26-29 Botanisches - Natürlich

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26-29 Botanisches - Natürlich

NATUR

Wanderung

Botanisches

Vergnügen

26 Natürlich | 4-2003

Auf den Fluren und in den Gärten ist das Pflanzenleben neu erwacht.

Überall begegnet man wieder den leuchtenden Naturfarben. Wer sich an

den blühenden und duftenden Gewächsen des Frühlings erfreuen

und gleichzeitig seine Kenntnisse der Pflanzenwelt erweitern und vertiefen

will, ist im Basler Merian Park, dem Botanischen Garten in Brüglingen,

am richtigen Ort.

Text und Fotos: Bruno Vonarburg


Eingebettet zwischen St. Jakobshalle,

Birs und Dreispitz erstreckt sich

eine talartige Landschaft, in der sich

die Natur-Oase des Merian Parks

ausbreitet. Ursprünglich befand sich hier

das Hofgut Unterbrüglingen mit Mühle,

Herrschaftshaus und Garten. Schon zu

Beginn des 18. Jahrhunderts wurden in der

Ebene des damaligen Pächterhauses zahlreiche

Zier- und Nutzgärten angelegt. Besitzer

war der Agronom Christoph Merian,

der den landwirtschaftlichen Grossbetrieb

bis zu seinem Tod 1858 leitete. Er ver-

Villa im Merian Park von

Brüglingen: eine Naturoase

machte sein ganzes Besitztum «seiner

lieben Vaterstadt Basel», wobei die Anlage

im Laufe der Jahre immer wieder vergrössert

wurde.1968 stellte die Christoph-

Merian-Stiftung das Gebiet und die Gebäude

des heutigen Merian Parks für die

Dauer von 100 Jahren kostenlos zur Schaffung

eines Botanischen Gartens zur Verfügung.

Im Juli 1968 konnte dann der Garten

gegründet werden und bietet heute mit

einer Fläche von über 13,5 ha vielfältige

Möglichkeiten, sich der Natur auf besondere

Art zu nähern.

Ort der Erholung

Die vielen standortheimischen Pflanzengesellschaften,

historischen Pflanzensammlungen,

Wiesen, Waldbereiche,

Bienenweiden, Quelltümpel, Feucht- und

Trockenbiotope sind Orte, an denen man

sich erholen, besinnen und erfreuen kann.

Bemerkenswert sind die taxonomisch

konzipierten Reviere als Sammelbezirke

für Pfingstrosen, Clematis, Kletterpflanzen,

Fleisch fressende Pflanzen, Kübelpflanzen,

Efeu-Gewächse, Fuchsien, Schmetterlingsblütler

und Rhododendren.

In einem Bestimmungslabyrinth kann

man lernen, mit einfachen Begriffen der

Einzigartige Blütenpracht: Pfingstrose (Paeonia suffruticosa)

Wanderung NATUR

Botanik umzugehen, und im Nutzpflanzengarten

findet man die wichtigsten Färber-,

Faser- und Nahrungspflanzen. Ein Höhepunkt

des Parkes ist der Arzneipflanzengarten,

der seinerzeit anlässlich der Landesgartenschau

«Grün 80» unter der Leitung

von Kurt Schaub durch den Schweizerischen

Drogisten-Verband angelegt wurde.

Bei einem Besuch des Parks kommen

alle auf die Rechnung: Man kann die einheimischen

und exotischen Pflanzen bewundern,

sich inmitten stiller Natur-Inseln

entspannen, das Kutschen- sowie das

Mühlemuseum besichtigen, sich auf dem

Kinderspielplatz tummeln oder sich im

Restaurant stärken und erfrischen.

Besondere

Sehenswürdigkeiten

Der Botanische Garten mit seiner vielgestaltigen

Architektur ist ein Kleinod, wie

es weitherum kaum zu finden ist. Mitten

durch die Anlage fliesst in einem alten Birskanal

der «Dyych», umsäumt von Sträuchern

und Bäumen. Entlang des Gewässers

führt ein Mergelweg, zuerst zwischen

hohen und alten Buchen, dann durch ein

dichtes Bambuswäldchen zum Merianhaus,

wo sich das Café befindet. Überall

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NATUR

Wanderung

zweigen kleine Nebenpfade ab, die zu verschiedenen

Ausstellungsbezirken führen.

Ein spezieller Plan gibt Auskunft über die

verschiedenen Bereiche und Sammlungen.

