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Entspannte

Kunden

... hat jeder Handwerker gern.

Allzuoft ist jedoch genau das Gegenteil

der Fall: Die Auftraggeber sind

sauer, weil Termine nicht eingehalten

werden, die Handwerker sich nicht

abstimmen oder die Baustelle einem

Chaos gleicht. Die Betriebe der

Qualitätsgemeinschaft »Entspannt

modernisieren« gehen diese

Probleme aktiv an – dds hat einen

von ihnen besucht (S. 96). Was sonst

noch wichtig ist, um private Kunden

glücklich zu machen, weiß Schreinermeisterin

Sabine Zöller (S. 99).

Beiträge zum Titelthema

Einer für alles – wofür

Kunden Norbert Alt lieben 96

Die Handwerker kommen:

Sabine Zöller weiß, was das heißt 99

96

Einer

für alles

Norbert Alt gestaltet und plant für

seine Kunden nicht nur die Möbel

und den Innenausbau, er koordiniert

auch die beteiligten Gewerke.

Wie ihn dabei die Qualitäts -

gemeinschaft »Entspannt

modernisieren«

unterstützt,

hat er dds

erzählt.

Norbert Alt: »Bei Entspannt

modernisieren mitzumachen,

hat uns richtig nach

vorne gebracht«

dds das magazin für möbel und ausbau 10/2011


Titelthema Entspannt modernisieren

Wer Norbert Alt besucht, fährt

vorbei an Wiesen und Feldern

und hübschen kleinen Dörfern

mit barocken Kirchen. Offiziell ist

die Gegend um Illertissen im Kreis Neu-

Ulm bayerisch, das Schwäbische liegt jedoch

geografisch und auch von der

Mentalität der Menschen her nahe. »Alt.

Inspiration Holz« ist auf dem Firmenschild

in Gannertshofen zu lesen und

darunter: »Möbel, Raum, Schreinerei«.

Norbert Alt, Schreinermeister und Betriebswirt

des Handwerks empfängt den

Besucher am großen Stehtisch im Büro

und organisiert erstmal einen Kaffee.

Was Privatkunden wollen

Alt führt den Betrieb, den der Urgroßvater

einst vor 120 Jahren gründete, gemeinsam

mit seiner Frau Elke. Die Kunden

der Schreinerei sind zu rund 70 Prozent

Privatpersonen, kleinere Standbeine

sind der Messebau und Zulieferprodukte

für Kollegen. Bei den Aufträgen

aus der Privatkundschaft handelt es sich

häufig um Modernisierungen und Renovierungen.

Projekte also, die so groß

sind, dass mehrere Gewerke mit im Boot

sind, andererseits aber nicht groß genug,

dass der Kunde einen Architekten

oder Innenarchitekten engagiert. Ablauf

und Ergebnis solcher Aufträge empfand

Alt in der Vergangenheit oft als unbefriedigend:

die Gestaltung Stückwerk, die

Abstimmung unter den Handwerkern

schwierig, der Kunde am Ende erschöpft,

wenn nicht entnervt.

Bedarf groß, Angebot klein

Gründe genug für Norbert Alt, sich der

2006 ins Leben gerufenen Qualitätsgemeinschaft

»Entspannt modernisieren«

der Fachverbände des Schreinerhandwerks

anzuschließen. Hier haben sich

Betriebe zusammengefunden, die die

gewerkübergreifende Modernisierung

strategischer als bisher angehen wollen.

Denn soviel ist für Alt klar: Das Thema

hat Zukunft. »Die Kunden wollen sich

nicht mehr mit zig Handwerkern abstimmen,

sondern am liebsten nur mit

einem.« Zumindest im städtischen Teil

seines Einzugsbereiches sieht er für diese

Art von Aufträgen eine regelrechte

Marktnische. »Dort fehlt den Leuten das

Netzwerk, wie wir es hier auf dem Land

dds das magazin für möbel und ausbau 10/2011 97

Foto: Alfons Alt


Titelthema Entspannt modernisieren

haben. Denen ist es viel zu mühsam,

sich fünf oder sechs verschiedene Handwerker

zusammenzusuchen.«

Schulungen und Erfa-Arbeit

Seit 2006 hat Norbert Alt regelmäßig

Schulungen des Fachverbandes Bayern

besucht, z. B. zum Bau- und Vertragsrecht,

zur gewerkübergreifenden Planung,

zu Licht- und Farbgestaltung

Erfolg mit dem »Alles aus einer Hand«-Konzept: Elke und Norbert Alt

u.a.m. Darüber hinaus trifft er sich

zweimal im Jahr mit sechs weiteren Entspannt-modernisieren-Betrieben

zum

Erfahrungsaustausch. Die zweitägigen

Treffen finden reihum bei einem der Beteiligten

statt.

