STUTTGART 21 IST ÜBERALL - Drehscheibe

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STUTTGART 21 IST ÜBERALL - Drehscheibe

STUTTGART 21

IST ÜBERALL

JOURNALISTEN-READER

DAS AUFBEGEHREN DER

BÜRGER ALS CHANCE FÜR

DEN LOKALJOURNALISMUS

Modellseminar 1/2011

23. bis 27. Mai 2011

in Rostock


INHALT

Modellseminar: STUTTGART 21 IST ÜBERALL

Seite

Impressum 4

Stuttgart 21 oder Gelebte Demokratie und der Auftrag der Medien

Standpunkte

Prof. Dr. Dieter Rucht, Freie Universität Berlin

Jörg Hamann, Lokalchef Stuttgarter Nachrichten 5

Der virtuelle Stammtisch

12 Tipps, wie Journalisten soziale Netzwerke nutzen

Lars Wienand, Social-Media-Redakteur Rhein-Zeitung 9

Rettet die Bürgerzeitung den Journalismus?

Neue Konzepte für lesernahe Kommunalpolitik

Armin Maus, Chefredakteur Braunschweiger Zeitung 11

Meinungsmotor oder Debattenführer?

Die Rolle der Lokaljournalisten im politischen Prozess

Dr. Uwe Röndigs, Redaktionsleiter Weilburger Tageblatt 14

Stimmungslage stark verändert

Das Bürgerbarometer „fasst“ heiße Eisen an

Jürgen Haar, Chefredakteur Sindelfinger Zeitung / Böblinger Zeitung 16

Lokale Bedürfnisse und Bürgerbeteiligung

Gorleben, Stuttgart 21 und die Freie Heide

Benedikt Schirge, Sprecher FREIe HEIDe

Jochen Stay, Büro „ausgestrahlt“, Hamburg 18

Mein Persönliches Stuttgart 21

Redakteure aus der ganzen Bundesrepublik berichten 20

Journalismus zwischen den Stühlen

Die Aufgabe der Lokalredaktion

Marc Rath, verantwortlicher Regionalredakteur Altmark Volksstimme 21

Bürgerhaushalt – Königsweg oder Bankrotterklärung?

Pro und Kontra

Dr. Oliver Märker, geschäftsführender Gesellschafter von Zebralog

Dr. Stephan Eisel, ehemaliges Mitglied des Deutschen Bundestages,

Projektbeauftragter in der Konrad-Adenauer-Stiftung 23

2


Modellseminar: STUTTGART 21 IST ÜBERALL

Best Practice mit der drehscheibe

Protest gegen Umgehungsstraße: Main-Post macht Faktencheck 26

Mit neuer Motivation in die Redaktion

Tipps und Kniffs

Axel Bürger, Coach und Berater 27

ARBEITSGRUPPEN

Einmischen und Aufmischen

Wie Lokalredaktionen Politik machen können

Arbeitsgruppe 1 29

Ernst nehmen und Stimme geben

Die Lokalredaktion in sozialen Netzwerken

Arbeitsgruppe 2 31

Interaktivität und Qualität

Wir checken den virtuellen Stammtisch

Arbeitsgruppe 3 35

Thema setzen, Leser einbeziehen, Plattform bieten

Wie die Lokalredaktion bei strittigen Themen punktet

Arbeitsgruppe 4 39

ANHANG

Link- und Literaturliste 43

3


IMPRESSUM

Veranstalter

Bundeszentrale für politische Bildung/bpb

Berthold L. Flöper

Fachbereich Multimedia

Lokaljournalistenprogramm

Adenauerallee 86

53113 Bonn

Telefon (0 228) 995 15-5 58

Telefax (0 228) 995 15-4 98

E-Mail floeper@bpb.de

Tagungsorganisation

Daniel Nicolas-Cabello (bpb)

Telefon (0 228) 995 15-511

Telefax (0 228) 995 15-293

E-Mail nicolas-cabello@bpb.de

Vor Ort:

Nina Fries (bpb)

E-Mail nina.fries@gmx.de

Seminarleitung

Berthold L. Flöper

Bundeszentrale für politische

Bildung/bpb

E-Mail floeper@bpb.de

Sybille Binner

General-Anzeiger

Bonn

E-Mail s.binner@ga-bonn.de

Modellseminar-Team

Patricia Dudeck

Europa-Büro Detlef Drewes

Brüssel

E-Mail patricia.dudeck@ddrewes.eu

Marc Rath

Volksstimme

Magdeburg

E-Mail marc.rath@volksstimme.de

Modellseminar: STUTTGART 21 IST ÜBERALL

Sebastian Stöber

Torgauer Zeitung

Torgau

E-Mail sebastian.stoeber@haus-derpresse.de

Johann Stoll

Mindelheimer Zeitung

Mindelheim

E-Mail johann.stoll@mindelheimerzeitung.de

Journalisten-Reader und Fotos

Anke Vehmeier

Freie Journalistin

Bonn

Telefon (0 228) 946 9884

Telefax (0 228) 946 9884

E-Mail anke.vehmeier@web.de

Tagungsstätte

InterCity Hotel

Herweghstraße 51

18055 Rostock

Telefon (0 381) 49 50-0

E-Mail

reservations@rostock.intercityhotel.de

4


STANDPUNKTE

Modellseminar: STUTTGART 21 IST ÜBERALL

Prof. Dr. Dieter Rucht, Freie Universität Berlin

Selbstbewusste Bürger

Auf dem Weg zur partizipatorischen Demokratie

Politische Partizipation (bzw. Beteiligung)

gilt gemeinhin als Voraussetzung und

Indikator einer lebendigen Demokratie.

Bürgerbeteiligung „is at the heart of

democracy” (Verba et al. 1995) und der

Kern des Zivil-Engagements.

Entsprechend werden Zeichen einer Parteien-

oder gar Politikverdrossenheit als Gefahr

für den langfristigen Bestand von Demokratien

interpretiert. Aber es gibt auch

Warnungen vor einer Überpolitisierung der

Bürgerschaft, die sich zu viel einmische, mit

Forderungen nach mehr und – vor allem –

direkter politischer Partizipation den Spielraum

der gewählten Volksvertreter einenge

oder durch bornierten Protest die Umsetzung

wichtiger Vorhaben blockiere. Wollen

die Bürgerinnen und Bürger überhaupt mehr

politische Beteiligung? Und nehmen sie die

verfügbaren Beteiligungsmöglichkeiten in

steigendem Maße wahr? Oder gibt es, entsprechend

der Verdrossenheitsthese, eine

generelle oder speziell bei Jugendlichen

sichtbare Abwendung von der Politik?

„POLITISCHE BETEILIGUNG

WIRD THEMATISCHER“

Das politische Interesse als eine Voraussetzung

politischer Partizipation ist in der

Gesamtbevölkerung in den beiden letzten

Jahrzehnten relativ stabil geblieben. Bei Jugendlichen

hat es im langfristigen Trend

deutlich abgenommen, ist aber in den

letzten Jahren wieder angestiegen. Große

Prof. Dr. Dieter Rucht

Teile der Bürgerschaft wünschen eine Erweiterung

politischer Beteiligungsmöglichkeiten.

Die bestehenden Möglichkeiten werden

in erheblichem Umfang wahrgenommen.

Hierbei zeigen sich allerdings markante

Verschiebungen.

Die institutionell geregelten und durch

Großorganisationen kanalisierten Beteiligungsformen

verlieren an Gewicht; die

Protestneigung hat im langfristigen Trend

der letzten Jahrzehnte zugenommen, war

seit Beginn des Jahrtausends rückläufig und

scheint seit 2010 wieder angestiegen zu

sein.

Die politische Beteiligung wird in

thematischer, organisatorischer und

aktionsbezogener Hinsicht vielgestaltiger

und variantenreicher. Sie ist Ausdruck einer

insgesamt konfliktreichen politischen Kultur,

5


Modellseminar: STUTTGART 21 IST ÜBERALL

die immer stärker von einer selbstbewussten

und aktiven Bürgerschaft geprägt wird, in

der, wie alle verfügbaren Daten zeigen, die

gebildeten Mittelschichten deutlich überrepräsentiert

sind.

Die Diskussion über die Rolle von Medien

und Politik beim Projekt Stuttgart 21 und

anderen Bürgerbewegungen:

Sylvia Binner (v.l.), Prof. Dieter Rucht,

Berthold L. Flöper, Jörg Hamann.

JÖRG HAMANN:

„DIE LESER HABEN SICH

WENIG INTERESSIERT, WEIL

SIE NICHT GEGLAUBT

HABEN, DASS STUTTGART

21 KOMMT“

PROF. DIETER RUCHT:

„GEIßLER HAT ALS

FAKTENSCHLICHTER

BEGONNEN UND ALS

RICHTER GEENDET“

ZUR PERSON

Prof. Dr. Dieter Rucht,

geboren 1946, ist Honorarprofessor

für Soziologie an der

Freien Universität Berlin und

Ko-Leiter der Forschungsgruppe

„Zivilgesellschaft, Citizenship

und politische Mobilisierung

in Europa“ am Wissenschaftszentrum

Berlin für Sozialforschung.

Autor

verschiedener Bücher, u.a.

„Politische Diskurse im Internet

und in Zeitungen: Das Beispiel

Genfood“, VS Verlag 2008;

„Nur Clowns und Chaoten? Die

G8-Proteste in Heiligendamm

im Spiegel der Massenmedien,

Campus 2008.

Kontakt:

Tel.: 030 – 25 49 1 306

E-Mail: rucht@wzb.eu

PROF. DIETER RUCHT:

„DIE PROTESTE WERDEN

ZUNEHMEN. ES WIRD

SCHWIERIGER, STRITTIGE

PROJEKTE UMZUSETZEN“

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STANDPUNKT

Modellseminar: STUTTGART 21 IST ÜBERALL

Jörg Hamann, Stuttgarter Nachrichten

„Im Kern stets für Stuttgart 21

Ein komplexes Projekt umfassend darstellen

Die Berichterstattung über Stuttgart 21

gerade in den Medien vor Ort, in Baden-

Württemberg, wurde teilweise stark

kritisiert. Dass die Redaktionen dabei

Stellung bezogen haben, stieß auf

manchen Widerspruch. Jörg Hamann,

Lokalchef bei den Stuttgarter

Nachrichten, erklärt die Hintergründe.

Wann haben Sie als Redaktion zum ersten Mal

über Stuttgart 21 berichtet?

Jörg Hamann: Am 19. April 1994. Am

Vortag hatten der

damalige Bahnvorstandsvorsitzende

Heinz Dürr,

Ministerpräsident

Erwin Teufel,

Bundesverkehrsminister

Matthias

Wissmann und OB

Manfred Rommel

das Vorhaben

erstmals vorgestellt.

Jörg Hamann

Gab es später Diskussionen in der Redaktion,

wie berichtet werden soll? Wurde eine

Redaktionsmeinung festgelegt?

Hamann: Diskussionen in der Redaktion

gab es seit jenem Tag zuhauf. In allen Leitartikeln

haben sich die Stuttgarter Nachrichten

im Kern bisher stets für S 21 ausgesprochen.

Das ist aber keine Festlegung für

alle Zeiten und hat nie kritische Kommentare

im Einzelfall ausgeschlossen.

Welche Rolle spielen die Medien im Prozess?

Hamann: Die Stuttgarter Nachrichten versuchen

über ein komplexes Projekt zu informieren,

Chancen und Risiken aufzuzeigen,

bauliche wie politische Entwicklungen

zu kommentieren. Insgesamt jedoch

trägt die Vielzahl an oft aus politischem

Interesse gestreuten Veröffentlichungen

über alle Medienkanäle eher zur Verwirrung

denn zur Aufklärung der Bürger bei.

Warum gab es so viel Kritik an den

Stuttgarter Zeitungen?

Hamann: Für die Stuttgarter Nachrichten

gab es von den Lesern überwiegend Lob.

Kritik lässt sich heute durch die Vernetzung

im Internet leicht bündeln, um so gezielt eine

Gegenöffentlichkeit aufzubauen. Diese

bildet nicht die Mehrheit, wird aber als

solche wahrgenommen.

ZUR PERSON

Jörg Hamann, geboren 1962, Lokalchef der

Stuttgarter Nachrichten seit 2007. Seit 2009

zudem Leiter des Ressorts Region Stuttgart.

Volontariat bei der Sindelfinger Zeitung. Ab

1992 dort Lokalredakteur. Gleichzeitig vier

Jahre Fußballtrainer beim VfL Sindelfingen in

der Verbandsliga. 1994 Berufung zum Ausbildungsredakteur.

1996 Lokaljournalistenpreis

der Konrad-Adenauer-Stiftung für Konzeption

und Umsetzung einer täglichen Seite „Lokal 3“.

1998 Wechsel zu den Stuttgarter Nachrichten

als stv. Lokalchef. Ende 2007 Konzeption und

Moderation der Veranstaltungsreihe „Forum

Stuttgart 21“.

Kontakt:

Tel.: 0711 – 7205 7600

E-Mail: J.Hamann@stn.zgs.de

7


PROF. DIETER RUCHT:

„WIDERSTAND IST KEIN

NEUES PHÄNOMEN IN

DEUTSCHLAND“

Die Stuttgart 21-Debatte sorgt für

reichlich Diskussionsstoff:

Redaktionen zwischen allen

Stühlen, darf für eine Seite Partei

ergriffen werden?

JÖRG HAMANN:

„WIR HATTEN 139

ABBESTELLUNGEN WEGEN

STUTTGART 21

Modellseminar: STUTTGART 21 IST ÜBERALL

PROF. DIETER RUCHT:

„DIE ZEITUNGEN SIND

ZIEMLICH GUT“

JÖRG HAMANN:

„WIR HABHEN VORWÄRTS,

RÜCKWÄRTS, SEITWEITS

INFORMIERT, ABER DIE

LEUTE INTERESSIERTEN

SICH NICHT DAFÜR“

PROF. DIETER RUCHT:

„ZEITUNGEN MÜSSEN DIE

LESERSCHAFT VIEL

STÄRKER EINBEZIEHEN“

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TIPPS

Modellseminar: STUTTGART 21 IST ÜBERALL

Lars Wienand, Social-Media-Redakteur Rhein-Zeitung

Der virtuelle Stammtisch

12 Tipps, wie Journalisten soziale Netzwerke nutzen können

Facebook, My Space, Schüler VZ,

Lokalisten, Twitter. Soziale Netzwerke

sind sehr beliebt. Dort werden Kontakte

geknüpft, Neuigkeiten verbreitet und

Geschichten erzählt. Wie können

Journalisten die sozialen Netzwerke für

ihre Arbeit nutzen? Lars Wienand, Social-

Media-Experte von der Rhein-Zeitung in

Koblenz, gibt 12 Tipps:

1. Nutzen und Spaß wachsen mit der

Erfahrung. Also durchhalten!

2. Die Erwartung an Social Media ist

idealerweise Dialog auf Augenhöhe.

