Endlich perfekt organisiert Endlich perfekt organisiert - Kurt ...

kirschbaumgmbh

Endlich perfekt organisiert Endlich perfekt organisiert - Kurt ...

TITELTHEMA

Endlich perfekt

organisiert

Auch in hektischen Phasen alles

im Griff: Georg Bauer, Inhaber

von Bauer Treppen in Cadolzburg.


Fotos: Peter Weigelt, Andreas Pietsch

TITELTHEMA

Boom-Management | Kaum läuft die Konjunktur wieder

besser, stapeln sich die Kundenanfragen. Da der Tag nur

24 Stunden hat, sind jetzt Management-Qualitäten gefragt.

Das hm-Titelthema zeigt, wie Sie den Kundenansturm meistern.

Strategie 1: Die Abläufe optimieren

Wie lässt sich in heißen Phasen die

Mitarbeiterkapazität ohne Reibungsverluste

erhöhen? Georg Bauer, Inhaber

von Bauer Treppen im fränkischen

Cadolzburg, hat eine auf den

ersten Blick eher ungewöhnliche

Antwort gefunden: Er engagierte eine

Büromanagerin.

„Schon seit drei Jahren stand das

Thema Büroorganisation in meinem

Timer, doch die internen Diskussionen

erbrachten keine zufriedenstellende

Lösung“, erklärt der Chef von

26 Mitarbeitern. Denn jede der sechs

Mitarbeiterinnen im Büro hatte ihr

eigenes System, das sie natürlich für

das beste hielt und nicht ändern

wollte. Mit der Folge, dass jede neue

Sachbearbeiterin einige Zeit brauchte,

bis sie produktiv tätig sein konnte.

War jemand krank oder in Urlaub,

fiel es Kolleginnen und Chef schwer,

sich am fremden Arbeitsplatz zurechtzufinden.

Suchzeiten verkürzen

Da die Sucherei Zeit und letztendlich

auch Geld kostet, stieß der Artikel in

einer Fachzeitschrift über die Tätigkeit

der Büromanagerin

Brigitte Jahn bei

Bauer auf großes

Interesse. Nachdem

ein kurzer Anruf

beim Kollegen das

Geschriebene bestätigte,

nahm der fränkische

Unternehmer

Kontakt zu Brigitte

Jahn auf. Das Ziel

war aus Bauers Sicht

klar: „Wir wollten

Transparenz schaffen, jeder Arbeitsplatz

sollte gleich strukturiert sein.“

Weil es bei dem Thema nach Aussage

des Chefs „natürlich ein wenig

menschelt“, stieß sein Vorschlag zunächst

nicht bei allen Bürokräften

auf ungeteilte Begeisterung. Doch

Büromanagerin Jahn, mit solchen Situationen

bestens vertraut, bezog die

Mitarbeiter von Beginn an in ihre Arbeit

ein. Letztendlich, so Jahn, „haben

dann alle Betroffenen wirklich

vorbildlich mitgezogen“.

Als Erstes ist der Chef dran

Gestartet hat sie die Umstrukturierung

im Chefbüro. Wie nahezu in jedem

Betrieb gab es auch dort zahlreiche

namenlose Ablagestapel, deren

Ordnung und Inhalt keiner außer

Bauer kannte.

Da natürlich auch die Mitarbeiter

einmal schnell etwas beim Chef finden

müssen, installierte die Büromanagerin

ein für alle Arbeitsplätze gültiges

Ablagesystem. „Jeder Schrank

im Büro ist jetzt beschriftet und

durchnummeriert“, skizziert Bauer

die neue Ordnung.

Wo alles seinen Platz hat, wird im

Bürohandbuch dokumentiert, so

dass sich auch neue Kollegen schnell

zurechtfinden können. „Natürlich

erfordert es einige

Disziplin, die

neue Ordnung

einzuhalten, doch

bislang klappt das

System nahezu

perfekt“, zeigt

sich Bauer zufrieden.

