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Anna Wiesemann

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<strong>Anna</strong> <strong>Wiesemann</strong>


Das Projekt.<br />

»Arbeit. Glück. Kunst.« ist ein künstlerisches Interview-Projekt. Mein<br />

Interesse galt insbesondere der als Arbeit bezeichnten Tätigkeit der einzelnen<br />

Personen. 28 in Deutschland lebenden Menschen in unterschiedlichen<br />

gesellschaftlichen Zusammenhängen habe ich dieselben vier Fragen<br />

gestellt.<br />

Einige der Fragen wurden mündlich beantwortet, andere schriftlich.<br />

Es entstanden interessante gedankliche Zusammenhänge. Die Interviews<br />

zeigen Gemeinsamkeiten und Unterschiede der befragten Menschen;<br />

sie beleuchten den Begriff der Arbeit sowie den der Kunst aus verschiedensten<br />

Perspektiven und ermöglichen das Verfolgen von Gedankengängen<br />

einzelner Personen.<br />

Einen wesentlichen Hintergrund des Projektes stellt für mich die Frage<br />

danach dar, ob eine erfüllte Arbeit nicht eine solche ist, in der der Mensch<br />

sich schöpferisch mit der Welt auseinandersetzen kann. Wo ist so eine<br />

schöpferische Auseinandersetzung möglich? Ich glaube, dass diese Momente<br />

weit über die künstlerischen Tätigkeiten hinausgehen bzw. dass<br />

sie das künstlerische Handeln in ganz anderen Zusammenhängen manifestieren.<br />

Ziel des Projektes »Arbeit. Glück. Kunst.« ist es, einen gemeinsamen<br />

gesellschaftlichen Konsens herauszuarbeiten und diesen in gebündelter<br />

Form wiederzugeben.<br />

<strong>Anna</strong> <strong>Wiesemann</strong><br />

im Frühjahr 2008


Fragebogen: Arbeit. Glück. Kunst.<br />

Dirk Battenfeld // Professor für Betriebwirtschaftslehre<br />

Was ist Ihre Arbeit? Was tun Sie, wenn Sie arbeiten?<br />

Unterrichten, forschen, einen Studiengang »unternehmen«, kooperieren<br />

und vernetzen, organisieren und koordinieren. Zuhören, einfühlen,<br />

abwägen, reden, fordern, fördern, telefonieren, schauspielern, schreiben,<br />

lesen, e-mailen.<br />

Was an Ihrer Arbeit macht Sie glücklich?<br />

Die Menschen und das, was in ihnen entsteht. Die gewonnenen Erkenntnisse.<br />

Was bedeutet für Sie Kunst?<br />

Kunst – das ist materialisierte Emotion. Auseinandersetzung mit Kunst<br />

ist Auseinandersetzung mit sich, seinen Mitmenschen und ihren Beziehungen.<br />

Was hat Ihre Arbeit mit Kunst zu tun?<br />

Arbeit ist Schöpfung, Schöpfung ist Kunst.


Fragebogen: Arbeit. Glück. Kunst.<br />

Dr. Wu // Arzt für Traditionelle Chinesische Medizin<br />

Was ist Ihre Arbeit? Was tun Sie, wenn Sie Arbeiten?<br />

Meine Arbeit (Stille) ... macht Spaß, das ist eine Hochleistung, weil bei uns<br />

ist die Arbeit, sagen wir so: Ich hatte früher einen Schüler, der ist deutsch,<br />

der hat Traditionelle Chinesische Medizin gelernt, der sagte, TCM sei wie<br />

eine Kunst. Das stimmt so, weil, sagen wir ein bisschen so, ein Beispiel:<br />

TCM und Schulmedizin. Schulmedizin ist mehr oder weniger ein Massenprodukt,<br />

Industriearbeit. Der Arzt macht eine Diagnose und dann ein<br />

Therapieangebot, zum Beispiel Tabletten, die von der Pharmaindustrie<br />

hergestellt sind.<br />

Bei uns ist das nicht so. Wir müssen immer nach der Lage des Patienten<br />

die verschiedenen Symptome zusammenfassen. Es ist nicht nur die Aufgabe,<br />

dieser Krankheit einen Namen zu geben, eine sogenannte Diagnose<br />

zu machen. Die Patienten haben unterschiedliche Zustände, auch bei ein<br />

und derselben Krankheit, zum Beispiel bei einer Erkältung gibt es manche<br />

mit starkem Schnupfen, manche haben keinen Schnupfen, manche<br />

haben Fieber, manche haben Kälte, manche haben durchfall, manche haben<br />

Verstopfung, manche haben viel durst, manche nicht, manche husten<br />

stark, manche nicht.<br />

Das ist alles unterschiedlich. Sogar bei einer Halsentzündung ist es sehr<br />

unterschiedlich, bei manchen ist der Hals ganz rot mit Eiter, bei manchen<br />

ist er gar nicht so rot, trotzdem tut er weh.<br />

Das ist eine Krankheit, die so viele Bilder macht. Bei uns wird der Arzt zu<br />

einem Künstler. Er muss in solchen komplizierten Situationen einen Weg<br />

finden – wie in einem Wald. Das ist nicht so leicht. Das ist schwer.Das ist<br />

nicht nur für einen jungen Arzt schwer, auch für einen alten, obwohl der<br />

schon eine bessere Nase hat.<br />

Unsere Aufgabe ist ähnlich wie die eines Bildhauers, der zwei Figuren<br />

machen will. Er hat ein Angebot von Material da draußen im Garten. Im<br />

Hof. Große Stücke Holz, kleine Stücke Holz. Damit soll er eine Figur machen,<br />

von gleicher Form, eine so groß und die andere so klein. Da muss<br />

er mit den Unterschieden arbeiten.<br />

Bei der Schulmedizin ist es anders: Im Hof stehen viele Stücke Holz, doch<br />

nur die passenden werden genutzt, die anderen werden weggeworfen.<br />

Kann man nicht alle benutzen, der Arzt sagt also: »Was soll man machen,<br />

das eine Stück ist zu groß, das andere zu klein, das kann man nicht mit<br />

der Maschine verarbeiten!« – Fertig!<br />

Beim Verkaufen von Pharmaprodukten sieht man das auch: die schulmedizinischen<br />

Produkte kann man überall kaufen. Bei uns gibt es sie nur<br />

beim »Handwerker‘! Sie sind in Handarbeit hergestellt.<br />

Zwischenfrage: Wie lange haben Sie studiert?<br />

Fünf Jahre in der Uni, danach war die Prüfungszeit und danach muss<br />

man bei uns erst 10 Jahre Erfahrung sammeln.<br />

Ja. Hochleistung. Kunst. Das macht Spaß, aber manchmal macht es auch<br />

Kopfschmerzen. Manchmal ist der Fall zu schwierig.<br />

Manchmal kommen die Leute zu spät zu uns. Der Patient hat dann die<br />

gute Behandlungszeit verpasst. Er hat sich immer weiter untersuchen lassen,<br />

immer weiter, immer weiter und hat verschiedene Therapien ausprobiert<br />

und ist erst am Ende zu uns gekommen.<br />

Das ist dann für mich auch zu spät. Wenn es zu spät ist, dann hat man<br />

schlechte Chancen. Dann wird die Arbeit sehr sehr schwer. Ja ...<br />

Was an Ihrer Arbeit macht Sie glücklich?<br />

Das hilft den Leuten doch. Das reicht doch! Genauso, wie wenn jemand<br />

ein Bild gemalt hat oder eine Figur gehauen hat und dann stehen die Leute<br />

da uns sagen »Hm, schön!« – Das reicht doch!<br />

Bei einem schlechten Bild guckt keiner. Ja. Da läuft man einfach vorbei.<br />

Oder, wenn ich hier keine Leistung erbringe, dann gehen die Leute weg.<br />

Dann macht es auch keinen Spaß mehr. Oder? Ist so!<br />

Was bedeutet für Sie Kunst?<br />

Das ist eine gute Frage. Verschiedene Leute haben dazu verschiedene


Antworten, ja? Für mich muss die Kunst von Leuten gefallen werden.<br />

Natürlich kann man sagen, von verschiedenen sozialen Schichten und<br />

Herkünften gibt es verschiedene Geschmäcker. Aber eigentlich soll man<br />

nicht so denken, denn da gibt es verschiedene Kunst, die man auch nach<br />

2000 Jahren noch gerne ansieht. Die man sehen will.<br />

Manche Kunst gibt es, die man nach 10 Jahren gar nicht mehr sehen will.<br />

Manche Kunst hat einen langen Weg, manche nur einen kurzen.<br />

Das ist genau so wie in anderen Bereichen. Zum Beispiel bei Büchern:<br />

Manche berühmte Schriftsteller von früher, die jetzt schon ein paar hundert<br />

Jahre tot sind, werden jetzt noch immer gelesen.<br />

Der Künstler hat eine Aufgabe, nicht nur seine innere Welt zu zeigen,<br />

auch die Interessen von vielen Leuten darin zu zeigen. Das ist das Thema.<br />

Aber hier jetzt in Deutschland, ich merke, dass das nicht so ist. Viele<br />

Maler können gar nicht wirklich malen. Sie haben zwar Malerei studiert,<br />

aber malen können sie nicht.<br />

Viele Maler malen nur aus eigenem Spaß und das ist für mich nicht richtig.<br />

Ich finde, es gibt kein richtiges Niveau mehr. Für mich muss Kunst ein<br />

Niveau erreichen.<br />

Zwischenfrage: Meinen Sie, dass das in Ihrer Kultur anders gesehen<br />

wird als hier in Deutschland?<br />

Ja, das ist grundsätzlich etwas anderes. Hier in Europa gibt es viel Ölmalerei,<br />