Arroganz ist tödlich, Ignoranz schadet,

Selbstbewusstsein nicht verboten.

3. Wo es angemessen ist, siegt

Frechheit. Nachrichten mit Augenzwinkern

gewinnen Sympathien.

4. Journalistisch-berufliche Begeisterung

über spektakuläre, klickstarke Themen teilen

die Leser nicht unbedingt: Vorsicht bei der

„Verkaufe“ von tragischem Geschehen –

eigentlich selbstverständlich.

5. Einblicke in die Arbeit schaffen

Verbundenheit (und Ärger, wenn Kollegen

nichts davon wissen). Fans & Follower

freuen sich mit, wenn der Chef für gute

Arbeit Pizza spendiert – das ist zugleich

auch PR.

6. Klarheit über die „Farbe“ des Accounts

hilft. Zu Einblicken in die Arbeit einer

Redaktion gehört das samstägliche

Rasenmähen eines Kollegen wirklich nur,

wenn es auch Teil einer Reportage ist…

7. Auch in Sozialen Medien gehört es

sich, die Quellen zu nennen – und es erhöht

die Chance, Hinweise zu bekommen.

8. Bei einem von mehreren Mitarbeitern

betreuten Account können Kürzel helfen –

auch das kann Verbundenheit schaffen, und

es erleichtert intern Rückfragen. Und

meinungsgefärbte Tweets sind dann als

persönliche Meinung gekennzeichnet.

Lars Wienand

9. In Sozialen Medien gibt es viele

Nutzer, die vieles besser wissen und

kennen. Es ist Service und keine Schande,

auch mal fremde Inhalte weiterzugeben.

10. In Echtzeitmedien ist Neues schon

nach Stunden für viel nicht mehr neu. Beim

Verbreiten von nicht exklusiven Inhalten

9


sollte man das berücksichtigen und

entsprechend anmoderieren.

Modellseminar: STUTTGART 21 IST ÜBERALL

11. Was raus ist, ist raus und lässt sich

in der Regel nicht mehr einfangen. Denken

vor dem Abschicken schadet deshalb nicht.

12. Fehler passieren, Aufregung legt

sich und wirkt im Netz oft viel massiver, als

sie es tatsächlich ist. Gelassenheit hilft,

Fehler einzugestehen auch.

Beispiele aus der Praxis:

1. MoJane suchte einen Landtierarzt

für einen Artikel – sie hat getwittert

und hatte in wenigen Minuten einen

Ansprechpartner.

2. Typische Themen: Aufrufe „Super

Wetter, schickt uns Frühlingsfotos“.

Damit haben wir Bildergalerien

gemacht.

3. Aus einer Ratsitzung werden 10 bis

15 Tweets geschickt.

4. Hinweis auf Artikel: „Schwerer

Unfall, wir schreiben noch, Artikel

erscheint gleich online.“

5. Wir geben Einblicke in

Arbeitsabläufe der Redaktion, etwa

„Recherche ist schwierig“ oder

„Leser war gerade hier und hat uns

Hinweis für Geschichte gegeben.“

Die Präsentation von Lars Wienand steht

online unter:

http://larswienand.posterous.com/derstammtisch

ZUR PERSON

Lars Wienand, geboren 1974.

Er volontierte bei der Rhein-

Zeitung. 1998 wechselte er

nach Karlsruhe, wo er die

Sonntagszeitung „Boulevard

Baden“ mit aufbaute und Redaktionsleiter

wurde. Nach einem

Gastspiel bei der Frankfurter

Neuen Presse wurde er

Mitglied der Redaktionsleitung

einer Lokalredaktion der

Rhein-Zeitung. Er wechselte

2003 zur Hauptausgabe nach

Koblenz. Er wurde Terminchef

am Newsdesk der Zentralredaktion.

Im September 2009

wurde er erster Social Media-

Redakteur einer deutschen

Regionalzeitung. Heute ist er

verantwortlicher Redakteur für

Social Media.

Kontakt:

Tel.: 0261 – 892 264

E-Mail:

Lars.Wienand@rheinzeitung.net

INFO

„Twitter for beginners“ in

Redaktionen: Am Anfang ist

es mühsam, erst später macht

es Spaß. Zum Start sollten

Twitterer aus der Region

identifiziert und ihnen gefolgt

werden.

Mit Twitter search kann man

sich alle Tweets aus 15

Kilometer Umkreis anzeigen

lassen. Dann hat die Redaktion

erste Anlaufstellen.

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REFERAT

Modellseminar: STUTTGART 21 IST ÜBERALL

Armin Maus, Chefredakteur Braunschweiger Zeitung

Rettet die Bürgerzeitung den

Lokaljournalismus?

Neue Konzepte für eine lesernahe Kommunalpolitik

Eine neue Haltung nimmt die Braunschweiger

Zeitung ein: Sie geht auf Augenhöhe

mit den Lesern. „Die Zeitung

machen wir nicht nur für den Bürger,

sondern aus Überzeugung auch mit dem

Bürger“, sagt Armin Maus, Chefredakteur

der Braunschweiger Zeitung. Sein

Vorgänger, Paul-Josef Raue, hatte die

„Bürgerzeitung“ erfunden. Sein Credo:

Die Zeitung versteht sich als Marktplatz

der Demokratie, den Journalisten

moderieren.

„Wir geben dort den Bürgern eine Stimme

und der Stimme ein Gewicht, wir schaffen

Übersichtlichkeit und Durchblick“, so Maus.

Die Redaktion hat mehr als 30 Elemente für

den Dialog mit Lesern/Nutzern entwickelt

● Warum Bürgerzeitung?

Aus der Erkenntnis: Leser/Nutzer wollen

mitreden. So sind die „Wutbürger“ eine

Chance für den Journalismus, meint der

Chefredakteur. Bodo Hombach, Geschäftsführer

der WAZ-Mediengruppe sagt es so:

„Der Souverän wartet nicht mehr auf den

nächsten einsamen Moment in der Wahlkabine.

Er will auch unterwegs genauer

wissen, wie und wohin der Hase läuft. Das

ist Trend. […] Die Gesellschaft der Zukunft

ist eine Dialoggesellschaft – wenn nicht, versteinert

sie. Wer bereit ist, einen Prozess zu

fördern und zu begleiten, der den Nahbereich

wieder nach vorne bringt, ist modern

wie schon lange nicht mehr. In einer Demokratie

wächst Macht durch Überzeugungskraft.

Mit jedem Zuwachs an Transparenz

gewinnen staatliche Verfahren an Legitimität.

Am Ende stehen endlich die Sachfragen

im Vordergrund.“

Armin Maus

„Die Bürgerzeitung bereitet uns auf die

Spielregeln eines Journalismus im

Zeitalter des Web 2.0 vor“, sagt

Chefredakteur Maus. Dabei gibt es den

positiven Marketing-Effekt: Stärkung der

Leser-Blatt-Bindung.

● Basis-Kontakte im Alltag

- Leser in der Redaktion

An sechs unserer sieben Standorte

können Leser spontan die Redaktion

im Herzen ihrer Stadt besuchen – in

Braunschweig ist der Besuch leider

noch beschwerlich.

- Kontaktaufnahme mit Autoren

- Lokales Lesertelefon. Dieses Angebot

machen zwei der sieben Lokalredaktionen.

● Leserredaktion und Leserseite(n)

Seitdem ein Redakteur der zentrale Ansprechpartner

für unsere Leser ist und

täglich die „Seite der Leser“ anbietet, hat

sich die Zahl der Leserbriefe verfünffacht.

- Neben der täglichen Leserseite im Mantel

bieten auch die Lokalredaktionen mehrmals

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Modellseminar: STUTTGART 21 IST ÜBERALL

wöchentlich Seiten mit Leserbriefen und -

fotos an. Als Grundregel gilt: Jeder Leser

bekommt eine Antwort auf seine Einsendung

– und sei es nur eine kurze Empfangsbestätigung.

● Interviewreihe „Leser fragen“

Seit 2003 haben mehr als 800 Leser auf

Einladung unserer Zeitung Prominente

interviewt. Diese Interviews werden immer

„WIR HABEN KEINE

LESERMEINUNG

UNTERSCHLAGEN“

dienstags auf der Seite 3 veröffentlicht. Viele

der Interviews durchbrechen die klassischen

Kommunikationsmuster zwischen Journalisten

auf der einen und Medienprofis auf der

anderen Seite: Viele Befragte antworten in

dieser Situation offener und unbefangener

als in der herkömmlichen Interviewsituation.

● Der Ombudsrat

Die Ombudsräte Heinrich Kintzi und

Heinz-Peter Lohse nehmen zu Leserbeschwerden

Stellung. Häufig geht es um

ethische Fragen und die Themenauswahl.

Gelegentlich landen auch presserechtliche

Fälle beim Ombudsrat. Die Zahl der Leser,

die sich an den Ombudsrat wenden, hat in

jüngster Zeit abgenommen, einige Themen

wiederholen sich. Der Presserat hat sich in

einem Verfahren ausdrücklich auf den Ombudsrat

bezogen.

● Die Leserkonferenzen

Seit Oktober 2008 lädt jede Lokalredaktion

vierteljährlich zur Leserkonferenz ein. Die

Stammleser werden von der Redaktion ausgewählt

und gehören der Runde etwa ein

Jahr lang an. Die Konferenzen diskutieren

die Themenauswahl und -präsentation. Im

Anschluss berichtet die Lokalredaktion über

die Anregungen und Ergebnisse.

● Der große Schultest

Das Thema Schulen wurde immer wieder in

den Leserkonferenzen diskutiert. Deshalb

haben wir im Frühjahr 2010 die Umfrage

„Der große Schultest“ initiiert. Eine

Arbeitsgruppe erarbeitete einen Schüler-,

einen Eltern- und einen Lehrerfragebogen.

Statistiker der TU Braunschweig konnten die

Fragebögen maschinell auswerten. Mehr als

15.000 Schüler, Eltern und Lehrer nahmen

an der Umfrage teil.

Nach den Osterferien berichtete unsere

Zeitung vier Wochen lang über den

Schultest. Die Umfrage Ergebnisse wurden

in Grafiken zusammengestellt, außerdem

gab es Reportagen aus den Schulen und

zahlreiche Hintergrund-Artikel. Insgesamt

erschienen etwa 300 Beiträge. Das Konzept

wurde inzwischen mit einem European

Newspaper Award und dem Deutschen

Lokaljournalistenpreis ausgezeichnet.

● Leser-Forum „Sarrazins Thesen“

In der emotional geführten Integrationsdebatte

im Herbst 2011 haben wir keine Lesermeinungen

unterschlagen, sondern beim

Leser-Forum moderiert. Fünf Experten aus

der Region beantworteten über drei Wochen

die Fragen unserer Leser. Bei der Abschlussdiskussion

haben Leser und

Experten ihre Argumente ausgetauscht.

Ähnlich sind wir bei der Plagiats-Affäre um

Karl-Theodor zu Guttenberg und nach der

Atomkatastrophe von Fukushima verfahren.

● Stadt-/Ortsteilabende „BZ bei uns“

Mit Stadt- und Ortsteilabenden wollen

wir den Lesern und ihren Themen nahe

kommen. Die Abende bieten einen bunten

Mix aus Diskussion und Unterhaltung. Wir

wirken der Entfremdung zwischen Reportern

und Lesern entgegen und holen die Leser

vor ihrer Haustür ab.

Wir bieten Menschen, Gruppen und

Institutionen ein Forum, die ihren Stadt oder

Ortsteil prägen. Jede Lokalredaktion

organisiert pro Jahr sechs dieser

Veranstaltungen.

● (Wahl-) Umfragen / Teds

Zur Bundestagswahl 2009 haben Schüler

aus der Region eine repräsentative Wahlumfrage

für uns gemacht (Grafstat – Schüler

als Wahforscher).

Die Redaktion setzt regelmäßig Telefonabstimmungen

ein. Das Ergebnis veröffentlichen

wir am Folgetag in der Zeitung –

mit dem Hinweis, dass es sich nicht um eine

repräsentative Umfrage handelt. Parallel

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dazu bietet sie auf ihrem Internetportal

Votings an. Das Projekt wurde mit dem

Wahl-Award der Bundeszentrale für

politische Bildung ausgezeichnet.

Modellseminar: STUTTGART 21 IST ÜBERALL

● Dialog via Facebook

Die Redaktion bespielt derzeit sieben Profile

auf Facebook. Das Ziel: Kommentare,

Einschätzungen und Recherche-Tipps aus

der Community. Seit Anfang April hat das

„LESER NEHMEN

DIALOG-ANGEBOTE AN“

Hauptprofil „Braunschweiger Zeitung“ mehr

als 400 Fans gewonnen.

● Weitere Elemente der Bürgerzeitung

- Die medienpädagogischen Projekte

„Tageszeitung im Kindergarten“, „Schule +

Zeitung“ und „ZUKUNFT BILDEN“

- Die junge Chefredaktion: Jugendliche

setzen für eine Ausgabe die Themen im

Mantel-Teil, begründen ihre Auswahl und

kommentieren.

- Jugendparlamente und Kinder- Pressekonferenzen

- Der Gemeinsam-Preis: Leser schlagen

ehrenamtliche Projekte vor und wählen ihre

Favoriten. Die Preisträger werden im Braunschweiger

Dom ausgezeichnet.

- Leser wählen den Wolfsburger des Jahres

/ Gifhorner des Jahres.

- Leser wählen ihre „Sportler des Jahres“.

- Wissenschafts-Parlamente und Kamin-Gespräche

im Schloss Richmond, bei denen

Leser mit Experten Themen aus der Forschungsregion-Braunschweig

diskutieren.

- Expertentelefone und tägliche Ratgeber-

Angebote

- Serviceorientierte Serien und Beilagen mit

hohem Nutzwert und Mitmach- Angeboten

für die Leser wie die Fitness-Zeitung oder

die Garten Zeitung.

● Erfolge der Bürgerzeitung

- Das Gesamtkonzept wurde 2009 mit dem

Deutschen Lokaljournalistenpreis der

Konrad- Adenauer-Stiftung ausgezeichnet.

- Auch einzelne Elemente sind preisgekrönt,

etwa die Interviewreihe „Leser fragen“, der

„Gemeinsam-Preis“ oder – ganz aktuell –

der „Große Schultest“ oder die „Fitness-

Zeitung“.

- Die Leser nehmen die vielfältigen Dialog-

Angebote an.

- Die Redaktion tut sich mit neuen

Dialogformen im Web (Foren, Blogs,

Kommentarfunktion, Social Media) leichter,

weil sie den kontinuierlichen Dialog mit

Lesern längst gewöhnt ist.

● Leitfragen zur Weiterentwicklung der

Bürgerzeitung

1. Ist uns der Dialog mit Lesern wirklich in

Fleisch und Blut übergegangen?

2. Nehmen wir unsere Leser wirklich ernst?

3. Wie nah sind wir im Alltag bei unseren

Lesern?

