer wieder kommt es vor, dass Brieftauben, deren Leistungsvermögen offensichtlich

nicht ausreicht, um den Heimatschlag zu erreichen, in Tierheimen abgegeben

oder von Tierfreunden privat gepflegt werden. In zahlreichen Fällen

verweigern die Eigentümer die Rücknahme der Tauben bzw. die Übernahme der

durch die Aufnahme und Pflege entstandenen Kosten.

Auf diese Problematik hat der Verband Deutscher Brieftaubenzüchter e.V. in der

Form reagiert, dass seit 2001 alle Brieftauben, die an Wettflügen teilnehmen,

mit der Telefonnummer des Taubenhalters auf einem Zusatzring ausgestattet

sein müssen. Dies soll helfen, den Besitzer der Taube schnell zu ermitteln. Nach

unseren Erfahrungen wurde das Problem damit aber nicht gelöst. Wir bitten alle

Tierfreunde, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben, uns diese mitzuteilen.

Sorge um Junge für

Wettkämpfe ausgenutzt

Doch nicht nur die Männchen, auch die

Weibchen werden von den Züchtern

zur Trophäenjagd auf Wettkämpfe geschickt.

Um die Tiere zu Höchstleistungen

anzuspornen, werden ihnen die

Eier oder gerade geschlüpften Jungtiere

entrissen ("Nestmethode"). Die Sorge

um das Nest bzw. um die Jungtiere lässt

die verzweifelten Tauben besonders

schnell nach Hause fliegen. Da der

Täuberich an der Aufzucht der Jungtiere

im gleichen Maße beteiligt ist, lässt

sich diese Methode bei beiden Geschlechtern

anwenden.

Hohe Verlustraten

Ein hoher Prozentsatz der Reisetauben

findet nicht mehr zum Heimatschlag

zurück, belegen wissenschaftliche

Untersuchungen. Bei den aufgelassenen

Alttauben liegen die Verlustraten

bei bis zu 28%, bei den Jungtauben sogar

bei 32%. Ungünstige Witterungsbedingungen

wie Gegenwind, Gewitter

usw. können nochmals zu einem

erheblichen Anstieg der Verlustraten

führen.

Doping - auch bei Brieftauben

ein Thema

Es liegt auf der Hand, dass die geforderten

Leistungen nur von Tauben erbracht

werden können, die "fit" sind.

Aus Angst, die Tiere könnten sich durch

die stundenlangen oder auch tagelangen

Transporte in den oftmals überfüllten

"Kabinenexpressen" an Durchfalloder

Viruserkrankungen anstecken,

Verletzungen sind an der Tagesordnung

verabreichen einige Brieftaubenzüchter

prophylaktisch Breitbandantibiotika.

Auch Aufputschmittel und cortisonhaltige

Präparate werden als Dopingmittel

illegal eingesetzt.

Verlierer sind "Ausschuss"

Schafft eine Brieftaube trotz der psychischen

und physischen "Konditionierung"

den Heimweg nicht, wird sie als

"Ausschuss" registriert. Für den Züchter

ist das Tier damit wertlos geworden.

Oft werden völlig erschöpfte und verletzte

Tiere von Tierfreunden aufgenommen

und gesund gepflegt. In den

seltensten Fällen werden solche Tauben

jedoch von ihren Besitzern zurückgenommen.

Züchter sind Richter

über Leben und Tod

Es ist der Wunsch eines jeden Brieftaubenzüchters,

leistungsfähige Reisetauben

zu besitzen. Leistungsschwache

Tiere, die mit großer Verspätung den

Heimatschlag erreichen, sind im

Wiederholungsfalle dem Tode geweiht.

Nicht selten werden solche Tiere schon


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T ITELTHEMA

sehr früh vom Züchter "selektiert" d. h.

getötet, da sie unnütze Fresser sind.

Gezüchtet wird nur mit "Athleten" die

wenigstens 40 - 50 Prozent der Wettflüge

erfolgreich bestritten haben. Auf

die übrigen Tauben wartet der Tod.

Einige Züchter betreiben die Selektion

so scharf, dass nach 2- 3 Jahren nur

noch 30 % der Tauben eines Geburtsjahrganges

am Leben sind. Dabei

können Tauben mehr als 25 Jahre alt

werden.

Voliere statt Freiflug

Wer nun annimmt, dass sich die Züchter

intensiv um angemessene Haltungsbedingungen

für ihre Tauben bemühen,

wird oft enttäuscht. In der Regel

bekommen die Tauben keinen Ausflug.

Weil die Tiere teils sehr wertvoll sind,

will der Züchter dem möglichen Verlust

beim Freiflug vorbeugen. Der Lebensraum

der Brieftauben ist somit auf den

Schlag oder bestenfalls auf eine Voliere

beschränkt.

Dies lässt erkennen, dass der Brieftau-

� Es dürfen keine Tauben getötet werden,

nur weil sie "Zuchtidealen" oder

"Leistungsansprüchen" der Züchter

nicht genügen.

� Die Flugstrecken müssen auf ein für

die Tiere zumutbares Maß gekürzt werden.

Um diese Festlegung zu treffen,

bedarf es weiterer wissenschaftlicher

Untersuchungen. Der Leistungsanspruch

der Brieftaubenzüchter muss mit

dem Leistungsvermögen der Reisetauben

in Einklang stehen.

� Auf eine "psychische Motivierung"

der Tiere ist zu verzichten. Derartige

Manipulationen sind ethisch verwerflich.

DIE TAUBE JOHANNES

MEHR ALS EIN FRIEDENSVOGEL

Es ist fast ein Jahr her, da holte ich ihn

aus einer Tierarztpraxis ab und nannte

ihn Johannes. Noch nie hatte ich ein so

hübsches Täubchen gesehen - und mir

sind bisher in meiner kleinen Taubenpflegestation

schon viele Tauben unter

die Augen gekommen.

Johannes wurde

in der DortmunderInnenstadtaufgegriffen,

weil er

sich stundenlangüberhaupt

nicht

vom Fleck gerührt

hatte. Jo-

bensport aus dem Runder gelaufen ist

und in vielen Punkten mit dem Tierschutzgesetz

im Widerspruch steht.

Der Bund gegen Missbrauch der Tiere setzt sich für

folgende Verschärfungen ein:

hannes war blind. Seine Augen strahlten,

so dass niemand bei seiner Betrachtung

auf die Idee gekommen wäre,

der Täuberich sei blind. In der

Tierarztpraxis gab man mir neben Johannes

noch eine zweite Taube mit, eine

junge Wildtaube, die erschöpft

schien, aber schon alleine Futter picke

konnte. Sie hatte in der Dortmunder

Einkaufspassage neben Johannes gesessen.

Mit den beiden Tauben im Auto gingen

mir viele Gedanken durch den Kopf -

ein ungleiches Paar, diese beiden Vögel,

der blinde Johannes und die erschöpfte,

müde Wildtaube. Zu Hause

richtete ich meine Großvoliere im

� Es dürfen nur Tauben auf Wettkämpfe

geschickt werden, die gesund

sind. Tauben, die mit Antibiotika oder

ähnlichen Mitteln behandelt wurden,

sind von Wettkämpfen auszuschließen.

� Um einer Überforderung der Brieftauben

vorzubeugen, dürfen die Tiere

nur alle zwei Wochen an einem Wettkampf

teilnehmen.

� Jungtiere sind schonend auf die

Flugsaison vorzubereiten.

� Erschöpfte und verletzte Tiere sind

vom Brieftaubenzüchter am Fundort

abzuholen und soweit möglich gesund

zu pflegen. Text: Dr. Jörg Styrie,

Fotos: Tierfoto Reinhard

Christa Griese hat eine kleine Taubenpflegestation in Witten. Im Laufe der Jahre hat sie viele Tauben

aufgenommen, gepflegt und gesund in die Freiheit entlassen. Johannes wird aber nie wieder

wie seine Artgenossen in freier Natur leben können: Der Täuberich ist blind und würde die Gefahren

des Alltags kaum meistern können. Doch in der Geborgenheit der Pflegestation entwickelt er

ungeahnte Fähigkeiten. Christa Griese hat die Geschichte von Johannes aufgeschrieben

Dachboden ein. Sie liegt mitten in meinem

Arbeitszimmer, so dass ich viel Zeit

mit den beiden Vögeln verbringen

konnte. Die Wildtaube nannte ich Lisa,

und es war abzusehen, dass sie nach

ein paar Tagen bei bester Verpflegung

wieder in die Natur entlassen werden

würde.

Johannes nahm ich mehrmals am Tag

auf meinen Arm und streichelte ihn.

Sehr schnell wurde er zahm und zeigte

ein sehr gütiges, sanftes Wesen. Wie

immer, wenn bei Tieren wie auch bei

Menschen ein Sinnesorgan ausfällt,

schärft sich ein anderes besonders.

Und so bemerkte ich sehr schnell, dass

Johannes hören konnte wie ein Luchs!


Er vermochte den Kopf zu drehen wie

eine Eule, und wenn ich die Treppe zu

ihm hinaufstieg, dann freute er sich und

gurrte schon voller Erwartung, sobald

ich den Fuß auf die erste Stufe setzte.

Weizen, Erbsen

und Mais schüttete

ich reichlich auf

den Boden, so

dass Johannes

das Futter unter

seinen Füßchen

spürte. Bei fein geschnittenem

Salat

tanzte er ausgelassen

hin und her,

weil er sich so sehr

auf sein weiches

Grünzeug freute, welches er unter seinen

rosaroten Zehen wahrnahm. Die

Wildtaube Lisa versorgte ich zusätzlich

Sanfte Taube, fliege weiter

Seit vielen tausend Jahren waren

die Tauben, sanft in ihrer Art,

um uns, die Menschen, stets geschart,

an Kirchen, Häusern, vielen Plätzen,

am Weges- und am Feldesrand.

Ihre Zahl war nicht zu schätzen,

ihr Flug ging über Stadt und Land.

Du sanfte Taube, Mensch-Begleiter,

du sanfte Taube, fliege weiter.

Du willst doch nur dein kurzes Leben,

dein Anblick soll uns Freude geben.

Bist ein Symbol für Liebe, Frieden

und wirst plötzlich ganz stark gemieden.

Bist ein Symbol für Zärtlichkeit.

Du sanfte Taube, fliege weit.

Der Mensch, dein Freund,

ist jetzt dein Feind.

Will dich vernichten.

Und es scheint,

du trägst umsonst

den Palmenzweig.

Du trägst umsonst

den Zweig für Frieden.

Ich aber wird´dich weiterlieben.

Dein schlichtes, sanftes Vogelleben

Wird mir den Mut zum Kämpfen geben;

Für dich, gefiederter Begleiter.

Du sanfte Taube, fliege weiter.

Hannelu Vahl, 25.10.96

Christa Griese und der blinde Täuberich Johannes

mit Vitamingaben. Als

wildes Tier zeigte sie sich

panisch und schlug mit

den Flügeln, wenn ich

sie aus der Voliere

nahm. In dieser Situationen bemerkte

ich zum ersten Mal, dass mein blinder

Johannes ganz besondere Fähigkeiten

hatte.

Er spürte und hörte, dass da ein anderes

Tier Angst vor der menschlichen Berührung

hatte. Was tat er? Er gurrte

und gurrte pausenlos, mit tiefer und

warmer Stimme, immer freundlich, als

wollte er Lisa die Furcht vor den Menschen

nehmen. Und seine Therapie

wurde ein Erfolg! Die überängstliche

Lisa beruhigte sich und nahm willig ihre

Vitamine ein.

Lisa flog bald gesund wieder in die

Freiheit, und es folgten im Frühling und

im Sommer 2004 viele, viele befiederte

Patienten, die mein Johannes beruhigte,

und denen er die Angst vor meinen

Berührungen nahm. Johannes

kümmerte sich um junge Tauben, er

beruhigte kleine Rotkehlchen und Amselkinder,

sogar einen kleinen Buntspecht.

Dann geschah es: Vor ein paar Tagen

holte ich eine verletzte Taube von einem

Tierarzt. Beide Flügel waren gebrochen

und bandagiert. Ich nannte die kleine

Taube Sarah und wusste, dass sie niemals

wieder würde fliegen können. Johannes

kümmerte sich sehr um sie und

als die Bandagen abgenommen wurden,

sah ich, dass er sanft mit seinem

Schnabel durch Sarahs Federn fuhr.

Immer wieder gurrte er zärtlich vor sich

hin. Eines Morgens wurde ich schon

ganz früh wach; oben im Dachbüro

tobte offensichtlich Johannes auf und

ab. Er gurrte und gurrte, dabei war es

noch stockdunkel!

Zunächst dachte ich, dass einer meiner

kleinen Igel, die mittlerweile neben Johannes

Voliere ihr Quartier bezogen

hatten, ausgebüxt wäre. Nein, es war

etwas ganz anderes. Sarah saß in einem

Heunest auf zwei Eiern! Johannes

stand stolz neben ihr, und als er meine

Schritte auf der Treppe hörte, schob er

mit seinem Schnabel noch etwas Heu

an Sarah heran. Johannes wird Vater!

Auch das ist für den blinden Vogel kein

Problem! Da sich die Tauben beim Brüten

ablösen, muss Johannes ganz,

ganz umsichtig sein, damit er die Eier

nicht beschädigt. Und so beobachtete

ich fast mit Tränen in den Augen, dass

Sarah ihn ganz vorsichtig an die Eier

herandrückte und ihm zu verstehen

gab, wo er sich zu setzen hatte...

Was vermag eine blinde Taube zu

leisten? Johannes hat uns gezeigt, dass

sein Leben noch lebenswert ist, auch

wenn er nicht mehr durch die Wolken

fliegen kann.

Wenn Sie Kontakt zu Christa Griese

aufnehmen möchten, dann bitte unter

folgender Adresse:

Am Spliethof 10, 58455 Witten

Tel. 02302-276 355

Das Recht der Tiere 1/2005

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Das Recht der Tiere 1/2005

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T IERSCHUTZPOLITIK

DIOXIN IN FREILANDEIERN ?

FALSCHES SPIEL MIT DER ANGST DER VERBRAUCHER

"Dioxin in Freilandeiern!" - mit dieser Schlagzeile wartete Mitte Januar

eine große Boulevardzeitung auf und führte zu einer erheblichen

Verunsicherung der Verbraucher. "Dürfen wir nun keine

Freilandeier mehr essen?" fragten sich viele Bürger und wandten

sich Hilfe suchend auch an den bmt.

Eine Aussage, die wiederholt von den

Medien aufgegriffen wurde, erwies sich

jedoch als Falschmeldung. So schrieben

die Zeitungen, dass Käfigeier weitgehend

dioxinfrei seien; sie lägen, so

die Behauptung, zu 99% unter den seit

Januar 2005 neu festgelegten Grenzwerten

für Dioxin.

