Bamberg 26.02.2007 Sandblatt - Leben findet Innenstadt

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Bamberg 26.02.2007 Sandblatt - Leben findet Innenstadt

Sandblatt

D i e S t a d t t e i l z e i t u n g f ü r d e n S a n d Jg. 2 | 1.Quartal 2008

GASTKOMMENTAR

Ein Donnerstagmittag Anfang Februar:

Ich gehe Leberkäs-Brötchen holen und

weil ich weiß, dass ich dieses Grußwort

schreiben soll, nehme ich die Sandstraße

plötzlich bewusster wahr als sonst, sehe

die Fassaden von unten bis oben, höre

Gespräche und Geräusche. Und bemerke,

dass es Vergnügen bereitet jetzt durch die

Sandstraße zu gehen. Da ist soviel Anfang!

Das ist in dieser Jahreszeit noch stärker zu

spüren als im Sommer, wenn die leiseren

Töne im Gedränge verschwinden. Noch

hat sich das Potential, das dieses Gebiet

bereithält, nicht voll entfaltet, manches ist

noch im Knospenzustand, manches ist ein

bisschen rau und ungelenk. In das neue

Pflaster muss noch Leben hineingelaufen

werden, viele Häuser brauchen noch Farbe

und Blumen. Vor allem aber versteckt sich

der ungeheuere Schatz an Geschichte, den

gerade die „Sandstadt“ ihr Eigen nennt,

noch weitgehend hinter den Fassaden.

Die Sandstraße ist eine der ältesten Straßen

Bambergs, hier begann die Entwicklung

der „Stadt“. Die Bewohner der

Sandstadt haben als erste erkannt, dass

sie gemeinsam stärker sind als die Einzelnen,

hier bildete sich der erste Stadtrat,

stand das erste Stadtgericht, lag der erste

Marktplatz Bambergs. All das – die Hoch-

Zeiten und die Tiefpunkte, die Brände,

Überschwemmungen und Kriege, die

Repräsentationslust der reichen Bürger

und der Überlebenswille der Armen, die

Kunstfertigkeit der Handwerker und der

Wechsel der Handelsgewohnheiten – all

das hat seine Spuren hinterlassen, die im

Sandgebiet gespeichert sind wie auf einer

Festplatte. Man muss sie nur öffnen und

lesen lernen, z. B. in den fantastischen

Kellern der Häuser, die früher, als der

Boden noch um Meter tiefer lag, deren

Grundgeschosse waren mit dem Eingang

zur Straße – Schätze, vielfach verborgen

bis heute.

Es ist gut, dass das Sandblatt mit seinen

Hausgeschichten und Berichten zur Archäologie

und zur Restaurierungen diesem

Schatz auf der Spur bleibt.

Es ist gut, dass das innovative Modellvorhaben

Leben findet Innenstadt“ zur Erneuerung

gerade der Sandstadt angewandt

wurde und das Welterbe-Zentrum ist stolz

darauf, mit dem Adhoc-Projekt dazu beigetragen

zu haben. Besonders erfreulich

aber ist das Engagement, das die Bewohner

des „Sands“ auszeichnet. Das ist Heimatpflege

im allerbesten Sinn.

Dr. Karin Dengler-Schreiber

Leiterin des Welterbe-Zentrums

Die Obere Sandstraße einst... ... und jetzt Fotos: M. Schäfer, Th. Amm

Seit über zwei Jahren besteht inzwischen

die Interessengemeinschaft interesSAND…

sowie das gleichnamige Modellprojekt. Aufgrund

der erfolgreichen Arbeit des Vereins

kann das Modellvorhaben des Bayerischen

Innenministeriums „Leben findet Innenstadt

auch in Zukunft fortgesetzt werden.

Einen entsprechenden Beschluss hat der

Senat für Bauwesen und Stadtentwicklung

bereits im Dezember 2007 gefasst, nachdem

die Regierung von Oberfranken weitere

Mittel aus der Städtebauförderung zugesichert

hat.

