173 - Bundesverband Deutscher Gartenfreunde e. V.

kleingarten.bund.de

173 - Bundesverband Deutscher Gartenfreunde e. V.

173

Kleingärtnerische Nutzung

durch Obstbau


Schriftenreihe des Bundesverbandes

Deutscher Gartenfreunde e.V., Berlin

( BDG )

Heft / 2004

26. Jahrgang

Tagung: vom 10. bis 12. September 2004 in Dresden

Herausgeber: Bundesverband Deutscher Gartenfreunde e.V.

Platanenallee 37, 14050 Berlin

Telefon 030/ 30 207 140/141

Telefax 030/ 30 207 139

Präsident: Ingo Kleist

Seminarleiter: Jürgen Sheldon

Präsidiumsmitglied des Bundesverbandes

Deutscher Gartenfreunde e.V.

Zusammenstellung: Ute Gabler

Nachdruck und Vervielfältigungen (fotomechanischer und anderer Art) - auch

auszugsweise - dürfen nur mit Genehmigung des Bundesverbandes Deutscher

Gartenfreunde erfolgen.

Auflage: 1.000

ISSN 0936-6083


Bundesministerium für

Verbraucherschutz, Ernährung

und Landwirtschaft

Dieses Projekt wurde finanziell vom Bundesministerium für Verbraucherschutz, Ernährung und

Landwirtschaft gefördert

Der Förderer übernimmt keine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben sowie

für die Beachtung privater Rechte Dritter. Die geäußerten Ansichten und Meinungen müssen nicht

mit denen des Förderers übereinstimmen.

INHALTSVERZEICHNIS SEITE

Vorwort 5

Jürgen S h e l d o n

Präsidiumsmitglied des Bundesverbandes

Deutscher Gartenfreunde e.V.

Welche Böden für den Obstbau? 7

Dr. Wolf-Dietmar W a c k w i t z

Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft,

Fachbereich Gartenbau

Dresden-Pillnitz

Alte Sorten aus der Sicht des Pomologen 17

Dr. Monika H ö f e r

Bundesanstalt für Züchtungsforschung an Kulturpflanzen

Institut für Obstzüchtung

Dresden-Pillnitz

Neue Sorten und Kulturformen im Obstbau 25

Dr. Andreas P e i l

Bundesanstalt für Züchtungsforschung an Kulturpflanzen

Institut für Obstzüchtung

Dresden-Pillnitz

Bundesverband Deutscher Gartenfreunde e.V. - Grüne Schriftenreihe 173


Nährstoffansprüche und Versorgung der Obstbäume 39

Gerd G r o ß m a n n

Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft,

Fachbereich Gartenbau

Dresden-Pillnitz

Pomologische Bestimmung an Objekten 53

Bestimmungshilfe für die Sortenbestimmung

Wilfried M ü l l e r

Pomologen-Verein e.V.

Aue

Schädlinge im Obstbau erkennen und Bekämpfungsformen 69

nach dem neuen Pflanzenschutzgesetz

Dr. Christine G e b h a r t

Referat Pflanzengesundheit und Diagnose im

Fachbereich Pflanzliche Erzeugung der

Sächsischen Landesanstalt für Landwirtschaft

Dresden-Pillnitz

Bundesverband Deutscher Gartenfreunde e.V. - Grüne Schriftenreihe 173


Vorwort

- 5 -

Die Bewirtschaftung einer Kleingartenparzelle ohne Obst ist undenkbar. Obstgehölze in ihrer Größen-

und Formenvielfalt bieten eine Vielzahl räumlicher Gestaltungsmöglichkeiten und haben

gleichzeitig einen unschlagbaren Vorteil: Frisches Obst aus eigenem Anbau schmeckt einfach am

besten.

So lautete die 3tägige Fachberaterveranstaltung in Dresden, an der Multiplikatoren aus 19 Landesverbänden

teilnahmen, denn auch „Kleingärtnerische Nutzung durch Obstbau“.

Herr Dr. Wolf-Dietmar Wackwitz, Experte der Sächsischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL)

referierte zum Thema „Welche Böden für den Obstbau?“. Er machte deutlich, dass die obstbauliche

Standortbeurteilung eigenen Gesetzen folgt und die Bodenansprüche einzelner Obstkulturen stets

zusammen mit Klima und Lage zu beurteilen sind.

„Alte Sorten aus der Sicht des Pomologen“ war Thema des ansprechenden Vortrages von Frau Dr.

Monika Höfer vom Institut für Obstzüchtung der Bundesanstalt für Züchtungsforschung an Kulturpflanzen

(BAZ) in Dresden-Pillnitz. Sie ging besonders auf die Entwicklung unserer heutigen

Obstsorten am Beispiel von Kern- und Steinobst ein. Ausgehend von der Tatsache, dass die genetische

Diversität der modernen Anbausorten stetig schrumpft, erläuterte sie die Bedeutung alter

Sorten und betonte, dass diese – ebenso wie Denkmäler – zum Kulturgut der Menschheit gehörten.

„Brauchen wir neue Obstsorten?“, mit diesen Worten eröffnete Herr Dr. Andreas Peil, Züchtungsforscher

der BAZ in Dresden-Pillnitz seinen Vortrag „Neue Sorten und Kulturformen im Obstbau“

und hob die Züchtungsziele beim Apfel hervor. An frisch geernteten Sortenmustern konnten sich

die Seminarteilnehmer einen optischen und haptischen Eindruck neuer Sorten, die zum Teil noch

in der Zulassungsphase sind, verschaffen.