Nachdem die

Beratungskosten

von insgesamt

7500 Euro durch

das Bundesamt

für Wirtschaft auch noch zu 40 Prozent

bezuschusst wurden, hat sich

die Investition laut Bauer „voll und

ganz rentiert“.

handwerk magazin | Juli 2007 19


TITELTHEMA

Strategie 2:

Das Netz nutzen

Die Abläufe verbessern und gleichzeitig

den Kunden mehr Service bieten? Was

auf den ersten Blick nicht zusammenpasst,

ist bei Haustechniker Hanno Franzen

in Düsseldorf längst Realität. Wer ein

Problem im Heizungs- oder Sanitärbereich

hat, kann jederzeit über das Internet

seinen Wunschtermin bei ihm buchen.

Einfach im Online-Kalender einen

freien Termin auswählen, den Auftrag

mit ein paar vorgefertigten Angaben im

Formularfeld präzisieren und per Mail

abschicken. „Dieser Service wird vor allem

bei Reparaturaufträgen gerne genutzt“,

erklärt der Inhaber der Kirschbaum

GmbH. Hat der Kunde alle not-

20

HM-INTERVIEW MIT BRIGITTE JAHN

„Schluss mit Frust und Doppelarbeit“

hm: Warum beauftragen Unternehmer eine

Büromanagerin?

Jahn: Viele Chefs ersticken in Informationen

und Aufgaben. Mit meiner Hilfe

können Sie sich auf das wirklich Wichtige

konzentrieren, ohne ständig Angst zu haben,

etwas zu vergessen. Darüber hinaus

haben sie pro Tag zehn bis zwanzig Prozent

mehr Zeit zur Verfügung.

hm: Haben Ihre Kunden alle einen leichten

Hang zum Chaos-Management?

Jahn: Keineswegs, die Chaoten kommen

nicht zu mir, weil sie den Bedarf erst gar

nicht sehen. Meine Kunden sind Unternehmer,

die erkannt haben, dass ihre

Organisation noch nicht optimal ist, und

die gezielt Dinge verbessern wollen.

hm: Was sind die typischen Probleme?

Jahn: Viele klagen über einen vollen

Schreibtisch, der ihnen Übersicht und

Motivation raubt. Oft kommt es auch zu

handwerk magazin | Juli 2007

Ordnung schafft

Freiräume und erhöht

die Produktivität,

das gilt gleichermaßen

für Chef

und Mitarbeiter.

Die Gründe erklärt

Büromanagerin

Brigitte Jahn (Foto)

im hm-Interview.

wendigen Angaben gemacht und den

Auftrag abgeschickt, wird der Zeitraum

im Online-Planer sofort blockiert. Das

vermeidet Doppelbelegungen, denn die

Kapazitäten im elf Mitarbeiter zählenden

Betrieb sind beschränkt.

Doppelarbeit, die Zeit kostet und Konflikte

verursacht. Auch die Unsitte, ungeliebte

Tätigkeiten aufzuschieben, blockiert in

vielen Betrieben den Arbeitsablauf.

hm: Lassen sich solche persönlichen

Gewohnheiten überhaupt ändern?

Jahn: Wenn der Unternehmer bereit ist,

sich darauf einzulassen, kann ich ihm die

nötigen Werkzeuge zur Verfügung stellen.

Kommt jemand nur zu mir, weil der

Partner ihn überredet hat, prüfe ich zunächst

sorgfältig, ob der Kunde wirklich

schon so weit ist. Oft fehlt etwa die Bereitschaft

zur Delegation, ohne die jedoch

ein effektives Büromanagement

kaum funktionieren kann.

hm: Warum tun sich viele Unternehmer

damit so schwer?

Jahn: Sie haben Angst, das Heft aus der

Hand zu geben, und wollen über alles im

Betrieb Bescheid wissen. Das dürfen sie

als Chef ja auch, doch deswegen müssen

sie nicht alle Arbeiten selbst ausführen.

hm: Wie lässt sich dieses Dilemma lösen?

Jahn: Etwa durch ein Wiedervorlagesystem

und eine regelmäßige Kommunikation.

