2002/4 bfu aktuell
2002/4 bfu aktuell
2002/4 bfu aktuell
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Zeitschrift für Unfallverhütung<br />
in Strassenverkehr, Sport, Haus + Freizeit<br />
<strong>bfu</strong> <strong>aktuell</strong> 2<br />
8Beifahrende im Auto:<br />
Ihr Verhalten beeinflusst<br />
die Fahrweise<br />
der Person am Steuer<br />
10<br />
Safety in Adventures:<br />
Ein neues Label für<br />
mehr Sicherheit bei<br />
Risiko-Sportarten<br />
17<br />
Rote Karte im<br />
Strassenverkehr:<br />
Fahrausweisentzug<br />
nach Verwarnung<br />
0 0 2 / 4
editorial inhalt<br />
2<br />
Mitfahrende können helfen<br />
Im vergangenen Jahr konnte die Zahl der Getöteten<br />
im Strassenverkehr von 583 auf 544 verringert<br />
werden. Die <strong>bfu</strong> versucht auf vielfältige Weise<br />
diese positive Entwicklung weiter zu fördern. Die<br />
wichtigsten Möglichkeiten zur Verbesserung der<br />
Verkehrssicherheit sind sicherere Fahrzeuge und<br />
Strassenraumgestaltung, polizeiliche<br />
Verkehrsüberwachung in Bezug<br />
auf Alkohol, Geschwindigkeit<br />
und Gurtentragen sowie die Beeinflussung<br />
des Verhaltens der Lenkerinnen<br />
und Lenker.<br />
Ein Aspekt, der bisher wenig berücksichtigt<br />
wurde, ist die Rolle der<br />
Mit- oder Beifahrenden. Wie die<br />
renommierten Verkehrspsychologen<br />
Dr. Ellinghaus und Prof. Schlag<br />
aus Deutschland aufzeigen, üben<br />
diese einen Einfluss auf das Fahrverhalten<br />
– und somit auch auf das Unfallrisiko –<br />
aus. Junge Lenker werden durch Beifahrer eher zu<br />
risikofreudigerer Fahrweise animiert, bei Lenkenden<br />
über dreissig Jahre haben Mitfahrende eine<br />
schützende Wirkung, indem sie beispielsweise auf<br />
Gefahren aufmerksam machen.<br />
Die Autoren kommen zum Schluss, dass Beifahrende<br />
ihr Sicherheitspotenzial nicht ausschöpfen.<br />
Sie könnten einen noch grösseren Beitrag zur Verkehrssicherheit<br />
leisten, indem sie die Lenkenden<br />
für gutes Verhalten loben, wenig Kritik äussern und<br />
nicht mit ihnen in Streit geraten. Natürlich sind<br />
nicht nur die Mitfahrenden für ein angenehmes soziales<br />
Klima im Fahrzeug verantwortlich, auch die<br />
Fahrerinnen und Fahrer haben ihren Anteil daran.<br />
Bei rund jedem fünften Unfall mit einem Personenwagen<br />
ist ein Beifahrer anwesend. In diesen Fällen<br />
kann eine gute Kommunikation zwischen den<br />
Fahrzeuginsassen ein weiterer Schritt in Richtung<br />
besserer Verkehrssicherheit sein.<br />
<strong>2002</strong>/4 <strong>bfu</strong> <strong>aktuell</strong><br />
Raphael D. Huguenin, Vizedirektor <strong>bfu</strong><br />
2 editorial<br />
inhalt<br />
3 <strong>aktuell</strong><br />
impressum<br />
4 expo.02<br />
Die <strong>bfu</strong>-Liners am Expo-<br />
Gigathlon<br />
Lachen ist gesund<br />
SIGNALSCHMERZ im Test<br />
8 thema<br />
«Pass doch auf!» «Fahre ich<br />
oder fährst du?»<br />
10 sport<br />
Safety in Adventures<br />
12 haus + freizeit<br />
Treppen: Die Visitenkarte<br />
eines Gebäudes<br />
14 strassenverkehr<br />
Nicht irgendein Geländer<br />
Sichere Autofahrt im<br />
Elektrorollstuhl<br />
In die Stadt – ohne mein Auto<br />
17 recht<br />
Fussballregeln im<br />
Strassenverkehr<br />
18 partner<br />
Unfallverhütung in der Armee<br />
19 sicherheitsdelegierte<br />
Kunst und Sicherheit Teil III:<br />
Aufhalten in Berlinen<br />
20 aus aller welt<br />
service
<strong>aktuell</strong><br />
CDs zum Schulbeginn<br />
Seit einigen Wochen sind in der ganzen<br />
Schweiz wieder rund 80 000 Erstklässler<br />
und ebenso viele Kindergärteler als Neulinge<br />
im Strassenverkehr unterwegs. Mit<br />
Plakaten und einem TV-Spot hat die <strong>bfu</strong> an<br />
die motorisierten Strassenbenützer appelliert,<br />
in der Nähe von Kindern vorsichtig zu<br />
fahren und bremsbereit zu sein.<br />
Ebenfalls zum Thema Schulbeginn hat Peter<br />
Reber mit Unterstützung der <strong>bfu</strong> eine<br />
neue CD herausgegeben: «Ds Hippigschpängschtli<br />
uf em Schuelwäg». Die legendäre<br />
Gespensterfigur muss zum ersten<br />
Mal hinaus aus dem Schloss zur Schule und<br />
ist natürlich auch zum ersten Mal allein<br />
unterwegs auf der Strasse. Von seinen<br />
Freunden, der «Schlosskapelle Dudelpack»,<br />
erhält das «Gschpängschtli» Tipps für den<br />
Schulweg. Auf spielerische und unterhaltsame<br />
Weise erfahren die Kinder, wie man<br />
sich im Strassenverkehr richtig verhält. Die<br />
CD ist nur auf Deutsch erhältlich.<br />
Alles im Griff?<br />
Ein Fünftel unserer Bevölkerung hat den Alkohol<br />
alles andere als im Griff. Allein in der<br />
Altersgruppe der 15- bis 24-Jährigen zählt<br />
Aktueller Spot zu «Alles im Griff?»<br />
4. <strong>bfu</strong>-Forum<br />
Das diesjährige Forum findet statt am<br />
28. November <strong>2002</strong>, 16.00 Uhr in<br />
Bern.<br />
Schwerpunkt ist das Thema «Safety Audits»(Sicherheitsverträglichkeits-Prüfung).<br />
Als Gastreferent konnte Dr. David<br />
Lynam aus Grossbritannien gewonnen<br />
Peter Reber mit Schulkindern.<br />
In französischer Sprache gibt es zum gleichen<br />
Thema die CD «attends! regarde!<br />
écoute!», unter anderem mit Liedern von<br />
fast die Hälfte zur Risikogruppe der<br />
Rauschtrinker (sog. Bingers). Gewohnheiten<br />
– auch Trinkgewohnheiten – lassen sich<br />
nicht von heute auf morgen verändern.<br />
Doch mit gezielter Aufklärung und Sensibilisierung<br />
sind Verbesserungen<br />
möglich. «Alles im<br />
Griff?» – ein Präventionsprogramm<br />
zum Umgang mit<br />
Alkohol des Bundesamts für<br />
Gesundheit läuft schon im<br />
vierten Jahr. Zurzeit ist im<br />
Kino und Fernsehen der<br />
Spot «Schau zu dir und<br />
nicht zu tief ins Glas» zu<br />
sehen. Weitere Infos und<br />
Gratis-Spiel «Spacebar»:<br />
www.alles-im-griff.ch.<br />
werden. Vorgesehen ist auch eine Podiumsdiskussion.<br />
Das Forum richtet sich<br />
an Fachleute, Medienschaffende und<br />
weitere Interessierte.<br />
Eine detaillierte Einladung ist erhältlich<br />
bei Christina Schärer, <strong>bfu</strong> (c.schaerer@<strong>bfu</strong>.ch).<br />
Die Platzzahl ist beschränkt,<br />
Anmeldungen werden nach<br />
dem Eingangsdatum berücksichtigt.<br />
Jacky Lagger (sie wurde im letzten <strong>bfu</strong> <strong>aktuell</strong><br />
vorgestellt). Die CD enthält auch die<br />
Instrumentalversionen und wird zusammen<br />
mit einem Büchlein mit Liedtexten,<br />
Partituren, Gitarrenakkorden und <strong>bfu</strong>-Tipps<br />
abgegeben.<br />
Beide CDs können mit beigelegter Fax-<br />
Antwort oder unter www.<strong>bfu</strong>.ch bzw.<br />
www.bpa.ch zum Sonderpreis von je Fr.<br />
12.– inkl. Versandkosten bestellt werden.<br />
impressum<br />
<strong>bfu</strong> <strong>aktuell</strong> <strong>2002</strong><br />
Erscheint im Februar, April, Juni, September<br />
und Dezember auf Deutsch, Französisch und<br />
Italienisch. Jahresabonnement: Fr. 20.–<br />
Herausgeberin:<br />
Schweizerische Beratungsstelle für<br />
Unfallverhütung <strong>bfu</strong><br />
Postfach 8236, 3001 Bern<br />
Telefon 031 390 22 22, Telefax 031 390 22 30<br />
info@<strong>bfu</strong>.ch, www.<strong>bfu</strong>.ch<br />
Redaktion:<br />
Atalantic GmbH, Ursula Marti Reichardt<br />
Tannenweg 12a, 3012 Bern<br />
Telefon 031 305 55 66, Telefax 031 305 55 60<br />
ursula.marti@atalantic.com<br />
Übersetzung: Bilder:<br />
Hedy Rudolf <strong>bfu</strong> (wenn nicht anders<br />
vermerkt)<br />
Abonnemente, Layout, Druck, Spedition:<br />
Druckerei Schüler AG<br />
Jurastrasse 10, 2501 Biel<br />
Telefon 032 329 27 27, Telefax 032 329 27 37<br />
<strong>bfu</strong><strong>aktuell</strong>@schueler-printing.ch.<br />
Adressänderungsmeldungen bitte mit Vermerk<br />
«<strong>bfu</strong> <strong>aktuell</strong>»<br />
<strong>bfu</strong> <strong>aktuell</strong> <strong>2002</strong>/4<br />
3
E P O O 2<br />
Der Expo-Gigathlon, eine<br />
«Tour de Suisse» mit 5 Disziplinen,<br />
war eine einmalige<br />
Mischung aus Sport-Grossveranstaltung<br />
und Abenteuer.<br />
Mit dabei waren auch<br />
die <strong>bfu</strong>-Liners, ein Team aus<br />
2 Athletinnen, 3 Athleten<br />
und 2 Betreuern.<br />
Die <strong>bfu</strong>-Liners<br />
am Expo-Gigathlon<br />
Rund 10 000 Sportlerinnen und Sportler<br />
mit ihren fast 1000 Supportern, 400 Crew-<br />
Mitglieder und Tausende von Helferinnen<br />
und Helfern erwarteten mit Spannung den<br />
Startschuss zur ersten Etappe auf der Arteplage<br />
in Yverdon-les-Bains. Für die von der<br />
<strong>bfu</strong> gesponserten «<strong>bfu</strong>-Liners» sprang<br />
Bernhard frühmorgens in den Neuenburgersee<br />
und eröffnete für das Team die<br />
grosse und anstrengende Reise rund um<br />
die Schweiz.<br />
Auch die andern Teammitglieder kamen<br />
noch am gleichen Tag zum Einsatz: Nachdem<br />
Bernhard seine 2,5 km geschwommen<br />
war, stieg Daniela aufs Mountainbike, mit<br />
dem sie eine 33 km lange Strecke hinter<br />
sich brachte. Bei schwierigen Passagen<br />
musste sie das Velo oft stossen und so<br />
fragte sie sich am Ende, ob die Disziplin<br />
nicht eher Wandern als MTB genannt werden<br />
sollte. Danach war Gianni, der einzige<br />
<strong>bfu</strong>-Mitarbeiter im Team, an der Reihe.<br />
Nach 19 km Inline-Skating übergab er mit-<br />
4<br />
<strong>2002</strong>/4 <strong>bfu</strong> <strong>aktuell</strong><br />
ten in einem Steilhang an seine Frau Giuli,<br />
die auf dem Rennvelo wartete. Im Gedränge<br />
fand er sie kaum, obwohl sie nur einen<br />
Meter vor ihm entfernt wartete. Giuli<br />
genoss danach die schönste Veloabfahrt<br />
ihres Lebens und gab den Chip nach 90 km<br />
an Hans weiter, der nach einem Lauf von 15<br />
km die letzte Etappe des ersten Renntages<br />