bei uns ist es mehr so was (deutet auf ein Tusche-Gemälde) Warum?<br />

Man muss auch von der Landschaft und der Philosophie weiter von dieser<br />

Richtung tief graben. Weil in Europa gibt es eine Tradition. Besonders<br />

damals, am Anfang, mussten die Objekte genau dargestellt werden. Egal<br />

ob als Bildhauer oder Maler. Mit Öl – ganz fein, ganz genau. Später dann,<br />

vor hundert Jahren, kam etwas anderes. Das ist beeinflusst von anderen<br />

Kulturen. Picasso hat einmal gesagt, richtige Kunst käme aus China, aus<br />

Afrika. Damals hat ein sehr berühmter Maler, Chang dai Chien, Europa<br />

besucht und hat sich mit Picasso getroffen und Picasso hat diesen Meister<br />

gefragt, warum er nach Europa kam. Er sagt, er wolle in Europa Kunst<br />

studieren. Picasso sagte, das ist falsch, richtig Kunst kommt aus China,<br />

aus Afrika. In China ist Kunst etwas anderes. In einem Bild geht es um<br />

eine Idee, um ein Gefühl, es wird nicht genau beschrieben, nicht genau.<br />

Das ist nur ein Gefühl.<br />

Hier! (Zeigt auf seine Tuschegemälde) ... Wenn man das sieht, merkt man<br />

sofort, das ist im Winter, das ist ganz feucht, ganz dunkel. Oder hier, im<br />

Regen, das kleine Schiff da.<br />

Ich habe Zuhause noch ganz viele andere Bilder dazu. Da gibt es auch<br />

Maler in Europa. Da wird mehr das Gefühl beschrieben. Das gibt es jetzt<br />

auch. Aber jetzt sind die Bilder nur noch Gefühl.<br />

Aber jetzt geht (mir) das zu weit. Jetzt kann jeder eigene blöde Sachen<br />

machen und sie als Kunst ausstellen. Ist zu individuell. Dann ist es für<br />

mich sinnlos.<br />

Was hat Ihre Arbeit mit Kunst zu tun?<br />

Ja, bei einem Künstler ist auch nicht jedes Werk so gelungen. Bei meiner<br />

Arbeit ist es auch so: Ich kann vielen Leuten helfen, aber nicht allen.<br />

Manche kommen zu spät. Bei manchen passt die Atmosphäre, die Beziehung<br />

nicht so richtig. Manche haben ein Vorurteil. Oder bei manchen<br />

Krankheiten ist wahrscheinlich meine Kenntnis begrenzt. Das kann auch<br />

sein. Meine Arbeit funktioniert auch mit Gefühl, da ist immer viel Gefühl<br />

dabei. Von diesem Punkt betrachtet, ist meine Arbeit ähnlich zur Kunst.<br />

Da ist immer Gefühl dabei.<br />

Zusatzfrage: Was steht auf den Schrifttafeln an dieser Wand?<br />

Da (deutet auf die eine Tafel) steht: »Großer Erfolg kommt durch Willen«.<br />

Auf der anderen Tafel steht: »Die universelle Regelung ist, dass der fleißige<br />

belohnt wird«.


Fragebogen: Arbeit. Glück. Kunst.<br />

Claudia Ginger // freischaffende Bildhauerin<br />

Was deine Arbeit? Was tust du, wenn du arbeitest?<br />

In meiner Arbeit schreibe ich nun dreidimensionalen Räumen Bilder ein;<br />

Bilder, die meiner Seele und Psyche entstammen, sich einmal im Außen<br />

wieder gefunden haben und dann in einer ganz speziellen Weise in einem<br />

zimmergroßen Raum sichtbar gemacht werden wollen. Dies muss unbedingt<br />

immer mit üppigem bzw. sinnlichem Materialeinsatz vonstatten<br />

gehen. Als Motiv bzw. Metapher für die menschliche Seele wähle ich verschiedene<br />

Möbel, also Rauminterieur.<br />

Was an deiner Arbeit macht dich glücklich?<br />

Das Erheben über den Alltag mit Alltagsgegenständen und Alltagsthemen<br />

und der Darstellung dieser.<br />

Das In-Kontaktkommen und Gestalten mit/von irdischem Material über<br />

diese Frage- und Aufgabenstellungen.<br />

Das tiefe, freudige Begegnen mit Menschen in Zusammenhang mit dieser<br />

Arbeit.<br />

Was bedeutet für dich Kunst?<br />

Sie gehört für mich inzwischen um zum Leben wie das tägliche Brot, weil<br />

sie meine Sinnhaftigkeit und Freude als Mensch immer wieder neu verstehen,<br />

erweitern und überhaupt entstehen lässt.<br />

Was hat deine Arbeit mit Kunst zu tun?<br />

Vor kurzem habe ich mich selbst und andere im Rahmen meiner Studienabschlussarbeit<br />

befragt, woher das Bedürfnis des Menschen stammt,<br />

Kunst zu machen. Ich selbst kann dazu sagen, dass ich »schlicht und<br />

einfach« begegnen möchte – mir selbst, der Materie und anderen Menschen<br />

und die Motivation rührt von der Möglichkeit her, diese Begeg-<br />

nung nach ganz eigenen Maßstäben gestalten bzw. mich in ihr mitteilen<br />

zu können. Sie soll dabei nicht nur im gewöhnlichen Kontext des Alltags<br />

stattfinden, sondern auf einer Ebene, die mehr als nur den gewöhnlichen<br />

Alltagsmenschen meint. Sie soll in einer Art und Weise stattfinden, die<br />

sich immer wieder von Neuem dem Ursprung der Dinge bewusst werden<br />

möchte, nach ihrer Sinnhaftigkeit auf die Suche geht, über den Alltagsmenschen<br />

hinaus wächst und somit ein Medium der »Schöpferkraft«<br />

darstellt. Wenn dies in »geformter Materie« gelingt, würde ich eine solche<br />

Arbeit und somit auch meine als Kunst bezeichnen.


Fragebogen: Arbeit. Glück. Kunst.<br />

Dennis Williamson // Fotograf und Designer<br />

Was ist deine Arbeit? Was tust du, wenn du arbeitest?<br />

Mein Tun möchte ich gar nicht als »Arbeit« bezeichnen. Meine Tätigkeit<br />

ist mehr eine Leidenschaft. Ich fange mit Hilfe meiner Kamera bestimmte<br />

Momente ein. Menschen, Orte, Dinge, Stimmungen. Im richtigen Augenblick<br />

aus dem richtigen Winkel. Ich bin für verschiedene Redaktionen,<br />

Verlage, Agenturen und größere und kleinere Projekte tätig. Meine größten<br />

Veröffentlichungen waren für den SPIEGEL, für den ich das Flaggenmeer<br />

zur Fußball-WM 2006 dokumentiert habe und für das Reisemagazin<br />

MERIAN, für das ich einige Reisereportagen und verschiedene<br />

Portraits gemacht habe<br />

Das Spannende und Interessante ist, dass es nach dem Abdrücken nicht<br />

aufhört – am Computer geht es weiter. Es ist nicht bloß das Auswählen<br />

der »besten Momente«, sondern auch die gezielte Bearbeitung der Bilder,<br />

um eine gewisse Wirkung und Qualität zu erzeugen. Ich zeige selten Originalaufnahmen<br />

– die wenigsten gefallen mir auf Anhieb, weil ich einen<br />

so hohen Anspruch an mich selbst habe. Das Gestalten mit dem Eingefangenen<br />

bereitet mir viel Freude – »Arbeit« ist eher das Drumherum.<br />

Das Organisatorische, von der Reiseplanung bis hin zur Umsatzsteuervoranmeldung,<br />

die ich als freischaffender Künstler regelmäßig machen<br />

muss.<br />

Was an deiner Arbeit macht dich glücklich?<br />

Ich empfinde Glück, wenn ich merke, dass (bestimmte) Menschen etwas<br />

mit meinen Bildern anfangen können, wenn ich sie damit berühren kann,<br />

wenn ich etwas in ihnen bewege. Auch mag ich es, wenn dem Betrachter<br />

Assoziationen kommen und sie gedanklich angeregt werden.<br />

Während der »Arbeit« macht mich das Gefühl glücklich, vielleicht einen<br />

spannenden, bewegenden und wichtigen Moment einfangen zu können.<br />

Einen ganz neuen, vielleicht nie dagewesenen und nie wiederkehrenden<br />

Moment zu schaffen. Eine Kleinigkeit zu bemerken, die sonst vielleicht


niemand bemerkt. Wobei ich auch weiß, dass man nicht alles einfangen<br />

kann – und auch nicht sollte. Nicht alles sollte »festhaltbar« sein.<br />

Was bedeutet für dich Kunst?<br />

Es gibt so viele weise Definitionen des Kunstbegriffs, dass es mir sehr<br />

schwer fällt, etwas von mir zu geben. Vielleicht soviel: Kunst ist ein Empfinden.<br />

Kunst der Kunst wegen finde ich schwer. Leichte Kunst finde ich<br />

oft langweilig. Und Kunst in der Fotografie ist vielleicht die Mischung<br />

aus Authentizität und Inszenierung – und das alles immer im richtigen<br />

Moment.<br />

Was hat deine Arbeit mit Kunst zu tun?<br />

Wenn man vom rein Handwerklichen absieht, also der Bedienung der<br />

Geräte, dann ist das Sehen und Erkennen der Motive die höchste Kunst<br />

der Fotografie und der Gestaltung von Bildern, egal ob dokumentarisch,<br />

portraitierend oder künstlerisch. Es gehört oft eine Menge Geduld und<br />

Glück dazu. Ohne einige äußere Faktoren, die unbedingt mitspielen müssen<br />

bzw. gegeben sein müssen, ist auch der stärkste Wille, ein interessantes<br />

Motiv einzufangen, nicht ausreichend. Die Kunst braucht immer<br />

Input von außen. Ich bin der Fänger und Verarbeiter dessen, was sich<br />

dort draußen in der Welt abspielt. Und manchmal bin ich auch der Erschaffer<br />

einer kleinen neuen Welt auf Papier.<br />

Fragebogen: Arbeit. Glück. Kunst.<br />

Andreas Raphael // Architekt und Designer<br />

Was ist deine Arbeit? Was tust du, wenn du arbeitest?<br />

Zunächst einmal gefallen mir die Fragen ziemlich gut, da sie doch den<br />

Kern der Tätigkeit treffen, mit der ich so viel Zeit meines Lebens verbringe.<br />

Ich arbeite als Produktdesigner und Architekt. Hierbei besteht<br />

meine Arbeit zum einen daraus, Dingen eine konkrete Form zu geben<br />

(im besten Fall ist sie nützlich und schön), zum Anderen geht es auch<br />

immer darum, meinen Auftraggebern von Nutzen zu sein (was immer<br />

das bedeuten mag).<br />

Letztlich stelle ich in meiner Arbeit mir und anderen Fragen und es gilt<br />

Antworten zu finden. Dabei spielt es spielt keine Rolle, ob es um Architektur<br />

oder Produkte geht. Solche Fragen sind:<br />

Was ist nützlich für die Menschen, die mit den Dingen leben?<br />

Was empfinden die Menschen, die mit den Dingen leben, als schön?<br />

Wie können die Dinge für meine Auftraggeber nützlich sein?<br />

Wie können die Dinge realisiert werden?<br />

Was sind den Menschen die Dinge wert?<br />

Dann müssen Antworten gefunden werden, die realisierbar sind. Dabei<br />

arbeite ich mit meiner Vorstellungskraft, meinen Erfahrungen, mit Stift<br />

und Papier, mit dem Computer und durch Gespräche. Denn gute Kommunikation<br />

erscheint mir wesentlich für ein erfolgreiches Ergebnis ...<br />

... und die ganze »Maloche« letztlich leider auch aus einem existenziellen<br />

Zwang, also um mir ein Leben nach meinen Wünschen zu ermöglichen.<br />

Was an deiner Arbeit macht dich glücklich?<br />

Meine Arbeit macht mich glücklich, wenn ...<br />

... ich etwas Neues schaffen kann, das mich berührt.<br />

... ich etwas Neues schaffen kann, das andere berührt.<br />

... ich die Freiheit meiner Arbeit genießen kann.


