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Masterplan Sport Ruhr - Metropole Ruhr

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MASTERPLAN SPORT RUHR

DANK

Wir danken allen Referenten und Diskussionsteilnehmern für ihre Unterstützung und rege

Beteiligung. Die zur Verfügung gestellten Textgrundlagen wurden redaktionell bearbeitet.

IMPRESSUM

Herausgeber: Regionalverband Ruhr, Referat Kultur und Sport

Kronprinzenstr. 35, 45128 Essen

www.metropoleruhr.de

Gesamtleitung: Dr. Dieter Nellen, Leiter des Referats Kultur und Sport beim

Regionalverband Ruhr

Workshop-Konzeption: Paul Lawitzke, Leiter des Teams Freizeitmarketing im Referat

Kultur und Sport des Regionalverbandes Ruhr

Redaktion: Jan Schmitz, Münster

Gestaltung Titelseite: Frank Siebrecht, Regionalverband Ruhr

Workshop-Fotos: Dirk A. Friedrich, Essen

Essen, 2010

2


Bädermetropole Ruhr

Der Bädermarkt Ruhr 1

Der Bädermarkt in der Metropole Ruhr ist einer der vielfältigsten und attraktivsten

in Deutschland. 55 Entscheidungsträger und Badbetreiber diskutierten die

Perspektiven der regionalen Bäderentwicklung innerhalb des Masterplans Sport

für die Metropole Ruhr.

Heinz-Dieter Klink, der Regionaldirektor des Regionalverbandes Ruhr, begrüßte

die Teilnehmer zu dem Workshop „Bäder in der Krise? - Regionale Bäderentwicklung“,

der am 23. September 2009 im Rahmen der Workshop-Reihe des

Sportforums Ruhr stattfand. Er stellt die Bedeutung einer funktionierenden

Bäderinfrastruktur heraus und verweist auf die aktuell schwierigeren finanziellen

Rahmenbedingungen, verbunden mit der Hoffnung durch verstärkte regionale

Kooperation dieser Herausforderung gerecht zu werden.

Dr. Christian Ochsenbauer argumentiert dafür, die Bäder nicht nur unter finanztechnischen

Gesichtspunkten zu betrachten, sondern den Public Value öffentlicher

Bäder z. B. für die Gesundheit, das Lebensgefühl und gesellschaftliche

Zielstellungen, wie das Erlernen des Schwimmens, in den Fokus der Betrachtung

zu stellen.

Die Beiträge von Paul Lawitzke über die Bädermetropole Ruhr und Dr. Klaus

Lipinsky über die Berliner Bädersituation verdeutlichen die Gemeinsamkeiten

und Unterschiede der Regionen hinsichtlich der Raumstruktur, der Angebotssituation

und der unterschiedlichen organisatorischen Rahmenbedingungen.

Die Metropole Ruhr hat mit 5,2 Mio. Einwohnern erheblich mehr Einwohner als

Berlin mit 3,4 Mio. Einwohnern. Die Fläche der Metropole Ruhr ist gegenüber

Berlin etwa fünf mal so groß (Ruhr: 4.400 km 2 , Berlin: 890 km 2 ). Die Wohndichte

ist mit 1.167 Einwohnern je km 2 gegenüber Berlin deutlich geringer (Berlin:

3.443).

Beide Regionen verfügen über eine hinsichtlich der Angebotskapazitäten und flächigen

Abdeckung gute Grundversorgung. Diese bedarf einer Anpassung an das

veränderte Schwimmverhalten. In Hinblick auf zukünftige Ziele des Masterplans

Sport Ruhr zur Sicherung einer flächendeckenden Versorgung ist festzuhalten:

3

In der Metropole Ruhr bestehen 186 Bäderstandorte (Berlin: 63). Mit 3,6

Bädern je 100.000 Einwohner stehen der Bevölkerung in der Metropole Ruhr

in Relation zur Einwohnerzahl deutlich mehr Bäder zur Verfügung (Berlin: 1,9

Bäder je 100.000 Einwohner).

Bezogen auf die Fläche stehen in der Metropole Ruhr 0,04 Bäder je km 2 und

in der Hauptstadt Berlin 0,07 Bäder je km 2 zur Verfügung.

Im Vergleich zur Hauptstadtsituation weist die Metropole Ruhr ein deutlich attraktiveres

Bäderangebot bei den Freizeitbädern (Ruhr: 23, Berlin: 3) und Badeseen

auf. Berlin verfügt dagegen mit dem Europabad über eine international bedeutsame

Wettkampfeinrichtung für Schwimmsportwettkämpfe.

1 s. a.: Jan Schmitz: „Bäder in der Krise? – Regionale Bäderentwicklung“, Bericht über einen Workshop des

Regionalverbandes Ruhr in Essen in AB Archiv des Badewesens 12 / 2009

ZUSAMMENFASSUNG


ERGEBNISSE

MASTERPLAN SPORT RUHR

Die Bevölkerung an der Ruhr besucht die Bäder im Durchschnitt drei Mal jährlich, wogegen

in Berlin nur zwei Besuche je Einwohner jährlich erfolgen.

Extreme Unterschiede bestehen hinsichtlich der Organisationsstruktur. Die Berliner Bäder

liegen im Wesentlichen in der Hand der BBB Berliner Bäder-Betriebe, die als Anstalt

öffentlichen Rechts fungieren. Demgegenüber ist im Ruhrgebiet eine Fragmentierung der

Betriebsverantwortung auf etwa 90 verschiedene Betreiber festzustellen.

Ziele eines Bausteins Bäder im Masterplan Sport

In der abschließenden Podiumsdiskussion unter Beteiligung der anwesenden Bäderverantwortlichen

und -experten wird ein regionaler Informationsaustausch zum Thema Bäderentwicklung

einhellig begrüßt.

Als generelles Ziel wird die Herstellung von mehr Transparenz auf der Basis eines regionalen

Konsenses benannt.

Neben der Frage der Abstimmung kommunaler Bäderentwicklungen wird die Sicherung der

Grundversorgung und insbesondere die Sicherung des Schulschwimmens als Themenschwerpunkt

benannt.

Ein aktuell fortzuschreibender Orientierungsrahmen für kommunale Bäderentwicklungen

hat eine hohe Leitbildfunktion für kommunale Bäder-Entwicklungskonzepte und politische

Meinungsbildungsprozesse. Hierzu gehören insbesondere

4

die räumliche, regionale Darstellung der Bäderstandorte

die differenzierte Darstellung der Bädertypen und Angebotselemente

die regionalen Besucherentwicklungen

Trends der Nachfrageentwicklung, Folgen des demographischen Wandels und Veränderungen

im Freizeit- und Badeverhalten.

Darüber hinaus ist ein regionaler finanzwirtschaftlicher Überblick erforderlich.

Aufgrund seines Grundverständnisses der interkommunalen und regionalen Kooperation

und der beim RVR vorhandenen hohen Fachkompetenz in Fragen der regionalen Bäderentwicklung

wird der RVR als die geeignete Plattform für die folgenden Aufgaben gesehen:

Moderator des Informations- und Erfahrungsaustausches

Gutachter zur Erarbeitung eines Orientierungsrahmens Regionale Bäderentwicklung

Berater in Fragen der kommunalen Bäderentwicklung

Motor für den weiteren Prozess.


Bädermetropole Ruhr

INHALT

Zusammenfassung 3

Inhaltsverzeichnis 5

Begrüßung

Heinz-Dieter Klink, Regionaldirektor des Regionalverbandes Ruhr

IMPULSE

Moderatorin: Dr. Eva Maria Hubbert, Leiterin des Referates Finanzmanagement

/ Zentrale Dienste beim Regionalverband Ruhr

Public Value öffentlicher Bäder

Dr. Christian Ochsenbauer, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Gesellschaft für

das Badewesen

Der Bädermarkt Ruhr

Paul Lawitzke, Leiter des Teams Freizeitmarketing beim Regionalverband Ruhr

Sicherung der Grundversorgung 17

Dr. Klaus Lipinsky, Vorstandsvorsitzender der Berliner Bäder-Betriebe

KOMMUNALE STRATEGIEN

Moderatorin: Dr. Eva Maria Hubbert, Leiterin des Referates Finanzmanagement

/ Zentrale Dienste beim Regionalverband Ruhr

Lokale Grundversorgung im regionalen Kontext

Heinz Moseler, Betriebsleiter des MSS Mülheimer SportService

Bäderbetrieb durch Stadtwerke

Dirk Hohensträter, Geschäftsführer Sport- und Bäderbetriebe Moers

Standortentwicklung durch neue Gesundheits- und Wellness-Angebote

Frank Rose, Geschäftsführer der Prova Unternehmensberatung GmbH

Regionaler Bäderbetrieb in interkommunaler Kooperation 32

Dieter Funke, Bereichsleiter Wirtschaftsführung beim Regionalverband Ruhr

REGIONALE PERSPEKTIVEN

Moderator: Dr. Dieter Nellen, Leiter des Referates Kultur und Sport beim

Regionalverband Ruhr

Podiumsdiskussion 39

Dr. Barbara Duka, Beigeordnete der Stadt Marl

Dr. Christoph Müllmann, Beigeordneter der Stadt Kamp-Lintfort

Christian Hülsmann, Stadtdirektor der Stadt Essen

Dr. Manfred Beck, Beigeordneter der Stadt Gelsenkirchen

ANHANG: TEILNEHMER DES WORKSHOPS 53

5

7

9

13

23

26

29


MASTERPLAN SPORT RUHR

6

BEGRÜSSUNG >>>


Bädermetropole Ruhr

Sehr geehrte Damen und Herren,

hiermit begrüße ich Sie herzlich zu unserem 4. Workshop in der Reihe von Veranstaltungen

des Sportforums Ruhr!

Begrüßung

Heinz-Dieter Klink, Regionaldirektor des Regionalverbandes Ruhr

7

Mit dem heutigen Teilnehmerkreis versammelt sich hier im Haus des

Ruhrgebiets ein breites Fachwissen der verschiedenen Akteure im

Bäderbereich. Ich begrüße -und ich bitte um Nachsicht, wenn ich dies

nur institutionell tue- die Vertreter folgender Bereiche und Institutionen:

Politik und Verwaltung der Kommunen und des Regionalverbandes

Ruhr, Bäderbetreiber (Kommunale Sportämter, Sport- und Bäderbetriebe,

RVR, Stadtwerke und Private), Stadtsportbünde, Deutsche Gesellschaft

für das Badewesen, Schwimmverband Nordrhein-Westfalen,

Olympiastützpunkt Rhein-Ruhr, Städtenetzwerk Nordrhein-Westfalen,

Städtetag Nordrhein-Westfalen, Innenministerium Nordrhein-Westfalen,

Sportwissenschaft und Medien.

Das Thema der zukünftigen Bäderentwicklung hat im Rahmen der Erarbeitung

des Masterplans Sport Ruhr einen eigenen Stellenwert. Funktionstüchtige Bäder

sind die Voraussetzung für das Erlernen des Schwimmens sowie für den Schwimmleistungs-

und -spitzensport. Bäder haben aber auch eine hohe Bedeutung für die Lebensqualität der

Menschen in unserer Region. Sie sind Orte der Freizeit, des Sports, der Gesundheit und der

Begegnung für alle Altersgruppen. Die grundsätzlich hohe Bedeutung der Bäder als unverzichtbarer

Teil der öffentlichen Infrastruktur ist unbestritten. Gleichwohl sind - insbesondere

unter dem Aspekt knapper öffentlicher Mittel - das Angebot und der Betrieb kontinuierlich

an die veränderte Nachfrage durch die Nutzer anzupassen.

Der Regionalverband Ruhr betreibt seit mehr als 30 Jahren gemeinsam mit seinen Mitgliedskörperschaften

Bäder. Ursprünglich als Freibäder konzipiert haben diese Bäder sich im

Laufe der Jahre zu gesundheitsorientierten Freizeitbädern entwickelt, die jährlich von mehr

als zwei Millionen Badegästen besucht werden.

Ich möchte allerdings nicht verhehlen, dass es bei einem zunehmenden regionalen Wettbewerb

aufgrund der aktuellen und absehbaren Finanzsituation der Kommunen und des

RVR immer schwerer fällt, die hohe Angebotsqualität der Freizeitbäder mit Beteiligung des

Regionalverbandes Ruhr aufrechtzuerhalten und fortzuentwickeln.

Die Sicherung der Grundversorgung für das Schwimmen der Schulen, Vereine und der

Öffentlichkeit ist eine kommunale Aufgabe. Die Nutzung der wirtschaftlichen Potentiale

kann nur im regionalen Konsens und in regionaler Abstimmung dauerhaft erfolgreich sein.

Mit der Erarbeitung des Bausteins Bäder im Masterplan Sport verbindet sich daher auch der

Gedanke, Orientierung für eine regionale Bäderentwicklung zu schaffen, die von den Kommunen

gemeinsam getragen wird.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen allen heute anregende Diskussionen und der

Veranstaltung eine guten inhaltlichen Ertrag!


MASTERPLAN SPORT RUHR

Moderatorin: Dr. Eva Maria Hubbert,

Leiterin des Referates Finanzmanagement / Zentrale Dienste beim Regionalverband Ruhr

8

IMPULSE >>>


Bädermetropole Ruhr

Karl Theodor zu Guttenberg und Peer Steinbrück haben am vergangenen Sonntag im ARD

von tiefen zu erwartenden Einschnitten bei den öffentlichen Ausgaben gesprochen und

davon, dass Liebgewordenes auf den Prüfstand gestellt werden müsse. Die beiden haben

nicht nur den Bundeshaushalt gemeint. Allen ist klar, dass auch in den Kommunen in den

nächsten Jahren wieder Einsparungen bei der Infrastruktur auf dem Plan stehen.

Public Value öffentlicher Bäder

Dr. Christian Ochsenbauer, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Gesellschaft für

das Badewesen

9

Was nach der Bundestagswahl auf die Badbetreiber zukommen wird, ist

damit ebenfalls klar:

Forderungen nach Einsparungen,

der Ruf nach Privatisierung,

besorgte Vereine und Bürgerinitiativen und

Schließungsdiskussionen.

Das gilt sicher nicht für alle Teile Deutschlands und auch nicht für

Nachbarstädte in gleicher Weise. Es kommt auf die Position, das Image,

die Verankerung der Bäder in der jeweiligen Kommune an.

Das Ruhrgebiet ist allerdings in der Tendenz - was heiße Bäderschlachten angeht - im

Vergleich zu anderen Regionen durchaus ein Brennpunkt. Ich denke da nur an den

Kommunalwahlkampf in Essen.

Auf jeden Fall ist es immer wieder eine neue Herausforderung für die Verantwortlichen,

wenn ihr Bad oder ihre Bäder auf den Prüfstand gestellt werden. Und deshalb will ich jetzt

kurz anreißen, als Denkanstoß, in welchen Fächern die Bäder eigentlich sinnvoll auf den

Prüfstand gehören sollten – und in welchen nicht:

Vorneweg sollte eines eigentlich klar sein:

nicht eingleisig in betriebswirtschaftlichen Kategorien (Zuschussbedarf!)

nicht mit überbetonten existenziellen Argumenten, wie Ertrinkungsgefahren, weil keine

Bäder zur Verfügung stehen

Woran soll der Wert eines Bades für die Kommune aber dann gemessen werden? Hier will

ich den Begriff des „Public Value“ „in den Ring“ werfen. Das ist ja auch der Titel meines

Vortrages!

Woher kommt der Begriff?

Forscher der bekannten St. Gallener Universität

Weiterentwicklung des Daseinsvorsorge-Begriffes.


Bäder leisten wichtige

Beiträge zur Gesundheit

MASTERPLAN SPORT RUHR

Man kann den „öffentlichen Wert“ eines Bades in fünf Kategorien messen:

10

Gesundheit

Spass, Freude und Sinnlichkeit

Gesellschaft

Umwelt

Effizienz (Geld, Zuschüsse, Kosteneffizienz etc.)

Ich will im Rest der Zeit die Kategorien einmal ausprobieren. Die Frage lautet im folgenden

Was tut das Bad im Allgemeinen für …?

Stichwort Nummer 1: Demographie und Gesundheit

Für Demographie-Experten scheint unumstößlich klar festzustehen, dass sich die

Bevölkerungszusammensetzung, die sich mancherorts schon jetzt massiv ändert, sich in

Zukunft noch stärker und vor allem flächendeckend ändern wird. Und dabei geht es nicht

nur um „Schrumpfung“, sondern auch um die Altersverteilung und die Anteile der

Mitbürger mit einem sogenannten „Migrationshintergrund“.

Von den Ursachen her anders einzuordnen, aber in der Auswirkung zum Teil vergleichbar

ist ein anderer Trend, nämlich die zunehmend schwächere Gesundheit in der Bevölkerung.

Was heißt das: Das heißt Adipositas, die schon die ganz Jungen betrifft, sinkende

motorische Fähigkeiten bei der Jugend, Beeinträchtigungen des Bewegungsapparates bei den

Älteren, um nur einige wenige zu nennen. Und dann auch noch die Krise des

Gesundheitssystems, sprich: zunehmende Unbezahlbarkeit der Gesundheitskosten.

Was heißt das im Klartext? Es heißt: weniger Menschen, aber auch ältere Menschen,

Menschen mit anderem kulturellen Hintergrund, und immer mehr Menschen, deren

Gesundheit angeschlagen ist, die aber durchaus willens und in der Lage sind, selber

eigenverantwortlich etwas für ihre Gesundheit zu tun. Das ist das eine. Und was ist das

andere: dass beinahe alle Bevölkerungsgruppen in jeder Altersstufe mit allen sportlichen

Voraussetzungen eines können: Schwimmen und Bewegung im Wasser. Die oft

zivilisationsbedingten Faktoren, die viele Bewegungs- und Sportarten beeinträchtigen,

spielen im Wasser nämlich eine weitaus geringere Rolle als an Land. Das ist Fakt!

Was heißt das nun für die Bäder? Das Bad kann etwas sehr Zentrales tun:

für die Gesundheit des Einzelnen

für die Gesellschaft.

Und es wird ja getan. Ich denke gerade hier in Essen an die vielen „Sport- und

Gesundheitszentren“. Dies sind öffentliche Bäder, die mit großem ehrenamtlichen

Engagement von Vereinen spezielle Angebote für Ältere und Frauen aufgelegt haben. Und

das Geschäft boomt dort mit Kursen aller Art von Aquafitness bis zum Unterwasser-

Cycling. Eine Folge ist, dass diese Bäder ihre Lobby in Politik und Gesellschaft deutlich

stärken können.


Sachliche Diskussion

ist notwendig

Bädermetropole Ruhr

Stichwort Nummer 2: Klimaschutz und Energieeffizienz

Bäder brauchen Energie. Und das nicht wenig. Das ist bauartbedingt. Wo viel verbraucht

wird, kann aber auch viel gespart werden. Das bedeutet, dass die öffentlichen Bäder zu

Vorreitern der Energieeffizienz und des Klimaschutzes werden können und müssen.

Passivhauskonzepte, regenerative Energien etc. Ansatzpunkte gibt es. Sie müssen

aufgegriffen und auch im besten Sinne „verkauft“ werden. Dann kann auch hier aus der

Defensivargumentation der „Energieschleuder Bad“ ein Argument pro Bad werden.

Fazit:

Nicht eingleisige Argumentationen, sondern der gesamte Zweck oder „öffentliche Wert“

eines Bades, für alle Bevölkerungsgruppen, muss in den Vordergrund gestellt werden. Das

ist der „Public Value Ansatz“! Denn nur dann werden die öffentlichen Bäder auf jedem

Prüfstand, aus welchem Anlass auch immer, gerechter oder angemessener bewertet

werden.

Das heißt aber auch, dass dann das Badmanagement an der Schaffung dieses Wertes

gemessen werden muss. Hier ist Umdenken erforderlich.

Wir werden jedenfalls als Verbände des Badewesens weiter daran arbeiten, dass Bäder

immer mehr „Public Value“ in diesem Sinne produzieren.

Wenn es Ihnen heute auch gelingen könnte, den Public Value der Bäder im Ruhrgebiet zu

steigern, würde es mich sehr freuen. Ich wünsche Ihnen allen viel Erfolg und auch Spaß

heute Vormittag und auch für Ihre Arbeit für die Bäder. Ich glaube immer noch - es lohnt

sich.