erfolgreich beendete. Nicht minder anstrengend<br />
war der Tag für die Betreuer Ronnie<br />
und Patrick, die sich als Fahrer der Begleitfahrzeuge<br />
(<strong>bfu</strong>-Bus und Camper) betätigten,<br />
daneben zig andere Aufgaben übernahmen<br />
und dabei viel Organisationstalent,<br />
Stressresistenz und praktisches Geschick<br />
beweisen mussten.<br />
Anstrengende Tage und<br />
kurze Nächte<br />
Die <strong>bfu</strong>-Liners: v.l.n.r. Gianni, Patrick, Hans, Giuli, Ronnie, Daniela, Bernhard.<br />
Es folgten sechs weitere, zum Teil noch intensivere<br />
Tage. Die Reise führte rund um die<br />
ganze Schweiz, über Berg und Tal und<br />
durch Seen und Flüsse. Jedes der fünf Mitglieder<br />
bewältigte täglich eine Etappe, wobei<br />
sie sich in den Disziplinen abwechselten.<br />
Dass alle in allen Sportarten starten<br />
konnten, war eine Stärke der <strong>bfu</strong>-Liners. So<br />
war für Abwechslung gesorgt und die Belastungen<br />
wurden besser auf die verschiedenen<br />
Körperteile und Muskeln verteilt. Dieses<br />
System bedeutete aber auch, dass die<br />
Etappen sehr oft nicht von so genannten<br />
Spezialisten, sondern von Allroundern absolviert<br />
wurden, was von vornherein klarmachte,<br />
dass die <strong>bfu</strong>-Liners nicht um einen<br />
vorderen Rang mitkämpfen würden. Überhaupt<br />
hat sich das Team bezüglich Rang<br />
und Zeit keine Ziele gesetzt. Vielmehr ging<br />
es darum, an diesem aussergewöhnlichen<br />
Anlass dabei zu sein, die Schweiz einmal<br />
ganz anders zu erleben und gemeinsam gesund<br />
am Ziel anzukommen.<br />
Die Tagwacht war für das ganze Team meistens<br />
um 4.00 Uhr früh. Danach hiess es
Zelte abbrechen, Frühstück holen, Kleider,<br />
Ausrüstung und Geräte ins richtige Auto<br />
packen und losfahren an die zwei ersten<br />
Etappenorte. Von frühmorgens bis spätabends<br />
war immer jemand auf einer<br />
Etappe unterwegs. Die andern fuhren in<br />
den Autos an ihre nächsten Einsatzorte,<br />
standen Stau, holten Schlaf nach, verpflegten<br />
sich und feierten und sangen, wenn sie<br />
per SMS vernahmen, dass ein Teammitglied<br />
sein Ziel erreicht hatte. Am Abend dann, in<br />
der Zeltstadt, mussten ein Platz gefunden<br />
und die Zelte aufgestellt werden, danach<br />
wurden Kleider aufgehängt, Material geflickt<br />
und für den nächsten Tag vorbereitet.<br />
Das Nachtessen konnte bei der Ausgabestelle,<br />
die manchmal recht weit entfernt<br />
war, geholt werden. Nachtruhe gabs meistens<br />
erst gegen 23.00 Uhr.<br />
Alle haben durchgestanden<br />
Das Teamleben gestaltete sich nicht so einfach<br />
wie erhofft. Die Tage waren extrem<br />
lang, alle wurden zunehmend erschöpfter.<br />
Die sportlichen Einsätze forderten viel<br />
Kraft, die Energie für längere Gespräche<br />
oder gemeinsame Aktivitäten fehlte. Sie<br />
waren so müde, dass sie, so Patrick, «nicht<br />
mehr wussten, mit welchem Finger das Radio<br />
abstellen». Schon am zweiten Tag<br />
wurde klar, dass es nicht sinnvoll war, wie<br />
ursprünglich geplant, das Nachtessen gemeinsam<br />
einzunehmen. Das Warten, bis<br />
auch der oder die Letzte angekommen war,<br />
raubte zu viel Kraft und Schlafenszeit.<br />
Auf die sportlichen Leistungen angesprochen,<br />
meint Gianni Scaramuzza: «Schwimmen<br />
war unsere beste Disziplin, dagegen<br />
war niemand von uns aufs Mountainbiken<br />
spezialisiert, was sich in den Zeiten niederschlug.<br />
Sehr erfreulich und nicht selbstverständlich<br />
war, dass auch unsere weniger erfahrenen<br />
Teammitglieder alle ihre Etappen<br />
durchgestanden haben.» Es gab auch harte<br />
Situationen, vor allem beim Schwimmen.<br />
Z. B. als Gianni im 14 Grad kalten Davoser<br />
See vorübergehend von Crawl auf Brustschwimmen<br />
wechseln musste, weil er den<br />
Kopf nicht mehr im kalten Wasser halten<br />
konnte oder als Giuli im dunklen Lago<br />
Maggiore mit angelaufener Brille die<br />
Orientierung verlor.<br />
Die <strong>bfu</strong>-Liners hatten viele Störungen wie<br />
platte Reifen, eine Autopanne und kleinere<br />
gesundheitliche Probleme. Dafür blieben<br />
sie von grösseren Unfällen und Verletzungen<br />
verschont. Immer eine komplette<br />
Schutzausrüstung zu tragen, war für das<br />
Team selbstverständlich – auch beim Inline-Skating,<br />
wo sich viele andere nur auf<br />
den vorgeschriebenen Helm und etwa noch<br />
einen Handschutz beschränkten. Jedem<br />
Gruppenmitglied war bewusst, dass es<br />
keine Sicherheitsrisiken eingehen durfte,<br />
schliesslich stand der Erfolg des ganzen<br />
Teams auf dem Spiel.<br />
Glück im Unglück<br />
Ganz von Stürzen verschont blieben die<br />
<strong>bfu</strong>-Liners trotzdem nicht: Gianni wurde<br />
zwischen Seewen (SO) und Bretzwil (BL)<br />
auf dem Mountainbike bei hoher Geschwindigkeit<br />
abgedrängt und stürzte mit<br />
seinem Velo rund zweieinhalb Meter in einen<br />
Bach hinunter. Wie durch ein Wunder<br />
kam er mit ein paar Schrammen davon und<br />
blieb das Velo fahrtüchtig. Pikantes Detail:<br />
Der Fahrer, der ihn abgedrängt hatte, fuhr<br />
einfach weiter. Dafür hielt ein «Single» an,<br />
der alle 35 Etappen des Gigathlon selber<br />
absolvierte (!), und half Gianni wieder auf<br />
die Beine! Im Allgemeinen war die Hilfsbereitschaft<br />
zwischen den Athletinnen und<br />
Athleten sehr gross, vor allem unter jenen,<br />
die die ganze Woche im Einsatz waren.<br />
Nach zurückgelegter Strecke von 1477<br />
Kilometern mit 21 000 Höhenmetern war<br />
nach sieben langen Tagen und kurzen<br />
Nächten das Ziel auf der Expo-Arteplage in<br />
Biel erreicht. Die <strong>bfu</strong>-Liners liessen es sich<br />
nicht nehmen gemeinsam einzulaufen. Die<br />
Freude war riesig – «wir haben gefinisht!»<br />
Gianni Scaramuzza zeigte sich rückblikkend<br />
sehr zufrieden: «Neben dem Erreichen<br />
des sportlichen Ziels haben wir etwas Einmaliges<br />
erlebt und konnten viele besondere<br />
Eindrücke mit nach Hause nehmen.<br />
Ich war auch sehr erstaunt, wie gut die<br />
Organisation klappte und es war toll, wie<br />
sich die meisten Teilnehmenden flexibel<br />
und kollegial verhalten haben.»<br />
<strong>bfu</strong> <strong>aktuell</strong> gratuliert dem Team zu seinem<br />
Erfolg!<br />
Ursula Marti<br />
Das Team<br />
Gianantonio Scaramuzza<br />
Der <strong>bfu</strong>-Verkehrsingenieur trieb 13<br />
Jahre lang intensiv Triathlon. Sein<br />
grösster Erfolg: Finisher am Ironman<br />
Hawaii 2001.<br />
Patrick Eberling (Supporter)<br />
Er war bis vor kurzem ebenfalls Verkehrsingenieur<br />
bei der <strong>bfu</strong>. Sein grösstes<br />
sportliches Ziel ist, um die Welt zu segeln.<br />
Hans Rüfenacht<br />
Der Koch und Apparatebauer aus Winterthur<br />
war 2000 am New Yorker-Marathon<br />
und ist schon fünfmal den Jungfrau-Marathon<br />
gelaufen.<br />
Giuliana Scaramuzza<br />
Die Mutter, Hausfrau und Pflegeassistentin<br />
war Team-Captain der <strong>bfu</strong>-<br />
Liners. Sie hat schon an verschiedenen<br />
Triathlons teilgenommen und immer<br />
«gefinisht».<br />
Ronnie Feller (Supporter)<br />
Obwohl als Betreuer im Einsatz, hat der<br />
System-Spezialist auch sportliche Erfolge<br />
auszuweisen: Der 100km-Lauf von<br />
Biel und diverse Du- und Triathlons.<br />
Daniela Rufener<br />
Die Dentalassistentin aus Thun war die<br />
Jüngste im Team und hat schon zweimal<br />
den Jungfrau-Marathon, das 12-Stunden-Inline-Race<br />
und diverse Läufe absolviert.<br />
Bernhard Hari<br />
Der Informatik-Ingenieur hat an verschiedenen<br />
Läufen und Triathlons in den<br />
USA und der Schweiz teilgenommen.<br />
Sein nächstes Ziel: der Ironman 2003.<br />
<strong>bfu</strong> <strong>aktuell</strong> <strong>2002</strong>/4<br />
5
E P O O 2<br />
Lachen<br />
ist gesund<br />
Die Quelle des Lachens.<br />
Die «Quelle des Lachens» ist eine Installation<br />
der Gesundheitsförderung Schweiz, erstellt<br />
im Rahmen der Kampagne «FeelYour-<br />
Power». Das Lachlabyrinth ist eine Art<br />
Gegenpol und Ergänzung zu SIGNAL-<br />
SCHMERZ, der Ausstellung der <strong>bfu</strong> und<br />
Partnerorganisationen. Beide Projekte wollen<br />
das Wohlbefinden und die Gesundheit<br />
der Menschen fördern.<br />
Das Labyrinth liegt auf einem der künstlichen<br />
Hügel der Arteplage. An den Hängen<br />
blühen Margeriten, oben auf der kleinen<br />
Plattform bilden Thuja-Hecken ein Labyrinth.<br />
Die Besuchenden hören auf ihrem<br />
Weg zu den Ausstellungen verschiedenartiges<br />
Gelächter, das am Fusse des Hügels aus<br />
versteckten Lautsprechern ertönt. Neugierig<br />
geworden begeben sie sich auf die kleinen<br />
Wege, die hinauf zum Labyrinth führen.<br />
Dort hören sie das Gelächter, das aus der<br />
Mitte des Gartens ertönt. Die Hecken sind<br />
nur etwa einen Meter hoch und man findet<br />
schnell zum Zentrum. Hier, inmitten eines<br />
kleinen runden Platzes, entdeckt man sie,<br />
die Quelle des Lachens: sich selber. Die Besuchenden<br />
blicken in einen runden Spiegel<br />
hinab und ein herzhaftes Lachen schallt<br />
6<br />
<strong>2002</strong>/4 <strong>bfu</strong> <strong>aktuell</strong><br />
ihnen entgegen. Es wird klar, dass der Ursprung<br />
des Lachens letztendlich in uns selber<br />
zu finden ist.<br />
Möglich sind aber auch andere Assoziationen:<br />
z. B., dass die Heiterkeit aus einer kosmischen<br />
Quelle des Überflusses kommt. Es<br />
könnte ja sein, dass das Erdinnere oder das<br />
Universum voller Lachen ist und dass für<br />
die Menschen gerade jetzt die Zeit gekommen<br />
ist, dieses Lachen aufzugreifen…<br />
Ein gesundheitsfördernder Impuls<br />
Das Lachlabyrinth soll den Menschen ermöglichen,<br />
die Erfahrung des freien Lachens<br />
zu machen. Freies, ausgelassenes<br />