... ich interessante Menschen kennen lerne.<br />

... ich in einem guten Team arbeite.<br />

... ich draußen arbeiten kann.<br />

... ich an etwas arbeiten kann, das mir rundum nützlich erscheint.<br />

... ich mit meinem Kaffee vor meinem Büro in der Sonne sitze und mir<br />

gute Ideen kommen.<br />

... andere meine Arbeit glücklich macht.<br />

Was bedeutet für dich Kunst?<br />

Schwierig ... künstlich: das Gegenteil von natürlich – Kunst: das Gegenteil<br />

von Natur? Kunst braucht wohl immer einen schöpferischen Geist. Als<br />

religiöser Mensch komme ich da in ein Dilemma.<br />

Die Natur scheint mir absolut kunstvoll. Also macht der Begriff »Kunst«<br />

ohne den Menschen wohl keinen Sinn.<br />

Kunst ist für mich etwas, dessen Zweck nicht in einer reinen Nützlichkeit<br />

liegt. Wenn etwas, das ein Mensch geschaffen hat, in der Lage ist, andere<br />

Menschen emotional zu berühren, dann ist das für mich Kunst ... obwohl<br />

– damit bin ich wohl irgendwie auf dem Holzweg. Denn damit wäre<br />

beispielsweise auch ein Verbrechen Kunst – das kann ja wohl nicht sein.<br />

Also sollte Kunst nicht darauf abzielen, anderen zu Schaden oder positiv<br />

formuliert: Kunst sollte nach meinem Verständnis das Ziel haben, Menschen<br />

zu bereichern.<br />

Was hat deine Arbeit mit Kunst zu tun?<br />

Ich hoffe zumindest, dass meine Arbeit mit Kunst zu tun hat und ich in<br />

der Lage bin, Menschen emotional zu berühren und unsere Gesellschaft<br />

ein bisschen zu bereichern. Ich denke schon, dass ich von der Idee getrieben<br />

bin, Dinge schöner und besser zu machen und ich glaube, manchmal<br />

gelingt mir dies auch.<br />

Fragebogen: Arbeit. Glück. Kunst.<br />

André Presse // Diplom Kaufmann an der Uni Karlsruhe<br />

Was ist Ihre Arbeit? Was tun Sie wenn, Sie arbeiten?<br />

Mich meinem Ziel nähern. Das Ziel im Blick haben und darauf zugehen.<br />

Aufgaben erfüllen. Am liebsten selbst bestimmte.<br />

Was an Ihrer Arbeit macht Sie glücklich?<br />

Wenn ich die Arbeit in dem Bewusstsein tun kann, mich meinem Ziel zu<br />

nähern. Mein persönliches Ziel ist es, den Freiraum für mich und andere<br />

zu erfüllen.<br />

Was bedeutet Ihnen Kunst?<br />

Kunst bedeutet unsichtbare Wahrheit sichtbar zu machen. Goethe hat<br />

dazu einmal gesagt: »Was braucht es ein Diplom besiegelt? Unmögliches<br />

hast du uns vorgespiegelt!«


Fragebogen: Arbeit. Glück. Kunst.<br />

Birgit <strong>Wiesemann</strong> // Dipl. Ing. für den Landes- und Gartenbau<br />

Was ist deine Arbeit? Was tust du, wenn du arbeitest?<br />

Meine tägliche Arbeit ist sehr verschieden. Mal arbeite ich im Haushalt,<br />

mal im Büro, mal verkaufe ich Pflanzen in unserer Baumschule. Je nach<br />

dem, wo ich gebraucht werde.<br />

Was an deiner Arbeit macht dich glücklich?<br />

Glücklich macht mich zum Beispiel mein Einsatz für die Familie, wenn alles<br />

rund läuft. Glücklich bin ich auch, wenn ich einen Kunden gut beraten<br />

konnte, so dass er zufrieden nach Hause geht. Ich bin auch glücklich, wenn<br />

ich bei Sonnenschein durch die Baumschule gehe und feststelle, dass alles<br />

schön gestaltet ist und die Pflanzen wunderbar wachsen und blühen.<br />

Was bedeutet für dich Kunst?<br />

Ich denke, ich habe eine sehr schlichte Auffassung von Kunst. Kunst ist<br />

für mich etwas Schönes. Etwas, das mir ins Auge fällt. Etwas, wo ich stehen<br />

bleiben möchte, weil es mir so gut gefällt. Das kann eine Skulptur<br />

sein oder ein Bild. Dabei interessiert mich weniger der Gedanke hinter<br />

der Kunst, als dass ich das Kunstobjekt einfach genießen möchte. Mag<br />

sein, dass ich dabei weniger in die Tiefe gehe, aber das will ich auch gar<br />

nicht. Kunst ist für mich etwas, dessen Anblick mir Freude macht.<br />

Was hat deine Arbeit mit Kunst zu tun?<br />

Meine Arbeit in der Baumschule hat etwas mit Kunst zu tun, wenn ich<br />

Pflanzen und Gartendeko zu einem schönen Bild arrangiere. Auch, wenn<br />

ich einen Garten plane, Formen und Umrisse festlege, Pflanzen ihren<br />

Platz gebe oder wenn ich überlege, welche Blatt- und Blütenformen miteinander<br />

harmonieren. Ich denke, das hat im weitesten Sinne auch ein<br />

wenig mit Kunst zu tun.


Fragebogen: Arbeit. Glück. Kunst.<br />

Johannes Hess // Student der Bildhauerei<br />

Was ist deine Arbeit? Was tust du, wenn du arbeitest?<br />

(lacht) Ähm, ist unterschiedlich, aber ich möchte mal in einem Bild antworten,<br />

das mir in letzter Zeit häufiger im Kopf herumschwirrt, von Michael<br />

Ende bei »Jim Knopf«, da fährt die Lokomotive in den schwarzen<br />

Raum hinein.<br />

Wenn ich also im Atelier arbeite, dann bin ich häufig dabei, in diesen<br />

schwarzen Raum hineinzulaufen, ohne zu wissen, wo das hinführt, aber<br />

mit einem Willen weiterzugehen. Irgendwann passiert es, dass dann<br />

plötzlich durch mein Tätigsein der Schnee herunterkommt, weil die Lokomotive<br />

Dampf macht, weil sie vorwärts fährt, fängt es an zu schneien<br />

und es wird plötzlich Licht um einen herum.<br />

Ja, manchmal ist es so und ja, manchmal ist es auch das Stehen lernen auf<br />

solchen neu entdeckten Ländern, auf neu geschaffenen Ländern.<br />

Ich fühle mich gerade ein bisschen, als hätte ich das Land, auf dem ich beginne<br />

zu leben und zu stehen, ein Stück weit aus mir selbst geschaffen.<br />

Du sprichst jetzt in Lokomotivführer-Bildern, oder? (beide lachen).<br />

Ja, aber man ist ja auch ein bisschen Lokomotivführer (lacht)?<br />

Naja, obwohl das mit den Schienen so eine Sache ist...also die Schienen<br />

sind immer , die Schienen sieht man nicht immer und die muss man sich<br />

ja auch erstmal selber bauen und dann lenken sie einen.<br />

Und irgendwie ist man ja auch immer dabei, sich die Schienen selber zu<br />

bauen, auf denen man sich dann bewegen kann.<br />

Und in dem Sinne ist man dann natürlich Lokführer, aber auch erstmal<br />

Schienenbauer.<br />

Was an deiner Arbeit macht dich glücklich?<br />

Wenn ich das Gefühl habe, eine Wirklichkeit entdeckt zu haben oder berührt<br />

zu haben, mit dem, was ich mache.<br />

Nicht, wenn ich das Gefühl habe, das was ich tue ist da, um irgendwie gut<br />

zu wirken, um im dekorativen Sinne schön zu sein, sondern wenn ich das<br />

Gefühl habe, es kann für sich stehen. Wenn ich das erlebe, wenn ich dem<br />

Werk gegenübertrete und das Gefühl habe, da passiert was, dann gibt es<br />

mir Kraft, dann kann ich daraus schöpfen für weiteres.<br />

Man entscheidet ja bei der Arbeit so alle möglichen Sachen und da hab<br />

ich das Gefühl, man kann ja auch Scheiß machen, also man kann ja auch<br />

mal irgendwie neben der Spur, neben der Schiene liegen, und dann merkt<br />

man irgendwann, das ist ein Strohfeuer, was ich da veranstaltet habe, ist<br />

nichts von Dauer. Es scheint erst mal nur so, als ob es etwas sei, aber es<br />

ist eigentlich nichts.<br />

Aber wenn man irgendwo, sagen wir mal, hinhorchen gelernt hat, oder<br />

sich selber so gut zuhören kann, merkt man, dass man in eben diese dunkelheit<br />

hineinlaufen kann...das man etwas Wesentliches dort findet.<br />

Dann ist es wie mit dem Schnee, dem Licht, das einem im Tunnel entgegenkommt.<br />

Das wiederum gibt einem dann Kraft und Glück, um weiter<br />

zu machen. Die Kraft, die davon ausgeht, ist glaube ich viel wesentlicher,<br />

als man sich das so im alltäglichen Leben vorstellt.<br />

Vielleicht ist das Intuition ... (in Gedanken) ... wenn man sich sicher ist,<br />

dass man irgendeinen Weg einschlagen muss. Also dieses Gefühl, was<br />

auch immer es ist, das einen da hin zieht, lässt einen dann auch einfach<br />

den Weg entlang gehen. Und dann tappt man erstmal im dunkeln, denn<br />

man bekommt ja kein Schild von außen vorgedonnert auf dem steht<br />

»Ähm übrigens, du musst jetzt hier links abbiegen!«, sondern du musst<br />

das aus einer inneren Stimmigkeit heraus machen und die liegt halt erstmal<br />

in einem dunklen Raum.<br />

Wenn man sich aber in den Tunnel hineinbegibt, eben dadurch, dass man<br />

sich dort aufhält, dadurch, dass man dort ist, merkt man plötzlich, wie<br />

das dort ist, lernt man die Sachverhältnismäßigkeiten sehen und kann<br />

dann daran anknüpfen und etwas daraus weitermachen.<br />

Alsom das ist ja immer auch ... man kann ja, im künstlerischen Prozess,<br />

also ich meine, ... im Grunde genommen ist es ja so, dass man immer<br />

erstmal etwas machen muss, um ein Gegenüber zu haben. Sich etwas auszudenken,<br />

was Theorie ist, ist ja letztenendes nicht wesentlich.<br />

Erstmal musst du loslegen und das ist ein Schritt, der im ersten Moment<br />

ein blinder ist, oder blind wirken mag.


