WDR feuert Claudia Ludwig - Bund gegen Missbrauch der Tiere ev

bmt.tierschutz.de

WDR feuert Claudia Ludwig - Bund gegen Missbrauch der Tiere ev

April 2012

DAS RECHT DER TIERE

T IERSCHUTZMAGAZIN VOM B UND G EGEN M ISSBRAUCH DER T IERE E.V.

IMMER MEHR BÜRGER FORDERN:

Politiker, verbietet

endlich die Zoophilie!

KEINE

GLÜCKSBRINGER

WIE HUFEISEN

DEN PFERDEN

SCHADEN

KÖLN

POLIZEI BEENDET

ILLEGALE

HAHNENKÄMPFE

NEUER TREND:

"KANINHOP"

MEHR TIERQUÄLEREI

ALS SPORT


Das Recht der Tiere 1/2012

2

I NHALT

5

Protest

WDR feuert Claudia Ludwig

16

Hufeisen

Wie sie der Pferde-Gesundheit schaden

20 Köln

Illegale Hahnenkämpfe aufgedeckt

4 AKTUELL

Großdemo in Köln

Bürger gegen sexuellen Missbrauch von Tieren

10 JAGD

Abschuss von Krähen nimmt zu

Impressum

DAS RECHT DER TIERE Nr. 1/2012 Mitgliederzeitschrift des Bund

gegen Missbrauch der Tiere e. V.; Herausgeber: Bund gegen Missbrauch

der Tiere e.V, Viktor-Scheffel-Str. 15, 80803 München, Deutschland, Email:

mail@bmt-tierschutz.de; Redaktion: Verantwortlicher Redakteur .i.S.d.P.:

Claudia Lotz, Tel.: (030) 80 58 33 -38, Fax: -39, Petra Zipp, Tel.: (07121)

820 17 -0, Fax: -18; Rubrik Tierschutzpolitik Verantwortlicher Redakteur

i.S.d.P.: Torsten Schmidt, Tel.: (04642) 92 24 97;

Gestaltung: Stefan Lotz, Andrea Sturm;

6 TITEL

Interview mit Dr. Leondarakis

Warum ist Zoophilie in Deutschland nicht verboten?

12 TIERSCHUTZPOLITIK

Die Novellierung des Tierschutzgesetzes

13 AUSLANDSTIERSCHUTZ I

Rumänien: Bei Brasov soll ein Internierungslager

für Straßenhunde entstehen

14 AUSLANDSTIERSCHUTZ II

Petra Zipp als Referentin bei der

2. Tierschutztagung in Litauen

16 PFERDE

Dr. Hiltrud Strasser über die Gesundheit von Pferden

20

47 ADRESSEN

bmt-GESCHÄFTSSTELLEN

20 TH Köln Illegale Hahnenkämpfe in Köln

22 Franziskus TH Liebeserklärung an Cosmo

24 TH Hage Das Tierheim Hage vergrößert sich

28 TH Kassel Sisyphusarbeit bei Meerschweinchen & Co

30 TH Arche Noah Kennen Sie den "Trendsport" Kaninhop?

33 Vergesellschaftung von Meerschweinchen

34 Katzenhaus Nach 12 Jahren Tierheim ein Zuhause!

36 TH Elisabethenhof Bauarbeiten an den Hundezwingern

38 Gst NRW Ein Plädoyer für alte und ältere Hunde

40 Gst Berlin Protest gegen geplantes Tierversuchslabor

42 bmt-Außenstelle Die "Wolfsranch" in Stedten/Kranichfeld

44 TSZ Pfullingen Wie ein Dreamteam entsteht

48 EINLADUNG ZUR JAHRESHAUPTVERSAMMLUNG

Dieses Mal findet die JHV in Reutlingen statt!

ANZEIGEN Markt & Service 19 und 27

10 Feldzug gegen Krähen

Rabenvögel "vom Himmel holen"

Druck: L.N. Schaffrath DruckMedien, Geldern;

Übernahme von Artikeln, auch auszugsweise, nur mit Quellenangabe

gestattet. Gedruckt auf chlorfrei gebleichtem Papier.

Auflage: 39.000 Exemplare,

Verantwortlich für den Anzeigenteil:

Anzeigen-Büro Udo Kraushaar,

Email: bmt@anzeigen-buero.de,

Tel. (0 28 45) 53 86, Fax (0 28 45) 80 69 49


Tierschutz im Grundgesetz -

keine Erfolgsgeschichte!

Liebe Mitglieder, liebe Tierfreunde,

Am 5. April bat mich der Deutschlandfunk zu einem Interview ins

Studio. Das Thema: Artgerecht, vegetarisch oder gar vegan?

Essgenuss ohne Tierleid. Die Bilanz von zehn Jahren Staatsziel

Tierschutz.

"Dass der Tierschutz ins Grundgesetz aufgenommen wurde, ist mit Sicherheit das schönste Geschenk

für Ihren Verein", schrieb im August 2002 die damalige Bundesministerin Renate Künast dem bmt zu

seinem 50jährigen Jubiläum. Ich erinnere mich noch an diesen für mich persönlich sehr bewegenden

17. Mai * ) , als Renate Künast nach der Abstimmung im Deutschen Bundestag vor die wartenden

Tierschützer und Journalisten trat. In ihren Händen hielt sie ein Schild, auf dem die drei entscheidenden

Worte standen: UND DIE TIERE.

Viele von uns konnten die Freudentränen nicht zurückhalten. Wenn sich der Staat nun zum

besonderen Schutz der Tiere verpflichtet, sagten wir uns, kann er nicht gleichzeitig vor den

drängenden Tierschutzproblemen die Augen verschließen. Ist die Verankerung des Tierschutzes im

Grundgesetz noch vereinbar mit dem Leid der Tiere in Tierversuchen, auf Schlachttiertransporten, in

der intensiven Massentierhaltung und vielen weiteren Gebieten mehr?

Nein, da waren wir uns sicher: Dieser Tag würde ein Meilenstein werden; die Abwägung zwischen

Tierschutz und anderen verfassungsrechtlich geschützten Gütern müsste ein neues Gewicht

bekommen. Doch heute, nach einem Jahrzehnt, erkenne ich: Die Staatszielbestimmung Tierschutz hat

NICHTS bewirkt - für kein Mastschwein, keine Pute, für keine Versuchsmaus und keinen

Zirkuselefanten.

Dafür sehe ich aber etwas anderes: Unsere Gesellschaft wandelt sich, die Menschen beginnen zu

hinterfragen, ob es richtig sein kann, unseren Wohlstand und Überfluss auf Kosten der Schwächsten

zu leben.

Noch sind solche kritischen Stimmen in der Minderheit. Aber aus ihnen einen kraft- und machtvollen

Strom werden zu lassen, der Entwicklungen in Gang setzt, die dem Artikel 20a Grundgesetz wirklich

gerecht werden, wäre mein Traum zum 60jährigen Jubiläum des Vereins.

"Der Staat schützt auch in Verantwortung für die künftigen Generationen die natürlichen

Lebensgrundlagen und die Tiere im Rahmen der verfassungsmäßigen Ordnung durch die

Gesetzgebung und nach Maßgabe von Gesetz und Recht durch die vollziehende Gewalt und die

Rechtsprechung."

Ihre

Petra Zipp, bmt-Vorsitzende

* ) Der Bundesrat stimmte dieser Entscheidung am 21. Juni zu.

Am 1. August 2002 trat die Neufassung von Artikel 20a in Kraft.

A UF EIN W ORT

bmt-Vorsitzende Petra Zipp

Das Recht der Tiere 1/2012

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Das Recht der Tiere 1/2012

4

"Stoppt den sexuellen

Missbrauch von Tieren Tieren!" !"

Große Marschdemo in Köln

Erstaunen, Ungläubigkeit und Entsetzen - diese Gefühlsregungen

zeigten sich abwechselnd auf den

Gesichtern der Passanten, als die Marschdemo gegen

sexuellen Missbrauch von Tieren am 24. März

2012 an ihnen vorbeizog. Knapp 400 Tierschützer

haben sich daran beteiligt - darunter auch viele Ju-

Seit Herbst 2011 war der Termin in allen

Tierschutzforen von der Organisatorin

Ulla Saure von der tierleid.org bekannt

gegeben worden - und keiner

hätte wohl bei diesem Tabuthema mit

einer solchen Beteiligung gerechnet.

Viele der Demonstranten trugen die

auffälligen orangen Westen mit dem

Leitspruch "Stoppt den sexuellen Missbrauch

von Tieren", es gab Sticker und

die Petition, die selbst am Marschweg

unterschrieben wurde. Immer wieder

wurden über Megaphone Parolen für

den Schutz der Tiere verbreitet und Ministerin

Aigner aufgefordert, endlich zu

handeln.

Dieses Tierschutzthema öffentlich anzusprechen

und sich für eine Änderung

der Gesetzgebung einzusetzen, ist für

uns als Tierheim Köln-Dellbrück eine

Pflicht. Unter den vielen misshandelten

Tieren, die in den vergangen Jahren zu

uns gebracht wurden, sind mit Sicherheit

Opfer sexuellen Missbrauchs gewesen,

ohne dass wir es nachweisen

konnten. Vor einigen Jahren bekamen

wir eine Notfallmeldung aus der Türkei.

Eine sexuell

missbrauchte

Kangalhündin

wurde von Tierschützerngerettet

und sollte

nach Deutschland

gebracht

werden. Sofort

gaben wir grünes

Licht für die

Aufnahme der

Hündin, leider

gendliche, die sich mit dem Thema auseinandergesetzt

haben und ernst ihre selbstgestalteten Plakate

hochhielten. Viele Hunde - darunter auch unsere

seit kurzem vermittelte Staffordshire Terrier Hündin

"Berta" - sind den zweistündigen Rundweg durch die

Kölner Innenstadt mitgelaufen.

erlag sie vor Ort noch ihren Verletzungen

Zum großen Entsetzen aller gab es bei

der Demonstration auch Gegenaktivisten,

die sich tatsächlich öffentlich zu

ihrer Neigung und ihrem Missbrauch

an Tieren bekannten. So folgten drei

Personen der

Organisation

"ZETA" (ZoophilesEngagement

für

Toleranz und

Aufklärung)

mit ihrer grauschwarzgeflecktenDogge

dem Demozug,

bis sie

von der Polizei

Demonstranten fordern von Bundesministerin Ilse Aigner:

Zoophilie muss verboten werden!


ausgeschlossen wurden und Abstand

halten mussten. Eigens für die Veranstaltung

hatten sie einen Flyer in eigener

Sache drucken lassen und nutzten

die Demo, um Aufmerksamkeit zu erlangen.

Zoophilie ist in Deutschland nicht verboten

und das Einzige, was die Polizei

tun konnte, war die Personalien festzustellen.

Wir haben über das Kölner Veterinäramt

eine Überprüfung des Besitzers

der Dogge in die Wege geleitet, er

kommt allerdings nicht aus Köln. Wir

werden das nicht aus den Augen ver-

Die Welle der Empörung

schlug hoch,

nachdem wir auf unserer

Homepage und bei

Facebook eine entsprechende

Notiz veröffentlich

hatten. Täglich

erreichten uns

Hunderte Mails von

empörten und bitter

enttäuschten Menschen, die Claudia Ludwig helfen wollten.

Uns ging es ja genauso - und so organisierten wir den gemeinsamen

Protest.

In Windeseile ließen wir Protestkarten an den WDR drucken.

Dann veranstalteten wir knappe zwei Wochen später eine

große Aktion auf dem Wallraffplatz direkt vor der Haustür des

Westdeutschen Rundfunks in Köln.

Viele der 150 Tierschutzvereine und Tierheime aus Nordrhein-Westfalen,

die wir eingeladen hatten, sich zu beteiligen,

wurden aktiv: Sie forderten unsere Protestkarten und Unterschriftenlisten

an, hatten Termin und Texte auf ihren Homepages

veröffentlicht oder sie waren anwesend - sogar aus

Ostfriesland reisten Tierschützer und Fans der Sendung an.

Durch große Aufstellwände mit Protestbriefen, den Presseberichten

und einer Fotowand mit vielen Situationen mit

Claudia Ludwig in unserem Tierheim sind unzählige Passanten

stehengeblieben und es gab kaum einen, der nicht unterschrieben

hat. Unsere "lebende" Klagemauer verlängerte sich

ständig um Protestschreiben, Fotos und sogar um Stofftiere.

Claudia Ludwig hat seit ihrer Moderation der Sendung den

Tierschutz in Deutschlands Wohnzimmer gebracht. Sie ist

das Gesicht der Sendung, sie hat die Sendung gestaltet und

ZETA-Mitglied bekannte sich auf

Demo offen zu seiner Neigung

A KTUELL

lieren und bei dem zuständigen Amt

nachhaken. Beim Anblick dieses resignierten

Hundes standen vielen Teilnehmern

der Demo die Tränen in den Augen.

Wir können nur hoffen, dass mit dieser

Demonstration etwas in Bewegung gesetzt

wird, was schon längst fällig ist: Eine

Änderung der Strafgesetzgebung,

denn das Tierschutzgesetz bietet keinen

ausreichenden Schutz vor sexuellen

Übergriffen an Tieren.

Texte: Heike Bergmann,

Fotos: Heike Bergmann, Silvia Hemmerling

WDR feuert Claudia Ludwig

"TIERE SUCHEN EIN ZUHAUSE" künftig

ohne die beliebte Moderatorin

geprägt. Mit ihr geht nicht nur eine beliebte und erfolgreiche

Moderatorin. Claudia Ludwig ist eine Tierschützerin, die auch

außerhalb der Sendung für die Tiere im In- und Ausland da

ist.

Zudem ist sie Journalistin, Filmemacherin und Autorin, immer

im Auftrag der Tiere. Die Personalpolitik, die der WDR vorgelegt

hat, hätte man von einem privaten Sender erwarten

können, mit Sicherheit aber nicht von einem öffentlich-rechtlichen.

Dies hat dem WDR in Presse und Politik herbe Kritik

eingebracht. An der Entscheidung wird sich nichts ändern,

der WDR sitzt das augenscheinlich aus.

Den Ankündigungen aller enttäuschten Fans zufolge wird die

Sendung ab Mai mit großen Zuschauerverlusten zu rechnen

haben, sie wird regelrecht boykottiert werden.

Es versteht sich von selbst, dass wir bis auf weiteres nicht an

der Sendung teilnehmen werden und von einer Mitwirkung

an Beiträgen absehen. Die Protestkarten, Unterschriftenlisten

und unzähligen Zuschriften werden wir in Kürze der Intendantin

des Westdeutschen Rundfunks, Monika Piel, persönlich

übergeben.

Das Recht der Tiere 1/2012

5


Das Recht der Tiere 1/2012

6

T ITELTHEMA

Man darf keine Schriften verbreiten, die Menschen bei

sexuellen Handlungen mit Tieren zeigen, aber es ist erlaubt,

sexuelle Handlungen an Tieren vorzunehmen.

Über diesen zynisch anmutenden Widerspruch, der zugleich

eine Gesetzlücke im deutschen Strafrecht darstellt,

spricht Claudia Lotz mit Dr. Konstantin Leondarakis.

Der Göttinger Rechtsanwalt, Schwerpunkt Umwelt- und

Tierschutzrecht, vertritt den Standpunkt, dass Zoophilie

(früher Sodomie) verboten werden muss, weil das

Tierschutzgesetz Tiere vor sexuell motivierten Übergriffen

nicht schützen kann. "Die allerwenigsten Menschen",

sagt Dr. Leondarakis, "wissen um diese besonders

perfide Form der Tierquälerei, aber wenn sie

es hören, fordern sie alle ein sofortiges Verbot!"

Warum ...

Z


OOPHILIE

Des Menschen Lust,

des Tieres Leid

... in Deutschland (noch) nicht verboten ist!

RdT: Sie haben für den bmt gerade

Strafanzeige gegen einen Mann gestellt,

der Bilder seines von ihm fürchterlich

misshandelten Schäferhundes

ins Netz gestellt hatte. Der an Beinen

und Schnauze rücklings auf einen Tisch

gefesselte Hund Trasko wird auf der Fotoserie

(an seinen Genitalien) gequält -

die Bilder lassen eindeutig Rückschlüsse

auf sexuell motivierte Tierquälerei

zu. Wie wahrscheinlich ist es, dass der

oder die Täter bestraft werden?

Dr. Konstantin Leondarakis: Vorab

noch Grundsätzliches: Gegenwärtig

besteht in Deutschland die Situation,

dass Zoophilie, bzw. Sodomie, nicht

unter Strafe gestellt ist. Das heißt, sexuelle

Handlungen mit einem Tier sind

nicht strafbar, so lange nicht dabei

gleichzeitig die Voraussetzungen einer

Tierquälerei nach § 17 TierSchG erfüllt

sind.

Nach meinen Erfahrungen stellt ein objektiver

Mensch jede sexuelle Handlung

mit einem Tier einer Tierquälerei

gleich. Dies entspricht aber nicht der

Realität. Da der Gesetzgeber an den

Straftatbestand der Tierquälerei nach

§ 17 TierSchG sehr hohe Anforderungen

stellt, ist nur in den allerwenigsten

Fällen von sexuellen Handlungen mit

Tieren eine Verurteilung wegen einer

Tierquälerei nach § 17 TierSchG tatsächlich

möglich. Das ist für den Bürger

nicht nachvollziehbar, aber gegenwärtig

geltendes Recht.

Im vorliegenden Fall wurde Strafanzeige

gestellt, da hier die sexuellen Hand-

lungen mit dem Tier klar auf eine erhebliche

Tierquälerei schließen lassen.

Es ist unklar, ob das Tier diese sexuellen

Handlungen überlebt hat. Eine Prognose,

wie wahrscheinlich eine Verurteilung

der oder des Täters erfolgt,

wage ich jedoch nicht. Dafür bin ich zu

häufig, besonders von den Strafverfolgungsbehörden

und den Gerichten,

bei der Verfolgung bestehender Tierquälereien

enttäuscht worden.

RdT: In der Schweiz, Frankreich, Großbritannien

und Belgien werden sexuelle

Handlungen an Tieren unter Strafe

gestellt, die Niederlande, Schweden

und Norwegen folgen voraussichtlich

in Kürze mit entsprechenden gesetzlichen

Regelungen. Warum ist Zoophilie

in Deutschland noch immer erlaubt,

obwohl die Vergangenheit gezeigt hat,

dass das Tierschutzgesetz Tiere vor sexuell

motivierten Taten nicht ausreichend

zu schützen vermag?

Dr. Konstantin Leondarakis: Ich

kann Ihnen nicht sagen, warum die

Zoophilie in Deutschland noch immer

erlaubt ist. Umso unverständlicher, als

die Verbreitung von Schriften, wenn sie

sexuelle Handlungen von Menschen mit

Tieren zum Gegenstand haben, nach

den §§ 11, 184a StGB verboten ist.

Wir haben also die unglaubliche strafrechtliche

Situation, dass die sexuelle

Handlung mit Tieren an sich erlaubt,

die Verbreitung von Schriften über die

sexuelle Handlung aber strafrechtlich

sanktioniert und verboten ist. Es besteht

hier also eine deutliche Rechtslücke!

T ITELTHEMA

Ein Hauptgrund dafür scheint mir, dass

diese Thematik den meisten Bürgern,

aber auch den Politikern in Deutschland,

überwiegend völlig unbekannt ist.

Denn wenn man unvoreingenommene

Bürger darauf anspricht, dass Zoophilie

in Deutschland nicht strafbar ist, so

zeigen sie nach meiner Erfahrung ausschließlich

erhebliche Empörung und

absolutes Unverständnis. Insoweit

scheint es mir sehr wichtig, dass hier

noch erhebliche Aufklärung geleistet

wird, dass sexuelle Handlungen mit

Tieren gegenwärtig nur in den wenigsten

Fällen in Deutschland unter Strafe

stehen.

RdT: Bis 2013 muss der bundesdeutsche

Gesetzgeber die EU-Tierversuchsrichtlinie

in nationales Recht umsetzen.

Wie hoch ist die Chance, dass im Zuge

der anstehenden Novellierung des

Tierschutzgesetzes auch das Zoophilie-

Verbot (wieder) festgeschrieben wird?

Dr. Konstantin Leondarakis: Mir

ist keine ausdrückliche Bereitschaft einer

Partei, ein Zoophilie-Verbot zu no-

Schäferhund Trasko. Die Bilder seiner

Misshandlungen wurden nach drei

Tagen aus dem Netz genommen.

Das Recht der Tiere 1/2012

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Das Recht der Tiere 1/2012

8

T ITELTHEMA

minieren, bekannt. Dabei wäre ein Verbot

nicht schwierig durchzusetzen, weil

es weder wirtschaftliche, noch soziale

Argumente dagegen ein solches Verbot

gibt und insoweit kein Widerstand von

der Wirtschaft oder anderen Gruppen

zu erwarten ist.

Gleichzeitig halte ich die Wahrscheinlichkeit

bei der anstehenden Novellierung

des Tierschutzgesetzes eher für

gering, da die Novellierung ja auch

nicht dem besonderen Interesse der

Parteien an einem Schutz der Tiere,

sondern vielmehr europäischen Zwängen

geschuldet ist. Eine Veränderung

könnte eintreten, wenn das Thema in

der Öffentlichkeit stärker thematisiert

würde. Denn der Politiker möchte ja

gewählt werden.

Erwähnt werden müssen hier allerdings

die seit langem bestehenden, erheblichen

Bemühungen einzelner Politiker,

wie der Landestierschutzbeauftragten

des Landes Hessen, Frau Dr. Madeleine

Martin, die seit vielen Jahren versucht,

ein Zoophilie-Verbot zu erreichen.

RdT: Auch Sie machen sich mit vielen

Eine der fürchterlichsten Seiten im Internet - www.gegenhund.org

(früher www.gegenhund.net und www.gegenhund.info)

- widmet sich ausschließlich der Tötung von Hunden.

Alle Rubriken (Hundeschlachtsport, Hundegulasch gegen

Kinderhunger, Hundeschächtanleitung etc.) behandeln ausführlich

(und rufen zur Nachahmung auf!) die Tötung, die

Schlachtung, das Quälen, die Freude am nicht enden wollenden

Leid misshandelter Hunde und dokumentieren Gesagtes

mit Fotos. Sind schon die Textausführungen kaum zu

ertragen, lassen die Fotos - einmal gesehen - den Betrachter

kaum noch los. Bilder von chinesischen Hundemärkten, aus

Schlachthäusern, Asiaten beim "Zubereiten" und Zerlegen

von Hunden, Bilder von geschächteten, erschossenen und

verbrannten Tieren.

Die Bildunterschriften, wie "messerfreie Welpenöffnung" zu

einem toten Welpen, dem Hände in die blutigen Eingeweide

fassen oder "Der Weltmeister im Köterumtopfen" zu einer Szene

eines sich sträubenden Hundes, der von einem Asiaten offensichtlich

zum Verzehr getötet werden soll, sind dabei an

zynischer Grausamkeit nicht mehr zu überbieten.