11


MASTERPLAN SPORT RUHR

Sythen

Hamminkeln-Dingden

Haltern

Strandbad Stausee

Hamminkeln

Ternscher

See

Selm

Wesel-Bislich

LB Werne

Schermbeck

Stockum

Wesel-Ost

Auesee

Xanten

Rheinbad Wesel

Selm-Bork

Werne-Stockum

Marl-Hüls

Stadtbad

LB

Guido-Heiland-B.

Bodelschwingschule

Südbad

Mollbeck

Hünxe

CappenbergerSee

LB

Heil

Selbachpark

Willibrandschule

Alt-Lünen

Bergkamen-Oberaden

Lünen-

Voerde

BOT-Kirchhellen

Lünen-Mitte

Brambauer

Tenderingsweg

Lutherschule Waltrop

Bergkamen-

Horstmarer See

Kleinschwimmhalle

Weddinghofen

RE Suderwich

Borth

Lünen-Horstmar

LB Jahnschule

LB Goetheschule

Lünen-

Voerde

Brambauer

Kamen-Mitte Bönen

Parkbad Nord

Lünen Gamen

Stadtbad

Kamen-Mitte Kamen-Heeren-

Berve

Gladbeck

DO-Derne

KH Kamen-Heeren

Dinslaken-Hiesfeld

Castrop-Rauxel Bahnhofstr.

DO-Mengede DO-Eving

Bottrop

DO-Scharnhorst LB Unna-

DO-Hardenberg

Massen

LB Unna-

Rheinberg-Underberg

Lünern

Alsbachtal OB BOT-Stadtmitte

Bornekampbad

Osterfeld

Jahnplatz

DO-Brackel

DO-Nord

DO-Stockheide

Schwimmsporthalle Unna

BO-Rosenberg

OB-

BOT-Boy-Welheim

DU-SchwelgernSterkrade

DO-West

DO-Süd DO-Aplerbeck

Schöne Flöte

E-Altenessen

BO-Werne

LB

E-Dellwig

BO-

Lütgendortmund

Volkspark DO

J.-Reding-Schule

Sonnenbergschule LB

Holzwickede

Fröndenberg

DU-Beeck

Hofstede BO-

Fröndenberg-

OstbadE-Borbeck

Südfeldmark

Löhnbad

E-Nordost

DO-Hombruch

DO-Hörde

Dellwig

Fröndenberg

DU-

Obermeiderich

Südpark

DO-

Witten-Annen

Wellinhofen

Südbad

Hauptbad

DO-Hombruch

DU-Neuenkamp

Ruhrstadion

E-Steele

Witten-Annen

Holzen

DU-Neudorf

BO-Linden

Stadtbad

Grugabad

Herdecke-

LB

Töppersee

F.-Wenne-

Bleichstein

Ergste

BettenkamperMeer

mann-Bad Baldeney

Elsebachtal

Schwimm- Ruhrstrand

Witten-Herbede

Herdecke-

Hattingen-Welper

HA-Hengstey

Schwerte

DU-Rumeln

stadion

Bleichstein

Kruppsee DU-Wanheim

Wetter

Du-Großenbaum

Wolfssee

Wetter-

Ischeland

E-Kettwig Ischeland

Oberwengern

HA-Kirchenberg

Du-Großenbaum

Sprockhövel

HA-Henkhausen

Willy-Weyer-Bad

E-WerdenE-Kupferdreh

Nibelungenbad

Atlantis

Solebad Werne

Dorsten-Wulfen

Hamm

HAM-Heessen

Europabad

HAM-Bockum-Hövel

Stimbergpark

Traglufthalle

Marl-Hüls

Stadtbad

.

Stadtbad Datteln

Stadtbad

HAM-Ostwennemar

Allwetterbad

HAM-Herringen

.

Waltrop

Oer-Erkenschwick

CopaCaBackum RE Herner Str.

Bergkamen-Mitte

Westerholt

LB Hellwegschule

Alpen

RE Südpark

Dinslaken

GE-Buer

Sportparadies

Rheinberg-Solvay

Kamen-Methler

Wananas Allwetterbad DU-Walsum

Lago

GE-Horst Stadtbad Solebad Wischlingen

Niederrhein-Therme

Zentralbad Bergstr.

Unna

Eickel

Sportzentrum

Solbad Vonderort

Spaßbad

Rheinkamp

Pappelsee

Activarium Medi-Therme

DU-Homberg

Oase Nienhausen

BO-Langendreer

Südpark BO-Höntrop Heveney

Neukirchen-Vluyn

E-Oststadt

BO-Querenburg

MH-Nord

Friedrichsbad

E-Rüttenscheid

Schwerte

DU-Rheinhausen MH-Süd

Hattingen-Mitte

HA-Boele

HA-Vorhalle

Solimare

Hattingen-Holthausen

12

Masterplan Sport Ruhr

§ Baustein Bäder

Freizeitbad

Kombibad

Hallenbad

HeubergBad

Freibad

Kleinschwimmhalle

Badegelegenheit

Aquarell

Gevelsberg

Silberseen

Stadtbad Schwelm

Platsch

Schwelmebad

HA-Hestert

Breckerfeld

Glörtalsperre

HA-Lennebad-

Hohenlimburg

HA-Dahl

Regionalverband Ruhr 2007


Attraktive

Bäderlandschaft

Rückläufige

Nachfrage

Bädermetropole Ruhr

Der Regionalverband Ruhr beobachtet und analysiert fortlaufend die Entwicklungen im Bädermarkt Ruhr. Neben der

Erhebung von Besucherzahlen und Entwicklungen im Bäderangebot führt der RVR auch Marktstudien und

Besucherbefragungen zu aktuellen Trends im Bäderbereich durch. Diese Informationen stellt der RVR seinen 53

Mitgliedskommunen zur Verfügung. Sie dienen häufig als Grundlage für politische Entscheidungsprozesse.

Der Bädermarkt Ruhr

Paul Lawitzke, Teamleiter Freizeitmarketing beim Regionalverband Ruhr

13

Wir haben die Chronologie des Workshops so aufgebaut, dass wir die

Gelegenheit haben, zwei in Teilen ähnliche, aber auch unterschiedliche

Regionen miteinander vergleichen zu können – einmal die Region

Metropole Ruhr und anschließend Berlin, die Dr. Lipinsky als

Geschäftsführer der Bäderbetriebe Berlin im Anschluss vorstellen wird.

Mit einigen Schlaglichtern möchte ich nun zunächst versuchen, die

Bäderentwicklung in der Metropole Ruhr zu charakterisieren. Vielleicht

kann man im Anschluss mit Herrn Dr. Lipinsky darüber diskutieren, was

uns denn in den beiden Regionen und in den Strategien unterscheidet

und wo die Vorteile der jeweiligen Ansätze liegen.

Beim Blick auf die regionale Entwicklung in der Metropole Ruhr stellen

sich mir drei Fragen. Erstens: Ist das Bäderangebot angemessen?

Zweitens: Was kostet das Bäderangebot und was können wir uns leisten? Drittens: Ist

unser Bäderangebot richtig organisiert?

Wir haben eine sehr differenzierte, hochwertige Infrastruktur im Bäderbereich in der

Region, die von Freizeitbädern bis zu Naturbadeangeboten reicht. Darum würden uns viele

andere Regionen in Europa und der Welt beneiden.

Wir haben eine attraktive Bäderlandschaft und eine große Angebotsdiversität. So stehen im

RVR-Verbandsgebiet den Besuchern 186 Bäder offen. Darunter

23 Freizeitbäder

91 Hallen- und Kombibäder

48 Freibäder

24 Naturbäder

Und die Bäderlandschaft wird noch attraktiver werden. Derzeit befinden sich zwei Bäder im

Bau - ein Freizeitbad in Hagen und eines in Oberhausen. Das heißt: Die Aufwertung der

Infrastruktur im Bäderbereich hält an.

Auf der anderen Seite haben wir eine Besucherentwicklung, die wir insgesamt in der

Summe, aber auch in allen einzelnen Segmenten allenfalls als Stagnation bezeichnen können.

Das ist für einzelne Marktsegmente schon ein positiver Begriff. Unter dem Strich bedeutet

das: Wir haben eine gute Weiterentwicklung des Angebots bei gleichzeitiger Besucherstagnation.

Wozu führt das? Im Bereich der Freizeitbäder hält die Nachfrageentwicklung

beim Blick auf die vergangenen 25 Jahre mit der Entwicklung des Angebots nicht Schritt.

Im Grundsatz kann dabei regional keine vernünftige Auslastung mehr gewährleistet werden.

Das gleiche gilt für die Wirtschaftlichkeit der Bäder. Auch wenn sich ein Freizeitbad für den

einzelnen Standort, die einzelne Stadt durchaus rechnet, geht regional betrachtet die Schere


Bäder-Rückbau +

Sauna Schließungen

MASTERPLAN SPORT RUHR

Masterplan Sport Ruhr

§ Baustein Bäder

Besucherentwicklung 1997 – 2007 Marktsegmente in Mio.

Besuche 2007

zwischen Angebot und Nachfrage im Freizeitbäderbereich immer weiter auseinander. Ganz

einfach gesagt: Wir produzieren mit öffentlichen Mitteln Überkapazitäten im Bäderbereich.

Es ist dabei nicht so, dass sich alle Städte gleichermaßen entwickeln. Die beschriebene

Entwicklung hat auch Verluste an einzelnen Standorten zur Folge. Einige Beispiele können

das verdeutlichen:

14

20

15

Gesamt

10

Hallenbäder

5

Freibäder

Kombibäder

Freizeitbäder

19.5 Mio.

97 98 99 00 01 02 03 04 05 06

16.8 Mio.

1,3

6.9 Mio.

6.5 Mio.

1,2

1.5 Mio.

0,3

07

Masterplan Sport Ruhr

§ Baustein Bäder

Freizeitbäder: Angebot und Nachfrage

Aquarell

Natur-Solebad

Werne

Maximare

Atlantis

10 Mio.

Nibelungenbad

Maritimo

WES

HeubergBad

RE

Allwetterbad

Waltrop

HAM

8 Mio.

Freizeitbad Dinslaken

CopaCaBackum

Sportparadies

BOT

UN

Wananas Lago

Niederrhein-Therme OB Solbad

6 Mio.

GE

Vonderort

Spaßbad

Pappelsee

Activarium

Freizeitbad

Rhein-Ruhr-Bad

Nienhausen

Neukirchen-Vluyn

Angebot

DU MH Oase

E

HER

Solebad

Wischlingen

DO

Meditherme

BO

Ruhrtaltherme

Freizeitbad

Unna

Freizeitbad Schwerte

Nachfrage

2 Mio.

EN

HA

Sportzentrum

Rheinkamp

Freizeitbad

Gevelsberg

80 81 82 83 84 85 86 87 88 89 90 91 92 93 94 95 96 97 98 99 00 01 02 03 04 05 06 +

Das Allwetterbad Waltrop wurde auf ein Freibadangebot zurückgefahren. Sauna und

ganzjähriger Hallenbadbereich einschließlich Soleangebote wurden aufgegeben.

Das Sportparadies Gelsenkirchen hat sich - wie ich finde: vorbildlich - in Richtung

Familienangebote ausgerichtet. Die Sauna wurde geschlossen.

Ebenso wurde die Sauna im Freizeitbad Rheinkamp in Moers geschlossen.

Wir haben als RVR mit dem Partner Xanten das ganzjährige Badeangebot im

Nibelungenbad in Xanten aufgegeben. Dort gibt es nun noch das Strandbad und den

Saunabetrieb, aber nicht mehr das Nibelungenbad in seiner ursprünglichen Form.

Auch die Stadt Schwerte denkt schon länger darüber nach, wie man mit dem Freizeitbad

umgeht.

Zudem erarbeitet Unna eine Konzeption zum Rückbau des Freizeitbades.

3,1

Es bestehen aber auch gegenläufige Entwicklungsansätze. Auf der anderen Seite gibt es

Städte und Betreiber im westlichen Ruhrgebiet, so im Duisburger Süden und auch in Moers,

die weiter auf die Entwicklung von Freizeitbädern setzen und weitere Bäder in diesem

Marktsegment entwickeln.

Im Ruhrgebiet leben wir in einem Spannungsfeld aus öffentlich-rechtlichen, neuen

bürgerschaftlichen und privaten Bäderbetreibern. Ursprünglich wurden Bäder in der Region

traditionell von Sport- und Bäderämtern betrieben. Daraus sind im Bemühen der Städte um

eine höhere Wirtschaftlichkeit vielfach Stadtwerke gegründet worden. Das entlastet oder

löst teilweise auch Sport- und Bäderämter auf.

Auf der anderen Seite gibt es vereinsgeführte Bäder, auch Stadtsportbünde engagieren sich

im Bäderbetrieb oberhalb von einzelnen Vereinen und nicht ganz zu vergessen: private

Betreiber.

51 Bäder der Region werden von Eigenbetrieben der Städte geführt. Überall dort, wo man

freizeitwirtschaftliches Engagement für steuerliche Vorteile nutzen möchte, macht es

durchaus Sinn, Bäder im Eigenbetrieb oder durch Stadtwerke zu betreiben.


Fragmentierte

Betreiberstruktur

Renaissance

traditioneller Bäder

Bädermetropole Ruhr

Masterplan Sport Ruhr

§ Baustein Bäder

Nibelungenbad

Sythen

Hamminkeln-Dingden

Atlantis

Haltern

Dorsten-Lembeck

Solebad Werne

Strandbad Stausee

Hamminkeln

Dorsten-Wulfen

Ternscher

Hamm

See

Selm

HAM-Heessen

Wesel-Bislich

LB Werne

Schermbeck

Europabad

Stockum HAM-Bockum-Hövel

Wesel-Ost

Stimbergpark

Auesee

Dorsten

Traglufthalle

Xanten

Marl-Hüls

Rheinbad Wesel

Selm-Bork

Werne-Stockum

Stadtbad

.

Stadtbad Datteln

Stadtbad

HAM-Ostwennemar

Marl-Hüls

Stadtbad Allwetterbad

HAM-Herringen

LB

.

Guido-Heiland-B.

Bodelschwingschule

Südbad

Mollbeck

Hünxe

Waltrop

CappenbergerSee

LB

Heil

Selbachpark

Oer-Erkenschwick

Willibrandschule

Alt-Lünen

Bergkamen-Oberaden

CopaCaBackum

Lünen- Lünen-Mitte

Voerde

BOT-Kirchhellen

RE Herner Str.

Brambauer

Bergkamen-Mitte

Tenderingsweg

Bergkamen-

Horstmarer See

Kleinschwimmhalle

Westerholt

Lutherschule Waltrop

Weddinghofen

LB Hellwegschule

RE Suderwich

Lünen-Horstmar

LB Jahnschule

LB Goetheschule

Borth

Lünen-

Voerde

Brambauer

Bönen

Alpen

RE Südpark

Kamen-Mitte

Parkbad Nord

Lünen Gamen

Kamen-Mitte

Dinslaken Stadtbad

GE-Buer

Kamen-Heeren-

Berve

Gladbeck

DO-Derne

KH Kamen-Heeren

Rheinberg-Solvay

Sportparadies

Dinslaken-Hiesfeld

Castrop-Rauxel Bahnhofstr.

DO-Mengede

Kamen-Methler

DO-Eving

Bottrop

Wananas DO-Scharnhorst LB Unna-

DO-Hardenberg

Massen

LB Unna-

Allwetterbad DU-Walsum

Lago

Rheinberg-Underberg

Lünern

Alsbachtal OB BOT-Stadtmitte GE-Horst Stadtbad Solebad Wischlingen

Bornekampbad

Niederrhein-Therme

Osterfeld

Jahnplatz Zentralbad Bergstr.

DO-Brackel

DO-Nord

DO-Stockheide

Schwimmsporthalle Unna

BO-Rosenberg

OB-

BOT-Boy-Welheim

Unna

Sportzentrum

DU-SchwelgernSterkrade

Solbad Vonderort Eickel

DO-West

Spaßbad

DO-Süd DO-Aplerbeck Schöne Flöte

BO-Werne

LB

Rheinkamp

E-Altenessen

Volkspark DO

E-Dellwig

BO-

Lütgendortmund

J.-Reding-Schule

Sonnenbergschule

Holzwickede

LB

Pappelsee

Hofstede

Fröndenberg

DU-Beeck

BO-

Fröndenberg-

Löhnbad

OstbadE-Borbeck

Activarium Südfeldmark

DO-Hombruch

DO-Hörde

Dellwig

DU-

E-Nordost

Medi-Therme

Fröndenberg

DU-Homberg

Oase Nienhausen

Obermeiderich

Südpark

BO-Langendreer

DO-

Witten-Annen

Wellinhofen

Südbad

Hauptbad

Südpark BO-Höntrop Heveney

Neukirchen-Vluyn

E-Oststadt

DO-Hombruch

DU-Neuenkamp

Ruhrstadion

E-Steele

BO-Querenburg

Witten-Annen

Holzen

DU-Neudorf MH-Nord

Friedrichsbad

E-Rüttenscheid BO-Linden

Stadtbad Schwerte

Grugabad

Herdecke-

LB

TöpperseeDU-Rheinhausen

MH-Süd F.-Wenne-

Bleichstein

Ergste

BettenkamperMeer

mann-Bad Baldeney

Elsebachtal

Schwimm- Ruhrstrand

Witten-Herbede

Herdecke-

HA-Hengstey

Schwerte

Hattingen-Welper

DU-Rumeln

stadion

Bleichstein

Kruppsee DU-Wanheim

Hattingen-Mitte

HA-Boele

Wetter

HA-Vorhalle

Du-Großenbaum

E-Werden E-Kupferdreh

Wolfssee

Wetter-

Ischeland

Solimare

E-Kettwig Hattingen-Holthausen

Ischeland

Oberwengern

HA-Kirchenberg

Du-Großenbaum

Sprockhövel

HA-Henkhausen

Willy-Weyer-Bad

HA-Hestert HA-Lennebad-

Hohenlimburg

Die Frage ist, ob inhaltlich auch neue Perspektiven damit entstehen. In der Gesamtverteilung

sehen wir, dass die traditionellen Sportämter nur noch ein ganz kleines Marktsegment

betreiben. Den Großteil machen Kommunalbetriebe und Stadtwerke aus. 42 Bäder in der

Region werden von Vereinen betrieben.

Wir stellen insgesamt eine unglaubliche Fragmentierung der Betreiberstruktur fest. Wir

haben ungefähr 90 unterschiedliche Bäderbetreiber in dieser Region, die alle versuchen,

einen Wettbewerb aufzubauen und dabei verständlicherweise für ihre eigene Einrichtung

das Beste herausholen wollen. Der Wettbewerb wird durch die Fragmentierung der

Betreiberstruktur gefördert.

Ich möchte Ihnen aus der aktuellen Bädermarktstudie 2009 zwei Ergebnisse präsentieren,

die auch den RVR betreffen. Gefragt war: Welche Freizeitbäder werden von den Menschen

in der Region am häufigsten genutzt? Im Ergebnis sehen wir, dass die vieldiskutierten Bäder

mit RVR-Beteiligung, also das Lago, die Niederrheintherme oder das Solebad Wischlingen

für die Bevölkerung in der Region einen sehr hohen Stellenwert haben. Auch das

CopacaBackum und das neue Maximare in Hamm haben sich innerhalb der Region schon

gut positioniert. Hinzu kommen hier noch zusätzliche Besucher von außerhalb des RVR-

Gebietes. Für uns als RVR entscheidender ist, dass wir an relativer Attraktivität gegenüber

anderen Bädern verlieren. Das Freizeitbad der Region, das haben die Bürgerinnen und

Bürger abgestimmt, ist das Maximare in Hamm. Unsere RVR-Bäder rutschen ab, auch wenn

die Noten immer noch in einem guten Bereich liegen. Aber wir sehen: Wenn wir nicht

ständig diesem Investitionszwang, der mit Freizeitbädern verbunden ist, genügen, werden

wir weiter abrutschen und irgendwann die Basis unserer Wirtschaftlichkeit verlieren.

Mit welchen Strategien begegnen Städte dem Wettbewerbsdruck? Es gibt grundsätzlich zwei

Strategien. Die eine ist „im Bestand“ zu erneuern. Das macht durchaus Sinn. Wir stellen

eine Renaissance traditioneller Bäderangebote fest. Glücklich sind die Bäderbetreiber, die

über ein Bewegungsbecken verfügen, das ursprüngliche Lehrschwimmbecken. Das Beispiel

Friedrich-Wennmann-Bad in Mülheim an der Ruhr zeigt, wie es gelingen kann, durch ein

umfassendes Sportprogramm dieses Bad zu reaktivieren und mit einer hohen Auslastung

Gäste bis ins hohe Alter anzuziehen. 25 Prozent der Besucher dieses Bades kommen aus

dem benachbarten Essen.