Und das Licht... durch das, was du geschaffen hast, kommt dir wieder etwas<br />

entgegen und du kannst darauf aufbauen beziehungsweise den Weg<br />

durch die dunkelheit da erstmal....das ist auch unterschiedlich...manchmal<br />

ist die dunkelheit...der dunkelheitsmoment ganz kurz und manchmal<br />

muss man ziemlich lang im dunklen laufen bevor man die Sonne<br />

wieder aufgehen sieht. Und ich erlebe gerade, dass das Licht immer wieder<br />

kommt und manchmal heftiger als erwartet.<br />

Was bedeutet Dir Kunst?<br />

Alles (lacht).<br />

Was hat deine Arbeit mit Kunst zu tun?<br />

Also, vielleicht erstmal vorweg: Ich glaube diese Frage wird ein bisschen<br />

Zeit in Anspruch nehmen (lacht).<br />

Also, ich kann mich an eine Geschichte erinnern, als der Thomas hier<br />

sein Tagesgericht gemacht hat.<br />

(Anm.: Thomas Gieße ist ehemaliger Student der Malerei und führte eine<br />

Kunstaktion in der Caféteria der Alanus Hochschule durch.)<br />

Als er sich jeden Tag in die Caféteria gesetzt hat und über ein Thema mit<br />

den Menschen, die dort vorbeikamen, geredet hat.<br />

Ich saß mal dort, als Herr da Veiga dort war und ähm, der meinte dann...<br />

also ich weiß jetzt nicht mehr genau, was er gesagt hat, aber vom Sinn<br />

her so etwas wie »Du kannst ja nicht irgendwas machen und das dann als<br />

Kunst bezeichnen!«, also auf das bezogen, was der Thomas da gemacht<br />

hatte, wollte er ihm sagen, es sei ja keine Kunst, sich in die Caféteria zu<br />

setzen und zu reden.<br />

Dieses fällt mir jetzt gerade zu der Frage ein, weil so ist es ja immer, wenn<br />

man das konkrete Werk anschaut und sagt »Was ist denn daran bitte<br />

Kunst?«, dann wird das Werk plötzlich ganz dünn, weil man es ja rechtfertign<br />

muss.<br />

Nein, aber...Wieso kann ich mich Bidhauer nennen? Oder Künstler nennen,<br />

nur weil ich hier Kunst studiere, oder was? Weil ich jetzt hier so<br />

einen Zettel verpasst bekomme, auf dem Diplom steht? Das macht mich<br />

ja nicht zum Künstler, also ich meine, das alleine ist es ja nicht.<br />

Das ist auch insofern eine gute Frage, weil man sich da über seinen<br />

Kunstbegriff einfach mal wieder Gedanken macht, der wird für mich<br />

immer größer und ich merke jetzt schon, dass ich in diesem Jahr angefangen<br />

habe, den Kunstbegriff aus dem Atelier herauszutragen, dass ich<br />

immer mehr mach, immer mehr mache, im Grunde ist die Arbeit im<br />

Atelier für mich wie, wie eine Übung, um die wesentlichen Dinge dann<br />

im Zwischenmenschlichen zu bewegen. Andererseits ist es für mich auch<br />

eine Oase, wo man sich freuen kann, in der man laufen lassen kann und<br />

nicht gebremst wird, durch irgendwen, wo man sich also mal ausspinnen<br />

kann.<br />

Aber im Grunde bedeutet für mich oder ist für mich die künstlerische,<br />

die einzige Handlungsweise, die den Menschen im Moment weiterbringt.<br />

Die ganze Welt hängt davon ab, inwiefern der Mensch Künstler wird. Das<br />

ist meine Überzeugung. Kunst ist »neues Schaffen« und ohne Neues trete<br />

ich einfach nur auf der Stelle.


Fragebogen: Arbeit. Glück. Kunst.<br />

Isabel Schwegel // freischaffende Künstlerin<br />

Was ist deine Arbeit Was tust du, wenn du arbeitest?<br />

Ich habe eigentlich zwei Arbeiten. Ich bin einmal Künstlerin. Ich versuche<br />

zwei Mal in der Woche in mein Atelier zu gehen und meine Arbeit ist im<br />

Bereich Comicillustration zu machen.<br />

Im Moment sind es kleinformatige Arbeiten. Damit möchte ich gerne an<br />

den Markt und als nächstes eine Galerie finden, die diese Sachen nimmt.<br />

Das nehme ich sehr ernst.<br />

Und meine andere Arbeit, mit der ich im Moment noch hauptsächlich<br />

mein Geld verdiene, ist im Bereich Sozialpädagogik in einer 26 Stunden-<br />

Stelle mit Kindern und Jugendlichen, hauptsächlich mit älteren Kindern,<br />

10 Jahre alt, 4. Klasse, ich mache Hausaufgaben mit denen, bringe denen<br />

Regeln bei, … Zweimal die Woche biete ich in der Einrichtung ein spezielles<br />

Angebot an. Einmal ein Schwimm-Angebot, einmal einen Comic-<br />

Kurs. Es ist viel Verantwortung, viel Stress, bis zur Jahresmitte möchte<br />

ich diesen Job noch machen, dann möchte ich mir gerne etwas anderes<br />

suchen. Für mich ist Arbeit einmal soziale Arbeit, aber vor allen Dingen<br />

auch Kunst. Künstlerisches Tätigsein.<br />

Was an deiner Arbeit macht dich glücklich?<br />

Ich glaube, kreativ sein, künstlerisch sein, mit Farben probieren, mit Formen,<br />

das liebe ich total, dabei Musik hören.<br />

Ich habe immer das Gefühl, die Musik geht mir durch den Kopf durch,<br />

wenn ich im Atelier sitze, ich absorbiere sie und bringe sie dann auf das<br />

Blatt zurück. Das finde ich total geil daran.<br />

Ich habe immer Musik im Atelier dabei. Wenn ich nichts mit habe, oder<br />

wenn ich vergessen habe, meinen Ghetto-Blaster einzupacken, dann<br />

nehme ich das Radio meines Atelier-Mitbenutzers.<br />

Ich glaube, in einem anderen Leben wäre ich Musikerin geworden, aber<br />

so bin ich das nicht, ich bin ja jetzt Zeichnerin im Prinzip, Illustratorin.<br />

Malerei habe ich länger nicht gemacht, würde ich gerne, aber im Moment<br />

gehen andere Projekte vor.<br />

Und die Arbeit mit den Kindern, die finde ich oft wegen ihren strukturellen<br />

Sachen unbefriedigend. Das liegt aber nicht an den Kindern. Mit<br />

den Kindern passieren auch viele witzige Sachen, viele Momente, in denen<br />

man lachen muss.<br />

Ich finde auch gut daran, in dieser Führungsrolle zu sein, den Leuten zu<br />

sagen, wo es lang geht und so eine Struktur zu setzen. Dabei habe ich<br />

einiges dazugelernt, auch wenn es wahnsinnig anstrengend ist. Also, es<br />

ist nicht immer befriedigend, aber zu sehen, was ich inzwischen kann ist<br />

gut.<br />

Ich bin total durchlässig, es geht eigentlich alles durch mich hindurch,<br />

was ich sehe, was ich beobachte. Deswegen bin ich auch nach der Arbeit<br />

mit den Kindern immer gerne alleine, um abschalten zu können. Dann<br />

brauche ich meine Ruhe, um später ins Atelier gehen zu können.<br />

Manche Leute sagen, dass mich diese Doppelberuflichkeit mehr inspirieren<br />

würde als ich denke.<br />

Für mich bedeutet es meistens nur Stress, und es nimmt mir mehr als<br />

es mir gibt. Aber ein Freund von mir meinte einmal »Ise, das bringt dir<br />

mehr als du denkst und der Job ist vielleicht auch gut, damit du einen<br />

Sinn für die Realität behältst.«. Und da ist vielleicht auch gut, da hebt man<br />

vielleicht künstlerisch nicht so ab. Einerseits ist man vielleicht langsamer,<br />

weil man nicht so viel Zeit hat. Andererseits verliert man aber die Bodenhaftung<br />

nicht so schnell.<br />

Ich finds manchmal gut und manchmal beschissen.<br />

Was bedeutet für dich Kunst?<br />

Viel. Ich hoffe, nicht zu viel. Also das ist schon eine Leidenschaft und, ja,<br />

es berührt einen. Ich finde, es ist eine emotionale Sache. Selbst wenn ich<br />

ins Museum gehe und Sachen nicht mag, berühren sie mich ja trotzdem.<br />

Kunst ist für mich so etwas wie ein Spiegel von gesellschaftlicher Aktivität,<br />

auf den verschiedensten Niveaus und auf verschiedenste Art und Weise.<br />

Ebenso Musik zähle ich dazu. Kunst und Musik ist für mich eins.<br />

Also es ist für ich auch etwas Befreiendes, selten entwas Einengendes. Ein-


engend ist nur, es mit dem anderen Leben zu verbinden, mit dem Geldverdienen-Leben<br />

sozusagen. Wobei ich in der Kunst auch schon Geld<br />

verdiene, aber nicht so viel, dass ich davon leben kann.<br />

Auch, diesen Sprung immer zu machen, denn es ist eine andere Welt und<br />

eine andere Wahrnehmung.<br />

Ich finde in vielen alltäglichen Tätigkeiten ist das künstlerische Denken<br />

gar nicht erwünscht, das finde ich schade. Ich finde auch, Kindern wird<br />

abtrainiert, künstlerisch zu empfinden, zu sehen.<br />

Bist du eher Künstlerin, wenn du im Atelier bist, oder auch wenn du mit<br />

den Kindern arbeitest?<br />

Ich bin mehr Künstlerin, wenn ich im Atelier bin, oder wenn ich ausstelle,<br />

aber auch mit den Kindern. Das kommt irgendwann durch. Obwohl<br />

ich recht gut auch den sozialpädagogischen Tätigkeiten in dieser Arbeit<br />

nachgehen kann, merke ich, das künstlerische Denken kommt immer<br />

wieder durch. Zum Beispiel, wenn ich die Kinder beurteile, wie ich sie<br />

sehe, was ich zu ihnen sage. Trotzdem kann ich das auch in dem Job zurückstellen,<br />

wenn ich es muss.<br />

Das macht nicht immer Spaß, ist aber vielleicht manchmal notwendig.<br />

Man fühlt sich oft wie ein Rebell. Zum Teil gibt es einfach Gebiete, auf<br />

denen du anders denkst. Schwer ist halt, wenn du in Bereichen bist, die<br />

nichts mit der Kunst zu tun haben, es den Menschen zu vermitteln. Es<br />

geht ja nicht um Belehren und Missionieren, aber du leidest einfach darunter,<br />

dass sie diese Sicht nicht teilen. Das hat man dann vielleicht eher<br />

mit anderen Künstlern, mit künstlerischen Freunden. In der anderen<br />

Welt hast du es nur teilweise oder gar nicht. Es interessiert viele Leute<br />

nicht und das finde ich schade und schmerzhaft, zu sehen, dass man mit<br />

einem Künstler Dasein im Prinzip auch eine Aussenseiterexistenz wählt.<br />

Tröstlich ist vielleicht, wenn es sich wirklich irgendwann auszuzahlen beginnt.<br />

