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Druckdaten Handbuch Suizidprävention inkl ... - TelefonSeelsorge

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3. Der Mensch gehört

3. Der Mensch gehört zur Gemeinschaft, ist Eigentum des Vaterlandes, hat also kein Recht, durch Suizid diese Anwesenheit zu tilgen. 4. Der Mensch ist Eigentum Gottes, gehört Gott, wie ein Sklave seinem Herrn gehört. Der Mensch ist nicht „sui iuris“. Denn Gott entscheidet über unser Leben und unseren Tod. Diese Haltung gegenüber dem Suizid verfestigte sich also im Laufe der Jahrhunderte und begründete jegliche Ethik. Erst mit der Reformation veränderte sich auch die Haltung der Kirchen bis hin zur gemeinsamen Erklärung der Kirchen im Jahr 1989 (siehe Kapitel 3.3.3). Martin Luther sieht im Suizid „das Werk des Teufels“ und verurteilte deshalb stets die Tat, aber nicht immer das Opfer. In seinen Tischreden (Nr. 222) formuliert er etwa: „ Sie tun es nicht gern, aber die Kraft des Teufels überwältigt sie, wie einer im Wald von einem Räuber ermordet wird.“ (LUTHER, 1962, Nr. 222.) Damit wandert der Blick ohne Ansehen der Person auf das persönliche Schicksal des Einzelnen. Hieran wird deutlich, wie unterschiedlich suizidale Handlungen in verschiedenen Epochen und auch im Christentum beurteilt wurden und heute noch werden. 3.2 | Religiöse und ethische Fragen 12/2009

3.3 Ein-Blick auf die gegenwärtige Situation Das geschlossene gesellschaftliche Bild, das maßgeblich von der Kirche oder den Kirchen bestimmt wurde, hat sich längst verändert. Nicht nur andere kulturelle und religiöse Hintergründe mischen sich heute in die Bewertung und den Umgang mit dem Suizid. Längst haben die Kirchen an Einfl uss, aber auch an innerer Einheitlichkeit verloren. TelefonSeelsorge hat aber ihre Ursprünge im christlichen Menschenbild und in den Grundhaltungen der Nachfolge. Dies bedeutet längst nicht mehr, in den Fußspuren einer eindeutig bestimmten Person und ihrer eindeutig bestimmten Haltung zu gehen. Auch in den Kirchen wächst die Gewissheit, dass Glauben ein vielfältiges, buntes, zum einzelnen Individuum gehörendes Geschehen ist, das man nicht irgendwann erreicht hat, sondern das prozesshaft verstanden werden muss. Das 3.3.1 Katholische Kirche Wenn man sich am katholischen Erwachsenen-Katechismus orientiert, fi nden sich schnell eindeutige Verweise, die eher an Traditionen früherer Jahrhunderte anschließen. So heißt es da zum Th ema „Selbstmord“: „Der Selbstmord widerspricht der natürlichen Neigung des Menschen, sein Leben zu bewahren und zu erhalten. Er ist eine schwere Verfehlung gegen die rechte Eigenliebe […].“ (KATE- CHISMUS, München, S. 580.). Der Selbstmord 3.3.2 Evangelische Kirche Dietrich Bonhoeff er diff erenziert noch detaillierter (BONHOEFFER, 1998, S.192 ff .). Für ihn gehört zur menschlichen Freiheit auch, das Leben zu opfern. Damit unterscheidet er eindeutig zwischen Ein-Blick auf die gegenwärtige Situation 3.3 ist die Voraussetzung, unter der nachfolgend auf die offi ziellen Stellungnahmen der Kirchen verwiesen wird. Sie sind also so etwas wie Rahmenbedingungen, die eine individuelle Auseinandersetzung provozieren wollen und können. Daneben steht der Versuch einer kleineren Gruppe von Christen, die den Suizid bezugnehmend auf ein Wort Jesu „Niemand hat größere Liebe denn die, dass er sein Leben lässt für seine Freunde“ (Joh 15, 13) als gerechtfertigt deuten und sich damit eindeutig gegen eine Herleitung aus dem 5. Gebot (Du sollst nicht töten!) wenden. Darüber hinaus weisen wir auf die am meisten rezipierten Religionen hin. Der Aufklärung mit ihren humanistischen und philosophischen Wurzeln und Wirkungen begegnen wir im Kapitel 3.4. widerspricht also der Liebe zum lebendigen Gott, die freiwillige Beihilfe verstößt gegen das sittliche Gesetz. Und dann im Unterschied zu Th omas von Aquin: Aber die Verantwortlichkeit des Selbstmörders kann durch psychische Störungen, Angst, Schicksalsschläge oder Qual und Folter vermindert sein (vgl. ebd., S. 580 ff .). Die Kirche betet für die Menschen, die sich das Leben genommen haben. einer Selbsttötung, die ein Opfer zugunsten anderer Menschen ist, und dem Selbstmord, bei dem es nur um die eigene Person geht. Karl Barth kommt auch zu einem diff erenzierten Nein. Aber ähnlich Religiöse und ethische Fragen | 3.3

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