Heile Welt - Nachhaltigkeit - Steiermark

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Heile Welt - Nachhaltigkeit - Steiermark

Heile Welt

2/09


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Herausgeber:

Landentwicklung steiermark

8010 Graz, Hans-sachs-Gasse 5/3. stock

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redaktion:

mag a . sandra Höbel

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Landentwicklung steiermark

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Fachabteilung 19D, Abfall- und stoffflusswirtschaft

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Helene steiner

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Gemeinde st. Bartholomä

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Vulkanland

Amt der steiermärkischen Landesregierung:

Fachabteilung 10A – Agrarrecht und ländliche entwicklung,

Fachabteilung 10C – Forstwesen,

Fachabteilung 19D – Abfall- und stoffflusswirtschaft

Büro Landesrat seitinger

Bezirkskammer für Land- und Forstwirtschaft Liezen

Lehrlings- und Fachausbildungsstelle steiermark

Begsteiger (www.foto-begsteiger.com)

Druck:

medienfabrik Graz

8020 Graz, Dreihackengasse 20

Tel. 03 16/80 95-0

www.mfg.at

Gedruckt auf chlorfrei gebleichtem papier


Notizen

Heile Welt

Nach der Definition der

Online-Enzyklopädie Wikipedia

handelt es sich bei der

„heilen Welt“, verkürzt geschildert,

um eine von „Harmonie

geprägte (Schein-)Welt“,

deren Bewohner im höchsten Maß

konfliktunfähig zu sein scheinen.

Untermauert wird diese

These durch die mit dem Beigeschmack

der Abwertung versehene

Feststellung, jemand lebe

„in seiner eigenen kleinen

heilen Welt“, um sich über

jene Menschen zu mokieren,

deren Drang nach einem friedvollen

Dasein im krassen Widerspruch

zur grausamen, von

täglichen Unruhen gebeutelten

Realität steht.

Positiver Umkehrschluss:

Wären alle Menschen Bürger der

heilen Welt, so hätten wir das

Endziel des menschlichen

Zusammenlebens erreicht: den

Weltfrieden, denn wo kein

Konfliktpotenzial, da keine

Streitigkeiten!

Schöne Vorstellung, nicht

wahr?

Technische Hilfe

Mit den Mitteln der sogenannten

„Technischen Hilfe“ sichert die

Programmverantwortliche Stelle

des Landes, in diesem Fall die

Fachabteilung 10A – Agrarrecht

und ländliche Entwicklung, die

effiziente, wirksame und ordnungsgemäße

Durchführung und

Umsetzung des Programms zur Entwicklung

des ländlichen Raums.

Nachhaltige Entwicklung

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Entwicklung zukunftsfähig zu machen

heißt, dass die gegenwärtige Generation

ihre Bedürfnisse befriedigt,

ohne die Fähigkeit der zukünftigen

Generation zu gefährden, ihre eigenen

Bedürfnisse befriedigen zu können,

so steht es zumindest im Brundlandt-Report

(1987).

Die drei Säulen jeder nachhaltigen

Entwicklung sind daher folgerichtig

die Ökonomie, die Ökologie sowie die

soziale Sicherheit. Ausdrücklich beinhaltet

nachhaltige Entwicklung immer

auch die Zielsetzung entwicklungspolitischer

Gerechtigkeit.


Was bedeutet

„heile Welt“ für Sie

persönlich?

Thema 2/09 : Heile Welt

Johann Seitinger

Landesrat für Land- und Forstwirtschaft, Wasserwirtschaft

und Abfallwirtschaft, Wohnbau und Nachhaltigkeit

| 2 |

Heile Welt – wer träumt an manchen Tagen nicht

davon? Sein „Heil finden“ mag zwar eine schon

etwas antiquierte Formulierung sein, aber den

Sinn können wir noch immer gut nachvollziehen.

Da lohnt sich auch ein Blick auf die Bedeutungsgeschichte

des Wortes „heil“. Gemeint ist damit

ursprünglich „gesund“ und „ganz“. Das Miteinander beider

Bedeutungen macht den tieferen Sinn.

Genau genommen können wir aber nur von der „heilen Welt

sprechen, weil wir in unserem Leben vielfältige Erfahrungen

von deren Nichtvorhandensein haben. Sie wird somit zu

einem Ziel, für das es sich zu arbeiten lohnt.

Heute sprechen wir – zumindest in der Öffentlichkeit – lieber

von „Lebensqualität“. Als Lebenslandesrat habe ich hier die

schöne und auch lohnende Verantwortung für wesentliche

Bereiche.

Gut essen, sauberes Wasser und schön wohnen werden wohl

bei jeder Umfrage zum Thema Lebensqualität ganz oben stehen.

Das alles möglichst vielen Steirerinnen und Steirern,

aber auch unseren Gästen anbieten zu können, sehe ich als

meine politische Verpflichtung.

Zugleich gilt aber auch für mich: Letztlich sind wir alle für

unsere ganz persönliche „heile Welt“ auch ganz persönlich

selbst verantwortlich. Ich denke hier zuallererst an die Kultur

im Zusammenleben mit den Mitmenschen, insbesondere

jenen, die uns nahe stehen. Und wie wir alle mit der Natur

umgehen, ist auch zuallererst Ausdruck unserer eigenen

Fähigkeit, dieses Wunder des Lebens anzunehmen.


Hermann Schützenhöfer

Landeshauptmann-Stv. der Steiermark

Das ländliche Dorf ist ein bevorzugter Ort guten Lebens,

eingebettet in eine sanfte Landschaft, der

Feierabend auf der Bank vor dem Haus mit Glockengeläut

und nahem Kirchturm. Bei solchen Bildern

einer heilen Welt schwingt viel nostalgische

Verklärung mit. Diese Bilder aber negieren Tatsachen.

Etwa, dass in den letzten Jahrzehnten vielfach die

Landwirtschaft das Dorf verlassen hat, dass traditionelles

Handwerk und Gewerbe aufgegeben wurde, weil es nicht

mehr konkurrenzfähig ist, dass Greißler und Gasthaus dicht

gemacht haben, Schulen und Dienstleister wegrationalisiert

wurden.

Eine Gefahr für den ländlichen Raum ergibt sich, wenn Politik

und Bevölkerung sich in ihrer vermeintlichen Idylle, abgehoben

von Realitäten einer globalisierten Welt, auf Dauer

einrichten wollen. So wächst die Weltbevölkerung rasant, bis

2012 wird die Erde von sieben Milliarden Menschen bewohnt

sein. Der Bedarf an Lebensmitteln und Energie, vor allem

auch an pflanzlicher Energie, wächst überproportional. Veränderte

Lebensstandards führen auch zu veränderten Essgewohnheiten.

Die Nachfrage nach Produkten aus der Landwirtschaft

wird steigen.

Eine immer noch bedeutende Landwirtschaft, vorhandene

freie Flächen, gesunde Umwelt und sicherer Lebensraum stehen

auf der Habenseite des ländlichen Raumes. Es gilt, diese

Potenziale mit neuen Chancen und nicht mit alten Hüten

nutzbar zu machen.

Dazu bedarf es aber einer noch viel intensiveren Zusammenarbeit

zwischen Regionen und Gemeinden. Regionale und

kommunale Probleme orientieren sich heute immer weniger

an historisch gewachsenen Gemeindegrenzen, sondern nach

funktionellen Gesichtspunkten. Die Notwendigkeit zum kooperativen

Handeln ergibt sich in den fundamentalen Grundbereichen

Wohnen, Arbeiten, Versorgung, Bildung und Freizeit.

Das Dorf als Ort guten Lebens gewinnt, wenn die Bürger das

Gefühl haben, ihr Steuergeld an der Qualität, am Serviceniveau

und vor allem an den – dank professioneller Kooperation

– reduzierten Kosten öffentlicher Leistungen messen

zu können.

Mag. Franz Voves

Landeshauptmann der Steiermark

| 3 |

Mit dem Begriff „Heimat“ verhält es sich ähnlich

wie mit jenem der „heilen Welt“: Jede und jeder

von uns hat ihre oder seine eigene Definition

davon, geprägt durch subjektive Erfahrungen,

Probleme, Wünsche und Notwendigkeiten.

Davon hängt auch ab, ob es diese „Heimat“

oder „heile Welt“ als (be)greifbare Wirklichkeit gibt oder

ob sie nur in unseren Gedanken – als geistige Insel bzw. Ideal

– besteht.

Ist Heimat dort, wo wir geboren sind, wo wir gerade wohnen,

wo unsere Freunde und Verwandten leben, wo wir unseren

Arbeitsplatz, unsere sozialen Netzwerke haben? Was bringt

uns dazu, unsere Heimat – die „heile Welt“ – zu verlassen und

eine neue zu suchen? Diese und ähnliche Fragen vor Augen,

haben SPÖ und ÖVP gemeinsam ein Arbeitsprogramm, das

viele Lebensbereiche der Steirerinnen und Steirer betrifft, für

die Zukunft des Landes beschlossen. Nach dem Motto „Kooperieren

statt konkurrieren“ werden wir auch die künftige

Gemeindepolitik ausrichten. Es geht schließlich darum, dass

unsere Gemeinden ihre umfangreichen Aufgaben (Pflichtschulen,

Kindergärten, Pflegeeinrichtung, Vereinsräumlichkeiten

u.v.m.) auch in Zukunft optimal erfüllen können. Investitionen

sollen in Hinkunft klein­ und großregional abgestimmt,

Kooperationspotenziale bei der Leistungserbringung

ausgenutzt werden, ohne die Qualität für die Bürgerinnen

und Bürger einzuschränken. Regionale Kooperationen sind

daher für mich zentrale Maßnahmen, um die Handlungsfähigkeit

der Städte und Gemeinden zu erhalten und auszubauen.

Die Politik kann mit Sicherheit nicht für alle eine „heile Welt

schaffen, aber wir können eine solide Basis dafür bereitstellen,

dass jeder Mensch in seinem unmittelbaren Lebensumfeld

seine ganz persönliche Heimat vorfindet.


Thema 2/09 : Heile Welt

6 | Besser leben im ländlichen Raum

essay von Andrea sailer

11| Blitzlicher

24 | Heile Welt Schule?

38| Blitzlicher

Inhalt

Landentwicklung Steiermark

8 | Mit Herz und Handschlagqualität

Interview mit Bernhard schrittwieser

Bürgermeister von Altenberg

12 | Netzwerk 21: Neue Beziehungen –

Neue Erfahrungen

13| Aflenz-Land: Lokal verbandelt …

14 | Kulmland: Fach-SozialbetreuerInnen

für Altenarbeit

15 | In Würde altern – Seniorenwohnhaus

St. Bartholomä

16 | Jede Krise birgt eine Chance

Interview mit Ams-Leiter

Günther prutsch

17 | Lebring-St. Margarethen:

Bücher begeistern Jung und Alt

18 | Greisdorf, Gundersdorf, St. Stefan:

Regionales Lernen

18 | Initiative: Lokale und regionale

Frauentreffpunkte

19 | Leibnitz: MIA (Mütter in Aktion)

19 | Weißkirchen: Pfarrfest

20 | Vulkanland: Unsere Verantwortung

für eine heile Welt

21 | Heile Welt der Kulinarik?

21 | Jeder ist verantwortlich!

22 | Im Wein liegt Heil

23 | Erfolgreiches Schinken fest

in Auersbach

Ländiche Entwicklung – Projekte

25 | Hofübernahme – Unterstützung

der öffentlichen Hand durch

Niederlassungsprämie

26 | Landwirtschaft: Schöne heile Welt

– auf die Perspektive kommt es an!

27 | Interview mit Ing. Martin Tomann,

Förderungsreferent

28 | Familie Mühlthaler – dynamisches

Gespann in einer heilen Welt

30 | Gernot Geweßler –

Mit Leib und Seele Bauer

32 | Die Facharbeiterausbildung-

Landwirtschaft

33 | Schäden im Wald

34 | Borkenkäfersituation und Forstschutzförderung

35 | Klimawandel, Katastrophen

37 | Bearbeitungsgebiete – Ländliche

Entwicklung 2007 – 2013

| 4 |


Nachhaltige Entwicklung

39 | Nachhaltige Wochen

40 | Weg-Werf-Gesellschaft

41 | Gastkommentar:

Auf die Haltung kommt es an!

42 | TRIGOS Steiermark:

Verantwortung lohnt sich

44 | Schlusspunkt: Auf zu großem Fuß

Thema Steiermark darf Sie mit dieser

neuen Ausgabe auf die gedankliche

Reise in die für Geborgenheit, Sicherheit

stehende „heile Welt“ und

damit auch immer nicht weit entfernt

stehende Dynamik und Veränderung

auslösende, wollen wir sie „unheile Welt

nennen, einladen. Das Themenheft Steiermark

beschäftigt sich intensiv mit den

Herausforderungen für den ländlichen

Raum und zeigt gute Umsetzungen, Lösungen,

aber lässt auch engagierte Menschen

zu Wort kommen.

Schon seit einiger Zeit kann nicht mehr

nur von einem landwirtschaftlich geprägten

Raum gesprochen werden sondern

auch von einem, der gerade heute

eine zentrale Aufgabe in der Verbindung

zum städtischen Raum wahrnimmt;

Stichwort Arbeitsplätze, Industrie, aber

auch die Erholungs­ und Urlaubsfunktion,

verbunden mit alten Traditionen.

„Thema Steiermark“ möchte ein Informations­,

aber auch Austauschmedium

in der Kommunikation guter Projektumsetzungen

aus dem Förderprogramm zur

Unterstützung der ländlichen Entwicklung

– ELER, in den Projektinitiativen aus

den Bekenntnissen zur nachhaltigen Entwicklung

in der Steiermark sowie neuer

Instrumente für Good Governance und

dem Einbinden von Bürgerinnen und

Bürgern in Entscheidungsprozesse der

„Lokalen Agenda 21“. Dabei werden die

Inhalte abteilungsübergreifend aus der

für den ELER zuständigen Abteilung

FA10A – Agrarrecht und ländliche Entwicklung

in Abstimmung mit der für Leader

zuständigen A16 – Landes­ und Gemeindeentwicklung,

der die Aufgaben

der Nachhaltigkeitskoordination wahrnehmenden

Dienststelle FA19D – Abfall­

und Stoffflusswirtschaft sowie der die

Leitstelle zur Agenda 21 unterstützende

Christian Gummerer

Geschäftsführer der

Landentwicklung Steiermark

Landentwicklung Steiermark in das Medium

eingespeist. Diese drei großen inhaltlichen

Teile sind durch interessante

Leseteile zum Leitmotto „Heile Welt“ des

Themenheftes verbunden und bilden

Übergänge und Klammer zugleich.

„Thema Steiermark“, initiiert durch

Landesrat Johann Seitinger, wird durch

die beiden Landeshauptleute Mag. Franz

Voves und Hermann Schützenhöfer unterstützt

und mitgetragen, wodurch sich

auch ein ressortübergreifendes Informationsmedium

ergibt.

Bereits 10.000 interessierte Menschen in

der Steiermark beziehen das Themenheft,

welches schwerpunktbezogen in der

Regel viermal jährlich erscheinen wird.

Gerne sind Sie eingeladen, mit den

GestalterInnen des Themenheftes Kontakt

aufzunehmen, Themen einzubringen

oder aber auch einfach dieses im

Wege der Landentwicklung Steiermark

0316/82 48 46 zu beziehen.

christian.gummerer@landentwicklung.at

www.landentwicklung.com

| 5 |


Zum Weiterdenken

Thema 2/09 : Heile Welt

Besser leben

im ländlichen Raum

Die oststeirische Autorin Andrea Sailer hat im Rahmen des Gemeindetages der Landentwicklung

Steiermark am 5. Juni 2009 in Krieglach einen viel beachteten Essay vorgetragen,

der hier gekürzt wiedergegeben wird. Der gesamte Text kann auf der Homepage

der Landentwicklung Steiermark nachgelesen werden (www.landentwicklung.com).

Das Land, das ist oft die Provinz. Oder

eine Gegend. Die Gegend. Einfach nur:

Gegend. Ein Ort der Ortlosigkeit, in dem

vieles offen bleibt. Nicht mehr die große

Stadt, noch nicht die unbesiedelte Wildnis,

die unbebaute, menschenlose Welt.

Das Land ist nicht selten eine Übergangslösung,

ein topographischer Verschiebebahnhof,

auch ein kulturelles Umspannwerk,

in dem die zahllosen Drähte und

Kabel, die aus der nächstgelegenen großen

Stadt kommen, mit den spärlicher

werdenden Kommunikationsnetzen der

Ländlichkeit zusammenlaufen. […] Hier,

in der Provinz oder noch weiter draußen,

kommt der Puls der City nur mehr als

Echo an und die Weltmusik als Nachklang.

Auf dem Land liegt eine seltsame Lupe

über den Kleinigkeiten des Alltags. Die

Einweihung einer Kapelle […] oder einfach

das Sommerfest mit Blasmusik und

Ansprache, das alles kann hier eine große

Sache sein. In kargerer Zeit sind Hochzeiten,

Taufen und Beerdigungen vielleicht

überhaupt das Einzige, was so passiert.

Und das banale Dasein bricht.

Im Gegensatz dazu ist die Großstadt ein

Bereich, wo es alles gibt, wo man alles haben

kann, wo das Leben rund um die Uhr

geöffnet hat und nie zur Ruhe kommt.

Ein Ort jedoch auch, an dem einem mitunter

alles zu viel wird. Kaum eine schwere

körperliche Arbeit kann ermüdender

sein als der permanente Entscheidungszwang

und die aberwitzig große Wahlmöglichkeit.

[…] Zu viele Läden und Geschäfte,

zu viele Waren, zu viele Okkasionen,

zu viel von allem, was doch eigentlich

schön ist, was man haben will, wo

man dabei sein möchte und dazu gehören.

Und irgendwann bleibt man vielleicht

einfach zu Hause. In der Großstadt

fällt die eigene Abwesenheit ohnedies

nicht auf. Man ist ja anonym. Und dass

ein gigantisches Erlebnisangebot glücklich

macht oder glücklicher machen

muss als ein begrenztes wie auf dem

Land, das kann so nicht stimmen. Immerhin,

die Einsamkeit ist und bleibt ein

primär urbanes Problem. […] Vielleicht

sind all diese Worte – Glück, Konsum, Ver­

gnügen – doch nur Synonyme für Ablenkung

und Ersatz. Das Wesentliche scheint

anderswo.

Auf dem Land ist Ablenkung schwer möglich,

schwerer auf jeden Fall. Es gibt von

allem nicht viel, und doch – auf seltsame

Weise – für jeden genug. Zum Leben

reicht es allemal. […]

Wenig Auswahl lässt die Menschen zusammenrücken.

Man sieht sich oft, man

begegnet sich, man bleibt auch manchmal

stehen. Wenn einmal etwas los ist,

gehen alle hin. Freilich: Getratscht wird

auch, und nicht zu knapp. Untertauchen

wie in der Großstadt ist hier nicht möglich.

Denn hier sind die Menschen nun

einmal keine graue Masse, keine statistische

Größe, keine anonymen Einwohner.

Hier sind sie mehr als eine nackte

Der urbane Bürger bastelt oft mit solchem Nachdruck

an seiner Selbstverwirklichung, dass ihm eines

dabei fast völlig entgeht: die Wirklichkeit.

Zahl, gleichwohl, ob amtlich erhoben

oder nur als Dunkelziffer existent. Auf

dem Land haben die Menschen alle noch

einen Namen. […]

Natürlich, innerhalb eines echten bäuerlichen

Lebens, randvoll mit Arbeit und

Pflicht, bleibt auch heute noch kaum

Platz für die Eigenständigkeit des Einzelnen.

[…] Aber wo keine Zeit für Fragen

bleibt, da vermisst man auch die offenen

Antworten nicht so sehr. Wo nichts anderes

möglich scheint, muss eben das gelebt

werden, was da ist, was möglich ist,

was es gibt. […] Am Land verschmelzen

Noch ein gefährliches Wort: Heimat. Im Bewusstsein der menschen hat es

einen ländlichen Klang. es erzählt von Bräuchen und ritualen, Jahreszeiten und

Festtagen im Jahreslauf, von immer gleichen Bildern. und dehnbar ist der Begriff

von Heimat sowieso. Kommt darauf an, wo wir gerade sind. erst ist es das eigene

Bett, später das eigene Haus, irgendwann das eigene Land. Auf reisen ist es unser

Kontinent und manchmal ist es sogar die ganze Welt. Zum schluss wird es wieder

sein wie am Anfang. ein Bett, in dem wir liegen, daneben ein stuhl, auf dem einer

sitzt, der uns noch besucht. Nicht weiter schlimm, wenn uns dann auch nichts anderes

mehr einfällt als ein altes Kindergebet. Ja, auch religion kann eine Heimat

sein. Auf dem Land wir ihr auch immer noch mehr Bedeutung und platz eingeräumt

als in den großen städten, wo in regelmäßigen Abständen darüber diskutiert wird,

ob man in schulen Kreuze an die Wand hängen darf oder nicht. Auf dem Land darf

der Glaube noch ungefragt sichtbar sein, als Wegkreuz, als marterl, als Bildstock.

Die innewohnende Botschaft ist immer dieselbe: Wissen, wie klein man selber ist.

Hoffen auf etwas Größeres. Glauben an eine letzte Heimat, aus der man nie mehr

vertrieben wird, die einem nie abhanden kommen oder zerstört werden kann.

Jenseits ist keine stadt, eher eine Art Land. etwas mit Blumen und Tieren, etwas

mit nicht zu vielen mauern, etwas sehr einfaches und Friedvolles vielleicht.

| 6 |


Gemeindetag 2009 der Landentwicklung steiermark

im Veranstaltungszentrum Krieglach

auch heute noch oft Dasein und Aufgabe

miteinander. […] Der moderne, städtische

Mensch ergeht sich in Fragen. Er

muss das tun, weil er die Vielfalt vor der

Nase hat, in allem. Wenngleich er neuerdings

eine populär gewordene Einfachheit

anstrebt, so wird diese immer inszeniert

bleiben, nie echt sein. Vor dem Hintergrund

von Fastfood, probiotischen Joghurts,

rechtsdrehenden Milchsäuren

und laktosefreien Käsesorten ist die Idee

von Nahrung ebenso wenig in ihrer Ursprünglichkeit

zu begreifen wie im Spannungsfeld

von Schlankheitskuren, Diätanleitungen

und Fresssucht. Im Überfluss

vorhanden haben Lebensmittel ihre

existenzielle Wertigkeit für Leib und Leben

längst verloren. Wir hungern heute,

bevor wir satt sind. Wir hungern auch,

weil wir alles satt haben. Unsere abgemagerten

Seelen umhüllt ein übergewichtiger

Leib.

Das Land lehrt uns, mehr als alle Medien

dieser Welt zusammen, auch das Erkennen

von Schönheit. Die letzten Jahrzehnte

waren geprägt von einem furchterregenden

Wandel des Schönheitsbegriffes.

Schönheit hatte nicht mehr länger

etwas mit Natur zu tun, im Gegenteil. Gemachte

Schönheit wurde modern. […]

Unsere heutige Definition von Schönheit

hat so wenig mit der Wirklichkeit zu tun

wie unsere krampfhaften Selbstverwirklichungsversuche

und noch weniger mit

dem Leben. Die abgearbeiteten, rissigen

und zerfurchten Hände eines Bergbauern

etwa, mit Nagelrändern wie schwarze Sicheln,

mit Narben und Sprüngen, sind

aber in Wahrheit mindestens so schön

wie die perfekt manikürten, kunstharzbenagelten

Finger eines zwanzigjährigen

Starlets. Weil sie authentisch sind und

vom Leben erzählen. Vom wirklichen Leben.

Von schweren Lasten, rauer Arbeit,

unwirtlichem Klima. […] Manikürte

Stadtfinger erzählen im Gegensatz dazu

in erster Linie, dass mit ihnen nicht viel

getan wurde. Unermüdlich wurden sie

geschont.

Dennoch erkennen wir auf dem Land

sehr viel Schönheit. Sie gefällt uns, die

ungeordnete Pracht der Blumen, das

Durcheinander der Gemüsepflanzen.

Gibt es etwas Schöneres als einen reifen

Ölkürbis, wie er da auf dem Feld liegt und

in der Herbstsonne glänzt? […] Auf dem

Land geben dem Leben noch die Jahreszeiten

ein gewisses Maß. Nicht die Drei­

Meter­Hasen in den Auslagen der Geschäfte

weisen auf Ostern hin, sondern

die Palmkätzchen, die so selbstverständlich

aufblühen, am Hang hinter den Mülltonnen,

an der Stallmauer entlang. […]

| 7 |

Natürlich, ein Hauch von Großstadt ist

auch in die tiefste Provinz, ins abgeschiedenste

Dorf schon eingezogen. Da ein

Chinarestaurant, dort eine Pizzeria, dazwischen

vielleicht ein Shop mit Asiatika.

Der sperrt aber bald zu, hier hat kaum

jemand Bedarf an Meditationsgehölz

und Esoterikerwerkzeug. Hier genügt

Hundegebell hinter den Zäunen, Traktorengeknatter

auf dem Feld und das Krähen

des Hahns und das Läuten der Kirchenglocken

[…] – und das Echo der

nächsten richtigen Stadt, die doch recht

nahe ist. Gleich dort hinter dem Hügel,

hinter dem Wald, hinter den Äckern. Vielleicht

nur einen Steinwurf entfernt. Auf

dem Land sind noch alle Steine fest zementiert.

Und wer beizeiten über sie stolpert,

der hätte in einer Metropole von

Weltformat womöglich noch mehr Mühe

mit dem geraden Weg und dem aufrechten

Gang.

Andrea sailer, geboren 1972 in Weiz, gehört zu den renommiertesten

und bekanntesten steirischen Autorinnen ihrer Generation.