Aber das ist ja nicht gewährleistet, das ist ja nicht gesagt.<br />

Was hat deine Arbeit mit Kunst zu tun?<br />

Also, ich bin Künstlerin. Im Prinzip bin ich Heilpädagogin mit einem<br />

Schwerpunkt in Kunsttherapie, das ist meine formelle universitäre Aus-<br />

bildung gewesen. Darin habe ich vor drei, etwas über drei Jahren mein<br />

Diplom drin gemacht.<br />

Ich fühle mich als eine Künstlerin. Ich denke, ich bin es auch. Die Arbeit<br />

im Atelier ist für mich Kunst. Das kreative Schaffen, das Gestalten. Wenn<br />

ich es Leuten zugänglich machen kann, wenn Leute es sehen, auch wenn<br />

ich etwas verkaufen kann, das erfreut mein Künstlerherz.<br />

Aber, das Schaffen selber macht mir oft sehr viel Spaß, auch wenn es nicht<br />

immer fluppt.<br />

Das künstlerische Handeln ist für mich etwas sehr wichtiges, ich glaube,<br />

die Menschen wären glücklicher und zufriedener, wenn sie mehr künstlerisches,<br />

etwas, das mit Bewegung zu tun hat, Sportliches, Musikalisches...<br />

wenn das mehr in ihren Geld-verdien-Berufen mit drin wär.<br />

Das künstlersiche Denken fehlt da so oft.<br />

Wenn ein Tag kommt, an dem wir Teamsitzungen haben, wenn ich weiß,<br />

der Tag wird anstrengend, wenn ich weiß, dass ich nicht ins Atelier kann,<br />

dann schalte ich inzwichen auch das Künstlerische ganz professionell ab,<br />

einfach um durch den Tag durchzugehen und den Tag durchzustehen,<br />

meine sieben Stunden zu machen, Schluss, aus, fertig!<br />

Aber an manchen Tagen ist es einfach unmöglich, diesen Teil in mit auszuschalten.<br />

Ich bin froh, dass ich inzwischen so viele Künstler, so viele<br />

kunstschaffende Menschen kenne – ob es nun Künstler, Musiker sind –<br />

das beruhigt mich einfach, auch wenn es andere Personen sind, tauchen<br />

doch ähnliche Probleme auf. Da bin ich ganz froh über den Austausch.<br />

Sonst fühlt man sich schnell allein.<br />

Viele meine Freunde aus meinem ersten Studium sind ganz bürgerlich,<br />

haben jetzt Familie, haben kleine Kinder. Da muss man sich genau überlegen,<br />

wie man sich einen Schutzraum schafft.<br />

Mit einer künstlerischen Existenz ist es total schwer, auch mit einer sozialpädaogischen,<br />

weil du da zum Teil ausgelutscht wie ein altes Kaugummi<br />

nach Hause kommst, und dann ist es eben total schwer umzuswitchen<br />

und deinen eigenen Kindern gerecht zu werden.<br />

Ich bin oft der Exot, wenn ich irgendwo hingehe. Zwar gern gesehen, aber<br />

trotzdem exotisch.


Fragebogen: Arbeit. Glück. Kunst.<br />

Prof. Dr. phil. Michael Brater // Soziologe<br />

Was ist Ihre Arbeit? Was tun Sie, wenn Sie arbeiten?<br />

Also, drei verschiedene Sachen sind für mich Arbeit. Die eine Sache ist<br />

Schreiben, also wissenschaftliche Texte. Man erarbeitet sich dabei das,<br />

worüber man da schreibt, wenn man zum Beispiel eine Untersuchung<br />

gemacht hat oder so etwas.<br />

Das Zweite ist, wenn ich mit Menschen zusammen so etwas wie Bildungsarbeit<br />

mache, also wenn ich Weiterbildungen mache oder so etwas wie<br />

Vorlesungen.<br />

Und das Dritte ist Beratung, also wenn ich in Unternehmen oder Einrichtungen<br />

zu etwas gefragt werde und ich dann mit denen zusammenarbeite.<br />

Das heißt also, irgendwie versuche ich, eine Situation zu klären oder Lösungen<br />

zu finden für ein Problem, das die haben.<br />

Das sind so drei Formen von Arbeit, in denen, ... also drei Formen von<br />

Betätigungen, die für mich Arbeit sind (lacht).<br />

Was an Ihrer Arbeit macht Sie glücklich?<br />

Also, das kann man ein bisschen differenzieren, nach diesen drei Typen,<br />

oder bei diesen drei Arten von Arbeit:<br />

Also, wenn ich schreibe, da gibt es so etwas wie das Glück des Erkennens,<br />

wenn mir etwas klar wird. Mit wird beim Schreiben unheimlich viel klar.<br />

Ich lerne beim Schreiben.<br />

Und das ist manchmal toll, wenn man dann merkt »Ach, so ist das!«,<br />

wenn einem eine Formulierung gelingt, die man dann selber schön findet<br />

oder so etwas (lacht).<br />

Ja, und wenn ich Bildungsarbeit, Seminare und Weiterbildungen und so<br />

etwas mache, also dann ist das Glücksmoment, wenn man bei Teilnehmern<br />

bemerkt »Da hat etwas geschnackelt!«,<br />

oder »Der ist jetzt froh damit. Der sieht etwas. Der ist ein Stück weitergekommen,<br />

oder sagt zumindest, dass ihm da etwas klar geworden ist.«,<br />

Das ist dann für mich ein schöner Augenblick.<br />

Ähm, und bei der Beratung, ja, wo liegt da das Glück?<br />

Also, da liegt das Glückliche eigentlich da, wo die Kunden – also das sind<br />

dann ja richtige Kunden – wo sich bei den Kunden herausstellt, die können<br />

mit dem, was man ihnen anbietet, etwas anfangen.<br />

Also man trifft etwas.<br />

Wenn die Kunden das Gelernte dann benutzen, wenn sie diesen Weg gehen,<br />

dann funktioniert es und sie sind zufrieden.<br />

Also das klingt jetzt sehr platt: Das Glück ist die Zufriedenheit unserer<br />

Kunden (lacht).<br />

Aber das sind ja alles zwischenmenschliche Kontakte und da ist es schon<br />

eher so, dass man einfach glücklich ist als Berater, wenn man den Eindruck<br />

hat, der Kunde kann etwas damit anfangen, der hat es verstanden,<br />

der akzeptiert das und es funktioniert sogar!<br />

Was bedeutet für Sie Kunst?<br />

Für mich Kunst ..., also um halb fünf kommt mein Taxi (schaut auf die<br />

Uhr und lacht)!<br />

Also, ich hatte mal ein Erlebnis, ein ganz einfaches, aber es war für mich<br />

sehr… also ein Schlüsselerlebnis. Das war in Burnau.<br />

Ich habe mit meiner Lebensgefährtin einen Spaziergang gemacht und wir<br />

sind an einem Haus vorbeigekommen, in dem eine Ausstellung war. Das<br />

Haus gehörte offensichtlich Künstlern. Wir sind dann da reingegangen,<br />

haben uns die Sachen angesehen und dann ...,<br />

irgendwann war das Haus, wie es da stand und wie es gebaut war, das war<br />

so ein älteres Haus, freistehend …<br />

Da hatte ich ein Erlebnis von Stimmigkeit, von Ruhe und von – naja – es<br />

hatte eine gewisse Transzendenz, ich hatte das Gefühl, all dieser Mist, mit<br />

dem man sich den ganzen Tag herumschlägt, das spielt jetzt keine Rolle.<br />

Ja, das hat etwas mit Schönheit zu tun. Es ist schön und ich kann darin<br />

leben und aufgehen.<br />

Und wenn ich mit Kunst zu tun habe als Objekt, dann ist dieses Element<br />

von Schönheit schon ganz wichtig für mich. Ich weiß nicht, ob ich das


objektivieren kann. Das ist ganz unterschiedlich. Das ist kein bestimmter<br />

Stil. Und dann gibt es noch eine ganz andere Bedeutung von Kunst und<br />

das ist der Grund, warum ich hier bin. Das hat mit dem künstlerischen<br />

Prozess zu tun, also mit dieser ... (überlegt) ... Lebensnotwenigkeit, dass<br />

man die Dinge, die oberflächlich gar nicht Kunst sind, die also ganz andere<br />

Betätigungen zu sein scheinen, dass man dort auch mit einer künstlerischen<br />

Haltung dran geht. Dass man auch da mit einem künstlerischen<br />

Verwandlungswillen dran geht.<br />

Also, da ist dieses verwandelnde Element unglaublich wichtig. Und verwandeln<br />

bedeutet für mich nicht »willkürlich etwas drauf drücken, sondern<br />

verwandeln heißt, »aus der Sache heraus etwas Neues entwickeln«,<br />

So, dass es stimmt, dass es irgendwo angelehnt ist, dass es etwas damit<br />

zu tun hat und nicht einfach aus meiner Willkür entspringt. Das ist für<br />

mich Kunst. Das kann man in allen sozialen Beziehungen, das kann man<br />

überall erleben. Diese Kraft, um die es da geht.<br />

Was hat Ihre Arbeit mit Kunst zu tun?<br />

Also, wenn ich hier in der Alanus Hochschule bin, habe ich natürlich<br />

ständig mit Kunst zu tun.<br />

Zum Einen und zum Anderen versuche ich ja, hier Künstler zu gewinnen,<br />

die sich zum Beispiel für diesen Entwicklungsaspekt interessieren.<br />

Die ihre Kunst nicht bloß für Ihre Bilder benutzen, sondern auch um<br />

gesellschaftlich etwas zu bewegen.<br />

Und sonst ... also, ich glaube, wenn ich etwas schreibe, also wissenschaftliche<br />