Rhododendrontal. Im Reich der Rhododendren

(Bezirk 23) fühlt man sich beim

Anblick der wunderschönen Blütenpracht

ins Himalaja-Gebiet versetzt. Aus der vielfältigen

Gattung der Rhododendren mit

rund 1000 verschiedenen Arten findet man

ein paar berühmte Vertreter, welche aus

der Sammlung von Dr. H. C. Robert von

Hirsch stammen. Sie bilden in den Frühlingsmonaten

April bis Mai ein zauberhaftes

Blütenmeer.

Clematis-Sammlung. Die Gattung

Clematis aus der botanischen Familie der

Hahnenfussgewächse (Ranunculaceae) mit

weltweit ungefähr 500 Arten ist im 4. Bezirk

zu bewundern. Man kennt die Wildform

dieser Pflanzen unter dem Namen

«Waldrebe» oder «Niele». Bei den grossblumigen

gezüchteten Clematis im Merian

Park handelt es sich um Kreuzungen

zwischen einigen wenigen Arten (Clematis

viticella, florida, patens, lanuginosa, tenxensis),

die seinerzeit Hans R. Horn dem

Botanischen Garten überlassen hatte. In

der Sammlung findet man auch Wildarten

wie Clematis alpina, C. montana, C. orientalis,

C. viticella, C. virginiana und C. vitalba,

welche im Frühling allesamt wunderschöne

Blüten entfalten.

Pfingstrosensammlung. Die Paeonien-

Zuchtgruppen im Bezirk 3 stammen aus

Informiert über die einzelnen Bezirke: Orientierungsplan

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Ausstellung von

mediterranen Pflanzen:

Kübelpflanzen-Sammlung

der Sammlung von Helene von Stein, geb.

Gräfin von Zeppelin. Die Pflanzengattung

(Paeoniaceae) umfasst 33 Arten und ist

nach Paeon, dem Götterarzt der griechischen

Mythologie, benannt. Sie erblühen in

der Zeit zu Pfingsten in bewundernswerter

Farbe und Gestalt. Wegen ihrer einzigartigen

Blumenpracht gelangten schon früh

Wildformen von östlichen Paeonien in

die kaiserlichen Gärten der alten Chinesen.

Im 6. Jahrhundert (Sui-Dynastie) entwickelte

sich ihre Kultur zu einer Leidenschaft,

wobei sie mit der Zeit über Japan

auch in Europa eingebürgert wurden, so

z. B. Paeonia mlokosewitchii oder Paeonia

suffruticosa.

Silberhang. Im 5. Bezirk wird der

Besucher in ein Terrain geführt, welches

vorwiegend von Stauden und Kleinsträuchern

mit silbrig schimmernden Blättern

und blau-violetten Blüten bestimmt wird.

Es ist, als ob Tausende von Silbermünzen

mit schimmerndem Glanz auf die Erde

gefallen wären.

Nutzpflanzengarten. Im Bezirk 8 des

Nutzpflanzengartens finden sich einheimische

Stauden und Sträucher, welche seit

frühster Zeit als Nahrungs-, Färber-, Faserund

Arzneipflanzen dienten. Hier informieren

spezielle Tafeln über die Signaturenlehre,

Zauberpflanzen und Wundarzneien,

aber auch über Seuchen und

Plagen im Mittelalter.

Bestimmungslabyrinth. Eine Tafel informiert

über den Zweck dieses 9. Bezir-

Foto: Jürg Füglistaller

Hilfreiche Informationen

Adresse

Merian Park

Botanischer Garten in Brüglingen AG

Vorder Brüglingen 5

4052 Basel

Telefon 061 319 97 80

Fax 061 311 87 84

info@bogabrueglingen.ch

www.bogabrueglingen.ch

Öffnungszeiten

Park: täglich von 8.00 Uhr bis zum Einbruch

der Dunkelheit (Eintritt frei)

Café Merian: täglich ab 9.00 Uhr bis

Sonnenuntergang

(Anlässe nach Absprache,

Telefon 061 311 24 54)

Mühlemuseum: täglich ab 9.00 Uhr bis

zum Einbruch der Dunkelheit

(Eintritt frei, Telefon 061 226 33 33)

Kutschenmuseum: Mittwoch, Samstag und

Sonntag jeweils 14.00 bis 17.00 Uhr

(Für weitere Fragen: Historisches Museum

Basel, Telefon 061 205 86 19)

Verkehrsverbindungen

Dank der guten Verkehrsverbindungen

ist der Merian Park schnell und einfach

erreichbar.

