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Druckdaten Handbuch Suizidprävention inkl ... - TelefonSeelsorge

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wie er den Tyrannenmord

wie er den Tyrannenmord unter dem Eindruck der Schrecken des NS-Regimes für möglich erachtete, verweist er auch für den Suizid darauf, dass es Menschen an der Grenze gibt. Und für diese Fälle gilt, dass „die Möglichkeit des Grenzfalls [...] die besondere Möglichkeit Gottes selbst“ ist (BARTH, S. 470). Letztendlich bleibt Karl Barth jedoch dabei, vor dem Selbstmord zu warnen. Besondere Berücksichtigung sollte vielleicht Jochen Klepper erfahren. Der bekannte Dichter mehrerer Gesangbuchlieder (zum Beispiel „Die Nacht ist vorgedrungen“) hat zusammen mit seiner jüdischen Frau angesichts zunehmender Repressalien den Suizid 1942 als Ausweg gewählt, und das im blinden Vertrauen auf Gottes Führung und Fügung (vgl. CHRIST-FRIEDRICH, 2001). Das Resümee unterschiedlicher Th eologen, das in den neueren Verlautbarungen der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) auftaucht, lässt sich vielleicht folgendermaßen zusammenfassen: Auch in der evangelischen Kirche hält man am Ja Gottes zum Leben fest. Aber angesichts der Situation, dass ein Mensch selten wirklich „frei“ zu einer Entscheidung kommt und angesichts dessen, dass Sinnzusammenhänge zerbrechen und zerbrochen bleiben können, muss mit Kritik und Bewertung vorsichtig umgegangen werden. Letztlich sind es individuelle Schicksale, die nicht unserer Bewertung, sondern der Gnade Gottes überlassen sind. 3.3.3 Pastoralpsychologische Sicht und gemeinsame Verlautbarung der beiden Kirchen Aus den offi ziellen Stellungnahmen der beiden Kirchen lässt sich gutwillig immer der Blick auf die (pastoralpsychologische) seelsorgerische Praxis ableiten. Das heißt, die Situation des Menschen will, soweit möglich, verstanden sein, beziehungsweise die Situation aller Betroff enen braucht Begleitung. Dies geschieht unter anderem in der TelefonSeelsorge. Den Hintergrund bieten soziologische und psychologische Untersuchungen und Erwägungen (s. u. 2.4. ff .). Im Vordergrund steht aber für die Begleiterinnen und Begleiter immer, dass die letztendliche ethische Entscheidung dem „Forum Gottes“ überlassen bleibt. An diese praktisch-seelsorgerischen Überlegungen lässt sich auch die gemeinsame Verlautbarung der beiden Kirchen anschließen. (KIR- CHENAMT, 1989) Suizid wird nicht weiter als „Selbstmord“, sondern als „Selbsttötung“ verstanden. In den Mittelpunkt wird der Mensch gerückt und nicht die Tat als Maßstab der Beurteilung oder gar Verurteilung genommen. Damit wird eine Diff erenzierung von Mensch und Tat vorgenommen. Die Tat bleibt unverstehbar und man kann sie nicht billigen, aber unabhängig davon fällt der Mensch nicht automatisch unter ein verdammendes Gericht, sondern bleibt auch hier der Gnade Gottes überlassen. Uns anderen Menschen steht kein Urteil von außen zu. Interessanterweise nimmt die Verlautbarung noch zwei andere Ideen auf: Die eine bezieht sich auf die „Freiheit“ einer individuellen Entscheidung. Jede „Freiheit“ entzieht sich objektiven Maßstäben, weil sie immer gebunden bleibt an ein subjektiv empfundenes Freiheitsgefühl. Dieses ist durch den jeweiligen Kontext und dessen Maßstäbe bestimmt (zum Beispiel gesund, reich, stark, beschwerdefrei etc.). Dies erinnert an die konstruktivistischen Ansätze neueren Datums. Damit lässt sich auch keine „objektive“ Aussage machen, die sich auf die Freiheit des Menschen bezieht. Dieser Blick auf die Bedingungen einer „freien“ Individualentscheidung wird bis heute bei jenen Organisationen vernachlässigt, die sich für eine 3.3 | Religiöse und ethische Fragen 12/2009