Pferde, Maultiere und Esel zählen

zu den "beliebten Sexualobjekten"

von Zoophilien

namhaften Kollegen für eine Strafbarkeit

von Zoophilie stark und vertreten

damit sicherlich die Auffassung einer

gesellschaftlichen Mehrheit, wenn sie

denn von dem Thema erführe. Und

doch gibt es Juristen, die ein erneutes

Verbot von sexuellen Handlungen an

Tieren ablehnen. Welche Argumente

führen die Kritiker ins Feld?

Dr. Konstantin Leondarakis:

Stichhaltige Argumente für ein Verbot

von sexuellen Handlungen an Tieren

sind mir nicht erkennbar. Vereinzelt

wird tatsächlich noch das Argument

eingeführt, dass es sich insoweit quasi

um eine Wiedereinführung des § 175

StGB insgesamt handeln würde. Vielfach

besteht auch der Irrglaube, das

1969 aufgehobene Verbot der Sodomie

nach § 175 b StGB sei von den

Nazis normiert worden. Tatsächlich

bestand ein solches Verbot aber durch

§ 175 StGB seit 1871 durch das preußische

Strafgesetzbuch. Greifbare Argumente

bestehen also nicht.

RdT: Warum ist der sexuelle Missbrauch

von Tieren - bei aller Aufgeklärtheit

der Gesellschaft - noch immer ein

so großes Tabuthema? Was hält Ihrer

Meinung nach viele Menschen davon

ab, Zoophilie als eigenständiges und

scheinbar immer massiver werdendes

Tierschutzproblem wahrzunehmen?

Dr. Konstantin Leondarakis:

Nach meiner Erfahrung handelt es sich

nicht um ein Tabuthema, vielmehr ist es

einfach zu wenig bekannt. Die Medien

sind hier dringend aufgefordert, über

dieses Thema zu berichten. Gegenwärtig

sind sexuelle Handlungen an

Tieren nicht verboten. Dieser Zustand,

der nach meiner Auffassung nicht von

der Gesellschaft mitgetragen wird, sondern

höchstens von wenigen, sollte

Gegenstand von Veröffentlichungen

sein. Es sollten Diskussionen geführt

und die öffentliche Meinung in den Medien

wieder gespiegelt werden.

"…dutzende Köter als Vergeltungsmaßnahme gekeult "

STRAFANZEIGE GEGEN DIE BETREIBER VON www.gegenhund.org

Die meisten Internetnutzer werden sich zu Recht die Frage

stellen - und haben es zahlreich schon dem bmt entsetzt,

schockiert und hilflos vorgetragen: Warum darf solch eine offensichtlich

Gewalt verherrlichende, zu Straftaten aufrufende

und eine Gruppe (Hundehalter) diffamierende, Seite im Netz

bleiben? Was, wenn Kinder auf die Seiten schauen?

Der bmt fragt sich das auch. Zwei Mal, zuletzt im März 2010,

hat der Verein Strafanzeige gegen die Betreiber der Seite gestellt.

Doch die Staatsanwaltschaft Berlin stellte beide Ermittlungsverfahren

ein. Begründung der Staatsanwältin: "Es handelt

sich offenkundig um Satire und keine ernsthafte

Schilderung (…)."

Rechtsanwalt Dr. Konstantin Leondarakis sieht hingegen

mehrere strafrechtlich relevante Verstöße (Verstoß

gegen § 17 Tierschutzgesetz, § 111 und 185 Strafgesetzbuch

und außerdem Verstöße gegen das Jugendschutzgesetz),

die zu der erneuten Strafanzeige geführt haben, die

im Februar 2012 an die "Zentralstelle zur Bekämpfung der

Internetkriminalität" an die Oberstaatsanwaltschaft nach

Gießen ging.


RdT: Im Internet gibt es zahlreiche Foren,

auf denen sich Frauen und Männer

zu ihrer Neigung bekennen, Sex mit

Tieren zu haben oder haben zu wollen.

Auf den Internetseiten, die sich offensichtlich

steigender Beliebtheit erfreuen,

tauschen sich die Zoophilisten aus,

geben Erfahrungen weiter, raten zu

Praktiken, wann und wie Tiere mit welchen

Maßnahmen "gefügig" gemacht

werden können und etliches mehr. Halten

Sie es für möglich, dass die Dunkelziffer

von Menschen mit ähnlichen

Veranlagungen noch höher liegt als die

Besucherstatistiken dieser Seiten ausweisen?

Dr. Konstantin Leondarakis: Bei

unserer Recherche zu unserem Gutachten

("Gutachten über die Strafbarkeit

der Zoophilie am Beispiel der Bewertung

von Beiträgen des Internetforums

www.Tierlover.info") von 2009

mussten wir zunächst feststellen, dass

es im Internet verschiedene Foren gibt,

die scheinbar von Menschen genutzt

werden, die sexuelle Handlungen an

Tieren vornehmen. Die Anzahl der Teilnehmer

dieser Foren ist zumindest so,

dass es sich hier nicht um einzelne Personen

handelt, vielmehr um eine gewisse

Zahl.

Es ist unter sehr wahrscheinlich, dass

darüber hinaus noch eine gewisse Anzahl

von Menschen solche Praktiken

pflegt. Wie viele Menschen das tatsächlich

sind und in welchem Umfang

tatsächlich solche Handlungen in

Deutschland durchgeführt werden, ist

mir unbekannt.

RdT: Zoophilisten geben an, sexuelle

Handlungen an Tieren nur mit deren

"Einvernehmen" durchzuführen bzw.

nur auf Wunsch und "Aufforderung" der

Tiere sexuell tätig zu werden. Wie

kommt es zu einer derartigen Verzerrung

der Wahrnehmung?

Dr. Konstantin Leondarakis: Mir

scheint, dass dies die einzige Möglichkeit

der Rechtfertigung für Menschen

ist, die solche sexuellen Handlungen

an Tieren vornehmen.

Ich bin der festen Überzeugung, dass

jeder, der solche Handlungen nicht vornimmt,

nicht der Ansicht ist, dass se-

xuelle Handlungen an Tieren mit deren

Einvernehmen durchgeführt werden.

Tiere, gleich welcher Art, haben nach

meiner Ansicht in keinem Fall das Verlangen

mit einem Menschen sexuell tätig

zu werden. Insoweit betrachte ich

derartige Äußerungen schlicht als bloße

Rechtfertigung derjenigen Menschen,

die hier rücksichtslos und auf

Kosten der Tiere ihre sexuellen Vorstellungen

ausleben.

RdT: Der Frankfurter Sexualwissenschaftler

Volkmar Sigusch hat der

mehrfach geäußerten Auffassung

widersprochen, dass die Grenzen zwischen

zoophilen und pädophilen Tätern

fließend seien. Für diese Annahme

gäbe es keinen wissenschaftlichen Beweis,

sagt er u.a auf www.fr-online.de.

Volkmar Sigusch spricht sich gegen ein

Verbot von Zoophilie aus. Wörtlich: "Ein

Verbot von Zoophilie wäre eine Katastrophe.

Es würde Millionen Menschen

verstören und kriminalisieren.

Außerdem könnte das Delikt in aller

Regel gar nicht nachgewiesen werden."

Was halten Sie von der Aussage?

Dr. Konstantin Leondarakis: Ein

wissenschaftlicher Beweis für eine Verbindung

zwischen zoophilien und pädophilen

Verhalten ist sicherlich sehr

schwer zu führen. Und genauso wenig

besteht ein wissenschaftlicher

Beweis, dass

es eben keine

Verbindung

T ITELTHEMA

zwischen zoophilen und pädophilen

Tätern gibt.

Gleichzeitig wurden sehr wohl in vielen

Fällen Verbindungen zwischen zoophilen

und pädophilen Verhalten festgestellt.

Es gibt daher Anhaltspunkte für

eine Verbindung zwischen zoophilem

und pädophilem Verhalten.

Der weitere Ausspruch von Herrn Sigusch,

dass das Verbot von Zoophilie

"eine Katastrophe darstellt", halte ich

für unseriös und für wenig wissenschaftlich.

Hier scheint es mir eher, als

ob Herr Sigusch seine persönliche Meinung

wieder gibt, die offensichtlich eine

erhebliche Sympathie für die Zoophilie

begründet. Auch scheint mir die

Behauptung, dass davon "Millionen

Menschen verstört und kriminalisiert

wären", schlichter Unfug. Herr Sigusch

mag insoweit einmal ausführen, wie er

zu derart abstrusen Äußerungen

kommt.

Lediglich Einvernehmen besteht von

meiner Seite mit der Äußerung, dass

das Delikt in jedem Fall schwer nachzuweisen

ist. Denn oftmals sind die Verletzungen

bei den Tieren nur in geringem

Umfang physischer Art. Vielmehr

besteht durch sexuelle Handlungen bei

Tieren eine erhebliche psychische Verletzung

der Tiere.

Kein Tier kann es verstehen, dass ein

Mensch sexuelle Handlungen mit ihm

vornimmt. Insoweit führen sexuelle

Handlungen mit Tieren regelmäßig zu

erheblichen Verhaltensstörungen bei

diesen Tieren. Dies ist ja auch nicht weiter

verwunderlich und wird vermutlich

ebenfalls nur von solchen Menschen in

Frage stellt, die diesbezüglich

scheinbar eine gewisse

Sympathie pflegen.

Das Recht der Tiere 1/2012

9


Das Recht der Tiere 1/2012

10

T ITELTHEMA

Pervertierte Jagd

Über Sinn und Unsinn der Jagd wird trefflich gestritten.

Tier- und Naturschutzverbände fordern zu Recht

spürbare Änderungen im Jagdrecht, insbesondere

bei der Frage, welche Tiere zukünftig

noch sinnvoll bejagt werden sollen. Die

Tötung von Tieren im Rahmen der

Jagd verliert aber spätestens dann klar

ihre Legitimation, wenn der Abschuss zur

sportlichen Herausforderung verkommt und die

Tiere zu lebenden Schießscheiben degradiert

werden.

Nichts anderes geschieht, wenn so genannte

Crowbuster ihren Freizeitspaß

daran messen, Rabenvögel - ähnlich

dem umstrittenen Computerspiel

Moorhuhnjagd - vom Himmel

zu schießen. Der besondere

Kick liegt wohl vor allem darin,

dass Rabenvögel sehr intelligent

sind und sich nicht so einfach

bejagen lassen.

Bereits die Ausrüstung der Jäger

ähnelt einem Kampfeinsatz

der Bundeswehr: militärischer

Look wie Tarnanzug

und Gesichtsmaske,

dazu ausgestattet

mit halbautomatischen

Waffen.


KRÄHENTÖTEN

Wer die Crowbuster nur als vereinzelte

"Spinner" ansieht, die sich gerne in

Wald und Flur beweisen wollen, verharmlost

ihr Tun und verkennt die Entwicklung.

Mittlerweile erhält diese pervertierte

Art der Jagd Eventcharakter,

da zum Beispiel die Zeitschrift "Wild

und Hund" schon mehrfach eine Wild

und Hund-Forumskrähenjagd organisierte

und dadurch versucht, diese

Form der Jagd salonfähig zu machen.

"Wild und Hund" machte es sogar möglich,

dass die letzte Krähenjagd im

Münsterland 2011

live im Internet

mitverfolgt werden

konnte. Rund 80

Jäger erschossen

an diesem Tag

mehr als 330 Rabenvögel.

Auch wenn sich viele sogar konservative

Jäger von dieser Art der Jagd mittlerweile

distanzieren, sind Rabenvögel

bei den meisten Jägern und vielen

Landwirten nicht beliebt, zum Teil sogar

geradezu verhasst. Erschossene Rabenkrähen

werden nicht selten an einen

"Galgen" gehängt, wohl in der Annahme,

dass dies andere Rabenvögel

abschrecken und man Ernteschäden

verhindern könne.

Eigentlich sind Rabenvögel - als größte

Vertreter der Singvögel - urechtlich

durch die EG-Vogelschutzrichtlinie

(79/409/EWG) von 1979 geschützt.

Die Unterschutzstellung von Elster, Rabenkrähe

und Eichelhäher im deut-

schen Recht wurde erst 1987 in Anpassung

an die EG-Richtlinie vollzogen.

Allerdings wurde die EG-Vogelschutzrichtlinie

insbesondere auf Druck von

Deutschland aufgeweicht: So wurden

1994 Rabenkrähe, Elster und Eichelhäher

in den Anhang II/2 der Vogelschutzrichtlinie

überstellt und sind damit

nach EG-Recht mit gewissen

Einschränkungen jagdbar.

Auch wenn Deutschland selber als Mitgliedsland

der EU nie Gebrauch davon

gemacht hat, diese Arten bundesgesetzlich

als jagdbare

Arten zu listen, werden

sie in vielen

Bundesländern auf

rechtlich unterschiedliche

Weise als jagdbare

Arten geführt. In

einigen Bundesländern

sind Rabenkrähe,

Elster und Eichelhäher als jagdbare

Art im Landesjagdgesetz geführt,

andere Bundesländer haben separate

Rabenvogel-Verordnungen erlassen,

um den Abschuss zu regeln.

So kommt es, dass nach jahrzehntelangem

Schutz nun wieder Hunderttausende

von Rabenvögeln jährlich in

Deutschland geschossen werden. Allein

in NRW wurden im letzten Jagdjahr

rund 130.000 Rabenkrähen und

40.000 Elstern geschossen. Begründet

wird ihr Abschuss mit dem Schutz des

Niederwildes und der Singvogelbestände.

Aber macht es, diesem Argument

folgend, überhaupt Sinn, die Vögel

zu bejagen?

T ITELTHEMA J AGD

als FREIZEIT-EVENT

Eindeutig nein! Ein nachvollziehbarer

Grund ist nicht erkennbar. Zahlreiche,

über mehrere Jahre durchgeführte,

wissenschaftliche Studien, u.a. der Universitäten

Mainz und Kaiserslautern,

kommen zu dem eindeutigen Ergebnis,

dass es für eine flächendeckende

Bejagung von Rabenvögeln keine fachliche

Begründung gebe. So sieht es

auch das Bundesamt für Naturschutz.

Rabenkrähe und Elster stellen keine

Gefahr für Niederwild wie Hase, Kaninchen

oder Rebhuhn dar, da sich die

Vögel bis zu 90 Prozent von oberirdisch

lebenden Insekten ernähren. Vogeleier

und Jungvögel finden sich in den Statistiken

zum Nahrungsspektrum lediglich

mit maximal 0,2% wieder. Auch die

angebliche Gefahr für seltene bodenbrütende

Vogelarten, wie den Goldregenpfeifer,

wurde zwischenzeitlich

widerlegt.

Zusammen mit anderen Tier- und Naturschutzverbänden

setzt sich der bmt

dafür ein, dass die Rabenvögel wieder

wie andere Singvögel auch unter

Schutz gestellt und nicht mehr weiter

bejagt werden - Töten, "just for fun", ist

unethisch und inakzeptabel!.

Text: Torsten Schmidt

Das Recht der Tiere 1/2012

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Das Recht der Tiere 1/2012

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T IERSCHUTZPOLITIK

Es kommt nicht häufig vor, dass das Tierschutzgesetz in Deutschland geändert wird.

Umso mehr ist es für Tierschutzverbände wichtig, sich bei anstehenden Novellierungen

dafür stark zu machen, dass geplante Änderungen den Tierschutz tatsächlich

voranbringen und gleichzeitig jene Tierschutzforderungen im Diskussionsprozess

berücksichtigt werden, die bislang von der Politik ignoriert wurden.

Seit Januar 2012 liegt nun ein Entwurf

eines Dritten Gesetzes zur Änderung des Tierschutzgesetzes

vor. Von einer großen, umfassenden Reform des Tierschutzgesetzes

ist man jedoch weit entfernt. Denn die

Novellierung des Tierschutzgesetzes erfolgt nicht freiwillig.

Schließlich ist Deutschland, wie andere EU-Mitgliedsländer

auch, verpflichtet, eine EU-Richtlinie bis November 2012 in

nationales Recht umzusetzen, die die Verwendung von Tieren

in Tierversuchen regelt. Dazu sind auch Änderungen im

Tierschutzgesetz notwendig. Die geringe verbleibende Zeit

wird vom BMELV als Grund genannt, nur eine kleine Novelle

anzugehen. Da aber der Zeitrahmen hinsichtlich der EU-

Tierversuchsrichtlinie nicht überraschend kommt, hätte man

mit gutem Willen das Tierschutzgesetz tatsächlich umfassend

modernisieren können.

Der bmt hat zusammen mit der Tierschutzorganisation

Vier Pfoten eine ausführliche Stellungnahme dem zuständigen

Bundeslandwirtschaftsministerium

zugeleitet. Die Tierschutzverbände zeigen

sich insgesamt enttäuscht von den

wenigen vorgeschlagenen Veränderungen,

die tierschutzrechtlich ohnehin

überfällig sind, wie das Verbot des

Schenkelbrandes bei Pferden oder der

betäubungslosen Kastration von Ferkeln.

Man muss kein Prophet sein, um zu erkennen,

dass die jetzige Novelle nur

Schmalspur-Tierschutz ist. Ja, zum Teil ist

sogar mit Verschlechterungen zu rechnen!

Denn gleichzeitig mit der Änderung

des Tierschutzgesetzes wird auch die

Tierschutzversuchsverordnung beraten,

die der Umsetzung der EU-Tierversuchs-

richtlinie dient. Zwar wirbt die Bundesre-

TIERSCHUTZ

auf Sparflamme !

gierung damit, dass die nationalen Tierschutzstandards im

Bereich Tierversuche durch diesen notwendigen europäischen

Abgleich nicht abgesenkt werden sollen. Dies stimmt

aber in ganz wesentlichen Punkten nicht. Zum Teil unterlaufen

die jetzigen Planungen sogar das EU-Recht.

Markantes Beispiel ist eine von der EU formulierte Schmerz-

Leidens-Grenze für Tiere im Tierversuch. Die Richtlinie bestimmt,

dass ein Verfahren nicht durchgeführt werden darf,

wenn es starke Schmerzen, schwere Leiden oder schwere

Ängste verursacht, die voraussichtlich "lang anhalten" und

nicht gelindert werden können. Die Belastung der Tiere kann

also im Einzelfall sehr hoch sein. Überschreitet sie ein gewisses

Zeitfenster, muss der Versuch aber abgebrochen werden.

Der deutsche Verordnungsentwurf geht jedoch darüber hinaus

und verbietet erst dann Verfahren, wenn erhebliche

Schmerzen oder Leiden "dauerhaft anhalten".

Dieser klein anmutende Unterschied in der Formulierung

kann für Tiere in hoch belastenden Verfahren

schlicht zum Martyrium werden.

Denn "dauerhaft" kann schlimmstenfalls

auch heißen, dass die Tiere wochenlang,

ggf. bis zu ihrem Lebensende, mit

unerträglichem Leid leben müssen.

Auch hätte Deutschland im Rahmen der

Umsetzung der Tierversuchsrichtlinie die

Möglichkeit nutzen müssen, Tierversuche

an Menschenaffen ganz zu verbieten,

so wie es die Bundesregierung immer

wieder angekündigt hatte.

Dennoch soll in Deutschland eine Ausnahmeregelung

geschaffen werden,

dass bei bestimmten Versuchen auch

dieser ethische Tabubruch möglich ist.

2010 wurden 2277 Altweltaffen, wie zum Beispiel

Paviane, im Tierversuch eingesetzt , rund 1000

Tiere mehr als vor 10 Jahren!

Zur Novellierung

des Tierschutzgesetzes:

Text: Torsten Schmidt


RUMÄNIENS SCHANDE

DIE HUNDEFÄNGERMAFIA LÄSST NICHT LOCKER

Während sich die Welt über die Hunde-Tötungen im Vorfeld der Fußball-Europameisterschaft in der Ukraine

erregt, hat der Direktor der Stadtverwaltung Brasov, Flavius Barbulescu (links im Bild), einen perfiden

Plan entwickelt und unbemerkt von der Öffentlichkeit vorangetrieben.

In Codlea, Kreis Brasov, soll - in unmittelbarer

Nähe zu der Tierkörperbeseitigungsanlage

der Firma Protan - ein

Internierungslager für Straßenhunde

entstehen. Wie die rumänische Tageszeitung

"Buna Ziua Brasov" ("Guten Tag

Brasov") am 21.03. berichtete, sollen

die Arbeiten kurzfristig beginnen.

Für das "neue Tierheim" in Codlea

konnte Flavius Barbulescu, der in den

vergangenen Jahren über 30.000

Hunde in der berüchtigten Tötungsanlage

Stupin (Brasov) verhungern oder

mit T 61 töten ließ, zehn Kommunen

aus dem Kreis Brasov gewinnen, die

sein Konzept zur "Lösung des Straßenhundproblems"

aus Steuergeldern mitfinanzieren.

Das Gebäude soll mit Stacheldraht, Videoüberwachung,

pompöser Verwaltung

und innenliegender Zufahrt für die

Hundefängertransporter hermetisch

nach außen abgeschirmt werden. Die

Vermittlung von Hunden ist nicht vorgesehen.

Diese Anlage, die Barbulescu

nun mit den Geldern der unterstützenden

Gemeinden in Kürze fertig stellen

will, wurde geplant, als in Rumänien

über das Streunerhundgesetz und die

Legalisierung der Hundetötungen diskutiert

wurde.

In Brasov scheiterte die Realisierung

dieser Massenvernichtungsanlage für

Hunde 2011, weil sich die Stadt für ein

humanes Vorgehen zur Lösung des

Straßenhundproblems entschied. Sie

übertrug die Verantwortung für die

Straßenhunde auf das örtliche Tierheim.

Unter ungeheurer Anstrengung

gelang es "Millions of friends" und dem

bmt, bis Ende 2011 alle Hunde aus der

städtischen Anlage zu übernehmen

und mit Hilfe des bmt zu vermitteln.

Zahlreiche betreute Straßenhunde und

Besitzertiere wurden kastriert.

Doch nun tauchen im Stadtgebiet Brasov

neue Hunderudel in solchen Mengen

auf, dass schnell der Verdacht von

gesteuertem "Hundetourismus" aufkam.

Mit der angeblich wiedererstarkten

Population versucht Favius Barbulescu,

die Arbeit des Tierschutzes in

Frage zu stellen, hat die städtische Anlage

wieder eröffnet und die Bürgermeister

einiger umliegender Gemeinden

von der Notwendigkeit eines

großen Hundelagers außerhalb der

Stadt überzeugt.

Tierschützer befürchten, dass in der An-

lage die Hunde getötet und in der angrenzendenTierkörperbeseitigungsanstalt

schnell entsorgt werden sollen.