Herr Gerd Großmann vom Fachbereich Gartenbau der LfL Dresden-Pillnitz erläuterte in seinen

Ausführungen „Nährstoffansprüche und Versorgung der Obstbäume“. Interessant dabei, dass

nicht nur Obstart und Unterlage, sondern auch das Klima als Wachstumsfaktor einen wesentlichen

Einfluss auf das Nährstoffregime und die Versorgung der Obstgehölze hat.

Frau Dr. Christine Gebhart, Referatsleiterin des Referates Pflanzengesundheit der LfL Dresden-

Pillnitz überzeugte durch eine behutsame Erläuterung der Situation Freizeitgartenbau – novelliertes

Pflanzenschutzgesetz. In ihrem Vortrag „Schädlinge im Obstbau erkennen und Bekämpfungsformen

nach dem neuen Pflanzenschutzgesetz“ präsentierte sie eine Reihe interessanter Schadbilder

und sorgte für rege Diskussion. Klar war den Teilnehmern, dass der Fokus zukünftiger Pflanzenschutzberatung

im Kleingartenwesen auf Diagnose und Aufklärung liegen muss.

Großen Zuspruch fand der praktische Teil des Seminars: Herr Wilfried Müller, Aue und Herr Manfred

Schrambke, Chemnitz, Experten des Pomologen-Vereins Deutschlands demonstrierten anhand

von Beispielen die Bestimmung von Apfelsorten. Was die Teilnehmer besonders beeindruckte: Das

sicherste Merkmal zur Bestimmung von Kern- und Steinobst sind nicht nahe liegende Merkmale,

wie Größe, Form und Geschmack, sondern Kerne und Stein. Eine Kernsammlung für Apfelsorten

gehört somit zum Bestimmungswerkzeug eines Pomologen. Ergänzt wurde der praktische Teil

durch die Verkostung der neuen Pillnitzer Apfelernte, die von Herrn Johannes Kube, Fachberater im

Landesverband Sächsischer Kleingärtner (LSK), vorgestellt wurde.

Fazit der teilnehmenden Gartenfreunde: Obst im Kleingarten sei ein so wichtiges Thema, dass die

Veranstaltungsreihe fortgeführt werden sollte. Dem wird der Bundesverband 2005 mit Obst II

Rechnung tragen.

Jürgen Sheldon

Präsidiumsmitglied für Fachberatung des Bundesverbandes Deutscher Gartenfreunde e.V.

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- 7 -

Welche Böden für den Obstbau?

Dr. Wolf-Dietmar W a c k w i t z

Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft,

Fachbereich Gartenbau

Dresden-Pillnitz

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Welche Böden für den Obstbau?

- 8 -

Der Boden dient den Obstgehölzen als Standort und Ernährungssubstrat. Im folgenden soll auf

einige Gesichtspunkte des Standortes eingegangen werden. Bei der Pflanzung von Obst ist die

Wahl des Standortes sehr wichtig. Dabei ist von besonderer Bedeutung, dass sich eine falsche

Standortentscheidung über viele Jahre während der gesamten Standzeit der Obstgehölze auswirkt.

Hier besteht ein gravierender Unterschied zu Gemüse- und Zierpflanzenkulturen. Aus diesem

Grund sollte die Neupflanzung von Obstgehölzen langfristig vorbereitet werden. Damit wird gesichert,

dass die Obstgehölze optimale Wachstumsbedingungen vorfinden und sich gut entwickeln.

Der Standort wird im Wesentlichen durch die Faktoren Klima, Lage und Boden charakterisiert. Im

Zusammenhang mit dem Klima ist die Höhe und jährliche Verteilung der Niederschläge wichtig.

Dabei kommt der Niederschlagsmenge in den Monaten April bis September besondere Bedeutung

zu. Bei Niederschlägen von unter 360 mm spricht man von einem sommertrockenen Gebiet. In

diesen Gebieten sind Zusatzwassergaben erforderlich um einen guten Ertrag und ausreichende

Fruchtgrößen zu erreichen. Zweckmäßig ist ein sommertrockenes Gebiet unter Umständen für den

Süßkirschanbau. Unter diesen Bedingungen wird das Platzen der Kirschen eingeschränkt bzw.

vermieden. Neben dem Niederschlag spielt die Dauer der Vegetationszeit eine wichtige Rolle. Von

entscheidender Bedeutung für den Obstanbau ist die Dauer von der Blüte der Obstgehölze bis zum

Frosteintritt. Die Länge dieser Periode wird wesentlich von der Höhenlage beeinflusst. Mit zunehmender

Höhenlage sinkt auch die Jahresdurchschnittstemperatur. Der Apfel benötigt im Vergleich

zu anderen Obstarten die längste Zeit von der Blüte bis zur Ernte. Für den Erwerbsobstbau (Apfel)

wird nördlich der Alpen von einer Höhenlage bis zu 350m über dem Meeresspiegel ausgegangen.

Es ist aber auch die Lage eines Standortes zu berücksichtigen. Hier kommt es auf die Ausformung

des Geländes an. Am geeignetsten sind leicht geneigte Flächen. Diese gewährleisten den Abfluss

der Kaltluft während der Blüte. Befinden sich im unteren Bereich Gebäude, Bäume mit dichtem

Buschwerk oder eine Hecke so kann das zur Bildung eines Kaltluftsees führen. Bei Spätfrost sind

die Blüten der Obstgehölze in diesem •ereich besonders gefährdet. Auf scheinbar ebenen Flächen

ist ebenfalls Vorsicht geboten. Schon geringe Unebenheiten können zu Senken führen, in denen

sich ebenfalls Kaltluftseen bilden können. Bei solchen Flächen ist eine sorgsame Prüfung erforderlich.

