Baubrief 7 - Regierung von Mittelfranken - Bayern

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Baubrief 7 - Regierung von Mittelfranken - Bayern

Energieeffizientes Bauen

Energetische Modernisierung der Infrastruktur in Kommunen - Konjunkturpaket II

Der fortschreitende Klimawandel,

die Endlichkeit fossiler Energieträger

und der steigende Ressourcenverbrauch

haben den Klimaschutz

und die dafür notwendige

nachhaltige Energieversorgung zu

einer der Kernaufgaben unserer

Zeit gemacht. Bei der grundlegenden

Neubewertung der Energiepolitik

steht nun insbesondere die

Reduzierung der klimaschädlichen

CO2-Emissionen im Vordergrund.

Um dieses Ziel der Energiewende

zu erreichen, ist neben dem Ausbau

der regenerativen Energiever-

sorgung insbesondere die Nutzung

von Einsparpotentialen und eine

Steigerung der Energieeffizienz

nötig. Der energetischen Sanierung

unseres Gebäudebestandes

kommt bei der Reduktion des

Energieverbrauchs eine zentrale

Rolle zu. Der Bund, der Freistaat

Bayern sowie die öffentliche Hand

insgesamt sind sich dabei ihrer

Vorbildfunktion bewusst und haben

deshalb mit dem Konjunkturpaket

II einen zukunftsweisenden

Weg beschritten. Mit der Darstellung

vorbildlicher Beispiele der

energetischen Gebäudesanierung

in diesem Baubrief sollen Städte,

Kommunen und Privatpersonen

ermuntert werden, bereits geplante

oder begonnene Maßnahmen auf

diesem Gebiet konsequent weiterzuverfolgen

und so zu einer der

Schlüsselaufgaben des 21. Jahrhunderts

einen Beitrag zu leisten.

Dr. Thomas Bauer

Regierungspräsident

Juli 2012

Grundschule Dürrwangen nach der energetischen Sanierung im Konjunkturpaket II 2011 Bild: ING+ARCH


Die energetische Modernisierung der Infrastruktur in Kommunen nach

dem Zukunftsinvestitionsgesetz (ZuInvG) - Konjunkturpaket II

Die weltweite Finanzkrise in den

Jahren 2008 und 2009 führte auch

in Deutschland zu einem deutlichen

Konjunktureinbruch. Mit der

Verabschiedung des Zukunftsinvestitionsgesetzes

im März 2009

zur Umsetzung des zuvor beschlossenen

Konjunkturpakets II

mit einem Fördervolumen von rund

14 Mrd. Euro für Investitionen in

die Infrastruktur von Bund, Ländern

und Kommunen gelang es,

der Wirtschaft und dem Arbeitsmarkt

wichtige Impulse zu geben.

Bayern erhielt davon 1,96 Mrd.

Euro und der Anteil für Mittelfranken

lag einschließlich des Eigenbetrags

der Vorhabensträger bei

195 Mio. Euro.

Investitionsschwerpunkte

Der Freistaat Bayern nutzte das

Förderprogramm für Investitionen

in die zentralen Zukunftsbereiche

Bildung, Forschung, Klimaschutz

und Infrastruktur. Die Fördermittel

wurden regional ausgewogen in

den Bereichen Dorferneuerung,

Rathaus der Stadt Fürth

Energetische Modernisierung eines denkmalgeschützten Rathauses und Beheizung mit innovativer Technik

Vorhaben: Königstraße 86

90762 Fürth

Bauherr: Stadt Fürth

Architekt: Keim Architekten, Fürth

Technik: Eigenplanung Stadt Fürth

Primärenergiebedarf: 167,0 kWh/(m²a)

Einsparung: 65 %

Endenergiebedarf: 136,5 kWh/(m²a)

Einsparung: 26 %

Die Förderung ermöglichte es der

Stadt Fürth, bei ohnehin bestehendem

Sanierungsbedarf, ein

zukunftsweisendes Heizsystem

einzubauen, welches die thermischen

Potentiale des Abwassers

als regenerative Wärmequelle zur

Beheizung des Rathauses nutzt.

