PRO ETHIK - Humanistischer Verband Deutschlands

humanismus.de

PRO ETHIK - Humanistischer Verband Deutschlands

A 59349; 23. Jahrgang; 2. Quartal, Nr. 87/2009; E 4,25

Zeitschrift des humanistischen verbandes

PRO

ETHIK


zeitschrift des humanistischen verbandes

Inhalt

humanisten im internet: http://www.humanismus.de e-mail: diesseits@humanismus.de

Nr. 87 2/2009

Editorial Bruno Osuch 1

Landauf/landab 2

Aus den Ländern Brandenburg: KiEZ Bollmansruh Axel Krause 6

Berlin: Ossip-K.Flechtheim-Preis 2009 8

Thüringen: Humanistischer Verband Thüringen konstituiert Siegfried R. Krebs 8

Niedersachsen: Frühjahrstagung Lutz Renken 9

Berlin: Sanierung des Kinder- und Jugendgästehauses Ronny Vogler 11

Titel Sieg für Pro Ethik Jutta Kausch 13

Berlin hat abgestimmt Peter Adloff 14

Einblicke/Ausblicke Thesen für eine aufgeklärte Religionskritik Armin Pfahl-Traughber 17

Angesehen Religulous Gernoth Schmidt 18

NRW I-IV

Forum Schmerz und Glaube Gita Neumann 22

Selbstmordattentate und Evolution Thomas Junker 25

Magazin Das Leben der Hedwig Henrich-Wilhelmi Elke Gensler 28

Ewige Wahrheiten Evolutionstag Joachim Kahl 32

Kreuz/quer 34

Auslese 36

Aussprache 38

Adressen 40

Gedicht Determination Joachim Goetz 41

Herausgeber: Humanistischer Verband Deutschlands, Wallstraße 61-65, 10179 Berlin, Telefon 030-613 904-41. Verantwortlich im

Sinne des Berliner Pressegesetzes: Patricia Block. Mit Namen gekennzeichnete Beiträge geben nicht unbedingt die Meinung des

Herausgebers wieder. Redaktion: Ralf Bachmann, Michael Bauer, Patricia Block, Gerd Eggers, Antje Henke, Christian John, Fiona

Lorenz, Arne Lund, Florian Noack, Lutz Renken, Jürgen Springfeld. Anzeigenleitung/Verwaltung: Bettina Kebschull. Titelgestaltung/

Grafik/Layout: Jürgen Holtfreter, Berlin. Fotos: Titel Robert Michel; S. 6/7 Axel Krause; S. 12, S. 19/20 Jürgen Holtfreter; S. 16, S.

24 Bilderbox; S. 4 Dobisch; S. 9 Alexander Roßner; S. 13 Gerhard Weil. Zeichnungen: S. 34 Mayr; S. 38 Krauze; S. 42 Januszewski.

diesseits erscheint vierteljährlich am 1. März, 1. Juni, 1. September und 1. Dezember. Redaktionsschluss ist sechs Wochen vor dem

Erscheinen. Bezugspreise: Jahresabonnement 13,- E (inklusive Porto und Mehrwertsteuer), Ausland zuzüglich Porto mehrkosten.

Einzel exemplar 4,25 E. Satz/Reinzeichnung: Michael Pickardt, Berlin. Druck: H & P Druck, Körtestr. 10, 10967, Telefon 030-693

77 37. ISSN 0932-6162., diesseits wird auf umweltfreundlichem, zu 50 % chlorfrei gebleichtem Papier mit 50 % Recyclingfaseranteilen

gedruckt.


Liebe Leserinnen, liebe Leser,

Der Berliner Volksentscheid über einen Wahlpflichtunterricht Religion

Ende April 2009 war ein Paukenschlag, der weit über die

Grenzen der Hauptstadt zu hören war und dessen Folgen noch

gar nicht voll absehbar sind. Nicht nur, dass die Kirchen im Verein

mit CDU und FDP das nötige Quorum von 25 Prozent der

Wahlberechtigten mit gerade einmal 14 Prozent weit verfehlten.

Sie verloren auch im direkten Vergleich mit 49 zu 51 Prozent. Das

hatte selbst die säkulare Szene kaum erwartet. Somit bleibt der

allgemeinverbindliche Ethikunterricht fester Bestandteil der Berliner

Schule, Religion und Humanistische Lebenskunde bleiben

weiter freiwillige Ergänzungen. Damit wird das jahrzehntelange

Ankämpfen gegen die seit 1947 in Berlin existierende Trennung

von Kirche und Schule – hoffentlich für lange Zeit – beendet

sein. Mehr noch: Es ist zu erwarten, dass das Ergebnis die weitere

Diskussion zur Werteerziehung der öffentlichen Schule und zur

Stellung von konfessionellem Religionsunterricht auch in anderen

Bundesländern befördern und das Selbstbewusstsein der säkularen

Kräfte deutlich stärken wird. Die Bedeutung dieser Abstimmung

geht jedoch noch weit darüber hinaus. Eine Berliner Tageszeitung

brachte es auf den Punkt: Mit diesem erdrutschartigen Ergebnis

wurde die schon lange anhaltende Entwicklung manifest, dass die

Kirchen ihre Deutungshoheit in Sachen Ethik und Moral endgültig

verloren haben.

Nun könnte man einwenden, dass das Ganze lediglich eine regionale

Bedeutung für Berlin hat und auch dort nur ein schulpolitisches

Randproblem tangiert. Aber es waren die Kirchen und ihre politischen

Bündnispartner selbst, die dieser Abstimmung eine geradezu

historische Bedeutung beigemessen haben. Entsprechend zogen sie

in die Auseinandersetzung: mit sehr viel Geld, den teuersten Werbeagenturen,

stündlichen Radiospots, Promis wie Günter Jauch,

politischen Repräsentanten wie Wolfgang Thierse und Kanzlerkandidat

Steinmeier und am Schluss sogar der Bundeskanzlerin selbst

EVELIN FRERK

Editorial

– von den zahlreichen Kardinälen und Bischöfen gar nicht erst zu

reden. Und es wurden alle Register gezogen: vom Maulkorb für

innerkirchliche Kritiker bis zur Lüge, dass die Stimme „Pro Reli“ ein

Votum für „die Freiheit“ sei. Als ob es in Berlin keinen Religionsunterricht

gäbe, als ob der Staat dessen 90-prozentige Finanzierung

in Frage stellen würde, als ob quasi das „christliche Abendland“ auf

dem Spiel stünde. Der Gipfel dieser Zuspitzung war schließlich

die von bestimmten Zeitungen lancierte perfide Kampagne gegen

meine Person als Landesvorsitzendem des HVD mit dem Ziel, den

Humanistischen Verband und damit das ganze Ethik-Bündnis zu

beschädigen. Doch ging auch diese Rechnung nicht auf – im Gegenteil:

Die Verleumdungen beförderten keine Pro-Reli-Stimmung,

sondern hatten eine Solidarisierung mit dem Berliner HVD und

seinem Vorsitzenden zur Folge. Von der Berliner Schulaufsicht

(meinem obersten Dienstherren) über den Präsidenten des Berliner

Abgeordnetenhauses und Schirmherren des Ethik-Bündnisses,

Walter Momper, bis zum Innensenator, der den CDU-Vorwurf der

Verfassungsfeindlichkeit meiner

Person bzw. des ganzen HVD als

absurd zurückwies. Damit hatten

die Konservativen ebenfalls

nicht gerechnet. Was bleibt, ist

ein übler Nachgeschmack gegenüber

dem christlich-konservativen

Lager, dessen moralische

Glaubwürdigkeit nun noch mehr

Menschen anzweifeln werden.

Dr. Bruno Osuch

Landesvorsitzender des HVD in

Berlin

2/2009 1


Erziehung zu Freiheit und

sozialer Verantwortung

Berlin – Anlässlich des 25-jährigen

Bestehens der Humanistischen Lebenskunde

veranstaltet der Humanistische

Verband in Kooperation

mit der Friedrich-Ebert-Stiftung

und mit Unterstützung der Europäischen

Humanistischen Föderation

(EHF) und der Unie Vrijzinnige

Verenigingen (UVV) in Belgien am

2. und 3. Juli einen internationalen

Kongress zum Thema: „Humanismus

– Erziehung zu Freiheit und

sozialer Verantwortung“. An zwei

Tagen werden in Diskussionen,

Vorträgen und Arbeitsgruppen philosophische,

pädagogische und politische

Aspekte von Lernprozessen

im Werteunterricht diskutiert. Dabei

stehen folgende Schwerpunkte

im Vordergrund:

– Wie ergänzen sich Erkenntnis

und Lebenshaltung?

– Wie bekommen Rationalität,

Emotionalität und Beziehungsfähigkeit

einen angemessenen

Stellenwert in Lernprozessen?

– Wie können unterschiedliche

gesellschaftliche Lebensbedingungen

bei dem Streben nach

Menschlichkeit berücksichtigt

werden?

– Warum leistet der Lebenskundeunterricht

einen wichtigen

Beitrag zur kulturellen Vielfalt

in Berlin?

Als Gesprächspartner sind u. a. eingeladen:

Prof. Dr. Joachim Bauer,

Neurobiologe und Psychotherapeut,

Autor des Buches „Lob der

Schule“, Prof. Dr. Micha Brumlik,

Professor für Erziehungswissenschaften

in Frankfurt/Main, Prof.

Rob Buitenweg, Professor für Humanistische

Studien an der Universität

Utrecht, Prof. Dr. Julian Nida-

Rümelin, Professor für Philosophie

und ehemaliger Kulturstaatsminister,

Prof. Dr. Herbert Schnädelbach,

Professor für Philosophie an

der Humboldt-Universität, Berlin.

Am Abend des 2. Juli findet eine

Feier mit Live- Musik und Vorführungen

aus dem Bereich Lebenskunde

zum 25-jährigen Bestehen

des Lebenskundeunterrichtes statt.

Sie sind herzlich eingeladen, an

dem Kongress teilzunehmen.

Tagungsort: Friedrich-Ebert-Stiftung,

Hiroshimastr. 17, 10785

Berlin

Anmeldung: Humanistischer

Verband Deutschlands, Landesverband

Berlin, Wallstr. 61-65,

10179 Berlin, Tel. 030 61390460,

m.jirkowsky@hvd-berlin.de

2

2/2009

Informationen zum geplanten Programm

unter www.hvd-berlin.de/

aktuelles/internationaler-kongress-

2009-humanismus

Begleitende Veranstaltungen:

1. Juli 9 bis 13 Uhr

Fit für Kinderrechte

Lebenskundegruppen präsentieren

ihre Arbeitsergebnisse zum Thema

Kinderrechte. Ort: Nachbarschaftsheim

Urbanstraße

Urbanstr. 21, 10961 Berlin

Information und Anmeldung:

eva-ellerkmann@gmx.de

2. Juli 10 bis 13 Uhr

Lebenskundefilmfest 2009

Thema: „Erforschen und entdecken“

Ort: Filmtheater Hackesche

Höfe, Berlin Mitte, Rosenthaler

Str. 40/41

Information: bernhardstolz@hotmail.com

4. Juli 10 Uhr

Ausstellungseröffnung:

„Humanismus in Frauenhänden“

Ort: Humanistischer Verband

Deutschlands, Landesverband Berlin,

Wallstr. 61 – 65,10179 Berlin,

Abt. Lebenskunde

Information: Dr. Ines Scheibe

skb@hvd-berlin.de

4. Juli 9 Uhr

Internationaler Frauenkongress:

„Humanismus und Gender“

Ort: Haus der Demokratie und

Menschenrechte

Greifswalder Str. 4, 10405 Berlin

Information: Dr. Ines Scheibe

skb@hvd-berlin.de

Institut für Humanistischen

Lebenskundeunterricht in

Bayern

Nürnberg – Im Februar wurde in

Nürnberg unter der Trägerschaft

des HVD ein Institut für Humanistischen

Lebenskundeunterricht gegründet.

Dessen Aufgabe liegt vor

allem in der Ausbildung von Lehrern

für das Schulfach Humanistische

Lebenskunde. Zum Direktor

wurde Prof. Dr. Thomas Mohrs,

Universität Passau, berufen. Seine

wissenschaftlichen Arbeitsschwerpunkte

liegen in den Bereichen der

Praktischen Philosophie, der Philosophischen

Anthropologie (mit

einem Schwerpunkt auf Ansätzen

der Evolutionären Anthropologie)

sowie der Allgemeinen und Angewandten

Ethik.

landauf

Gemeinschaft und Partizipation

Berlin – Am 19. Juni 2009 von

13 bis 18 Uhr lädt die Humanistische

Akademie gemeinsam mit

dem Bundesverband Junge HumanistInnen

zu einem Kolloquium

„Gemeinschaft und Partizipation

– Jugendliche und ihre Verbände“

ein.

Es sprechen u. a. Prof. Dr. Richard

Münchmeier über Realität und

Reichweite von Jugendverbänden,

Dr. Katrin Valentin über Gemeinschaft

aus der Sicht von Jugendli-

Humanist Award für HVD-Nürnberg

Würzburg – Der Humanist Award

des HVD-Würzburg ging dieses

Jahr an den HVD-Nürnberg für

dessen Arbeit im praktischen Humanismus.

„Wir freuen uns sehr über die Anerkennung

unserer Arbeit, die ja

nicht immer in einem einfachen

Umfeld stattfindet“, sagte HVD-

Geschäftsführer Michael Bauer anlässlich

der Übergabe des Preises.

chen und Prof. Dr. Helmut Richter

über „Vereinspädagogik“ und

demokratische Beteiligung von

Jugendlichen in ihren Verbänden

und Einrichtungen.

Ort: GLS Campus Berlin „Die

Schule“, Kastanienallee 82 – 10435

Berlin, Lounge

Anmeldung erbeten: Humanistische

Akademie, Wallstr. 65, 10179

Berlin-Mitte, Tel. 030 6139040

(Fax: -864), info@humanistischeakademie.de

Mit der Ehrung verbunden ist auch

ein Scheck über 3.500 Euro, die für

die Ausstattung des Werkraumes

der Humanistischen Grundschule

Fürth bestimmt sind.

Von deren innovativem Konzept

konnte sich der Vorsitzende des

HVD-Würzburg, Frank Stössel,

selbst ein erfahrener Pädagoge,

bei der Preisübergabe ein Bild machen.

Von links: Geschäftsführer Michael Bauer, Ulrike von Chossy (beide

HVD Nürnberg), Frank Stössel, Vorsitzender des HVD Würzburg


Bundeshauptausschuss

einberufen

Berlin – Das Präsidium des HVD-

Bundesverbandes hat die Einberufung

des Bundeshauptschusses

(BHA) zum 20. Juni 2009 ab

14.00 Uhr in Berlin beschlossen.

Der BHA ist das höchste ständige

Organ zwischen den Bundesdelegiertenversammlungen.

Er sichert

die Kommunikation zwischen

den Mitgliedsverbänden und kontrolliert

das Präsidium des HVD

zwischen den alle drei Jahre stattfindendenBundesdelegiertenversammlungen

(BDV). Er besteht

aus dem Präsidium sowie je einer

Vertreterin bzw. einem Vertreter

pro Bundesland der Landesverbände

und der Landesgemeinschaften.

Die vorläufige Tagesordnung sieht

u.a. die Aufnahme der Verbände

Bremen und Thüringen als Mitglieder

des Bundesverbandes vor.

Ein Tagesordnungspunkt nimmt

sich eine Bewertung der im Januar

2008 eingeleiteten Strukturreformen

des HVD vor. Dort

werden auch aktuelle Bündnisfragen

(KORSO, Jugendweihe,

Auswertung Pro Ethik) diskutiert

und hinsichtlich der Perspektiven

des Verbandes beraten. Es versteht

sich, dass hier hinein auch Fragen

der Theorie- und Akademiearbeit

(Kurzfassung Humanistisches

Selbstverständnis oder aktuelles

programmatisches Manifest?), der

Öffentlichkeitsarbeit (die eigenen

Medien des HVD und das Verhältnis

des HVD zum hpd) und der

Finanzierbarkeit der Aktivitäten

zählen. Im Mai führte das Präsidium

zur Vorbereitung des BHA eine

Klausurtagung durch. Dort wurden

folgende vorbereitende Fragen formuliert

werden, die eine angeregte

Debatte versprechen: In welcher

Lage sind wir? Was wollen wir? Mit

wem können wir das (nicht)? Wie

stellen wir dies öffentlich dar und

wo? Welche finanziellen und personellen

Mittel haben wir jetzt zur

Verfügung, welche brauchen wir

und wie bekommen wir sie? Was

soll das Präsidium leisten?

Initiative für Humanistische

Grundschule

Bremen – Die positiven Erfahrungen

aus Berlin und Nürnberg

nutzend, erarbeiteten interessierte

und engagierte Bremer Eltern ein

Konzept zur Gründung einer Hu-

landab

Bitte unterstützen Sie

die Bundesakademie des HVD!

Im März 2006 wurde die gemeinnützige Humanistische Akademie Deutschland

(HAD) als Verein gegründet. Sie ist das Studien- und Bildungswerk des

Humanistischen Verbandes Deutschlands (HVD). Bisher allein auf Mitgliedsbeiträge

angewiesen, stößt die Akademie inzwischen finanziell an ihre Grenzen. Das

vorgesehene Programm der Akademie ist ebenso umfangreich wie spannend und

zur Durchführung auf Ihre finanzielle Hilfe angewiesen.

Konferenzen:

– Humanistische Bestattungskultur (12./13. Juni 2009 in Hannover)

– Konfessionsfreie und deutsches Verfassungsrecht (11./12. September 2009 in

Berlin)

– Politik der Menschenwürde und der Selbstbestimmung (14./15. November 2009

in Berlin)

Bücher in der neuen „Schriftenreihe“ der Akademie:

– Humanismus heute (Dokumentation der Konferenz vom November 2008)

– Humanistische Bestattungskultur (Dokumentation der Konferenz vom Juni 2009)

Diese Aktivitäten verdienen es, dass Sie der Bundesakademie finanziell helfen. Sie

haben dazu folgende Unterstützungsmöglichkeiten:

1. Bitte überweisen Sie der Akademie eine Spende. Sie können dazu den

beigefügten Überweisungsträger benutzen oder direkt auf das unten stehende

Konto einzahlen. Spenden an die Akademie sind steuerabzugsfähig.

2. Sie können Mitglied bzw. Fördermitglied der Akademie werden. Wenden Sie sich

wegen des Aufnahmeantrages bitte direkt an die Akademie oder nutzen das

Formular auf der Homepage. Mitgliedsbeiträge an die Akademie sind

steuerabzugsfähig.

Humanistische Akademie Deutschland

Wallstr. 65, 10179 Berlin

www.humanistische-akademie-deutschland.de

Bank für Sozialwirtschaft, BLZ 100 205 00, Kto 102 98 00

manistischen Grundschule. Bisher

hatte die Bremer Bildungsbehörde

alle Initiativen zur Gründung privater

Grundschulen mit der Begründung

abgewiesen, es läge kein

„besonderes pädagogisches Interesse“

vor. Nur wenn dies nachgewiesen

werden kann, können private

Grundschulen gegründet werden.

Allerdings sind „Bekenntnis- oder

Weltanschauungsschulen“ von dieser

Auflage frei. Bisher haben nur

Religionsgemeinschaften davon

Gebrauch gemacht. Die Schulbehörde

hatte das „pädagogische

Interesse“ sehr eng definiert, der

Humanistische Verband hat daraufhin

im Dezember 2008 mit

einer Elterninitiative Körnerwall

ein Konzept erarbeitet und einen

Antrag erstellt.

Der HVD als anerkannte Weltanschauungsgemeinschaft

nahm nun

die erste Hürde im Genehmigungsparcours:

Der Prüfung zur Zulassung

als Bekenntnisschule steht

nichts im Wege. Gestartet werden

soll mit 10 bis 12 Kindern in einer

jahrgangsübergreifenden Gruppe

bereits zum Schuljahr 2009/2010.

Seitdem die Nachricht von diesem

Erfolg es am 3. April in die Bremer

Ausgabe der taz („Es wird doch eine

private Grundschule geben“) und

noch am selben Abend in die Fernsehnachrichten

von Radio Bremen

schaffte, häufen sich die Anfragen

interessierter Eltern, die schon jetzt

2/2009 3


die vorgesehenen Plätze für das

erste Schuljahr um ein Vielfaches

übersteigen.

Als weltliche Schule steht sie allen

Kindern offen, die, unabhängig

von ihrer ethnischen oder sozialen

Herkunft, eine nichtreligiöse, humanistische

und wissenschaftlich

fundierte Bildung und Erziehung

erhalten sollen.

Wer Interesse am Aufbau der Schule

hat, kann sich gern an die Schulkoordinatorin,

Frau Krebs, wenden:

schule-bremen@humanisten.de

Geistesblitz und

Neuronendonner

Nürnberg – Intuition, Kreativität

und Phantasie sind die Themen des

diesjährigen Symposiums, das der

turmdersinne vom 9. bis 11. Oktober

in Nürnberg ausrichtet. Im

Mittelpunkt dieses populärwissenschaftlichen

Symposiums stehen

die kreativen Fähigkeiten des Menschen

und ihre neuronale Grundlage.

Mit Gerhard Roth aus Bremen

hat einer der derzeit prominentesten

Hirnforscher Deutschlands seine

Teilnahme zugesagt.

Fachleute tragen vor, Hörer fragen

nach. Diskutieren Sie mit! Das Programm

und weitere Informationen

sind unter www.turmdersinne.de

erhältlich – sichern Sie sich Ihre

Plätze! Online-Anmeldung ist ab

sofort möglich.

Team Humanisterna

Ulm – Am 26. April nahm ein Team

der Humanisten Ulm/Bodensee am

großen Volleyball-Mixed-Turnier

in Blaustein teil.

4

2/2009

Nach intensiver Vorbereitung und

prima ausgestattet mit Trikots der

schwedischen Humanisten ( „Team

Humanisterna“) hatten alle viel

Spaß bei dieser Premiere. Weitere

Spiele folgen demnächst. Kontakt:

hvd-bw@humanismus.de

Irrlichter: Sonderausstellung

im turmdersinne

Nürnberg – Zum Jahr der Astronomie

setzt sich der turmdersinne in

der Sonderausstellung „Des Himmels

Irrlichter – Wahrnehmungsphänomene

am Rande der Astronomie“

mit historischen Fehlinterpretationen

von Himmelsbeobachtungen,

irrigen Erklärungsmodellen

von Himmelsphänomenen, phantasievollen

Verschwörungstheorien

und wahrnehmungspsychologische

„Team Humanisterna“, v.l.n.r.: Hannah, Jürgen, Bianca, Aaron,

Jürgen und Ferdinand stehen für Freundschaftsspiele auch außerhalb

Schwabens zur Verfügung

landauf

Hintergründen von echten Phänomenen

auseinander: Die Marsoberfläche

ist von Kanälen durchzogen,

Felsformationen auf dem Mars formen

ein weinendes Gesicht. Jeder

erkennt im Mond unschwer ein

Antlitz. Die Sternenkonstellation

im Moment der Geburt beeinflusst

den Charakter, am Himmel

werden außerirdische Raumschiffe

beobachtet.

Worauf beruhen diese Täuschungen?

Die neue Sonderausstellung

stellt sich diesen Fragen und zeigt

Wege auf, sie nach aktuellen Erkenntnissen

zu entscheiden. Sie ist

bis Ende des Jahres zu sehen: turmdersinne

am Westtor der Nürnberger

Stadtmauer, Spittlertorgraben

Ecke Mohrengasse, Tel.: 0911

9443281, www.turmdersinne.de.

Neues Familienzentrum in Spandau

Berlin – Der Humanistische

Verband Deutschlands, Landesverband

Berlin, eröffnete am 13.

Februar das Familienzentrum FiZ

West in der Humanistischen Kita

„Wasserwerkstrasse“ in Berlin

Spandau. „Das entstandene Familienzentrum

soll der Knotenpunkt in

einem Netzwerk werden, das Kinder

individuell fördert und darüber

hinaus Familien umfassend berät.

Wir sind bestrebt, ein niedrigschwelliges

Angebot möglichst in

problematischen Sozialräumen zu

eröffnen und die Familienzentren

durch intensive Vernetzung und

Kooperation mit anderen kommunalen

Institutionen nachhaltig

zu stärken“, betonte Dr. Bruno

Osuch, Landesvorsitzender des

HVD Berlin, in seiner Eröffnungs-

Emder Humanisten mit

neuem Vorstand

Emden – Auf der Jahreshauptversammlung

des Humanistischen

Verbandes Emden bestätigten und

verstärkten am 28. März die anwesenden

Mitglieder im Beisein

des Landesgeschäftsführers Jürgen

Steinecke ihren örtlichen Vorstand.