An dieser Stelle sei noch der Einfluss der Himmelsrichtung der Hangneigung am Beispiel von zwei

Extremen erwähnt. Eine Hangneigung nach Süden hat große Temperaturunterschiede zur Folge.

Besonders im Winter werden die Obstgehölze bei Sonneneinstrahlung stark erwärmt und sind in

der Nacht tiefen Temperaturen ausgesetzt. Bei einer Hangneigung nach Norden erfolgt tagsüber

keine so starke Erwärmung der Obstgehölze. Damit ist die Temperaturdifferenz zwischen Tages-

und Nachttemperatur geringer. Dieser Zustand wird von den Obstgehölzen besser verkraftet.

Obstgehölze auf nach Süden gerichteten Hängen blühen früher als solche auf nach Norden gerichteten

Hängen. Bei verhältnismäßig frühblühenden Obstarten wie z.B. den Süßkirschen steigt auf

Südhängen damit das Risiko, dass die Blüten durch Spätfröste im Frühjahr vernichtet werden. Es

ist oftmals günstiger eher nach Norden gerichtete Hänge auszuwählen. Durch den späteren Blühtermin

ist die Spätfrostgefahr im Frühjahr oft zum Zeitpunkt der Blüte vorüber.

Der Boden ist von grundlegender Bedeutung für die Standortwahl. Bei der Beurteilung des Bodens

ist zu berücksichtigen, dass die Obstgehölze spezielle Anforderungen stellen. Im Allgemeinen ist

eine ackerbaulich günstig zu beurteilende Fläche, sofern keine Frostgefährdung besteht, auch obstbaulich

brauchbar. Andererseits gibt es Standorte wie beispielsweise die mit dicken Lössauflagen

versehenen mäßig geneigten Hänge in den Flusstälern von Saale und Unstrut, die nur mit größten

Schwierigkeiten ackerbaulich nutzbar sind, sich dagegen für den Süßkirschanbau gut eignen. Eine

wichtige Besonderheit ist, dass Obstgehölze in der Regel tiefer als Ackerkulturen wurzeln.

Was versteht man unter Boden?

Der Boden wird als Gemisch aus Mineralkörnern, Gesteinsbruchstücken verschiedener Korngröße

und organischen Komplexen (Humuspartikel) charakterisiert.

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- 9 -

Bei der Auswahl und Beurteilung des Bodens für Obstgehölze sind seine physikalischen, chemischen

und biologischen Eigenschaften zu berücksichtigen.

Ein wesentliches Kennzeichen für die Leistungsfähigkeit des Bodens ist die Bodenfruchtbarkeit. Sie

wird durch folgende Einflussfaktoren geprägt:

- Bodenart,

- Gründigkeit,

- Mineralzusammensetzung und Nährkraft des Bodens,

- Bodenstruktur,

- Gehalt an organische Substanz (Humus),

- Vorhandensein und Aktivität von Bodenlebewesen,

- Gehalt an Bodenwasser,

- Gehalt an Bodenluft,

- Bodentemperatur,

- Einwirkung und Vorhandensein von von Schadstoffen

Beurteilung des Bodens

Vor der Pflanzung von Obstgehölzen ist eine Bodenerkundung erforderlich. Grundlage dafür bilden

die vorliegenden Bodenkarten. An landwirtschaftliche Kulturen und Obstgehölzen in der näheren

Umgebung können wesentliche Auswirkungen von Bodeneigenschaften beobachtet werden.

Zur genaueren Beurteilung eines Bodens im Hinblick auf seine Eignung für eine obstbauliche Nutzung

ist es erforderlich, auf der zu bepflanzenden Fläche eine Beobachtungsgrube auszuheben. Mit

einem Spaten wird eine Grube von 1 Meter mal 1 Meter bis auf eine Tiefe von 70 bis 100 cm ausgehoben.

Für eine intensivere Untersuchung ist durchaus eine Untersuchungstiefe bis 2m zu empfehlen.

Am Rand dieser Beobachtungsgrube (Profilwand) werden die einzelnen Bodenschichten,

der so genannte Bodenhorizont sichtbar. Dieser muss beurteilt werden. Wichtige Beurteilungskriterien

sind der Oberboden und der Unterboden. Auf landwirtschaftlich oder gärtnerisch genutzten

Flächen findet man in der Regel eine bearbeitete Bodenschicht von 25 bis 30 cm. Sie wird als Ackerkrume

bezeichnet. Diese Schicht ist oft von guter Bodenqualität. Für eine obstbauliche Nutzung

muss zusätzlich der Unterboden beurteilt werden. Es muss gewährleistet sein, dass die Wurzeln

der Obstgehölze bis in eine Tiefe von 70 cm vordringen können. Bei Süßkirschen muss im

Allgemeinen eine durchwurzelbare Bodenschicht bis in 1 Meter Tiefe gegeben sein. In diesem Zusammenhang

sind die Bodenstruktur, der Humusanteil sowie der Wasser- und Lufthaushalt, Bodenverdichtungen,

Festschichten und die Regenwurmtätigkeit zu beurteilen. Von besonderem

Nachteil sind Bodenverdichtungen, diese lassen sich mit überschaubaren Aufwand durch eine Tiefenlockerung

bzw. dem ausheben einer Pflanzgrube bis in eine Tiefe von 0,7 bis 1,0m beheben.