Ab Basel Bahnhof SBB direkt mit Tram

Nr. 10 und 11 bis Dreispitz

(Eingang West) oder weiter mit Tram Nr. 10

bis Neue Welt (Eingang Süd)

Fahrplan Schweizerische Bundesbahnen:

www.sbb.ch

Fahrplan Basler Verkehrsbetriebe:

fahrplan.mybasel.ch


kes: «Will man sich mit dieser Vielfalt

zurechtfinden, bedarf es einer Auseinandersetzung

mit dem Detail. Denn nur

genaue Beobachtung führt zum Entwirren

des verschlungenen Pfades durch die Fülle

der Formen. Dies entspricht einer Grundidee

der alten Labyrinthe. Wir laden Sie

ein, eine ausgewählte Pflanze genau zu

betrachten, denn genaues Beobachten

lässt Gemeinsames in der Vielfalt der Pflanzenwelt

erkennen». Mit dieser Aufforderung

wird der Besucher ins Labyrinth geführt,

wo sich die Pflanzen durch einfache

Fragen/Antworten spielerisch bestimmen

lassen.

Bauerngarten. Im Bezirk 11 wird den

Besuchern aufgezeigt, welche Bedeutung

der Hausgarten für die Versorgung der

Familie besitzt – trotz stetigem Wandel hat

er eine uralte Tradition. Dieses Anbaugebiet

war die Domäne der Bäuerin. Sie bestimmte,

welches Kräutlein in den Garten

kommt und welches nicht mehr angepflanzt

wird. Die Beete, in Form von Rechtecken

angelegt, sind mit Buchs, Federnelken

oder Studentenblumen umsäumt.

Die Mitte des Gartens ist dem Gemüse

und den Kräutern vorbehalten.

Weitere Sehenswürdigkeiten. der Eichen-

und Hagebuchenwald, das Feuchtbiotop,

die Kletterpflanzen-Sammlung, die

Fleisch fressenden Pflanzen, der Farbhügel

mit Glockenblumen und Korbblütlern,

die Kübelpflanzen-, Efeu-, Fuchsien-, Iris-,

Zwiebel- und Gräser-Sammlung, Schmetterlingsblütler,

der Englische Landschaftspark,

die verschiedenen Wiesentypen, die

Tagfalteranlage, das Trockenbiotop und

der Staudenbezirk. Darüber hinaus besteht

die Möglichkeit, die Museumsscheune, die

Gewächshäuser und das Bienenhaus zu

besuchen. Wer alle Bezirke und Sammlungen

des Merian Parks besichtigen will,

muss sich dafür mindestens einen Tag Zeit

nehmen.

Wanderung NATUR

Einzigartiger Kräutergarten

Der Arzneipflanzenbezirk im Zentrum des Merian Parks ist nach

Plänen alter Klostergärten erstellt worden. Er wird umrahmt von

einem sehenswürdigen alten Hofgut und der Orangerie, die zur über

dem Areal thronenden Villa Merian gehört. Die über 350 kultivierten

Pflanzenarten geben einen Einblick über das Heilangebot der Natur.

Alles, was auf natürliche Weise gesund macht, ist übersichtlich in

Reih und Glied ausgestellt: Goldruten für die Niere, Mariendistel für

die Leber, Sonnenhut zur Immunstärkung, Tausendgüldenkraut

gegen Magenbeschwerden, Hauhechel gegen Gicht, Käslikraut für

die Wundheilung, Spierstaude zur Linderung von Schmerzen, Lavendel

bei Wetterfühligkeit, Rosmarin zur Kreislaufförderung, Thymian

gegen Erkältung, Artischocke bei erhöhten Blutfettwerten, Zitronenmelissen

zur Herzberuhigung u.a.m. Dicht daneben stehen die

Heilsträucher: der Hopfen für den guten Schlaf, der Weissdorn fürs

Herz, der Holunder gegen Fieber, der Faulbaum bei Verstopfung, der

Sanddorn als natürlicher Vitamin-C-Spender, der Mönchspfeffer bei

Menstruationsbeschwerden, die Passionsblume für die Nerven u. a.

Auch homöopathische Pflanzen sind zu finden, z.B. die Küchenschelle

(Pulsatilla pratensis), der Wasserschierling (Cicuta virosa),

die Herbstzeitlose (Colchicum autumnale), der Blaue Eisenhut

(Aconitum napellus), die Tollkirsche (Atropa belladonna), das Frühlingsadonisröschen

(Adonis vernalis), die Traubensilberkerze

(Actaea racemosa), das Maiglöckchen (Convallaria majalis), der

Stechapfel (Datura stramonium), der Rote Fingerhut (Digitalis

purpurea), das Bilsenkraut (Hyoscyamus niger), der Schierling

(Conium maculatum), der Bittersüsse Nachtschatten (Solanum

dulcamara) u.v.a.m.

Über 350 Pflanzenarten: Arzneipflanzenbezirk

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