Die IG interesSAND…, in der Vertreter aus

dem Sandgebiet und der Stadtverwaltung eng

an der Strukturverbesserung und der Aufwertung

des ältesten Stadtteils Bambergs arbeiten,

hatte maßgeblich Anteil daran, dass sich das

Sandgebiet in den letzten beiden Jahren so positiv

verändert hat. Während es im ersten Jahr

noch darum ging, die Übergangszeit bis zur

Neugestaltung der Oberen Sandstraße möglichst

attraktiv zu gestalten, wurde im letzten

Jahr vor allem die Phase der Umbauzeit kreativ

und konstruktiv begleitet.

Inzwischen ist die Obere Sandstraße verkehrsberuhigt

und lädt zum Flanieren ein. In den

nächsten Wochen werden die ersten Gastro-

INHALT DIESER AUSGABE

interesSAND... wird fortgeführt

Kommentar zum „Sand der Dinge“

Neue Beleuchtung im Sand

Mehr Fußgänger

Neugestaltung Elisabethenplatz

Reihen:

Über die Schulter geschaut: Schuhmacher

Portrait: Hofapotheke

Nachgefragt! : Die neue Beleuchtung

Poller aus aller Welt: Pompeji

Hausgeschichten: Dominikanerstraße 11

interesSAND… wird fortgeführt

nomen Tische und Stühle herausstellen und

damit für eine neue Atmosphäre in der Straße

sorgen. Das im Rahmen des Lichtmasterplans

Bamberg entwickelte Beleuchtungskonzept

für den Sand wurde in der Oberen Sandstraße

vorbildlich umgesetzt (siehe auch Seite 3).

Die erfolgreiche Arbeit des Vereins

interesSAND… wird nun dadurch belohnt,

dass er auch in Zukunft finanzielle Unterstüt-

Workshop

“Ideen für den Sand”

Die IG interesSAND... lädt alle Bewohner,

Eigentümer und Gewerbetreibenden im

Sand zu einem Workshop ein, bei dem u.a.

gemeinsam neue Ideen für den Sand erarbeitet

werden sollen. Der Workshop findet

statt am

Donnerstag, 6. März 2008

19.30 Uhr, Haas-Säle

zung erhält. Dabei ist vorgesehen, dass die IG

interesSAND… auch in den kommenden fünf

Jahren aus Mitteln der Städtebauförderung

Unterstützung für Ihre Arbeit erhält. Voraussetzung

ist jedoch jeweils die Zustimmung der

Stadträte zum jeweiligen Haushalt der Stadt

Bamberg.

Bisher sei man immer von einem zweijährigen

Modellprojekt ausgegangen, so Harald Spitzner,

der 1. Vorsitzende der IG interesSAND…

Die Perspektiven, die sich aus der neuen Situation

ergeben, freuen ihn. Innerhalb des

Vereinsvorstands habe man beschlossen, aufgrund

der neuen Ausgangslage gemeinsam

mit den Bürgerinnen und Bürgern im Sand

einen weiteren Workshop durchzuführen, bei

dem die bisher noch nicht umgesetzten Ideen

für den Sand auf den Prüfstand kommen, zugleich

aber auch neue Ideen für den Sand gesucht

werden sollen (siehe Kasten).

Beim Betrachten der Ergebnisse des ersten

Workshops, der im Juli 2005 stattfand, fällt

auf, das vieles von dem, was damals erarbeitet

wurde, bereits umgesetzt werden konnte.

Wichtig ist jetzt vor allem, die in den letzten

beiden Jahren begonnenen Maßnahmen wie

beispielsweise die Veranstaltung von Märkten,

nachhaltig im Gebiet zu verankern. M.S.


S a n d b l a t t 1.Quartal 2008 2

„Über die Schuler geschaut“ – Handwerksberufe im Sand

Oliver Saueressig an der Schleifmaschine.