Besonders kritisch ist das Auftreten von Staunässe zu beurteilen. Eine Ursache kann darin liegen,

dass das Regenwasser durch eine undurchlässige Bodenschicht am Abfluss in tiefere Bodenschichten

gehindert wird. An solchen Stellen lässt sich oftmals beobachten, dass nach stärkeren Regengüssen

das Wasser längere Zeit stehen bleibt und nicht versickert. Hier ist Vorsicht angeraten.

Physikalische Eigenschaften

Die physikalischen Bodeneigenschaften sind sehr stabil und meistens durch Bodenpflegemassnahmen

nur schwer zu verändern. Deshalb sind die physikalischen Bodeneigenschaften besonders

gründlich zu prüfen.

Bodenarten

Die Bodenarten werden durch ihren Korngrößenanteil bestimmt.

Die Korngrößenverteilung hat einen wichtigen Einfluss auf die Ertragsfähigkeit sowie die Puffer-

und Filtereigenschaften von Böden. In Abhängigkeit von der Korngrößenverteilung unterscheidet

man Sand-, Schluff- und Tonböden sowie Lehme.

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Schwere Tonböden sind obstbaulich ungeeignet. An dieser Beurteilung ändert sich auch nichts,

wenn sie von einer flachen, durchlässigen Krume überdeckt sind.

Weniger bindige Tonböden, die durch Kalk- und Humusbeimengungen geprägt sind, eignen sich

bei ausreichender Gründigkeit für den Apfel- und Pflaumenanbau.

Böden, die sich durch tonige Bodenschichten in einer Tiefe größer als 60cm auszeichnen, eignen

sich für den Anbau von Kernobst. Voraussetzung ist aber, dass keine andauernde Staunässe auftritt.

Grusige Steineinlagerungen haben in tonigen Schichten eine positive Wirkung. Sie führen zur

Lockerung und fördern die Dränwirkung (langsames Abfließen von Wasser in tiefere Bodenschichten).

Damit regulieren sie die Durchlüftung und die Bodenfeuchte vorteilhaft. Auf solchen Böden

können in Hanglagen durchaus die gegenüber Staunässe sehr empfindlichen Süßkirschen gedeihen.

Lehmböden sind im Allgemeinen für alle Obstarten geeignet. Lehmige bis anlehmige Sande mit

Lehmschleiern im Unterboden sind gute Böden für eine obstbauliche Nutzung. Bei guter Düngung

und Nährstoffversorgung lässt sich eine hohe Fruchtbarkeit der Obstgehölze erreichen.

Tiefgründige, leichte Sandböden können ebenfalls obstbaulich genutzt werden. Ihre Leistungsfähigkeit

ist jedoch geringer. Das Ausheben einer Pflanzgrube von 1m x1m und einer Tiefe von 1m

und das Befüllen mit lehm- bzw. lößhaltigen Boden wäre sehr vorteilhaft. Hier steht allein die Frage

ob diese große Anstrengung unternommen werden soll. Auf die Verwendung von verrottbarem

organischen Material sollte verzichtet werden bzw. es sollte nur einen geringen Anteil ausmachen.

Hier steht das Risiko, dass das Obstgehölz mit der Zeit in der Pflanzgrube versinkt und zu tief

steht. Damit besteht die Gefahr, dass sich die Sorte von der Unterlage freimacht. Damit wird die

Unterlagenwirkung ausgeschaltet. Hier ist eine gewisse Sorgfalt notwendig.

Ein kiesiger Untergrund in geringer Tiefe ist nicht für eine obstbauliche Nutzung geeignet.

Mächtigkeit des Bodens

Die Bodenmächtigkeit charakterisiert die durch die Verwitterung und den Bodenbildungsprozess

entstandene Bodentiefe. Die Gründigkeit ist obstbaulich sehr bedeutungsvoll. Sie bezeichnet die

Mächtigkeit der Lockerschichten, die für das Eindringen der Wurzeln entscheidend ist.

Bodengefüge

Das Bodengefüge kennzeichnet die räumliche Anordnung der festen Bodenteilchen. Das Ziel besteht

in der Schaffung einer Krümelstruktur.

Vom Bodengefüge werden der Luft-und Wasserhaushalt des Bodens geprägt. Es beeinflusst auch

den Wärmehaushalt und verschiedene chemische Vorgänge im Boden. Die organische Substanz im

Boden beeinflusst das Bodengefüge.

Porenvolumen

Das Porenvolumen bezeichnet alle Hohlräume im Boden. Es wird entscheidend durch die Bodenart

und das Bodengefüge beeinflusst. Das Porenvolumen variiert zwischen 35 und

65 %.

Im Verlauf eines Jahres verändert sich das Porenvolumen. Ursachen dafür sind klimatische und

biologische Einwirkungen sowie die Bodenpflege. Negativ wirken sich häufiges Befahren des Bodens,

das Betreten durch Schafe und Geflügel im feuchten Zustand sowie die ständig wiederholte

Bearbeitung in der gleichen Bodentiefe aus. Die damit einhergehende Verringerung des Porenvolumens

behindert die Wurzelentwicklung und die Nährstoffaufnahme der Obstgehölze. Diese oberflächigen

Bodenverdichtungen sind durch die Lockerung des Bodens oft zu beseitigen.

Demgegenüber sind Verdichtungen im Unterboden nur vor der Pflanzung durch Tiefenlockerung

zu beseitigen. Ist die Bepflanzung einer größeren Fläche mit Obstgehölzen vorgesehen ist die Verwendung

eines Bodenmeisels im Zusammenhang mit einem geeigneten Traktor sinnvoll. Diese

Entscheidung muss in Abhängigkeit von den örtlichen Gegebenheiten getroffen werden.