Richtig ist vielmehr, dass auch Käfig-

Eier in gleicher Weise belastet sind wie

konventionelle Freilandeier. Dies bestätigen

Untersuchungen,

die in den Jahren 1999 bis

2003 durchgeführt wurden.

Hiernach kam es bei

8,6 % der Freilandeier und

9,1 % der Käfigeier zu

Überschreitungen des geltenden

EU-Grenzwertes

von 3 Piktogramm (billionstel

Gramm) Dioxin

pro Gramm Fett.

Zur Panik bestehe jedoch

kein Anlass, bestätigen Toxikologen.

Die gefunde-

nen Mengen seien viel zu gering, um

gesundheitsgefährdend zu sein.

Dennoch ist es richtig, dass Eier mit erhöhten

Dioxinwerten aus dem Handel

genommen werden müssen.

Lanciert wurden diese Halbwahrheiten

von den Befürwortern der Käfighaltung.

Unterstützung fanden sie insbesondere

in den Reihen der unionsgeführten

Bundesländer. So verwundert

es nicht, dass der niedersächsische

Landwirtschaftsminister, Hans-Heinrich

Ehlen, ein nachhaltiger Befürworter der

Käfighaltung, die Dioxinfunde bei Freilandeiern

zum Anlass nahm, die Diskussion

um die Einführung des ausgestalteten

Käfigs für Hühner neu zu

entfachen.

Dieses Manöver ist scheinheilig, durchsichtig

und unverantwortlich. Mit der

Angst der Verbraucher spielt man nicht.

Statt die Zeit zu nutzen - wie Sie wissen,

ist die Käfighaltung von Hühnern

ab 2007 verboten - und

auf alternative, tiergerechte

Haltungssysteme umzusteigen,

tun die Käfiglobbyisten

genau das Gegenteil:

Sie reden die Boden- und

Freilandeier schlecht und

entziehen sich damit die

Käuferschichten, die sie nach

2007 mit alternativen Eiern

bedienen sollten. Wer so

agiert ist für die eigene Misere

selbst verantwortlich.

Grenzwerte für Dioxinbelastung überschritten?


Strengere Regelungen für Putenhaltung gefordert

bmt LOBT INITIATIVE SCHLESWIG-HOLSTEINS

Die Missstände bei der herkömmlichen

Putenhaltung in Deutschland

sind eklatant: Viel zu viele Tiere leben

auf engstem Raum zusammen, es

fehlt an Platz, an Rückzugsmöglichkeiten,

an Auslauf, an Beschäftigung.

Damit sich die Tiere in dieser drangvollen

Enge nicht gegenseitig verletzen,

werden ihnen prophylaktisch die

Schnäbel gestutzt und die hinteren

Zehenglieder abgeschnitten. Probleme

bereitet den Tieren auch ihre

enorme Wachstumsgeschwindigkeit.

Die Knochen können mit dem hohen

Fleischansatz nicht Schritt halten. Entsprechend

können die Beine das Gewicht

nicht tragen, mit der Folge, dass

die Tiere vermehrt auf der Einstreu liegen.

Bei nasser Einstreu führt dies

wiederum zu schmerzhaften Entzündungen

im Brustbereich.

Geht es nach dem Willen des Kieler

Landwirtschaftsminister Klaus Müller

und seiner Düsseldorfer Kollegin Bärbel

Höhn soll mit dieser Tierquälerei

bald Schluss sein. Ende Januar präsentierten

beide Minister auf der Internationalen

Grünen Woche in Berlin

eine Bundesratsinitiative, mit der die

Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung

um strenge Regelungen zur Haltung

von Puten ergänzt werden soll.

Zentrale Forderung ist, die Besatzdichte

auf 38 kg/m2 festzusetzen.

Derzeit sind Besatzdichten von 52 kg

bei Hennen und 58 kg bei Hähnen je

m2 zulässig. Darüber hinaus sollen

die Putenställe besser strukturiert werden.

Erhöhte Sitzflächen sollen dem

Bedürfnis der Puten zum "Aufbaumen"

entgegenkommen. Während der

Mast soll den Tieren die Möglichkeit

geboten werden, einen Außenklimabereich

aufzusuchen. Dies ist in der

T IERSCHUTZPOLITIK

Regel eine Art Wintergarten, der den

Ställen an den Längsseiten angeschlossen

ist. Geeignetes Beschäftigungsmaterial

(Stroh in Raufen oder

Strohballen) soll Verhaltensstörungen

wie Kannibalismus vorbeugen. Neu

ist auch eine Begrenzung der Gruppen

auf maximal 2500 Tiere.

Eine ehrgeizige und aus der Sicht des

Tierschutzes seit langer Zeit überfällige

Initiative. Doch schon regt sich

Widerstand von Wirtschaftsseite. Bereits

kurz nach Vorstellung der Initiative

melde sich der Verband deutscher

Putenerzeuger zu Wort und kritisierte

die Vorschläge als überzogen und

wissenschaftlich nicht begründet.

Der bmt wird diesen Prozess fachlich

begleiten und sich über seine Lobbyarbeit

dafür einsetzen, dass der bisher

sanktionierten Tierqual bei den Puten

endlich ein Ende bereitet wird.

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Das Recht der Tiere 1/2005

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Das Recht der Tiere 1/2005

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J UGENDTIERSCHUTZ

bmt ZEICHNET KLEINE TIERSCHÜTZERIN AUS!

PREIS DER EHEPAAR-QUADE-STIFTUNG VERLIEHEN

"Meine Eltern haben mir gestern erzählt, dass es einen Tierschutzpreis

gibt. Ich finde das doof, weil Tiere schützen schon ein

Preis ist.

Aber wenn ich Geld kriege, ist es auch gut, denn ich sammle für

ein Pferd, das ich mal mit dem Geld vom Schlachthof (Metzger)

retten kann. Das ist mein allergrößter Wunsch!" (Rosa, 8 Jahre)

“An einem Wintertag bin ich mit meinen Eltern an einem Geflügelschlachthof

vorbei gefahren. Man hörte grausames Gegacker

und Flügelschlagen. "Das darf so nicht weiter gehen",

sagte ich. "Was sollen wir machen?" Ich überlegte hin und her.

Dann fiel mir ein, an Weihnachten brauchen die Leute Geschenke.

Meine Mutter malte viele bunte, Tierbilder. Und mein

Vater las Geschichten vor. Alles kostete fünf Euro. Alle meine

Freunde erzählten es ihren Eltern. Am Ende hatten wir 200 Euro.

Wir suchten mit den 200 Euro eine Hühnerlegebatterieanlage,

die einem die Hühner verkaufte.

Es war sehr schwer, weil die einen uns nicht rein ließen und

die anderen sie uns nicht verkauften. Als wir eine Hühnerlegebatterie

gefunden hatten, waren zwei Monate vergangen.

Wir gaben den Leuten die 200 Euro, und ich und meine Mama

machten den Hühnern eine Anlage mit Heu, Stroh, Gras

und Blumen.

Mein Papa kam mit 3 Kisten mit 30 Hühnern im Auto nach

Hause. Es war schrecklich: Die Hühner hatten den Schnabel

Jedes Jahr zeichnet der Bund gegen Missbrauch

der Tiere Schüler für ihr Engagement

im Tier- und Naturschutz aus. Der Preis geht

auf eine Stiftung des Darmstädter Ehepaares

Quade zurück, die das Engagement von Kindern

und Jugendlichen für den Tierschutz fördern

wollen.

2004 wurden mehrere Jugendgruppen und einzelne Kinder

geehrt. Den Tierschutzpreis der Ehepaar-Quade-Stiftung erhält

zum Beispiel auch Rosa Räderscheidt. Die Drittklässlerin

setzt sich nach Ansicht des bmt in einer Weise für Tiere ein, die

Rosa hilft den Tieren

weit über ihr Alter hinausgeht. So beschränkt sich die sensible

Schülerin nicht darauf, Tierleid zu bedauern, sondern setzt alles

daran, den Zustand der Ungerechtigkeit zu ändern.

Einzugreifen, wenn Tieren Unrecht wieder fährt, ist immer couragiert. Doch wenn man sich vor Augen führt, dass die Preisträgerin

erst 8 Jahre alt ist, dann gebührt der engagierten Tierschützerin größte

Anerkennung. Herzlichen Glückwunsch kleine Rosa!

Rosa Räderscheidt hat in einigen Erzählungen aufgeschrieben, wie es ihr gelang,

Tiere zu retten. Aus diesen Texten spricht die Achtung und Liebe eines empfindsamen

Mädchens zu ihrer belebten Umwelt und ein hohes Maß an Verantwortungsbewusstsein

für die Schwächsten in unserer Gesellschaft - die Tiere.

halb ab und die

Krallen verkrüppelt

und

stumpf.

Die Hühner waren

sehr ängstlich,

und ihre

Federn waren

schmutzig und

kaum noch da.

Als erstes putzten

sie sich nur.

Engagiert Ihr Euch im Tierund

Umweltschutz? Dann

schickt Eure Bewerbung für

2005 an den bmt!

Wer glaubt, dass er sich in besonderer

Weise um Tiere, Natur und Umwelt bemüht,

schreibt sein Engagement bitte auf und

schickt (mailt) es an folgende Adresse:

Bund gegen Missbrauch der Tiere e.V.

Tierheim Elisabethenhof

Siedlerstraße 2, 61203 Reichelsheim

bmthessen@aol.com, Stichwort: Preis der

Ehepaar-Quade-Stiftung 2005

Das erste Ei zerstörten sie alle, weil sie wahrscheinlich dachten,

dass die Eier schuld an ihrem Elend waren. Es dauerte eineinhalb

Monate, bis sie laufen und picken konnten.

Nun sind sie friedlich mit Freunden auf Hof Könne im Sauerland

und zerstören kein Ei mehr!”


WO DAS PARADIES FÜR KANINCHEN LIEGT

EINE 15JÄHRIGE VERWIRKLICHT DIE OPTIMALE TIERHALTUNG

Die beiden Kaninchendamen hatten geräumige

Ställe und durften für mehrere Stunden am Tag in

den Auslauf im Garten - eine Haltung, die unter

Tierschutzgesichtspunkten sicherlich nicht zu beanstanden

ist. Doch die 15jährige Christina Sagel

sah das anders: "Wenn ein Tag 24 Stunden hat",

sagte sie, "und die Tiere nur vier davon draußen

sein können, dann ist das eindeutig zu wenig!"

Die Schülerin aus Brakel (bei Kassel) las sich durch Fachliteratur

über artgerechte Kaninchenhaltung und studierte im

Internet Bauanleitungen zu Freigehegen. Aus verschiedenen

Modellen erstellte sie mit ihrem Vater den Bauplan für zwei

neue Kaninchendomizile. Die beiden Freigehege, die von der

Familie schließlich im eigenen Garten erstellt wurden, entsprechen

den natürlichen Bedürfnissen der Kaninchen. Die

Tiere, von denen zwei aus dem Tierheim Wau-Mau-Insel in

Die ganze Familie hilft beim Bau der Gehege

Kassel stammen, haben in ihrem begeistert angenommenen

Zuhause Aussichtsplätze, Unterschlüpfe, Schlafkuhlen und

spannende Kletter- und Turnstrecken.

"Kaninchen", hat die engagierte Tierfreundin beobachtet,

"interessieren sich einfach für alles. Deshalb sollte man ihren

Lebensraum auch so abwechslungsreich wie nur möglich

gestalten." Um die Abenteuerlust ihrer vierbeinigen Freunde

zu befriedigen, haben Christina und ihre Schwester Julia das

9 qm große Freigehege für vier Kaninchen und das Pyramidenfreigehege

(2 Kaninchen, 5 qm) fantasievoll und abwechslungsreich

gestaltet. Der Boden ist durch Hügel und Täler

künstlich uneben gemacht worden und bietet den

bewegungsaktiven Kaninchen die Möglichkeit, sich Schlafkuhlen

und Höhlen zu buddeln.

Die Inneneinrichtung, bestehend aus geschickt arrangierten

Holzbrettern, Dachpfannen und Baumwurzeln, wird immer

J UGENDTIERSCHUTZ

Vorbildlich: Christina Sagel

praktiziert artgerechte Tierhaltung

wieder verändert, damit die aufgeweckten Kaninchen Neues

entdecken können. "Es macht viel mehr Freude", sagt Christina,

"mehrere Kaninchen ihren Bedürfnissen entsprechend

zu halten und sie dann zu beobachten, als wenn man sie allein

hinter Gitter sperrt und nachher abschiebt."

Der Schülerin liegt es besonders am Herzen, Kaninchenbesitzer

von der Notwendigkeit der artgerechten Tierhaltung zu

überzeugen. "Kein Tier", erklärt Christina, "ist gerne eingesperrt

und schaut den ganzen Tag durchs Gitter." Die üblichen

Käfige sind viel zu klein, kritisiert sie den Fachhandel und

fragt: "Möchte man selbst in so einem Käfig sitzen? Ich glaube,

dass da jeder mit einem NEIN antworten wird."

Christina Sagel hat eine eigene Homepage über Kaninchenhaltung

im Internet (www.nickelchen89.de.vu ). Auf diesen

Seiten hat sie alles Wissenswerte rund um Ernährung, Verhalten

und Vergesellschaftung der Tiere zusammengestellt.

Außerdem finden Interessierte genaue Bauanleitungen mit

Materialangaben für das Riesenfreigehege, den winterfesten

Stall und ein Pyramidenfreigehege.

Wenn Sie Fragen zu Christinas Gehege haben

oder einfach Erfahrungen über Kaninchen mit ihr

austauschen wollen, dann schicken Sie bitte Ihre

eMail an:

Nickelchen89@aol.com

Text: Claudia Lotz

Fotos: Christina Sagel

Das Recht der Tiere 1/2005

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Das Recht der Tiere 1/2005

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I NTERVIEW

Dr. Uwe Wagner, Ansprechpartner für tiermedizinische Fragen

Kleiner Eingr

KASTRATI

Die Kastration von Tieren ist eine oft sehr emotional geführte Diskussion. Dr. Uwe Wagner, Leiter des

LV Baden-Württemberg, spricht im Interview über neue Erkenntnisse zur frühen Kastration und widerlegt

lang gehegte Vorteile. "Kastrationen", sagt der Reutlinger Tierarzt, "sind ein wichtiger Beitrag

zum Tierschutz. Nur so kann unerwünschter Nachwuchs verhindert und Tierleid begrenzt werden."

RdT: So kontrovers Kastrationen

oft diskutiert werden - unter Fachleuten

herrscht in diesem Punkt Einigkeit:

Die Kastration von Hündinnen

vor der ersten Läufigkeit

(Frühkastration) vermag das Risiko

von Tumorerkrankungen um ein

Vielfaches zu senken...

