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Druckdaten Handbuch Suizidprävention inkl ... - TelefonSeelsorge

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1 Einleitung 1.1

1 Einleitung 1.1 „Niemand bringt sich gerne um!“ Rosemarie Schettler „Niemand bringt sich gerne um!“ – Unter diesem etwas drastischen Motto startete 2005 anlässlich des 3. Weltsuizidpräventionstages eine überregionale Aktion in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen. Krisendienste, Fachberatungsstellen und einige TelefonSeelsorge-Stellen hatten am 10. September Informationsstände rund um das Th ema Suizid in den Innenstädten aufgebaut. Um zwölf Uhr mittags stiegen an vielen Standorten gasgefüllte Ballons auf, bedruckt mit dem Namen und der Telefonnummer des örtlichen Krisendienstes. Jeder Ballon trug ein gelbes Kärtchen in den Himmel. Auch das Kärtchen war auf der einen Seite beschriftet mit den Nummern und den Namen der beteiligten Krisendienste und TelefonSeelsorge- Stellen, auf der anderen Seite prangten Herzen und der harte Satz: „Niemand bringt sich gerne um!“ Die Absicht und das Ziel der damaligen Aktionen war, die Alltäglichkeit des Phänomens Suizidalität ins Bewusstsein zu holen und dabei unmissverständlich auszudrücken, dass Suizid nie eine locker getroff ene Bilanz-Entscheidung ist und auch nicht plötzlich, aus heiterem Himmel erscheint. Fast immer entwickelt sich der Gedanke an Suizid als Lösungsversuch am Ende einer langen Zeit belastender Lebensumstände und alternativer Lösungsversuche. Die Belastungen, die Betroff ene in dieser Zeit empfi nden, sind der Umwelt oft be- Niemand bringt sich gerne um. 1.1 kannt, selten aber erkennen die anderen das Ausmaß der dabei empfundenen Verzweifl ung. Mit dem Symbol des Ballons sollte diese Schwere des Suizidgedankens verknüpft werden mit der Leichtigkeit des Ballons und dem Gedanken, dass es auch für Suizidimpulse Gesprächsangebote gibt und Alternativen. „Niemand bringt sich gerne um!“ – Dieser Satz polarisiert. Manche Menschen lässt er lächeln wegen der scheinbaren Selbstverständlichkeit, die er beschreibt, andere wieder fühlen sich provoziert. Sie sind dann schockiert wegen der vermeintlichen Lässigkeit dieser Aussage und befürchten, die Suizidgefahr und damit der Suizident würden nicht genügend ernst genommen. „Niemand bringt sich gerne um!“ – Warum schmückt nun dieser polarisierende Satz als Titel die Handreichung zur Suizidprävention in der TelefonSeelsorge? Er steht dort, weil er wachrüttelt, die Mitarbeitenden in der TelefonSeelsorge an die Gründungsidee ihrer Einrichtung erinnert und hoff entlich ermutigt, Suizidgespräche aktiv zu führen. Ursprünglich war die TelefonSeelsorge angetreten als „Lebensmüdenberatung“. Genutzt wurde sie im Laufe der Jahre von Anrufenden immer mehr als Anlaufstelle für Th emen wie Einsamkeit, psychische Krankheit, außergewöhnliche Lebenssituationen ohne Selbsttötungsabsichten. Auch chronisch belastete Menschen nehmen Telefon- Seelsorge häufi g in Anspruch. Einleitung | 1.1

Betrachtet man die Statistik der TelefonSeelsorge, so kann der Eindruck entstehen, dass Suizid als Th ema eher die Ausnahme ist. Hauptamtliche in der TelefonSeelsorge haben aber auch den Eindruck und den Verdacht, dass hier die Statistik wiedergibt, was Mitarbeitende in der TelefonSeelsorge zulassen und hören können. Suizidalität – solange sie nicht direkt und unmissverständlich ausgesprochen wird – wird schnell überhört, rührt sie doch sehr an eigene Ängste. TelefonSeelsorge als ein niedrigschwelliger Dienst mit den markanten Merkmalen der Anonymität und 24-Stunden-Präsenz bietet aber gerade Menschen in suizidalen Krisen in hohem Maß ein Profi l, das zum Gespräch über den intimen und heiklen Gedanken der Selbsttötung ermutigen kann. Die Verfasserinnen dieser Handreichung haben sich zum Ziel gesetzt, Fachinformationen zum Suizid und Material für die Aus- und Fortbildung Ehrenamtlicher zusammenzutragen und damit für alle Stellen zugänglich zu machen Die Beschreibung der erweiterten Tätigkeitsfelder der TelefonSeelsorge in Mail, Chat und Krisenintervention Auge-in-Auge soll darüber hinaus deutlich machen, wir sehr das Feld Suizid durch die Aktivitäten der TelefonSeelsorge derzeit schon bestellt wird. Es liegt eine Fülle an Erfahrungen vor, die diese Handreichung zur Unterstützung und weiteren Verwendung bündelt und vorlegt. So ausgerüstet und ermutigt wird das TS-Ohr immer wieder geschärft, um auch einen leise oder undeutlich formulierten Gedanken an Selbsttötung aufzunehmen. Denn: Suizidgedanken in Worte zu fassen ist schwer. Und wenn man nun endlich weiß, dass TelefonSeelsorge der passende Partner für das Gespräch um die Suizididee ist: Wie wird die Idee in konkrete Sprache gefasst? Sagt man: ,Ach, übrigens: Ich überlege, mich umzubringen‘? Welche Worte werden dem langen, mühsamen, ungeraden Weg gerecht, der die Suizididee hat keimen und wachsen lassen? Sprache scheint hier brutal in ihrer Direktheit und in ihrer Geschwindigkeit unangemessen, das komplexe innere Geschehen einem anderen Menschen zu vermitteln. Der Text, den Suizidenten in der Praxis sprechen, ist deshalb in der Regel subtil. Nicht ohne Grund gibt es in der Literatur zum Suizid Bücher, die Titel tragen wie: Bitte hört, was ich nicht sage. Selten sind Menschen klar und präzise in der Angabe von Suizidabsichten. Wenn sie es sind, dann ist der Gedanke meist kein Gedanke mehr, sondern ein handfester, wohlüberlegter Plan, zu dessen Umsetzung die Mittel schon bereitliegen. In der „Reifungsphase“ dieses Plans sind Worte umschreibend, metaphernhaft, leicht zu überhören oder falsch zu deuten. Und eben in dieser Kunst sind die Mitarbeitenden der TelefonSeelsorge zu schulen: Das Ungesagte oder die Metapher zu hören und off en zu bleiben für die Berührung mit Verzweifl ung und Todeswünschen. Und auch der Telefonseelsorger, der Halt gebend, entlastend, Ressourcen stärkend, wertschätzend das Gespräch geführt hat, wird einen Suizid nicht immer verhindern können. Die Herausforderung bleibt, ein authentischer und kompetenter Gesprächspartner zu sein und den Ablauf des Geschehens eben nicht in der Hand zu haben. Ein Beispiel aus der Praxis der TelefonSeelsorge kann den „Sinn“ unseres Tuns gut beschreiben: Der Anrufer hat einen Suizidversuch mit Medikamenten überlebt. Im Moment geht es ihm etwas besser, dennoch bricht er immer wieder in Tränen aus. Auf die besorgte Frage der Mitarbeiterin der TelefonSeelsorge, wie dieses Gespräch ihm denn helfen könne, lautet seine Antwort: „Aber Sie helfen mir doch schon – ich kann sprechen!“ 1.1 | Einleitung 12/2009

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