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Bodenwasser- und Bodenlufthaushalt

- 11 -

Das Bodenwasser spielt bei der Beurteilung eines Bodens im Hinblick auf seine obstbauliche Nutzung

eine besondere Rolle. Die Standortfaktoren Klima, Lage und Boden wirken im besonderen

Maß auf die Obstgehölze ein.

Der Bodenwasserhaushalt wird wesentlich vom Anteil der Grob-, Mittel- und Feinporen eines geprägt.

Die Bodenporen werden in Grobporen (>50µm), Mittelporen (0,2 bis 10µm) und Feinporen

(


Bodenreaktion

- 12 -

Die Bodenreaktion beeinflusst die Verfügbarkeit von Nährstoffen, die mögliche Freisetzung toxischer

Verbindungen (Aluminium- und Schwermetallionen), die Bodenstruktur und die Aktivität der

Bodenorganismen.

Optimalbereiche der ph-Werte für Obstgehölze in Abhängigkeit von der Bodenart:

Bodenart ph-Wert

in bearbeitetem Boden in Grasland

Tonböden 6,5-7,0 5,5-6,0

Lehmböden 6,0-6,5 5,5-6,0

Lößböden 6,0-6,5 5,5-6,0

Lehmige Sande 5,5-6,0 5,0-5,5

Sandböden 5,0-5,5 -

Biologische Eigenschaften

Die Bodenlebewesen sind für die organische Substanz im Boden von entscheidender Bedeutung.

Wären sie nicht vorhanden so gäbe es keine Zersetzungsvorgänge.

Unter organischer Substanz verstehen wir alle abgestorbenen pflanzlichen und tierischen Stoffe.

Die organische Substanz ist für die Bildung einer stabilen grobporigen Bodenstruktur, der Krümelstruktur

verantwortlich. Sie hat einen positiven Einfluss auf den Wasser- und Lufthaushalt. Wichtige

Prozesse sind die Humifizierung, das heißt die Entstehung von Dauerhumus und die Mineralisierung,

das heißt der vollständige mikrobielle Humusabbau und die damit verbundene Freisetzung

der im Humus enthaltenen Pflanzennährstoffe. Die Humusgehalte in Ackerböden (Krume)

liegen zwischen 1 – 4 %. In Obstböden mit Grasmulch liegt der Humusgehalt bei bis zu 10 %. Man

kann davon ausgehen, dass im Gartenboden ebenfalls hohe Humusgehalte vorliegen. Es ist jedoch

zu bedenken, dass das Wurzelsystem je nach Obstart bis in eine Tiefe von etwa 100 cm reicht.

Je höher die biologische Aktivität eines Bodens ist, desto größer ist die Nährstoffnachlieferung,

besonders von Stickstoff aus dem Humus.

Die Bodenbedeckung der Baumscheiben mit organischen Material (z.B. Grasmulch) fördert das

Bodenleben und die Krümelstruktur. Offengehaltener Boden verliert durch häufige Bodenbearbeitung

an Humus und ist durch regelmäßige Stalldunggaben bzw. die Versorgung mit Komposterde

angewiesen.

Bodenmüdigkeit

Besondere Aufmerksamkeit ist bei der Neupflanzung von Obstgehölzen auf bereits obstbaulich

genutzte Standorte erforderlich. Auf diesen Standorten können im „Nachbau“ zum teil schwerwiegende

Wuchs- und Ertragsminderungen auftreten.

Ursachen dafür können Nährstoffmangel, Bodenverdichtungen oder pilzliche Schaderreger sein.

Darüber hinaus gibt es eine Art von Nachbauschäden, die sich nicht durch Anbauphasen mindern

lässt und spezifisch bei den einzelnen Obstarten wirkt. Diese Art von Nachbauschäden wird als

Bodenmüdigkeit bezeichnet. Sie ist die schwerwiegendste Form.

Geschädigte Bäume wachsen schlecht und bilden nur wenige Früchte.. Die Wurzeln sind braun und

verkrüppelt. Die Blattrosetten sind gestaucht, die Blätter klein und der ertrag ist niedrig. Die Ursache

dafür ist eine Gruppe von Bakterien – pathogene Aktinomyzeten. Das trifft für den Apfel und

möglicherweise auch bei anderen Obstarten zu. Bei starkem Befall gibt es nur die Möglichkeit des

Flächen- oder Obstartenwechsels. Der Wechsel der Obstarten muss zwischen Vertretern von Steinobst,

Kernobst und Beerenobst erfolgen.

Das Auftreten der Bodenmüdigkeit wird nach den vorliegenden Erkenntnissen durch eine langjährige

intensive obstbauliche Nutzung der Fläche, eine grundwasserferne Lage und einen pH-Wert im

Boden von 7,0 und mehr gefördert.

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Ist starke Bodenmüdigkeit vorhanden, nutzt die Zugabe von nicht bodenmüder Erde ins Pflanzloch

nichts. Sobald die Wurzeln in den müden Boden wachsen, treten die Erscheinungen wieder auf. Die

Einschaltung von Anbaupausen mit Zwischeneinsaaten bringt ebenfalls keinen erfolg. Die Erreger

können im Boden über mehrere Jahrzehnte aktiv bleiben.

