POSTMORTALER FREIBETRAG - Dr. Johannes Fiala

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POSTMORTALER FREIBETRAG - Dr. Johannes Fiala

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POSTMORTALER FREIBETRAG

NACHFOLGEPLANUNG UND VORSORGE

Einem Berater von Private-Wealth-Kunden ist die „vorweggenommene Erbfolge“

bekannt. Alle zehn Jahre können die üblichen Freibeträge für Ehegatten und Kinder

– über Kettenschenkungen auch von den Großeltern zu den Enkeln genutzt werden.

Weniger bekannt ist, dass sich diese erbschaftsteuerliche Zehn-Jahres-Regel auch

nach dem Tode einsetzen lässt. Damit lassen sich die Freibeträge und anschließende

niedrigere Steuersätze ebenfalls vervielfachen. TEXT: JOHANNES FIALA

WWer

Trend zum Vermögen im Ausland ist nach wie vor

ungebrochen, nicht nur wegen der Diskretion sowie

dem Bank- und Versicherungsgeheimnis. Der bessere

Schutz der Privatsphäre, aber auch die Vermeidung grenzüberschreitender

Meldungen gemäß der 2003/48/EG-Zinsrichttlinie

begünstigen die Geldanlage in Österreich, Luxemburg und Belgien.

INSURANCE WRAPPER: Eine gute Alternative können Lebensversicherungsmäntel

aus Liechtenstein sein, denn dort untergebrachte

Depotwerte sowie die daraus resultierenden Erträge werden nicht

gemeldet. Überträgt der Anleger Geld oder Wertpapiere in einen

Versicherungsmantel, so handelt es sich zunächst um eine individuelle

Vermögensverwaltung nach Kundenwünschen. Die Erträge

aus dem Kapital sind steuerfrei, solange die Werte in der Versicherung

„eingepackt“ bleiben. Die Geldanlage unterliegt nicht den strengen

Auflagen, wie sie für inländische Lebensversicherungen gelten.

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ASSET-PROTECTION: Bei der Beratung vermögender Privatkunden

stehen vier Gründe im Vordergrund, eine geschützte „eiserne

Reserve“ im Ausland zu besitzen. Rechtsstreitigkeiten, Gläubiger

sowie Trennung bzw. Scheidung. Daraus leiten sich die typischen

Basis-Strategien zum Vermögensschutz ab. Hierzu gehören insbesondere

die Trennung persönlicher und geschäftlicher Risiken,

Trusts und Stiftungen sowie spezielle Versicherungen.

BESONDERHEITEN LIECHTENSTEINISCHER LEBENSVERSICHE-

RUNGEN: Die Bezeichnung als Lebensversicherungsmantel

könnte suggerieren, dass hier nur etwas „eingehüllt“ wird. Indes

geht mit Zahlung der Beiträge (als Bargeld oder Wertpapiere) das

Eigentum auf die Versicherungsgesellschaft über – später erfolgt

dann eine Versicherungsleistung. Ein typisches Motiv ist beispielsweise

in der Erbschaftsplanung, wenn es darum geht, die

Kinder vor sich selbst zu schützen. Die Sorge der Eltern ist, dass


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ein Vermögen zu früh und zu schnell in die Hände der Nachkommen

gelangt – dazu kommt die Furcht, dass die Kinder noch nicht gefestigt

sind und sich in den falschen Kreisen aufhalten. Auch hier

kann es ein unwiderstehliches Bedürfnis nach Anonymität geben

– daneben steht die Möglichkeit rechtlich flexiblerer Gestaltungen.

TRANSPARENZ UND ERTRAGSSTEIGERUNG: Eine gegenüber

normalen fondsgebundenen Lebensversicherungen erhöhte Nettoperformance

ergibt sich aus den transparenten Kostenstrukturen

– der Kunde weiß in der Regel, wie hoch die Kosten für Abschluss

(üblich: null bis vier Prozent) und Einrichtung (üblich: ein Prozent)

sowie die laufende Verwaltung (üblich: 0,5 bis 0,95 Prozent p. a.)

sind. Weil keine laufende Einkommensbesteuerung erfolgt, ergibt

sich eine Vereinfachung bei der Steuererklärung. Eine Quellenbesteuerung

entfällt und vielfach lassen sich zusätzliche Risikoschutz-

Komponenten einbauen. Die freie Gestaltung der Anlagestrategie

kann ebenso vorteilhaft sein, wie das Versicherungsgeheimnis als

Absicherung der informellen Selbstbestimmung.

PRAXIS DER VERMÖGENSVERWALTUNG: Zunächst werden bestehende

Depotwerte auf die Versicherungsgesellschaft übertragen.

Bei der Auswahl des Vermögensverwalters und der Bank kann der

Kunde mitgestaltend eingreifen: Um jedoch die Anerkennung als

Lebensversicherung nicht zu gefährden, sollte stets der Versicherer

die Bank und den Vermögensverwalter festlegen. Das

Asset-Management kann dann nach den Anlagerichtlinien des

Kunden erfolgen. Der Kunde lässt also „seinen“ Deckungsstock

selbst konstruieren, mit Wertpapieren aller Art. Inhaber von

Depot und Cash-Konto ist die Versicherungsgesellschaft. Der

Kunde hat gegenüber der Versicherungsgesellschaft einen

Anspruch auf die vertraglich vereinbarten Leistungen.