Die andere Möglichkeit ist der Neubau. Das Maximare Hamm ist als umfassendes

Komplettangebot von Gesundheits-, Wellness- und Sportangeboten mit 50-Meter-Bahn,

wettkampfgerechter Tribüne und Zuschauermöglichkeiten konzipiert. 30 Millionen Euro

wurden allein für die Errichtung investiert. Das ist eine Art von Standortentwicklung, die

deutlich über die Grenzen der Stadt Hamm hinaus zielt.

15

Freizeitbad

Kombibad

Hallenbad

HeubergBad

Aquarell

Freibad

Kleinschwimmhalle Gevelsberg

Badegelegenheit

Silberseen

Stadtbad Schwelm

Platsch

Schwelmebad

Breckerfeld

Glörtalsperre

HA-Dahl

Regionalverband Ruhr 2007

Masterplan Sport Ruhr

§ Baustein Bäder

Betreiberstruktur

6

Private*

Private

Öffentlich-rechtlich

Eigenbetrieb

51

35

10

Stadtwerke

RVR +

*ohne Hotels, Fitnesscenter, Freizeitanbieter

31

Sport-

und

Bäderamt

Private

Bürgerschaftlich

Vereine +

Stadtwerke

SSB

Vereine

RVR

42

Sportamt

Kommunale Betriebe


Wettbewerb

reduzieren

Regionale

Kostenübersicht

herstellen

MASTERPLAN SPORT RUHR

Masterplan Sport Ruhr

§ Baustein Bäder

Genutzte Freizeitbäder TOP 10 letzte 2 Jahre in Region offene Nennungen in %,

BÄDER RUHR 2009

Was könnten mögliche Ziele eines Orientierungsrahmens „Bäder“ sein?

Generelle Ziele:

16

Niederrhein-Therme DU

Solebad Wischlingen DO

Solbad Vonderort BOT / OB

CopacaBackum Herten

Lago HER 9

Maximare HAM

Ruhrtal-Therme WIT

Maritimo Oer-Erkenschwick

Atlantis Dorsten

activarium Nienhausen E / GE

0 2 4 6 8

Sicherung der Grundversorgung im Bäderbereich in dieser Region

Ruinösen Wettbewerb vermeiden: Wir müssen meines Erachtens alles dafür tun, einen

ruinösen Wettbewerb zu vermeiden oder sogar Wettbewerb zu reduzieren

Förderung des Leistungs- und Spitzenschwimmsports – eine Frage, die auch im

regionalen Konsens sehr gut in das Gesamtthema Masterplan Sport Ruhr passt.

Mögliche Einzelziele eines Orientierungsrahmens Bäder:

4

4

4

4

5

5

5

6

7

Masterplan Sport Ruhr

§ Baustein Bäder

Bewertung genutzter Freizeitbäder TOP 10 Metropole Ruhr in Schulnoten

Informations- und Erfahrungsaustausch: Das klappt in der Regel auch am besten. So ohne

weitere Verpflichtung unterhält man sich ja ganz nett miteinander.

Kapazitäts- und Angebotsabstimmung: Es macht Sinn abzustimmen, in welcher

Dimension ein neues Angebot gebaut wird. Es ist auch möglich, dass zwei Freizeitbäder

direkt nebeneinander bestehen. Sofern sie unterschiedliche Inhalte und Schwerpunkte

haben, können sie sich sogar befruchten. Es muss sich nicht ausschließen, aber sinnvoll

wäre, dass nicht beide das gleiche Segment beanspruchen.

Abstimmung von Tarifen, Preisen und Marketing: Auffällig ist die Neigung der Betreiber

älterer Bäder mit Dumpingpreisen auf den Markt zu gehen, unter anderem aus sozialen

Gründen, aber auch um mehr Besucher zu gewinnen. Das kann natürlich nicht Sinn der

Sache sein, mit Niedrigpreisangeboten, Zusatztarifen oder Marketingaktivitäten (wie die

RuhrtopCard) den Wettbewerb zu verzerren.

Kostenoptimierung durch Kostentransparenz: Wir haben zum jetzigen Stand keinen

Überblick über die Gesamtkosten für Bäder im Ruhrgebiet. Eine solche Übersicht ist

aufgrund der fragmentierten Betreiberstruktur auch extrem schwierig zu erstellen. Aber

grundsätzlich wäre es hilfreich, Informationen darüber zu bekommen, welche Städte und

Betreiber ihre Bäder günstiger als andere betreiben. Ich plädiere dafür, einen solchen

Überblick zu schaffen und bitte um Teilnahme aller Beteiligten der Region.

Förderung interkommunaler Kooperation: Die Frage ist: Müssen wir nicht Projekte im

Grenzbereich zweier Städte auch regional unterstützen? Wie kann das gelingen?

Marktregulierung: Wenn das alles nicht freiwillig gelingt: Brauchen wir dann nicht eine

Marktregulierung, ähnlich wie im Einzelhandel? Eine Marktregulierung, die es zum

Beispiel untersagt, dass Städte unter 100.000 Einwohner nicht einfach ein Freizeitbad in

die Welt setzen können, ohne sich mit den Nachbarstädten abzustimmen.

BÄDER RUHR 2009

Maximare HAM

Aquarell Haltern

Natursolebad Werne

CopacaBackum Herten

Maritimo Oer-Erkenschwick

Lago HER

Solbad Vonderort BOT / OB

Ruhrtal-Therme WIT

Meditherme BO

Solebad Wischlingen DO

2,5

2,4

2,3

2,2

2,2

2,1

2,1

2,1

2,1

2,1

2,1

2,1

2,0

2,0

2,0

1,9


Bädermetropole Ruhr

Die Berliner Bäder-Betriebe sind bis heute Europas größter Badbetreiber, wollen es bleiben und auch weiterhin die

Grundversorgung der Berliner Bevölkerung sicherstellen, zu der im Stadtstaat auch der Betrieb von Bädern als gesetzlich

verpflichtende Aufgabe der öffentlichen Hand gehört. Angesichts Sanierungsstaus und knapper Kassen stehen die Berliner

Bäder-Betriebe trotz aller bisherigen Anstrengungen vor einer großen Herausforderung. Mit einem allumfassenden

Konzept und Millionen-Investitionen wollen sie nun die städtischen Bäder zukunftsfähig machen. Was kann die mit

ähnlichen Problemlagen befasste Metropole Ruhr von Berlin lernen?

Sicherung der Grundversorgung

oder Daseinsvorsorge für die Hauptstadt Berlin

Dr.-Ing. Klaus Lipinsky, Vorstandsvorsitzender der Berliner Bäder-Betriebe AöR,

Geschäftsführer der BBB Infrastruktur GmbH & Co. KG

17

Daseinsvorsorge hat Geschichte, und die beginnt in Berlin bereits in der

Kaiserzeit. Schon im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts wurde mit der

Errichtung von Volksbädern in aufwändiger Bauweise mit

Geschlechtertrennung begonnen. Im Vordergrund standen nicht nur der

sportliche Zweck, sondern auch die Volksgesundheit und Hygiene.

Deshalb waren die Schwimmhallen neben einem Schwimmbecken auch

mit Badeabteilungen (Duschen und Badewannen) ausgestattet.

Einige davon, wie das 1898 erbaute Stadtbad Charlottenburg und das

1914 fertig gestellte Stadtbad Neukölln, sind nach aufwändiger

denkmalgerechter Restaurierung noch heute in Betrieb.

Daseinsvorsorge umschreibt die Bereitstellung der für ein geordnetes

Zusammenleben erforderlichen Güter und Einrichtungen durch den

Staat und wird heute eher als Sicherung der Grundversorgung bezeichnet.

Dies kann in Notsituationen auch die Bereitstellung von Lebensmitteln und Trinkwasser

sein, reduziert sich im Normalfall jedoch meist auf die Bereitstellung von

Infrastruktureinrichtungen für den Nah- und Fernverkehr, die Versorgung mit Strom, Gas,

Wärme und Wasser, die Entsorgung von Hausmüll und Abwasser und die Straßenreinigung.

Zu dieser Grundversorgung gehört sowohl der Betrieb von Krankenhäusern,

Seniorenheimen und Friedhöfen als auch der Betrieb von Sportanlagen, zu denen auch die

Bäder zählen. Diese Grundversorgung mit Bädern ist Teil der gesetzlichen Aufgaben der

BBB und setzt sich zusammen aus der

Erfüllung der sport- und sozialpolitischen Aufgaben (Sicherung einer wohnortnahen

Versorgung)

Planung des Bedarfs an Schwimmbädern und Sicherstellung der Grundversorgung, auch

für den Schul- und Vereinssport (entgeltfrei)

Entwicklung und Umsetzung nutzergruppenspezifischer Sport- und

Freizeitangebote, u. a. durch Unterhaltung und Betrieb von Nebenbetrieben wie Saunen,

Solarien, Gastronomie

Minimierung des Zuschussbedarfs der Schwimmbäder bei gleichzeitiger Wahrung

sozialverträglicher Tarife im Rahmen der Daseinsvorsorge.


MASTERPLAN SPORT RUHR

Stadtbad Charlottenburg Stadtbad Neukölln

Die Berliner Bäderlandschaft hat sich jedoch in den letzten Jahren stark verändert. In den

80er und 90er Jahren begann eine dramatische Verschlechterung des baulichen Zustands

der Bäder aufgrund fehlender finanzieller Mittel. Im Jahre 1995 beschloss das Land Berlin,

die bisherige Verwaltung der Bäder durch die Bezirke Berlins aufzugeben und sie künftig

unter einem Dach zusammenzuführen. Ab 01.01.1996 bis zum 30.09.1996 wurden die Bäder

zunächst durch eine Projektgruppe des Berliner Senats verwaltet. Zum 01.10.1996 erfolgte

die Gründung der Berliner Bäder-Betriebe AöR mit der Übernahme von 77 Hallen-,

Sommer- und Freibädern. Im Jahre 1999 stieg mit der Übernahme von SSE und SEZ die

Betriebspflicht auf 79 Bäder.

Konsolidierung in drei Stufen

Die Herausforderung bestand nun in der Aufrechterhaltung eines angemessenen Bäderangebotes

in Berlin bei sinkendem Landeszuschuss. Während das Land Berlin den Betrieb der

Bäder durch die Bezirke bis 1995 mit jährlich rund 79 Mio. Euro bezuschusste, sank dieser

mit Gründung der Berliner Bäder-Betriebe kontinuierlich. So erhielten die Berliner Bäder-

Betriebe z. B. im Jahre 2000 noch rund 55,8 Mio. Euro, im Jahre 2007 waren es nur noch

rund 36,98 Mio. Euro. Um die sinkenden Zuschüsse zu kompensieren, haben die Berliner

Bäder-Betriebe 2001 einen dreistufigen Konsolidierungsprozess eingeleitet:

Kerndaten Bäderbetrieb

Hauptstadt Berlin

3,4 Mio. Einwohner

892 km 2 Fläche

Bäderangebot

37 Hallenbäder

26 Freibäder

Jahresbesuche 2008

6,2 Mio. Besuche

Betrieb 2008

724 Mitarbeiter

39,8 Mio. EURO Zuschuss

18

Anpassung des Bäderangebots

In der ersten Stufe wurde das Bäderangebot überprüft und angepasst. So

wurden in 2001 und 2002 insgesamt elf ausgewählte Bäder geschlossen und

die Berliner Bäder-Betriebe für diese und vier weitere bereits vor 1996

geschlossene Standorte dauerhaft von ihrer Betriebspflicht entbunden.

Tarifanpassung

Mit der zweiten Stufe wurde im ersten Halbjahr 2002 die Tarifstruktur neu

gestaltet und vereinfacht, die Preise moderat erhöht, Dauerkarten durch

Mehrfachkarten ersetzt und die Ermäßigungen an das

Bundessozialgesetzbuch angepasst. Trotz steigender Kosten konnten die

Preise für die Sauna- und Badbesuche seitdem stabil gehalten werden.

Trennung von Infrastruktur und Betrieb

Mit der dritten Stufe konnte die Konsolidierung der BBB durch Trennung von Infrastruktur

und Betrieb in ihre entscheidende Phase eintreten. Durch die Novellierung des Bäder-

Anstaltsgesetzes (BBBG) in der Fassung vom 4. März 2005 und die Gründung der BBB

Infrastruktur GmbH & Co. KG im September 2006 wurden die für die Neustrukturierung

der BBB erforderlichen Grundlagen geschaffen. Ziel war und ist es, durch

betriebswirtschaftliche Optimierung und Entwicklung der Bäderstandorte mit privaten


Umweltbeitrag

Bädermetropole Ruhr

Zuschussentwicklung 2001 - 2007

Investoren zusätzliche Erlöse zu generieren und damit einen nachhaltigen Beitrag zum Erhalt

des Bäderangebotes in Berlin zu leisten.

Bädersanierungsprogramm und Klimaschutzvereinbarung

Diese Maßnahmen allein reichen jedoch nicht aus, um den inzwischen aufgelaufenen

Instandhaltungsstau zeitnah abzubauen. Aus diesem Grunde hat das Land Berlin im Jahre

2007 ein Bädersanierungsprogramm beschlossen. Zum Abbau des Instandhaltungsstaus

stellt das Land Berlin in den Jahren 2007 bis 2012 insgesamt 50 Mio. Euro zur Verfügung.

Damit können nunmehr sukzessive dringend notwendige Instandsetzungsarbeiten

durchgeführt und die Bäderlandschaft in ihrer derzeitigen Struktur für die Berlinerinnen und

Berliner erhalten werden.

Zusätzlich konnten Mittel aus weiteren Förderprogrammen wie Investitionspakt mit rund

6 Mio. Euro, UEP II (Umweltentlastungsprogramm) mit rund 8 Mio. Euro und dem

Konjunkturpaket II mit 6 Mio. Euro eingeworben werden, mit denen zusätzliche

Maßnahmen zur Energieeinsparung und damit neben den Betriebskostensenkungen

klimapolitische Ziele erreicht werden können.

Zusätzlich stellt das Land Berlin ab 2010 jährlich 5 Mio. Euro zusätzlich zur Verfügung, um

den Instandhaltungsstau noch schneller abzubauen und den erreichten Standard auch

langfristig halten zu können. Am 13.02.2009 wurde zudem zwischen den Berliner Bäder-

Betrieben AöR, der BBB Infrastruktur GmbH & Co. KG, der Senatsverwaltung für Inneres

und Sport sowie der Senatsverwaltung für Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz

eine Klimaschutzvereinbarung unterzeichnet. Damit werden die Gesellschaften Partner des

Landesenergieprogramms 2006-2010 des Berliner Senates. Im Rahmen der Vereinbarung

werden konkrete Ziele zur Reduzierung der CO 2-Emissionen vereinbart. So soll der

CO 2-Ausstoß bis zum Jahre 2012 um mindestens 1.900 t/a gesenkt werden. Durch diese

zusätzlichen Fördermittel ergibt sich eine erheblich positivere Entwicklung der jährlichen

Zuschüsse.

Dadurch können die folgenden Maßnahmen im Zusammenhang mit dem

Bädersanierungsprogramm durchgeführt werden:

19

Zuschussentwicklung 2001 - 2012

Sanierung von Fassaden und Dächern zur Verbesserung der Wärmedämmung

Erhöhung der Energieeffizienz bei Beleuchtung, Pumpen, Wärmeerzeugung, Lüftung

Erweiterung des Einsatzes von Solarabsorberanlagen zur Beckenwassererwärmung in

den Sommerbädern

Erweiterung des Einsatzes von Solarkollektoranlagen zur Brauch- und Beckenwassererwärmung


MASTERPLAN SPORT RUHR

Stadtbad Märkisches Viertel nach der Sanierung

20

Einsatz von Fotovoltaik bei entsprechender Wirtschaftlichkeit

Prüfung des Einsatzes von Solarhybridsystemen

Prüfung des Anschlusses an ein biomassebetriebenes Nahwärmenetz

Nachrüstung von BHKWs an den gasbeheizten Standorten

Optimierte Anlagenkonzepte

Einsatz der Membrantechnologie zur Beckenwasseraufbereitung

Abwasserwärmenutzung

Wärmepumpentechnologie

Verbesserung der betriebs- und verfahrenstechnischen Abläufe durch Neuausrichtung

der betriebstechnischen Strukturen

Fortführung der Automatisierung und Aufschaltung aller wichtigen Prozess- und

Energieparameter auf die Gebäudeleittechnik.

Beispiel Stadtbad Märkisches Viertel

Ein Beispiel für die energetische Sanierung ist das Stadtbad Märkisches Viertel. Hier erfolgte

neben der Erneuerung der gesamten Fassade und der Sanierung der Dachabdichtung mit

neuer Wärmedämmung die Integration von Fotovoltaik-Modulen zur Stromerzeugung an

der Süd- und Ostfassade. Weitere Fotovoltaik-Module sowie eine solarthermische Anlage

zur Wärmeerzeugung wurden auf dem Dach der Schwimmhalle montiert. Mit den

Solaranlagen können pro Jahr ca. 16.000 kWh Strom sowie ca. 80.000 kWh Wärme erzeugt

werden. Der erzeugte Strom wird direkt in das Netz des örtlichen Energieversorgers

eingespeist und den BBB vergütet.

Perspektiven

Die Berliner Bäder-Betriebe sind bis heute Europas größter Badbetreiber, wollen es auch

bleiben und auch weiterhin die Grundversorgung der Berliner Bevölkerung sicherstellen.

Freizeitorientierte Öffentlichkeitsbäder stehen neben Schul- und Vereinsbädern, die nahezu

ausschließlich dem Schul- und Vereinsschwimmen vorbehalten sind. Die meisten Bäder sind

jedoch Mischbäder, die allen Nutzergruppen zur Verfügung stehen.


Wirtschaftlichkeit +

soziale Verantwortung

Bädermetropole Ruhr

Zuschuss, Erlöse, Jahresergebnis 2003 – 2008 Personalentwicklung 2001 – 2009

Von den 63 Bädern der Berliner Bäder-Betriebe sind 37 Hallenbäder (davon 7 Schul- und

Vereinsbäder, 23 Mischbäder, 3 freizeitorientierte Bäder und 4 Kombi-Bäder mit

Schwimmhalle und Sommerbad). Daneben gibt es 26 Sommer- und Freibäder, von denen

derzeit rund 50 % an private Betreiber und Vereine verpachtet sind. Wir begrüßen

durchschnittlich rund 6,2 Mio. Besucher pro Jahr, darunter ca. 2,3 Mio. entgeltfrei (z. B.

Vereinsmitglieder).

Die Zukunftssicherung des Bäderangebotes in Berlin ist nur durch die Umsetzung der

Maßnahmen aus dem Bäderkonzept möglich

21

Sicherung der Finanzierung eines ausgewogenen Bäderkonzeptes für alle Nutzergruppen

durch langfristige Zusage des Aufgabenträgers (Haushaltssicherheit)

Ausweitung der bisherigen Verpachtung von Freibädern auch auf Sommerbäder und

Hallenbäder, gegebenenfalls mit Zahlung eines Betriebskostenzuschusses an private

Betreiber

Aufbau von Partnerschaften mit privaten Unternehmen zur Einwerbung von Drittmitteln

für Sanierungsmaßnahmen im Rahmen von Public Private Partnership (mit Augenmaß)

Ausnutzung von nationalen und internationalen Förderprogrammen bei Baumaßnahmen,

insbesondere für Maßnahmen zur Energieeinsparung und zum Klimaschutz.

Fazit

Der Begriff der Daseinsvorsorge mag zwar altmodisch klingen, die damit beschriebenen

Aufgaben sind in ihrer Bedeutung für eine lebenswerte Zukunft jedes Einzelnen und der

gesamten Gesellschaft jedoch eng miteinander verknüpft und heute wichtiger denn je.

Die Wirtschaftlichkeit der Daseinsvorsorge muss daher immer vor dem Hintergrund der

sozialen Verantwortung und der langfristigen Auswirkungen auf die Umwelt und die

Gesundheit jedes einzelnen und der gesamten Gesellschaft bewertet werden.