Der alte und neue Vorsitzende Eckhard

Kühl berichtete über die Aktivitäten

des vergangenen Jahres und

betonte die notwendige Öffentlichkeitsarbeit,

wie z. B. über die

gemeinsam mit der VHS Emden

organisierte Vortragsveranstaltung

mit dem Buchautor Carsten Frerk.

Solche öffentlichen Aktivitäten,

aber auch die monatlich stattfinden

geselligen Nachmittage und

rede. Ein Nachbarschaftscafé, ein

Eltern-Kind-Frühstück, Krabbelgruppen

und Gesundheitsangebote

bietet das FiZ schon seit Februar. In

Kürze werden im FiZ ein türkischarabischer

Frauentreff und eine

Russisch-Polnisch-Gruppe eingerichtet.

Alle Angebote folgen dem

Handlungsgrundsatz „Hilfe zur

Selbsthilfe“. Dabei sollen Eltern

gestärkt und in die Lage versetzt

werden, Verantwortung für sich

und ihre Kinder zu übernehmen.

Mitarbeiter/-innen des Humanistischen

Verbandes unterstützen Eltern

vor allem auch in Fragen der

Bildung und Erziehung. Neben

dem Familienzentrum FiZ ist der

HVD Berlin bereits Träger des Familienzentrums

in der Kita Felix in

Marzahn-Hellersdorf.


der seit 2007 regelmäßig organisierte

„Humanistische Gesprächskreis“,

in dem nach Interesse der

Teilnehmer alle Fragen von „Darwin

bis Dawkins“ in gemütlicher

Runde diskutiert werden, trügen

zum Zusammenhalt der Mitglieder

bei. Das sei notwendig, um das Bild

des Verbandes als Organisation zur

Interessenvertretung kirchenfreier

Menschen zu stärken.

Dies war das Stichwort für den

Landesgeschäftsführer Jürgen Steinecke,

der engagiert über die Aktivitäten

des Bundes- und Landesverbandes

berichtete und verdeutlichte,

dass es nicht nur darum gehe,

sich auf philosophischer Ebene

mit humanistischen Fragen auseinanderzusetzen,

sondern ein Weg

aufgezeigt werde, den Menschen

im Land auch „Humanismus zum

Anfassen“ anzubieten. So seien die

Humanisten gut im Gespräch auch

mit den Entscheidungsträgern im

Land Niedersachsen, um soziale

Einrichtungen unter der Trägerschaft

des Humanistischen Verbandes

zu schaffen.

Die Wahl der Vorstandmitglieder

fiel einmütig aus, neu in den Vorstand

wurde der Emder Hermann

Bertus gewählt. Ganz nebenbei

wurde von den anwesenden niederländischen

Freunden aus Groningen,

Daniel und Bep van Eck,

Jugendfeierteilnehmer pflanzten Baum

Dortmund – Im Rahmen des Vorbereitungsprogramms

auf die Humanistische

Jugendfeier Dortmund

2009 pflanzten die beteiligten Jugendlichen

einen Spenderbaum im

Rahmen der Aktion „Baumwertes

Dortmund“ im Stadewäldchen.

Leider bei strömendem Regen

wurde ein Gießring für den bereits

eine Einladung zum Besuch ihrer

Organisation und Stadt ausgesprochen,

die die Emder noch vor dem

Sommer in einem Tagesausflug gerne

annehmen wollen.

150 Jahre BFGD –

Freigeistiges Treffen in

Mannheim

Mannheim – Der Bund Freireligiöser

Gemeinden Deutschlands

(BFGD) wird 150 Jahre alt. Aus

diesem Anlass findet im September

in Mannheim ein Forum des

Austauschs und der Diskussion

statt. Es soll den Dialog zwischen

den unterschiedlichen freigeistigen

Gruppen in Deutschland und dem

sie umgebenden Spektrum der säkularen

Gesellschaft ermöglichen.

Es umfasst die Bundesversammlung

des BFGD, dessen Jubiläum

aus Anlass seines 150-jährigen

Bestehens und das Jubiläum des

60-jährigen Bestehens des Dachverbands

Freier Weltanschauungsgemeinschaften

(DFW). Auf dem

Programm stehen Arbeitskreise zu

aktuellen Themen aus Bioethik,

Erziehung, Wirtschaft und Gesellschaft.

Termin: 18. bis 20. September

2009, Informationen über Tel.

0621-126310.

gesetzten Tulpenbaum angelegt. Im

vorderen Abschnitt des Stadewäldchen

stehen fast ausschließlich von

Jugendfeierteilnehmerinnen und

–teilnehmern gepflanzte Bäume.

Das Baumpflanzen ist eine symbolische

Handlung für das Erwachsenwerden

und traditioneller Bestandteil

der Feiern in Dortmund.

landab

Die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des Ausbildungsinstituts v.

l.: Prof. Dr. Frieder Otto Wolf, Dr. Martin Ganguly, Jaap Schilt,

Dr. Petra Caysa, Norbert Böhnke, Wilfried Seiring, Dr. Brigitte

Wieczorek, Heinz-Joachim de Vries,Werner Schultz

Ausbildungsinstitut feiert 10-jähriges Bestehen

Berlin – Das Ausbildungsinstitut

für Humanistische Lebenskunde

des Humanistischen Verbandes

Deutschlands, Landesverband Berlin,

beging am 25. März 2009 mit

einem Festakt in der Technischen

Universität Berlin sein zehnjähriges

Bestehen. Das Ausbildungsinstitut

ist durch einen Kooperationsvertrag

mit der Technischen

Universität verbunden. In der

berufsbegleitenden Ausbildung

erhielten seit 1999 bereits über

300 Lehrer eine wissenschaftliche

Grundlage für den Unterricht von

Lebenskunde. Mittlerweile besuchen

über 47 200 Berliner Schüler

diesen Unterricht. Gegenwärtig

arbeitet das Ausbildungsinstitut

an einem weiteren Ziel: der Begründung

eines Grundständigen

Studiums.

Institutsleiter Wilfried Seiring: „Wir Humanisten sind auch in einer

säkularisierten Welt aufgefordert, für die Ziele der Aufklärung täglich

einzutreten. Mir ist klar, dass das nicht immer einfach ist, wir sind

nicht nur von uns unterstützenden Freunden umgeben. Allerdings

scheinen mir Gleichgültigkeit und Indifferenz noch immer die

häufigsten hinderlichen Barrieren.“

Menschen im diesseits

Jens Hebebrand ist der neue ehrenamtliche

Landesgeschäftsführer

des HVD in Nordrhein-Westfalen.

Damit bleibt er den freigeistigen

Traditionen seiner Familie treu.

Bereits sein Urgroßvater war Vorsitzender

der Ortsgemeinschaft

Lünen-Süd.

1967 geboren, studierte Jens Hebebrand

zunächst Chemietechnik, Mathematik,

Geschichte, Politik- und

Wirtschaftswissenschaften in Dortmund

und Bochum. Später war er

u. a. als Mitarbeiter bei den Bundestagsabgeordneten

Wiefelspütz und

Stöckel tätig. Verbandsarbeit ist ihm

nicht neu. Seit Mitte der neunziger

Jahre ist er als Lebensfeiersprecher

aktiv und war seit 2005 Herr über

die Finanzen des Verbandes. Sein

Programm für die nächste Zeit fasst

er folgendermaßen zusammen: „Wir

waren ein großer Mitgliedsverband

mit vielen Multiplikatoren. Da müssen

wir wieder hin! Soziale Projekte

können viele, humanistische Weltanschauung

nur wir!“

2/2009 5


6

2/2009

Humanistischer

Regionalverband

Brandenburg/Belzig

betreibt das KiEZ

Bollmannsruh

Brandenburg/Havel – Seit dem 1. Januar

2009 betreibt der Humanistische Regionalverband

Brandenburg/Belzig e.V. das Kinder-

und Jugenderholungszentrum (KiEZ)

Bollmannsruh unweit der Stadt Brandenburg

an der Havel.

n Auf dem 10 Hektar großen Gelände befinden

sich ein Gästehaus sowie 42 Bungalows

mit einer Kapazität von 240 Betten.

Das KiEZ Bollmannsruh verfügt aufgrund

seiner bereits vorhandenen Infrastruktur

über erstaunliche Möglichkeiten, die ein

breites Spektrum von Aktivitäten im Bereich

Kinder-, Jugend- und Familienerholung

zulassen.

Dazu gehören naturgemäß die vielfältigen

Sportanlagen für Fußball, Basketball,

Volleyball, Federball, Leichtathletik oder

Tischtennis. Der angrenzende Beetzsee,

samt eigenem Badestrand mit Steganlage,

ist Garant für den Wassersport, zumal die

Einrichtung Kanus, Ruderboote oder Surfbretter

ausleiht. Auf dem Grundstück befindet

sich außerdem eine Segelschule.

Erlebnis- und bildungsorientierte Pädagogik

sind die Schwerpunkte im KiEZ,

denn eine Studio- und Freilichtbühne

sind ebenso vorhanden wie Seminarräume,

das Cafe Fritze, ein Kiosk sowie zwei

Appartements, eine Kletterwand und eine

einzigartige Wald- und Seenlandschaft.

KiEZ-Leiterin Anja Erdmann und der Humanistische

Regionalverband planen bereits

weiter: So soll sich die Anlage in Bollmannsruh

zu einer Drei-Sterne-Einrichtung unter

der Dachmarke KiEZ entwickeln. Und für

die kommende Saison steht den Gästen

aus aller Welt ein neues Sanitärgebäude zur

Verfügung, um die Nachfrage nach einem

Jugendzeltplatz zu befriedigen. l

Unter www.kiez-bollmannsruh gibt es alle Informationen

zum Kinder- und Jugenderholungszentrum

im Internet. Auf dieser Seite befindet

sich auch das Anmeldeformular. Telefonisch

ist die Einrichtung unter der Nummer 033838

30830 zu erreichen.


Die Studiobühne lädt zum Mitmachen ein

Viel Platz für Freizeitangebote

2/2009 7


Verleihung des

Humanismus-Preises

2009

Berlin – Den Ossip-K.-Flechtheim-Preis des

Humanistischen Verbandes Deutschlands,

Landesverband Berlin, und der Humanismus

Stiftung Berlin, erhielt am 15. März 2009 Dr.

Michael de Ridder, Chefarzt der Rettungsstelle

des Vivantes Klinikums Am Urban in

Berlin-Kreuzberg.

n Die Preisverleihung fand anlässlich des

100. Geburtstages von Ossip K. Flechtheim,

dem 1998 verstorbenen Politologen

und Zukunftsforscher, im Harnack-Haus,

der Tagungsstätte der Max-Planck Gesellschaft,

statt.

Unter 15 Bewerbungen entschied sich

die prominent zusammengesetzte Jury, das

gesundheitspolitische Engagement de Ridders

zu ehren. In öffentlichen Diskussionen

ergreift er regelmäßig Partei für die Belange

der Patienten und setzt sich dabei unter anderem

für ein humanes und selbstbestimmtes

Sterben ein. Er selbst sieht sich so in erster

Linie als „Anwalt der Patienten“.

8

2/2009

Dr. Bruno Osuch, Landesvorsitzender

des HVD Berlin, erklärte: „Mit dieser

Veranstaltung werden gleich zwei Menschen,

Dr. Michael de Ridder und Ossip

K. Flechtheim, die sich der Förderung der

Wissenschaft, von Aufklärung, Toleranz,

Selbstbestimmung und der Einhaltung

der Menschenrechte in der Gesellschaft

verschrieben hatten bzw. haben und für

die Verwirklichung humanistischer Werte

und Ziele eintraten bzw. -treten, bedacht.“

Die Festrede für Flechtheim hielt der Politikwissenschaftler

Prof. Theodor Ebert, die

Laudatio Ingeborg Rürup, ehemalige stellv.

Bundesvorsitzende der Humanistischen

Union.

De Ridder verband mit seiner Dankrede

den Wunsch, dem Anliegen des HVD und

vor allem einer seiner zentralen Botschaften,

der Selbstbestimmung am Lebensende, in

der Öffentlichkeit Gehör zu verschaffen.

Wörtlich betonte er: „Die Autonomie

des Kranken am Lebensende ist zu einem

Fokus leidenschaftlicher gesellschaftlicher

Auseinandersetzung geworden. Bei näherem

Hinsehen fällt auf, dass die verfassungsrechtlich

so elementare Figur der Autonomie

oder Selbstbestimmung, auch und gerade

am Lebensende, zusehends in Rechtfertigungsnot

gerät, einerseits aus prinzipiellen

Erwägungen heraus, andererseits deshalb,

weil sie mehr und mehr dem Druck so genannter

Bereichsethiken ausgesetzt ist, also

verschiedenen weltanschaulich oder religiös

geprägten Vorstellungen vom Lebensende,

einschließlich der ärztlichen Standesethik.

Es muss nicht betont werden, dass es jeder

weltanschaulichen oder Glaubensgemeinschaft

zusteht, für ihre Vorstellungen

vom „richtigen Sterben“ zu werben, aber

in einem säkularen Staat wie dem unsrigen

haben sie sich eine gewisse Zurückhaltung

aufzuerlegen in dem Sinne, dass sie tunlichst

darauf verzichten, die Öffentlichkeit

mit Alleinvertretungsansprüchen oder mit

in ihrem Besitz befindlichen vermeintlichen

Königswegen hin zu einem guten Tod zu

beglücken.“l

Michael de Ridder

Siegfried R. Krebs

Humanistischer Verband

Thüringen konstituiert

Weimar – Am 29. März 2009 konstituierte

sich in Weimar unter Leitung des Vorsitzenden,

des Journalisten und Kulturwissenschaftlers

Siegfried R. Krebs (55), der Thüringer

Landesverband des Humanistischen

Verbandes Deutschlands. Der HVD ging per

einstimmigem Mitgliederbeschluss aus der

am 12. Oktober 2008 ebenfalls in Weimar

gegründeten „Humanistischen Landesgemeinschaft

Thüringen (HLG)“ hervor.

n Die Mitglieder bestätigten den bisherigen

fünfköpfigen Vorstand in seinem Amt.

Stellvertretende Vorsitzende ist die Weimarer

Rechtsanwältin Yvonne Lautenschläger

(33), Schatzmeister der selbständige Finanzberater

Sven Wirzbowitz (36) aus Jena. Beisitzer

sind der GmbH-Geschäftsführer und

Dipl.-Ing. Frank Roßner (63) aus Magdala

bei Jena und die Kulturwissenschaftlerin

Kristin Müller-Wenzel (26) aus Greiz.

Neben den notwendigen vereinsrechtlichen

Formalien stand die Aussprache über

das künftige Wirken des HVD Thüringen

im Mittelpunkt der Versammlung. HVD-

Präsident Dr. Horst Groschopp führte mit

einem öffentlichen Vortrag in die Thematik

„Religions-, Ethik- und Weltanschauungsunterricht“

ein. Ausgehend von seinem

Vortrag formulierten die Thüringer Humanisten

in der von ihnen verabschiedeten

„Politischen Erklärung“ die Forderung „Gemeinsamer

Ethikunterricht für alle Thüringer

Schüler ab Klasse 7.“ Und sie treten für

einen zusätzlichen gleichberechtigten freiwilligen

und wahlweisen Unterricht in Religion

oder Humanistischer Lebenskunde

ein. Sie begründen diese Forderung damit,

dass drei Viertel aller Thüringer konfessionsfrei

sind.

Zu den weiteren Forderungen des HVD

Thüringen gehört die Mitsprache in den

Aufsichtsgremien des öffentlich-rechtlichen

und des privaten Rundfunks, so wie es die

Thüringer Landesverfassung verlangt. Bisher

werden in den Aufsichtsgremien lediglich

der evangelischen und der katholischen

Kirche sowie den jüdischen Kultusgemeinschaften

Sitze zubilligt.

Und nicht zuletzt will der HVD Thüringen

bald ein eigenes soziales und weltan-


vordere Reihe, v.l.: Vorsitzender Siegfried Krebs, stellv. Vorsitzende Yvonne Lautenschläger, Schatzmeister Sven Wirzbowitz,

Beisitzerin Kristin Müller-Wenzel, hintere Reihe, v.l.: Beisitzer Frank Roßner

schaulich profiliertes Projekt in seiner Trägerschaft

entwickeln. Hier haben die ersten

Überlegungen bereits begonnen.

Der Verband wird im Vorfeld der Landes-

und Bundestagswahlen mit „Wahlprüfsteinen“

an die Öffentlichkeit gehen und

das Gespräch mit demokratischen Parteien

und der Landesregierung suchen. Auch über

Bündnisse mit anderen Verbänden wurde

ausgiebig gesprochen. Der anwesende Vorsitzende

des Landesverbandes der Jugendweihe

Deutschland erklärte sich unter Beifall

zur Kooperation mit dem HVD bereit.

Zählte der „nichtrechtsfähige Vorverein“,

die Landesgemeinschaft, bei Gründung gerade

mal drei Mitglieder, so wuchs diese Zahl

bis Ende März auf 13 an. Einige Sympathisanten

traten dem Verein unmittelbar vor

der Landesmitgliederversammlung bei, so

dass der HVD Thüringen seine praktische

Tätigkeit nun mit 16 Mitgliedern aus allen

Altersgruppen, neun Männern und sieben

Frauen, aufnehmen kann. Derzeit bestehen

zwei Kreisverbände in Weimar und Jena,

zwei weitere sind in Gera und Südthüringen

im Aufbau. l

Lutz Renken

Frühjahrstagung des

Regionalverbandes

Weser-Ems gegen

Genitalverstümmelung

Tossens – Zweimal im Jahr kommen Humanisten

von Wilhelmshaven bis Osnabrück

zu ihrer Arbeitstagung zusammen. Zum 90.

Jubiläum, am 14./15. März, hatte der Humanistische

Regionalverband Weser-Ems die

Referentin Ines Laufer von der TaskForce

zur effektiven Prävention von Genitalverstümmelung

in das Nordseebad Tossens

eingeladen. Die Teilnehmer wollten erfahren,

was man tun kann, darf und muss, um

von Genitalverstümmelung bedrohte Mädchen

zu schützen.

n Die Genitalverstümmelung von Minderjährigen

stellt eine schwere Verletzung

des Menschenrechts auf körperliche Unversehrtheit

dar und ist nach dem Strafrecht

aller Staaten der Europäischen Union eine

Straftat. Die Amputation weiblicher Geschlechtsteile

erfolgt meist vor oder während

der Pubertät ohne medizinische Indikation,

geht oft mit starken Schmerzen

einher und hat fatale körperliche und psychische

Schäden zur Folge. Als Legitimation

werden religiöse Traditionen, die Prinzipien

Reinheit und Ästhetik sowie diverse Mythen

angeführt.

Die Beschäftigung mit einem uns so

fremd erscheinenden, grausamen Ritual

führt leicht zu einer lähmenden Betroffenheit.

Man verdrängt das Thema mit der Begründung,

es sei eine kulturell verankerte

und somit vielleicht sogar zu respektierende

Sitte.

Humanisten können derlei kulturrelativistische

oder gar rassistische Argumentationen

nicht akzeptieren, die Mitgliedern

anderer Kulturen grundlegende Menschenrechte

absprechen und schwere Gewaltanwendungen

als kulturelle oder religiöse

Tradition rechtfertigen. Wir stehen in der

Verantwortung, solches Unrecht zu verhindern.

2/2009 9


Schutz für Mädchen in Deutschland

In Deutschland sind über 30.000 minderjährige

Mädchen von Genitalverstümmelung

bedroht. 35 bis 80 Prozent trifft es tatsächlich.

In neun von zehn Fällen geschieht

dies im Herkunftsland der Eltern. Daher

fordert die TaskForce vom Gesetzgeber:

– Festlegung der Risikogruppe

– regelmäßige, obligatorische Kontrolluntersuchungen

durch Amtsärzte

– gesetzliche ärztliche Meldepflicht bei

drohender und erfolgter Verstümmelung

Ines Laufer, Initiatorin der TaskForce zur effektiven Prävention von Genitalverstümmelung:

„Im Gegensatz zu allen bisher diskutierten Ansätzen stellt die TaskForce den Schutz der

Mädchen an die erste Stelle. Ohne wenn und aber. Ich nenne das Konsequenz ...“

10

2/2009

– generelles Ausreiseverbot für Mädchen

der Risikogruppe in die Heimatländer

der Eltern bis zur Vollendung des 18.

Lebensjahres. Grundlage bilden Gerichtsbeschlüsse

(z. B. des BGH), die

das Aufenthaltsbestimmungsrecht der

Eltern einschränken, wenn einem Kind

allein aufgrund einer hohen Verstümmelungsrate

im Herkunftsland eines der Elternteile

diese schwere Menschenrechtsverletzung

droht.

Diese Maßnahmen stehen zwar zum Teil

im Widerspruch zu anderen im Grundge-

setz verankerten Rechten, wie z. B. der Reisefreiheit.

Jedoch genießt das Recht auf körperliche

Unversehrtheit eindeutig Vorrang.

Derzeit ist die Verhinderung solcher

Menschenrechtsverletzungen auf die Zivilcourage

Einzelner angewiesen, die – von

Gewissensbissen geplagt – sich oftmals in

der Rolle eines Denunzianten wähnen. Um

den Bürgern diese Last zu nehmen und die

Einhaltung der Grundrechte zu gewähren,

muss der Staat seiner Schutzfunktion gegenüber

Kindern besser nachkommen.

Schutz für Mädchen in betroffenen

Entwicklungsländern

Viele Länder, in denen Genitalverstümmelung

weit verbreitet ist, sind Empfänger

staatlicher wie nicht-staatlicher Entwicklungshilfe,

die eine nachhaltige Entwicklung

in den Nehmerländern fördern soll.

Die Einhaltung fundamentaler Menschenrechte

ist in der Praxis keine Voraussetzung

für die Gewährung der Zahlungen. So bleiben

mit Gewalt aufrecht erhaltene autoritäre

Strukturen, die solche Gesellschaften

maßgeblich in ihrer Entwicklung lähmen,

praktisch unangetastet.

Dies widerspricht den erklärten Zielen

des Bundesministeriums für wirtschaftliche

Zusammenarbeit und Entwicklung

(BMZ) als auch von vielen Hilfsorganisationen,

die zwar damit werben, die Lebenssituation

von Patenkindern zu verbessern.

Dabei könnten diese Organisationen ohne

großen Aufwand eine spürbare Verbesserung

der Situation durchsetzen: indem sie

nur solche Gemeinschaften unterstützen,

die bereit sind, die Praxis der Genitalverstümmelung

aufzugeben und so als gutes

Beispiel auf andere Gemeinschaften ausstrahlen.

Besonnenes, lösungsorientiertes

Vorgehen gefragt

Eine besonnene, undogmatische Beurteilung

möglicher Präventionsmaßnahmen

ist unumgänglich, besonders wenn sie mit

anderen Grundrechten konkurrieren. Man

muss ethische Entscheidungen treffen und

verantwortlich handeln. Humanisten stellen

sich den emotionalen Widerständen,

sich derart konsequent für den Schutz

einzusetzen. Für sie gibt es keine vorgegebenen

dogmatischen Floskeln, in die man

sich flüchten kann. So waren die offenen

und leidenschaftlichen Diskussionen der

Tagung dann auch kein Wunder. l


Das Mädchenbad nimmt langsam Formen an.

Ronny Vogler

Sanierung des Kinder-

und Jugendgästehauses

Heiligensee

Berlin – Seit August 2008 ist das Kinder-

und Jugendgästehaus Heiligensee in

Trägerschaft des Berliner Verbandes – eine

anspruchsvolle Aufgabe speziell für die

Jungen HumanistInnen.

n Bevor das Haus und das umliegende

Gelände für Kinder- und Jugendfahrten

genutzt werden konnte, galt es alte Ein-

richtungen zu beseitigen, die sanitären

Anlagen zu modernisieren, die Bungalows

zu streichen und Neues an- und aufzubauen.

Beim ersten Arbeitseinsatz im Oktober

2008 kämpften die freiwilligen Helfer

noch mit der wild wuchernden Vegetation

und wagten sich an erste dringende Reparaturen

in den Sanitärtrakten. An vielen

folgendenWochenenden und Abenden

bekamen die Bäder dann schöne neue

Fliesen.

Zu einem weiteren großen Wochenendeinsatz

Anfang März kamen wieder zahlreiche

Unterstützer aus dem Verband sowie

dem Freundes- und Bekanntenkreis der

JuHus. Darunter Fliesenprofis und Flex-

künstler, Kabelentwirrer und Pinselschwinger.

Tammo Lampe, Koch in Heiligensee,

sorgte für die Versorgung der arbeitenden

Truppe.

Die Räume rochen noch nach frischer

Farbe, als im April die Teilnehmer des Jugendfeier-Camps

einzogen.