Wer die Obere Sandstraße entlanggeht,

dem fallen die zahlreichen Ausleger an

den Häusern auf, die auf Handwerksbetriebe

und Gaststätten hinweisen. Ein großer

Stiefel an der Hausnummer 13 sowie eine

große blaue Fahne mit Fußmotiv deuten

auf einen Schuhmacher hin. Doch Oliver

Saueressig, der Inhaber des Betriebs, ist

kein herkömmlicher Schuhmacher, sondern

Orthopädieschuhmachermeister und

das bereits seit 1989, als er in Frankfurt am

Main seine Meisterprüfung absolvierte. Er

war damals übrigens deutschlandweit der

zweitjüngste Meister seines Handwerks.

Oliver Saueressig ist neben seinem Beruf

auch Stadtrat, er tritt jedoch bei der diesjährigen

Kommunalwahl nicht mehr an.

Der 41jährige, der nur ein paar 100 m weiter

im Sand groß geworden ist, betreibt

das Handwerk bereits in der 4. Generation.

Der Familie gehören zwei weitere Betriebe

in der Unteren Sandstraße und in der

Unteren Königstraße. Den Betrieb in der

Oberen Sandstraße führt Oliver Saueressig

seit 1991, als er das Geschäft von Adam

Göller übernahm. Göller richtete in seinem

auch als „Haus zum weißen Rösslein

Kontingent

10 Mio. €

Orthopädieschuhmacher Oliver Saueressig

Foto: M. Schäfer

im Sande“ bekannten Anwesen in den 50er

Jahren des letzten Jahrhunderts die heute

noch bestehende Schuhmacherwerkstatt

ein. Viel verändert hat sich seitdem gar

nicht. Die kleine Werkstatt mit ihren Holzwerkbänken

hat ihren eigenen, zeitlosen

Charme.

Aber was unterscheidet eigentlich einen

Schuhmacher von einem Orthopädieschuhmacher?

Die Hauptaufgabe eines

Orthopädieschuhmachers besteht in der

Anfertigung orthopädischer Maßschuhe.

Derzeit fertigt Oliver Saueressig für einen

besonderen Kunden beispielsweise maßgeschneiderte

Cowboystiefel an. Daneben

stellen er und seine beiden Teilzeit-Mitarbeiter

auch Einlagen her und vermessen

Beine für die Anfertigung von Kompressionsstrumpfhosen.

Ein weiteres Geschäftsfeld ist der Schuhverkauf;

hier steigt vor allem die Nachfrage

nach Diabetiker-Schuhen. Der Betrieb

führt zudem Schuhreparaturen oder andere

Arbeiten rund ums Leder durch.

Die Aufwertung des Sandgebiets unterstützt

er voll und ganz. Schwierig sei es

nur manchmal für die Kunden, die auf

das Auto angewiesen sind. Viele wüssten

gar nicht, dass man noch in die Sandstraße

fahren dürfe, so Saueressig. Aber er ist

optimistisch, dass sich die Leute in ein bis

zwei Jahren auf die neue Situation eingestellt

haben werden.

Sorgen macht sich Saueressig mehr um

die Folgen der Gesundheitsreform. Es

herrsche momentan eine starke Verunsicherung

im gesamten Gesundheitswesen,

erläutert er im Gespräch. Die Krankenkassen

sparen, Ärzte stellen weniger Verordnungen

aus und die großen Sanitätsbetriebe

verdrängen die kleineren Handwerker.

Eine Möglichkeit, auf die veränderten

Rahmenbedingungen zu reagieren, besteht

in der Ausweitung des Schuhverkaufs.

Er kann sich gut vorstellen, insbesondere

an die wachsende Zahl der Touristen die

passenden Schuhe für den sommerlichen

Stadtrundgang zu verkaufen.

M.S.