Zum Einsatz kam eine Wärmepumpenanlage

mit Wärmerückgewinnung

aus dem Abwasserkanal,

die an sehr kalten Tagen durch die

Zuschaltung eines neuen Gasbrennwertkessels

unterstützt wird.

Zusätzlich wurde die Regelungs-

Städtebau, Infrastruktur, Straßenbau,

Krankenhausbau, Breitbandförderung,

Hochwasserschutz sowie

bei der Lärmsanierung eingesetzt.

Kernstück war die energetische

Modernisierung der kommunalen

Infrastruktur. In Mittelfranken

bewarben sich die Träger von

1.119 Objekten um eine Förderung.

Ausgewählt wurden 246 Schulen,

Kindergärten, Kindertageseinrichtungen,

sonstige Bildungseinrichtungen

und kommunale Verwaltungsgebäude,

die mit rund 110

Mio. Euro gefördert werden konnten.

Die mehr als 4-fache Überzeichnung

des Programms verdeutlicht

das große Interesse und

den umfangreichen Sanierungsbedarf

des Gebäudebestandes.

Förderfähige Kosten

Neben den energetischen Maßnahmen

zur Verringerung der

Transmissionswärmeverluste oder

der energetischen Verbesserung

der Gebäudetechnik waren auch

sonstige untergeordnete Maßnah-

technik von Heizung und Beleuchtung

optimiert sowie eine Lüftungs-

anlage mit Wärmerückgewinnung

eingebaut. Kellerdecke und oberste

Geschossdecke wurden gedämmt.

Im Rahmen des Wettbewerbs

"Kommunen für den Klimaschutz"

erhielt die Stadt Fürth

men, wie die Erneuerung der Anstriche

und Böden oder Maßnahmen

des Brandschutzes und der

Barrierefreiheit, förderfähig. In

geringem Umfang konnte auch die

notwendige Ausstattung von Schulen

bezuschusst werden.

Erzieltes Ergebnis

Alle Projekte konnten bis zum

Laufzeitende der Förderung am

31.12.2011 baulich umgesetzt und

die bewilligten Zuschüsse ausbezahlt

werden. Die Vorteile sind

enorm: Durch die Sanierungen

werden die Heizkosten um fast

3,55 Mio. Euro reduziert, was einer

rechnerischen Einsparung von ca.

4,15 Mio. Liter Heizöl entspricht.

Zusätzlich wurden der Primärenergiebedarf

um 45 % sowie die

klimaschädlichen CO2-Emissionen

um ca. 13.000 Tonnen gesenkt.

Neben der Stärkung der

Bauwirtschaft war das Programm

ein wichtiger Beitrag für die Umwelt

und ein großer Schritt in Mittelfranken

hin zur Energiewende.

Bild: Stadt Fürth

für das Rathaus den 1. Preis. Die

Auszeichnung unterstreicht die

Vorbildfunktion der Maßnahme in

Bezug auf die Nutzung innovativer

und ressourcenschonender Technologien

zur Energiegewinnung

unter strikter Beachtung des Denkmalschutzes.


Neues Gymnasium Nürnberg

Energetische Modernisierung eines denkmalgeschützten Schulgebäudes mit Ziegelmauerwerk

Vorhaben: Weddigenstraße 21

90478 Nürnberg

Bauherr: Stadt Nürnberg

Architekt: Baum-Kappler Architekten

Nürnberg

Primärenergiebedarf: 42,7 kWh/(m²a)

Einsparung: 24 %

Endenergiebedarf: 193,0 kWh/(m²a)

Einsparung: 50 %

Das Neue Gymnasium ist einer der

größten Schulkomplexe der Stadt

Nürnberg. Das Bauwerk entsprach

dem energetischen Standard seiner

Bauzeit von 1957-60 und steht

unter Denkmalschutz. Ziel der

Sanierung war die Unterschreitung

des Neubaustandards nach der

Energieeinsparverordnung (EnEV)

von 2007. Um den prägenden

Charakter des Ziegelsichtmauerwerks

und dessen Fernwirkung zu

erhalten, erfolgte in Abstimmung

mit dem Bayerischen Landesamt

für Denkmalpflege die Dämmung

der Fassade auf der Außenseite

mittels Wärmedämmverbundsystem

mit Putzoberfläche bzw. Klin-

Vorhaben: Am Kreuzweiher 7

91746 Weidenbach

Bauherr: Bezirk Mittelfranken

Architekt: Haindl + Kollegen

München

Primärenergiebedarf: 35,0 kWh/(m²a)