Nicht zuletzt ihre „Gedanken zur Zeit“ im radio steiermark

– 2000 und 2007 auch als Auswahl in Buchform veröffentlicht

– haben sie einer großen Hörer- und Leserschaft bekannt

gemacht. Ihre erfahrungen im Kabarett und ihre eindringliche

stimme lassen zudem jede ihrer Lesungen zu einem unvergesslichen

erlebnis werden.

Ihre Texte spiegeln eine tiefe Auseinandersetzung mit der

alltäglichen Lebenswirklichkeit. sie stellt Fragen, ohne den Leserinnen

und Lesern vorgefertigte Antworten aufzunötigen.

Wie nur wenigen gelingt es ihr, der Alltagssprache ihre poetische

Kraft zurückzugeben.

Die mehrfach ausgezeichnete Autorin veröffentlicht ihre Texte

(prosa, Lyrik, skizzen, essays) überwiegend im Leykam-Verlag.


Interview

Mit Herz und Handschlagqualität

Bernhard Schrittwieser beendet nach 25 Jahren als Bürgermeister von Altenberg an der

Rax seine Amtszeit. Resümee eines Vierteljahrhunderts im Dienste der Öffentlichkeit.

25 Jahre Bürgermeistertätigkeit – ein

Vierteljahrhundert! Wie fühlt es sich an,

nach einer so langen Zeit einen schlussstrich

zu ziehen?

Die Zeit seit meinem offiziellen Rücktritt

am 29. Mai ist noch zu kurz, um das wirklich

beurteilen zu können! Aber der

Schritt muss einfach einmal sein. Wir

brauchen neue Leute, neue Ideen, neuen

Schwung. Gott sei Dank gibt es einen

Nachfolger. Das ist in einer Kleingemeinde

wie Altenberg an der Rax gar nicht so

selbstverständlich. Ein Nachfolger, der

vor allem auch das Interesse und Herzblut

für eine derartige Funktion mitbringt.

Wer ist Ihr Nachfolger?

Mein Nachfolger heißt Jakob Holzer, ist

Unternehmer und sehr tüchtig. Wir haben

die letzten acht Monate schon sehr

intensiv miteinander gearbeitet. Dadurch

ist er bereits gefestigt, weiß im Groben,

was ihn erwartet und auf ihn und die Gemeinde

zukommt.

Thema 2/09 : Heile Welt

„Die Menschen, die hier leben, sind das Wichtigste.

Nur auf der Basis eines guten Miteinanders lassen sich

Ideen auch verwirklichen …“

Nächstes Jahr stehen Gemeinderatswahlen

vor der Tür. Warum der rücktritt

während der Amtsperiode?

Das war irgendwie so eine Zielvorgabe.

Ich wollte nicht mit einer Gemeinderatswahl

aufhören, sondern eben nach 25

Jahren. Und der Zeitpunkt ist günstig: ich

habe einen hervorragenden Nachfolger

gefunden, der bereits mitarbeitet und in

die nächste Wahl seine Ideen einbringen

kann. Und ich arbeite bis zum Ende der

Amtsperiode noch aktiv mit und unterstütze

ihn, wo ich kann.

Wobei es ja eine große Aufgabe ist, ein

solches erbe anzutreten …

Das kann ich nicht sagen, weil mein Anfang

als Bürgermeister nicht so leicht und

nicht so rosig war. Erstmals war da vor 25

Jahren der politische Wechsel in der Gemeinde.

Ich konnte mir keine Hilfe erwarten,

war auf mich allein gestellt. Und

das war nicht einfach. Der Gemeinde

Landentwicklung Steiermark

Bernhard schrittwieser, hier mit seiner enkelin sarah,

will in Zukunft viel Zeit mit seiner Familie verbringen.

| 8 |

fehlte das finanzielle Rüstzeug, wir haben

gleich einen Monat nach meinem Amtsantritt

mit dem Kanalbau begonnen. Da

sind schon Sachen über mich hereingebrochen,

wo ich mir gedacht habe: Um

Gottes willen, was hast du dir da angetan?

Aber im Laufe der Zeit habe ich mir mehr

und mehr Ziele gesetzt. Natürlich ist

nicht alles auf einmal umsetzbar, aber so

einiges ist uns gut gelungen, sehr gut

gelungen, und da bin ich sehr stolz

darauf.

Wenn sie die letzten 25 Jahre revue passieren

lassen, was hat sich verändert?

Für mich waren immer der Zusammenhalt

innerhalb der Gemeinde und der Zusammenhalt

mit der Bevölkerung entscheidend.

Die Menschen, die hier leben,

sind das Wichtigste. Nur auf der Basis

eines guten Miteinanders lassen sich

Ideen auch verwirklichen. In unserer Kleinstrukturiertheit,

wo jeder jeden kennt,

da müssen die Leute an einem Strang zie­


„Ein gutes Miteinander basiert auf Vertrauen

und Handschlagqualität. Diese Stärken dürfen

uns nicht verloren gehen.“

hen. Das Politische gehört weggeschoben,

das Sachliche in den Vordergrund

gestellt. So haben wir in den letzten 25

Jahren viel weitergebracht.

Die Saat ist von mehreren gelegt worden,

ich bin halt vorne gestanden. Es braucht

einen, der Entscheidungen trifft. Und natürlich

passieren viele schöne Dinge, aber

wenn doch einmal etwas danebengeht,

muss es auch geregelt werden.

Und wenn ich so zurückdenke, ist es

schon unglaublich, was sich innerhalb

der letzten 25 Jahre in der Gemeinde ver­

ändert hat – die ganze Gemeindeentwicklung,

der Aufgabenbereich der Gemeinde.

Was da alles passiert ist und sich

abgespielt hat, was die Bevölkerung gar

nicht registriert. Die Leute nehmen ja

meist nur das wahr, was sie auch sehen

können – ein neues Gebäude, den Kultursaal


Altenberg ist eine wunderschöne

Gemeinde, ein liebevoll gepflegtes Kleinod

– ich komme immer wieder gerne

hierher.

Ja, auf unsere Dorfentwicklung bin ich

stolz. Da ist uns wirklich viel gelungen.

Zu Beginn hatten wir Aufholbedarf, es hat

an allen Ecken und Enden gefehlt, die

ländlichen Strukturen haben uns ganz

schön zu schaffen gemacht. Es gab wenige

Schutzhütten, ein Gasthaus und ein

paar Kleingewerbebetriebe, dann waren

wir fertig. Und trotzdem galt es, diese Infrastruktur

aufrechtzuerhalten.

Die Nahversorgung war für mich immer

ein ganz wesentlicher Punkt! Es war mein

ständiges Bemühen, das Kaufhaus nicht

zu verlieren, das Gasthaus und die Schule

zu erhalten! Eine unserer wesentlichen

Zielvorgaben der letzten 25 Jahre war es,

die Jugend in der Gemeinde zu (er)halten,

den jungen Menschen Bauplätze anzubieten,

sie zu fördern – nicht ausschließlich

im materiellen, sondern auch

im ideellen Sinne.

Altenberg war die erste Gemeinde im

Bezirk Mürzzuschlag, die ein Konzept zu den

wesentlichen Fragestellungen des ländlichen

Raumes erarbeitet hat.

Und die Menschen schätzen sehr wohl

das Entgegenkommen der Gemeinde

und die Gewissheit, dass auf das Wort

auch eine Handlung folgt. Aber all das

braucht Zeit.

Als ich angefangen habe, waren wir eine

klassische „Zweitwohnsitzgemeinde“.

Die Jugend ist aufgrund der Arbeitsgegebenheiten

oder Arbeitsmöglichkeiten

weggezogen und das Elternhaus wurde

zum klassischen Zweitwohnsitz.

Diese Lebenseinstellung hat sich geändert:

Die jungen Leute bleiben inzwischen

lieber daheim und erhalten das Elternhaus.

Auch das Pendeln ins Mürztal

oder nach Wien oder Graz ist keine Hexerei

mehr. Verkehrsmäßig sind wir gut

angebunden. Die Altenberger Jugend hat

begriffen, dass Wohnqualität sehr viel

wert ist und einen wesentlichen Teil der

Lebensqualität ausmacht.

Was war das schönste erlebnis, die

eindrucksvollste Begebenheit in diesen

25 Jahren?

Mein Gott, es ist ja auf jedem Lebensweg

so, dass es schöne Dinge gibt, weniger

schöne Dinge, Erlebnisse, die einem immer

in Erinnerung bleiben, Begebenheiten,

die man gleich wieder vergisst.

Ich bin ein Mensch, der niemals das Negative

mitschleppt. Ich habe stets versucht,

das Positive zu sehen, aus jeder Situation

das Beste zu machen.

Natürlich gibt es Phasen, wo etwas nicht

so gut gelingt, wie man es vielleicht gerne

hätte, aber gravierende Fehler sind mir

nie passiert.

Und wenn etwas gelingt, wenn du auf ein

vergangenes Jahr zurückblickst – und das

konnte ich ja im Hinblick auf die Gemeinde

mittlerweile 25 Jahre lang tun –

dann war der Stolz auf die Summe der

Dinge, die wir bewegt haben, immer größer

als die Enttäuschung über Kleinigkeiten.

Und da gibt es zahlreiche schöne Erinnerungen,

die mir stets unheimlich viel an

Energie und Wertigkeit gegeben haben:

der Kontakt zu so vielen unterstützenden

Händen, Persönlichkeiten, die ich kennenlernen

durfte, Partner, die mich begleitet

und geleitet haben, Freundschaften,

die im Laufe der Jahre entstanden

sind …

Was fällt Ihnen zur AGeNDA 21,

zur Zusammenarbeit mit der Landentwicklung

ein?

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Altenberg war die erste Gemeinde im Bezirk

Mürzzuschlag, die ein Konzept zu

den wesentlichen Fragestellungen des

ländlichen Raumes erarbeitet hat.


Die AGENDA 21 war getragen von der Gemeinschaft,

von der Energie der Gruppe.

Da gab es zahlreiche Veranstaltungen,

Diskussionsabende, Bürgerversammlungen

– und die Bevölkerung hat sich

rege beteiligt, das muss ich meinen GemeindebürgerInnen

hoch anrechnen.

Mit Mag. Gerhard Vötsch hatten wir einen

kompetenten Ansprechpartner, der

uns stets bestens unterstützt hat.

Inzwischen haben wir Altenberger uns

mit den Gemeinden Kapellen, Mürzsteg

und Neuberg an der Mürz zum Naturpark

Mürzer Oberland zusammengeschlossen,

es gibt einen gemeinsamen Tourismusverband,

unsere gemeinsamen Aktivitäten

wurzeln im Prädikat „Naturpark“.

Wir haben uns von der Kirchturmpolitik

wegbewegt, sind enger zusammengerückt

und – speziell touristisch – ist uns

in unserer Kleinregion einiges gelungen.

„Besonderheiten der Gemeinde

Altenberg“ – was fällt Ihnen spontan

dazu ein?

Das internationale Wasserforum. Das

Thema Wasser war und ist ein Schwerpunkt

bei uns in Altenberg und da haben

wir von 1997 bis 2001 das Wasserforum

veranstaltet und die Türen unserer kleinen

Gemeinde nach außen geöffnet.

Und das aktive Vereinsleben in Altenberg

– das ist auch eine Besonderheit unserer

Gemeinde.

Wenn die Menschen spüren, dass man

ihnen Vertrauen entgegenbringt, sie unterstützt,

dann motiviert sie das, aktiv zu

werden.

Hat Bernhard schrittwieser

ein Lebensmotto?

Thema 2/09 : Heile Welt Landentwicklung Steiermark

Jede Krise birgt eine Chance. Ich habe

stets versucht, aus jeder Situation das

Bes te zu machen. Wo ein Wille, da ein

Weg. Und mit der entsprechenden

Portion Humor lebt es sich leichter.

Was war Ihre Kraftquelle in den

vergangenen 25 Bürgermeisterjahren?

Meine Familie. Die Kameradschaft und

die Verbindung zu Menschen, die mir immer

helfend zur Seite gestanden sind. Die

Wertschätzung der Menschen. Der Erfolg.

Viele Kleinigkeiten.

Was sind die Ziele des privaten

Bernhard schrittwieser?

Ich bin ja noch bei der Bank beschäftigt.

Aber ich werde viel Zeit mit meiner Familie,

meinen Enkelkindern verbringen.

Und die Hobbys, die ich früher gehabt

habe, möchte ich wieder aufleben lassen

– wandern gehen, jagen, die Natur erleben.

Einfach die Zeit genießen und aus jedem

Tag das Beste machen …

Noch etwas?

… ab und zu in die Gemeinde gehen und

mich mit einem Kaffee verwöhnen lassen.

Interview: mag a . sandra Höbel

Danke!

Im rahmen meines Wirkens bei der

Landentwicklung steiermark zählt die

Begegnung mit menschen wie Bernhard

schrittwieser zu meinen schönsten und

wertvollsten erfahrungen.

Immer wieder dürfen wir herausragende

persönlichkeiten kennenlernen,

dürfen wir menschen treffen, die

Außergewöhnliches leisten.

Das persönliche Beziehungsgeflecht

reicht oft weit über regionale Zusammenschlüsse

hinaus und ist getragen

von respekt und gegenseitiger

Wertschätzung.

Wann immer mich mein Weg nach

Altenberg führt, fühle ich mich ein

bisschen „daheim“. Ich finde mich hier

tatsächlich in einer heilen Welt,

ohne Beschönigung, ohne einschränkung.

es sind wohl die vielen liebevollen

Details in dieser kleinen, aber feinen

Gemeinde. Vor allem aber ist es die Welle

der Herzlichkeit und Aufrichtigkeit,

die mich jedes mal erfasst und immer

wieder aufs Neue berührt.

Durch das eintreten für das gleiche

Ideengut, das Verfolgen derselben Ziele

entsteht Verbundenheit. Diese Verbundenheit

mit vielen steirischen Gemeinden

und Gemeindeverantwortlichen

schätze ich als eine ganz besondere

Qualität unserer Arbeit. sie bereichert

uns und unseren Alltag. Dafür möchte

ich – auch stellvertretend für alle LandentwicklerInnen

– danke sagen!

Informationen

Mag a . Sandra Höbel

Landentwicklung

steiermark

Altenberg an der Rax

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Die Gemeinde Altenberg liegt im politischen

Bezirk mürzzuschlag auf einer

seehöhe von 800 m bis 1903 m (Windberg).

Das Alpin- und erholungsdorf, eingebettet

zwischen rax und schneealm,

umfasst eine Fläche von 5766 ha und ist

mit 400 einwohnern eine der vier Naturparkgemeinden

im Naturpark mürzer

Oberland.

Altenberg ist ein synonym für:

Wasser, Berge, Natur, Familien- und Kinderfreundlichkeit

www.altenberg-rax.at


Handschrift Gottes

Die Natur als schöpfung und Gabe Gottes

ist ein „Buch“, aus dem man die Handschrift

Gottes lesen kann. sie erhält unser Leben.

so stehen wir in der pflicht, diese zu schützen

und zu bewahren. Allen, die sich darum

mühen, gebührt großer Dank, insbesondere

der Landbevölkerung.

Foto: Sissi Furgler Foto: BIG SHOT

Blitzlichter

Franz Lackner

Weihbischof von Graz-seckau

Schafft Kunst eine

heile Welt?

Die verborgene Harmonie in den Dingen zu

entdecken und sichtbar zu machen war, frei

nach Heraklit, das Thema („Zeichen und

spuren“) der diesjährigen Künstlerklausur

im stift rein.

Künstler sind sehr oft interessiert an neuesten

Forschungsergebnissen verschiedener

Wissensgebiete, schaffen aber auch in ihrer

Kunst neue Interpretationen von althergebrachten

Idealbegriffen oder äußern sich

kritisch gegenüber zeitlichen ereignissen.

In diesem sinne könnte man sagen, Kunst

schafft keine heile Welt, aber sie öffnet die

Augen.

Edith Temmel

malerei, Glaskunst und Objekte

Chancengleichheit

Ich bin Kaufmann mit Leib und seele.

ein stück „Heile Welt“ wäre für mich Chancengleichheit

im Wettbewerb, Chancengleichheit

bei der Warenbeschaffung und

Chancengleichheit bei der Darstellung meiner

Leistungsfähigkeit in den medien.

Wäre das gegeben, so wäre mir um die Zukunft

der mittelständischen Kaufleute

nicht bange!

Fritz Hubmann

Kaufmann, stainz

Heile unheilvolle Welt

einer der bedeutendsten österreichischen

schriftsteller, stefan Zweig, hatte die „Welt

von gestern“ als „seine“ heile Welt apostrophiert.

Die politische, wirtschaftliche und

kulturelle Ordnung, die struktur, ja das gesamte

Weltbild, die Geisteshaltung seiner

heilen Welt von gestern war durch den

Zweiten Weltkrieg zerstört worden und damit

auch sein Leben – fernab seiner Heimat

nahm Zweig Abschied von der für ihn unheilvoll

gewordenen Welt.

stefan Zweig war einer von vielen, die mit

einer Welt, wo man sich mit „Heil“ begrüßte,

nichts zu tun haben wollte. Dieser

„Heil“-Gruß bedeutete nicht nur persönliches

Verderben, sondern einen Weltenbrand.

Dem „Heil“ folgte unsäglich schreckliches

unheil. schon während des Krieges

konstruierten „europäische“ WiderstandskämpferInnen

pläne für ein heilvolles europa,

in dem der Friede gesichert und gewahrt

werde. Basierend auf diesen entwürfen

legten führende politiker der Nachkriegszeit

Anfang der 50er-Jahre den

Grundstein für ein europa, in dem es nie

wieder Krieg geben sollte – dies war auch

die Geburtsstunde der europäischen

u n i o n .

Szenenwechsel in die Gegenwart:

Wie kann eine Welt heil sein angesichts der

Weltwirtschaftskrise, der hohen Arbeitslosenzahl

und der vielen Korruptionen?

Wie kann eine Welt heil sein, wenn aber

millionen menschen Hunger leiden, wenn

unschuldige Opfer kriegerischer Auseinandersetzungen

werden, wenn Familien aufgrund

einer unheilvollen politik ausgerottet

oder auseinandergerissen werden?

Wie kann eine Welt heil sein angesichts von

Terror, Vernichtung Andersdenkender, Jugendkriminalität,

Drogensucht, Alkoholsucht


Sag mir, wie kann ich diese

Welt „heilen“?

Heil im sinne von gesund, in Ordnung, okay

definiert sich über das Antonym heillos,

das substantiv Heil über das unheil. Heil

steht auch synonym für erlösung und vielleicht

auch Idylle. Oftmals, wenn nicht immer,

erfolgt der Zugang zur heilen Welt

über heillose erfahrung(en)! Der philosoph,

der Wirtschaftsfachmann, der Arzt, der

rechtsanwalt, der politiker, der priester

und menschen wie du und ich haben zutiefst

subjektive Bilder von einer heilvollen

Welt. somit konstruiert sich die „heile“ Welt

aus der subjektiven Wahrnehmung, empfindung,

erfahrung und erwartung. umfragen

haben etwa ergeben, dass die Österrei-

cher und Österreicherinnen dann in einer

„heilen“ Welt leben, wenn sie gesund sind,

wenn sie eine Arbeit haben und wenn das

Familienleben intakt ist.

stefan Zweig ist daran zerbrochen, weil die

Welt von gestern“ zerbrochen ist. mein

persönliches rezept für meine ganz persönliche

heile Welt ist, nicht in der „Welt

von gestern“ zu verharren, auch nicht nur

die „Welt von morgen“ zu ersehnen, sondern

in der „Welt von heute“ zu leben: sich

am morgendlichen Vogelgezwitscher erfreuen,

am Lächeln anderer … trotz Katastrophen,

Leid, sorgen, Armut, Hunger,

Weltwirtschaftskrise, Terror, Angst …. Im

sinne von roberto Benigni, La Vita é bella –

trotz allem!

Ao.Univ.-Prof. Dr. Anita

Prettenthaler-Ziegerhofer

Institut für Österreichische rechtsgeschichte

und europäische rechtsentwicklung

Karl-Franzens-universität Graz

Bewusst genießen

meine Welt ist für mich dann heil, wenn es

meinen Lieben um mich gut geht. Wenn wir

Zeit haben, bewusst zu genießen, mit

Freunden und Bekannten Genussadressen

auszutauschen und zu erleben.

Heil ist meine Welt, wenn ich in meinem

Garten auch Zeit zum Ausruhen finde.

und meine Berufswelt ist dann heil, wenn

wir im Betrieb aus der regionalen Kraft viel

erreichen können.

Sabine Flieser-Just

Cafe-restaurant BLOuNGe, Graz

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Netzwerk21

Neue Beziehungen –

Neue Erfahrungen

Hand aufs Herz – wer hat noch nicht im Web „gegoogelt“, um sich wichtige Informationen

zu beschaffen? Allerdings birgt diese Suche im Internet einige Stolpersteine, denn wenn

Sie beispielsweise den Begriff „Netzwerk“ eingeben, erscheinen 39.000.000 Ergebnisse –

eine beachtliche Summe. Das Netzwerk21 der Landentwicklung Steiermark hilft allen steirischen

AGENDA 21-Gemeinden bei der Informationsbeschaffung und bei ihrem Erfahrungsaustausch

auf gezielte Weise, und das nicht nur im Internet.

Die Gemeinden mit identen Einwohnerzahlen

sind grundsätzlich mit den fast

gleichen Problemen konfrontiert. Die

BürgermeisterInnen, GemeindemandatarInnen,

AmtsleiterInnen und Aktiv­

BürgerInnen sind einer wahren Informations­

und Beratungsflut ausgesetzt und

haben oft Mühe, den Überblick zu bewahren.

Das ist unter anderem ein Ergebnis

eines Bürgermeister­Workshops im

Rahmen von Netzwerk21 im Juli 2009.

Die TeilnehmerInnen wünschen sich dahingehend

eine bessere Übersicht über

die verschiedenen Leistungsangebote

und thematischen Schwerpunkte, die

speziell auf die Regionen/Gemeinden

zugeschnitten werden sollen. Wie kann

ich die Jugend an meine Gemeinde binden?

Wo kann ich zusätzliche Anreize im

Bereich Energie/Klimaschutz schaffen?

Wie kann ich die BürgerInnen längerfristig

für einen Prozess oder für ein Projekt

begeistern? Viele Fragen, die auch ehrlich

beantwortet werden müssen. Vor allem

diese Themen und besonders auch die

Aufgaben im Bereich des Sozialkapitals

sowie der bewusste Umgang mit der

Nachhaltigkeit stehen in Zukunft im Ar­

Thema 2/09 : Heile Welt Landentwicklung Steiermark

beitsfokus in den steirischen Kommunen.

Im speziellen müssen die materiellen

und finanziellen Mittel noch stärker

gebündelt werden, um eine nachhaltige

Lebensqualität für alle BürgerInnen zu

schaffen, andererseits soll der/die BürgerIn

in seiner/ihrer Eigenverantwortung

zum Handeln eingeladen und damit ein

soziales Geflecht aufgebaut werden.

Servicestelle

Das Netzwerk21 der Landentwicklung

Steiermark dient dabei als Netzwerk­Servicestelle

und bietet ein umfassendes

Programm im Bereich Erfahrungsaustausch,

Beratung, Kooperationen und Informationen.

Ziel ist es, den EntscheidungsträgerInnen

in den steirischen Gemeinden

praktische und effiziente Impulse

auf dem Weg für die Zukunft zu geben

und neue „Beziehungsgeflechte“ zu

ermöglichen. Die wesentlichen Schwerpunkte

von Netzwerk21 beziehen sich auf

eine starke Bürgerbeteiligung, eine gelebte

Nachhaltigkeit und die Entwicklung

von neuen Strategien für die Zukunft. Im

Rahmen des Netzwerk21 werden weitere

Netzwerkprogramme auf nationaler und

Netzwerk21

internationaler Ebene eingebunden, um

so neue Partnerschaften/Kooperationen

zu ermöglichen, neue Sichtweisen zu öffnen

und den europäischen Raum gemeinsam

zu begehen. Das Netzwerk21

der Landentwicklung Steiermark schafft

dafür die Brücke. Alle steirischen AGEN­

DA 21­Gemeinden sind herzlich eingeladen,

unsere Brücken zu begehen, denn

Zukunft braucht Herkunft …

Johanna reinbrecht

Informationen

Netzwerk21-Projektkatalog

erfolgreiche projektumsetzungen und

gute Beispiele finden sie auf der Homepage

www.landentwicklung.com.

Der Katalog dient als Leitfaden für die

steirischen Gemeinden.

Exkursionen: Der Blick über die Gemeindegrenze

– erfolgreiche projekte

werden besichtigt. Gleichzeitig erhalten

die TeilnehmerInnen ausführliche Informationen

von experten.

Workshops: erfahrungsaustausch und

neue Kooperationen – in regelmäßigen,

moderierten Workshops mit ausgewählten

referentInnen werden neue Impulse

vermittelt. Hier geht es einerseits um rasche

Hilfestellungen, andererseits wird

auf die Bedürfnisse und schwerpunkte

der einzelnen TeilnehmerInnen eingegangen.

Wünsche oder Anregungen:

Johanna Reinbrecht

netzwerk21@landentwicklung.com

www.landentwicklung.com

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Aflenz Land

„Lokal verbandelt …“

Dabei wurde klar, dass vor allem die Themen

Nahversorgung und Ortsbildgestaltung

einen wichtigen Stellenwert für die

Zukunft einnehmen werden. Gleichzeitig

wünschen sich die BewohnerInnen ein

gemeinsames Aflenz­Land­Fest, das symbolisch

die Ortsteile näher zusammenrücken

lässt. Für den Bürgermeister Hubert

Lenger ist besonders wichtig, dass

sich die GemeindebürgerInnen aktiv an

einzelnen Projekten, die aus diesem

nachhaltigen Entwicklungsprozess heraus

entstehen werden, beteiligen: „Für

uns ist es bedeutend, die Ideen und Wünsche

bei jedem einzelnen abzuholen und

diese in umsetzbare Projekte zu bündeln.