Dr. Wagner: Und zwar ganz entscheidend!

Man weiß inzwischen, welchen

Einfluss eine Frühkastration auf

das Entstehungsrisiko von Tumoren

hat, die von den Milchdrüsen ausgehen.

Während es bei früh kastrierten

Hündinnen bei 0,5% liegt, steigt das

Erkrankungsrisiko schon auf 8% an,

wenn erst nach der ersten Läufigkeit

kastriert wird. Von den spät oder gar

nicht kastrierten Hündinnen wird bei jeder

Vierten ein Mammatumor gefunden.

RdT: Gibt es gegen frühe Kastration

bei Hündinnen Einwände?

Dr. Wagner: Ja, aber die sind überholt.

So glaubte man zum Beispiel lange

Zeit, dass eine Frühkastration eine

hemmende Auswirkung auf die Skelettentwicklung

haben könnte. Alle wissenschaftlichen

Untersuchungen widerlegen

diese Fehlmeinung jedoch.

RdT: Wann ist die Kastration aus

medizinischer Hinsicht geboten?

Dr. Wagner: Bei Veränderungen an

der Gebärmutter, den Eierstöcken, Tumoren

an der Scheide und bei Zuckerkrankheit

(Diabetes). Rüden sollten bei

Erkrankungen der Prostata oder der

Hoden kastriert werden.

RdT: Was passiert bei der Kastration

und wirkt sich die Ausschaltung

der Sexualfunktion auf das

Verhalten von Hündinnen aus?

Dr. Wagner: Bei Hündinnen werden

die Eierstöcke operativ entfernt, wobei

die Gebärmutter teilweise oder vollständig

mit herausgenommen wird.

Durch diesen Eingriff ist das Tier zeitlebens

sexuell ruhig gestellt, wird nicht

mehr läufig und verliert die für Hundehalter

oft lästige Anziehungskraft für

Rüden. Ebenfalls fallen Scheinträchtigkeit

oder psychische Störungen weg,

mit denen manche Hündinnen auf ihre

Läufigkeit reagieren.

In diesem Zusammenhang noch einmal

zurück zu den Vorurteilen gegenüber

einer Frühkastration: Jung kastrierte

Hündinnen bleiben infantil, wurde

häufig befürchtet. Doch auch diese Ansicht

hält keiner wissenschaftlichen

Untersuchung mehr stand: Die Tiere

sind einfach verspielter und sehr unkompliziert

mit ihren Artgenossen. Ein

unbestreitbarer Vorteil in der Haltung.

RdT: Gilt das auch für Rüden?

Dr. Wagner: Rüden werden meistens

kastriert, um unerwünschte, geschlechtsspezifische

Verhaltensweisen

zu unterbinden. In erster Linie empfinden

Hundebesitzer dabei das Imponiergehabe

und aggressive Konkurrenzverhalten

ihres Tieres gegenüber

anderen, potenten Hunden als beängstigend.

Ebenfalls störend im Zusammenleben

können Streunen nach läufigen

Hündinnen, Ungehorsam, ständiges

Jaulen und das Markieren (auch

im Haus) sein. Diese Probleme verschwinden

nach der sexuellen Ruhigstellung.

Selbst der schleimige Ausfluss

aus der Vorhaut, der für manche Hundehalter

zur hygienischen Frage wird,

sistiert völlig.

RdT: Raten Sie Hundehaltern

grundsätzlich zur Kastration, wenn

der Rüde einen ausgeprägten Sexualtrieb

zeigt?

Dr. Wagner: Unbedingt. Diese Tiere

leiden körperlich das ganze Jahr, denn

immer sind irgendwo Hündinnen läu-


iff mit großer Wirkung

K ASTRATION

ON - EIN GEBOT DES TIERSCHUTZES

fig, deren Duft sie in der Nase haben.

Der nicht ausgelebte Sexualtrieb führt

zu Frustrationen (und häufig zur hormonell

bedingten Prostatavergrößerung,

die immer auch das Risiko einer

Entartung birgt). Die meisten Rüden

entwickeln aus sexuell motivierter Konkurrenz

ein aggressives Verhalten

gegenüber Geschlechtsgenossen. Die

Folgen sind Verletzungen anderer Hunde

durch Beißereien oder eine restriktive

Haltung mit Leine und Maulkorb.

Das ist in meinen Augen nicht tierschutzgerecht.

RdT: Wenn jemand Probleme im

Umgang mit seinem Hund hat,

würden Sie zur Kastration raten?

Dr. Wagner: In diesem Zusammenhang

möchte ich eines klarstellen: Eine

Kastration darf kein Ersatz oder Lösungsansatz

für Probleme sein, die der

Mensch mit seinem Tier zu verantworten

hat. Sind Fehler gemacht worden,

und der Hund reagiert verhaltensauffällig,

dominant, aggressiv oder hat

sich zum Angstbeißer auf der Hundewiese

entwickelt, würde ich eine individuell

zugeschnittene Verhaltenstherapie

und den Besuch einer sehr guten

Hundeschule für den Vier- und Zwei-

beiner empfehlen. Dabei kann eine

Kastration als unterstützende Maßnahme

notwendig und sinnvoll sein.

RdT: Hat die Hormonumstellung

eine Auswirkung auf das Gewicht

oder die Fellbeschaffenheit?

Dr. Wagner: Prinzipiell schon. Hunde

und übrigens auch Katzen reagieren

auf den Wegfall der Geschlechtshormone

mit gesteigertem Appetit und

besserer Futterverwertung. Bei gleicher

Futtermenge würden die Tiere zunehmen

und die Lust am Toben verlieren.

Wichtig sind also Kalorienreduktion,

über die der Tierarzt genauestens informiert,

und ausreichende Bewegung.

Bei Langhaarrassen wie Irish Setter,

Langhaardackel oder Cockerspaniel

kann es infolge des erniedrigten Hormonspiegels

zur Vermehrung der Wollhaare

kommen; das Fell wird weicher,

und ähnelt dem Welpenfell.

RdT: Treten Haarveränderungen

bei beiden Geschlechtern auf?

Dr. Wagner: Nein, eher bei Hündinnen

und vor allem, wenn sie zu spät

kastriert wurden. Ein zweiter Nachteil

der Kastration ist bei bestimmten Rassen

ab 20 kg (Boxer, Rottweiler, Dobermann

etc.) der mögliche, unwillkürliche

Harnabgang. Die weiblichen Tiere verlieren

im Schlaf Urin, weil durch die

Entfernung der Eierstöcke auch die Geschlechtshormone

fehlen, die u.a. für

den Verschluss der Harnröhre zuständig

sind. Durch geeignete Medikamente

lässt sich dieses Problem jedoch in

den Griff bekommen.

Eine weitere Auswirkung der Kastration

beobachten wir beim Rüden: Wird er

vor Erreichen der Geschlechtsreife kastriert,

dauert sein Knochenwachstum

länger. Er wird ein wenig größer.

Dieses Infoblatt können Sie in jeder Geschäftsstelle des bmt beziehen

RdT: Halten Sie die Kastration von

Katzen für wichtig?

Dr. Wagner: Unbedingt! Das Kastrieren

von weiblichen und männlichen

Katzen zählt zu den wichtigsten Maßnahmen

im Tierschutz! Niemand

macht sich ein Bild, wie viele trächtige

Katzen ausgesetzt werden und wie

elend sich der Nachwuchs durchs Leben

schlägt. Doch krank, halb verhungert

oder verletzt - auch diese Tiere setzen

mindestens drei Mal im Jahr wieder

bis zu sechs Junge in die Welt, denen

dasselbe traurige Schicksal blüht. Also

meine Bitte: Lassen Sie Ihr Tier kastrieren

- und das gilt besonders, wenn Sie

einen Freigänger haben, der laufend

zur Vergrößerung der Katzenpopulation

beiträgt.

Wann? Am besten vor dem Erreichen

der Geschlechtsreife, Katzen ab dem 3.

Monat, bei Katern sollte man warten,

bis die Hoden im Hodensack erscheinen

(nach dem 3. Monat).

RdT: Warum schon so früh?

Dr. Wagner: Man merkt das Einsetzen

der Geschlechtsreife bei Katzen

erst, wenn es bereits zu spät und das

Tier schon trächtig ist! Darum rate ich

dringend zur Frühkastration, um unerwünschten

Nachwuchs zu verhindern.

Es gibt keinen medizinischen Grund,

Katzen einmal rollig oder trächtig werden

zu lassen. Im Gegenteil: Man weiß

heute, dass die Hormone keinen Einfluss

auf das Wachstum von weiblichen

und männlichen Katzen haben. Entwicklung

und Körperbau sind genetisch

bedingt und werden durch die Kastration

nicht beeinflusst.

Lesen Sie hierzu bitte auch S. 25.

Text: Claudia Lotz

Das Recht der Tiere 1/2005

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16

I HRE H ILFE

TIERE BRAUCHEN PATEN - TIERE B

Warum eine Patenschaft für Tiere?

Jedes Tier, das wir aus seiner Notlage

heraus bei uns aufnehmen, wird in unseren

sieben Tierheimen fürsorglich

betreut. Unser Ziel ist es, diese Hunde,

Katzen und Kleintiere wieder zu vermitteln

- und zwar in ein Umfeld, in

dem ihnen mit Liebe und Achtung begegnet

wird.

Die meisten unserer Schützlinge finden

durch unser verantwortungsvolles Bemühen

schnell wieder ein neues Zuhause.

Doch, wie Sie sich sicher vorstellen

können, gibt es immer auch

Vierbeiner, bei denen eine Vermittlung

schwierig bis unmöglich ist. Weil die

Tiere sehr alt, chronisch krank oder so

zurückhaltend gegenüber Besuchern

sind, dass sie keine Kontaktaufnahme

zulassen.

Es sind Tiere, die oft wenig Glück in ihrem

Leben hatten: Schlechte Behandlung,

Vernachlässigung, Verlust der Bezugsperson

- die Gründe, warum ein

Vierbeiner an Körper und Seele krank

und letztendlich unvermittelbar wird,

sind vielfältig. Die Erfahrungen können

wir solchen Tieren nicht nehmen - aber

wir können gemeinsam mit Ihnen eines

tun: Dafür sorgen, dass keines dieser

Tiere sein Leben im Tierheim beschließen

muss.

"Mein Patenhund ist sehr krank. Er hat Krebs, und der

Tumor beginnt nun schon an der Wirbelsäule zu streuen.

Wuschel war, als ich ihn kennen lernte, ein schwieriger

Hund, der sich kaum

anfassen ließ. Inzwischen

hat er Vertrauen gefasst

und eine stabile Beziehung

zu mir aufgebaut.

Sobald mein Mann und ich

in unser Haus umgezogen

sind, werden wir den Rüden

zu uns nehmen. Hoffentlich

hält er noch durch;

wir haben ihn sehr lieb gewonnen!"

Anke Reese aus Bremen

"Ich habe vor 2 Jahren eine Patenschaft für Floh übernommen,

einen im Schnee ausgesetzten, kranken Schäferhund. Diese

Geschichte, die ich im "RdT" las, ging mir damals sehr nahe.

Überhaupt möchte man jedes Tier aufnehmen, das in Not ist.

Ich unterstütze den Tierschutz aus innerer Überzeugung. Weil

ich aus Berufsgründen lange keinen Hund halten konnte, bedeutet

mir meine Patenschaft viel. Als Floh gestorben war, habe

ich die Patenschaft auf Hund Theo übertragen. Außerdem

plane ich, einen Hund aus dem Tierheim aufzunehmen."

Gerd Löbl aus München

Ihre Patenschaft

schenkt Glück...

Wir arbeiten mit ausgewählten Pflegestellen

und Auffangstationen für Wildtiere

zusammen, die unsere nicht vermittelbaren

Schützlinge bei sich

aufnehmen. Dort erfahren die Tiere

vielleicht das erste Mal, was es heißt,

geliebt zu werden und eine Beziehung

zu einer Bezugsperson aufbauen zu

dürfen. Besonders kranke Hunde oder

Katzen mobilisieren in einem glücklichen

Umfeld oft noch einmal ihre

ganzen Kräfte und leben länger, als es

aufgrund der Krankheit zu erwarten

gewesen wäre. Der bmt zahlt für solche

Tiere den Unterhalt in den Pflegefamilien

bzw. Auffangstationen und übernimmt

die Tierarztkosten. Diese finanziellen

Aufwendungen sind oft sehr

hoch. Wenn Sie helfen möchten, dann

übernehmen Sie bitte eine Patenschaft.


RAUCHEN SIE!

...und Ihnen einen

neuen Freund

Gerade Menschen, die selbst kein Tier

halten können, gewinnen durch eine

Patenschaft: Denn im Laufe der Zeit

baut sich eine recht enge Beziehung zu

Ihrem Vierbeiner auf, für dessen Wohlergehen

Sie ja sorgen. Das gilt umso

mehr, wenn Sie seine Geschichte kennen

- und nun plötzlich Teil seines Lebensweges

werden.

So werden Sie Pate

Wenn Sie eine Patenschaft eingehen

möchten,

� fragen Sie in Ihrer Geschäftsstelle

nach den betreuten

Patentieren

� wählen Sie Ihr Tier aus

� und entscheiden sich für

einen selbstbestimmten

Monatsbeitrag (ab 10 Euro).

Weitere Auskünfte zur Vergangenheit

Ihres Tieres erhalten Sie in Ihrer Geschäftsstelle.

Bei Abschluss Ihrer Patenschaft bekommen

Sie eine Urkunde mit einem

Foto Ihres Schützlings und werden von

den bmt-Mitarbeitern regelmäßig über

sein Wohlergehen informiert. Außerdem

veranstalten einige Geschäftsstel-

len regelmäßige Ausflüge zu den betreuten

Tieren. Die Termine werden Ihnen

als Pate rechtzeitig mitgeteilt.

Und bitte vergessen Sie nicht: Mit einer

Patenschaft binden Sie sich nicht vertraglich

an den bmt. Sie helfen, solange

Sie können und wollen.

Ihre Patenschaftsbeiträge sind steuerlich

absetzbar.

Text: Claudia Lotz

Fotos: Ewa Gara

A USLANDSTIERSCHUTZ

PATENSCHAFTEN

Ariane Bernet aus Berlin

"Ich bin berufstätig und kann außer Kaninchen keine weiteren

Tiere halten. Mein Patenpferd Whisky ist mir in den

letzten Jahren schon ziemlich ans Herz gewachsen. Ich

freue mich jedes Mal wieder, ihn gesund und munter zu sehen

und habe bis jetzt noch keinen Ausflug zum Pferdegnadenhof

verpasst. Die Fahrten zu Whisky und den anderen

Pferden sind für mich als Berlinerin immer wie ein

kleiner Urlaub von der Großstadt. "

Tiger Raco (LV Bayern)

Rita van der Hövel aus Geldern:

"Auf dem Bild ist meine Freundin Petra

Zebra Daisy (LV Bayern)

Purrmann mit meinem Patentier Charly. Ich

habe sie schon mit meiner Leidenschaft zu

Eseln angesteckt. Wir fahren jedes Wochenende

zu Charly und der Eselin Mausi, weil

wir nur 4 Kilometer von Pferdegnadenhof

entfernt wohnen, auf dem die beiden vom

bmt betreut werden. Meine Meinung ist,

dass alle Tiere unsere Unterstützung brauchen.