4. Bilden wir tatsächlich das ganze

Meinungsspektrum ab?

5. Kennen wir unsere Leser? Welche

Marktforschung brauchen wir?

6. Können wir mit dem Konzept der

Bürgerzeitung junge Menschen erreichen

und neue Leser gewinnen?

7. Wie verlängern wir die Bürgerzeitung ins

Netz?

8. Wie nutzen wir Blogs, Facebook und Co.?

Die Präsentation zum Referat steht auf der

Internetseite der drehscheibe unter:

www.drehscheibe.org/weblog/?p=2081

.

ZUR PERSON

Armin Maus, geboren 1964.

Volontariat bei der „Mittelbayerischen

Zeitung“ in

Regensburg. Dort war er von

1989 bis 1995 Politikredakteur,

danach Leiter der

Lokalredaktion und schließlich

Redaktionsleiter Stadt

und Landkreis. 2003 bis 2005

stellvertretender Chefredakteur

der „Braunschweiger

Zeitung“. 2005 bis 2010 Chefredakteur

des „Frankischen

Tag“ in Bamberg. Seit Juli

2010 Chefredakteur der

„Braunschweiger Zeitung“.

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INTERVIEW

Modellseminar: STUTTGART 21 IST ÜBERALL

Dr. Uwe Röndigs, Redaktionsleiter Weilburger Tageblatt

Meinungsmotor oder Debattenführer?

Die Rolle der Lokaljournalisten im politischen Prozess

Ein neuer Windpark soll entstehen, eine

Bürgerinitiative macht Stimmung

dagegen. Der Nothaushalt zwingt die

Stadt, ein Filet-Grundstück zu verkaufen

– in der Bevölkerung regt sich

Widerstand. Lokalredaktionen tun sich

oft schwer damit, ihre Rolle innerhalb

solcher Entwicklungen zu definieren,

sagt Dr. Uwe Röndigs, Redaktionsleiter

des Weilburger Tageblatts. Er sagt:

„Zeitungen gelingt es oft nicht,

gesellschaftlich relevante Prozesse

rechtzeitig und lesernah so transparent

zu machen, dass Entscheidungen auf

politischer Ebene belastbar bleiben.“

Fallen wir allzu oft auf Klischees rein?

Dr. Uwe Röndigs: Ich glaube ja. Klischees

sind vorgeformte Bilder, die wir im Kopf

haben, die wir täglich mit neuen Informationen

nähren. Es geht um die Ackermänner

genauso wie um Mutter Theresa und Co.

Das Problem dabei ist: Klischees verhindern

einen freien Blick auf die Nachrichten- und

Datenlage. Das Problem ist aber auch:

Ohne solche Bilder kommen wir im Alltag

nicht klar. Wir brauchen also Instrumente

und Begriffe, die uns den Alltag erklären und

verständlich machen.

Was kann man da tun?

Röndigs: Sich immer wieder Rechenschaft

geben - und dies in einer mitdenkenden

Redaktion - über Begriffe, die im Redaktionsalltag

gebraucht werden: Wenn wir über

Hartz-IV-Schmarotzer reden oder auch

Sexualstraftäter vorverurteilen, wenn wir

Wutbürgern unterstellen, sie wollten nur

Eigeninteressen durchsetzen, oder wenn wir

hinter jedem Funktionär einen potenzielles

Mitglied einer Korruptionsbande sehen. Die

Kritik, die wir an andere anlegen, sollten wir

auch an unsere eigene Arbeit anlegen. Das

sollte Stil werden in kritischen Redaktionen.

Dr. Uwe Röndigs

Wie kommt es, dass Redaktionen von

außen gesteuert werden?

Röndigs: Da fallen mir zwei Dinge ein. Das

erste: Das ist das Thema Recherche und

Informationsfluss. Wenn wir ehrlich sind,

dann sind wir in deutschen Lokalredaktionen

zu 80 Prozent Adressaten einer

organisierten Öffentlichkeit. Termine,

Pflichtstoff, wohin man sieht. Den zu

verarbeiten und das Publikum bei Laune zu

14


Modellseminar: STUTTGART 21 IST ÜBERALL

halten, ist in schrumpfenden Redaktionen

schon ein gehöriger Akt. Die nachhaltige

Recherche ist oft Kür. Mit neuen

Redaktionsformen wird versucht, das

Verhältnis zu verändern. Der Beweis, dass

dies gelingt, steht meines Erachtens noch

aus. Der zweite Punkt: die Nähe zu

politischen und gesellschaftlichen

Entscheidern. Da fehlt es - gerade in

„EIN KRITIKER IST MIR

LIEBER ALS ZEHN

FREUNDE“

Führungsetagen - nicht selten an dem

notwendigen Abstand. Wollen Redakteure

Mächtige sein, sind sie anfällig, Partei zu

werden.

Welche Rolle spielen Redaktionen in der

lokalen Kontroverse - welche Rolle

sollten sie einnehmen?

Röndigs: Redaktionen tut es gut, wenn sie

in Debatten einsteigen. Sie haben eine

soziale Funktion. Das ist für mich ein

Qualitätsmerkmal der Arbeit. Das ist auch

ein Übungsfeld: Sich für Leser zu

engagieren und sich in ihre Rolle zu

versetzen. Der Spagat: Sprachrohr zu sein

für Menschen, die sich sonst nicht äußern

können oder mögen, ohne sich unkritisch

und unreflektiert zum Handlanger zu

machen. Debatten auf Werte und Normen

zurückführen, die für eine Gesellschaft zum

Konsens gehören, Beteiligungsformen

bereitzustellen, damit Politiker oder

Funktionäre ihre Entscheidungen

verständlich machen - geschieht dies, ist

einiges gewonnen. Auch für das

gesellschaftliche Standing von Zeitungen.

ZUR PERSON

Dr. Uwe Röndigs, geboren

1962 begann seine journalistische

Ausbildung 1984 beim

Stader und Buxtehuder Tageblatt,

wo er auch als

Lokalredakteur tätig war. Nach

seiner Promotion im Fach

Europäische Integrationsgeschichte

wechselte Röndigs in

die Politikredaktion des Wiesbadener

Kurier. Im Jahr 2004

übernahm der Vater von vier

Kindern die Redaktionsleitung

der Oldenburgischen Volkszeitung

(OV) in Vechta. 2006

kehrte er nach Hessen zurück

und leitet seitdem das Weilburger

und Nassauer Tageblatt,

die im Zeitungsverlag Lahn-Dill

(Hauptausgabe Wetzlarer Neue

Zeitung) erscheinen.

Kontakt:

Tel.: 06471 – 93 80-28

E-Mail:

u.roendigs@mittelhessen.de

15


INTERVIEW

Modellseminar: STUTTGART 21 IST ÜBERALL

Jürgen Haar, Chefredakteur Sindelfinger Zeitung / Böblinger Zeitung

Stimmungslage stark verändert

Das Bürgerbarometer „fasst“ heiße Eisen an

Am Puls des Bürgers spürt die

Sindelfinger/Böblinger Zeitung auf, was

den Menschen in der Region wichtig ist,

worüber sie sich ärgern und was sie sich

wünschen. Regelmäßig werden beim

Bürgerbarometer heiße Eisen angepackt

und Stimmungsbilder eingeholt.

Was ist das Bürgerbarometer, was wird

abgefragt?

Jürgen Haar: Das Bürgerbarometer der

SZ/BZ befragt jeweils 300 Sindelfinger und

Böblinger Bürger zu lokal relevanten

Themen aus den Bereichen Lebensqualität,

Arbeit, Einkaufen, Sicherheit, Verkehr,

Bildung, Kinderbetreuung, etc. Fragen

waren zum Beispiel: „Nutzen Sie den

öffentlichen Personennahverkehr?“, „Sind

Sie für die gemeinsame Stadt?“, „Sind Sie

für kostenfreies Parken in der Innenstadt?“,

„Sind Sie mit der Arbeit des Gemeinderats

zufrieden?". Es gibt vor allem geschlossene

Fragen mit mehreren Antwortmöglichkeiten

und ein paar wenige offene Fragen. Die

repräsentative Befragung wird durchgeführt

von der GMA Ludwigsburg. Die erste

Befragung fand 2004 statt und findet

seitdem alle drei Jahre statt. Damit ist für

wichtige Themen Vergleichbarkeit möglich.

Welche drei wichtigsten Erkenntnisse

gab es?

Haar: In kurzer Zeit hat sich die Stimmungslage

bei einigen Fragen stark geändert. Zum

Beispiel bei der Arbeitsplatzsicherheit.

Andere Themen waren nach drei Jahren

„weg vom Fenster“.

Bei der Befragung ist wichtig, dass die

sozio-demografischen Daten identisch zu

den Vorjahren sein müssen. Gibt es an einer

Stelle Probleme, ist prompt die

Vergleichbarkeit nicht mehr gegeben. Eine

Frage lautete: „Wo kaufen Sie am liebsten

ein?“ Ohne erkennbare Veränderung bei der

Datenerhebung in der Bevölkerung gab es

Jürgen Haar

ein völlig anderes Bild als bei der Befragung

Jahre zuvor. Die Analyse ergab, dass in der

2010-Befragung die Altersstruktur nicht

gleich zur Vorgängerbefragung war. Darauf

muss man in der Zusammenarbeit mit dem

Institut achten.

Wie waren die Reaktionen bei Lesern,

Politik etc.?

Haar: Die Leserreaktionen waren stärker

und direkter als die der Politik. Leserbriefe

waren die häufigste Art der Reaktion.

Nachdem die Sympathiewerte des

Sindelfinger Oberbürgermeisters stark

zurückgegangen waren, wollte das OB-Büro

16


unbedingt die Einzelergebnisse und auch

die Zahlen der vorangegangenen

Modellseminar: STUTTGART 21 IST ÜBERALL

Befragungen haben. Auch die Center-

Manager von Einkaufszentren waren an den

Zahlen zum Thema Einzelhandel interessiert.

Gab es direkte, umgesetzte Konsequenzen

aus den Ergebnissen?

Haar: Es gab in den vergangenen Jahren

keine Entscheidung in der Kommunalpolitik,

die erkennbar auf das Bürgerbarometer

zurückgehen. Interessant ist zum Beispiel,

dass das Interesse an einem neuen

Einkaufszentrum in Böblingen, das zurzeit

geplant wird, bei den Bürgern relativ gering

ist. Das müsste ein klares Signal für

Stadtverwaltung, Gemeinderat und Investor

sein, die Öffentlichkeitsarbeit für die Projekte

zu verstärken.

ZUR PERSON

Jürgen Haar, geboren 1957, ist

Chefredakteur der Sindelfinger

Zeitung / Böblinger Zeitung

(seit 2003). Volontariat bei der

Sindelfinger Zeitung, danach

Sportredakteur bei der

Sindelfinger Zeitung. Er war

Chef vom Dienst bei der

Deutschen Tennis-Zeitung. Von

1984 bis 2003 Chef vom Dienst

und stv. Redaktionsleiter bei

der Sindelfinger Zeitung/ Böblinger

Zeitung.

Außerdem: Sonderpreise beim

Lokaljournalistenpreis der

Konrad-Adenauer-Stiftung

(1993 + 2001). Lehrbeauftragter

an der Universität

Hohenheim Mitglied im Projektteam

Lokaljournalismus der

Bundeszentrale für politische

Bildung (1999 - 2003).

Kontakt:

Tel.: 07031 - 862 – 212

E-Mail: juergen.haar@szbz.de

17


DISKUSSION

Modellseminar: STUTTGART 21 IST ÜBERALL

Ikonen der Protestbewegung in Deutschland: Benedikt Schirge und Jochen Stay.

Benedikt Schirge, FREIe HEIDe, und Jochen Stay, Büro „ausgestrahlt“

Lokale Bündnisse und Bürgerbeteiligung

Gorleben, Stuttgart 21 und Freie Heide

Zwei Ikonen der Protestbewegung mit

ganz unterschiedlichen Biografien, aber

auch Gemeinsamkeiten, diskutierten über

Bürgerprotest, Strategien für erfolgreiche

Partizipation und attestierten der

Lokalzeitung eine große Bedeutung im

Dialog zwischen Politik und Bürgern. Sie

sei identitätsstiftend, offen, flexibel und

verfüge über mehr Wissen über Konflikte

vor Ort als überregionale Medien.

Jochen Stay wurde vom Spiegel in die

Reihe der neuen Politiker gestellt, die

Parteien gestalten. Nach seinem Abitur

campte er zwei Jahre in Mutlangen vor der

Abschussbasis der Pershing-2-Raketen. So

begann sein Leben im Widerstand. Er wurde

Redaktionsmitglied in der grün-anarchistischen

Zeitschrift „Graswurzelrevolution“. Er

gilt als Veteran der Anti-Atom-Bewegung.

Seit 1992 wohnt er selbst im Wendland. Er

ist seit vier Jahren Kopf und Cheflogistiker

der kleinen Initiative „ausgestrahlt“. Sie

agiert vorwiegend im Internet, liefert die

Logistik für Kampagnen und hat 50.000

Kontakte. Die Initiative hat das Logo

„Atomkraft-nein-Danke“ wiederbelebt. „Die

Anti-Atombewegung war noch nie so stark

wie heute“, sagt Jochen Stay. Die

Unzufriedenheit sei stetig größer geworden.

„Die Auseinandersetzung kommt zurück“, so

Stay. Die Lethargie sei vorbei, „die Leute

haben gelernt, dass sie sich auf die Parteien

nicht verlassen können“. Er beobachte, dass

sich die Menschen eher schwer tun, sich in

großen Organisationen zu engagieren –

lieber in kleineren Projekten.

Neben Stay gehört Benedikt Schirge zu

den Urgesteinen des Bürgerprotestes. Die

Berliner Zeitung betitelte ein Porträt über

18


Modellseminar: STUTTGART 21 IST ÜBERALL

ihn: „Der Friedenspfarrer“. Wo Stay noch hin

will, ist Schirge bereits angekommen. Auf

der Internetseite der Initiative Freie Heide

steht: „Es gibt nichts mehr zu terminieren.“

Nach 17 Jahren dauendem Kampf gegen

ein Tieffliegerübungsgelände der Bundeswehr

in der Kyritz-Ruppiner Heide – im

Norden Brandenburgs – hat die Bundesregierung

ihre Pläne 2009 aufgegeben. Die

Chronik der Ereignisse ist auf der Homepage

der Initiative unter www.freieheide.de

dokumentiert. Schirge ist Pastor und kommt

aus der Friedensbewegung. „In der Heide

hatte sich enormer Widerstand gebildet, der

nicht absehbar war“, sagt Schirge. Es kam

zu 27 Klagen von Einzelpersonen. Wobei

die Kläger jedes Mal gegenüber der Bundeswehr

die Überhand behielten.