Bücher, das ist ein unglaublich künstlerischer Vorgang. Mit allen<br />

Krisen, mit allem, was man da so hat ... »Macht man es so herum oder so<br />

herum?«, »Geht man so vor oder so vor?«, »Wie kann man das jetzt wieder<br />

einbauen?«, »Wie kann ich den Text nochmal ganz umgestalten?«,<br />

Das sind lauter solche Fragen und das sind alles künstlerische Fragen.<br />

Das macht mir sehr viel Spaß.<br />

Also, ich betätige mich nur in meiner Freizeit künstlerisch, nur als Freizeitbeschäftigung.<br />

Ich finde aber auch in meiner eigenen Arbeit etwas Künstlerisches und<br />

das lässt sich dann übertragen, auf zum Beispiel etwas Unternehmerisches.<br />

Also, eine unternehmerische Haltung ist eigentlich auch eine<br />

künstlersiche. Das ist alles verwandt und durchdringt sich.<br />

Insofern hat Kunst auch im Alltag Raum.<br />

Wenn ich auch jetzt nicht male oder so. Manchmal pfeife ich (lacht).


Fragebogen: Arbeit. Glück. Kunst.<br />

Gisbert zu Knyphausen // Liedermacher und Musiker<br />

Was ist deine Arbeit? Was tust du, wenn du arbeitest?<br />

Was ich in meinem Leben Arbeit nenne, ist wenn ich in der »Hasenschaukel«,<br />

einer Kneipe in Hamburg, arbeite ... oder die Telefonrechnung der<br />

WG ausrechne. Das ist Arbeit. Eigentlich verbinde ich Arbeit mit relativ<br />

unangenehmen Dingen.<br />

Wenn ich unterwegs bin und Musik mache, ist das für mich noch keine<br />

Arbeit. Arbeit war für mich von klein auf immer mit etwas Negativem<br />

verbunden und das Musikmachen macht mir tierisch viel Spaß. Deswegen<br />

kann ich die Musik nicht als Arbeit bezeichnen.<br />

Dabei wird sie ja immer mehr Arbeit, weil ich immer mehr Musik mache<br />

und dadurch immer mehr zu tun habe und das Musikmachen mitlerweile<br />

schon als meinen Beruf sehe.<br />

Naja, im Prinzip ist es schon Arbeit. Je professioneller das ganz grad wird<br />

und je mehr es zu organisieren gibt, desto mehr kann ich die Musik als<br />

Arbeit bezeichnen.<br />

Was an deiner Arbeit macht dich glücklich?<br />

Also wenn ich von dem negativen Arbeitsbegriff ausgehe, dann macht<br />

es mich glücklich, wenn die Arbeit fertig ist. Wenn ich es geschafft habe,<br />

dann habe ich einen kurzen Moment von Glück, weil ich mich einfach<br />

freue, dass ich fertig bin und dass ich nun nicht mehr arbeiten muss.<br />

Wenn ich das Musikmachen als Arbeit bezeichne, dann macht mich<br />

ziemlich vieles glücklich ...<br />

Das Unterwegssein, macht mir sehr viel Spaß. Immer wieder neue Leute<br />

kennen lernen.<br />

Das ist auch so ein Klischee, aber es stimmt. Und auf der Bühne zu stehen,<br />

etwas zu singen und zu merken, dass es jemanden berührt hat. Das macht<br />

mich glücklich. Oder, sagen wir mal, das macht mir Freude. Glück ist so<br />

ein großes Wort.<br />

Im Entstehungsprozess der Lieder ist der Glücksmoment, wenn man


merkt, dass etwas in der Praxis funktioniert, was man sich vorher im Kopf<br />

überlegt hat. Wenn ich zusammen mit der Band spiele, gibt es Momente,<br />

in denen ich denke »Geil, genau das ist es, das klingt richtig gut!«<br />

Zwischenfrage: Bist du der Chef der Band?<br />

(lacht) Ja, im Prinzip bin ich schon der Chef der Band. Musikalisch gesehen<br />

ist es meist so, dass ich eine Idee anbringe, von etwas, was ich auf<br />

der Gitarre gesammelt habe, dann bringen sich alle anderen ein. Letztlich<br />

bestimme jedoch ich, wie ich es haben möchte. Das klingt zwar doof, aber<br />

schließlich steht dann ja auch »Gisbert zu Knyphausen« auf der Platte.<br />

Wie ist es mit dem Glück Schreiben?<br />

Beim Texteschreiben meinst du? Das ist ein harter Kampf. Da freue ich<br />

mich sehr, wenn mir ein Satz gelungen ist, wenn das Lied ein Rundes<br />

geworden ist. Wenn ich es dann zum ersten Mal jemandem vorsinge und<br />

merke, das funktioniert so, macht mich das glücklich. Oder es mir selbst<br />

vorsinge und merke, dass es funktioniert. Das macht mich extrem glücklich,<br />

weil ich nicht so ein schneller Texter bin.<br />

Was bedeutet für dich Kunst?<br />

Ui, ... (überlegt) ... Kunst. Das finde ich ganz schwierig. Für mich ist Kunst<br />

etwas sehr Abstraktes. Da habe ich ehrlich gesagt keine persönliche Definition.<br />

Ich fühle mich nur künstlerisch, weil es so ein Bild gibt, das mir<br />

von außen aufgetragen wird.<br />

Das Bild ist, dass jemand, der Lieder entstehen lässt, Kunst macht. Im<br />

weitesten Sinne. Aber ich selbst kann mit dem Begriff überhaupt nichts<br />

anfangen. Das ist ganz komisch.<br />

Was hat deine Arbeit mir Kunst zu tun?<br />

Also, die musikalische Arbeit ist so eine Art Kunsthandwerk für mich.<br />

Und Arbeit wie die Telefonrechnung auszurechnen, oder in der »Hasenschaukel«<br />

zu arbeiten, hat vielleicht ... in der Kneipe zu arbeiten ist höchstens<br />

die Kunst, mit Menschen umzugehen und bei der Telefonrechnung<br />

ist es die Kunst zu rechnen (lacht). Wenn man das Kunst nennen kann.<br />

Dann sind wir wieder an dem Punkt, dass es heißt »Alles ist Kunst«.<br />

Aber dann bin ich schon ein Künstler, dann ist meine Arbeit schon Kunst<br />

und dann wäre die »andere«, nicht musikalische Arbeit, weniger Kunst,<br />

weil da weniger Kreativität gefragt ist. Ich finde das so abstrakt, dieses<br />

Kunst-Ding.<br />

Da kann ich mehr mit dem Wort Glück anfangen. Weil es mir häufiger begegnet.<br />

Dann merke ich, das war jetzt ein kleiner Glücksmoment. Glück,<br />

das sind ja immer so kleine Momente.<br />

Hast du dem noch etwas hinzuzufügen, was mit auf das Band soll?<br />

Ich grüße meine Mama im Himmel und meinen Papa Zuhause auf dem<br />

Weingut.<br />

Weingut?<br />

Ja. Riesling und Spätburgunder. 90% Riesling zu 10% Spätburgunder<br />

(lacht).


Fragebogen: Arbeit. Glück. Kunst.<br />

Jana Kühle // Studentin und freie Lektorin<br />

Was ist deine Arbeit? Was tust du, wenn du arbeitest?<br />

Da ich mich noch in meinem Studium befinde, also keinen festen Arbeitsplatz<br />

habe, würde ich meine Arbeit momentan in zwei Bereiche einteilen:<br />

die Magisterarbeit, die ich gerade schreibe und die freie Arbeit für einen<br />

Schulbuchverlag, für den ich als Außenlektorin arbeite. Bei meiner Arbeit<br />

als Lektorin sehe ich Manuskripte an, die Lehrer verfasst haben und die<br />

sie als Schulbuch oder Kopiervorlagen herausbringen wollen. Ich korrigiere<br />

sie auf Rechtschreibung, mache inhaltliche Änderungsvorschläge<br />

und kümmere mich darum, welche Illustrationen für die Arbeitsblätter<br />

sinnvoll sein könnten. Im Moment sitze ich aber mehr an meiner Magisterarbeit<br />

– die Analyse eines Theaterstückes von Elfriede Jelinek, die<br />

am Ende etwa 120 Seiten umfassen wird, wenn ich sie im April abgebe.<br />

Außerdem gebe ich ab und zu Nachhilfeunterricht in Englisch und Französisch.<br />

Auch das würde ich als Arbeit bezeichnen.<br />

Was an deiner Arbeit macht dich glücklich?<br />

Ich weiß nicht, ob meine Arbeit mich wirklich glücklich macht. Glücklich<br />

bin ich eher in den Momenten, in denen ich nicht arbeite, Zeit für meine<br />

Freunde und Hobbys habe. Was aber keineswegs bedeutet, dass mir die<br />

Arbeit nicht auch Freude bereiten kann. Manchmal macht es Spaß, sich<br />

für die Magisterarbeit in das Werk der Autorin zu lesen und sich dabei<br />

auch Wissen anzueignen. Manchmal macht es Spaß, für den Schulbuchverlag<br />

zu arbeiten, zumal ich dadurch auch Geld verdiene, welches ich<br />

dann für Dinge ausgeben kann, die mich glücklich machen (die Fotografie<br />

zum Beispiel – oder schöne Bücher, Zugfahrkarten zu Freunden, die<br />

weiter weg wohnen und so weiter).