Für den Erwerbsanbau gibt es eine Testmethode mit Apfelsämlingen, die 1 Jahr im Testboden und

in nicht müden Boden kultiviert werden. Anhand der Wuchsdepressionen wird auf die Stärke der

Bodenmüdigkeit geschlossen.

Wie sind die einzelnen Böden im Hinblick auf eine obstbauliche Nutzung zu beurteilen?

Sandböden

Sandböden zeichnen sich durch folgende Eigenschqaften aus:

- gute Bearbeitbarkeit,

- hoher Anteil grober luftgefüllter Poren,

- geringes Speichervermögen von Wasser und Nährstoffen,

- starke Neigung zur Nährstoffauswaschung,

- schnelle Erwärmung im Frühjahr,

- intensiver Abbau organischer Substanz

Insgesamt weisen sie eine geringe Ertragsfähigkeit auf. Durch die Zugabe von organischer Substanz,

wie z.B. Stalldung oder Kompost kann ihre Ertragsfähigkeit verbessert werden. Dabei ist es

wichtig das ausreichende Mengen ausgebracht werden. Eine weitere Verbesserung der Güte dieser

Böden wird durch zusätzliche Wassergaben erreicht.

Dabei ist es wichtig, dass diese zusätzlichen Wassergaben während der Vegetationszeit regelmäßig

den natürlichen Niederschlag ergänzen. An dieser Stelle müssen auch die Kosten für das Wasser

berücksichtigt werden. In Erwerbsobstanlagen wird das Zusatzwasser über die Tropfbewässerung

zugeführt. Dabei werden Schlauchleitungen in der Obstanlage verlegt und jeder Baum erhält in

Stammnähe ein oder zwei Tropfer aus denen das Wasser austritt. In den Tropferleitungen herrscht

nur ein geringer Wasserdruck. Über die Zeit kann die Wassermenge pro Baum genau gesteuert

werden. Es ist auch möglich dem Wasser Nährstoffe in gelöster Form zuzufügen. Damit wird eine

regelmäßige Nährstoffzufuhr für die Obstgehölze erreicht.

In diesem Fall spricht man von Fertigation.

Tonböden

Diese Böden zeichnen sich durch folgende Eigenschaften aus:

- mäßig bis schlecht durchlüftet,

- Neigung zur Vernässung (Staunässe),

- späte Erwärmung im Frühjahr,

- hohes Speicherungsvermögen von Nährstoffen

Tonböden haben ebenfalls eine geringe Ertragsfähigkeit. Eine Verbesserung ihrer Leistungsfähigkeit

kann in bestimmten Maß durch tiefgründige Bodenlockerung erreicht werden.

Lehm- und Schluffböden

Die Lehm- und Schluffböden sind am besten für den Obstbau geeignet. Sie zeichnen sich durch

folgende Eigenschaften aus:

- gute Durchlüftung,

- hohes Speichervermögen von Nährstoffen und Wasser,

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- stabile Krümelstruktur (Ton-Humus-Komplexe),

- relativ schnelle Erwärmung,

- relativ schnelles Abtrocknen nach Nässeperioden

Diese Böden sind sehr gut für den Obstbau geeignet. Sie vereinen die Vorteile eines hohen Wasser-

und Nährstoffspeichervermögens mit einer guten Durchlüftung und dem schnellen Abtrocknen des

Bodens nach Niederschlägen.

Im Weiteren wird auf die speziellen Anforderungen der einzelnen Obstarten an den Boden eingegangen.

Apfelanbau

Für den Apfelanbau benötigt man wasserdurchlässige Böden mit einer guten Humusversorgung.

Es darf über einen längeren Zeitraum keine stauende Nässe auftreten. Diese Böden müssen über

ein gutes Wasser- und Nährstoffspeichervermögen verfügen. Der Apfel stellt hohe Ansprüche an

eine gleichmäßige Wasser- und Nährstoffversorgung. Diese Feststellung gilt besonders im Zusammenhang

mit schwachwuchsinduzierenden Unterlagen. Diese haben durchaus auch in Kleingärten

eine gewisse Berechtigung. Am besten geeignet sind leicht feuchte lehmige und leicht sandige

Böden. Mit der Wahl der Unterlage kann eine Anpassung an die Standortverhältnisse vorgenommen

werden. Die Unterlagen Sämling, A 2 und M 4 sind für leichte sandige Böden geeignet.

Man muss dabei berücksichtigen, dass auf diesen Unterlagen relativ großkronige Bäume heranwachsen.

Für humose Böden mit einer guten Wasser- und Nährstoffversorgung sind die Unterlagen

M 26 und M 9 geeignet.

Birnenanbau

Die Birne benötigt humose tiefgründige Böden mit einem guten Nährstoff- und Wasserspeichervermögen.

Diese Böden müssen sich schnell erwärmen und über eine gute Durchlüftung verfügen.

Durch die Verwendung von Unterlagen kann der Birnenanbau an spezielle Bodenbedingungen

angepasst werden. Die Sämlingsunterlage ist für alle leichten Böden geeignet. Die Unterlage

„Quitte A“ wird für leichtere Böden mit guter Nährstoffversorgung verwendet. Verfügen wir über

mittlere Böden mit guter Nährstoffversorgung, so sollte auf die Unterlage „Quitte „Adams“ zurückgegriffen

werden. Die schwachwuchsinduzierende Unterlage Quitte C ist nur bei einer sehr

guten Nährstoff- und Wasserversorgung im Zusammenhang mit humosen Böden zu empfehlen.

Ergänzend sei darauf hingewiesen, dass die Birne besonders während der Fruchtreife Wärme benötigt.