Tieren konkret helfen zu können, ist

für mich etwas ganz Besonderes." Auch für unsere Exoten können Sie Pate werden

Das Recht der Tiere 1/2005

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Das Recht der Tiere 1/2005

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bmt-PROJEKT

Alle mögen Midas - Tierschutzunterricht mit Hund

Im Klassenraum sind die Stühle im

Kreis vor der Tafel aufgestellt. Die Schüler

der Grundschule in Lahausen (bei

Bremen) setzen sich auf ihre Plätze und

können den Blick von dem Hund nicht

abwenden.

"Woran erkennt man einen Windhund?",

fragt Renate Domaschke, und

die Finger gehen in die Höhe. "An seiner

Figur", antwortet ein Junge, "an der

Größe", ruft ein anderer. "Und warum

müssen die Hunde so dünn sein?",

greift die Tierschutzlehrerin die leise

Bemerkung einer Schülerin über den

ungewöhnlich zierlichen Midas auf.

"Na, weil sie dann schneller laufen ",

meldet sich ihr Klassenkamerad zu

Wort. "Das stimmt", lobt die Pädagogin

und erklärt den Neun- und Zehnjährigen,

dass auch die auffallend schmale

Nase der Windhunde eine besondere

Funktion hat. "Man hat den Kopf so

dünn gezüchtet, damit die Hunde eine

bessere Rundumsicht mit ihren Augen

haben. Sie können sofort erkennen, wo

sich etwas bewegt. Deswegen nennt

man die Windhunde auch Sichtjäger."

Tierschutzunterricht in der 4. Klasse

MIT MIDAS AUF DER SC

BESUCH IN EINER GRUNDSCHULE

Während sich die Klasse über das Sehvermögen

der Hunde austauscht, liegt

Midas entspannt auf seiner Decke.

Immer wieder beugt sich ein Schüler zu

dem Hund herunter und fasst behutsam

über Kopf oder Rücken. "Hat denn

jemand Angst vor Hunden?", fragt Renate

Domaschke, und die Mädchen

schieben liebevoll eine Klassenkameradin

vor. "Leg deine Hand auf meine",

sagt ihre Freundin, "und wir streicheln

Midas gemeinsam." Doch die Kleine

schüttelt den Kopf, bleibt aber interessiert

in der Nähe ihrer Mitschüler stehen.

"Du musst den Hund nicht anfassen,

wenn Du nicht möchtest", sagt die

Tierschutzlehrerin, "aber ich kann dich

beruhigen: Midas ist ein ganz ruhiger,

sanfter und freundlicher Hund, obwohl

die Menschen sicherlich nicht immer

lieb zu ihm waren. Er ist Rennen in Spanien

laufen, hat noch deutlich sichtbare

Narben von Schlägen oder Beißereien

auf der Nase und wurde von

seinen Besitzern einfach ausgesetzt."

Das Thema Aussetzen von Haustieren

legt Emotionen bei den Schülern frei.

Alle wollen auf einmal erzählen, was

Am Tor warten Frau Wiebe und

ihre Schüler. Die Viertklässler

sind gespannt; heute steht zum

ersten Mal Tierschutzunterricht

auf ihrem Stundenplan. Und die

Tierschutzlehrerin, die sie hier

gemeinsam empfangen wollen,

wird sogar einen Hund mitbringen

- Midas heißt der Schulhund,

das hat die Klassenlehrerin

schon vor der Pause an die

Tafel geschrieben.

Ziele des Projekts

Tiere als leidensfähige

Mitgeschöpfe begreifen

� Artgerechten Umgang

mit Tieren erlernen

� Erkennen, was der Einzelne

zum Tierschutz beitragen kann

Mehr Infos dazu unter:

www.bmt-tierschutz.de/

tierschutzunterricht

Kontaktadresse:

Renate Domaschke

Hassel 2, 21261 Welle

Tel: 04188/ 899 434

Fax: 04188/ 899/ 435

Fam.domaschke@t-online.de

sie für Geschichten über verlassene

und schlecht behandelte Tiere gehört

oder im Fernsehen gesehen haben.

"Kein Tier", lenkt Renate Domaschke

das Gespräch schließlich in eine andere

Richtung, "hat es verdient, schlecht

behandelt zu werden. Ein Hund winselt,

wenn er sich nicht wohl fühlt. Aber wie

merkt man eigentlich einem Kaninchen


HULBANK

IN LAHAUSEN

oder Meerschweinchen an, ob es traurig

ist?" Nachdenklich sagt eine Schülerin:

"Wenn ein Kaninchen alleine im

Stall sitzt und ihn annagt" und ihre

Nachbarin ergänzt: "Und wenn ein

Meerschweinchen ganz laut quiekt."

Die Tierschutzlehrerin schüttelt den

Kopf: "Nein, sie sagen nichts. Die kleinen

Tiere sitzen in der Ecke ihres Käfigs

und können sich nicht äußern. Es gibt

viele Gründe, warum Kaninchen oder

Meerschweinchen oder Vögel unglücklich

bei ihrem Menschen werden:

Weil sie alleine gehalten werden, von

ihren Besitzern vernachlässigt werden,

der Käfig zu klein ist oder sie keinen

Auslauf haben." Dann holt die Pädagogin

Karten aus ihrem großen Tierschutzkoffer,

auf den Midas inzwischen

ganz entspannt seinen Kopf gelegt hat.

"Genügt es, Kaninchen im Käfig zu halten?",

"Verträgt ein Kaninchen besser

Hitze oder Kälte?, "Können Meerschweinchen

und Kaninchen zusammen

gehalten werden?" - die Fragen,

die jeder Schüler abwechselnd vorliest,

berühren grundlegende Kenntnisse

über Haltung, Fütterung und Vergesellschaftung

von Kleintieren. Und sie führen

der Klasse vor Augen, wie schnell

man gegen die arteigenen Bedürfnisse

der Tiere verstoßen kann, wenn alleine

schon der Käfig am falschen Platz

steht. "Schönes Licht brauchen Kaninchen",

sagt ein Mädchen ernst. "Sie

dürfen nicht dunkel stehen, nicht alleine

im Flur und vertragen keinen Durchzug."

Zu Abschluss breitet Renate Domaschke

auf dem Boden eine Pappe aus.

"Was fressen diese Tiere?" steht darauf,

und sie setzt ein Stoffmeerschweinchen

daneben. Dann hält sie ausgeschnittene

Abbildungen von Obst und Gemüse

in die Luft und fragt die Kinder: "Warum

ist Vitamin C für Meerschweinchen

eigentlich so wichtig?" Eine Schülerin

antwortet sofort: "Wir brauchen es, um

zu wachsen. Wenn wir es nicht haben,

werden wir krank." Die Tierschutzlehrerin

nickt: "Da hast du Recht. Meerschweinchen

können wie wir Menschen

Vitamin C nämlich nicht selbst im Körper

herstellen. Also müssen wir darauf

achten, dass unsere Ernährung und die

vom Meerschweinchen Vitamin C enthält."

Die Mädchen und Jungen ordnen die

verbleibenden Nahrungsmittel den entsprechenden

Tieren zu, und dann ist

die Doppelstunde vorüber. "Es hat sehr

viel Spaß mit euch gemacht", verabschiedet

sich Renate Domaschke von

den Kindern. "Es herrscht eine sehr angenehme

Atmosphäre in Ihrer Klasse",

sagt sie zu Frau Wiebe. "Das sehen Sie

am besten an Midas: Wenn die Schüler

aufgeregt oder unruhig sind, überträgt

sich das direkt auf den Hund." Die

Klassenlehrerin bedankt sich für den

Besuch und betont, für wie wichtig sie

den Unterricht über gesellschaftlich relevante

Tierschutzaspekte hält. "Viel Erfolg

weiterhin", wünscht sie der Tierschutzlehrerin

für ihre Arbeit.

Renate Domaschke arbeitet seit 1994

als Tierschutzlehrerin für den Bund gegen

Missbrauch der Tiere. Die Grundund

Hauptschullehrerin hat sich zur

Die Tierschutzlehrerin wird schon erwartet

T IERSCHUTZUNTERRICHT

Lesestoff für die Klasse

Tierschutzlehrerin ausbilden lassen und

mit großer Resonanz Schulen in Hessen

besucht. Damals begleitete sie

noch ihr alter Schulhund Quevedo, ein

Windhund aus Spanien. Nachfolger

Midas hat inzwischen auch seine Feuertaufe

bestanden und seinen sechsten

Schulbesuch mit Bravour gemeistert.

Renate Domaschke wendet sich nach

ihrem Umzug nach Niedersachsen jetzt

an Schulen in der Bremer Region, um

ihnen Tierschutzunterricht an zu bieten.

Außerdem hält die Pädagogin Fortbildungsseminare

für Lehrkräfte ab, in

denen über Aufbau, Konzeption und

Gestaltung von Tierschutzunterricht gesprochen

wird.

Text und Fotos: Claudia Lotz

Das Recht der Tiere 1/2005

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Das Recht der Tiere 1/2005

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R UMÄNIEN

Wir haben in der letzten

RdT-Ausgabe über die umfangreichenTierschutzprobleme

in Rumänien berichtet

und Ihnen Cristina Lapis

und ihren großartigen Einsatz

für Hunde und Bären

vorgestellt. Der Bund gegen

Missbrauch der Tiere arbeitet

mit der "Asociatia de protectie

a animalelor", die von

Cristina Lapis in Brasov geleitet

wird, auf der Basis eines

Freundschaftsvertrages

zusammen.

HILFE FÜR HUNDE

Dieser Winter ist kalt. 20 Grad unter

Null, schreibt Cristina Lapis, herrschen

seit Wochen in Brasov. Für die vielen

herrenlosen Hunde, die verzweifelt auf

bmt-Projekt in Osteuropa

WIE GEHT ES WEITER I

IHRE HILFE MACHT UNSERE ARBEIT IM AUSLA

Der eiskalte, rumänische Winter im Tierheim in Brasov

In diesem Vertrag ist festgehalten, dass die künftige Tierschutzarbeit beider Organisationen in Offenheit

und gegenseitigem Vertrauen stattfinden wird. Der bmt unterstützt seinen rumänischen Partnerverband

mit regelmäßigen Zuwendungen für Futter und Medikamente und sichert so das Überleben

der über 700 Hunde im Tierheim in Brasov. Lesen Sie jetzt mehr über die aktuelle Entwicklung in

Rumänien.

der Suche nach Essbarem die Mülltonnen

durchwühlen, bedeutet der anhaltende

Frost meist den Tod; durch

Hunger, Verletzungen oder Geburten

geschwächt, sterben die rumänischen

Vierbeiner einsam auf der Straße.

"Auch unsere Hunde",

sagt Cristina Lapis

, "spüren natürlich

die extreme

Kälte. Aber sie können

den Temperaturen

trotzen, weil sie

u.a. Dank der regelmäßigen

Hilfe des

bmt gut im Futter stehen."

Die Hunde im

Tierheim bekommen

im Winter zur Energieförderungwarmes

Futter, mit But-

Wochenlang bis zu 20 Grad minus

ter, Margarine oder Käse angereicherten

Reis, gekochtes Huhn und Trockenfutter.

"Unseren Tieren hier geht es gut",

erklärt sie, "große Sorgen mache ich

mir aber über die Entwicklung im städtischen

Hundeauffanglager."

In der so genannten City Hall werden

nach Beobachtungen von den Tierärzten,

die für Cristina Lapis im Tierheim

in Brasov arbeiten, bis zu 150 Hunde in

der Woche getötet. Mehr als fünf bis

sechs Tiere nimmt die gläubige Katholikin

wöchentlich auf - ein Umstand,

der sie sehr bedrückt: "Wir spielen Gott,

in dem wir einige Hunde retten und andere

damit zum Tode verurteilen." Mitarbeiter

bringen einmal täglich Futter

in die City Hall, und ihre Tierärzte sorgen

dafür, dass die Hunde nicht grausam

getötet werden, sondern durch Euthanasie

sanft sterben können.


N RUMÄNIEN?

ND MÖGLICH!

Ihr Tierheim, das mit durchschnittlich

700 Hunden schon hart an der Grenze

der Auslastung arbeitet, ist durch

diese zusätzliche Aufnahme der Hunde

aus der City Hall auf derzeit 832 betreute

Vierbeiner (davon 36 Welpen

und Junghunde) angewachsen. Ca. 30

Hunde vermittelt die Ehefrau des französischen

Honorarkonsuls im Monat

und appelliert immer wieder in Fernsehauftritten

und Zeitungsinterviews an

die Bevölkerung, einem Tierheimhund

ein neues Zuhause zu schenken. Mittlerweile

beobachtet sie ein Umdenken

bei den Menschen. "Noch vor Jahren

hätte niemand einen Tierheimhund

aufgenommen", sagt sie.

"Aber wenn die europäische Gemeinschaft

keine Bedingungen an den EU-

Beitritt von Rumänien knüpft und humane

Maßnahmen im Umgang mit

Tieren fordert, werden die Hunde weiter

in den städtischen Auffanglagern

auf fürchterlichste Weise sterben

müssen", beklagt Cristina Lapis die Situation

im Land. Eindringlich fordert

sie alle Tierfreunde auf internationaler

Ebene auf, ihren Protest an die Regierung

und den Bürgermeister von Brasov

zu schicken, um dieser Praxis ein

Ende zu setzen.

"Wir beweisen durch unsere Arbeit",

erklärt die engagierte Tierfreundin,

"dass Kastrationen von herrenlosen

Hunden der richtige und einzige Weg

sind, die Hundepopulation auf tiergerechte

Weise zu verringern. Wenn wir

für unsere Kastrationsprojekte die finanzielle

Unterstützung bekämen, mit

denen heute die Auffanglager vom

Staat subventioniert werden, hätten wir

eine reelle Chance, die Zahl der Hunde

langfristig zu reduzieren."

HELFEN SIE UNS !

Liebe Freunde und Förderer des Auslandstierschutzes.