Inzwischen wurde bestätigt, dass dem

Projekt Heiligensee umfangreiche Mittel

aus dem Konjunkturpaket II zugesprochen

wurden. Damit wird kurzfristig die energetische

Sanierung des Hauses vorgenommen

werden können.

Mehr als 1000 Arbeitsstunden leisteten

die freiwilligen Helfer in Heiligensee. Dafür

gebührt ihnen großer Dank. l

2/2009 11


12

2/2009


Jutta Kausch

n Die Initiative Pro Ethik, die sich schon

seit langem für den gemeinsamen Ethikunterricht

einsetzt, machte mobil, suchte

Partner und bildete ein potentes Bündnis,

bestehend aus gesellschaftlichen Organisationen,

Initiativen, Verbänden und Parteien,

um das zu stoppen, was sich Pro Reli vorgenommen

hatte. Wir vom HVD Berlin

waren sehr intensiv dabei, von der ersten

Minute an, in trauter Eintracht mit der

GEW und den Parteien SPD, LINKE und

später auch den GRÜNEN, und mit Religiösen

wie den “Christen Pro Ethik“ oder

der Buddhistischen Gemeinde. Nicht unbedingt

alltäglich, diese Koalition!

Es war eine spannende, aufregende, arbeitsreiche

und solidarische Zeit von Januar

bis Ende April. Und das Gute war: Das

einende Ziel war für alle das Wichtigste,

Einzelinteressen und Eitelkeiten traten in

den Hintergrund: Wir wollten erstens den

gemeinsamen Ethikunterricht erhalten, der

seit drei Jahren ein ordentliches Schulfach in

den Klassen 7 bis 10 ist. Ein wichtiges Fach,

in dem sich alle Schüler zusammen über

Werte, Lebensentwürfe und Weltanschauungsfragen

austauschen und verständigen

müssen! Und zweitens wollten wir die Freiwilligkeit

des Religions- und Lebenskundeunterrichts

sichern.

Gegen die Unwahrheiten („Religion soll

aus den Schulen gedrängt werden!“) und

Schlagworte („Es geht um die Freiheit“) von

Pro Reli, gegen Werbeikonen wie Günter

Jauch und Arne Friedrich mit platten Statements

setzten wir in unserer Kampagne Argumente.

Geld gab es zu Beginn kaum, die Parteien

sahen keine großen Möglichkeiten, weil ja

mehrere Wahlkämpfe ins Haus stehen. Die

Initiativen besaßen außer Men- und Womanpower

wenig finanzielle Ressourcen, und die

Religiösen hatten sich ja gegen ihre Oberen

gestellt, also war da auch kein Geld zu holen.

Trotzdem konnte eine passable Plakatkampagne

gestartet werden, mit gemeinsamem

Logo und im Konsens getroffenen Slogans.

TITEL

Es hat sich gelohnt:

Berlin entschied sich für Ethik

Im Januar war klar: Pro Reli hatte tatsächlich genügend Unterschriften gesammelt, um einen

Volksentscheid durchzuführen, der die Wahlpflicht zwischen Ethik und Religion an der

Berliner Schule durchsetzen sollte. Für die Humanisten in Berlin begann eine mühevolle

Kleinarbeit.

Namhafte Interpreten gaben dem Anliegen von Pro Ethik eine Stimme. Die Folk-Band

Miserlou auf der Kundgebung im Tempodrom

Wöchentliche Sitzungen im Kampagnenrat

oder im Plenum, auf denen Aufgaben

verteilt und Absprachen getroffen wurden,

raubten Zeit und gaben Energie. Ein

Büro und ein funktionierender attraktiver

Internetauftritt bildeten das Fundament,

auf dem die Arbeit gedeihen konnte.

Die einzelnen Gruppen organisierten

Diskussionsveranstaltungen, Streitgespräche,

druckten Flyer und Spuckis und starteten

Umfragen.

Die zwei Hauptaufgaben, die wir vom

HVD in dieser Kampagne übernommen

haben (neben der Dauerpräsenz auf allen

Bündnissitzungen und Lobbyarbeit), waren

die Herstellung einer ausgesprochen charmanten

Werbepostkarte, die 60.000 mal

in Berliner Kneipen und Veranstaltungsorten

in Umlauf gebracht wurde, sowie die

Durchführung einer gut besuchten Veranstaltung

im Tempodrom vier Tage vor der

Wahl.

Lebenskundelehrerinnen verteilten Flyer,

organisierten kreative Infostände, verteilten

über 40.000 Elternbriefe, schrieben Leserbriefe,

informierten auf Lehrerversammlungen

an den Schulen, bezogen in Internet-

Blogs Stellung. Kurz: Wir haben uns eingemischt

und mächtig gekämpft und das war

gut so! Der Erfolg gab uns Recht.

Nur 14 Prozent der Berliner Wähler

stimmten für Pro Reli. Aber was wir nicht

zu träumen gewagt hatten: wir fuhren mehr

NEIN-Stimmen als JA-Stimmen ein!

Die Analysten werden jetzt spekulieren,

erklären, deuten: Wie war das möglich?

Ich glaube, dass Pro Reli einmal zuviel

das Wort „Freiheit“ benutzt hat, um noch

glaubwürdig zu sein. Und quasi den aktiven

Widerspruch mitprovoziert hat. Also Danke

an Pro Reli!

Nein, mal ernsthaft: Danke an alle, die

mitgeholfen haben, zu verhindern, dass

Berlin einen Schritt zurück macht in Richtung

Kirchenstaat. l

Jutta Kausch arbeitet im Lebenskundebereich

der Berliner Humanisten. Sie organisierte die

HVD-Aktionen im Bündnis Pro Ethik.

2/2009 13


Peter Adloff

n Für Menschen, die nicht aus persönlichen

oder politischen Gründen an Fragen des Religionsunterrichts

und des Verhältnisses von

Staat und Kirche interessiert sind, war die

Fragestellung schwierig nachzuvollziehen

und von geringer Bedeutung. Allerdings,

so lässt sich vermuten, wäre die Beteiligung

noch geringer gewesen, wenn nicht in den

Wochen vor der Volksabstimmung die

Kontrahenten, also die Initiative Pro Reli

im Bündnis mit Kirchen und CDU und

FDP einerseits und das breite Bündnis Pro

Ethik andererseits für Aufmerksamkeit und

Aufklärung gesorgt hätten. Letzteres gilt vor

allem für die engagierte Öffentlichkeitsarbeit

von Pro Ethik (siehe auch Artikel von J.

Kausch) und zwar gegen die Tendenz vieler

Medien, offen oder unterschwellig für das

Anliegen von Pro Reli zu werben.

Als sich das geringe Interesse in den

letzten Wochen vor der Abstimmung abzeichnete,

wurde auch deutlich, dass die

Pro Reli Seite ihr Ziel vermutlich nicht

erreichen würde. Denn nach dem Berliner

Gesetz über Volksinitiative, Volksbegehren

und Volksentscheid muss eine Initiative

nicht nur die Mehrheit der Wähler für sich

gewinnen, sondern diese müssen auch in

absoluten Zahlen mindestens 25 Prozent

der Wahlberechtigten (also 611 422) ausmachen.

Deutliche Mehrheit für Status quo

Im Januar 2009 hatte die Initiative Pro Reli,

die in der Öffentlichkeit als eigenständige

Gruppe agierte, 307 000 Unterschriften für

ihr Anliegen gesammelt. Obwohl es in der

Evangelischen Kirche auch Stimmen gab,

die von der politischen Machtprobe abrieten,

setzten die Führungen der christlichen

Kirchen dann durch, mit viel Kirchensteuergeld,

Werbeagentur und medialer Unterstützung

den Volksentscheid zu ihrer Sache

zu machen. Immerhin haben die beiden

Kirchen in Berlin über 900 000 Kirchensteuerzahler,

und vermutlich hat die Füh-

14

2/2009

TITEL

Berlin hat abgestimmt

Ganz Berlin? Für über 70 Prozent der abstimmungsberechtigten Berliner und Berlinerinnen

war die Frage, mit welchem Status Religion an der Berliner Schule unterrichtet wird und ob

Ethik ein verbindliches Fach in der Sekundarstufe I bleibt, kein Grund, sich an der Abstimmung

zu beteiligen. Dennoch ist das Ergebnis großartig.

rung auch darauf gesetzt, dass durch den

Zuzug nach Berlin von jährlich etwa 40.000

Menschen, speziell aus den alten Bundesländern,

genug Sympathisanten da sind, für die

Religion als „ordentliches Unterrichtsfach“

zur selbstverständlichen Tradition gehört.

Das Ergebnis ist bekannt.

Was dann allerdings doch sehr überraschte,

war eine Mehrheit von 51,3 Prozent

Nein-Stimmen. Nein zu stimmen hieß

in diesem Fall, für einen Ethikunterricht in

den Klassen 7-10 zu stimmen und für freiwilligen

Religionsunterricht in allen Jahrgangsstufen.

Insofern war die Abstimmung

keine Absage an Religionsunterricht überhaupt,

sondern für ein Unterrichtsmodell,

bei dem Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften

die Möglichkeit behalten,

im Rahmen der Schule ein freiwilliges

Angebot zu machen, zugleich aber für die

Altersgruppe, in der Identitätsfragen wichtig

sind und massive Abgrenzungen untereinander

in den Vordergrund treten, durch

ein gemeinsames Fach zu ethischen Fragen

einer Bedrohung des Zusammenlebens mit

unterrichtlichen Mitteln zu begegnen.

Andere Erwartungen an Kirche

Im Bündnis Pro Ethik waren religiöse und

nichtreligiöse Menschen, gesellschaftliche

Organisationen und Parteien vereint. Das

gemeinsame Ziel und die aktive Toleranz

gegenüber den Unterschieden untereinander

machte dieses Bündnis möglich. So

kamen viele zusammen: Christen, die sich

über das herrschaftliche Auftreten der Kirchenführung

ärgerten und Bündnisse zwischen

„Thron und Altar“ ablehnen, Lesben

und Schwule, die im Fach Ethik die Möglichkeit

haben, Unterrichtsprojekte gegen

Homophobie zu initiieren, Parteienvertreter,

die der Gefahr von Desintegration

und Parallelgesellschaften entgegenarbeiten

wollen, viele andere und nicht zuletzt der

Humanistische Verband.

Insofern wurde im Bündnis das praktiziert,

was auch das Fach Ethik leisten soll:

Unterschiede können bereichern und zugleich

sind faire Bündnisse möglich.

In „Wanderungen durch die Mark

Brandenburg“ schreibt Theodor

Fontane: „Sie wissen alles, sie

lassen niemand zu Worte

kommen und unterbrechen jeden.

Die Berliner sind sehr witzig und

haben bis zu einem hohen Grade

die Fähigkeit ausgebildet, die

lächerlichen Seiten einer Sache

herauszufühlen. Vor Gott sind

eigentlich alle Menschen Berliner.“

Nun, nach ihrer Niederlage, behaupten

die Kirchenführungen, eine wichtige Diskussion

angestoßen zu haben. In der Tat

sind die in den letzten Monaten öffentlich

diskutierten Fragen wichtig: In welchem

Umfang ist die Schule in der Lage, auf Probleme,

die zunächst durch soziale Konflikte,

aber dann auch durch kulturelles Nebeneinander

ausgelöst werden, mit ihren Mitteln

zu reagieren? Gehören Religionen und

Weltanschauungen zur Zivilgesellschaft, in

der die Grundlagen demokratischen Handelns

gelegt werden müssen, und ist eine

Kooperation mit schulischer Werterzie-


hung möglich, ohne die friedensstiftende

Trennung von Staat und Religion zu unterlaufen?

Wie kann in einer Einwanderungsgesellschaft

die Religionsfreiheit auch

für Menschen nichtchristlicher Religionen

sichergestellt werden, ohne die Sorgen zu

ignorieren, fundamentalistischen Richtungen

z.B. im Islam Freiräume zu gewähren,

in denen nicht die Grundwerte des Zusammenlebens,

sondern die Verachtung Andersdenkender

befördert werden?

Die Behauptung allerdings, dass Pro Reli

und die Kirchenführungen diese Diskussion

produktiv initiiert hätten, ist lächerlich.

„Mich ärgert“, schreibt der bekannte

Schriftsteller und Rechtsprofessor Bernhard

Schlink, „was Pro Reli macht, weniger als Juristen,

denn als Christen. Mich ärgert, dass

meine Kirche politischen Kampf auf diese

Art und Weise führt. Ich erwarte von ihr

etwas anderes. Ich hatte gehofft, die Kirchen

würden für ihr politisches Engagement eine

wahrhaftigere Sprache finden.“

Von Selbstkritik keine Spur

Auch nach dem Abstimmungsergebnis ist

von der Kirchenführung keinerlei Selbstkritik

zu hören. Großspurig fordern sie

mehr Einfluss auf die religionskundlichen

Inhalte des Ethikunterrichts. Zwar war von

Anfang an im Curriculum die Empfehlung

zur Kooperation mit Religionen und Weltanschauungen

enthalten; das ist aber etwas

ganz anderes als die Behauptung der Kirchenführungen,

dass über ihre Religion nur

jemand den Schülern etwas erzählen könne

und dürfe, der selbst gläubig ist.

Unser Berliner Verband war mit seinem

Fach „Humanistische Lebenskunde“ in alle

Auseinandersetzungen involviert; Lebenskunde

ist nach evangelischem Religionsunterricht

das zweitgrößte freiwillige Angebot

an den Berliner Schulen. Humanistische

Lebenskunde ist nach ihrem Selbstverständnis

nichts, was sich erübrigt, wenn es

staatlichen Ethikunterricht gibt, und zieht

seine Existenzberechtigung auch nicht aus

der An- oder Abwesenheit von Religionsunterricht.

Der HVD hat sich in den Auseinandersetzungen

der letzten Monate mit

einer eigenständigen Position profiliert:

n Dass Humanistische Lebenskunde

schulrechtlich ein Bekenntnisfach ist, heißt

nicht, dass wir mit den anderen Bekenntnisfächern

gemeinsame Sache machen, wenn

unsere eigenen Überzeugungen dagegen

stehen. Die klare Unterscheidung zwischen

Schulpflicht und freiwilligen Angeboten

muss für Schüler und Eltern immer deutlich

sein; darüber hinaus sind wir der Überzeugung,

dass die Eigenheiten eines „ordentlichen

Unterrichtsfachs“ wie z.B. Noten,

Versetzungsrelevanz, verbindliche Stoffpläne

usw. für die Behandlung von Sinn- und

Moralfragen nicht förderlich sind. Darum

muss ein freiwilliges Angebot nicht weniger

professionell sein. Die Rahmenlehrpläne

aus Berlin und Brandenburg sind ein Indiz

dafür.

n Der HVD hat als engagierter Bündnispartner

viel Ansehen gewonnen als eine gesellschaftliche

Gruppe, die einerseits klare

gemeinsame Überzeugungen hat, sich aber

zugleich den Aufgaben, das Zusammenleben

von Menschen mit unterschiedlichen

Überzeugungen zu fördern, stellt. Lebenskundelehrer,

die den größten Teil der Aktivitäten

des HVD getragen haben, haben

gezeigt, dass ihnen nicht nur das Wohl des

eigenen Fachs am Herzen liegt, sondern

dass sie über den bildungspolitischen Tellerrand

gucken – allen Klischees zum Trotz,

dass Lehrer nur an Fragen des Gehalts und

der Ferienregelung interessiert seien.

Die Erfahrungen, die wir in dieser Auseinandersetzung

gemacht haben, sind ermutigend.

Das Potenzial sollten wir nicht verspielen,

indem wir Gläubige zu „folgsamen

Schafen“ und Atheisten zu „den Guten“

erklären. l

Peter Adloff ist Bildungsreferent bei HVD Berlin.

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2/2009


einblicke

Armin Pfahl-Traughber

Thesen für eine

aufgeklärte

Religionskritik

Das Aufkommen der „Neuen Atheisten“

veränderte die öffentlich wahrnehmbare

Religionskritik: Zum einen erhöhte sich

deren Breitenwirkung leicht, zum anderen

verschärfte sich deren Ton stark. Dazu die

folgenden zwölf Thesen für eine aufgeklärte

Religionskritik und gegen einen selbstgefälligen

Atheismus.

1. Eine Auffassung, die Religion lediglich

als „Gotteswahn“ (Richard Dawkins)

versteht oder meint, sie „vergiftet alles“

(Christopher Hitchens), kann nicht deren

soziale Bedeutung als Erkenntnis-, Identitäts-,

Integrations- oder Orientierungsfaktor

begreifen und fällt hinter den Stand der

Religionskritik von Feuerbach, Marx, Darwin

und Freud zurück.

2. Die Annahme, „eine Welt ... in der es

keine Religion gibt“, kenne „keinen Krieg

zwischen Israelis und Palästinensern ...

keine ‚Probleme‘ in Nordirland“ (Richard

Dawkins), ignoriert, dass Religion nicht für

alles Elend und Übel der Welt verantwortlich

ist und häufig lediglich als ideologischer

Deckmantel für anders motivierte Konflikte

dient.

3. Die Behauptung, mit Darwin sei die

Religion erledigt, verkennt zum einen, dass

der sich als Agnostiker verstehende Naturforscher

den Deismus für kompatibel mit

seiner Evolutionstheorie hielt, und zum

anderen, dass er eine überaus differenzierte

Auffassung zu Entstehung, Funktion und

Wertschätzung von Religion hatte.

4. Die Deutung, wonach die Religion

„gewalttätig, irrational und intolerant“

(Christopher Hitchens) sei und „die Vernunft

und die Intelligenz“ (Michel Onfray)

hasse, verabsolutiert bestimmte Phänomene

in spezifisch historisch-politischen Kontexten

zu einem inhaltlichen Zerrbild, das andere

und gegenteilige Tendenzen komplett

ignoriert.

5. Der Umgang von Atheisten mit Religiösen

sollte von den Prinzipien des Kantschen

Kategorischen Imperativs geprägt

sein. Oder: „Wenn Atheisten nicht von

Theisten mit negativen Vorurteilen konfrontiert

werden möchten, dann dürfen sie

das auch nicht bei Theisten machen.“ (Michael

Shermer)

6. Die Forderung, auch gegenüber den

Gläubigen Toleranz zu üben, schließt keinen

Verzicht auf inhaltliche Kritik ein, steht

doch Toleranz als dialektischer Begriff entgegen

einer weit verbreiteten Auffassung nicht

für Indifferenz und Relativismus, sondern

für die formale Akzeptanz einer abgelehnten

Position als legitimer Meinung im Rahmen

des Pluralismus.

7. Auch irrige Annahmen sind in einer

offenen Gesellschaft zu dulden, denn: „So

lange die Religion Wissenschaft und Freiheit

nicht bedroht, sollten wir respektvoll

und tolerant sein, weil unsere Freiheit, nicht

zu glauben, untrennbar mit der Freiheit anderer,

zu glauben, verbunden ist.“ (Michael

Shermer)

8. Demnach können Absolutheitsansprüche

und Dogmatismus in Teilbereichen

der Gesellschaft – von der individuellen

Ethik über den religiösen Glauben bis zur

ostentativen Sportbegeisterung – als Ausdruck

persönlicher Freiheit geduldet werden,

solange sie keinen Anspruch auf die

verbindliche Gestaltung des sozialen Miteinanders

erheben.

9. In diesem Sinne mag auch ein Atheismus

im Namen der Aufklärung öffentlich

und vehement für die Überwindung des religiösen

Glaubens eintreten, wobei sich sein

Ansinnen auf die Überzeugungskraft der

Argumente und nicht – wie eine Diktatur

im angeblichen Namen der Vernunft – auf

die Repressionspraxis eines Staates stützen

darf.

10. Die Behauptung, „Religionsfeindlichkeit

und Menschenfreundlichkeit sind

schließlich zwei Seiten der selben Medaille“

(Andreas Müller), verkennt in ihrer Einseitigkeit,

dass in der historischen Rückschau

sowohl Atheismus wie Religiosität je nach

historisch-politischer Situation mit Menschenfreundlichkeit

wie Verbrechen einhergehen

konnten.

11. Atheismus steht für einen negativen

Sammelbegriff, der alle Begründungen für

die Ablehnung von Religion und somit

auch totalitäre Bestrebungen wie den Stalinismus

einschließt, wodurch nicht nur aus

demokratischer und menschenrechtlicher

Sicht eine positive Identifikation des säkularen

Selbstverständnisses über den Humanismus

nötig wird.

12. Die bedeutenden Konfliktlinien verlaufen

heute nicht zwischen Atheisten und

Gläubigen, sondern zwischen Demokraten

und Extremisten, Menschenrechtlern und

Unterdrückern – was eine Kooperation

von atheistischen und religiösen Demokraten

gegen Fanatiker der unterschiedlichsten

Richtungen möglich und notwendig

macht. l

Diese Thesen wurden am 4. März 2009 im Humanistischen

Pressedienst (hpd) veröffentlicht.

ausblicke

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18

angesehen

Gernoth Schmidt

Micky Maus ist Mormone

Am 2. April startete der neue Film „Religulous“

von „Borat“-Regisseur Larry

Charles in den deutschen Kinos. Vier Tage

vor dem offiziellen Start präsentierte die

Giordano Bruno Stiftung (gbs) im Berliner

Kino „Babylon“ die „Exklusive Preview“

des satirischen Dokumentarfilms, der in

den USA für Aufregung und volle Kinosäle

gesorgt hat. Unser Autor Gernoth Schmidt

war dabei.

n Es beginnt am Ende, am Weltenende in

Megiddo (Armageddon), dem Ort der letzten

Schlacht. Auf diesem heiligen Grund,

an dem schon vor dieser finalen Schlacht alles

kaputt ist, steht inmitten antiken Gerölls

ein quirliger vorlauter Mann, der uns auf

seine Pilgerreise in die bunte Glaubenswelt

der Religionen einlädt. Er lächelt und wird

auch fortan lächeln auf all seinen Wegen.

Er ist Komiker. Er wird mit flinker Zunge

sprechen und dabei seine Gesprächspartner

nicht immer ausreden lassen. Er ist Talkmaster.

Wir lernen Bill Maher als einen Mann

auf Mission kennen. Er besucht neben

Stein gewordenen Orten des Glaubens

auch eine mobile Trucker-Kapelle, eine

Cannabis-Kirche – deren zugekiffter Guru

dem Nirvana bereits sehr nahe scheint -,

Holyland, einen biblischen Disneypark,

2/2009

in dem (ein sehr attraktiver) Jesus jeden

Tag gekreuzigt wird, nachdem er mit Maria

vorher auf einer Bühne getanzt und

gesungen hat, und sogar eine islamische

Schwulenbar in der Diaspora Amsterdams.

Maher outet sich als Skeptiker, als Spross

geliebter abrahamitischer Ökumene (Vater

Katholik, Mutter Jüdin), der vorgibt, den

Glauben verstehen zu wollen. Man wird ja

wohl fragen dürfen, was es mit sprechenden

Schlangen auf sich hat und Menschen, die

in einem Fischleib wie in einem U-Boot

transportiert werden? Indem Maher Religionen

beim Wort nimmt und ihren Repräsentanten

an sich einfache Fragen stellt,

wird seine Pilgerreise zur Ketzertour und

zur Offenbarung zugleich, die logischerweise

mit dem Song „Road To Nowhere“

der Talking Heads endet.

Gefährlicher Unfug

Religulous ist ein Thesenfilm im Geist der

Aufklärung, dessen Titel – ein Wortspiel

aus „religious“ (religiös) und „ridiculous“

(lächerlich) – Programm ist, eine Aufforderung,

selbst zu denken und nicht devot

nachzubeten, was immer Autoritäten als

Glaubensgewissheit verkünden. Wobei

auch Maher selbst der Wahrheit nie näher

als in einem seiner ersten Sätze kommt:

„Die Antwort kennen wir nicht!“

Die Fakten: Religionen verkaufen ein

unsichtbares Produkt und verbreiten im

Diesseits Angst vor dem Jenseits. Die sogenannten

Gottesbeweise aller Religionen

würden vor Gericht keinem einzigen

Kreuzverhör standhalten – im Übrigen

ein Grund für immer wieder neue Abspaltungen,

die man auch als Varianten einer

Evolution transzendentaler Bedürfnisse

verstehen kann, die einerseits immer abstraktere

und unverbindlichere Konstruktionen

hervorbringen, andererseits aber

wie seit vielen tausend Jahren in sklavische

Unterwerfung und gefährlichen Unfug

münden.

Maher bietet vor allem Beispiele für

Letzteres, weil er sich in seiner One-Man-

Show – präsent in jeder Szene und stets zu

satanischen Kommentaren aufgelegt – auf

Exzesse konzentriert. Offenbar ziehen ihn

und seinen Regisseur Larry Charles („Borat“)

Oberflächenreize besonders an. Leider

wird Religulous so zeitweise zu einem Kuriositätenkabinett,

bei dem das Kopfschütteln

leicht fällt.