Dabei geht es, so Alt, »richtig ans

Eingemachte«. Im Sinne der gegenseitigen

Beratung wird der jeweilige Betrieb

analysiert, Prozesse und Abläufe unter

die Lupe genommen und Verbesserungsvorschläge

erarbeitet. »Das hat

uns einen richtigen Schub nach vorne

gebracht«, ist auch Elke Alt von dem

vom Fachverband organisierten und

moderierten Erfa-Austausch begeistert

Für dds beschreibt Norbert Alt, wie

er heute arbeitet. Zu Beginn bietet seine

Frau, sie ist Gestalterin im Handwerk,

den Kunden eine Farbberatung auf Basis

des sog. »Frieling-Testes« an (Info u. a.

98

unter www.lichtundfarbe.at). Die dauert

nicht sehr lange, gibt aber Aufschluss

darüber, zu welchen Farben, Mustern

und Materialien der Kunde sich hingezogen

fühlt. Alt: »Das kürzt den Beratungsprozess

gewaltig ab.« Dann erstellt

er mit Palette-CAD eine Präsentation.

Hier berücksichtigt er nicht nur seine

Möbel, sondern auch Vorhänge, Wandfarben,

Bodenbeläge, Licht etc. Dem

Kunden bietet er an, die angrenzenden

Gewerke mit zu koordinieren bzw. die

Leuchten, Accessoires usw. zu liefern.

Das überzeugt offensichtlich, denn, so

der Schreinermeister: »In der Regel erhalten

wir daraufhin den Zuschlag.«

Foto: H. Graffé, dds

Ein typischer Auftrag

Da war z. B. der Auftrag für die Umgestaltung

des Wohn- und Esszimmers bei

einem Paar jenseits der 50. Hier war außer

der Schreinerei Alt der Ofenbauer,

Elektriker, Trockenbauer und Raumausstatter

gefragt. Der Gesamtauftragswert

betrug rund 50 000 Euro. Die komplette

Gestaltung kam von Norbert Alt. Grundsätzlich

zieht er das Empfehlungsmodell

dem Gerneralunternehmermodell vor,

d. h. die Handwerker rechnen direkt mit

dem Kunden ab. Bei Alt laufen lediglich

die Fäden zusammen. Im konkreten Fall

fielen rund 25 Stunden für die Koordinierung

an, die er den Kunden auch in

Rechnung gestellt hat. Angesichts des

Gesamtauftragswertes ein kleiner Betrag,

der jedoch viel dazu beitrug, »dass

die Auftraggeber davon schwärmen, wie

gut alles gelaufen ist«.

Ein Mann, ein Projekt

Was die Arbeit in der Werkstatt angeht,

vertritt Norbert Alt eine eigene Philosophie:

»Jeder muss alles können«. Alle

sechs Mitarbeiter ziehen ihre Aufträge

von der Planung über die CNC-Bearbeitung

bis zur Montage selbstständig

durch. Deshalb stehen in dem Kleinbetrieb

auch drei CAD-Arbeitsplätze zur

Verfügung. Diese Konzept verlangt von

den Mitarbeitern viel Know-how und

Flexibilität, sorgt allerdings auch für eine

hohe Arbeits- und nicht zuletzt Kundenzufriedenheit,

da sich jeder Mitarbeiter

voll mit »seinem« Auftrag identifiziert.

Vorteilhaft für Alt ist zudem, dass

die Mitarbeiter Termine mit den Kunden

selbst abstimmen und er dadurch deutlich

entlastet wird.

Natürlich fallen bei Alt auch die üblichen

Klein- und Kleinstaufträge an, die

jeder Betriebsinhaber kennt. Doch die

Zahl der Projekte, bei denen es »ums

Ganze« geht, nimmt zu. Zur Zeit sind es

drei bis vier pro Jahr. Um dieser Entwicklung

gerecht zu werden, denkt Alt

über die Aufstockung seines Personals

nach. Und die Vergrößerung der Werkstatt

und des Ausstellungsraumes ist ohnehin

bereits lange geplant. HJG

Hintergrund

Entspannt modernisieren

Die Qualitätsgemeinschaft »Entspannt

modernisieren« hat sich zum Ziel

gesetzt, Tischler und Schreiner zum

zentralen Punkt im Netzwerk der unterschiedlichen

Handwerker zu machen, die

gemeinsam Modernisierungsaufträge abwickeln.

Gegründet wurde sie 2005 von

den Fachverbänden des Tischler- und

Schreinerhandwerks in NRW, Niedersachsen

und Bayern und dem Holzwerkstoffhersteller

Egger. Mittlerweile steht

Entspannt modernisieren Innungsbetrieben

aus ganz Deutschland offen. Kernpunkte

der gemeinsamen Arbeit sind

Qualifizierung und Erfahrungsaustausch.

www.entspannt-modernisieren.de

dds das magazin für möbel und ausbau 10/2011

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