Ungebetener Kommentar zum „Sand der Dinge“

Jedes Wochenende

das gleiche Spiel:

man fragt sich, wo

kommen die bloß alle

her? Warum kommen

die ausgerechnet

nach Bamberg? “Die

Braut, die sich traut”,

“Manni‘s Junggesellenabschied”

oder

ähnlich Ungereimtes

steht auf ihren T-Shirts. Es ist nicht zum Aushalten!

Seit etwa zwei Jahren fällt ein besonders lustiges

Völkchen über das Sandgebiet her: die so genannten

Junggesellen/innenabschiede. Wenn sie

für sich feiern wollen, meinetwegen. Was mich

aber nervt ist, dass ich mitspielen soll. Ich habe

aber keinen Bock mehr, jedes Wochenende auf

der Sandstraße Kondome kaufen zu müssen; ich

bin es Leid, Pflümli oder ähnliche alkoholische

Ungenießbarkeiten aufgedrängt zu bekommen

- gegen Geld versteht sich. Es interessiert mich

ums Verrecken nicht, irgendwelche Bräute aus

den Hassbergen gegen Bezahlung zu küssen.

Verblüffend, wie sich der alte schlechte Ruf

der Sandstraße in den Köpfen festgesetzt hat.

Scheinbar überall in der näheren und weiteren

Umgebung gilt die Straße als Partyzone, in der

hemmungslos abgefeiert werden darf. Dann

kommt aber noch etwas dazu. Die alkoholgeschwängerte

“gute” Laune schlägt mitunter um.

“Wo sind denn hier die Mädels” will da einer

wissen. Was er erst auf Nachfragen herauslässt,

ist, dass er und seine Gruppe sich eigentlich in

der Sandstraße Table-Dance oder wenigstens

einen Strippschuppen erhofft hatten. Tja, dumm

gelaufen und den weiten Weg vergebens gemacht.

Hoffentlich schlägt da nicht Frustration in

Aggression um.

Das Ärgerliche ist, da gibt man sich Mühe die

Qualität des Gebietes zu steigern - es ist im

Vergleich zu früher wesentlich ruhiger geworden-

und dann fallen Horden von laut Grölenden

(beiderlei Geschlechts) über das Gebiet her und

führen die erfolgreiche Arbeit ad absurdum. Um

mich richtig zu verstehen, ich habe nichts gegen

ausgelassene Gäste, aber die Ballermannisierung

der Sandstraße ist nicht das Ziel des Umgestaltungsprozesses.

Fragt man in der Gastronomie nach, verdeutlicht

sich der Eindruck: Fast kein Gastronom

lässt solche Abschiede mehr in sein Lokal. Der

Grund ist ganz einfach, die normale Kundschaft,

und gerade diejenigen, die etwas essen wollen,

werden vertrieben. Der Umsatz, den solche Abschiede

bringen, steht nicht dafür. Was den Truppen

bleibt, ist die offene Straße. Das kann es aber

auch nicht sein.

Ich würde mir wünschen, dass alle in der Sandstraße

Aktiven sich an einen Tisch setzen und

Strategien entwickeln, um diesem Unfug einen

Riegel vorzuschieben. Jedem der in einem solchen

Trupp ins Gebiet kommt, sollte klar gemacht

werden, dass er sich nicht aufführen kann,

wie er will. Oder besser noch wäre eine überregionale

Kampagne, die klar macht, dass Junggesellen/innenabschiede

im Sandgebiet nichts

verloren haben.

Ihr Ekkehard Arnetzl

Mitglied der ig interesSAND

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S a n d b l a t t 1. Quartal 2008 3

Obere Sandstraße erstrahlt dank neuer Beleuchtung

Ein Blick in die nächtliche Obere Sandstraße

verrät: die denkmalgeschützten und alten

Gebäude erstrahlen in neuem Glanz.

Torbögen wirken plastischer, Schaufenster attraktiver

und Hausecken heben die Architektur

der Straße angenehm hervor.