In vielen Betrieben gibt es zwar eine

Werkstattbesprechung, doch keine im

Büro. Das wird oft nicht für notwendig

erachtet, ist aber genauso wichtig.

www.bueromanagement-jahn.de

Bei Hanno und Sabine Franzen in

Düsseldorf kann jeder Kunde übers

Netz seinen Wunschtermin buchen.

Mit jedem neuen Termineintrag wird

dann automatisch eine Mail an den Kundendienstleiter

generiert. Dieser ruft den

Kunden in der Regel direkt an, bestätigt

den Auftrag und klärt offene Fragen.

„Viele Kunden sind überrascht und

dankbar, wenn wir bei über Nacht eingegangenen

Reservierungen gleich am

nächsten Morgen um sieben bei Ihnen

anrufen“, erzählt Franzen. Denn so weiß

der Kunde sicher und verbindlich, wann

der Techniker kommt und kann entsprechend

disponieren. Ein für Franzen

selbstverständlicher, aber auch eminent

wichtiger Serviceaspekt.

Automatischer Auftrag

Da das System über die Formularanfrage

einen Kundendienstauftrag mit Auftragsnummer

generiert, kann das Serviceteam

in der Regel nach dem Bestätigungsanruf

gleich losflitzen. Obwohl die

Online-Termine Priorität haben, gibt es

nach Franzens Erfahrung kaum Terminkollisionen:

„Unser Kundendienstleiter

hat die Vergabehoheit für alle Termine,

da muss sich jeder dran halten.“

Genutzt wird der Service vor allem von

Kunden, die abends oder nachts auf der

Suche nach einem Handwerker sind. So

ist Franzen etwa an eine große Schweizer

Firma gekommen, deren Wartungstechniker

übers Netz nach einem Handwerker

gesucht hat, als ihm während der

Nachtschicht ein Fehler im System auffiel.

Auch ein Apotheker, der häufig noch

spätabends seinen Verwaltungstätigkeiten

nachkommt, zählt inzwischen zu

den eifrigen Online-Buchern. „Über diesen

Service“, so Franzen, „gewinnen wir

pro Monat zwei neue Kunden, das möchte

ich nicht mehr missen“.

Fotos: Alois Müller, Artis/Uli Deck


Mit einem starken Team raus

aus der Krise: Rolf (links) und

Dieter Dürr in Remchingen.

Strategie 3: Mitarbeiter motivieren

Vor vier Jahren verbuchten Andreas

Beier, Rolf Dürr und Dieter Dürr mit ihrer

Fleischerei im baden-württembergischen

Remchingen erstmals rote Zahlen.

Ein Freund, den sie als Berater engagierten,

öffnete ihnen die Augen: „Uns wurde

bewusst, dass nicht äußere Einflüsse

für die Umsatzrückgänge verantwortlich

waren, sondern wir selbst“, resümiert

Andreas Beier: „Wir hatten qualitativ

hochwertige Produkte, zwei Geschäfte in

guten Lagen. Aber wir hatten verlernt,

die Kunden zu begeistern.“

Was dieser Erkenntnis folgte, war ein

„Weg der tausend kleinen Schritte“, wie

Jutta Dürr, die das Büro managt, erklärt.

Die Führungs-Crew musste lernen, „wieder

stärker auf Kunden und Mitarbeiter

zu schauen statt nur auf Fleisch- und

Wurstwaren“.

Das Klima verbessern

Die Zauberwörter hießen Kommunikation

und Motivation. So wurden monatliche

Besprechungen in allen Abteilungen

eingeführt. Dabei kamen nicht nur

Probleme auf den Tisch, es wurden auch

Lösungswege gesucht und vereinbart.

„In einem Laden war zum Beispiel vor

einiger Zeit die Stimmung im Team nicht

sehr gut“, berichtet Jutta Dürr. Daraufhin

wurde zunächst der Schichtplan neu

geordnet, so dass sich die Streitenden

stärker aus dem Weg gehen konnten.

