4. Installation von Erdwärme- sondenanlagen - NRW spart Energie

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4. Installation von Erdwärme- sondenanlagen - NRW spart Energie

Wärmepumpen-Marktplatz NRW

Planungsleitfaden Erdwärmesonden

WÄRMEPUMPEN-

MARKTPLATZ NRW


2 Inhalt

Inhalt

1. Einleitung ....................................................................................................................................... 3

2. Funktionsweise einer Erdwärmesondenanlage .......................................................................4

2.1. Funktionsweise einer Wärmepumpe..........................................................................................4

2.2 Energietransport durch eine Erdwärmesondenanlage...........................................................5

2.3 Frost-/Tauwechsel bei einer Erdwärmesondenanlage ..........................................................6

3. Planung einer Erdwärmesondenanlage.....................................................................................7

3.1 Vorbemerkung .............................................................................................................................. 7

3.2 Gesetzliche Grundlagen............................................................................................................... 7

3.3 Erdwärmesondenanlagen < 30 kW ............................................................................................8

3.4 Erdwärmesondenanlagen > 30 kW ............................................................................................9

4. Installation von Erdwärmesondenanlagen .............................................................................10

4.1 Grundsätzliches .......................................................................................................................... 10

4.2 Beschreibung der einzelnen Arbeitsschritte..........................................................................10

4.3 Prüfung .......................................................................................................................................... 11

5. Anforderungen an Erdwärmesondenmaterial und die Verarbeitung..................................12

5.1 Grundsätzliche Anforderungen an das Material für Erdwärmesonden .............................12

5.2 Produktanforderungen ............................................................................................................... 12

5.3 Rohstoffauswahl für Erdwärmesonden ...................................................................................12

5.4 Vergleich der einzelnen PE Kunststoffe .....................................................................................13

5.5 Verarbeitung der Erdwärmesonden ............................................................................................13

5.6 Anschluss von Verteilerschächten ...........................................................................................14

6. Anforderungen an Verpressmaterial und an die Verarbeitung............................................15

6.1 Auswahl des Verpressbaustoffes..............................................................................................15

6.2 Transport und Lagerung von Verpressmaterialien ................................................................15

6.3 Verarbeitung von Verpressmaterial .........................................................................................15

6.4 Dokumentation des Verpressbaustoffes und der Verarbeitung..........................................16

7. Check-Liste................................................................................................................................... 17

7.1 Dokumentation Planung............................................................................................................. 17

7,2 Unterlagen für das Antragsverfahren ......................................................................................17

7.3 Dokumentation der Bauausführung.........................................................................................17

7.4 Dokumentation der Qualitätssicherung..................................................................................17

8. Impressum.................................................................................................................................... 18


1. Einleitung

1. Einleitung 3

Wärmepumpen sind seit vielen Jahrzehnten im Einsatz, in

den letzten 10 Jahren mit stetig steigendem Anteil am Heizungsmarkt.

Ursache für diese Entwicklung: Die Vorteile

liegen klar auf der Hand. Niedrige Heizkosten und ein wesentlicher

Beitrag zum Schutz der Umwelt sind die herausragenden

Merkmale dieser Technologie.

Ursache für den bemerkenswerten Nutzen ist der große

Anteil an Umweltwärme, den Wärmepumpen zum Heizen

und/oder Kühlen verwenden. Dabei liefert die Natur für die

Versorgung von Gebäuden drei Arten von Umweltwärme

mit unterschiedlichen Anteilen am gesamten Energieeinsatz.

Das Grundwasser und das Erdreich liefern um 75 % der

Energiemenge, die zum Heizen erforderlich ist. Die Außenluft

übernimmt einen Anteil um 65 %.

Die stetig steigenden Energiepreise und das wachsende

Bewusstsein für die Probleme der Umwelt haben in den

letzten Jahren zu einem rasanten Anstieg der Absatzzahlen

für Wärmepumpen geführt.

Bohrarbeiten für eine Wärmepumpenanlage

Foto: Geowell

Waren es in der Vergangenheit überwiegend private Bauherren

die die Vorteile der Wärmepumpe für ihr Ein- oder Zweifamilienhaus

nutzten, so wächst jetzt der Anteil der Wohnungsunternehmen

stetig, die sich für die Wärmepumpe

interessieren, sowohl für Mehrfamilienhäuser als auch für

Gewerbeobjekte. Das größte, uns in Deutschland bekannte

Projekt, wird z. Zt. in Köln errichtet Es handelt sich dabei

um ein Wohngebiet mit insgesamt mehr als 380 Wohneinheiten.

Und einen zweiten Wandel lässt der Markt erkennen. In der

Vergangenheit wurden Wärmepumpen überwiegend im

Neubau eingesetzt. Jetzt gewinnt der Anteil im Gebäudebestand

einen immer größer werdenden Raum.

Verändernde Märkte erfordern auch Veränderungen bei den

am Markt Tätigen. Die Branche muss sich auf das Spektrum

des gesamten Marktes einstellen und dafür marktgerechte

Lösungen entwickeln und anbieten. Das gilt auch für die

Erschließung der einzelnen Arten der Umweltwärme, die

von Wärmepumpen genutzt werden können. Dabei hat die

Erdwärme einen sehr großen Anteil.

Mit dieser Broschüre wollen wir Sie unterstützen und Ihnen

wertvolle Informationen vermitteln. Dabei haben wir nicht

so sehr die großen Projekte im Blickfeld, die in der Vorbereitung

einen entsprechend größeren Aufwand erfordern. Nein,

wir denken an die vielen kleinen Bauvorhaben, an die Einund

Zweifamilienhäuser, an den Neubau, aber auch an die

Sanierung und Modernisierung bestehender Gebäude - also

an Ihr Tagesgeschäft.

Die Nutzung der Erdwärme hat dabei einen sehr hohen

Stellenwert. Um sie aber betriebssicher und gewinnbringend

für den Kunden nutzbar zu machen, sind wichtige Grundregeln

zu beachten und einzuhalten. Nur unter diesen Voraussetzungen

wird die Wärmepumpe ihren Weg im Heizungsmarkt

machen und langfristig gleichberechtigt neben

anderen Versorgungstechniken stehen.

Über die Grundsätze, Anforderungen und über deren Umsetzung

werden wir Sie im Folgenden informieren und Ihnen

wertvolle Hinweise für das tägliche Geschäft vermitteln.


4 2. Funktionsweise einer Erdwärmesondenanlage

2. Funktionsweise einer Erdwärmesondenanlage

2.1 Funktionsweise einer Wärmepumpe

Das thermodynamische Prinzip, das die Grundlage für die

Funktion der Wärmepumpe ist, wurde bereits im Jahre 1824

von dem französischen Physiker Sadi Carnot entdeckt.