"Aus diesem Grund", erklärt Petra Zipp,

Vorsitzende des bmt, "ist die Kapazität

des "Tierheims" mit 40 Zwingern recht

gering - die armen Hunde werden nicht

lange verweilen." Ein Tierarzt mit entsprechender

Kaltblütigkeit sitzt schon

mit im Boot: Filip Alin war Jahre der gefürchtete

Tierarzt in der städtischen Tötungsanlage

Stupin, der Hunde nicht

behandelte, sondern mit T61 tötete.

bmt-SPENDENKONTO AUSLAND

Stichwort: Rumänien oder Ungarn

Frankfurter Sparkasse

Konto 847 275

BLZ 500 502 01

IBAN DE 795005 0201 0000847275

SWIFT BIC HELADEF 1822

KONTAKT:

bmt-Vorsitzende Petra Zipp

Tel: 07121/820 17 0

petra.zipp@bmt-tierschutz.de

Alle Protestmöglichkeiten finden

Sie auf unserer homepage

www.bmt-auslandstierschutz.de

Das Recht der Tiere 1/2012

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Das Recht der Tiere 1/2012

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TIERSCHUTZ-

TAGUNG

Im Februar 2012 trafen sich Vertreter von internationalen

Tierschutzorganisationen, der litauischen Regierung

und Hundezuchtverbänden in Vilnius.

Diese Fachtagung, veranstaltet von Vier Pfoten, der "Lithuanian

Cynological Society" und CAROdog (CARO =

Companion Animal Responsible Ownership), fand bereits

zum zweiten Mal in Litauen statt.

Diesjähriges Thema war die verantwortungsvolle Tierhaltung,

über die auch Petra Zipp sprach. Die bmt-

Vorsitzende war als Referentin geladen und legte in

ihrem Vortrag dar, warum die Existenz von Tierheimen

- gerade auch in Ländern mit hoher Straßenhundpopulation

- so wichtig ist.

Nachdem bei einer ersten Tierschutztagung

in Litauen im Mai 2011 bereits

wichtige Fortschritte wie etwa die Überarbeitung

des Litauischen Tierschutzgesetzes

oder ein landesweites Schulprojekt

zum Thema Tierschutz

angestoßen wurden und auch auf EU-

Ebene derzeit entscheidende Verbesserungen

in der Tierschutz-Gesetzgebung

diskutiert werden, sollte diese

Arbeitstagung ein Forum für regen Erfahrungsaustausch

und Diskussionen

bieten. Eröffnet wurde die Tagung

durch den Landwirtschaftsminister Litauens,

Dr. Mindaugas Kuklierius; der

leitende Veterinärdirektor des Landes,

Dr. Marius Marisulis, nahm ebenfalls

als Referent teil.

In ihrer Präsentation stellte Petra Zipp

zunächst die Notwendigkeit für den

Bau und Betrieb von Tierheimen dar:

"Hunde oder Katzen, die von ihren Be-

sitzern nicht weiter betreut werden können,

sei es wegen Krankheit, Allergie

oder Wohnungswechsel oder auch,

weil sie nicht länger erwünscht sind,

müssen in Tierheimen aufgefangen

werden. Gibt es solche Einrichtungen

nicht, so werden die Tiere herrenlos

und tragen dazu bei, die Population

von Streunertieren in den Straßen immer

weiter zu vergrößern, mit allen damit

verbundenen Problemen."

Gerade in den Ballungsgebieten der

osteuropäischen Länder stellen streunende

Hunde und Katzen ein großes

Problem dar, dem immer wieder von

behördlicher Seite mit nicht tierschutzgerechten

Mitteln wie etwa groß angelegten

Tötungsaktionen begegnet wird

- ohne jedoch den erwünschten Effekt

zu erzielen.

Petra Zipp hob in ihrem Vortrag hervor,

wie wichtig die gute Zusammenarbeit

von Behörden und nicht-behördlichen

Tierschutzorganisationen für eine dauerhafte

und vor allem tierschutzgerechte

Problembewältigung sei. Grundsätzlich

sollten an der Planung eines

Tierheimes mehrere Seiten beteiligt

sein, um zum einen den tatsächlichen

Bedarf der Region zu analysieren und

zum anderen eine klare Zielsetzung zu

erarbeiten.

Tierheime beugen einer

Vergrößerung der

Streunerhundpopulation vor


in

Litauen

Während die Politik entsprechende rechtliche Rahmenbedingungen

schaffen müsse, mit denen die Kennzeichnung,

Registrierung und Kastration von Hunden und Katzen in

Privatbesitz geregelt und damit die Tierbesitzer mehr in die

Verantwortung genommen würden, sollten der Betrieb und

die Organisation eines Tierheimes in den Händen eines Tierschutzvereines

liegen, um die tierschutzgerechte Versorgung,

medizinische Betreuung und möglichst die Vermittlung der

Tiere an neue Besitzer zu gewährleisten.

Auch für die Organisation und praktische Umsetzung beim

Betrieb eines Tierheimes gab Petra Zipp in ihrem Vortrag

wertvolle Anregungen, die sie mit Beispielen aus dem Alltag

und den Erfahrungen der bmt-Tierheime in Deutschland

untermauerte. So seien neben der optimalen Versorgung

und Unterbringung der Tiere eben auch die Öffentlichkeitsarbeit

und eine gesicherte Finanzierung durch Sach- und

Geldspenden und regelmäßige kommunale Mittel unerlässlich,

um langfristig erfolgreiche Tierschutzarbeit leisten zu

können.

Als Fazit dieser sehr intensiven und vielversprechenden

Tagung in Vilnius hat der Veranstalter CAROdog folgende

generelle Grundsätze formuliert:

Eine verantwortungsbewusste

Haltung von

Hunden, Katzen und

auch Pferden muss als

grundsätzliches Prinzip

Einzug in die Europäische

Tierschutz-Gesetzgebung

finden.

Verantwortungsvoller

Forderungen an

Pferdehalter erarbeitet

Umgang mit Tieren muss

erlernt werden - Tierschutzunterricht

sollte in

die Lehrpläne der Schulen in allen Mitgliedsstaaten der EU

verbindlich aufgenommen werden.

Um verantwortungsvolle Tierhaltung praktikabel und

auch überprüfbar zu machen, sollte die Kennzeichnung und

Registrierung von Heimtieren EU-weit einheitlich und verbindlich

gemacht werden.

bmt-Vorsitzende

Petra Zipp wurde als

Referentin nach Vilnius

geladen

A USLANDSTIERSCHUTZ

Auch die Planung, der Bau und der Betrieb von Tierheimen

für Hunde und Katzen sind für eine verantwortungsbewusste

Tierhaltung unerlässlich und müssen von den Behörden

mit getragen werden.

Die Reduzierung der Überpopulation von Hunden und

Katzen muss in enger Zusammenarbeit zwischen öffentlichen

und privaten Stellen erfolgen und bedarf klar festgelegter Regeln,

die allein auf tierschutzgerechten Methoden basieren.

Auch für den Handel und den Transport von Tieren muss

verantwortungsvolles Handeln gefordert werden.

Speziell für die Pferdehaltung wurden Forderungen an

Privathalter und kommerzielle Halter aufgestellt, etwa die gewaltfreie

Dressur oder Mindest-Betreuungszeiten.

Ebenso wurde von Hundezüchtern ein verantwortungsbewusster

Umgang mit ihren Tieren gefordert - Tierschutz-

Kriterien sollen bei der Zucht mehr Beachtung finden.

Anzeige

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Das Recht der Tiere 1/2012

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T ITELTHEMA

Aus Altersgründen hat Dr. Hiltrud Straßer

die Hufklinik in Tübingen vor zwei

Jahren geschlossen. Inzwischen gibt es

in Europa und Übersee mehrere Hufkliniken

und zahlreiche Schüler, die

nach der "Straßer-Methode" ausbilden.

Die Tierärztin wird sich aber weiter

der Forschung widmen und Fachvorträge

in der Welt halten - und sich

in der Freizeit auf dem Pferderücken

entspannen. Wie ihre Familie liebt Dr.

Straßer nämlich das Geländereiten …


HUFEISEN

Machen wir uns bewusst, dass Pferde

von Natur aus täglich durchschnittlich

15 -20 km unter freiem Himmel laufen.

Niemals verstecken sie sich in Höhlen

oder suchen anderswo einen Unterschlupf!

Das Argument, "durch die Domestikation

haben die Pferde andere

Bedürfnisse entwickelt", stimmt überhaupt

nicht, denn es gibt keine anatomischen

oder physiologischen Unterschiede

zwischen wild lebenden

Pferden und Nutzpferden.

Nun ist es ja für die Pferde nicht nur das

Gefühl, "ich armes Tier bin eingesperrt",

sondern es ist das Unvermögen

des Herzens, alleine (im Stand, ohne

Bewegung) so viel Blut durch den Organismus

zu pumpen, dass alle Zellen

des Körpers ordnungsgemäß versorgt

sind.

Beim Pferd finden wir eine extreme Situation

der Volumenanpassung: Wildlebende

Pferde bewegen sich von 24

Stunden mindestens 22. Ein bis zwei

Stunden ruhen sie. In dieser Ruhephase

verändert sich das Herzschlagvolu-

men. So werden nur noch 20% des Blutes

in das Herz-Kreislaufsystem gepumpt,

in Bewegung dagegen 100%.

Das bedeutet, ein Pferd in einer Box bekommt

- mit Ausnahme der einen Stunde

unter dem Sattel - ständig nur ca.

20% der Durchblutung, die es eigentlich

für die Stoffwechselfunktionen und

die Erneuerung seiner Zellen benötigt!

Es wird also bei der Boxenhaltung dadurch

früher "verschlissen". Hinzu kommen

Sauerstoffmangel in geschlossenem

Raum, Staub statt frischer Luft,

psychische Probleme für das Herdentier,

wenn es einzeln steht usw..

Wenn das Pferd genutzt wird, werden

ihm seine vier Pumporgane - die Hufe

- die zur Herzunterstützung zum Rücktransport

des Blutes (die Beine hoch

zum Herzen) gebraucht werden, mit

Hufeisen "zusammengenagelt", so dass

sie nicht mehr pumpen können. Darunter

leidet nicht nur das Herz, sondern

der gesamte Stoffwechsel, weil auch

die Durchblutung des Hufinnern selbst

minimiert wird und deshalb nicht so viel

Über die tägliche Misshandlung

von Pferden

BRINGEN

KEIN GLÜCK

T ITELTHEMA P FERDE

"Den meisten Menschen ist nicht klar, dass die überwiegende Mehrheit der Pferde in Nutzung durch den

Menschen nicht besser dran ist als Schweine oder Geflügel", sagt Dr. Hiltrud Straßer, die sich seit 1978 mit

dem Verhalten, der Physiologie und insbesondere der Hufgesundheit von Pferden beschäftigt. 1995 eröffnete

die Tierärztin in Tübingen die weltweit erste Hufklinik - ein auf Hufprobleme spezialisiertes Rehabilitationszentrum

für Pferde, die von der Schulmedizin als "austherapiert" galten und aufgegeben worden

waren.

Pferde verhalten sich anders als in Lehrbüchern beschrieben. Auf dieser grundlegenden Erkenntnis baut

Dr. Hiltrud Straßer ihr immer umfangreicher werdendes Wissen auf, das sie über Jahrzehnte weitergibt.

Seminare, Bücher, Publikationen, die schon früh Einzug in die Hufpflegeausbildung halten, und Vortragsreisen

durch USA, Afrika, Neu Seeland und Skandinavien dienen alle dem einen Ziel, dem Pferd in

physischer und psychischer Hinsicht gerecht(er) zu werden.

Horn ausgeschieden wird, wie es von

Natur aus der Fall wäre.

Nahrungsaufnahme und Ausscheidung

bestimmter Stoffe müssen aber

im Gleichgewicht sein. Mindere Durchblutung

der Hufe hat einen ähnlichen

Effekt wie das Abschnüren der Nieren

beim Menschen: Es bleiben zu viele

ausscheidungspflichtige Stoffe im Körper

zurück, die den übrigen Stoffwechsel

dann belasten. Dadurch verlieren

die Pferde ihre Resistenz gegen Krankheitsursachen,

und die Hufe verlieren

ihre Stabilität.

Das Recht der Tiere 1/2012

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Das Recht der Tiere 1/2012

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P FERDE

1. "Übliche" Hufe

Hufe wären stabil genug für alle Gelände

und jeden Sport, wenn sie nicht

in einer Box mit Einstreu stehen müssten,

die den Ammoniak aufsaugt. So

stehen die Hufe ständig in einer Ammoniaklauge,

die das Horn weich und

brüchig macht - abgesehen von dem

Ammoniak in der Luft, der die Atemwege

schädigt. Wir haben nun jahrzehntelange

Erfahrung mit allen Rassen

und können belegen, dass die

Pferde ohne Hufeisen in Offenstallhaltung

leistungsfähiger sind und im

Gegensatz zu beschlagenen Pferden

keine leistungsbedingten Probleme bekommen.

Beim Reiten wird den Pferden Eisen ins

Maul gesteckt. Das ist unangenehm,

und die Pferde versuchen, diesen

Fremdkörper loszuwerden, indem sie

kauen und speicheln. Damit nicht womöglich

doch das "Gebiss" hinausgeschoben

werden kann, wird das Maul

mittels Lederriemen eng zugschnürt.

Oft ist das so eng, dass Blutgefäße und

Nerven abgeschnürt werden.

Es gibt einen Reflex beim Pferd, der

gleichzeitiges Schlucken und Atmen

verhindert: Der Kehldeckel schließt

sich, wenn etwas im Maul ist (in der Natur

kann das nur Futter sein) und öffnet

sich, wenn das Pferd bei schnellem

Laufen viel Sauerstoff einatmen muss.

Wenn das Pferd unter dem Reiter angestrengt

arbeitet, würde es gerne viel

Luft einsaugen, weil das für die Mus-

2. Naturhuf

kelarbeit nötig ist. Das geht aber nicht,

weil das Gebiss im Maul (bei den Spezialzäumungen

oft sogar mehrere Eisenteile)

nicht erlaubt, dass der Kehldeckel

weit geöffnet wird. Letzteres wäre

auch fatal, weil dann der viele Speichel

- als reflektorische Antwort auf den

Fremdkörper - in die Luftröhre käme.

Sicher haben die meisten Zuschauer

beobachtet, dass die Pferde nicht mit

lang nach vorne gestrecktem Hals laufen

dürfen, sondern mit abgewinkel-

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tem. In der Natur ist bei hoher Leistung

der Luftstrom von der Nase bis in die

Lungen eine fast gerade Röhre zur optimalen

Sauerstoffversorgung.

Unter dem Reiter wird dieses Rohr abgeknickt

und dadurch die Sauerstoffzufuhr

wiederum gedrosselt.

Das bedeutet eine enorme Überlastung

des Pferdes, die völlig unnötig ist, aber

nun mal "so ist"! Die meisten Reiter machen

sich keine Gedanken darüber.

Von Kindheit an wird den Reitern beigebracht,

wie man Pferde (falsch) hält,

dass man ihnen Eisen auf die Hufe nageln

muss, dass man dem Pferd Eisen

ins Maul steckt, um sie gefügig zu machen,

dass sie nicht den Kopf nach vorne

strecken dürfen usw..

3. Erst nach Eisenabnahme

erkennbar: verfaultes Lamellenhorn

und blutiges Horn um die

Nagellöcher herum.

In ein paar Sätzen kann man nicht die

gesamte Quälerei, die man Pferden

besonders in den Turnier- und Rennställen

antut, erörtern. Es soll nur ein

kleiner Hinweis sein, dass Tierfreunde

sich auch mal Gedanken um die Pferde

machen sollen!

Die Problematiken rund um die Pferdenutzung

sind ausführlich in den Büchern

"Pferdehufe ganzheitlich behandeln",

"Huforthopädie" und den

weiteren Titeln (s. Anzeige) erklärt.

Auch wenn die Titel sich auf die Hufe

beziehen, ist doch das gesamte Pferd

betrachtet, eben "ganzheitlich".

Die Bücher können bei der Autorin

oder über den Buchhandel, sowie über

die Firmen "Heunetz", "Lucky Farm"

und Amazon bezogen werden.


Das Recht der Tiere 1/2012

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Das Recht der Tiere 1/2012

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TH KÖLN D ELLBRÜCK

IN KÖLN:

ILLEGALE

HAHNENKÄMPFE

“TESTOSTERON-SPIELE” MIT HAHNENKAMM

In einem Schrebergarten beendete die Kölner Polizei einen illegalen Hahnenkampf. 13 hochaggressive

"Hint Horoz"-Hähne sitzen seither bei Bernd Schinzel im Tierheim. Im Interview sagt er: "Bei Hahnenkämpfen

handelt es sich um übelsten Tiermissbrauch"

Es war eine Entdeckung, die Polizisten

nicht jeden Tag machen: Auf einem

Schrebergartengelände in Köln fanden

die Beamten einen Verschlag mit 13

verletzten Hähnen und eine Kampfarena

mit Zuschauerrängen.

Eine Zeugin hatte die Polizei alarmiert.

Als die Beamten eintrafen, waren etwa

40 Personen vor Ort, die Tiere befanden

sich in kleinen Käfigen, Kampfhandlungen

konnten nicht bezeugt

werden. "Wahrscheinlich waren wir zu

früh", sagte ein Polizeisprecher. Dennoch

fest steht: Hier fanden offenbar illegale

Hahnenkämpfe statt. Die Polizei

ermittelt nun gegen den Besitzer des

Schrebergartens. Zum einen wegen

Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz,

zum anderen wegen illegalen Glückspiels.

Die Hähne wurden in ein Tierheim gebracht.

Leiter Bernd Schinzel erzählt im

Interview, warum ihre Haltung schwierig

ist und wie es mit den aggressiven

Tieren weitergehen könnte.

SPIEGEL ONLINE: Herr Schinzel, bei

einer Razzia in Köln-Höhenberg ver-

hinderte die Polizei in einem schmuddeligen

Schrebergarten einen Hahnenkampf.

Schinzel: Nicht nur der Schrebergarten

war schmuddelig. Bei Hahnenkämpfen

handelt es sich um übelsten

Tiermissbrauch. Der Besitzer des Schrebergartens

hatte eine eigene Kampfarena

errichten lassen. Eine erhöhte

Bühne mit einem etwa 60 Zentimeter

hohen Zaun. Dort wurden die Tiere

aufeinander losgelassen. Menschen

reisten mit ihren Tieren extra aus Belgien

oder den Niederlanden an, um

bei den illegalen Kämpfen zu wetten.

Der für den Kampf fertig beschnittene “Champion”

Das sind perverse Testosteron-Spiele.

SPIEGEL ONLINE: In dem Schrebergarten

fand die Polizei auch ein Messer.

Schinzel: Ja. Normalerweise endet

der Kampf, wenn ein Tier das andere

getötet hat. Aber wenn das Verlierer-

Tier noch lebt, dann schneidet der Besitzer

des Sieger-Hahns dem unterlegenen

Tier den Kopf ab.

SPIEGEL ONLINE: Wie halten Sie nun

die beschlagnahmten Tiere?

Schinzel: Nach bestem Gewissen,

aber trotzdem überhaupt nicht artgerecht,

weil wir auf so eine Notsituation

nicht vorbereitet sein können. Die Hähne

sitzen in Hunde- und Katzenboxen,

jeder für sich. Sie gehören der türkischen

Rasse "Hint Horoz" an. Sie sind

schnell gewaltbereit und besitzen einen

ausgeprägten Geschlechtstrieb. Wenn

sie sich sehen können, drehen sie

schon durch. Auch das Anfassen ist

nicht leicht. Manche hacken nach uns

oder versuchen, einen mit dem Sporn

an ihren Füßen zu verletzten.

SPIEGEL ONLINE: Haben die Tiere

Verletzungen?


Schinzel: Teilweise haben sie alte Verletzungen

an Kopf, Hals und Augen.

Aber sie wurden vor dem Kampf sichergestellt,

sonst sähen sie anders

aus.

SPIEGEL ONLINE: Was sind die Tiere

wert?

Schinzel: Damit kenne ich mich nicht

aus. Aber sicherlich ist es so, dass Tiere,

die kampfbereit sind oder schon

Kämpfe gewonnen haben, wertvoller

sind. Wir hatten heute Besuch von einem

Spezialisten. Der hat uns gesagt,

dass manche Tiere schon für den

Kampf präpariert waren, dass zum Beispiel

die Federn zurechtgestutzt waren.

Solche Tiere sind teuer.

SPIEGEL ONLINE: Hatten Sie vorher

schon mal Erfahrungen mit Kampfgockeln?

Was weiter passierte:

Die dreizehn

Hähne sind einige

Tage später über das Kölner Veterinäramt

anderweitig untergebracht worden - an einem

geheimen Ort, denn es ist damit zu

rechnen, dass die (teilweise aus dem Ausland

stammenden) Besitzer versuchen, sich ihre

Tiere wieder anzueignen. Sie verbleiben dort,

bis die Rechtslage geklärt ist.

Einige Hähne, so erklärte uns der oben erwähnte

Spezialist, dienen als "Sparringpartner",

sie heizen die eigentlichen Kämpfer an.

Bei uns im Tierheim waren dies die jüngeren

und ängstlichen Tiere, ihr Federkleid war unbeschnitten.

Auch waren ihnen zum Teil die

Sporen gekappt worden (Bild rechts unten),

damit sie die wertvollen Tiere nicht verletzten. Diese haben einen

Wert von ca. 500 bis 2.000 Euro.

Die Federn der Hähne werden zum Kampf mit Scheren abgeschnitten,

damit die Verletzungen für die Zuschauer zu sehen

sind und durch das Federkleid nicht verhindert werden.

Dies war bei einigen unserer befiederten Gäste deutlich am

Kopf, an den Flanken und am Schwanz (Bild Mitte) zu sehen.

Damit es im Kampf auch zu den entsprechenden Verletzungen

kommt, werden scharfe Klingen als Verlängerung der

Sporen an die Beine der Tiere geschnallt. In weiten Teilen Eu-

ropas sowie in Nordamerika gilt der Hahnenkampf

als Tierquälerei und ist gesetzlich

verboten. In vielen Staaten gilt auch das damit

verbundene Glücksspiel als illegal.

In Südamerika, Mittelamerika und besonders

in Südostasien ist der stark verbreitete Hahnenkampf

kulturell verwurzelt und legal. Die

Schinzel: Ja, vor zwei Jahre brachte

man uns ein Fundtier, ein kleines Küken.

Als es größer wurde, konnten wir

es der Kampfhuhnrasse zuordnen. Wir

nannten den Hahn "Klitschko" und er

sitzt bis heute hier.

SPIEGEL ONLINE: Ist Klitschko unvermittelbar?

Schinzel: Quasi. Viele Leute sagten

uns: Einen Hahn nehmen wir gern,

aber einen "Hint Horoz"? Es ist nicht

unwahrscheinlich, dass so ein Tier auch

auf Kinder losgeht. Die Lebensbedingungen,

die das Tier in der freien Natur

hat, sind einfach anders.

SPIEGEL ONLINE: Was geschieht

jetzt mit den 13 Kampfhähnen und

Klitschko?