Gerade in Zeiten, wo das soziale Umfeld

schwächer wird, setzen wir im Bereich

der Gemeinschaft sichtbare Zeichen.“

Auf Bäumen und Straßenlaternen wurden

in den letzten Tagen bunte Bänder

angebracht, diese wurden bei der Veranstaltung

in der Volksschule Graßnitz von

Kindern symbolisch miteinander verknüpft,

um zu demonstrieren, dass es

miteinander am besten geht. Die AGEN­

DA 21 wurde heuer im Frühjahr durch einen

einstimmigen Gemeinderatsbeschluss

in Aflenz Land gestartet. Ziel ist

es, die Bürger aktiv einzubinden und einen

„Fahrplan“ für die Zukunftsgestaltung

der Gemeinde zu entwickeln. Dadurch

sollen neue Projekte ins Leben gerufen

werden. Viele Themenfelder wie

Bürgermeister Hubert Lenger (rechts außen)

mit seinem LA21-Koordinationsteam

Bei einer Auftaktveranstaltung zur LOKALEN AGENDA 21 in Aflenz Land am 25. Juni 2009 brachten

rund 50 BürgerInnen ihre Ideen und Vorschläge zur Gestaltung der Gemeinde in einem Workshop ein.

Vor Ort für Sie da!

Mag. Gerhard VÖTSCH

Landentwicklung

Steiermark

Aufmerksamkeit erzielen, Kopfschütteln

erwirken, zu Diskussionen und Fragen

anregen – die erwünschten Reaktionen

aus der Bevölkerung wurden erfüllt.

Das Koordinationsteam hatte die Idee,

Bänder in neun verschiedenen Farben zu

schaffen für neun Ortsteile – verbunden

zu einem starken Band – symbolisch für

die Zukunft von Aflenz Land. Bemerkenswert

wirkungsvoll.

gerhard.voetsch@landentwicklung.com

www.landentwicklung.com

„Für uns ist es bedeutend,

die Ideen und Wünsche

bei jedem Einzelnen abzuholen

…“

Bürgermeister Hubert Lenger

z.B. Arbeit und Jugend, Gemeinschaft

und Kommunikation, Ortsbild und Ortsgestaltung

und vieles mehr kommen bei

diesem Prozess, der von der Landentwicklung

Steiermark unterstützt und begleitet

wird, zur Sprache. Um die vielen

Ideen zu koordinieren, wurde ein eigenes

Koordinationsteam, das aus AktivbürgerInnen

der Gemeinde besteht, eingerichtet.

Noch im Sommer werden die abgeholten

Ideen gebündelt sowie analysiert

und bereits im Herbst geht es in die ersten

Arbeitsgruppen und damit in die

Umsetzung.

Informationen

Aflenz Land …

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… liegt auf einer seehöhe von 694 bis

820 metern und einer Fläche von rund

39 Quadratkilometern im Bezirk Bruck an

der mur. Die Gemeinde, in der fast

1.500 Frauen und männer leben, weist

9 Ortschaften bzw. 5 Katastralgemeinden

auf. Besonders markant sind die

„Ohren zum Weltall“, besser bekannt als

erdefunkstelle der Telekom Austria AG.

Wandern plus radfahren im sommer

sowie Langlaufen im Winter zählen zu

den beliebtesten Aktivitäten der

Besucherinnen und Besucher.


Kulmland

Fach-SozialbetreuerInnen

für Altenarbeit

Abschluss der 1. Fachausbildung

an der Schule für

Sozialbetreuungsberufe

der Caritas der Diözese

Graz-Seckau in Preßguts.

Vor etwa vier Jahren hatte Ing. Siegmund

Schwarz die Vision, eine Fachausbildung

für die Altenarbeit in die Region der

Kulm landgemeinden zu bringen. Sehr intensiv

beschäftigte ihn der Gedanke,

Frauen und Männern aus der Region die

Chance einer fundierten Ausbildung vor

Ort anzubieten. Sein Ziel war es aber

auch, den älteren Menschen der Region

in Zukunft eine fachlich kompetente Unterstützung

und Begleitung zu sichern.

Mit diesen Vorüberlegungen wandte er

sich an das Ausbildungszentrum für Sozialberufe

der Caritas in der Wielandgasse

in Graz. Gemeinsam mit der Direktorin

Frau Mag a . Waltraud Wiener und ihrem

LehrerInnenteam kam es schlussendlich

zur Gründung der Schule für Sozialbetreuungsberufe

in Preßguts, unterrichtet

wird in den Räumen der dortigen Volksschule.

Sehr viele waren um das Zustandekommen

dieses einmaligen Schulprojektes

bemüht. Bürgermeister Alois Schlemmer

sorgte für das notwendige Dach über

dem Kopf sowie die moderne Ausstattung.

Für die Schulerrichtung brauchte es aber

auch finanzielle Ressourcen. Bürgermeister

Schlemmer und Ing. Schwarz begaben

sich unermüdlich auf die Suche nach

PartnerInnen und Förderern für dieses

einzigartige Projekt.

Die sofortige Zusage einer finanziellen

Unterstützung kam von der Landentwicklung

Steiermark. Aber auch die gesamten

Kulmlandgemeinden, vertreten

durch ihre BürgermeisterInnen, unterstützten

dieses Vorhaben. Das erste gemeinsame

Projekt der Kulmlandgemeinden

war damit auf die Beine gestellt.

Allerdings brauchten auch jene, die diese

Ausbildung absolvieren möchten, Hilfe.

Ing. Schwarz scheute keine Zeit und

Mühe, um sich auch dafür voll einzusetzen.

So gelang es ihm, die Unterstützung

der Leiter des AMS Gleisdorf und Hart­

Thema 2/09 : Heile Welt Landentwicklung Steiermark

berg, Gottfried Walter Herbert Paierl, zu

erwirken.

Im Landesschulrat für Steiermark fand

man bei der Landesschulinspektorin

MMag. Christine Pichler eine aktive Mitstreiterin.

Nun waren alle Wege geebnet,

und die Ausbildung konnte am 20. September

2006 beginnen.

Mit 23 Ausbildungsteilnehmerinnen und

einem Ausbildungsteilnehmer wurde die

erste regionale Fachausbildung in dieser

Form in der Steiermark begonnen.

Das Miteinander – Volksschulkinder und

Erwachsene in der Fachausbildung – war

von großem gegenseitigem Respekt und

Interesse aneinander getragen.

Lernen und Lachen

Trotz vieler notwendiger Anstrengungen

für die AusbildungsteilnehmerInnen und

die LehrerInnen vergingen die drei Jahre

bis zum Abschluss am 29. Juni 2009 sehr

rasch. Es wurde viel miteinander gelernt,

diskutiert, praktisch geübt, im Praktikum

erprobt und an den eigenen Einstellungen

und Haltungen gefeilt. Dies hat

die Gruppe zusammengeschweißt und

viele Freundschaften sind entstanden. Im

partnerschaftlichen Umgang zwischen

AusbildungsteilnehmerInnen und LehrerInnen

entstand ein sehr konstruktives

und erfolgreiches Miteinander, das auch

so manche Herausforderung im Unterricht,

bei Prüfungen oder bei den Praktika

gut bewältigen ließ. Es wurde während

der drei Jahre miteinander gelacht, gefeiert

und manche Sorge geteilt.

Im festlichen Rahmen wurden in Anwesenheit

von Bezirkshauptmann Dr. Rüdiger

Taus, Bürgermeister Alois Schlemmer

und den BürgermeisterInnen der

Kulmlandgemeinden, Ing. Siegmund

Schwarz, Ing. Hubert Langmann von der

Landentwicklung Steiermark, dem Leiter

des AMS Gleisdorf Gottfried Walter, den

DirektorInnen der Volksschule Preßguts,

den LehrerInnen und der Direktorin der

Schule für Sozialbetreuungsberufe Preßguts

den AbsolventInnen die Zeugnisse

überreicht. Alle können mit zwei Berufsabschlüssen

– der Pflegehilfe und der

Fach­SozialbetreuerIn Altenarbeit in eine

beruflich sichere Zukunft blicken und haben

mit mancher Träne im Auge Abschied

von ihrer Schule genommen.

Informationen

Die nächste Ausbildung

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in preßguts beginnt im september 2009.

es gibt nur noch wenige freie plätze. Interessierte

können sich noch anmelden.

Kontakt:

Ausbildungszentrum für sozialberufe

der Caritas der Diözese Graz-seckau

Wielandgasse 31

8010 Graz

Tel.: 0316/82 41 51-0

abz.wielandgasse@caritas-steiermark.at

www.sozialberufe.at


St. Bartholomä

In Würde altern – Seniorenwohnhaus

St. Bartholomä

Aus der AGENDA 21 entstand dieses Projekt für barrierefreies,

betreubares Wohnen im Alter.

Im Vordergrund der Projektidee des Seniorenwohnhauses

St. Bartholomä steht

das Ziel, die individuelle Eigenständigkeit

so lange wie möglich zu erhalten und damit

Kosten für sich selbst und die Allgemeinheit

zu vermeiden. Durch die Option

einer Betreuung bei Bedarf kann der

„Es ist doch so, dass man

die Bedürfnisse alternder

Menschen erst dann

tatsächlich erkennt, wenn

man selber alt ist.“

Projektleiter Adolf Breitler

Wechsel in ein Alters­ oder Pflegeheim

hinausgezögert, eventuell sogar vermieden

werden.

In ein Heim will man doch erst, wenn es

nicht mehr anders geht.

Ein Projekt dieser Größe kann nur durch

positives Zusammenwirken aller Beteiligten

erfolgreich vorangebracht werden.

Bürgermeister Josef Birnstingl, Gerhard

und Sylvia Tüchler, der Arbeitskreis „In

Würde altern“ sowie der Gemeinderat

haben durch ihr positives Engagement

Wesentliches zum Entstehen dieses Projektes

beigetragen.

Die Idee des Seniorenwohnhauses in St.

Bartholomä wurzelt in der AGENDA 21

und wird seitens der Landentwicklung

Steiermark durch Ing. Hubert Langmann

aktiv begleitet und unterstützt.

Der chronologische Ablauf:

Im Rahmen der AGENDA 21 in St. Bartholomä

wurde im Mai 2007 ein hochkarätig

besetzter Arbeitskreis mit dem

Schwerpunktthema „In Würde altern“ gegründet.

Das Vorhaben wurde im Seniorenbund

vorgestellt. Sowohl im Seniorenbund

als auch über die Gemeindezeitschrift

wurde eine Bedarfsabfrage durchgeführt.

12 Personen bekundeten im Rahmen dieser

Bedarfserhebung ihr Interesse. Der

Arbeitskreis beschloss daraufhin im Sep­

tember 2007, das Thema weiter zu verfolgen

und nach einem geeigneten

Grundstück zu suchen!

Ein erster Planungsvorschlag „Pfarreistadel“

wurde im Oktober 2007 abgelehnt.

Die Suche nach einem geeigneten Grundstück

wurde fortgesetzt.

Im November 2007 bewiesen Gerhard

und Sylvia Tüchler große soziale Verantwortung,

indem sie ein geeignetes Grundstück

im Ortszentrum für das Projekt an­

boten. Dieses Grundstück wurde für den

„öffentlich geförderten Wohnungsbau“

gewidmet.

Im Jänner 2008 wurden Gebäudeplanentwürfe

unter Berücksichtigung der Gegebenheiten

erstellt. Diese Planentwürfe

wurden sogleich in ein Modell umgesetzt.

Beides erleichterte die folgenden Gespräche

erheblich.

Im April wurden die Planentwürfe und

das Modell den Arbeitskreismitgliedern,

dem Gemeinderat, der Fam. Tüchler, den

angrenzenden Nachbarn sowie weiteren

Interessierten präsentiert. Aufgrund der

positiven Reaktionen begann Bürgermeister

Birnstingl mit Landesvertretern Verhandlungen

über die Förderfähigkeit des

Projektes.

Bereits im Juni 2008 wurden die Pläne mit

der Wohnbaugenossenschaft „Frohnleitner“

besprochen. Zur Bestätigung des Bedarfs

wurde eine weitere Abfrage mit

neuerem Kenntnisstand gefordert.

Im Dezember 2008 wurde das neue Abfrageergebnis

(12 Meldungen) ausgewertet

und in der Arbeitskreissitzung die weitere

Vorgehensweise diskutiert.

Ein Herz für SeniorInnen

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projektleiter Adolf Breitler zum seniorenwohnhaus

sankt Bartholomä

Warum engagieren sie sich so

für das projekt seniorenhaus sankt

Bartholomä?

Es ist doch so, dass man die Bedürfnisse

alternder Menschen erst dann tatsächlich

erkennt, wenn man selber alt ist. Niemand

will in ein Heim ziehen, wenn es

nicht unbedingt notwendig ist! Ziel des

Seniorenhaus­Projektes in St. Bartholomä

ist es, die eigene Selbständigkeit so

lange wie möglich zu erhalten. Die älteren

Menschen sollen hier ein würdiges

Zuhause finden, in das man mit Freude

heimkommt.

Ich selbst bin gebürtiger Bartholomäer,

wohne derzeit in München und bin dort

familiär gebunden. Ich bin mit Herz und

Seele Bartholomäer und werde zu gegebenem

Zeitpunkt auch hierher zurückkehren.

Was sind Ihre Wünsche

für dieses projekt?

Alle Bewerber sollen glücklich werden

und eine Gemeinschaft der gegenseitigen

Achtung und Hilfe bilden. Auch ich

möchte Mitglied der Seniorenhausgemeinschaft

werden. Für die Gemeinde

wünsche ich mir Arbeitsplätze und vielleicht

einmal ein internationales Seminarhotel.

Worin sehen sie Chancen und stärken in

sankt Bartholomä?

Eine große Stärke ist mit Sicherheit der

gut funktionierende, parteiübergreifende

Zusammenhalt, wie er auch beim Projekt

Seniorenhaus spürbar ist.

Die Vielfältigkeit der Kulturlandschaft

bietet viel Potenzial, allerdings muss der

Regionalgedanke noch gestärkt durch die

Vernetzung forciert werden.


Interview

Jede Krise birgt eine Chance

Günther Prutsch,

Ams-Leiter, Leibnitz

Heile Welt“ und Arbeitsmarktsituation –

woran denken sie?

Dabei denke ich an bunte Häuser, gepflegte

Vorgärten, vollkommen unterschätzte

Pendlerbelastung, viel Belastung

für Frauen, Abwanderung. Was ich damit

sagen will: Es gibt wunderschöne Häuser,

gepflegte Gärten, wenn man aber hinter

die Kulissen schaut – müssen alle am Wochenende

diese Häuser, Gärten und die

Region pflegen. Unsere Region ist eine

Pendlerregion mit allen damit verbundenen

negativen Auswirkungen, die Wertigkeit

von Grund und Boden hat bei der

Jugend stark abgenommen, Jugend wandert

in Ballungszentren ab, geht näher

zur Arbeit, zum modernen Kultur­ und

Freizeitangebot mit allen Folgen für die

Region. Die sogenannte „heile Welt“ gibt

es also nicht ganz. Durch die Abwanderung

geht Kreativpotenzial für die Region

verloren, es gibt ein anderes Konsumverhalten.

Es ist zum Teil aber auch so, dass

sich Menschen, vor allem auch ältere

Menschen, in der Region ansiedeln, weil

sie hier diese „heile Welt“ vorfinden.

Wie stellt sich die aktuelle Arbeitsmarktsituation

in der südlichen region

der steiermark dar?

Im Industriebereich gibt es große Probleme

mit den Folgen im Logistikbereich,

es gibt Kurzarbeit, das bedeutet, dass die

Leute in ihren Heimatbereich zurückkehren

und dort keine Arbeitsplätze vorfinden.

Arbeitslosigkeit wird damit auch

Thema 2/09 : Heile Welt Landentwicklung Steiermark

„importiert“. Der Arbeitsmarkt ist aus

meiner Sicht nicht mit dem Tourismus

alleine kompensierbar. Es ist wichtig, die

Branchenvielfalt am Arbeitsmarkt zu erhalten.

Es ist wichtig, dass wir Wissen vor

Ort aufbauen und Kompetenz in der Region

haben. Das versuchen wir nicht zuletzt

auch über den „Regionalen Beschäftigungspakt“.

Ausbildungsverbünde sind

positive Ausnahmen, denn im Bereich

Qualifizierung muss noch sehr viel mehr

getan werden.

mit welchen weiteren entwicklungen ist

zu rechnen? Was ist der worst case?

Es wird wohl vieles nicht mehr so sein,

wie es war. Produktions­ und Arbeitsstandorte

gehen restlos verloren, die Ressourcenkrise

kommt zur jetzigen Wirtschafts­

und Finanzkrise dazu, auch eine

ökologische Krise zeichnet sich ab und

zudem noch die Krise der öffentlichen

Hand, die Kassen sind faktisch leer.Über

den Preis werden wir unser wirtschaftliches

Fortkommen nicht sichern können

– die Qualität, das Wissen und Können

sind die einzigen Chancen. Ich frage

mich aber: Was machen wir mit jenen

Menschen, die nicht in der Lage sind, die

zukünftigen Anforderungen zu erfüllen

– ob intellektuell oder körperlich?

sie sind auch Vorsitzender des regionalen

Beschäftigungspaktes (reBep) gemeinsam

mit LAbg. manfred Kainz.

Wie kann der pakt die derzeitige entwicklung

verbessern?

Der Regionale Beschäftigungspakt ist aus

meiner Sicht ein Kulturentwicklungsprogramm.

Es ist Auftrag und Chance für alle

Interessenvertretungen, Wirtschaftsbereiche,

Politik usw., sich zum Thema Beschäftigung

zusammenzusetzen und es

als wichtige Querschnittsmaterie zu sehen.

Die Frage der Beschäftigung ist eine

der größten Herausforderungen unserer

Gesellschaft. Es gilt die Kaufkraft zu erhalten,

damit die Lebensqualität nicht

verloren geht.

Welche maßnahmen werden gesetzt?

Fakt ist, dass ein möglichst hoher Grad

an Ausbildung nach wie vor ein Garant

für mehr Beschäftigungschancen darstellt.

Die jetzige Krise zeichnet sich aber

auch dadurch aus, dass selbst die gut

Ausgebildeten arbeitslos werden können.

Betriebe, die schwächer waren, aber auch

Betriebe, die nach außen hin stabil waren,

werden geschlossen. Produktionsbereiche

werden teilweise nicht mehr da

„Was machen wir mit jenen Menschen, die nicht in der

Lage sind, die zukünftigen Anforderungen zu erfüllen –

ob intellektuell oder körperlich?“

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sein, was tut man mit den Menschen?

Das gab es seit den 30er­Jahren nicht

mehr. Trotzdem gibt es eine Zeit danach.

Die Frage ist, wie stellt man sich bereits

heute auf diese Zeit ein? Die Fragen der

neuen Technologien im Energiebereich,

in der Mobilität bergen Möglichkeiten

und Chancen. Es ist wichtig, den Arbeitsmarkt

in Bewegung zu halten, d.h., zeitlich

begrenzte Dienstverhältnisse werden

sich mehren. Es wird ein Kampf um Einkommen

ausbrechen. Menschen, die kreativ

und beweglich sind, sind im Vorteil,

ebenso gut Ausgebildete. Gerade auch

der Bereich der Betreuung von Kindern

und Senioren ist ein Sektor der Zukunft

und bietet Handlungsspielräume.

Wie erlebt die Jugend die wirtschaftliche

entwicklung?

Es gibt drei unterschiedliche Zugänge:

Ein Teil begegnet der Entwicklung mit

Desinteresse, das beste Angebot wird

nicht genutzt; diese Jugendlichen haben

alles, der Anreiz zu arbeiten fehlt.

Ein zweiter, erschreckend hoher Anteil,

kann nicht sinnerfassend lesen, schreiben

und rechnen.

Der dritte Teil ist sehr bemüht, es gibt hier

unterschiedliche Möglichkeiten:

15–19­Jährige werden mit Schule, Nachschule,

JASG, auch Bundesheer relativ

gut „betreut“. Für die Altersgruppe der

19–25­Jährigen bietet sich eine wesentlich

schwierigere Situation, das ist die

„No­Future­Gruppe“, sie haben noch

keine betriebliche Bindung, werden also


leichter gekündigt, haben trotzdem

schon Familien zu versorgen, sich Wohnräume

zu schaffen etc. Diese Gruppe

wird von der Gesellschaft nicht so wahrgenommen.

Welche Hoffnungen kann man den menschen,

vor allem der Jugend, geben?

Jede Krise birgt eine Chance, die es zu

nutzen gilt. Z. B. das Wegfallen der Grenzen;

wir beschäftigen uns zu sehr mit unserer

Region allein; Südosteuropa – der

Balkan bietet aus meiner Sicht ein großes

Entwicklungspotenzial. Vieles wird bei

uns zu kleinräumig wahrgenommen und

gelebt. Wir müssen uns auf neue Märkte

ausrichten, die es nach dem Fall der

Grenzen ja auch gibt. Unsere Zukunft

kann nicht im „Zusammenschluss“ von

zwei Bezirken liegen!

Zudem wird sehr viel in Infrastruktur investiert.

Hauptverkehrsachsen waren immer

Wohlstandsachsen. Das spricht für

unsere Region und lässt hoffen, dass

Menschen nicht aus der Region weggehen.

Gute Verkehrsverbindungen in Richtung

der Ballungszentren sind eine wichtige

Maßnahme gegen Abwanderung.

Wie weit greifen umschulungen?

Ich würde es eher als Qualifizierungsmaßnahmen

sehen. Man muss versuchen,

auf bestehendes Wissen aufzubauen.

Meiner Meinung nach gibt es 2 Modelle:

Das skandinavische Modell baut auf Individualität

und fördert und bildet die Talente

entsprechend aus.

Das österreichische Modell orientiert

sich sehr stark an der Wirtschaft und qualifiziert

die Menschen für einen möglichen

Arbeitsmarkt, den es dann häufig

nicht mehr gibt.

Es gilt hier in Österreich intensiv darüber

nachzudenken. Ohne eine sehr tiefgreifende

Reform des Bildungssystems werden

alle Bemühungen nicht den erwünschten

Erfolg bringen.

Arbeitsmarktpolitik ist eine Querschnittsmaterie,

in der die Bildungspolitik natürlich

eine zentrale Rolle spielt.

Das Gespräch führte Ing in . Astrid Holler

(Landentwicklung steiermark).

Literaturkreis Lebring-St. Margarethen

Bücher begeistern Jung und Alt

Anfang des Jahres 2006 begann ich auf

Einladung von Frau Kicker, die unsere

örtliche Bibliothek Lebring­St. Margarethen

betreut, dort meine Werke vorzustellen.

Einige Monate später schlug ich

dank dem Interesse einiger Bibliotheksbesucher

die Gründung einer kleinen

Lese­ und Schreibwerkstatt vor. Seit diesem

Zeitpunkt erfolgen einmal monatlich

unsere regelmäßigen Kulturtreffen in

der Bibliothek. In der LOKALEN AGENDA

21, die 2007 in der Marktgemeinde Lebring­St.

Margarethen gestartet wurde,

vertieften wir das Themenfeld.

Unser Ziel ist es, Kinder, Jugendliche und

Erwachsene gleichermaßen für Literatur

zu begeistern und sie zum Schreiben zu

motivieren. Ebenso ist es uns ein Anliegen,

die Zusammenarbeit mit Literaturvereinen

und Literaten aus dem In­ und

benachbarten Ausland zu forcieren und

an internationalen Bewerben teilzunehmen.

Die Teilnehmeranzahl unseres Literaturkreises

beläuft sich derzeit auf elf Autoren

und einige Zuhörer.

Das Jahr 2008 war für unseren Literaturkreis

sehr erfolgreich. Wir freuten uns

nicht nur über den Zugang von fünf neuen

Mitgliedern – darunter drei Jugendliche

im Alter von elf bis 17 Jahren – sondern

auch darüber, dass einige unserer

Gruppenmitglieder mit eigenen Werken

an verschiedenen Literaturveranstaltungen

teilnehmen konnten.

„Highlights“ im Jahre 2008

Bei einer Lesung des Vereins Steirische

Heimatdichter im Festsaal der Mineralogie,

Graz Joanneum, erhielten wir die

Möglichkeit, unsere Werke einem

breiteren Publikum zu präsentieren.

Bei „Lyrik von gestern“, veranstaltet vom

Grenzüberschreitenden Regionalmuseum

im Georgie­Schlössl, Ehrenhausen,

aus eigenen Werken gelesen.

Beim Maisingen unterstützte der Literaturkreis

mit Lyrikbeiträgen den Frauenchor.

Auch das Hoffest „G’redt, g’spült und

zuaglost“ war ein großer Erfolg.

Die Werke von Rita Falsone, Kornelia

Konta sowie Mag. Waltraud Wascher, die

am Literaturwettbewerb Golfo di Trieste

2008 teilgenommen haben, wurden im

italienischen Triest vom Literaturverein

Salotto dei Poeti ausgezeichnet – ein Be­

weis dafür, dass Literatur Völker verbindet

und über die Grenzen hinaus bekannt

wird.

Im Oktober 2008 feierte die Öffentliche

Bücherei in Lebring ihr 25­Jahr­Jubiläum.

Auch diesmal bereicherte unser Literaturkreis

mit Beiträgen aus eigener Feder

das Programm. Der 11­jährige Johann

Absenger aus St. Georgen, eines unserer

jüngsten Mitglieder, konnte mit seinem

Gedicht „Die Lanhanskurv’n“ nicht nur

das Publikum, sondern auch Moderatorin

Christine Brunnsteiner, begeistern.