Bitte machen Sie es

A USLANDSTIERSCHUTZ

Einige der über 700 Hunde, die auf ein neues Zuhause hoffen ...

uns weiter möglich, in Rumänien Hilfe

zu leisten. Sie sehen, was durch Ihre

Unterstützung schon erreicht worden

ist. Lassen Sie uns gemeinsam Fortschritte

erzielen und für einen humanen

Umgang mit Tieren in der Bevölkerung

eintreten!

Sonderkonto Ausland:

Stichwort Rumänien

Frankfurter Sparkasse

Kto 847 275,

BLZ 500 502 01

Text: Claudia Lotz

Fotos: Cristina Lapis

Unser Vorschlag für einen Protestbrief

"Sehr geehrter Herr Präsident,

wir möchten Sie inständig bitten, keine Hunde in Bukarest mehr zu töten.

Wie die Tierschutzorganisation von Cristina Lapis in Brasov zeigt, gibt es

humane Wege (Kastration), um die Population der frei lebenden Hunde zu

verringern. Ermöglichen Sie in Zusammenarbeit mit Tierschützern Kastrationsaktionen

in Bukarest und anderen rumänischen Städten - und Sie werden

Respekt aus dem Ausland für Ihr tiergerechtes Vorgehen ernten.

Mit freundlichem Gruß ....”

Richten Sie Schreiben an den:

President of Romania

Mr. Traian Basescu

Palatul Cotroceni

Bucharest

Romania

Das Recht der Tiere 1/2005

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Das Recht der Tiere 1/2005

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T IERE IN N OT

Liebevolle Menschen gesucht!

Vor dem Tierheim angebunden

Axel

Axel

Wer Ben auf Spaziergängen oder im Spiel erlebt,

hat einen Schäferhund mit den besten Eigenschaften

vor sich. Ehrlich, charakterfest

und menschenbezogen. Um so erstaunter sind

Besucher, wenn sie den 3jährigen Rüden im

Zwinger sehen. Hier gebärdet sich der ehemalige

Fundhund wie ein Wilder, weil er sich

abgeschoben fühlt und den engen Kontakt zu

einer Bezugsperson vermisst. Wenn Sie den

verschmusten Schäferhund mit den wunderschönen

bernsteinfarbenen Augen kennen lernen

wollen, dann nehmen Sie bitte Kontakt

zum Tierheim Hage auf. Tel: 04938/ 425

Eines Morgens saß Axel vor

der Arche Noah/Stuhr bei

Bremen. Neben dem angebundenen

Rüden lagen ein

Brief und Medikamente. Der

menschenbezogene Schäferhund

ist 8 Jahre alt und hört

sehr gut. Wer diesem Partner

ein Zuhause schenken möchte,

nimmt bitte Kontakt zum

TH Arche Noah / Stuhr (bei

Bremen) auf. Tel: 0421/ 890

171

Ein kleiner Patient braucht Sie

Kaum Auslauf gehabt

Salomon, ein Labrador-Neufundländermix, ist ein

wenig schwergewichtig. Er gehörte einem älteren

Herrn, der kaum noch mit ihm laufen konnte. Dafür

hat der Rüde sehr viel Streicheleinheiten bekommen,

auf die er auch in Zukunft nicht so gerne verzichten

möchte. Vielleicht hat jemand von Ihnen Freude daran,

diesem Hund wieder Lust auf Bewegung und eine

kleine Erziehungsauffrischung zu verschaffen? TH

Arche Noah/Stuhr (bei Bremen) Tel: 0421/ 890 171

Mit seinen Geschwistern kam Axel mit wenigen Wochen ins Katzenhaus.

Vor wenigen Tagen fiel der Leiterin, Monika Bossmann,

eine leichte Trübung des Auges auf. Der Tierarzt stellte fest, dass

der inzwischen 2 Jahre alte Axel unter so hohem Blutdruck litt, dass

sich die Hornhaut abzulösen droht. Der getigerte Kater bekommt

nun blutdrucksenkende Medikamente ins Futter. Axel bräuchte die

liebevolle Betreuung durch eine Einzelperson in einer angenehmen

Atmosphäre. Wer dem kleinen Patienten helfen möchte, nimmt bitte

Kontakt zum Katzenhaus Luttertal auf. Tel: 0551/ 22832

Ben

Ausgesetzter Schäferhund

Salomon


Georgia

Georgia wurde 4 Jahre lang in eine enge Box gesperrt, hatte keinen

Auslauf, keine Kontakte, keine menschliche Nähe. Die Hündin begann,

wie Tiere es unter ähnlichen Bedingungen oft tun, sich selbst anzugreifen.

Sie verletzte ihren Schwanz so schwer, dass er amputiert werden

musste. Als Georgia befreit und bis auf die Rippen abgemagert ins Tierheim

Arche Noah/Stuhr (bei Bremen) gebracht wurde, duckte sie sich

bei jeder Bewegung flach auf den Boden. Heute hat Verena Krüpe die

Hündin so weit stabilisiert, dass sie sich von ihr anfassen lässt und die

Liebkosungen langsam zu mögen beginnt. Noch ist Georgia nicht so

weit, dass sie vermittelt werden kann, aber eines Tages wird sie ein neues

Zuhause bei hundeerfahrenen und sehr lieben Menschen suchen.

Wer die Hündin kennen lernen möchte, setzt sich bitte mit der Tierheimleiterin

in Verbindung. Tel: 0421/ 890 171

4 Jahre in enge Box gesperrt!

A KTUELLER N OTFALL!

TIERHEIM IN PECS, UNGARN:

Hundezwinger unter Wasser !

BITTE HELFEN SIE SCHNELL!

26. Februar 2005: Aktueller Notfall! Die alte

Kanalisation im ungarischen Tierheim in

Pecs hat den strengen Winter nicht überstanden;

die Rohre sind geplatzt, das Wasser

läuft nicht mehr ab und staut zurück in

die Hundezwinger.

Die Tiere stehen bei eisigen Temperaturen

im Wasser!

Wir versuchen, alle Hunde mit Umsiedlungsmaßnahmen

(auch nach Deutschland) aus den betroffenen Zwingern

zu retten. Mit einer Pumpe wird das Wasser aus dem Hundehaus

gepumpt - doch das ist nur eine Übergangslösung,

um die Hunde vor dem Erfrierungstod zu bewahren.

Nötig ist die grundlegende Sanierung des Kanalsystems

mit anschließender Betonierung der Zwinger. Besonders

wichtig ist im Hinblick auf die Entstehung von

Krankheitskeimen die Trockenlegung der Böden.

Sobald in Ungarn die Frostperiode vorüber ist, soll mit

den Sanierungen begonnen werden. Die Arbeiten waren

eigentlich für den Sommer geplant; aber jetzt müssen wir

dem Tierheim in Pecs sofort jede erdenkliche Hilfe zukommen

lassen.

Unsere große Bitte an alle Freunde des Tierheims in Pecs:

Helfen Sie mit Spenden, damit wir umgehend beginnen

können. Die geplanten Arbeiten an Böden, Abwässerkanälen

und Gruben werden sich voraussichtlich auf 15000

Euro belaufen. Dank Ihrer Unterstützung konnten wir vor

dem Winter die Trennvorrichtungen zwischen Innen- und

Außengehege einbauen lassen; diese Schieber halten nun

wenigstens einen Teil des Wassers zurück.

Sonderkonto Ausland

Stichwort Ungarn. Sanierung Kanalisation

Frankfurter Sparkasse Kto 847 275

BLZ 500 502 01

Das Recht der Tiere 1/2005

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Das Recht der Tiere 1/2005

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A USLANDSTIERSCHUTZ

PATENSCHAFTEN FÜR

DAS TIERHEIM IN PECS

Schaffen Sie eine Zukunft für die Hunde

"Es ist eine ganz

einfache Rech-

Ehepaar Gertrud und Klaus Kühn

nung", sagt Gertrud

Kühn. "Je

mehr Menschen Patenschaften für Hunde aus dem Ausland

übernehmen, desto mehr Tiere könnten überleben." Seit

Prinzessin Bori, eine ungarische Terrier-Dackelmixhündin,

bei ihnen eingezogen ist, interessiert sich das Ehepaar aus

Bad Salzig (bei Boppard) für die Auslandsarbeit des bmt. Sie

unterstützen das Tierheim in Pecs mit größeren Zuwendungen

und haben außerdem die Patenschaften für drei Hunde

übernommen. "Wir fühlen uns durch Prinzessin Bori ein

wenig mit dem Schicksal der ungarischen Vierbeiner verbunden",

erklärt die Tierfreundin ihr Engagement.

Regelmäßige

Zuwendungen

wie Patenschaften

für Tiere

sind die Basis

unserer Tierschutzarbeit.

Durch monatliche

Zahlungen,

Bori hat viel Glück gehabt!

auf die wir fest

bauen können,

ist es uns möglich, Futter und Medikamente für Pecs zu

kaufen oder dringende Renovierungsarbeiten durchzuführen.

Anders als in Deutschland gibt es in Ungarn

keine Menschen, die Patenschaften übernehmen oder

das Tierheim mit finanziellen Zuwendungen unterstützen

können.

Sie helfen dem Tierheim in Pecs sehr, wenn Sie Pate von

einem Hund werden oder zweckgebunden spenden

Diesen Hunden können Sie helfen!

15 Euro sichern das Überleben eines Hundes im Tierheim in Pecs.

Diese Summe ist, gemessen an den Futterkosten für einen Hund

in Deutschland, gering - aber sie bedeutet so unendlich viel für

einen ungarischen Tierheimhund. 15 Euro im Monat lassen ihn

satt werden und geben ihm die große Chance, eines Tages gesund

in eine neue Familie vermittelt zu werden.

Als vor sieben Jahren bei der Sendung "Herrchen gesucht"

eine Hündin von Petra Zipp (Auslandskoordinatorin des

bmt) vorgestellt wurde, entschieden sich Gertrud und Klaus

Kühn schnell. Ihr eigener Hund war seit Monaten tot, und

beide hatten das Gefühl, jetzt wieder einem neuen Tier Liebe

schenken zu können. Auch Prinzessin Bori, die in Ungarn

keine Vermittlungschancen gehabt und den harten Winter

kaum überlebt hätte, gewöhnte sich sofort ein. Die Hundeschule

erledigte sie in kürzester Zeit mit Bravour und hört so

gut, dass ihre Menschen sie sogar von Wild abrufen können.

Ein männlicher Artgenosse, den das Ehepaar ihr zur

Gesellschaft ins Haus holen wollte, wurde glatt abgelehnt.

Welche Prinzessin teilt schon gerne ihren Platz.

Text : Claudia Lotz

für:

So kommt Ihre Hilfe an!

� die tierärztliche Betreuung und Kauf von Impfstoffen

und Medikamenten (ca. 1.500 Euro/Monat)

� den Kauf von geeignetem Trockenfutter

(ca. 2.000 Euro/Monat)

� die Bezahlung des Pflegepersonals

(1 Tierpfleger kostet ca. 300 Euro/Monat)

� notwendige Sanierungsmaßnahmen.

Wir danken Ihnen für Ihre Hilfe. Wenn Sie weitere Informationen

zu unserem Auslandstierschutz haben

möchten, dann schauen Sie bitte unter www.bmt-tierschutz.de/Auslandstierschutz

oder nehmen Sie Kontakt

zu Petra Zipp auf. Telefon: 06035/ 5916

Spendenkonto

Sonderkonto Ausland, Stichwort Ungarn

Frankfurter Sparkasse Kto 847 275

BLZ 500 502 01


TH HAGE

Große

Kastrationsaktion

"Das ist wirklich ein tolles Angebot", sagen die Nordener anerkennend.

Das Tierheim Hage hat vor wenigen Wochen sein großes Kastrationsprojekt

für Katzenbesitzer gestartet: Dabei übernimmt die

bmt-Geschäftsstelle in Norden die Hälfte der Kosten für den Routineeingriff,

ihren Anteil (50 Euro für Katzen, 30 Euro für Kater) tragen

die Tierhalter selbst. Kastration und das anschließende Einsetzen

des Mikrochips zur Kennzeichnung werden vom Tierarzt im

Tierheim durchgeführt.

"Die Aktion", sagt Geschäftsstellenleiter

Dieter Kuhn, "wird sehr gut von der Bevölkerung

angenommen." Viele Menschen

sind nicht nur mit ihren eigenen

Samtpfoten gekommen, sondern haben

auch herrenlose Katzen gebracht,

die sie aus Hilfsbereitschaft mit durchfüttern.

Die Zahl der ausgesetzten Katzen hat in

den letzten Jahren im ländlichen Raum

alarmierend zugenommen. Im Tierheim

in Hage wurden 2004 so viel

trächtige Katzen und mutterlose Würfe

wie nie zuvor abgegeben. "Besonders

auffällig war der extrem schlechte Gesundheitszustand

der Katzenbabys",

deutet Tierheimleiterin Annegret Opalka

auf den unhaltbaren Zustand der

sich notdürftig durchschlagenden Tiere

hin.

Die Hauptzeit für Katzengeburten liegt

zwischen April und September. Weil

Tierhalter die Geschlechtsreife ihrer

Katzen in vielen Fällen erst dann wahrnehmen,

wenn sie schon trächtig sind,

werden viele Katzen entweder zu spät

oder gar nicht mehr kastriert. Die Tiere

werden mit ihrem unerwünschten

Nicht allen jungen Katzen kann rechtzeitig geholfen werden

HELFEN SIE, DAS KATZENELEND ZU VERRINGERN!

Nachwuchs ausgesetzt und vermehren

sich bis an ihr Lebensende. Gleiches

gilt für die geschlechtsreifen Jungtiere

und ihre Welpen.

Wie brisant dieses Thema ist, zeigt ein

häufig zitiertes Rechenbeispiel. Es geht

von einem Katzenpaar aus, das zwei

Mal im Jahr Nachwuchs in die Welt

setzt. Sollten davon nur 2,8 Katzen pro

Wurf überleben, erhöht sich die Zahl

der gezeugten Katzen nach einem Jahr

auf 12. Nach fünf Jahren sind es schon

12 680 Tiere und zwei Jahre später bereits

420 715. Nach 10 Jahren hat sich

die Population auf 80 Millionen Katzen

ausgedehnt!

Ausgesetzte Katzen, die es schaffen,

sich und ihre Babys zu ernähren,

leben gefährlich:

Sie werden überfahren,

von Jägern erschossen,

misshandelt oder sterben

infolge von Krankheiten.

"Eine Kastration", betont

Ursula Sottmeier aus der

Geschäftsstelle Norden,

"ist wahre Tierliebe. Wir

können nicht im Angesicht

der vielen Katzen, die hier

elend durch die Gegend

laufen, die Augen verschließen. Jeder

Tierhalter sollte sich verantwortlich fühlen

und dafür sorgen, dass sein Vierbeiner

keinen Nachwuchs mehr zeugen

kann."