Der Anbau sollte am besten an geschützten Standorten, in rauheren Lagen in der Nähe einer

Hauswand erfolgen. Wenn nicht ausreichend Wärme vorhanden ist fehlt die Einlagerung von ausreichen

Zucker, es bilden sich Steinzellen und das typische Birnenaroma kommt nicht zur Entfaltung.

Süßkirschanbau

Die Süßkirsche benötigt leicht erwärmbare tiefgründige Böden mit einem guten Nährstoff- und

Wasserspeichervermögen. Der Luftgehalt des Bodens sollte hoch sein (12 % luftführende Poren bei

Feldkapazität). Es wird eine durchwurzelbare Bodenschicht von mindestens 1 m Mächtigkeit gefordert.

Als Unterlage sollten die Gisela-Klone (Gisela 5) verwendet werden. Sie zeichnen sich durch

Robustheit auf weniger guten Böden sowie Toleranz gegen Vernässung und Trockenheit aus.

Bei der Standortwahl ist die Höhe der Niederschläge während der Fruchtreife zu berücksichtigen.

Hohe Niederschläge zur Erntezeit führen zum Platzen der Früchte. Im Erwerbsanbau wird oftmals

Abhilfe durch eine Überdachung der Bäume mit Folie geschaffen. Das setzt aber niedrige Bäume

durch Verwendung der entsprechenden schwachwuchsinduzierenden Unterlagen voraus.

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Sauerkirschanbau

- 15 -

Früher wurde die Sauerkirsche in der Empfehlung auf Sandböden verbannt, die für andere Obstarten

oft nicht mehr geeignet sind. Diese Obstart kann man auf leichten aber auch auf schweren Böden

anbauen, die sich durch eine gute Durchlüftung auszeichnen. Staunässe sollte keinesfalls auftreten.

Für den Sauerkirschanbau gibt es zwei Unterlagen "Prunus avium" und "Prunus mahaleb".

"Prunus avium" eignet sich für tiefgründige und schwere Böden in Gebieten mit reichlichen Sommerniederschlägen.

Die durchwurzelbare Bodenschicht sollte mindestens 1 m betragen. Der Boden

muss sich durch eine gute Wasserspeicherfähigkeit auszeichnen ohne eine Neigung zur zeitweiligen

Vernässung zu haben.

Die Unterlage "Prunus mahaleb" benötigt leichte, trockene und flachgründige Böden. Ebenso geeignet

sind Schwarzerden und Lössböden in Gebieten mit geringen Sommerniederschlägen. Ungeeignet

sind dicht gelagerte zu zeitweiligen Luftmangel neigende Böden.

Die Sauerkirsche dankt eine hohe Bodengüte durch eine gute Ertragsleistung.

Pflaumenanbau

Diese Obstart stellt die gleichen Anforderungen wie die Kirsche. Sie hat allerdings toleranter in

Bezug zu feuchteren Böden. Sie verträgt mehr Nässe. Die Pflaume nutzt den geringeren Sauerstoffanteil

in feuchteren Böden gut aus.

Bei trockenen sandigen Böden entwickeln sich oft zu kleine Früchte. Das Wasserdefizit kann durch

Zusatzwassergaben ausgeglichen werden.

Beerenobst

Beerenobst benötigt sandige Lehme bis lehmige Sande. Brombeeren kann man auch auf Lehmböden

anbauen. Es ist besonders darauf zu achten, dass keine Boden- bzw. Untergrundverdichtungen

auftreten. Diese Feststellung ist besonders bei Erdbeeren und Himbeeren wichtig. Hier ist unbedingt

eine tiefere Bodenlockerung erforderlich. Durch die Wahl geeigneter Vorkulturen wird der

Boden ebenfalls verbessert. Geeignete Vorkulturen sind Porree und Zwiebeln. Beim Boden ist unbedingt

darauf zu achten, dass keine Staunässe auftritt.

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- 17 -

Alte Sorten aus der Sicht des Pomologen

Dr. Monika H ö f e r

Bundesanstalt für Züchtungsforschung an Kulturpflanzen

Institut für Obstzüchtung

Dresden-Pillnitz

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Alte Sorten aus der Sicht des Pomologen

Zusammenfassung

- 18 -

Alte Obstsorten sind wie Bräuche oder Bauten, sie stellen ein Stück unserer Kulturgeschichte dar,

mit ihnen würde ein Teil Kulturgeschichte verloren gehen, wenn sie nicht erhalten werden. Im Beitrag

werden die Entwicklung von Wildobstarten zu den heutigen Kultursorten und die geschichtliche

Entwicklung des Obstbaues vorgestellt. Gleichzeitig werden der Wert alter Obstsorten und die

heutigen Nutzungsmöglichkeiten herausgearbeitet und Informationen zur Beschreibung und zu

Bezugsquellen für Gartenfreunde geliefert.

Einführung

Das Interesse an alten Obstsorten hat nach mehreren Jahrzehnten der Vernachlässigung wieder

deutlich zugenommen, das zeigen die Besucherzahlen bei Sortenausstellungen sowie die Bildung

von Interessenvereinigungen, wie des Pomologenvereins e.V. in Deutschland und der Fructus in

der Schweiz. Auch auf regionaler und lokaler Ebene sind zahlreiche Arbeitskreise, Streuobstprojekte

und andere private Initiativen entstanden, die sich mit der Bestimmung und Erhaltung alter

Obstsorten befassen.