Carnot fand heraus, dass durch Bewegungsenergie Temperaturen

eines Stoffes zu beeinflussen sind.

Die wesentlichen Funktionen des Kältekreislaufes einer

Wärmepumpe werden nachstehend erläutert:

n Der Kältekreislauf ist ein in sich geschlossenes System,

das mit einer Flüssigkeit, dem Kältemittel, gefüllt ist.

Das Kältemittel besitzt die Eigenschaft, bereits bei niedrigen

Temperaturen zu verdampfen.

n Im Verdampfer nimmt das flüssige Kältemittel Umweltenergie

auf - das Kältemittel wird dadurch gasförmig.

n Der Verdichter (Kompressor) bringt das gasförmige

Kältemittel auf ein höheres Druckniveau - gleichzeitig

erhöht sich dabei auch das Temperaturniveau des

Kältemittels deutlich.

55 °C

40 °C

Heizungsumwälzpumpe

Kältekreislauf einer Sole/Wasser Wärmepumpe

Quelle: Praxis Wärmepumpe

Verflüssiger

Unterkühler

Trockenpatrone

Hochdruckseite

26 bar 80 °C

Schauglas

40 °C 26 bar

Verdichter

Druck steigt

Temp. steigt

Druck sinkt

Temp. sinkt

Expansionsventil

n Im Verflüssiger wird die Wärmeenergie des Kältemittels

an das Heizungswasser abgegeben - das Kältemittel

kühlt ab und wird wieder flüssig.

n Durch ein Expansionsventil wird das Kältemittel entspannt

- der Druck und die Temperatur des Kältemittels

sinken - der Kreislauf beginnt erneut, und es wird wieder

Umweltenergie aufgenommen.

Niederdruckseite

4 bar -2 °C

Fühler

4 bar -6 °C

Verdampfer

Soleumwälzpumpe

3 °C

0 °C


2. Funktionsweise einer Erdwärmesondenanlage

2.2 Energietransport durch eine Erdwärmesondenanlage

Bei erdgekoppelten Wärmepumpen ist eine hohe Wärmeleitfähigkeit

des Untergrundes von großem Vorteil. Damit sind

die Voraussetzungen besonders gut, die benötigte Wärme

durch die Erdwärmesonde zu entziehen (Heizbetrieb) oder

die Wärme an den Untergrund abgeben zu können (Kühlbetrieb).

Das Wärmetransportvermögen wird für die stationäre

Wärmeleitung mit Wärmeleitfähigkeit (W/mK) bezeichnet.

Gestein

Granit

Tonschiefer

Kalkstein

Mergel

Sandstein

Dichte r

10³ kg/m³

2,4 - 3,0

2,7

2,6 - 2,7

2,5 - 2,6

2,2 - 2,7

Grundwasserfluss

Wärmeleitfähigkeitt l

W/(m . K)

typischer

Rechenwert

2,1 - 4,1

1,5 - 2,6

2,5 - 4,0

1,5 - 3,5

0,3 - 0,6

(3,4)

(2,1)

(2,8)

(2,1)

(0,3)

Einflussgrößen im oberflächennahen Untergrund

Quelle: nach VDI 4640 T1

volumenbezogene

spezifische

Wärmekapazität r . c p

MJ/(m³ . K)

2,1 - 3,0

2,2 - 2,5

2,1 - 2,4

2,2 - 2,3

1,3 - 1,8

Beispiele für Wärmeleitfähigkeit und volumenbezogene spezifische

Wärmekapazität

Solarstrahlung

Geothermischer Wärmefluss

Der Energiespeicher der oberflächennahen Geothermie, der

von erdgekoppelten Wärmepumpen genutzt wird, speist

sich aus folgenden unerschöpflichen Energiequellen:

n Solarstrahlung

n Niederschlag

n Geothermischer Wärmefluss

(sehr gering --> 0,05 - 0,12 W/m²)

Immer, wenn Wärme durch eine Erdwärmesonde entzogen

oder eingeleitet wird, findet im Untergrund ein Wärmefluss

statt. Beim Wärmeentzug zur Sonde und bei der -einleitung

entgegengesetzt. Der Wärmetransport durch Wärmeleitung

und Konvektion speist sich aus allen zur Verfügung stehenden

Quellen, z.B. auch aus dem Grundwasserfluss.

Niederschlag

Wärmeleitung

Gestein

5


6 2. Funktionsweise einer Erdwärmesondenanlage

Der Wärmetransport vom Erdreich zur Wärmepumpe kann

in 4 Teilbereiche unterteilt werden:

n Wärmeleitung vom Erdreich an das Verpressmaterial

n Wärmeleitung im Verpressmaterial zur Erdwärmesonde

Das Verpressmaterial sollte eine gute Wärmeleitfähigkeit

aufweisen, es sollte wasserundurchlässig und druckfest

sowie frostbeständig bis -10 °C und pumpfähig sein. Für

einen guten Temperaturübergang zwischen Untergrund

und Sonde sind kleine Bohrdurchmesser besonders

vorteilhaft.

n Wärmeleitfähigkeit des Sondenmaterials

Für Erdwärmesonden werden Polymere wie Polyethylen

(PE), Polypropylen (PP) oder Polybuten verwendet. Die

Wärmeleitfähigkeit bei Polyethylen liegt bei ca. 0,4 W/m K

n Wärmetransport von der Sonde an die Wärmeträgerflüssigkeit

Der Übergangswiderstand von der Sonde zur Wärmeträgerflüssigkeit

wird stark von der Strömungsform (laminar

oder turbulent) beeinflusst. Die Strömungsform kann

mit der Reynoldszahl Re ermittelt werden. Die Reynoldszahl

hängt vom Rohrdurchmesser, der Fließgeschwindigkeit

und der kinematischen Viskosität der Wärmeträgerflüssigkeit

ab. Ab einer Zahl von > 10.000 spricht man

von vollturbulenter Strömung.

n Transport der Wärme bis zum Verdampfer der Wärmepumpe

Um eine hohe Effizienz der Wärmepumpenanlage zu

erreichen, ist es notwendig, die Temperaturspreizung

zwischen dem Vor- und dem Rücklauf im Solekreis klein

zu halten (3 - 4 K sind optimal). Dabei hängt die Spreizung

vom Volumenstrom, von der Wärmekapazität der Trägerflüssigkeit

(Sole) und von der Wärmeleistung ab. Der

Volumenstrom wird von der Wahl der Umwälzpumpe

bestimmt, und auf die Wärmekapazität der Sole hat die

Viskosität des Frostschutzmittels und deren Konzentration

entscheidenden Einfluss.

