APA-Science Spezial 1/2012

apa.at

APA-Science Spezial 1/2012

toP Story text ChriStiAn Müller

Das Angebot im Online-Bereich

ist im Vergleich zu Deutschland

noch recht überschaubar, obwohl

sich mit Hilfe interaktiver Grafiken

und Videos Vieles leichter erklären

lässt. Woran liegt das?

Möglicherweise an dem Phänomen,

dass der Wissenschaft Verwaltungsgrenzen

ziemlich egal sind und österreichische

User diese Online-Angebote

ohnehin nutzen. Ich sehe aber

eine Chance für ein in Österreich generiertes

Online-Angebot, wenn es

sich selbstverständlich nicht an Län-

derquoten orientiert, sondern an den

Kriterien der Exzellenz und der Originalität.

Weil dann ja auch das Vertriebsproblem

wegfällt, könnten diese

Angebote im deutschsprachigen

Ausland reüssieren.

APA-Science setzt neben journalistischen

Nachrichten auch auf die Vernetzung

der Community und sorgt

für die Aufbereitung von deren Informationen.

Wie wird sich Ihrer

Meinung nach das Verhältnis von

Wissenschaftsjournalismus, PR und

Social Media nutzenden Wissenschaftern

weiterentwickeln?

In jene Richtung, die schon jetzt

ab sehbar ist: Die Grenzen zwischenWissenschaftsjournalismus

und PR werden immer

durchlässiger. Deswegen ist es im

Interesse aller Beteiligten, Quelle,

Herkunft und Verschränkungen

jederzeit nachvollziehbar offen zu

legen. Kurz gesagt: durch maximale

Transparenz. Die Öffentlichkeit

hat ein Recht zu wissen, wer

in wessen Interesse informiert.

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tigkeit in die Hand zu nehmen.

Davon pro fitiert eine zunehmende

Zahl an PR-Agenturen, die – je nach

Spezialisierung – mehr oder weniger

professionell und spannend die

Redaktionsstuben und Newsrooms

mit Informationen aus der Welt der

Wissenschaft versorgen.

Auch das wissenschaftliche Beilagen-,

Inseraten- und Kooperationsgeschäft

blüht. Denn auch die

Verlagshäuser haben erkannt, dass

bei Ministerien, Universitäten, Förderorganisationen,Forschungseinrichtungen

etc. Geld zu holen ist.

Und so werden Wissenschaftsseiten

und -beilagen unterstützt, Seiten

gekauft, Inserate geschalten, Kooperationsprojekte

eingegangen …

Alles das natürlich für ein höheres

Ziel, den traditionell wissenschaftsskeptischen

Österreicherinnen und

Österreichern die Bedeutung von

Wissenschaft und Forschung zu

Oben: christian Müller

FOTO: thomas Preiss/APA

vermitteln. Auch wenn es hierzulande

schwer fällt: Lassen Sie uns

an die gute, uneigennützige Absicht

all dieser Anstrengungen glauben.

Immerhin ermöglichen sie eine blühendeWissenschaftsberichterstattung

in den heimischen Medien, der

keine inhaltliche Abhängigkeit zu

unterstellen ist.

Die Frage ist nur, wie lange diese

Blüte angesichts knapper werdender

Budgets anhält. Denn wirtschaftlich

besteht sehr wohl Abhängigkeit:

Ohne diese Sponsor- und

Kooperations gelder verwelken solche

Beilagen und Kooperationsprojekte

in den ohnehin krisengebeutelten

Verlags- und Medienhäusern

wohl schnell. Was bleibt dann übrig?

Wieder nur einzelkämpferische,

von Kollegen milde belächelte Vertreter

eines journalistischen Orchideenfachs,

die nicht nur um Zeilen,

sondern gleich ums Überleben

kämpfen müssen?

zur Person:

Doch „think pink!“-Wissenschaft ist

heute en vogue, ist im Alltag angekommen,

damit lässt sich Geld

verdienen. Wissenschaftsseiten

(meist Halbseiten oder Spalten) sind

selbstverständlich geworden, private

TV-Sender überflügeln mit ihrer

Sendezeit über Wissenschaft öffentlich-rechtliche

Anstalten, Medienhäuser

und Verlage gründen neue

Magazine oder Ableger.

Ausschlaggebend dafür ist auf Konsumentenseite

wohl der Bedarf nach

Erklärungen in einer immer komplexer

werdenden Welt und der Wunsch

nach anspruchsvollen Inhalten in einer

immer stärker akademisierten

Wissensgesellschaft.

Der Hauptgrund ist aber das schier

unerschöpfliche Reservoir der Wissenschaft

an aufregenden neuen Geschichten,

die es wert sind, erzählt zu

werden – Wissenschaft ist und bleibt

spannend.

christian Müller ist redakteur für Wissenschaft und bildung bei der

APA – Austria Presse Agentur, bei der er ab 1992 die Wissenschafts- und bildungsredaktion

der APA aufgebaut und von 1996 bis 2000 die leitung des

ressorts „kultur-Wissenschaft-bildung“ innehatte. seit 2000 ist er als stellvertretender

ressortchef für die Wissenschafts- und bildungsberichterstattung

verantwortlich. er ist initiator der jährlich vergebenen Auszeichnung

„Wissenschafter des jahres“ des Österreichischen klubs der bildungs- und

Wissenschaftsjournalisten. Müller wurde ausgezeichnet mit dem Österreichischen

förderungspreis für Wissenschaftspublizistik (1994), dem kardinal-innitzer-Würdigungspreis

für wissenschaftlich fundierte Publizistik (1999), dem

Medienpreis des österreichischen universitätsprofessoren-Verbandes (2006)

und dem Österreichischen staatspreis für Wissenschaftspublizistik (2006).

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