Schinzel: Es kam ein Mann vom Geflügelverband,

der sich vorstellen

TH KÖLN D ELLBRÜCK

Kampfhahn der türkischen Rasse

"Hint Horoz"

könnte, die Tiere aufzunehmen. Wenn

er sie nicht nimmt, dann wissen wir

erstmal auch nicht weiter.

Dieser Artikel wurde mit freundlicher Genehmigung

von Spiegel-ONLINE übernommen.

Das Interview führte Nora Gantenbrink.

Quelle: www.spiegel.de/panorama/0,1518,818396,00.html

Hähne leben hier meist mit im Haus, um nicht Gefahr zu laufen,

gestohlen zu werden. Die Wetteinsätze, gerade in Südostasien,

belaufen sich über Geldbeträge bis 20.000 Euro,

nicht selten werden auch Haus, Hof und Autos verwettet.

Im Prinzip bedarf es keiner Trainingsmethoden der Tiere, da

durch das natürliche Revierverhalten der Hahn versucht, den

Gegner auszuschalten. Damit die natürliche Distanz unterschritten

wird, ist der Kampfplatz entsprechend klein gehalten,

so dass sich die Tiere nicht ausweichen können. Viele

Kampfhahnbesitzer trainieren dennoch ihre Favoriten, so

werden sie in Indien zum Beispiel angeleint in einen Fluss geworfen,

um durch die Schwimmbewegung die Beinmuskulatur

zu stärken. Eine langfristige Verabreichung von Steroiden

ist auch nicht unüblich, um den Hahn zu konditionieren,

ebenso können vorab verabreichte Schmerzmittel die Ausdauer

im Kampf verlängern.

Im klassischen Hahnenkampf werden zwei Hähne in einer

Arena oder einem schlichten Kampfplatz, der lediglich von

den Zuschauern begrenzt wird, aufeinander losgelassen. Üblich

ist, auf den Ausgang des Kampfes zu wetten. Dieser ist

vorbei, wenn einer der Hähne nicht mehr kämpft, schwer verletzt

ist oder stirbt.

Text und Fotos: Heike Bergmann

TH Köln-Dellbrück

Iddelsfelder Hardt, 51069 Köln

Leiterin (GSt): Sylvia Bringmann

Leiter (TH): Bernd Schinzel

Tel. (0221) 68 49 26, Fax 68 18 48

Postbank Köln, BLZ 370 100 50

Konto 924 02-505

www.tierheim-koeln-dellbrueck.de

Das Recht der Tiere 1/2012 4/2011

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Das Recht der Tiere 1/2012

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Von Tierheim-Leiter

Mein Lehrmeister

LIEBESERKLÄR

Alles auf dieser Welt hat seine Zeit. Es gibt eine

Zeit für die Freude und auch eine Zeit für

die Trauer. Und es dauert seine Zeit, bis man

manche Dinge verdaut hat und über sie sprechen

kann.

Bei mir sind das jetzt knapp 11 Monate, seit

ich meinen alten Cosmo einschlafen lassen

musste. Er hat mich 14, 5 Jahre lang durch diverse

Irrungen und Wirrungen meiner verschlungensten

Lebenswege begleitet, und es

gibt eigentlich niemanden, der es länger mit

mir ausgehalten hat. Außer meiner mittlerweile

über 17 jährigen Jack Russell Hündin Luzy

natürlich. Die hatte auch keine andere

Wahl...

Gemeinsam mit Cosmo habe ich unser Leben gelebt ,

und ohne ihn muss ich mich von einem Teil meines Lebens

verabschieden. Die Studienzeit, Examen, Ausbildung,

meine Tätigkeit in Österreich auf Gut Aiderbichl,

die Anfangszeit in Hamburg - das alles sind,

nein, es waren, Cosmo-Jahre. Mit ihm habe ich meine

Sturm- und Drangzeit zu Grabe getragen.

Jetzt sind meine wilden Jahre nur noch die verklärten

Erinnerungen eines Mitt-

Vierzigers. Das ist hart,

die Zeit hinterlässt diverse

Runzeln, auch auf der

Seele, da nutzt kein Botox

mehr was. Wahrscheinlich

hat diese Tatsache

das Ihrige dazu beigetragen, dass dieser

Abschied so schmerzhaft für mich war, dass ich einige

Monate brauchte, um Tatsachen zu akzeptieren.

Es ist verrückt - eigentlich besteht unser ganzes Leben

darin, uns von lieb gewonnen Lebewesen und Dingen

wieder zu trennen. Interessant ist, dass wir uns nicht


Frank Weber

Cosmo

UNG AN EINEN HUND …

daran gewöhnen können. Die Kunst des Lebens besteht darin,

loszulassen. Das Leben meines Hundes ist nun mal begrenzt,

genauso wie meine Jugend. Wir sind ein Teil der Dinge,

die geschehen, weil sie geschehen. Ob wir das wollen,

hat keinen Einfluss auf die Fließgeschwindigkeit des Lebens.

Und der Lebenslauf eines Hundes ist nun mal wesentlich kürzer

als unserer.

Cosmo war für mich ein wunderbarer Lehrmeister. In unseren

gemeinsamen Jahren hat er mir zum Beispiel beigebracht,

dass man bei der Erziehung eines Hundes nicht mit

dem Kopf durch die Wand gehen kann. Er war ja ein großes

und sehr sensibles Wesen und mit barschen Worten konnte

er überhaupt nicht umgehen. Gleichzeitig war es meine Aufgabe,

ihn erzieherisch für das Zusammenleben in menschlicher

Gesellschaft fit zu machen. Da musste man schon ein

gewisses Fingerspitzengefühl

entwickeln.

Franziskus-Tierheim

Geschäftsstelle Hamburg

Lokstedter Grenzstr. 7, 22527 Hamburg

Leiter: Frank Weber

Tel. GSt (040) 55 49 28 - 34, Fax -32

Tel. Tierheim (040) 55 49 28 37

Haspa, BLZ 200 505 50,

Konto 1049220799

Unser Zusammenleben

hat mir eröffnet, wie spielerisch

die Klaviatur der

Kommunikation zwischen

Hund und Mensch bespielt

werden kann. Im Laufe unserer

gemeinsamen Jahre

haben wir eine Sprache

entwickelt, die beide Seiten wortlos und relativ perfekt beherrschten.

Kurz und gut - umso länger wir zusammen lebten,

umso besser haben wir uns verstanden. Bis zur letzten

gemeinsamen Minute, in der wir uns so nah waren wie nie

zuvor...

www.franziskustierheim.de

Gerade wenn man beruflich mit Hunden zu tun hat, ist meiner

Meinung nach das Wichtigste, Sensibilität und vor allem

ein gutes Einfühlungsvermögen zu entwickeln. Jeder Vierbeiner

ist ein Unikat und tickt ein klein wenig anders als die

anderen.

Wer Hunde wirklich verstehen können will, muss ein Bauchgefühl

entwickeln. Für meine Arbeit ist das ausgesprochen

wichtig. Manchmal schalte ich bewusst den Kopf und alle

F RANZISKUS-TH

Theorien aus und vertraue

einfach meinem

Gefühl. Der "Hundetrainer",

der behauptet,

es gibt nur eine

Methode und die

funktioniert garantiert

bei jedem Hund, hat

das nicht kapiert. Er

hätte Cosmo fragen

sollen, der hätte es

ihm gezeigt.

Der Schlüssel zum Verstehen ist Liebe, Erfahrung, Geduld

und die ständige Bereitschaft, dazu zu lernen. Irgendwann

versteht man sich mit dem Leben wie mit einem alten Hund

- es braucht keine großen Worte mehr...

Nach der Zeit der Trauer ist es jetzt wieder an der Zeit,

die Geschenke des Lebens anzunehmen. Ein neuer,

großer, dicker, leicht schielender vierbeiniger Lehrmeister

ist in unser Leben getreten. Wir haben beschlossen

dieses einzigartige Individuum Herrn Schröder

(kleines Bild oben) zu nennen.

Natürlich sind wir unseren Prinzipien treu geblieben

und haben Schrödie aus dem Tierheim geholt. Er hat

mir auch schon einiges beigebracht: Dass er eine

ausgesprochene Schwäche für Kaninchen hat zum Beispiel.

Um an sie ran zu kommen, hat sich der Herr nicht gescheut,

zwei fausttiefe Löcher in meine Wohnzimmerwand (die direkt

über dem Tierheim liegt) zu graben. Eine Erfahrung, die ich

in 35 Jahren Hundehaltung bisher so noch nicht machen

durfte.

Oder dass er als Hundini auf vier Pfoten Oma Luzys Herztabletten

gleich im Celophan-Zehnerpack in seinem Magen

verschwinden lässt. Auch dass ein Hund einen zehn Liter fassenden

Kochtopf vom Herd nimmt, aufs Sofa trägt und ohne

Spuren zu hinterlassen ausschleckt, ist mir zuvor in dieser

Form noch nicht zu Ohren gekommen.

Fotos: Frank Weber

Das Recht der Tiere 1/2012

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Das Recht der Tiere 1/2012

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Das

Tierheim Hage

Als das Tierheim Hage 1998 am Welttierschutztag

eingeweiht wurde, zählte der Uförmige

Bau mit seinen großzügigen Freilaufflächen

zu den modernsten Anlagen

des bmt. Das neue Tierheim an der Nordsee

war für die Aufnahme von ca. 30 Katzen

und maximal 15 Hunden konzipiert.

Und so standen Ursula Sottmeier und

Dieter Kuhn, die als "Rentner" aus Hessen

an die Nordsee gekommen waren

und 2003 die Geschäftsstelle Norden

ehrenamtlich übernahmen, vor einem

schier unlösbaren Problem: Hier das

Tierheim, überfüllt und Anlaufstation

für immer mehr hilfsbedürftige und kostenintensiv

zu versorgende Schützlinge

und dort das klamme Budget,

ausgelegt für eine weitaus geringere

Aufnahme von Tieren.

Auch der Gesamtverein fürchtete, die

finanzielle Unterdeckung des Tierheims

Hage eines Tages nicht mehr tragen zu

können und so wurden 2005 die unterschiedlichsten

Lösungen von Schließung

über Nutzung als Gnadenhof für

vergrößert sich

GEPLANTER ANBAU FÜR DIE AUFNAHME

VON KATZEN UND HUNDEN

Zu diesem Zeitpunkt konnte noch niemand voraussehen, dass die Zahl der aufzunehmenden Tiere in den

Folgejahren rasant in die Höhe schnellen würde. Das galt sowohl für Hunde, die von ihren finanzschwachen

Besitzern immer öfter und meist in schlechtem Gesundheitszustand abgegeben wurden, als auch für die

ständig steigende Anzahl wild lebender, unkastrierter Katzen.

bmt-Tiere diskutiert und wieder verworfen.

Man war sich einig, dass das in

Norden und Umgebung beliebte und

vor allem dringend benötigte Tierheim

mit gemeinsamer Kraft erhalten werden

musste.

Nach anschließenden Verhandlungen

mit den Gemeinden des Altkreises Norden

und dem Landkreis über eine angemessene

Kostenbeteiligung (Fundtierkostenpauschale)

konnte Dieter

Kuhn mit seinem Tierheim-Team ein

wenig aufatmen. Konsequent setzte die

Geschäftsstellenleitung in den kommenden

Jahren Einsparungen in Tierheim

und Geschäftsstelle durch. Herr

Kuhn stellte in mehreren Verhandlun-

gen abermals den Gemeinden und

dem Landkreis die schwierige Situation

des Tierheims dar und konnte ein positives

Ergebnis erzielen.

"Ich habe das Tierheim Hage schon vor

30 Jahren kennengelernt", erinnert sich

Uwe Fröbel und meint die alte Einrichtung,

die 1998 durch den Neubau am

gleichen Standort, Hagermarscher

Straße 11, abgelöst wurde. "Das Tierheim

hat in den vergangenen Jahren

durch die engagierte Arbeit von Frau

Sottmeier und Herrn Kuhn eine großartige

Entwicklung genommen", sagt

der Leiter des Ordnungsamtes der

Stadt Norden anerkennend.

Tatsächlich führten die konsequent um-


Der geplante Neubau

im Luftbild

gesetzten Maßnahmen des Geschäftsstellenleiters

dazu, dass nach 2007

nicht nur der Tierheim-Haushalt ausgeglichen,

sondern auch die Mitgliederzahl

um über 30 Prozent gesteigert

werden konnte. Viele Förderer und

Unterstützer kommen inzwischen aus

anderen Bundesländern, was sowohl

Dieter Kuhn als auch Uwe Fröbel freut.

"Bei 1,3 Millionen Übernachtungen im

Jahr müssen ja rein statistisch schon eine

Menge Tierfreunde darunter sein",

sagt Herr Fröbel augenzwinkernd.

Mit dem Fachausschuss der Stadt Norden

war der Ordnungsamtsleiter am

29. Februar 2012 im Tierheim. "Dieses

Mal nicht, um eine kleine Katze aufzu-

Geschäftsstelle Norden

Nordbuscherweg 17, 26553 Dornum

Leiter: Dieter Kuhn,

und Ursula Sottmeier

Tel. (04933) 99 28 24, Fax 99 28 26

Tierheim Hage

Hagermarscher Str. 11, 26524 Hage

Tel. (04938) 4 25, Fax 91 49 90

Raiffeisen-Volksbank

Fresenae.G.Norden, BLZ 283 615 92

Konto 6302020300

www.tierheim-hage.de

Der Fachausschuss der Stadt Norden mit Ordnungsamtsleiter

Uwe Fröbel (Fünfter von links) im Tierheim

nehmen", sagt er, der

selbst schon begeisterter

Hunde- und

Katzenbesitzer war",

sondern um uns im

Tierheim ein Bild über

die Katzen-Problematik

zu machen."

Obwohl das Tierheim

Hage seit nunmehr

fünf Jahren sozial

schwachen Tierhaltern

mit einer hälftigen Bezuschussung

bei der

Katzenkastration ("Sozialsprechstunde")

entgegenkommt und

regelmäßig Kastrationsaktionen

durchführt, scheint sich

die Population frei lebender Katzen

wieder vergrößert zu haben. "Wir erreichen

natürlich nicht alle Katzenbesitzer

mit unserem Angebot", bedauert Ursula

Sottmeier.

Gerade stoisch in ihrer ablehnenden

Haltung zeigen sich nach wie vor die

Landwirte. Ob entlang der Nordseeküste

oder im Herzen Niedersachsens -

die meisten Bauern schauen ungerührt

zu, wie ihre Hofkatzen mehrmals im

Jahr Nachwuchs zeugen, der nach der

Geschlechtsreife abermals für die Vergrößerung

der Population sorgt.

Die Folgen trägt das Tierheim Hage

und das gleich mehrfach: Die oft durch

Mangelernährung, Krankheiten und

Verletzungen sehr geschwächten Tiere

müssen nicht nur kosten- und pflegeintensiv

wieder aufgepäppelt werden,

sondern benötigen auch Platz, den das

für weitaus weniger Tiere konzipierte

Tierheim nicht hat - es sei denn, man

schafft ihn…

Und genau das haben die Geschäftsstellenleiter

in diesem Jahr vor, nachdem

im Schnitt doppelt so viele Tiere

versorgt werden, wie ursprünglich vorgesehen.

Über 100 Katzen und mehr

als 40 Hunde teilen sich den immer

knapper werdenden Raum.

TH HAGE

Der künftige Anbau wird zwischen dem

Katzen- und Hundetrakt entstehen -

hier liegen ja bereits die Versorgungsleitungen

für Heizung und Wasser -

und soll ca. 50 Katzen und 20 Hunden

Platz bieten.

"Von mir aus könnte es sofort losgehen",

erklärt Dieter Kuhn tatkräftig, obwohl

er eigentlich gerade erst den Spaten

aus der Hand gelegt hat. 2010

verwüstete ein Orkan das Tierheimgelände,

ein Jahr zuvor machte ein Wasserschaden

die gerade durchgeführte

Renovierung der Tierheimräume wieder

zunichte. Dass in beiden Notlagen

Ehrenamtliche und Spender dem Tierheim

zur Seite standen, haben Ursula

Sottmeier und Dieter Kuhn bis heute

nicht vergessen. "Das Tierheim Hage ist

mittlerweile ein fester Bestandteil unserer

Region," erklärt der Ordnungsamtsleiter

Uwe Fröbel die Hilfsbereitschaft

aus Norden und Umgebung,

Und weil das auch die Stadtoberen und

die Umlandgemeinden Hage, Brookmerland,

Großheide, Dornum und

Holtriem so sehen, wurde beschlossen,

pro Einwohner 0,10 Euro für die Kastration

von Katzen zur Verfügung zu

stellen. Die Mittel sollen finanziell

schlechter gestellten Tierbesitzern zugute

kommen, die einen Zuschuss zur

Kastration bekommen. Das Tierheim

verteilt entsprechende Gutscheine und

führt auf Wunsch der Katzenbesitzer

den Eingriff auch im Tierheim durch.

Die gemeinsame Aktion von der Stadt

Norden, mehreren Gemeinden und

dem Tierheim Hage wird voraussichtlich

bis in den Spätherbst laufen.

"Durch den Neubau", sagt Ursula Sottmeier,

"haben wir dann auch die Möglichkeit,

Hunde und Katzen in Pension

zu nehmen." Dieses häufig nachgefragte

Angebot richtet sich besonders

an Menschen, die sich aus den unterschiedlichsten

Gründen - Krankheit,

Rehabilitation, Umzug, Urlaub etc. - für

eine begrenzte Zeit nicht um ihre Tiere

kümmern können.

Das Recht der Tiere 1/2012

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Das Recht der Tiere 1/2012

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TH HAGE

Während die vierbeinigen Pensionsgäste in der Regel nur wenige

Wochen oder gar Tage bleiben, gibt es auch die anderen,

die das Tierheim voraussichtlich nicht mehr verlassen

werden. Dazu gehören die schwer vermittelbaren, weil kaum

berechenbaren Hunde, wie die Schäferhündin Tammy,

Schnauzer-Schäferhundmix Berber oder die hochbetagten

Spürnasen rechts im Bild.

Der 18 Jahre alte Terriermischling und seine elfjährige Pudelmix-Partnerin

verloren ihr Zuhause, nachdem ihre Besitzerin

einen Schlaganfall erlitten hatte. So wie es derzeit aussieht,

wird die alte Dame ihre Hunde nicht mehr versorgen

können. Hündin und Rüde sind in keinem besonders guten

Zustand: Beide Tiere haben ein sehr schlechtes Gebiss mit

fauligen bzw. fehlenden Zähnen, hören kaum noch und der

Terriermix ist darüber hinaus fast vollständig erblindet.

Laut Aussage des amtlichen Betreuers steht kein Geld für die

Versorgung der Hunde zur Verfügung, so dass - wie stets in

solchen Fällen - das Tierheim vermutlich für alle entstehenden

Kosten aufkommen muss.

Nach Rücksprache beim Leiter des Sozialamtes Norden ist im

Gesetz kein Passus zu finden, der regelt, was mit den Tieren

von Bedürftigen geschehen soll, wenn sie sich nicht mehr

selbst um ihre Tiere kümmern können.

Das Tierheim Hage sagt Danke!

Als im Sommer vor zwei Jahren der Orkan

innerhalb von Sekunden das Tierheimgelände

wie ein Spielzeughäuschen

beutelte, kein Baum und keine

Dorit Benninghaus

Hütte seiner Wucht wiederstand, konnten

sich die verzweifelten Geschäftsstellenleiter

Ursula Sottmeier und Dieter

Kuhn inmitten der Zerstörung auf

eines verlassen: ihre Mannschaft vom

Tierheim. Die Mitarbeiter verzichteten

sofort auf ihren Urlaub, um aktiv an der

Beseitigung der Schäden mitzuarbei-

Die Mitarbeiter des Tierheims

ten. Alle arbeiteten Hand in Hand und

sind im Laufe der Jahre ein eingeschweißtes

Team geworden.

Dazu gehört auch Dorit Benninghaus.

Sie organisiert ehrenamtlich

die in der Region beliebte Sozialsprechstunde,

die das Tierheim 2007

für sozial schwächere Tierbesitzer

eingeführt hatte.

"Auch allen Ehrenamtlichen, die

uns bei den Aktionen wie

Tag der offenen Tür,

Präsentieren des

Tierheims auf

Veranstaltungen

und

Märkten,

Gassigehen

mit

den

Tierheimhunden

Bitte unterstützen Sie mit einer Spende die oftmals

sehr teure medizinische Betreuung unserer

Schützlinge oder die notwendige Erweiterung des

Katzen- und Hundetrakts. Gleichfalls freut sich

das Tierheim-Team über tatkräftige, handwerkliche

Unterstützung bei den anstehenden Arbeiten

- und natürlich über Ihr Interesse an den Tierheimschützlingen,

die alle auf ein schönes Zuhause

warten.

Text: Claudia Lotz

Fotos: Ursula Sottmeier

und Betreuung der Bücherstube im

Tierheim unterstützen, möchte ich ganz

herzlich für ihr Engagement danken",

sagt Dieter Kuhn und seine Frau ergänzt:

"Das gilt auch für Ursula Karge,

die uns seit vielen Jahren mit dem Erlös

aus dem Verkauf ihrer wundervollen

Kunstpostkarten hilft."


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Das Recht der Tiere 1/2012

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In diesem Januar spitzte sich die Situation auf der Kleintierstation

im Tierheim Wau-Mau-Insel dramatisch zu: Insgesamt wurden

130 Kleintiere aufgenommen, darunter 66 Goldhamster aus

einer Sicherstellung, 15 ausgesetzte Wüstenrennmäuse, fünf Degus

und fünf Zwerghamster, leider allesamt ohne Geschlechtertrennung

und darunter etliche trächtige Weibchen …

Sicherstellungen gehen ohne zeitlichen

Vorlauf vonstatten. Wenn wir Glück haben,

wird Tierheimleiter Karsten Plücker

am Tag der Sicherstellung im Vorfeld

informiert, dass eine Aktion seitens des

Veterinäramtes ansteht. Dennoch kann

man sich nicht im Detail darauf vorbereiten,

da die Veterinärbehörde in der

Regel selbst nicht weiß, was genau sie

vor Ort erwartet. Im schlechtesten Fall

erhalten wir einen Anruf auf dem Not-

Telefon mit der Bitte um sofortige Hilfestellung,

das heißt, der Amtstierarzt

und seine Mitarbeiter sind schon vor

Ort und benötigen die Hilfe der Tier-

schützer.

Dies erfordert seitens

des Tierheims

viel Flexibilität und

beginnt mit der

Bereitstellung von

Transportboxen: Ein

Tierheimmitarbeiter

muss sofort seine

Arbeit liegen lassen,

zu dem Einsatzort

fahren und vor Ort Amtshilfe leisten.

Für das Veterinäramt ist die Arbeit mit

der Sicherstellung - bis auf den Papierkram

- weitestgehend beendet, wohingegen

sie für das Tierheim jetzt erst

richtig anfängt: Um welche Tierart handelt

es sich, wie viele Tiere sind es insgesamt,

welches Geschlecht haben die

Tiere? … und dies ist erst die Vorbereitung.