Die Geschäftsführer ließen das Team

auch in einem Workshop einen Baum

gestalten, bei dem jeder Ast ein Teammitglied

mit seinen jeweiligen Eigenschaften

symbolisierte und jedes Blatt

eine seiner guten oder schlechten Eigen-

schaften. Die dabei entstehende Diskussion

führte zu einem regelrechten Aufatmen:

„Die Streitenden entdeckten, dass

jede ihre Stärken und Schwächen hat,

WEB-EXPERTIN CORINNA PHILIPPE-KÜPPERS

„Vereinfachen Sie die Prozesse“

Mit ihrer Firma

„Philippe Consulting“realisiert

Corinna Philippe-

Küppers (Foto)

bundesweit Internet-Präsenzen

für

Handwerker. Ihre

Tipps für den eigenen

Web-Auftritt:

Schritt 1: Umfassend informieren

Bieten Sie Ihren Kunden mehr als die Wettbewerber!

Idealer weise merkt der potenzielle

Kunde bereits an der Internet-Präsenz,

worin sich Ihr Unternehmen von anderen

unterscheidet. Leistungsbeschreibungen

und Kontaktmöglichkeit gehören ebenso

dazu wie Eckdaten zum Unternehmen.

Schritt 2: Mitarbeiter einbeziehen

Kennen Ihre Mitarbeiter die Internet-Seite

und die Mailadresse der Firma? Wenn nicht,

sollten Sie dies schleunigst ändern und die

Mitarbeiter vor allem über Neuerungen auf

dem Laufenden halten. Sonst kann es zu

peinlichen Situationen im Dialog mit den

Kunden kommen.

Schritt 3: Besucher anlocken

Um Kunden an die Internet-Seite zu binden,

sind „Aktuell-Seiten“ ideal, auf denen sie

immer wieder News aus allen Unternehmensbereichen

veröffentlichen können:

TITELTHEMA

und waren dankbar für diese Aussprache“,

berichtet Jutta Dürr. Den Baum haben

die Mitarbeiter dann im Flur angebracht

– mit allen Negativ-Eigenschaften

als gefallenes Laub auf dem Boden.

„In Sachen Personalführung schlummern

in vielen Betrieben noch große Reserven“,

bestätigt Rudolph Lauer vom

Management Center Handwerk (MCH)

in Düsseldorf. Was nütze es beispielsweise,

in die Qualifikation eines Mitarbeiters

zu investieren, wenn dessen Motivation

nicht stimme: „Erst beides zusammen

bringt den Erfolg“, unterstreicht

der Diplom-Ökonom. Leider finde

dieser Zusammenhang noch zu wenig

Beachtung. Nicht zuletzt, „weil

Personalfragen in Ausbildungsgängen

zu wenig aus der emotionalen Perspektive

betrachtet werden“, vermutet Lauer.

„Unsere Lehrlinge haben es geschafft“,

„Solarförderung erhöht“ oder auch

„Sonderaktion zum Herbst“ sind dafür gute

Beispiele. An der jeweiligen Resonanz können

Sie zudem gut erkennen, ob die Themen

von den Besuchern angenommen werden.

Schritt 4: Service bieten

Steht das Grundgerüst, können Sie interaktive

Dienstleistungen wie Newsletter, Callback,

Weiterempfehlungen oder eine Feedback-Funktion

(„Sagen Sie uns Ihre Meinung“)

ergänzen. Aber Vorsicht: Diese Elemente

sind zwar schnell eingebaut, müssen

jedoch auch zuverlässig in die Alltagsabläufe

im Betrieb integriert werden. Sonst wird

das Netz zum Boomerang, wenn potenzielle

Kunden tagelang auf einen Rückruf warten.

Schritt 5: Abläufe straffen

Nutzen Sie das Internet gezielt dazu, Ihre

Prozesskosten zu senken. Während ein

Online-Terminplaner die oft aufwendige und

lästige Abstimmung mit dem Kunden vereinfacht,

kann etwa ein Wartungskostenrechner

dafür sorgen, dass sich wirklich nur

ernsthafte Interessenten bei Ihnen melden.