Gelächter gehört in unserer Kultur nicht zur<br />
Tagesordnung. An einer etwas heitereren<br />
Lebensführung hindern uns noch viele eingeschliffene<br />
Denkmuster unserer modernen<br />
Gesellschaft. Doch die Zeit ist reif für<br />
eine gesündere und einfachere Art, mit<br />
dem Leben umzugehen!<br />
Wiederholtes, regelmässiges Lachen in einer<br />
Gruppe erhöht das Wohlbefinden: Die<br />
sozialen Kontakte werden gestärkt, die Ver-<br />
Lachen ist eine<br />
natürliche Schmerzbekämpfung,<br />
fördert<br />
die Beziehung<br />
zwischen Menschen<br />
und stärkt das<br />
Selbstvertrauen.<br />
Die Besuchenden<br />
der Arteplage in<br />
Yverdon-les-Bains<br />
können sich von der<br />
Quelle des Lachens<br />
anstecken lassen.<br />
bundenheit mit den Mitmenschen intensiviert<br />
sich, der Isolation wird vorgebeugt.<br />
Auf die Dauer entwickelt sich ein durchwegs<br />
positives Lebensgefühl, das auch gesundheitliche<br />
Auswirkungen hat.<br />
Aus «Quelle des Lachens»,<br />
Gesundheitsförderung Schweiz<br />
Die positive Wirkung<br />
des Lachens<br />
• Allgemeines Wohlbefinden<br />
• Entspannung<br />
• Natürliche Schmerzbekämpfung<br />
• Linderung bei Depressionen und<br />
Angst<br />
• Heilende Wirkung bei hohem Blutdruck<br />
und Herzkrankheiten<br />
• Stärkung des Immunsystems<br />
• Erleichterung bei Bronchitis und<br />
Asthma<br />
• Förderung der persönlichen Beziehungen<br />
• Stärkung des Selbstvertrauens
E P O O 2<br />
Die Architektur des Pavillons kommt besonders gut an.<br />
SIGNALSCHMERZ<br />
im Test<br />
Eine erste Befragung der Besuchenden er-<br />
gab, dass die Ausstellung der <strong>bfu</strong> und ihrer<br />
Partner gut gefällt und inhaltlich wahrgenommen<br />
wird, jedoch nicht unbedingt<br />
Nachdenklichkeit auslöst.<br />
Aufgrund von 170 Interviews konnte die<br />
<strong>bfu</strong> eine erste Evaluation durchführen, die<br />
zeigt, wie der Pavillon SIGNALSCHMERZ<br />
bei den Besuchenden ankommt.<br />
Das Äussere des Pavillons, und damit auch<br />
die Architektur, gefällt rund 90 Prozent der<br />
Befragten sehr gut oder gut. Hinsichtlich<br />
der Originalität der Innengestaltung fällt<br />
das Urteil sogar noch leicht besser aus.<br />
Eine wichtige Frage war, ob überhaupt bemerkt<br />
wurde, dass an den Schläuchen etwas<br />
zu hören ist. 66 Prozent der Befragten<br />
haben dies selber bemerkt und 22 Prozent<br />
wurden darauf aufmerksam gemacht. Im<br />
Ganzen haben etwa zwei Drittel der Befragten<br />
an den Schläuchen gehorcht; der<br />
Inhalt des Gesagten (Fachleute und Betroffene<br />
erzählen von Schmerz) wird insgesamt<br />
stark unterschiedlich beurteilt.<br />
Besonders spannend war die Frage, ob die<br />
Besuchenden das Thema des Pavillons –<br />
Schmerz als Signal – überhaupt wahrge-<br />
nommen haben. Gut zwei Drittel konnten<br />
das Thema im weitesten Sinn richtig beschreiben.<br />
Die restlichen konnten es nicht<br />
eruieren oder nannten ganz andere Themen,<br />
wie zum Beispiel Gehör, Dschungel,<br />
Spaghetti, Plastik/Wiederverwertung oder<br />
Anerkennungslosigkeit. Bei nur etwa einem<br />
Viertel der Befragten hat der Pavillon stark<br />
oder sehr stark zum Nachdenken angeregt.<br />
Obwohl bei der Ausstellung selber keine<br />
Hinweise gegeben werden, welche Organisationen<br />
dahinter stehen, konnte rund die<br />
Hälfte der Befragten darüber Angaben machen.<br />
Am meisten wurden die <strong>bfu</strong> und die<br />
Suva mit je 33 Prozent genannt.<br />
Die Gesamtbeurteilung des Pavillons fiel<br />
sehr positiv aus. Er wurde von drei Vierteln<br />
der Befragten als insgesamt gut oder sehr<br />
gut eingestuft.<br />
Aus «Sofortevaluation Expo.02/<br />
Pavillon SIGNALSCHMERZ», <strong>bfu</strong><br />
Mit Velos und Skates unterwegs<br />
Ein attraktives Netz für alle Human Powered<br />
Mobility-Fahrzeuge mit 170 km Velound<br />
90 km Skatingrouten verbindet die Arteplages<br />
der Expo.02. Auf dem dichten,<br />
durchgehend signalisierten Netz wurden<br />
mit Unterstützung der <strong>bfu</strong> alle grösseren<br />
Gefahrenstellen beseitigt – die Routen<br />
durch die wunderschöne Drei-Seen-Region<br />
sind rundum empfehlenswert!<br />
Die Mitnahme des eigenen Velos mit dem<br />
Zug ist mit Einschränkungen verbunden.<br />
Einfacher ist es, Velos (auch Liege-, Windschatten-<br />
und Behindertenvelos), Kinderanhänger<br />
und Inline-Skates an den Expo-<br />
Bikestationen zu mieten. An neun Bahnhöfen<br />
im Seeland stehen zudem 400<br />
Countrybikes der SBB bereit.<br />
Informieren Sie sich frühzeitig! Für Reservationen<br />
der Expo-Mietflotte: www.bikestation.ch,<br />
Tel. 032 333 25 25. Für Reservationen<br />
der SBB-Mietvelos: www.rentabike.ch,<br />
an Bahnhöfen oder Tel. 0900 300<br />
300 (1.19/Min.). HPM-Routenführer: www.<br />
humanpowermobility.ch.<br />
Sichere Arteplages<br />
Tausende von Menschen besuchen täglich<br />
die Expo.02. Die Sicherheit hat darum hohe<br />
Priorität, d. h., jedes unnötige Risiko muss<br />
vermieden werden und für jedes Krisenszenario<br />
braucht es ein Sicherheitsdispositiv.<br />
Im Bereich der Unfallverhütung wurden die<br />
Sicherheitsbeauftragten der Expo durch die<br />
<strong>bfu</strong> beraten und unterstützt. Neben der Sicherheit<br />
im öffentlichen und privaten Personenverkehr<br />
galt es vor allem, die zu Fuss<br />
Gehenden in der Nähe der und auf den Arteplages<br />
selber zu schützen. So wurden<br />
beispielsweise im Bereich der Brücken und<br />
Stege geeignete Absturzsicherungen montiert.<br />
Die Bodenbeläge mussten sorgfältig<br />
ausgewählt werden, damit die Besuchenden<br />
bei Nässe nicht darauf ausgleiten und<br />
stürzen. Mögliche Gefahren wurden mit<br />
guter Beleuchtung sichtbar gemacht. Ein<br />
weiterer Schwerpunkt bei der Sicherheitsberatung<br />
waren die Spiel- und Pic-Nic-<br />
Zonen. Jeder dieser Plätze und viele der<br />
Geräte sind einzigartig, und trotzdem<br />
muss ein einheitliches Sicherheitsniveau<br />
eingehalten werden.<br />
<strong>bfu</strong> <strong>aktuell</strong> <strong>2002</strong>/4<br />
7
thema<br />
Der Fahrstil ist häufigster Auslöser für Konflikte.<br />
«Pass doch auf!»<br />
Der Einfluss von Mitfahrenden<br />
auf das<br />
Verhalten des Autolenkers<br />
oder der<br />
Autolenkerin wird<br />
unterschätzt. Eine<br />
Studie zeigt auf, wie<br />
der Sicherheitsbeitrag<br />
der Beifahrenden<br />
erhöht und<br />
Risiken gemindert<br />
werden können.<br />
8<br />
<strong>2002</strong>/4 <strong>bfu</strong> <strong>aktuell</strong><br />
– «Fahre ich oder fährst du?»<br />
Beifahrende wurden lange Zeit vorwiegend<br />
als «Objekte» betrachtet, die gefahren<br />
werden. Dabei wurde übersehen, dass sie<br />
auf vielfältige Weise mit der Fahrerin oder<br />
dem Fahrer interagieren und deren Verhalten<br />
beeinflussen – meist mit sicherheitsfördernden,<br />
zum Teil aber auch mit risikosteigernden<br />
Auswirkungen.<br />
Um mehr über die psychologischen und soziologischen<br />
Aspekte des Zusammenspiels<br />
von Fahrenden und Beifahrenden zu wissen,<br />
hat der Autoreifenhersteller UNIROYAL<br />
eine Untersuchung in Auftrag gegeben.<br />
Daraus konnten interessante Thesen und je<br />
zehn Empfehlungen für Fahrende und Beifahrende<br />
formuliert werden, die nachfolgend<br />
kurz beschrieben werden. Zur Erklärung:<br />
Mit «Beifahrende» oder «Mitfahrende»<br />
sind alle Passagiere auf den Vorderund<br />
Hintersitzen gemeint, «Fahrende» sind<br />
die Autolenkerinnen und Autolenker. Die<br />
Studie wurde in Deutschland durchgeführt.<br />
Kooperation und Konflikte<br />
Eine wichtige Erkenntnis der Untersuchung<br />
ist die mangelhafte Kooperation zwischen<br />
Fahrenden und Beifahrenden. Dazu gehört,<br />
dass Aufgaben zu wenig von der fahrenden<br />
an die mitfahrende Person delegiert wer-<br />
Unfälle mit Beifahrenden<br />
2001 gab es in der Schweiz insgesamt<br />
75 304 Verkehrsunfälle. Dabei waren<br />
93 381 Personenwagen beteiligt. In<br />
73 286 dieser Personenwagen hielt sich<br />
nur eine Person auf, in 14 283 waren es<br />
zwei Personen und in den restlichen<br />
5812 waren es drei und mehr Personen<br />
(bis zu acht!). In 78,5% aller verunfallten<br />
Personenwagen war der Lenker oder<br />
die Lenkerin also allein unterwegs.
den.Am ehesten sind Beifahrende noch bei<br />
der Wegsuche behilflich, andere Aufgaben,<br />
wie z. B. einen Verkehrssender beim Radio<br />
einstellen, bleiben meist Sache der Lenkenden.Auch<br />
Hinweise auf Gefahren durch die<br />
Beifahrenden sind eher die Ausnahme, gleiches<br />
gilt für praktische Unterstützungen<br />
wie das Reichen von Getränken und Esswaren<br />
oder die Mithilfe bei technischen<br />
Problemen oder beim Tanken.<br />
Fast die Hälfte der befragten Mitfahrenden<br />
verzichtet darauf, die Person am Steuer bei<br />
erkennbarer Müdigkeit zu warnen. Nur etwa<br />
jede/r fünfte interveniert in einem derartigen<br />
Fall. Zu erklären ist diese riskante Unterlassung<br />
dadurch, dass Beifahrende sich<br />
scheuen, in die Kompetenz des Fahrers oder<br />
der Fahrerin einzugreifen. Dass derartige<br />
Bedenken nicht völlig abwegig sind, zeigen<br />
die Untersuchungen über Konflikte im Auto.<br />
Streitigkeiten zwischen der Person am<br />
Lenkrad und den Beifahrenden sind eher<br />
Zehn Empfehlungen<br />
für Fahrende<br />
1. Fahrende tragen Sorge dafür, dass<br />
Mitfahrende vorschriftsmässig gesichert<br />
sind und bleiben.<br />
2. Fahrende passen ihre Fahrweise den<br />
Bedürfnissen ihrer Mitfahrenden an.<br />
3. Fahrende vermeiden bei Mitfahrenden,<br />
die zur Bewegungskrankheit<br />
neigen (Übelkeit), stark alternierende<br />
Beschleunigungen und Verzögerungen.<br />
4. Fahrende respektieren die Pauseniwünsche<br />