GSt u. TH "Wau-Mau-Insel"

Schenkebier Stanne 20, 34128 Kassel

Leiterin (GSt): Petra Hollstein

Leiter (TH): Karsten Plücker

Tel. (0561) 86 15 680, Fax 86 15 681

Kasseler Sparkasse,

BLZ 520 503 53,

Konto 70 700

Sisyphusar

Es müssen Käfige aufgebaut und eingerichtet

werden, die Tiere müssen einen

ersten Medizincheck über sich ergehen

lassen, denn neben der

Geschlechterbestimmung ist es vor allem

wichtig, in welchem Gesundheitszustand

sie sich befinden. Häufig hat

bis zum jetzigen Zeitpunkt keinerlei tierärztliche

Versorgung stattgefunden, die

Tiere sind unterernährt, weisen Bissverletzungen

auf oder leiden beispielsweise

unter Milbenbefall. Und dies

muss alles dokumentiert werden. Keine

leichte Aufgabe für die Tierheimmitarbeiter,

denn die sichergestellten Tiere

www.wau-mau-insel.de

kommen zu dem

bereits vorhandenen

Tierbestand

hinzu.

Dorothee Schmidt

arbeitet schon seit

vielen Jahren im

Tierheim Wau-

Mau-Insel. Die Leiterin

der Kleintierstation

erklärt, wie

sich das Team auf eine angekündigte

Sicherstellung und die damit verbundene

Aufnahme einer größeren Zahl

von Tieren vorbereitet.

RdT: Wenn das Telefon klingelt und das

Veterinäramt eine Sicherstellung mit einer

größeren Anzahl von Tieren ankündigt

- was geht Ihnen in diesem Moment

durch den Kopf?

Dorothee Schmidt: Zuerst werden

Überlegungen angestellt, wo man die

Tiere noch unterbringen soll, denn in

der Regel ist unsere Kleintierstation voll

belegt. Dann müssen wir Käfige und

Einrichtungsgegenstände organisieren

und vorbereiten. Da wir für die Aufnahme

von 50 oder mehr Tieren nicht

ausgestattet sind und wir nur geringfügige

Lagerkapazitäten haben, müssen

wir häufig improvisieren.

Also muss beispielsweise der Vogelkäfig

oder das Terrarium als Hamstergehege

umgebaut werden. Dann schauen

wir, an welchem Standort die Käfige

aufgestellt werden können, ohne dass

die Tiere allzu viel Stress haben. In der

Regel müssen wir in den Gängen

Klapptische aufstellen oder auch ein

Katzenzimmer zum Kleintierraum umgestalten.

Hier ist Fantasie gefragt, und

es fordert uns immer wieder aufs Neue

heraus.

Aus Erfahrung weiß man natürlich auch

um den in der Regel schlechten Gesundheitszustand

der Tiere. Also muss

dann auch gleich unser Tierarzt informiert

werden, damit eine Notfallversorgung

sichergestellt ist.

Da die Aufnahme einer größeren Tieranzahl

natürlich sehr zeitintensiv

ist und dann meist bis in die Nacht

dauert, muss man natürlich auch

privat alles umorganisieren.

RdT: Sicherstellungen gehören

(leider) zum ‚Alltagsgeschäft' eines

Wau-Mau-Bewohner Chinchilla (oben),

Kaninchen, Wüstenrennmaus und Degu

bei


Tierheims. In der Regel kommen ein bis zwei Tiere, das ist ‚normal'.

Aber gerade im Kleintierbereich kommt es immer wieder

vor, dass es sich um eine zwei-bis dreistellige Anzahl von Tieren

handelt. Hat sich diesbezüglich in den letzten Jahren etwas

geändert? Was war der dramatischste Fall? Was sind das

für Menschen und Schicksale, die in der Regel hinter solchen

Sicherstellungen stehen?

Dorothee Schmidt: Leider hat sich die Anzahl der aufgenommen

Kleintiere in den letzten zehn Jahren verzehnfacht.

Auch bei den Sicherstellungen haben die Zahlen drastisch zugenommen.

In den letzten Jahren haben wir ca. 2 Mal pro

Jahr Sicherstellungen gehabt, bei denen die Anzahl der aufzunehmenden

Tiere zwischen 50 - 300 Tieren lag.

Der schlimmste Fall war mit Sicherheit die Aufnahme von 308

Meerschweinchen aus einer Animal Hoarding-Haltung. In

den meisten Fällen handelt es sich um so genannte "Tiermessies",

also um Menschen, die immer mehr Tiere sammeln

und dann völlig den Überblick verlieren.

RdT: Die Arbeit gleicht manchmal der des Sisyphus', d.h. man

arbeitet bis an die eigenen körperlichen, aber auch finanziellen

und platztechnischen Grenzen, oftmals auch darüber hinaus,

und wenn man gerade einen Fall falsch verstandener

Tierliebe aufgearbeitet hat, klingelt erneut das Telefon… wie

motivieren Sie sich jeden Tag aufs Neue?

Dorothee Schmidt: Motivation sind natürlich in erster Linie

die Tiere. Wenn man durch seine Arbeit den Tieren helfen

kann und sieht, wie sie gesund werden und Lebensfreude

entwickeln, ist das natürlich Motivation pur.

Glücklicherweise trifft man bei der Vermittlung auch immer

wieder tolle Menschen, die ein Tier adoptieren und ihm ein

schönes Zuhause schenken. Auch das belohnt und motiviert

für die geleistete Arbeit. Ebenso die vielen Menschen, die uns

mit Geld- und Sachspenden helfen und auch moralisch eine

große Stütze sind. Im Fall der 66 Goldhamster haben wir unzählige

Näpfe, Häuser, Futter und Einstreu erhalten, und viele

Menschen haben Anteil genommen an dem Tierschicksal.

Und wenn ein zwölfjähriges Mädchen vorbei kommt und von

ihrem Taschengeld zwei Näpfe für die in Not geratenen Tiere

kauft, dann sind auch wir sehr gerührt...

TH WAU-MAU-INSEL

beit

Kaninchen, Meerschweinchen & Co

ODER: DER GANZ NORMALE WAHNSINN IM TIERHEIM!

RdT: Wie könnte man die Situation in den Griff bekommen?

Würde beispielsweise die Besteuerung des Verkaufs von Kleintieren

Sinn machen?

Dorothee Schmidt: Das Hauptproblem bei den Kleintieren

ist, dass man diese Tiere überall günstig und ohne fachlich

gute Beratung kaufen kann. Das führt leider häufig zu

unüberlegten Spontankäufen. Ein weiteres Problem sind auch

falsche Geschlechterbestimmungen seitens der Händler. Der

unerwünschte Nachwuchs wird dann bei uns im Tierheim abgegeben.

Von daher wäre natürlich eine Besteuerung von Tierverkäufen

ein richtiger Ansatzpunkt, denn bei einem höheren Anschaffungspreis

würden die Tierkäufer die Anschaffung im

Vorfeld besser überdenken, und für viele unseriöse Händler

wäre das Geschäft dann nicht mehr lukrativ genug.

Die Steuereinnahmen könnten die Kommunen dann übrigens

sinnvoll nutzen und den Tierschutz zu unterstützen, denn

dort landet ja eine Vielzahl dieser unerwünschten Tiere letztendlich.

RdT: Eine Kleintier-Fee kommt im Tierheim vorbei und teilt Ihnen

mit, dass Sie drei Wünsche für Ihre Arbeit frei haben…wie

würden diese lauten?

Dorothee Schmidt:

1. Mehr Sachkunde der Halter, denn viele Halter von Kleintieren

fügen ihren Tieren allein aus mangelnder Sachkunde

erhebliche Leiden und Schmerzen zu.

2. Mehr Sachkunde der Tierhändler. Es kann nicht sein, dass

zum Beispiel in Baumärkten Tiere von Mitarbeitern ohne Ausbildung

und Sachkunde im Tierpflegebereich gehalten und

verkauft werden.

3. Mehr Menschen, die Kleintiere aus dem Tierschutz adoptieren.

Es gibt mittlerweile fast alle Tierarten in Tierheimen

und Nothilfevereinen, und ich kann nur vor der Anschaffung

eines Tieres an alle Menschen appellieren, zuerst im Tierschutz

nach einem passenden Begleiter zu suchen.

Text und Fotos: Claudia Bioly

Das Recht der Tiere 1/2012

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Das Recht der Tiere 1/2012

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Belustigung

auf Kosten

der Tiere

Auf der Wiese ist ein Pacours aufgebaut. Doch die Hindernisse sind

selbst für Ponys zu klein - sie sollen von angeleinten Kaninchen übersprungen

werden, neben denen ihre Besitzer, meist Kinder, laufen.

Diese artwidrige Beschäftigung mit dem Fluchttier Kaninchen kommt

aus Schweden und wurde in den vergangenen Jahren in Deutschland

begeistert aufgegriffen. Warum Kaninhop kein "Sport" ist, sondern eine

seelische, nervliche und körperliche Höchstbelastung für die Tiere,

erklärt Thomas Schürzeberg.

Seit 1995 beschäftigt er sich privat intensiv

mit der Verhaltensbeobachtung

von Wildkaninchen und Heimkaninchen.

Neben seinem Beruf arbeitet der

Bremer seit drei Jahren ehrenamtlich

im Tierheim Arche Noah in der Kaninchenversorgung.

Er führt Vermittlungsgespräche,

berät zur Vergesellschaftung

bzw. führt diese durch und hat sich

ein umfangreiches Wissen über die

kleinen Tiere mit den großen Ansprüchen

angeeignet.

Thomas Schürzeberg hält in einem

strukturierten Freigehege mehrere

Schützlinge aus dem Tierschutz, betreut

seit 2001 die informative Homepage

www.kanincheninfo.eu und hält Vorträge

über Verhalten, Ernährung und Vergesellschaftung.

"Kaninchen", sagt Thomas

Schürzenberg bedauernd, "stehen

an der Spitze der Tierarten, denen

kaum die elementarsten Grundbedürfnisse

zugestanden werden."

Kaninhop - kein Sport,

sondern Tierleid pur!

Beim Kaninhop wird ein Hindernisparcours

aufgebaut, über den ein Kaninchen

an einer Leine geführt wird. Der

Halter, dessen Kaninchen seine Strecke

in der kürzesten Zeit bei geringster Fehlerzahl

bewältigt, ist der Gewinner.

Kennen Sie

“Kaninhop?”

Ursprünglich in Schweden von Kaninchenzüchtern

erfunden, haben

zwischenzeitlich auch deutsche Züchter

Kaninhop als Möglichkeit aufgegriffen,

Kinder und Jugendliche an ihr überaltertes

Hobby "Zucht" heranzuführen. So

findet Kaninhop auch in Deutschland

eine immer weitere Verbreitung, scheint

doch diese "Sportart" oberflächlich betrachtet

dem natürlichen Bewegungsund

Spielbedürfnis der Tiere entgegenzukommen

und verspricht daher Spaß

für Mensch und Tier.

Zwischenzeitlich gibt es in fast jedem

kleineren Ort Kaninhopvereine und

Wettbewerbe. Selbst in ansonsten seriösen

Tiersendungen wird dieser Sport

in einem positiven Licht dargestellt.

Blickt man jedoch mit den Augen eines

Biologen hinter die Fassade dieses

bunten Treibens, wird schnell deutlich,

dass Kaninhop keinesfalls den Bedürfnissen

der Tiere gerecht wird, sondern

die Kaninchen zum Zwecke der Unterhaltung

für eine so genannte "Sportart"

missbraucht werden, bei der schwere

bis tödliche Verletzungen keine Seltenheit

sind.

Lebensweise

der Wildkaninchen

Wie bei jeder anderen Tierart auch,

sollte

man

sich bei

der Haltung

von Kaninchen

an

deren

natürlicher

Lebensweise

orientieren.

Wildkaninchen bevorzugen als Lebensraum

offenes Gelände mit leicht begrabbarem

Boden. Dort legen sie

unterirdische Baue an. Die Baue können

bis zu drei Meter tief in die Erdoberfläche

ragen und eine Länge von 45

Metern besitzen. Vorwiegend werden

sie in den Morgen- und Abendstunden

verlassen. Als Gruppentiere leben Kaninchen

in hierarchisch organisierten,

reviertreuen Familienverbänden. Mehrere

Familien wiederum schließen sich

zu Kolonien zusammen. Sie leben in

Verbänden von bis zu hundert Tieren.


Als ursprüngliche Steppenbewohner ernähren

sich Kaninchen ausschließlich

von grob strukturierter Nahrung.

Dazu gehören primär Gräser und Kräuter,

Baumrinde, Zweige und Blätter und -

wenn sie diese erreichen - auch Gemüsepflanzen.

Als potenzielle Beutetiere vieler Bodenund

Luftfeinde leben Kaninchen stets in

höchster Anspannung und Aufmerksamkeit

ihrer Umgebung gegenüber. Bei Gefahr

nutzen sie ihre sicheren, schnell erreichbaren

Unterschlupfe und Baue.

Kaninchen sind reine Fluchttiere, entsprechend

ist ihr Feindverhalten auf Sichern

und permanente Fluchtbereitschaft

ausgerichtet. Ist der Bau nicht erreichbar,

wird ein Versteck zum Verkriechen aufgesucht.

Hierbei wird eine angespannte

Haltung eingenommen,

die

einen abrupten

Sprung

ermöglicht.

Der Kopf ist

dabei an den

Körper gezogen,

beide

Ohren sind an

den Kopf angelegt.Entsprechend

reagieren

die meisten Tiere

beim Umgang -

Einfangen, Festhalten,

Hochheben - mit

explosiven Starts, starker

Abwehr und teilweise

panischer Angst bis zum Schock.

Man spricht in diesem Zusammenhang

auch vom Beutegreifeffekt.

Anatomische

Besonderheiten

Als Flucht- und Beutetiere

reagieren Kaninchen mit einer starken

emotionalen Alarmreaktion, wenn

sie mit für sie unbekannten Gerüchen,

Geräuschen, fremder Umgebung konfrontiert

werden oder an ihnen manipuliert

wird. Diese Alarmreaktion wird von

einer Katecholaminausschüttung, einer

starken Erhöhung der Atemfrequenz und

einem Zusammenziehen der peripheren

Gefäße begleitet.

Als typisches Beutetier sind Kaninchen

stets fluchtbereit, und man muss immer

auf Abwehrreaktionen gefasst sein. Diese

Abwehrreaktionen können zu einer

Verletzung der Tiere führen. Unter anderem

neigen sie zu einem heftigen Ausschlagen

mit den Hinterpfoten. Da das

Skelett des Kaninchens nur 8 % der Gesamtkörpermasse

beträgt, ist es extrem

anfällig für Knochenbrüche, Verrenkungen

und Wirbelsäulenverletzungen, die

nicht selten zum Tod führen.

Die hohe Stressempfindlichkeit resultiert

aus anatomischen Besonderheiten der

Tierart. Herz und Lunge des Kaninchens

besitzen ein sehr geringes relatives Gewicht,

welches beim Hauskaninchen im

Vergleich zu Wildkaninchen noch gesenkt

ist. In Stresssituationen kommt es

daher leicht zu Kreislaufversagen. Das

Kaninchen neigt zusätzlich zu hoher Katecholaminausschüttung

bei allen ungewohnten

Maßnahmen, was zu Herzrhythmusstörung,

extrem schnellem

Herzschlag und schließlich zum plötzlichen

Tod führen kann.

Die letzten Rippen des Kaninchens enden

www.kanincheninfo.eu

GSt u. TH "Arche Noah"

Rodendamm 10, 28816 Stuhr/Brinkum

Leiterin (GSt): Anke Mory

Tel. (0152) 33 51 32 16

Leiter (TH): Stefan Kirchhoff

Tel. (0421) 890171, Fax 80 90 553

Kreissparkasse Syke,

BLZ 291 517 00, Kto. 113 000 29 57

ww.tierheim-arche-noah.de

TH KÖLN-DELLBRÜCK

TH ARCHE N OAH

frei als Fleischrippe und sind

nicht durch eine Knorpelbrücke

mit dem Brustbein verbunden.

Dadurch können durch

Druck der Leine Kompressionsschäden

im Lungen- und Leberbereich verursacht

werden. Auch Wirbelsäulenverletzungen

sind beim Kaninchen keine Seltenheit.

Brüche und Verschiebungen der Wirbel

treten fast immer im Bereich der Lendenwirbelsäule

oder am Übergang der

Brust- zur Lendenwirbelsäule auf. Oft ist

eine Durchtrennung des Rückenmarks

die Folge. Durch heftige Abwehrreaktionen

oder Stürze kann es aber auch zu

Rückenmarkverletzungen (Blutungen,

Quetschungen, Ödeme) kommen, ohne

das röntgenologische Veränderungen

der Wirbelsäule nachweisbar sind.

Eine Leine ist für

ein Kaninchen daher

keineswegs tiergerecht,

sondern birgt ein erhebliches

Verletzungsrisiko!

Aber nicht nur das Zwingen der Tiere

zum Tragen einer Leine, auch die Form

und das Umfeld der Veranstaltungen sowie

der Transport über eine oft weite

Strecke und die lange Verweildauer in

den Transportbehältnissen bedeuten erheblichen

Stress für die Tiere.

Kaninchen gehören im Gegensatz zum

Hund zu den Flucht- und Beutetieren. Sie

reagieren bereits auf geringfügige Unstimmigkeiten

im gewohnten Milieu mit

Flucht, und bereits während des Transports

zu diesen Veranstaltungen verursachen

laute Geräusche wie Straßen- und

Motorenlärm Angstzustände. Dies wird

Das Recht der Tiere 1/2012

31


Das Recht der Tiere 1/2012

32

TH ARCHE N OAH

durch den Geräuschpegel und die vielen fremden Gerüche

auf den Veranstaltungen weiter verstärkt.

Die Hörempfindlichkeit von Kaninchen bewegt sich zwischen

100 und 50.000 Hz. Durch synchrones Heben und Senken

der beweglichen Nasenfalten (Nasenblinzeln) bezieht das

Kaninchen permanent Informationen über seine Umgebung,

Feinde oder Artgenossen. Das hohe Maß an Orientierung

über Gerüche irritiert sie in gleichem Maße wie ungewohnte

akustische Wahrnehmungen.

Der Verlust der gewohnten Umgebung und des sozialen Umfeldes

stellt für die Tiere ebenfalls eine beträchtliche emotionale

Belastung dar. Hinzu kommt das Zusammentreffen mit

anderen Artgenossen und Menschen, das zusätzlichen Stress

verursacht.

Kaninchen vertragen niedrige Temperaturen besser als Hitze,

die optimale Umgebungstemperatur liegt bei ca. 18°C.

Sie besitzen keine thermoregulatorisch tätigen Schweißdrüsen,

ihre Wärmeregulation findet über die Ohren und respiratorische

Wasserabgabe statt. Temperaturen über 25°C sind

daher bereits bedrohlich, Temperaturen über 30°C können

zu Hitzestress mit eventueller Todesfolge führen. Da die Tiere

oft über lange Strecken transportiert werden und auch

während des Wettkampfes lange in ihren Transportboxen

verbleiben, besteht auch hier ein erhebliches Risiko.

Kaninchen sind dämmerungs- und nachtaktiv, entsprechend

fehlt ihnen die Fähigkeit, ihre Pupillen zu verengen. So hat es

die beste Sicht bei Dämmerung, während es durch grelles

Licht irritiert wird.

Schon der Transport zu den Veranstaltungen und das lange

Verbleiben in den Transportbehältnissen bedeuten für die Tiere

erheblichen und vermeidbaren Stress. Die Fahrt in einer

sich bewegenden Umgebung und in einem geschlossenen

Behältnis ohne Orientierungsmöglichkeit, herabgeminderte

Beweglichkeit und Platzmangel, kann zu Angstzuständen und

panischen Reaktionen führen und stellt zusätzliche Stressoren

dar. Es mag durchaus sein, dass ein gesundes, seuchenfreies

Tier eher den Belastungen des Transportes und einer solchen

Veranstaltung standhält, als ein von Beginn an krankes Tier.

Aber gerade bei Kaninchen kann eine subklinische Erkrankung

niemals ausgeschlossen werden, und Stress kann eine

solche Infektion unter Umständen zum Ausbruch bringen.

2011: 7000 EURO FÜR DIE ARCHE NOAH

IN STUHR/BRINKUM

Das 4. Sommerfestival auf Gut Varrel, dessen Erlös

der Veranstalter "a heart for Stuhr" dem Tierheim Arche

Noah und "Release" zur Verfügung stellen wollte,

hat 14.000 Euro eingespielt. Das Tierheim und

der Verein für Suchtprävention freuten sich gewaltig

über die große Spende und können sie beide sehr gut

brauchen. 900 Euro kostet eine Box für die Katzenquarantäne,

von denen das Tierheim Arche Noah

nun mehrere erwerben konnte. Herzlichen Dank an

dieser Stelle noch einmal für die großartige Hilfe!

Fazit

Das Verhältnis zwischen Mensch und Tier ist ambivalent. Tiere

sind für den Menschen überwiegend Nutztiere, jedoch entwickeln

Menschen auch oftmals ein inniges Verhältnis zu bestimmten

Tieren. Häufig ist es jedoch anthropozentrischer

Natur; eine große Gefahr

besteht dabei in

der Projektion menschlicher

Bedürfnisse und

Befindlichkeiten auf die

Tiere, da sich trotz vieler

Gemeinsamkeiten die

Bedürfnisse von Menschen

und Tieren erheblich

unterscheiden.

Verstärkt werden diese

Projektionen vielfach

durch Tiere, die dem

Lorenzschen Kindchenschema

entsprechen.

Spannend: Wie leben Tiere

artgerecht?

Gerade die Vermenschlichung von Tieren, gepaart mit mangelnder

Tierkenntnis, führt im Bereich der Heimtierhaltung

aber nicht nur zu vermeidbaren Fütterungs- und Haltungsfehlern,

sondern häufig zu lebenslangem Leid und Schmerz

für die betroffenen Tiere.

Bei keiner anderen Tierart werden selbst die elementarsten

Grundbedürfnisse so sehr missachtet wie beim Kaninchen. So

werden gerade diese Tiere in völliger Missachtung ihrer Eigenschaft

als Flucht- und Beutetier immer noch als billiges

und williges Kinderspielzeug missbraucht, was durch Züchter,

kommerziellen Tierhandel und Futtermittelindustrie noch

bewusst forciert wird.

De facto ist Kaninhop Tierquälerei!

Weiterführende Informationen zur artgerechten Haltung von

Kaninchen finden Sie unter www.kanincheninfo.eu,

www.bunnyhilfe.de und www.tierheim-arche-noah.de.


Vergesellschaftung

von Meerschweinchen

Die ideale Meerschweinchen-Haltung geht von einem kastrierten

Böckchen und mehreren Weibchen aus - zu Lasten der männlichen

Tiere. Denn so haben im Verhältnis die Männchen eine weitaus geringere

Chance ein neues Zuhause zu finden als Weibchen. Gundula

Ort, langjährige Liebhaberin von Meerschweinchen, über das

Problem der "überschüssigen" Böckchen.