Man mag kaum glauben, was Menschen

zu glauben bereit sind, gerade in den USA.

Nirgends in der westlichen Welt scheint Religion

noch so einflussreich, blüht religiöser

Eskapismus so fruchtbar. Wir erleben religiös

„Erweckte“, die ernsthaft fürchten, Gott

würde in ein anderes Land gehen (!), wenn

wir, die Amerikaner, nicht tun, was ER will.

Für die Mormonen ist Gott zwar nicht amerikanischer

Staatsbürger (sie verorten IHN

auf einem Planeten namens Kolob), aber

der Garten Eden hätte sich schon in Gods

own Country, irgendwo in Missouri, und

nicht im Orient befunden. Sie taufen sogar

Verstorbene und haben auf diese Weise

beispielsweise Adolf Hitler, Micky Maus

und Johannes Paul II. eingemeindet. Ob

selbsternannter Nachfahre Christi – Jésus

Miranda, der die Kirche „Growing in Grace“

gegründet hat -, ob regelrecht dummer

Gospelprediger, der nicht einmal bibelfest

ist, aber seine Anhänger schamlos auszubeuten

versteht, ob sauertöpfisch blickende

Evangelikale, die nicht erkennen lassen, dass

sie die „frohe Botschaft“ froh macht – sie

alle finden ihre Jüngerschar.

Der erklärte Agnostiker Maher macht es

sich einfach, indem er sich mit nicht sehr

argumentationsstarken Vertretern einlässt.

Außer dem bemerkenswerten Jesus-Darsteller

in Holyland und zwei freundlichen

katholischen Geistlichen, die bereitwillig in


Mahers Klage über evangelikale Fundamentalisten

einstimmen und über Raumfahrt

als zeitgemäßen Aspekt der Missionierung

witzeln (an beiden erkennt man den Wert

einer guten Schulung), vermag ihm niemand

rhetorisch Paroli zu bieten. Etwas

mehr Struktur und Analyse hätten eine aufklärerischere

Wirkung als der zehnte Gag

auf Kosten überforderter Gesprächspartner,

deren Antworten Maher manchmal gar

nicht erst abwartet. Billige Polemik wie:

„Warum bringen Sie sich nicht um, wenn

es im Himmel so schön ist?“ hätte der Film

nicht nötig; zudem könnte sie von jedem

halbwegs wachen Gläubigen mit Hinweis

auf das Suizidverbot leicht widerlegt werden.

Reise durch Absurdistan

Religulous ist immer dann stark, wenn die

Szenen sich selbst kommentieren, wenn Profanes

in das Heilige einbricht, als Staubsauger,

der im Felsendom zwischen betenden

Muslimen sein Reinigungswerk verrichtet,

wenn ein Imam inmitten einer prächtigen

Moschee auf eine in einer winzigen Nische

kauernde betuchte Frau weist und gönnerhaft

betont, dass „wir für Frauen besondere

Ecken haben“ oder wenn sich Juden im

Kaftan an der Klagemauer heftig wippend

scheinbar die Köpfe einschlagen. Manchmal

wähnt man sich auf einer Reise durch

Absurdistan, etwa wenn jüdische Tüftler

versuchen, die Sabbatruhe durch technische

Tricks zu umgehen, um sie zu bewahren.

Im besten Sinne Aufklärung leistet der

Film mit verblüffenden, wenig bekannten

Vergleichen, die Jesu Heilsgeschichte bis ins

Detail als Nacherzählung der Legende des

ägyptischen Hauptgottes Horus erscheinen

lässt und zudem etliche Parallelen zu Mithras

und Krishna zeigt. Danach ist nichts

mehr einzigartig, nicht Jungfrauengeburt

noch Bergpredigt, nicht Blindenheilung

noch Überwasserlaufen, nicht Kreuzestod

noch Himmelfahrt. Mit seinen unzähligen

Anspielungen, der wilden, oft entlarvenden

Montage, die viele Schnipsel aus Dokumentationen

und Fernsehberichten kompiliert,

ist der Film wie eine Rumpelkammer, die

zum Wühlen anregt und nebenbei Nützliches,

Heiteres, Geistreiches und vielleicht

sogar einen Schatz entdecken lässt. Natürlich

weiß man danach auch, warum sich

Spott auf Gott reimt.

Schwebende Lamas und verfilzte Sadhus

kommen übrigens nicht vor. Der

Film konzentriert sich auf die in Wüsten

geborenen Buchreligionen, das bietet Stoff

genug. Denn die Fragen sind endlos. Ich

wollte immer schon wissen, wieso Gott nur

delirierenden Exzentrikern in der Einöde

erschien und nicht Zehntausenden inmitten

einer Veranstaltung im römischen

Kolosseum? Wie viel mehr Wirkung hätte

ER erzielen können, wenn ER einen von

Löwen zerfetzten Gladiator wohl präpariert

auf Himmelfahrt schickte? Wenn es einen

Gott geben sollte, ist ER jedenfalls ein miserabler

Dramaturg, der seine Ghostwriter

gegen Shakespeare oder wenigstens Sophokles

hätte austauschen sollen.

Plädoyer für den Zweifel

Der Film ist ein packendes Plädoyer für

den Zweifel, weil es der Zweifel ist, der den

Menschen adelt, indem er automatistische

Handlungen (Reflex & Instinkt, Gehorsam

& Glaube) auf eine höhere Erkenntnisebene

führt. Machen wir uns nichts vor. Menschen

glauben ganz unabhängig von Religion an

alles Mögliche, an Systemwetten beim Lotto,

probiotische Joghurtkulturen, sogar an

die Einlösung von Wahlversprechen. Auch

wir müssen uns Fragen stellen. Wäre die

Welt ohne Religionen besser? Sicher ist der

Gott des Alten Testaments ein bösartiger

Tyrann, der Genozide und Ökozide verübt

– aber der Wahn ist nicht nur zwischen

Buchdeckeln, in weihrauchgeschwängerten

Kathedralen oder staubigen Teppichen der

Moscheen zu Hause, sondern überall dort,

wo Allmachtsphantasien und Absolutheitsansprüche

aufblühen, auch in manch sterilem

Laboratorium säkularer Wissenschaftler,

die im Herzen nur die Maschine sehen.

Findet mensch nicht immer einen Grund

zu lügen, zu plündern, zu schänden und zu

morden? Bleibt ohne höchste, spätestens

beim Jüngsten Gericht strafende Instanz

nicht jede Ethik unverbindliche Handelsware

auf dem Markt aktueller Bedürfnisse?

Was Atheisten – jedenfalls solche mit heilsgeschichtlichen

Ambitionen – vermögen,

hat das blutgebadete 20. Jahrhundert deutlich

gezeigt.

Religulous provoziert, stellt aber entscheidende

Fragen und eignet sich gerade

für den Religionsunterricht als Pflichtfilm –

als Gradmesser echter Toleranz. Und sobald

ein geistesverwandter Film aus Iran, Pakistan

oder Saudi-Arabien kommt, dann, aber erst

dann, bin ich bereit auch an die Toleranz des

Islams zu glauben, ja zu glauben. l

Michael Schmidt-Salomon /

Helge Nyncke

Susi Neunmalklug

erklärt die Evolution

Ein Buch für kleine und

große Besserwisser

40 Seiten, durchgängig vierfarbig

illustriert, gebunden, Euro 13.-

ISBN 978-3-86569-053-1

Hat uns der „liebe Gott“ erschaffen

oder sind wir ein zufälliges Ergebnis

der Evolution? Keine Frage für

Susi Neunmalklug. Denn Susi ist so

schlau wie Superman stark ist und

kann so gut denken, wie Spiderman

klettern kann. Wie andere Superhelden

versteckt auch Susi meist

ihre Superkräfte. Nur manchmal,

wenn sie etwas richtig Dummes

hört, kann sie sich einfach nicht

bremsen. So war es auch, als Herr

Hempelmann eines Morgens das

Klassenzimmer betrat und eine

seltsame Geschichte von der Entstehung

der Welt erzählte…

Eine witzige, neunmalkluge Einführung

in die Evolutionstheorie für

Kinder ab 8 Jahren.

Susi Neunmalklug erklärt die Evolution

ist – nach dem „Ferkelbuch“

und der Geschichte vom frechen

Hund – das dritte Gemeinschaftsprojekt

des Teams Nyncke/Schmidt-

Salomon. Wer sich von Charme und

Kompetenz der kleinen Besserwisserin

überzeugen will, kann auf der

Webseite www.susi-neunmalklug.de

das Video zum Buch ansehen.

www.alibri.de

2/2009 19


Gita Neumann

n Die häufigsten Schmerzen im Alter sind

solche am Bewegungsapparat, Nervenschmerzen

und Tumorschmerzen. Das Erleben

und Empfinden von „aussichtslosem“

Leid berührt eine religiös-weltanschaulich

geprägte Sinn- und Glaubensdimension.

Sie überlappt sich zwar mit psycho-sozialen

sowie ethischen Aspekten, ist mit diesen

aber nicht deckungsgleich. So sehen es

zumindest zeitgenössische Konzepte zur

Leidlinderung. In einigen Veröffentlichungen

werden die wichtigsten Religionen und

Weltanschauungen in ihrem Bewältigungspotenzial

und Ritus explizit behandelt.

Dabei fällt auf: Der Humanismus kommt

nirgends vor. Zu vermuten ist: Weil seine

Vertreter dies auch gar nicht wollen. Aus

(berechtigter?) Sorge, in die Nähe einer

diffusen, auch dilettantischen Spiritualität

zu geraten? Aus Ignoranz gegenüber ernsthaften

philosophischen Ansätzen zu Gemütsruhe,

Schmerzvermeidung oder auch

trostspendender Transzendenz? Hier wären

– als dezidiert nicht-religiöse Vertreter – zumindest

zwei Namen zu nennen: Epikur

(um 341-270 v.u.Z) und der zeitgenössische

Philosoph Ernst Tugendhat.

Ethik-Charta betont Menschenrecht auf

Schmerzbefreiung

Chronischer Schmerz bedeutet Probleme

beim Anziehen, Laufen, Treppensteigen,

Einkaufen, Kochen und birgt damit die Gefahr

der sozialen Isolation und des Verlustes

der Selbstständigkeit. Bei alten Menschen

ist Schmerzprävalenz bei Heimbewohnern

mit kognitiven Beeinträchtigungen oder

Demenz besonders hoch. Jeder Mensch hat

ein Recht auf angemessene Schmerztherapie,

auch Neugeborene, Kinder und einwilligungsunfähige

Erwachsene. Dazu hat

die Deutsche Gesellschaft zum Studium des

Schmerzes (DGSS) im Oktober 2007 eine

viel beachtete „Ethik-Charta“ vorgestellt.

Schmerz wird in der modernen Wissenschaft

längst nicht mehr klassisch als reine

Empfindungsreaktion auf die Erregung

22

2/2009

FORUM

Schmerz und Glaube

Kultursensible Ansätze mit oder ohne Humanismus?

Wir leben in einer Zeit, in der neben der geriatrischen die palliative (lindernde) Medizin

zunehmende Bedeutung erlangt. Ein Grund dafür: In den nächsten Jahren nimmt die Anzahl

von alten Menschen stark zu. Bei bis zu 75 Prozent dieser Menschen ist andauernder

Schmerz ein häufiges Symptom.

schmerzvermittelnder Strukturen definiert.

Vielmehr werden heute die Übergänge zu

seelischem und existenziellem Leid hervorgehoben.

Neben Kapiteln etwa zu „Schmerz

messen“ oder „Umgang mit Sterbenden“

findet sich dort auch ein Unterkapitel zur

„Selbsttötung“. Dieses stellt die diesbezüglichen

Richtlinien der Schweizerischen

Akademie der Medizinischen Wissenschaften

(SAMW) vor und schließt mit

der Feststellung: „In Deutschland findet

eine konstruktive, öffentliche Diskussion

des Themas Beihilfe zum Suizid nur sehr

zaghaft statt.“

Bewältigungspotenziale in religiösen

und nicht-religiösen Lehren

Neben der Selbstbestimmung wird in der

Ethik-Charta der DGSS dem Komplex

„Schmerz und Religion“ besondere Bedeutung

eingeräumt. Betont werden die

positiven Bewältigungs- und Behandlungseffekte

des Glaubens. Dort heißt es: „Eine

effektive Schmerz- und Symptomkontrolle

respektiert nicht nur die individuelle Spiritualität

des Patienten; sie erkennt zudem in

dem gelebten Glauben des Einzelnen ein

Potenzial, den gewählten, notwendigen Behandlungsweg

in seinem Verlauf positiv zu

beeinflussen.“ Es folgt eine diesbezügliche

Darstellung der monotheistischen Weltreligionen

(siehe Kasten). Deren traditionelles

Verständnis von Schmerz als Gottesstrafe

– auch für kollektive – Sünde scheint

dabei heute völlig ausgeblendet. Doch ist

gerade dies der verbindende Charakterzug

zwischen den monotheistischen Religionen.

Dies wird besonders deutlich im

Kontrast zu den Lehren von Buddhisten,

Hindus und auch Epikureern – wobei die

nicht-religiöse Lebensphilosophie letzterer

in einschlägigen Publikationen eben nie

aufgeführt wird. Dabei hätte sie einiges beizutragen:

Nach Lehre des griechischen Gelehrten

Epikur gelten Freiheit von Schmerzen

und von Angst sowie die Gemütsruhe

als höchste Güter. Sie sind ein Glück, das

gegen alle äußeren Widrigkeiten erreichbar

sein kann. Weil Epikur das Streben nach

wohlverstandener Lust (gr.: hedone) allem

menschlichen Handelnd zugrundelegt,

stand seine Lehre jahrhundertelang unter

strengster Kirchenkritik.

Im spirituellen Sinn beachtlich ist –

gut 2000 Jahre nach Epikur – der Beitrag

des Philosophen Ernst Tugendhat. Er hat

– als Sprachanalytiker ein Verächter jeden

Pseudotiefsinns – sein letztes Werk dem

Umgang mit Lebensende und hohem Alter

(auch dem eigenen) gewidmet. Es geht

ihm um die – durch Reflexion – zurückdrängbare

„Egozentrizität“, d. h. um eine zu

gewinnende „Transzendenz“-Haltung, die

sich selbst nicht mehr so wichtig nimmt.

Überwindung von Todesangst und spiritueller

Trost können durchaus teuer erkauft

sein: nämlich damit, dass man keine Leidenschaften

mehr hat.

Gefragt wie nie: Weltanschauliche

Angebote

In einer Landesdrucksache aus NRW vom

28. April 2009 fordern alle im Parlament

vertretenen Parteien einhellig in den Hospiz-,

Alten- und Pflegeeinrichtungen eine

„kultursensible Öffnung“ und die „Weiterentwicklungen

der Angebote für Menschen

unterschiedlicher Weltanschauungen und

Lebenseinstellungen“. Ob im Handbuch

der Palliativmedizin, den Finanzierungsrichtlinien

für Hospizarbeit oder einer aktuellen

Broschüre zur Bestattungskultur: Wer

sich heutzutage Themen wie Schmerzlinde-


ung, Todesfurcht, Wahrheit am Krankenbett,

Trost und Trauer widmet, kommt in

Deutschland um eine pluralistische Werte-

Perspektive nicht mehr herum.

Das gilt auch für die jüngsten „Empfehlungen

zum Umgang mit Sedierung am

Lebensende“, die im Juni von der Akademie

für Ethik in der Medizin herausgeben wer-

Buddhismus

Der Buddhismus erklärt die Weltzusammenhänge

ohne Glauben an einen Gott

oder mehrere Götter. Er wird daher eher

als philosophische Lebenskunst statt als

Religion angesehen. Bis der Mensch sich

aus seiner Unkenntnis, seinem Nichtwissen,

befreit, hält das Karma, also seine Taten,

aber auch Gedanken, Absichten und

Sehnsüchte, ihn in seinem Leid gefangen.

Völlige Auslöschung der Gier kann

zur Überwindung (Nirvana) führen. Mit

Übungen der Meditation und der Methode

der Achtsamkeit kann versucht werden,

eine schmerz- und stressfreie innere Stille

zu erzielen.

Hinduismus

Hindus glauben an eine Vielzahl von

Gottheiten und an Wiedergeburt. Sie

akzeptieren Schmerz als Folge eigener

schuldhafter Taten. Ein schlechtes Karma

lässt sich aufheben, wenn sie durch Leiden

hindurchgehen oder es sogar in ekstatischen

Schmerzprozessionen freiwillig su-

den (neben Medizinern und Theologen hat

eine Vertreterin des Humanistischen Verbandes

mitgewirkt). Bei der palliativ oder

auch terminal genannten Sedierung geht es

darum, unerträgliches Leiden – auch seelischer

und psychiatrischer Natur! – mit bewusstseinsdämpfenden

Mitteln zu lindern,

wenn dies anders nicht mehr möglich ist.

Wie halten sie es jeweils mit Leid

und Schmerzbekämpfung?

chen. Eine Besonderheit stellt die rituelle

Selbsttötung als „Lohn der Asketen“ dar.

Judentum

Im alten Testament lautet die Antwort

auf den Sinn des Leides: Leiden ist Gottes

Strafe unserer Sünden wegen, Leiden ist

Chance zu Läuterung und Buße, Leiden

gilt als Prüfung und Glaubenszeugnis.

Laut „Ethik-Charta“ der DGSS wird in

der zeitgenössischen jüdischen Bioethik

die besondere Bedeutung des Patientenwillens

hervorgehoben: „Der Patient

übernimmt bei der Entscheidungsfindung

für die anstehende Behandlung eine aktive

und verantwortungsbewusste Rolle.

Schmerzen sollen unverzüglich behandelt

werden, und in diesem Zusammenhang

ist der Patient die entscheidende Instanz

hinsichtlich der Frage, wie viel und welch

großen Schmerz er ertragen kann.“

Christentum

Im Christentum gibt es Leiden als Strafe,

als Märtyrererfahrung und als Mitleiden.

Das Problem: Der vorweggenommene soziale

Tod vor dem biologischen.

In einem Entwurf zu diesen Empfehlungen

heißt es: „Es ist damit zu rechnen, dass

sich eine allgemeine Haltung dahingehend

verstärkt, eine vermeintlich legitime Angebotsmöglichkeit

des ‚schmerzlosen Sterbens

im Schlaf’ für sich in Anspruch zu nehmen.

Die Leiden Christi, also der Kreuzestod

Jesu, bilden für die Erlösung im Christentum

die wesentliche Voraussetzung. Die

„Ethik-Charta“ ergänzt die christliche

Haltung zur Schmerztherapie wie folgt:

„Das Potenzial der Wissenschaft, mit ihren

Mitteln die Situation eines Patienten

zu verbessern, stellt grundsätzlich einen

Segen dar… Dort aber, wo die medizinische

Leistungsfähigkeit Grenzen erreicht,

ist es besonders wichtig, den Wunsch des

gläubigen Patienten nach Seelsorge und

Fürbitte zu respektieren... Der Patient

darf, wenn er will, mittels der Möglichkeiten

der Medizin eine weitgehende

Schmerzlinderung auch dann beanspruchen,

wenn diese mit dem Risiko der Lebensverkürzung

verbunden ist. Gemäß

dem Prinzip der ‚doppelten Wirkung’

darf dieses tödliche Risiko unter den gegebenen

Umständen hingenommen werden,

sofern das Eintreten des Todes nicht

beabsichtigt ist.“

Islam

Allah prüft die Gläubigen durch das

Leid. Bei den Sunniten hat das Leid keine

Heilsbedeutung. Bei den schiitischen

Passionsspielen können die Gläubigen

jedoch durch ertragenes Leiden Sünden

abbüßen. Die „Ethik-Charta“ erläutert

die „Pflicht eines Gläubigen, sich medizinisch

behandeln zu lassen... Erscheint

eine Heilung als nicht möglich, ist es die

vordringliche Aufgabe des behandelnden

Arztes, dem betreffenden Patienten, ohne

hierbei notwendigerweise zu lügen, eine

positive Botschaft zu vermitteln… Ein

früherer Tod darf nur als Nebenfolge der

Schmerzbekämpfung hingenommen werden.“

Voraussetzung hierfür allerdings ist,

dass eine Übereinstimmung mit Familie

und Glaubensgemeinschaft besteht, denn

gemäß der islamischen Ethik ist das Wohlbefinden

des Einzelnen nicht isoliert zu

sehen.

2/2009 23


Womöglich wird sogar als vermeintliches

Recht von den Ärzten verlangt, in suizidaler

Absicht unter Sedierung mit dem Essen

und Trinken aufhören zu können.“ Ein

Korrektiv gegen solche Zumutung könnte

„die unverzichtbare Auseinandersetzung

auch mit den existenziellen, spirituellen und

religiösen Aspekten sein, die jeder Einzelne

im Rahmen seiner selbstverantwortlichen

Lebensführung zu leisten hat.“

Das Hospizkonzept geht ganz selbstverständlich

von „vier Säulen“ (medizinisch,

pflegerisch, psycho-sozial und spirituell)

aus. An der Universität Köln ist 2008 ein

palliativmedizinisches Forschungsprojekt

angelaufen zur „Validierung eines deutschsprachigen

Instruments zur Messung eines

gesteigerten Todeswunsches“. Als Teilziel

wird dabei genannt: Genaue Erfassung

spiritueller Bedürfnisse und Ressourcen

Schwerkranker und Sterbender anhand von

Fallanalysen zu Sinndeutungssystemen und

Lebensstrategien. Es soll dabei um eine anthropologische

„Grundidee des Humanen“

24

2/2009

gehen, um Kategorien wie Hilflosigkeit,

Grenzerfahrung, Leid, Erlösung, Scheitern,

Erduldung, Freiheit, Transzendenz, Angst,

Hoffnung, Todesfurcht.

Greift das Humanistische

Selbstverständnis zu kurz?

Die einschlägige Stelle im „Humanistischen

Selbstverständnis“ lautet: „Humanistinnen

und Humanisten wenden sich dagegen,

Leid zu verklären und treten ein für das

Recht auf Leidminderung und auf Hilfe

zu einem selbst bestimmten Sterben. (...)

Menschen [können] mit schmerzhaften,

zum Teil unlösbaren Problemen zu leben

lernen, ohne in Resignation zu verfallen...

Der Angst vor Sinnleere und Bedeutungslosigkeit

des individuellen Lebens kann durch

ein bewusst humanes Leben begegnet werden.

Auch verdrängte Ängste und Wünsche

können individuell und gemeinschaftlich

bearbeitet werden.“

Dies würde wohl erlauben, auch den

Humanismus zumindest in die Reihe der

relevanten Religionen und Weltanschauungen

einzureihen (zumal er darüber hinaus

medizin- und bioethisch Spezifisches beizutragen

hat). Allerdings: Die hinter dem

Selbstverständnis durchscheinende Haltung

deutet nicht eben auf die Bereitschaft

hin, das Phänomen Todesfurcht oder Todeswunsch

zusammen mit einem kranken

Menschen geduldig auszuhalten. Oder das

Thema kultur- und geisteswissenschaftlich

auszuloten. Vielmehr hört es sich so an, als

möchte man lieber auf Rezepte zurückgreifen,

ohne den Boden unter den Füßen zu

verlieren. Dabei kann es bei der spirituellen

Begleitung gerade darum gehen: Um das

Zulassen oder gar aktive Befördern von Fragen,

worauf sich Zweifel, Versagensangst,

existenzielles Leid überhaupt beziehen. Und

um die Frage nach dem ewig unbeantwortbar

bleibenden „Warum?“

Dies scheint dem Humanistischen Selbstverständnis

zumindest in der vorliegenden

Fassung eher fremd zu sein. Förderlich wäre

ein Blick in die hospizliche Praxis des Humanistischen

Verbandes (was die dort von

den Krankenkassen eingeforderte spirituelle

bzw. „humanistisch-seelsorgerische“ Begleitung

betrifft). Im jetzigen humanistischen

Selbstverständnis bedient man sich einer

Sprache, die besonders geeignet ist, um

gesellschafts- und globalpolitische Denkkategorien

und rational-ethische Urteilskriterien

zu transportieren. Ob das aber für eine

Weltanschauungsgemeinschaft reicht – sofern

sie sich überhaupt zu ihrem positiven

„spirituellen Potenzial“ bekennen möchte?

Das Menschenrecht auf Schmerztherapie

und wertorientierte Selbstbestimmung, das

zeigt die Ethik-Charta der DGSS, ist zumindest

auch von einer Position aus einzufordern,

die sich für dezidiert weltanschaulich

neutral ausgibt. l

Humanistische Bestattungskultur

Geschichte und Perspektiven weltlichen

Abschiednehmens

Konferenz

12. bis 13. Juni 2009 in Hannover

Das Thesenpapier von Dr. Horst

Groschopp zum Thema der Konferenz

kann heruntergeladen werden unter

www.humanismus.de.