der Mitfahrenden.<br />
5. Fahrende akzeptieren berechtigte<br />
Kritik an ihrem Fahrstil seitens der<br />
Mitfahrenden und verzichten auf<br />
eine ständige Kommentierung des<br />
Fahrverhaltens anderer.<br />
6. Fahrende vermeiden emotional aufgeladene<br />
Diskussionen während der<br />
Fahrt.<br />
7. Fahrende betrauen Beifahrende mit<br />
Aufgaben, die ihnen das Fahren und<br />
die Situation im Auto erleichtern.<br />
8. Auf Fehler der Beifahrenden, insbesondere<br />
bei der Wegsuche, reagieren<br />
Fahrende gelassen.<br />
9. Fahrende weisen nachdrücklich darauf<br />
hin, dass sie in schwierigen Fahrsituationen<br />
keine Ablenkung,<br />
z. B. durch Gespräche, wünschen.<br />
10. Fahrende lassen sich von ihren Beifahrenden<br />
nicht zu einer Fahrweise<br />
animieren, die sie überfordern.<br />
selten, wobei Beifahrende in der Regel weniger<br />
Probleme mit der fahrenden Person<br />
haben als umgekehrt. Die Auslöser für Konflikte<br />
sind unterschiedlicher Natur: Für Fahrende<br />
erweist sich Kritik an ihrem Fahrstil<br />
als wichtigster Störfaktor. Besonders empfindlich<br />
reagieren jüngere Lenkerinnen und<br />
Lenker.Auf der anderen Seite ist der Fahrstil<br />
aber der zentrale Auslöser für Konflikte, die<br />
Beifahrende mit den Fahrenden haben. Hier<br />
spielen vor allem zu dichtes Auffahren und<br />
zu hohe Geschwindigkeit eine zentrale<br />
Rolle. Missstimmungen treten auch auf,<br />
wenn Beifahrenden Fehler bei der Navigation<br />
unterlaufen oder bei der Wahl von Musikprogrammen.<br />
Einfluss auf Unfallrisiko<br />
Im Prinzip kann gesagt werden, dass die<br />
Anwesenheit von Mitfahrenden zu einer<br />
Senkung des Unfallrisikos führt. Allerdings<br />
gilt diese Aussage nicht für alle Fahrer-Beifahrerkonstellationen<br />
und nicht unter allen<br />
Umständen.<br />
Die Begleitung junger männlicher Beifahrer<br />
hat auf junge Lenker eine geschwindigkeitssteigernde<br />
Wirkung und fördert regelwidriges<br />
Verhalten. Das Risiko wird noch<br />
erhöht, wenn mehrere Begleiter im Auto<br />
sitzen. Der Fahrer sieht sich unter dem sozialen<br />
Druck zu Verhaltensweisen veranlasst,<br />
die seine Fähigkeiten übersteigen. Dieser<br />
negative Einfluss der Mitfahrenden dauert<br />
in der Regel bis etwa zum 25. Lebensjahr,<br />
ab dem Alter von 30 Jahren kehren sich die<br />
Verhältnisse um und auch der gleichaltrige<br />
Beifahrer hat eine dämpfende und risikosenkende<br />
Wirkung.<br />
Ältere und Kinder als Mitfahrende üben einen<br />
besonders positiven und sicherheitsfördernden<br />
Einfluss aus. Kinder veranlassen<br />
ganz besonders zu einem vorsichtigeren<br />
und rücksichtsvolleren Fahrstil. Allerdings<br />
sind sich viele Fahrende dessen nicht<br />
bewusst.<br />
Überhaupt ist interessant, dass die Einflüsse<br />
von Mitfahrenden auf die Fahrtechnik<br />
(z. B. verlängerter Bremsweg) oder auf<br />
die Regelbefolgung (z. B. tiefere Geschwindigkeit,<br />
weniger dichtes Auffahren, ungenauere<br />
Regelbeachtung) den Fahrenden<br />
vielfach nicht bekannt sind.<br />
Fazit<br />
Ein Fazit der Untersuchung ist, dass der Sicherheitsbeitrag,<br />
den Beifahrende leisten<br />
könnten, wegen mangelnder Kenntnis der<br />
Beteiligten keineswegs ausgeschöpft wird.<br />
Für diejenigen Konstellationen, in denen<br />
Beifahrende risikosteigernd wirken, müssen<br />
Konzepte entwickelt werden, die diesen<br />
Gefahren entgegenwirken.<br />
Von den Fahrenden ist ein souveränes<br />
Verhalten gefordert, das zusätzlich durch<br />
Kooperationsbereitschaft und Rücksichtnahme<br />
gegenüber den Bedürfnissen der<br />
Beifahrenden geprägt ist. Sie befinden sich<br />
in der aktiv-überlegenen Position und sollten<br />
diese nicht ausnützen.<br />
Von Beifahrenden sind ein geschickter,<br />
überlegter Umgang mit den Fahrenden –<br />
manchmal auch etwas Diplomatie – sowie<br />
Hilfsbereitschaft gefordert. Damit können<br />
sie die positive Wirkung auf die Situation<br />
im Auto und auf die Sicherheit voll entfalten.<br />
Ursula Marti<br />
Quelle: Uniroyal Verkehrsuntersuchung<br />
Band 26, Dr. Dieter Ellinghaus, Prof. Dr.<br />
Bernhard Schlag, «Beifahrer, Eine Untersuchung<br />
über die psychologischen und soziologischen<br />
Aspekte des Zusammenspiels<br />
von Fahrer und Beifahrer», Köln/Hannover<br />
2001.<br />
Zehn Empfehlungen<br />
für Beifahrende<br />
1. Beifahrende stellen die Kompetenz<br />
der Fahrenden nicht in Frage.<br />
2. Beifahrende vermeiden Kritik am<br />
Fahrstil der Fahrenden.<br />
3. Beifahrende vermeiden es, während<br />
der Fahrt Angst oder Unbehagen zu<br />
zeigen.<br />
4. Beifahrende vermeiden jeden Streit<br />
im Auto.<br />
5. Beifahrende vermeiden Lärm und<br />
richten sich bei der Radio-Lautstärke<br />
nach den Wünschen des Fahrers/der<br />
Fahrerin.<br />
6. Beifahrende vermeiden es, Fahrende<br />
unter Stress oder Zeitdruck zu setzen.<br />
7. Beifahrende geben den Fahrenden<br />
Lob und Bestätigung.<br />
8. Beifahrende helfen den Fahrenden<br />
aktiv bei der Suche nach dem Weg.<br />
9. Beifahrende achten auf den Verkehr<br />
und machen die Fahrenden auf<br />
wahrgenommene Gefahren aufmerksam.<br />
10. Beifahrende greifen ein, wenn sie<br />
den Eindruck haben, dass der Fahrer/die<br />
Fahrerin müde wird.<br />
<strong>bfu</strong> <strong>aktuell</strong> <strong>2002</strong>/4<br />
9
sport<br />
«Safety in adventures» heisst die neue<br />
Sicherheitsauszeichnung für Anbieter von<br />
Outdoor- und Abenteuer-Aktivitäten.<br />
Das Label bietet Gewähr, dass das unvermeidliche<br />
Restrisiko so klein wie möglich<br />
gehalten wird.<br />
Safety in adventures<br />
Wer an einer geführten Canyoning- oder<br />
Riverrafting-Tour oder gar an einem Bungee-Jumping<br />
teilnimmt, vertraut darauf, in<br />
sicheren Händen zu sein. Möglicherweise<br />
zu Unrecht. Denn kaum ein Tour-Gast<br />
weiss, dass in der Schweiz jede Person<br />
ohne irgendeinen Nachweis einer Ausbildung<br />
und ohne jegliche Sicherheitsauflagen<br />
solche Aktivitäten anbieten darf.<br />
Das wird auch noch einige Zeit so bleiben.<br />
Aber zumindest werden Abenteuertouristinnen<br />
und -touristen künftig auf einen<br />
Blick erkennen können, wie wichtig einem<br />
Anbieter die Sicherheit seiner Gäste ist. Die<br />
<strong>bfu</strong> und andere Organisationen haben<br />
nämlich eine Stiftung gegründet, die eine<br />
Sicherheitsauszeichnung für Anbieter von<br />
Outdoor- und Abenteuer-Aktivitäten vergibt.<br />
Das Label «Safety in adventures» bekommen<br />
jene Unternehmen, die in ihrem<br />
Betrieb ein vorgegebenes umfassendes Sicherheitskonzept<br />
umsetzen.<br />
Prüfung vor Ort<br />
Wenn sich eine Firma um die Auszeichnung<br />
bewirbt, überprüfen Fachleute einen ganzen<br />
Tag lang vor Ort, was für die Sicherheit<br />
getan wird: Sie kontrollieren, wie die Angestellten<br />
ausgebildet und ob die organisatorischen<br />
Abläufe schriftlich festgelegt sind.<br />
Sie schauen, ob die Schwimmwesten in den<br />
Raftingbooten intakt und die Bungee-Seile<br />
10<br />
<strong>2002</strong>/4 <strong>bfu</strong> <strong>aktuell</strong><br />
Riverrafting: Ein Restrisiko<br />
bleibt immer.<br />
richtig gekennzeichnet sind. Sie hören auch<br />
zu, wie die Führerinnen und Führer ihre Gäste<br />
instruieren. Die Firmen müssen Notfall-<br />
Szenarien ausgearbeitet haben und alle Sicherheitsmassnahmen<br />
schriftlich belegen<br />
können.<br />
Mit ihrem Sicherheitskonzept müssen die<br />
Firmen ein ganz konkretes Ziel erreichen:<br />
Das Risiko für einen Gast, beim Ausüben einer<br />
Abenteuersportart getötet zu werden,<br />
darf nicht höher sein als das durchschnittliche<br />
Todesfallrisiko bei einer Autofahrt.<br />
«Das Label ‹Safety in adventures› bietet<br />
den Gästen Gewähr, dass eine Firma das<br />
Menschenmögliche für ihre Sicherheit<br />
macht», erklärt Eveline Lanz, Präsidentin<br />
der Sachverständigen-Kommission von<br />
«Safety in adventures» und Projektleiterin<br />
bei der Volkswirtschaftsdirektion des Kantons<br />
Bern. «Aber ein Restrisiko bleibt trotzdem<br />
immer bestehen», schränkt sie ein.<br />
Das Sicherheitskonzept von «Safety in adventures»<br />
hat die Volkswirtschaftsdirektion<br />
des Kantons Bern entwickelt. Nun wird es<br />
zum gesamtschweizerischen Sicherheitslabel.<br />
Noch ist es eine freiwillige Auszeichnung.<br />
In rund drei Jahren könnte es allerdings<br />
zur obligatorischen Voraussetzung<br />
für alle Anbieter werden: Der Nationalrat<br />
hat nämlich beschlossen, dass es für kommerzielle<br />
Risikoaktivitäten künftig eine gesetzliche<br />
Regelung braucht.<br />
Tipps für Abenteuersportler/innen<br />
Bis sich das Sicherheitslabel «Safety in<br />
adventures» unter den Anbietern von<br />
Outdoor- und Abenteuer-Aktiväten verbreitet<br />
hat, wird es noch eine Weile dauern.<br />
Doch schon jetzt müssen sich Freizeitsportlerinnen<br />
und -sportler nicht auf<br />
gut Glück irgendeinem Anbieter ausliefern.<br />
Wenn Sie Abenteuersportarten planen:<br />
• Fragen Sie beim Reiseveranstalter<br />
oder bei der Tourismus-Organisation<br />
in der Region nach einem seriösen Anbieter,<br />
der auf die Sicherheit der Gäste<br />
bedacht ist.<br />
• Fragen Sie direkt beim Anbieter, was<br />
er für Sicherheitsmassnahmen trifft.<br />
Seien Sie vorsichtig, wenn ein Unternehmen<br />
keine klaren Antworten formulieren<br />
kann.<br />
• Fragen Sie direkt an Ort die Führerinnen<br />
und Führer, was sie in diesem<br />
oder jenem Notfall unternehmen würden.<br />
• Scheuen Sie sich nicht, den Anbieter<br />
zu wechseln, wenn Sie finden, das Unternehmen<br />
oder die Führer/innen<br />
wüssten zu wenig genau, wie sie in<br />
heiklen Situationen reagieren müssen.