2.3 Frost-/Tauwechsel bei einer Erdwärmesondenanlage

Die Temperatur der Sole hat maßgeblichen Einfluss auf die

Effizienz der gesamten Wärmepumpenanlage. Um einen

hohen Wirkungsgrad gewährleisten zu können, sollte die

Soletemperatur über das Jahr immer im positiven Bereich

sein.

Die Soletemperatur wird von folgenden Faktoren beeinflusst:

n Jahreszeit

n Planungsgüte der Anlage

n Qualität der Ausführung der gesamten Anlage

Ist die Wärmepumpenanlage durch eine fehlerhafte Planung

oder durch mangelnde Qualität der Ausführung überlastet,

kann es zu Soletemperaturen < 0° C kommen. Die Folge ist

ein Vereisen des Verpressmaterials und des umliegenden

Erdreichs. Bei nicht frostbeständigem Verpressmaterial

treten durch die Vereisung Massenverluste auf, wodurch

sich die Wärmeleitfähigkeit des Einzugraumes verringert,

was zu einem weiteren Absinken der Soletemperatur führt.

Damit wird ein Prozess in Gang gesetzt, der die Effizienz der

gesamten Wärmepumpenanlage negativ beeinflusst.

Sicherheitshalber sollte deshalb immer ein Verpressmaterial

verwendet werden, das bis -10 °C frostbeständig ist. Die

Frostbeständigkeit ist durch ein entsprechendes Testat zu

belegen.

Quellen:

n VDI 4640 T1: Thermische Nutzung des Untergrundes

Grundlagen, Genehmigungen, Umweltaspekte, 2000

n Praxis Wärmepumpe von Stefan Sobotta, Dortmund,

2008

n Bericht Wärmetransport vom Untergrund zur Sole

von Klemens Richter/Hanau, 2007


3. Planung einer Erdwärmesondenanlage

3. Planung einer Erdwärmesondenanlage

3.1 Vorbemerkung

Die gesetzlichen und planerischen Anforderungen an Wärmepumpenanlagen

sind abhängig von der geplanten Leistung

der Wärmepumpe. Die Grenze unserer Betrachtung liegt

bei 30 kW Wärmeentzugsleistung. Größere Anlagen erfordern

einen größeren Planungsaufwand. Deshalb werden wir

uns mit dem Bereich < 30 kW, Ihrem Tagesgeschäft, intensiver

beschäftigen.

3.2 Gesetzliche Grundlagen

Neben der Luft, ist Wasser die wichtigste Voraussetzung für

unsere Existenz. Aus diesem Grund ist Wasser besonders

zu schützen, um unsere Lebensgrundlage zu erhalten. Gesetze

und Vorschriften erfüllen diese Schutzaufgabe und

unser Ziel muss es sein, nur Anlagen zu errichten, von denen

keine Gefahren ausgehen.

Zur Nutzung der Erdwärme sind Systeme in das Erdreich

einzubringen, die in der Lage sind, diese Energie aufzunehmen

und sie der Wärmepumpe zuführen zu können. Dafür

wird ein Rohrsystem in das Erdreich eingebracht, das mit

einer Flüssigkeit zur Aufnahme der Erdwärme befüllt ist.

Rohrsysteme und Flüssigkeiten müssen so beschaffen sein,

dass von beiden keine Gefahr für das Grundwasser und für

den Boden ausgehen kann. Gleiches gilt für die Installation

der Anlagen, die entsprechend sorgfältig, mit hohem Qualitätsstandard

auszuführen sind.

Die gesetzlichen Grundlagen sind in NRW im Wasserhaushaltsgesetz

(WHG) § 19 und im Landeswassergesetz (LWG)

§§ 16, 17, 18 und 44 geregelt. Das LWG wurde überarbeitet

und ist in dieser Form seit Anfang 2008 gültig. Die Änderungen

kommen u.a. auch der Wärmepumpe zu Gute.

Als Beispiel finden Sie nachstehend den Text § 44 LWG:

§ 44 Zulassung von Erdwärmepumpen im vereinfachten

Verfahren

(1) Für das Entnehmen, Zutage leiten, Zutage fördern

oder Ableiten von oberflächennahem Grundwasser oder

eine Benutzung des Grundwassers nach § 3 Abs. 2 Nr. 2

WHG für thermische Nutzungen bis einschließlich

50 kJ/s (Anmerkung: entspricht 50 kW) und Wiedereinleiten

des in seiner Beschaffenheit nicht weiter veränderten

Wassers in das oberflächennahe Grundwasser

gilt die Erlaubnis für 25 Jahre als erteilt, wenn die zuständige

Behörde sie nicht binnen drei Monaten nach

Eingang des Antrags versagt. Anstelle der Versagung

kann die zuständige Behörde eine Erlaubnis erteilen und

hierin Nebenbestimmungen nach § 24 Abs. 2 aufnehmen.

(2) Dem Antrag sind Bescheinigungen eines qualifizierten

Unternehmens über die Auswirkungen der Benutzung

sowie über die ordnungsgemäße Errichtung der ihr dienenden

Anlagen beizufügen. Die oberste Wasserbehörde

ist ermächtigt, durch Verwaltungsvorschrift Anforderungen

an die Qualifikation des Unternehmens und der

vorzulegenden Unterlagen festzulegen.

(3) Absatz 1 gilt nicht in Gebieten nach § 19 WHG, §§ 14,

15 und 16 dieses Gesetzes.

Außerdem sind die Vorgaben zu beachten, die in den Merkblättern

Nr. 48 vom MUNLV formuliert wurden. Für die

Ausführung von Arbeiten gelten darüber hinaus die Regeln

der VDI 4640 Blatt 1 und 2.

Merkblätter Band 48, Landesumweltamt NRW (LUA)

7


8 3. Planung einer Erdwärmesondenanlage

Zusätzlich sind die Vorgaben des Lagerstätten Gesetzes zu

beachten, mit dem die Anzeigepflicht der Maßnahme beim

Geologischen Dienst NRW geregelt ist.

An Unternehmen, die Erdwärmesondenanlagen errichten,

werden besondere Anforderungen gestellt. Diese Unternehmen

sollten sich nach DVGW Arbeitsblatt W 120 oder vergleichbaren

Maßnahmen zertifizieren lassen; im eigenen

Interesse, zur Sicherheit ihrer Kunden und zum Schutz des

Grundwassers.