Eine Kastration ist heute ein Routineeingriff

von wenigen Minuten. Die Tiere

sind schnell wieder fit, wie Heike

Kampmann und Günther Theilen festgestellt

haben. Sie gehörten zu den ersten

Tierfreunden aus Norden, die ihren

Kater Paul im Tierheim kastrieren

ließen.

Weiterer Service für Hundebesitzer:

Das Tierheim in Hage will jeden Sonntagnachmittag

einen Hundetreff einrichten.

Hier können sich die Besitzer

von Tierheimhunden austauschen und

fachliche Anleitung von einer Hundeausbilderin

bekommen.

Mehr Infos bekommen Sie in

der Geschäftsstelle. Telefon:

04933/ 99 28 24

Der kleine Paul hat den Eingriff gut überstanden

Text: Claudia Lotz

Foto: Dr. Jörg Styrie

Das Recht der Tiere 1/2005

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Das Recht der Tiere 1/2005

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LV HAMBURG

Der neue Tierheimleiter Frank Weber

Frank Weber ist studierter Germanist, hat sich zum PR-Berater ausbilden lassen und war für den

international bekannten Tierfreund Michael Aufhauser tätig. Auf dessen Vorzeigegnadenhof hat

er als rechte Hand des Gutsleiters Tiere gepflegt, Promis betreut, Kampagnen organisiert und Pferde

aus Transporten freigekauft. Jetzt leitet der 37jährige seit über einem halben Jahr das Franziskus

Tierheim, und er sagt: "Es ist eine schöne Arbeit. Sie erfüllt mich!"

Auch Tammi ist sichtlich begeistert von

ihrem Chef. Als Frank Weber die Tür

zum Hundefreilauf öffnet, kommt sie

mit wehenden Ohren, den Ball in der

Schnauze, auf ihn zugeschossen. Fast 5

Jahre lang kannte die schlecht gehaltene

Mastinomixhündin nichts anderes

als Deckakte, wiederkehrende Trächtigkeiten

und Jungenaufzucht in ihrer

Box. "Nun holt sie nach, was sie nicht

gehabt hat", sagt der Tierheimleiter

und meint ihre wieder entdeckte Freude

an der Bewegung. Für die liebenswert

dickköpfige Tammi sucht das

Franziskus-Team eine aktive Familie,

die gerne mit ihr läuft, spielt und tobt.

Drei Mal im Monat hat das Franziskus

Tierheim feste TV-Auftritte, an denen

Frank Weber seine vierbeinigen

Vermittlungskandidaten vorstellen

kann.

Auch Carlo hat schon im Rampenlicht

gestanden und charmant

in die Kamera geblinzelt,

doch bis heute hat sich niemand

für den schönen Schäferhundmischling

interessiert. "Was ich

nicht verstehen kann", wundert

sich der Wahl-Hamburger. "Carlo

ist ein feiner Kumpel, der sehr

enge Bindungen zum Menschen eingeht."

Sein halbes Leben hat der 6 Jahre alte

Rüde im Tierheim in Rostock verbracht

und mehrere Monate nun schon im

Franziskus Tierheim vergeblich auf eine

Chance gewartet. Seine Jagdleidenschaft

ist ein Grund für seine mangelnden

Vermittlungschancen, sein

gespaltenes Verhältnis zu männlichen

Artgenossen ein anderer. "Beide Eigenschaften

sind unter Anleitung eines guten

Hundetrainers zu konditionieren",

betont der Tierheimleiter.

"Es müssen sich nur Menschen finden,

die sich ernsthaft um Carlo bemühen

wollen. Es gibt, das hat mein Kollege

Carlo: Ein halbes Leben im Tierheim

Carlo

"Tierschutz

Bernd Schinzel vom Tierheim in Köln-

Dellbrück schon gesagt, keine unvermittelbaren

Hunde, sondern nur fehlende

Chancen. Und die Chancen

stellen wir her!"

Die regelmäßigen Fernsehauftritte helfen

dem Glück zwischen Zwei- und

Vierbeinern auf die Sprünge - und sie

erhöhen den Bekanntheitsgrad des

Franziskus Tierheims. Damit sich Tiere

und Besucher gleichermaßen wohlfühlen,

hat Frank Weber in Gemeinschaftsarbeit

mit dem Team die Verschönerung

vom alten Gebäude in

Angriff genommen, Katzenräume und

Quarantäne renoviert. Die Hundezwinger

sollen in Kürze folgen.

Fachvorträge zu Themenbereichen

rund um Haltung, Tierverhalten,

Gesundheitsprophylaxe

und dem sensiblen Bereich von

Vor- und Nachkontrollen sind

geplant. Verstärkt sollen dabei

auch ältere Menschen angesprochen

werden. "Wir haben",

erklärt Frank Weber, "in allen

Tierheimen ein umfangreiches

Programm für alle Altersgruppen,

von Schulklassenführungen


is zu Seminaren für berufstätige Tierhalter.

Für ältere Menschen, gerade

wenn sie schon im Altersheim leben,

fehlen solche Serviceangebote." So

könnte das Tierheim zur Begegnungsstätte

für Senioren werden, die kein eigenes

Tier mehr halten können, aber

den Kontakt zum Vierbeiner nicht abreißen

lassen möchten.

"Genauso wichtig ist mir Aufklärungsarbeit

im folgenden Bereich", deutet

Frank Weber auf seine Erfahrungen der

vergangenen Monate mit verwaisten

Tieren hin. "Wir werden oft von Angehörigen

benachrichtigt, wenn Eltern

Tammi Tammi

ist eine Lebensaufgabe!"

oder Großeltern verstorben sind und

ihren Vierbeiner unversorgt zurück gelassen

haben." Er erinnert sich dabei an

einen Räumungstermin in einem Hamburger

Reihenhaus, als dem Vermieter

Tage nach dem Tod einer betagten Dame

drei halb verhungerte Katzen beim

Öffnen der Tür entgegen sprangen.

Beide Fälle zeigen, wie wichtig es ist, für

seine vierbeinigen Gefährten rechtzeitig

Vorsorge zu treffen (s. auch RdT

4/04). Wenn Sie mehr Informationen

zur Absicherung Ihrer Tiere wünschen,

bestellen Sie bitte unseren ausführli-

F RANZISKUS-TIERHEIM

Der neue

Tierheimleiter

Frank Weber

stellt sich vor

chen Ratgeber (Testamentsbroschüre

und -mappe) in der bmt-Hauptgeschäftsstelle

München (Adresse S. 34).

Auf der homepage des Tierheims stellt

Frank Weber regelmäßig die aktuellen

Ereignisse der Woche dar. So können

sich Interessierte, selbst wenn sie keine

Zeit haben, das Franziskus Tierheim zu

besuchen, ständig auf dem Laufenden

über die neuesten Abgabe- und Fundtiere

halten.

Mehr Infos unter: www.franziskustierheim.de

Text und Fotos: Claudia Lotz

Angelica Blank ist 2. Vorsitzende im neuen Tierschutzbeirat in Hamburg

Angelica Blank, Leiterin des bmt-Landesverbandes Hamburg

Die Leiterin des bmt-Landesverbandes

Hamburg ist seit 2002 Mitglied in der Komission

für Tierversuche der Freien und

Hansestadt Hamburg. Jetzt wurde Angelica

Blank zur stellvertretenden Vorsitzenden

des neuen Tierschutzbeirates berufen.

Die sechs Mitglieder beraten die Behörden mit Verbesserungen

und Vorschlägen in allen Tierschutzangelegenheiten.

"Wir setzen uns mit Kompetenz,

Sachverstand und praktiziertem Tierschutz für die

Belange der Tiere ein", beschreibt Angelica Blank

ihr Tätigkeitsfeld. "Verantwortungsvoller und ernst

gemeinter Tierschutz darf sich nicht nur an wirtschaftlichen

Aspekten orientieren", sagt die zweite

Vorsitzende. "Für die Unterstützung möchte ich

mich bei den Bürgerschaftsabgeordneten und Mitgliedern

des Tierschutzbeirates bedanken."

Das Recht der Tiere 1/2005

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Das Recht der Tiere 1/2005

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TH KÖLN

Die Physiotherapie gehört zu

den ältesten Heilmethoden der

Menschheit. Sie unterstützt und

fördert die Selbstheilungskräfte

mit naturgegebenen Mitteln.

Lange Zeit war die physiotherapeutische

Behandlung, die

bei zahlreichen Erkrankungen,

zur Rehabilitation oder vorbeugend

eingesetzt wird, ausschließlich

ein Privileg der

Zweibeiner - doch nun kommt

die Heilmethode auch bei Vierbeinern

verstärkt zum Einsatz.

Warum Tieren vorenthalten,

was bei Menschen so entscheidend

zur Besserung beiträgt,

dachte sich das bmt-Team in

Köln Dellbrück und beschloss,

auch die Tierheimtiere von der

Physiotherapie profitieren zu

lassen.

Seit Sommer 2004 praktiziert Karin

Strack im Tierheim und erzielt

beachtliche Fortschritte bei ihren

Patienten. Lesen Sie, wie sich

Penny unter der maßgeschneiderten

Therapie erholte:

Lebensgefahr durch

eine verschluckte Nadel

Als drei Tage vor Weihnachten eine jun-

T I E R P H Y S I O T H E R A P I E

... wie ein Kätzchen wie

NEUE BEHANDLUNSMETHODEN IM TH

ge Norwegische Waldkatze als Findling

in unser Tierheim kam, ahnte keiner

die dramatische Geschichte, die

sich noch ergeben würde. Der kleine

Wildfang von ca. drei Monaten war

recht schwierig: Anfassen ging nur unter

größtem Protest mit Fauchen, Kratzen

und Beißen. Eine Woche später sah

die Sache allerdings ganz anders aus:

apathisch, matt, von hohem Fieber gebeutelt,

ließ sich das Kätzchen Penny jede

Behandlung gefallen und schien

gegen Abend des

30. Dezembers nur

noch sterben zu

wollen.

Schon nachmittags

war eine kleine weiche

Delle an der

Schulter der Katze

aufgefallen - diese

stellte sich als eiternder

Abszess

heraus, der Stunden

Tierphysiotherapeutin Karin Strack

Penny bei ihrer Physiotherapie

später tatsächlich aufplatzte und in der

Mitte eine metallische Spitze hervorbrachte.

Unfassbar dann: Unsere Tierärztin

zog eine 6,5 cm lange Nadel mit

Faden aus der Schulter der Katze!

Behandlungsplan

für Penny

Antibiotika, Kortison und B-Vitamine

sollten nun der Katze helfen. Tagelang

lag das Kätzchen wie im Wachkoma

und nur langsam kehrten die Lebensgeister

in das Tier zurück.

Mit Hilfe der Tierphysiotherapeutin

ging es dann stetig weiter aufwärts. Die

Therapie-Maßnahmen, die Karin

Strack für Penny zusammenstellte, umfassten:

muskelkräftigende Massagen,

ableitende Griffe, Magnetfeldtherapie

zur Durchblutungsförderung, passive

Bewegungsübungen und Reflextherapie

zur Koordinationsschulung.


der laufen lernt

KÖLN-DELLBRÜCK

Ähnlich wie Penny merken alle vierbeinigen

Patienten sehr schnell, dass die

Behandlung mit manuellen und physikalischem

Techniken durchaus angenehm

ist; selbst die Tiere, die anfänglich

misstrauisch sind, entspannen sich.

Muskelaufbau durch

Aquatherapie

Die Tierphysiotherapie ist bei uns in

Deutschland noch nicht so bekannt wie

z.B. in den USA, gewinnt aber zunehmend

an Bedeutung. Die Physiotherapie

ist die allgemeine Anregung oder

gezielte Behandlung gestörter Körperfunktionen

mit verschiedenen Techniken.

Mit der sanften Heilmethode

können Probleme aufgefangen werden,

bevor sie zu Komplikationen führen

und dann das Tier in seinem Alltag

behindern. Physiotherapeutische Maßnahmen

sind u.a. in der Rehabilitation

(nach Operationen, Verletzungen), zur

Vorbeugung (Leistungssteigerung, Minderung

des Verletzungsrisikos etc.) und

bei verschiedensten Erkrankungen des

Bewegungsapparates wie z.B. Gelenkerkrankungen,

Spondylose oder Arthritis

(s. Kasten) angesagt.

Dabei ist die Aquatherapie (Laufen

auf dem Unterwasserlaufband) eine

der besten Therapiemethoden: Im

Wasser muss das Tier nur 15 % seines

Körpergewichtes tragen. So können die

Gelenke stark entlastet werden, wobei

gleichzeitig ein effektiver Muskelaufbau

stattfindet.

Die wichtigsten Anwendungsgebiete

� Dackellähme - Bandscheibenvorfall

und alle anderen Erkrankungen der

Wirbelsäule

� Lähmungen anderer Art (z. B. durch

Unfälle oder entzündete Nerven)

� Hüftgelenkdysplasie (HD)

� Arthrose

� Rehabilitation nach Operationen

(z. B. nach Kreuzbandriss oder

Knochenbrüchen)

� Muskelatrophie

� Sehnenverletzungen

� Beschwerden alter Hunde lindern

� junge Hunde, die während des

Wachstums Beschwerden durch

schlaffe Sehnen und Bänder haben.

TH KÖLN-DELLBRÜCK

Wer will Penny ein

Zuhause schenken?

Die kleine Norwegerin Penny lässt sich

nicht unterkriegen und meistert jeden

Tag neue Situationen und überrascht

uns ständig mit kleineren oder größeren

Fortschritten. Wie schön war es, als

sie zum ersten Mal die Beine gestreckt,

den Kopf gehoben oder einfach nur

geschnurrt hat.

In ein paar Wochen wird sie mit Sicherheit

wie eine fast gesunde Katze

die Welt durchschreiten - und vielleicht

mit Ihnen Freundschaft schließen?

Wenn Sie sich für Penny interessieren,

nehmen Sie bitte Kontakt

zum Tierheim auf.