Auch Anbieter profitieren<br />
Aber auch schon auf freiwilliger Basis ist<br />
das Interesse für das Label gross. «Wir gehen<br />
von 50 bis 100 Anbietern in der<br />
Schweiz aus. Gut zehn davon haben bereits<br />
ihr Interesse angemeldet», sagt Eveline<br />
Lanz. Ganz selbstverständlich ist das nicht.<br />
Das Label<br />
Bild: Interlaken Tourismus<br />
Gründungsmitglieder der Stiftung «Safety<br />
in adventures» sind neben der <strong>bfu</strong><br />
das Bundesamt für Sport, die Suva, die<br />
Kantone Bern, Zürich und Basel-Stadt,<br />
Schweiz Tourismus, Schweizer Tourismus-Verband,<br />
Swiss Outdoor Association<br />
und der Schweizer Trendsport-Verband.<br />
Zurzeit muss die Stiftung noch mit wenig<br />
Geld und viel ehrenamtlicher Arbeit<br />
auskommen. Auskünfte zu «Safety in<br />
adventure» erteilt: Luigi Arigoni,<br />
Schweizerische Vereinigung für Qualitäts-<br />
und Management-Systeme SQS,<br />
Immerhin müssen die Firmen mindestens<br />
4500 Franken für die erste umfangreiche<br />
Prüfung zahlen. Die weiteren Kontrollen<br />
kosten jährlich 1500 Franken. Doch Eveline<br />
Lanz ist überzeugt, dass sich die Investition<br />
für die Unternehmen lohnt: «Die Konsumenten<br />
und die Tourismus-Organisationen<br />
werden auf das Sicherheitslabel achten.<br />
Andere Anbieter werden kaum mehr eine<br />
Chance haben.»<br />
Davon geht auch Daniel Chézière, Geschäftsführer<br />
von Swissraft im bündnerischen<br />
Flims, aus. Er bietet seit 21 Jahren<br />
Outdoor- und Abenteuer-Aktivitäten an<br />
und bedauert, dass sich «viel Wildwuchs»<br />
verbreitet hat. «Es ist wichtig, dass nun mit<br />
der Sicherheitsauszeichnung Ordnung in<br />
dieser Branche geschaffen wird.» Chézières<br />
Swissraft ist eines der drei Unternehmen,<br />
welche als Pilotfirmen das Sicherheitskonzept<br />
auf seine Praxistauglichkeit<br />
geprüft haben.<br />
Die Überprüfung des Sicherheitsstandards<br />
seines Unternehmens sei absolut kein Problem<br />
gewesen, versichert Daniel Chézière.<br />
«Es war eher eine Bestätigung für mich,<br />
dass wir schon über 20 Jahre alles richtig<br />
gemacht haben.» Er ist ausserdem überzeugt,<br />
dass er vom Label «Safety in adventures»<br />
profitieren wird. «Die Kunden wissen<br />
es zu schätzen, dass ihnen kontrollierte<br />
Sicherheit geboten wird. Und dafür sind sie<br />
auch bereit, etwas mehr zu zahlen als bei<br />
einem Anbieter ohne diese klare Sicherheit.»<br />
Esther Diener-Morscher<br />
Ruchenbergstrasse 23, 7000 Chur. Tel.<br />
081 356 00 21, www.safetyinadventures.ch.<br />
Erwerben können das Label zurzeit Firmen,<br />
die Bungee-Jumping, Rafting,<br />
Canyoning, Kanufahren, Paragliding<br />
oder Seil-/Klettergarten-Aktivitäten<br />
einem breiten Publikum anbieten. Zu einem<br />
späteren Zeitpunkt können je nach<br />
Bedarf auch Anbieter von weiteren<br />
Abenteuer-Sportarten zertifiziert werden.<br />
Folgende drei Pilotfirmen besitzen das<br />
Sicherheitslabel bereits: Swissraft,<br />
Flims; Alpinzentrum, Gstaad; Garbely<br />
Adventure, Ulrichen.<br />
Neue Regeln für fäG<br />
Seit dem 1. August <strong>2002</strong> sind den fahrzeugähnlichen<br />
Geräten «fäG» (Inline-Skates,<br />
Rollbretter, Trottinette u. a.) gemäss<br />
neuer Version des Art. 50 der Verkehrsregelnverordnung<br />
neue Bereiche der Verkehrsflächen<br />
zugänglich. Bisher durften sie<br />
nur auf Trottoirs fahren und wurden auf Radwegen<br />
geduldet. Neu dürfen sie überall zirkulieren,<br />
wo die zu Fuss Gehenden auch dürfen,<br />
ausser auf Hauptstrassen. Dabei müssen<br />
sie auf die zu Fuss Gehenden Rücksicht nehmen<br />
und ihnen den Vortritt gewähren.<br />
Fahren sie auf Strassen mit geringem Verkehrsaufkommen,<br />
so müssen sie sich –<br />
gleich wie die Radfahrenden – an die<br />
rechte Strassenseite halten. Nachts und bei<br />
schlechter Sicht müssen alle Benutzenden<br />
von fahrzeugähnlichen Geräten auf der<br />
Fahrbahn und auf Radwegen ein Licht mitführen.<br />
Dieses muss nach vorne weiss und<br />
nach hinten rot leuchten und gut erkennbar<br />
sein. Es kann an der Kleidung befestigt<br />
werden, da an Inline-Skates und ähnlichen<br />
Geräten keine Halterung für eine Beleuchtung<br />
vorgesehen ist. Die <strong>bfu</strong> empfiehlt zudem,<br />
hinten und vorne auf die Skates oder<br />
das Trottinett je einen lichtreflektierenden<br />
Streifen zu kleben.<br />
Das <strong>bfu</strong>-Merkblatt Mb 0207 Unterwegs<br />
mit fahrzeugähnlichen Geräten gibt detailliert<br />
Auskunft. Es kann mit der Fax-Antwort<br />
bestellt werden. Weitere Informationen<br />
können ebenfalls unter www.astra.admin.ch<br />
(Medienmitteilung vom 15.05.02)<br />
abgerufen werden.<br />
Leuchtrad<br />
«to be»<br />
Damit Scooterfahrende und Inline-Skatende<br />
in der Dunkelheit und Dämmerung<br />
besser gesehen werden, können sie an<br />
ihren Geräten das neue Leuchtrad to be in<br />
den Farben weiss (vorne) und rot (hinten)<br />
montieren. Es ist in verschiedenen Grössen<br />
von 78 bis 125 mm Durchmesser und in<br />
zwei Lichtstärken erhältlich. Das Licht wird<br />
durch einen eingebauten Dynamo gespiesen.<br />
Die Leuchträder sind ab Fr. 42.50 (Scooter)<br />
und Fr. 34.50 (Inline) im Sporthandel erhältlich.<br />
Informationen: to be AG, Zugerstr.<br />
4, 6330 Cham, Tel. 041 781 20 25,<br />
tobe.ag@freesurf.ch.<br />
<strong>bfu</strong> <strong>aktuell</strong> <strong>2002</strong>/4<br />
11
haus + freizeit<br />
Bequeme und gestalterisch ansprechende Treppen tragen zum<br />
Charakter eines Gebäudes bei. Sie gehören aber auch zu den unfallträchtigsten<br />
Stellen im Haus. Auf Treppen stürzen nicht nur alte<br />
Leute und Kinder, sondern Menschen aller Altersgruppen.<br />
Treppen –<br />
die Visitenkarte<br />
eines Gebäudes!<br />
Eine sorgfältige Planung und einwandfreie<br />
Ausführung sind massgebend für die Funktionalität,<br />
Langlebigkeit und Sicherheit von<br />
Treppen. Planungsfehler lassen sich in der<br />
Regel später kaum mehr befriedigend<br />
korrigieren. Daher müssen der ästhetische<br />
Anspruch, die Funktionalität und die Anforderungen<br />
an den Baukörper und die Platz-<br />
Grosszügige Bogentreppe in einem Schulhaus<br />
12<br />
<strong>2002</strong>/4 <strong>bfu</strong> <strong>aktuell</strong><br />
verhältnisse zum Voraus geklärt werden.<br />
Eine Treppe muss nicht nur auf den alltäglichen<br />
Betrieb, sondern ebenso auf den<br />
Transport von Lasten abgestimmt sein.<br />
Auch Menschen mit Gehbehinderungen<br />
werden eine gut begehbare Treppe mit einem<br />
ergonomischen Handlauf zu schätzen<br />
wissen.<br />
Treppenformen<br />
Die Wahl des Treppengrundrisses ist einer<br />
der entscheidenden Faktoren für eine<br />
sichere Treppe: je flacher der Winkel, desto<br />
besser. Komfortable Neigungswinkel sind<br />
solche um 30°. Gut begehbare Treppen in<br />
Wohnhäusern sollten einen kleineren Neigungswinkel<br />
als 41° aufweisen.<br />
Die Treppenlaufbreite (gesamte Stufenbreite)<br />
richtet sich nach den gesetzlichen<br />
Vorschriften und der Zweckbestimmung. In<br />
Mehrfamilienhäusern sind dies mindestens<br />
1.10 m. In Einfamilienhäusern muss die<br />
nutzbare Laufbreite mindestens 0.80 m betragen,<br />
um sperrige Güter transportieren zu<br />
können.<br />
Bei steilen, langen Treppen sind Zwischenpodeste<br />
empfehlenswert. Podesttreppen<br />
sind für alle Gebäudetypen geeignet. Sie<br />
bieten viele Vorzüge für die individuelle<br />
Planung. Gerade Treppen sind in Einfamilienhäusern<br />
oder innerhalb einer Wohnung<br />
möglich. In Mehrfamilienhäusern oder öffentlichen<br />
Gebäuden sollten sie nur eingesetzt<br />
werden, wenn pro Geschoss ein<br />
Zwischenpodest erstellt wird. Stürze auf<br />
Treppen mit Zwischenpodesten haben<br />
wegen der kürzeren Sturzlänge meist leichtere<br />
Unfallfolgen.<br />
Viertel- oder halbgewundene Treppen sind<br />
eine platzsparende Form, die oft in Einfamilienhäusern<br />
angewendet wird. Sie sind<br />
sicherer zu begehen und beanspruchen<br />
nicht mehr Platz als eine Spindeltreppe.<br />
Die gefährlicheren Spindeltreppen sollten<br />
als Haupttreppe in einem Wohnhaus nicht<br />
eingesetzt werden. Auch bei einer Laufbreite<br />
von 80 cm kann nur etwas mehr als<br />
die Hälfte begangen werden und der Transport<br />
von sperrigen Gütern ist erschwert.Als<br />
Erschliessung von Galerien ist die Verwendung<br />
möglich.<br />
Treppen mit besonders steiler Steigung wie<br />
Watschel- oder Sambatreppen sollen 50 bis<br />
70 cm breit sein und beidseitig Handläufe<br />
haben. Das Absteigen ist relativ schwierig.<br />
Treppen dieser Art sind als einziger Zugang<br />
zu Aufenthaltsräumen nicht zulässig.
Stufenformen<br />
Nebst der Wahl des Treppengrundrisses ist<br />
die Ausbildung der Stufen sehr wichtig. Da<br />
zum Treppensteigen meist nicht die gesamte<br />
Laufbreite genutzt wird, ist bei der<br />
Planung auch die so genannte Lauflinie zu<br />
berücksichtigen, die sich bei gewundenen<br />
Treppen im Mittelbereich befindet. Auf der<br />
Lauflinie sollten die Tritthöhe 17–19 cm<br />
und die Trittfläche 25–29 cm betragen. Bei<br />
Mehrfamilienhäusern ist das Steigungsverhältnis<br />
17.5/28 cm erwünscht. Die Stufen<br />
von gewundenen Treppen ausserhalb von<br />
Wohnungen sollten an der schmalsten<br />
Stelle einen Auftritt von min. 12 cm aufweisen.<br />
Der Abstand von der Wand zur Treppe<br />
oder zum Podest darf nicht grösser als 5 cm<br />
sein.<br />
Absturzsicherungen<br />
Gemäss sia-Norm 358 «Geländer und Brüstungen»<br />
muss die Geländerhöhe mindestens<br />
1 m betragen. Im Bereich des Treppenlaufes<br />
sind auch 0.9 m möglich. Bis auf<br />
eine Höhe von 0.75 m darf keine Öffnung<br />
einen grösseren Durchmesser als 12 cm<br />
aufweisen. In Bauten mit unbeaufsichtigten<br />
Kindern ist das Beklettern zu erschweren.<br />
Treppen mit mehr als 5 Tritten, für Behinderte<br />
und Gebrechliche ab 2 Tritten, sind mit<br />
Handläufen zu versehen. Diese müssen einen<br />
Durchmesser von 4–5 cm aufweisen,<br />
mit min. 5 cm Wandabstand und durchgehend<br />
montiert sein. Der Abstand von der<br />
Vorderkante der Stufe bis zur Oberkante des<br />
Handlaufs soll 0.80 bis 0.90 m betragen.<br />
Beleuchtung<br />
Haupttreppen öffentliche Einfamilienhaus interne<br />
Mehrfamilienhaus Gebäude Erschliessung<br />
Podesttreppe empfehlenswert empfehlenswert empfehlenswert empfehlenswert<br />
Geradeläufige mit mit empfehlenswert empfehlenswert<br />
Treppe Zwischenpodest Zwischenpodest<br />
möglich möglich<br />
1 /2-, 1 / 4-gewun- nicht zu nicht zu empfehlenswert empfehlenswert<br />
dene Treppen empfehlen empfehlen<br />
Spindeltreppen nicht zulässig nicht zulässig nicht zu möglich<br />
empfehlen<br />
Steiltreppen nicht zulässig nicht zulässig nicht zulässig nur<br />
Minimallösung<br />
Die Beleuchtung ist ein wichtiger Faktor für<br />
die Sicherheit auf Treppen. Beim Bau eines<br />
Hauses ist daher zu beachten, dass sie<br />
möglichst durch Tageslicht erhellt werden.<br />
Auch die künstliche Beleuchtung muss verschiedenen<br />
Anforderungen genügen: Auf<br />
jeder Etage sind mit Leuchtknopf versehene<br />
Lichtschalter anzubringen, die gut<br />