Zertifikat nach Arbeitsblatt W 120

Grundsätzlich ist vor dem Beginn der Baumaßnahme ein

Antrag für die "Wasserrechtliche Erlaubnis" zu stellen. Hierfür

ist die jeweilige Untere Wasserbehörde zuständig. Den

Anträgen sind alle Unterlagen beizufügen, die für die Beurteilung

des Vorhabens erforderlich sind. Einen Überblick

über die notwendigen Unterlagen finden Sie in dem Abschnitt

7. Checkliste am Ende dieses Leitfadens. Es ist ratsam, den

Antrag nur vollständig einzureichen. Rückfragen der Behörde

wegen fehlender Unterlagen verzögern das Verfahren und

führen zu höheren Gebühren.

Zu beachten ist, dass Bohrungen mit einer Tiefe bis zu 100 m

bei der unteren Wasserbehörde anzuzeigen sind. Für tiefere

Bohrungen sind zusätzlich entsprechende Anzeigen an die

Bezirksregierung Arnsberg, Abteilung Bergbau und Energie

NRW, Dortmund zu richten.

Sollten Hinweise auf mögliche Bergbautätigkeiten der Vergangenheit

bekannt sein, sollte auf jeden Fall die vorher

bereits erwähnte Bezirksregierung Arnsberg einbezogen

werden, um unliebsame, teure Überraschungen für die Erdsondenanlagen

und das Gebäude auszuschließen.

3.3 Erdwärmesondenanlagen < 30 kW

Planungsgrundsätze

Nur eine qualitativ hochwertig errichtete Erdwärmesonde

ist eine dauerhaft funktionssichere Sondenanlage. Dafür

sind die Regeln der Technik und die gesetzlichen Vorgaben

zu erfüllen.

Das klingt so einfach wie es kompliziert ist. Denn zur Errichtung

einer funktionierenden, sicheren Erdwärmesonde sind

neben der korrekten technischen Ausführung der Gewerke

Bohrung, Sondeneinbau, Verpressen und Anbindung vor

allem die korrekte Auslegung und Planung der Anlagen von

Bedeutung.

Im Folgenden soll der Ablauf von der Auftragserteilung bis

zur Antragserstellung einer Erdwärmesondenanlage vorgestellt

werden.

Eingangsvoraussetzungen

Zur korrekten Auslegung eines Heizsystems mit einer Sole-/

Wasser Wärmepumpe und der dazu gehörenden Erdwärmesondenanlage,

sollte eine Heizlastberechnung erstellt werden.

Die Kalkulation der Betriebsstunden pro Jahr ist eine

weitere, unerlässliche Planungsgrundlage, um einwandfrei

arbeitende Wärmepumpenanlagen zu erstellen, mit der die

Kunden auch langfristig zufrieden sind.

Qualifikation des Bohrunternehmens

Mit der Qualifikation des Bohrunternehmens steht und fällt

die Qualität der gesamten Wärmepumpenanlage. Ein gutes

Bohrunternehmen verfügt über die gesetzlich geforderten

Zertifizierungen, was unter anderem auch den Einsatz qualifizierter

Mitarbeiter voraussetzt. Für die Planung der Erdwärmeanlagen

muss zusätzlich eine enge Zusammenarbeit

mit Fachleuten wie Planern und Geologen gewährleistet

sein.

Geologie für die Dimensionierung einer Erdwärmesondenanlage

Die geothermischen Bedingungen eines Grundstückes sind

sehr unterschiedlich und müssen deshalb bei der Planung

einer Anlage bekannt sein und berücksichtigt werden. Der

Geologe recherchiert und beurteilt die geologischen und

hydrogeologischen Verhältnisse im Untergrund eines Baugrundstückes.

Aus diesen Informationen wird die für das

Baugrundstück spezifische geothermische Entzugsleistung

ermittelt. Die Entzugsleistung (W/m) ist eine der Grundlagen

für die Festlegung der benötigten Bohrmeter und für die

Anzahl der Bohrungen.


In NRW hat das Land vor Jahren dem Geologischen Dienst

NRW den Auftrag erteilt, eine Geothermische Potentialstudie

für NRW zu erstellen. Das Ergebnis der Studie wurde auf

CD veröffentlicht und bietet Interessenten und Fachleuten

eine wertvolle Hilfe für die Ermittlung der geothermischen

Daten des jeweiligen Baugeländes. Gleichzeitig geben die

Daten auch Aufschluss darüber, ob die örtlichen Verhältnisse

die Nutzung der Erdwärme überhaupt zulassen. Die Studie

hat ergeben, dass 70 % der Fläche in NRW geothermisch

nutzbar ist, also der überwiegende Teil des Landes.

Die geothermischen Daten bilden die Grundlage für die

weiteren Planungen. Zu ermitteln ist die zugelassene Bohrtiefe

und die notwendigen Bohrmeter. Daraus ergeben sich

die Anzahl der Bohrungen, die wiederum den Flächenbedarf

bestimmen. Der Flächenbedarf ist außerdem abhängig von

den Abständen der Sonden zueinander sowie zu den Grundstücksgrenzen

und zu den Gebäuden. Der Abstand zwischen

zwei Sonden sollte 6 m betragen und dementsprechend der

Abstand zur Grundstücksgrenze 3 m.

Um die spätere Funktion einer Erdwärmesondenanlage im

Vorfeld sicherzustellen, wird die im Laufe eines Jahres dem

Boden zu entziehende Wärme berechnet. Diese Werte bestimmen

maßgeblich die erforderlichen Bohrmeter. Nur so

ist die Langlebigkeit der Erdwärmesondenanlage zu gewährleisten.

Die korrekte Auslegung ist entscheidend für den

sicheren, wirtschaftlichen und langjährigen Betrieb der

gesamten Wärmepumpenanlage. Denn, zu klein ausgelegte

Erdwärmesondenfelder kühlen den Untergrund zu sehr aus,

und sie erzielen dadurch langfristig nicht die nötige Entzugsleistung

zur Beheizung des Gebäudes. Die Folge; die Wärmepumpenanlage

hat einen höheren Energieverbrauch mit

entsprechend höheren Betriebskosten und einer größeren

Belastung der Umwelt.

CD Geothermische Potenzialstudie

3. Planung einer Erdwärmesondenanlage

3.4 Erdwärmesondenanlagen > 30 kW

Grundsätzlich gelten die vorstehenden Ausführungen auch

für Anlagen mit größeren Leistungen. Hierfür sind die Planungsarbeiten

jedoch wesentlich umfangreicher.