Sterbehilfe bzw. ein freies, selbstbestimmtes Ende aussprechen. Zum anderen nimmt die gemeinsame Verlautbarung das Th ema der Beihilfe zum Suizid auf und setzt diesen gleich mit der verworfenen aktiven 3.3.4 Weitere aktuelle Einfl üsse 3.3.4.1 Östliche Religionen Es lohnt an dieser Stelle der Blick auf fernöstliche Religionen. Beispielhaft sei der Buddhismus genannt. Wie kaum eine andere Religion haben seine Ideen und Gedanken Einzug in unsere Kultur gehalten. Grundsätzlich können wir sogar davon sprechen, dass wir auch hier längst in einer Mischkultur religiöser Ideen leben. Der Buddhismus steht beispielhaft für den Glauben an eine Wiedergeburt und die kausale Vernetzung unterschiedlicher Leben und deren Aufl ösung. Es gibt dort selten eine Bemerkung zum Suizid, weil natürlich ein Mensch durch die Selbsttötung der Seelenwanderung nicht entgehen kann. Eine der wenigen Ausnahmen ist die Besprechung früherer (tierischer) Reinkarnationsstadien des Buddha und sein Opfer, um anderen Tieren das Leben zu retten. Erst die Auseinandersetzung mit der westlichen Kultur führt zu einer Einordnung des Suizids. Das folgende Beispiel stammt von den „Rändern“ der Hospizbewegung, die sich ja auch als Gegengewicht zur aktiven Sterbehilfe versteht. Sogyal Rinpoche, ein Lehrer aus der Linie des Dalai Lama, schreibt: „Ich habe von tragischen Fällen gehört, in denen junge Menschen Selbstmord begingen, weil sie glaubten, der Tod sei etwas Wunderbares und ein Ausweg aus der bedrängenden Enge ihres Lebens. Ob wir den Tod nun fürchten und verdrängen oder ob wir ihn verklären – in beiden Fällen trivialisieren wir ihn. Sowohl Verzweifl ung als auch Euphorie sind Ausfl üchte. Der Tod ist weder deprimierend noch spannend, er ist einfach Ein-Blick auf die gegenwärtige Situation 3.3 Sterbehilfe (PATIENTENVERFÜGUNG, S. 19). Gehört dazu auch die (telefonische) Weitergabe von Telefonnummern oder Adressen der Organisationen, die die in Deutschland verbotene Sterbehilfe vertreten? eine Tatsache des Lebens.“ (RINPOCHE, S. 24.) An anderer Stelle (ebd., S. 447) spricht er davon, dass das Bewusstsein eines so Verstorbenen negativem Karma folgt, das Befreiung verhindert. 3.3.4.2 Islam Die „religiöse Mischkultur“, von der wir eben sprachen, öff net natürlich auch den Blick auf den Islam. Immerhin 16 Millionen Menschen bekennen sich innerhalb der europäischen Union zum Islam, davon leben in Deutschland allein 3,3 Millionen (Stand: 2006). Der Islam gehört, neben dem Judentum und dem Christentum, zu den drei monotheistischen Religionen, die sich alle auf den einen Gott beziehen. Sie stehen mit ihrer Genese und andauernden Auseinandersetzung zueinander in Wechselbeziehung. Im Islam ist die Einstellung zum Suizid eindeutig negativ. „Zu sterben steht niemandem zu, es sei denn mit Allahs Erlaubnis – ein Beschluss mit vorbestimmter Frist.“ (Sure 2, 195.) Den Menschen, die sich selbst töten, wird die Aufnahme ins Paradies verweigert. 3.3.4.3 „Öffentliche“ Selbsttötung Nicht immer liegt der Selbsttötung ein freier, autonomer Entschluss zugrunde. Inwieweit Suizid und Autonomie sich ausschließen oder bedingen, darauf wird im folgenden Kapitel eingegangen. Aber der Suizid wird off ensichtlich auch fast standardisiert, oft religiös oder moralisch behaftet bewusst öff entlich vollzogen. Wer hat nicht die Bil- Religiöse und ethische Fragen | 3.3

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