Der damalige Bundesverteidigungsminister

Volker Rühe wollte wetten, dass es

die Initiative nach zwei Jahren nicht mehr

geben würde. „Diese Wette haben wir

gewonnen“, sagt Schirge. Unterstützung

habe es auch von den Medien gegeben:

„Wir haben gute Erfahrungen mit den

Lokalredaktionen gemacht. Wir setzen

großes Vertrauen in die Tageszeitung –

größtenteils gerecht-fertigt“, sagt Schirge. Er

könne keine große Zeitungsschelte

betreiben.

ZUR PERSON

Benedikt Schirge, geboren 1963, ist

Pfarrer und Sprecher der

Bürgerinitiative „Freie Heide“. In den

80er Jahren, als er in Berlin und

Naumburg am Sprachenkonvikt, einer

kirchlichen Hochschule, studierte,

trug er das Symbol der inoffiziellen

DDR-Friedensbewegung, „Schwerter

zu Pflugscharen“.

Kontakt:

Tel.: 033931 – 23 38

E-Mail: kontakt@bi-freieheide.de

„Vielleicht habe ich mich manchmal

geärgert“, sagt der Pastor. Jochen Stay

berichtet von Medien-inszenierungen der

Bürgerprotestgruppen: „Wir machen uns

viele Gedanken darüber.“ Auch werde bei

den großen Veranstaltunen eine Abteilung

„Protagonisten-Casting“ eingerichtet. Denn

die Medienvertreter kämen oft mit ganz

speziellen O-Ton-Wünschen à la: Habt Ihr

nicht eine allein stehende Aktivistin mit vier

Kindern aus dem Osten mit Migrationshintergrund?

Jochen Stay und Benedikt Schirge

beendeten ihre Berichte aus dem Inneren

der Bürgerprotestbewegung mit einem

Plädoyer für den Lokaljournalismus. Die

Redakteurinnen und Redakteure seien offen

und aufgeschlossen. Ihre Berichterstattung

sei identitätsstiftend und zeige eine flexible

Vermittlung zwischen Politik und Bürgern.

„Wir hatten oft das Gefühl, dass die Presse

uns versteht. Die Journalisten haben uns

dadurch Foren in der Zeitung geboten, wenn

die Positionen verhärtet waren“, so Schirge.

Stay erklärte, trotz neuer Kanäle blieben die

klassischen Medien für ihn relevant: „Die

Lokaljournalisten sind die wirklichen

Fachleute für regionale Konflikte. Die

überregionalen Medien sollten mehr mit

ihnen reden“, ergänzte Jochen Stay.

ZUR PERSON

Jochen Stay, geboren 1965, lebt im

Wendland. Seit seinem 15. Lebensjahr

ist er aktiv in außerparlamentarischen

Bewegungen, seit Wackersdorf

1985 in der Anti-Atom-Bewegung.

Er ist heute hauptsächlich bei

„ausgestrahlt“ aktiv. Dort arbeitet er

als Pressesprecher und

Energieexperte.

Kontakt:

Tel.: 0170 – 93 58 759

E-Mail: j.stay@jpberlin.de

19


Modellseminar: STUTTGART 21 IST ÜBERALL

MEIN PERSÖNLICHES STUTTGART 21

Maren Reese-Winne,

Cuxhavener Nachrichten:

Kita-Bau auf

letzter Innenstadt-

Wiese – heimlich

ausgehandelt.

Dörte Grabbert,

Saarbrücker Zeitung:

Saarländer

demonstrieren gegen

das AtomkraftwerkCattenom

(Frankreich).

Andreas Fuhrmann,

Göttinger Tageblatt: Bau

einer Umgehungsstraße

durch Bürgerprotest

verhindert.

Ralph Adameit,

Schwetzinger Zeitung:

Hockenheimring, weil

Gemeinderat und

Zeitung versagt haben.

Andreas Raith, Moosburger

Zeitung: Die geplante dritte

Startbahn – weil sie die

Entwicklung unserer ganzen

Region in der Schwebe hält.

Jan Brunzlow,

Potsdamer Neueste

Nachrichten: Die

Proteste um

Flugrouten des

künftigen

Großflughafens BBI

).

Gloria Brems, Neuburger

Rundschau: Jeder will

erneuerbare Energien –

aber keine will die

Windräder vor der Tür

haben.

20


MEINUNG

Modellseminar: STUTTGART 21 IST ÜBERALL

Marc Rath, verantwortlicher Regionalredakteur Altmark Volksstimme

Journalismus zwischen den Stühlen

Welche Rolle spielt die Lokalzeitung, wenn die Bürger zu Aktivisten werden

Sie sollen meinungsstark sein, sie sollen

neutral sein, sie sollen moderieren und

informieren. Journalisten haben im

demokratischen Prozess eine wichtige

Aufgabe. Aber: „Welche Rolle spielt die

Lokalzeitung, wenn sich Bündnisse und

Bürgerinitiativen zu lokalen Themen

gründen?“. Marc Rath, verantwortlicher

Regionalredakteur der Altmark

Volksstimme in Sachsen-Anhalt,

beschreibt die Aufgaben der Redaktion.

Ein guter Journalist macht sich mit keiner

Sache gemein, auch wenn sie noch so gut

ist – dieses Credo des ehemaligen

Tagesthemen-Moderators Hanns-Joachim

Friederichs sollte eine journalistische

Selbstverständlichkeit sein. Gerade im

Lokalen und auch dann, wenn vielleicht

sogar durch die Berichterstattung der

Redaktion neue Initiativen entstehen oder

Entscheidungen einen ganz anderen Verlauf

nehmen.

Marc Rath

Transparenz

ist das, was wir

vor Ort leisten

können und

müssen. Dazu

gehört das

Aufdecken von

Missständen und

auch die

Aufklärung, wie

ein Protest - etwa

im Rahmen einer

städtischen

Bauplanung -

noch seine Wirkung erzielen kann. Eine

Redaktion ruft keinesfalls dazu auf, eine

Bürgerinitiative zu gründen oder ein

Bürgerbegehren zu starten. Allenfalls kann

ein Kommentar zu einem solchen Schluss

kommen, aber dies wäre dann die klar von

der Berichterstattung abgetrennte Meinung

oder Analyse eines Redakteurs.

Natürlich informieren wir aber über die

Gründung einer solchen Initiative. Wir kündigen

ihre Termine an, gehen auf die Gründungsversammlung,

stellen die Protagonisten

vor - und blicken auch hinter die Kulissen.

Wer findet sich unter dem Dach einer

Initiative zusammen, aus welcher Interessenlage

heraus agieren sie, gibt es Finanziers

etc.?

Transparenz dieser Art führt mitunter

auch dazu, dass manch Initiative schon enttarnt

worden ist als das Vehikel eines Unternehmens

oder einer Vereinigung, die handfeste

eigene Interessen hinter der Fassade

einer Initiative oder einer Protestwelle verbergen

wollte.

Der Lokaljournalist sitzt auch hier zwischen

den Stühlen. „Müsst Ihr überhaupt so

viel über die schreiben“, wird er aus dem

kommunalpolitischen Establishment zu

hören bekommen, denen die ganze Einmischung

nicht passt und der Redaktion vorwerfen,

den Protest aufzubauschen und so

erst salonfähig zu machen. Aber auch: "Wo

bleibt denn da die Meinungsfreiheit?", wenn

21


Modellseminar: STUTTGART 21 IST ÜBERALL

nicht die x-te Erklärung oder interne Ankündigungen

gedruckt werden, die nun gar

keinen neuen Informationswert haben. Hier

wird gerne von Menschen, die es noch so

gut meinen mögen, das professionelle Interesse

eines Journalisten mit dem Wunsch

nach einer verlängerten Pressestelle verwechselt.

Unser Platz ist oftmals unbequem, aber

da gehören wir hin. Und auch der

Ankündigung "Dann kündigen wir eben

unser Abo" sehe ich nach jahrelanger

Erfahrung inzwischen recht gelassen - denn

die große Mehrheit unserer Leser weiß

journalistische Unabhängigkeit zu schätzen.

Sie ist unser wertvollstes Kaufargument -

und unsere Existenzgrundlage.

ZUR PERSON

Marc Rath, geboren 1966,

verantwortlicher Regionalredakteur

für die Altmark der Magdeburger

Volksstimme. Zuvor leitende

Funktionen beim Ruppiner Anzeiger

und der Allgemeinen Zeitung Uelzen,

Pressesprecher des Umweltministeriums

Sachsen-Anhalt und beim

Verband Forschender Arzneimittelhersteller.

Kontakt:

Tel.: 03931 – 638 99 25

E-Mail: marc.rath@volksstimme.de

22


STANDPUNKTE

Modellseminar: STUTTGART 21 IST ÜBERALL

Kontrovers diskutieren Dr. Stephan Eisel (links) und Dr. Oliver Märker. In der Mitte:

Moderatorin Sylvia Binner.

Dr. Oliver Märker, Zebralog, und Dr. Stephan Eisel, ehem. Mitglied des Bundestages

Bürgerhaushalt: Königsweg oder

Bankrotterklärung?

Pro und Kontra

Beim Bürgerhaushalt geht es um die

Beteiligung der Bürger am kommunalen

Haushalt. Es handelt sich um ein

regelmäßig wiederholtes Verfahren. Ein

einmaliges Referendum zu haushalts-

oder steuerpolitischen Fragen ist kein

Bürgerhaushalt. Der Prozess beruht auf

einem eigenständigen Diskussionsprozess,

der zum Beispiel im Internet

oder auf Versammlungen geführt wird.

Die Organisatoren müssen Rechenschaft

ablegen, inwieweit die im Verfahren

geäuβerten Vorschläge aufgegriffen und

umgesetzt werden.

Pro Bürgerhaushalt :

Dr. Oliver Märker

Stuttgart 21 steht nicht nur für die Frage

der Tieferlegung und Umwandlung eines

Bahnhofes vom Kopf- zum Durchgangs-

bahnhof, sondern für eine Entwicklung in

Deutschland und vielen anderen Ländern, in

der die Bürgerinnen und Bürgern immer

weniger bereit sind, bloßer Adressat von

Informations- und Entscheidungsprozessen

zu sein. Stattdessen wollen sie sich an der

Produktion von Wissen und an der Vorbereitung

von Entscheidungen aktiv beteiligen.

Dieses Phänomen ist eng gekoppelt an ein

weiteres, das wir als Web 2.0 bezeichnen

und einfach übersetzt heißt: Es gibt keinen

Besserwissenden oder Richtigwissenden

mehr.

Anders ausgedrückt: Durch die zunehmende

Nutzung des Web 2.0 beginnen sich

althergebrachte Informations- und Wissensgrenzen

aufzulösen. Social Media wird

längst auch dazu genutzt, um Bürgerbeteiligung

und ihre Voraussetzungen einzufor-

23


Modellseminar: STUTTGART 21 IST ÜBERALL

dern: Transparenz und Zugang zu Informationen.

Der zivilgesellschaftlich initiierte

Druck auf politisch-administrative

Institutionen wird sichtbarer und er wird

zunehmen. Will das politisch-administrative

System gemäß seinem Auftrag

regulierungs- und gestaltungsfähig bleiben,

muss es seine bislang weitgehend unter

Ausschluss der Öffentlichkeit stattfindenden

Planungs- und Entscheidungsvorbereitungs-

Prozesse reformieren und für die

Bürgerschaft mehr als bisher (formal

vorgesehen) öffnen. Bürgerhaushalte sind

vor diesem Hintergrund als der Versuch von

Verwaltung und Politik zu verstehen, das

kommunale Haushaltsplanverfahren zu

öffnen und Bürgerinnen und Bürger als

Feedback-, Hinweis- und Vorschlagsgeber

mehr als bisher einzubinden. Den

„Öffnungsbedarf“ erkennen immer mehr

Kommunen und bereiten die Einführung von

mehr Bürgerbeteiligung — nicht nur am

Haushalt — vor oder haben bereits erste

Schritte eingeleitet, um ihre Bürgerinnen und

Bürger mehr als bisher zu beteiligen. Die

Ziele sind klar: mehr Transparenz durch

mehr Informationen (z.B. über die

Haushaltssituation), verbesserte

Früherkennung von Wider-spruchs- und

Konfliktpotenzialen sowie die Einholung von

lösungsorientierten Anregungen.

Neben der Chance für beide Seiten,

einen weiteren, auf Großprobleme wie den

Haushalt bezogenen wechselseitigen Informationsaustausch

zu gewinnen, wollen sich

die Kommunen zusätzliche Legitimationsressourcen

erschließen. Schon jetzt kann

man erkennen: Bürgerhaushalte stehen für

eine Entwicklung, das politisch-repräsentative

System (auch) durch indirektdemokratische,

beratende Verfahren weiter

zu entwickeln. Die Frage ist also nicht, ob

diese Entwicklung oder Bürgerhaushalte

wünschenswert sind oder nicht. Die Frage

ist vielmehr, wie solche Verfahren methodisch

umzusetzen sind. Und bereits bei dem

noch recht jungen Verfahrenstyp „Bürgerhaushalt“

ist erkennbar, dass er sich zwi-

schen konkurrierenden Ansprüchen bewegt:

Einerseits sollen die Verfahren methodisch,

technisch und organisatorisch auf der Höhe

der Zeit sein, qualitativen Erwartungen

gerecht werden und die Autonomie der

Politik nicht gefährden; andererseits soll

niemand von dem Verfahren

ausgeschlossen, die Dominanz von

Partizipationsprofis vermieden und

Partizipationseffekte in den politischen Entscheidungen

sichtbar werden. Es darf deshalb

nicht überraschen, dass Bürgerhaushalte

in der Praxis Kompromisslösungen

darstellen, die zwischen den verschiedenen

Anforderungen navigieren. Dies sollte ihnen

aber nicht als Schwäche ausgelegt werden,

sondern vielmehr als ein Zeichen verstanden

werden, welche Relevanz diese Verfahren

schon jetzt haben: eine hohe

nämlich.

Kontra Bürgerhaushalt

Dr. Stephan Eisel

Manipulation Im Internet: Der Irrweg onlinebasierter

„Bürgerhaushalte“

Internet-basierte „Bürgerhaushalte“ sind

höchst problematisch, weil sie:

• ein Drittel der Bevölkerung ohne

Internetzugang von vornherein

ausschließen.

• mit einer Reichweite von höchstens

zwei oder drei Prozent der Wahlberechtigten

als weitere Spielwiese

für politische Interessierte noch nicht

einmal die mobilisieren, die in Parteien,

Vereinen oder Bürgerinitiativen

aktiv sind.

• der Manipulation durch Mehrfachabstimmungen

und Ortsfremde

Tür und Tor öffnen.

• durch ihre Komplexität eine kleine

Minderheit der Zeitreichen privilegieren

und deshalb selbst die „populärsten“

Abstimmungsfragen von

weniger als nur einem Prozent der

Wahlberechtigten beantwortet

werden.

24


Modellseminar: STUTTGART 21 IST ÜBERALL

• Meinungen der keineswegs

neutralen Verwaltungen als einzige

Informationsgrundlage für Entscheidungen

anbieten.