Die Lichtinszenierung durch das Lichtplanungsbüro

licht | raum | stadt hat die schönen

Ecken der Straße attraktiviert. Nicht nur Touristen

sind begeistert. Auch Anwohner und

Geschäftsinhaber in der Oberen Sandstraße

loben das neue Spiel von Licht und Schatten.

Die Stadtwerke Bamberg haben im vergangenen

Jahr die Ideen des Lichtplaners umgesetzt.

Im November 2007 konnte der erste Bauabschnitt

in der Oberen Sandstraße fertig gestellt

werden. Die Stadtwerke Bamberg bauten acht

Überspannungsleuchten ein. Diese Leuchten

werden in Zukunft in allen schmalen Straßen

und Gassen in Bamberg eingebaut werden.

Insgesamt 22 Leuchtdioden-Bodeneinbaustrahler

(LED-Technik) montierten die Stadtwerke

zur Anstrahlung von Torbögen. „Die Anbringung

solcher Strahler ist nicht einfach. Die

Bohrungen in den Granitplatten müssen millimetergenau

gebohrt werden“ erklärt Theo Bogdan,

Sachgebietsleiter Projektierung bei den

Stadtwerken Bamberg. Diese Strahler können

Torbögen optimal ausleuchten und der Bogenabschluss

erhält ebenfalls Licht. Im Bereich

rund um den Grünhundsbrunnen wurden vier

Wandleuchten angebracht, die die Natursteinmauern

hervorheben.

Im Frühjahr beginnt der zweite Bauabschnitt

mit den Kanalarbeiten in der Oberen Sandstraße

vor der Elisabethenkirche. Diese dauern voraussichtlich

bis zum 23. Mai 2008. Ab dem 26.

Mai wird die Umsetzung des Lichtkonzeptes in

der Oberen Sandstraße fortgesetzt und weitere

Bodeneinbaustrahler montiert. K. Krys Ein Blick in die stimmungsvolle Obere Sandstraße Foto: Stadtwerke Bamberg

Foto: Hofapotheke

In prominenter Lage, am Fuß des Domberges

liegt eine der schönsten und ältesten Apotheken

Bambergs: die Hofapotheke in der Karolinenstraße

20. Das heutige Gebäude entstand

im 18. Jahrhundert. Damals fasste man drei

mittelalterliche Gebäude zusammen und vereinigte

sie unter einem monumentalen Dach.

Bereits vor dem Jahre 1453 bestand hier eine

Apotheke, die jedoch abbrannte und im Jahre

1455 durch den Apotheker Ulrich Klüpfel an

selber Stelle wiederaufgebaut wurde. Im Jahre

1770 erwarb sie der fürstbischöfliche Hofapotheker

Gottfried Frey, unter dem es 1772 zum

Hofapotheke

- Ein Portrait -

maßgeblichen Umbau und zur Einrichtung der

heute noch beinahe vollständigen erhaltenen

Materialkammer kam. Das fürstbischöfliche

Wappen ziert heute noch die Fassade.

Seit 1984 wird die Hofapotheke nun schon

von Franziska Bente geführt, die die Geschichte

und Tradition des Hauses hochhält.

In Angebot und Service ist ihre Apotheke aber

am „Puls der Zeit“.

Da es zu vielen Medikamenten verträgliche

homöopathische Alternativen gibt, wird bei

Franziska Bente die Naturheilkunde großgeschrieben.

Neben der Reise-Impfberatung

gibt es die Möglichkeit einer Blutdruckmessung

sowie der Abmessung von Kompressionstrümpfen.

Darüber hinaus ist die Hofapotheke

eine eingetragene Barmer-Hausapotheke

mit den dazugehörigen Serviceleistungen.

Besonders komfortabel ist der angebotene

Lieferservice, egal ob nach Hause oder an den

Arbeitsplatz. Die Bestellung von Medikamenten

kann ganz einfach per Telefon, Fax oder

eMail erfolgen.