sichtbar und gefahrlos erreichbar sein müssen.<br />
Erfolgt die Beleuchtung von vorn, müssen<br />
die Trittkanten abgeschrägt oder mit<br />
Markierungen versehen sein, damit sie besser<br />
sichtbar sind. Erfolgt sie von hinten,<br />
sind die Lichtquellen so anzuordnen, dass<br />
die An- und Austritte der Treppenläufe gut<br />
erkennbar sind und die Vorderkanten der<br />
Auftritte nicht im Schlagschatten liegen.<br />
Bei Beleuchtung mit Zeitschalter muss die<br />
minimale Beleuchtungsdauer pro Geschoss<br />
eine Minute betragen und darf gesamthaft<br />
nicht kürzer als drei Minuten sein.<br />
Treppenbeläge<br />
Bei der Wahl des Bodenbelags sind unter<br />
anderem auch die Sicherheitskriterien zu<br />
berücksichtigen: Durch unterschiedliche<br />
Materialien oder Strukturen bei Auftritten<br />
und Setzstufen sind die Niveauübergänge<br />
besser erkennbar. Bei Holztreppen können<br />
Gleitschutzstreifen, die die Architektur der<br />
Treppe unterstreichen, elegant eingesetzt<br />
werden. Die Trittflächen sollen rutschhemmend,<br />
aber nicht zu stumpf sein (<strong>bfu</strong>-Anforderungsliste<br />
9811). Das Belagsmaterial<br />
muss den einwirkenden Belastungen<br />
widerstehen und abriebfest sein. Um ein<br />
Hängenbleiben zu verhindern ist bei Treppentritten<br />
in Stahlwannen oder Metallprofilen,<br />
die mit Teppich, Holz oder Platten<br />
ausgelegt sind, die vorderste Kante ca.<br />
1 mm tiefer als die eigentliche Trittfläche<br />
anzulegen. Gitterroste sind für Stöckelschuhe<br />
und auch für Tiere ungeeignet.<br />
Manfred Engel<br />
Neuerung bei den<br />
Elektroinstallationen<br />
Am 1. Januar <strong>2002</strong> trat die neue Niederspannungs-Installations-Verordnung<br />
NIV in Kraft mit<br />
Neuerungen für den Hauseigentümer. Er muss<br />
nun den Nachweis erbringen, dass seine<br />
Elektroinstallationen in Ordnung sind. Bis anhin<br />
wurde er durch den Kontrolleur der Netzbetreiberin<br />
auf Mängel aufmerksam gemacht.<br />
Elektrische Niederspannungsinstallationen (elektrische<br />
Spannung zwischen 50 und 1000 Volt)<br />
müssen ein erstes Mal nach der Erstellung von<br />
einem ausgebildeten Kontrolleur geprüft werden.<br />
Danach müssen sie auch weiterhin regelmässig<br />
kontrolliert werden, wobei der Eigentümer der<br />
Elektroinstallationen für die Durchführung der<br />
Kontrollen verantwortlich ist.<br />
Automatische<br />
Herdabschaltung<br />
Wer hat nicht schon mal vergessen, im Stress<br />
oder wegen einer Ablenkung die Herdplatte<br />
auszuschalten? Die automatische Abschaltung<br />
AKA 3000 für elektrische Kochherde kann in so<br />
einem Fall einen Küchenbrand oder Schlimmeres<br />
verhindern. Wenn der Bewegungsmelder an<br />
der Wand oder der Decke während einer bestimmten<br />
Zeit keine Bewegungen im Raum registriert,<br />
wird der Kochherd automatisch ausgeschaltet.<br />
Die Zeitdauer bis zum Abschalten kann<br />
zwischen 30 Sekunden und 20 Minuten eingestellt<br />
werden. Die automatische Herdabschaltung<br />
eignet sich für alle elektrischen Systeme<br />
(Gusskochplatten, Glaskeramik, Induktion). Sie<br />
kann nachträglich durch einen konzessionierten<br />
Elektriker eingebaut werden. Einmal im Jahr<br />
muss die Batterie im Bewegungsmelder gewechselt<br />
werden. AKA 3000 ist eine ideale Lösung<br />
auch für Seniorenwohnungen und Altersheime.<br />
Richtpreis: Fr. 745.– (ohne Montage). Information:<br />
Max Bertschinger AG,Villmergen,Tel.<br />
056 618 78 78 (Franz: 056 618 78 88) oder bei<br />
Elektroinstallateuren.<br />
Fehlerstrom-<br />
Schutzschalter<br />
Für Arbeiten mit elektrischen Geräten an Orten<br />
ohne fest installierten Fehlerstromschutz, eignet<br />
sich der mobile Schutzschalter elgard. Dieser<br />
wird in eine fest installierte Steckdose gesteckt,<br />
d. h. den Elektrogeräten vorgeschaltet. Bei einem<br />
Fehlerstrom wird der Stromfluss unterbrochen,<br />
bevor eine Gefährdung für Personen entstehen<br />
kann. elgard ist zum Preis von ca. Fr. 50.–<br />
im Elektrofachhandel und in Do-it-yourself-Läden<br />
erhältlich.<br />
<strong>bfu</strong> <strong>aktuell</strong> <strong>2002</strong>/4<br />
13
strassenverkehr<br />
Wenn bisher entlang von Strassenbrücken,<br />
Wegen oder Plätzen ein Geländer notwendig<br />
war, konnten sich die Fachleute auf<br />
keine konkrete Norm stützen. Es gab nur<br />
generelle Richtlinien für Autobahnbrücken<br />
und einige Hinweise in Baugesetzen. Auch<br />
in der SIA-Norm 358 des Schweizerischen<br />
Ingenieur- und Architekten-Vereins für<br />
Hochbauten sind keine Bestimmungen<br />
über den Bedarf, die Art und die Höhe von<br />
Geländern entlang von Verkehrswegen und<br />
Plätzen enthalten.<br />
Vermehrte Unsicherheiten insbesondere<br />
seitens der Fahrradfahrenden und zu Fuss<br />
Gehenden führten dazu, dass in einer Expertengruppe<br />
des Schweizerischen Verbandes<br />
für Strassen- und Verkehrsfachleute<br />
VSS unter Mitarbeit der <strong>bfu</strong> eine neue<br />
Norm mit dem Titel VSS SN 640 568 Geländer<br />
erarbeitet wurde. Diese befasst sich im<br />
Speziellen mit Absturzsicherungen für Personen.<br />
Sie liegt zurzeit noch im Entwurf vor.<br />
Das Pendant dazu ist die Norm VSS SN<br />
640 566 Passiver Schutz im Strassenverkehr,<br />
die Informationen über Fahrzeugrückhaltesysteme<br />
(Leitplanken) liefert.<br />
Geländer oder Zaun<br />
Die Grundtypen von Absturzsicherungen<br />
für Personen sind Geländer und Zäune, wobei<br />
Letztere vor allem die Aufgabe haben,<br />
die potenzielle Absturzstelle anzuzeigen.<br />
Auf Zäune als eigentliche Absturzsicherung<br />
trifft man am häufigsten an Steilhängen in<br />
ländlichen oder gebirgigen Gebieten. Geländer<br />
bestehen aus Pfosten mit mindestens<br />
einem festen Längselement und können<br />
je nach Standort und Anforderung sowohl<br />
mit als auch ohne Füllung ausgeführt<br />
werden.<br />
In der Nähe von Schulen oder Kindergärten<br />
sollten Geländer mit einer Füllung aus Gittern,<br />
Platten oder vertikalen Stäben versehen<br />
werden, damit für Kinder im Alter von<br />
bis zu 8 Jahren der Anreiz vermindert wird,<br />
über das Geländer zu klettern. Wichtig ist,<br />
dass an keiner Stelle eine Kugel mit einem<br />
Durchmesser von 12 cm oder mehr durchgestossen<br />
werden kann. Stürze von Kindern<br />
über ein Geländer sind im Strassenraum<br />
seltener als in oder ausserhalb von<br />
Gebäuden.<br />
Unterschiedliche Kriterien<br />
Um herauszufinden ob es überhaupt ein<br />
Geländer braucht, welche Art von Geländer<br />
geeignet ist oder wie hoch es sein muss,<br />
14<br />
<strong>2002</strong>/4 <strong>bfu</strong> <strong>aktuell</strong><br />
Nicht irgendein<br />
Dass es entlang von Verkehrswegen mit<br />
Steilhängen eine Absturzsicherung braucht,<br />
liegt auf der Hand. Doch welches Geländer<br />
eignet sich an welcher Stelle am besten<br />
und wie hoch muss es sein?<br />
sollten alle relevanten Aspekte in Betracht<br />
gezogen werden. So spielt es beispielsweise<br />
eine Rolle, ob sich die potenzielle Absturzstelle<br />
in urbaner, ländlicher oder gebirgiger<br />
Umgebung befindet, wie die Aufprallstelle<br />
aussieht, ob der Abhang begehbar<br />
ist, ob sich Kinder bei der Absturzsstelle unbeaufsichtigt<br />
aufhalten und wie viele Personen<br />
pro Tag den Ort frequentieren. Mit<br />
Hilfe von mehreren Tabellen der VSS-Norm<br />
Geländer können Fachleute das am besten<br />
geeignete Geländer wählen.<br />
Die Geländerhöhe<br />
Geländer<br />
Geländer, die zum Schutz des Fussverkehrs<br />
auf Brücken angewendet wurden, waren<br />
bislang gemäss Vorschrift 1.00 m hoch.<br />
Diese Höhe reicht jedoch nicht aus um zu<br />
verhindern, dass ein stürzender Fahrradfahrer<br />
über das Brückengeländer fällt. Die<br />
neue Norm empfiehlt daher auf Brücken<br />
und Stützmauern eine Geländerhöhe von<br />
1.30 m, wenn häufig mit leichtem Zweiradverkehr<br />
zu rechnen ist.<br />
Sichtbehinderungen vermeiden<br />
Werden Staketengeländer (Geländer mit<br />
vertikalen Elementen) eingesetzt, können<br />
für einmündende Fahrzeuge Sichtprobleme<br />
entstehen. Durch die Perspektive werden<br />
die Staketen wie zu einer Wand und die<br />
Sicht auf die Fahrbahn wird verunmöglicht.<br />
Massnahmen dagegen sind entweder der<br />
Ersatz der Staketen durch eine durchsichtige<br />
Füllung des Geländers (siehe Foto)<br />
oder durch ein System wie «Visirail», bei<br />
dem die Staketen um ein paar Grad abgewinkelt<br />
sind.<br />
Viehzäune<br />
Spricht man von Zäunen, denkt man nicht<br />
in erster Linie an eine Absturzsicherung wie<br />
dies bei Geländern der Fall ist. Zäune werden<br />
beispielsweise verwendet, um Tiere<br />
daran zu hindern auszubrechen und auf<br />
Strassen oder Bahngeleise zu gelangen, wo<br />
sie Unfälle verursachen können. Die Beratungsstelle<br />
für Unfallverhütung in der<br />
Landwirtschaft (BUL) empfiehlt den Land-<br />
Ort des Geländers Geländerhöhe<br />
Über Steilhängen, Brücken und Stützmauern mit kleinem 1.00 m<br />
und mittlerem Fussverkehr (bis 200 Personen pro Tag)<br />
Brücken und Stützmauern mit grossem Fussverkehr 1.10 m<br />
(mehr als 200 Personen pro Tag)<br />
Brücken und Stützmauern mit vielen leichten Zweirädern 1.30 m
wirten, möglichst widerstandsfähige Zäune<br />
aus Drahtgeflecht, Knotengittern oder mit<br />
elektrischer Ladung zu erstellen.Wegen der<br />
Verletzungsgefahr bei allfälligen Unfällen<br />
sind Stacheldrahtzäune entlang von Strassen<br />
nicht zu empfehlen. Je nach kantonalem<br />
Strassenbaugesetz sind sie dort sogar<br />
Wo häufig mit<br />
Velofahrenden zu<br />
rechnen ist, sollte<br />
die Geländerhöhe<br />
auf Brücken und<br />
Stützmauern 1.30 m<br />
betragen.<br />
Weitere Informationen<br />
verboten oder es werden Mindestabstände<br />
von 2.00 m zur Strasse vorgeschrieben.<br />
Aber nicht nur den Menschen, sondern<br />
auch den Tieren zuliebe sollte wegen der<br />
Gefahr von Hautverletzungen auf Stacheldraht<br />
verzichtet werden.<br />
Karin Massong<br />
Wo sich Kinder<br />
unbeaufsichtigt<br />
aufhalten, braucht<br />
es Geländer mit<br />
geeigneter Füllung.<br />
Bei diesem Geländer<br />
in Reinach wurde<br />
ein Teil der Staketen<br />
durch eine durchsichtige<br />
Füllung<br />
ersetzt.<br />
Die Norm VSS SN 640 568 Geländer ist voraussichtlich ab Ende <strong>2002</strong> erhältlich<br />
beim Schweizerischen Verband der Strassen- und Verkehrsfachleute, Seefeldstr. 9,<br />
8008 Zürich, Tel. 01 269 40 20, www.vss.ch.<br />
Dank an unbekannte<br />
«Ritter der Strasse»<br />
Der tragische Unglücksfall mit 11 Toten im<br />
Gotthard-Strassentunnel vom letzten Oktober<br />
ist noch in frischer Erinnerung. Wenig<br />
bekannt ist die Tatsache, dass zahlreiche<br />
Helferinnen und Helfer tatkräftig und<br />
selbstlos ihr Leben zur Rettung anderer eingesetzt<br />
haben. Dabei handelte es sich nicht<br />
nur um Angehörige von Sanität, Polizei und<br />
Feuerwehr, sondern auch um viele – zum<br />
Teil unbekannt gebliebene – Privatpersonen.<br />
Die Aktion «Ritter der Strasse» dankt<br />
all diesen Menschen für ihr vorbildliches<br />
Verhalten. Als äusseres Zeichen der Dankbarkeit<br />