• mit dem schnellen Internetklick der

Online-Abstimmung von der notwendigen

sachlichen Diskussion

ablenken und die Einfachheit

komplexer Fragen vortäuschen.

• es demokratisch legitimierten

Mandatsträgern ermöglichen, sich

vor ihrer Entscheidungsverantwortung

zu drücken und hinter fragwürdigen

Online-Plebisziten zu

verstecken.

INFO

Angebote der Bundeszentrale für

politische Bildung zum Bürgerhaushalt

Infos, Hintergründe, Kartenfunktion und

Diskussionen unter

www.buergerhaushalt.org

Internationaler Kongress zu Modellen

des Bürgerhaushaltes

www.bpb.de/veranstaltungen/77GYBC,0,I

nternationaler_Kongress_zu_Modellen_d

es_B%FCrgerhaushaltes.html

ZUR PERSON

Dr. Oliver Märker, geboren 1967, ist

geschäftsführender Gesellschafter der

Zebralog GmbH & CoKG und leitet das

Regionalbüro in Bonn. Er ist verantwortlich

und Ansprechpartner für das Geschäftsfeld

elektronischer Bürgerhaushalte. Er berät

Verwaltungen und Politik bei der

Konzeption, Einführung und Umsetzung

elektronisch unterstützter Beteiligungsangebote.

Seine Schwerpunkte sind die

Entwicklung von Verfahrenskonzepten, die

Planung, Inbetriebnahme und Moderation

von Beteiligungsplattformen für die Stadt-

und Regionalplanung, Haushaltsplanung

(elektronische Bürgerhaushalte) und

Bürgereingabesysteme. Er berät bei der

Einführung elektronischer Partizipation als

neue Säule der Verwaltungsmodernisierung

(E-Government) und führt Studien und

Gutachten zum Thema elektronischer

Partizipation durch.

Kontakt:

Tel.: 0228 - 261 9461

E-Mail: maerker@zebralog.de

ZUR PERSON

Dr. Stephan Eisel, geboren 1955, Studium

der Politischen Wissenschaft, Neueren Geschichte

und Musikwissenschaft in Marburg

und Bonn. 1979/80 Bundesvorsitzender des

Rings Christlich-Demokratischer Studenten

(RCDS), 1983 -1992 Redenschreiber für

Bundeskanzler Dr. Helmut Kohl und Stellv.

Leiter des Kanzlerbüros, 1992 - 2007 Leiter

der Politischen Akademie sowie der

Hauptabteilungen Kommunalpolitik, Innen-

und Wirtschaftspolitik und Politische Bildung

der Konrad-Adenauer-Stiftung, 2007 - 2009

Mitglied des Deutschen Bundestages. Seit

2010 Projektbeauftragter in der Konrad-

Adenauer-Stiftung, Autor der Bücher

„Minimalkonsens und freiheitliche

Demokratie“, „Musik und Politik“, „Helmut

Kohl – Nahaufnahme“ und „Internet und

Demokratie“ (erscheint im Juni 2011 bei

Herder).

Kontakt:

Tel.: 0228 – 483 733

E-Mail: stephan.eisel@gmx.net

25


Modellseminar: STUTTGART 21 IST ÜBERALL

BEST PRACTICE MIT DER DREHSCHEIBE

Rainer Stumpf, stellv. Lokalchef der Main-Post

Protest gegen Umgehungsstraße

Die Lokalredaktion Würzburg macht den Faktencheck

Bereits in den 60er Jahren existierte der

Plan, die Stadt Würzburg mit einer West-

Umgehungsstraße vom Autoverkehr zu

entlasten und gleichzeitig die Wirtschaftsregion

Main-Spessart besser

anzubinden. Die Pläne wurden vorübergehend

fallen gelassen. Seit die Umgehungsstraße

wieder diskutiert und im

Bundesverkehrswegeplan erwähnt wird,

rühren sich Proteste. Derzeit läuft ein

Raumordnungsverfahren.

„Teilweise war der Sachverhalt sehr

spekulativ, niemand wusste etwas Genaues“,

sagt Rainer Stumpf, der stellvertretende

Lokalchef der Main-Post in Würzburg. „Also

versuchten wir, Licht ins Dunkel zu bringen.

Aufklärung ist unser Hauptziel in der ganzen

Angelegenheit.“ So wurde zum Beispiel ein

redaktionelles Gespräch organisiert, in dem

ein Experte vom BUND mit einem Straßenplaner

aus dem Ministerium Argumente austauschte.

Das Gespräch wurde in der Zeitung

wiedergegeben. Kalkulationen, Preise

und Zahlen rund um den geplanten Bau der

Umgehungsstraße wurden überprüft. „Wir

übersetzten die Fakten auch in Grafiken,

zum Beispiel konnten wir so zeigen, wo

Befürworter und Gegner wohnten und

welche Städte oder Ortschaften wie

betroffen wären“, sagt Stumpf. Die

Polarisierung zwischen Gegnern und

Befürwortern ist wie meist in solchen Fällen

ein Problem.

„Eine Bürgerinitiative ist dagegen, die

Industrie- und Handelskammer dafür, die

Würzburger Leser eher auch, weil sie sich

eine Verkehrsentlastung erhoffen. Jede

unserer Lokalausgaben bezieht eine eigene

Position zu dem Problem“, so Stumpf. Das

spiegelt sich dann auch in den jeweiligen

Kommentaren wider, die sehr

unterschiedlich ausfallen können.

LINKTIPP von der drehscheibe:

Wie laut ist es eigentlich, wenn ein

Linienflieger das Haus überquert? Im Zuge

des Streits um die Flugrouten des neuen

Flughafens Berlin Schönefeld veröffentlichte

die taz Berlin eine interaktive Fluglärmkarte,

auf der die Nutzer die Frage beantwortet

bekommen. Sie können ihre Adresse

eingeben und erhalten Informationen

darüber, wie laut es über dem Haus in

Zukunft wird. Hier gibt es den Link:

www.drehscheibe.org/linktipps.html

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TIPPS UND KNIFFE

Modellseminar: STUTTGART 21 IST ÜBERALL

Axel Bürger, Coach und Berater

Mit Motivation zurück in die Redaktion

Verbündete suchen, auf Killerargumente vorbereitet sein

Das Modellseminar ist zu Ende. Die

Teilnehmer haben viele neue Impulse,

Ideen und Inspiration für die Arbeit in der

heimischen Redaktion bekommen. Jeder

möchte gerne von seinen Erlebnissen

berichten. Doch, wie sag ich’s den

Kollegen? Axel Bürger, Coach und

Berater gibt sieben Tipps:

1. Überrollen Sie niemals als Heimkehrer

die Redakteurinnen und Redakteure mit den

neuen Ideen. Der Mensch ist ein Gewohnheitstier,

Überraschungen sind statistisch

gesehen nicht Jedermanns Sache. Sie brauchen

eine Strategie für Ihre Ideen. Machen

Sie sich dafür einen Plan.

2. Suchen Sie sich Verbündete, also

Kolleginnen und Kollegen, die ähnlich

denken, ähnliche Ideen schon mal hatten

oder von denen Sie wissen, dass Sie dort

aus persönlicher Verbundenheit Unterstützung

erfahren. Bitten Sie diese Personen

bei einer Redaktionskonferenz darum,

ihre Ideen sofort zu unterstützen. Schaffen

Sie also Allianzen.

3. Gehen Sie davon aus, dass Ihr Tempo

und ihre Menge an Neuerungen erstmal auf

viel Routine treffen. Die Schreibtische und

Mailboxen der Kollegen sind voll. Wenn Sie

vier Ideen von einer

Fortbildungsveranstaltung mitbringen,

sortieren Sie diese nach Priorität und

Akzeptanz. Fangen Sie mit etwas an, dass

nicht an übergeordneten Themen wie Geld

oder Personalstärke scheitern kann. Suchen

nach dem richtigen Zeitpunkt für eine Idee

(Ferien z.B.).

Axel Bürger

4. Bereiten Sie sich auf Phrasen vor:

„Hatten wir schon, klappt nicht.“ oder

„Haben wir keine Zeit für…“. Oder: „Das

geht hier nicht, dazu ist die Stadt zu klein/zu

groß“ etc. Fragen Sie gezielt nach den

Erfahrungen und dem Warum.

Kontern Sie sofort: „Bitte keine

Killerargumente!“

5. Oft brauchen Sie den Chef, Lokalchef,

Redaktionsleiter etc. Bitten Sie nach dem

Seminar um ein kurzes Gespräch (zehn Minuten)

und erklären Sie, was Sie umsetzen

möchten.

Bieten Sie an, in der Konferenz eine

Zusammenfassung zu geben (zeitnah) und

versenden Sie die Dokumentation als pdf an

interessierte Kollegen. Weisen Sie auf die

drehscheibe und ihre Möglichkeiten hin:

www.drehscheibe.org.

27


Gut ist auch, wenn Sie passende Beispiele

aus anderen Zeitungen (drehscheibe) zeigen

können, die beweisen, dass sich alles

umsetzen ließe.

Modellseminar: STUTTGART 21 IST ÜBERALL

6. Wenn Sie nicht der große Redner oder

Erklärer sind, können Sie die Ideen auch

illustrieren (Grafiken, Bilder, eingescannte

Layouts) und eine Power-Point-Präsentation

daraus stricken. Die können Sie dann verschicken

und auf ein Feedback warten, das

Sie aber auch gezielt einfordern müssen.

7. Wichtig: Alles, was Sie nicht binnen 72

Stunden nach der Rückkehr vom Seminar

anpacken, wird versacken. Das ist ein statistischer

Wert, der sich leider oft bewahrheitet

hat.

ZUR PERSON

Axel Bürger, geboren 1963,

Volontariat beim Vlothoer

Anzeiger; Redaktionsleiter der

Glinder Zeitung (Schleswig-

Holstein); Chef vom Dienst und

später Lokalchef in Lemgo bei der

Lippischen Landeszeitung (LZ).

2007 Projektmanager bei der LZ.

Seit 2009 Selbstständiger

Kommunikationstrainer und

Medienberater für

Wissensmangement.

Kontakt:

Tel: mobil 0151 – 22 35 92 69

E-Mail: axel@kreativetiefe.de

28


Modellseminar: STUTTGART 21 IST ÜBERALL

ARBEITSGRUPPEN – BERICHTE

Arbeitsgruppe 1

Einmischen und Aufmischen

Wie Lokalredaktionen Politik machen können

Die erste Herausforderung: Nahe am

Leser sein. Redaktionen verfügen bereits

über ein breites Instrumentarium, mit

dessen Hilfe sie Leser und Bürger direkt

erreichen können. Jetzt gilt es, diese

Instrumente kontinuierlich und

systematisch einzusetzen.

Vor der Umsetzung stehen grundsätzliche

Überlegungen zu den betroffenen

Problemräumen: Wer ist beteiligt? Wer hat

welche Interessen? Wer ist wie betroffen?

Und welche Intentionen ergeben sich

hieraus? Und ganz wichtige Frage: Warum

bekomme ich bestimmte Informationen von

jemandem?

1. „Wutbürger“ ernst nehmen, wissen, was

sie wütend macht:

- fehlende Transparenz in politischen

Entscheidungen

- behördliche „Alternativlosigkeit“

- Fachchinesisch

- unbewegliche, mutlose Behörden

2. Einige Werkzeuge

- direkter Aufruf an die Leser, sich zu

beteiligen

- Lesertelefon

- Mobile Reporter

- Marktplatz-Redaktion

- Ortsteilabende

- Leserkonferenzen

- Multiplikatoren direkt an-

sprechen und einbinden

- Umfragen

Mischen war doch possible: Sebastian Stöber

(v.l.), Ralf Wittenmeier, Edwin Ruschitzka,

Gloria Brems, Ralf Meistes, Martin Tschepe,

Angela Bonn, Martin Lünstroth, Frank Weiner.

29


Die zweite Herausforderung:

Handwerk als Zusammenspiel von

Bewährtem und Neuen

1. Neue Formen, die das Web 2.0 nutzen,

sind eine Ergänzung zum klassischen

Handwerk, sie sollen sie nicht ersetzen.

Modellseminar: STUTTGART 21 IST ÜBERALL

- Technische Ausstattung muss

vorhanden sein und auch Schulung der

Mitarbeiter

- Zuständigkeiten müssen akzeptiert

werden, auch Bewährtes muss be-

wältigt werden

- Bereitschaft zum Einsatz der neuen

Medien

- nach jeder neuen Erkenntnis Einsatz

twitter, facebook etc. überdenken

- Soziale Netzwerke engmaschig

überwachen = Kontakt mit Leser halten

Die dritte Herausforderung: Organisation

der Redaktion für „große Themen“

- Bereitschaft zur Teamarbeit

- Keine Grabenkämpfe

- Eitelkeiten ablegen

- Zuständigkeiten verteilen (insbesondere

Facebook, Twitter)

Arbeitsgruppe 1:

Angela Boll, Edwin Ruschitzka, Martin

Tschepe, Ralf Meistes, Michael

Lünstroth, Ralf Wittenmeier, Frank

Weiner, Gloria Brems

Gruppenleiter: Sebastian Stöber

Zitate aus der Gruppe, die die

Diskussion beschreiben:

Was ist eigentlich unsere Aufgabenstellung?

Wir nähern uns dem Ganzen über die

Metaebene

Wir müssen das Thema überspitzt darstellen

Twitter wird total überbewertet, die wahren

Infos bekommt man vor Ort im persönlichen

Gespräch

Die Redakteure müssen raus, vor Ort sein,

Kontakte pflegen

Du glaubst gar nicht, wie gut man im Dirndl

Kontakte pflegt

Ich zwitscher gerne!

Wir brauchen noch mehr Innovatives!

Wir müssen wieder zu unserer

Aufgabenstellung zurückkehren

Eigentlich sollte ich mich ja nicht

einmischen, aber …

Haben wir jetzt Grenzen ausgelotet?

Wir hätten so gute Ideen, aber leider fehlt

die Zeit! Warnemünde, wir kommen!

Ich schalt mal mein Vögelchen ein!

Die Metaebene wird total überbewertet!

Ich hol Gummibärchen.

Die Zeiten, in denen wir nicht mehr fürs

Papier arbeiten, kommen früh genug!

30


Lokal ist, wo es Bier gibt!

Leser ernst nehmen und eine Stimme geben (Arbeitsgruppe 2)

Die Zeitung ist kein Verlautbarungsorgan für Politik und Verwaltung. Sie

muss aufspüren, was die Menschen wollen und ihre Belange jenseits von

Leserbriefen ins Blatt bringen. Die Arbeitsgruppe findet Plattformen, die „die

da oben“ und „die da unten“ zusammenbringen und Leser einbinden.

Dies ist ein Format- und Aktionsbaukasten, mit dem Zeitung zur Schnittstelle

für politische Diskussionen wird. Damit Leser Heimat mitgestalten können.