So sind häufig eine oder mehrere Probebohrungen erforderlich,

um die Verhältnisse des Untergrundes eindeutig beurteilen

zu können. Für Baugebiete mit Belastungen aus Altlasten

sind unter Umständen weitere Auflagen zu erfüllen.

Besonderen Umfang nehmen die Arbeiten ein, um die

Leistungsfähigkeit der Erdwärmesonden auch nach langjährigem

Betrieb sicherzustellen. Hierfür werden Computer

gestützte Simulationsprogramme eingesetzt. Die damit

erstellten Dokumentationen geben Aufschluss über das

Langzeitverhalten dieser Anlagen.

Die zuständigen Behörden stellen im Genehmigungsverfahren

für derartige Bauvorhaben häufig besondere Anforderungen.

Dazu kann auch ein Monitoring der gesamten Anlage

gehören. In Abhängigkeit von regionalen Gegebenheiten

fordern die Behörden zusätzliche Vorkehrungen, wenn die

Wärmepumpe die Erdwärme auch für den Kühlbetrieb nutzt.

Entscheidend sind hierbei die Temperaturen des Grundwassers.

Sind sie verhältnismäßig hoch, ist mit zusätzlichen

Auflagen zu rechnen.

Die kurzen Hinweise verdeutlichen bereits, dass der Planungsumfang

für Großanlagen umfangreicher ist, was nur

in enger Zusammenarbeit von Fachleuten der einzelnen

Disziplinen geleistet werden kann.

9


10 4. Installation von Erdwärmesondenanlagen

Bohrgerät im Einsatz, Foto Sadurski

4. Installation von Erdwärmesondenanlagen

4.1 Grundsätzliches

Vor dem Beginn der Bohrarbeiten ist von dem Bohrunternehmen

zu prüfen, wie die örtlichen Gegebenheiten und

Standortvoraussetzungen sind, um die notwendigen Vorkehrungen

für eine einwandfreie Abwicklung der Baumaßnahme

treffen zu können. Dabei sind nachstehend beispielhaft

aufgeführte Einzelpunkte besonders zu beachten:

n vorhandene Ver- und Entsorgungsleitungen im Untergrund

n Standfestigkeit des Untergrundes für das Bohrgerät

n Zufahrtsmöglichkeiten

n Bohrgutentsorgung mit Containern

n Bau- oder Starkstromanschluss 400 V

n Wasseranschluss über Hydrantenstandrohr

n Zusatzleistungen, wie z.B. Abhängen des Gebäudes als

Schutz vor Verschmutzung

n Entsorgung des Bohrwassers

n Vermeidung von Flurschäden

4.2 Beschreibung der einzelnen Arbeitsschritte

Die Erdwärmesondenanlage besteht aus einer oder auch

aus mehreren Sonden. Die Bohrungen werden mit einem

Bohrgerät in einem Bohrverfahren abgeteuft, das durch die

geologischen Gegebenheiten bestimmt wird. Die Endtiefe

der Sonden wurde mit der vorhergehenden Planung der

Energiequelle festgelegt. Behördliche Tiefenbegrenzung

sind bei der Planung der Anlage zu berücksichtigen und

können unter Umstände die Anzahl der erforderlichen Sonden

erhöhen.

Bei den Bohrungen ist ein Schichtenverzeichnis zu erstellen.

Sollte das Schichtenverzeichnis eine Abweichung zu den

Annahmen der Planung ausweisen, so ist die Wärmeentzugsleistung

der Anlage neu zu berechnen. Daraus können sich

Abweichungen bei den erforderlichen Bohrmetern ergeben.

Der Durchmesser der Bohrungen beträgt je nach behördlichen

Vorgaben oder nach bohrtechnischen Gegebenheiten

ca. 120 - 180 mm.

In die offene Bohrung wird eine vorgefertigte, werkseitig

druckgeprüfte Sonde aus PE-HD (Polyethylen High Density)

eingebracht.

Die Werkstoffe haben den Anforderungen nach DIN 8074

und DIN 8075 zu entsprechen. Standardmäßig werden Doppel-U-Sonden

(4 x 32 x 2,9 mm oder 4 x 25 x 2,3 mm) oder

Einfach-U-Sonden (2 x 40 x 3,7 mm) verwendet. Nach Einbau

der Sonde ist an dieser eine weitere Druckprüfung durchzuführen.


4. Installation von Erdwärmesondenanlagen

Bei Verbindung von zwei Sonden (im Tichelmann-Verfahren)

ohne einen Verteiler ist auf einen genauen hydraulischen

Abgleich zu achten. Für die Anbindung an die Wärmepumpe

müssen ausreichende Rohrquerschnitte verwendet werden,

um die Druckverluste möglichst gering zu halten.

Durch Kernbohrungen oder Leerrohre wird die Vor- und

Rücklaufleitung ins Haus geführt. Die Durchführungen sind

anschließend wieder abzudichten. Dabei ist darauf zu achten,

dass die Rohre schon in der Wanddurchführung sehr gut

isoliert sind, um Frostschäden am Mauerwerk zu verhindern.

Für eine saubere Schnittstelle zwischen Bohrunternehmen

und Heizungsbauer sollte das Bohrunternehmen nach der

Hauseinführung zwei Kugelhähne setzen und die Erdsondenanlage

von dort füllen, spülen und anschließend einer

letzten Druckprüfung unterziehen. Die Sondenanlage wird

mit einem Frostschutzmittel-Wassergemisch (Sole) entsprechend

den Angaben des Herstellers der Wärmepumpe

gefüllt.

Zusammen mit der Sonde ist bis Endteufe ein Injektionsrohr

einzubringen. Durch das Injektionsrohr wird die Bohrung

von unten nach oben mit einer Suspension verpresst.

Die Abdichtung darf den Durchlässigkeitsbeiwert von

kf = 1 x 10 -9 m/s nicht überschreiten.

Es ist darauf zu achten, dass eine dauerelastische, frostbeständige

(bis -10 °C) Verfüllsuspension verwendet wird. Für

die Suspension ist ein Nachweis vorzulegen, aus dem die

Eignung der Suspension für die Betriebsbedingungen der

Sonde entsprechend VDI 4640 Blatt 2 hervorgeht.

Die Anbindung der Sonden vom Bohransatzpunkt bis zum

Haus wird ebenfalls aus PE-HD-Rohren frostfrei in ca. 1,0 -

1,2 m Tiefe verlegt. Alle Verbindungen im Boden werden

geschweißt, mit dem Heizelement- oder Elektroschweißverfahren.