Tel: 0211/ 68 49 26

Text: Heike Bergmann/Karin Strack

Fotos: Heike Bergmann

PHYSIOTHERAPIE UND IHRE METHODEN

Massage - spannungsausgleichende, lockernde und kräftigende Griffe

passive Bewegungstherapie - hierbei werden die Gliedmaßen ohne Zutun des

Patienten vorsichtig durchbewegt

aktive Bewegungstherapie - wie z.B. einseitige Gliedmaßenbelastungen, Balanceübungen,

Reflexauslösungen, Laufen auf unterschiedlichem Untergrund oder

über kleine Hindernisse

Thermotherapie - hier werden Wärme oder Kältereize mit den verschiedensten

Verabreichungsformen gesetzt

Hydrotherapie - hier kommt Wasser zum Einsatz wie z. B. bei den Kneipp´schen

Güssen, Waschungen oder Wickeln

Aquatherapie auf dem Unterwasserlaufband (siehe linke Spalte)

Balneotherapie - Behandlung mit Heilwässern

Lichttherapie - der Einsatz von Sonnenlicht (Heliotherapie), UV-Licht, Infrarotlicht

und farbiges Licht (Chromotherapie) z. B. gegen Antriebsschwäche und schlechtes

Allgemeinbefinden

Lasertherapie - zur verbesserten Wundheilung und bei Entzündungen

Elektrotherapie - bei der Elektrotherapie bedient man sich der elektrischen Ströme

in den verschiedenen Verabreichungsformen

Magnetfeldtherapie - pulsierende Magnetfelder regen im Organismus den gesamten

Stoffwechsel (Durchblutungsförderung) an, was die Genesung beschleunigt


Das Recht der Tiere 1/2005

30

TH ELISABETHENHOF

Magarethe Vieweg mit Astra

"Wir haben sie gesehen", sagt Monika

Vest, "und der Funke sprang sofort

über." Bentley empfand das wohl genauso.

Sobald Familie Vest an ihr Gehege

trat, drängte sie ihre Schwester in

den Hintergrund und nahm überraschend

schnell Kontakt zu den fremden

Besuchern auf.

Glücklich: Bentley bei Ehepaar Vest

Vor Weihnachten mussten Vests ihren

geliebten Schnauzermischling einschläfern

lassen und litten noch unter

dem Verlust. Und gleichzeitig war der

Wunsch da, wieder mit einem Hund zu

leben. "Es war mit unseren Töchtern

Nadine (16) und Jennifer (19) abgesprochen",

erinnert sich Monika Vest,

"dass wir nicht um jeden Preis einen

Hund genommen hätten; wir wollten

Der Weg in ein glückliches Hundeleben

ASTRA UND BENTLEY -

Erinnern Sie sich noch an Astra und Bentley? Wir hatten die

eindrucksvollen Bernhardinermischlinge bei "Tiere in Not" vorgestellt.

Die Schwestern lebten 4 Jahre lang überwiegend in

Außenhaltung. Als die Familie ihr Haus mit dem weitläufigen

Garten aufgeben musste, konnte sie die großen Hündinnen

nicht mitnehmen und brachte sie schweren Herzens ins Tierheim.

Im Elisabethenhof zeigte sich trotz intensiver Bemühungen

über Fernsehen, Internet und Mitgliedszeitschrift kein

Interessent bereit, beide Hunde gleichzeitig aufzunehmen. So

entschied man sich im Tierheim, die Schwestern auch getrennt

zu vermitteln - und diese Lösung hat sich als Volltreffer erwiesen.

Astra und Bentley haben jede für sich ein wunderbares

Zuhause gefunden.

das Gefühl spüren: Dieses Tier passt zu

uns." Und im Vorfeld hatte man bestimmte

Bedingungen festgelegt: Ein

Rüde sollte es sein, nicht zu groß und

möglichst kurzhaarig. "Bentley ist das

Gegenteil davon. Aber sie ist unser

Traumhund", begeistert sich die Familie

aus Hessen. Die Hündin hört aufs

Wort, fährt sehr gerne Auto, ist sozialverträglich

und hat, was das Wichtigste

ist, alle Vests in ihr Hundeherz geschlossen.

Für Astra war der Start in ihr neues Leben

schwieriger, weil sie ihre früher

vermittelte Schwester bitterlich vermisste.

Sie fraß nicht mehr und musste sehr

behutsam vom Tierheimteam umsorgt

werden. Doch auch ihre kummervollen

Wochen sollten schnell ein Ende haben.

Margarethe Vieweg

und ihr Mann kamen an einem

Sonntag in den Elisabethenhof,

nachdem ihr

Bernhardiner zwei Tage zuvor

eingeschläfert werden

musste.

Und wie bei Bentley schien

auch für Astra sofort klar zu

sein, dass diese beiden

Menschen vor ihrem Gehe-

Astra mit einem Spielkameraden

ge ihre neuen Freunde sein würden.

Noch am selben Tag nahm das Ehepaar

aus Wächtersbach (Hessen) die

Hündin mit nach Hause. "Die ersten Tage

hat Astra mich auf Schritt und Tritt

verfolgt", sagt Margarethe Vieweg "so

als ob sie sagen wollte: Bitte, lass mich

nicht alleine!" Astra, die nach Erscheinung

und Wesen eher dem Hovawart

gleicht, ist sehr gelehrig, aufmerksam

und menschenbezogen. Die Hündin

neigt im Umgang mit weiblichen Artgenossen

etwas zur Dominanz. "Aber

das werden wir in der Hundeschule in

den Griff bekommen", da ist sich die

erfahrene Tierhalterin sicher. "Astra ist

eine wunderbare Hündin, die sehr viel

Liebe braucht - und von uns immer bekommen

wird!"


EINE ERFOLGSSTORY

Gertrud Schairer wird 80 Jahre

"Der Tierschutz fordert höchsten Einsatz von uns!"

"Meine Mutter", sagt Gertrud

Schairer, "ist der wichtigste

Leitfaden für mich gewesen. Sie

hat mir vorgelebt, was Barmherzigkeit

heißt." In diesem

Sommer wird die große Tierschützerin

80 Jahre alt. Zugleich

blickt sie auf 50 Jahre

Mitgliedschaft im Landesverband

Baden-Württemberg zurück.

Von Stuttgart nimmt die Mutter zweier

Kinder ihren Kampf gegen Versuchstierhändler

auf. Sie folgt den Händlern

bis in die Schweiz und nach Osteuropa,

kauft ihnen die vor Angst zitternde

Fracht ab oder redet den Männern so

lange zu, bis sie ihr die Versuchstiere

überlassen. Manchmal ist die Tierschutzaktivistin

tagelang mit ihren beiden

ehrenamtlichen Mitarbeitern im

Ausland unterwegs, weil sie die Spur eines

Händlers nicht verlieren will.

Gertrud Schairer prangert öffentlich die

Zustände in den Versuchslaboratorien

an und fordert Veterinäre auf, durch

schärfere Kontrollen Missstände in der

Tierhaltung und gerade im Forschungsbereich

zu bekämpfen. Sie

selbst geht jeder Nachricht von schlecht

Astra und Bentley vor der Vermittlung

gehaltenen Tieren nach und zögert bei

Verdacht auf Misshandlungen nicht,

Veterinärämter, Medien und Politiker

einzuschalten. "Tierschutz ist keine

Liebhaberei", formuliert die fast 80jährige,

"er ist ein ständiger Kampf gegen

Widerstände und erfordert höchsten

Einsatz bis zur Selbstaufgabe."

Ihr Lebenssinn lag in der Rettung der

Tiere, sagt die alte Dame des Tierschutzes.

Gertrud Schairer, deren

Mann inzwischen verstorben ist, lebt

heute in einem Pflegeheim bei Stuttgart.

Noch immer bekommt sie Post

von Tierfreunden mit Hinweisen auf

Verstöße gegen den Tierschutz - und

noch immer nimmt sie Anteil. "Doch

meine Kraft ist verbraucht", erklärt sie,

nachdem sie schon in fortgeschritte-

LV BADEN-WÜRTTEMBERG

Tierschützerin Gertrud Schairer

nem Alter einem falschen Mitstreiter

vertraute und ihre gesamte Habe an

ihn verlor. "Geblieben ist mir die Gewissheit,

dass ich vielen Tieren geholfen

und in den Köpfen der Menschen

etwas bewegt habe. Wenn ein Kind mir

zugehört und verstanden hat, dass sich

am Verhältnis des Menschen zum Tier

etwas Grundlegendes ändern muss,

dann waren das die Höhepunkte in

meiner Arbeit", sagt Gertrud Schairer.

Jutta Breitwieser, die Vorsitzende des

Bund gegen Missbrauch der Tiere, hat

Gertrud Schairer zu ihrem Jubiläum

gratuliert. Mit einer kleinen Feier wird

der Leiter des Landesverbandes, Dr.

Uwe Wagner, die Vorkämpferin für die

Rechte der Tiere ehren.

Text: Claudia Lotz

Das Recht der Tiere 1/2005

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Das Recht der Tiere 1/2005

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LV BERLIN

Dingos faszinieren mich seit meiner

Kindheit, als ich den ersten dieser wilden

Kerle in einem Bilderbuch sah. In

Australien, wo ich einige Jahre lebte

und mich viel mit dem dortigen Wildlife

befasste, kam ich durch Zufall an einen

Dingo. Ein Busfahrer hatte den

Welpen verlassen am Straßenrand beobachtet.

Über zwei Tage war der abgemagerte

Dingo dort umhergeirrt, bevor

er ihn aufgriff.

So kam mein erster wirklicher Kontakt

mit dieser Tierart zustande. Einen

Nachkommen dieses Dingos halte ich

hier in Deutschland. Dingos kamen vor

etwa 7000 Jahren mit Seefahrern aus

Tom Guckenberger mit seinen Dingos

Wenn ein Dingo

in Deutschland auf Seinesgleichen trifft...

10 Jahre lang lebte Tina mit ihren Eltern in einem kleinen Berliner Tierpark. Diesen Platz hatte der bmt für

die drei Wildhunde gefunden, nachdem er sie aus schlechter Haltung befreien konnte. Nun starben in kurzer

Abfolge das Mutter- und Vatertier, und Tina blieb allein zurück. Bmt-Mitarbeiterin Ewa Gara aus München

bemühte sich um einen neuen Platz für die betagte Dingodame und hatte Erfolg! Sie fand über die

Eberhardt-Trummler-Stiftung einen kenntnisreichen Dingoliebhaber in Bayern, bei dem sich Tina inzwischen

sehr gut eingewöhnt hat und die Freundschaft zu ihrem australischen Artgenossen genießt. Hier ist der Bericht

von Tom Guckenberger:

Asien nach Australien. Auf so manchem

Schiff waren die Tiere als Abfallbeseitiger

und lebender Notproviant an

Bord. Im Laufe der nächsten Jahrhunderte

verwilderten die Tiere und passten

sich perfekt an ihre Umgebung,

die australische Wildnis, an. Sie sind

heutzutage die einzige Form des Asiatischen

Wolfes. Sie heulen, bellen selten,

jagen meist einzeln und treffen sich

wieder in Gruppen.

Als ich von Frau Trummler (Eberhardt-

Trummler-Stiftung, Forschung für

Haustier- und Urhund-Studium) erfuhr,

dass ein Platz für eine ältere Dingodame

gesucht würde, kümmerte ich mich

sogleich um diesen Dingo in

Not. Mit Dr. Styrie, dem Leiter

des Landesverbandes Berlin,

holten wir Tina aus dem Berliner

Gehege. Als letzte Überlebende

der dortigen Gruppe,

nie an ein Halsband oder

Kommando gewöhnt, entpuppte

sich Tina als ein sehr

friedfertiges, Gesellschaft liebendes

Tier.

Mit meinem australischen dingoähnlichen

Hund verstand sie

Tina in ihrer neuen Umgebung

Die Umsiedlung

von Tina

sich auf Anhieb, und beide "Hunde"

genießen sichtlich das Miteinander;

schließlich sprechen sie ja auch die

gleiche Sprache.

Tina fährt inzwischen im Auto mit, ist

leinenführig, schläft auch manchmal in

der Wohnung (wobei ihr das Freigelände

immer noch lieber ist), und lässt

sich von uns Menschen berühren.

Außerdem ist sie bei täglichen und ausgedehnten

Spaziergängen im Wald

und auf der weiten Flur immer dabei.

Ohne Leine läuft sie mir, bzw. dem Rüden,

stets hinterher. Tina ist nun schon

zwölf Jahre alt und trotzdem erstaunlich

leichtfüßig. In der Natur haben diese

Tiere eine Lebenserwartung von fünf

bis sieben Jahren.

Die fast komplette Blindheit und das

eingeschränkte Gehör machen der

Hündin kaum Schwierigkeiten; der

ausgeprägte Geruchssinn macht das

Unvermögen anscheinend wieder wett.

Ich freue mich, Tina täglich zu erleben

und ihr ein gutes Leben ermöglichen zu

können. Hiermit bedanke ich mich

beim bmt für das entgegen gebrachte

Vertrauen.

Text und Fotos: Tom Guckenberger


Estella auf Beobachtungsposten

Liebevoller Pflegeplatz gesucht

Draußen vor dem Hundehaus sitzt eine schwarze Neufundländerhündin.

Sie lässt den Regen an ihrem dichten Fell abperlen

und richtet den Blick unverwandt in die Ferne.

"Wer weiß, was sie da sieht", sagt Verena

Krüpe und streicht ihr zärtlich über

den Kopf. Weil Estella gerne mittendrin

ist und alles aufmerksam beobachten

möchte, ist ihr Lieblingsplatz im gläsernen

Verbindungsbereich zwischen dem

alten Tierheimtrakt und dem neuen

Hundehaus. Hier ist die Tür zum umzäunten

Vorplatz ständig offen, damit

die Hündin sich frei bewegen kann.

"Estella", deutet die Tierheimleiterin auf

den imposanten Neufundländer mit

den melancholischen Augen, "ist eine

der sanftesten Hündinnen, mit denen

ich je zu tun hatte." Es bleibt immer wieder

ein Rätsel, wie sich manche Tiere

ihre Charakterstärke bewahren können,

obwohl ihr Leben einem fortwährenden

Ablauf von Schrecknissen

gleicht.

Die heute Neunjährige wurde so lange

als Zuchthündin eingesetzt, bis sie körperlich

am Ende war. Tierfreunde fanden

Estella in einer Tötungsstation in

Mailand, in der sie scheinbar schon

längere Zeit saß, und brachten sie vor

2 Jahren mit dem braunen Deckrüden

Otello nach Brinkum. Die Neufundländer

waren in schlechter gesundheit-

licher Verfassung und mussten in den

folgenden Wochen besonders aufmerksam

gepflegt werden. Doch die

Tiere schienen Halt aneinander zu finden,

und so lebte der braune Neufundländer

Otello trotz einer bösartigen

Geschwulst noch bis zum Sommer

des vergangenen Jahres zusammen

mit seiner Estella in einer Pflegestelle

des Tierheims.

"Die Monate in der Pflegestelle", sagt

die Tierheimleiterin, "müssen für die

beiden die schönsten ihres Lebens gewesen

sein." Auslauf, verantwortungsvolle

Betreuung, der Kontakt zu anderen

Tieren - die liebevolle Umgebung

trug dazu bei, dass die sanften Riesen

noch einmal ihre letzten Kraftreserven

mobilisierten. Nach dem Tod von Otello

ist Estella nun wieder ins Tierheim zurück

gekehrt. Sie kann keine Treppen

mehr steigen, das Atmen fällt schon

schwer, und die Gelenke machen ihr zu

schaffen.