Sie lud Johann spontan zu einer ihrer Radiosendungen

in das ORF­Landesstudio/

Stmk. ein.

Mit Beiträgen zum Adventsingen fanden

dann unsere Tätigkeiten für das Jahr 2008

ihren Abschluss.

Der Literaturkreis verfolgt nun die Idee,

ein Buch mit Gedichten von unseren

Gruppenmitgliedern zu veröffentlichen.

Derzeit werden Gedichte dafür gesammelt.

rita Falsone (Obfrau)

DIE SCHULE

Der Wecker läutet, ich werde wach,

ganz trüb sind noch meine Augen,

ich kann es immer noch nicht glauben.

Jeden Tag das gleiche spiel,

die schule ist mir einfach viel zu viel.

Zähne putzen, dann waschen das Gesicht,

mama hat das Frühstück

schon hergericht.

rein in die Klamotten,

die schultasche kontrolliert,

schnell zum schulbus und hoffen,

dass nichts passiert.

Dann raus vom Bus, in die schule rein,

es läutet acht, lernen ist nicht fein.

„Guten morgen!“ wird gebrüllt,

da liegt die Federschachtel voll gefüllt.

Die Hefte auf dem Tisch,

bin noch immer nicht frisch.

mir wäre es lieber, die schule wäre aus,

denn ich träume von zu Haus.

| 17 |

Ein Gedicht von Jasmin Hernach

(11 Jahre) aus Wagendorf. Sie besucht

seit einigen Monaten den Literaturkreis

Lebring und ist die jüngste steirische

Heimatdichterin.


Greisdorf, Gundersdorf, St. Stefan

Regionales Lernen –

Region mit Potenzial

Einmal im Monat trifft sich in St. Stefan ob Stainz eine Gruppe

von GemeindebürgerInnen der Gemeinden Greisdorf,

Gundersdorf und St. Stefan, um sich im Rahmen des Projektes

„Regionales Lernen“ mit dem Thema Bildung auseinanderzusetzen.

Initiiert wurde das Projekt vom Beschäftigungspakt Südweststeiermark

in Kooperation mit der Landentwicklung Steiermark.

Damit die Schlagworte von der „lernenden Region“ und der

Wissensgesellschaft in Greisdorf, Gundersdorf und St. Stefan

keine leeren Phrasen bleiben, möchte dieses Projekt Bildung

und Lernen zu den Menschen bringen. Aktive, interessante

und innovative Angebote in Kombination mit traditionellen

und bewährten Aktivitäten in den Gemeinden sollen dazu

beitragen, Menschen aller Altersgruppen und Professionen

zu lebenslangem Lernen und Bildung zu motivieren.

Eine Region, in der Bildung und Lernen in den Köpfen der

Menschen fix verankert ist, verfügt über einen unschätzbaren

Wert an Ressourcen für die individuelle Entwicklung jeder/

jedes Einzelnen und für die Entwicklung der gesamten Region.

Wohl wissend, dass erfolgreiche regionale Projekte immer einer

breiten Beteiligung von aktiven und engagierten BürgerInnen,

regionalen politischen AkteurInnen und ansässigen

Vereinen und Organisationen bedürfen, wurde schon in der

Planung des Projektes großer Wert auf Anschlussfähigkeit an

die Bedürfnisse der Bevölkerung, die regionale Identität und

Kultur gelegt.

ernst summer, Bürgermeister

von st. stefan, formuliert Ziele

und Wünsche für das projekt

folgendermaßen:

„Bildung war immer schon Angelegenheit der Städte, am Land

fand höchstens der Einstieg in den Bildungsweg (Volksschule)

statt, der weitere Weg war für die Landbevölkerung oft beschwerlich.

Wenn jetzt vermehrt Wissensvermittlung auch auf

dem Land stattfinden soll, werden die Möglichkeiten, sich

persönlich oder beruflich aus­ oder weiterzubilden, für die

Menschen am Land wesentlich verbessert. Die Gemeinden

leiden sehr darunter, dass die Jugendlichen in die Ballungszentren

ziehen, dabei oft den Kontakt zu ihrer Heimatgemeinde

verlieren und nicht mehr zurückkehren. Vielleicht

können wir, wenn Bildung in Zukunft vermehrt am Land stattfinden

kann, unsere Jugend bei uns halten. Ganz sicher aber

werden die Menschen am Land und ihre Gemeinden ein anderes

Selbstbewusstsein entwickeln können, wenn sie im Bildungsbereich

in Zukunft eine bedeutendere Rolle spielen

können. Ich wünsche den Menschen, die hinter dieser Bewegung

stehen, gutes Gelingen und viel Erfolg zum Wohle der

ländlichen Bevölkerung!“

Thema 2/09 : Heile Welt Landentwicklung Steiermark

Initiative

Lokale und regionale

Frauentreffpunkte

Dem Zusammenhalt in Familien, Unternehmen, Schulen, Institutionen,

Vereinen, Gemeinden, Regionen usw. widmet die

internationale Forschung besonders hohe Aufmerksamkeit.

Es wurde erkannt, dass genau hier der Schlüssel zur positiven

nachhaltigen Entwicklung unserer Gesellschaft liegt.

In mehreren Studien konnten direkte Zusammenhänge von

Sozialkapital mit wirtschaftlichem Erfolg, Gesundheit, Bildung

und Sicherheit nachgewiesen werden.

Miteinander kann nicht erkauft werden

Das Miteinander kann jedoch nicht „erkauft“ oder über Förderungen

und Gesetze verordnet werden. Es braucht Menschen,

die ein Bewusstsein für das Miteinander haben und es

pflegen. Und dieses Bewusstsein wird vor allem auch von engagierten

Menschen und z. B. in Vereinen gelebt und weitergegeben.

In vielen Gemeinden begegnet uns der Wunsch, Orte der Begegnung

zu schaffen, wo die Menschen miteinander ins Gespräch

kommen und Kontakte pflegen.

In einer Zeit, in der es nicht mehr selbstverständlich ist, dass

man sich zufällig auf der Straße trifft, weil gerade auch viele

Frauen berufstätig, durch Familie, Kinder, Tätigkeiten im und

um das Haus sehr eingespannt sind, fällt es in vielen Gemeinden

immer wieder auf, dass der Wunsch nach einem „organisierten

Treffpunkt“ laut wird. Gerade auch Frauen bringen

in den AGENDA­21­Prozess den Wunsch nach „Frauen­Treffpunkten“

ein.

In einem Dorf fix installierte „Frauentreffpunkte“ (z. B. ein

Mal im Monat, immer zur selben Zeit, in einem gemütlichen

Rahmen) geben die Möglichkeit, ohne Zwang und Verbindlichkeit

diesen Treffpunkt zu nutzen, Frauen zu treffen, sich

auszutauschen, manchmal auch gemeinsamen Interessen

nachzugehen oder aber auch nur einmal aus dem Alltag auszubrechen.

Wichtig erscheint jedoch, dass es Frauen bewusst wird, sich

nicht wieder das Ziel zu setzen, über diese „Frauentreffpunkte“

Aktivitäten zu setzen, sondern die Zeit zu nutzen, um

auch Ruhe zu finden und abseits von Aufgaben in der Familie

und des Arbeitslebens Gespräche zu führen.

Sie dienen aber genauso der gegenseitigen Stärkung und haben

die wichtige Aufgabe, dem Gefühl abzuhelfen, mit Problemen

alleine zu sein. Neben der Rückenstärkung bieten sie

Anregung, Förderung und Ermutigung. Gegenseitige Wertschätzung

findet im gemütlichen Beieinander Ausdruck.

Es liegt in unserer Hand …

Jedes Netzwerk ist einmalig, weil es ausschließlich durch die

Menschen lebt.

Informationen

Ing in . Astrid Holler

prozess- u. projektmanagement

astrid.holler@landentwicklung.com

mobil: 0676/866 43 758

| 18 |


Bezirk Leibnitz

Bei MIA sind Mütter

in Aktion

„Mittwoch ist Müttertag!“ lautet das Motto für Frauen aus der

Region Rebenland im Süden der Steiermark. Schwangere

Frauen und Mütter von Kindern bis zwei Jahren treffen sich

seit rund einem Jahr im Gemeindeamt Schlossberg zu einem

wöchentlichen Müttercafé.

Anita Adamiczek, MIA – Mütter­in­Aktion­Mitarbeiterin und

Ansprechpartnerin für den Bezirk Leibnitz, leitet das Müttercafé.

Sie sammelt Themenwünsche, die sie entweder selbst

oder mit Unterstützung von Expertinnen im Müttercafé zur

Diskussion stellt. Vier bis elf Frauen nützen diesen wöchentlichen

Austausch, die Tendenz ist steigend. Ein Mal im Monat

wird das Müttercafé zur Mütterberatung, die von einer Hebamme

und einer Sozialarbeiterin aus dem Bezirk Leibnitz geleitet

wird.

MIA – Mütter in Aktion: Gesundheitsförderung

im regionalen Setting

Ziel dieses dreijährigen, von Bund und Land unterstützten,

Modellprojektes ist es, die Frauen zu stärken und zu unterstützen,

damit sie selbst aktiv werden und ihr Wohnumfeld

entsprechend ihren Bedürfnissen mitgestalten. Neben der Begleitung

des Müttercafés werden alle Mütter, die in den ausgewählten

Gemeinden seit 2006 ein Kind geboren haben, von

Projektleiterin Brigitte Steingruber oder Anita Adamiczek zu

Hause besucht und nach ihren Wünschen befragt. Bisher sind

auf diese Art und Weise 42 Frauen im Bezirk Leibnitz erreicht

worden.

Bei zwei Runden Tischen hat das Team von MIA – Mütter in

Aktion mit Bürgermeistern, GemeindemitarbeiterInnen, lokalen

AnbieterInnen, Eltern und Großeltern über die Themen

Kinderbetreuung und Vater, Mutter, Kind diskutiert. Auch die

im Mai 2008 gegründete, bezirksweite Frauengruppe ist aktiv.

12 Frauen arbeiten an Projekten, wie etwa einer Website mit

Informationen für Familien im Bezirk Leibnitz oder der Gestaltung

eines kleinkindgerechten Spielplatzes. „Die Frauen

hier im Bezirk Leibnitz sind sehr aktiv und bereit, die Infrastrukturen

in ihren Gemeinden mitzugestalten. Das geht na­

Pfarre Weißkirchen

„G’scheit g’feiertes“

Pfarrfest

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türlich nicht von heute auf morgen und benötigt viel Zeit und

Gespräche, aber wir sind auf einem guten Weg“, zeigt sich

Brigitte Steingruber mit den Entwicklungen zufrieden.

Das Highlight 2009: Gesunde Aktionstage

im Bezirk Leibnitz

20 Frauen aus dem Bezirk haben mit dem MIA – Mütter­in

Aktion­Team von 9. bis 17. Mai gesunde Aktionstage organisiert.

Rund 700 Frauen und Männer, Mädchen und Burschen

nutzten das vielfältige Angebot. „Die Aktionswoche war für

mich der bisherige Höhepunkt unseres Projekts MIA – Mütter

in Aktion“, freut sich Anita Adamiczek.

Unter dem Motto „Unser Leben sei ein Fest – Jesu Geist in unserer

Mitte!“ lud die Pfarre Weißkirchen zu Ehren ihres Pfarrpatrons,

des hl. Vitus, zum etwas anderen Pfarrfest.

Nach dem Festgottesdienst gab es im gemütlichen Ambiente

des Pfarrgartens außergewöhnliche Köstlichkeiten, wie etwa

Spanferkel, Käsespätzle, Holunderstrauben oder Mostbowle.

Die Kobenzer Streich sorgte für angenehme Unterhaltung.

Unter der Regie der geschäftsführenden PGR­Vorsitzenden

Veronika Topolovec waren rund 70 Frauen, Männer sowie einsatzfreudige

Jugendliche und Kinder voll motiviert, um die

Projekte „Natürlich feiern“ und „G’scheit feiern“ umzusetzen,

bei denen Grundsätze wie Lebensmittel von Bauern und Bäuerinnen

der Region, Produkte aus fairem Handel, kein Wegwerfgeschirr

sowie aktiver Umweltschutz beachtet wurden.

Einhelliger Tenor: Freude über den so zahlreichen Besuch und

ein großes Danke, dass das Fest mit den Projekten „G’scheit

feiern“ und „Natürlich feiern“ von den Leuten so positiv angenommen

worden ist!

mag. Gerald Wimmer


Vulkanland

Unsere Verantwortung

für eine heile Welt

Den Traum von der heilen Welt, viele träumen ihn.

Doch haben wir überhaupt einen Einfluss auf die heile

Welt? Sind wir damit nicht überfordert? Ist die Herausforderung

nicht zu groß? Können wir diesem Traum nicht

nur ohnmächtig gegenüberstehen?

Beginnt die Welt beim anderen, dann

wird die Vision einer heilen Welt wohl unerreichbar

bleiben. Beginnt die Welt aber

bei uns selbst, so werden sich mit jedem

Tag neue Möglichkeiten auftun, um unsere

Welt lebenswerter zu gestalten.

Die Welt ist zu allererst unser Lebensraum,

unser persönliches Umfeld. Wer

vorm Fernseher ins Elend der weltweiten

Nachrichten blickend die Verantwortung

abgibt, verspielt sein Mandat auf die eigene

heile Welt. Jeder ist für seine Welt

verantwortlich.

Mit der Selbstverantwortung kommt

schließlich die Gestaltungskraft zurück;

zurück in die eigene Lebenswelt. Jede Region

ist Teil der Welt und jedenfalls die

Lebenswelt tausender BürgerInnen.

Regionen heilen wie Menschen,

durch das Erkennen der Ursache

und des Heilungsweges.

Regionen tut, so wie Menschen, die

tägliche Wertschätzung gut.

Das lateinische Wort „benedicere“ bedeutet

segnen und heißt wörtlich übersetzt

„Gutes sprechen“. Der Segen gilt seit

jeher als innig erbetener Schutz und beflügelt

die Kräfte. Die heile Welt beginnt

beim Wort als Ausdruck der Gedanken.

Dem Wort folgen Taten. Das Tun ist die

Basis für die Gewohnheit. Die Gewohn­

Thema 2/09 : Heile Welt Landentwicklung Steiermark

heit formt den Charakter. Der Charakter

schließlich bestimmt das Schicksal. So

steht es im Talmud.

Eine neue, segnende Sprache wandelt

das regionale Bewusstsein. Einer ganzen

Region ihren Wert und ihre Würde zurückzugeben,

schafft die solide Basis einer

neuen Lebensqualität, die nicht nur

auf Materiellem baut, sondern die Region

als ganzheitlichen, wertvollen Lebensraum

erkennt. Das spüren BürgerInnen

wie Gäste. Die Wahrnehmung des Lebensraumes

und der ihm innewohnenden

Lebenskultur bestimmen den

wichtigsten Teil der Welt der Menschen,

jenen Teil, in dem sie ihr Leben verbringen.

Mahatma Gandhi brachte die Selbstverantwortung

auf den Punkt: „Sei du selbst

die Veränderung, die du dir wünscht für

die Welt.“ Jeder, der sich um seine Welt

um seine Region – annimmt, darf auf die

eigene heile Welt nicht nur hoffen, sondern

darauf vertrauen. Es geht nicht darum,

die ganze Welt zu verändern, es geht

darum, die eigene Welt und den eigenen

Wirkungskreis als Gestaltungsraum zu

Roman Schmidt – regionsmarketing

steirisches Vulkanland

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Vulkan

erkennen. Damit wird der Grundstein für

den Wandel auf der Erde gelegt.

Das Steirische Vulkanland mit all seinen

BürgerInnen lebt diese Vision. Es hat gemeinsam

mit den Menschen eine neue

„Sei du selbst die Veränderung, die du dir

wünschst für die Welt.“

Mahatma Gandhi

Wirklichkeit geschaffen. Ein gutes Fundament

für eine verheißungsvolle Zukunft.

Der Wandel von der Grenzregion

hin zum Steirischen Vulkanland ist vorbildlich

gelungen. Eine Region gibt sich

ihre Würde und ihren Wert zurück. Viele

weitere Regionen und Lebenswelten sind

eingeladen, diesem Beispiel zu folgen

und so ihre eigene heile Welt zu schaffen.


land

Heile Welt der Kulinarik?

Analogkäse, Schummelschinken, Kennzeichnungspflicht und andere wenig attraktive

Schlagworte begleiteten uns den Sommer über in den Medien. Essen und Trinken abseits

von Genuss und Kulinarik? Wollen wir das? Ist Essen und Trinken nicht das Ursprünglichste

und Natürlichste in unserem Leben? Wo ist sie geblieben bzw. gibt es sie überhaupt,

die „heile Welt“ der Kulinarik?

Birgit Farnleitner

www.weingut-farnleitner.at

Warum der moderne Mensch Produkte

kauft und isst, die nicht immer das enthalten,

was sie enthalten sollten, ist ein

weitläufiges Thema, dessen Betrachtung

diesen Rahmen hier sprengen würde.

Eines ist jedoch klar: Es ist unsere Entscheidung,

was wir täglich essen und ob

wir unsere eigene „heile Welt“ der Kulinarik

und Ernährung zulassen und leben.

Es gibt sie nämlich, die Entscheidungsmöglichkeiten

für natürliche Produkte,

für Produkte von Produzenten, denen

man vertrauen kann und die man kennt.

Gerade in unserer Region ist eine Vielzahl

von Landwirten, Köchen und Produktveredlern

am Werk, die zeigen, wie es geht.

Ökologische Bewirtschaftung ist gelebter

Standard, biologische Produktion ist verstärkt

im Vormarsch und in der Verarbeitung

wird sehr stark auf Authentizität und

Ursprung Wert gelegt. Bei Köchen genauso

wie bei Produzenten von verarbeiteten

Lebensmitteln. Im Vulkanland beschäftigen

sich Menschen mit Nachhaltigkeit,

Ökologie und Wertschöpfung in der Kulinarik

seit den frühen 90er­Jahren des

letzten Jahrhunderts. Waren es vorerst

nur einzelne Pioniere wie Gölles und Zotter,

so ist es heute die Mehrheit der Produzenten

und Landwirte.

Als mein Mann und ich vor 10 Jahren entschieden

haben, Wein anzubauen und einen

landwirtschaftlichen Produktionsbetrieb

aufzubauen, waren alle Wege offen.

Verschiedene Regionen hätten ideale

Voraussetzungen gehabt, um Rotwein zu

produzieren. Als Genussmenschen war

uns auch damals das Vulkanland schon

wohl bekannt und ein Begriff. Wir haben

uns nicht zuletzt für ein Leben im Vulkanland

entschieden, weil wir auch das Gefühl

hatten, uns hier in einem besonders

lebenswerten kulinarischen Umfeld anzusiedeln.

Ich weiß nicht, ob es sie gibt,

die „heile Welt“ der Kulinarik. Ich empfinde

diesen Begriff doch als zu allumfassend

und gewichtig. Aber ich sehe das

Vulkanland und seine Produzenten als

kulinarisch und qualitativ sehr hochwertige

Welt und als eine ökologisch nachhaltige,

verantwortungsvolle Genusswelt.

Und in dieser Welt versuchen wir einen

Beitrag zu leisten und in unseren Produkten,

bei unseren Weinen und in unserem

Buschenschank auch den Besuchern

und Gästen zu vermitteln.

Vor Ort für Sie da!

Margreth

Kortschak-Huber

Landentwicklung

Steiermark

Jeder ist verantwortlich!

| 21 |

Das steirische Vulkanland hat etwas

geschafft, das vor einem Jahrzehnt

noch unmöglich schien. es hat aus einer

Grenzregion ohne Hoffnung einen

viel beachteten Zukunftsraum gemacht.

Was hier wächst, hat Wert. Das

gilt nicht nur für die regionale entwicklung,

sondern insbesondere auch für

die Kulinarik. Das Handwerk gewinnt

wieder an Bedeutung und der Lebensraum

Vulkanland wird von Gästen und

Vulkanländern ausgiebig für die eigene

erholung und entspannung genutzt.

Regionalwirtschaft gegen Krise

Wir wissen heute, dass ein in der region

ausgegebener euro das 1,6-Fache

an Wertschöpfung für die region

schafft. Daher ist das beste rezept gegen

die Wirtschaftskrise die bewusste

entscheidung für die region.

Eine Frage der Ehre

Jeder Bürger hat es in der Hand. An

einem Beispiel festgemacht: Wie viele

Veranstaltungen haben in Ihrer region

stattgefunden? Wie viele davon haben


Vulkanland

Vulkanland

bewusst auf regionalität gesetzt? und

wenn es schon nicht die Veranstalter

taten, wie viele Gäste haben das Fehlen

regionaler Getränke und speisenangebote

bemängelt? Wer kennt die Cola-

Frucht und auf welchen Bäumen ist sie

heimisch? Wie war die regionale Orangen-ernte

in unserer region im vergangenen

Jahr? Was landet auf den regionalen

mittagstischen? Vergessen

wir nicht, wir sind ein Teil der region,

wir leben nicht getrennt davon.

Zeit für Eigenverantwortung

In sachen regionalität stiehlt sich so

mancher aus Bequemlichkeit aus der

Verantwortung. Die damit verbundene

Gefahr lässt sich mit einer Geschichte

verdeutlichen: ein Weindorf hatte die

Idee, einen Liter jedes Winzers in ein

großes Fass zu füllen, um so einen gemeinsamen

Cuvée zu kreieren. Nach

getaner Arbeit wurde ein Glas eingeschenkt,

zugeprostet und getrunken.

Die Überraschung war groß. Die Winzer

tranken reines Wasser. Warum? Jeder

dachte: „Bei einer solch großen menge

kommt es auf den einen Liter wohl

nicht an.“ Wie der Wein, so braucht

auch die Wirtschaft eine gute mischung.

Wir müssen die Verantwortung für unsere

eigene regionale Wirtschaft selbst

übernehmen und danach handeln. Jeder

ist verantwortlich!

Wer diese Verantwortung selbst nicht

wahrnimmt, sucht die Verantwortung

womöglich beim Falschen.

Wir können uns dadurch sicher auch

keine „heile Welt“ schaffen, aber ganz

sicher eine lebenswerte und wirtschaftlich

gesunde region.

margreth.kortschak-huber@landentwicklung.com

www.landentwicklung.com

Thema 2/09 : Heile Welt Landentwicklung Steiermark

IN VINO SALUS –

Im Wein liegt Heil

Sigrid Platzer

steirische Weinkönigin

Wein hat für viele verschiedene Menschen

viele verschiedene Bedeutungen.

Angefangen vom edlen Speisenbegleiter

bis hin zum wesentlichen steirischen

Wirtschaftsfaktor schlüpft er in so manche

Rollen. Für uns Weinbauern ist der

Wein Lebensinhalt und immerwährende

Erfahrung mit der Natur.

Der Wein als Mittel für eine heile Welt, das

ist jedoch neu – zumindest scheint es

so.

In Wahrheit ist dies die ursprünglichste

und schönste Bedeutung, die der Wein

für sich einnimmt. Wer seine Wurzeln

nicht kennt, kennt keinen Halt! Rückbesinnend

auf unsere in der Region verwurzelten

Werte begegnet uns der Wein in der

Bibel als „das Blut Christi“.

Was nun weit hergeholt klingen mag, ist

hier im Steirischen Vulkanland jedoch lebendiger

Alltag. Wein als das „Blut Christi“

hat seit jeher die wundervolle Aufgabe,

Menschen zusammenzubringen und

aufeinander zugehen zu lassen.

Und Wein hat diese außergewöhnliche

Fähigkeit, Menschen an einen Tisch zu

bringen oder zu einem Fest zu bewegen

und sie miteinander ins Gespräch kommen

zu lassen. Und, dass durchs Reden

die Leute zusammenkommen, wissen wir

durch ein bekanntes Sprichwort.

www.eruption.at

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Diese einfache Frage: „Gemma auf a Achterl?“

ist also nicht bloß eine Einladung

auf ein Getränk, NEIN, vielmehr bedeutet

sie, dass sich zwei oder mehr Menschen

füreinander Zeit nehmen. Sie nehmen

sich die kostbare Zeit, um mehr über

den anderen zu erfahren und ihn besser

kennen zu lernen. Schließlich ist alles

Wirkliche im Leben Begegnung und damit

ein wesentlicher Beitrag zu einer heilen

Welt.

In einem guten Gespräch passiert nämlich

Folgendes. Die eigene Meinung wird

durch den Gesprächspartner widergespiegelt.

Dadurch werden die eigenen

Standpunkte auf die Probe gestellt, automatisch

überdacht und entweder gefestigt

oder auch verworfen. Die eigene

Identität wird dadurch geschärft, man

lernt sich selbst besser kennen und stärkt

seine Persönlichkeit.

Solche Charaktermenschen nehmen sich

gerne die Zeit für ein gutes Gespräch,

nehmen sich die Zeit zum Genießen. Somit

sind sie authentisch und leben im

Einklang mit sich selbst und mit der Natur.

Wer nicht genießt, wird ungenießbar.

Umso mehr Wert legen die Bewohner

und die Gäste des Steirischen Vulkanlandes

auf Regionalität und sind stolz auf

ihre Wurzeln, ihre Heimat und die Erzeugnisse

der Menschen, die hier leben.

Die Menschen sowie ihr Lebensraum wecken

Euphorie, Faszination und Inspiration,

indem sie wach und aufmerksam

ihre heile Welt erleben.

Eine heile Welt ist nicht das Ziel, sondern

der Weg, der von Wertschätzung und Lebensfreude

begleitet wird und mit einem

kostbaren Glas Wein aus dem steirischen

Vulkanland beginnt.