Die Leitungen sind in einem Sandbett oder in

Schutzrohren zu verlegen. Bei zwei oder mehreren Sonden

werden die einzelnen Sonden erst an einem Soleverteiler

zusammengeführt, um dann mit je einer Vor- und Rücklaufleitung

in das Haus gelegt zu werden.

4.3 Prüfung

Die erste werkseitige Druckprüfung der Sonde ist nach VDI

4640, Blatt 2 mit dem 1,5-fachen Nenndruck des eingesetzten

Rohrmaterials durchzuführen. Nach Einbau der Sonde

wird diese einer weiteren Druckprüfung bei mind. 6 bar mit

Wasser unterzogen. Die Vorbelastung beträgt 30 Minuten

und die Prüfdauer beträgt 60 Minuten. Der Druckabfall darf

max. 0,2 bar betragen.

Bei der Prüfung des gesamten Systems wird die Druckprobe

mit dem 1,5-fachen des Betriebsdruckes durchgeführt.

Für eine spätere Prüfung der eingebrachten Suspension ist

während des Verpressvorganges eine Rückstellprobe zu

entnehmen. Außerdem ist direkt nach der Entnahme der

Probe die Dichte der Suspension zu prüfen. Die Dichte sollte

ca. 1,5 kg/ltr. betragen.

11


12 5. Anforderungen an Erdwärmesondenmaterial und die Verarbeitung

5. Anforderungen an Erdwärmesondenmaterial und die Verarbeitung

5.1 Grundsätzliche Anforderungen an das Material

für Erdwärmesonden

Das Material, das für betriebssichere Erdwärmesonden

verwendet werden soll, muss folgende Eigenschaften besitzen:

n lange Lebensdauer (100 Jahre)

n beständig gegen Korrosionen, da es in der Erde verlegt

wird

n Optimaler Schutz für Boden und Grundwasser

n gute thermische Eigenschaften

n niedriger hydraulischer Widerstand

n kälte- und wärmebeständig

Bei der Auswahl der einzelnen Materialien muss unbedingt

darauf geachtet werden, dass die Leistungsfähigkeit des

gesamten Systems von der Leistungsfähigkeit jeder einzelnen

Komponente abhängt. Es gilt der Vergleich zu einer

Kette, bei der das schwächste Glied die Qualität der gesamten

Kette bestimmt.

Aus diesem Grund hat der VDI (Verein Deutscher Ingenieure)

in den Richtlinien VDI 4640 Blatt 1 + 2 "Thermische Nutzung

des Untergrundes" die Grundlagen, die Genehmigungen

und die Umweltaspekte detailliert beschrieben.

5.2 Produktanforderungen

Aus der Verantwortung für die dauerhafte Funktion und

Sicherheit der Erdwärmesonden ergeben sich folgende

Anforderungen:

n Die Eignung des Werkstoffes (z.B. PE 100 / PE-X / PE-RC)

für Erdwärmesonden muss mit einem Testat nachgewiesen

werden.

n Die Schweissnähte an der Sonde und am Sondenfuß

müssen nach den Richtlinien des DVS (Deutscher Verband

für Schweisstechnik) werkseitig hergestellt sein.

Sie unterliegen einer 100 %igen Kontrolle in der Produktion.

n Die Qualität der Sonde muss mit einem Werkszeugnis

nach DIN / EN 10204 2.2 nachgewiesen werden. Das

Testat muss die Druckprobe sowie den Durchflusstest

gemäß VDI Richtlinie 4640 bestätigen.

n Zusätzlich zur Eigenüberwachung (Werkszeugnis) sollte

das komplette System, d.h. das Rohr, der Umlenkkopf

und die Schweißung bei der Herstellung der Sonde einer

Fremdüberwachung unterliegen. Deshalb sollte die

Verschweißung des Kopfes direkt im Werk des Rohrherstellers

erfolgen.

n Das Süddeutsche Kunststoff-Zentrum (SKZ) in Würzburg

überwacht die Herstellung von Erdwärmesonden-

Systemen nach der Richtlinie HR 3.26.

n Durch eine konsequente Eigenüberwachung sowie durch

eine Fremdüberwachung (SKZ Gütesiegel) wird ein

gleichbleibender, hoher Qualitätsstandard garantiert.

n Die Fremd-Güteüberwachung bietet Gewähr dafür, dass

sämtliche Bauteile und Verbindungen den heute geltenden

Normen und Vorschriften entsprechen.

5.3 Rohstoffauswahl für Erdwärmesonden

Seit 50 Jahren wird Polyethylen (PE) als Rohrwerkstoff im

Trinkwasserbereich eingesetzt und gilt als hygienisch unbedenklich.

Auf der Grundlage gültiger ISO, EN und DIN Normen

ist es möglich, für PE 100 eine Lebensdauer von 100 Jahren

angeben zu können. Verbindungsverfahren, wie Stumpfschweißen

und Heizwendelschweißen sind für PE langjährig

erprobt und die Verfahren benötigen keine Fremdwerkstoffe.

PE-Granulat, Werkfoto STÜWA


5. Anforderungen an Erdwärmesondenmaterial und die Verarbeitung

Die Sonden werden in verschiedenen Längen gefertigt und

werden aufgerollt geliefert. Dadurch lassen sich die Sonden

einfach transportieren. Trotz hoher Schlagfestigkeit bietet

der Werkstoff die notwendige Flexibilität, um die Sonden

auch bei extremen Temperaturbedingungen gut einbauen

zu können. PE zeichnet sich außerdem durch eine gute

Ökobilanz aus.

5.4 Vergleich der einzelnen PE Kunststoffe

Der Werkstoff für Erdwärmesonden sollte sehr beständig

gegenüber Spannungsrissen und Punktlasten sein. Aus dem

Grund sollten hochwertige Materialien wie PE-X oder PE-RC

verwendet werden. Das Verschweißen sollte mit bewährten

Verfahren wie Stumpf- oder Muffenschweißung möglich

sein. Um einen niedrigen thermischen Bohrlochwiderstand

zu erreichen, sollte der Werkstoff eine hohe Wärmeleitfähigkeit

besitzen.