Einsparung: 87 %

Endenergiebedarf: 48,6 kWh/(m²a)

Einsparung: 76 %

Der hohe Energieverbrauch war

ausschlaggebend für die umfassende

Sanierung des Schulhauses.

Gefördert wurde neben den

energetischen Maßnahmen auch

der Einbau eines Aufzuges zur

barrierefreien Erschließung des

Gebäudes. Wesentliche Bestandteile

des Sanierungskonzepts waren

sowohl die Dämmung der Fassade

- teilweise mit Faserzementplatten

bzw. Holzlamellen verkleidet

- als auch der Bodenplatte und

der obersten Geschossdecke.

Ebenso trugen die Dreifachver-

kerriemchen und an der Innenseite

mit Calcium-Silikat-Platten.

Weitere Maßnahmen zur Verringerung

der Energieverluste waren

der Einbau neuer Holz-Alu-Fenster

mit Sonnenschutz und die Dämmung

der obersten Geschossdecke.

Die Regelungstechnik der

Heizungs- und Lüftungsanlage

wurde optimiert sowie das Heizsystem

hydraulisch abgeglichen.

Staatliche Technikerschule Triesdorf

Energetische Modernisierung eines Schulgebäudes annähernd auf Passivhausstandard

glasung der Fenster, die Beheizung

mit Fernwärme aus Biogas

und Hackschnitzeln, die Steuerung

der Beleuchtung über Präsenzmel-

der und Tageslichtsensoren sowie

der Einbau einer Lüftungsanlage

mit Wärmerückgewinnung zum er-

zielten Energiestandard von 35,0

Bild: Stadt Nürnberg

Zusätzlich sind die Sanitäranlagen

erneuert und Akustikdecken eingebaut

worden. Das Gebäude hat

durch die innovativen und individuellen

Lösungen seine Denkmalwürdigkeit

behalten und ist damit

ein hervorragendes Beispiel für die

energetische Sanierung eines

Denkmals auf Neubauniveau sowie

den sensiblen Umgang mit

historischer Bausubstanz.

Bild: Haindl + Kollegen

kWh/(m²a) bei. Die Energieeffizi-

enz der durchgeführten Maßnahmen

zeigt sich daran, dass das

Schulgebäude mit Abschluss der

Modernisierung annähernd Passiv-

hausstandard erreicht; auch konnte

die architektonische Qualität des

Bauwerks gesteigert werden.


Kindergarten St. Martin Wörnitz

Energetische Modernisierung eines Kindergartens mit Unterschreitung des Neubauniveaus nach der EnEV

Vorhaben: Schillingsfürster Straße 7

91637 Wörnitz

Bauherr: Gemeinde Wörnitz

Architekt: SK12 Michael Büchler

Unterampfrach

Primärenergiebedarf: 134,0 kWh/(m²a)

Einsparung: 62 %

Endenergiebedarf: 102,0 kWh/(m²a)

Einsparung: 69 %

Der in Holzständer- und Massivbauweise

errichtete Kindergarten

wies vor der Sanierung aufgrund

des vorhandenen Dämmstandards

und konstruktiv bedingter Wärmebrücken

einen großen Heizenergieverbrauch

auf. Um die energetische

Qualität des Gebäudes und

insbesondere der Hülle zu verbessern,

wurden sowohl die Fassade

und das Dach gedämmt, als auch

neue Holz-Alu-Fenster eingebaut.