Informationen und Anmeldung:

Humanistische Akademie Niedersachsen,

c/o Ulrike Döhrel-Janßen

Sollingstraße 49, 37081 Göttingen

Tel. 0551 96574


Thomas Junker

n Auf den ersten Blick scheinen die Selbstmordattentäter

in ihrer Rücksichtslosigkeit

und Brutalität aus einer fremden Welt zu

stammen. Entsprechend weit verbreitet ist

die Überzeugung, dass es sich um psychopathologische,

kriminelle oder irrationale

Aktionen handelt, die Ausdruck eines nur

für Religionen charakteristischen Fanatismus

sind. Auch das in den Medien gerne

verwendete Schlagwort vom „islamistischen

Terror“ suggeriert diese Sichtweise. Die Tatsachen

sprechen aber eine andere Sprache:

So verübten beispielsweise die hinduistischen

Tamil Tigers, die im Norden von

Sri Lanka für einen eigenen Staat kämpfen,

in den 1990er-Jahren rund die Hälfte aller

weltweit bekannt gewordenen Selbstmordattentate.

Diese Aktionen erfuhren aber im

Westen weniger Aufmerksamkeit, da die

USA oder europäische Staaten nicht direkt

in den Konflikt verwickelt waren und deshalb

auch nicht zur Zielscheibe der Attentäter

wurden.

Verübt von den Schwächeren

Bis auf wenige Ausnahmen werden Selbstmordattentate

nicht von isolierten Einzeltätern

begangen, sondern sie stellen eine militärische

Option dar, die in längerfristigen

Guerillakriegen zum Einsatz kommt. Und

sie werden nur von der jeweils schwächeren

Seite verübt. Der extreme persönliche

Einsatz soll dabei den Mangel an moderner

Waffentechnik ausgleichen. Bei den Konflikten,

in denen Selbstmordattentate als

Waffe dienen, handelt es sich ohne Ausnahme

um nationale Befreiungsbewegungen

gegen eine fremde militärische Besatzung

und/oder gegen die eigene Regierung, wenn

in der Bevölkerung der Eindruck besteht,

dass diese fremden Interessen dient.

Nationale Befreiungsbewegungen greifen

aber in der Regel nur dann zu dem extremen

Mittel des Selbstmordattentats, wenn große

kulturelle, vor allem religiöse Unterschiede

FORUM

Die evolutionäre Logik der

Selbstmordattentate

Selbstmordattentate haben eine lange Tradition und eine neuere Geschichte. Ihre Erklärung

durch das Prinzip der natürlichen Auslese scheint zunächst ein Widerspruch zu sein. Dass

es sich hier tatsächlich um einen biologischen Denkfehler handelt, wies der Autor als Referent

auf der Tagung des Nürnberger Hands-on-Museum turmdersinne „Die Fruchtbarkeit

der Evolution – Humanismus zwischen Zufall und Notwendigkeit“ nach.

zu den Besatzungstruppen bestehen. Der

entscheidende Faktor ist nicht die spezielle

Religion an sich – beispielsweise der Islam

–, sondern unterschiedliche religiöse Traditionen

zwischen den Konfliktparteien. Offensichtlich

lassen historische oder aktuelle

religiöse Unterschiede eine fremde Militärmacht

als besonders unerträglich erscheinen.

Die Selbstmordattentate entstehen also

nicht in erster Linie aus religiösem Fundamentalismus,

sondern sie sind ein Ausdruck

der asymmetrischen Kolonialkriege der Gegenwart.

Inwiefern kann nun die Evolutionsbiologie

etwas zum Verständnis der modernen

Selbstmordattentate beitragen? Wie bei

jeder anderen Verhaltensweise kommt es

darauf an, zum einen die Umweltbedingungen

zu beachten, unter denen sie auftritt.

Ebenso wichtig aber ist es, die ererbten Anlagen

in Betracht zu ziehen, die wesentlich

mitbestimmen, wie ein Mensch seine Erfahrungen

verarbeitet und in Handlungen

umsetzt. Nach der Darwinschen Selektionstheorie

existieren Lebewesen letztlich nur,

um das Überleben und die Verbreitung ihrer

Gene sicherzustellen, was normalerweise

durch die Fortpflanzung erreicht wird. Auf

den ersten Blick sind Selbstmordattentate

also nicht mit der natürlichen Auslese erklärbar.

Denn dies würde ja bedeuten, dass

ein Individuum seine Fortpflanzungschancen

dadurch verbessert, dass es sich nicht

fortpflanzt. Entsprechende Gene dürfte es

– von seltenen Neumutationen abgesehen

– also gar nicht geben. Tatsächlich handelt

es sich aber um einen scheinbaren Widerspruch

und um einen biologisch bedingten

Denkfehler. Wie die meisten Säugetiere

sind Menschen in erster Linie darauf programmiert,

eigene Kinder zu bekommen,

und so übersieht man leicht, dass dies nur

eine von verschiedenen Möglichkeiten ist,

wie ein Organismus seine Gene verbreiten

kann.

Aufopferung für die Gruppe

Wie sorgt beispielsweise eine sterile Arbeiterin

bei den Ameisen für die Verbreitung

ihrer Gene? Die Antwort ist, dass der reproduktive

Erfolg eines Individuums sowohl

davon abhängt, wie viel Nachwuchs

es selbst produziert, als auch davon, wie viel

seine Verwandten hervorbringen. Der entscheidende

Punkt ist, dass ein Mensch nicht

selbst Kinder zeugen oder austragen muss,

da seine Gene auch in seinen Verwandten

vorhanden sind und zwar umso mehr, je

enger die Verwandtschaft ist. Im Prinzip

ist diese indirekte Form der Fortpflanzung

eine mögliche Strategie aller Lebewesen, sie

führt aber nur dann zur Selbstaufopferung,

wenn die Individuen in sozialen Verbänden

mit ihren engsten Verwandten zusammenleben

und diese als solche erkennen. Und

sie führt zu Begleiterscheinungen, die auch

für menschliche Selbstmordattentäter charakteristisch

sind: zur Aufopferung der

(sterilen) Individuen für die Gruppe und

zu erhöhter Aggressivität nach außen. Die

biologische Erklärung von Altruismus und

Selbstaufopferung ist in sich schlüssig und

wird durch eine ganze Reihe von Beobachtungen

bestätigt. Und doch scheint sie für

das Verständnis der modernen Selbstmordattentate

kaum geeignet. Die Strategie der

indirekten Fortpflanzung beruht ja darauf,

dass ein Individuum seine Verwandten bei

2/2009 25


deren Reproduktion unterstützt. Die Selbstmordattentäter

opfern sich aber nach ihrem

Selbstverständnis für Nationen, für religiöse

und politische Organisationen oder für die

ganze Menschheit auf. Bedeutet dies, dass

die evolutionäre Erklärung an ihre Grenzen

stößt? – Nicht unbedingt, aber zwei wichtige

Punkte müssen noch geklärt werden.

1) Inwiefern profitieren die Familien der

Attentäter von deren Tod? Aus dem palästinensisch-israelischen

Konflikt ist bekannt,

dass die Familien von den ausführenden

Organisationen und aus Spenden ganz beträchtliche

Zuwendungen erhalten. Auf der

anderen Seite zerstört die israelische Armee

systematisch ihre Häuser. Beide Konfliktparteien

erkennen also dadurch, dass sie die

Familien in positive oder negative „Sippenhaft“

nehmen, die biologische Logik an.

2) Woran erkennt ein Individuum seine

Verwandten? Der biologischen Forschung

zufolge gehen Menschen instinktiv von genetischer

Übereinstimmung aus, wenn sie

folgende Situationen bzw. Merkmale antreffen:

a) räumliche Nähe und persönliche

Vertrautheit, b) Ähnlichkeit, c) an die Fa-

Anzeige

26

2/2009

milie erinnernde Gruppenstrukturen und

d) vielfältige Zeichen, die Verwandtschaft

symbolisieren. Wenn eine Organisation ihre

Mitglieder also zur Selbstaufopferung bewegen

will, wird sie versuchen, diese Hinweise

zu imitieren. Auf diese Weise wird es möglich,

das nur im engsten Verwandtschaftskreis

biologisch sinnvolle Verhalten auch in

Gruppen aus nicht-verwandten Individuen

abzurufen.

Hochrisiko-Strategie

Wie gut dieser Mechanismus funktioniert

und wie vergleichsweise leicht es ist, Menschen

auf diese Weise zur Identifikation mit

einer Gruppe zu bewegen, kann man an

Sportvereinen, Armeen, Firmen, Parteien,

Staaten („Landesvater“) und Religionsgemeinschaften

sehen. In diesen Verbänden

werden dem Einzelnen oft beträchtliche

Opfer für eine Gruppe aus nicht-verwandten

Personen abverlangt, was durch die Herstellung

einer Pseudofamilie erreicht wird.

Darwins Selektionstheorie ist also nicht

nur in der Lage zu erklären, warum und

unter welchen Bedingungen sich Individu-

en als Selbstmordattentäter oder Märtyrer

für ihre Verwandten aufopfern, sondern sie

zeigt auch, wie es zu biologisch kontraproduktivem

Verhalten kommen kann – durch

Manipulation der Verwandtenerkennung

in Pseudofamilien.

In der Literatur stößt man häufig auf die

These, dass Menschen durch individuelle

Belohnungen zu diesen Aktionen motiviert

werden. Besonderer Beliebtheit erfreuen

sich in diesem Zusammenhang die blumigen

Ausführungen im Koran. Die Märtyrer

für den Islam, so heißt es dort, gehen

unmittelbar nach ihrem Tod ins Paradies

ein: Die Märtyrer werden in „wonnevollen

Gärten“ wohnen „und Jungfrauen mit

großen schwarzen Augen, gleich Perlen, die

noch in ihren Muscheln verborgen sind, bekommen

sie als Lohn ihres Tuns“ (Sure 56,

Verse 12-25). Meist werden diese reichlich

phantastischen Vorstellungen im Westen

mit Spott bedacht, aber analoge Versprechungen

finden sich auch in den christlichen

Religionen und sollen auch hier die

Gläubigen mit der Selbstaufopferung versöhnen.

Die Wahrscheinlichkeit, dass diese


Versprechungen tatsächlich eintreffen, mag

eher gering einzuschätzen sein, aus Sicht eines

Gläubigen ist sie aber wohl größer als

Null. Insofern kann man ihr Verhalten als

Hochrisiko-Strategie beschreiben. Welchen

Vorteil hat ein Lebewesen davon, hohe Risiken

einzugehen? Auf den ersten Blick sollte

man vermuten, dass es sinnvoller ist, unnötige

Risiken möglichst zu vermeiden und

in den meisten Situationen tun Tiere dies

auch. Es gibt aber interessante Ausnahmen

von dieser Regel – die sexuellen Signale. So

locken die Männchen vieler Tierarten mit

lautem Gesang, bunten Farben oder auffälligen

Präsentationen nicht nur die Weibchen,

sondern auch Raubtiere an.

Unter den Bedingungen der Zivilisation

laufen die biologischen Tendenzen zur

Selbstaufopferung für Verwandte und zu

Hochrisiko-Verhalten nun vielfach ins Leere

und werden von religiösen oder anderen

Organisationen ausgenutzt. Indem diese

sich als Pseudofamilien präsentieren, ist es

möglich, Individuen zu einem Verhalten

zu bewegen, das ihren Überlebens- und

Fortpflanzungsinteressen objektiv schadet.

Dies gilt aber nicht für die ausführenden

Organisationen; für diese kann es sich um

eine erfolgversprechende und rationale

Kriegsstrategie handeln. Wie auch immer

man Selbstmordattentate bewertet, eines

ist deutlich: Es handelt sich um eine Verhaltensweise,

die in der biologischen Natur

der Menschen angelegt ist. Es erfordert aber

außergewöhnliche Umstände, damit die

psychische Disposition aller Menschen zu

sozialem Verhalten sich bis zu diesem Ausmaß

an Selbstaufopferung und Aggression

steigert.

Religionen nutzen die Macht der

Phantasie

Wir betrachten Selbstmordattentate heute

meist mit einer eigenartigen Ambivalenz

aus Grauen und Faszination. Der Sinneswandel

der letzten Jahrzehnte, weg von der

Bewunderung der Helden, hin zur Verdammung

der Terroristen, hat viel damit zu tun,

dass wir in den modernen asymmetrischen

Kriegen die potenziellen Opfer dieser Täter

sind und nicht von ihrem Einsatz profitieren.

Die Ambivalenz hat aber auch eine biologische

Basis: Menschen ähneln in vielen

Aspekten ihres Soziallebens den Ameisen

und anderen sozialen Insekten. Wie jene

führen sie Kriege, versklaven fremde Völker,

domestizieren andere Tiere und gehen

bei der Verteidigung ihrer Verwandten bis

zum Selbstmord. Nichtsdestoweniger sind

Menschen in erster Linie Säugetiere und

dieses evolutionäre Erbe hat zur Folge, dass

sie die eigene Fortpflanzung und damit das

persönliche Überleben und Wohlergehen

bevorzugen. Dies erklärt, warum wir bei bedingungslosen

Akten der Aufopferung für

die Familie und ihre modernen Surrogate

mit instinktivem Grauen und Abscheu auf

die damit einhergehende Auslöschung des

Individuums reagieren.

Menschen sind altruistisch genug, um

von militärischem Heldenmut, von Selbstmordattentaten

und Märtyrertoden fasziniert

zu sein, aber sie sind egoistisch genug,

um die Schattenseiten dieser Aktionen zu

sehen und sie tolerieren sie nur unter außergewöhnlichen

Umständen. Die Religionen

erzeugen dieses Verhalten mit ihren Paradies-Versprechungen

nicht, aber sie nutzen

die Macht der Phantasie und des Wunschdenkens

und sie vertrauen auf die Unmöglichkeit,

sich den eigenen Tod vorzustellen.

Auf der anderen Seite verringern Aufklärung

und eine attraktive säkulare Alternative

die Bereitschaft zur Selbstzerstörung.

Der Effekt lässt sich in Europa beobachten,

wo die Religion viel von ihrem Einfluss auf

die Menschen verloren hat; nicht weil ihre

Versprechungen und Drohungen geringer

geworden sind, sondern weil sie nicht mehr

geglaubt werden. Dieser kulturelle Fortschritt

ist in erster Linie eine Folge der verbesserten

Lebensqualität (und kann mit ihr

wieder verschwinden). Steigen die Chancen

auf ein erfülltes Leben im Diesseits, dann

verliert die extreme Hochrisiko-Strategie

der Selbstmordattentäter und Märtyrer

viel von ihrer Attraktivität. Ihr instinktiver,

biologischer Anteil wiederum lässt sich in

den immer noch gefährlichen, aber in ihren

gesellschaftlichen Kosten akzeptablen Risikosportarten

ausleben. l

Prof. Dr. Thomas Junker lehrt Geschichte der

Biowissenschaften an den Universitäten Tübingen

und Göttingen.

Verändert und gekürzt nach

dem Kapitel „Helden und

Terroristen“ in: Thomas Junker

& Sabine Paul. Der Darwin-Code:

Die Evolution erklärt

unser Leben. München:

C. H. Beck Verlag, 2009

2/2009 27


Elke Gensler

n In ihren zahlreichen Schriften sowie in

den spärlichen biografischen Notizen begegne

ich einer klugen und engagierten

Frau, die heute leider in Vergessenheit geraten

ist. So sehr in Vergessenheit geraten, dass

es keine neuere Literatur über sie gibt. Ich

selber bin durch eine autobiografische Notiz

in der Broschüre „ frei denkend selbstbestimmt

– 22 Portraits freigeistiger Frauen“

(HVD Berlin 2007) auf sie aufmerksam geworden:

darin ein Nachdruck aus den „Freidenker

Biografien“ aus dem Jahr 1922, gesammelt

von dem linken Sozialdemokraten

und Freidenker Konrad Beißwanger.

Mich interessiert weniger ihre literarische

Bedeutung als vielmehr ihr freigeistiges

Engagement, das sie bis in die USA

gebracht hat. Hier war sie eine hoch gelobte

Rednerin; sie publizierte im deutsch-amerikanischen

„Freidenker“ und ihre Vorträge

wurden in einer Sammlung im Jahr 1889 in

Milwaukee/Wisconsin veröffentlicht.

Erste Jahre

Ihr Vater, der Arzt Dr. Henrich, ist zwar

ein Freigeist, dennoch lässt er die Tochter

im katholischen Mainz in diesem Glauben

erziehen. Sie wird später von einer sehr

„frommen Kindheit“ sprechen. Die Mutter

Albertine Henrich, Tochter eines protestantischen

Pfarrers, schriftstellert unter

dem Pseudonym Paul Stein. Sie schreibt

historische Romane über Johannes Gutenberg

und über den letzten „Churfürst von

Mainz“.

Hedwig Henrich verfasst schon in ihrer

Jugend Dramen und Lustspiele. Ihr erstes

dramatisches Werk „Virginia“ wird zuerst in

Mainz, später auf anderen Bühnen mit Erfolg

aufgeführt. In ihrer Heimatstadt wird

sie bald „zu der bekanntesten und aufgesuchtesten

Persönlichkeit“ (Pataky, S.335).

Mit 20 Jahren heiratet sie den Kaufmann,

Fabrikanten und späteren Konsul Ferdi-

28

2/2009

MAGAZIN

Unglaube ist der erste Schritt

zur Lebensweisheit

Hedwig Henrich-Wilhelmi – geboren 1833 in Mainz, gestorben 1910 in Wiesbaden. Dazwischen

liegen 77 turbulente Jahre als Schriftstellerin, Dichterin, Freidenkerin, Frauenrechtlerin

und Sozialistin. Zu ihrer Zeit keine unbekannte Autorin – werden ihre Dramen und

Lustspiele doch auf diversen Bühnen aufgeführt.


nand Wilhelmi und zieht mit ihm ins pfälzische

Schriesheim. Nach wirtschaftlichem

Misserfolg zieht das Ehepaar nach Spanien.

In der andalusischen Hauptstadt Granada

erwirbt Ferdinand Wilhelmi eine neue Existenz.

Die beiden Kinder Berta und Louis

werden von Hedwig Henrich-Wilhelmi anfangs

selber erzogen, später wird ein deutscher

Hauslehrer angestellt. Die Wilhelmis

unterhalten ein offenes Haus: In ihren Salon

lädt Hedwig Henrich-Wilhemi spanische

Dichter und Gelehrte ein. Sie übersetzt

spanische Autoren ins Deutsche.

Wegweisende Bekanntschaften

Aus unbekannten Gründen verlässt sie

1866 Spanien und zieht nach Stuttgart, wo

sie den Freidenker, Sozialisten und Schriftsteller

Dr. Albert Dulk (1819-1884) trifft.

Dulk erlebte bei der Gründungsversammlung

der Deutsch-katholischen Gemeinde

Leipzig sowohl Johannes Ronge als auch

Robert Blum. Neben Blum hält er bei der

Bestattung der Opfer der Leipziger Volkskrawalle

eine Rede, wird deswegen 1846

ausgewiesen, verbringt ein turbulentes Le-

Johannes Ronge Albert Dulk

ben mit mehreren Frauen, stellt sich für die

SPD als Reichstagskandidat zur Verfügung,

wird 1878 wegen Volksverhetzung und

Gotteslästerung verhaftet und gilt fortan bei

den Sozialdemokraten als Märtyrer. 1882

gründet er in Stuttgart die erste deutsche

Freidenkergemeinde.

Albert Dulk macht Hedwig Henrich-

Wilhelmi mit Freidenkern bekannt und sie

taucht ein in einen Kreis freisinniger und

demokratischer Schwaben. Zu diesen zählen

der Schriftsteller, Journalist und Revolutionär

Ludwig Pfau (1821-1894) und der

Publizist und Schriftsteller Hermann Kurz

(1813-1873).

Nach Ausbruch des deutsch-französischen

Krieges 1870/71 geht Henrich-Wilhelmi

nach Genf, wo sie den Republikaner

Johann Philipp Becker (1809-1886) trifft.

Der Pfälzer wurde bereits 1830 politisch

aktiv, hielt eine radikale Rede beim „Hambacher

Fest“, nahm am badischen Aufstand

teil und ging nach Niederschlagung

der 1848/49er Revolution in die Schweiz,

wo er sich sozialistischen Ideen annäherte.

So kam er in Kontakt mit Marx und

Engels, mit denen sich eine Freundschaft

entwickelte. Er war führendes Mitglied der

1. Internationale (1865) und Teilnehmer

des Gründungskongresses der SPD in Eisenach.

All diese Bekanntschaften machen aus

Henrich-Wilhelmi eine Anhängerin sozialpolitischen

Engagements. Ihr Leben ändert

sich radikal: die bürgerliche „Frau Konsul“

interessiert sich für die soziale Frage, für den

wissenschaftlichen Materialismus, stellt Fragen

an Religion und herrschende Moral. Sie

entdeckt die Notlage der Arbeiterinnen und

setzt sich mutig für die Gleichberechtigung

der Frau ein. Sie begrüßt die gerade entstehende

Frauenbewegung mit den Worten:

„Ebenso dürfen und müssen wir auch die

Frauenbewegung unserer Tage als Vorbote

einer im Sturme heranbrausenden neuen

Zeit begrüßen – einer Zeit, in welcher der

Unterschied der Geschlechter für die Beteiligung

am Staats- und Gemeindeleben ein

ebenso emphemer sein wird, wie dies heute

zwischen Schwarzen und Weißen, Juden

und Christen der Fall ist.“ (Vortragssammlung,

S. 107)

2/2009 29


Vortragstätigkeit, Kritik und

Inhaftierung

Es war wohl vor allem Albert Dulk, der sie

ermutigte, ihr rednerisches Talent zu nutzen,

um über Freidenkertum und Frauenemanzipation

aufzuklären. Zunächst tritt

sie vor Freidenkervereinen auf, später wird

sie auch von Arbeitervereinen als Rednerin

eingeladen. Ihre Vortragstätigkeit führt sie

bis nach Amerika, wo sie innerhalb kurzer

Zeit eine bekannte und beliebte Rednerin

ist, eine „geistreiche und hochbegabte Dolmetscherin

der neuen Weltanschauung“

wie es im Vorwort ihrer Vortragssammlung

heißt. Wieder zurück in Deutschland, wird

sie mit dem Sozialistengesetz konfrontiert.

Dennoch tritt sie in überfüllten Sälen auf.

Die Zuhörer strömen zu ihren Veranstaltungen.

In Berlin legt ihr Adolf Stöcker

Steine in den Weg. Der Hofprediger des

Kaisers am Berliner Dom machte den Antisemitismus

populär und versuchte, das

bestehende Bündnis zwischen Sozialdemokraten

und Arbeiterschaft zu zerstören.

Henrich-Wilhelmi greift er als „Predigerin

des Unglaubens“ an und macht ihr besonders

zum Vorwurf, dass sie Frauen aufhetze,

„Religion, Kirche und den lieben Gott

zu schmähen“. Schließlich erreicht er, dass

Henrich-Wilhelmi nicht weiter in Berlin

auftreten kann.

Erneut in den USA hat sie leider Pech und

bricht sich den Fuß. Durch eine missglückte

Operation hat sie von nun an lebenslang

orthopädische Probleme. Trotzdem setzt sie

ihre Vortragstätigkeit fort, bereist Deutsch-

30

2/2009

Hermann Kurz

land, Österreich und die Schweiz – weiterhin

kritisch beäugt von Geistlichkeit und

Polizei.

Die freidenkerische Zeitschrift „Menschenthum

– Sonntagsblatt für Freidenker“

wirbt 1886 für ihre Vorträge im Rheinland,

Thüringen, Sachsen und Preußen. Das

Spektrum ihrer Vorträge reicht von naturwissenschaftlichen,

pädagogischen, sozialen,

philosophischen bis hin zu historischen

Themen. Sie redet als Frauenrechtlerin,

Freidenkerin und Sozialistin. Im gemäßigten

Freidenkerorgan „Menschenthum“ allerdings

begegnet man ihren sozialdemokratisch

gefärbten Forderungen zurückhaltend.