Frau Bente ist als Mitglied der IG

interesSAND... grundsätzlich mit der bisherigen

Entwicklung des Gebiets zufrieden. Bei

der Aufwertung des „Sand“ dürfe die Karolinenstraße

allerdings nicht zu kurz kommen,

schließlich sei diese mit all ihren schönen Gebäuden

und repräsentativen Läden eines der

Aushängeschilder der Altstadt.

Telefon: 0951-57075

Fax: 0951-52369

eMail: info@hofapotheke-bamberg.de

Poller aus aller Welt

Pompeji, Italien

Foto: M. Schäfer

Dass Poller keine Erfindung autohassender

Verkehrsplaner sind, zeigen diese beiden Exemplare

aus Pompeji in Italien. Bereits vor

zweitausend Jahren haben die Römer das Forum

in Pompeji und damit den wichtigsten

Bereich der Stadt für Fahrzeuge gesperrt. Nur

Fußgänger sollten hier im zentralen Bereich

der Altstadt Zutritt haben.

Trotz intensiver Recherchen konnten wir leider

nicht herausfinden, wie genau der auf dem

Forum stattfindende Markt beliefert wurde.

Die beiden Poller aus massivem Stein sind weder

versenkbar noch sonst mechanisch bewegbar.

Vermutlich wurden schwere Lastkarren

schon vor der Stadt auf kleinere, zweirädrige

Karren, Lasttiere und Träger umgeladen. Laut

Inschrift im Nachbarort Herculaneum gefundener

Gesetzestafeln (Tabulae Heracleenses)

wurde der Verkehr mit gezogenen Karren in

die Nachtstunden (!) verbannt. Tagsüber war

es nur Zulieferern von öffentlichen Bauvorhaben

erlaubt, die Straßen zu befahren.

NACHGEFRAGT!

Im Rahmen des Lichtmasterplans Bamberg

wurde auch für das Sandgebiet ein Konzept

für eine bessere Beleuchtung erstellt. In der

Oberen Sandstraße kann man seit Ende letzten

Jahres sehen, wie sich die Straße durch

die neue Beleuchtung verändert hat. Uns

hat interessiert, was abendliche Passanten

über die neue Beleuchtung deneken.

„Wie finden Sie die neue

Beleuchtung?“

Gesa Meyer-Brandis,

Sand-Bewohnerin

Ich finde sie toll. Die

Atmosphäre hat insbesondere

durch die Torbogenbeleuchtung

sehr

gewonnen.

Richard Betz, Passant

Ich finde Sie etwas langweilig

und insgesamt ist

es mir einfach zu viel.

Man lässt doch auch

nicht das ganze Jahr den

Christbaum stehen.

Ulrike Siebenhaar,

Passantin

Die Straße insgesamt ist

toll geworden. Durch die

neue Beleuchtung wirkt

sie jetzt viel lichter und

viel freundlicher.

Jan Diepen, zweitdienstältester

Nachtwächter

Sie ist licht, hell, weckt

Neugierde und gibt vor allem

Sicherheit. Sie bringt

zudem ein völlig neues

abendliches Publikum in

die Obere Sandstraße.

Daniela Dümig,

Passantin

Die Beleuchtung ist

einfach klasse. Man

findet jetzt auch im Suff

wieder besser Heim.

Zakaria Sadry, Inhaber

Locanda Nebula

Die Beleuchtung ist sehr

interessant. Früher war

es viel zu dunkel. Jetzt

bekommt die Straße

langsam etwas Flair. Es

wird ja auch Zeit...


S a n d b l a t t 1. Quartal 2008 4

Dominikanerstraße 11. Das unscheinbare

Fachwerkhaus ist ein Kleinod inmitten des

Sandgebiets, in dessen Gemäuern es Interessantes

zu entdecken gibt.