MASTERPLAN SPORT RUHR

KOMMUNALE STRATEGIEN >>>

Moderatorin: Dr. Eva Maria Hubbert,

Leiterin des Referates Finanzmanagement / Zentrale Dienste beim Regionalverband Ruhr

22


Bädermetropole Ruhr

Die Stadt Mülheim an der Ruhr ist mit etwa 170.000 Einwohnern die einzige Gebietskörperschaft des RVR, die über kein

eigenes Freizeitbad verfügt. Umgeben von Städten mit einem großen, auch regional bedeutenden Bäderangebot,

fokussiert sich die Stadt Mülheim an der Ruhr auf die lokale Grundversorgung im Bereich Schwimmen. Immer dort, wo

Kooperationen im Sport- und Bäderbereich mit Nachbarkommunen möglich, denkbar und sinnvoll sind, wird der Dialog

gesucht - mit wechselndem Erfolg. Die Erkenntnis jedoch, dass die Bereitstellung von Einrichtungen für die

Grundversorgung nicht zwangsläufig an den eigenen Stadtgrenzen enden muss, wird in Mülheim an der Ruhr mit Leben

gefüllt. Davon zeugen bereits realisierte sowie angestrebte interkommunale Kooperationen im Sportbereich. So kann den

Bürgern in zumutbaren Entfernungen ein bedarfsorientiertes Angebot bereitgehalten werden, ohne im Wettbewerb der

Kommunen aufgerieben zu werden.

Lokale Grundversorgung im regionalen Kontext

Heinz Moseler, Betriebsleiter des MSS Mülheimer SportService

23

Am 1. Januar 1997 sind die Aufgaben des ehemaligen Sport- und

Bäderamtes der Stadt Mülheim an der Ruhr auf den

eigenbetriebähnlichen MSS Mülheimer SportService übergegangen und

neu organisiert worden. Dazu gehören laut Satzung

die bedarfsorientierte Führung und Bereitstellung von Sportstätten

und der sportlich genutzten Flächen

die Förderung des Vereins- und nicht vereinsgebundenen Sports

die Förderung des Schulsports und

die Förderung des Leistungs- und Spitzensports

Zurzeit beschäftigt der MSS 121 Mitarbeiter (Stand September 2009). Diese führen und

unterhalten unter anderem 15 Sportplätze, 12 Kleinspielfelder, 10 Sporthallen (2- bis 4-

Felder-Hallen), 34 Turnhallen, 13 Gymnastikräume und sonstige Sportanlagen. 32

Mitarbeiter sind im Bereich Bäder tätig. Der Gesamtetat des MSS liegt im Jahr 2009 bei 15,2

Mio. Euro. Der städtische Zuschuss beläuft sich auf 13,1 Mio. Euro (einschließlich

Schulsport). Im Bäderbereich schießt die Stadt 2,8 Mio. Euro zu, bei Ausgaben von 4,0 Mio.

Euro. Damit werden fünf Bäder betrieben (drei Hallenbäder, ein Kombibad und das

Naturbad Styrum). Auf der linken Ruhrseite mit den wachsenden Stadtteilen Saarn und

Selbeck gibt es kein Bäderangebot, mit der Folge, dass der Schulschwimmunterricht in

diesen Stadteilen aufgrund der langen Wegstrecken zu den Bädern stark reduziert ist. Der

Bau eines neuen Schul- und Vereinsbades auf der linken Ruhrseite wird zurzeit politisch

diskutiert.

Der Bedarf nach einem zusätzlichen Bad ergibt sich auch aus Defiziten in der

Grundversorgung Schwimmen. So kommen in Mülheim an der Ruhr nach einer

Untersuchung aus dem Jahr 2007 auf 1.000 Einwohner nur 7,9 Quadratmeter Wasserfläche

in Hallen-, Schul- und Kombibädern. Mit dem geplanten neuen Schul- und Vereinsbad

erhöht sich die Wasserfläche auf 12,1 Quadratmeter, läge im kommunalen Vergleich mit

den umliegenden Städten aber immer noch im unteren Drittel.

So verfügen Velbert (21,7 m 2 ), Oberhausen (19,1 m 2 ), Duisburg (18,7 m 2 ) und

Essen (15,0 m 2 ) über mehr als doppelt so viel Wasserfläche pro 1.000 Einwohner wie

aktuell Mülheim an der Ruhr. Das zeigt: Die Stadt Mülheim an der Ruhr kann derzeit nicht

mehr als die lokale Grundversorgung bereithalten


Grundversorgung

optimieren

MASTERPLAN SPORT RUHR

Friedrich-Wennmann-Bad Mülheim

Die Mülheimer Bäderkonzeption schafft mit einem bedarfsorientierten Angebot die

Voraussetzung, dass Schwimmen in Mülheim trotz der beschriebenen Defizite dennoch

jederzeit möglich ist. Dabei erfüllt jedes der fünf Bäder eine Rolle im Konzept. Die

Hallenbäder Süd und Nord dienen überwiegend dem Schul- und Vereinssport (im Sinne der

lokalen Grundversorgung), ebenso das Rembergbad, das ausschließlich von Sonderschulen

und Vereinen genutzt wird, größtenteils mit Behinderten- und Seniorensport. Das

Friedrich-Wennmann-Bad steht überwiegend der Öffentlichkeit zur Verfügung. Das

Naturbad Mülheim-Styrum ist ausschließlich dem öffentlichen Badebetrieb vorbehalten.

Kerndaten Bäderbetrieb

Mülheim an der Ruhr

168.888 Einwohner

91 km 2 Fläche

Bäderangebot

1 Kombibad

2 Hallenbäder

1 Kleinschwimmhalle

1 Naturfreibad

Jahresbesuche 2008

405.000 Besuche

Betrieb 2009

32 Mitarbeiter

4,0 Mio. Euro Aufwand

1,2 Mio. Euro Erlöse

24

Mülheim ist die einzige Großstadt im RVR-Gebiet, die über kein eigenes

Freizeitbad verfügt, allerdings sind in unmittelbarer Nähe mehrere

Freizeitbäder in Nachbarstädten vorhanden und über ÖPNV gut zu erreichen.

Im Rahmen der neuen Bäderkonzeption wurde zwar der Bau eines

Freizeitbades geprüft, eine ernsthafte Diskussion darüber hat es aber nicht

gegeben - auch aus der Überzeugung beim MSS heraus, dass man Badegäste

nicht dauerhaft vermehren kann. Es ist zwar in den Monaten nach Eröffnung

mit mehr Besuchern zu rechnen, doch danach ist eine fallende Besucherkurve

zu erwarten. Aufgrund der regionalen Konkurrenz zu Freizeitbädern in

Oberhausen, Essen und Duisburg sowie des zu erwartenden hohen

Investitionsvolumens wurde in Mülheim an der Ruhr von dem Bau eines

solchen Bades abgesehen. Stattdessen wird der Bau eines Schul- und

Vereinsbad auf der linken Ruhrseite vorbereitet, um die lokale

Grundversorgung zu sichern und zu optimieren.

Wie schwierig es ist, trotz auf der Hand liegender Synergieeffekte, im Bäderbereich

interkommunale Kooperationen anzustoßen und durchzuhalten, erlebte der MSS in den

Vorbereitungen zum Umbau des Naturbads Styrum. Das konventionelle Freibad in Styrum,

das im Zuge der Umgestaltung zum Naturbad komplett saniert und neu konzeptioniert

wurde, liegt genau an der Grenze zu Oberhausen. Zudem stammt nachweislich die Hälfte

der Besucher aus Oberhausen. Hier wäre also ein wunderbarer Ansatz für eine


Neue Ansätze für

interkommunale

Zusammenarbeit

Modellbeispiel

Kunstturn-

Leistungszentrum

Vom Wettbewerb

zur Kooperation

Bädermetropole Ruhr

interkommunale Zusammenarbeit gewesen. 2003 / 2004 gab es auch Gespräche zwischen

beiden Städten, aber Oberhausen wollte den Weg nicht gemeinsam gehen und plant nun

stattdessen ein neues eigenes Freizeitbad.

Eine hohe Strahlkraft hat auch das Friedrich-Wennmann-Bad in Mülheim-Heißen. Hier

haben Besucherbefragungen ergeben, dass nahezu 50 Prozent der Besucher aus Essen

anreisen. Auf der anderen Seite wird das Freibad Kettwig in Essen ebenfalls zu einem hohen

Anteil von Mülheimern besucht. Auch im Bereich des Schul- und Schwimmsports gibt es

Kooperationsmöglichkeiten, zum Beispiel mit der Stadt Essen.

Aktuelle Handlungsansätze ergeben sich zudem im Bereich des (Leistungs-)Sports. Neben

Fußballstadien und dem überregional bedeutenden Badminton-Zentrum bietet sich eine

Zusammenarbeit auch in der Leichtathletik an.

Mülheim hat keine Kunststofflaufbahn für Leichtathleten, möchte dem leistungsorientierten

Nachwuchs aber trotzdem optimale und wohnortnahe Trainings- und Wettbewerbsbedingungen

bieten. Die Städte Essen, Oberhausen und Duisburg verfügen auf der anderen

Seite über eine solche Kunststofflaufbahn, auf der noch Kapazitäten auch für Mülheimer

Sportler frei wären. Hier machen Kooperationen Sinn. Mülheim verzichtet auf den teuren

Neubau einer Laufbahn und handelt stattdessen mit der Nachbarstadt einen Vertrag zur

Nutzung ihrer Sportanlagen aus. So kann die Stadt Mülheim ihren Leichtathleten, wenn auch

nicht innerhalb der Stadtgrenzen, aber doch in nächster Nähe dieses Angebot vorhalten und

so die gesellschaftliche Aufgabe zur Grundversorgung im Bereich des Sports und des

Schwimmens erfüllen.

Wie es gehen kann, zeigt ein anderes interkommunales Projekt, das die Städte Mülheim und

Essen auf den Weg gebracht haben. Dabei werden die Sportstätten des Landesleistungsstützpunktes

NRW männlich im Kunstturnleistungszentrum in Mülheim an der Ruhr am

Mühlenfeld (Trainingsstätte) sowie die Haedenkamphalle in Essen (Austragungsort von

Wettkämpfen) für einen leistungsorientierten Übungs- und Wettkampfbetrieb hergerichtet.

Ein entsprechender Vertrag ist bereits unterzeichnet.

Die Beispiele zeigen, dass interkommunale Kooperationen möglich und sinnvoll sind. Dabei

kommt es immer auch auf die einzelne Ausgangslage, die Partner und die Projekte an. Die

Notwendigkeit einer interkommunalen Kooperation insbesondere im Bäderbereich ist

demnach immer dann gegeben, wenn eine Einrichtung regionale Bedeutung hat, eine hohe

Strahlkraft auf die Nachbarstädte ausübt und bei Angeboten, die über die lokale

Daseinsvorsorge hinausgehen.

Dabei müssen die Räte und Verwaltungen im Ruhrgebiet ihr Kirchturmdenken endlich

beenden und vielmehr sach- und bedarfsorientiert analysieren und entscheiden. Denn eins

ist auch klar: Vor dem Hintergrund der aktuellen Haushaltslagen wird es auch oder

insbesondere in den Städten des Ruhrgebiets immer schwieriger, größere Sportstätten zu

bauen oder zu betreiben. Deshalb müssen wir weg vom kommunalen Wettbewerb hin zur

kommunalen Kooperation im Interesse aller Sporttreibenden.

Dafür braucht es eine überörtliche Institution, die die Maßnahmen im Sport- und

Bäderbereich im Ruhrgebiet analysiert, steuert und koordiniert – wer auch immer das sein

mag.

25


Rücksichtnahme auf

alte Ortstrukturen

MASTERPLAN SPORT RUHR

Die Stadt Moers hat im Bäderbereich in den nächsten Jahren viel vor. Ein Bäderkonzept ist auf den Weg gebracht.

Angesichts der hohen Investitionskosten zur Umsetzung dieses Konzeptes mit mehreren Neubauten und den im

Badbetrieb erwartenden Verlusten ist das Stadtwerke-Modell für die Stadt Moers die optimale Lösung.

Bäderbetrieb durch Stadtwerke

Dirk Hohensträter, Geschäftsführer Sport- und Bäderbetriebe Moers

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Konzern Städtische Betriebe Moers AöR

Die Städtische Betriebe Moers AöR sind 2007 aus der Stadt

ausgegründet worden. Rund 500 Mitarbeiter sind im Konzern

beschäftigt. Die Liegenschaften der Sport- und Bäderbetriebe werden

innerhalb der AöR als Betrieb gewerblicher Art gehalten. Unterhalb der

Städtische Betriebe Moers AöR ist mit 75 %-igen Anteilen die

Energieversorgung Niederrhein GmbH angesiedelt. 20 % an der

Energieversorgung Niederrhein GmbH werden durch die RWE gehalten,

5 % durch die Stadt Neukirchen-Vluyn. Parallel dazu ist unterhalb der

Städtische Betriebe Moers AöR die Sport- und Bäderbetriebe Moers

GmbH angesiedelt. Die Ausgründung aus der AöR erfolgte 2008. Die

Anteile werden zu 100 % von der Städtische Betriebe Moers AöR

gehalten.

Der Konzernumsatz ohne die Energieversorgung Niederrhein GmbH beläuft sich auf rund

25 Mio. Euro pro Jahr. Das Konzernergebnis ist ausgeglichen.

Die Sport- und Bäderbetriebe Moers GmbH beschäftigen je nach Saison 35 bis 60

Mitarbeiter. Der Betrieb der Sportstätten und Bäder der Städtische Betriebe Moers AöR

wird mit durch die Sport- und Bäderbetriebe Moers GmbH sichergestellt. Zwischen der

AöR und der Sport- und Bäderbetriebe Moers GmbH wurde zu diesem Zweck ein

Betriebsführungsvertrag geschlossen. Zudem übernimmt die Sport- und Bäderbetriebe

Moers GmbH die Projektentwicklung und die Projektsteuerung für die neu zu errichtenden

Sport- und Bädereinrichtungen in Moers.

Nach Übertragung der Sport- und Bädereinrichtungen der Stadt Moers an die Städtische

Betriebe Moers AöR im Jahr 2007, wurde ein erheblicher Investitionsstau in den

Einrichtungen festgestellt. Bei näherer Untersuchung stellte sich heraus, dass die

Einrichtungen zu einem Großteil wirtschaftlich nicht Instand zu setzen sind.

Da die technischen Probleme der Einrichtungen seit langem bekannt und ein wirtschaftlich

sinnvoller Betrieb der Bäderlandschaft nicht möglich waren, wurde im Jahre 2007 / 2008 ein

umfassendes Bäderkonzept erstellt.

Vereinfacht besteht Moers aus zwei gleich großen Stadtteilen. Im Zuge der Gemeinde-

Gebietsreform wurden rund 45.000 Einwohner der Orte Rheinkamp und Kapellen in die

Stadt Moers eingemeindet. Moers erhielt nach der Reform 1975 mit rund 108.000 Einwohnern

den Großstadtstatus. Die Eigenständigkeit der vorherigen Ortschaften musste

aufgegeben werden. In der Kommunalpolitik spielen die alten Grenzen bis heute noch eine

entscheidende Rolle.


Bädermetropole Ruhr

Kerndaten Bäderbetrieb

Steuervorteile

Sowohl in Rheinkamp als auch in Moers bestanden bis 2008 zwei nahezu identische

Freibäder mit einer Wasserfläche von rund 7.000 m². Zudem besteht in unmittelbarer

Nachbarschaft zum Solimare ein Naturgewässer, welches zu einer Freibadanlage mit einer

Wasserfläche von 5.000 m² ausgebaut wurde. Am Rheinkamper Freibad bestand zudem ein

Freizeithallenbad mit einer Wasserfläche von rund 800 m² inklusive einer integrierten

Saunaanlage. Im Ortskern von Moers bestand, neben zwei an Schulstandorten

angegliederten Lehrschwimmbecken, ein weiteres 25m-Sporthallenbad. Am Standort

Solimare befinden sich zudem eine Tennishalle und eine Eissporthalle die sich ebenfalls im

Eigentum der Städtische Betriebe Moers AöR befindet und durch die Sbb GmbH

bewirtschaftet wird.

Moers

106.000 Einwohner

68 km 2 Fläche

Bäderangebot

1 Kombifreizeitbad

1 Hallenbad

1 Naturfreibad

Betrieb 2010 ff.

35 - 50 Mitarbeiter

4.7 Mio. EURO Zuschuss

(geplant)

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Im Bäderkonzept ist vorgesehen, drei Standorte aufrechtzuerhalten:

Der Standort Rheinkamp soll zu einem reinen Sportzentrum ausgebaut

werden. An diesem Standort werden zwei Dreifach-Sporthallen mit einer

Zuschauerkapazität von 200 Personen in der kleineren Dreifach-

Sporthalle und 1.000 Personen in der Groß-Sporthalle errichtet. Zudem

werden an diesem Standort ein Hallenbad mit 25 m Bahnen und ein

Lehrschwimmbecken für den Schul- und Vereinssport errichtet.

Im Freizeitzentrum Solimare soll ein Freizeit- und Familienbad mit

integriertem Badehaus und Saunaanlage errichtet werden.

Das Naturfreibad Bettenkamper Meer bleibt ebenfalls als Freibadstandort

bestehen.

Insgesamt wird der Zuschussbedarf für alle Standorte inkl. Zinsen und Abschreibung jährlich

4,7 Mio. Euro betragen.

Das Strategiekonzept der Städtische Betriebe Moers AöR sieht vor, sowohl die Eishalle als

auch die Tennishalle nicht weiter zu betreiben, außer Betrieb zu nehmen und abzureißen.

Statische Untersuchungen an der Eissporthalle zeigen auf, dass ein Weiterbetrieb maximal

noch 3 – 6 Jahre möglich erscheint. Die Entscheidung, ob die Eishalle über den Zeitraum

der nächsten 3 - 6 Jahre hinaus weiter betrieben werden soll, wird innerhalb des nächsten

halben Jahres erwartet. Sollte die Entscheidung zugunsten der Eishalle ausfallen, müsste das

Bäderkonzept insgesamt neu angepasst werden, da der Zuschuss von 4,7 Mio. Euro pro Jahr

die maximale Obergrenze darstellt.

Hauptargument für den Bäderbetrieb durch Stadtwerke ist der wirtschaftliche Vorteil, der

sich im Rahmen der Betriebsführung und der technischen Führung der Anlagen aufgrund

steuerlicher Vorteile einstellt.

In der Regel werden die Gewinne der Stadtwerke mit den Verlusten der Bäderbetriebe vor

Steuer verrechnet. Neben diesem Steuersparmodell gibt es eine Reihe von

Effizienzvorteilen, die durch den Betrieb der Bäder im Verbund mit Stadtwerken genutzt

werden können. Sowohl technisches als auch kaufmännisches Know-how ist im Bereich der

Energiebeschaffung und der Energietechnik in Stadtwerken auf sehr hohem Niveau

vorhanden. Dieser Umstand fällt besonders ins Gewicht, da sich der wirtschaftliche

Energieeinsatz zu dem wichtigsten Betriebskostenfaktor entwickelt hat.

In erster Linie betrifft das die Wassergewinnung, die Wasseraufbereitung, die Energietechnik

und die Ver- und Entsorgungstechnik. Hier kann zum Beispiel auf Spezialisten und


Bündelung von

Kompetenzen

Synergievorteile

MASTERPLAN SPORT RUHR

Techniker der Stadtwerke zurückgegriffen werden und diese können auftragsbezogen in die

Instandsetzung und Unterhaltung der technischen Anlagen eingebunden werden.

Neben den Kompetenzen im Energiebereich kann bei den Stadtwerken auf die hohe

wirtschaftliche Kompetenz in den Bereichen Unternehmensführung, Unternehmenskommunikation,

Öffentlichkeitsarbeit, Vertrieb, IT-Technologie, Einkauf, Abrechnung,

Inkasso und Betriebscontrolling zurückgegriffen werden.

Die Stadtwerke haben sich in den letzten Jahren erheblich entwickelt. In der Regel

ausgegründet aus dem Amt 81 der Städte und Kommunen mussten die Stadtwerke in den

90er Jahren erhebliche Veränderungsprozesse durchlaufen. Zunächst mussten sich die

Stadtwerke Ende der 90er Jahre, im Zuge der Liberalisierung des Energiemarktes, komplett

neu aufstellen und ausrichten. Nach der Liberalisierung erfolgte die Regulierung der Netze.