Erfolgreiches Schinkenfest

in Auersbach

Rund 10.000 Besucher stürmten trotz feuchten Beginns

das Schinkenfest im Herzen Auersbachs.

„Was hier passiert, ist vorbildlich“, zeigte

sich Umwelt­ und Landwirtschaftsminister

Niki Berlakovich beim insgesamt

vierten Schinkenfest in Auersbach sowohl

von der G’scheit­feiern­Festkultur

als auch der Spitzenqualität der regionalen

Produkte begeistert. Ein ausgezeichneter

Schinken und eine Vulkanlandkrawatte

als Präsente taten der Begeisterung

des Ehrengastes ihr Übriges.

Die eigentlichen Stars waren laut Bürgermeister

Helmut Buchgraber aber die 27

Informationen

Vulcano-Schinken

um seine Vollkommenheit zu erreichen, reift der Vulcanoschinken

für eine Dauer von 8 bis 15 monaten.

Geöffnet hat die Vulcano-schinken-manufaktur in Auersbach

(Nähe Feldbach) mo–Fr von 8 bis 17.30 uhr und samstag

von 9 bis 12 uhr. Führungen und Verkostungen werden

auf Anfrage veranstaltet. Weitere Informationen dazu

finden sie unter www.vulcano.at

kulinarischen Aussteller. „Das Gute liegt

so nah“, bestätigte auch Stammgast Landesrat

Johann Seitinger. Gar eine lyrische

Ode ans besondere Fest präsentierte Heimatdichter

Simon Hasenburger.

„Jeder, der da ist, fühlt sich wohl“, strahlte

LAbg. Anton Gangl. Dies galt auch für

eine polnische Delegation, die Musik aus

der Heimat präsentierte. Für heitere Töne

bei den 10.000 Gästen sorgte nach verregnetem

Start die Sonne. Die Rosenberg­Wanderung

konnte beginnen.

Bundesminister Niki Berlakovich drückte im Beisein von Landesrat Johann seitinger und

weiterer prominenz dem schinken seinen stempel auf. Der Landwirtschafts- und umweltminister

war vom kulinarischen und musikalischen Treiben rund um den rosenberg begeistert.

Foto: Rita Newmann (Lebensministerium)

Quelle: www.vulcano.at

Informationen

Das Steirische

Vulkanland

79 Gemeinden aus dieser region, aus

den Bezirken Feldbach, Bad radkersburg,

Fürstenfeld und Weiz, haben sich

im Verein zur Förderung des steirischen

Vulkanlandes zusammengeschlossen.

mit Förderung durch das Leader+ programm

der europäischen union soll

versucht werden, die Wirtschaft und den

Zusammenhalt der region zu stärken.

Die Bezeichnung steirisches Vulkanland

leitet sich von resten von Vulkanen ab,

die in der region heute noch als Hügel

sichtbar sind. Diese stammen aus der

Zeit vor ca. 17 millionen Jahren (im miozän)

sowie aus einer jüngeren periode

des Vulkanismus vor ca. 2 millionen Jahren

(pliozän); der bekannteste davon ist

der Gleichenberger Kogel.

Das marketing rund um den Begriff konzentriert

sich auf Kulinarik (was hier

wächst, hat Wert), Handwerk (wir schaffen

Lebensqualität) und die region der

Lebenskraft (zu Gast im Vulkanland).

Die kleinregionalen strukturen

im steirischen Vulkanland

Quelle: www.vulkanland.at

| 23 |


Junge Gedanken

Heile Welt Schule?

September. Schulbeginn. Nach den oft sehr verplanten

„freien Wochen“ der fleißigen SchülerInnen ist es

wieder oder erstmals so weit, die Schule zu „besuchen“.

September. Schulbeginn.

Unzählige „TafelklasslerInnen“ treten erwartungsvoll,

meist auch etwas nervös

und ängstlich, mit oft körpergroßen

Schultüten an die mächtigen Tore der Bildungsanstalten.

Was wird sie wohl erwarten?

Freunde kennenlernen, Diskussionen,

Hausübungen, Tests – positive wie negative

Erfahrungen werden gesammelt.

Notendruck, Stress und Konkurrenzdenken

werden beinahe einer jeden Schülerin/einem

jeden Schüler mehr als nur anschaulich

gemacht.

Auch die Schule ist nicht immer ein Honigschlecken,

und bei weitem keine heile

Welt. Dennoch wird in unzähligen Lehrbüchern

und Unterrichtsstunden immer

wieder eine solche suggeriert.

Gute Noten und im besten Falle noch einige

kostspielige Zusatzausbildungen,

wie beispielsweise der ECDL („Computerführerschein“),

sind Garanten dafür,

dass einfach alles gelingt: „Kauf dir deine

heile Welt.“

Man hat hunderte Möglichkeiten, alle

Welt steht einem offen. Man wird quasi

mit Jobangeboten überhäuft.

Oder auch nicht.

Perspektivenwechsel: Für die Lehrpersonen

ist die Schule längst keine heile

Welt mehr.

Skandale von Kindern, die handgreiflich

werden, häufen sich. Manchmal können

sogenannte Autoritätspersonen glücklich

sein, wenn sie nur heil von ihren Arbeitsplätzen

heimkommen.

Herausforderung: Schulauswahl

In den ersten Jahren ist es noch nicht allzu

schwer, eine geeignete Schule für sein

Kind zu finden, man will ja nur eine möglichst

angenehme, behütete Umgebung

(heile Welt?) für seinen Sprössling. Oft erleichtern

Faktoren wie die Lage der Schule,

Busverbindungen, bereits bekannte

Klassenkameraden oder Erfahrungen

von Freunden und Familie die Entscheidung

zur Unterstufe.

Erst später wird es schwierig; ab dem

Zeitpunkt, wenn man als gerade

Pubertierende/r die richtige Wahl treffen

soll, was die eigene Zukunft anbelangt.

Thema 2/09 : Heile Welt

Sollte nach der neunten Schulstufe eine

Lehre begonnen werden? Oder wird ein

Höherer Schultyp wie beispielsweise eine

AHS (Allgemein Höhere Schule), HAK

(Handelsakademie), HLW (Höhere Lehranstalt

für Wirtschaftliche Berufe) oder

Schulen, die z.B. auf Technik, Mode oder

Design spezialisiert sind, gewählt?

Auch alternative Schulen, wie die „sagenumwobene

Waldorfschule“, sollten nicht

außer Acht gelassen werden. In Bildungseinrichtungen

dieser Art wird den SchülerInnen

eine heile Welt nicht nur hin und

wieder aufgezwungen, sondern regelrecht

geschaffen.

Kein Notendruck, kaum Verpflichtungen.

Spielerisches Lernen.

Man sollte aber nicht nur Kritik üben,

sondern die Methoden hinterfragen und

erkennen, dass es Persönlichkeiten gibt,

die in diesen Systemen sehr gut aufgehoben

sind.

Im Idealfall sollte eine Art freiwilliges Lernen

bzw. Lernen ohne Zwang angewandt

werden.

Realität

Ob die Schule jemals heile Welt sein wird,

ist fraglich, vielleicht ist es besser, wenn

man sich langsam, aber sicher, mit der

harten Realität anfreundet.

Früher oder später muss ohnehin jeder

sein warmes, behütetes „Nest“ verlassen

und sich von der feinen heilen Welt verabschieden.

Manche machen dies mit hoch erhobenem

Haupte und weisen die verträumte,

oft realitätsferne Gesellschaft mit erschreckenden

Taten darauf hin, dass sie

nicht existiert, die heile Welt. Dann, wenn

Jugendliche Gewalttaten begehen, über

deren verheerende Folgen sie sich oft

wohl nicht im Klaren sind. Und dennoch,

jede/r hat die Chance, seine eigene Welt

mit zu gestalten.

Tipps

Richtiges Lernen

Früh genug beginnen – besser jeden

Tag ein bisschen, als alles auf einmal

am Tag vor der prüfung.

Den Lernstoff in kleine portionen

teilen.

pausen machen! Nach 20 minuten

lässt die Konzentration stark nach.

Zwischendurch Bewegung, am besten

an der frischen Luft.

Den Lerntyp beachten! es gibt vier

Hauptlerntypen: auditiver, visueller,

kommunikativer und motorischer

Typ, die man einfach (z.B.: per Test

im Internet) feststellen kann. Daraus

ergibt sich die beste Lernmethode,

mit der wertvolle Zeit erspart werden

kann.

Als Hilfestellung bei der richtigen Schulauswahl bietet LOGO.

Fünf steirische Kontaktstellen (Graz, Gosdorf, Bad radkersburg, Gratwein, Gleisdorf)

bieten jungen menschen unterstützung bei schul- bzw. studienauswahl sowie zahlreichen

jugendrelevanten Themen.

JuGeND.INFO

schmiedgasse 23a, 8010 Graz

Tel.: 0316/81-60-74

www.logo.at

www.bbo.steiermark.at

| 24 |

Christine rossegger hat nach der matura

ein sommerpraktikum in der Landentwicklung

steiermark absolviert und sich Gedanken

zu schule und „heiler Welt“ gemacht.


Ländliche Entwicklung

Hofübernahme – Unterstützung

der öffentlichen Hand

durch Niederlassungsprämie

HR Dipl.-Ing. Georg Zöhrer

Leiter der Abteilung 10

Land- und Forstwirtschaft

Rund 30.000 Betriebe mit überwiegend

bäuerlicher Struktur prägen auch im 21.

Jahrhundert die steirische Landschaft. An

die 24.000 Betriebe bewirtschaften Lagen

mit natürlichen Benachteiligungen und

rund die Hälfte dieser Betriebe liegt im

eigentlichen Berggebiet.

Der Anteil der Nebenerwerbsbetriebe an

der Gesamtzahl macht im Durchschnitt

rund 65 Prozent aus.

Ganz wesentlich für den Weiterbestand

des Betriebes ist eine geordnete Hofnachfolge

– sowohl für den Vollerwerbs­

als auch für den Nebenerwerbsbetrieb.

Den Strukturwandel in der Landwirtschaft

hat es immer gegeben und es wird

ihn auch weiterhin geben.

Lassen sich landwirtschaftliche Betriebsflächen,

vor allem solche in Gunstlagen,

im Wege einer Verpachtung auch ohne

geordnete Hofnachfolge weiter vermitteln,

so ist die Hofnachfolge für die Belebung

des ländlichen Raumes von entscheidender

Bedeutung. Infrastruktureinrichtungen

aller Art, das Vereinswesen,

die Altersversorgung der Hofübergeber

etc. können nur dann funktionieren,

wenn die Höfe bewohnt und bewirtschaftet

werden.

Das ländliche Entwicklungsprogramm

der laufenden Periode sieht daher zur Erleichterung

der ersten Niederlassung von

jungen Landwirtinnen und Landwirten

– unter besonderer Berücksichtigung ihrer

Qualifikation – eine verbesserte För­

Ländliche Entwicklung – Projekte

„Der ländliche Raum

braucht eine Mindestausstattung

an bäuerlichen

Betrieben.“

derung vor. Sie erfolgt im Wege der Niederlassungsprämie

und wird durch Mittel

der EU, des Bundes und des Landes Steiermark

finanziert.

Der ländliche Raum braucht eine Mindestausstattung

an bäuerlichen Betrieben.

Er braucht qualifizierte und zum Teil

in den Fachgebieten der Landwirtschaft

spezialisierte Betriebsführerinnen und

Betriebsführer.

Es freut mich daher besonders, dass diese

Maßnahme in der Steiermark so gut

angenommen wird und dass die bäuerliche

Jugend das oft nicht leichte Erbe der

Hofübernahme annimmt. Dies umso

mehr, wenn man die Lage vieler Betriebe

in den Ungunstlagen oder die geringen

Flächenausstattungen bedenkt. Die

schwierigen agrarpolitischen Rahmenbedingungen,

die oft zu einem außerlandwirtschaftlichen

Zusatzerwerb zwingen,

führen auch zu Doppelbelastungen

am Betrieb, insbesondere dann, wenn die

Betriebe nur über eine landwirtschaftliche

Nutztierhaltung bewirtschaftet werden

können.

LR Johann Seitinger

| 25 |

Die Landwirtschaft wird immer weiblicher.

Das zeigt sich unter anderem

auch bei der ständig wachsenden Zahl

der JungübernehmerInnen.

mit der so genannten Niederlassungsprämie

von 12.000 euro, die noch um

den „meister-Bonus“ von 3.000 euro

erhöht werden kann, sorgt das Land

steiermark dafür, dass unsere jungen

bäuerlichen unternehmerinnen ihre

Höfe übernehmen können, ohne sich

dabei „übernehmen“ zu müssen.

Aber das Wichtigste dabei:

Bäuerin zu sein ist der schönste

Beruf überhaupt!


Landwirtschaft

Landwirtschaft, schöne heile Welt

auf die Perspektive kommt es an!

Die Landwirtschaft ist multifunktionell,

der Arbeitsplatz Bauernhof facettenreich,

in Tourismusprospekten sprießt

das grünste und saftigste Gras der Almen,

die LandwirtInnen sind traditionsbewusst,

die Arbeit teilt sich auf die Großfamilie

auf, die Lebensqualität am Land

ist einzigartig, die Produkte sind gesund

und regional, lange ließe sich diese Aufzählung

fortsetzen, oder … Die Landwirtschaft

ist nicht mehr rentabel, der Arbeitsplatz

Bauernhof ist zu bürokratisch,

das grüne und saftige Gras der Almen

wird nicht mehr beweidet, die Tradition

weicht der computergesteuerten Melkanlage,

die „Alten“ bleiben am Hof, die „Jungen“

pendeln in die weite Welt, die Lebensqualität

weicht der Bequemlichkeit

der Mobilität, die Produkte sind zwar ge­

sund und regional, aber teuer. Jedes Ding

hat zwei Seiten, es kommt immer auf die

Betrachtung an.

Die vergangenen Monate haben stärker

denn je gezeigt, wie abhängig die Landwirtschaft

von Wind und Wetter ist und

wie schnell Existenzen ins Wanken geraten.

Seit dem EU­Beitritt sind Ausgleichszahlungen

ein wichtiger Bestandteil der

landwirtschaftlichen Einkommen. Durch

den Wettbewerbsnachteil aufgrund

schwierigerer Produktionsbedingungen

gibt es dementsprechende Entgeltzahlungen,

um am Markt wettbewerbsfähig

zu bleiben. Immer wieder öffentlich diskutiert

wird die Frage der Transparenz

von Förderungen (nunmehr durch eine

EU­weite Datenbank veröffentlicht).

Gregor (8 Jahre), wohnt in Graz

und ist am Wochenende sehr oft bei

Opa und Oma in Hartberg

Am Bauernhof gibt es viele Tiere, viel Arbeit

und einen Traktor und im Wald müssen

immer wieder Bäume umgeschnitten

werden. Zur Alm fällt mir ein, dass wir da

immer wieder wandern gehen. Vor den

Kühen habe ich ein wenig Angst. Tradition

ist das Osterfeuer, oder? Aha, Tradition

ist, dass der Opa jeden Sonntag in die Kirche

geht. Wenn wir alle in Hartberg sind,

dann sind wir eine Großfamilie. Mama,

Papa, Oma, Opa, Tante Karin, Tante Marlies,

Onkel Mario und Onkel Josef und der

kleine Alexander und auch die Uroma.

Wenn wir in Hartberg sind, darf ich überall

mit meinem Rad fahren – echt cool.

(Lebensqualität). Apfelsaft mag ich gerne,

Ribiselsaft nicht so gerne, die Oma

kocht besser als die Mama, besonders

den Kaiserschmarrn (landwirtschaftliche

Produkte).

Thema 2/09 : Heile Welt Ländliche Entwicklung – Projekte

Dipl.-Ing. Anita mogg – referatsleiterin Allgemeine Landwirtschaft, FA 10A | 26 |

Helene, 55 Jahre, Graz.

Zur Landwirtschaft fallen mir Bio, regionale

Produkte und Genuss ein. Der Arbeitsplatz

Bauernhof ist sehr vielfältig,

interessant und gute Ausbildung ist wichtig.

Die Almen sind ein wichtiges Kulturgut,

Landschaftspflege ist wichtig und

natürlich sind die Almen für den Tourismus

wichtig. Am Land gibt es noch das

gelebte Brauchtum, jede Region hat ein

eigenes Brauchtum. Die Großfamilie ist

ein wichtiges Netzwerk, Gott sei Dank

gibt es das noch. Die Lebensqualität ist

am Land sicherlich höher als in der Stadt.

Zu landwirtschaftlichen Produkten fallen

mir Gesundheit, Regionalität, Transparenz,

der Preis, der Ab­Hof ­Verkauf, Nähe

und Vertrauen ein.

Josef, Hofübernehmer, 34 Jahre, Hartberg

In der Landwirtschaft muss man gut

überlegen, was und wie man investiert.

Ich möchte gute Voraussetzungen für

meine Kinder schaffen. Der Arbeitsplatz

Bauernhof ist wetterabhängig, das Klima

ändert sich, die Arbeit muss rentabel

sein. Almen sind für unsere Landschaft

wichtig, aber pflegeintensiv und es ist

nicht selbstverständlich, dass sie beweidet

und gepflegt werden. Übrigens: Die

Kühe auf den Almen sind nicht „lila“.

Brauchtum ist am Land wichtig, es wird

gelebt in Vereinen, sicherlich zeitintensiv,

aber gesellschaftspolitisch unheimlich

wichtig. Die Großfamilie ist schön, wenn

sich alle verstehen und zusammenhalten,

aber es reden immer alle mit. Die Lebensqualität

am Land schätzt man erst

dann, wenn man mal in der Stadt gewohnt

hat. Landwirtschaftliche Produkte

sind sehr kostenintensiv in der Produktion,

die Hygienestandards sind hoch

und es gibt viel zu viele Billig­Mitbewerber

am Markt.


JungübernehmerInnen/

Niederlassungsprämie

Was uns in diesem Teil der Förderungsübersicht

insbesondere interessiert, ist

die Frage: Was bewegt unter den vorgenannten

Betrachtungsweisen junge

LandwirtInnen, den elterlichen Betrieb

zu übernehmen? Welche Perspektiven

haben JungübernehmerInnen? Wozu und

wie wichtig sind Förderungen?

Von allen Berufstätigen der Steiermark

(575.800) arbeiten 7,1 Prozent in der

Land­ und Forstwirtschaft. Insgesamt

sind 13.636 Vollerwerbsbetriebe und

26.141 Nebenerwerbsbetriebe, wovon

über 30.000 Betriebe eine Fläche zwischen

2 und 20 ha bearbeiten.

Maßnahmen

M 112 – Niederlassung von

LandwirtInnen

Voraussetzungen:

• Zum Zeitpunkt der Antragstellung

unter 40 Jahre

• erstmalige Niederlassung auf einem

landwirtschaftlichen Betrieb

• Außerlandwirtschaftliches einkommen

des Antragstellers und seines

ehegatten oder Lebensgefährten

muss zum Zeitpunkt der Antragstellung

unter € 80.216 liegen.

• Geeignete Facharbeiterprüfung oder

höhere land- und forstwirtschaftliche

Ausbildung, die geforderte berufliche

Qualifikation muss innerhalb von 2

Jahren nach der erstmaligen Niederlassung

erbracht werden.

• Der Betrieb muss einen Arbeitsumfang

erfordern, der mindestens einer

halben bAK (=1.000 Akh) entspricht.

Betriebskonzept

Betriebskonzept wird nach 3 Jahren

auf die erfüllung der Zielerreichung

überprüft und im Falle der Nichterfüllung

könnte die prämie rückgefordert

werden.

Die Förderung wird in Form eines

einmaligen Zuschusses gewährt und

ist wie folgt gestaffelt:

Arbeitsbedarf

0,5 bis unter 1 bAK: € 6.000,–

Ab 1 bAK € 12.000,–

Zuschlag bei meisterausbildung bzw.

einschlägiger höherer Qualifikation:

€ 3.000,–

Interview

Wie sehen sie als Förderungsreferent

in der praxis die entwicklung bei den

HofübernehmerInnen?

Die Ausbildung wird heute sehr gut

angenommen, für die Übernahme ist

die Facharbeiterausbildung Voraussetzung.

Früher hat man einfach übernommen,

weil man in die Rolle gedrängt

wurde.

Meistens arbeitet der/die heutige zukünftige

HofübernehmerIn in einem

landwirtschaftsnahen Bereich und

aufgrund der guten Ausbildung überlegt

er/sie sehr wohl, in welche Richtung

nach der Übernahme die Weiterentwicklung

laufen soll. Das muss

nicht immer die gleiche Sparte sein,

wie die Eltern das betrieben haben.

Eine gute Grundlage, sich mit dem

Hof und der Weiterentwicklung auseinanderzusetzen,

ist das Betriebskonzept.

In welche richtung gehen die Investitionen?

Wie wird investiert?

Es wird teilweise sehr groß investiert,

wobei hier Beträge von 500.000 bis

600.000 € zu nennen sind. Für solch

große Investitionen muss der Betriebsführer

sehr genau zwischen

Chancen und Risken abwägen.

Schwierig ist natürlich auch oft, alle

gesetzlichen Auflagen, Hygienestandards,

aber auch z.B. das Tierschutzgesetz

einzuhalten. Die heutigen JungübernehmerInnen

sehen sich auch als

JungunternehmerInnen, als Selbständige,

die sich die Ressourcen selbst

einteilen können und müssen.

Mit Hilfe modernster Technik, die in

der Anschaffung natürlich auch sehr

teuer ist, kann ein gezielter Arbeitseinsatz

am Betrieb stattfinden. Bei vielen

kleineren Betrieben ist es so, dass die

Frau übernimmt und der Partner weiterhin

im Nebenerwerb tätig ist. Umso

wichtiger ist es, vor der Anschaffung

einer Investition sich mit dem Partner

einig zu sein, denn gerade beim Vollerwerbsbetrieb

ist die Mitarbeit unabkömmlich.

Ing. Martin Tomann

ist in der Fachabteilung 10A – Agrarrecht und ländliche

entwicklung – seit vielen Jahren als Förderungsreferent

im Gebiet Obersteiermark unterwegs.

„Die heutigen JungübernehmerInnen

sehen sich auch

als JungunternehmerInnen,

als Selbständige, die sich die

Ressourcen selbst einteilen

können und müssen.“

Wie wichtig und sinnvoll sind finanzielle

unterstützungen?

Sehr sinnvoll, wobei man noch spezialisieren

könnte und gewisse Feinheiten

besser fördern sollte, z.B. Dinge,

die Arbeitserleichterung bringen.

Dennoch, die Förderung ist immer

nur ein Anreiz. Ein wenig besteht die

Gefahr natürlich auch darin, dass

durch Förderungen zu leichtfertig investiert

wird.

Wie komme ich zu einer Förderung

als JungübernehmerIn, was muss ich

beachten?

Als Erstes mit der zuständigen Bezirkskammer

für Land­ und Forstwirtschaft,

mit dem Allgemeinberater

Kontakt aufnehmen. Formulare, Informationen

etc. liegen dort auf.

Gleichzeitig kann man auch das Betriebskonzept

vorbereiten. Wenn alle

Voraussetzungen für einen Antrag

vorliegen, wird dieser in die zuständige

Fachabteilung der FA 10A zur Bewilligung

übermittelt. Nach Prüfung

wird das Geld angewiesen. Nach drei

Jahren wird von den zuständigen Referenten

der Fachabteilung die Zielerreichung

des Betriebskonzeptes geprüft.

Wie sieht es aktuell aus?

Seit Beginn der Förderungsperiode

2007­2013 wurden über die Niederlassung

über 700 Anträge aufgenommen

und über 600 ausbezahlt, der

restliche Teil ist in Bearbeitung bzw.

mussten Anträge abgelehnt werden,

bzw. sind weitere in Evidenz, da die

Facharbeiterausbildung noch nicht

erbracht wurde. 20 Prozent der Hofübernehmer

sind Frauen.

| 27 |


Betriebe

Die Anschrift Gaalgraben verwundert,

liegt doch der Betrieb auf 1215 m Seehöhe,

einer der höchstgelegenen Betriebe

des Bezirkes, wie ich später erfahre. Grüne,

saftige Wiesen, frische Luft, sehr viel

Wald und ein gepflegtes Anwesen – einfach

idyllisch – sticht mir bei meiner

Fahrt zum Betrieb sofort ins Auge. „Griaß

enk, ihr seid da wegen der Förderungen,

die Schwiegertochter ist gleich fertig“,

empfängt uns (Kollege Ing. Tomann und

mich) Frau Katharina Mühlthaler gemeinsam

mit ihrer zehnjährigen Enkelin

Sabrina. Gleichzeitig räumt sie Teppiche

und Abzäunungen weg, „wegen der Fotos“,

wie sie sagt. „Schaut´s da runter, wer

würde das noch mähen, wir müssen das

machen, weil da geht ja der Wanderweg

zur unserer Jausenstation vorbei, wie

würde das wohl ausschauen, wenn das

nicht gemäht wird?!“, zeigt sie über die

steile Böschung hinunter, wo ihr Mann

die steile Leit´n mäht. Der achtjährige

Enkelsohn Stefan ist immer an Opas Seite.

Bis vor kurzem hat Karl Mühlthaler

noch alles mit der Sense gemäht, jetzt

aber nutzt er dort wo es möglich ist den

Motormäher. Der Betrieb ist ein Grünlandbetrieb

der ehemaligen Bergbauern­

Betriebsporträts zusammengestellt von Dipl.-Ing. Anita mogg

Familie Mühlthaler – dynamisches

Gespann in einer heilen Welt

Weit drinnen in der Gaal, vorbei am „Käfermuseum“, genauer gesagt im Gaalgraben liegt

der Betrieb von Monika und Bruno Mühlthaler, vulgo Steinwender.

