Jahresbericht 2011_12 - Gymnasium Liestal

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Jahresbericht 2011_12 - Gymnasium Liestal

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Chronologie

15. August 2011

Schuljahresbeginn: Für insgesamt 1217 Schüler/-innen

beginnt heute das neue Schuljahr.

Rund zwei Drittel davon sind Damen. Die insgesamt

341 Erstklässler/-innen werden in 12 Gym-

und 4 FMS-Klassen unterrichtet.

Verantwo

Mitwirken am Bau der Welt: Verantwortung aus Freiheit

von Barbara Schmitz, Philosophin, Gymnasiallehrerin und Privatdozentin an der Uni Basel

«Mensch sein heisst verantwortlich sein»

heisst es an einer Stelle bei dem französischen

Dichter Antoine de Saint-Exupéry.

Indem wir als Menschen leben, sind wir

immer schon in Verantwortlichkeiten eingebunden.

Verantwortung – das ist eine genuin

menschliche Kategorie, eine Dimension des

menschlichen Lebens, die notwendig zum

Menschen dazugehört. Sie ist nicht wegzudenken

im alltäglichen Leben, nicht in der

Schule, nicht in der Familie, nicht in Freundschaften,

nicht in Fussballmannschaften,

nicht im Bus oder im Tram, nicht in der Natur,

nicht mit den Arbeitskollegen, nicht mit

dem Haustier, nicht in Liebesbeziehungen.

Allein indem wir als Menschen leben, zusammen

mit anderen, haben wir bereits Verantwortung

– ob wir wollen oder nicht. Man

mag hier einwenden wollen, dass ich doch

die Verantwortung für mein Handeln ablehnen

kann. Kann ich mich nicht von aller Verantwortung

freisprechen? Wer so fragt, verkennt,

wie eng Verantwortung mit Freiheit

zusammenhängt. Er verkennt, dass er schon

bei der Frage voraussetzt, dass er sich frei

entscheiden kann – und dass mit der Möglichkeit

der freien Entscheidung auch die

Verantwortung für das eigene Handeln zusammenhängt.

Wer sich nicht frei entscheiden

kann, kann keine Verantwortung haben.

Ohne unsere Freiheit, zu handeln, wie wir

wollen, gäbe es keine Verantwortung. Und

Freiheit gibt es nicht, ohne auch verantwortlich

zu sein. Verantwortung ist die Kehrseite

der Freiheit, und wer die Verantwortung für

sein eigenes Tun ablehnt, lehnt letztlich auch

ab, dass er frei handelt, ein autonomes Wesen

ist, das sich unter all den Möglichkeiten,

die uns die Welt und das Leben bieten, ent-

scheiden kann. Freiheit und Verantwortung

kommen im menschlichen Handeln notwendig

zusammen und das ist es, was Handlungen

mitunter so schwierig, so gewichtig

machen kann und gleichzeitig auch so spannend

und wertvoll.

Vielleicht mag uns ein solches Verhältnis

zwischen Freiheit und Verantwortung überraschen,

scheint uns doch die Freiheit der

Verantwortung allzu oft entgegengesetzt.

Wer verantwortlich ist, scheint gerade nicht

frei zu sein. Freiheit scheint gerade in dem

zu liegen, zu dem wir nicht verpflichtet sind,

und die Verantwortung scheint genau eine

Pflicht zu sein. Wir denken bei Freiheit zu oft

an Einschränkung, an Bürde, an die «Last der

Verantwortung». Wir übersehen zu schnell,

dass Verantwortung auch stark macht, dass

sie Menschen das Bewusstsein der eigenen

Handlungsspielräume vermitteln kann, dass

Verantwortung bedeutet: Ich kann handeln,

wie ich mich entscheide, und mein Handeln

hat Gewicht. Ich kann etwas ausrichten in

der Welt. Ich habe die Kraft und Macht, Verantwortung

für mein Handeln zu übernehmen.

Ich kann etwas bewirken: in so vielen

verschiedenen Situationen, sei es im alltäglichen

Leben, in der Familie, in der Schule.

Wer Verantwortung übernimmt, antwortet

der Welt durch sein Handeln. Darum kann

es auch so schwerwiegend sein, Menschen

Verantwortung zu entziehen. Es wird damit

eine Handlungsmöglichkeit entzogen; es

wird einer Unsicherheit über die Kräfte des

anderen Ausdruck gegeben. Wichtiger als

das Abnehmen der Verantwortung ist es

darum häufig, dem anderen zu helfen, eine

Verantwortung zu tragen, ihm Stärke zu geben,

mit seiner Verantwortung umzugehen.

Gerade in der Schule kann das von zentraler

Bedeutung sein, denn die Schule ist einer

der Orte, wo Freiheit und Verantwortung gelernt

und eingeübt sein wollen.

Strukturell betrachtet ist Verantwortung eine

dreifache Relation: Ich bin verantwortlich für

etwas gegenüber jemanden. Wem gegenüber

ich verantwortlich bin, wechselt je nach

Situation und Kontext. Ich mag als Schülerin

einem Lehrer oder den Eltern oder der

Freundin gegenüber verantwortlich sein; als

Lehrer dem Schulleiter, den Schülern/-innen,

den Eltern, dem Staat gegenüber Verantwortung

haben. Und all diese Verantwortungen

mögen in einer einzelnen Schulstunde zusammenkommen

und dann nicht immer

konfliktfrei miteinander zu vereinbaren sein.

Verantwortung tragen wir aber nicht nur

gegenüber anderen, sondern auch und vor

allem gegenüber uns selbst. «Die Verantwortung

für sich selbst ist die Wurzel jeder

Verantwortung», heisst es in einem chinesischen

Sprichwort. Wer für sich und seine

Handlungen einstehen kann, wer sich verantwortlich

für sich selbst fühlt, für sein eigenes

Leben, der ist auch in der Lage, Verantwortung

für andere zu übernehmen. Gerade

mit der Verantwortung für uns selbst tun wir

uns oft nicht leicht. Welche/-r Schüler/-in

möchte nicht gern die Verantwortung für die

unbefriedigende Note oder für das Zuspätkommen

abschieben? Jeder kennt die lange

Liste, die sich hier anbietet, um eine Verantwortung

abzugeben oder zu mindern: der

verpasste Bus, der nicht pünktliche Wecker,

der Stau, die gesamte Situation eben, oder

es sind die Umstände in einem selbst («ich

bin nun einmal so») oder vielleicht sogar

die Gene. Und welche/-r Lehrer/-in möchte

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