In diesem Zuge mussten Netz und Vertrieb unbundelt werden. Dies führte bis zur

zwangsweisen gesellschaftsrechtlichen Entflechtung von Netzen und Vertrieb. Im Rahmen

dieser Veränderungsprozesse haben sich Stadtwerke im Markt oftmals erfolgreich

behauptet und stehen heute als Multi Utility Dienstleister besser da, als vor den

Veränderungsprozessen. Stadtwerke haben sich zusammengeschlossen und betreiben heute

Kraftwerke, Offshore-Windparks, Photovoltaik- und Bio-Gas-Anlagen.

Bäderbetriebe werden heute geschickt in diese Organisationsstrukturen eingebunden und

können von diesen Kompetenzen profitieren. Im innerstädtischen Konzern können auf

diesem Weg Synergievorteile genutzt werden, die unter städtischer Führung so nicht

möglich sind.

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Bädermetropole Ruhr

Die Prova Unternehmensberatung betreibt Bäder an drei Standorten: das Maximare in Hamm, die Badebucht Wedel und

zukünftig den AQUApark Oberhausen.

Standortentwicklung durch neue Gesundheits- und

Wellness-Angebote am Beispiel des Maximare Hamm

Frank Rose, Geschäftsführer der Prova Unternehmensberatung GmbH

Ein Public-Private-Partnership-Modell ist eine Partnerschaft, die darauf

basiert, dass man sich in die Augen schauen und gute Geschäfte machen

kann - in beiderseitigem Einvernehmen und für beide erträglich. Es gibt

über 70 Modelle des PPP – aber es gibt nur ganz wenige, mit denen auch

eine Stadt, eine Gemeinde oder ein Verband glücklich werden kann.

Neben Beratung und Consulting tritt die Prova Unternehmensberatung

als privatwirtschaftlicher Partner in Public-Private-Partnership im

Bädermarkt auf: in Hamm, in Oberhausen und in Wedel bei Hamburg.

Dabei versteht sich die Prova Unternehmensberatung als reiner

Dienstleister, nicht als Bauherr oder Investor. Die Stadt - in Hamm über

die Stadtwerke Hamm- kauft unsere Leistung ein und wir führen den

Betrieb eines Bades. Mehr nicht. Wir investieren nicht und machen

keinen Ärger, weil wir gute Verträge haben, in denen die Leistungen und

Zusammenarbeit sowie die Kooperationen klar geregelt sind. Wichtig ist, dass wir mit dem

Partner kooperieren können, um einen Standort überhaupt entwickeln zu können. Und wir

helfen beim Kosteneinsparen, weil wir durch die Zusammenarbeit zum Beispiel mit

Ingenieurbüros und durch gute Kontakte zu Institutionen im Bädermarkt viel Know-how

einbringen, um so ein vernünftiges Benchmark aufzubauen. Das ist PPP, wie es funktioniert

und wie es sich in Zukunft unter dem Eindruck des Sparzwangs der Kommunen

durchsetzen wird.

Um aber einen Standort überhaupt entwickeln zu können, sind Kooperationskontakte

unverzichtbar. Ein Beispiel aus den Anfängen des Maximare soll dies verdeutlichen. So

wollten wir damals das Konzept mit Sportbad, Aquawelt, Saunawelt und Wellnesswelt noch

um den Baustein Rehabilitation erweitern. Daraufhin wurde Kontakt zu den Kostenträgern

aufgenommen, die von dem Konzept eines Rundum-Sorglos-Paketes für die Patienten vor

Ort statt dreiwöchiger Kuren begeistert waren. Nur waren wir keine Reha-Betreiber, also

brauchten wir Kooperationspartner. Wir haben daraufhin im Beisein des Bürgermeisters

und der Stadtwerke-Geschäftsführung die örtlichen Krankenhäuser, die in der Stadt Hamm

in starkem Wettbewerb stehen, an einen Tisch gebracht. Auf über 2.000 Quadratmetern

Rehabilitationsfläche sollten die fünf Kliniken gemeinsam Reha-Maßnahmen entwickeln und

unter dem Dach des Maximare anbieten. Das war nicht einfach, doch dank stringenter

Führung wurde innerhalb eines halben Jahres das „reha bad Hamm“ an den Start gebracht.

Heute sage ich: Schön, dass wir es gemacht haben. Denn mittlerweile kommen täglich bis zu

140 Gäste, die im reha bad Hamm rehabiliert werden. Zusätzlich mieten verschiedene

Institutionen die Flächen für Vereinstraining an. Somit bietet das Maximare eine nicht zu

unterschätzende Ergänzung für den Leistungsstützpunkt Sport in der Stadt Hamm an.

Ausgehend von den vier Welten Sport, Aqua (plus Sole), Sauna und Wellness plus Reha

wurde der Standort seit der Eröffnung 1999 weiterentwickelt. Vor dem Hintergrund einer

rasanten Entwicklung im Gesundheits- und Wellnessmarkt insgesamt und guten

Umsatzzahlen im Bereich Sauna und Wellness vor Ort war eine Erweiterung des Angebotes

nur konsequent.

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MASTERPLAN SPORT RUHR

Kerndaten Bäderbetrieb

Bäder-Standorte

Hamm: 180.000 Einwohner

Wedel: 32.000 Einwohner

Oberhausen: 214.000 Einwohner

Gesundheitspark

Bad Hamm

Dabei haben wir uns den veränderten Erwartungen der Menschen an moderne Gesundheits-

und Wellnessanlagen angepasst und verschiedene Produkte entwickelt:

ArenaMare

Europaweit einmalig ist die Theatersauna mit 100 Sitzplätzen in der Maximare Saunawelt.

Nicht wegen der 100 Sitzplätze, sondern wegen der multimedialen Show mit Beamer, Licht-,

Sound-, Nebel- und Regen-Effekten. Das ist Erlebnis, das geht an die Emotionen und das bewegt.

Diese USPs (Unique Selling Points) sprechen sich unter den Besuchern schnell herum

und sorgen so für zusätzliche Kunden und erweitern unter Umständen so das Einzugsgebiet.

Die ArenaMare ist einer der Vorteile des Maximare im Wettbewerb.

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Bäder

Maximare Hamm

480.000 Besucher

140 Mitarbeiter

3,9 Mio. Euro Umsatz

Badebucht Wedel

240.000 Besucher

80 Mitarbeiter

1,2 Mio. Euro Umsatz

AQUApark Oberhausen

(im Bau)

280.000 Besucher

79 Mitarbeiter

1,2 Mio. Euro Umsatz

TCM (Traditionelle Chinesische Massage)

Um TCM am Standort Hamm anbieten zu können, kooperiert das Maximare

mit einer Stadt in Dahlien (China). In achtjähriger Ausbildungszeit lernen

dort Chinesinnen und Chinesen die Anwendungen der TCM und kommen

(für ein Jahr) nach Deutschland, um im Maximare zu arbeiten. Bis es allerdings

soweit war, mussten viele Hürden überwunden werden – von der Arbeitserlaubnis,

bei der die Stadt oder die Gemeinde als Partner Unterstützung

leisten kann, über Dolmetscher bis zur richtigen Etikette im Umgang

mit Menschen eines völlig anderen Kulturkreises. Eine Masseurin wurde

mittlerweile fest eingestellt und die Kooperation mit Dahlien ausgebaut. Das

Angebot ist so erfolgreich, dass es auch an einem anderen Standort angeboten

werden soll. Diesmal als Massageinstitut, das an ein bestehendes Bad

angegliedert wird.

Medical Wellness

Medical Wellness wurde in Hamm zum ersten Mal in ein Freizeitbad integriert.

Für das jüngste Kind des Maximare wurde ein Arzt eingestellt. Nach

einer kostenlosen Anamnese entwickelt er in Absprache mit den Kunden

ein maßgeschneidertes Trainings- und Leistungsprogramm, um die Gesundheits- und Fitness-Ziele

der Kunden zu erreichen. Diese Programme kosten je nach Leistungsumfang 100

bis 250 Euro. Dafür kaufen die Kunden Leistungskarten mit Leistungsprogrammen, bei denen

sie teilweise länger als ein halbes Jahr im Maximare trainieren. Das ist Kundenbindung

pur und sorgt darüber hinaus für eine Auslastung der Anlage. Hierbei greifen alle Angebote

des Maximare ineinander – um zum Beispiel die Einzelbausteine Wassergymnastik, Aquaspinning,

ärztliche Beratung, traditionelle chinesische Massage, aber auch Wellnesswünsche

abzudecken. Die ersten Erfahrungen mit Medical Wellness lassen hoffen, aber ich denke,

wir brauchen für dieses Experiment zwei Jahre bis es im Markt etabliert ist.

Aber nicht nur inhaltlich kann ein Standort entwickelt werden, sondern auch räumlich. Dabei

spielt neben der eigentlichen Expansion in der Fläche auch der Erholungs- und Freizeitwert

im Umfeld des Maximare eine bedeutende Rolle. Gerade hier müssen alle Partner an

einem Strang ziehen. Die Aufwertung des Umfeldes zum „Gesundheitspark Bad Hamm“ ist

in den vergangenen Jahren zum Beispiel durch

ein neues Gradierwerk im angrenzenden Kurpark, das auch in die Angebote des

Maximare (Qi-Gong) eingebunden ist, sowie

eine bundesweit bekannte und anerkannte Klinik für Manuelle Therapie (Schmerz-

Zentrum),

altengerechtes Wohnen

durch die Partner und in den Kooperationen mit den Partnern aktiv betrieben worden.


Konkurrenzvermeidung

durch Abstimmung

Bädermetropole Ruhr

Ganz entscheidend: Für eine gelungene Standortentwicklung benötigt man vor allem ein

Filetstück, das zu entwickeln ist. Das Maximare ist unmittelbar in der Nähe zum Kurpark

und zu einem Sportzentrum entstanden und bietet hier noch Entwicklungsspielraum. So soll

östlich angrenzend ein Hotel entstehen. Hier profitiert die Prova Unternehmensberatung

wiederum von den umfangreichen Kooperationen und Partner, die Investoren,

Stadtentwicklung und Wirtschaftsförderung Verlässlichkeit, Sicherheit und Vertrauen bieten.

Die Partner sind dabei unter anderem Stadt-Touristik, Stadt, örtliche Institutionen sowie

die örtlichen Einzelhändler. Diese Interessenlagen alle unter einen Hut zu bringen, ist

schwer, ist Aufwand und ist Arbeit, aber nur unter diesen Voraussetzungen kann ein

Standort überhaupt sinnvoll entwickelt werden.

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Bäderbetrieb als

„Profitzentrum“

Die Standortentwicklung am Gesundheitspark Bad

Hamm: Rot sind bereits realisierte Objekte

markiert, noch in der Realisierung befindliche

Vorhaben sind gelb eingezeichnet.

Der Blick in die Zukunft macht deutlich: Reine

Bäder werden weiterhin nur mit einem Zuschuss

zu betreiben sein. Für die Daseinsvorsorge muss

es sein. Jeder Verein, jede Schule, jeder Bürger,

der schwimmen möchte, muss schwimmen

können. Aber so einen Bäderbetrieb kann man

durchaus als Profitzentrum betrachten. Ich sage

nicht, dass wir ohne Zuschüsse auskommen.

Zuschüsse vermeiden können wir nur, wenn wir

Eintrittspreise über 18 Euro nehmen. Das geht nicht und das können wir auch der örtlichen

Bevölkerung nicht zumuten. Der Zuschuss ist aber niedriger als er bei einem Badbetrieb in

öffentlicher Hand wäre. Denn wir betreiben alle Einrichtungen, die wir haben, im Rahmen

freier Mitarbeiterverträge. Wir sind nicht an öffentliches Tarifrecht gebunden. Jeder

Mitarbeiter ist frei eingestellt und jeder Vertrag individuell. Wer Mitarbeiter im öffentlichen

Tarif hat, hat Schwierigkeiten solche Anlagen zum Breakeven zu führen. Nach meiner

Ansicht ist das heutzutage sogar unmöglich. Freie Verträge in Kombination mit

eigenverantwortlichen Mitarbeitern, die Lust an der Leistung haben, erlauben einem

privaten Betreiber ein flexibleres Reagieren auf Marktschwankungen. So erhalten die

Therapeuten im Wellnessbereich ein Grundgehalt und zusätzlich ein leistungsbezogenes

Entgelt für jede Anwendung, die sie durchführen. Als privater Betreiber können wir

aufgrund der freien Verträge auch die Gastronomie wirtschaftlich betreiben.

Die Prova Unternehmensberatung betreibt Bäder an drei verschiedenen Standorten: Das

Maximare in Hamm (Umsatz 3,9 Mio. Euro), die Badebucht Wedel (Umsatz 1,2 Mio. Euro)

und den AQUApark Oberhausen (1,2 Mio. Euro). Eine Konkurrenz seiner Bäder wird bei

einem privaten Betreiber jedoch nicht eintreten. Denn: Wenn ein privater Betreiber

mehrere Bäder hat, wird er tunlichst darauf achten, dass die Angebote, die er entwickelt,

nicht konkurrieren. Dieser Ansatz einer Abstimmung der Angebote ist im gesamten

Bädermarkt essentiell. Es gilt, worauf auch Herr Lawitzke hingewiesen hat: Wir müssen

immer wieder darauf achten, dass wir in den Angeboten keine Überschneidungen haben,

denn der Bädermarkt ist nicht unendlich, er ist - ganz im Gegenteil - begrenzt.


Optimierung der

Führungsstrukturen

MASTERPLAN SPORT RUHR

Der Regionalverband Ruhr betreibt gemeinsam mit den Kommunen Bäder. Er ist Mitgesellschafter von sieben GmbHs,

die jeweils mit den örtlichen kommunalen Partnern Freizeitbäder im gesamten Verbandsgebiet betreiben. Die

Einrichtungen, die ursprünglich den Beschäftigten der Montanindustrie als „Erholungsoasen“ dienen sollten, sind dabei

konsequent auf Überörtlichkeit ausgerichtet. Der RVR stimmt die Angebote seiner Bäder im regionalen Kontext ab und

versucht so, Konkurrenz der eigenen Bäder untereinander zu vermeiden. Angesichts sinkender Bevölkerung und

zunehmenden Konkurrenzdrucks entwickelt der RVR gemeinsam mit seinen Partnern Strategien, um seinen Anteil am

Kuchen „Bädermarkt Ruhr“ auch in Zukunft zu behaupten.

Regionaler Bäderbetrieb in interkommunaler Kooperation

Dieter Funke, Bereichsleiter Wirtschaftsführung beim Regionalverband Ruhr

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Die Freizeitbäder als Aufgabe des RVR

Der Regionalverband Ruhr definiert sich über das Gesetz über den Regionalverband

Ruhr (RVR-Gesetz). Im Gesetz sind wesentliche Aufgaben

des Verbandes wie z. B. die regionale Wirtschaftsförderung, die regionale

Förderung des Tourismus, besondere Aufgabenstellungen wie z. B.

die Route der Industriekultur und der Emscher Landschaftspark sowie

seit kurzem auch die staatliche Regionalplanung (seit 01.10.2009) festgelegt.

Weitere freiwillige Aufgaben sind im RVR-Gesetz genannt. Diese

bedürfen der besonderen Legitimation durch das höchste Organ des

RVR, der Verbandsversammlung.

Die Verbandsversammlung hat sich entschlossen, die freiwillige Aufgabe

„Der RVR beteiligt sich an der Errichtung und dem Betrieb von Freizeitanlagen

mit überörtlicher Bedeutung" wahrzunehmen. Mit dem Beschluss ist diese Aufgabe

quasi mit einer Pflichtaufgabe gleichzustellen. Besonders wichtig ist dabei die überörtliche

Bedeutung der jeweiligen Einrichtung. Das Angebot soll nicht ausschließlich kommunalen

oder interkommunalen Charakter haben, sondern insgesamt eine Ausstrahlung in das Verbandsgebiet

hinein haben. Nach einer Untersuchung im Rahmen der Haushaltskonsolidierung

konnte festgestellt werden, dass alle sieben Einrichtungen den Charakter der

Überörtlichkeit besitzen.

Im Einzelnen sind dies: die Revierpark Mattlerbusch GmbH in Duisburg, die Revierpark

Vonderort GmbH in Oberhausen, die Revierpark Nienhausen GmbH in Gelsenkirchen, die

Revierpark Gysenberg Herne GmbH in Herne, die Revierpark Wischlingen GmbH in Dortmund,

die Freizeitzentrum Kemnade GmbH in Witten und die Freizeitzentrum Xanten

GmbH in Xanten.

Regionalität und kommunale Mitgesellschafter bei den Freizeitbädern

Der RVR zeigt sich finanziell und organisatorisch verantwortlich für die Einrichtungen. Die

Verantwortung wird wahrgenommen gemeinsam mit den kommunalen Mitgesellschaftern.

Die Kontrollgremien der Gesellschaften werden seitens des RVR durch Vertreter aus der

Verbandsversammlung besetzt.

Die Geschäftsführungen sind zurzeit noch sehr unterschiedlich besetzt. Hier findet eine

weitere Optimierung der Strukturen statt. So gibt es z. B. in einzelnen Fällen hauptamtliche

Geschäftsführungen, bei anderen Gesellschaften werden die Geschäftsführungen im Nebenamt

wahrgenommen. Die konzeptionelle Weiterentwicklung erfolgt in enger Abstimmung

mit den kommunalen Partnern.


Bädermetropole Ruhr

Weiterhin erfolgt eine ständige Begleitung, Beratung und Kontrolle der Geschäftsführungen

durch die Beteiligungssteuerungen der Gesellschafter, u.a. bei der Beratung der Wirtschaftspläne

der Gesellschaften.

Die besondere Rolle des Gesellschafters RVR

Im Verbund der Beteiligungen an den Freizeitgesellschaften kommt dem RVR eine besondere

Rolle zu. So übernimmt er die finanzielle Sicherstellung eines regionalen und attraktiven

Angebotes für die Bevölkerung des Verbandsgebietes. Er koordiniert als verbindende

Instanz die unterschiedlichen Angebotsschwerpunkte im regionalen Kontext. Weiterhin

stellt er (planerische und wirtschaftliche) Fachkompetenz bei Investitionsentscheidungen zur

Verfügung. Darüber hinaus können Marktdaten und Markteinschätzungen durch eigene

RVR-Experten analysiert und aufbereitet werden.

Kerndaten Bäderbetrieb

Metropole Ruhr

5,2 Mio. Einwohner

4.435 km 2 Fläche

RVR-

Bäderbeteiligungen

7 Freizeitbäder

Jahresbesuche

2,5-2,7 Mio. Besuche

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Die Bäderstandorte sind verteilt über das gesamte Verbandsgebiet. Insbesondere

die Idee der Revierparks als Erholungsoasen für die Bevölkerung in den

Montanindustrien war eine Innovation, die seinerzeit ihresgleichen suchte.

Die Rahmenbedingungen sind heute deutlich verändert, so wird in Zukunft

der Rückgang der Bevölkerung im Kerngebiet eine neue Herausforderung für

die Einrichtungen darstellen.

Der RVR besitzt eine besondere Koordinierungsfunktion bei der Angebotsabstimmung

und im Wettbewerb der Gesellschaften untereinander. In einer

vertiefenden Studie wurde untersucht, inwiefern die Gesellschaften untereinander

und im Vergleich zu anderen Freizeitbädern im Wettbewerb stehen.

Abschließend konnte festgestellt werden, dass die Ausgangsposition der Gesellschaften

positiv ist und alle sieben Gesellschaften ihre Existenzberechtigung haben.

Die Freizeitbäder des RVR und ihre strategische Ausrichtung im Überblick

Revierpark Mattlerbusch GmbH, Duisburg

zwei Gesellschafter: RVR (50 %), Stadt Duisburg (50 %)

regionale Marktführerschaft Niederrhein / westliches Ruhrgebiet

Zukunftsprojekt „Indoor Beach Anlage" (Investition ca. 1,7 Mio. Euro)

Revierpark Vonderort GmbH, Oberhausen / Grenze Bottrop

drei Gesellschafter: RVR (50 %), Stadt Oberhausen (25 %), Stadt Bottrop (25 %)

ruhige, zeitgemäße Sole-Sauna-Anlage, Angebot für das Alter 50+

Zukunftsprojekt „Saunaaußenbereich" (Investition ca. 1,2 Mio. Euro)

Revierpark Nienhausen GmbH, Gelsenkirchen / Grenze Essen

drei Gesellschafter: RVR (50 %), Stadt Gelsenkirchen (25 %), Stadt Essen (25 %)

Neupositionierung als Gesundheitspark Angebot im nördlichen Ruhrgebiet

Zukunftsprojekt „Gesundheitspark" (Investition ca. 2,8 Mio. Euro)


Sonder-

investitionen

MASTERPLAN SPORT RUHR

Revierpark Gysenberg Herne GmbH, Herne

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zwei Gesellschafter: RVR (50 %), Stadt Herne (50 %)

regionaler Marktführer nördliches Ruhrgebiet, südliches Münsterland

Prüfung der zwei Alternativen „Komplettsanierung" und „Konzentration auf die

Kernkompetenz" (Investition zwischen 5,3 und 8,5 Mio. Euro)

Hier muss noch eine Detailanalyse der Alternativen erfolgen.