„Natürlich muss man Liebe

zur Arbeit haben, und

Bauer sein ist Beruf und

Berufung zugleich.“

zone drei. Neun Hektar Grünland und einige

Hektar an Pachtfläche sowie acht

Hektar Wald werden bewirtschaftet. Neun

Milchkühe der insgesamt 25 Stück Rinder

sind für den milchverarbeitenden Betrieb

eine bedeutende Einnahmequelle.

Prämierter Steirerkäs

Die Schwiegertochter ist nun fertig – was

heißt, sie hat bereits die Stallarbeit erledigt.

Eine große, quirlige Frau empfängt

uns, deren dunkle Augen strahlen.

„Kommts mit rein, ich zeig euch die Käserei.“

Monika Mühlthaler führt seit

sechs Jahren den Betrieb, übernommen

hat die 30­Jährige gemeinsam mit ihrem

Gatten Bruno heuer im Mai. Monika

strahlt Ruhe und Zufriedenheit aus und

ist besonders stolz auf die Gold­Prämierung

für ihren Steirerkäs und auf die

Bronze­Auszeichnung für den Hüttenkäs

im Rahmen der steiermarkweiten Käse­

Thema 2/09 : Heile Welt Ländliche Entwicklung – Projekte

| 28 |

Familie mühlthaler:

Bruno, monika, sabrina,

stefan, Karl, Katharina vor

der Jausenstation

prämierung. Monika ist gelernte Köchin

und hat sich auf die Käseerzeugung spezialisiert

– mit großem Erfolg mitten in

der Heimat der „Genussregion Murtaler

Steirerkäs“. Vermarktet werden die über

sieben Käsesorten über die Jausenstation

und über Kunden, die sich den Käse direkt

am Betrieb holen. Ein Tipp von Monika:

Probieren Sie einmal eine Pizza mit

Speck belegt und darüber Steirerkäs –

köstlich!

Auf meine provokante Frage, warum sie

sich das antun, der Betrieb in dieser

Hanglage und vor allem die viele Arbeit,

kommt von Monika und Bruno prompt

die Antwort: „Wir sind unsere eigenen

Herren, natürlich muss man Liebe zur Arbeit

haben, und Bauer sein ist Beruf und

Berufung zugleich.“ Monika verrät uns,

dass sie selbst von einem großen Milchviehbetrieb

aus Thalheim bei Judenburg

stammt und als Kind nie Bäuerin werden

wollte, denn „immer wenn Schönwetter

war, mussten wir Heu arbeiten, und ich

wollte halt auch lieber ins Schwimmbad

gehen“. Diese Einstellung hat sich grundlegend

geändert. „Heute ist die Jobsituation

sehr schwierig, ich kann bei den Kindern

daheim sein und hab weniger Stress


– und in der wirtschaftlichen Situation

heutzutage – wir haben halt noch, was

daheim.“ Die 10­jährige Tochter Sabrina

überlegt noch was sie später einmal werden

möchte: „Vielleicht auch Bäuerin –

denn schön ist das schon.“

Bruno arbeitet bei der Eisenbahn, kann

sich den Nebenerwerb je nach Arbeitsspitzen

zuhause gut einteilen. Familie

Mühlthaler sen. und Familie Mühlthaler

jun. führen einen eigenen Haushalt, was

nicht heißen soll, dass auch die Arbeit

strikt getrennt wird, denn „da helfen alle

mit, sonst würde das nicht funktionieren.“

Vielleicht ist dies auch das Geheimnis

der guten Stimmung und des konfliktfreien

Zusammenlebens von „Jung und

Alt“. Urlaub macht Familie Mühlthaler

nicht, denn „das brauchen wir nicht –

noch nicht“, sagt Monika, „die Kinder

fah ren zwar mit meinen Eltern gerne mal

in die Therme nach Bad Waltersdorf, aber

sonst wandern wir halt auf den Ringkogel,

unseren Hausberg oder auf die Alm.“

Auch bei Vereinen ist Monika nicht, nur

beim Bauernbund engagiert sie sich. Sie

war einmal bei einem Verein, „aber die

sind dann abends in die Therme gefahren,

wo ich in den Stall gehen muss

– und das geht halt nicht.“

Auf die Förderungen angesprochen, meinen

die Betriebsführer: „Förderungen

hören wir nicht so gern, weil das, was wir

bekommen, ist ja eigentlich eine Abgeltung

für die schwierige Erzeugung unseres

Produktes.“ Wahrlich, da gibt es

meinerseits nichts zu ergänzen. „Es ist

schon gut, dass es die Zahlungen gibt,

weil ich sehe das als – Luxus, dass du dir

was leisten kannst.“ Als hauswirtschaftliche

Facharbeiterin hat Monika die Voraussetzung

für die Niederlassungsprämie

vollständig erfüllt. Von der Landwirtschaftskammer

und auch von der Landwirtschaftsabteilung

des Landes werden

sie gut beraten. Die Kombination mit

Niederlassungsprämie und weiteren

Maßnahmen wird üblicherweise in Anspruch

genommen. Im Herbst steht die

Investition eines Laufstalles an. Die

Mühlthalers haben ständig darauf geachtet

zu investieren, und Bruno hat damals,

als sie die Betriebsführung übernommen

haben, alle Maschinen auf den neuesten

Stand gebracht. „Man muss investieren“,

ist Bruno überzeugt, und mein Kollege

Ing. Tomann nutzt die Gelegenheit gleich

und berät die Familie in Richtung Investitionsförderung.

Weitere Investitionen

in Güllegrube, Mistplatz, Einbau eines

Hallenkrans und in weiterer Zukunft

Hausumbau sind nämlich schon in Planung.

Gemütliche Jausenstation

Abschließend führt uns die Familie zur

Jausenstation, die wenige Meter hinter

dem Betrieb an einer Wanderroute liegt

und 2007 eröffnet wurde. 2008 wurde ergänzend

ein Direktvermarktungsraum

dazugebaut. Hier ist der Schwiegervater

Karl Mühlthaler in seinem Element und

erklärt uns anhand einer Fotodokumentation:

„1992 haben wir diese Hütte in Ingering,

sie stammt aus dem Jahr 1893, abgebaut

und hier wieder mühsam aufgebaut.“

Von Juli bis September ist die Hütte

geöffnet. Jedes Jahr kommt eine Familie

aus Leibnitz, die selbst einen Buschenschank

führt zu Besuch, weil es hier einfach

so gemütlich ist.

Seit heuer ist der Betrieb auch ein Biobetrieb,

Milch wird neben der Käseerzeugung

auch für das Projekt „Zurück zum

Ursprung“ geliefert.

Frau Mühlthaler sen. ist die Schwester

der sehr engagierten Bezirksbäuerin, und

deshalb ist sie auch immer wieder mal

mit ihr für Produktpräsentationen des

Murtaler Steirerkäses in der Steiermark

unterwegs. Zu den Produktrepräsentantinnen,

wie Königinnen und Prinzessinnen,

hat Bruno übrigens seine eigene

Meinung: „Was hilft a Weiberleit, wenn

sie fesch ist und nichts weiß!“ und sieht

dabei verstohlen seine Frau Monika an,

glücklich, weil er eine fesche, tüchtige

und gescheite Frau an seiner Seite weiß.

Wissenswertes …

Der Murtaler Steirererkäs

ist ein schnittfester Kochkäse, der ursprünglich

von den Bauern für den eigenbedarf

produziert wurde. Dieser Käsetyp

wird aus gereiftem magertopfen

hergestellt, dem Gewürze (Kümmel, pfeffer),

Kochsalz, schmelzkäse und milch zugefügt

werden. Dadurch erhält der murtaler

steirerkäs seinen typisch herzhaftwürzigen

Geschmack, oft wird er noch

durch Butter verfeinert.

Rezept

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Wir verabschieden uns mit einem „Auf

Wiedersehen!“ bis spätestens Herbst,

denn die „Jungen“ sind ständig am Investieren,

und da ist mein Kollege als Förderungsreferent

sicher wieder gefragt.

Murtaler Steirerkäs

im Speckmantel

(als Vorspeise gedacht)

Zutaten: murtaler steirerkäs,

magerer Bauchspeck.

Den murtaler steirerkäs in Würfel

schneiden (4 x 4 cm, 2–2,5 cm stark)

und in speck einschlagen. Die eingeschlagenen

steirerkäswürfel im rohr

bei 100 °C anbraten, bis der speck

knusprig ist und der Käse rinnt. Den

steirerkäse im speckmantel garnieren

(mit petersilie) und sofort servieren.


Betriebe

Gernot Geweßler –

Mit Leib und Seele Bauer

Dort, wo Gernot Geweßler vulgo Vasold wohnt und wirtschaftet, machen andere Urlaub,

nämlich in der wunderschönen Gegend des Ausseerlandes vor der Kulisse der „schönen

Seite“ des Grimmings in Bad Mitterndorf.

Er sei dennoch ein „Hinterberger“, betont

Gernot, „vom Einschlag her Ausseer, aber

sonst ein Hinterberger.“

Mit seinen Eltern Dagmar und Ferdinand

bewirtschaftet der Jungübernehmer rund

30 Hektar Grünland und im Stall bzw. auf

der Alm sind 35 Stück Vieh. Gernot hat

einen neuen Laufstall gebaut, der es nun

zuließe, auf 45 Stück aufzustocken und

auch flächenmäßig könnte er dann noch

erweitern.

„Gernot ist mit Liebe und Freude, mit

Leib und Seele Bauer, er wollte schon immer

Bauer werden, da gab es gar nie eine

andere Überlegung“, erzählt seine Mutter

Dagmar. Auch seine beiden Schwestern

hätten gerne den Betrieb übernommen.

Auf meine Frage, ob das nicht ungewöhnlich

sei, dass gleich alle drei Kinder übernehmen

möchten, antwortet Gernot:

„Wir sind mit der Landwirtschaft groß geworden

und du bist dein eigener Herr,

Gernot mit Roxy, Regen, Marbelle …

das lernst du erst schätzen, wenn du mal

in einem Betrieb gearbeitet hast, wo du

dir nichts einteilen kannst, weil du halt

von sieben bis fünf Uhr nachmittags arbeiten

musst.“ Dagmar ergänzt, dass ihr

und ihrem Mann neben der vielen Arbeit

auch die Zeit mit den Kindern immer

sehr wichtig war: „Wir sind dann halt,

wenn es die Arbeit zugelassen hat, mal

mitten in der Woche auf die Alm und haben

auf der Hütte übernachtet, oder wir

haben am Abend die Radeln gepackt und

haben eine Tour gemacht.“ Wenn die

Schwestern gebraucht werden sind sie jederzeit

und gerne zur Stelle.

Ein weiteres Standbein hat Gernot, indem

er als Selbständiger den Winter­

Thema 2/09 : Heile Welt Ländliche Entwicklung – Projekte

Betriebsporträts zusammengestellt von Dipl.-Ing. Anita mogg | 30 |

dienst versieht. Buchhalterisch wird

streng getrennt, denn es ist ihm sehr

wichtig, zu wissen, was der Betrieb Landwirtschaft

und der Betrieb Schneeräumung

einbringen. Auch die EU­Entgeltzahlungen

sind eine wichtige Einnahme

„ … egal welcher Beruf, ob Landwirt oder Handwerker:

jeder, der etwas gerne tut, soll es machen.“

für die Landwirtschaft, weil „über das

Grundprodukt nicht mehr der Preis erzielt

werden kann, um sich beispielsweise

einen Stall zu „leisten“. Für mich

drängt sich hier die Frage auf, was der

28­jährige Gernot einem/r zukünftigen

ÜbernehmerIn raten würde. „Zuerst

musst du gut hinterfragen, ob der Betrieb

lebensfähig ist, aber ansonsten würde ich

sagen: egal welcher Beruf, ob Landwirt

oder Handwerker, jeder, der etwas gerne


tut, soll es machen. Die Ausbildung sei

wichtig, mindestens die Grundausbildung,

aber: „Es hilft dir die beste Ausbildung

nichts, wenn die Liebe zur Natur

nicht gegeben ist.“ Wichtig ist die ständige

Weiterbildung: Kurse, Informationen,

Internet. „Wenn du dich nicht weiterbildest,

bist hintenan, in einer Firma

wirst du zu Kursen geschickt, als Selbständiger

bist du selbst gefordert.“ Gernot

wird im kommenden Herbst die Meisterausbildung

ins Auge fassen.

Gernot ist auch davon überzeugt, dass

Lebenspartner an einem Strang ziehen

müssen, auch ihm ist es wichtig, dass die

zukünftige Partnerin mit ihm in eine

Richtung zieht.

Großfamilie

Beim Frühstück wird besprochen, was am

Programm steht: „Was steht an?“

Drängt sich wiederum für mich das Stichwort

Großfamilie auf. Mehrere Generationen

in der Landwirtschaft unter einem

Dach, getrennte Wohneinheiten versteht

sich, seien normal. „Die Vorteile sind,

dass immer wer da ist, gerade dann, wenn

kleine Kinder am Hof sind. Aber auch das

Konfliktpotenzial ist größer. Erstens reden

viele Leute mit und zweitens hat ein

80­Jähriger andere Ansichten als ein

20­Jähriger.“

Die Eltern von Gernot tragen die Landwirtschaft

voll und ganz mit. Beim Frühstück

gibt es mit Vater Ferdinand eine sogenannte

„Programmbesprechung“. Was

steht an? Was möglich ist, wird maschinell

erledigt, Heuarbeit ist heutzutage,

die passende Witterung vorausgesetzt,

eine Arbeit von ein paar Tagen. Dagmar

erledigt den Haushalt und hilft im Stall.

„Ich bin selbst nicht aus der Landwirtschaft

gekommen, sondern aus der Buchhaltung,

aber ich würde es wieder tun.

Die Arbeit im Stall ist schön, wenn ich hineinkomme,

kommen die Viecher schon

her, ich hab Freude mit den Tieren und

umgekehrt haben sie Freude mit mir.

Viele verschwenden die Zeit damit, alles

„krankzusudern“ – aber ich kann mir die

Arbeit selbst einteilen.“

Zum bereits erwähnten Stallneubau erklärt

Gernot: „Unser Stall war schon sehr

alt, die Standlänge hat nicht mehr gepasst

und ich hab mich gefragt: soll ich

bis 2011 noch ,umihadern‘ oder springst

ins kalte Wasser? Wir haben fünf bis sechs

Jahre vor dem Stallbau zu planen begonnen

und uns viel angeschaut. Schließlich

ist es mein Arbeitsplatz, da müssen sich

nicht nur die Tiere wohl fühlen, sondern

auch ich. Ich habe mir auch nichts einreden

lassen.“ Die Förderungsberatung

durch die Landwirtschaftskammer war

wichtig, um effizient zu bauen. Da sich

Herr Geweßler im Gespräch bestens bei

meinem Kollegen Ing. Tomann für die

unkomplizierte Abwicklung bedankt,

lässt den Schluss zu, dass auch die zuständige

Fachabteilung – Agrarrecht und

ländliche Entwicklung – unbürokratische

Arbeit geleistet hat.

Arbeitsplatz Bauernhof

Der Arbeitsplatz Bauernhof gewinnt angesichts

der schwierigen wirtschaftlichen

Situation immer mehr an Bedeutung, ist

Gernot überzeugt. Was derzeit mit den

Lebensmitteln aufgeführt wird, könnte

auch eine Chance für die Bauern sein.

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Analogkäse, wer braucht denn das? Die

Kunden möchten wissen, was drinnen ist

und wo es herkommt, ist auch Mutter

Dagmar überzeugt.

Später im Stall erklärt uns Gernot, dass

es ihm ganz wichtig sei, alles über die

Kühe zu wissen, welche Leistung sie bringen,

wann sie kalben und so weiter.

Schließlich arbeite er nicht mit Maschinen,

sondern mit Lebewesen, und „man

kriegt von den Tieren alles zurück“,

spricht er auf Roxy, Reika, Regen, Maria,

Stella, Marbelle, Resl usw. an. Selbstverständlich

kennt er sie alle namentlich.

Gernot engagiert sich bei der Feuerwehr

und bei der Landjugend, Urlaub im klassischen

Sinne braucht auch er nicht. Viel

lieber geht er auf die Alm, dem Erholungsbiotop

für Mensch und Tier, wie

eingangs schon erwähnt. Dort, wo andere

Urlaub machen.

Abschließend komme ich zum Thema

Heile Welt“ zu der Erkenntnis, dass es

wirklich immer nur auf die richtige Perspektive

ankommt … oder?

DI Herwig Stocker,

Kammersekretär

der Bezirkskammer für

Land- und Forstwirtschaft

Liezen

„Bei der Hofübernahme sollte unbedingt

das Gemeinsame im Vordergrund stehen.

Wird offen miteinander geredet und hat

der Bauer, die Bäuerin eine positive Einstellung

zur Land- und Forstwirtschaft, so

wird der Betrieb erfolgreich weitergeführt

werden können.“


Facharbeiterbrief

Für all jene, welche nicht über die land- und forstwirtschaftliche schulausbildung bzw. über eine Lehre den Facharbeiter erlangen,

bietet die Lehrlingsausbildungsstelle im zweiten Bildungsweg folgendes Angebot:

Ein Auszug aus der Broschüre der Landwirtschaftskammer Steiermark:

Lehrlings- und Fachausbildungsstelle bei der Landwirtschaftskammer für Land- und Forstwirtschaft Steiermark

Facharbeiterkurs –

Facharbeiterbrief

Dieses Kursangebot richtet sich an alle,

die durch Heirat, Berufswechsel o. Ä.

über keine landwirtschaftliche Ausbildung

verfügen und trotzdem in der

Landwirtschaft haupt- oder nebenberuflich

tätig sind.

Zudem ist der Facharbeiterbrief eine

Voraussetzung für den erhalt der Niederlassungsprämie.

Prüfungsgegenstände:

• pflanzenbau

• Tierhaltung

• Landtechnik/Baukunde

und Arbeitssicherheit

• Betriebswirtschaft und Buchhaltung

• politische Bildung

(rechtliche Grundlagen)

• schriftverkehr

(Hausarbeit: Die Haus arbeit muss

nach den ersten drei Kurswochen

abgegeben werden)

Die Kursdauer beträgt 5 Wochen bzw.

200 unterrichtseinheiten

es besteht eine Anwesenheitspflicht von

mind. 80 % der unterrichtsstunden.

Facharbeiterprüfung:

Nach erfolgreich absolviertem Vorbereitungslehrgang

und nach erfüllung der

einstiegsvoraussetzungen kann man zur

Facharbeiterprüfung antreten. Die prüfungen

werden in schriftlicher und

mündlicher Form abgenommen.

Zusätzliche Qualifikation:

mit dem Facharbeiterbrief erhalten sie

die Bestätigung für die Ausstellung des

Befähigungsnachweises für Tiertransport

bei der jeweiligen Bezirkshauptmannschaft.

Anmeldung:

Gerne nimmt unser Büro mo.–Fr. von

8.00 bis 12.00 uhr Anmeldungen für den

laufenden Kurswinter entgegen.

persönliche Bildungsberatung ist nur mit

Voranmeldung und Terminvereinbarung

möglich.

Die Anmeldung muss vor Kursbeginn in

der Lehrlingsstelle einlangen. Die Kursplätze

werden in der reihenfolge der

eingelangten Kursanmeldungen vergeben.

Lehrlings- und

Fachausbildungsstelle Steiermark

Hamerlinggasse 3, 8010 Graz

e-mail: lfa@lk-stmk.at

www.lehrlingsstelle.at

Fax: 0316 / 8050-1517

Mag. Franz Griesser

Geschäftsführer

Tel. 0316 / 8050-1308

Brigitte Tischler

sekretariat, Facharbeiterausbildung

und Lehrlingswesen

Tel. 0316 / 8050-1307

Voraussichtliche Kurstermine

und Kursorte für den Kurs winter

2009/10:

Landwirtschaft:

Ennstal, HBLFA Raumberg-

Gumpenstein

Tageskurs (mo–sa: 8–17 uhr)

19. 10. – 07. 11. 2009 u. 16. 11.–27. 11. 2009

Graz, Bildungszentrum raiffeisenhof

Thema 2/09 : Heile Welt Ländliche Entwicklung – Projekte

Tageskurs (mo–sa: 8– 17 uhr)

25. 11.–18. 12. 2009 und 11. 1.–22. 1. 2010

Abend- und Wochenendkurs

9. 1.– 24. 4. 2010

(Abendeinheiten und samstage)

Oststeiermark, LFS Kirchberg

Tageskurs (mo–sa: 8– 17 uhr)

9. 11.–28. 11. 2009 und 7. 12.–19. 12. 2009

Bezirkskammer Murau

Tageskurs (mo–sa: 8– 17 uhr)

18. 1.–6. 2. 2010 und 15. 2.–26. 2. 2010

Obersteiermark, LFS Hafendorf

Abendkurs (3x wöchentlich von mo–Do)

2. 10.–18. 12. 2009 und 11. 1.–26. 2. 2010

Facharbeiterkurse

in anderen Sparten:

| 32 |

Imkerei:

Imkerschule Graz

Tageskurs

16.11. – 20.11. 2009

Obstbau:

FS Gleisdorf

Tageskurs (mo–sa: 8–17 uhr)

16. 11.– 5. 12. 2009 und 18. 1.–29. 1. 2010

Biomasse:

Tageskurs

Herbst 2009, Termine nach Absprache

Laufende Anmeldungen möglich


Bearbeitungsgebiete – Ländliche Entwicklung 2007 – 2013

Liezen

murau

Judenburg

Bewilligungsstelle:

Amt der steiermärkischen

Landesregierung

Fachabteilung 10A,

Agrarrecht und ländliche entwicklung

Krottendorferstraße 94

A-8052 Graz-Wetzelsdorf

Tel. 0316 / 877 (+ referenten-DW)

Fax 0316 / 877 / 6900

www.agrar.steiermark.at

Für die fachliche prüfung des Antrages

(Bewilligung) und nach 3 Jahren für die

prüfung Betriebskonzept

referent DW

DI reinhold stern;

referatsleiter

6972

Ing. martin Tomann 6996

Franz schrottner 6911

Ing. Helmut Widowitsch 6985

Ing. Friedbert

Feichtenhofer

6911

Friedrich Holzer 6979

DI Johann Klug 6978

Leoben

Knittelfeld

Agrarmarkt Austria

Dresdner Straße 70

A-1200 Wien

www.ama.at

DVR: 0719838

Förderungswerber(in) (bitte ankreuzen �)

natürliche Person Geb. Datum:

Ehegemeinschaft Geb. Datum Gattin:

Geb. Datum Gatte:

juristische Person / Personengemeinschaft

Gesellschaftsform Gemeindekennzahl, Gemeinde

Vertretungsbefugte(r) (bei jur. Person, Gebietskörpersch.), Geburtsdatum Hausname (vulgo)

Zuname(n), Vorname(n), Titel, Unternehmensbezeichnung Betriebsanschrift: Ortschaft, Straße, Hausnummer

Zustelladresse: Ortschaft, Straße, Hausnummer Postleitzahl, Postort

Postleitzahl, Postort Bankleitzahl

Telefonnummer Faxnummer Bankinstitut

Gebietskörperschaftsanteil in %

E-Mailadresse Namenskontonummer

Name d. Unterschriftsberechtigten

Förderungswerber(in) ist vorsteuerabzugsberechtigt: ja nein

112 - Niederlassungsprämie - Seite 2

Maßnahme:

Voitsberg

Code

Detail-Code *)

Antrag auf Fördermittel

zur Förderung eines Vorhabens entsprechend

den "sonstigen Maßnahmen" des Österreichischen Programms

für die Entwicklung des Ländlichen Raumes 2007 - 2013

Maßnahmenbezeichnung

Betriebsnummer/

Klientennummer:

Maßnahmenbezeichnung *) *) ggf. nur bei Code 411, 412 oder 413 erforderlich

Daten zum Junglandwirt/zur Junglandwirtin Partner (nur bei Ehe- und Lebensgemeinschaften)

Bei Ehe-/Personengemeinschaft: Nachname

Name, Vorname d.Person, die Hofübernehmerstatus entspr. Vorname

Titel

Datum der Hofübernahme* Geburtsdatum männlich weiblich

Bezeichnung des Vorhabens

*entspricht Datum zu dem Eigentum und Wirtschaftsrecht übergegangen sind Bewirtschaftung eines eigenen lw. Betriebes: ja nein

(Zutreffendes ankreuzen)

Adresse der Einreichstelle

Eingangsstempel Einreichstelle

Eingangsnummer (durch Einreichsstelle zu vergeben):

Eingangsstempel Bewilligungsst.

| 33 |

Antragsnummer (durch Bewilligungsstelle zu vergeben):

Betriebsübernahme durch wenn ja, Hauptbetriebsnummer:

Übernahme Neugründung Außerlandw. Tätigkeit (Zutreffendes ankreuzen) ja nein

Kauf Teilnahme an neuer Betriebskooperation unselbständig außerlw. Tätigkeit Betriebsführer

Pacht Erwerb durch sonstige Übernahme

selbständig außerlw. Tätigkeit Betriebsführer

Erbschaft unselbständig außerlw. Tätigkeit Partner

Berufliche Qualifikation (Zutreffendes ankreuzen) selbständig außerlw. Tätigkeit Partner

geeignete lw+fw Facharbeiterprüfung (FA) vorhanden Altersstrukturen (zum Zeitpunkt der Hofübernahme, wenn zutreffend)

FA wird innerhalb von 2 Jahren ab Hofübernahme nachgereicht

Geburtsjahr Übergeber Geburtsjahr Übergeber-Partner

geeignete Meisterprüfung (MP) (lw, fw, hw,...) Weitere Daten für das Betriebskonzept

geeignete gleichwertige höhere Ausbildung oder Universität

Alle für das Betriebskonzept erforderlichen Angaben sind - sofern sie nicht bereits aus anderen

MP oder entsprechende einschlägige höhere Qualifikation wird

Förderungen der Zahlstelle bekannt sind - vom/von der Förderungswerber/In nach Auftrag der

innerhalb von 3 Jahren ab Hofübernahme nachgereicht

Bewilligenden Stelle nachzubringen.