Notorische Schnappchenjäger, die viel Zeit

kosten und letztendlich doch nicht zum

Kunden werden, sehen dann sofort, dass

sie nicht bei einem Discount-Unternehmen

gelandet sind.

www.philippe.de

handwerk magazin | Juli 2007 21


TITELTHEMA

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TEAMTRAINER RALF STRUPAT

Mit sieben „F“ zum schlagkräftigen Team

Norbert Hofmann

ist öffent-

Ziehen alle Mitarbeiter

an einem

Strang? Und in

dieselbe Richtung?

Mit den

Grundregeln von

Teamtrainer Ralf

Strupat (Foto)

bringen Sie Ihr

Team auf Kurs.

Finden: Achten Sie bei der Mitarbeitersuche

nicht nur auf formelle Qualifikationen, sondern

auch auf menschliche und charakterliche

Qualitäten. Ein Team aus lauter „Leitwölfen“

wird ebenso wenig erfolgreich sein

wie eine Schar gutmütiger „Abarbeiter“.

Fördern: Lassen Sie Ihren Mitarbeitern Entscheidungsspielräume,

unterstützen Sie

eigenverantwortliches Handeln im Team

und geben Sie jedem die Möglichkeit, sich

auszuprobieren und Neues zu lernen.

Fordern: Stellen Sie gemeinsam mit Ihren

Mitarbeitern Ziele auf. Geben Sie klare An-

handwerk magazin | Juli 2007

weisungen. Setzen Sie eindeutige Grenzen.

Und bestehen Sie auf der konsequenten Einhaltung

aufgestellter Regeln.

Feedback geben: Loben Sie bei Erfolgen.

Werten Sie Misserfolge aus. Und zwar so

zeitnah wie möglich. Überraschen Sie Ihre

Mitarbeiter ab und zu positiv – bei Kunden

gelingt Ihnen das doch auch.

Feiern: Gemeinsame Feiern (nicht nur vor

Weihnachten) oder Ausflüge fördern das

Miteinander. Und sind ein guter Indikator

für den Teamgeist: Fehlt ein Teil regelmäßig,

stimmt etwas nicht.

Feuern: Trennen Sie sich konsequent von

Mitarbeitern, die nicht ins Team passen, bewusst

Regeln verletzen oder nicht leistungsbereit

sind. Falsch verstandenes „Durchschleifen“

demotiviert die Motivierten.

Fairness zeigen: Suchen Sie bei der Fehleranalyse

nie nach Schuldigen, sondern nach

Lösungen. Beginnen Sie Kritik nie mit einem

attackierenden „Du“, sondern mit „Ich“.

www.begeisterung.de

Strategie 4: Liquide mit Leasing

Neue Kunden und Auftragsboom stellen

Unternehmer auch vor finanzielle Herausforderungen:

Ob es um die Modernisierung

oder Neuanschaffung von Maschinen

geht oder der Fuhrpark erweitert

werden muss, weil die Auftragsbücher

endlich wieder voll sind. Die notwendigen

Investitionen kann kaum ein Betrieb

aus der Portokasse zahlen.

Wachstum wird im Mittelstand zum

größten Teil immer noch über Investitionskredite

finanziert. Alternativen dazu

sind Mezzanine, Factoring und Leasing.

Geleast werden kann heute fast jedes

langlebige Investitionsgut wie zum

Beispiel Transporter, teure Maschinen,

die EDV-Ausstattung fürs Büro oder Immobilien

wie Werkstätte und Lager. Leasingobjekte

bleiben im Besitz des Leasinggebers

und belasten auf diese Weise

nicht das Anlagevermögen des jeweiligen

Unternehmens.

Gerade für Betriebe mit nur geringem Eigenkapital

kann Leasing eine Alternative

zum klassischen Bankkredit darstel-

len und so indirekt den finanziellen

Spielraum erhöhen. Allerdings prüfen

auch Leasinggeber die Bonität ihrer potenziellen

Kunden genau. Sie verlangen

aber selten die gleichen umfangreichen

Sicherheiten wie die Banken.