Was bedeutet für dich Kunst?<br />

Wenn ich an Kunst denke, dann denke ich zunächst vor allem an die<br />

schönen Künste – Bilder und Fotografien. Das ist das, was mir ganz spontan<br />

dazu einfällt. Bei genauerem Überlegen stellt sich mir dann die Frage,<br />

wie Kunst abzugrenzen ist und wozu überhaupt abzugrenzen? Zur Natur?<br />

Gibt es ein Gegenteil von Kunst? Das ist meiner Meinung nach schwierig,<br />

wenn auch die Natur meist als Gegensatz zur Kunst gesehen wird. Kunst<br />

wird hier als Künstlichkeit betrachtet, im Gegensatz zur Natürlichkeit.<br />

Ich persönlich tue mich sehr schwer mit einer Definition des Begriffes<br />

Kunst. Ich selbst beschäftige mich mit Kunst, wenn ich fotografiere, Fotografien<br />

betrachte, Bilder anschaue. Aber auch das Lesen stellt für mich<br />

eine Beschäftigung mit Kunst dar, mit Poesie, dichtung als sprachlichkünstlerisches<br />

Schaffenswerk. Die Beschäftigung mit Kunst jedenfalls<br />

kann in mir auch Glücksgefühle hervorrufen, besonders dann, wenn ich<br />

sie mit lieben Menschen teilen kann.<br />

Was hat deine Arbeit mit Kunst zu tun?<br />

Auf den ersten Blick würde ich sagen: nichts. Wenn ich dann aber genauer<br />

nachdenke, dann verwerfe ich diese Aussage recht schnell wieder. Wenn<br />

ich mich mit dem Theaterstück Elfriede Jelineks auseinandersetze, dann<br />

beschäftige ich mich mit Sprachkunst. Wenn ich Nachhilfeunterricht erteile,<br />

dann beschäftige ich mich mit der Kunst der Wissensvermittlung<br />

und wenn ich für den Schulbuchverlag als Lektorin tätig bin, dann würde<br />

ich vielleicht sogar die Rechtschreibung als Kunst bezeichnen – sie<br />

ist kein natürliches Produkt, sondern ein vom Menschen erschaffenes,<br />

Künstliches. Wobei meine Arbeit natürlich nicht primär eine künstlerische<br />

darstellt.<br />

Fragebogen: Arbeit. Glück. Kunst.<br />

Kai Ehlers // Buchautor, Presse- und Rundfunkpublizist<br />

Was ist ihre Arbeit? Was tun Sie, wenn sie arbeiten?<br />

Ich erforsche gesellschaftliche Alternativen, versuche den Kulturbruch zu<br />

verstehen, in dem wir heute leben, analysiere, was ich gesehen und gehört<br />

habe, schreibe darüber, mache dazu die unterschiedlichsten Arten von<br />

Öffentlichkeitsarbeit, einschließlich Workshops, Seminaren, etc.<br />

Im Besonderen habe ich mich in den letzen Jahren Russlands Transformation<br />

zugewandt, die ich als eine Pilotbewegung unserer globalen<br />

Transformation begreife.<br />

Was an Ihrer Arbeit macht Sie glücklich?<br />

Ich bin dann glücklich bei meiner Arbeit – wenn man dieses Wort überhaupt<br />

verwenden möchte – wenn sie keine Arbeit mehr ist, sondern ein<br />

erkennbares Geben und Nehmen; wenn sie tatsächliche Beziehung herstellt.<br />

Was bedeutet Ihnen Kunst?<br />

Ich betrachte meine Arbeit als Wirken am sozialen Kunstwerk. In der<br />

Kunst erschafft sich der Mensch neu.


Fragebogen: Arbeit. Glück. Kunst.<br />

Lena // Schülerin, 13 Jahre<br />

Was ist deine Arbeit? Was tust du, wenn du arbeitest?<br />

Meine Arbeit ist es, den Hasenstall auszumisten und mich um meinen<br />

Hasen zu kümmern. Kümmern heißt, dass ich ihn jeden Tag füttere und<br />

kraule.<br />

Was an deiner Arbeit macht dich glücklich?<br />

An meiner Arbeit macht mich glücklich, dass der Hase dann glücklich<br />

und zufrieden ist.<br />

Was bedeutet für dich Kunst?<br />

Kunst bedeutet für mich, wenn jemand ein ganz schönes Bild malt oder<br />

eine ganz schöne Skulptur macht oder wenn jemand mit acht Bällen jonglieren<br />

kann.<br />

Was hat deine Arbeit mit Kunst zu tun?<br />

Meine Arbeit hat nicht sehr viel mit Kunst zu tun, nur dass ich meinen<br />

Hasen glücklich mache.<br />

Fragebogen: Arbeit. Glück. Kunst.<br />

Wolfgang Ewald // Politiker<br />

Was ist Ihre Arbeit? Was tun Sie, wenn Sie arbeiten?<br />

Vertrauen herstellen, unterschiedliche Interessen ausgleichen, Lösungen<br />

finden. Immer hart am Menschen. Kommunizieren ohne Ende. Der immerwährende<br />

Versuch, gerecht zu sein.<br />

Was macht Sie an Ihrer Arbeit glücklich?<br />

Dass es eine Arbeit ist, die mit Menschen zu tun hat. Nur mit Menschen.<br />

Unterschiedlichster Hintergründe, Nationalitäten, Lebensgeschichten.<br />

Was bedeutet für Sie Kunst?<br />

Für mich ein Schlüssel zum Leben. Film, Theater, Literatur, Musik, Architektur.<br />

Schafft Gemeinsamkeit. Stiftet Sinn.<br />

Was hat Ihre Arbeit mit Kunst zu tun?<br />

Die Kunst der Kommunikation. Literarische Gestalten als Wegmarken.<br />

Franz Kafka.


Fragebogen: Arbeit. Glück. Kunst.<br />

Kathrin <strong>Wiesemann</strong> // Hotelfachfrau<br />

Was ist deine Arbeit? Was tust du, wenn du Arbeitest?<br />

Meine Arbeit ist es, Menschen freundlich zu empfangen und ihnen eine<br />

angenehme Zeit zu bereiten. Obwohl sie weit von ihrem persönlichen<br />

Umfeld entfernt sind, möchte ich ihnen den Aufenthalt so bequem und<br />

herzlich wie möglich machen.<br />

Meine Arbeit ist es, Gedanken und Wünsche zu erfüllen und das bestenfalls,<br />

bevor sie ausgesprochen werden.<br />

Was an deiner Arbeit macht dich glücklich?<br />

Glücklich bin ich bei meiner Arbeit, wenn ich Menschen zufrieden machen<br />

kann. Und vor allem macht es mich glücklich, wenn meine Anstrengungen<br />

erkannt und geschätzt werden.<br />

Was bedeutet für dich Kunst?<br />

Kunst ist für mich eine Harmonie zwischen der materiellen Empfindung<br />

von Gegenständen und der ganz subjektiven Wirkung auf den Betrachter.<br />

Wenn man etwas nicht nur schön findet, sondern es allein durch seine<br />

Betrachtung eine positive und harmonische Ausstrahlung hat.


Fragebogen: Arbeit. Glück. Kunst.<br />

Melanie Schwindt // Schauspielerin<br />

Was ist deine Arbeit? Was tust du, wenn du arbeitest?<br />

Ich mache Theater. Ich entwerfe mit Körper, Geist und Seele Bilder und<br />

Geschichten und spiele sie anderen Menschen vor. Ich mache die Arbeit<br />

nicht alleine. Zum einen lasse ich mich von Natur und Alltag inspirieren,<br />

zum anderen arbeite ich in der Produktion mit Menschen zusammen.<br />

Ich habe Arbeitszeiten, so genannte Probezeiten. Aber Inspirationszeit ist<br />

immer.<br />

Neben der künstlerischen Arbeit gibt es auch organisatorische Arbeit.<br />

Die Grenze Arbeit-Leben ist fließend, oft lässt sich gar nichts trennen.<br />

Ich arbeite hauptsächlich projektbezogen. Hier gibt es Vorlagen, Grundkonzepte,<br />

eine Idee oder eine Sammlung von Ideen als Ausgangspunkt.<br />

Meistens steht bei Neubeginn des Arbeitsprozesses noch nicht fest, was<br />

am Ende dabei herauskommt, wenn es gut läuft. Denn im künstlerischen<br />

Prozess, der Offenheit, Entschiedenheit und Vertrauen können verlangt,<br />

wächst das Produkt nach und nach. Manchmal schleppend, manchmal<br />

sprunghaft, mit Krisen, in Wellen – aber kontinuierlich. Auch mit Pausen.<br />

Pausen sind wichtig. Es gibt zeitliche Rahmen und ansonsten nur die Einschränkungen,<br />

die ich mir selber oder zusammen mit meinen Kollegen<br />

setze.<br />

Das ist eine große Freiheit, erfordert aber auch große Anstrengung.<br />

Wenn ich es schaffe, mich dem Prozess hinzugeben, mich zu verbinden<br />

und gleichzeitig eine Distanz zu meinem Werk und Tun zu erreichen,<br />

gelingt das Vorhaben und es kommt etwas zustande, was andere Menschen<br />

ebenso angeht unberührt. (Diesen Satz versteht ich am Ende leider<br />

nicht)<br />

In den Aufführungen ist die Arbeit eine andere als während dieses Prozesses.<br />

Der Prozess geht weiter, aber jetzt geht es um das Hineinstellen<br />

in eine gebaute Form, die wieder zum Leben erweckt werden muss. In<br />

der Konfrontation mit meinem Publikum verlangt es ein Vertrauen, eine<br />

Freiheit und eine Risikobereitschaft, immer wieder »neu« und »frisch«<br />

zu sein.<br />

Beispiel: Ein Stück Theater: Monolog einer Figur.<br />

Hier taste ich mich langsam an einer Vorstellung eines Autors heran. Gedankliches<br />