Revierpark Wischlingen GmbH, Dortmund

zwei Gesellschafter: RVR (50 %), Stadt Dortmund (50 %)

Wohlfühl- und Gesundheitsbad mit Allwetterbad

starker Saunaschwerpunkt

Weitere Optimierung des Angebotes ohne größeres Investitionsprojekt

Freizeitzentrum Kemnade GmbH, Witten

fünf Gesellschafter: RVR (69,9 %), Stadt Bochum (12,6 %), Stadt Witten (7,5 %), Ennepe-

Ruhr-Kreis (5,0 %), Ruhrverband (5,0 %)

regionale Marktführerschaft im südöstlichen Ruhrgebiet

zusätzlich Wassersport und Erholungsbereich Kemnader See

kein Projekt im Badbereich, stattdessen Projekt „Ruhr-ln-Line" (Inlinerbahn rund um den

See)

Freizeitzentrum Xanten GmbH, Xanten

drei Gesellschafter: RVR (50 %), Stadt Xanten (25 %), Kreis Wesel (25 %)

regionale Marktführerschaft am Niederrhein

Strandbad und Wassersport, kleine Saunaanlage

Zukunftsprojekt „Hafen Xanten" (Investition 2,8 Mio. Euro)

Der RVR hat für die zahlreichen angemeldeten Investitionen in die Gesellschaften einen

Sonderinvestitionstopf in Höhe von insgesamt 2,0 Mio. Euro aufgelegt, der über die üblichen

Investitionszuschüsse eine Förderung von Zukunftsmaßnahmen, nach eingehender Prüfung,

zu maximal 25 % der Investitionssumme möglich macht. Abgesehen von dem besonderen

Sommer 2003 belaufen sich die Gesamtbesucherzahlen aller RVR-Freizeitbäder auf rund 2,5

bis 2,7 Mio. Besucher pro Jahr.


Kooperationen

fortführen

Bädermetropole Ruhr

Kennzeichnung der wichtigsten Problemfelder

Die Probleme in den Gesellschaften lassen sich relativ klar erkennen, denn bei zunehmendem

Wettbewerb und relativ konstanter Nachfrage wird es zunehmend schwieriger, die

Besucherzahlen und die Einnahmen stabil zu halten.

Darüber hinaus leiden alle Einrichtungen unter einem gewissen Instandhaltungsstau, der sich

über die Jahre hinweg entwickelt hat und aufgrund der wirtschaftlichen Situation der

Bäderbetriebe nicht ohne weiteres aus eigener Kraft bewältigt werden kann. Allerdings

wurde durch das genannte Gutachten aufgezeigt, wo und wie in den Freizeitbädern sinnvoll

investiert werden sollte. Aufgrund der Haushaltslage beim Regionalverband und bei den

Kommunen kam es in den Jahren 2005 und 2006 zu Kürzungen bei den Zuschüssen an die

Gesellschaften um rund 20 %.

Die Gesellschaften arbeiten erfolgreich an weiteren Optimierungsmaßnahmen. Sowohl Einsparungen

im Personalbereich wie auch im Sachbereich wurden erzielt. Allerdings zeigt das

Beispiel der Entwicklung der Energiekosten, dass nachhaltige Einsparungen nur schwierig

erreicht werden können. Werden z. B. Einsparungen durch Reduzierung des Energieverbrauchs

erreicht, fressen die Preissteigerungen die Einsparungen oft noch im gleichen Jahr

wieder auf.

Die Zukunft der RVR-Freizeitbäder

Der RVR hat sein Bekenntnis zu den „regionalen Freizeitbädern“ in der Verbandsversammlung

erneut bekräftigt.

Wichtig ist auch die Fortführung der Kooperationen mit den kommunalen

Mitgesellschaftern. Ein besonderes Beispiel für das Engagement der kommunalen

Gesellschafter ist der Revierpark Nienhausen. Hier haben die Vertreter aus den Räten der

Städte Essen und Gelsenkirchen zusätzliche Mittel aus dem Konjunkturpaket II in Höhe von

jeweils 1,1 Mio. Euro in die Gesellschaft fließen lassen.

Zur Zukunftsstrategie gehört jedoch auch, dass man die unterschiedlichen

Angebotsschwerpunkte sieht und weiterentwickelt, um zum einen eine Kannibalisierung

untereinander abzuwenden und zum anderen die Angebotsvielfalt zu erhöhen.

Jede Gesellschaft bedarf eines eigenständigen und wettbewerbsfähigen Profils.

Darüber hinaus sollen in verschiedenen Bereichen, wie z. B. beim Einkauf oder auch bei der

regionalen Öffentlichkeitsarbeit, Synergien erzielt werden - auch über einen intensiven

Erfahrungsaustausch der Gesellschaften untereinander.

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MASTERPLAN SPORT RUHR

PODIUMSDISKUSSION

Podiumsteilnehmer

REGIONALE PERSPEKTIVEN >>>

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Dr. Barbara Duka, Beigeordnete der Stadt Marl

Dr. Christoph Müllmann, Beigeordneter der Stadt Kamp-Lintfort

Christian Hülsmann, Stadtdirektor der Stadt Essen

Dr. Manfred Beck, Beigeordneter der Stadt Gelsenkirchen

Moderator: Dr. Dieter Nellen,

Leiter des Referates Kultur und Sport beim Regionalverband Ruhr


„Es war ein Lernprozess

bis man gemerkt hat,

dass der viel zu große

Anzug nicht mehr

passt.“

Bädermetropole Ruhr

AUSGANGSSITUATIONEN

Dr. Dieter Nellen: Als kommunale Beigeordnete stehen Frau Duka, Herr Müllmann, Herr

Hülsmann und Herr Beck an der Schnittstelle zwischen Verwaltung und Politik und

betreiben Sportentwicklung - in Essen heißt es Masterplan - indem sie gleichzeitig

Innovationen organisieren, aber darüber die politischen Mehrheiten nicht verlieren dürfen.

Frau Duka, bitte schildern Sie uns Ihre kommunalen Strategien für die Stadt Marl im Kreis

Recklinghausen.

STADT MARL

37

Dr. Barbara Duka: Das Thema hieß bei uns nicht Masterplan,

sondern Erstellung eines Bäderkonzeptes für die Stadt Marl.

Hintergrund ist das Problem, das viele Kommunen kennen:

Haushaltskonsolidierung und gleichzeitig eine viel zu große

Infrastruktur.

Die Stadt Marl ist ja eine großstädtisch orientierte Stadt

gewesen, die aber zunehmend mit Einbrüchen im

Haushaltsbereich zu kämpfen hat und ihre Infrastruktur

zurückfahren muss, die zwischen den 1960er und 1980er Jahren

entstanden ist. Sie können sich vorstellen, dass die Stadt mit

dem Selbstbewusstsein einer Politik, als die Hüls AG noch viel

Geld in die Kassen gespült hat, erst einen Lernprozess

durchlaufen musste, bis man gemerkt hat, dass der viel zu große

Anzug, den man sich geschneidert hat, nicht mehr passt.

Wir mussten uns damit abfinden, dass erstens die Bevölkerung zurückgeht und zweitens

sich die kommunalen Kassen nicht mehr füllen lassen. Also muss man versuchen, die Dinge

zu realisieren, die für die Daseinsvorsorge, Bildung und Integration problematischer

Bevölkerungsgruppen notwendig sind. Vor diesen Vorzeichen haben wir unser

Bäderkonzept erstellt. Hinzu kam, dass die Aufsichtsbehörde das ganze Thema und den

Prozess sehr intensiv begleitet hat und wir letztlich nicht frei waren in unseren

Entscheidungen. Wir hatten also beispielsweise nicht die Möglichkeit, auch wenn es sinnvoll

gewesen wäre, ein Freibad, das in den 80er Jahren entstand, zu einem Kombibad

umzubauen. Sondern wir mussten uns auf die zweite Möglichkeit konzentrieren: Das

Werksbad der Hüls AG zu übernehmen.

Und das auch noch mal als kleiner Exkurs zum Thema Lernprozess: Die Verwaltung der

Stadt hat schon in den 1980er Jahren die Politik darauf aufmerksam gemacht, dass das

städtische Hallenbad dringend saniert werden muss, sonst werde es irgendwann ein böses

Erwachen geben. Man ist dieser Empfehlung leider damals nicht gefolgt, sondern hat

stattdessen Geld in die Hand genommen, um ein weiteres, nach heutigen Erkenntnissen

völlig überflüssiges Hallenbad zu bauen, das mittlerweile übrigens auch geschlossen ist.

Stand heute: Wir haben ein geschlossenes, städtisches Hallenbad, das sich auch nicht mehr

sanieren lässt, weil wir diese Gelder nicht aufbringen können. Wir haben ein mittlerweile

geschlossenes städtisches Freibad, weil die Kommunalaufsicht dieses „Opfer“ verlangt hat,

sonst hätten wir niemals die Genehmigung erhalten, das ehemalige Werksbad übernehmen

zu dürfen. Von ehemals neun Lehrschwimmbecken sind vier übrig geblieben, an denen wir

aber festhalten wollen.


„Wenn in Moers ein

großes Freizeitbad

gebaut wird, ist das

Signal für uns ein Signal

einen Schritt zurück zu

gehen.“

MASTERPLAN SPORT RUHR

Mit anderen Worten: Ergebnis unseres Bäderkonzeptes ist es, sich auf das Schulschwimmen

zu konzentrieren.

Das Angebot für die Öffentlichkeit ist deutlich zurückgefahren worden. Übrig geblieben ist

das erworbene Werksbad (Infracor-Bad), ein weiteres Freibad, das von einer Bäderinitiative

betrieben wird und es deutet sich an, dass auch ein zweites Freibad von einer

Bäderinitiative übernommen wird. Zudem haben wir noch ein weiteres Werksbad der

Firma Infracor, das eventuell auch irgendwann aufgegeben wird. Damit haben wir ein

akzeptables Angebot im Bäderbereich.

Dadurch, dass wir nicht auf einer einsamen Insel leben, sondern im Umfeld das eine oder

andere sonstige Angebot im Freizeit- und Spaßbadbereich vorhanden ist, hat man sich

mittlerweile damit abgefunden. Dennoch ist es natürlich schmerzlich und gerade mit Blick

auf die Kommunalwahl war das nicht ganz einfach für die Stadtteil-Politiker, die sich damals

für die ganzen Bäder eingesetzt haben. Wir setzen auf Schul- und Vereinsschwimmen, wo es

eine sehr hohe Auslastung der Bäder gibt. Das hat zu einer Zufriedenheit der

Schwimmvereine und Schulen geführt und letztendlich damit auch in der Bevölkerung.

Dr. Dieter Nellen: Werden die Bäder in Herten, CopaCabacum und auch Atlantis mehr

als Konkurrenz oder als Bereicherung empfunden?

Dr. Barbara Duka: Sie werden als Bereicherung empfunden. Beide Standorte sind relativ

zeitnah und relativ schnell erreicht, so dass diese Angebote völlig problemlos

wahrgenommen werden können. Es braucht überhaupt kein Angebot auf Marler Boden, um

davon zu profitieren. Daseinsvorsorge ist über den anderen Weg sichergestellt.

STADT KAMP-LINTFORT

Dr. Dieter Nellen: Gehen wir nach Kamp-Lintfort. Wir haben ja eben schon den

Vertreter, Herrn Hohensträter, Geschäftsführer aus Moers, gehört. Herr Müllmann, wie

gehen Sie mit dem Thema um, und wie ist es da mit Kooperationen?

38

Dr. Christoph Müllmann: Wie haben sicherlich eine

idyllische Landschaft, aber wir sind auch Teil des Ruhrgebiets

und sehr stark vom Strukturwandel betroffen. Wir haben noch

die letzte Zeche am linken Niederrhein, die aber in Kürze

schließen wird. Vielleicht haben wir schon lange Erfahrung mit

dem Thema Strukturwandel und das Glück gehabt, in den

letzten Jahren ausgeglichene Haushalte zu haben, so dass wir

jetzt auch in der Lage sind, im Bäderbereich noch einmal neu zu

investieren.

Die Ausgangssituation ist vielleicht vergleichbar mit Marl. Wir

haben ein kombiniertes Frei- und Hallenbad. Das Hallenbad ist

etwa 40 Jahre alt, das Freibad hatte noch einmal eine

Renovierung in den 80er Jahren. Das Hallenbad ist in einem

Zustand, wo man nicht genau sagen kann, wie lange es noch hält. Wir wollten eine

Notschließung vermeiden und haben dann zunächst intern Überlegungen angestellt.

Dann haben wir Gespräche mit den Nachbarstädten geführt, konkret mit Moers und

Neukirchen-Vluyn. Das wäre gemeinsam eine Einwohnerzahl von rund 170.000 als


„Wir hatten mal

750.000 Einwohner,

jetzt haben wir noch

580.000 Einwohner. Es

liegt eigentlich auf der

Hand, dass wir

reduzieren müssen.“

Bädermetropole Ruhr

Einzugsgebiet gewesen. In Moers war der Zustand der Bäder vergleichbar, es hatte auch

erste Abstimmungen zwischen den Bürgermeistern gegeben, ebenso auf der Arbeitsebene

mit dem Geschäftsführer der Stadtwerke Moers, einem Vertreter aus Neukirchen-Vluyn

und mir. Auch Herr Lawitzke war mit am Tisch und hat uns noch einmal bestärkt in diesem

Gedanken. Ergebnis war aber letztendlich, dass aus unterschiedlichen Gründen jeder seine

Hausaufgaben alleine löst. Das Problem – vor allem in der Stadt Moers – war, sich innerhalb

der Ortsteile überhaupt auf Schließungen von Bädern zu einigen, so dass man sich dem

weitergehenden Gedanken, für die drei Städte ein Bad zu errichten, nicht mehr nähern

wollte.

Aus Kamp-Lintforter Sicht, als kleine Stadt, mit bisher einem Spaßbad und erheblichen

Freizeitanlagen sehen wir das jetzt so: Wenn in Moers ein großes Freizeitbad gebaut wird,

ist das für uns das Signal, da einen Schritt zurückzugehen. Wir werden also jetzt das

vorhandene Hallenbad durch ein neues Hallenbad ersetzen und das Freibad, das mit großen

Rutschen und einem sehr großen Nichtschwimmerbereich ausgestattet ist, deutlich

verkleinern, um dann – so sehen die Berechnungen aus – innerhalb des vorhandenen

Budgets, des Zuschussbedarfs, den wir bisher hatten, diese Investitionen auch stemmen

können.

STADT ESSEN

Dr. Dieter Nellen: Ich gucke jetzt zu Herrn Hülsmann. Nach meinem Eindruck haben sie

ja insgesamt Sportentwicklung, Masterplan Sport, in Essen mit großer Ernsthaftigkeit

betrieben. Aber möglicherweise auch mit Auswirkungen auf das Kommunalwahlergebnis

und da zeigt sich doch, wie schwierig es ist, Haushaltskonsolidierung zu betreiben,

Grundversorgung zu sichern und darüber hinaus, auch noch die Akzeptanz der Bürger zu

erhalten.

39

Christian Hülsmann: Ja, wir haben in der Tat einen

Masterplan Sport, eine komplette Untersuchung aller

Sportstätten und Bäder. Auf Anregung des Essener Sportbundes,

der in diesen Prozess stark eingebunden war, hat es zudem ein

spezielles umfassendes Bädergutachten gegeben. Herr Dr.

Ochsenbauer hat das Gutachten erstellt und Herr Lawitzke war

der Co-Gutachter – unter anderem für Bedarfe. Wir haben das

sehr breit diskutiert. Nur – wenn ich einem Kandidaten eine

Empfehlung geben sollte für die Kommunalwahl – würde ich ihm

dieses Vorgehen nicht unbedingt raten.

Es hat ja hier nach zehn Jahren CDU-geführter Stadtregierung

ein Wechsel zur SPD gegeben. Und ein Schwerpunktthema war

auch dieser Masterplan, vor allem die Schließung der Bäder,

speziell eines Bades. Und da sehen wir die Krux. Es geht um das Freibad Dellwig im Essener

Nord-Westen, das einen hohen Instandsetzungsbedarf aufweist. Selbst wenn wir die

Wasserflächen halbieren, haben wir nach einer Untersuchung der Deutschen Gesellschaft

für das Badewesen einen Mindestinvestitionsbedarf von 5 Millionen Euro. Und drei

Kilometer entfernt an der gleichen Südseite des Rhein-Herne-Kanals mit einem schönen

Wander- und Radweg und auch ansonsten gut zu erreichen, entsteht jetzt der AQUApark

in Oberhausen. Das nur mal zum Thema interkommunale Zusammenarbeit.

Sie werden mit diesem Thema „Haushalt“ die Leute nicht erreichen. Man hat ja mitunter


MASTERPLAN SPORT RUHR

auch schon Probleme, die Politiker damit zu erreichen. Ich sehe da so eine Art abgekapselte

Logik. Als ich mit unserem Masterplan, der allein einen Instandsetzungsbedarf von 40

Millionen Euro vorsieht, durch die Bezirksvertretungen gegangen bin und dafür geworben

habe, da hab ich selbst bei den Politikern gehört: „Ja, ja wir haben ein

Haushaltsproblem“ und dann kommt ein „Aber“ und dann kann Ihnen jeder Politiker

– parteiübergreifend – eine Maßnahme nennen, wo er sagt: „Solange ihr so was noch macht,

kann es dem Haushalt nicht so schlecht gehen“. Und dann wird das ganze Thema Haushalt

ausgeblendet. Wir haben jetzt nicht nur die Situation, dass wir einreißen oder abreißen

müssen, sondern wir wollten in allen Bereichen, nicht nur in Bädern, auch mehr Geld für

Instandsetzung (der verbleibenden Anlagen) bereitstellen. Und so haben wir mit der

Bezirksregierung auf der Basis des Masterplans eine Vereinbarung getroffen, dass wir

innerhalb eines Fünf-Jahres-Zeitraums ab 2008 insgesamt 22,5 Millionen Euro zusätzlich für

die Sanierung und Modernisierung von Sportanlagen und Bädern finanzieren können. Aber

wir mussten seinerzeit ausdrücklich noch einmal die Schließungsbeschlüsse wiederholen,

was auch erfolgt ist.

Jetzt war ich wegen anderer Dinge bei der Bezirksregierung, bei der Kommunalaufsicht, und

da bin ich auch darauf angesprochen worden: Man habe gelesen, die Stadt wolle diese Dinge

korrigieren. Da ist mir gesagt worden: „Wir haben eine Verabredung in einem Konzept und

wenn Sie das so nicht erfüllen, dann trägt das gesamte Konzept nicht mehr“. Also ich bin

bereit, auch über Veränderungen nachzudenken, aber unterm Strich muss die gleiche nachhaltige

Einsparung herauskommen.

Begründen können wir das alles wunderbar mit wissenschaftlicher Unterstützung. Das

Problem ist: Ein Gewinner-Thema ist das offenkundig nicht. Aber das wird eins werden

müssen. Wir - gerade im Ruhrgebiet - sehen, die großen Kommunen rasseln nacheinander

in die Überschuldung, die es eigentlich nach der Gemeindeordnung überhaupt nicht geben

darf. Und wenn es soweit ist, müssen wir jede einzelne Maßnahme mit der Bezirksregierung

abstimmen. Dann geht es nach drei Kategorien. Die dritte Kategorie in der Rangfolge ist

„Freiwillige Leistung“. Bei uns ist der Betrieb von Bädern und Sportanlagen – unabhängig

von jeder moralischen Begründung – schlicht und einfach finanztechnisch eine freiwillige

Ausgabe. Das heißt: Wir werden schließen müssen. Wenn wir das jetzt nicht machen, dann

etwas später, sonst werden wir gar nicht mehr die Genehmigung bekommen, noch weiter

zu sanieren. Wenn wir in die Stufe der Überschuldung treten, dann geht sowieso in vielen

Bereichen nichts mehr. Und möglicherweise kommt dann die Erkenntnis, dass wir doch

etwas abbauen. Ein letzter Satz noch: Wir hatten mal 750.000 Einwohner, jetzt haben wir

noch 580.000 Einwohner. Es liegt eigentlich auf der Hand, dass wir reduzieren müssen.