Mit Bierdeckeln und Brötchentüte sammeln sie Bürgerthemen (v. l.): Hans-Albert

Limbrock, Jörgen Linker, Michael Korn, Patricia Dudeck (Ltg.), Jürgen Kunz, Carsten

Propp, Helmut Hobmaier, Katja Mielcarek und Dörte Grabbert .

Zitate aus der Arbeitsgruppe

„Auge in Auge mit den Lesern!“ (Der Redakteur als Moderator)

„Unser Baukasten ist ereignisorientiert.“ (Der Praxisbezug)

„Das reicht noch nicht, da geht noch mehr.“ (Der Ehrgeiz, neue Ideen zu

finden)

„Funktioniert das auch in kleinen Redaktionen?“ (Die ewige Angst der

Redakteure)

„Lokal ist, wo es Bier gibt.“ (Der Kalauer mit dem wahren Kern)

„Lokal ist, was den Leser interessiert.“ (Also auch überregionale Themen und

ihre Auswirkungen)

„Es wäre ein Traum, wenn jede Lokalzeitung einen Leser-Redakteur oder einen

Social-Media-Redakteur hätte.“ (Wünsch-Dir-Was)

„Was ist mit denen, die gar nichts sagen?“ (Der ewige Kampf um Aufmerksamkeit)

„Wie gehen wir mit den Krawallbürgern um?“ (Der ewige Frust mit den Unverbesserlichen)

„Brauchen wir vor allem Konzepte für den Alltag, weil wir dann die Instrumente für die großen Aufregerthemen wie S21 haben?“ (Die ungeklärte Frage)

31


Sofortmaßnahmen: Wie wir mit den Lesern in Dialog treten!

Checkliste (gängige, sofort umsetzbare Formate) Erläuterungen Macht das meine

Redaktion bereits?

(dann Haken dran!)

Direkt beim Artikel, am Anfang oder am Ende. Auch Hinweis auf

E-Mail-Adresse und Telefonnummer des Autors für Dialog Debatte im Web.

Leserfotos und Online-Leser-Bildergalerien

Leser-Umfragen als TED, Online, Coupon oder auf der Straße

Redaktions-(Telefon-)Sprechstunden für Leser regelmäßig

Aufmacher auf Leserrelevanz prüfen: Wie viele Leser sind

Erfordert mitunter ein Umdenken in der Redaktion, dass muss

betroffen? Konflikt? Nutzwert? Prominenz?

eingeübt werden, z.B. bei Blattkritik einschätzen, wieviel Prozent

der Leser dieses Thema wohl interessiert

Anrufbeantworter, auf dem Leser (auch anonym)

Regelmäßig einplanen; ggf. nach Zielgruppen bzw. Altersgruppen;

Themenvorschläge machen können

geht auch per SMS, Twitter, Facebook

Themen, die auf Anregung eines Lesers entstanden sind,

hervorheben durch Logo oder Aufmachung („Leser-Tipp“)

Leser-Alltag stärker ins Blatt (Heimwerker, Gärtner,

Regelmäßig einplanen nach Zielgruppen bzw. Altersgruppen

Alleinerziehende, Familien, Jugendliche, Senioren, etc.)

Präsenz vor Ort zeigen Warum nicht Button der Zeitung am Revers oder Poloshirt/Jacke

mit Logo der Zeitung für Redakteure und Fotografen? Erleichtert

Kontaktaufnahme!

Leserbriefe/Leserforum

Ansprechpartner: Zur Autorenzeile (oder zu jedem Kommentar)

32


geeignet Online

und Social Media?

Konzepte nach dem Baukastenprinzip

Checkliste Erläuterungen geeignet

für Print?

Leser-Reporter greift Leser-Anfragen auf ja ja

Leser-Redakteur Redakteur installieren, der den Dialog und die Umsetzung der Stories

ja ja

organisiert, die von Lesern angeregt wurden. Er kümmert sich um Leserbriefe

(auch online) und das Beschwerdemanagement, aber auch um

Verlagsführungen

Leser-Konferenz („Leser-Beirat“) zur Blattkritik in Redaktion, z.B. eine Woche Lokalteil intensiv lesen, dann mit ja ja

Redaktion diskutieren

Leser-Chefredaktion Verschiedene Bevölkerungsgruppen (Kinder, Senioren, Beamte, Unternehmer, ja nein

etc.) einladen als „Chefredaktion für einen Tag“ zur Themenauswahl der

nächsten Woche

Leser-Anwalt / Telefon-Doktor etc. (z.B. ein Ex-OStA): Oft Nachbarschaftsstreitigkeiten, juristische Dinge,

ja ja

Behördenprobleme (Angebot 2 Stunden pro Woche) – Leser erhält sofort

einen Tipp, Redaktion dreht bei Bedarf Thema weiter. Viele weitere

Themenbereiche denkbar…

Leserbefragung / Bürgerbarometer Mit Institut, als Coupon, als Online-Umfrage. Risiko: Instrument nutzt sich mit ja ja

der Zeit ab.

Themenmatrix Zunächst klären, welche Themen nach Meinung der Leser in der Zeitung ja nein

fehlen (Senioren-, Single-Themen etc.) – setzt Leserbe-fragung voraus,

zumindest eine Ist-Analyse der Themen im Blatt. Daraus Checkliste für

Wochenplanung mit Themen, die vertreten sein müssen. Muss von Redaktion

eingeübt und gelebt werden!

„Normale“ Menschen im Blick „Mensch des Tages“, Nachruf auf normale Leute („Abschied“), Baby des Tages ja nein

(„Willkommen“)

Einzelschicksale vorstellen, die von

Vor allem auch dann, wenn Argumente und Fakten bereits ausdiskutiert sind, ja nein

Entscheidungen betroffen sind

aber das Thema weiter köchelt (Zeitung als Moderator)

Gastautoren (nicht nur) für Kommentare

Fachleute, Betroffene, Pro & Kontra – nicht nur Funktionsträger. Idee: ja ja

regelmäßig einbinden

Honorar, das Autor für einen guten Zweck spenden kann

Leser-Zeugnis für die Redaktion einmal im Jahr Sprache, Themen, Bilder, etc. Da ist Phantasie gefragt, aber auch Konsequenz. ja ja

Denn Charme entsteht hier durch Wiederholung!

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Leser-Zeugnis für die Rathäuser/Gemeinderäte Kompetenz, Sparsamkeit, Bürgernähe, etc. ja ja

einmal im Jahr

Kinderfragen/Seniorenfragen Wer, wie, was? ja ja

Täglich abstimmen lassen, was morgen (diese Themenvorschläge der Redaktion / Vorschläge der Leser nein ja

Woche) ein Aufmacher-Thema sein soll?

Sportlerwahl ja ja

Community auf Zeitungswebsite bereitstellen Leser können selbst Inhalte (Texte, Bilder, Video) hochladen. nein ja

Facebook-Gruppen gründen zu Aufregerthemen nein ja

Live vor Ort: (Auch) mit Nichtlesern ins Gespräch kommen!

Checkliste Erläuterungen

Mobile Redaktion Redaktionsmobil, Redaktion vor Ort, Leser-Reporter

Redaktionsgespräch mit verschiedenen Gruppen (z.B. Fußball-Fanclubs) oder im

Gespräch mit allen Ortsvereinen vor Ort (Vereins-Stammtisch)

Stadtgespräch: Podiumsdiskussion vor Ort

Öffentliche Interviews an Brennpunkten

Ins Gespräch kommen, im Gespräch sein: Im Jugendzentrum, im Altersheim Beispiel: Zum Seniorennachmittag gehen, vorher fragen, ob Interesse an

(„Wo drückt der Schuh?“)

Gespräch über Themen besteht, die Zeitung unbedingt mal aufgreifen

sollte. Oder zur SMV in der Schule

Dialog anstoßen zwischen Alt und Jung Jugendliche erklären im Gespräch Senioren ihre digitale Welt. Umgekehrt:

Senioren geben Erfahrungen, Hausmittel etc. weiter

„Erfahrungs-Börse“ Leser fragen, Leser antworten. Zeitung bietet Plattform!

Social Media im realen Leben Brötchentüte (bei allen Bäckern) oder Kummerkasten (beim Friseur) oder

Bierdeckel (in Kneipen) für Themenvorschläge, Litfaßsäule an zentralem

Ort (Wochenmarkt) oder Pinnwand

Gläserne Redaktion (buchstäblich im Schaufenster und online) / Redaktions-Café

Kochen mit den Lesern oder Frühstück mit Lesern und Bürgermeister Konfliktparteien zusammen einladen (Thema „hochkochen“)

Leser testen Einrichtungen Klassisches Beispiel: Rollis fahren durch die Stadt, Familien testen

Freibäder

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Modellseminar: STUTGART 21 IST ÜBERALL

ARBEITSGRUPPEN – BERICHTE

Arbeitsgruppe 3

Interaktivität und Qualität

Die Lokalredaktion in sozialen Netzwerken

Der Einsatz sozialer Netzwerke wie

Twitter und Facebook wird die Arbeit in

Redaktionen nicht komplett umwerfen,

und schon gar nicht sofort. Aber es ist

sinnvoll, sich als Zeitung in den neuen

Medien zu tummeln. Dabei reicht es

nicht, automatisch die Seiten sozialer

Netzwerke zu bestücken.

Ziel muss es sein, die User auf die

Homepage der Zeitung zu ziehen und dort

die Diskussion zu ermöglichen – soweit das

technisch möglich ist. Die Redaktion hat die

Möglichkeit zu moderieren oder aber nur

zuzuschauen.

Der Workflow

Fiktives Ereignis: Die Ausbauvariante des

Flughafens wird bekannt. Die Info bringt ein

Informant zur Zeitung, die Recherche

beginnt.

Unmittelbar erste Nachricht über Twitter mit

dem Hinweis „in Kürze mehr auf der

Homepage“. Danach Facebook,

Präsentation auf der Homepage – Gleich auf

Startseite, im weiteren Verlauf frühere

Berichte anhängen, Dossier eröffnen,

Forum, Kommentarfunktion, bei hoher

Nachrichtendichte Liveticker, Bildergalerie

etc.

Tweet absetzen mit Link zur Homepage,

wenn der Artikel online steht. Mit Usern der

sozialen Netzwerke in den Dialog treten.

„Was haltet Ihr davon?“ - Reaktionen

einfangen.

Im Idealfall kommen schnell retweets von

Aktivisten, Initiativen, Gegner, Befürwortern

… Ein Verantwortlicher (News-Desk oder

Producer) muss neben E-Mail, Fax und Post

nun auch Facebook und Twitter und andere

Netzwerke/Foren kontrollieren. Die Internet-

Mit dem Internet sieht man besser: Oben (von

links): Kai Lars von Stockum, Lars Reckermann,

Dirk Augustin, Frank Hartmann, Dorthe Arendt.

Unten (von links): Ralph Adameit, Maren Reese-

Winne, Jan Brunzlow, Marc Rath.

Netzwerke müssen wie jede andere

Agentur/Postfach permanent überwacht

werden.

Es macht kein Sinn, dass jeder Redakteur

seinen eigenen Tweet absetzt. Bündelung

der Aufgaben an einer Stelle der

Lokalredaktion.

Recherche weiterer Informationen:

Erwartungsgemäß wird der Konflikt sich

ausweiten. Die Möglichkeiten der Redaktion,

sich einzubringen und Diskussionen neben

den etablierten Bürgerdiskussionen in der

Dorfscheune zu führen sind vielfältig.

Homepages der einzelnen Gruppen

ausfindig machen und auch dort als Zeitung

im Forum aktiv werden mit Hinweisen auf

die aktuellen Ereignisse und

Berichterstattung in Print und Online.

35


Modellseminar: STUTGART 21 IST ÜBERALL

RSS-Feed, Google Alert nutzen. Twitter und

Facebook und andere soziale/regionale

Netzwerke als Recherchemedium

verstehen. Wer tummelt sich dort wo, gibt es

Gruppen dafür (außer IHK)? Gibt es

Stimmen dafür? Über personalisierte

Accounts in persönliche Kommunikation mit

den Usern treten.

Vorbehalte der User gegen die Zeitung

brechen. In persönliche Diskussionen im

Netz als Journalist eintreten.

Ausgewogenheit der Informationen,

Protestler und Befürworter gleich behandeln.

Meinungen ernst nehmen. Fehler des

Abschirmens vermeiden.

DAS INTERESSE DER ZEITUNG MUSS

ERNST SEIN.

Erste Welle der Infos und Berichte ebbt ab.

Was tun?

Bis dahin hat sich auf den Seiten ein

Dossier entwickelt. Kontakt zu allen

Beteiligten halten. Tweet absetzen. „Ebbt

der Protest ab?“ „Warum ist derzeit Ruhe?“

Kommunikation beibehalten. Über Facebook

gleiche Möglichkeiten der Kommunikation.

Vielleicht reagieren auch die Bürger/Leser

und fragen, „hey warum berichtet die

Zeitung nicht mehr?“. Schnelle Reaktion der

Zeitung möglich, um den aktuellen Stand

darzulegen. Zeitung als

Kommunikationsmedium.

Blick über den Tellerrand hinaus. Twitter,

Facebook und Co. durchforsten.

Recherchemöglichkeit nutzen und schauen,

wo sind diese Themen ebenfalls aktuell, wie

wird dort der Protest organisiert, sind die

Probleme vergleichbar?

Facebook als Rechercheplattform nutzen:

„Kennt jemand …..???“ Ein Tweet oder auf

Facebook Frage absetzen und die Infos

könnten sprudeln. Am Anfang wird dies die

Ausnahme sein, bei ständiger Nutzung und

guter Verarbeitung der Information kann

dies durchaus Grundlage der Geschichte

sein. Ein Beispiel, das funktioniert hat: An

einen Redakteur wird eine Information

herangetragen, der stellt diese auf

Facebook und fragt: Wisst ihr mehr, kennt

Ihr jemanden? War es wirklich so?

Reaktionen kamen, es war der Auftakt zu

einer größeren Geschichte. Die User

lieferten Namen, was passiert ist, und

Augenzeugenberichte.

Chat-Funktion: Redaktionsgespräche,

danach 30 bis 60 Minuten chatten. Dieses

vorher bekannt machen. Dafür gibt es große

und kleine Varianten der Ankündigung und

Chats.

Was tun, wenn eine renitente Gruppe gegen

die Zeitung und die Berichterstattung ätzt?

Kontrolle ist nicht möglich, konstruktive oder

radikale Aktivitäten wird es immer geben.

Einmischen sollte selbstverständlich sein.

Diskussion aufnehmen, meist werden die

Blogger sachlicher. WIR NEHMEN DIE

LEUTE ERNST

Wichtig: Keine juristischen Drohungen,

keine große Keule, Kommunikationsregeln

einhalten, offener Umgang mit Fehlern, auch

die Zeitung ist der Transparenz verpflichtet.

Größtmögliche Transparenz in dem

Verfahren herstellen. Die Zeitung macht sich

nicht gemein mit einer der Gruppen.