Betriebsdaten Beilagen

liegt bei wird nachgereicht

bewirtschaftete landwirtschaftliche Nutzfläche ha Verpflichtungserklärung (ist dem Antrag verpflichtend beizulegen)

Arbeitskräfte am Betrieb Vertrag betreffend Übergabe, Kauf, Einantwortung, ....

Haltung von mindestens 2 GVE ja nein Qualifikationsnachweis

Produktionsart (Zutreffendes ankreuzen) Betriebskonzept

Milchwirtschaft Ackerbau Einkommensnachweise (wenn zutreffend)

Rinderzucht und -mast Weinbau Einheitswertbescheid bzw. Zuschlag (wenn zutreffend)

Schweine Gartenbau

Geflügel Obstbau

andere Arten von Viehhaltung Bienenhaltung

lw+fw Betrieb gemischt sonst. Betrieb

Bruck/mur

GB Frohnleiten

Graz +

umgebung

Deutschlandsberg

FörderungswerberIn: Zuname, Vorname, Unternehmensbezeichnung

mürzzuschlag

GB Graz-Ost

Leibnitz

Weiz

Betriebs-, Klientennummer

Zahlungsantrag: Vorbehaltlich der Bewilligung ersuche ich gleichzeitig um Auszahlung des

entsprechenden Förderbetrages.

Ich (Wir) stelle(n) den Antrag zur Förderung gemäß der bezughabenden Sonderrichtlinie betreffend die Umsetzung "sonstiger Maßnahmen" der ländlichen Entwicklung gemäß Verordnung (EG) Nr.:

1698/2005 in Österreich. Die Abgabe und Entgegennahme dieses Förderungsantrages stellt keine Bewilligung dar und es wird damit kein Anspruch auf Förderung begründet.

Datum, Ort Unterschrift

Hartberg

Fürstenfeld

Feldbach

radkersburg


Forstwirtschaft

Schäden im Wald

verursacht durch Naturkatastrophen und Insekten

„paula“ hat gewütet …

Der steirische Wald mit 1,002 Mill. Hektar

bzw. 61,2 % der Landesfläche ist das prägende

Landschaftselement der Steiermark.

Er wurde in den letzten Jahren

durch zahlreiche Naturkatastrophen in

Mitleidenschaft gezogen. Alleine seit der

Jahrtausendwende waren dies 2002

Sturm Uschi – mit 2 Mill. Festmeter Windwurf,

2007 Sturm Kyrill – 1,7 Mill. Festmeter

Windwurf und 700.000 Festmeter

Schneebruch, 2008 Stürme Paula und

Emma – 5 Mill. Festmeter Windwurf,

300.000 Festmeter Schneebruch. Die Borkenkäferschäden

erreichten erst 1 bis 2

Jahre nach derartigen Katastrophen ihren

Höhepunkt und stiegen von rund 400.000

Festmeter (2003) auf 800.000 (2006) an,

fielen auf 350.000 (2008) zurück und steigen

heuer wieder an.

Neben den Entschädigungen aus dem

Katastrophenfonds sind es vor allem Mit­

tel aus der Ländlichen Entwicklung, die

für Forstschutzmaßnahmen, Wiederaufforstung

nach Katastrophen, aber auch

für die Errichtung von Forststraßen und

Nasslager eingesetzt werden.

Artenvielfalt

In Anbetracht der sich immer häufiger

wiederholenden Elementarereignissen,

wie Sturmkatastrophen, Lawinenabgänge,

Überschwemmungen und Insektenkalamitäten

wird es in Hinkunft besonders

wichtig sein, die Artenvielfalt zu erhalten

bzw. zu verbessern. Ein wesentlicher

Beitrag kann in den nächsten Jahren

bei der Wiederbewaldung der Windwurfflächen

bzw. der Kahlschläge nach

Borkenkäferbefall durch eine standortgemäße

Aufforstung mit allen tauglichen

Mischbaumarten geleistet werden. Natürlich

sind im Anschluss an die Auffors­

Der Wildstand muss an die Tragfähigkeit des Lebensraumes angepasst sein.

Thema 2/09 : Heile Welt Ländliche Entwicklung – Projekte

rFD Hr DI Dr. Josef Kalhs

Leiter der Fachabteilung 10C –

Forstwesen (Forstdirektion)

| 34 |

tung auch die entsprechenden Pflege,

und allenfalls auch Schutzmaßnahmen

für die Mischbaumarten notwendig. Die

Förderung wird bei diesen Aufforstungen

nur bei Verwendung von vorgegebenen

Mischbaumarten erfolgen können.

Ökologisches Gleichgewicht

Durch überhöhte Wildbestände wird die

Verjüngung des vielfach überalterten

Schutzwaldes – der auch von Sturmschäden

und den Borkenkäfern, die nunmehr

bis an die Waldgrenze vordringen, nicht

verschont wird – sehr erschwert oder

überhaupt unmöglich gemacht. Die Anpassung

des Wildstandes an die Tragfähigkeit

des Lebensraumes erleichtert die

Erneuerung des Schutzwaldes als standortsangepassten

Mischwald, wodurch

die Stabilität des Waldes entscheidend

verbessert wird. Damit wird auch ein lebenswichtiger

Mehrwert erzielt, weil die

fast unbezahlbare Schutzwirkung des

Bergwaldes zum Tragen kommt. Fast

ebenso wichtig ist in den südlichen Teilen

der Steiermark ein entsprechender

Mischwald – vorwiegend aus Laubbäumen

–, weil dieser den laufenden Klimaänderungen

besser gewachsen ist und

die rutschanfälligen Hänge stabilisiert.

Unter diesen Aspekten kommt dem sehr

weisen und verantwortungsbewussten

§ 1 Abs. 3 Stmk. Jagdgesetz, wonach im

Widerstreit mit jagdlichen Interessen

unter grundsätzlicher Wahrung des Lebensrechtes

des Wildes den Interessen

der Land- und Forstwirtschaft nach

Maßgabe der Bestimmungen dieses

Jagdgesetzes der Vorrang zukommt, besondere

Bedeutung zu. Dieser Grundsatz

sollte von den Jägern – ob Grundbesitzer

oder Pächter – stärker als bisher

beachtet und umgesetzt werden.


OFr DI Heinz Lick, referatsleiter für Forst – umweltschutz – Jagd, FA 10C | 35 |

Borkenkäfersituation

und Forstschutzförderung

Borkenkäfer haben im Jahr 2007 in der Steiermark ca. 400.000 Bäume zum Absterben

gebracht. Dies bedeutet nach 2006, wo ca. 700.000 Bäume befallen wurden, die zweitgrößte

Schadholzmenge. 2008 sind ca. 300.000 Bäume durch Borkenkäfer abgestorben.

Waren in den 90er­Jahren vorwiegend

Gebiete außerhalb des natürlichen Verbreitungsgebietes

von Fichte betroffen,

so liegen nunmehr seit 2003 die Schadensflächen

zu einem großen Teil in den

Gebirgsregionen.

Hier kommt die Fichte von Natur aus vor

und schützt in vielen Regionen die Hänge

vor Abschwemmung oder Straßen,

Bahn und Siedlungen vor Lawinen, Steinschlag

und Murenabgängen. Die meisten

Bäume sind 2008 in den Bezirken Liezen,

Mürzzuschlag und Graz­Umgebung abgestorben.

Die klimatischen Rahmenbedingungen

mit durchschnittlich 2–4 Grad

wärmeren Temperaturen von April bis

Oktober haben die Entwicklung der Borkenkäfer

auch in Gebieten über 1000 m

Seehöhe begünstigt. Es herrschen damit

für Borkenkäfer Bedingungen, wie sie

früher nur in Tieflagen vorhanden waren.

Borkenkäferbefall kommt nunmehr bis

in Seehöhen von 1800 m vor. Durch

Stürme und Schneebruch sind seit 2002

(Orkan „Uschi“) in den Gebirgstälern der

Steiermark große Schadholzmengen angefallen.

Mangelndes Problembewusstsein

und zu langsame und sorglose Auf­

arbeitung durch die Waldbesitzer führten

in manchen Talschaften in der Folge bis

zum 5­Fachen der ursprünglichen Schadholzmenge

durch Borkenkäfer und Folgewürfe.

Schwierige Erntebedingungen

erschweren zusätzlich die Bekämpfung

der Borkenkäfer im Gebirge.

Zunehmend müssen nun hohe Summen

aus öffentlichen Geldmitteln in Projekte

zur Wiederherstellung der Schutzwirkung

von Wäldern investiert werden.

Obenstehendes Foto zeigt, wie in einem

obersteirischen Gebirgstal aus einer

10 ha großen Windwurffläche im Jahr

2002 durch einen Borkenkäferbefall des

angrenzenden Bestandes nunmehr eine

70 ha goße Kahlfläche enstanden ist.

Die Stürme „Paula“ und „Emma“ haben

in der Steiermark 2008 mit rd. 5 Millionen

Festmetern zum seit vielen Jahrzehnten

höchs ten Schadholzanfall geführt. In der

Folge dieser Ereignisse gilt es, einer drohenden

Massenvermehrung von Borkenkäfern

durch intensive Kontrollen und

größte Waldhygiene vorzubeugen.

Neben einem strengen Vollzug des Forstgesetzes

und intensiven Kontrollen durch

den Landesforstdienst unterstützt das

Land Steiermark die Waldbesitzer bei

nachfolgenden Maßnahmen zur Eindämmung

der Borkenkäfermassenvermehrung:

z Borkenkäferüberwachungsorgane

zur Unterstützung der Waldbesitzer

für zusätzliche Kontrolltätigkeiten

z Forstschutzgerechte Aufräumungs­

arbeiten im Wirtschafts­ und Schutzwald

(Flächensäuberung)

z Hackereinsatz zur Beseitigung von

Schlagrücklass

z Entrindung von Baumstämmen

z Spritzmitteleinsatz

z Fangbaumvorlage im Frühjahr

z Fangknüppelfallen

z Borkenkäfermonitoring mittels Fal­

len zur Dokumentation des Borkenkäferflugesz

Biologischer Forstschutz (Specht­

baumförderung)

Informationen

Antragsabwicklung und

Förderungsauszahlung

Anträge zur Förderung von Forstschutzmaßnahmen

werden ausschließlich

bei der zuständigen Bezirksforstinspektion

eingereicht. Vor der Durchführung

der maßnahmen hat ein Beratungsgespräch

mit dem zuständigen

Bezirksförster zu erfolgen. Über diesen

erfolgt nach ordnungsgemäßer Durchführung

auch die Abwicklung der Förderungsauszahlung.


Forstwirtschaft

Klimawandel, Katastrophen:

Wiederherstellung der Funktionen des Waldes!

Der Klimawandel, welcher kaum mehr ernsthaft angezweifelt wird, veränderte Witterungsabläufe

sowie die damit in Zusammenhang gebrachten Katastrophenereignisse

haben in den letzten Jahren drastisch zugenommen und enorme Schäden verursacht.

Von Stürmen und anderen Katastrophenereignissen

verursachte Kahlflächen führen

schlagartig zu einer Verminderung

bzw. zum Verlust der Wirkungen des

Waldes wie Schutz vor Hochwässer, Lawinen,

Klimaschutz etc.

Um die verloren gegangenen Wirkungen

schnellstmöglich wiederherzustellen, ist

eine rasche Wiederbewaldung durchzuführen.

Ziel ist dabei die Begründung

strukturreicher, stabiler und produktiver

Wälder in Form von standortangepassten

Mischwäldern.

Die Wiederbewaldung soll dabei möglichst

über Naturverjüngung erfolgen.

Der plötzliche Wegfall der Baumschicht

und das damit verbundene radikal ver­

Thema 2/09 : Heile Welt Ländliche Entwicklung – Projekte

OFr DI michael Luidold,

referatsleiter für Waldbau, raumplanung, Forsttechnik – FA 10C

Kategorie stückzahl Förderung (Hektar)

mischwald A mindestens 30 % mischbaumarten 2.000 E 1.500

mischwald A mindestens 30 % mischbaumarten 2.500 E 1.900

mischwald B mindestens 70 % Laubholz 2.000 E 2.300

mischwald B mindestens 70 % Laubholz 2.500 E 2.900

mischwald 100 % Laubholz 2.500 E 3.700

mischwald 100 % Laubholz – Heisterpflanzung 1.500 E 3.700

mischwald 100 % Laubholz – Zellenaufforstung 2.000 E 2.900

Naturnaher mischwald

| 36 |


Auch Buche und Lärche wurden von „paula“ nicht verschont.

änderte bodennahe Mikroklima löst in

den oberflächennahen Horizonten des

Bodens und in der Vegetation eine hohe

Dynamik aus. Beschleunigte Abbauprozesse

im Boden setzen Nährstoffe frei

und schaffen somit günstige Wachstumsvoraussetzungen

für Verjüngung und Vegetation.

Viel entscheidender als der natürliche

Anflug aus Nachbarbeständen nach

einem Katastrophenereignis ist jedoch

die Vorverjüngung, welche noch unter

dem Schirm des Vorbestandes erfolgte

bzw. die Verjüngung aus den Samenreservoirs

des Oberbodens.

Um diese Vorverjüngung für die Wiederbewaldung

auch nutzen zu können, ist

ein lebensraumangepasster Wildstand

unumgänglich. Großflächige Schadereignisse

sorgen in den darauffolgenden Jahren

für ein reichliches Äsungsangebot,

welches zu erhöhtem Wildstand verleitet.

Schließt sich die Verjüngung, werden die

Bejagung und damit die Reduktion des

Wildstandes sehr schwierig. Daher muss

rechtzeitig der tragfähige Wildstand erreicht

werden.

Bei nicht ausreichender Naturverjüngung

oder bei Fehlen einzelner Mischbaumarten

muss mit Aufforstungen

nachgeholfen werden. Dabei ist insbesondere

auf standortgerechtes Vermehrungsgut

zu achten.

Um die heimischen Wälder auch bestmöglich

gegen Klimaänderungen zu

wappnen, ist die Wiederaufforstung auch

im öffentlichen Interesse insbesondere

mit Mischbaumarten durchzuführen.

Forstliche Förderungen aus dem EU­mitfinanzierten

Programm zur Entwicklung

des Ländlichen Raums 2007–13 kommen

nur bei Aufforstungen mit Baumarten in

Betracht, die sich an der natürlichen

Waldgesellschaft orientieren.

Förderungshöhe

Die Höhe der Förderung hängt im Wesentlichen

vom Laubholzanteil ab und

wird als Pauschsatz pro Hektar ausbezahlt.

Für die standortgerechte Wiederbewaldung

der Schadflächen im Rahmen

der Fördersparte M 226 „Wiederaufforstung

nach Katastrophen“ je nach

Baumartenmischung ist eine Förderung

von € 1.500 bis € 3.700 je Hektar (siehe

Tabelle) möglich.

Die Wahl der Mischbaumarten hängt

vom jeweiligen Standort ab und ist vor

der Aufforstung mit dem zuständigen Bezirksförster

abzusprechen. Vorhandene,

geeignete Naturverjüngung wird bei der

Wahl der Mischbaumarten und bei der

Stückzahl mitberücksichtigt, wobei die

Größe der tatsächlichen Aufforstungsfläche

maßgeblich für die Errechnung der

Förderung ist.

Aufforstungen im Grazer Becken sowie

im süd­ und oststeirischen Hügelland

sind nur ab einem Laubholzanteil von

70 % förderbar.

Der Waldeigentümer hat erforderlichenfalls

durch geeignete Wildschutzmaßnahmen

Sorge zu tragen, damit die geförderte

Aufforstungsfläche auch zur Sicherung

gelangt. Wildschutzmaßnahmen

sind nicht förderbar, aber eine gemeinsame

Vorgehensweise mit dem Jagdberechtigten

ist anzustreben.

Informationen

Antragsabwicklung und

Förderungsauszahlung

Förderungsanträge zu Aufforstungsmaßnahmen

nach einer Katastrophe

werden bei der zuständigen Bezirksforstinspektion

eingereicht. Vor der

Aufforstung hat die Abstimmung der

Baumartenwahl mit dem zuständigen

Bezirksförster zu erfolgen. Über diesen

erfolgt nach Durchführung der Aufforstung

auch die Abwicklung der Förderungsauszahlung.

Ansprechpersonen:

Welcher Bezirksförster für die Abwicklung

der Förderung als Ansprechperson

zuständig ist und Details über die

Förderungsabwicklung können unter

www.wald.steiermark.at

entnommen werden.

Fachabteilung 10C

Forstwesen (Forstdirektion)

Brückenkopfgasse 6

A-8020 Graz

Tel. 0316 / 877 / 4528

Fax 0316 / 877 / 4520

| 37 |


Blitzlichter

Viele kleine Wunder …

Die Arbeit der Caritas macht tagtäglich

sichtbar, wo überall es sprünge und tiefe

risse in der für doch viele von uns „heilen

Welt“ gibt. Gemeinsam Not, Armut und

Hunger zu bekämpfen ist unser Auftrag,

und ich denke, hier sind jene besonders gefordert,

die von persönlicher Not nicht betroffen

sind. eine „heile Welt“ wäre das

größte Wunder, das die Caritas mit den

menschen unseres Landes bewirken könnte

– und auch wenn das große Ziel Vision bliebe,

tragen viele kleine Wunder zu einem

besseren Leben für viele menschen bei.

Franz Küberl

Caritas-präsident

Heile Welt“ durch CSR?

Zuerst müssen die probleme der KundInnen

gelöst werden. Die dadurch geschaffenen

Arbeitsplätze sind eine logische

Folge. Je besser die problemlösung, desto

mehr neue Arbeitsplätze.

Zuerst muss gespart werden: an (vor allem

fossiler) energie, an „Imagewerbung“, an

nicht-effizienten „Beratungen“ (nicht-wertschöpfende

Tätigkeiten). Der gut gebildete

Hausverstand bringt mit naturwissenschaftlichen

und technischen Kenntnissen

durchführbare Lösungen.

Zuerst muss in Chancen gedacht werden,

wobei die risiken abzuschätzen sind. Danach

sind die Aktivitäten mit maß, Wahrhaftigkeit

und mut zu planen, rasch zu entscheiden

und rasch umzusetzen. Die einzelnen

schritte sind laufend zu kontrollieren.

Diese auf Langfristigkeit und Nachhaltigkeit

aufgebaute Denkweise wird zur integrierten

selbstverständlichkeit unternehmerischer

Aktivitäten.

Zunächst mit Anstand und Fleiß nach Csr

(Corporate social responsibility)-Grundsätzen

wirtschaften, dann folgt Vertrauen und

Zusammenarbeit von selbst.

DI Ulrich Santner

Aufsichtsratsvorsitzender

der Anton paar GmbH

Thema 2/09 : Heile Welt

Ski Heil?

Die heile Welt ist auch im sport nicht vorhanden,

jedoch im Vergleich zu vielen anderen

Bereichen des Lebens, z. B. Wirtschaft

und politik, ist der sport sehr positiv

bei den menschen verankert.

In wirtschaftlich schlechten Zeiten wie diesen

finde ich die ski-Wm grundsätzlich als

großen motivator der Kleinregion schladming

für die Zukunft. Wichtig ist, das Ziel,

das sich jeder einzelne setzt, bis 2013 zu erreichen.

es ist für uns ein wichtiger meilenstein,

sich neu für die Zukunft zu positionieren,

um somit die Nachhaltigkeit dieses

sportlichen Großevents zu nützen. „Nur gemeinsam

sind wir stark.“

Hans Knauss

ehem. Wettkampfsportler

Heile Insel?

Ist der Nationalpark eine heile Welt?

Angesichts des weltweiten dramatischen

Fortschreitens des Verlustes der Artenvielfalt

– auch in Österreich – gibt es infolge

der regionalen, überregionalen, kontinentalen

und sogar globalen Vernetztheit und

Komplexität unserer Ökosysteme keine biologisch/ökologisch

„heile Welt“ mehr.

somit können die weltweit 4500 Nationalparks

– ökologisch und biologisch betrachtet

– nur bedingt als „heile Inseln“ angesehen

werden. sehr wohl stellen aber Nationalparks

wichtige rückzugsräume für bedrohte

Tier- und pflanzenarten dar und

fungieren als überregional bedeutsame

Trittsteine und Verbreitungsachsen.

Darüber hinaus erfüllen die Nationalparks

mit ihren vielfältigen Besucherangeboten

im rahmen der Natur- und umweltbildung

den äußerst wichtigen Auftrag, die Bevölkerung

– insbesondere die Jugend – für

eine ökologisch nachhaltige, ressourcenschonende

Lebensweise zu sensibilisieren

mit dem Ziel, weltweit den Verlust der Artenvielfalt

zu stoppen. mit seinem schon

mehrfach ausgezeichneten umweltbildungsprogramm

sowie den vielen lebensraumverbessernden

maßnahmen leistet

unser steirischer Nationalpark Gesäuse

daher kurz-, mittel- und langfristig einen

wichtigen Beitrag zum erhalt der biologischen

Vielfalt in unserem Land.

DI Werner Franek

Nationalparkdirektor

Wie heil ist die

Welt im Rollstuhl?

Während die Barrierefreiheit für menschen

mit Behinderung in den städten schon weit

fortgeschritten ist, fehlt diese am Land oft

aufgrund der Infrastruktur.

ein großes manko ist auch, dass Betroffene

zu wenig Information zu ihren rechten und

Ansprüchen bekommen. sprechtage mit

sozialarbeitern in den Gemeindeämtern

wären eine möglichkeit, diese situation zu

verbessern.

Die sozialstrukturen betreffend liegen wir

in Österreich im europäischen spitzenfeld.

Wie man sein Leben auch mit Behinderung

positiv lebt, hängt sehr stark von der eigenverantwortung

ab – und der möglichkeit,

ein selbstbestimmtes Leben zu führen.

Klaus Peter Pendl

rollstuhlfahrer

Hin zu Neuem

| 38 |

Krisen sind immer eine erschütterung des

selbst- oder Weltverständnisses. „Nichts

ist mehr so, wie es einmal war!“

Wieder von vorne anfangen müssen ist ein

Beginn – hin zu etwas Neuem, zu etwas anderem,

manchmal zu etwas Heilsamem.

Prim. Dr. Katharina Purtscher

steiermärkische Krankenanstaltengesellschaft

m.b.H. – Landesnervenklinik sigmund

Freud, Abteilung für Kinder- und

Jugendpsychiatrie


Statement

Verantwortungsvoll

HANDELn

Der Ökologische Fußabdruck von uns

steirern/steirerinnen ist viel zu groß

und wir leben noch immer so, als ob

wir mehr als drei planeten zur Verfügung

hätten.

seit Beginn der Bundesaktion

„Nachhaltige Wochen“ beteiligt sich

die steiermark mit verschiedenen

Aktivitäten rund um die Nachhaltigkeit

an dieser Initiative! Heuer legt die

steiermark bei drei Veranstaltungen

in schladming, stainz und im

Vulkanland den schwerpunkt auf

„Verantwortungsvoll HANDeLn“!

Die Nachhaltigen Wochen sind eine

gute Gelegenheit, beim einkauf bewusst

nachzudenken und gezielt nur

solche produkte zu kaufen, die wir

tatsächlich benötigen, und nicht viel

unnötiges, das uns von der Werbung

eingeredet wird, zu konsumieren. so

können wir auch sichergehen, dass

wir nicht Lebensmittel wegwerfen

müssen, weil sie noch vor dem Verzehr

verderben. mit dem bewussten

Kauf von nachhaltigen produkten

(Bio produkte, regionale produkte,

saisonale produkte, mehrweggebinde,

Fair-Trade-produkte …) leisten wir

einen Beitrag, dass die Wertschöpfung

in der region bleibt und wir globale

Verantwortung übernehmen.

HR DI Dr. Wilhelm Himmel

Nachhaltigkeitskoordinator steiermark

Amt der steiermärkischen

Landesregierung – FA 19D – Abfall-

und stoffflusswirtschaft

Nachhaltige Entwicklung

Nachhaltige Wochen

Seit 2004 gibt es auf Initiative des Lebensministeriums

gemeinsam mit seinen

Partnern und dem österreichischen Handel

die so genannten „Nachhaltigen Wochen“.

Heuer finden sie vom 15. September

bis zum 15. Oktober statt. Die Branchen

Lebensmittelhandel, Bäckereien,

Fleischereien, Drogeriemärkte, Baumärkte,

Möbelhändler, Elektrohändler, Textilwarenhändler

und in diesem Jahr neu der

Blumen­ und Gartenfachhandel werden

mit der Wort­Bild­Marke „Das bringt´s.

Nachhaltig.“ gezielt auf Bioprodukte, regional

erzeugte, fair gehandelte sowie

umweltschonende und energieeffiziente

Produkte hinweisen.

Steirischer Initiator ist Landesrat Hans

Seitinger, mit dabei sind die Fachabteilung

19D Abfall­ und Stoffflusswirtschaft,

die Landentwicklung Steiermark, die

steirischen Abfallwirtschaftsverbände sowie

das Welthaus Graz der Diözese Graz­

Seckau.

Seitinger hat schon anlässlich einer der

früheren „Nachhaltigen Wochen“ den

Sinn der Sache auf den Punkt gebracht:

„Nachhaltig leben bedeutet auch, sich

selber Gutes zu tun. Mit frischen, regional

und umweltschonend erzeugten Lebensmitteln

kann man bewusst genießen

und bleibt nachhaltig gesund.“

Wer sich für fair, bio, regional, energiesparend

und umweltschonend entscheidet,

stärkt Betriebe, die nachhaltig wirtschaften,

und schont unser Klima.