In der Ausgabe Nr.36/1889 etwa belehrt die

Zeitschrift die Rednerin, die gerade einen

Vortrag über „Die Verhältnisse des Freidenkerthums

zur sozialen Frage“ in Mannheim

gehalten hat: „Mit Recht wies die Rednerin

darauf hin, dass das Freidenkerthum sich

freundlich zu den Bestrebungen der Arbeiter

stellen müsse, sich ein menschenwürdigeres

Dasein zu schaffen. Aber die Lösung

der sozialen Frage kann nicht durch die

Schlagworte einer bestimmten politischen

Partei erfolgen, sondern muss durch a l l e

Parteien bewerkstelligt werden, die es wohl

mit ihren minder begüterten Mitmenschen

meinen. Die soziale Frage ist – das mag sich

die geschätzte Rednerin ein für alle Mal gesagt

sein lassen – keine Partei- sondern eine

Kulturfrage.“

Henrich-Wilhelmis Grundgedanke ist

jeweils das Beharren auf der Vernunft als

Grundlage der Humanität. In ihrer Religi-

onskritik macht sie sich ein Wort Diderots

zu eigen („Unglaube ist der erste Schritt

zur Lebensweisheit“) und gerät prompt in

Konflikt mit dem Strafgesetzbuch. Aufgrund

des berüchtigten § 166 („Gotteslästerungsparagraf“)

wird sie zunächst wie ein

Schwerverbrecher per Steckbrief gesucht,

um dann in einem Münchner Restaurant

vom Platz weg verhaftet zu werden. Allerdings

wird sie schnell wieder auf freien Fuß

gesetzt. In weiteren deutschen Städten enden

die Prozesse ebenfalls mit Freispruch.

In Hagen allerdings wird sie zu zwei Monaten

Gefängnis verurteilt, ohne dass man

sie drängt, die Strafe anzutreten. In einem

Vortrag „Der Begriff der Gotteslästerung“,

gehalten in der Freireligiösen Gemeinde

Berlin am 8. März 1891, erklärt sie die Umstände

der Verurteilung und übergibt die

Akte der Öffentlichkeit. Erst einige Monate

später tritt sie die Strafe an und geht in das

Gefängnis.

Kurz nach dem Gefängnisaufenthalt in

Hechingen – sie konnte sich den Ort selbst

aussuchen – nimmt sie ihre Vortragstätigkeit

wieder auf. Als begehrte Rednerin mietet ihr

der Freidenkerverein Köln den berühmten

Gürzenichsaal. 5000 Karten sind bereits

verkauft, als die Stadtväter es mit der Angst

zu tun bekommen: Unter dem Vorwand, es

handele sich um eine sozialdemokratische

Versammlung, wird den Freidenkern der

Saal gekündigt, so dass der Vortrag nicht

stattfinden kann.

Letzte Jahre

Allmählich wird das Reisen für sie beschwerlich.

Sie lehnt auch das Angebot ab, ganz

nach Amerika zu ziehen. Stattdessen lässt sie

sich in Untertürkheim bei Else Dulk nieder.

Sie widmet sich zunehmend ihrer Korrespondenz

und nimmt wieder ihre schriftstellerische

Arbeit auf. Es klingt nach Resignation

wenn sie bemerkt „Zwar setzte ich, trotz

vieler Mühen und Beschwerden, meine

Agitationstätigkeit noch mehrere Jahre fort.

Doch sie griff mich immer mehr an, und

die Freude daran erlahmte. Das viele, oft

anstrengende und hastige Reisen, die häufig

recht späten nächtlichen Versammlungen,

die endlosen polizeilichen Widerwärtigkeiten

und Chikanen und – last not least – das

Schwinden der Illusion, durch alle diese

schon gebrachten Opfer und aufgewendeten

Mühen etwas Erhebliches bewirkt, erreicht

zu haben, ließ mich schließlich die

Flinte ins Korn werfen mit der dringenden


Mahnung, dass eine jüngere, stärkere Kraft

sie dort aufheben und mutig, wie ich es getan,

weiter führen möge.“ (Beißwanger, S.

18)

Die letzten Lebensjahre verbringt sie in

Wiesbaden. Trotz einer sich ankündigenden

schweren Krankheit, die auch ihre geistigen

Fähigkeiten beeinträchtigt, hält sie hin und

wieder Vorträge. Sie stirbt 77-jährig am 8.

Februar 1910 in Wiesbaden. Ein amerikanischer

Freidenker widmet ihr in dem in

Milwaukee erscheinenden „Freidenker“ einen

poetischen Nachruf, der ihr Leben und

Wollen spiegelt:

Der Frau, der nicht Kerker und Bande

Den Geist, den freien, erdrückt,

Die stolz von Lande zu Lande

Das Wort, ihr Schwert, hat gezückt;

Das Wort, das den Menschen verkündet

Die erkenntnisgeborene Tat:

„Wenn alle die Völker, verbündet,

Einträchtig tagen im Rat.

Wenn Dummheit und Aberglaube,

Wenn Herrschsucht und Niedertracht

Besiegt sich winden im Staube

Der Himmel auf Erden lacht!

Wenn frei von Vorurteilsketten

Das Glück durchwandelt die Welt,

Und Mann und Weib nicht mehr betten

Die Lieb’ mit dem schmutzigen Geld!

Wenn freundliche Nachsicht richtet

Des Nebenmenschen Schuld

Und, statt dem Hasse, errichtet

Den Altar mit liebreicher Huld!

Drum breitet mein Lied die Schwingen

Und hebt sich empor zum Blau:

Ein Memoriam will es bringen

Der besten und edelsten Frau!

Der Frau, die Tyrannen und Knechte

Wohl schlugen in Bann und Acht,

Weil feurig für Menschenrechte

Die Herzen sie rings entfacht.

Der Frau, der nicht Siechtum und Schmerzen

Den stolzen Willen gebeugt,

Und die mit liebreichem Herzen

Des Geistes Kinder gezeugt! –

Zum Weiterlesen:

Pataky, Sophie: Lexikon deutscher Frauen der

Feder, Berlin 1898

Gerling, Friedrich Wilhelm: Leben und Wirken

der Frau Hedwig Henrich-Wilhelmi, München

1910

Vorträge von Hedwig Henrich-Wilhelmi – gehalten

in Amerika in den Jahren 1887-1889»,

Milwaukee 1889

Der Diesseits -Gedanke

Freilich ist es für den Staat sehr bedeutsam,

dass jeder Staatsbürger eine Religion habe,

die ihn seine Pflichten lieben lässt.

Jean-Jacques Rousseau, 1712 bis 1778, Schriftsteller,

Philosoph, Pädagoge, Naturforscher und Komponist.

Er gilt als einer der wichtigsten geistigen Wegbereiter der

Französischen Revolution und hatte großen Einfluss auf die

Pädagogik und die politischen Theorien

des 19. und 20. Jahrhunderts.

2/2009 31


32

Kampagne zur

Änderung der

Feiertagsgesetz gebung

Am 25. Februar 2009 trat die

Giordano Bruno Stiftung mit der

Forderung an die Öffentlichkeit, aus

Anlass des Darwin-Jahres den

christlichen Feiertag Christi

Himmelfahrt in einen Evolutionstag

umzuwandeln. Diese Umbenennung

wäre nach Ansicht ihres Sprechers

Michael Schmidt-Salomon ein erstes

Anzeichen dafür, dass der Staat in

seiner Feierkultur auch die vielen

Millionen Bundesbürger, die eine

dezidiert säkulare Weltsicht vertreten,

respektiert. In dem zur Kampagne

erschienenen Video „Children of

evolution“ (anzusehen auf www.

youtube.com/watch?v=wbIa9fZuTFA)

appelliert Darwin als Rockstar an die

Menschen, sich endlich nicht mehr als

Krone der Schöpfung zu betrachten

und wahrzuhaben, dass auch wir nur

„nackte Affen“ sind.

Wenn Sie die Petition unterschreiben

oder sich über den gegenwärtigen

Stand der Unterschriftenaktion

informieren möchten:

http://giordano-bruno-stiftung.org/

p_eday/petitionbook.php

2/2009

Ewige Wahrheiten

Joachim Kahl

Evolutionstag

als gesetzlicher

Feiertag?!

Ja, bitte. Aber nicht willkürlich – um der antireligiösen

Provokation willen – zu „Christi

Himmelfahrt“, sondern mit kosmologischer

Triftigkeit am 21. Juni, dem Tag der Sommersonnenwende.

n Die Petition der Giordano Bruno Stiftung

– aus der Feder ihres Sprechers Michael

Schmidt-Salomon –, „Christi Himmelfahrt“

umzuwandeln in einen „Evolutionstag“, habe

ich nicht unterzeichnet. Ihre Grundidee eines

eigenständigen säkularen Feiertages im

Hinblick auf die Evolution befürworte ich

dennoch. Aber zur diskussionslosen Akzeptanz

eines unausgereiften Projektes bin ich

nicht bereit. Die Giordano Bruno Stiftung

hätte besser daran getan, zunächst zu einer

Beratung innerhalb des säkularen Spektrums

einzuladen, statt am Aschermittwoch vorzupreschen

und einen Text mit hanebüchenen

Vereinfachungen und Vergröberungen der

(vorwiegend virtuellen) Öffentlichkeit zu

präsentieren.

Eine gute Idee braucht eine gute Begründung:

eine, die in sich schlüssig und tragfähig

ist. In diesem Fall muss sie zusätzlich noch

politisch mehrheitsfähig sein, richtet sich

die Petition doch an Landesregierungen und

Landesparlamente, die gerne ihre Kirchennähe

hervorkehren. Angesichts dieser Zielstellung

erweisen sich die agitatorische Rhetorik

von Petition und begleitendem Musikvideo

als ausgesprochen kontraproduktiv.

Darwin als Messias

Gehen wir die Hauptirrtümer im Einzelnen

durch. Als erstes springt die ahistorische

Überhöhung Darwins zu einer messianischen

Lichtgestalt ins Auge, vor deren Auftreten die

Menschheit zum Umherirren in Finsternis

und Unwissenheit verurteilt gewesen wäre:

„Letztlich sind wir erst seit der Formulierung

der Evolutionstheorie in der Lage, uns in

dieser Welt zu verorten.“ Weit gefehlt, lässt

sich dagegen einwenden, und zwar gerade

im Sinne eines evolutionären Geschichtsdenkens.

Schon ganz früh haben unsere Vorfahren

aufklärerisch daran gearbeitet, sich „in

dieser Welt zu verorten“ – unvermeidlich auf

dem Niveau ihrer jeweiligen Erkenntnis und

Erfahrung. In unseren europäischen Breiten

stehen für diese Orientierungsversuche beispielsweise

der Steinkreis von Stonehenge in

Südengland sowie die bronzene Himmelsscheibe

von Nebra in Sachsen-Anhalt. Beides

sind herausragende Zeugnisse einer kosmologischen

Verortung in dieser Welt, in denen

sich astronomisches Wissen und priesterliche

Mystifikation vermischen.

In einem auffälligen Widerspruch zum

verbalen Lobpreis des „enormen Erkenntnisgewinns“,

den die Menschheit in der Tat Darwin

verdankt, stehen zweitens die vulgär- und

pseudodarwinistischen Behauptungen in der

Petition und im begleitenden Musikvideo,

die die herausgehobene Sonderstellung des

Menschen im Reich des Lebendigen bestreiten.

Programmatisch werden wir zu „Affen“

herabgestuft, und zwar zu „nackten Affen“.

Und um uns jeden Rest von „kindlichem

Narzissmus“ auszutreiben, werden wir wenig

schmeichelhaft als die „Neandertaler von

morgen“ angeredet.

„Kinder der Evolution“ – ja, was denn

sonst?

Wie anders lautet es doch bei Charles Darwin

selbst, der Kontinuität und Diskontinuität

zwischen Tier und Mensch zusammenzuhalten

wusste. In seinem zweiten Hauptwerk

„Die Abstammung des Menschen“ (1871)

heißt es: „Zweifellos ist der Unterschied

zwischen der Seele des tiefststehenden Menschen

und der des höchststehenden Tieres

ganz ungeheuer groß. Ein anthropomorpher

Affe würde bei objektiver Beurteilung seines

eigenen Zustandes selbst zugeben müssen,

dass er (…) nicht dazu imstande wäre, eine

Reihe metaphysischer Vorstellungen nachzudenken,

ein mathematisches Problem zu

lösen, über die Gottheit nachzudenken, oder

die Größe eines Naturvorganges zu bewundern.“

(160) Das ganze Werk schließt mit


dem verhalten optimistischen Ausblick: „Es

ist begreiflich, dass der Mensch einen gewissen

Stolz empfindet darüber, dass er sich,

wenn auch nicht durch seine eigenen Anstrengungen,

auf den Gipfel der organischen

Stufenleiter erhoben hat; und die Tatsache,

dass er sich so erhoben hat, anstatt von Anfang

an dorthin gestellt zu sein, mag in ihm

die Hoffnung auf eine noch höhere Stellung

in einer fernen Zukunft erwecken.“ (274, zitiert

nach: Kröners Taschenausgabe Band 28,

Stuttgart, 1966).

Nach Darwin stammt der Mensch weder

vom Affen ab noch ist er gar ein Affe, am

allerwenigsten ein „nackter Affe“. Menschen

und Affen haben gemeinsame Vorfahren und

sind – als Primaten – eng miteinander verwandt,

aber dennoch qualitativ verschieden.

Schmidt-Salomon propagiert drittens einen

Animalismus, keinen Humanismus. Natürlich

sind wir „Kinder der Evolution“. Ja, was

denn sonst? Aber wir sind Kinder der Evolution

im Vollsinn des Begriffs, also nicht nur

der kosmischen und biologischen Evolution,

sondern auch der kulturellen Evolution, deren

Subjekt wir selbst sind. Nackt werden wir

zwar geboren, dann aber bedürfen wir sofort

der wärmenden und schützenden Kleidung.

Dass Schmidt-Salomon so penetrant auf un-

sere kreatürliche Nacktheit pocht, enthüllt

seinen reduktionistischen Ansatz, der die

kulturelle Evolution nicht als konstitutiv für

die menschliche Art wahrhaben will.

Die Wunderwerke der menschlichen Kultur,

die uns ebenso wie deren Gräueltaten

qualitativ vom Neandertaler unterscheiden,

bleiben außen vor. Im Homo sapiens hat die

Natur ein Wesen hervorgebracht, das in der

Tat, um mit Darwin zu sprechen, „auf dem

Gipfel der organischen Stufenleiter“ steht.

Kein anderes Lebewesen erforscht so gründlich

die Natur im Kleinen wie im Großen

und kann einen Newton, einen Darwin, einen

Einstein feiern. Kein anderes Lebewesen

wütet so grausam gegen seinesgleichen und

hat einen Hitler und einen Stalin hervorgebracht.

Sommersonnenwende am 21. Juni zum

Tag der Evolution erweitern

Ich plädiere dafür, den Tag der Sommersonnenwende

am 21. Juni zum Tag der Evolution

zu erweitern und zum gesetzlichen

Feiertag zu erheben. Denn die Sonne ist der

Motor, der alle terrestrische Evolution in

Gang gesetzt hat und in Gang hält. Aus gutem

Grund wird der 21. Juni bereits heute als

„Welthumanistentag“ begangen, wenn auch

von der Öffentlichkeit unbemerkt. Der Tag

Christi Himmelfahrt ist kein ungeeigneter

Kandidat, der kompensatorisch dafür geopfert

werden könnte. Das ist durchaus zumutbar.

Denn von allen kirchlichen Feiertagen

ist er der am meisten entleerte. Anders als

die kirchlichen Hauptfeste hat er keine natürliche

Grundlage, sondern ist einzig aus der

Systematik der christlichen Heilsmythologie

heraus entstanden. Die naturgeschichtliche

Grundlage von Weihnachten ist die Wintersonnenwende,

von Ostern der Frühlingsbeginn,

von Pfingsten der Sommerbeginn. Mit

dem Sieg der kopernikanischen Kosmologie

dagegen ist die Vorstellung einer körperlichen

Himmelfahrt des christlichen Erlösers

erledigt. Nehmen wir daher den kulturpolitischen

Kampf für einen gesetzlichen Evolutionstag

am 21. Juni auf, damit auch das

säkulare Drittel der deutschen Gesellschaft

einen fairen Anteil an der offiziellen Festkultur

erhält. Damit wir Erfolg haben, darf dies

nicht in sektiererischer Enge und mit provokativen

Schmähungen geschehen. Es muss

eingefädelt werden im klugen Bündnis mit

aufgeklärten Christen, denen der Glaube an

einen räumlichen Himmel längst abhanden

gekommen ist und die auch sonst kein Problem

mit der Evolution haben. l

2/2009 33


Im Anfang war das Spiel

Eschborn – Der evangelische Pfarrer

Markus Bomhard hat Ärger mit

dem fränkischen Spielzeughersteller

Geobra Brandstätter, weil er mit

Playmobil-Figuren Szenen aus der

Bibel nachstellt. Nun kann man

ein Playmobil-Männchen nicht so

einfach kreuzigen. Die Gelenke

erlauben kein seitliches Ausbreiten

der Arme. Bomhard röstet die Puppen

daher erst in Kerzenflammen,

damit das Material nachgibt. „Uns

stört die totale Veränderung der Fi-

Schlag unter die Gürtellinie

San Francisco – Pastoren im

Hawaiihemd, Gratiskaffee und

Rockmusik gehören in vielen US-

Kirchen zum Standardprogramm.

Eine neue Methode, Gläubige anzulocken

und sie zu Spenden zu

animieren, versucht der 30-jährige

Pastor der New Life Church in Sioux

Falls (US-Bundesstaat South

Dakota). Er will mit Boxkämpfen

das Interesse junger Männer am

Glauben wecken. Deshalb baut er

an Samstagen einen Boxring in seinem

Altarraum auf. Nach jeder der

sechs Boxrunden steigt Pastor Alex

Klimchuk in den Ring und hält

eine Mini-Predigt, in der er den

meist jüngeren Männern bildhaft

die Religion nahebringt.

34

2/2009

guren“, sagt eine Firmensprecherin,

„dadurch wird unser Urheberrecht

verletzt.“ Der Christus am Kreuz

sei ein Paradebeispiel dafür oder

auch Adam und Eva, denen der

kreative Pfarrer ein männliches Geschlechtsteil

respektive weibliche

Brüste anklebte. Inzwischen hat er

beides auf Druck der Firma wieder

abmontiert. „Solange jemand im

Kleinen nur privat für sich Veränderungen

an Figuren vornimmt,

sind wir im Grunde recht tolerant“,

sagt die Playmobil-Sprecherin. Aber

Bomhard geht mit seinen Kreatio-

nen in die Öffentlichkeit. Er hat für

seine Internetseite „Klicky-Bibel“

sogar einen Innovationspreis der

Evangelischen Kirche gewonnen.

Nach eigenen Angaben diene diese

Seite nur der christlichen Verkündigung.

Playmobil-Figuren ließen

sich nämlich „wunderbar zur religiösen

Erziehung“ einsetzen.

kReu

Wohnkirche

Rom – Auch für Italiens tausende

Kirchen, Kapellen und Klöster gibt

es nicht mehr genug Gläubige, und

so tauchen auch heilige Orte in den

Schaufenstern der Büros von Immobilienmaklern

auf und werden

dort als Wohn-, Arbeits- und sogar

Verkaufsräume angepriesen.

Der Online-Immobilien-Makler

immobiliare.it hat durchschnittlich

50 heilige Schnäppchen im


Z & QueR

Angebot, von abgelegenen Kapellen

im Grünen bis hin zu einem

exklusiven barocken Anwesen im

Zentrum von Asti, komplett mit

neuen Böden.

„Viele Italiener haben noch ein wenig

Angst vor dem Leben in einer

Kirche, aber immer mehr überwinden

diese Skrupel, allen voran

Künstler und Architekten“, sagt der

Immobilienmakler Maurizio Manuzzi,

der in der Nähe von Lucca

eine Kapelle verkauft, die im Jahr

1050 erbaut wurde und nun „komplett

saniert“ ist. Das Gebäude verfügt

über vier Schlafzimmer, bietet

Platz für einen Pool und kostet eine

knappe Million Euro.

Wer etwas Größeres sucht, kann

sich bei italienischen Immobilienmaklern

auch nach früheren Kapuzinerklöstern

erkundigen. Die

Anzahl der Klöster ist von 5.500

in den 1960ern auf unter 2.500

im Jahr 2007 gesunken. Der Orden

muss Gebäude aufgeben, die

über Jahrhunderte hinweg genutzt

wurden. Allein zwischen 2003 und

2007 wurden 33 zum Verkauf angeboten.

Scotland-Jedi

Edinburgh – Die Ausstrahlung der

Weltraumsaga „Star Wars“ macht

auch vor der schottischen Polizei

nicht halt. Auf Fragebögen haben

acht Polizei-Beamte ihre Religion

als „Jedi“ angegeben, wie die

Zeitschrift „Jane‘s Police Review“

berichtete. Die Jedi-Ritter sind Figuren

aus den Star-Wars-Filmen.

Sie sind nicht nur für Kämpfe mit

Lichtschwertern berühmt, sondern

verfügen auch über übermenschliche

Fähigkeiten.

Inwieweit die Polizisten die freiwilligen

Antworten ernst meinten, ist

nicht bekannt. Allerdings befinden

sie sich in bester Gesellschaft. Bei

einer Volksbefragung im Jahr 2001

hatten rund 390 000 Menschen in

England und Wales ihre Religion

mit Jedi angegeben. Allerdings erkennt

die offizielle Statistikbehörde

dies nicht als gesonderte Religion

an und führt die Befragten unter

der Kategorie der Atheisten.

Anstoß

München – Jürgen Klinsmann hat

schon wieder verloren – vor Gericht.

Das Landgericht München

wies einen Antrag des Fußballtrainers

zurück, der taz die Veröffentlichung

ihres Ostertitels vom 11.

April zu untersagen. Dieser zeigt

einen gekreuzigten Klinsmann. „Es

liegt eine satirische Meinungsäußerung

vor, deren Kernaussage sich

nicht auf religiösem Gebiet bewegt,

sondern den beruflichen Erfolg des

Antragstellers als Fußballtrainer behandelt“,

urteilte das Gericht.

Klinsmann, ehemaliger Trainer

des FC Bayern München, sieht

sich durch die Abbildung in einer

Monty Python-Parodie „in seiner

religiösen Ausprägung auf das Massivste

und Unerträglichste verletzt“.

Klinsmann argumentierte, er als religiöser

Mensch werde zum Objekt

und Opfer blasphemischer Angriffe.

Das Gericht sah das anders:

„Eine reale Kreuzigung des Antragstellers

steht nicht im Raum.“

Potz Blitz

Jakarta – Für Aufruhr sorgt ein

neunjähriger Junge auf der Insel

Java in Indonesien. Er war von

einem Blitz getroffen worden und

hatte den Stromschlag wie durch

ein Wunder überlebt. Nachdem er

behauptete, einen Stein mit heilenden

Eigenschaften zu besitzen,

pilgern Kranke in Scharen zu sei-

nem Elternhaus. Zwei Menschen

starben bereits bei dem Versuch,

gemeinsam mit hunderten anderer

Kranker das Haus des Jungen zu

stürmen und weitere, die auf Heilung

hofften, überlebten das lange

Warten vor dem Haus nicht. Inzwischen

hat die Polizei eingegriffen

und die „Klinik“ des Wunderheilers

geschlossen.


Biologische Voraussetzungen

für Religiosität

Wer sich für die naturgeschichtliche

Dimension und die biologischen

Voraussetzungen von Religiosität

auch nur ein wenig interessiert,

dem sei das Buch von Vaas und

Blume „Gott, Gene und Gehirn“

nachdrücklich empfohlen.

Es bietet einen aktuellen, materialreichen

Überblick zu den Erklärungsansätzen

für Entstehung,

Erfolg und Verbreitung des Religiösen,

wie sie in den letzten Jahren

verstärkt von Evolutionsbiologen,

Genetikern, Kognitionspsychologen

und Hirnforschern erarbeitet

werden.

Im Zentrum steht dabei die Frage,

ob Religiosität als direkte evolutionäre

Anpassung oder als Nebenprodukt

verschiedener anderweitig

nützlicher Anlagen des Menschen

(indirekte Anpassung) oder aber

nur als reines Kulturprodukt verstanden

werden kann.

Die große Stärke des Buches ist

die unaufgeregte Berichterstattung

über den wissenschaftlichen

Kenntnisstand ohne ideologische

Voreingenommenheiten proreligiöser

oder antireligiöser Art.

Ob Religiosität adaptiv erklärbar

ist, wird als fruchtbares empirisches

Forschungsprogramm geschildert,

dessen Ergebnis noch offen ist.

Trotz einiger journalistisch zugespitzter

Abschnittsüberschriften

gibt das Buch an keiner Stelle

mehr vor, als es einlösen kann. Der

komplexe Begriff der Religion wird

differenziert betrachtet, Methodenfragen

werden philosophisch

reflektiert und die Frage nach dem

Wahrheitsgehalt religiöser Inhalte

wird nicht behandelt – denn sie

kann weder durch Aufweis evolutionärer

Mechanismen noch durch

Untersuchung neuronaler Zustände

entschieden werden.

Gleichwohl rückt der Bezug auf

Zähl- und Messbares das Phänomen

der Religionsausübung ins

Licht der Aufklärung. Die dargestellten

Fakten, u.a. aus Demographie

(etwa zum Kinderreichtum in

verschiedenen religiösen Gemeinschaften),

Soziobiologie und Neurotheologie

werden pointiert erläutert

und durch ein ausführliches

Literaturverzeichnis ergänzt.