wurde in der Autobahnraststätte<br />
Gotthard Nord bei Airolo in Anwesenheit<br />
von Behörden und Polizei eine Erinnerungsplakette<br />
angebracht.<br />
Schutz vor Schleudertrauma<br />
Jedes Jahr erleiden viele Menschen eine<br />
Halswirbelsäulen-Verletzung (Schleudertrauma)<br />
bei einer Heckkollision. Kürzlich<br />
wurde nun ein System für Personenwagen<br />
entwickelt, mit dem das Verletzungsrisiko<br />
der Halswirbelsäule markant vermindert<br />
werden kann: das System WipGARD. Das<br />
Kernstück dieses Nachrüst-Bausatzes ist<br />
ein deformierbares Aufreissblech, das bei<br />
einem Heckaufprall den Sitz kontrolliert<br />
nach hinten abkippen lässt und damit einen<br />
grossen Teil der Kräfte absorbiert.<br />
WipGARD kann ohne grossen Aufwand<br />
und ohne die Karosserie des Fahrzeugs zu<br />
beeinflussen unter dem Fahrer- und Beifahrersitz<br />
eingebaut werden. Der Innenraum<br />
des Fahrzeugs wird in keiner Weise verändert.<br />
Zurzeit ist ein Nachrüsten bei den VW-<br />
Modellen Golf IV, Passat und Bora möglich,<br />
später auch bei weiteren Modellen.<br />
WipGARD wurde gemeinsam von der Winterthur<br />
Unfallforschung und Autoliv, einem<br />
auf Rückhaltesysteme spezialisierten deutschen<br />
Hersteller, entwickelt. Professor Dr.<br />
med. Walz vom Institut für biomedizinische<br />
Technik der ETH Zürich attestiert dem<br />
neuen System, dass es insgesamt eine erhebliche<br />
Reduktion der Belastungen der<br />
Halswirbelsäule bewirke, ohne dass als<br />
Kompensation irgendwelche Nachteile in<br />
Kauf genommen werden müssten.<br />
<strong>bfu</strong> <strong>aktuell</strong> <strong>2002</strong>/4<br />
15
strassenverkehr<br />
Sichere Autofahrt<br />
16<br />
im Elektrorollstuhl<br />
Weniger Verletzungen dank neuem<br />
Rückhaltesystem.<br />
<strong>2002</strong>/4 <strong>bfu</strong> <strong>aktuell</strong><br />
Das neue Rückhaltesystem Safetrans<br />
bietet Passagieren im Elektrorollstuhl<br />
auf der Fahrt im Kleinbus besseren<br />
Schutz.<br />
Die Sicherung von Rollstuhlfahrenden<br />
in Fahrzeugen wurde lange Zeit<br />
vernachlässigt. Obwohl keine gesicherten<br />
statistischen Daten vorliegen,<br />
wird davon ausgegangen, dass<br />
sich Rollstuhlpassagiere häufiger<br />
als Nichtbehinderte bereits bei<br />
leichten Kollisionen oder bei Vollbremsungen<br />
verletzen. Grund dafür<br />
ist der oft reduzierte Schutzreflex<br />
von Menschen im Rollstuhl.<br />
Um die Sicherheit der Rollstuhlfahrenden<br />
zu erhöhen, waren bessere<br />
Rückhaltesysteme nötig. Nachdem<br />
bereits eine Lösung für Faltrollstühle<br />
realisiert wurde, steht nun<br />
auch eine Weiterentwicklung für Elektrorollstühle,<br />
genannt «Safetrans», zur Verfügung.<br />
Das neue Rückhaltesystem wurde im Dynamic<br />
Test Center AG entwickelt, im Auftrag<br />
der Schweizerischen Stiftung Cerebral und<br />
unter Mitwirkung der <strong>bfu</strong> und anderen Organisationen.<br />
Safetrans bietet deutlich<br />
mehr Sicherheit als frühere Systeme.<br />
Safetrans ist erhältlich bei: Farner Air Service<br />
AG, Airport, 2540 Grenchen, Tel. 032<br />
654 81 11, farner_air_fr@bluewin.ch. Zusätzliche<br />
Infos: Schweiz. Stiftung für das cerebral<br />
gelähmte Kind, Postfach 8262, 3001<br />
Bern, Tel. 031 308 15 15, cerebral@cerebral.ch,<br />
www.cerebral.ch.<br />
In die Stadt – ohne mein Auto!<br />
Am 22. September<br />
<strong>2002</strong> wurde zum<br />
4. Mal der europaweite<br />
Aktionstag «In die<br />
Stadt – ohne mein<br />
Auto» durchgeführt.<br />
Der Aktionstag stösst auf immer grösseres<br />
Echo:Am vergangenen Sonntag beteiligten<br />
sich weit über 1000 Gemeinden und Agglomerationen,<br />
davon ca. 80 aus der Schweiz.<br />
Offizieller Slogan für die europaweite Aktion<br />
ist «In die Stadt – ohne mein Auto!»<br />
Viele Gemeinden haben ihre Aktionen jedoch<br />
unter einem abgeänderten Motto<br />
durchgeführt. Der Aktionstag wurde zum<br />
ersten Mal vom Bundesamt für Energie<br />
unterstützt.<br />
Die Gemeinden reservieren an diesem Tag<br />
Quartiere und Stadtbereiche für zu Fuss Gehende<br />
und Radfahrende. Auf Plätzen und<br />
Strassen finden Aktionen und Events statt,<br />
wird Essen und Trinken angeboten und<br />
auch Museen oder Kirchen nehmen an diesem<br />
Sonntag das Thema «Mobilität» auf.<br />
Ziel der Aktion ist, zum Nachdenken und<br />
Umsteigen auf die öffentlichen Verkehrsmittel<br />
zu bewegen sowie alternative Verkehrsmittel<br />
kennen und schätzen zu lernen.<br />
Die verkehrsfreien Flächen bieten die<br />
Chance, öffentliche Räume zurückzuerobern.<br />
Lustvolle und originelle Angebote<br />
vermitteln neue Sichtweisen und Begegnungen<br />
zwischen Menschen, Kulturen und<br />
Meinungen.
echt<br />
Wiederholungstäter werden härter angefasst.<br />
Rote Karte<br />
Der Fall<br />
Ein Automobilist wurde im Januar 1999<br />
verwarnt, da er auf der Autobahn einen<br />
Fahrstreifenwechsel unvorsichtig ausgeführt<br />
hatte. Neun Monate später fuhr derselbe<br />
Automobilist innerorts 16 km/h zu<br />
schnell. Die zuständige Administrativbehörde<br />
hat deswegen einen einmonatigen<br />
Führerausweisentzug verfügt.<br />
Der Automobilist war damit nicht einverstanden<br />
und gelangte letztlich bis ans<br />
Bundesgericht. Er machte geltend, die fragliche<br />
Geschwindigkeitsüberschreitung von<br />
16 km/h rechtfertige für sich allein keinen<br />
Führerausweisentzug. Er könne auf eine<br />
30-jährige, beanstandungsfreie Fahrpraxis<br />
zurückblicken und sei jährlich ungefähr<br />
50 000 km beruflich unterwegs. Man<br />
könne nun nicht die einmalige Verwarnung<br />
vom Januar 1999 als Motiv für den jetzigen<br />
Ausweisentzug heranziehen. Angemessen<br />
sei in seinem Fall einzig eine weitere Verwarnung.<br />
Urteil und Begründung<br />
Das Bundesgericht hat die Beschwerde des<br />
Automobilisten aus folgenden Gründen abgewiesen:<br />
Wenn die innerorts zulässige<br />
Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h um 16<br />
Wer innerhalb von 12<br />
Monaten nach einer<br />
Verwarnung erneut<br />
eine leichte Verkehrsregelverletzungbegeht,<br />
muss grundsätzlich<br />
seinen Führerausweis<br />
abgeben.<br />
im Strassenverkehr<br />
km/h überschritten wird, dann liege objektiv<br />
betrachtet zwar schon ein leichter Fall<br />
vor, wonach gemäss Art. 16 Abs. 2 Satz 2<br />
SVG (Strassenverkehrsgesetz) eine Verwarnung<br />
ausgesprochen werden kann. Indes<br />
sei immer auch abzuklären, ob die konkreten<br />
Umstände (ungünstige Verkehrsverhältnisse,<br />
schlechter automobilistischer<br />
Leumund) es nicht doch rechtfertigen, den<br />
Fall als schwerwiegender einzustufen.<br />
Im konkreten Fall sei der automobilistische<br />
Leumund nicht einwandfrei, da der Beschwerdeführer<br />
bereits vor rund neun Monaten<br />
wegen eines andern Strassenverkehrsdelikts<br />
verwarnt worden sei. Eine Verwarnung<br />
beinhalte stets die Androhung einer<br />
schwereren Sanktion für den Fall eines<br />
neuerlichen Verstosses. Das Aussprechen<br />
weiterer Verwarnungen sei zwar nicht von<br />
vornherein ausgeschlossen, wenn angenommen<br />
werden könne, dass dies<br />
den Automobilisten tatsächlich von weiteren<br />
Verkehrsregelverletzungen abhalten<br />
werde. Wer jedoch kurze Zeit nach einer<br />
Verwarnung erneut eine Regelverletzung<br />
begehe, könne grundsätzlich nicht ein<br />
zweites Mal bloss verwarnt werden.<br />
Demzufolge sei es nicht zu beanstanden,<br />
wenn gegen einen Motorfahrzeuglenker,<br />
der wegen eines Strassenverkehrsdelikts<br />
verwarnt worden sei und binnen eines Jahres<br />
erneut strassenverkehrsrechtliche Vor-<br />
schriften missachtet habe, gestützt auf Art.<br />
16 Abs. 2 Satz 1 SVG ein Führerausweisentzug<br />
verfügt werde – unabhängig von der<br />
Schwere des zweiten Verstosses.<br />
Nur wenn eine notstandsähnliche Situation<br />
vorliege oder es sich um einen Fall handle<br />
ähnlich dem, wonach in Anwendung von<br />
Art. 66bis StGB (Strafgesetzbuch) von jeder<br />
Bestrafung Abstand genommen werden<br />
kann, solle diese Regel keine Anwendung<br />
finden (*).<br />
Kommentar<br />
Die Regel, wonach eine erneute leichte Verkehrsregelverletzung<br />
innerhalb eines Jahres<br />
grundsätzlich eine weitere Verwarnung<br />
ausschliesst, konkretisiert den geltenden<br />
Art. 16 Abs. 2 SVG. Das Bundesgericht verschärft<br />
mit diesem Leitentscheid seine Administrativmassnahmen-Praxis<br />
gegenüber<br />
Wiederholungstätern. Auch das kürzlich revidierte<br />
SVG, welches wahrscheinlich auf<br />
das Jahr 2004 in Kraft treten wird, tendiert<br />
im Übrigen ganz allgemein, aber insbesondere<br />
mit der kaskadenartigen Verschärfung<br />
des Führerausweisentzugs in dieselbe Richtung.<br />
Ein wichtiger Beitrag zur Erhöhung<br />
der Verkehrssicherheit!<br />
Regula Stöcklin<br />
(*) Urteil vom 13.11.2001 (BGE 128 II 86; Pra 5/<strong>2002</strong> Nr.77)<br />
<strong>bfu</strong> <strong>aktuell</strong> <strong>2002</strong>/4<br />
17
partner<br />
Unfallverhütung<br />
Die Unfallverhütung<br />
in der Armee orientiert<br />
sich am Zivilleben<br />
und passt sich<br />
den militärischen<br />
Gegebenheiten an.<br />
Nachfolgend die<br />
Schwerpunkte einer<br />
Erfolgsstrategie.<br />
Kontrollen, Badge, Ausweis hinterlegen.<br />
Nicht alle kommen so einfach ins Hauptquartier<br />
der Schweizer Armee – ein grosser<br />
Gebäudekomplex am Stadtrand von Bern.<br />
Auch nicht, wenn es darum geht über Unfallverhütung<br />
zu reden. Die Neugierde ist<br />
berechtigt: Welche Strategie wird angewendet,<br />
um den beachtlichen Sicherheitsstandard<br />
zu erreichen, den die Armee trotz<br />
des höheren Unfallrisikos vorweisen kann?<br />
Im Gebäude 13A, dritter Stock, gibt Beat<br />
18<br />
in der Armee<br />
«Motor an. Licht ein!» Die Armee ist überzeugt davon.<br />
<strong>2002</strong>/4 <strong>bfu</strong> <strong>aktuell</strong><br />
Brändli, Präsident der Militärischen Unfallverhütungskommission<br />
(MUVK), <strong>bfu</strong> <strong>aktuell</strong><br />
Auskunft. Der Beauftragte für die Förderung<br />
der Sicherheit all jener, die Militärdienst<br />
leisten (ausgenommen die Flugwaffe),<br />
nennt zuerst einige Zahlen: Im Jahr<br />
2000 ereigneten sich auf 8,5 Mio. Übernachtungen<br />
und verteilt auf alle Funktionen<br />
rund 5000 Unfälle, wovon 4000 mit geringen<br />
Folgen. Verstauchungen und Quetschungen<br />
waren am häufigsten, gefolgt<br />
von Wunden und Brüchen sowie etwa hundert<br />
Verletzungen des Innenohrs. Glücklicherweise<br />
waren keine Wirbelsäulenfrakturen<br />
mit Verletzung des Rückenmarks zu<br />
verzeichnen.<br />
Sammlung von anonymen Daten<br />
Um diese Unfälle zu verhüten, müssen die<br />
Ursachen bekannt sein. Deshalb hat die<br />
MUVK vor 3 Jahren das System der Sicherheitskarten<br />
lanciert. Jeder Unfall, und sei er<br />
noch so harmlos, wird auf einer Karte mit<br />
dem Titel «Warum...?» vermerkt. Mögliche<br />
Gründe, wie z. B. «zu schnell gefahren»,<br />
«Ruhezeit nicht eingehalten» oder einfach<br />
«Vergessen», können angekreuzt werden.<br />
12 000 dieser anonymen Daten wurden<br />
bisher von der MUVK analysiert, so dass die<br />