Nachstehend sind die wichtigsten Materialeigenschaften

aufgeführt:

n Belastbarkeit:

MRS-Klassifikation für die Bestimmung der zulässigen

Betriebsspannung gem. DIN EN ISO 12162

PE 80 8 N/mm² (bei 20 °C, 50a)

PE 100 10 N/mm² (bei 20 °C, 100a)

PE-X 8 N/mm² (bei 20 °C, 50a)

PE-RC 10 N/mm² (bei 20 °C, 100a)

n Betriebstemperaturen:

PE 80 -20…+40 ºC

PE 100 -20…+40 ºC

PE-X -20…+90 ºC

PE-RC -20…+40 °C

n Schweißbarkeit:

PE 80 Stumpf- und Muffenschweißung möglich

PE 100 Stumpf- und Muffenschweißung möglich

PE-X Stumpfschweißung nicht möglich

PE-RC Stumpf- und Muffenschweißung möglich

Erdwärmesonde auf einer Haspel aufgerollt, Werkfoto STÜWA

5.5 Verarbeitung der Erdwärmesonden

Die werkseitig geschweißten und mehrfach kontrollierten Erdwärmesonden

werden je nach Baulänge auf der Baustelle

ausgerollt oder auf Einbauhaspeln aufgezogen. Diese Haspeln

werden vom Bohrunternehmen vorgehalten.

Ab einer Baulänge von ca. 200 m können die Erdwärmesonden

fertig aufgehaspelt mit hydraulischer Abrollvorrichtung

vom Sondenhersteller geliefert werden.

Unabhängig von ihrer Länge werden die Sonden vor dem

Einbau mit Wasser gefüllt und so in die Bohrung eingebracht.

Ein Einbaugewicht (12 - 25 kg) am Sondenkopf oder ein

Einbaugestänge erleichtern das Einbringen in die Bohrung.

Außerdem stellt der Hersteller der Sonden geeignete Einbauhilfen

und Stoßwerkzeuge zur Verfügung.

13


14 5. Anforderungen an Erdwärmesondenmaterial und die Verarbeitung

5.6 Anschluss von Verteilerschächten

Häufig sind mehrere Erdwärmesonden erforderlich, um der

Wärmepumpe die notwendige Energiemenge zur Verfügung

stellen zu können. Der Anschluss der Sonden an die Wärmepumpe

erfolgt immer nur mit je einer Vor- und Rücklaufleitung.

Deshalb müssen die einzelnen Sonden außerhalb

des Gebäudes miteinander verbunden werden.

Alle Sonden müssen gleich belastet werden, um die geplante

Gesamtleistung auch erbringen zu können. Dafür sind für

jede Sonde entsprechende Regelarmaturen notwendig, die

sauber und korrosionsfrei gehalten werden müssen. Hierfür

eignen sich Verteilerschächte aus Kunststoff oder aus Beton

besonders gut.

Verteiler einer Sondenanlage, Werkfoto STÜWA

Schacht mit Boden und Auftriebschutz, Werkfoto STÜWA

Die Schächte sollten mit einem Boden ausgerüstet sein und

auftriebfrei eingebaut werden. Kunststoffschächte sind

Fertigprodukte und werden in den Durchmessern von 600 -

2000 mm angeboten. Die Durchmesser sind in 100 mm-

Schritten lieferbar und können somit je nach baulichen

Anforderungen bezogen werden.

Sondenkopf mit Zusatzgewicht,

Werkfoto

STÜWA


6. Anforderungen an Verpressmaterial und an die Verarbeitung

6. Anforderungen an Verpressmaterial und an die Verarbeitung

6.1 Auswahl des Verpressbaustoffes

Für Festgestein mit hoher Wärmeleitfähigkeit (l > 3.0

W/m/K), für normalen Festgesteins-Untergrund und für

wassergesättigtes Sediment (l = 1.5…3.0 W/m/K) sind

Verpressmaterialien mit einer hohen Wärmeleitfähigkeit zu

empfehlen. Die hohe Wärmeleitfähigkeit wird entweder

durch den Zusatz von Quarzmehl oder durch andere spezielle

Zuschlagstoffe erreicht.

Bei einer Steigerung der Wärmeleitfähigkeit des Verpressmaterials

z.B. von 0,8 auf 1,5 W/m/K kann der Thermische

Bohrlochwiderstand um bis zu 40 % reduziert werden (siehe

Grafik).

Für schlecht leitenden Untergrund (trockenes Sediment;

l < 1.5 W/m/K) reichen auch einfache Ton- oder Kalkmergel /

Zement Gemische aus, um eine ausreichende Abdichtfunktion

zu gewährleisten.

Das Verpressmaterial muss folgende Eigenschaften besitzen,

nachgewiesen durch entsprechende Testate:

n Dichtigkeit: > 1 x 10 -9 m/s

n Druckfestigkeit: > 0,3 N/mm²

n Frostbeständigkeit: Mit einem externen Testat muss

nachgewiesen sein, dass das Material für Erdwärmesondenanlagen

geeignet ist, entsprechend VDI 4640. Das

Material sollte bis -10 °C frostbeständig sein.

n Umweltverträglichkeit: mit einem externen Nachweis ist

die Umweltverträglichkeit zu belegen

n Bei Eigenmischungen sind die Kriterien Dichtigkeit,

Druckfestigkeit, Frostbeständigkeit und Umweltverträglichkeit

für die eingesetzte Mischungsrezeptur nachzuweisen.

Thermischer Bohrlochwiderstand [W/K/m]

0,250

0,200

0,150

0,100

0,050

0,000

Verhältnis der Wärmeleitfähigkeit des Verpressmateriales zum thermischem Bohrlochwiderstand

0,210

0,164

0,137

0,118

0,105

0,095

0,088

0,082

0,077

0,072

0,069 0,066

0,063

Wärmeleitfähigkeit Verpressmaterial [W/m*K]

6.2 Transport und Lagerung von Verpressmaterialien

Verpressmaterialien sollten immer mit Folienschutzhauben

abgedeckt werden, wenn sie außen gelagert werden.

Wegen der Zementanteile muss die Verarbeitung spätestens

nach 6 bis 8 Wochen erfolgen, wenn das Material außen

gelagert wird.

Um das Verpressmaterial, das als Sackware gelagert wird,

vor Untergrundfeuchtigkeit zu schützen, sind die Säcke

immer auf Paletten zu lagern.

6.3 Verarbeitung von Verpressmaterial

Die eingebrachten Sonden sind komplett mit Wasser zu

füllen. Anschließend sind sie dicht zu verschließen. Diese

Maßnahme ist erforderlich, damit während des Verpressens

in den Sonden ein Gegendruck aufgebaut werden kann, um

ein Falten der Sonden zu verhindern.

Beim Verpressen von Suspensionen hoher Dichte

(> 1,5 kg/dm³) und bei Einbautiefen > 150 m ist es sinnvoll,

statt der normalen Verpressrohre HDPE 25 x 2,3 mm größere

Rohre HDPE 32 x 2,9 mm einzusetzen. So können die

Verpressdrücke geringer gehalten werden.