Dass der Wissenschaftsjournalist

Rüdiger Vaas ein eher negatives und

der Religionswissenschaftler Michael

Blume ein eher positives Verhältnis

zu religiösen Inhalten hat, merkt

man dem Buch nicht an.

36

2/2009

Den beiden ist somit ein überzeugendes

Beispiel für den Nutzen gelungen,

der entstehen kann, wenn

man die Geister nicht nach ihrer

Weltanschauung scheidet, sondern

auf ein gemeinsames Ziel konzentriert.

Helmut Fink

Vaas, Rüdiger; Blume, Michael:

Warum Glaube nützt : Die Evolution

der Religiosität. – Stuttgart :

S. Hirzel Verlag, 2009. – 24 Euro

Baustelle Körper

Stammzellenforschung, Reproduktionsmedizin,

Gentechnik,

Organspende, Sterbehilfe heißen

die Schlagworte, um die in der

modernen Gesellschaft hitzige

Debatten entbrannt sind. Ethisch

stehen die Möglichkeiten moderner

Forschung und Medizin unter

Verdacht, das Leben nicht Wert zu

schätzen und die Würde des Menschen

zu verletzen.

Ist der Körper zur Baustelle für

Frankensteins Erben verkommen

oder schaffen begnadete Wissenschaftler

das unendliche, gesunde

und glückliche Leben? „Baustelle

Körper – Bioethik der Selbstachtung“

nennt Franz Josef Wetz sein

aktuelles Buch, in dem der Professor

für Philosophie umfassend den

Stand der Diskussionen darstellt.

Wetz stellt sich dabei weder auf die

Seite der wertkonservativen, religiösen

oder fundamentalistischen,

noch auf die der linken, grünen

oder feministischen Gruppen. Der

auslese

Ethiker hat sich die Aufgabe gestellt,

den Augiasstall der Debatte

gründlich zu reinigen und zu entrümpeln.

In leichtem, essayistischem Tonfall

sammelt der Autor die Argumente,

prüft sie auf ihre ideologische

Vorbelastung und stellt sie einander

abwägend gegenüber. Dabei gelingt

Wetz das Kunststück, keine Gruppe

zu diffamieren. Die Standpunkte

werden allgemeinverständlich in

den Raum gestellt und bilanzierend

gibt Wetz am Ende jedes Kapitels

eine behutsame Empfehlung, bei

der er den menschlichen Freiheits-

und Heilungsinteressen absoluten

Vorrang einräumt.

Ausgehend von einer Analyse

der Belastbarkeit des Begriffs der

Menschenwürde, führt Wetz die


Leser durch die Welt der umfassenden

Gesundheit, des zeitlos

schönen Körpers, des vollkommenen

Wunschkindes zum selbst bestimmten

Todeszeitpunkt und der

Sterbehilfe. Dabei räumt Wetz auf

mit der Mär vom „schönen Tod“

und plädiert für eine Sozialpflicht

des Körpers als Organ- und Gewebespender.

Klaus Frahm

Wetz, Franz Josef: Baustelle Körper

– Bioethik der Selbstachtung.

– Stuttgart : Klett-Cotta, 2009, –

24,90 Euro

Flechtheim zum Gedenken

Aus Anlass des 100. Geburtstags

von Ossip K. Flechtheim hat der

Berliner Landesverband des HVD

ein Buch herausgebracht, um, wie

es im Vorwort heißt, „den politischen

Wissenschaftler, den unabhängigen

Humanisten und den

unermüdlich sich Engagierenden

zu ehren“. Ehemalige Weggefährten,

Schüler und Kollegen des 1998

verstorbenen Flechtheim erinnern

in ihren Beiträgen an den Menschen,

den Wissenschaftler und

den Vordenker humanistischer Zukunftsvisionen.

Flechtheims Biographie ist eng verwoben

mit der Geschichte des 20.

Jahrhunderts und deren Brüchen.

Der Sohn eines deutsch-jüdischen

Vaters und einer russisch-jüdischen

Mutter begann 1927 Jura zu studieren.

Im selben Jahr trat er aus

der jüdischen Gemeinde aus und

der KPD bei. Mit deren zunehmenden

Linksruck entfremdete er

sich schon bald von der KPD und

arbeitete ab 1930 in der Gruppe

„Neu Beginnen“ mit, die angesichts

des aufkommenden Faschismus

versuchen wollte, die beiden

großen Arbeiterparteien für eine

Zusammenarbeit zu gewinnen.

Nach der Machtübernahme durch

die Nationalsozialisten konnte er

gerade noch promovieren, jedoch

verweigerte sein ursprünglicher

Doktorvater, der bekannte Staatsrechtler

und politische Philosoph

Carl Schmitt in der Folge jede

weitere Zusammenarbeit mit ihm.

1935 geriet Flechtheim mit der gesamten

Gruppe „Neu Beginnen“

ins Visier der Gestapo und musste

Deutschland verlassen. 1946 arbeitete

er für den US-Hauptankläger in

den Nürnberger Nachfolge-Prozessen.

Da die Hochschulkarriere des

erklärten Sozialisten in den USA

in den Jahren der McCarthy-Ära

ins Stocken geriet, entschied sich

Flechtheim 1952 endgültig nach

Deutschland zurückzukehren. Er

ging an die „Deutsche Hochschule

für Politik“, das spätere Otto-Suhr-

Institut der FU Berlin, wo er bis zu

seiner Emeritierung im Jahr 1974

verblieb. Als Parteien- und Kommunismusforscher

machte er von

sich reden und wurde schließlich

zum Begründer der Futorologie in

Deutschland.

Zwischen 1952 und 1962 engagierte

er sich in der SPD, dann im

„Sozialistischen Bund“ und in dem

von ihm mitbegründeten „Republikanischen

Club e. V. Berlin“,

schließlich seit 1980 in der Partei

der Grünen. Als radikaler Demokrat

kritisierte er die Entwicklung

in der Bundesrepublik. Besorgt und

enttäuscht musste er feststellen,

dass alle Hoffnungen darauf, „dass

zumindest eine radikale Reform

aufs Dritte Reich folgen würde, angesichts

der Restauration der fünfziger

Jahre tief erschüttert waren“.

Auch in der SPD waren seine linken

Positionen nicht gefragt, so dass er

1962 die Partei verlassen musste.

Darüber hinaus wirkte Flechtheim

in vielen gesellschaftspolitischen

Organisationen, u. a. der Internationalen

Liga für Menschenrechte,

der Humanistischen Union, dem

Deutschen Freidenkerverband, der

1993 im HVD aufging, und dem

PEN-Zentrum.

Aus humanistischer Sicht besonders

hervorzuheben ist Flechtheims

Rolle als Vordenker humanistischer

Zukunftsvisionen, mit denen er

das Selbstverständnis des HVD

entscheidend mitgeprägt hat. Aus

diesem Grund hat der HVD, der

bereits im Jahr 2003 zu seinen Ehren

den Ossip K. Flechtheim-Preis

ins Leben gerufen hat, den 100.

Geburtstag Flechtheims zum Anlass

genommen, dessen Lebenswerk

mit der Herausgabe dieses Sammelbandes

zu würdigen.

Michael Schmidt

Ossip K. Flechtheim. 100 Jahre /

hrsg. von Siegfried Heimann im

Auftrag des Humanistischen Verbandes

Deutschlands, Landesverband

Berlin. – Berlin, 2009,

12,50 Euro. Das Buch ist in der

Geschäftsstelle des HVD erhältlich.

Im festen Glauben: Gott ist

tot!

Eines hat der innige Atheist Peter

Henkel mit seinem frommen

Gegenüber gemeinsam: den unerschütterlichen

Glauben an die

Richtigkeit seiner Überzeugung.

In seinem aktuellen Buch „Ach, der

Himmel ist leer“ geht der politische

Journalist Peter Henkel den „Gründen

gegen Gott und Glauben“ nach

und nimmt den Leser mit auf eine

Reise, die geprägt ist von hartnäckigem

Hinterfragen „gottgegebener“

Fakten. Ganz gleich, ob der Leser

gläubig ist oder nicht, er profitiert

davon, dass der Autor andernorts

ausufernde Diskussionen zum Thema

Gott auf ihren Kern reduziert.

Dadurch ist die Thematik leichter

verständlich, ohne den Anspruch

auf berechtigte Kritik aufgeben zu

müssen.

Peter Henkel leitet über das altbekannte

theologische und philosophische

Problem ein, wie die Existenz

eines solchen Gottes mit der

Existenz des Übels und des Bösen

in der Welt vereinbar sei. An dieser

Frage orientiert sich der Einstieg in

die Lektüre. Hierbei vergleicht er

nachvollziehbar und mit scharfer

Feder Allgemeinvorstellungen und

theologische Ansätze und kommt

stets aufs Neue zu dem Schluss,

dass die Kernfrage: „Gibt es Gott?“

mit Entschiedenheit verneint werden

muss.

Peter Henkel hat mit seinem Werk

ausdrücklich nicht die wissenschaftliche

Leserschaft im Blick, es

soll vielmehr „eine Streitschrift für

das breite Publikum, eine Art Lesefibel

für interessierte Laien“ sein. Er

möchte damit auch Atheisten ein

Handbuch für die Diskussion mit

bibelfesten Gläubigen zur Verfügung

stellen, auf dass ersteren angesichts

der Größe dieses Themas

nicht die Argumente ausgehen.

Auch deswegen macht er vehement

und konstant seine ablehnende

Haltung gegenüber den „unüberwindlichen

inneren Widersprüchen

Gottes“ und damit gegenüber

Gott selbst deutlich. Es ist dem

engagierten Journalisten eine Herzensangelegenheit,

dieses immer

wieder aufgeworfene Thema mit

frischem Zündstoff zu versorgen.

Dieses Buch ist für Interessierte an

dieser Diskussion ein Muss, zumal

entsprechende anglo-amerikanische

Titel nicht die spezielle deutsche

Perspektive auf Gott, Papst und die

Welt berücksichtigen.

Treffenderweise erklärt Peter Henkel

nach dem Philosophen William

James, dass Religion eine Art Gefühl

sei, und obwohl über Gefühle

häufig nur geschwiegen wird, führt

der bekennende Atheist einen he-

rausfordernden Dialog mit Gott

und dem Glauben.

Wunderbare Konsequenz der Diskussion:

Wenn sich die Existenz

Gottes als unwahrscheinlich erweist,

bleibt uns Menschen nichts

anderes übrig, als unserem Leben

selbst einen höheren Sinn zu geben!

Sören Vogel

Henkel, Peter: Ach, der Himmel

ist leer : Lauter gute Gründe gegen

Gott und Glauben. – Berlin

: Frieling-Verlag, 2009. – 10,90

Euro

Jahrelang dokumentierte die

Zeitschrift „humanismus aktuell“

die Tagungen der Humanistischen

Akademie Berlin. Mit

Heft 23, welches das Verhältnis

von Humanismus und „neuem

Atheismus“ zum Thema hat, erschien

zu Beginn des Jahres die

letzte Ausgabe. Nachfolger ist

eine Buchreihe, die fortan vom

Alibri Verlag produziert wird.

Den Auftakt macht das „Humanistische

Sozialwort“.

Der vorliegende Band eröffnet

die Debatte, was im Humanitären

das Humanistische sein

könnte. Er widmet sich aus interdisziplinärer

Perspektive und

anhand soziologischer Befunde

den Kriterien für ein humanistisches

Sozialwort in Deutschland,

das quer steht zu dem der

christlichen Kirchen.

Die Publikation gibt begründete

Thesen und scheut sich

nicht, etwa bezüglich des „bedingungslosenGrundeinkommens“,

sich auch auf unsicheres

Terrain zu wagen. In Abgrenzung

zur Mildtätigkeit sucht

humanistische Humanität nach

selbstbestimmten Lösungen

und strebt die Förderung und

Entwicklung von Kompetenzen

an, gekoppelt an die Verpflichtung

zur solidarischen Unterstützung

von Hilfebedürftigen,

die dies aus eigener Kraft nicht

vermögen.

Mit Beiträgen von Frieder

Otto Wolf, Dietrich Mühlberg,

Christian Brütt, Christa Luft,

Dieter Kramer, Lutz Brangsch,

Viola Schubert-Lehnhardt und

Andrea Käthner.

Groschopp, Horst / Hrsg.:

Humanistisches Sozialwort. –

Aschaffenburg : Alibri, 2009.

– 13 Euro

2/2009 37


Illusion Grundeinkommen

Zum Grundeinkommen (diesseits

86/2009)

Ich wundere mich etwas über diesen

Beitrag… Wir sollten doch dem

kritischen Durchdenken und Prüfen

von Ideen und der Frage nach ihren

Bedingungen und Möglichkeiten und

den realen Folgen eines darauf gerichteten

Handelns verpflichtet sein. Die

Idee eines bedingunsglosen Grundeinkommens

(BGE) ist aber nichts

weiter als eine meist gut gemeinte – in

diesem Sinne aber irreale – Utopie,

deren Verfolgung im Hier und Jetzt

leider ganz andere als die erhofften

Folgen hat, nämlich sehr negative für

den Sozialstaat. (…)

Tatsächlich beruht die Idee eine BGE

vollständig auf der Erwerbsarbeit,

weil nur in Erwerbsarbeit die Güter

und Dienstleistungen produziert werden,

die für ein Geldeinkommen gekauft

werden können. Es beruht also

darauf, dass die ganz überwiegende

Mehrzahl weiterhin Erwerbsarbeit

leistet und einen extrem großen Anteil

ihrer Erwerbseinkommen – viel

höher als heute – dem Staat überlässt

als Steuern, aus denen dann das BGE

bezahlt wird. (…)

Statt Befreiung von der Erwerbsarbeit

wäre der reale Effekt nur die „Befreiung“

vom bisherigen Sozialstaat

mit all seinen Vorteilen. Nämlich

dass er nicht nur Armutsvermeidung

durch Almosen – beim BGE dann

für alle – ist, sondern – wenn auch

bereits abgesenkt – Lebensstand sicherndeSozialversicherungsleistungen

organisiert, dass das Arbeitsleben

reguliert ist und der Willkür von

Arbeitgebern damit Grenzen gesetzt

und grundlegende Sicherheiten

für Beschäftigte geschaffen werden,

vielfältige soziale Dienste und Leistungen

bedarfsorientiert organisiert

werden, die vielfach weit höher sind

als ein BGE wäre. Das alles soll weg.

Freuen könnten sich darüber nur die

privaten Versicherungskonzerne, die

dann riesige neue Geschäftsfelder hätten,

die Arbeitgeber, die endlich keine

Sozialbeiträge mehr zahlen und auch

keine sonstigen sozialen Rücksichten

mehr nehmen müssten…

Realistisch möglich wäre nur ein

BGE in weit geringerer Höhe als

die meisten Befürworter es gerne

hätten… Damit [gäbe] es auch für

die Einzelnen keine Befreiung von

Erwerbszwang, sondern den Zwang,

zusätzlich jeden noch so schlecht bezahlten

Job anzunehmen, wenn man

mehr möchte als auf BGE-Armutsniveau

dahinvegetieren. BGE hätte

eine enorme Lohndumpingwirkung,

38

2/2009

weil jedes Einkommen den Charakter

von Zusatzeinkommen hätte.

Statt schlechte Arbeit abzulehnen,

weil man sie nicht nötig hat, würde

die Logik sein: zwei oder drei Euro

die Stunde aufs BGE oben drauf, ist

besser als nichts… Lohnpolitik, sei es

gesetzliche Mindestlöhne oder Tariflöhne,

würde damit unterlaufen…

Und weniger Kontrolle als heute wäre

auch nicht, sondern mehr, weil ein

viel größerer Teil aller Erwerbseinkommen

umverteilt werden müsste

als heute. Es müsste also noch viel

strenger als heute kontrolliert werden,

dass jegliche gegen Entgelt geleistete

Tätigkeit, ab der ersten Stunde und

ohne Freibeträge, dem Staat gemeldet

und von ihm erfasst und kontrolliert

wird, weil der über die Hälfte jedes

Einkommens wegsteuern müsste, um

das BGE und die sonstigen staatlichen

Aufgaben zu finanzieren – weil

Polizei und Schulen usw. müsste es ja

weiterhin geben. (…)

Manche glauben an Götter und ein

himmlisches Paradies, andere an die

Erlösung von den sozialen Leiden

durch ein BGE. Solange nur Texte geschrieben

wie der von Ulla Runge, die

Gedanken und Visionen zum Aus-

ausspRache

druck bringen, meinetwegen. Aber so

wie wir dagegen sind, wenn religiöse

Kräfte unsere Gesellschaft an ihren

Dogmen ausrichten wollen, habe ich

sehr etwas dagegen, wenn die AnhängerInnen

des BGE versuchen, Politik

zu machen und Organisationen wie

Gewerkschaften und linke Parteien

zur Unterstützung ihrer Forderung

zu gewinnen und sie dazu in heftige

und teils spalterische Debatten verwickeln.

(…)

Ralf Krämer, per Mail

Macht der HVD Sozialpolitik?

Zum Grundeinkommen (diesseits

86/2009)

Das Grundgesetz garantiert ja Meinungsfreiheit

und danach hat jeder

das Recht, auch Unsinniges zu behaupten

und zu verbreiten. Allerdings

sollte sich die Redaktion von diesseits

nicht einfach zum Sprachrohr solcher

utopischer sozial-romantischer

Schnapsideen machen lassen, da man

sonst meint, dieser Unsinn sei auch

das offizielle Credo des HVD. Wäre

er nämlich das, würde ich sofort aus

dem HVD austreten.

Ich jedenfalls möchte nicht in einer

solchen Welt leben, – noch viel weiter

links stehend als die gleichmacherischen

Ziele der Partei „Die Linke“,

was für Frau Ringe das Paradies auf

Erden wäre, ganz davon abgesehen,

dass dies gar nicht finanzierbar wäre.

Bezeichnenderweise beschäftigt sich

Frau Ringe auch gar nicht erst mit

der Frage der Finanzierbarkeit ihrer

angeblich idealen Welt, sondern

behauptet dies einfach in einem einzigen

Satz. (…) Ein Gedankenaustausch

mit ihr wäre völlig sinnlos. Sie

kann sich ja mit dem Sozialromantiker

Heiner Geißler austauschen. Bitte

nehmen Sie die Ihnen eingereichten

Artikel künftig etwas besser unter die

Lupe. Sozialpolitik zu betreiben, ist

schließlich nicht Aufgabe des HVD.

Dr. Wolfgang Weyell, Nürnberg

Ein Humanist ist nicht

konfessionslos

Zu „Humanistische Lebensauffassungen“

(diesseits 86/2009)

In dem Artikel über Werte und Ideale

hieß es u.a.: „Wir sind nicht religiös“

sowie „ein gültiges Regelwerk dürfe


man nicht erwarten, Dogmen, Lehrsätze

und Sprachregelungen seien

den Humanisten fremd.“ Hier klingt

noch der alte abgrenzende Geist der

Freidenker an, der – nicht zu Ende

denkend – in dem Glauben beharrt,

mit der Ablehnung von Worthülsen

wie „religiös“ gleichzeitig auch deren

missliebige Inhalte beseitigen zu

können (siehe „religionsfreie Zone“

und „glaubst du noch oder denkst

du schon“). Womit immer wieder die

alte Sprachregelung verstärkt wird,

nach der Religion nur mit einem jenseitigen

Gott zu denken ist, was eine

inhaltliche Aufklärung und Weiterentwicklung

in diesen Bereichen eher

behindert als fördert.

Ein Humanist hat es nicht nötig,

seine Identität durch Abgrenzungen

zu sichern und wird eine neue,

kritische und zugleich verbindlichere

Ausein andersetzung mit seinen

andersdenkenden Mitmenschen

anstreben. Dazu braucht er neben

Fairness auch anschauliche, überzeugende

und durch wiederholten

Gebrauch verinnerlichte Argumente

zur inhaltlichen Darstellung der eigenen

alternativen Angebote. Anstatt

einem ernsthaften Gesprächspartner

seinen Gott für nichtexistent zu erklären

wird er fragen: „Was verstehst

du unter Gott?“ und als seinen eigenen

höchsten Wert „verantwortliche

Menschlichkeit“ gegenüber stellen

und diesen erläutern. So könnte

aus einem bisher oft oberflächlichen

Schlagabtausch endlich ein differenzierterer

Dialog über alte und neue

Begriffe und Inhalte ethischer Orientierungen

entstehen.

Was heißt denn eigentlich „nicht religiös“?

Es heißt „nicht rückbindend“.

Ein praktizierender Humanist aber

bindet sich geistig und emotional zurück,

z. B. an den Grund-, Lehr- oder

Leitsatz oder -gedanken: „Humanismus

ist ein Denken und Handeln,

das sich an der Würde des Menschen

orientiert und dem Ziel menschenwürdiger

Lebensverhältnisse dient.“

Aus diesem Leit- oder Grundgedanken

kann er alles Weitere entnehmen

und entwickeln, was für eine Begriffsbestimmung

des Humanismus

als ethische Orientierung sowie für

das entsprechende Umsetzen dieses

Bekenntnisses erforderlich ist.

Mit diesem ausdrücklichen Bekenntnis

ist ein Humanist auch nicht konfessionslos

und tritt seinem inhaltlichen

Anspruch entsprechend in dieser

seiner Gesellschaft – und auch global

gültig – als Alternative deutlicher in

Erscheinung. Bei einem Prozentsatz

von etwa 0,12 der Bevölkerung gegenüber

etwa 30% Konfessionslo-

ser ist das besonders wichtig. Er ist

auch kein Ungläubiger, weil er sagen

kann: „Wenn es heute einen Glauben

gibt, der vertretbar ist, dann ist es

der Glaube an die Bildungsfähigkeit

des Menschen zu einem sozial und

ökologisch handelnden, mündigen

Gemeinschaftswesen und daran,

dass die Natur den Menschen nicht

braucht, wohl aber der Mensch die

Natur.“ Ohne diesen vernünftigen

Glauben ist Stabilität und Weiterentwicklung

in einer demokratischen

Kultur schwer möglich.

Ein weiterer wichtiger Leitgedanke

für Humanisten lautet: „Mündigkeit

bedeutet mehr als nur Volljährigkeit.

Mündigkeit heißt, eine kritische

Distanz nicht nur zu seiner Mitwelt,

sondern auch zu sich selbst zu

haben, für sich selbst voll- und für

seine Mitwelt mitverantwortlich sein

zu können und zu wollen.“ Dieser

Lehrsatz ermöglicht bzw. erleichtert

es, hinter die eigenen, ganz persönlichen

Antriebe und auch Widerstände

des Handelns zu schauen.

Die Fußnote zu dem o.a. Artikel besagt,

dass dieser Text aus einer NDR-

Radiosendung des HV Niedersachsen

entstand. Hierin hieß es u. a.: „Einen

gemeinsamen Sinn des Lebens, wie

ihn die Religion vorgibt, erkennen

sie nicht an. Nach humanistischem

Selbstverständnis muss jeder Mensch

seinem eigenen Leben einen Sinn geben.“

Ich denke, dass hier bei dieser

grundsätzlichen philosophischen Frage

aller Fragen durchaus ein konkreterer

und zugleich allgemeingültiger

Grundsatz formuliert werden kann

und gerade von Humanisten angeboten

werden sollte, nämlich: „Sinn

unseres Lebens ist größtmögliche Entfaltung

und Vervollkommnung der

eigenen Persönlichkeit in größtmöglicher

Harmonie und Verbundenheit

zu unserer Mitwelt.“

(…)

Rudolf Kuhr, Schöngeising

Besser humanistisch tätig

sein

Zu „Korso auf Bergfahrt“ (diesseits

86/2009)

Prof. Groschopp vom Humanistischen

Verband Deutschlands (HVD)

behauptet…, dass man auch als Atheist

Nazi sein kann. Das ist dummes

Geschwätz. Ich verkenne nicht, dass

es auch Nazis gibt, die sich zum Atheismus

bekennen. Hier handelt es sich

vor allem um Anhänger der germanischen

oder nordischen Religion und

Mythologie, die ihre Weltanschauung

fälschlicherweise unter Heidentum

einordnen. Tatsächlich ist Atheismus

eine vorwiegend linke Sache.

Ich will den Spieß umdrehen und

behaupten, dass von sogenannten

Humanisten auch Untaten, gar Verbrechen

begangen werden können.

Wie lässt sich das dann mit dem hohen

Ideal Humanismus vereinbaren?

Reklamieren Christen diesen Begriff

nicht auch für sich? Wie will es ein

atheistischer Humanist vermeiden,

mit ihnen in einen Topf geworfen zu

werden?