Herantasten. Lesen oder körperlich/spielerisch mit Satzfragmenten<br />

umgehen. Leise oder laut.<br />

Die Begriffe immer wieder erweitern, zwischen den Zeilen lesen, in den<br />

Gesamtkontext eines Stückes einordnen, auf die ersten inneren Bilder<br />

achten. Immer wieder Pausen machen, um einige Imaginationen kommen<br />

zu lassen (äußerliche Bewegungen der Figur, Stimmfärbung, Emotionalität<br />

des Textes, Rhythmus...) sich mit methodischem Handwerkszeug<br />

helfen, wenn die Inspiration mal stockt oder meine Motivation erlahmt.<br />

Nach dem Herantasten und immer wiederkehrenden inneren Befragen<br />

lege ich innere und äußere Formen fest und probiere weiter aus. Immer<br />

wieder ist es Detailarbeit. Aber ich darf auch nicht den Gesamtbogen aus<br />

den Augen verlieren. Es sind die kleinen Aufgaben.<br />

Am Ende werde ich auch gern mal alles wieder über den Haufen oder ich<br />

fixiere die gebaute Form zu einem Schlüsselkonzept.<br />

Immer wieder schaffe ich Räume für neue Inspirationen und versuche<br />

dabei, das Wesentliche nicht zu verlieren. Es geht auch darum, sich selbst<br />

immer wieder zu überraschen.<br />

Was an deiner Arbeit macht dich glücklich?<br />

Ich fühle mich lebendig! Ich bin im Dialog mit Menschen. Ich suche nach<br />

authentischen Gestaltungs- und Ausdrucksformen. Nach dem, was Menschen<br />

berührt – und zwar auf allen Ebenen.<br />

Lebendig, weil ich »ganz« gefordert bin. Lebendig, weil ich viel selbst entscheiden<br />

darf und muss.<br />

Lebendig, weil ich körperlich-sinnlich bin und dabei beseelt und denkend.<br />

Lebendig, weil es sich existentiell anfühlt. Lebendig, weil ich begeistert<br />

bin und eine Zukunft voller Überraschungen vor mir habe. Weil ich in<br />

Bewegung bin. Weil ich in Krisen die Zuversicht habe, dass es weitergeht.<br />

Grenzen sind relativ, weil ich eigentlich nie scheitern kann – es sei denn,<br />

ich bin von Angst gelähmt. Dann geht nichts mehr.<br />

Wenn ich bei Aufführungen merke, dass andere Menschen von den Ge-


schichten berührt sind, die ich erzähle oder spiele, bin ich glücklich, weil<br />

es einen Sinn zu haben scheint.<br />

Meine Arbeit macht mich meistens glücklich, wenn ich einen Sinn in<br />

allem sehe. Wenn andere Menschen lachen oder in ihrem tiefen Inneren<br />

berührt oder angeregt werden, sich zu bewegen, bin ich glücklich.<br />

Während des Theaterprozesses bin ich zufrieden, wenn ich merke, dass es<br />

weitergeht, ich noch Fragen, Ideen und Freude habe.<br />

Wenn der Stress zu groß wird, der Sinn fehlt, macht mich die Arbeit nicht<br />

mehr glücklich.<br />

Das Glück, mich dem Sein näher zu fühlen als dem Schein. Freude und<br />

Sinn. Konstruktiv und liebend.<br />

Was bedeutet für dich Kunst?<br />

Kunstschaffend zu sein, ist mir ein großes Glück. Zu erforschen, was<br />

Kunst ist und kann, erfreut mich. Es ist mir ein großes Anliegen, künstlerisch<br />

in allen Lebensbereichen zu sein. Ich möchte immer wieder auf der<br />

Suche danach sein, was Kunst eigentlich ausmacht und was künstlerisch<br />

ist.<br />

Als Kunstschaffende empfinde ich gleichzeitig eine große innere Freiheit,<br />

aber auch eine Last. Die Kunst erfordert Selbstbewusstsein, Vertrauen<br />

und Mut. Ich sehe Kunst als Motor, Enzym und Flämmchen für Veränderungen.<br />

Sie ist lebens- und liebensstiftend, gedankenanregend, herzerwärmend<br />

und erschütternd. Sie ist nach dem Menschlichen suchend:<br />

Liebe oder Angst.<br />

Kunst kann sich in vielen verschiedenen Formen äußern und viele verschiedene<br />

Motivationen haben.<br />

Der Clown als liebevolles »Gegenteil«, der mit einfachen Mitteln der<br />

Phantasie und des Humors Grenzen überschreitet, der Herzen zum hüpfen<br />

bringt und sich auf Wesentliches besinnt, ist für mich eine große Inspiration<br />

Kunst zu machen. Auch wenn ich nicht nur Lustiges produziere.<br />

Die Formen sind sehr vielfältig.<br />

Kunst ist cool und sexy (lacht).<br />

Fragebogen: Arbeit. Glück. Kunst.<br />

Paula Frenzel // Studentin der Malerei<br />

Was ist deine Arbeit? Was tust du, wenn du arbeitest?<br />

Ich habe viele Arbeiten. Zum Beispiel gehe ich putzen, kümmere mich<br />

um die Beete an der Hochschule, mache Kunst, meinen Ferienjob auf<br />

meinem ehemaligen Ausbildungsbetrieb als Hauswirtschaftlerin und ich<br />

arbeite in dem Haus, wo ich wohne. Dort putze und koch ich, wasche die<br />

Wäsche und mache die Buchhaltung.<br />

Wenn ich arbeite, konzentriere ich mich mal auf diese eine bestimmte<br />

Sache und mal auf mehrere gleichzeitig.<br />

Was an deiner Arbeit macht dich glücklich?<br />

Nicht jede Arbeit macht mich glücklich. Wenn ich bei anderen Leuten<br />

putze, denke ich an das Geld, das ich brauche, was mich aber natürlich<br />

nicht glücklich macht. Wenn ich in meinem Haus putze oder etwas schön<br />

herrichte, befriedigt mich das auf eine Weise. Ordnung zu schaffen ist<br />

wohl ein ziemlich großer Bestandteil von dem, was ich Arbeit nenne.<br />

Bei der Kunst ist es anders, wenn ich da irgendwie ganz locker im Fluss<br />

bin. Beim Zeichnen zum Beispiel. Das macht mich glücklich.<br />

Was bedeutet dir Kunst?<br />

Kunst löst innere Verklemmungen und Verspannungen. Ich schaffe es<br />

selten dahin.<br />

Kunst ist nicht so zweckgebunden wie meine anderen Arbeiten. Wenn ich<br />

nicht Kunst studieren würde, hätte ich eine Arbeit, bei der es auf Produktivität<br />

ankäme und könnte ich mich als »Workaholic« austoben. Mit der<br />

Kunst kann man das nicht machen und das ist sehr gut für mich.<br />

Als Hauwirtschaftlerin habe ich viele Feste gestaltet, leckeres Essen gekocht,<br />

Blumenbeete, Sträuße und Räume gestaltet. Das ist die künstlerische<br />

Verbindung.


Was hat deine Arbeit mit Kunst zu tun?<br />

Es ist schwer, etwas von meiner vorigen Arbeit in der Kunst zu machen,<br />

außer serielles, schnelles Zusammenbauen von Rahmen. Umgedreht<br />

kann diese Arbeit, wenn ich sie später wieder aufgreife, von der Kunst<br />

profitieren. Beim Künstlerischsein lerne ich, durch Krisen zu gehen. Ich<br />

lerne genaues Hinschauen, flexibles Denken und Wachheit und Bewusstheit.


Fragebogen: Arbeit. Glück. Kunst.<br />

Tobias Premper // Schriftsteller und Journalist<br />

Was ist deine Arbeit? Was tust du, wenn du arbeitest?<br />

Meine Arbeit besteht zurzeit darin, Texte für die verschiedensten Menschen<br />

zu schreiben. Zum Beispiel im Auftrag von Werbeagenturen, für<br />

Zeitungen oder auch im eigenen Auftrag – haha.<br />

Werbeagenturen rufen mich dann an und ich werde entweder am Telefon,<br />

übers Internet oder auch in der Agentur »gebrieft« und dann schreibe ich<br />

über ein Produkt, entwickle Ideen für Kampagnen, schreibe Radio-, TV-<br />

oder Internetspots und so weiter.<br />

Bei Zeitungen ist das anders. Die Themen kommen auf mich zu, springen<br />

mich geradezu an; dann weiß ich, dass ich über dieses Thema etwas<br />

schreiben möchte. Meist sind es Portraits über Personen aus aller Welt,<br />

Kunst, Musik, aber auch zum Beispiel Fußball oder Massenmörder. Ich<br />

lese Bücher über diese Personen, recherchiere im Internet, in Bibliotheken<br />

oder Archiven.<br />

Im eigenen Auftrag schreibe ich letztlich rund um die Uhr: am Schreibtisch,<br />

beim Spazierengehen, im Flugzeug, auf dem Bett liegend und so<br />

weiter. Beobachtungen aller Art verdichten sich dabei zu Gedichten, Geschichten<br />

oder kurzen Notizen, die ich meist im Moment des Gedankens<br />

niederschreibe. Später entwickeln sich dann Ideen, wie ich meine Texte<br />

in eine besondere Buchform bringen kann.<br />

Was an deiner Arbeit macht dich glücklich?<br />

Das noch nicht Gesehene sehen. Das noch nicht Geschriebene schreiben.<br />

Und es so präzise wie möglich schreiben. Wenn man für einen Auftraggeber<br />

schreibt, ist das meistens schwierig. Selbst bei Zeitungen ist das<br />

schwierig. Eigentlich machen mich nur eigene Texte richtig glücklich,<br />

weil ich selbst bestimme und verantworte, was da am Ende auf dem Blatt<br />

steht. Die Möglichkeit, mir Zeit nehmen zu können, um zu schreiben, ist<br />

ein Privileg, das ich sehr schätze und mir bewahren möchte.<br />

Was bedeutet für dich Kunst?<br />

Kunst ist etwas, das mich staunen lässt. Etwas, das ich im Moment des<br />

Erblickens nicht begreife, das mich aber extreme Gefühle und Sinneseindrücke<br />

erfahren lässt und das mich gedanklich danach nicht mehr loslässt.<br />

Eigentlich trifft das alles auch auf die Liebe zu.<br />

Was hat deine Arbeit mit Kunst zu tun?<br />

Im Bereich der Werbung und der Zeitungen gibt es wenig bis gar nichts<br />

Künstlerisches mehr. Die Arbeiten, die dort im Fernsehen oder auf Papier<br />

zu sehen sind, richten sich viel zu stark nach dem Geschmack einer breiten<br />

Masse. Da wird versucht, nicht anzuecken, schön glatt durchzuschlittern,<br />

Lust aufs Kaufen zu machen, kurzweilig zu unterhalten oder einfach<br />

nur eine Meinung aus einer x-beliebigen Richtung zu verbreiten. Wirklich<br />

künstlerische Texte in Zeitungen sind so gut wie tot. Es gibt natürlich<br />

auch Ausnahmen wie zum Beispiel »Lettre« oder Ähnliches.<br />

Wenn man ausschließlich für sich schreibt, muss man keine Rücksicht auf<br />

irgendwen nehmen, muss man keine Kompromisse eingehen. Und das<br />

gibt einem die Möglichkeit, Gedanken radikaler zu denken und auch zu<br />

formulieren. Und damit die Grenzen, in denen man sich bewegt, weiter<br />

auszudehnen. Die Realität ein Stück zu erweitern. Und den Leser anzuregen,<br />

weiterzudenken und nicht gleich nach der Lektüre den Fernseher<br />

anzuschmeißen.<br />

Ich will nicht lesen, was ich jeden Tag selber sehe. Ich will keine Romane<br />

lesen, die mir erzählen, was ich eh schon weiß. Oft ist das natürlich gar<br />

nicht zu erreichen. Man kann nur schreiben, was man schreiben kann.<br />

Aber es ist ein Wegweiser, der ab und zu an der Straße auftaucht.

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