Nur bei Vorsteuerabzug

„Leasing ist nur für vorsteuerabzugsberechtigte

Unternehmen eine interessante

Alternative, sonst ist diese Variante zu

teuer“, gibt Norbert Hofmann, Leiter des

unabhängigen Mainzer Instituts für Finanz-

und Leasinginformation (IFL), zu

bedenken. Außerdem sei das Finanzierungsleasing

für gewerbliche Kunden in

der Regel teurer als ein klassischer Investitionskredit

bei der Hausbank, so der

vereidigte Finanzierungssachverständige

weiter. Diese Tendenz könnte sich

nach der Unternehmenssteuerreform

noch verschärfen. Denn Leasinginvestitionen

sollen künftig durch Doppelbesteuerung

stärker belastet werden. Nach

Berechnungen des Bundesverbandes

Deutscher Leasing-Unternehmen (BDL)

könnte „die gewerbesteuerliche Belastung

des Finanzierungsaufwandes einer

Leasinginvestition künftig das 2,5fache

einer vergleichbaren kreditfinanzierten

Investition betragen“, erklärt der Wirtschaftsverband.

Der Grund: Kreditinstitute

bleiben durch das sogenannte

„Bankenprivileg“ von der Doppelbesteuerung

verschont.

Für Unternehmer lohnt sich daher eine

genaue Überprüfung von verschiedenen

Leasingangeboten und der Vergleich mit

den Kreditkonditionen. Jeder Steuerberater

hat für diese Berechnungen die entsprechende

Software zur Hand und kann

so ausrechnen, welche Finanzierung

günstiger ist.

Trotzdem sollte man auch die Vorteile

von Leasing bedenken: Das Eigenkapital

des Betriebs wird geschont, da Leasingobjekte

Eigentum des Leasinggebers

bleiben. Monatliche Zahlungen an die

Leasinggesellschaft sind Fixkosten und

stellen eine sichere Kalkulationsgrundlage

für den Betrieb da. Darüber hinaus

erleichtert Leasing die notwendige Modernisierung

sowie den Umstieg auf

neue Technologien und die anstehenden

Folgeinvestitionen.

Eigenkapital schonen

Ein weiterer Vorteil ist die Bilanzneutralität:

Die geleasten Investitionsgüter tauchen

in der Bilanz des Leasingnehmers

nicht auf, sondern werden dem Leasinggeber

angerechnet. Nur die Leasingraten

werden als Betriebsausgaben in der Gewinn-

und Verlustrechnung des Kunden

verbucht. Die Eigenkapitalquote ändert

sich für den Betrieb nicht. In Zeiten von

Basel II und Rating ein nicht zu unterschätzendes

Argument.

Leasingraten sind als Betriebsausgaben

voll absetzbar, wenn das Leasingobjekt

steuerlich dem Leasinggeber zugeordnet

wird. Es darf aber kein „automatischer

Eigentumserwerb des Leasingnehmers“

angestrebt werden, sonst wertet der Fiskus

diesen Vorgang als verdeckten Abzahlungskauf.

Den Vertrag mit der Leasinggesellschaft

kann der Unternehmer

individuell auf Laufzeit, Amortisationsund

Zahlungsverlauf sowie Zahlungsweise

anpassen.


Der Mietkauf kann aber auch Nachteile

haben: Der Leasingnehmer erwirbt über

Leasing kein Eigentum. Das Investitionsgut

geht nach Ablauf des Vertrags

wieder zurück an die Leasinggesellschaft.

Wird die Maschine aber wegen

mangelnder Aufträge nicht genutzt oder

der Betrieb benötigt dringend Geld,

kann sie nicht verkauft werden. Die Leasingraten

müssen jedoch bis Vertragsende

weiter bezahlt werden und die Fix-

LEASINGEXPERTE NORBERT HOFMANN

„Vergleichen Sie unbedingt den Effektivzins“

Norbert Hofmann

(Foto), Leiter des

unabhängigen Instituts

für FinanzundLeasinginformation

in Mainz,

rät zur genauen

Prüfung der Alternativen.

