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Druckdaten Handbuch Suizidprävention inkl ... - TelefonSeelsorge

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3. Wenn dann die

3. Wenn dann die Realitätsverleugnungen und Idealisierungen nicht mehr ausreichen, weil die Schmerzen über die Enttäuschung, Kränkung, Verletzung zu groß sind, kommt es zu Fantasien vom Rückzug in einen harmonischen „Urzustand“, von der endlosen Ruhe, vom Paradies. Oft ist es den Suizidanten nicht bewusst, dass es von diesem vermeintlichen Paradies keine Rückkehr gibt, dass sie dann wirklich tot sind. 4. Die Fantasien werden in die Suizidhandlung umgesetzt. Damit sollen die narzisstische Krise, die allzu große Kränkung des Ichs gestoppt und das mit der Kränkung verbundene Rache- oder Strafbedürfnis befriedigt werden. Das bedeutet: Der Suizid hat auch Appellcharakter, er richtet sich an jemanden, er soll jemand treff en. Pöldinger unterscheidet drei Phasen (vgl. PÖLDINGER, 1968; EINK/HALTENHOF, 2006, S. 55 f.): 1. Die Phase der Erwägung. – Hier spielen alle bereits erwähnten psychodynamischen Aspekte hinein, die soziale Isolation, die Aggressionshemmung, die Selbstwertproblematik etc. Suizidgedanken können suggestiv durch Suizide in der Familie oder Umwelt, durch Pressemeldungen, Literatur und Film ausgelöst und befördert werden. 2. Die Phase der Ambivalenz. – Der Konfl ikt wechselt zwischen Todessehnsucht und Angst vor dem Tod; Sehnsucht nach Liebe und Harmonie und Scham über das eigene Versagen; zwischen dem Wunsch nach Veränderung und der Ohnmacht, nichts ändern zu können. Der Suizid wird evtl. sogar angekündigt, ausgesprochen als ein Hilferuf, es wird noch Kontakt gesucht. Die Distanzierungs- und Steuerungsfähigkeit ist eingeschränkt. 3. Die Phase des Entschlusses. - Es werden konkrete Vorbereitungen getroff en, es kehrt „Ruhe vor dem Sturm“ ein, das heißt, der Suizidant spricht nicht mehr über sein Vorhaben, zieht sich zurück, hat resigniert. Die Distanzierungs- und Steuerungsfähigkeit ist aufgehoben, es kommt zur Suizidhandlung. Von der hier beschriebenen Krise wird eigens der „psychiatrische Notfall“ unterschieden. Diese psychiatrische Krise geht einher mit einer psychischen Grunderkrankung (zum Beispiel Depression, schizophrene Psychose, Suchterkrankung), und kann sich ebenfalls zur suizidalen Krise zuspitzen. Die Zahlen sind eindeutig: Circa 90 Prozent der Menschen mit suizidalen Krisen, Suizidversuchen und Suiziden sind psychisch erkrankt (WOL- FERSDORF, 2007, S. 24) 1 . Die dann auftretenden Symptome – etwa akute Psychose, Delir, Suizidhandlung, Erregungs- oder Verwirrtheitszustand – müssen im Zusammenhang mit der Erkrankung gesehen und beide behandelt werden. Dörner und Plog bringen – in psychoanalytischer Tradition stehend – bei ihrer Sicht von Krise interessanterweise Selbst- und Fremdtötung in engen Zusammenhang. Elemente der Krise sind die Zuspitzung eines langwierigen, ungelösten Problems, die symptomatische Abwehr der Angstsignale (etwa durch depressive, neurotische, somatische Symptome oder durch Alkohol und Medikamente), der Zusam- 1 „Die suizidale Gefährdung ist dabei am höchsten bei der Depression in der akuten Erkrankungsphase, insbesondere bei der Ersterkrankung, bei der Schizophrenie bei jeder Wiedererkrankung … sowie beim Vorliegen suizidfördernder Psychopathologie, bei Suchterkrankungen eher gegen Ende des Suchterkrankungsverlaufs, wenn die sozialen Folgen auf den Betroff enen einstürzen.“ (Ebd., S. 25). 2.3 | Basisfragen 12/2009

menbruch dieser Abwehrstrategie und die gleichzeitige Zunahme der Angstspannung, die nur noch einen „Sprung“ als möglich erscheinen lässt: „Die Krise ist [so] zugespitzt, […] dass die zugehörige Landschaft sich zu einem Punkt verdichtet, zu einer Wand verhärtet, zu einem Abgrund abgeschlossen und geöff net hat […]. Möglich und zugleich zwingend ist nur der gewaltsame Sprung“ aus dieser Situation (DÖRNER/PLOG, 1985, S. 326). Diese „Antriebszuspitzung“ ist so total und zugleich „ungerichtet, dass dabei auch ein zielge- Persönlichkeit bisher „psychisch“ gesund selbstdestruktive Stile der Konfliktbewältigung Faktoren, die Suizidalität und Hoffnungslosigkeit fördern, bisherige Suizidalität, Modelle in Peergroup/Umfeld/Kultur Auslöser: belastendes Lebensereignis, narzisstische Kränkung Krise mit Suizidalität „Risiko-Psychopathologie“ Erklärungsansätze suizidaler Krisen 2.3 richtetes Töten herauskommen kann […]. Die Sprung-Fragen lauten etwa: 1. So oder anders. 2. Ich oder Du. 3. Ich oder Nichts. 4. das ‚Gottesurteil‘, d. h. so springen, dass man ‚es darauf ankommen lässt‘ was der präzise Sinn des merkwürdigen Wortes Suizidversuch ist.“ (Ebd.) So wird verständlich, dass Selbst- und Fremdtötung eng verfl ochten sind: Töten, Getötet-Werden Psychobiosoziale Ausgangsbedingungen lebensgeschichtliche Entwicklung Einengung von Erleben/Verhalten Abb. 2.5: Konzeption der Suizidalität (nach Wolfersdorf, 2007) psychische Krankheit akute/chronische Suizidalität Psychische Krankheit Suizidalität fördernde Psychopathologie: Hoffnungslosigkeit, Bedrohtheitsgefühle, Wahn, Suizidabsicht Auslöser: belastendes Lebensereignis, narzisstische Kränkung Basisfragen | 2.3

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