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tantramassagen

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ulia ist dunkelhaarig und zierlich, sie hat ein hübsches

Gesicht. Julia wäre genau mein Typ, wenn ich lesbische

7 Neigungen hätte. Habe ich aber nicht. Eine eher ungünstige

Voraussetzung daftir, dass ich gleich eine Art Sex

mitJulia haben werde. Eine Art Sex wohlgemerkt: Tantrasex.

Genauer: Ich kriege vonJulia eine Tantramassage.

-Iantra, das habe ich vorher gnindlich recherchiert, ist eine

Lebensform. Präziser: eine Liebesform. Die Liebe schlechthin.

Wer an Tantra glaubt, ftir den gibt es keine Tiennung

zwischen ausschließlich körperlicher Liebe (= Sex) und Sex

mit viel Seele und Geist (= die große Liebe). Tantra ist immer

alles. Dazu passt, dass bei einer Tantramassage kein Halt

gemacht wird vor den intimen Zonen. Vor dem Lingam, so

nennen die Tantraleute den Penis. Und vor der Yoni. Das ist

die Vagina. Denn die sexuelle Energie, die da fließt, inspiriert

die spirituelle Entwicklung. Ich entrvickle mich gern, auch

spirituell. Doch muss deshalb eine wildfremde Person meine

Yoni benihren? Hilfe.

Während des Vorgesprächs hatte michJulia beruhigt: ,,Du

kannst jederzeit ,Stopp' sagen". Das ist mft jetzt, wo ich in

ihrem Behandlungsraum stehe, vor mir der Futon, auf den ich

gleich sinke, total egal. Ich frage mich, ob ich nicht generell

zu feige.bin für dieses Abenteuer. Ich will nach Hause. Ich

will nicht nackt sein, ich hasse Massagen, nie gelingt es mir,

dabei abzuschalten. Aber es gibt keinen Weg zurück. Ich bin

eben doch nicht feige. Andere Journalisten reisen in Kriegsgebiete.

Ich mache Tantra.

,,Wir ziehen uns jetzt beide aus", sagt Julia. ,,Hier ist ein

Kimono." Dann verbindetJulia mir die Augen, dirigiert

mich auf den Futon, stellt sich hinter mich, streift mir den

Kimono sanft wieder ab. Wie ein Mann das tun.rvrirde,

denke ich. Ein erotisch begabter Mann. Bitte, mahnt mich

eine Stimme in mir, es geht hier nicht um landläufige

Erotik. Es geht um Tantra. Ich konzentriere mich darauf,

mich auf nichts zu konzentrieren.

Ich lege mich auf den Bauch. Julia Fingt an, meinen Körper

einzuölen, massiert mich mit erstaunlich kraftigen Benihrungen.

Ich hätte gedacht,Tantra ist soft. Sie zieht mich sogar

an den Haaren, wie ich es eher von einem Mann erwartet

hätte. Birgit, nicht an Männer denken, nicht an landläufigen

Sex. Tantra! Tantra! Tantra!

Julia streichelt mich mit einem Fell, mit einer Feder, lässt

eine Perlenkette über meinen Körper gleiten. Nach und nach

verliere ich das Geftihl daftir, wer mich anfasst, ich tauche ein

in diese Berührungen, sie sind wirklich magisch. Ich gebe

mich hin. Hätte ich nicht ftir möglich gehalten. Ich spüre Julia,

und ich höre sie. Sie gurrt, sie schnurrt wie ein Kätzchen. Ich

höre, dass es ihr Freude macht, dass ich Freude habe. Ich löse

mich mehr und mehr auf, bin trotzdem bei mir. Ich bin kon-

tantra I sex

zenttiert, ohne konzentriert zu sein. Tantra sei die perfekte

Mischung aus KörperJichkeit und Meditation, habe ich gelesen.

Das kommt hin.Julia kommt über die Haut an meine

Seele. Ich bin beeindruckt. Wir sind ein meditierendes Energiepaket,Julia

und ich.

,,Bitte umdrehen", sagtJulia plötzlich. Die Halfte der

Massagezeit, insgesamt drei Stunden, ist um. Ich drehe mich

auf den Rücken. Nun ftihle ich mich richtig nackt und bekomme

wieder Angst. Wie heißt es in esoterischen Kreisen:

Wo deine Angst ist, sitzt deine größte Stdrke. Hofitntlich.

Julia lässt nun meinem Körper all das angedeihen, was er

schon auf dem Bauch liegend genießen durfte. Angenehm,

doch ich schaue innedith auf die Uhr, bin angespannt, gespannt.

IJnausgesprochen liegt im Raum, dass es gleich,

so würde man bei,,normalem" Sex sagen,,,zur Sache" geht.

,,IJnd", haben mich später meine Freundinnen gefragt,,,wie

weit bist du gegangen?"

Weit - für meine Begriffe. Aber nicht den ganzen Weg.

Was Julia mit meiner Yoni gemacht hat, das war gut, technisch

vollkommen. Leider kam es mir eben auch technischvor, ganz

un-tantra-mäßig technisch. Das lag keineswegs an Julia.

Mir fehlte einfach ein persönliches Gegenüber, jemand, der

mir vertraut ist. Am Schluss wurde es mir unmöglich, auszublenden,

dass eine fremde Frau vor mir kniet. Ich bekam den

Gedanken an normalen Sex nicht mehr aus demKopf, ganz

spießige Sachen. Etwa dass meine Yoni nur mir gehört. Oder

meinem Freund. Deshalb habe ich dann,,Stopp" gesagt.

Das hat der Sache überhaupt nicht geschadet. Ich ftihlte

mich nach der Massage sehr entspannt und gelöst. Auf einer

Skala von 1 bis 10 lag ich, was spirituelle Entwicklung angeht,

bei 9. Mit anderen Worten: Ich war in meiner Mitte.

,,Du siehst aus wie 77", sagtJüia. ,Jung, zart und schüchtern.

Als du vorhin reingekommen bist, habe ich gedacht,

wow, ist die Birgit tough. Du bist anders, tief in deinem Inneren.

Verletzbarer, als du scheinst. Leb diese Schüchternheit

und pass auf, dass du die richtigen Männer an dich heranlässt,

die damit umgehen können."

Julia hat recht. In meiner Mitte bin ich schwer schüchtern.

Darüber habe ich schon lange nicht mehr nachgedacht, das

habe ich verdrängt. Beim Tantra geht es darum, sich im anderen

zu erkennen. Sich selbst zu erkennen. Das hat bei mir geklappt

mit der hübschenJulia. Ohne Sex.

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