Ist es nicht eine christlich geprägte

Unart, alles zu verdammen, was

nicht in den Rahmen passt? Gerade

diese Unart macht sich Prof. Groschopp

in Bezug auf Atheisten, Freigeister

und Freidenker zu eigen, statt

über Grenzen hinwegzusehen. Ich

bin lieber ein Atheist und gerade dadurch

in dem (christlichen geprägten)

Verruf, kann mich aber im Spiegel

betrachten, ob ich schuldig geworden

bin oder nicht. Ich bin lieber humanistisch

tätig, als mich überheblich

als einen Humanisten zu bezeichnen

und vielleicht nichts oder nur wenig

dazu beizutragen. Mit anderen Worten:

mehr sein als scheinen.

Heinz J. G. Gremer, Kulmbach

Büchernarren am Werk: Besuch vom Bundestagspräsident Wolfgang Thierse hatte diesseits-Autor Ralf

Bachmann auf der Leipziger Buchmesse. Er stellte am Stand des Sax-Verlages seine Neuerscheinung „Ich

habe alles doppelt gesehen: Erkenntnisse und Einsichten eines Jourmalisten“ vor.

2/2009 39


HUMANISTISCHER VERBAND

DEUTSCHLANDS (HVD)

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Fon 0911 43104-12 info@hsw-bayern.de

www.hsw-bayern.de

HVD Nürnberg K.d.ö.R.

n Geschäftsstelle

Äußere Cramer-Klett-Str. 11-13,

90489 Nürnberg

Fon 0911-43104-0, Fax 43104-15

info@hvd-nuernberg.de

www.hvd-nuernberg.de

n Bestattungsreden: 0911-43104-14

n Service-Line 0180-11 123 11

n Jugendfeier-Team und Junge

HumanistInnen: 0911-43104-11

jugendfeier@hvd-nuernberg.de

www.jugendfeier.net

Stadtmauerturm der JuHus: Spittlertormauer

7, 90402 Nürnberg

n Humanistischer Kindergarten

Nbg.-St. Peter

Burgerstr. 6, 90478 Nürnberg

Fon 0911-42 45 68-0, Fax -3

kiga.st.peter@hvd-nuernberg.de

n Humanistischer Kindergarten

Nbg.-Mögeldorf

Ziegenstr. 28, 90482 Nürnberg

Fon 0911-95 33 58-0, Fax -3

kiga.moegeldorf@hvd-nuernberg.de

n Humanistisches Haus für Kinder

Am Südpark

Dr. Meyer-Spreckels-Str. 5,

90763 Fürth

Telefon 0911-97791013, Fax -17

hfk.fuerth@hvd-nuernberg.de

n turmdersinne gGmbH

Büro: Spittlertorgraben 45

90429 Nürnberg

Fon 0911-94432-81, Fax -69

info@turmdersinne.de

www.turmdersinne.de

Adresse des Turms:

Mohrenturm am Westtor, Nürnberg,

Spittlertorgraben Ecke Mohrengasse

HVD Fürth e.V.

c/o Humanistische Grundschule

Waldstraße 62

90763 Fürth

info@hvd-fuerth.de

www.hvd-fuerth.de

n Humanistische Grundschule Fürth

Waldstraße 62

90763 Fürth

Fon 0911 3766833-0

Fax 0911 3766833-9

info@humanistische-schule.de

www.humanistische-schule.de

HVD Würzburg

Bukarester Str. 12, 97084 Würzburg

www.hvd-wuerzburg.de.vu

hvd-wuerzburg@gmx.de

BERLIN/BRANDENBURG

Humanistischer Verband

Berlin-Brandenburg

Wallstr. 61-65, 10179 Berlin

Fon 030-613 904-0, Fax 030-613 904-50

www.hvd-potsdam.de, www.hvbb-online.de

BERLIN

HVD Berlin

Landesgeschäftsstelle

Wallstr. 61-65, 10179 Berlin

Fon 030-613 904-0

Fax 030-613 904-50

hvd-berlin@humanismus.de

Direkte Durchwahlnummern:

n Abteilung Kitas -39

n Abteilung Gesundheit/Soziales -25

n Abteilung Lebenskunde -60

n Abteilung Jugend/Jugendfeier -74, Fax -89

n Patientenverfügungen/Trauergruppen

-11, -19, Fax -36

www.patientenverfuegung.de

mail@patientenverfuegung.de

n V.I.S.I.T.E.

Besuchs- und Hospizdienst -32

www.visite-hospiz.de, mail@visite-hospiz.de

n Kinderhospiz „Berliner Herz“ -80

n Öffentlichkeitsarbeit -26

n Kultur -23

n Fundraising -38

n Freiwilligenarbeit/Mitglieder betreuung/

Seniorenkoordinatorin -15

n Junge HumanistInnen Berlin

Danziger Str. 50, 10437 Berlin

Fon 030-442 72 16, Fax 442 34 93

info@juhu-berlin.de, ingo@juhu-berlin.de

n Jugendtreff „PPZ“ der Jungen

HumanistInnen, Marzahner Chaussee 9 10315

Berlin, Fon/Fax 030-510 17 76

n Jugendgästehaus Heiligensee

info@juhu-heiligensee.de

030 43605470

n Schulklub Sakura-Grundschule

Rochstraße 7, 10178 Berlin

Fon 030-42 85 21 79

n Café Rix GmbH

Karl-Marx-Straße 141, 12043 Berlin

Fon/Fax 030-686 90 20

n Sozialstation „Die Brücke“

Wallstr. 61-65, 10179 Berlin

Fon 030-613 904-93 /-97, Fax -91

n Mobilitätshilfedienst Berlin-Mitte

Wallstr. 61-65, 10179 Berlin

Fon 030-613 904-95 /-96, Fax -91

n Schwangerschaftskonflikt-beratungsstelle,

Schönholzer Str. 6, 13187 Berlin

Fon/Fax 030-441 79 92

skb@hvd-berlin.de

n Kontakt- und Informationsstelle für

Selbsthilfe (KIS)

Nachbarschaftshaus Pfefferwerk

Fehrbelliner Str. 92, 10119 Berlin

Fon 030-443 43 17, Fax 44 34 04 78

n Betreuungsverein

Alt-Moabit 108 a, 2. Etg., 10559 Berlin

Fon 030-441 30 57, Fax 441 30 59

Betreuungsverein.hvd@berlin.de

n Brückentreff Psychosoziale Kontakt- und

Beratungsstelle

Torstraße 158, 10115 Berlin

Fon 030-280 74 42/ -43, Fax -44

Kitas:

n Adlershofer Marktspatzen

Helbigstr.31, 12489 Berlin

Fon/Fax 030-677 42 09

n Am Park

Engelhardtstr. 10, 12487 Berlin

Fon/Fax 030-631 66 99

n Bornsdorfer Str. 14, 12053 Berlin

Fon 030-56 82 86 63

n Dreikäsehoch

Johanna-Tesch-Str. 20, 12439 Berlin

Fon 030-671 70 33, Fax 67 89 45 28

dreikaesehoch@humanistischekitas.de

n Friedenauer Strolche

Sponholzstraße 16, 12159 Berlin

Fon/Fax 030-75 60 62 09

n Gartenstadtfrösche

Zur Gartenstadt 239, 12526 Berlin

Fon 030-67 82 45 03, Fax 67 82 45 04

gartenstadt@humanistischekitas.de

n General-Woyna-Str. 48

13403 Berlin, Fon/Fax 030-413 30 72

n Holtheimer Weg 6-8, 12207 Berlin

Fon 030-712 49 30, Fax 71 09 74 92

n Hopsekäse

Scharnweberstr. 60, 10247 Berlin

Fon/Fax 030-291 61 64

n Kastanienallee 28/30, 12627 Berlin

Fon/Fax 030-995 22 69 kastanienallee@

humanistischekitas.de

n Kinderhaus Felix

Zühlsdorfer Str. 16, 12679 Berlin

Fon 030-935 80 35, Fax 93 02 78 16

kinderhausfelix@humanistischekitas.de

n Knirpsenstadt am Glitzerbach

Geraer Ring 50/52, 12689 Berlin

Fon/ Fax 030-933 91 98

n Landreiterweg 55, 12353 Berlin

Fon 030-667 90 90, Fax 66 79 09 33

n Michel-Klinitz-Weg 18

12349 Berlin, Fon 030-743 10 14

n Mühlengeister

Thomas-Mann-Str. 17/19, 10409 Berlin

Fon 030-424 17 31, Fax 42 16 15 86

muehlengeister@humanistischekitas.de

n Pillnitzer Weg 6, 13593 Berlin

Fon 030-20 91 48 90, Fax 209 14 89 20

pillnitzerweg@humanistischekitas.de

n PrenzlZwerge

Stahlheimer Str. 27, 10439 Berlin

Fon 030-445 71 94, Fax 40 00 30 61

prenzlzwerge@humanistischekitas.de

n Stadtfüchse

Jablonskistr. 11, 10405 Berlin

Fon/Fax 030-441 42 82 erzieherinnen.

stadtfuechse @web.de

n Wasserwerkstr. 3, 13589 Berlin

Fon 030-37 49 90 30, Fax 374 99 03 24

wasserwerkstrasse@humanistischekitas.de

n Rappelkiste

Alfred-Randt-Str.15/17, 12559 Berlin

Fon 030-654 35 58, Fax 654 60 49

n Wirbelwind, Friedrich-Engels-

Str. 45/47, 13156 Berlin

Fon 030-916 51 24, Fax 47 03 68 69

wirbelwind@humanistischekitas.de

n Zum Hasenhügel

Waldheimer Str. 10/12, 12627 Berlin

Fon 030-994 28 49, Fax 99 28 50 79 zum.

hasenhuegel@humanistischekitas.de

n Konfliktberatung für Paare

Fon über 030-613 904-15

n Neustart – Betreutes Wohnen

für Obdachlose

Alt Reinickendorf 7, 13407 Berlin

Fon 030-4 14 68 74, Fax -75

neustart@hvd-berlin.de

www.wp-neustart.de

n Humanistische Akademie e.V.

Redaktion „humanismus aktuell“

Wallstr. 61-65, 10179 Berlin

Fon/Fax 030-44 34 09 41

www.humanistische-akademie.de

n Koordinierungsstelle für ambulante

Re habilitation älterer Menschen in Neukölln

Haus des älteren Bürgers

Werbellinstraße 42, 12053 Berlin

Fon 030-689 77 00, Fax 68 97 70 20

n Berliner Seniorentelefon

Fehrbelliner Straße 92, 10119 Belin

Fon 030-279 63 93, Fax 44 02 49 97

Sprechzeiten: Mo, Fr, So 14-16 Uhr, Mi 12-16

Uhr unter Fon 030-279 64 44

www.berliner-seniorentelefon.de

info@berliner-seniorentelefon.de

n HOTEL4YOUth

Schönhauser Allee 103, 10439 Berlin

Fon 030-446 77 -83, Fax -859

www.hotel4youth.de, info@hotel4youth.de

n Kinder- und Jugendbüro Marzahn

Kastanienallee 55, 12627 Berlin

Fon 030 9339466

kijubue-marzahn@web.de

n Internetcafé für Senioren

Weltenbummler, Werbellinstraße 42, 12053

Berlin-Neukölln

Fon 030-68054287

n Gesundheitliche und soziale Dienste des HVD

in Tempelhof,

Friedrich-Wilhelm-Straße 59

12103 Berlin, Fon 030-71096852

BRANDENBURG

Humanistischer Regionalverband

Ostbrandenburg e.V.

PF 1142, 15701 Königs Wusterhausen

Fon 03375-29 77 78, Fax 29 33 35

humanistus@aol.com

www.hro-kwh.de

n Aktionskita „Knirpsenstadt“

Goethestr. 5,

15711 Königs Wusterhausen

Fon 03375-87 28 45

n Jugend-Freizeit-Zentrum

Scheederstr. 47,

15711 Königs Wusterhausen

Fon 03375-29 67 69

HVD Regionalverband Brandenburg

Nord e.V.

Mühlenfeld 12, 16515 Oranienburg

Fon 03301-83 41 11, Fax 83 41 20

n Humanistisches Musikzentrum

n Feierkultur

n Schuldnerberatung, Vermeidung von

Obdachlosigkeit

n Jugend- und Sozialwerk gGmbH

Kanalstr. 20, 16515 Oranienburg

Fon 03301-58 28 94

n Berufsbildungswerk Nordost gGmbH

Albert-Buchmann-Str. 1,

16515 Oranienburg

Fon 03301-53 54 40

n Betreutes Jugendwohnen

Bernauer Str. 146, Haus 106,

16515 Oranienburg

Fon 03301-80 70 56

Nebenstelle Neuruppin

Fehrbelliner Str. 139, 16816 Neuruppin

Fon 03391-50 38 42, Fax 35 05 13

n Feierkultur

n Selbsthilfe-Kontaktstelle

n Schulsozialarbeit

Humanistischer Regional verband

Brandenburg/Belzig e.V.

Willibald-Alexis-Str. 28

14772 Brandenburg

Fon 03381-73 03 80, Fax 73 03 79

humreg@humreg.de

Kinder- und Jugendclub, Jugendfeier,

Seniorenarbeit, Junge Humanisten,

Schulsozialarbeit, Bereich „Hilfe zur Erziehung“

Stadtteilbüro im Bürgerzentrum

Große Gartenstraße 42a

14776 Brandenburg an der Havel

Fon 03381-25 09-62, Fax -63

Humanistischer Regionalverband

Potsdam/Potsdam-Mittelmark e.V.

n Geschäftsstelle Potsdam

Jägerstr. 36, 14467 Potsdam

Büro und Patientenverfügung:

Fon 0331-290 94 76

Jugendfeier: Fon 0331-270 98 04

Fax 0331-280 58 81

hvdppm@aol.com

hvd-potsdam@freenet.de

Humanistischer Regionalverband Teltow-

Fläming e.V.

Goethestr. 8, 14959 Trebbin

Fon/Fax 033731-805 24

Humanistischer Regionalverband

Märkisch-Oderland e.V.

„Arche“, Carl-Schmäcke-Straße 33

15366 Neuenhagen

Tel. 03342-21584, Fax 21586

Humanistisches Internationales

Begegnungs- und Beratungszentrum

(HIBBZ)

Eisenbahnstr.14, 16225 Eberswalde

Fon und Fax 03334-212491 www.hibbz.de,

info@hibbz.de

Humanistischer Freidenkerbund

Brandenburg e.V.

Postfach 600 813, 14408 Potsdam

Fon 03321-45 07 46, Fax 45 07 47

Fon 03338-396 31, Fax 03338-396 32

Humanistischer Freidenkerbund

Havelland e.V.

n Geschäftsstelle

Karl-Thon-Str. 42, 14641 Nauen

Fon 03321-45 07 46, Fax 45 07 47

Freidenker-Havelland@web.de

n Jugendtreff Miteinander, Frauen- und

Selbsthilfetreff, Berliner Str. 41, 14712

Rathenow, Fon 03385-51 55 31

n Treff: Suchthilfe, Kleiderkammer,

Obdachlosenarbeit, Suppenküche

Ritterstr. 9, 1641 Nauen

Fon 03321-45 07 46

Freidenker Barnim e.V.

n Geschäftsstelle

Rüdnitzer Chaussee 48-50, 16321 Bernau

Fon 03338-3 96 31, Fax 3 96 32

n Informations- und Beratungspunkt

Berliner Str. 48, 16321 Bernau

Fon/Fax 03338-2416

Jugendarbeit, Jugendfeier, Senioren- und

Rentenberatung, Patientenverfügung,

Sozialberatung

METRopoLREGIoN HAMBURG

HVD Metropolregion Hamburg e.V.

Beim Schlump 23, 20144 Hamburg

Fon/Fax 040 67379076

HVD-Hamburg@alice-dsl.net

MEckLENBURG-VoRpoMMERN

Ziegeleiweg 12, 19057 Schwerin

Fon: 3861 2471, hvd-mv@web.de

www.humanisten-in-mv.de

NIEDERsAcHsEN

Humanistischer Verband Niedersachen

K.d.ö.R.

Landesgeschäftsstelle

Otto-Brenner-Str.20- 22, 30159 Hannover

Fon 0511-167691-60, Fax -78

zentrale@humanisten.de

www.humanisten.de

n Feierservice für weltliche Familienfeiern

Fon 0511-167691-63

n Junge Humanisten Hannover

Landeskoordination JugendFEIER

Fon 0511–18561

www.juhus-hannover.de

info@junge-humanisten.de

n Humanistisches Sozialwerk

Norddeutschland GmbH

Otto Brenner Str.20-22, 30159 Hannover

Haus Humanitas, Fon 0511-167691-61

Humanistischer Verband Bremen

Ursel Leitzow, Prager Str. 41, 28211 Bremen

Fon 0421-243 96 35 bremen@humanisten.de

Ortsgemeinschaften und Verbände

Freie Humanisten

Grünenplan-Delligsen

c/o Bodo Hage,

Hinter den Höfen 16, 31073 Delligsen

Fon + Fax: 05187-24 86

Mobil: 0160-950 28 139

gruenenplan@humanisten.de

HV Emden

Ortsverband Emden

An der Sporthalle 1, 26759 Hinte

Fon: 04925 8725, 0176-96603435

emden@humanisten.de

HVN Ortsverband Hannover

Otto-Brenner-Str. 22, 30159 Hannover

Fon 0511-1 61 4012, Fax 16 76 91 78

hannover@humanisten.de

HV Oldenburg

c/o Grünberger Str. 7, 26127 Oldenburg

Fon 0441-882943 oldenburg@humanisten.de

Freie Humanisten Osnabrück

osnabrueck@humanisten.de

Humanistischer Verband Wesermarsch

Postfach 1125, 26926 Elsfleth

Fon 04401-695817 wesermarsch@

humanisten.de

NoRDRHEIN-WEsTFALEN

HVD Nordrhein-Westfalen K.d.ö.R.

Landesgeschäftsstelle

Küpferstr. 1, 44135 Dortmund

Fon 0231-52 72 48, Fax 57 20 72

mail@hvd-nrw.de

www.hvd-nrw.de

Ortsgruppen in vielen Städten!

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n Humanitas-Verlag

www.humanitas-verlag.de

n Junge HumanistInnen NRW

Fon 0231-5 86 15 70

HVD Bergisches Land

Chlodwigstr. 28

42119 Wuppertal-Elberfeld

Fon 0202-46 04 555

HVD Bielefeld

Fon 0521-9824762

hvd-bielefeld@web.de

HVD Duisburg

Fon 0203-29 82 440

RHEINLAND-pFALz

Fon 0173-3436714

hvd-rlp@email.de, www.hvd-rlp.de

sAcHsEN

HVD Sachsen

Großenhainer Straße 88

01127 Dresden, Fon 0351-2198100

Ronny.Winkler@hvd-sachsen.de

THÜRINGEN

Humanistische Landesgemeinschaft

Thüringen

fon 03643 900744

www.humanisten-in-thueringen.de

thueringer-humanisten@t-online.de

sAcHsEN-ANHALT

Humanisten Sachsen-Anhalt

c/o Junge Humanisten Magdeburg e.V.

39128 Magdeburg

Johannes-R.-Becher-Straße 57

Fon 0391-2515938, Fax 2516338

humanisten.sachsen-anhalt@

juhu-magdeburg.de

Humanistischer Regionalverb.

Halle-Saalkreis e.V.

Bürgerhaus „alternativE“

Gustav-Bachmann-Straße 33

06130 Halle

Fon 0345-1 31 94 73

Fax 0345-1 31 94 75

buergerhaus-halle@freenet.de

n Frauen Kommunikationszentrum

n Offener Kinder- und Jugendtreff

n Trauerberatung, Patienten verfügungen, Fon

0345-2023168

n Begegnungsstätte

Fon 0345-12 26 90 22

n Schuldnerberatung

Fon 0345-1319053

n Musikinstrumentenkabinett

n Jugendfeier Fon 0345-1319473

Humanistischer Regionalverb.

Südliches Sachsen-Anhalt e.V.

n Bürger und Jugendhaus/Herberge

Huttenstraße 12, 06217 Merseburg

Fon 03461-21 35 19

hrvbuergerhaus@aol.com

n Jugendlub „Die Hütte“

Unter den Eichen, 06217 Merseburg

Fon/Fax 03461-50 28 75

n Jugendfeier Fon 03461-213519

n Jugendclub „Elofant“

Häuerstraße 33, 06242 Braunsbedra

Fon 0177-2115619

n Projekt Schulsozialarbeit

Sekundarschule „Unteres Geiseltal“

Häuerstr. 39, 06242 Braunsbedra

Fon 034633-2 26 09

Junge Humanisten Magdeburg e.V.

n KJFE „Kannenstieg“

Johannes-R.-Becher-Straße 57

39128 Magdeburg

Fon 0391-2 51 59 38, Fax -63 38

juhu-magdeburg@t-online.de

n Schülertreff „Rothensee“

Badeteichstraße, 39126 Magdeburg

Fon 0391-5 05 00 44

n Jugendfeier Fon 0391-2515938

Humanistischer Regionalverb.

Mansfelder Land e.V.

n Jugendclub „Die Leuchte“

Beethovenstraße 1, 06333 Hettstedt

Fon 03476-85 11 49

n Jugendtreff „Bombastic“

Friedenstraße 1, 06456 Sandersleben

Fon 034785-2 02 59


Joachim Goetz

determination

spielt nicht die beleidigten

der alte freud

hat es uns längst gesagt

dass wir nicht

herren im eigenen haus sind

jetzt setzen die hirnforscher

noch eins drauf

und zeigen

dass unsere willensfreiheit

eine illusion ist

und darum

freut euch und frohlocket

kein lohn im himmel

keine strafe in der hölle

für gute rechts und böse links

freuet euch und frohlocket

wir müssen unseren job machen

mit unserer evolutionserbmasse

und unserer soziozivilisation

freuet euch und frohlocket

wir müssen menschen sein

zu vereinbarungen gezwungen

für unser gemeinsames wohl

freuet euch und frohlocket

wer unter aufsicht

gestellt werden muss

hat nicht verachtung verdient

freuet euch und frohlocket

den schwarzen peter hat jetzt

der auf unsere kosten

zum unendlich guten ernannte

der allerbarmer

den wir anflehten

damit er uns bösewichtern

vielleicht gnädig verzeiht

Joachim Goetz, Jahrgang 1934, war nach dem Studium der Philosophie, Theologie

und Germanistik hauptsächlich im Lehramt tätig. Er ist Vorstandsmitglied der Ludwig-

Feuerbach-Gesellschaft Nürnberg e.V., der Gesellschaft für kritische Philosophie sowie

Redakteur der Zeitschrift Aufklärung und Kritik.


Humanistischer Verband Deutschlands, Wallstraße 61-65, D-10179 Berlin

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selbst denken – Gemeinsam leben

Humanistinnen und Humanisten gestalten ihr Leben

selbstbestimmt und verantwortlich, frei von Religion. Es liegt am

Menschen selbst, ethische und moralische Entscheidungen zu

treffen. Diese Freiheit haben wir den Gedanken der Aufklärung

zu verdanken, in deren Tradition der Humanistische Verband

Deutschlands steht.

Als Humanistinnen und Humanisten stehen wir zu unserer

Verantwortung für die Menschen, das Leben und die Natur.

Über die Grenzen von Sprachen und Kulturen hinweg setzen

wir auf den friedlichen Austausch von Ideen und Erfahrungen.

Dabei achten und respektieren wir alle weltanschaulichen und

religiösen Lebensauffassungen. Toleranz hat jedoch dort Grenzen,

wo Menschenrechte missachtet und Positionen der Intoleranz

vertreten werden.

Wir arbeiten eng mit unseren Partnerverbänden in der ganzen

Welt zusammen, die wie wir der Internationalen Humanistischen

und Ethischen Union (IHEU) angehören.

Der Humanistische Verband Deutschlands ist eine

überparteiliche, demokratische Organisation, die sich in allen

Bereichen des gesellschaftlichen und politischen Lebens engagiert,

in denen weltanschauliche Fragen berührt sind. Humanistinnen

und Humanisten beziehen Stellung in den ethischen Debatten

unserer Zeit.

Der Humanistische Verband Deutschlands organisiert Kulturund

Bildungsangebote und bietet soziale Unterstützung und

humanistische Beratung für Menschen in allen individuellen

Lebenslagen. Wir richten weltliche Namens-, Jugend-, Hochzeitsund

Trauerfeiern aus. In Berlin ist der Humanistische Verband

Träger des Schulfaches Lebenskunde und bundesweit von

vielen Kindertagestätten. Besonders gefragt ist das Angebot der

Patientenverfügung. Die „Jungen HumanistInnen“ unterstützen

Kinder und Jugendliche auf dem Weg zu einem selbstbestimmten

Leben. Bundesweit werden zirka 250.000 Menschen pro Jahr

durch die Dienstleistungen des Verbandes erreicht.

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