Zum Glück für Meerschweinchen hat es

sich inzwischen herumgesprochen,

dass sie zumindest zu zweit gehalten

werden müssen, um ein artgerechtes,

glückliches Leben zu führen. In der

Schweiz ist die Einzelhaltung sogar ausdrücklich

verboten. Dies führte dort zur

Einführung von "Miet-Nagern" (siehe

Artikel" Rent a Meerschwein" auf www.

spiegel.de/panorama/gesellschaft/

0,1518,druck-785853,00.html), damit

kein Meerschweinchen allein bleiben

muss, wenn die Halter nach dem Tod

des Überlebenden die Meerschweinchenhaltung

nicht fortsetzen wollen.

Meerschweinchen leben aber am liebsten

nicht nur zu zweit, sondern in einer

größeren Gruppe. Da aber ohne Probleme

in der Regel nur ein Böckchen in

einer Gruppe mit Weibchen gehalten

werden kann, führt diese Idealhaltung

zu einem "Überschuss" an Böckchen in

Tierheimen und Tierhandlungen, weil

im Durchschnitt etwa gleichviel männliche

und weibliche Schweinchen geboren

werden.

Zwar gelingt es bisweilen, mehrere -

möglichst kastrierte - Böckchen zu-

DEICKEN & ENGELS HILFT TIEREN

Großzügige Spende

für Tierheim Arche Noah!

Im vergangenen Jahr hatte sich die Firmenleitung

von Deicken & Engels entschieden, auf die

Weihnachtsgeschenke für ihre Kunden zu verzichten

und dafür an gemeinnützige Organisationen

zu spenden.

Schon 2010 unterstützte die Maschinenfabrik mit

Sitz in Brinkum das Kinderhospiz Löwenherz,

2011 wurde das Tierheim Arche Noah bedacht.

Wir bedanken uns herzlich für die große Spende.

sammen zu halten, wenn sie von Anfang

an ein solches Zusammenleben

gewöhnt sind und keinerlei Kontakt zu

weiblichen Meerschweinchen besteht.

Von manchen Meerschweinchen-Kennern

wird sogar behauptet, eine solche

Haltung verliefe oft konfliktfreier als reine

Weibchenhaltung. Wenn es indes

doch nicht gut geht, kann es zwischen

Böckchen aber zu ganz erheblichen

körperlichen Auseinandersetzungen

mit schweren Verletzungen kommen.

Deswegen weigern sich vereinzelt Tierschutzorganisationen,Meerschweinchen

in eine reine Böckchenhaltung

abzugeben.

Im Interesse der überzähligen Böckchen

sollte daher die Haltung nicht auf

Weibchen beschränkt sein. Die Kastration

der Böckchen ist inzwischen nicht

risikoreicher als andere Operationen.

Ich selbst habe keine einzige negative

Erfahrung damit gemacht oder von anderen

solches gehört.

Verstirbt in einem Verband das Böckchen,

ist ein baldiger Ersatz auch zum

Erhalt der Harmonie in der Gruppe angezeigt.

Das neue Böckchen sollte man

M EERSCHWEINCHEN

Das Problem der "überzähligen" Böckchen

Gundula Ort mit dem "langhaarigen"

Lukas

aus dem Tierheim oder von einer speziellenMeerschweinchen-Schutzorganisation

holen, wo fast immer einsame

Männchen sitzen. Der Vorteil außerdem:

Das neue Böckchen ist schon kastriert

und passt in der Regel altersmäßig

besser zu dem oder den

zurückgebliebenen Weibchen als eines

aus einer Zoohandlung, wo es meist

nur Jungtiere gibt.

Im Übrigen ist es nach meinen Erfahrungen

beim Hinzukommen eines

Böckchens zu schon vorhandenen

Weibchen nie zu Konflikten gekommen,

während ein neues Weibchen

durchaus auf Ablehnung stoßen oder

erhebliche Unruhe verursachen kann.

Unser Böckchen Lukas, das wir nach

dem Tod seines Vorgängers zu unseren

drei Weibchen vom bmt übernommen

haben, hat sich sofort in die Gruppe integriert.

33


Das Recht der Tiere 1/2012

34

Das lange

Warten

auf den

Nach 12 Jahren ein Zuhause!

Ca. 250 Kilometer von Göttingen entfernt liegt Dietzenbach - und in dieser

hessischen Großstadt wohnt eine Frau mit einer ganz besonderen Fähigkeit.

Auch die scheuesten Katzen werden bei ihr eines Tages zutraulich.

"Deine Katzen", sagen ihre Freunde, "kommen nach dem Tod

bestimmt nicht ins Paradies, weil sie bei dir schon eines hatten."

Doch auch Katzen im irdischen Paradies sind sterblich, und als Idefix und

seine drei mit ihm alt gewordenen Freunde Ende des letzten Jahres alle

kurz hintereinander verstarben, war es in dem Reihenhaus am Rande von

Dietzenbach plötzlich ganz still. "So habe ich mich dann gleich an den

Weihnachtstagen an den Computer gesetzt und deutschlandweit nach Katzen gesucht, die schon eine

lange Zeit im Tierheim verbracht hatten", sagt die Geschäftsführerin eines Unternehmens - und stieß bei

ihrer Recherche auch auf das Katzenhaus.

Wie andere Tierheime in ländlichen Regionen

hat es das Katzenhaus im

niedersächsischen Göttingen bei der

Vermittlung von scheuen Katzen besonders

schwer. Warum?

Die wenigsten Landwirte kastrieren ihre

Katzen und sorgen so mit ihrer Verantwortungslosigkeit

dafür, dass immer

neue Kätzchen geboren werden, die

wieder Nachwuchs zeugen. Wird die

Population auf dem Hof zu groß, werden

die Würfe getötet oder (samt Mutter)

ausgesetzt. Schaffen es die "entsorgten"

Tiere tatsächlich in freier Natur

zu überleben, werden bzw. bleiben sie

scheu und legen ihre Zurückhaltung

gegenüber Menschen auch dann nicht

ab, wenn sie krank, verletzt, trächtig

oder mit Jungen aufgefunden und ins

Tierheim gebracht

werden.

EMILY

Je nach Alter tut

sich der ohne

menschlichen Kontakt

aufgewachsene

Nachwuchs ebenfalls

schwer mit

Menschen, was die

Vermittlungschancen

im Tierheim ge-

großen Tag

Die scheue Emily wird zutraulich

gen Null gehen lässt. Die meisten Interessenten

wünschen sich zutrauliche

Katzen, die sich sofort anfassen, liebkosen

und zum Spiel auffordern lassen.

"Scheue Katzen", sagt die Dietzenbacherin,

"sind nach meinen Erfahrungen

nicht wirklich scheu. Sie brauchen einfach

nur mehr Zeit, um Kontakt zum

Menschen aufzunehmen." Nach 33

Jahren Katzenhaltung weiß sie, dass eine

vertrauensvolle Beziehung nur

wachsen kann, wenn der Mensch konsequent

Zurückhaltung übt und geduldig

abwartet, bis das Tier von sich aus

den richtigen Zeitpunkt zur Annäherung

bestimmt.

Und so können Emily, Lisa & Tigerlilly

aus dem Katzenhaus seit dem 29.

Februar nun am Vertrauensaufbau zu

ihrer neuen Bezugsperson

arbeiten und

sicher sein, dass sie

alle Zeit der Welt dabei

haben werden.

Eigentlich wollte die

Katzenfreundin wieder

vier Tieren ein

schönes Zuhause

schenken, doch Kater

Jasper bekam Fieber

und war nicht transportfähig. Leider

verstarb er

inzwischen.

Emily, Lisa

und Tigerlilly

gehörten laut

ihrer Tierheimrecherche

zu den

scheuen Katzen

mit dem

LISA

längsten Tierheimaufenthalt in

Deutschland. Zwölf Jahre lang hatte

die 13jährige Emily alle Interessenten

an sich vorbeiziehen lassen, sich versteckt,

verkrochen oder aus angemessener

Höhe furchtsam die fremden Besucher

im Katzenhaus beäugt.

Mit ähnlichem Verhalten hielt sich Tigerlilly

zehn Jahre mögliche Besitzer

vom Leib - und auch Lisa praktizierte

sieben Jahre mit Erfolg ihre Abwehrstrategie.

Doch bereits nach neun Tagen (!) im

neuen Heim scheint Lisa als erste Katze

ihre Zurückhaltung aufzugeben. Sie

ließ sich ließ sich den Bauch streicheln,

legte sich dabei genüsslich auf den

Rücken und gab kleine hohe Laute des

Wohlgefühls von sich. "Was für eine


Freude", sagt die Hessin, die

nun hofft, dass die beiden anderen

Katzendamen Lisas mutigem

Vorstoß folgen werden.

Immer wieder setzt sie sich ruhig

auf den Boden, nimmt feine

Leckerbissen in die Hand

und wartet, dass sich ein

Samtpfötchen nähert.

Erst wenn Emily, Tigerlilly und

Lisa auf Zuruf kommen, können

sie das Haus verlassen

und durch die angrenzenden

Felder streifen. "Ich muss sie

Weniger paradiesisch muss

SHIRA

Merlins Leben verlaufen sein.

Zumindest deutete sein äußeres

Erscheinungsbild darauf hin, dass sich niemand um ihn

gekümmert hat, wenn nicht noch schlimmer: Ihn also bewusst

in einem sehr einsamen Waldgebiet aussetzte, damit er in der

kalten Jahreszeit den Tod finden würde.

Der weiße Maine-Coon-Kater wurde als Häufchen Elend,

hungrig, hustend und völlig verfilzt, in den stillen Wäldern des

Grafen Hardenberg von Reitern gefunden. In dem Waldgebiet

zwischen Nordheim und Nörten Hardenberg lebt niemand,

und so war es mehr als ein glücklicher Zufall, dass der

kranke, geschwächte Kater noch rechtzeitig entdeckt wurde.

Im Katzenhaus verbringt Merlin, der sich als zutraulich und

sehr menschenbezogen herausgestellt hat, nun einige Zeit

in der Quarantäne, bekommt ein Antibiotikum gegen seine

Bronchitis und wurde außerdem von seinem Fell befreit. Berge

von weißem Filz, in das kleine Äste dicht verwoben waren,

blieben auf dem Tisch des Tierarztes zurück, als er nach

der Kastration auch gleich geschoren wurde. Nun steht einer

glücklichen Vermittlung eigentlich nichts mehr im Weg, es sei

denn, er möchte den obigen Rekord im Tierheim-Dauersitzen

brechen, was ihm, so hoffen wir, nicht gelingen wird.

Shiras Fenstersturz

Auch Shiras Schicksal (großes Bild) hätte ein wenig Nachhilfe

verdient. Als Jungkatze fiel sie aus dem Fenster der dritten

Etage und verletzte sich schwer. Seit dem

Unfall zog sie die Hinterbeine nach, wurde

aber weder von ihrem ehemaligen

Besitzer noch von der Pflegestelle, in die

sie mit ihrem Katerfreund Toni wenig

später umziehen musste, einem Tierarzt

vorgestellt.

Erst im Katzenhaus holte die Leiterin Monika

Bossmann das Versäumte nach und

erschrak über die Diagnose: Nach dem

Merlin

aus dem Wald

Luttertal 79

37075 Göttingen

Leiterin (TH): Monika Bossmann

Tel. (0551) 2 28 32

Postbank Hannover,

BLZ 250 100 30,

Konto 732 223 06

www.katzenhaus-luttertal.de

K ATZENHAUS L UTTERTAL

wenigstens zweimal am Tag sehen - daher das sichere Kommen

auf Zuruf -, um zu schauen, ob sie gesund und unverletzt

sind und natürlich, um ihnen das Futter zu geben." So

entscheiden die drei Abenteuerinnen schließlich selbst, wann

ihr aufregendes Leben

als Freigängerin

beginnen kann.

Was aber unweigerlich

begonnen

hat, ist ihr neues

Leben, das, wie wir

ja wissen, einem

Paradies auf Erden

gleich soll…

lebensgefährlichen Sturz waren der 12. und 13. Brustwirbel

verknöchert - würde die offensichtlich sehr lebenslustige und

fröhliche Katze ihre Hinterläufe nie mehr benutzen können?

Doch der Tierarzt machte Hoffnung. Es bestehe durchaus die

Möglichkeit, dass Shira nach physiotherapeutischer Behandlung

eines Tages wieder würde laufen können. Und so bekommt

die kleine, kaum ein Jahr alte Patientin regelmäßig

Krankengymnastik und Laserakupunktur, die ihr sehr gut tut.

Übrigens ist Shira kein Einzelfall: Immer wieder kommen Katzen

bei Stürzen aus dem (Kipp)-Fenster ums Leben oder verletzen

sich schwer. Darum unsere Bitte: Lassen Sie niemals

Katzen unbeaufsichtigt, wenn Sie Fenster zum Lüften öffnen

und richten Sie Ihren Balkon mit einem Netz katzensicher her.

Wenn Sie uns bei den Kosten für Shiras Physiotherapie oder

die Versorgung unserer Katzenhaus-Schützlinge allgemein

unterstützen möchten, freuen wir uns sehr. Nur mit Ihrer

Unterstützung können wir helfen. Vielen Dank!

Bitte merken Sie sich außerdem schon unseren Termin für

unser Sommerfest vor. Der bmt feiert in diesem Jahr sein

60jähriges Bestehen. Dieses schöne Jubiläum möchten

wir mit unseren Mitgliedern, Förderern und Unterstützern

begehen - also kommen Sie bitte zahlreich am Sonntag,

den 24. Juni. Alle Infos zum Sommerfest erhalten Sie

noch über unser Rundschreiben.

MERLIN

"Katzenhaus Luttertal"

TIGERLILLY IGERLILL

Text: Claudia Lotz

Fotos: Monika Bossmann, privat

Das Recht der Tiere 1/2012

35


U MWELT

Zwei große Aufgaben muss das Tierheim in

den nächsten Wochen schultern: die umfangreichen

Bauarbeiten an den Hundezwingern

überstehen und die Vermittlung

der zahlreichen Kaninchen in Schwung

bringen. "Letzteres wird schwieriger",

sagt Tierheimleiter Christian Werner

mit Blick auf die überraschend stark

gestiegene Zahl von Abgabe-Kaninchen

in den letzten Wochen.

Über 40 Kaninchen, unter ihnen Widder,

Löwenköpfchen, Farbzwerge und

Zwergkaninchen, werden derzeit im

Tierheim versorgt. Einige verbrachten

kaum drei Monate bei ihren Besitzern,

andere immerhin fast eineinhalb Jahre,

wenn auch mit gleichem Resultat. Nach

kurzer Zeit der "Gemeinsamkeit" folgte Tierheim, begleitet von der Hoffnung

die Trennung, weil das Interesse vor- des Teams, das für alle Schützlinge in

nehmlich der Kinder erlosch, die Zeit zu Kürze ein gutes und dauerhaftes Zu-

kostbar wurde, sich um das Tier zu hause gefunden werden kann. Doch

kümmern oder der Kaninchenstall ein- die Vermittlung von Kaninchen stagfach

nur störte.

nierte in den letzten Wochen; ein einzi-

Und nun sitzen Bo, Tommy, Scholes, ges glückliches Langöhrchen konnte in

Kaley, Raki und ihre vielen Freunde im eine neue Privathaltung umziehen -

und ließ annähernd 40 Artgenossen

zurück, die, wie immer, das unüberlegte,

verantwortungslose

Handeln "ihrer" Menschen

ausbaden müssen.

"Ich hoffe nur", sagt

Christian Werner

sorgenvoll, "dass

sich nicht nach

Christian Werner (rechts) Ostern die

bespricht mit Abgabe-

Hausmeister Michael Zinke welle

die Baumaßnahmen

Das Recht der Tiere 1/2012 Ausbau

36

der

der

fortsetzt, sondern sich im Gegenteil

Tierfreunde für die Aufnahme eines

oder mehrerer Kaninchen aus dem Elisabethenhof

entscheiden."

Den Kaninchen, ebenso wie den (nicht

ausgelagerten) Hunden und Katzen,

wäre ein baldiger Ortswechsel auch insofern

zu wünschen, als ihre empfindlichen

Ohren seit Tagen mit sehr ungewöhnlichen

Geräuschen konfrontiert

werden. Am 19. März begannen nämlich

die umfangreichen Bauarbeiten an

den Außenzwingern der Hunde.

Zuerst wurden die verschweißten Gitteranlagen

auseinandergenommen -

sie werden in die bmt-Tierheime Hage

und Arche Noah transportiert und dort

Tierheim Elisabethenhof

Geschäftsstelle Hessen

Siedlerstraße 2, 61203 Reichelsheim

Tel. (06035) 96 11 11

Leiter (TH): Christian Werner

Tel. (06035) 59 16, Fax 96 11 18

Frankfurter Sparkasse,

BLZ 500 502 01, Konto 5975

www.tierheim-elisabethenhof.de


Hundezwinger

für Freiläufe verwendet - und danach

die Fenster und Fliesen in den Zwingern

ausgetauscht. Dann steht die Hauptaufgabe

an, die Bodenplatte im gesamten

Außenzwingerbereich zu erneuern,

weil sie im Laufe der letzten

Zeit buchstäblich aufgeweicht ist.

Immer öfter brach an verschiedenen

Stellen die Beschichtung auf, es entstanden

Löcher wie bei defektem Asphalt

nach einer langen Frostperiode.

Da sich Urin und Wasser in den Bruchstellen

sammelte, trat nach und nach

eine Geruchsbelästigung auf. "Da

durch diese Löcher eine sehr hohe Verletzungsgefahr

für die Hunde bestand",

sagt der Tierheimleiter, "konnte die Renovierung

definitiv nicht länger aufgeschoben

werden." Voraussichtlich wird

der Rohbau Ende April fertig sein, die

komplette Anlage Ende Juli, möglicherweise

sogar früher.

Der Kostenvoranschlag für die Runderneuerung

des Hundetraktes liegt zwischen

160.000 und 180.000 Euro, wobei

die Preise für das Baumaterial, wie

zum Beispiel Stahl, abhängig vom Tagespreis

sind. Die Vermittlung der Elisabethenhof-Schützlinge

läuft auch in

der Bauphase weiter, und spätestens

nach Ostern sind auch die "umgesiedelten"

Hunde wieder im Tierheim.

Nur während der ersten beiden Wochen,

in denen die Abbrucharbeiten

durchgeführt wurden, mussten die

Hunde umquartiert werden. Einige zogen

in eine Pension in der Wetterau,

andere in das befreundete Tierheim

Oberursel und zwei nahmen die Quarantäne

in Besitz. Die restlichen beiden

Hunde dürfen in dem Haus wohnen,

das seit jeher auf dem Tierheimgelände

steht. "Wahrscheinlich wollen sie von

dort gar nicht mehr in ihre Zwinger,

selbst wenn alles erneuert wurde",

meint Christian Werner lächelnd.

Glücklicherweise lief die Vermittlung

der Hunde vor Beginn der Bauarbeiten

so gut, dass tatsächlich nur 14 Vierbeiner

umgesetzt werden mussten. Dennoch

stellt eine Tierheim-Renovierung

für alle Mitarbeiter stets eine Herausforderung

dar: Die meisten Tiere reagieren

beunruhigt auf den ungewohn-

TH ELISABETHENHOF

Vermittlung der Tierheimtiere geht weiter!

TOMMY OMMY

RAKI AKI

Tommy liebt die Außenhaltung

Der Widder Tommy ist im Oktober 2010 geboren und seit dem 4. Februar 2012

im Tierheim. Er ist ein neugieriges, gewitztes Kaninchenböckchen und würde sich

am liebsten mit seiner Herzensdame Kaley in das Abenteuer stürzen, noch einmal

zu neuen Menschen umzuziehen.

Raki möchte sich den Wind um die Nase wehen lassen

Auch Raki, fünf Monate alt, ist das Leben im Freien gewöhnt und würde sich in einem

artgerechten Außengehege sehr wohl fühlen. Gerne würde das Zwergkaninchen

seine Geschwister Ruska und Rocco mitnehmen.

ten Lärm, sind leicht erregbar und die

Handwerker und ihre bedrohlich wirkenden

Gerätschaften tun ein Übriges.

Der eingespielte Rhythmus aus Füttern,

Saubermachen und Beschäftigen mit

den Tieren gerät anfänglich durcheinander,

was Vierbeiner, die sich gerade

an den Tierheimalltag gewöhnt haben,

irritiert.

"Aber wir tun unser Möglichstes", sagt

der Tierheimleiter, "unseren Tieren

auch in diesen hektischen und lauten

Wochen ein stabiles Umfeld zu schaffen,

in dem sie sich weiter wohl fühlen

können."

Wenn Sie uns bei den Baukosten unterstützen

möchten, freuen wir uns natürlich

sehr. "Aber genauso wichtig wie die

finanzielle Unterstützung", so Christian

Werner, "ist die Adoption eines unserer

Tiere. Wenn Sie einem Hund, einer Katze

oder einem Kleintier die Chance auf

ein schönes Leben bei Ihnen bieten, haben

Sie uns sehr geholfen. Denn jeder

frei werdende Platz kann von einem

neuen Notfall besetzt werden."

Text: Claudia Lotz

Fotos: Christian Werner

Das Recht der Tiere 1/2012

37


Das Recht der Tiere 1/2012

38

Sie sind in aller Munde: die rüstigen Rentner. Einerseits bewundert

wegen ihrer körperlichen und geistigen Fitness, gern

gesehen als wichtiger Wirtschaftsfaktor - und etwas argwöhnisch

beäugt von den Krankenkassen und den Einzahlern in

die Sozialkassen, nach dem Motto: Sind die überhaupt noch

finanzierbar? Bei uns Tierschützern sind sie jedenfalls sehr

beliebt, die rüstigen Rentner, mit viel Zeit, etabliert, meistens

mit Haus und Garten

ausgestattet. Für uns

sind sie oft die Wunschkandidaten

für unsere

Vermittlungstiere.

Leider ist aber auch unsere

"Lieblingsklientel"

nicht nur mit Vernunft

ausgestattet. Wenn

80jährige einen Welpen

oder Junghund

von uns adoptieren

möchten, weil sie keineswegs

noch einmal

Mechthild Sody mit Lilli

das Sterben ihres geliebten

Haustieres erleben wollen, muss die Tierliebe doch ein

wenig in Frage gestellt werden…

Wie den Menschen so ergeht es auch den Tieren. Gute Ernährung,

medizinische Fürsorge auf hohem Standart und ein

liebevolles Zuhause lässt die meisten Haustiere mittlerweile

weit über den bisherigen Durchschnitt alt werden. Zwar mit

dem einen oder anderen Wehwehchen geplagt, führen sie

aber oft ein sehr langes und lebenswertes Leben.