Zu Füßen des Domberges, ein Katzensprung

nach Klein Venedig und Aug´ in Aug´ mit

dem Schlenkerla steht - oder besser stand das

Haus verkehrsgünstig, an der engsten Stelle

des Sandgebietes. Die Sache mit dem Durchgangsverkehr

hat sich erledigt, vor dem Haus

prangt der Poller - für einige wenige bis heute

der „Stahl des Anstoßes“. Gut gefallen hätte

der Poller bestimmt jenem Vorbesitzer, der

sich in den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts

erbost an die Stadt gewendet hatte, mit

der Bitte etwas gegen den Verkehr zu tun, weil

die Erschütterung der Straße durch die vielen

Ochsengespanne dazu führe, dass der Putz von

seinem Haus falle.

Dem jahrzehntelang durch die Engstelle

schiebenden Autoverkehr ist es zuzuschreiben,

dass das bescheidene Haus bislang kaum

beachtet wurde. Dabei kann an ihm viel Allgemeingültiges

über Häuser der Altstadt abgelesen

werden.

Erbaut um 1660, also nach den Zerstörungen

des Dreißigjährigen Krieges, präsentiert es

sich heute als Fachwerkbau, was nicht immer

der Fall war: Wie fast alle Fachwerkhäuser der

Stadt wurde es während der Barockisierung

im 18. Jahrhundert dank Steueranreizen modernisiert,

sprich verputzt.

Das was heute nicht mehr möglich wäre, geschah

1958: der Putz wurde wieder abgeschlagen,

genauso wie beim Nachbarhaus und dem

Neugestaltung des

Elisabethenplatzes

Skizze des verkehrsberuhigten Elisabethenplatzes

Quelle: transform

Nach Fertigstellung des 1. Bauabschnitts 2007

im Rahmen der Stadtsanierung Sand geht es

in diesem Jahr mit dem Elisabethenplatz weiter.

Voraussichtlich von Mitte März bis Ende

Mai wird die Firma Eberth Bau im Auftrag der

Stadtwerke die Erneuerung der Gas- und Wasserleitungsanlagen

durchführen.

Von Ende Mai bis Ende Oktober werden

dann die eigentlichen Straßenbauarbeiten

durchgeführt, allerdings wird es während der

Sandkirchweih Ende August eine kurze Unterbrechung

der Bauarbeiten geben. Um die

Neugestaltung des Platzes möglichst schnell

abschließen zu können, soll nach Aussage

der Stadtverwaltung mit der Baufirma eine 6-

Tage-Woche vereinbart werden.

Nach Fertigstellung des Platzes, der wie die

Obere Sandstraße in fränkischem Muschelkalkpflaster

gestaltet wird, entfallen die Stellplätze

entlang der Elisabthenkirche. Der ganze

Platz wird außerdem zum „verkehrsberuhigten

Bereich“ („Spielstraße“).

HAUSGESCHICHTEN

- DOMINIKANERSTRASSE 11 -

Schlenkerla gegenüber. Als Relikte der fürstbischöflichen

Stadtverschönerung sind lediglich

die vielen Beilkerben geblieben, die seinerzeit

ins Holz geschlagen wurden, um dem Putz auf

den glatten Balken Halt zu bieten.

Typisch ist auch das Erdgeschoß, das ursprünglich

ebenfalls in Fachwerk gearbeitet war. Die

Balken wurden 1833 herausgenommen und

in Stein hochgemauert, ein Vorgang der häufig

beobachtet werden kann und im konkreten

Fall wohl auf Feuchtigkeit zurückzuführen ist,

da das Haus keinen Keller hat.

Bemerkenswert ist auch die Giebelwand auf

die man heute meistens schaut. Sie war ursprünglich

nicht sichtbar. Neben dem Haus,

dort wo sich heute Parkplätze befinden, stand

ein weiteres Haus, das aber schon 1686 abgerissen

wurde. Damit lag die vormals verdeckte

Giebelwand frei, ein Umstand, den man ungeniert

nutzte und die Säge ansetzte, Balken

heraussägte und Fenster einfügte.