Informationen werden sofort verwendet, die

Zeitung wird Teil des Netzwerkes. Wir

berichten objektiv bei Twitter und Facebook,

dürfen aber eine Meinung haben, die auf der

eigenen Homepage und im Printprodukt

dargestellt werden sollte.

Fluglärm-Recherche bei Twitter

und Facebook: Ein Praxistest

Facebook – neue Welten eröffnen sich –

von wegen: „Also, hier finde ich überhaupt

nichts...“ lautet der erste Stoßseufzer nach

ehrminütiger Versuchsphase. „Mal eben“

sind die erforderlichen Informationen nicht

gefunden und die erhofften Ansprechpartner

noch lange nicht aufgespürt; ein Netzwerk

aufzubauen, braucht Zeit und Sorgfalt.

Unsere Erfahrung: Twitter ist besser als

Nachrichtenbörse, Facebook dient besser

dem Austausch – und zwar mit Lesern

ebenso wie Nicht-Lesern, die sich für

Themen aus der Region interessieren.

Wir lernen:

- die persönliche Anmeldung bei Facebook

macht die Recherche nicht nur einfacher,

sondern auch ergiebiger und ist deshalb so

gut wie unumgänglich

36


Modellseminar: STUTGART 21 IST ÜBERALL

- Suchfunktionen bei Facebook clever

nutzen: Stichwort eingeben – aus dem Menü

auf der linken Seite weiter selektieren, zum

Beispiel: nach Gruppen suchen und ihnen

folgen

- Infos/Einladungen zu Veranstaltungen,

Demos, Gerichtsverhandlungen etc.

- Hinweise auf andere Medienaktivitäten

- Schneeball-Effekt: Gruppen/Institutionen

geben in ihrem Profil Hinweise auf eigene

Homepages und Twitter-Accounts oder

weisen auf Links hin

- will ich bei Facebook eigene Fragen stellen

und Reaktionen gewinnen, muss ich viele

Freunde haben – Netzwerk aufbauen und

pflegen!

- eine Fan-Seite der jeweiligen

Lokalredaktion ist in ihren

Dialogmöglichkeiten eingeschränkt. Sie

kann: Interaktion anschieben, aktiv Fragen

an die Leser stellen; Resonanz anfordern

- es ist es nicht damit getan, lediglich

automatisierte Inhalte aus dem Webauftritt

der Zeitung einlaufen zu lassen. Routine

langweilt; der Blick auf das Besondere geht

verloren.

- Facebook ist das Portal, auf dem viele

Nutzer Infotainment, Bunteres,

Persönlicheres erwarten

- Fragen offen formulieren

Twitter erweist sich nach erstem Eindruck

als deutlich schneller.

- Twitter ist ein 24-Stunden-Medium

- Twitter bietet echten Nutzwert - die

schnelle Nachricht über den Stau im Tunnel

etc.

- Twitter informiert über das Geschehen auf

der Zeitungs-Homepage

- Twitter bietet dem Leser Einblicke in die

Stimmung in der Redaktion, Vorgeschmack

auf spannende Artikel, Leseraktionen etc.

- Twitter lenkt Klicks auf die Zeitungs-

Homepage

- über Twitter lassen sich Nachrichten,

Themen und Stimmungen aufspüren

- die Suchergebnisse geben einen Überblick

über ganz aktuelle Geschehnisse (wer nach

„Fluglärm“ sucht, findet auch Infos über

ganz aktuelle Flugübungen der

Bundeswehr, die Flughafenschließungen

durch die Aschewolke...)

- Verweise über Twitter auf Facebook,

andere Medien, Youtube

- bei Suche Hashtags (=Raute= #) vor das

jeweilige Suchwort setzen: #Kamen, #Unna

- gezielte Ansprache der Follower sehr

einfach möglich – die Kollegen vom HR

machen's vor: „Liebe Follower, ist jemand

von Ihnen direkt von der Aschewolke

betroffen?“

Weitere Recherche-Instrumente nicht

vernachlässigen:

- praxisgetestete geeignete Startseite:

wikio.de – beim Suchbegriff „Fluglärm“

befindet sich unter den Top 10 eine

Bürgerinitiative (www.bis2015.de);

Besonderheit dieser Homepage: Kein

Impressum, aber Servicebutton „Entdecke,

wem bis2015 folgt“ - der leitet weiter auf

Twitter; hier stößt man auf BUND,

Einzelpersonen und andere Bürgerinitiativen

- interessanteste Treffer dabei:

Andere BIs und Einzelpersonen, denen ich

jetzt folgen kann

- so ein Servicebutton wäre auch eine gute

Idee für die eigene Zeitungshomepage und

kann Leser animieren, der Redaktion auf

Twitter zu folgen

- hilfreiches Instrument: Tweetdeck

(kostenlos herunterzuladen zum Beispiel

hier: http://tweetdeck.softonic.de/)

ermöglicht in verschiedenen Spalten

parallelen Überblick über verschiedene

Suchbegriffe und kann im Hintergrund oder

auf zweitem Bildschirm laufen

Weiteres:

- Das Gute liegt auch weiter so nah: Vor

lauter Facebook und Twitter bleibt auch

Google nicht zu vernachlässigen - die Suche

nach beispielsweise „Fluglärm + Blog“ bringt

viele interessante Treffer; Google Alert-

Funktion nutzen, um danach automatisch

weiter Nachrichten zu empfangen

- Viele Initiativen und Institutionen bieten die

Möglichkeit, RSS-Feeds zu abonnieren, die

über jede Veränderung auf der Seite

informieren

Zitate aus der Arbeitsgruppe 3

„Ohne Freunde bin ich gar nichts.“

„Ich möchte nicht mit jedem Stadtrat bei

Facebook befreundet sein.“

37


„Junge Leute twittern definitiv nicht.“

„Twitter ist mehr was für eine

Medienavantgarde.“

„Eine Fanseite allein kann den Dialog nicht

fördern.“

„Wir wollen ja nicht, dass die Leute auf

Facebook diskutieren – sie sollen auf

unserer Homepage diskutieren.“

„Ich bin gespannt, was mein Verlagschef

sagt, wenn ich ihm Montag präsentiere: Ich

brauche ein ipad, um das alles

umzusetzen.“

Modellseminar: STUTGART 21 IST ÜBERALL

„Es gehört dazu, dauerhaft mit Gegnern und

Befürwortern in Kontakt zu bleiben.“

„Es gehört dazu, dass man als Journalist

auch ein bisschen was Persönliches

preisgibt.“

„Man muss sich darüber im Klaren sein,

dass man nicht sofort die Super-

Geschichten bekommt. Das braucht Zeit.“

Arbeitsgruppe 3:

Kai Lars von Stockum, Lars Reckermann,

Dirk Augustin, Frank Hartmann, Dorthe

Arendt, Ralph Adameit, Maren Reese-

Winne, Jan Brunzlow, Marc Rath.

38


Arbeitsgruppe 4: Thema setzen, Leser einbeziehen, Plattform bieten

Wir spielen einen konkreten Fall durch (hier: Schulschließung droht), zeigen dabei auf, wie wir das Thema setzen und wie wir die (Wut-)Bürger

intensiv und umfassend einbeziehen.

Zeitschiene Print Online Soziale Netzwerke Aktionen

Tag 1: Konferenz:

Marketingabteilung

sinkende Schülerzahlen.

informieren z.B. Zeitung

These: eine Grundschule

in der Schule und weitere

muss schließen. Erste

Aktionen

Schritte: Daten/Fakten

sammeln bei Behörden

(Parameter abfragen, wann

eine Schule geschlossen

werden muss); persönliche

Kontakte abfragen; Social

Media; Wahlprogramme,

Fakten sammeln zu

Schulen für Online-

Extraseite

Tag 2: Kurzinterview mit

übergeordneter Behörde

Tag 3 Bericht über das Thema: Der Bericht Facebook/Twitter/Schülerdie

drohende

VZ

Schulschließung;

- Reaktionen immer im

Kommentar; Grafik;

Blick haben

Kurzinterview mit

Experten

Tag 5 Erste Reaktionen

Weiter pflegen und

(Leserbriefe/Online-

verfolgen

Kommentare; bei Bedarf

immer wieder bringen)

Tag 6 Was sagen Stadt, Der Bericht; Statement- Facebook/Twitter; auch:

Politiker? (frühere Film

Was haltet ihr davon?

Aussagen);

-Reaktionen immer im

Schulschließungsopfer aus

Blick haben

anderen Regionen)

39


Facebook/Twitter mit

Hinweis auf

Berichterstattung und

Internet-Spezial; Thema

auf Agenda des Internet-

Forums setzen

Internet-Spezial:

interaktive Grafik (wo

liegen die Schulen,

Daten/Fakten) plus

Erinnerungspinnwand

(ehemalige Schüler/User

können Kommentare

abgeben); Frage der

Woche: Was halten Sie

von der drohenden

Schulschließung? 1. Finde

ich falsch; 2. Wenn es sein

muss; 3. Ist mir egal (auch

Tag 9 Die Grundschulen werden

im Bild gezeigt mit den

wichtigsten Fakten

(Schülerzahl, Lehrer,

Größe, Was zahlt jeder

Bürger für die Schule);

Schulleiter kommen zu

Wort

Facebook/Twitter:

Reaktionen

Coupon möglich)

Video langer Schulweg;

Internet-Spezial

pflegen/auf neuem Stand

halten

Internet-Spezial

pflegen/auf neuem Stand

halten

Tag 10 Interview

Landeselternbeirat; dazu

Reportage über langen

Schulweg eines Kindes,

das schon eine

Schulschließung hinter

sich hat

Tag 11 Alternativen zur

Schließung (Kombiklassen

etc.); Vergleiche ziehen zu

anderen (Partner-)Städten;

dazu Kommentar

(Pro/Kontra)

Twitter/Facebook

(Konkurrenz beachten)

Online-Nachricht

(Konkurrenz beachten)

Tag 12: Die Nachricht

„Blümchenschule soll

geschlossen werden“

sickert durch. Konferenz

zu den weiteren Schritten:

Stellungnahme

Schulleiter, Politiker,

Elternbeirat, Redaktion

vor Ort, Frage der Woche,

weitere Reportagen,

Proteste der Eltern,

Diskussionsrunde (DR)

40


Redaktion vor Ort:

Blümchenschule

Twitter/Facebook

inklusive Hinweis auf

neue Frage der Woche

Neue Frage der Woche:

Schule soll geschlossen

werden. Was halten Sie

davon?; Video vor der

Schule: Nachricht

verkünden; Internet-

Spezial auf den neusten

Tag 13 Bericht: Schule soll

geschlossen werden

inklusive Ergebnis Frage

der Woche und Hinweis

auf Redaktion vor Ort am

selben Tag mittags an der

Schule

Stand bringen

Internet-Spezial pflegen Twitter/Facebook mit

Hinweis auf Spezial-Seite

Podiumsdiskussion

Twitter/Facebook (evtl.

hat sich Protest-Gruppe

auf Facebook gegründet);

Hinweis auf DR (Leser

schicken Fragen)

Internet-Spezial: Hinweis

auf DR; Auf Protest-

Homepages verlinken,

Internet-Spezial pflegen

Twitter/Facebook;

Hinweis auf DR (Leser

schicken Fragen)

Video vom Frisör oder

Stammtisch, Internet-

Spezial pflegen, Großer

Hinweis auf DR

Twitter/Facebook;

Hinweis auf DR (Leser

schicken Fragen)

Internet-Spezial: Großer

Hinweis auf DR

Tag 14 Spezial-Seite: Bericht von

Redaktion vor Ort,

Statements mit Foto von

Kioskbesitzer, Putzfrau,

Hausmeister,

Eltern/Kindern

Tag 16 Bericht über Proteste der

Eltern;

Erinnerungspinnwand

auswerten; Hinweis auf

DR mit dem Titel

„Stadtgespräch:

Schulschluss“ (Leser

schicken Fragen)

Tag 17 Bericht: Was halten

Bürger allgemein vom

Thema? (bei Frisören,

Kneipen umhören),

Umfrage auf der Straße;

Hinweis auf DR (Leser

schicken Fragen)

Tag 18 Experten-Interview

(Wissenschaftler o.ä.

bewertet Situation);

Hinweis auf DR (Leser

schicken Fragen)

Tag 19 Große Ankündigung der

DR (Chronologie der

Ereignisse,

Podiumsteilnehmer;

Hinweis auf Live-

Diskussionsrunde

Twitter/Facebook

aufrufen: Letzte Chance

für Fragen/Anregungen;

Abends dann Live von der

DR berichten (inklusive

Internet-Spezial: Heute

gilt es!; Kurze

Zusammenfassung des

Abends mit Bildergalerie

und wenn möglich Video

41


Fotos)

Twitter/Facebook:

Hinweis auf

Video/Bildergelerie

Hinweis auf Bildergalerie

und Video, Bericht im

Internet, Internet-Spezial

Twitter/Facebook:

Reaktionen

Internet-Spezial: Welche

Fragen der Leser wurden

wie beantwortet?

Berichterstattung über

Twitter und Facebook)

Auflösung Frage der

Woche

Tag 20 Kurzbericht mit Foto und

Hinweis auf

Bildergalerie/Video im

Internet und Hinweis auf

ausführliche

Berichterstattung am

Folgetag

Tag 21 Ausführlicher Bericht über

DR inklusive Kommentar

(Ausblick) und

Bürgerstimmen plus

Reaktionen der Politiker

Die folgende Berichterstattung orientiert sich am weiteren Verlauf der Ereignisse.

Nachtrag: Die zehn Gebote des guten Lokaljournalismus

1) Du sollst nicht warten, bis der Rat entscheidet.

2) Zeige dem Leser, was ihn betrifft.

3) Du sollst Emotionen wecken.

4) Du sollst Kritik nicht fürchten.

5) Du sollst über den Tellerrand deiner Gemeinde schauen.

6) Du sollst Chancen zum Handeln aufzeigen.

7) Du sollst alle Seiten beleuchten.

8) Du sollst keine Angst vor Online haben.

9) Du sollst offen bleiben und moderieren.

10) You'll never work alone!

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42


Modellseminar: STUTTGART 21 IST ÜBERALL

LITERATUR- UND RECHERCHETIPPS

LOKALJOURNALISMUS

Bundeszentrale für politische Bildung (Hrsg.)

(2011): 19. Forum Lokaljournalismus:

„Kommunikation der Zukunft: Die neue

Architektur des Lokaljournalismus“.

floeper@bpb.de

drehscheibe: Aus Lokalredaktionen – für

Lokalredaktionen, www.drehscheibe.org

Kretzschmar, Sonja/Möhring,

Wiebke/Timmermann, Lutz (2009):

Lokaljournalismus. Wiesbaden: VS, Verlag für

Sozialwissenschaften.

Machill, Marcel/Zenker, Martin (Hrsg.) (2006):

Anzeigenblätter und Gratiszeitungen – Die

Konkurrenten der Lokalzeitungen. Friedrich-

Ebert-Stiftung: Berlin.