Sicherheitsmassnahmen laufend den Gegebenheiten<br />
angepasst<br />
werden können.<br />
Im Allgemeinen werden<br />
die Themen der Kampagnen<br />
aus dem Zivilleben<br />
übernommen. Ein<br />
Blick in «Intus», die Zeitschrift<br />
der Armee, bestätigt<br />
das. Das Thema Alkohol<br />
steht an erster<br />
Stelle, gefolgt von den<br />
Strassenverkehrskampagnen<br />
«Respekt auch<br />
hier!» des Verkehrssicherheitsrats<br />
und «Motor<br />
an! Licht ein!» der<br />
<strong>bfu</strong>. Tagfahrlicht ist übrigens<br />
in der Armee seit<br />
Juli 2001 obligatorisch.<br />
Dazu kommen Kampag-<br />
nen, die sich besonders auf das Fahrverhalten<br />
beziehen, z. B. «Rückwärts? Nie alleine!»<br />
Tatsächlich ereignet sich ein Drittel<br />
der Verkehrsunfälle bei Rückwärtsmanövern<br />
ohne das Beisein einer Hilfsperson,<br />
obwohl dies eigentlich obligatorisch wäre.<br />
Übrigens darf nur fahren, wer eine spezielle<br />
Armee-Fahrprüfung bestanden hat und<br />
eine Erklärung unterschreibt, dass er fahrtüchtig<br />
ist und vor dem Fahren weder Alkohol<br />
noch Drogen konsumiert hat.<br />
Wissenstransfer<br />
Während seines Wiederholungskurses ist<br />
<strong>bfu</strong>-Mitarbeiter Christian Wyssmüller verantwortlich<br />
für die Unfallverhütung. Er ist<br />
es denn auch, der die Fahrer diese Erklärung<br />
unterschreiben lässt. Die Fahrzeuge<br />
werden anschliessend mit dem Kleber «I<br />
drive without drugs» versehen. Wyssmüller<br />
begibt sich schon vor Beginn des WK an<br />
den zukünftigen Einsatzort, wo während<br />
drei Wochen rund tausend Männer ihren<br />
Dienst absolvieren werden. In enger Zusammenarbeit<br />
mit dem <strong>bfu</strong>-Sicherheitsdelegierten<br />
der Gemeinde inspiziert er die für<br />
die Truppe gefährlichen Stellen: Strassenzufahrten,<br />
Schulen in der Nähe, Bodenbeschaffenheit<br />
des Exerzierplatzes, Umgebung<br />
der Unterkunft usw. «Besondere Aufmerksamkeit<br />
muss man den Kindern widmen.<br />
Sie sind von den Armeefahrzeugen<br />
fasziniert und versuchen immer wieder,<br />
sich diesen zu nähern, wenn sie geparkt<br />
sind», stellt Wyssmüller fest. Während des<br />
WK hält er auch Vorträge, um seine Kollegen<br />
für Unfallrisiken zu sensibilisieren. Offensichtlich<br />
mit Erfolg. In seinem letzten<br />
WK ereignete sich kein einziger Unfall.<br />
Catherine Strasser<br />
Unfallverhütung in der Armee –<br />
das heisst<br />
• ein Team von 3 Leuten für 400 000<br />
Personen im Armeedienst<br />
• ein jährliches Budget von 440 000<br />
Franken<br />
• Zusammenarbeit der MUVK insbesondere<br />
mit <strong>bfu</strong>, Suva und Verkehrssicherheitsrat<br />
• Erfolg der Strategie: Unterschiede im<br />
Verhalten zu Beginn und am Ende der<br />
RS sind festzustellen
sicherheitsdelegierte<br />
Kunst und Sicherheit,<br />
Teil III<br />
Aufhalten<br />
in Berlinen<br />
Schang Hutters Stahlplastik auf dem<br />
Mühleplatz in Thun erhielt ein Geländer,<br />
das aus Sicherheitsgründen angepasst<br />
werden musste.<br />
Früher stand auf dem Mühleplatz in Thun<br />
eine Mühle, doch in den 80er Jahren nahmen<br />
die Stadtbehörden eine vollständige<br />
Umgestaltung des Areals in Angriff. Die<br />
Mühlegebäude wurden abgebrochen, am<br />
Ufer der Aare entstand ein Begegnungsplatz<br />
mit Sitzstufen am Fluss, einem Flusszimmer,<br />
einem Brunnen, Sitzbänken und einer<br />
Stahlskulptur des Solothurner Künstlers<br />
Schang Hutter.<br />
Sie heisst «Aufhalten in Berlinen» – eine<br />
Anspielung auf Schang Hutters sechsjährigen<br />
Aufenthalt in der geteilten Stadt. Der<br />
ständige Wechsel zwischen Ost und West<br />
hat den Künstler verunsichert, er wusste<br />
nach eigener Aussage nicht mehr, wo sein<br />
Kopf stand. Dieses Gefühl drückte er in einer<br />
Stahlplastik aus, die vier miteinander am<br />
Kopf verbundene Figuren zeigt. Das Werk<br />
soll aber auch Veränderung darstellen,<br />
einerseits jene der deutschen Metropole,<br />
andererseits die des Mühleplatzes in Thun.<br />
Unter dem Platz verläuft der Kanal, mit<br />
dem das Wasser zur Turbine der Mühle geleitet<br />
wurde. «Aufhalten in Berlinen» steht<br />
genau über dem Schacht, in dem sich früher<br />
das Wasserrad befand und wo heute<br />
das Wasser vom Kanal in den alten Turbinenschacht<br />
fällt. Der Künstler nahm das<br />
Thema auf und entwarf ein Abdeckgitter,<br />
das die Bewegung des fliessenden Wassers<br />
wellenförmig nachahmt. Aber auch die vier<br />
Figuren der Stahlplastik erheben sich in einem<br />
Wirbel in die Höhe und ihre Farbe ist<br />
so hellgrün wie das Wasser der Aare.<br />
Der neugestaltete Mühleplatz ist gut besucht,<br />
unter anderem von Müttern mit kleinen<br />
Kindern. Damit niemand in den<br />
Schacht fällt, wurde ein Geländer angebracht.<br />
Das sog. Traversengeländer wurde<br />
bei der Bauabnahme aber als zu gefährlich<br />
beurteilt, weil es bestiegen werden konnte.<br />
Die <strong>bfu</strong> empfahl ein sicheres, den SIA-Normen<br />
entsprechendes Geländer. Darauf<br />
wurde das bestehende angepasst, indem<br />
man die zu grossen Öffnungen mit einem<br />
Gitter abdeckte. «Diese Lösung war einfach,<br />
schnell und kam billiger als ein neues<br />
Geländer», erklärt Martin Hugi, Leiter der<br />
Abteilung Haus + Freizeit bei der <strong>bfu</strong>.<br />
Nicht alle waren vom neuen Geländer begeistert.<br />
Schang Hutter fand es mit den vielen<br />
Verstrebungen optisch zu schwer, er<br />
hätte sich grosszügigere Öffnungen gewünscht,<br />
damit der Schacht zur Geltung<br />
kommt. Die Kunstkommission war derselben<br />
Meinung. Aus ästhetischen Gründen<br />
hätte sie am liebsten ganz auf ein Geländer<br />
Stahlplastik von Schang Hutter mit sicherem Geländer.<br />
verzichtet, aber das kam nicht in Frage, weil<br />
der Turbinenschacht als gefährlich eingestuft<br />
wurde.<br />
Bei Kunstwerken im öffentlichen Raum<br />
kommt es häufig zu Differenzen zwischen<br />
jenen, welche die Ästhetik in den Vordergrund<br />
stellen und jenen, die um die Sicherheit<br />
der Bevölkerung besorgt sind. Die Ersteren<br />
argumentieren mit der Eigenverantwortung<br />
der Benutzenden, im Fall Thun z. B.<br />
damit, dass die Mütter eben möglichst gut<br />
auf ihre Kinder aufpassen sollten. Die Letzteren<br />
hingegen wollen in erster Linie Unfälle<br />
verhindern und können gut auch mit<br />
einer ästhetisch weniger ansprechenden<br />
Lösung leben. Es ist nicht immer einfach,<br />
zwischen diesen beiden Haltungen einen<br />
Konsens zu finden.<br />
Gemäss Hugi sollte bei einem Kunstwerk<br />
im öffentlichen Raum die Frage der Sicherheit<br />
schon in der Planungsphase mit einbezogen<br />
werden. Dafür wird am besten frühzeitig<br />
eine Arbeitsgruppe mit Vertreterinnen<br />
und Vertretern der verschiedenen Interessenskreisen<br />
gebildet. In dieser Gruppe<br />
gilt es eine optimale Lösung zu entwickeln,<br />
bei der Sicherheit und Ästhetik möglichst<br />
unter einen Hut gebracht werden.<br />
Lea Svorad<br />
<strong>bfu</strong> <strong>aktuell</strong> <strong>2002</strong>/4<br />
19
aus aller welt<br />
Bali, Indonesien<br />
In Bali, Indonesien, herrscht Linksverkehr. Vor den Fussgängerstreifen<br />
werden Haltebalken markiert, um den Fussgängervortritt zu<br />
unterstreichen. Den Fahrzeuglenkenden wird durch diese Markierung<br />
bewusst, dass sie anhalten müssen. Auch in der Schweiz wird<br />
darüber diskutiert, ob vor dem Fussgängerstreifen so genannte<br />
«Haifischzähne» markiert werden sollen.<br />
Dieser Fussgängerstreifen ist dem ehemaligen <strong>bfu</strong>-Verkehrsingenieur<br />
Patrick Eberling darum besonders aufgefallen, weil die Frequenzen<br />
an diesem Ort überhaupt keine solche Markierung erfordern.<br />
Die Kinder spielen so oder so überall auf der Strasse, weil sich<br />
kaum je ein Fahrzeug in diese abgelegene Buschregion im Norden<br />
Balis verirrt. Der Fussgängerstreifen wird nie oder nur zufällig zum<br />
Überqueren der Strasse benutzt.Wenn trotzdem einmal ein Fahrzeug<br />
durch die Siedlung fährt, rennen die Hühner von der Strasse, die Kinder<br />
räumen die Speere auf die Seite und machen danach schlendernd<br />
dem langsam fahrenden Wagen Platz.<br />
service<br />
Plakat Sport – sicher!<br />
Mit dem Befolgen ein paar einfacher Verhaltensregeln<br />
lassen sich im Hallensport<br />
bereits viele Unfälle vermeiden. Das neue<br />
<strong>bfu</strong>-Plakat 0201 Sport – sicher! macht auf<br />
sie aufmerksam: In die Turnhalle immer<br />
ohne Uhr, Schmuck und Piercing; Hallenschuhe<br />
anziehen; beim Geräteturnen Matten<br />
benützen und natürlich FAIRPLAY. Das<br />
A3-Plakat eignet sich zum Aufhängen im<br />
Eingangsbereich von Sporthallen.<br />
Tempo 30 in<br />
Quartieren<br />
Sicherheit und Wohnqualität in Quartieren<br />
können mit Tempo-30-Zonen verbessert<br />
werden. Die <strong>bfu</strong> unterstützt Planer/innen<br />
und Behörden bei der Realisierung solcher<br />
Zonen und hat dafür ein Modell für ein<br />
sinnvolles und sicherheitsförderndes Geschwindigkeitsregime<br />
entwickelt. Im neuen<br />
Merkblatt Mb 0206 Tempo 30 in Quartieren<br />
wird das neue Modell erläutert. Zudem<br />
wird aufgezeigt, wie die revidierten und<br />
vereinfachten Verordnungen und Weisungen<br />
in diesem Bereich effizient umgesetzt<br />
werden können.<br />
Die hier aufgeführten Einsatzmittel sind – wenn nicht anders vermerkt – gratis erhältlich und können mit der beigelegten<br />
Fax-Antwort bestellt werden. Das <strong>aktuell</strong>e Drucksachenverzeichnis der <strong>bfu</strong> ist unter www.<strong>bfu</strong>.ch abrufbar.<br />
20<br />
<strong>2002</strong>/4 <strong>bfu</strong> <strong>aktuell</strong><br />
<strong>bfu</strong>-Jahresbericht<br />
2001<br />
Der Jahresbericht gibt einen Überblick<br />
über die <strong>aktuell</strong>en Schwerpunkte in der Sicherheitsarbeit<br />
der <strong>bfu</strong> in den Bereichen<br />
Forschung, Erziehung, Öffentlichkeitsarbeit,<br />
Kampagnen, Beratung, Recht und Sicherheitsdelegierte/Sicherheitsfachleute.<br />
Dazu gehört auch eine Zusammenfassung<br />
der Zahlen, Daten und Fakten zum Unfallgeschehen.<br />
Besonders interessant ist ein<br />
Grundsatzartikel zu einer neuen Sicherheitspolitik<br />
im Strassenverkehr. Der Jahresbericht<br />
ist zum Preis von Fr. 10.– erhältlich.<br />
Bild: Patrick Eberling
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zu <strong>bfu</strong> <strong>aktuell</strong> <strong>2002</strong>/4<br />
031 390 22 30<br />
d CD Ds Hippigschpängschtli uf em Schuelwäg (nur d) Fr. 12.–<br />
(Preis inkl. Porto und Versandmaterial)<br />
f CD attends! regarde! écoute! (nur f) Fr. 12.–<br />
(Preis inkl. Porto und Versandmaterial)<br />
Mb 0207 Unterwegs mit fahrzeugähnlichen Geräten (d/f/i) gratis<br />
Plakat 0202 (A3) Sport – sicher! (d/f/i) gratis<br />
Mb 0206 Tempo 30 in Quartieren (d/f/i) gratis<br />
<strong>bfu</strong>-Jahresbericht 2001 (d/f) Fr. 10.–<br />
Abonnement der Zeitschrift <strong>bfu</strong> <strong>aktuell</strong> (5 Ausgaben/Jahr) (d/f/i) Fr. 20.–<br />
Datum Unterschrift<br />
Dieses Bestellblatt kann auch per Post an die <strong>bfu</strong>, Abt. INFO, Postfach 8236, 3001 Bern,<br />
gesandt werden.