Hinzu kommt das veränderte Sportverhalten in der Bevölkerung. Jogging, Radfahren und

Nordic-Walking findet in Gottes freier Natur statt und nicht in den klassischen

kommunalen Sportstätten. Das ist noch nicht zu jedem durchgedrungen. Aber ich bin ja

auch nicht Politiker, der alle fünf Jahre zur Wahl steht.

STADT GELSENKIRCHEN

Dr. Dieter Nellen: Herr Dr. Beck, Gelsenkirchen ist mit dem Revierpark Nienhausen

eben schon so gelobt worden als Inbegriff wunderbarer regionaler Innovationen. Können

Sie zum Thema Schulschwimmen eine Einschätzung geben? In allen begleitenden

Arbeitskreisen zum Masterplan gab es dazu eine höchst kontroverse Diskussion. So kann

die Schließung kommunaler Bäder ja auch möglicherweise längere Entfernungen für Schulen

bedeuten. Können Sie aus Ihrer Stadt auch vor dem Hintergrund Migration und

Migrantenkinder eine aktuelle Einschätzung geben?

40


„Ich glaube, es ist

dringend erforderlich,

sich auch konzeptionell

über das

Schulschwimmen

Gedanken zu machen.“

Bädermetropole Ruhr

41

Dr. Manfred Beck: In der Tat lässt sich beobachten, dass die

Schwimmfähigkeit von Kindern im Grundschulbereich

zunehmend sinkt und wir immer mehr Ertrinkende verzeichnen

– gerade auch im Rhein-Herne-Kanal, der in Gelsenkirchen eine

beliebte Badefläche ist. Ich glaube, es ist dringend erforderlich,

sich auch konzeptionell über Schulschwimmen Gedanken zu

machen.

Ich möchte aber zunächst ein paar Sätze sagen, die über

Nienhausen hinausgehen. Für die Bäderplanung in Gelsenkirchen

ist das Freibad in Nienhausen von Interesse. Insgesamt ist

Gelsenkirchen mit seinen Bädern den Stadtwerke-Weg

gegangen. Wir haben drei reine Hallenbäder, mit dem

Sportparadies ein großes Kombi-Freizeitbad und ein weiteres kleines Freibad, das diesem

Konstrukt angeschlossen ist. Dadurch ist die finanzielle Versorgung eigentlich recht gut

gesichert, das heißt, es wurden in den letzten Jahren erhebliche Mittel in die Hallenbäder

investiert. Die sind in einem vernünftigen Zustand. Ich kann sagen: Für Gelsenkirchen hat

sich dieses Modell bewährt, auch wenn die Steuerungsmöglichkeiten seitens der Stadt, der

Stadtverwaltung und seitens der Politik eingeschränkt sind.

Einen unmittelbaren Zugriff hat die Stadt lediglich im Revierpark Nienhausen auf die

Freizeitanlage. Die Bedeutung, die wir dem beimessen, ist deutlich geworden an den

Ausführungen von Herrn Funke – gerade mit Blick auf das Freibad. Herr Funke, Sie haben

den Gutachter zitiert und die Kernaussage war: Wir sollen alle Freizeitparks erhalten. Die

erste Aussage war zumindest mit Blick auf Nienhausen etwas schwieriger. Ich glaube im

Zuge des gemeinsamen Diskussionsprozesses sind wir zu der Erkenntnis gekommen, dass

es richtig ist, auch Nienhausen zu erhalten. Für den Regionalverband war das Thema

Freibad schwierig, weil es als Bad im Wesentlichen von Essener und Gelsenkirchener

Bürgern genutzt wird. Wir haben deswegen als Städte gesagt, für uns ist das Grund genug,

den Zuschuss in die Gesamtanlage zu erhöhen, um dieses Freibad mit seiner Funktion

erhalten zu können. Wir haben hier insgesamt einen interkommunalen Ansatz gefahren, der

sehr gut ist.

Zum Thema Schulschwimmen: Ich glaube, wir haben in Gelsenkirchen einen großen Fehler

gemacht und ich weiß, dass ihn viele andere Kommunen auch gemacht haben. Nämlich die

Lehrschwimmbecken in den Schulen stillzulegen. Ökonomisch war das sicherlich sinnvoll,

weil sie erhebliche Kosten verursacht haben, aber einer der Gründe, warum es gerade

Grundschulen und auch Kindergärten so schwer fällt, Kindern geregelten

Schwimmunterricht anzubieten, ist, dass die Wege zu den Bädern erheblich länger

geworden sind als sie früher waren. Wir haben in Gelsenkirchen sechs

Lehrschwimmbecken geschlossen und haben noch vier in Betrieb. Das heißt, wir hatten

einmal ein ganz enges Netz von Lehrschwimmbecken in der Stadt. Wir haben 23.000

Schüler. Wenn ich mal durchgehe, wie viele davon wirklich regelmäßig Schwimmunterricht

erhalten, komme ich auf einen sehr, sehr schmalen Prozentsatz. Das ist relativ tragisch und

kann auch nicht durch die regen Schwimmvereine in der Stadt kompensiert werden, die wir

als Stadt auch sehr aktiv zum Beispiel bei Werbemaßnahmen unterstützen. Wir haben etwa

3.400 Mitglieder in den sechs Schwimmvereinen. Das ist nicht schlecht für unsere Stadt,

aber gerade im Bereich der Kinder und Jugendlichen außerhalb der DLRG, die es noch ganz

gut schafft, ist die Nachfrage im Schwimmverein doch deutlich gesunken.


MASTERPLAN SPORT RUHR

42

KONSEQUENZEN > > >


Bädermetropole Ruhr

KONSEQUENZEN FÜR DEN MASTERPLAN SPORT RUHR

Dr. Dieter Nellen: Wir nähern uns jetzt dem Höhepunkt der Veranstaltung. Nämlich der

Frage, wie weit kann die Region selbst Innovationen begleiten? Vom Masterplan Sport ist ja

heute Morgen schon viel die Rede gewesen. Sie wissen, dass wir den Masterplan Sport, den

wir im letzten Jahr begonnen haben, durch Workshops dieser Art begleiten. Wir haben

verschiedene schon durchgeführt, es wird noch einen weiterer zum Thema

Sportgroßveranstaltungen stattfinden.

„Wir hatten

ursprünglich gedacht,

mit diesem Masterplan

alle Fragen der

regionalen

Sportentwicklung mit

chirurgischer Präzision

lösen zu können.“

43

Die Ergebnisse dieser Workshops werden dokumentiert und auch in das

Masterplan-Verfahren mit einfließen. Wir wollen aber insgesamt einen

Masterplan Sport vorlegen. Wir hatten ursprünglich gedacht, mit diesem

Masterplan gewissermaßen alle Fragen der regionalen Sportentwicklung mit

chirurgischer Präzision lösen zu können. Ich habe im Verfahren gelernt, so

auch der Regionalverband Ruhr insgesamt, dass er, wenn er regionale

Sportentwicklung mit der heute vielfach angemahnten Systematik betreiben

will, sich ähnlich wie beim Thema Kultur auf einen längeren Weg machen

muss. Wir sind bei dem Thema Kultur deshalb so erfolgreich, weil wir im Prinzip seit 14

Jahren eine Regionalisierung der Kulturpolitik betreiben. Wir werden aber im

Kulturhauptstadtjahr 2010 diesen Masterplan vorlegen, um diesen ersten Schritt regionaler

Sportentwicklung über regionale Steuerungsinstrumente und -strategien zu realisieren.

Einer, der sich dort trotz seiner sicherlich starken Einbindung und Verpflichtung seiner

eigenen Stadt gegenüber einbringt, ist Herr Hülsmann. Und ich will mal diese erste Runde

mit einer allgemeinen Frage beginnen: Welche Wünsche, Anregungen, Anforderungen,

Erwartungen haben unsere kommunalen Gebietskörperschaften an diesen Masterplan Sport?

Christian Hülsmann: Dass der RVR diese interkommunale Zusammenarbeit versucht zu

strukturieren, versucht schmackhaft zu machen. Wir haben ja gerade ein paar zaghafte

Beispiele gehört. Gelsenkirchen, Revierpark Nienhausen. Wir haben im Übrigen schon im

Jahre 2001 – Stichwort Konkurrenzschutzklausel – unser Freibad Kuhlhoffstraße im Nord-

Osten der Stadt nicht weit vom Revierpark Nienhausen geschlossen. Der RVR hat dann

dankenswerterweise den Radweg zu Ende gebaut, so dass wir eine Radwegeverbindung zu

unserem Bad haben. Heute regt sich darüber keiner mehr auf. Wir haben da jetzt ein Licht-

und Luftbad mit einer natürlichen Wasserfläche, wo man nicht schwimmen kann. Wir haben

uns gefragt: Warum sollen wir groß investieren, wenn wir uns gegenseitig die Leute

abgraben?

„Die Bevölkerung

stimmt heute schon

überregional mit den

Füßen ab. Aber Politik

und Verwaltung haben

immer noch die

Stadtgrenzen im Kopf.“

Wir hatten die erste Überlegung in Bezug auf das Freibad Dellwig im

Essener Nord-Westen, da hat man noch gar nichts vom AQUApark gehört,

auch im Zusammenhang mit dem Bad Vonderort. Also 70.000 Besucher in

Vonderort jährlich sind aus Essen, das haben Befragungen ergeben. Das

heißt: Die Bevölkerung stimmt heute schon überregional mit den Füßen ab.

Aber Politik und auch Verwaltung haben immer noch die Stadtgrenzen im

Kopf. Und immer, wenn ich sage: Ihr könnt ja auch zum Friedrich-

Wennmann-Bad (in Mülheim an der Ruhr) gehen, da wird immer so getan, dass in dieser

hochmotorisierten Welt mit einem wesentlich stärkeren ÖPNV als noch vor 50 Jahren die

Menschen nicht mehr von A nach B kommen würden. Das ist überhaupt eine Erkenntnis

unseres gesamten Masterplans unabhängig von den Bädern. Ich bin früher morgens vom

Essener Osten zum Baldeneysee zum damaligen schönen Freibad gegangen. Da musste ich


MASTERPLAN SPORT RUHR

dreimal umsteigen und meine Mutter musste hoffen, dass ich abends wieder gesund

zurückkam. Heute kommen die Leute nicht mehr 500 Meter die Straße rauf und 500 Meter

die Straße runter, wenn man die Argumente der Funktionäre hört. Das muss aufhören und

das wird auch zwangsläufig aufhören müssen, weil wir alle nicht mehr alleine diese

Genehmigungen für Sanierungen etc. bekommen.

„Der finanzielle Druck

kommt ganz von allein.

Dann ist es gut, wenn

wir ein Konzept haben,

auf das wir aufbauen

können.“

44

Ich hab gestern auch der Bezirksregierung gesagt, dann greift doch auch mal

etwas härter zu, was die interkommunale Zusammenarbeit angeht. Zwei

werden vorstellig und wollen jeweils fünf Millionen investieren, dann sagt

doch auch mal, kann man das nicht zusammen machen, vielleicht für zwei

Drittel des Geldes. Es geht. Es geht auch wunderbar. Wir haben uns auch

geeinigt mit Gelsenkirchen im Rahmen des Konjunkturpaketes II, dass essen

und Gelsenkirchen je gut eine Million bereitstellen, um im Revierpark Nienhausen zu

investieren, obwohl das auf Gelsenkirchener Gebiet liegt. Da gab es dann auch wieder

Diskussionen.

Wie gesagt: Die Bevölkerung ist vom Grundsatz her wesentlich flexibler als es Politik und

Verwaltung noch in vielen Dingen sind. „Dat is unser Bad“ und direkt auf der anderen

Straßenseite liegt der Revierpark Nienhausen. Das ist dann schon Gelsenkirchen und da

geht dann angeblich keiner mehr hin. Das muss aufhören, und da habe ich schon die

Hoffnung, dass das Know-how des RVR und sein Grundverständnis von interkommunaler

Zusammenarbeit genutzt wird und auch die Vorteile aufgezeigt werden. Der finanzielle

Druck kommt ganz von allein. Dann ist es gut, wenn wir ein Konzept haben, auf das wir

aufbauen können.

Dr. Dieter Nellen: Das trifft auf allgemeine Zustimmung. Herr Beck, sie haben ja auch

den Bereich Kultur nicht nur mitbegleitet, sondern auch mitgestaltet. Ist es nicht alleine

durch die Kommunalisierung der Sportpauschale einfach schwieriger geworden, regional

und durch das Land zu steuern und dem Land auch in diesem Prozess für die in der Tat

schwierige Gemengelage hier im Ruhrgebiet eine Steuerung zuzumessen?

Dr. Manfred Beck: Zunächst einmal muss ich sagen, dass ich die Sportpauschale für eine

richtige Entscheidung des Landes gehalten habe, weil sie den Kommunen die Flexibilität

gegeben hat, die wir brauchen. Als Sportdezernent sage ich: Ich bin froh über solche

zweckgebundenen Zuweisungen. Ich weiß, dass die Kämmerer das im Moment nicht so

gerne sehen. Ich glaube nicht, dass es Kooperationen erschwert. Ich unterschreibe die

Worte von Herrn Hülsmann, dass die Not der Kommunen ein wichtiger Motor ist, was

Zusammenarbeit im Bereich des Vorhaltens von Infrastruktur in bestimmten Bereichen

angeht.

„Ich denke, durch die

Kulturhauptstadt hat

sich ein Prozess der

Kooperationen der

Kommunen ergeben,

der ein Stück Schaffung

der Metropole ist. Wir

müssen das auch auf

dem Sektor des Sports

erreichen.“

Wir werden zur Metropole, das ist ein schwieriger Prozess. Ich glaube, wir

haben durch die Übertragung der Regionalplanungskompetenz an den RVR

einen wichtigen Schritt auf diesem Felde getan. Ich denke, durch die

Kulturhauptstadt hat sich ein Prozess der Kooperation der Kommunen

ergeben, der ebenfalls ein Stück Schaffung der Metropole ist. Wir müssen

das auch auf dem Sektor des Sports erreichen. Das ist etwas schwieriger,

aber ich glaube, nicht ganz so schwierig wie bei einem Teil der

Kultureinrichtungen. Ich könnte jetzt die Frage stellen: Wie viele

Konzerthäuser brauchen wir im Ruhrgebiet oder ähnliches?


Bädermetropole Ruhr

Aber ich denke, bei den Sportstätten, insbesondere im Bäderbereich, haben wir gute

Chancen darüber zu reden, wie denn eine vernünftige öffentliche Infrastruktur im Bereich

der Daseinsvorsorge aussehen kann und wie wir mit den vorhandenen Anlagen umgehen

können.

In Nienhausen gehen wir einen Weg, der vom RVR, der Stadt Essen und der Stadt

Gelsenkirchen gemeinsam beschritten wird. Ich denke, das ist ein richtiger Weg für diese

Region. Wir müssen an anderen Stellen in ähnlicher Art und Weise versuchen, die

Entwicklung von Bädern im Umfeld im Auge zu behalten und einen entsprechenden

Austausch zu pflegen, wie wir es in Gelsenkirchen mit der ELE, dem RWE-Betreiber

unserer Bäder, tun. Dann kommen wir voran. Aber wie gesagt, die Sportpauschale ist für

die Einzelkommune sehr hilfreich, hindert meines Erachtens in keiner Weise daran, solche

Kooperationen einzugehen. Wir schaffen es an anderer Stelle – das ist für mich ein gutes

Beispiel – gemeinsam Gewerbegebiete zu betreuen, wo die Gewerbesteuerabfuhr zwischen

Kommunen geregelt wird. Ähnlich, denke ich, kann man auch den Betrieb von Sportanlagen

nicht nur durch gemeinsame Gesellschaften, wie wir es in Nienhausen tun, sondern auch auf

anderem Wege realisieren.

Dr. Dieter Nellen: Herzlichen Dank. Frau Duka, der kreisangehörige Raum ist ja

manchmal etwas fern vom RVR, obwohl eigentlich ganz nah. Welche Erwartungen haben Sie

an den Masterplan?

Dr. Barbara Duka: Was uns in der Vergangenheit in der Diskussion um unser

Bäderkonzept sehr geholfen hat, war immer die berühmte Landkarte von Herrn Lawitzke,

auf der die einzelnen Bäder der Umgebung mit ihrer unterschiedlichen Ausstattung sichtbar

waren und an der man die Vielzahl an Möglichkeiten, die man in unserem Raum hat, ablesen

kann. Meine Erwartungshaltung als kreisangehörige Kommune wäre, dass man auch in

dieser Richtung noch einmal intensiver das Thema Bestandsaufnahme verfolgt. Es sollte

noch einmal sehr viel genauer dargestellt werden,

Eine genauere

Bestandsaufnahme der

vorhandenen Angebote

erleichtert die

Entscheidungsfindung.

45

was in den einzelnen Bädern angeboten wird

was möglicherweise darüber hinaus noch als Substanz vorhanden ist

wo man gegebenenfalls auch sinnvoll anknüpfen kann, wenn es um Sanierungskonzepte

geht, die den Umweltaspekt sehr viel besser berücksichtigen können.

Vor diesem Hintergrund kann man breiter kommunizieren und Städte

können besser ins Gespräch kommen, wenn sie vor der Frage stehen, soll

ich dieses Hallenbad sanieren oder lasse ich es besser bleiben und macht es

mehr Sinn, dass die Nachbarkommune ihres saniert? Dann kann man so

eine Bestandsaufnahme zugrunde legen, um Sanierungskonzepte, die zu

energetischen Einsparungen führen, besser umsetzen zu können.

Oder aber: Wo sind die Standorte, die flächendeckend Schulschwimmen in erreichbarer

Nähe ermöglichen? Dabei muss ich mich ja auch an ÖPNV und sonstigen Gegebenheiten

orientieren. Solche Dinge gehen immer über die Kommune hinaus. Insofern fände ich eine

Unterstützung hilfreich, wie man solche Dinge organisieren kann.


MASTERPLAN SPORT RUHR

Denn eins haben wir jetzt in diesem Prozess auch festgestellt: Es ist im Grunde nicht die

Bevölkerung, die dieses Kirchturmdenken hat, sondern es ist letztendlich die Politik und es

sind einige Leserbriefschreiber, die für Wirbel sorgen.

Aber die Bevölkerung akzeptiert diesen Prozess, weil die Argumente überzeugend sind. Im

Endergebnis ist für Bevölkerung einfach wichtig, dass sie sanierte Schwimmstätten und

Bäder vorfindet und nicht irgendwelche maroden Häuser, wo es zieht, wo es kalt ist und

wo man im Grunde gar keine Lust hat zu schwimmen. Denn dann fährt man doch lieber ein

paar Meter weiter, um ein vernünftiges Angebot zu nutzen.

Dr. Dieter Nellen: Dankeschön. Herr Müllmann, Sie haben ja eben schon gesagt, der

Kreis Wesel, die Stadt Kamp-Lintfort sind gerne im RVR und fühlen sich als wichtiger Teil

der Metropole Ruhr. Deshalb interessiert uns natürlich auch Ihre Einschätzung und

Erwartung an den Masterplan.

Dr. Christoph Müllmann: Sie wissen, dass das im Kreis Wesel mit der Mitgliedschaft im

RVR differenziert gesehen wird, aber das kommentiere ich jetzt mal nicht. Ich glaube,

bezogen auf das Bäderthema und das Sportanlagenthema ist eine Voraussetzung, damit man

vernünftige Entscheidungen treffen kann, erst einmal die richtige Transparenz. Und dafür ist

diese Landkarte in aktueller Form möglichst mit den Entwicklungen, wo etwas Neues

entsteht und wo etwas wegfällt, unheimlich wichtig. Denn damit kann man auch Politikern

und der Bevölkerung, die vernunftsbezogen und Argumenten gegenüber auch

aufgeschlossen sind , deutlich machen, warum man etwas tut oder warum man etwas nicht

tut.

Zum Thema Politik und Bevölkerung gibt es – bin ich der Meinung – in

beiden Bereichen die, die diesem Finanzargument nachkommen würden.