Zu einer weiteren Reduzierung der

Wärmeverluste trugen die Optimierung

der Wärmebrücken und die

Das wachsende Umweltbewusstsein,

die steigenden Energiepreise

und das Bedürfnis nach zeitgemäßem

Wohnkomfort führen dazu,

dass immer mehr Hauseigentümer

über die energetische Sanierung

ihrer Gebäude nachdenken. Häuser

mit geringem Dämmstandard

oder veralteter Anlagentechnik besitzen

ein großes Einsparpotenzial.

Kopplungsprinzip

Das Kosten-Nutzen-Verhältnis und

die Amortisation der energetischen

Sanierung sind letztlich die Kriterien

für oder gegen deren Umsetzung.

Die Wirtschaftlichkeit wird

durch die Kombination von energetischen

Maßnahmen mit baulich

ohnehin notwendigen Instandhaltungsarbeiten,

den sog. „Sowieso-

Kosten“, gesteigert. Bauliche Mängel

durch Alterung und Abnutzung

fallen bei jedem Gebäude an und

mithilfe des "Kopplungsprinzips"

können Synergieeffekte genutzt

und Kosten gespart werden.

Beseitigung von Undichtigkeiten

bei. Einen weiteren wichtigen Bestandteil

des Sanierungskonzeptes

stellte neben den baulichen Maßnahmen

auch der Einbau einer

Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung

dar. Insgesamt kann

festgestellt werden, dass der er-

Beispiel:

baulich notwendige Maßnahme:

Sanierung der Putzfassade

gekoppelte Energiesparmaßnahme:

Fassadendämmung

"Sowieso-Kosten" für:

Gerüststellung, Ausbessern des

Putzes und Abschlagen loser Teile

energiebedingte Mehrkosten für:

Lohn- und Materialkosten für die

Wärmedämmung sowie bautechnisch

bedingte Mehrkosten

Abgestimmtes Gesamtkonzept

Jedes Objekt ist aufgrund seiner

Bausubstanz sowie Bauweise

unterschiedlich und muss als Gesamtsystem

aus Hülle und Technik

betrachtet werden. Um Fehlinvestitionen

und Bauschäden zu vermeiden,

sollte ein Architekt oder

Energieberater zu Rate gezogen

werden, welcher ein energetisch

sinnvolles und optimal auf das

Gebäude sowie die Bedürfnisse

der Bewohner abgestimmtes Gesamtkonzept

erstellt.

Bild: SK12 Michael Büchler

zielte Primärenergiebedarf von

134,0 kWh/(m²a) das Neubauniveau

der Energieeinsparverordnung

von 2009 um ca. 25 % unterschreitet

und die durchgeführten

Maßnahmen damit die energetische

Qualität der Sanierung dokumentieren.

Tipps für die energieeffiziente und kostenbewusste Gebäudesanierung

HERAUSGEBER

Regierung von Mittelfranken

Sachgebiet 35 - Wohnungswesen

Promenade 27, 91522 Ansbach

www.regierung.mittelfranken.bayern.de

BEITRÄGE UND GESTALTUNG

Gerhard Binner

Michael Grüning

Sibylle Büschl

Lars Heßlinger

Investition in die Zukunft

Energiesparen ist ökologisch und

ökonomisch sinnvoll. Unabhängig

von der Gebäudesanierung sollte

in jedem Fall der persönliche

Energiebedarf unter Beachtung

dieser Punkte überprüft werden:

� Änderung individueller Verhaltensweisen,

um unnötigen Energieverbrauch

zu vermeiden

� Effiziente Nutzung der bei Anlagen,

Geräten und Gebäuden eingesetzten

Energie

� Vorwiegende Nutzung regenerativer

Energiequellen

Modernisieren zahlt sich nicht nur

beim Klimaschutz und der Sicherstellung

der Energieversorgung

aus. In erster Linie reduzieren sich

die Betriebs- und Unterhaltskosten

bei steigendem Immobilienwert

und Wohnkomfort des Gebäudes.

Weiterführende Informationen

www.regierung.mittelfranken.bayern.de

www.wohnen.bayern.de/energie

www.gebaeude-und-energie.bayern.de

LAYOUT

Heidi Wostratzky

Birgit Leidenberger

Yvonne Egersdörfer

DRUCK

Schmidt Druck GmbH, Ansbach

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