Je mehr Bio­Lebensmittel wir konsumieren,

desto mehr tanken wir die Kraft der

natürlichen Landwirtschaft.

z Je mehr wir regionalen Produkten

den Vorrang geben, desto mehr Arbeit

und Einkommen gibt es vor Ort.

z Je mehr wir Produkte aus fairem

Handel kaufen, umso gerechter werden

die Arbeitsbedingungen in den

Produktionsländern des Südens.

z Je mehr wir auf energiesparende

Produkte achten, desto geringer sind

die laufenden Kosten im Haushalt.

z Je mehr wir auf nachwachsende

Rohstoffe wie beispielsweise Holz

setzen, desto länger können wir auf

die natürlichen Ressourcen der Erde

zurückgreifen.

Bio heißt Leben

| 39 |

Die „Nachhaltigen Wochen“ sind somit

gerade auch beim Lebensmitteleinkauf

eine gute Gelegenheit, wieder bewusst zu

Bioprodukten zu greifen. Mit 20.000 Bio­

Bäuerinnen und ­Bauern, die rund

16 Prozent der landwirtschaftlichen

Fläche bewirtschaften, liegt Österreich

EU­weit im Spitzenfeld. Doch Bio ist

mehr als ein kurzfristiger Wirtschafts­

und Gesundheitstrend. Zufriedene Konsumentinnen

und Konsumenten schmecken

vor allem den Unterschied.

In Österreich produzierte Bio­Lebensmittel

stehen für höchste Ansprüche. Sie

sind frei von Gentechnik – auch bei der

Fütterung –, sie hinterlassen fruchtbare,

gesunde Böden und es sind nur wenige

Pflanzenschutzmittel – keine chemischsynthetischen

– erlaubt.

Aber der Bio­Landbau ist auch gut fürs

Klima und die Umwelt, hat er doch eine

rund fünfzigprozentig bessere Kohlendioxidbilanz.

Die Tiere werden artgerecht

mir mehr Platz und Auslauf und ohne

vorbeugende Antibiotika aufgezogen.

Bio­Obst und ­Gemüsesorten enthalten

laut zahlreichen Studien tendenziell

mehr Vitamin C, Magnesium, Eisen oder

Phosphor. Milch und Fleisch von biologisch

gehaltenen Rindern haben eine

günstigere Zusammensetzung der Fettsäuren.

Achten Sie also beim nächsten Einkauf

auf das offizielle „ama­Biozeichen“ oder

Verbandszeichen wie „bio austria“ oder

„demeter“.


Littering

Weg-Werf-Gesellschaft

Ein heimlich auf den Boden gespuckter Kaugummi hier, ein achtlos auf den Gehsteig

geworfener Zigarettenstummel da … Wer hat es noch nicht getan? Dass dies ein nicht

gerade zur Verschönerung unserer Umwelt beitragendes Verhalten darstellt, mag den meisten

von uns bewusst sein, dessen Bezeichnung und Tragweite aber nur den wenigsten.

Die Rede ist von „Littering“, der Unsitte,

den Abfall trotz kostenlos bereitstehender

Entsorgungsmöglichkeiten (öffentliche

Mülleimer) direkt auf Straßen, Plätzen

etc. liegen zu lassen, wobei es aber,

im Gegenteil zur klassischen illegalen

Müllentsorgung, nicht um die Ersparnis

von Gebühren geht.

„Gelittert“ wird zwar meist nur Kleinabfall

wie Zigarettenstummel, PET­Flaschen,

Verpackungen von Fast­Food­Ketten

etc., dies aber mit weitreichenden

Konsequenzen, denn neben dem störenden

Anblick sind vor allem immense

Kosten die Folge. Allein in der Steiermark

macht das Einsammeln, Trennen und

Entsorgen von Müll dieser Art allein im

Bereich der Straßenmeistereien über

800.000 E jährlich aus, was in etwa dem

Aufwand für die Erhaltung und den Betrieb

von 32 Tunnel mit einer Länge von

10 km entspricht, Tendenz steigend.

Informationen

Littering

mit Littering ist die unsitte gemeint, den

Abfall an seinem Anfallsort auf straßen,

plätzen und in parkanlagen einfach liegen

zu lassen. Littering zeigt den tief

greifenden Wandel unserer Gesellschaft

hinsichtlich der Verantwortung für die

umwelt und das Gemeinwohl.

Die Kosten für die reinigung belasten zunehmend

die Gemeinschaft. Dieses achtlose

Wegwerfen von müll kostet den

steirischen Gemeinden insgesamt rund

12 millionen euro.

Thema 2/09 : Heile Welt Nachhaltige Entwicklung

Nicht zu unterschätzen sind auch die mit

Littering einhergehenden gesundheitlichen

Risiken, denen naturgemäß insbesondere

die Mitarbeiter des Straßenerhaltungsdienstes,

die den abgelagerten

Müll vorwiegend händisch einsammeln

müssen, ausgesetzt sind. Verpflichtende

Impfungen gegen Hepatitis A und B alle

3 Jahre sind der logische Schluss daraus,

was wiederum mit einer Summe von

6000 Euro jährlich zu Buche schlägt.

Teures Entsorgen

Der Aufwand für Sammlung und Entsorgung

„gelitterter“ Abfälle im Straßenbereich,

hängt von Menge und Art des Mülls

ab, wobei auf den einzelnen Streckenabschnitten

deutliche Unterschiede zu erkennen

sind. Bereits die Baseler Littering­Studie

aus dem Jahr 2004 stellte fest,

dass Littering ein standorttypisches Problem

ist. So sind es vor allem Park­ und

Rastplätze mit hoher Verkehrsdichte und

Straßengrünraumzonen in der Nähe von

Ballungszentren, die besonders litteringbelastet

sind.

Neben dem Bedarf an standorttypengerechten

Maßnahmen kam diese Studie

unter anderem zu dem Schluss, dass es

unsere heutige Fast­Food­Esskultur ist,

die durch ihre Unmengen an Verpackungsmaterialien

entscheidend zum

Littering­Phänomen beiträgt. Es muss

aber zusätzlich hervorgehoben werden,

dass Littering in allen Gesellschaftsgruppen

vorkommt und keinesfalls nur auf

die Jugend reduziert werden darf.

Eine Vorstellung vom Ausmaß „gelitterter“

Abfallmengen lässt sich auch gewinnen,

betrachtet man das Ergebnis der

Aktion „Der große steirische Frühjahrs­

| 40 |

Die Trennmoral auf den Autobahnrastplätzen

ist grundsätzlich besser

geworden und die Abfallbehälter

werden angenommen, sofern genug

platz vorhanden ist, was natürlich in

der urlaubszeit eine logistische Herausforderung

darstellt. Aber gleichzeitig

werden speziell die kostenpflichtigen

Dinge (wie z.B. Altreifen)

illegal am straßenrand, auf parkplätzen

oder pannenbuchten entsorgt,

speziell am Wochenende ist dies bemerkbar.

Hubert Stradner

Autobahnmeisterei Graz

putz“ in den Jahren 2008 und 2009, wobei

rund 120.000 kg beziehungsweise 140.000

Kilogramm Abfall von der steirischen Bevölkerung

eingesammelt wurde.

Gerade hier ist auch an das Projekt

„G´scheit Feiern“ zu erinnern, mit dem

die Fachabteilung 19D für Abfall­ und

Stoffflusswirtschaft in den vergangenen

Jahren bewiesen hat, wie Littering weitestgehend

zu vermeiden ist. Darüber hinaus

wurde mit der Aktion „Trennts07“

in Verbindung mit dem Umweltfest der

Stadt Graz eine umfassende Motivation

und Sensibilisierung des dortigen Publikums

erreicht.

Allen an diesen Projekten beteiligten Institutionen

ist eines bewusst: Das Motto

„Stop Littering“ ist der Bevölkerung in jedem

Fall ganz nahe zu bringen, um damit

ein Umdenken im Umgang mit öffentlichen

Gütern und der Umwelt insgesamt

zu bewirken.


Gastkommentar

Auf die Haltung

kommt es an!

Kurz nachdem die ersten warmen Sonnenstrahlen

im Frühling die schützende

Schneedecke durchbrochen und den

Blick auf sie freigegeben haben und kurz

bevor ein frisches Grün wieder seinen

Schleier darüberlegt, dann sind sie am

besten zu sehen, falls sie nicht schon vorher

von den dafür „Zuständigen“ entsorgt

wurden. Sie sind geradezu unübersehbar,

jene Abfälle, die die AutofahrerInnen neben

Autobahnen, Bundes­, Landes­ und

Gemeindestraßen so „en passant“ losgeworden

sind.

Auf privaten Grundstücks­, Haus­ und

Hofzufahrten begegnet man diesem Phänomen

dann plötzlich kaum oder überhaupt

nicht mehr. Warum wohl? Sind

dort die „Zuständigen“ einfach schneller

zur Stelle, oder ist es dort für den einen

oder die andere doch schon zu privat, um

schnell einmal den elektrischen Fensterheber

zu betätigen, um die Zigarette oder

das leere Alu­Doserl, dessen Inhalt eben

zuvor noch „Flügel verliehen“

hat, zu „entsorgen“?

Oder haben Sie schon einmal beobachtet,

dass jemand in seinem eigenen Garten

– auf seinem eigenen Grundstück –

einen Stein zur Seite schiebt, um darunter

– gut versteckt – seiner Nachwelt eine

fachgerecht zusammengedrückte PET­

Flasche oder die zerquetschte Getränkedose

zu hinterlassen? Solchen „Entsorgungspraktiken“

begegnet man wohl

eher auf Wanderungen und Touren auf

den Almen und in den Bergen.

Es gibt heutzutage doch genügend Entsorgungsmöglichkeiten

für unsere Abfälle,

auch auf öffentlichen Plätzen. Und

auch einem „Bergfex“ ist es durchaus zuzumuten,

dass er einen Bruchteil des Gewichtes

der Dinge, die er hinaufgeschleppt

hat, auch wieder zurück ins Tal

zum nächsten Müllcontainer mitnimmt.

Gegen die Gleichgültigkeit

Die Gründe für das Verhalten, das mittlerweile

als „Littering“ bekannt ist, sind

mannigfaltig, aber auch nur allzu

menschlich: Gleichgültigkeit gegenüber

Mitmenschen und/oder der Umwelt, Bequemlichkeit,

Desinteresse oder Provokation

etc.

Wodurch könnte man Abhilfe schaffen?

Informieren? Mehr Abfallbehälter?

Überwa­

Erich Prattes

Abfallberater des Abfallwirtschaftsverbandes

Deutschlandsberg

| 41 |

chungskameras? Pfandregelung? Geldstrafen?

Interessante, wenngleich nicht ganz neue

Ansätze gehen aus einer Studie der

schwedischen Forscherin Ellen Almers

von der School of Education and Communication

der Universität Jönköping

hervor, die unter anderem zum Schluss

kommt, dass der Nährboden „des Engagements

für Umwelt bereits in der frühen

Kindheit vorbereitet werde, ausgelöst oft

von emotionalen Reaktionen auf Missstände.

Häufig ist es ein Gefühl der Empörung

etwa über Hunger in der Welt

oder über Tiersterben, das zu einer ersten

Handlung führt“, so Almers.

Statt deterministischer Weltsicht sei die

Einstellung entscheidend, dass man die

Welt durch eigene Handlungen mitgestalten

und verändern könne, was erst

das wichtigste Hemmnis – das Gefühl von

Hilflosigkeit – überwinde.

Ein weiterer Faktor sei Wissenskompetenz

über Umweltthemen und Handlungsmöglichkeiten,

wofür die Forscherin

das Konzept des ökologischen Fußabdrucks

als Beispiel nennt. Dieser Zugang

vermittle besonders anschaulich,

wie selbst unbewusste Handlungen Auswirkungen

auf die Umwelt haben.

„In Schulen sollte neben der Wissensvermittlung

auch zu umweltfreundlichem

Verhalten eingeladen und dieses selbst

praktiziert werden. Nicht die Konzentration

auf Probleme, sondern vielmehr das

Aufzeigen von Lösungen sei ein wesentlicher

Ansatz.“

Das Land Steiermark und die steirischen

Abfallwirtschaftsverbände mit ihren AbfallberaterInnen

sind auf dem richtigen

Weg: Projekte wie der „Ökologische Fußabdruck“,

die jährlich stattfindende Aktion

„Saubere Steiermark – Der große

steirische Frühjahrsputz“ und auch das

Projekt „G’scheit feiern“ liefern sehr gute

Ansätze, um umweltfreundliches Verhalten,

beginnend im Kindergarten, über

das Schul­ und Jugendalter, bis hin zu

den Erwachsenen zu fördern.

„Das materialistische Konsumverhalten,

das uns die Werbung einbläut, ist sehr

schwer zu bekämpfen. Es ist wichtig, Alternativen

dazu aufzuzeigen und zu fördern“,

meint auch Ellen Almers.


TRIGOS Steiermark

Verantwortung lohnt sich

Der begehrte CSR-Preis „TRIGOS STEIERMARK“ wurde am 19. Mai 2009 auf Initiative der

„BKS Bank“ heuer zum 2. Mal in der Steiermark verliehen.

Immer mehr Unternehmen zeigen Verantwortung

und wirtschaften nachhaltig.

Corporate Social Responsibility bringt

dabei eine Win­Win­Situation. Neben

den MitarbeiterInnen, der Gesellschaft

und der Umwelt profitiert auch das Unternehmen

selbst. „Verantwortungsbe­

wusste Unternehmen genießen ein höheres

Vertrauen und mehr Wertschätzung

als ihre Mitbewerber“, so BKS­Bank­Generaldirektor

Heimo Penker.

Auch bei CSR gilt: Tue Gutes und sprich

darüber. „Die Gesellschaft braucht Unternehmen,

die ihre soziale Verantwor­

Thema 2/09 : Heile Welt Nachhaltige Entwicklung

tung wahrnehmen und Nachhaltigkeit

auch tatsächlich leben. Mit dem TRIGOS

Steiermark wollen wir zeigen, dass sich

viele steirische Betriebe dieser Verantwortung

bewusst sind. Wir wollen diese

Unternehmen vor den Vorhang holen“,

so BKS­Bank­Vorstand Herta Stockbauer.

Corporate Social Responsibility:

Neben den MitarbeiterInnen, der Gesellschaft und der

Umwelt profitiert auch das Unternehmen selbst.

Zu den TRIGOS­Steiermark­Trägerorganisationen

zählen die „BKS Bank“, die Industriellenvereinigung,

die Wirtschaftskammer,

die Wirtschaftsinitiative Nachhaltigkeit,

das SOS­Kinderdorf, die Caritas,

das Rote Kreuz, der Umweltdachverband

und seit heuer auch die Diakonie.

Alle Gewinner und TrIGOs-preisträger mit Landesrat Hans seitinger

Als Partner fungieren respACT, bdcg,

UBIT, Taten statt Worte, eco world styria

und Strasser & Strasser. Als Medienpartner

unterstützt die Kleine Zeitung den

TRIGOS Steiermark.

Der Preis wird in den Kategorien Arbeitsplatz,

Markt, Gesellschaft und Ökologie

an Klein­, Mittel­ und Großunternehmen

vergeben. Heuer wurde erstmals auch ein

Sonderpreis vergeben.

Hochwertige Einreichungen

| 42 |

„Die rege Beteiligung der steirischen Unternehmen

am TRIGOS ist ein Beweis,

dass es bei uns viele Betriebe gibt, die

weit über das gesetzliche Ausmaß hinaus

ihre Verantwortung wahrnehmen“, freute

sich Herta Stockbauer bei der Preisverleihung

über die vielen ausgezeichneten

Einreichungen.


Die Preisträger

Kategorie Arbeitsplatz

Kleinbetrieb:

Paltentaler Minerals GmbH & CoKG

projekt: Verstärkter einsatz von

Frauen in technischen Bereichen und

Führungspositionen

mittelbetrieb:

Messner KG

projekt:

Individuelle Förderung und stärkung

der mitarbeiter zur erreichung des

gemeinsamen erfolges

Großbetrieb:

Knapp AG

projekt: Knapp Vital

Kategorie Gesellschaft

Kleinbetrieb:

Lognostik

projekt: sommercamp für ein

selbstbestimmtes Leben

mittelbetrieb:

JMB Fashion Team GesmbH

projekt: made in austria

Großbetrieb:

SPAR Steiermark und Südburgenland

projekt: Technisch unterstützte

Alterskontrolle beim Verkauf alkoholischer

Getränke

Kategorie Markt

mittelbetrieb:

NORIS Feuerschutzgeräte GmbH

projekt: Nachhaltigkeit am Feuerlöschermarkt:

„Denk an morgen beim

Feuerlöscher-entsorgen“

Kategorie Ökologie

Kleinbetrieb:

Technisches Büro für Landschaftsökologie

und Landschaftsplanung

projekt: Grazer Innenhöfe beleben –

revitalisierung und erhaltung von

Innenhöfen im Bereich der Blockrandbebauung

mittelbetrieb:

Eine Welt Handel AG

projekt: errichtung eines modernen

Logistikzentrums in passivbauweise

Großbetrieb:

Saubermacher Dienstleistungs AG

projekt: saubermacher-Klimaschutzcharta

2009

Sonderpreis der Wirtschaftsinitiative Nachhaltigkeit

„Steirisches Leuchtturmprojekt für nachhaltiges Wirtschaften“

Heuer wurde erstmals ein Sonderpreis unter dem Motto „Steirisches Leuchtturmprojekt

für nachhaltiges Wirtschaften“ verliehen. Nachhaltiges Wirtschaften

ist ein ganzheitliches Konzept, das die drei Dimensionen Ökonomie, Ökologie

und Soziales in Einklang zu bringen versucht. Mit dem Sonderpreis der

Wirtschaftsinitiative Nachhaltigkeit wurde ein Projekt ausgezeichnet, das am

vorbildhaftesten alle drei Säulen der Nachhaltigkeit abdeckt und möglichst

viele Anspruchsgruppen des Unternehmens involviert hat.

GeWINNer: Feistritzwerke-STEWEAG GmbH

projekt: „Leben im sonnenzeitalter“ – mit dem Gleisdorfer Klimaschutzprogramm!

Fotos: Konstantinov

Die Steiermark ist wieder sauber!

Die Aktion „Der große steirische Frühjahrsputz“ war auch 2009 ein voller Erfolg.

Es war kein Tag wie jeder andere. Knapp 33.000 Steirerinnen und Steirer, davon

rund die Hälfte Jugendliche, sind dem Aufruf des Lebensressorts Steiermark,

der Abfall­ und Abwasserwirtschaft der Wirtschaftskammer Steiermark sowie

des ORF Steiermark gefolgt und haben beim „großen steirischen Frühjahrsputz“

am 25. April „ordentlich aufgeräumt“.

Besonders erfreulich ist dieser große Erfolg nicht zuletzt auch deshalb, da Nachhaltigkeit

und Bürger­ und Bürgerinnenbeteiligung hier konkret umgesetzt worden

sind.

Ein paar Zahlen zur Illustration gefällig? Mitgemacht haben 398 der 542 steirischen

Gemeinden, 239 Schulen, 10 Kindergärten, 147 Einsatzstellen der Berg­

und Naturwacht, 24 freiwillige Feuerwehren und 33 Vereine.

Es wird ja immer offensichtlicher, dass das 21. Jahrhundert zum „Jahrhundert

der natürlichen Ressourcen“ wird. Die Zeiten, in denen unsere Rohstoffe, welcher

Art auch immer, scheinbar unbegrenzt verfügbar waren, sind vorüber.

Im Müll steckt buchstäblich jede Menge Geld. Alteisen, Altpapier oder auch

Altkleidung sind wieder verwertbar und wirken sich zudem positiv auf unsere

lokalen und regionalen Handelsbilanzen aus.

| 43 |

Foto: Stuhlhofer


Schlusspunkt

Auf zu großem Fuß

Ein Gedankenexperiment: Stellen wir

uns vor, dass ein unermesslich reicher

Mensch den gesamten Globus aufkauft,

konkreter gesagt: In allen Grundbüchern

dieser Erde steht dann nur mehr sein

Name. Natürlich ist das eine irreale Vorstellung,

deren Realisierung nicht zu erwarten

ist. Aber zum einen spielt dies für

die folgenden Überlegungen ohnehin

keine Rolle und zum anderen zeigt auch

die aktuelle globale Verteilung von

Grundeigentum, dass sich die damit verbundenen

Wirtschaftsweisen nur wenig

vom Szenario eines allmächtigen Weltbesitzers

unterscheiden. Auf den Punkt

gebracht: Unsere Erde und somit unsere

gesamten Lebensgrundlagen werden privatisiert,

das „Angebot“ wird in einer

Hand gebündelt.

Auf der anderen Seite – wie in jedem Wirtschaftsprozess

– steht die „Nachfrage“,

stehen die Bedürfnisse der Weltbevölkerung,

die Ansprüche von jedem einzelnen

von uns. Und die sind nicht gering:

Wir brauchen Flächen, um uns zu ernähren,

vom Getreide über das Obst und das

Gemüse bis hin zu den Futter­ und Stellflächen

für unsere Tiere. Aber wir müssen

auch irgendwo wohnen und unser Mobilitätsbedürfnis

benötigt ebenso Flächen.

Essen, wohnen und Mobilität sind

im Regelfall sehr energieintensiv, und

hier haben wir grob gesprochen drei Optionen:

für fossile Energieträger brauchen

wir CO 2 ­Absorptionsflächen, für

Bio masse Anbauflächen und für erneuerbare

Energie aus Wasser, Wind und

Sonne Anlageflächen. Dass hier die jeweils

resultierenden Energie­ und Umweltbilanzen

hohe Unterschiede aufweisen,

wird in der Zukunft noch eine große

Rolle spielen.

Thema 2/09 : Heile Welt Nachhaltige Entwicklung

Kommen wir noch einmal zurück zu unserem

Kindergeburtstag: 15 Tortenstücke

für 12 Kinder mag zwar auch ein wenig

zum Streit führen, aber 12 Tortenstücke

für 15 Kinder sind eine echte Herausforderung

für die veranstaltenden Eltern.

Genau dieses zweite Beispiel beschreibt

die heutige Welt aus der Perspektive der

bioproduktiven Flächen allerdings sehr

genau. Seit 1986 ist die globale „Nachfra­

ge“ größer als das „Angebot“, anders gesagt:

wir verbrauchen seit mehr als 20

Jahren mehr Natur, als deren Regenerationskraft

zu leisten imstande ist. Noch

kürzer gesagt: Wir leben nicht mehr nachhaltig.

Und die Schere geht jedes Jahr

weiter auseinander.

Das alles kann man mit dem so genannten

ökologischen Fußabdruck mathematisch

und grafisch gut darstellen. Eine aktuelle

Feasibility­Studie zeigt die steirische

Situation sehr deutlich. Im Österreichdurchschnitt

liegen wir gar nicht so

schlecht, das liegt auch nicht zuletzt an

der geringeren Bevölkerungsdichte und

dem hohen Waldanteil. Dennoch sollte

an dieser Stelle zumindest eine Zahl aus

dieser Studie erwähnt werden: unter globalen

Gerechtigkeitskriterien müsste der

steirische Ressourcenverbrauch um

72 Prozent vermindert werden, um nachhaltig

zu sein.

Aufschlussreich ist hier der Blick auf eine

gesamtösterreichische Berechnung, die

uns zeigt, dass etwa ein Drittel des per­

Hans putzer

Wer mehr gibt als er hat, ist ein Schuft, sagt der Volksmund. Und er hat Recht. Doch wer

sich mehr nimmt, als für ihn zur Verfügung steht, ist nicht weniger kritisch zu beurteilen.

Was bei den – möglichst gleich großen – Tortenstücken zu Kindergeburts tagen noch

einigermaßen gelingt, hat in der Weltwirtschaft keine Entsprechung; übrigens sehr zu

unseren Gunsten. Noch!

Seit 1986 ist die globale „Nachfrage“ größer als das

„Angebot“, anders gesagt: wir verbrauchen seit mehr als

20 Jahren mehr Natur, als deren Regenerationskraft zu

leisten imstande ist. Wir leben nicht mehr nachhaltig.

sönlichen ökologischen Fußabdrucks

(d.h. abzüglich des vom Einzelnen nicht

zu beeinflussenden Flächenverbrauchs

wie beispielsweise die öffentliche Infrastruktur)

auf die Ernährung, ein Viertel

auf das Wohnen, ein Fünftel auf die Mobilität

und ein Sechstel auf den Privatkonsum

zurückgeht. Allein diese Verteilung

zeigt ohnehin sehr deutlich, wo politische

Maßnahmen künftig anzusetzen

sind. Die Steiermark­Studie gibt ohnehin

die Richtung vor: Energie sparen in allen

Bereichen, eine Reduktion des Anteils der

tierischen Produkte an der Ernährung,

flächenkonzentriertes Bauen statt Zersiedelung

und damit einhergehend weniger

Bodenversiegelung.

Unter globalen Gerechtigkeitskriterien müsste der

steirische Ressourcenverbrauch um 72 Prozent vermindert

werden, um nachhaltig zu sein.

| 44 |

Zurück zu unserem Gedankenexperiment:

Die Eigentumsrechte über die

weltweiten Flächen sind in der Tat der

Schlüssel für Wohlstand und Armut. Wer

aber meint, dass dieser Besitz die Verpflichtung

zur Verteilungsgerechtigkeit

außer Kraft setze, wird in nicht allzu langer

Zeit statt bioproduktiver Flächen militärisch

devastierte Schlachtfelder sein

Eigen nennen. Die Zeitbombe „ökologischer

Fußabdruck“ tickt schon ziemlich

laut!


Landesbüro Graz

8010 Graz

Hans-sachs-Gasse 5

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Tel. 0316/82 48 46 – 11

Fax 0316/82 48 46 – 4

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