"Estella um sich zu haben", beschreibt

Verena Krüpe das ausgeglichene Wesen

der Hündin, "ist sehr angenehm.

Sie ist geduldig, ruhig und hat eine besondere

Vorliebe für kleine Hunde,

TH ARCHE N OAH/STUHR

Wer nimmt

Estella auf?

Estella und Verena Krüpe

Hühner und Katzen entwickelt."

Vielleicht möchte einer von Ihnen, liebe

Leser und Mitglieder, diesem Tier einen

Lebensabend in Ruhe und Frieden

ermöglichen. Wir würden uns sehr für

Estella freuen, wenn sie die letzten Monate

nicht im Tierheim bleiben müsste,

sondern ihre Zeit in engem Kontakt zu

liebevollen Menschen, gerne auch mit

anderen Tieren, verbringen dürfte.

Oder Sie übernehmen die Patenschaft

für die Hündin. Sie braucht regelmäßig

schmerzlindernde Medikamente und

Futterzusätze.

Kontakt unter Tierheim Arche

Noah/Stuhr, Tel: 0421/890 171

Das Recht der Tiere 1/2005

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Das Recht der Tiere 1/2005

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HAUPTGESCHÄFTSSTELLE

Viktor-Scheffel-Straße 15, 80803 München

Tel. (089) 38 39 52-0, Fax (089) 38 39 52-23

Postbank München Kto. 1819 30-807 (BLZ 700 100 80)

VORSTAND

B UND GEGEN M ISSBRAUCH DER T IERE

MIT 11 GESCHÄFTSSTELLEN UND 7 TIERHEIMEN

1. Bundesvorsitzende:

Jutta Breitwieser, „Elisabethenhof“

61203 Reichelsheim, Siedlerstraße 2

Tel. (06035) 96 11 11, Fax (06035) 96 11 18

2. Bundesvorsitzender:

Dr. Jörg Styrie

Alt-Heiligensee 42, 13503 Berlin

Tel. (030) 43 65 58 64, Fax (030) 43 65 58 65

Bundesschatzmeister:

Hans Hoffsümmer, Gierather Str. 51

51469 Bergisch Gladbach

Tel. (02202) 59517, Fax (01805) 62 45 62-11415

Bundesschriftführerin:

Karin Stumpf, Am Heiligenhäuschen 2, 50859 Köln,

Tel. (0221) 950 51 55, Fax (0221) 950 51 57

LV Baden-Württemberg (www.tierschutz-bmt-bw.de)

Leiter: Dr. Uwe Wagner

Ohnastetter Straße 13, 72805 Lichtenstein

Tel. (07129) 6 09 93, Fax (07129) 6 08 98

Kreissparkasse Reutlingen Kto. 75 7889 (BLZ 640 500 00)

LV Bayern (www.bmt-bayern.de)

Leiterin: Ewa Gara

Viktor-Scheffel-Straße 15, 80803 München

Tel. (089) 38 39 52-0, Fax (089) 38 39 52-23

Postbank München Kto. 142 20-802 (BLZ 700 100 80)

Sonderkonto Rumänien

HypoVereinsbank Kto. 35 94 68 29 (BLZ 700 202 70)

LV Berlin (www.tierschutz-bmt-berlin.de)

Leiter: Dr. Jörg Styrie

Alt-Heiligensee 42, 13503 Berlin

Tel. (030) 43 65 58 63, Fax (030) 43 65 58 65

Postbank Berlin Kto. 9603-107 (BLZ 100 100 10)

LV Niedersachsen

1. Geschäftsstelle u. Tierheim „Arche Noah“

Leiterin (Gst): Gabi Redeker; Leiterin (TH): Verena Krüpe

Rodendamm 10, 28816 Stuhr/Brinkum

Tel. (0421) 890171, Fax 80 90 553 (www.tierheim-arche-noah.de)

Kreissparkasse Syke Kto. 113 000 29 57 (BLZ 291 517 00)

2. Geschäftsstelle Vollenborn (Thüringen)

Leiterin: Hannelore Thied, Hauptstraße 7a, 37355 Vollenborn

Tel. (036076) 40 555, Fax (036076) 40 556

„Katzenhaus Luttertal“, (www.katzenhaus-luttertal.de)

Luttertal 79, 37075 Göttingen

Leiterin: Monika Bossmann, Tel. (0551) 2 28 32

Postbank Hannover Kto. 732 223 06 (BLZ 250 100 30)

3. Geschäftsstelle Norden

Leiter: Dieter Kuhn und Ursula Sottmeier

Nordbuscherweg 17, 26553 Dornum

Tel. (04933) 99 28 24, Fax (04933) 99 28 26

Tierheim Hage (www.tierheim-hage.de)

Leiterin: Annegret Opalka, Hagermarscher Str. 11, 26524 Hage

Tel. (04938) 4 25, Fax (04938) 91 49 90

Raiffeisen-Volksbank Fresena e.G. Norden

Kto. 6302020300 (BLZ 283 615 92)

AUSLANDSTIERSCHUTZ

Sonderkonto Ausland:

Rumänien und Ungarn

Frankfurter Sparkasse Kto. 847 275 (BLZ 500 502 01)

LV Hamburg / Schl.-Holstein (www.franziskustierheim.de)

Leiterin: Angelica Blank

Tel. (040) 55 49 28-34, Fax -32

„Franziskus-Tierheim“, Tel. (040) 55 49 28 37

Leiter (TH): Frank Weber

Lokstedter Grenzstraße 7, 22527 Hamburg

Haspa Kto. 1049220799 (BLZ 200 505 50)

LV Hessen / Rheinland-Pfalz / Saarland

Geschäftsstelle u. Tierheim „Elisabethenhof“

(www.tierheim-elisabethenhof.de)

Leiterin: Jutta Breitwieser

“Elisabethenhof”, Siedlerstraße 2, 61203 Reichelsheim

Tel. (06035) 59 16, Fax (06035) 96 11 18

Frankfurter Sparkasse Kto. 5975 (BLZ 500 502 01)

Hundeauffangstation Ikervar/Ungarn

Petöfi u. 23, H-9756 Ikervar,

Tierheim „Wau-Mau-Insel“

Leiter (TH): Karsten Plücker (www.wau-mau-insel.de)

Schenkebier Stanne 20, 34128 Kassel

Tel. (0561) 86 15 680, Fax (0561) 86 15 681

Postbank Frankfurt Kto. 1717 55-608 (BLZ 500 100 60)

LV NRW

1. Geschäftsstelle u. Tierheim Dellbrück

(www.tierheim-koeln-dellbrueck.de)

Leiterin (Gst): Sylvia Bringmann , Leiter (TH): Bernd Schinzel

Iddelsfelder Hardt, 51069 Köln

Tel. (0221) 68 49 26, Fax (0221) 68 18 48

Postbank Köln Kto. 924 02-505 (BLZ 370 100 50)

2. Geschäftsstelle Issum (www.bmt-nrw.de)

Leiterin: Dagmar Weist

Drosselweg 15, 47661 Issum

Tel. (02845) 3 75 57, Fax (02835) 44 46 99

Sparkasse am Niederrhein

Kto. 111 500 2063 (BLZ 354 500 00)

WEITERE ANSCHRIFTEN VON MITARBEITERN:

Renate Domaschke (Tierschutzlehrerin)

Fam.domaschke@t-online.de

Hassel 2, 21261 Welle

Tel. (04188) 899 434, Fax (04188) 899 435

Claudia Lotz (Redakteurin)

(lotzcl@nexgo.de)

Hugo-Vogel-Str. 5b, 14109 Berlin,

Tel. (030) 80 58 33 38, Fax (030) 80 58 33 39

INTERNET:

http://www.bmt-tierschutz.de


Zum Wohle Ihres Tieres -

spätere Betreuung regeln

Kann eine verantwortungsvolle Betreuung

des Vierbeiners im Testament

festgehalten werden, und wie muss

eine solche Absicherung formuliert

werden, damit sie später Bestand

hat? Das sind Fragen, mit denen sich

Tierfreunde sehr häufig an den Bund

gegen Missbrauch der Tiere (bmt)

wenden.

Wir haben für Sie eine ausführliche Testamentsbroschüre erstellt.

Sie finden darin konkrete Formulierungshilfen

beim Abfassen eines Testaments, die wichtigsten ge-

setzlichen Vorschriften und Tabellen zum Steuerrecht.

Außerdem aktuelle Literaturhinweise und Ansprechpartner

für Erbrecht und Vermögensnachfolge.

Sie können diese Broschüre in jeder bmt-Geschäftsstelle

oder in der Hauptgeschäftsstelle des Verbandes

beziehen:

Bund gegen Missbrauch der Tiere,

Viktor-Scheffel-Straße 15

80803 München

Tel: 089/ 38 39 52 - 0

Fax: 089/ 38 39 52 - 23

EMail: info@bmt-muenchen.com

Unglücklicher Mohrle

Tierfreunde beobachteten am 6. Februar, wie

an einem See bei Göttingen ein Tier aus einem

Auto geworfen wurde. Nach ihrem Spaziergang

saß die Katze wie benommen immer

noch an derselben Stelle. Inzwischen war es

empfindlich kalt geworden, und es begann zu

schneien. Familie Schmidt-Hurtiene nahm das

verschüchterte Tier mit nach Hause, doch die

eigene Katze akzeptierte den Fremdling nicht.

Sie brachten den 2 Jahre alten, sehr sanften

Kater ins Katzenhaus. Sichtlich unglücklich wartet

Mohrle auf Menschen, die ihn lieb haben.

Kontakt unter:

Katzenhaus Luttertal, Tel.0551/ 228 32

Matty

EIN CHIP FÜR

NUMMER SICHER

Z U GUTER L ETZT

LASSEN SIE IHR

HAUSTIER

REGISTRIEREN!

Der Tag, an dem Matty verschwand, wird

der bmt Mitarbeiterin Inge Reif und ihrem

Mann immer im Gedächtnis bleiben. Dass

der Kater nach über fünf Wochen Odyssee

gefunden wurde, ist einzig seiner Tätowierung

und seinem Eintrag im TASSO-Haustierzentralregister

zu verdanken.

Um die Besitzer entlaufener Hunde und Katzen ermitteln zu können, wurden

Haustiere früher tätowiert, heute zunehmend gechipt. Auf dem kleinen

Transponder (Chip) ist die Codenummer gespeichert, die mit einem

speziellen Gerät gelesen werden kann. Voraussetzung, dass die Halter

des vermissten Vierbeiners auch ermittelt werden können, ist der Eintrag

des gechipten oder tätowierten Tieres im TASSO-Haustierzentralregister.

Diese Tiernotruforganisation benachrichtigt die Besitzer,

wenn der Aufenthaltsort gekennzeichneter Tiere ausfindig gemacht werden

konnte.

Jahrelang kam Freigänger Matty nach Hause zurück. Doch am 2. November

2004 warten Inge Reif und ihr Mann vergeblich auf den silbergrau

getigerten Kater. Das Ehepaar setzt umgehend TASSO von dem

Verschwinden des Tieres in Kenntnis und macht sich selbst auf die Suche.

Verzweifelt fahren die beiden alle Höfe in der Umgebung ab, hängen

Steckbriefe mit Mattys Bild und Hinweisen aus und werfen sie in alle

Briefkästen. Doch niemand hat den Kater gesehen - bis Inge Reif am

8. Dezember einen Anruf bekommt: Eine Tierfreundin füttert einen zugelaufenen

Kater, der den Angaben des Aushangs entspricht. Unfassbar

dabei, wie der Abenteurer den Weg über die Autobahn geschafft

hat. Inge Reif und ihr Mann haben kaum noch an ein Wiedersehen mit

Matty geglaubt und sind zu Tränen gerührt, als sie ihren bitterlich vermissten

Kater endlich wieder in die Arme schließen können.

Unser Tipp: Geben Sie die Suche nach Ihrem verschwundenen Tier nicht

vorschnell auf. Informieren Sie Ihre Umgebung auch im weiteren Umkreis

durch Steckbriefe, Wurfsendungen und Aushänge in den Geschäften.

Diese Eigeninitiative, zusätzlich zur TASSO-Registrierung, kann

Ihnen helfen, Ihren vierbeinigen Liebling wieder zu finden.

Weitere Infos unter: www.tiernotruf.de, tasso@tiernotruf.org

Das Recht der Tiere 1/2005

35


„Das Recht der Tiere“ – Postvertriebsstück B 13769 – Entgelt bezahlt

Bund gegen Missbrauch der Tiere e.V.

Als gemeinnützig und besonders förderungswürdig anerkannt

Beiträge und Spenden sind steuerlich absetzbar

Hauptgeschäftsstelle: D-80803 München , Viktor-Scheffel-Str.15

Tel. (089) 3839520 Fax (089) 38395223

EINLADUNG ZUR JAHRESHAUPTVERSAMMLUNG DES bmt

Der jetzige Vorstand:

Jutta Breitwieser, Dr. Jörg Styrie, Karin Stumpf, Hans Hoffsümmer

B EITRITTSERKLÄRUNG

Der Bund gegen Missbrauch der Tiere

wählt im Juni 2005 den neuen Vorstand,

den Beirat und die Rechnungsprüfer!

Am Sonntag, 19. Juni 2005, 13.00 Uhr,

im Kulturzentrum "Gasteig"

(Vortragssaal der Bibliothek)

Rosenheimer Straße 5, 81667 München

1. Eröffnung und Begrüßung

2. Feststellung der Tagesordnung

3. Tätigkeitsbericht der

Bundesvorsitzenden

4. Kassenbericht des Schatzmeisters

5. Bericht der Rechnungsprüfer

6. Entlastung des Vorstandes,

der Hauptgeschäftsstelle

und der Gliederungen

7. Wahlen

8. Vorstellung neuer Tierheimleiter

9. Behandlung von Anträgen

10. Verschiedenes

Sie sind herzlich eingeladen!

Ich unterstütze den Bund gegen Missbrauch der Tiere e.V. und

�� werde Mitglied zum selbstbestimmten Jahresbeitrag von EUR ......................................................................

(Mindest-Jahresbeitrag: 20 EURO. Mitgliedschaft kann jederzeit satzungsgemäß beendet werden.)

Nach Überweisung des Beitrages erhalten Sie Ihre Mitgliedsunterlagen.

�� spende hiermit EUR....................................................................................................................................................................

Name:............................................ Vorname:.......................................... Geburtsdatum:..............................................

PLZ und Ort:....................................................... Straße und Hausnr.:............................................................................

Telefon:.............................................................. E-Mail-Adresse:...................................................................................

Beruf:................................................................. Datum:.............................. Unterschrift:.............................................

ÜBERREICHT VON:

Bitte Coupon ausschneiden und frankiert an die Hauptgeschäftsstelle oder untenstehende Geschäftsstelle senden.

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