Und dann gibt es Leserbriefschreiber und die Interessengruppen, die sagen,

wir sind eben nicht bereit, unsere Schüler fünf Kilometer mit dem Fahrrad

ins Freibad fahren zu lassen, sondern das Freibad muss genau da sein, wo es

immer war. Wir müssen dagegen mit Argumenten ankämpfen. Ich habe das

ganz aktuell erlebt: Wir haben unser Bäderkonzept mit der Verkleinerung des Freibades im

Rat mit einer einstimmigen Beschlussfassung hinbekommen, möglicherweise auch, weil der

ein oder andere nicht gesehen hat, was da eigentlich alles wegfällt. Ich bin mir fast sicher,

wenn erst einmal die ersten Gebäude abgerissen werden, werden wir diese Diskussion

noch bekommen. Aber wichtige Voraussetzung, um das noch einmal zu sagen, das kann der

Regionalverband leisten, ist hier „Transparenz schaffen“. Und wenn es dann darum geht, die

unvernünftigen Kommunen zu disziplinieren, die sagen, wir wollen trotzdem investieren und

Konkurrenz neu aufbauen, dann wird es letztlich nur über die Kommunale Finanzaufsicht

gehen.

„Voraussetzung, damit

man vernünftige

Entscheidungen treffen

kann, ist erst einmal die

richtige Transparenz.“

Dr. Dieter Nellen: Ich darf, bevor wir noch in eine Fragerunde gehen, noch einmal zwei

Sätze sagen, zum inhaltlichen Stand des Verfahrens. Sie wissen, dass der Masterplan auch

Auskünfte geben soll zu künftigen Großveranstaltungen. Wir werden nach 2010 in eine

neue Phase eintreten. Es wird um die Frage gehen, um welche großen

Veranstaltungsformate wir uns auf Dauer auch regional bemühen müssen. Dazu gehört

sicherlich die Lieblingsmonstranz gewisser Beteiligter dazu, nämlich Olympia, aber auch

andere Veranstaltungsformate.

46


Bädermetropole Ruhr

Aber ein ganz wichtiger Punkt, der gerade von unserer Politik gewünscht wird, und der in

allen Beiträgen angeklungen ist, ist die beratende Leistung im Hinblick auf mögliche

interkommunale Zusammenarbeit.

„Die Frage ist, ob der

RVR auch im Rahmen

der Neukonstituierung

stärker

Beratungsleistungen

aufbaut und mit

welchem Aufwand, mit

welchen Mitteln sich der

RVR auf Dauer

engagieren wird.“

47

Wir handeln in einem wichtigen Feld, im Bäderbereich leisten wir dies

schon ganz konkret. Die Frage ist, ob der RVR auch im Rahmen der

Neukonstituierung stärker Beratungsleistungen aufbaut, wie man die schon

aus haushaltswirtschaftlichen Gründen erforderlichen Sparzwänge umsetzt

und hier eine wichtige regionale Dienstleistung aufbringt. Darüber werden

wir uns sicherlich unterhalten müssen, mit welchem Aufwand, mit welchen

Mitteln sich der RVR auf Dauer engagieren wird. Da wird der Masterplan

zumindest Vorschläge machen. Wir haben ja erste Schritte gemacht, ich

sehe auch, dass der RVR die Notwendigkeit erkannt hat und hier diese

offenbar sehr wichtige Dienstleistung beratend für Sie vor Ort erbringen

soll. Aber darüber wird politisch die neue Verbandsversammlung entscheiden.

Wir machen jetzt hier einen Schnitt und ich lade Sie noch zu einer regionalen

Diskussionsrunde ein. Möglicherweise haben Sie noch Fragen an unsere

Diskussionsteilnehmer oder wichtige Statements zur Thematik?


MASTERPLAN SPORT RUHR

48

DISKUSSION > > >


„Kann sich der RVR

vorstellen,

Handlungsrichtlinien

herauszugeben und sind

die beteiligten Städte

bereit, auch

Kompetenzen

abzugeben?“

Bädermetropole Ruhr

STATEMENTS UND DISKUSSION

Wolfgang Rohrberg, Geschäftsführer des Essener

Sportbundes ESPO: Anknüpfend an den Vortrag von Herrn

Lawitzke und das, was Herr Moseler gesagt hat: Wir müssen

den Knoten durchhauen und sagen, wo können wir wirklich

interkommunal arbeiten und wo kriegen wir auch den Mut dazu?

Wenn ich die erste Folie aus dem Vortrag von Herr Lawitzke

sehe, wird deutlich, wie viele Bäder wir mehr haben als Berlin.

Aber die Frage, wie viel zahlen wir dafür, können wir nicht

beantworten, weil wir zu schlecht aufgestellt sind und niemand

richtig weiß, was wir tun oder nicht tun. Jeder wurschtelt vor

sich hin. Das war einmal in Ordnung. Die Zeit ist lange vorbei

und ich glaube, wenn wir unseren Bestand retten wollen,

müssen alle Verantwortlichen fragen, wie kriegen wir das zusammen hin?

Ich bin so blauäugig zu glauben, dass sich das Ruhrgebiet da schnell einigen wird und schnell

eine Frage formuliert, wie man das unter ein Dach stellen kann. Deswegen meine Frage

dazu: Kann der RVR sich vorstellen, solch eine Aufgabe in minimaler Funktion zu

übernehmen?

Minimal hieße für mich, aus den vielen (Bäder-)Punkten, die Herr Lawitzke auf seinen

Charts hat, die wichtigsten herauszunehmen und zu sagen: Das sind die Grundbedarfe, die

wir alle behalten müssen. Dass in diesem Zusammenhang der RVR Handlungsrichtlinien

herausgibt und auf der anderen Seite die beteiligten Städte sagen, da sind wir auch bereit ,

unsere Kompetenz abzugeben. Hintergrund ist, was Herr Hülsmann ein bisschen

schmerzlich dokumentierte. Wir können noch so gute Bäderkonzepte aufstellen. Die

Bevölkerung vor Ort – und da gebe ich Ihnen nicht ganz Recht, Frau Duka – registriert das

teilweise anders. Ich nehme mal einen Satz eines Vorstandsmitgliedes bei uns, der sagt:

Bäder ist ein Thema, da geh ich zwar jetzt nicht hin, aber ich könnte ja morgen mal da

hingehen. Deswegen registriere ich das ganz anders. Jetzt im Moment interessiert mich das

überhaupt nicht, aber das gehörte immer dazu, das kann ich nicht wegnehmen. Das kriege

ich emotional nicht in die Köpfe dieser Leute, deswegen brauche ich eine Institution.

Die Stadt hat sich auch des ESPO bedient, weil die oben drüber sind und da kann man

schon mal sagen, die haben empfohlen. Die haben schon einen gewissen Stellenwert. Und

wenn der RVR solch eine Grundfunktion hätte, die sich aus dem Masterplan ableitet,

könnte man sich auch als Kommune so ein bisschen zurückziehen und sagen, da haben sich

so viele Leute einen vernünftigen Kopf gemacht, da können wir nicht dran vorbei. Kann der

RVR sich so etwas vorstellen und können die Vertreter der Städte sich vorstellen, solche

Kompetenzen auch abzugeben?

Dr. Dieter Nellen: Herr Rohrberg, noch muss der RVR ja nicht direkt gewählt werden,

auch wenn das einige fordern. Und der ranghöchste Beamte hier im Saal ist Herr Funke.

Herr Funke, ich gebe die Frage an Sie weiter.

Dieter Funke: Das ist natürlich ein ganz schwieriges Thema. Darüber haben wir natürlich

auch schon diskutiert. Handlungsrichtlinien werden wir nicht herausgeben können. Das

bleibt schon in der Verantwortung der einzelnen Kommune und des einzelnen Kreises.

Was wir machen können ist: Wir können moderieren, wir können die Landkarte mit den

49


„Ich könnte mir

vorstellen, dass es auch

eine Aufgabe des RVR

wäre, deutlich zu

machen, wie können wir

das Schulschwimmen

sicherstellen.“

MASTERPLAN SPORT RUHR

Punkten und darüber hinaus Sachverhalte und Fakten liefern, die zu Entscheidungen führen

können. Und wir können – wir haben uns auch noch einmal gerade kurzgeschlossen –

natürlich den größeren Schulterschluss wagen, dass man mehr über Konferenzen geht und

diese Fakten und Sachverhalte dann in die verantwortlichen Köpfe trägt. Aber letztendlich

müssen die Entscheidungen vor Ort getroffen werden. Aber die Sachverhalte können so

aufbereitet werden, dass ein Handlungsdruck entsteht – gerade unter Konsolidierungsgesichtspunkten.

Dr. Rudolf Salmen, Vizepräsident des Schwimmverbandes

NRW: Wenn es um die zukünftige Aufgabenstellung des

Masterplans geht, müsste man noch stärker differenzieren

zwischen der Grundversorgung, also dem Standardbad im

Stadtteil um die Ecke, und den von vornherein auf

Überregionalität angelegten Bädern, wo es einen größeren

Abstimmungsbedarf und mehr interkommunale Kooperationen

geben müsste. Bei der Grundversorgung fand ich das Stichwort

von Frau Dr. Duka sehr wichtig. Ich könnte mir vorstellen, dass

es auch eine Aufgabe des RVR wäre, deutlich zu machen, wie

können wir das Schulschwimmen sicherstellen. Aus unserer

eigenen Praxis als Schwimmverband – wir haben sehr viel Beratungserfahrung, weil die

Vereine uns ansprechen, weil sie bei Diskussionen um Bäderschließungen in Nöte geraten –

habe ich mehrere Fälle erlebt, wo man ein Bad auf Druck der Kommunalaufsicht

geschlossen hat, obwohl dann das Schulschwimmen in Nachbarstädten sichergestellt

werden musste und die Kosten dafür höher waren als das Defizit des Bades bis zur

Schließung. Und wir haben mehrfach die Kommunalaufsicht in dieser Sache angeschrieben

und gesagt: Das kann nicht sein und wir möchten auch eine klare Aussage, ob das

Schulschwimmen weiterhin Pflichtaufgabe der Kommunen ist oder nicht? Ich sage Ihnen mal

als Jurist: Die herrschende Meinung geht dahin – ja, es ist eine Pflichtaufgabe. Aber ich kann

nur sagen, wie schwer sich die beteiligten Ministerien – Innen- und Schulminister – tun,

darauf eine eindeutige Antwort zu geben. Ich hätte Herr Reinink, wenn er hier wäre,

danach gefragt.

Und darum: Wenn ich an Bestandssicherung von Bädern denke, müssen wir sicherlich die

Bäderstruktur anpassen an die Bedarfe, das heißt natürlich auch zurückfahren. Aber wir

müssen auch den Grundbestand ortsnaher Bäder sichern, um zum Beispiel das

Schwimmenlernen sicherzustellen. 30 Prozent unserer Grundschulkinder können nicht

mehr schwimmen. Das heißt für mich, es wäre eine überregionale Aufgabe, in einem

Masterplan deutlich zu machen, wie kann man denn kooperieren in der Grundversorgung

Schulschwimmen? Wie sind die Entfernungen, die eingehalten werden müssen, wenn die

Kommunalaufsicht Bäder schließen lassen will und darauf verweist, dass Nachbargemeinden

Schulschwimmen anbieten aber es pädagogisch gar nicht geht, weil die Entfernungen so groß

sind, dass ich das auch bei Blöcken von Schwimmunterrichtsstunden das nicht schaffen kann?

Deswegen meine Anregung an die weitere Erarbeitung des Masterplans.

Christian Hülsmann: Wir haben ja drei große Blöcke bei den Hallenbädern – Schule,

Vereine und die Öffentlichkeit. Wenn wir reduzieren, müssen wir natürlich aufpassen, dass

wir nicht die ein oder andere Gruppe da mehr oder weniger rauskegeln. Und es ist in der

Tat so - auch nach meiner Definition, obwohl ich kein Jurist bin - dass Schulschwimmen der

einzige pflichtige Bereich (in der kommunalen Daseinsvorsorge) ist. Für mich müsste die

klare Regelung sein: Schwimmen lernen in der Grundschule, das muss hinhauen. Zu 100

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„Ohne Kompetenz,

auch formale

Autorität und

Entscheidungsgewalt

bekommt man nicht

einmal Transparenz

hin.“

Bädermetropole Ruhr

Prozent bekommen wir die Kinder nur in der Schule, nicht über den Sportverein, nicht

über andere wie Kitas und so weiter. Es muss doch möglich sein, dass man in der

Grundschule schwimmen lernt.

Ich hab mir einmal die aktuellen Richtlinien aus dem Schulministerium hierzu angeschaut. So

ein bisschen Wassergewöhnung und so weiter, in der Sekundarstufe I sollen mindestens

zwei Stilarten beherrscht werden und aus gesundheitlichen Gründen auch noch

Rückenschwimmen. Das ist alles sehr schön, nur die Frage ist, ob wir überhaupt noch den

Platz in unseren Bädern dafür haben? Bei Mathematik bin ich der Auffassung – ich bin so

durchs Leben gekommen – mit vier Grundrechenarten, Zins- und Prozentrechnung kommst

du bis ans Ende der Welt. Ich muss nicht unbedingt Differenzial- und Integralrechnung

lernen, das sollen sie im Leistungskurs machen. Und so könnte man es beim Schwimmen ja

auch sehen. Wenn einer mehr machen möchte, könnte er dann einen Leistungskurs oder

freiwillige Schülersportgemeinschaften besuchen. Ich habe so ein wenig Sorge, dass die

interministerielle Zusammenarbeit nicht funktioniert. Vor diesem Hintergrund müssen wir

uns auch das Schulschwimmen angucken: Es muss meines Erachtens das oberste Ziel sein:

Schwimmenlernen in der Grundschule und alles andere muss dem untergeordnet werden.

Dr. Christian Ochsenbauer: Nur eine Anmerkung zu Ihnen, Herr Funke. Sie haben

gesagt: Moderation, Datenerhebung beim RVR ja, Entscheidungen müssen und dürfen dann

aber die anderen treffen. Aus der Erfahrung mit solchen Projekten, die das Ziel haben,

Transparenz zu schaffen: Ohne Kompetenz, Autorität und Entscheidungsgewalt über

bestimmte Dinge bekommt man nicht einmal Transparenz hin. Das muss klar sein. Und es

geht ja bei dem Masterplan in der ersten Stufe darum, Transparenz zu schaffen. Eigentlich

sind wir jetzt an diesem Punkt, Konsens darüber zu schaffen, dass die Stufe eins überhaupt

angegangen werden soll, nämlich Transparenz herzustellen. Und wenn der Konsens nicht da

ist und der auch nicht untermauert ist durch Kompetenz – auch durch formale – dann

kriegen Sie keine belastbaren Zahlen hin. Sie erinnern sich vielleicht noch an unsere

Diskussion um belastbare Zahlen und welche Zahl und welche Aussage gelten. Selbst wenn

Sie alle mit Blut unterschreiben lassen beim Lenkungsausschuss Nummer 24, dass ab jetzt

an keiner Zahl mehr gezweifelt werden darf – beziehungsweise es darf gezweifelt werden,

es darf auch falsch sein. Aber es muss die Basis sein für Entscheidungen – dann werden Sie

in der Lenkungsausschusssitzung 48 erfahren, dass die Zahlen aus der 24. Quatsch waren,

obwohl eigentlich die Autorität da war. Man muss mit mehr formaler Kompetenz an solche

Dinge herangehen, sonst ist es ganz schwierig, belastbare Zahlen auch für Entscheidungen

und Entscheidungsgrundlagen für andere, die Entscheidungen treffen sollen, vorzubereiten.

Dr. Manfred Beck: Als Überzeugungstäter in Sachen Metropolentwicklung wäre mir

unmittelbar in Anknüpfung an Herrn Dr. Ochsenbauer ein Punkt wichtig. Und das ist ein

Stück weit Antwort auf die Frage, die Herr Rohrberg vorhin gestellt hatte. Ich glaube auch,

dass es notwendig ist, dass die Kommunen Kompetenzen abgeben. Das können aber nicht

die Verwaltungen tun, sondern der Appell muss dringend an die Regional- und

Landesstrukturen der Parteien gehen. Arbeiten Sie daran, denn nur, wenn es politisch

getragen ist, können wir es umsetzen.

Dr. Dieter Nellen: Herr Dr. Beck, das ist ein so wunderbares Schlusswort für einen

Regionalverband und jede weitere Bemerkung von mir würde diesen Eindruck jetzt nur

mindern. Herzlichen Dank!

51


MASTERPLAN SPORT RUHR

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MASTERPLAN SPORT RUHR

WORKSHOP BÄDER 2009

55 Teilnehmer - Räumliche Verteilung

WORKSHOP BÄDER O9

§ RVR

§ Bäderbetriebe Berlin

§ IAKS Sportwissenschaft

WES

TEILNEHMER > > >

OB

DU MH

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§ Innenministerium NRW

§ Medien § Deutscher Städtetag

E

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RE

HER

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Kommunalverwaltung Bäderbetreiber

Sportselbstverwaltung

DO

HA

UN

HAM

§ Deutsche Gesellschaft für das

Badewesen

§ Schwimmverband NRW

§ Olympia-Stützpunkt Rhein-Ruhr

§ Landessportbund NRW

§ Stadt- und Kreissportbünde

§ Städtenetzwerk NRW


Bädermetropole Ruhr

TEILNEHMER DES WORKSHOPS

Dr. Manfred Beck Stadt Gelsenkirchen

Tobias Bolsmann WAZ Rhein-Ruhr

Wolfhard Brüggemann Bottroper SportBund

Wilfried Cleven Mülheimer SportService

Klaus Diekmann Rat der Stadt Essen

Siegfried Döring Bayer News Channel

Dr. Barbara Duka Stadt Marl

Franz Dümenil Revierpark Nienhausen

Jana Dutschke "Niederrhein-Therme" Duisburg

Dr. Johannes Eulering Verbandsversammlung Regionalverband Ruhr

Dietmar Fritzsche Projektbüro Kusch

Dieter Funke Regionalverband Ruhr

Dietmar Galla Sport- und Bäderbetriebe Essen

Dr. Bernhard Graf von Schmettow Essener Sportbund

Michael Gustrau Regionalverband Ruhr

Achim Haase LandesSportBund NRW

Martina Hadlich Sport- und Bäderamt Bochum

Andrea Hamm idr informationsdienst Ruhr

Jens Hapke Regionalverband Ruhr

Franz Hering Stadtsportbund Duisburg

Klaus Hinnenkamp Regionalverband Ruhr

Dirk Hohensträter Sport- und Bäderbetriebe Moers

Axel Bernhard Hoppe Regionalverband Ruhr

Dr. Eva Maria Hubbert Regionalverband Ruhr

Christian Hülsmann Stadt Essen

Isabell Hütten "Atlantis" Dorsten

Dietmar Ingenerf Stadt Oberhausen

Heinz-Gerd Janssen DuisburgSport

Rudolf Jelinek Rat der Stadt Essen

Birgit Kahlert Freizeitbad Neukirchen-Vluyn

Martina Kalthoff Regionalverband Ruhr

Wolfgang Kern "Platsch" Ennepetal

Roland Kettler Stadtwerke Osnabrück

Gerd Kießlich Stadt Bottrop

Heinz-Dieter Klink Regionalverband Ruhr

Christoph Köther Hagenbad

Paul Lawitzke Regionalverband Ruhr

Dr. Klaus Lipinsky Berliner Bäder-Betriebe

Heinz Moseler Mülheimer SportService

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MASTERPLAN SPORT RUHR

Dr. Christoph Müllmann Stadt Kamp-Lintfort

Dr. Dieter Nellen Regionalverband Ruhr

Jana Neumann Sport- und Bäderamt Bochum

Dr. Christian Ochsenbauer Deutsche Gesellschaft für das Badewesen

Reinhard Plettenberg "Atlantis" Dorsten

Arnd Pricibilla Städtenetzwerk NRW

Wolfgang Rohrberg Essener Sportbund

Inta Rose Regionalverband Ruhr

Frank Rose Prova Unternehmensberatung

Dr. Rudolf Salmen Schwimmverband NRW

Stefanie Schindelbauer Stadt Hagen

Günter Schlesinger IAKS

Bernd Schmidt-Knop Grün und Gruga Essen

Jan Schmitz Freier Journalist

Klaus Scholz Essener Sportbund

Niclas Stucke Deutscher Städtetag

Frank Tusche Innenministerium NRW

Ulla Wiederhold Olympiastützpunkt Rhein-Ruhr

Martin Wirtz Regionalverband Ruhr

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