0,061 0,059 0,057

0,6 0,8 1,0 1,2 1,4 1,6 1,8 2,0 2,2 2,4 2,6 2,8 3,0 3,2

3,4 3,6

15


16 6. Anforderungen an Verpressmaterial und an die Verarbeitung

Suspensionsaustritt am Standrohr, Werkfoto STÜWA

Die Verpressung muss kontinuierlich von unten nach oben

ausgeführt werden, am Sondenfuß beginnend. Dabei ist

darauf zu achten, dass sämtliche im Ringraum befindliche

Spülung verdrängt wird.

Bei tiefen Erdwärmesonden kann es von Vorteil sein, in zwei

oder mehr Stufen zu verpressen, um die Erdwärmesonden

möglichst wenig von aussen zu belasten.

Kontinuierliche Messungen der Suspensionsdichte z.B. mit

einem Hydrometer sind dringend erforderlich. Erst wenn

am Bohrlochkopf die gleiche Verpressdichte wie beim Verpressaggregat

gemessen wird, ist der Verpressvorgang

einwandfrei abgeschlossen.

Hydrometer zur Messung der Dichte der Suspension,

Werkfoto STÜWA

6.4 Dokumentation des Verpressbaustoffes und der

Verarbeitung

n Produktdatenblatt des Verpressbaustoffs mit Mischungsempfehlung

pro m³ Suspension und Verwendungsnachweis

für Erdwärmesondenanlagen

n Protokoll über den Verpressvorgang mit der Angabe der

Suspensionsdichte, der eingebrachten Suspensionsmenge

und der Typenbezeichnung der verwendeten Verpressmaschine

n Sicherheitsdatenblatt gemäß EN Vorschrift

n Grundwasser Unbedenklichkeitsbescheinigung

n Nachweis der Frostbeständigkeit bis -10 °C

n Nachweis der Wärmeleitfähigkeit

n Nachweis zur Sulfatbeständigkeit


7. Checkliste

7. Checkliste

Mit der Checkliste möchten wir eine Hilfestellung geben,

damit die Unterlagen erstellt, bzw. eingefordert werden, die

für eine ordnungsgemäße, qualitativ hochwertige Erdwärmesondenanlage

erforderlich sind und erwartet werden können.

Die Checkliste beinhaltet die Unterlagen über die Planung

der Anlage, die Durchführung und über die Qualitätssicherung.

Außerdem sind in der Checkliste die Unterlagen aufgelistet,

die für das Antragsverfahren benötigt werden.

7.1 Dokumentation Planung

n Heizlastberechnung

n Annahme der Betriebsstunden

n Unterlagen über die Entzugsleistung die die

Grundlage für die Planung des Bauvorhabens ist

n Unterlagen zur Planung der Bohrtiefe, der Anzahl

der Sonden und zur gesamten Wärmeentzugsleistung

der Erdwärmesondenanlage

7.2 Unterlagen für das Antragsverfahren

n Antrag für das Erlaubnisverfahren

n Übersichtsplan, Maßstab mindestens 1:25.000

bis 1:5.000

n Lageplan, Maßstab 1:1.000 bis 1:1.250 mit Kennzeichnung

der Bohrstellen

n Berechnung der erforderlichen Sondenlängen

n Beschreibung der Anlage, Technische Daten

n Beschreibung des Bohrverfahrens

n DVGW-Bescheinigung W 120 oder vergleichbarer

Qualifikationsnachweis des Bohrunternehmens

n Sicherheitsdatenblatt des Frostschutzmittels

n Sicherheitsdatenblatt des Kältemittels

n Vorprofil der zu erwartenden Geologie

7.3 Dokumentation der Bauausführung

14 Tage vor Beginn der Bohrarbeiten ist die Maßnahme dem

Geologischen Dienst NRW (GD) anzuzeigen (Lagerstättengesetz).

Nach Abschluss der Arbeiten sind dem GD die

gesetzlich geforderten Unterlagen fristgerecht auszuhändigen,

die auch Bestandteil der nachstehend aufgeführten

Unterlagen sind.

n Schichtenverzeichnis

n Proben des Bohrgutes

n Qualitätsnachweis über das verwendete Sondenmaterial

n Nachweis der installierten Sondenmeter

n Protokoll der Druckprüfung

n Protokoll der Verpressung

n Proben der verwendeten Suspension

n Nachweis über das verwendete Mischungsverhältnis der

Suspension

n Nachweis über die eingebrachte Suspensionsmenge je

Bohrung

n Lageplan mit der Kennzeichnung der Sonden

n Fotodokumentation (optional)

7.4 Dokumentation der Qualitätssicherung

Eignungsnachweis für die verwendete Suspension, das

Mischungsverhältnis und die Funktionssicherheit im Frost-/

Tauwechsel unter Betriebsbedingungen entsprechend VDI

4640 Blatt 2.

17


18 8. Impressum

8. Impressum

Die Beiträge wurden erarbeitet vom Wärmepumpen-

Marktplatz NRW in Zusammenarbeit mit:

Geowell GmbH

Neckarstraße 5

45768 Marl

Telefon: 0 23 65 / 20 10 10

Telefax: 0 23 65 / 20 10 12

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Erdbohrungen Sadurski GmbH & Co. KG

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33818 Leopoldshöhe

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STÜWA K. Stükerjürgen GmbH

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Vaillant Deutschland GmbH & Co. KG

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42859 Remscheid

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Für das große Engagement und für die gute, kooperative

Zusammenarbeit danken wir den Autoren an dieser Stelle

recht herzlich.


WÄRMEPUMPEN-

MARKTPLATZ NRW

EnergieAgentur.NRW

Die EnergieAgentur.NRW fungiert als operative

Plattform mit breiter Kompetenz im Energiebereich:

von der Energieforschung, der technischen

Entwicklung, Demonstration und Markteinführung

über die Energieberatung bis hin zur beruflichen

Weiterbildung. Die EnergieAgentur.NRW steht als

zentraler Ansprechpartner des Landes Nordrhein-

Westfalen in allen Fragen rund um das Thema Energie

zur Verfügung.

Neben anderen Instrumenten beraten und informieren

Ingenieure der EnergieAgentur.NRW über energetische

Schwachstellen. Die Ingenieure beraten zu

Fördermöglichkeiten, Energiemanagement, helfen

Unternehmen bei der Minderung der Energiekosten

und tragen somit zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit

bei.

19


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c/o Ministerium für Wirtschaft,

Mittelstand und Energie

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© EnergieAgentur.NRW 05/2009

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