STEUERFREIHEIT DES LAUFENDEN WERTZUWACHSES: Die laufenden

Wertzuwächse im Versicherungsmantel werden – sofern

keine Entnahme erfolgt – wie bei einer deutschen Lebensversicherung

nicht versteuert, denn rechtlicher und wirtschaftlicher

Eigentümer ist die Versicherungsgesellschaft, welche von der laufenden

Besteuerung der Wertzuwächse freigestellt ist. Daher fällt

auch kein Zinsabschlag an. Erst wenn Entnahmen nach Teilkündigungen

erfolgen, wird der Wert des Fonds den einbezahlten Beiträgen

gegenübergestellt, um die steuerpflichtige Quote zu errechnen.

Lediglich die Hälfte des anteiligen Wertzuwachses, bezogen auf

die jeweilige tatsächliche Entnahme aus dem Deckungsstock, ist dann

der Besteuerung mit dem persönlichen Steuersatz zuzuführen.

ALTERSEINKÜNFTE-GESETZ: Die Erträge aus Kapital bildenden

Lebensversicherungen und fondsgebundenen Lebensversicherungen

sind grundsätzlich steuerpflichtig. Allerdings unterfallen die Erträge

bei Verträgen ab zwölf Jahren Laufzeit und einer Auszahlung

ab dem 60. Lebensjahr „nur“ zur Hälfte der Besteuerung. Dies gilt

entsprechend für die Entnahmen aus dem Versicherungsmantel.

ESTATE-PLANNING: Für das Estate-Planning wesentlich interessanter

sind die Optionen des steuerfreien Policenverkaufs und die

Einkommensteuerfreiheit beim Exit im Todesfall. Beim Policenverkauf

kommt die Spekulationsfrist zum Tragen, sodass nach einem Jahr

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Haltedauer ein Gewinn aus der Veräußerung legal steuerfrei

bleibt. Typisch ist die vertragliche Gestaltung mit mehreren Versicherungsnehmern,

und einer Fälligkeit erst beim Tode des letzten

Versicherungsnehmers (Letztversterbensbasis), sodass der Versicherungsvertrag

von vornherein eine besonders lange Laufzeit

bekommt. Über Teilkündigungen lässt sich der Exit zeitlich flexibler

gestalten.

ZUGRIFF UND LIQUIDIERBARKEIT EINES UMMANTELTEN

DEPOTS: Die Kündbarkeit des Versicherungsmantels richtet sich

nach den oft flexibel gestaltbaren Vereinbarungen. Probleme aufgrund

von Stornoabschlägen, Zillmerung, niedrigen Rückkaufswerten,

Marktpreisanpassung oder mehrjährigen Kündigungsfristen

sind hier ausgeschlossen. Ergeben sich Verluste, können diese in

die persönliche Einkommensbesteuerung eingebracht werden.

Ein Policenverkauf kann oft steuerfrei gestaltet werden.

POSTMORTALER FREIBETRAG IM ESTATE-PLANNING: Die Fälligkeit

der Police kann durch Einsetzung mehrerer Versicherungsnehmer

hinausgezögert werden, woraus sich ein Stiftungscharakter ergibt

und zusätzliche Freibeträge genutzt werden können. Im Erbfall

steht den Erben ihr persönlicher Freibetrag nur einmal zur Verfügung,

§14 ErbStG. Zu versteuern ist dann das vorhandene liquide Vermögen.

Bekanntlich stehen die Freibeträge unter Lebenden durch wiederholte

Schenkung alle zehn Jahre abermals erneut und in voller

Höhe zur Verfügung. Dies lässt sich auch nach dem Tode des

Erblassers alle zehn Jahre wiederholt gestalten. Voraussetzung

ist, dass die Forderung zum Todeszeitpunkt nicht fällig ist oder

wird. Der Jurist spricht hier von einer betagten Forderung. Entscheidender

Punkt in der Gestaltung ist, dass nicht der Erblasser

als versicherte Person eingesetzt wird – denn dann würde der

Todesfall zur Fälligkeit führen. Üblich ist daher, dass der künftige

Erbe oder Vermächtnisnehmer als versicherte Person von Anfang

an eingesetzt ist und zudem vertraglich vereinbart wird, dass im

Todesfall die versicherte Person den Vertrag als neuer Versicherungsnehmer

weiterführt. Steuerlich greift dann §9 I Nr.1a ErbStG

ein, wonach „aufschiebend bedingte bzw. betagte“ Forderungen

nicht als sofort steuerpflichtig gelten. Wird die Gestaltung so

gewählt, dass erst zehn Jahre nach dem Tode eine Fälligkeit oder

noch (teil-)kündbare Police gegeben ist, so stehen die Freibeträge

für die Begünstigten in voller Höhe zur Verfügung. Eine möglichst

lange Laufzeit und die Einsetzung mehrerer Versicherungsnehmer

sind der gestalterische Ansatz. Damit lässt sich die erbschaftsteuerliche

Belastung im Einzelfall bis auf „null“ drücken.

Entscheidend ist im Detail, dass Erbschaftsteuer und Einkommensteuer

sich generell ausschließen. Die (Teil-)Fälligkeit alle zehn

Jahre kann von vornherein geregelt werden. Bei Teilkündigungen

jeweils nicht vor Ablauf von zehn Jahren, stehen die Freibeträge

und oft günstigeren Steuersätze abermals zur Verfügung. Bei der

späteren Versteuerung ist zu beachten, dass auch die Wertsteigerungen

der Erbschaftsteuer unterliegen. �

Johannes Fiala, Rechtsanwalt Mediator

De-la-Paz-Straße 37, 80639 München

Telefon 089/17 90 90-0, Fax 089/17 90 90-70

E-Mail: info@fiala.de

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