Schlimm wird es erst dann, wenn einem alten Tier seine Menschen

wegsterben und niemand von den Erben, falls vorhanden,

sich um sie kümmern will oder wenn ein älteres Tier

einfach ausgesetzt oder sonst wie abgeschoben wird. Für uns

Aus den bmt-Pflegestellen im

Hunsrück

Plädoyer für alte und

Hunde!

ältere

"Ein absolutes Traumpaar"

schwärmt Mechthild Sody

über ihre eigenen alten

Hunde Evi und Pucky. Seit

über 18 Jahren im Tierschutz

tätig, kann sie nicht verstehen, warum manche Menschen Vorbehalte gegen vierbeinige Senioren haben.

"Ich habe immer die (alten Hunde) genommen, die keiner wollte, und bin mit dieser Entscheidung

bis heute bestens gefahren", erklärt sie.

"Alt und Alt macht nicht alt", sagt Mechthild Sody lächelnd und stellt im folgenden Text einige in Ehren ergraute

Hunde vor, die sich über rüstige Besitzer - gerne auch im fortgeschrittenen Alter - freuen würden.

ist dies "Alltagsgeschäft", und uns zerreißt es oft das Herz vor

Mitleid, aber auch vor Zorn.

Ich möchte hier eine Lanze brechen für unsere alten Tiere, die

niemand mehr will, weil sie vielleicht nicht mehr so lange leben,

sie schon ein Herztablettchen brauchen oder die Knochen

nicht mehr so wollen. Dafür liebe ich sie so sehr wegen

ihrer souveränen Ruhe, ihrem oft so weisen Blick, ihrer Demut

und Dankbarkeit gegenüber uns Menschen.

Besonders, wenn ich weiß, dass ein Tier bisher

nur ein ganz schweres elendes Leben hinter sich

hat, mit diesem bereits abgeschlossen zu haben

schien und dann zu uns kommt …und

schon nach ganz kurzer Zeit wieder neuen

Lebensmut schöpft, sogar im Spiel

wieder seine Jugend nachholt - das ist

der Lohn für meine Arbeit und macht

mich richtig glücklich.

Mein Wunsch und meine Bitte: Adoptiert

unsere alten Tiere, lasst sie nicht

die letzte Zeit ihres Lebens im Tierheim

verbringen. Auch sogenannte

Gnadenhöfe oder Pflegeplätze

sind keine optimale Lösung. Dort ist ein Tier

auch nur eines unter vielen.

Gerade für ältere Menschen, Berufstätige

oder auch Hundeanfänger sind ältere Hunde

ideal. Ein älterer Hund kann schon alles

und verschläft auch einige Stunden, wenn

seine Menschen arbeiten gehen. Er muss

nicht mehr in die Hundeschule und braucht

auch keine langen Wanderungen mehr, um

ausgeglichen zu sein. In das Reich der Märchen

gehört übrigens auch die Annahme,

dass unsere alten Hunde nichts mehr lernen.


Evi und Pucky, Mechthilds

eigene Hunde

Lilifee ist geschätzt ca. acht bis zehn Jahre alt. Sie lief mehrere

Tage orientierungslos in einem Dorf im Hunsrück herum.

Abgemagert und total verunsichert hatte sie sich in einem

Baustofflager versteckt. Mittlerweile sind wir sicher, dass Lilifee

ausgesetzt wurde. Es stellte sich dann bei der Untersuchung

heraus, dass sie an Epilepsie erkrankt ist. Die Tabletten

kosten 30 Euro im Monat. Das wollte wohl ihr früherer

Besitzer nicht für sie ausgeben und hat sie "entsorgt" - oder

etwas netter formuliert, die Verantwortung und

die Kosten auf andere übertragen. Sie ist

bis auf ihr Alter, welches für einen Terrier

gerade mal ein mittleres Alter

ist, der perfekte Hund, den sich

die meisten Menschen wünschen.

Selina: In den Augen

unserer Mitmenschen

ist die ca. sechsjährige

Selina schon zu

alt(!). Und dann hat sie

auch noch einen Sehfehler

auf einem Auge. Äußerlich ist

sie auch nicht besonders auffällig und fällt

damit gleich in die Kategorie der schwer Vermittelbaren.

Unser Standpunkt: Wer sich so

einen tollen Hund entgehen lässt, dem ist

nicht mehr zu helfen.

LILIFEE ILIFEE

Pamela: Dieser kleine

Hund, ca. sieben Jahre

alt, Yorkshire-Dackel-

Mischling ist mal wieder

Geschäftsstelle NRW

Hundevermittlung Hunsrück der Gst NRW

Mechthild Sody

Tel. (06764) 15 02

Sparkasse am Niederrhein,

BLZ 354 500 00,

Konto 111 500 2063

www.bmt-nrw.de

Sie lernen noch, genau wie alte Menschen,

halt oft etwas langsamer.

Alte Tiere verursachen mehr Tierarztkosten!

Ja, das kann, muss aber nicht

zwangsläufig sein. Junge Tiere können

auch aus dem vollen Leben schwer

krank werden. Und es gibt so viele Beispiele

von Hunden, die 16 Jahre und

älter geworden sind und außer den

Impfterminen nie den Tierarzt gesehen

haben. Zugegeben, die Tierarztkosten

sind in den letzten Jahren explodiert,

etwas ganz Besonders und erobert selbst das härteste Herz

im Sturm.

Sie ist nur lieb, unglaublichanschmiegsam,

bestens verträglich

mit anderen

Hunden und hat - soweit

wir wissen - mit

Katzen zusammen ge-

lebt. Pamela stammt

aus Rumänien. Warum

sie ihr Bein verlo-

G ST NRW

aber dafür haben wir in der Tiermedizin

den gleichen Standard wie in der

Humanmedizin.

Qualität hat halt ihren Preis, und wenn

wir unsere Tiere wirklich lieben, müssen

wir auch bereit sein, diesen zu bezahlen.

Wer dies nicht ist oder nicht

kann, sollte sich kein Tier anschaffen.

Hier möchte ich Ihnen drei ältere Hunde

vorstellen.

Weitere rüstige Senioren finden

Sie auf www.bmt-nrw.de

ren hat, wissen wir nicht. Jedenfalls hat dieser Verlust ihr fröhliches

Wesen nicht beeinträchtigt. Mehrere kleinere

Spaziergänge am Tag sind wichtig für sie, Treppen hoch läuft

sie perfekt, Treppe runter sollte sie allerdings getragen werden.

Im Haus, beim Autofahren und beim Tierarzt zeigt sie

sich wohlerzogen.

Im Garten spielt sie

SELINA ELINA

PAMELA AMELA

mit den anderen Hunden,

und wir haben

nicht den Eindruck,

dass sie ihr linkes

Vorderbein sehr vermisst.

Natürlich ist

uns bewusst, dass Pamela

kein Jedermanns-Hund

ist, viele

sich von ihr abwenden und sie vielleicht auch als Krüppel beschimpfen

werden. Aber Menschen mit solchen Einstellungen

haben ohnehin keinen Hund verdient - oder wie sehen Sie

das?!

Wir suchen für Pamela einen ruhigen Verwöhn-Platz, Haus

und Garten wären schön, gleichfalls auch ein anderer lieber

Hund, keine kleinen Kinder. Ganz wichtig ist bei diesem

Hund, dass er nicht zunimmt, denn jedes Gramm zu viel würde

das verbliebene Vorderbein belasten. Für Menschen, die

nicht diszipliniert mit der Gewichtskontrolle umgehen können,

ist dieser Hund nicht geeignet.

Pamela wiegt 5 kg und hat eine Schulterhöhe von 27cm.

Das Recht der Tiere 1/2012

39


Das Recht der Tiere 1/2012

40

Es ist ein gigantischer Verbrauch von Leben: 2.856.316 Tiere

wurden 2010 allein in Deutschland für Tierversuche herangezogen,

weltweit ca. 115 Millionen. Auch Berlin hat seinen Anteil an dem tierischen

Verschleiß im Namen des (medizinischen) Fortschritts: An

383.527 Tieren wurde im Erhebungszeitraum "geforscht", das sind

13% der bundesweit durchgeführten Versuche.

An ungefähr 1300 Einrichtungen werden deutschlandweit Experimente an Tieren durchgeführt, eines

von ihnen ist das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin. Das MDC in Berlin-Buch ist u.a. für

seine fürchterlichen Schmerzexperimente bekannt. Es gehört schon heute zu den größten Versuchslaboren

hierzulande und hat nun angekündigt, seine Kapazitäten zu erweitern. Der bmt protestierte am

15. März gegen den geplanten Neubau.

24 - 25 Millionen Euro soll das künftige

In-vivo-Pathophysiologielabor in Berlin-

Buch kosten. Damit finanziert der Steuerzahler

indirekt den Anstieg der Tierversuche

mit, obwohl sich Umfragen

zufolge immer mehr Bürger - vordringlich

aus ethischen Erwägungen - gegen

Experimente an lebenden, schmerzempfindlichen

Tieren aussprechen.

2010 nutzte das MDC 32.200 Mäuse

und Ratten, außerdem 1300 andere

Tiere für Versuche. Der Neubau indes

würde die Forschung an weitaus mehr

Tieren ermöglichen: Durch die Erweiterung

soll sich die Kapazität auf über

20.800 Käfige mit Platz für ca. 64.000

Tiere erhöhen. Ein Großteil von ihnen

werden genmanipulierte Mäuse sein,

so die Ankündigung, an denen die -

zweckfreie - Grundlagenforschung betrieben

werden soll. Versuche in der

Grundlagenforschung sind nur anzeige-

und nicht genehmigungspflichtig,

das heißt sie müssen nicht die Prüfung

durch eine (beratende) Ethikkommission

durchlaufen, die allerdings ohnehin

überwiegend von Wissenschaftlern

besetzt ist.

Während allein dieser eine Bau in Ber-

lin-Buch mit (derzeit veranschlagten)

24 - 25 Millionen Kosten beziffert wird,

gleichzeitig neue Labors in ganz

Deutschland entstehen und die Tierversuche

seit den 90ger Jahren unaufhörlich

steigen, wird die tierversuchsfreie

Forschung mit nur vier bis fünf Millionen

Euro vom Staat gefördert - das ist

der falsche Weg, findet nicht nur der

bmt.

In einem Schreiben hat der Verein im

Februar an den Regierenden Bürgermeister

von Berlin appelliert, das geplante

Tierversuchslabor des MDC, das

sich im Augenblick noch in der Genehmigungsphase

befindet, zu verhindern.

Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung

steht, soweit bekannt, hinter dem

Projekt, anders die meisten Berliner.

"Warum werden unsere Steuergelder

nicht in die Erforschung von Zellkulturen

und anderen Methoden investiert,

anstatt in den Ausbau von fürchterlichen

Tierversuchen?", empört sich eine

Dame, als sie die Aktivistengruppe

des bmt mit ihrem Anliegen vor dem

Roten Rathaus in Berlin stehen sieht.

"Ich verstehe ohnehin nicht", sagt uns

ein älterer Passant, "dass Tierversuche

bmt-PROTEST

in diesem Umfang noch möglich sind,

nachdem der Tierschutz als Staatsziel

im Grundgesetz (2002) verankert ist;

müsste nicht bei allen Experimenten an

lebenden Tieren die Abwägung zwischen

Tierschutz und Forschungsfreiheit

grundsätzlich zugunsten der Tiere

ausfallen?"

Nicht zugunsten der Tiere, zu Lasten

der Tiere wird auch nach 2002 noch

überwiegend entschieden - dieses bittere

Fazit lässt sich zwar bei fast allen

Tierschutzproblemen, besonders aber

im Bereich der Tierversuche ziehen. Abgesehen

von den grundsätzlich steigenden

Zahlen "verwendeter" Tiere

zählen zu den größten Verlierern die

Mäuse. Von den nahezu 2,9 Millionen

genutzten Tieren 2010 waren die Mäuse

mit erschreckenden 1.963.209 Millionen

am häufigsten vertreten.

Auch bei den Affen lässt sich ein fataler

Anstieg verzeichnen: 2.800 Tiere

mussten an deutschen tierexperimentellen

Einrichtungen Versuche erdulden,

schon 500 mehr als noch 2009.

Verantwortlich für die Zunahme von

Tierversuchen sei die Gentechnik, so

Experten. Entsprechend hoch inzwi-


GEGEN GEPLANTES TIERVERSUCHSLABOR

schen auch die Nutzung von Tieren,

denen artfremde Gene ins Erbgut geschleust

wurden.

Hinter all diesen Zahlen, das darf niemals

vergessen werden, stehen Lebewesen,

Tiere, die mit der Fähigkeit ausgestattet

sind, Emotionen wie Angst,

Freude, Leid und Erschrecken zu empfinden,

die Schmerzen in Versuchen erdulden

müssen, weil der §7 des Tierschutzgesetzes

prinzipiell wieder

aufhebt, was §1 festschreibt. Nach ihm

darf Tieren ohne "vernünftigen Grund"

kein Schmerz und Leid zugefügt werden;

§7 relativiert und erlaubt als "vernünftigen

Grund" das Zufügen von

Schmerz und Leid, wenn Krankheiten,

Stoffe, Umweltgefährdungen etc. getestet

werden müssen.

383.527 Versuchstiere litten 2010 in

Berlin. Mäuse, Ratten, Meerschweinchen,

Hamster, Kaninchen, Katzen,

Hunde, Frettchen, Pferde, Esel, Maultiere,

Schweine, Ziegen, Schafe, Rinder,

Altweltaffen, Vögel, Amphibien

und Fische.

Genau zehn Jahre zuvor hatte der bmt-

Berlin drei Traber übernommen, an denen

angehende Tiermediziner ihre Fertigkeit

erprobten.

Obwohl sich Dino, Veito und Mister

Rodney auf dem bmt-Pferdegnadenhof

nach und nach erholten, brachen sie

bis zu ihrem Lebensende schier in Panik

aus, wenn sich Menschen in Kitteln

und/oder mit Instrumenten in der Hand

näherten. "Das Unrecht an Versuchstieren",

sagte Irmgard Allerstorfer, die

frühere Leiterin des Landesverbandes,

damals zu mir, als wir den Transport

der Pferde aus den

universitätseigenen

Ställen aus Berlin-

Dahlem in die Lüneburger

Heide überwachten,

"kann nie

wieder gut gemacht werden."

Wenn Sie unseren Protest teilen und wie

wir der Ansicht sind, dass Berlin kein neues

Tierversuchslabor, sondern ein Umdenken

- weg von Tierversuchen und hin

zu der Förderung von tierversuchsfreier

Forschung braucht - dann schicken Sie

P FULLINGEN

BLUT an als den Segen! Händen!

Geschäftsstelle Berlin

Sauerbruchstraße 11, 14109 Berlin

Leiterin (GSt): Claudia Lotz

(030) 80 58 33 -38, Fax -39

claudia.lotz@bmt-tierschutz.de

Postbank Berlin,

BLZ 100 100 10, Konto 9603-107

www.tierschutz-bmt-berlin.de

Zwei Pferde ohne Zukunft?

Auch Sissi und Bärli befinden sich in

einer Notlage. Ihre bisherige Bezugsperson

war ein älterer, sehr zurückgezogen

lebender Mann in Bayern. Der

Tierfreund hielt die beiden zutraulichen

und kinderlieben Pferde ganzjährig

auf der Koppel. Sissi (19) und

Bärli (20) waren noch nie krank, wurden

aber regelmäßig von Tierarzt und

Hufschmied untersucht.

Im Dezember verstarb der Tierhalter

an Krebs. Seine Schwester versprach

ihm beim Abschied, die Pferde niemals

zu trennen und ihnen den

Schlachter zu ersparen. Doch die Suche

nach einem neuen Zuhause ist

schwer: Auf der Koppel dürfen sie nur

noch kurzfristig bleiben, weil das Nutzungsrecht

der Weide nur für ihren

Bruder galt und sie selbst nicht über

die entsprechenden Mittel verfügt, die

Pferde zu unterhalten.

Verzweifelt hatte sich die Schwester

auch an den bmt gewandt. Wir versuchen

nun auf diesem Weg Menschen

zu finden, die den beiden Pferden im

Sinne des Verstorbenen

ein gutes,

liebevolles und vor

allem dauerhaftes

Zuhause schenken

können.

G ST B ERLIN

bitte unseren vorformulierten Brief an

Klaus Wowereit, den Regierenden Bürgermeister

von Berlin, ab.

Alle Infos, auch zu unserer Aktion mit

Video, finden Sie auf unserer homepage

www.bmt-tierschutz.de

Text: Claudia Lotz, Foto: Kai Horstman

Sissi und Bärli brauchen Hilfe

Bärli

Der Wallach (Mutter: Französische Trabersute,

Vater: Araber/Trakehner) wurde

noch bis vor zwei Jahren geritten.

Sissi

Die Stute (Vater: Trakehner) ist nie geritten

worden, lässt sich aber sehr gut

führen

41


Das Recht der Tiere 1/2012

42

in

Stedten/Kranichfeld

Warum ist Missy noch immer alleine?

Ursprünglich sollte die "Wolfsranch" eine reine Hundepension und

Hundeschule werden. Doch schon nach kurzer Zeit traten immer mehr

Tierschutzorganisationen auf Marika Wächtler zu und baten um Aufnahme

und Vermittlung ihrer Notfälle. Auch für den bmt versorgt die

42jährige Ostdeutsche Hunde, nachdem sie auf einer Rumänienreise

vom Auslands- Engagement des Vereins in Brasov erfuhr.

50 Hunde kann die seit 1996 bestehende

"Wolfsranch" maximal aufnehmen,

außerdem Katzen und Kleintiere.

Neben Marika Wächtler, die in der

DDR als Zootechnikerin und nach der

Wende als Schutz- und Blindenhundeausbilderin

gearbeitet hatte, kümmern

sich zwei weitere Kräfte, Susan und Sergej,

um die Tiere. Gelegentlich wird

das Dreierteam durch Praktikanten

oder Lehrlinge unterstützt.

Auf dem 1500 Quadratmeter großen

Grundstück in Stedten/Kranichfeld

werden die Hunde in Freiläufen gehalten,

nachts kommen sie ins 460 Quadratmeter

große Haus. Jeder Mitarbeiter

betreut eine eigene Hundegruppe

und bringt ihnen dabei die Grundbegriffe

der Erziehung bei. Oft kennen

die Hunde keine Leine oder sind, entsprechend

ihrer durchlebten Erfahrungen,

zurückhaltend gegenüber Menschen.

Bandit (rechts) ist so ein hartnäckiger

Fall. Als Marika Wächtler den Junghund

aufnahm, war er mit vier Monaten

so extrem verängstigt, wie sie selten

Die

"Wolfsranch"

einen Hund erlebt hatte. Alle scheuen

Neuzugänge füttert sie aus der Hand,

so auch Bandit vom ersten Tag an, und

besucht mit ihnen die Hundeschule.

Während die meisten Vierbeiner dann

irgendwann beginnen, dem Menschen

Zutrauen entgegen zu bringen, stößt

die Hundeausbilderin bei Bandit auf

Granit. "Er ist ein Traumhund", sagt sie,

"wachsam, klug, überaus sozialverträglich

(er wäre der optimale "Animateur"

für ältere Hunde oder "Babysitter

für Junghunde), aber leider noch immer

ausgeprägt ängstlich, wenn Besu-

STAN

Marika Wächtler mit dem “kleinen Angeber” Stan

cher das Gelände betreten oder er mit

unbekannten Situationen konfrontiert

wird."

Aus diesem Grund kam eine Vorstellung

bei "Tierisch tierisch" im vergangenen

Jahr nicht in Frage. Über dieses

beliebte Format des MDR gelingt es

Marika Wächtler nicht nur, die Vermittlungschancen

der Hunde zu vergrößern,

sondern das Interesse des Publikums

über die Sendung hinaus an ihrer

Tierschutzarbeit zu wecken. "Manchmal

kommen Besucher mit ganz bestimmten

Vorstellungen zu mir und fahren

dafür Hunderte von Kilometern", erinnert

sie sich an ein Ehepaar aus Helgoland.

Das Paar nahm einen alten,

schon schwer kranken, weißen Schäferhund

im Wissen des nahenden Endes

auf, um ihm für die allerletzten Lebensmonate

noch Liebe und

Geborgenheit zu schenken.

Die "Wolfsranch" finanziert sich aus

Spenden, Pensions-, Abgabe- und Vermittlungsgebühren.

Offiziell nimmt

Marika Wächtler keine Fundtiere auf,

wird de facto aber zur Hilfe genötigt,

wenn die Hunde zum Beispiel auf ih-


MISSY

rem Gelände "entsorgt" werden oder die Bürgermeister der umliegenden Gemeinden sich wieder einmal

nachts an sie wenden, weil er keine andere Lösung für ihre tierischen Notfälle sehen.

Hunde ab einem Jahr werden mit einer 14-tägigen Probezeit abgegeben. Treten wider Erwarten Probleme

mit dem neuen Hausgenossen auf, nimmt Marika Wächtler den Hund selbstverständlich wieder

auf. Gleiches gilt für Welpen und Junghunde. Allerdings appelliert sie vor der Aufnahme von jungen

Tieren ganz besonders an die künftigen Besitzer, sich intensiv und ausführlich mit der Anschaffung

auseinanderzusetzen und im Zweifelsfall lieber auf die Aufnahme eines Welpen oder Junghundes zu

verzichten.

Die 42jährige arbeitet in der Region mit zehn Pflegestellen zusammen, die vorübergehend Hunde aufnehmen.

"Unsere Hunde genießen diese Abwechslung in anderen Familien und kommen nach ihren

"Kurzurlauben" völlig entspannt und fröhlich wieder", sagt sie.

Ebenso freuen sich die Hunde, wenn die Nachbarn sie zu Spaziergängen abholen. Die Zusatzausflüge

zur zweimaligen Bewegung durch das Wolfsranch-Team sind eine schöne Unterbrechung des Alltags.

Auch Missy hat ihren persönlichen

Auslaufservice, aber leider nicht mehr.

Niemand hat bis jetzt Gefallen an der

hübschen und anhänglichen Hütehündin

gefunden. "Es ist uns allen ein Rätsel,

warum Missy nicht einen Interessenten

hatte. Sie ist zwar ein wenig

schüchtern, aber sehr lieb, verschmust,

hört gut, ist mit allen Artgenossen verträglich

und läuft bei mir ohne Leine."

Auch der Hundeschulbesuch hat die

Chancen der blonden Zweieinhalbjährigen

nicht erhöht. Vielleicht entdecken

Sie Ihr Herz für die sanfte Missy?

Die Sanftmut würde

man bei Stan nicht

gerade hervorheben:

Der sechs Kilo leichte

Rüde täuscht laufend

kleine Beißattacken vor.

Nach Händen und Füßen

schnappend gebärdet

er sich recht un-

FINO verträglich, ist es

aber im Grunde

seines Wesens

nicht. Stan (6,5 Jahre) kuschelt gerne, hat seinen

Menschen am liebsten für sich und ist sehr gehorsam.