Auf die

folgenden Punkte

kommt es an:

Investitionshilfen Berücksichtigen Sie beim

Vergleich alternativer Finanzierungen, dass

Sie im Gegensatz zum Leasing beim normalen

Kreditkauf eventuell eine Ansparabschreibung

oder öffentliche Investitionshilfen

in Anspruch nehmen können. Dies kann

von vornherein gegen Leasing ins Gewicht

fallen. Fragen Sie Ihren Steuerberater.

Vergleich Lassen Sie sich mehrere Angebote

von mehreren Leasinggesellschaften machen.

Eine Anbieterübersicht gibt es auf der

Homepage des Bundesverbandes Deutscher

Leasinggesellschaften.

Effektivzins Die simple Regel lautet: je

höher der Effektivzins, um so teurer der

Vertrag. Fragen Sie deshalb unbedingt nach

dem Effektivzins. Will der Leasinggeber ihn

nicht nennen, ist Vorsicht geboten.

Teilamortisation Schließen Sie bei Fahrzeugen

und langfristig nutzbaren Leasingobjekten

grundsätzlich nur Teilamortisationsverträge

ab. Vollamortisationsverträge, die

während der Mietzeit die Anschaffungskosten

und Abschreibung komplett decken,

kommen nur bei schnell veraltenden Objekten

(Beispiel: Computer) infrage. Die Vertragslaufzeit

sollte in solchen Fällen gemäß

Leasingerlass 90 Prozent der AfA-Dauer

entsprechen.

kosten bleiben auch bei Nicht-Nutzung

bestehen. Auch eine Kündigung des

Vertrags vor Ende der Laufzeit ist in der

Regel teuer. Der Leasinggeber kann dagegen

den Vertrag fristlos kündigen,

wenn der Kunde in Zahlungsverzug gerät

und eventuell sogar Schadenersatz

vom Leasingnehmer verlangen. �

kerstin.meier@handwerk-magazin.de

cornelia.hefer@handwerk-magazin.de

Mitautor: Frank Pollack

Sonderzahlung Je höher die Sonderzahlung

bei Vertragsbeginn, umso niedriger müssen

bei gleicher Laufzeit die Monatsraten sein.

Restwert Der Restwert sollte mindestens

den realistisch zu erwartenden Zeitwert bei

Vertragsablauf abdecken, tendenziell eher

etwas höher sein. Dadurch vermeiden Sie

Zins erhöhende Mehrerlösbeteiligungen

nach der Grundmietzeit, die Zusatzkosten

verursachen und nur dem Leasinggeber zugute

kommen. Ob der im Vertrag kalkulierte

Restwert plausibel ist, können Sie zum Beispiel

bei Fahrzeugen anhand der Schwacke-

Liste oder beim ADAC ermitteln.

Nebenbedingungen Achten Sie darauf,

dass der Leasinggegenstand präzise beschrieben

wird (Autos mit genauer Typenbezeichnung

und Sonderausstattung).

Prüfen Sie alle Nebenbedingungen des Vertrages,

etwa die Regelungen bei Überschreiten

der vorgegebenen jährlichen Kilometerleistungen.

Vorsicht auch bei Klauseln,

die dem Leasinggeber erlauben,

zwischen Vertragsabschluss und Lieferung

den Zinssatz anzupassen, falls sich in dieser

Zeit der Kapitalmarktzins erhöht.

Kündigung Kündbare Verträge enthalten

keinerlei Vorteile, sondern bergen häufig

erhöhte Zinsrisiken bei vorzeitiger Kündigung.

Wenn der Leasinggeber das Objekt

nicht verwerten kann, muss der Leasingnehmer

die Anschaffungskosten plus Zinsen

zahlen und das Objekt trotzdem hergeben.

Vermeiden Sie deshalb kündbare Verträge.

Degressive Raten Verträge mit zunächst

hohen, dann sinkenden Raten können Sie

mit den üblichen linearen Alternativangeboten

kaum vergleichen. Lassen Sie diese

daher auf jeden Fall vom unabhängigen Experten

prüfen.

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