Wolf, Fritz (2010): Salto Lokale. Das

Chancenpotential lokaler Öffentlichkeit.

www.mediendisput.de/downloads/studie%202010

.pdf

JOURNALISMUS UND INTERNET

Busemann, Kathrin/Gscheidle, Christoph (2010):

Web 2.0.: Nutzung steigt – Interesse an aktiver

Teilhabe sinkt. In: Media Perspektiven, H.7-8, S.

359-368.

Langer, Ulrike: http://medialdigital.de/

Neuberger, Christoph/Nuernbergk,

Christian/Rischke, Melanie (2009): Journalismus

im Internet. Wiesbaden: VS, Verlag für

Sozialwissenschaften.

Schmidt, Jan (2009): Das neue Netz. Konstanz:

UVK.

ZUKUNFT DES JOURNALISMUS

Stephan Weichert/Kramp, Leif (2010): Serie:

Wozu noch Journalismus? sueddeutsche.de.

ZAHLEN UND DATEN

ARD/ZDF-Online-Studie 2010. Mediaperspektiven

9/2010. http://www.ard-zdfonlinestudie.de/;

Engel, Bernhard/Ridder, Christa-Maria (2010):

Massenkommunikation 2010. www.mediaperspektiven.de/fileadmin/downloads/media_pers

pektiven/PDF-

Dateien/ARD_ZDF_Medienkommission_-

_Handout.pdf

Röper, Horst (2010): Zeitungen 2010:

Rangverschiebungen unter den größten

Verlagen. Daten zur Konzentration der

Tagespresse in der Bundesrepublik Deutschland

im I. Quartal 2010. In: Media Perspektiven H. 5,

S. 218-234.

Allgemein:

www.media-perspektiven.de

BÜRGERPROTEST UND POLITIK

drehscheibe: „Stop!, Nr. 6-2011 über

www.drehscheibe.org.de

Das Parlament: „Wir“ und „Die“. Die Distanz

zwischen Bürgern und Politik wächst, Nr. 1/2-

2011

Angelika Vetter: Lokale Politik als Rettungsanker

der Demokratie? In: Aus Politik und

Zeitgeschichte: Kommunalpolitik, 7-8/2011

http://www.bpb.de/publikationen/HZ74Z8,0,Lokal

e_Politik_als_Rettungsanker_der_Demokratie.ht

ml

Prof. Dr. Dieter Rucht: (mit Mundo Yang und Ann

Zimmermann), Politische Diskurse im Internet

und in Zeitungen: Das

Beispiel Genfood. Wiesbaden: VS Verlag 2008;

(mit Roland Roth, Hg.), Handbuch der sozialen

Bewegungen in Deutschland seit 1945.

Frankfurt/M.: Campus Verlag 2008; (mit Simon

Teune, Hg.), Nur Clowns und Chaoten? Die G8-

Proteste in Heiligendamm im Spiegel der

Massenmedien. Frankfurt/Main: Campus 2008;

(mit Stefaan Walgrave, Hg.), The World Says No

to War: Demonstrations against the War on Iraq.

Minneapolis: University of Minnesota Press

2010).

43


Foto: thinkstockphoto/Kwanjai Mueanyaem

Von Risiken und

Nebenwirkungen

In der lokalen Praxis wird das Thema Gesundheit

vielseitig behandelt. Die drehscheibe verschreibt

die besten Rezepte auf den Seiten 4 bis 13

MAGAZIN:

Zwischen Berg und Tal

Wie geht es den Schweizer Zeitungen?

Interview mit Sylvia Egli von Matt,

Direktorin der Journalistenschule MAZ

in Luzern, auf den Seiten 14 bis 16

DOSSIER:

IDEENBÖRSE:

Nr. 1 01.01.2010

www.drehscheibe.org

Geschichte in Bildern

Mit dem Fotoportal Nahraum.de

will das Medienhaus Lensing ein

kollektives Gedächtnis der Region im

Internet schaffen. Seiten 28 und 29

DOSSIER:

Endlich

Sommer!

Raus aus dem Alltag, ran an ungewöhnliche

Themen und Formate. Die besten Ideen

für heiße Geschichten zeigt die

drehscheibe auf den

Seiten 4 bis 13

MAGAZIN: IDEENBÖRSE:

Hartnäckig investigativ

Wie können brisante Themen im

Lokalen recherchiert werden? Lässt

sich auch das Internet dafür nutzen?

Anregungen auf den Seiten 14 bis 17

Achtung,

Arbeit!

Die neue Unsachlichkeit

Online-Kommentare sind erwünscht.

Doch was tun, wenn Nutzer ausfallend

werden? Wie Verlage damit umgehen,

steht auf den Seiten 14 bis 16

Nr. 6 01.02.2010 01.05.2010

www.drehscheibe.org

Männer, Rolle rückwärts?

In der Mittelland Zeitung aus der

Schweiz sprechen sechs Migranten

über ihr traditionelles Selbstbild als

Ehemann und Vater. Seiten 28 und 29

DOSSIER:

MAGAZIN: IDEENBÖRSE:

Richtig verlinkt

Hier geht’s lang: Links sind Wegweiser

im Netz. Gezielt und sachgerecht

eingesetzt, sind sie ein unverzichtbarer

Service für die Leser. Seiten 14 bis 16

Nr. 8 01.02.2010 01.07.2010

www.drehscheibe.org

Der gesellschaftliche Wandel

hat auch das Berufsleben

erfasst. Herkömmliche Jobs

verschwinden in der Krise,

andere entstehen. Wie

Lokalzeitungen darüber

berichten, zeigt die

drehscheibe auf den

Seiten 4 bis 13

Tankstellen-Check

Der Urlaub beginnt, die Spritpreise

steigen. Die Leser der Goslarschen

Zeitung verraten auf der Website, wo

Tanken günstig ist. Seite 29

DOSSIER:

Und, was

macht die

Kunst?

Theater in Not, Gedichte im Blatt,

Genies im Atelier – Wie Zeitungen

lokale Kultur präsentieren, zeigt die

drehscheibe auf den Seiten 4 bis 13

MAGAZIN: IDEENBÖRSE:

Nr. 10 01.02.2010 01.09.2010

www.drehscheibe.org

Glück gehabt

Weg von den negativen Schlagzeilen –

die Pforzheimer Zeitung beglückte ihre

Leser mit einer Ausgabe voller guter

Nachrichten. Seiten 28 und 29

www.drehscheibe.org

www.jugenddrehscheibe.de

Illustration: Raufeld/Konny Jäger

Foto: iStockphoto/Thomas Lehmann

Foto: iStockphoto/Lise Gagne

Foto: thinkstockphoto/Joe Belanger

Foto: Thinkstockphoto/Tuna Sarikaya; Montage: Raufeld

Die dritte Dimension

Mit neuen Formaten wie Augmented

Reality und 3-D wollen Zeitungen ihre

Leser überraschen. Wie sie das tun,

steht auf den Seiten 14 bis 16

DOSSIER:

Im Lokalen zu Hause

Wohnen bedeutet mehr, als nur ein Dach über dem Kopf zu haben.

Wie das Thema neue Räume in der Berichterstattung eröffnen kann,

zeigt die drehscheibe auf den Seiten 4 bis 13

Neues aus der Nachbarschaft

Blogger und Redakteure entdecken

das Sublokale und schreiben im Netz

über Themen, die sonst in der Zeitung

kaum Platz �nden. Seiten 14 bis 16

DOSSIER:

Im Netz gefunden

...und ins Blatt geholt. Wie Zeitungen das Internet zum Thema im Lokalen machen,

zeigt die drehscheibe auf den Seiten 4 bis 13

MAGAZIN: IDEENBÖRSE:

Nr. 2 01.02.2010

www.drehscheibe.org

MAGAZIN: IDEENBÖRSE: Foto: iStockphoto/Skip ODonnell

Neues

aus der

Heimat

Herkunft, Bleibe, Geborgenheit:

Heimat erzählt die emotionalsten

Geschichten. Die originellsten

stellt die drehscheibe auf den

Seiten 4 bis 13 vor.

Zeitung im Netzwerk

Millionen Deutsche sind schon drin,

jetzt kommen die Verlage: Zeitungen

entdecken soziale Netzwerke wie

Facebook für sich. Seiten 14 bis 16

Angekommen in der Fremde

Gelungene Integration? Drei

Generationen von Zuwanderern

diskutieren diese Frage in den

Nürnberger Nachrichten. Seite 27

DOSSIER:

Nr. 7 01.02.2010 01.06.2010

www.drehscheibe.org

Waechter

thinkstockphoto/istockphoto/Manuel

MAGAZIN: GEWINNER:

Foto:

Lokales mit Auszeichnung

Nun stehen sie fest – die Gewinner des

Deutschen Lokaljournalistenpreises

2010. Alle Sieger und alle Geschichten

auf den Seiten 22 bis 34

DOSSIER:

Kommunen in

der Klemme

Nr. 9 01.02.2010 01.08.2010

www.drehscheibe.org

Weniger Einnahmen, mehr Ausgaben: Für die Gemeinden wird es eng.

Wie sie Wege aus der Schuldenkrise suchen und wie Zeitungen darüber

berichten, zeigt die drehscheibe auf den Seiten 4 bis 13

MAGAZIN: IDEENBÖRSE:

Bilderbuch zum Hören

Audio-Slideshows lassen die Bilder

zu Wort kommen und bereichern die

Lokalberichterstattung. Wie man sie

erstellt, steht auf den Seiten 14 bis 16

Lokale Superstars

Die Provinz tobt: Der Tölzer Kurier

sucht in einer Castingshow Talente

aus der Region. Die jungen Leser

�nden es spitze. Seiten 28 und 29

Nr. 11 01.02.2010 01.10.2010

www.drehscheibe.org

Crossmediale Schießübung

Ein Experiment in Wort und Ton:

Die Ruhr Nachrichten begleiten eine

Polizei-Übung mit Interviews und

Audio-Slideshows. Seiten 28 und 29

DOSSIER:

Nr. 3 01.02.2010 01.03.2010

www.drehscheibe.org

Wertstoff

Müll ist mehr als Abfall. Er enthält tonnenweise Themen für eine

abwechslungsreiche Berichterstattung im Lokalen. Die drehscheibe

zeigt die besten Ideen auf den Seiten 4 bis 13

MAGAZIN: IDEENBÖRSE:

Forum Lokaljournalismus

Wie machen sich die Lokalzeitungen

�t für die Zukunft? Acht Chefredakteure

und Medienpro�s verraten, wie es

gehen kann. Seiten 14 bis 16

Unnachgiebig recherchiert

Der Bonner General-Anzeiger

bildete einen Reporterpool, um

dubiose Vorgänge beim Bau eines

Kongresszentrums zu lüften. Seite 27

DOSSIER:

MAGAZIN: IDEENBÖRSE:

Tief im Lokalen

Hyperlokale Formate: Chance oder

Konkurrenz für die Zeitungen? In den

USA boomen Webseiten, die vor der

Haustür berichten. Seiten 14 bis 16

Nr. 12 01.02.2010 01.11.2010

www.drehscheibe.org

Schneller, höher, weiter

Die Schwäbische Post ruft ihre Leser

auf, persönliche Rekorde einzusenden

und erhält soviel Resonanz wie nie

zuvor. Seite 23

Fotos: thinkstock/Andrei Zametalov, Jupiterimages (2), Stockdisc

Das Auge liest mit

Layout ist kein Selbstzweck. Wie Leser

die Zeitung wahrnehmen, untersucht

der Donaukurier mit der Methode des

Eyetracking. Seiten 14 bis 16

Zu schön geschrieben?

Den Medien wird oft vorgeworfen, zu

positiv über Integration zu berichten.

Was ist dran an dieser These? Ein Pro

und Kontra auf den Seiten 6 und 7

DOSSIER:

MAGAZIN: IDEENBÖRSE:

EXTRA-AUSGABE:

MAGAZIN: IDEENBÖRSE:

Nr. 4 01.02.2010 01.04.2010

www.drehscheibe.org

Schulzeit

Bildung ist Zukunft. Darum macht

Zeitung Schule und wagt den Blick ins

Klassenzimmer. Wie gute Geschichten

daraus entstehen, zeigt die drehscheibe

auf den Seiten 4 bis 13

Ortstermin am Hindukusch

Der Ostholsteiner Anzeiger begibt sich

an vorderste Front und berichtet über

den Einsatz ostfriesischer Soldaten in

Afghanistan. Seite 25

Nr. 13 01.12.2010

www.drehscheibe.org

Wer sind wir

und wenn ja

wie viele?

Ganz Deutschland diskutiert über

Integration. Doch oft an der Realität

vorbei. Die drehscheibe zeigt, wie

Lokalzeitungen dem Thema ein Gesicht

geben.

Halbmond über Pforzheim

Gehört der Islam zu Deutschland?

Wie Christen darauf antworten, wollte

die Pforzheimer Zeitung wissen und

besuchte einen Gottesdienst. Seite 26

Ball im Netz

Wie sich die Sportberichterstattung

durch das Internet verändert und mit

welchen Konzepten die Verlage darauf

reagieren, steht auf den Seiten 8 bis 15

Jetzt

bestellen

EXTRA-AUSGABE:

Nr. 5 20.04.2010

www.drehscheibe.org

Volltreffer!

Im Juni dreht sich alles um den Ball.

Die Welt schaut zur Fußball-WM

nach Südafrika. Im Lokalen

geht es jedes Wochenende

um Titel, Tore und

Tabellen. Vorlagen

für eine runde

Berichterstattung

kommen von der

drehscheibe.

MAGAZIN: IDEENBÖRSE: Illustration: Raufeld/Y. Thieme

Fans am Stammtisch

Die Waiblinger Kreiszeitung lädt

bei Spielen der deutschen Nationalelf

Fußballanhänger und lokale Prominenz

zur Expertenrunde ein. Seite 27

Lokales auf

dem Titel

Wir sind dann

mal weg

User generated Relaunch

Die Leser konnten den neuen Look

der Rhein Zeitung von Anfang an

mitbestimmen. Lesen Sie dazu den

Hintergrund auf den Seiten 14 bis 16

DOSSIER:

Vielen Gemeinden in Deutschland gehen die

Einwohner verloren. Der Bevölkerungsschwund

setzt den Kommunen in allen Bereichen zu. Wie

Lokalzeitungen aus diesem Weniger mehr machen,

zeigt die drehscheibe auf den Seiten 4 bis 13

MAGAZIN: IDEENBÖRSE:

Nr. 14 01.02.2010 15.12.2010

www.drehscheibe.org

Sprechstunde für Tiere

Strahlendoktor, Augenarzt und

Ernährungsspezialist: Dass Tierarzt

nicht gleich Tierarzt ist, zeigt die tz in

München. Seite 23

Die drehscheibe wird von der

Bundeszentrale für politische Bildung

in Zusammenarbeit mit dem Projektteam

Lokaljournalisten herausgegeben.

www.bpb.de/lokaljournalistenprogramm

Foto: krockenmitte/photcase.com

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