Nach einem Autounfall hat er ein loses

Schulterblatt und eine Kehlkopfquetschung

zurückbehalten, die ihn aber weiter

nicht beeinträchtigen. Der Kleine wäre bei

einer Einzelperson oder einem ruhigen

Paar sicher gut aufgehoben.

Ganz anders Fino:

Der Rehpinschermischling

ist ein Temperamentsbündel,

der eine

aktive und sehr sportliche

Hundepension Wächtler

Marika Wächtler

Dorfstraße 6

99448 Kranichfeld/Stedten

Tel: (036450) 39 390

Handy: 0177/57 34 995

www.wolfsranch.info

A USSENSTELLE bmt

Familie sucht. Kinder liebt der Vierjährige sehr, rennt sie in

seinem überbordenden Eifer aber schnell um. Fino hat große

Ausdauer und Sprungkraft: Er federt vom Boden bis an

die Stirn seiner Bezugspersonen, um ihnen mit der Zunge

durch das Gesicht zu lecken. Der kluge Rüde könnte, nach

Marika Wächtlers Einschätzung, auch ein sehr guter Begleiter

für eine(n) Rollstuhlfahrer/in sein.

Wer sich für die hier vorgestellten Hunde interessiert

oder mehr über die "Wolfsranch" und seinen

gesamten Hundebestand erfahren möchte,

informiert sich bitte auf www.wolfsraench.info

oder persönlich.

Freuen würde sich Marika Wächtler außerdem

sehr über Ihre handwerkliche Hilfe: Die obere

Etage des alten Gebäudes soll gefliest und auf

dem Gelände die Zäune und Zwingeranlagen

erneuert werden. Auch für Materialspenden

wäre die Wolfsranch dankbar.

BANDIT

Das Recht der Tiere 1/2012

43


Das Recht der Tiere 1/2012

44

T IERSCHUTZZENTRUM

Wie entsteht ein

Bei der Vermittlung eines Hundes

entscheiden seine individuelle Vergangenheit

und die Eignung der

neuen Besitzer, ob eine gute Partnerschaft

entstehen kann. Pauschalisierungen

über "schwierige Tierheimhunde"

sind unangebracht. Man

kann nicht die Tierheimhunde, die

Züchterhunde, die Straßenhunde aus

dem Ausland etc. über einen Kamm

scheren.

Alle Hunde im Tierheim haben eine eigene

Vorgeschichte und diese ist wichtig.

Der Tierheimhund, dessen Herrchen

gestorben ist, hat sicher ein

anderes Wesen als der vorher schlecht

gehaltene Kettenhund, der Hund aus

der polnischen Massenzucht verhält

sich anders als der Welpe eines verantwortungsvollen

deutschen Züchters,

der Straßenhund aus dem Ausland, der

einen Besitzer hatte, sicher anders als

der wild aufgewachsene.

Aber allen diesen Tieren ist eigen, dass

ein Mensch mit Geduld sie zum

guten Familienmitglied machen

kann. Immer wieder wird im

Tierheim nach Eigenschaften

wie Stubenreinheit, Gehorsam,

Autofahrtauglichkeit, Kinderfreundlichkeit

etc. gefragt. Viele

Tiere bringen diese Eigenschaften

mit, viele müssen sie einfach

noch lernen - das perfekte Tier gibt es

so wenig wie den perfekten Menschen.

Der eine lernt schneller, der andere

langsamer - wie Kinder in der Schule

auch. Und nicht jeder lernt alles. Der

ausgebildete Diensthund in der Hand

eines hundeunerfahrenen Menschen

wird nichts von seinem Können zeigen.

Der stubenreine Hund wird nicht mehr

stubenrein sein, wenn seine neuen

Menschen nicht regelmäßig mit ihm

rausgehen.

Dreamtea

Aus diesem Grund müssen Interessenten

in einem Tierheim Verständnis haben

und sogar froh darüber sein, dass

man zunächst diskutiert, ob der fragliche

Hund für ihre Bedürfnisse/Umstände

geeignet ist, und auch akzeptieren,

wenn sie ein bestimmtes Tier einfach

nicht bekommen können.

Gerne geben Tierheimmitarbeiter, die

am Wohl ihrer Schützlinge interessiert

sind, Empfehlungen hinsichtlich der Art

und des Wesens der Hunde ab, die zur

Familie und Umgebung passen.

Warum es den Tierheimhund

nicht gibt -

der "perfekte Hund" braucht

"perfekte" Menschen!

Es ist keine Schikane, sondern wichtig,

alle Personen zum Aussuchen eines

Hundes mitzubringen, die mit dem

Hund leben werden, ebenso bereits

dort lebende Hunde. Die Tierheimmitarbeiter

müssen die Hunde zusammen

sehen, um zu beurteilen, ob aus ihnen

ein gutes Gespann werden kann. Lediglich

die Katzenverträglichkeit kann

nur grundsätzlich beurteilt und muss

dann ggfs. in einer Probephase daheim

getestet werden.

Tierinteressenten sollten Verständnis für

den Tierschutz haben, wenn wir sagen,

dass dieser Hund nicht der richtige für

sie ist und andere Vorschläge akzeptieren.

Ehrlichkeit ist eine wichtige Voraussetzung

für eine gute Vermittlung -

für die Tierheimmitarbeiter und auch

für die Interessenten. Wenn Menschen

im Bezug auf ihre Gegebenheiten und

ihre Fähigkeiten nicht offen sind, ist es

danach der Hund, der durchgefallen ist

und wieder eine Trennung verkraften

muss - dies ist nicht fair!

Die Rückgabe eines Tieres ist durch unsere

Tierheime abgesichert, soll-

te aber der Einzelfall bleiben.

Für die Ärmsten der Armen wünschen

wir uns Tierfreunde, die

nicht nur einen neuen Freund in

die Familie aufnehmen möchten,

sondern vor allem auch einem

Tier helfen wollen, das vom

Schicksal bis zu diesem Punkt nicht sehr

verwöhnt wurde, die nicht nach Farbe,

Schönheit, körperlicher Unversehrtheit

oder Preis aussuchen und auch nicht

nach vier Wochen den perfekten Hund

haben wollen.

Dass jeder Hund ein Traumhund werden

kann, wenn er das Glück hat, an

die richtigen (passenden) Menschen zu

geraten, lesen Sie im folgenden Beitrag,

aufgezeichnet von Susanne und

Uwe Meyer.

Text: Petra Zipp

Fotos: Susanne und Uwe Meyer


m?

REGINA

Als

wir

Regina

im

Frühjahr 2009 kennen

lernten, waren

wir uns schnell im

Klaren: Diesen Hund

konnten und wollten

wir nicht zu uns nehmen.

Wir waren auf

der Suche nach einem

neuen Pendant

für unseren elfjährigenSchäferhundrüden

Sam. Seine bisherige

Partnerin Inga

musste kurz zuvor

eingeschläfert werden.

Da Inga uns auf

Grund ihres hohen

Aggressionspotenzi-

als während ihres gesamten Lebens "auf Trab" gehalten hatte,

sollte die "Neue" auf keinen Fall ein Problemhund sein.

Regina präsentierte sich im Freigehege denkbar schlecht. Sie

zeigte weder an Sam noch an uns Menschen ein besonderes

Interesse. Aus diesem Grund entschieden wir uns damals für

Bonny, eine mittelgroße, zweijährige Collimischlingsdame,

die trotz ihres grundsätzlich vorsichtigen Wesens über ein gehöriges

Maß an Selbstbewusstsein verfügte. Dass wir die

richtige Entscheidung getroffen hatten, merkten wir u.a. auch

daran, dass unser Sam in der Folgezeit förmlich aufblühte.

Auf Grund von Bonnys traumhafter Sozialkompetenz im Umgang

mit Menschen und Artgenossen konnten Spaziergänge

nun in einer entspannten Atmosphäre erfolgen, wie dies zu

Ingas Zeiten undenkbar war. Darüber hinaus schaffte Bonny

den Balanceakt, unseren "alten Herrn" aus der Reserve zu

locken, ohne ihn hierbei zu nerven. Alles in allem eine sehr

glückliche Zeit.

Im Jahr 2010 machte sich Sams Alter allmählich bemerkbar,

und es war abzusehen, dass die Zeit des Abschieds nahte.

Wir wollten diese Phase gestalten wie in all den Jahren zuvor,

in denen wir mit Hunden lebten. Um zu vermeiden, dass

Bonny nach Sams Tod alleine zurückblieb, sollte ein dritter

Hund bei uns einziehen. Wir hatten natürlich auch schon

konkrete Vorstellungen darüber, wie der "Neue" sein sollte.

Ein Rüde selbstverständlich, genügend Persönlichkeit, um in

Sams Pfotenabdrücke zu treten, ohne ihn noch zu Lebzeiten

"unterzubuttern". Gleichzeitig sollte er hervorragend soziali-

siert und galant im Umgang mit anderen Tieren und Menschen

sein, bei allem Selbstbewusstsein jedoch zurückhaltend,

sensibel und gleichzeitig nervenstark und unempfindlich

sein.

Als vorbildlicher Hüter von Haus und Hof sollte er unsere Besucher

keinesfalls belästigen und darüber hinaus auch seinen

Jagdtrieb im Griff haben. Nachdem wir alle wünschenswerten

Eigenschaften zusammengetragen hatten, war

uns klar: Diesen Hund gibt's nicht!

So kam es, dass wir uns im Oktober 2009 beim bmt in Pfullingen

für Ramon (Latte), einen "halbstarken" Galgomix entschieden,

der es laut Internetpräsentation "faustdick hinter

den Ohren" haben sollte. Und das war nicht übertrieben!

Besonders für mich als Mann sollten die nächsten Monate

wesentlich schlimmer werden, als es Ramons faustdicke Charakterisierung

vermuten ließ. Ein - zumindest bei unseren "Rumänen"

- durchgängig vorhandenes Merkmal ist die deutliche

Affinität zu Frauen. Mit dieser Problematik rechneten wir

erst einmal gar nicht so sehr, aber nachdem Ramon bereits

am zweiten Tag unseren lieben alten Sam attackierte, ging

ich dazwischen.

Ramon erschrak und rannte gegen die geschlossene Terrassentür

und genau diese Koppelung von Schreck, Angst und

Schmerz ließ er mich die nächsten vier Monate mit aller

Deutlichkeit spüren. Während er meine Frau charmant umgarnte,

nahm er von mir kein Futter, ging mit mir nicht in den

Garten, ließ sich von mir nicht anfassen und knurrte und bellte,

sobald ich mich bewegte.

Der Familiensegen hing einige Zeit schief und meine Frau

überlegte täglich, ob sie Ramon oder mich zum bmt zurückbringen

sollte. Nachdem Ramon allerdings schon zwei Mal

vermittelt war, war an eine Rückgabe nicht ernsthaft zu denken.

Lebenserfahren und krisengeschüttelt hielten wir alle

miteinander durch und als Rudel zusammen. Ramon wird

übrigens wegen seiner schönen Fellfarbe, die an Latte Macchiato

erinnert, auch Latte gerufen.

Nach vier Monaten

konnte ich (ein

Mann!) ihn nach

viel Arbeit und vertrauensbildenden

Maßnahmen problemlos

an- und

ableinen, und er

ließ sich von mir

füttern. Nach zwölf

Monaten verband

Latte und mich be-

P FULLINGEN

Ein Erfahrungsbericht

von

Susanne und Uwe Meyer

Tierschutzzentrum

Pfullingen

Gönninger Straße 201,

72793 Pfullingen

Leiter (GSt): Dr. Uwe Wagner

Tel. (07121) 820 17 -0, Fax -18

Leiterin (TH): Petra Zipp

Tel. (07121) 820 17 20

Kreissparkasse Reutlingen,

BLZ 640 500 00, Kto. 75 7889

www.bmt-tierschutzzentrum.de

Das Recht der Tiere 1/2012

45


Das Recht der Tiere 1/2012

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TSZ PFULLINGEN

reits eine echte Männerfreundschaft,

ließ er sich doch von mir voller Vertrauen

über elektrische Weidezäune

heben, die Füße einsalben und die Ohren

putzen.

Heute würden wir ihn für nichts auf der

Welt mehr hergeben. Latte liebt uns genauso,

und der Rest der Menschheit

kann ihm gestohlen bleiben. Heute,

nach weiteren 15 Monaten, lässt Latte

sich erstmalig von einem anderen

Menschen als meiner Frau und mir anfassen,

meinem Schwager (einem

Mann!). Also Männer - gebt die Hoffnung

nicht auf.

(RE-)GINA

Gina hat es nach langem Warten

2011 ins Team geschafft

Das Trio, Sam, Bonny und Latte, entwickelte

sich zu einem harmonischen

Hunderudel, bis zu jenem Tag im Oktober

2010, an dem Sam uns verlassen

musste. Wie in unserer "Lebensplanung"

vorgesehen, sollten für die folgenden

Jahre nur zwei Hunde mit uns

leben.

Regina blieb uns jedoch immer im Gedächtnis

und bei jedem Besuch in Pfullingen

führte uns der Weg stets zu ihr.

Am Tag der Offenen Tür 2011 bekamen

wir dann mit, wie sich Regina im

Wesen verändert hatte, sie wirkte gar

nicht mehr bindungsunfähig…

Bei einem weiteren Besuch im November

sahen wir sie nicht, weshalb wir uns

nach ihr erkundigten. Sie habe sich zurückgezogen,

habe keine Lust mehr,

sich zu zeigen, hieß es. Das beschäftigte

uns sehr, und wir schmissen über

Nacht alle unsere guten Vorsätze über

Bord. Noch im selben Monat zog die

fast Vierjährige bei uns ein.

Die Entwicklung von Latte hatte uns mit

dem notwendigen Selbstvertrauen aus-

gestattet, um uns dieser neuen Herausforderung

zu stellen. Wir waren uns

darüber hinaus einig, dass wir keine Erwartungen

an Regina, die einmal vermittelt

und wieder zurück gebracht

worden war, haben würden.

Doch bei uns Zuhause geschah dann

etwas, worauf wir nicht gefasst waren.

Regina begriff unglaublich schnell die

in unserem Haushalt für Hunde geltenden

Regeln. Der Umgang der drei

Hunde miteinander gestaltete sich unproblematisch,

die Anspannung beim

Füttern verschwand durch einen eindeutig

festgelegten Ablauf nach kurzer

Zeit. Bereits wenige Tage nach ihrem

Einzug begannen die drei Rumänen

entspannt miteinander zu spielen.

Ebenfalls nach wenigen Tagen zeigte

Regina bei der Heimkehr eines Familienmitgliedes

deutliche Freude, hierbei

singt und lacht sie. Für diejenigen,

die dies nicht kennen, klingt es unglaublich,

Regina lacht tatsächlich, wobei

sie die Lefzen ganz nach oben zieht,

so, dass die Haut auf ihrer Nase ganz

faltig ist.

Gina - so kürzen wir ihren Namen mittlerweile

ab - ist weit weniger ängstlich

als Latte. Sie hat Power, bewegt sich

kraftvoll, fasst täglich mehr Vertrauen

in uns und ihr neues Zuhause. Fremden

gegenüber verhält sie sich vorsichtig,

aber immer freundlich. Sie ist hervorragend

sozialisiert, übernimmt zunehmend

die Bewachung des Hauses und

hat sich innerhalb kürzester Zeit einen

Platz in unseren Herzen erobert.

Heute, nach annähernd fünf Monaten,

können wir sagen, Gina genommen

zu haben, war eine

der besten Entscheidungen,

die wir getroffen

haben. Es wird

zwar sicher

noch einige

Zeit vergehen,

Bonny war Anfang 2009

der erste Neuzugang

LATTE

Latte kam im Herbst 2009 zu den

Meyers

bis Gina sich völlig unbefangen von

uns anfassen lässt, doch wir sind sicher,

dass dies eines Tages möglich

sein wird. Bonny benötigte hierzu annähernd

zweieinhalb Jahre und besteht

heute geradezu auf engem Körperkontakt.

Wir bedanken uns bei den Mitarbeiterinnen

und Mitarbeitern des bmt Pfullingen,

die uns diese wunderbaren Hunde

anvertraut haben. Gina ist das beste

Beispiel für eine gute und liebevolle

Pflege durch den bmt, und wir ermutigen

alle, auch ältere Hunde ohne Familienerfahrung

zu sich zu nehmen.

Meßstetten, 18.03.2012


Der bmt - seine Geschäftsstellen und Tierheime

Geschäftsstelle Norden Franziskus-Tierheim

Nordbuscherweg 17, 26553 Dornum

Tel. (04933) 99 28 24, Fax 99 28 26

Tierheim Hage

Hagermarscher Str. 11, 26524 Hage

Tel. (04938) 4 25, Fax 91 49 90

Raiffeisen-Volksbank

Fresenae.G.Norden, BLZ 283 615 92

Konto 6302020300

www.tierheim-hage.de

GSt u. TH "Arche Noah"

Rodendamm 10, 28816 Stuhr/Brinkum

GSt.: Tel. (0152) 33 51 32 16

Tierheim: Tel. (0421) 890171,

Fax 80 90 553

Kreissparkasse Syke,

BLZ 291 517 00, Kto. 113 000 29 57

ww.tierheim-arche-noah.de

Geschäftsstelle Issum

Drosselweg 15, 47661 Issum

Tel. (02835) 44 46 97, Fax 44 46 99

Sparkasse am Niederrhein,

BLZ 354 500 00,

Konto 111 500 2063

www.bmt-nrw.de

TH Köln-Dellbrück

Iddelsfelder Hardt, 51069 Köln

Tel. (0221) 68 49 26, Fax 68 18 48

Postbank Köln, BLZ 370 100 50

Konto 924 02-505

www.tierheim-koeln-dellbrueck.de

Tierschutzzentrum

Pfullingen

Gönninger Straße 201,

72793 Pfullingen

GSt: Tel. (07121) 820 17 -0, Fax -18

Tierheim: Tel. (07121) 820 17 20

Kreissparkasse Reutlingen,

BLZ 640 500 00, Kto. 75 7889

www.bmt-tierschutzzentrum.de

GSt Issum

Geschäftsstelle Hamburg

Lokstedter Grenzstr. 7, 22527 Hamburg

Tel. GSt (040) 55 49 28 - 34, Fax -32

Tel. Tierheim (040) 55 49 28 37

Haspa, BLZ 200 505 50,

Konto 1049220799

www.franziskustierheim.de

TH Hage/

GSt Norden

TH Köln

www.bmt-tierschutz.de

Tierschutzzentrum

Pfullingen

VORSTAND

TH Arche Noah

TH Elisabethenhof

Franziskus-TH, Hamburg

Katzenhaus, TH

TH Wau-Mau-Insel

GSt Bayern

Vorsitzende: Petra Zipp

Tierschutzzentrum Pfullingen

Gönninger Straße 201, 72793 Pfullingen

Tel. (07121) 820 17 -23, Fax 820 17 -18

Stellv. Vorsitzender: Bernd Stephan

Kaiser-Friedrich-Promenade 82

61348 Bad Homburg

Tel. (06172) 138 80 26, Fax 23 691

Weiteres Vorstandsmitglied: Karin Stumpf

Am Heiligenhäuschen 2, 50859 Köln,

Tel. (0221) 950 51 55, Fax 950 51 57

GSt Berlin

Geschäftsstelle Berlin

Sauerbruchstraße 11, 14109 Berlin

Tel. (030) 80 58 33 -38, Fax -39

Postbank Berlin,

BLZ 100 100 10,

Konto 9603-107

www.tierschutz-bmt-berlin.de

"Katzenhaus Luttertal"

Luttertal 79

37075 Göttingen

Tierheim: Tel. (0551) 2 28 32

Postbank Hannover,

BLZ 250 100 30, Konto 732 223 06

www.katzenhaus-luttertal.de

GSt u. TH "Wau-Mau-Insel"

Schenkebier Stanne 20, 34128 Kassel

Tel. (0561) 86 15 680, Fax 86 15 681

Kasseler Sparkasse,

BLZ 520 503 53,

Konto 70 700

www.wau-mau-insel.de

Tierheim Elisabethenhof

Geschäftsstelle Hessen

Siedlerstraße 2, 61203 Reichelsheim

GSt.: Tel. (06035) 96 11 11

Tierheim: Tel. (06035) 59 16,

Fax (06035) 96 11 18

Frankfurter Sparkasse,

BLZ 500 502 01, Konto 5975

www.tierheim-elisabethenhof.de

Geschäftsstelle Bayern

Viktor-Scheffel-Straße 15,

80803 München

Tel. (089) 38 39 52-13, Fax -23

Postbank München,

BLZ 700 100 80, Kto. 142 20-802

www.bmt-bayern.de

Das Recht der Tiere 1/2012

47


„Das Recht der Tiere“ – Postvertriebsstück B 13769 – Entgelt bezahlt

Bund gegen Missbrauch der Tiere e.V.

Als gemeinnützig und besonders förderungswürdig anerkannt

Beiträge und Spenden sind steuerlich absetzbar

Sitz: D-80803 München , Viktor-Scheffel-Str.15

www.bmt-tierschutz.de

EINLADUNG ZUR ORDENTLICHEN MITGLIEDERVERSAMMLUNG DES bmt IN REUTLINGEN!

am Sonntag, 28. Oktober 2012

im Domino-Haus, Am Echazufer 24,

72764 Reutlingen, Beginn 14.00 Uhr

Tagesordnung MV 2012:

1. Eröffnung und Begrüßung

2. Feststellung der ordnungsgemäßen Einberufung der

Mitgliederversammlung und ihrer Tagesordnung

3. Tätigkeitsbericht der Vorsitzenden des Vorstands

4. Bericht des Schatzmeisters

a.) über die Entwicklung der Vereinsfinanzen

b.) über die Ergebnisse der Wirtschaftsprüfung für 2011

5. Entlastung des Vorstandes

6. Anträge aus dem Kreis der Mitglieder

7. Verschiedenes

Hinweis: Anträge zur Mitgliederversammlung sind spätestens

zwei Wochen vor der Mitgliederversammlung

schriftlich (Brief, E-Mail) beim Vorstand einzureichen.

Bitte bringen Sie Ihren Mitgliedsausweis mit!

Ich unterstütze den Bund gegen Missbrauch der Tiere e.V. und

werde Mitglied zum selbstbestimmten Jahresbeitrag von Euro ......................................................................

(Mindest-Jahresbeitrag: 20 EURO. Mitgliedschaft kann jederzeit satzungsgemäß beendet werden.)

Nach Überweisung des Beitrages erhalten Sie Ihre Mitgliedsunterlagen.

spende hiermit Euro ..................................................................................................................................................................

Name:............................................ Vorname:.......................................... Geburtsdatum:..............................................

PLZ und Ort:....................................................... Straße und Hausnr.:............................................................................

Telefon:.............................................................. E-Mail-Adresse:...................................................................................

Beruf:................................................................. Datum:.............................. Unterschrift:.............................................

ÜBERREICHT VON:

(Die Spendenkonten finden Sie auf den Seiten der einzelnen bmt-Geschäftsstellen)

Bitte Coupon ausschneiden und frankiert an eine Geschäftsstelle Ihrer Wahl senden.

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