Wie in vielen Häusern der Altstadt wurde in

der Dominikanerstraße 11 später ein Laden im

Erdgeschoss eingerichtet und 1929 ein Schaufenster

eingebrochen. Zumeist waren es Uhrmacher,

die hier ihrem Handwerk nachgingen,

zuletzt ein Uhrmachermeister Warnke. Seit

1977 befindet sich im Haus das Antiquitätengeschäft

von Julia Heiß, das sich im Laufe

der Zeit auf stilvolles Silber, meist dänischer

Herkunft aus der Zeit des Art Deco, spezialisiert

hat. Abgerundet wird das Angebot durch

afrikanisches Kunsthandwerk, wobei der Reiz

in der Mischung liegt und dem Geschäft ein

nahezu großstädtisches Gepräge gibt.

Passanten

E.A.

Deutlich mehr

Fußgänger unterwegs

500

450

400

350

300

250

200

150

100

50

0

10:00 - 11:00

11:00 - 12:00

12:00 - 13:00

13:00 - 14:00

14:00 - 15:00

15:00 - 16:00

Tagesstunde

Passantenfrequenz in der Oberen Sandstraße vor und

nach der Sanierung Quelle: Stadtplanungsamt

Durch die Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung

der Oberen Sandstraße kommen – wie

prognostiziert – deutlich mehr Menschen als

vorher in die Straße. Bei einer Videozählung,

die das Stadtplanungsamt in Auftrag gab, wurde

im September 2006, also noch vor dem

Umbau, eine relativ gleichbleibende Zahl von

etwa 200 bis 250 Passanten pro Stunde ermittelt.

Bei einer erneuten Zählung, die im Oktober

letzten Jahres durchgeführt wurde, war

ein deutlicher Anstieg der Fußgängerfrequenz

zu verzeichnen. Die höchsten Werte wurden in

der Mittagszeit zwischen 12.00 und 13.00 Uhr

ermittelt. In diesem scherzhaft auch „Leberkäs-Spitze“

genannten Zeitraum kamen mehr

als 450 Menschen in die Obere Sandstraße.

Die Frequenz hat sich damit annähernd verdoppelt.

Die IG interesSAND... geht davon aus, dass

bei einer weiteren Belebung der Straße durch

attraktive Freischankflächen die Passantenzahlen

noch weiter zunehmen.

16:00 - 17:00

17:00 - 18:00

18:00 - 19:00

19:00 - 20:00

Di. 25.07.2006

Mo. 08.10.2007

Di. 09.10.2007

oben: Das Haus Dominikanerstraße 11 Anfang der

neunziger Jahre noch mit seperater Treppe zum Ladengeschäft

unten: Die einfache Grundrissgestaltung des Hauses

zieht sich durch alle Geschosse.

Quelle: Kunstdenkmäler

In eigener Sache...

Einmal im Quartal erscheint das Sandblatt

und wir freuen uns, dass wir mit

dieser Ausgabe unser einjähriges Bestehen

feiern können.

Vier Mal jährlich vier Seiten rund um

den Sand - kostenlos! Dies gelingt unter

anderem deshalb, weil das Sandgebiet

Gelder aus Mitteln der Städtebauförderung

erhält. Dies wollen wir nicht

verschweigen. Daher wird ab jetzt das

Logo des Modellprojekts des Bayerischen

Innenministeriums „Leben findet

Innenstadt“ das Sandblatt zieren.

Da es bei dem Modellprojekt um öffentlich-private

Kooperationen geht,

kommen auch wir nicht (ganz) ohne

Werbung aus. Unterstützen daher auch

Sie das Sandblatt und inserieren Sie in

einer der nächsten Ausgaben. Informationen

zu Formaten und Preisen erhalten

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Impressum

Herausgeber: IG interesSAND...

Redaktion/Layout: Alexandra Baier

Druck: creo Druck & Medienservice, BA

Auflage: 3000 Exemplare

Redaktion/Anzeigen: 0951 700 43 880

www.interessand.net

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