Als alt wird dabei eine Sorte angesehen, die mindestens seit 100 Jahren bekannt ist. In dem Beitrag

werden die geschichtliche Entwicklung des Obstbaues, die Entwicklung vom Wildobst zur Kulturform

für die einzelnen Obstarten sowie der Nutzen und der Wert alter Obstsorten dargestellt.

Vom Wildobst zur Kulturform – Geschichtliche Entwicklung des Obstbaues

Der Apfel ist heute die am meisten geschätzte Obstart, es existieren weltweit ca. 20.000 Sorten, von

denen jedoch nur wenige eine wirtschaftliche Bedeutung haben.

Älteste Apfelfunde auf deutschem Siedlungsgebiet stammen aus einer 6.000 Jahre alten Bandkeramikersiedlung

bei Heilbronn. Weitere Funde wurden in den Pfahlbauten am Bodensee, der Schweiz

und Österreich entdeckt. Alle diese Funde sind dem Holzapfel Malus sylvestris zuzuordnen. Der

kleine relativ herbe Holzapfel wurde für den Frischverzehr, zum Dörren und für die Vorratshaltung

gesammelt. Jedoch ist der einheimische Wildapfel nicht der Vorfahr unserer heutigen Kultursorten.

Es war ein langer Weg, bis sich aus den primitiven Wildapfelarten die heutigen Sorten der Kulturform

entwickelt haben. Als Vorfahre unseres heutigen Apfels gilt Wildart Malus sieversii, die heute

noch an den Gebirgshängen oberhalb von Alma Ata, der Kasachischen Hauptstadt, vorkommt.

Alma Ata heißt übersetzt ‚Stadt des Apfels‘. Durch zufällige Kreuzungen in der Natur und natürliche

Auslese entwickelten sich bessere Formen die wertvolleren Apfelbäume wurden wiederum in

der Nähe von Siedlungen angepflanzt. Schon 10.000 Jahre v. Chr. wuchsen im mittelasiatischen

Raum Äpfel mit einem Durchmesser bis 6 cm und einem Gewicht von 60 g.

Der europäische Holzapfel ist nur zum Teil an der Entwicklung beteiligt gewesen, so wahrscheinlich

bei den kleinen und leicht herben Mostäpfeln. Im botanischen System erhielt der Kulturapfel

den Namen Malus domestica. Da er genetisch gesehen ein Hybridkomplex ist, d. h. es waren mehrere

Arten an der Entstehung beteiligt, wird er heute auch als Malus x domestica bezeichnet. Über

die Handelsstraßen und Eroberungszüge gelangte der Apfel nach Süden und Westen. Es waren

insbesondere die Römer, die den Obstbau zu einer Hochkultur

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Vom Wildapfel zur Kultursorte - Der Kulturapfel eine

Komplexhybride aus verschiedenen Malus-Arten

Roter Eiserapfel

Hauptvorfahr –

Malus sieversii

natürlich vorkommend

in Zentralasien

12. Jahrhundert

Graue Französische

Renette

Weißer Winterkalvill

20. Jahrhundert

Apfelsorten aus der Pillnitzer

Züchtung ‚Pia‘ und ‚Pinova‘

Heimischer Wildapfel –

Malus sylvestris

Edelborsdorfer

16. Jahrhundert

Goldparmäne

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entwickelten und das Wissen sowie die ersten Sorten mit nach Norden brachten. Da die Frucht

jedoch im alten Germanien schon durch die heimische Wildform bekannt war, erhielt sich der alte

germanische Name, nach Grimm im Althochdeutschen ‘Aphul’.

Die Klöster des Mittelalters förderten die weitere Entwicklung. Aus den Mutterklöstern in Italien

und Frankreich kamen neue Sorten, es erfolgte der erste Reiseraustausch. So brachten Mönche aus

Bassigny in Frankreich auf ihrer Reise nach Altenkamp bei Köln im 12. Jahrhundert Reiser der

‘Grauen Französischen Renette’ mit. Einen ähnlichen Weg ging die Sorte ‘Edelborsdorfer’. Mönche

von Pforte hatten die Sorte aus südländischen Reisern auf ihrem Hofgut Borsendorf bei Dornburg

(Saale) angezogen. Im 19. Jahrhundert entwickelte sich diese Sorte zur Sächsischen Nationalfrucht.

Durch Pilgerfahrten und Kreuzzüge fand ein Sortenaustausch statt, was zu einer Zunahme der genetischen

Vielfalt führte und damit zur weiteren Sortenentwicklung. Bereits im 16. Jahrhundert

bekannte Apfelsorten waren u. a. ‘Roter Eiserapfel’, ‘Herbstparmäne’, ‘Goldparmäne’, ‘Weißer Winterkalvill’,

‘Königlicher Krummstiel’ und ‘Backapfel’. Während bis zum 16. Jahrhundert der Anbau

von Obst auf die Gärten der weltlichen und kirchlichen Herrscher begrenzt war, setzte sich mit

zunehmender Entwicklung die Erkenntnis durch, dass Obst eine wichtige Rolle in der Ernährung

spielt. Das 17. und 18. Jahrhundert waren von bäuerlichem Obstbau geprägt, auf Eigenversorgung

ausgerichtet.

Mit dem beginnenden 19. Jahrhundert, der Entwicklung moderner Großstädte, kam es auch zu

einer tiefgreifenden Umgestaltung der obstbaulichen Wirtschaftssysteme. Es entstand ein gesteigerter

Obstbedarf; es musste eine zweckmäßigere Anbaugestaltung geschaffen werden. Mit dieser

Entwicklung erhöhte sich auch die Sortenzahl sprunghaft, damit bestand ein riesiges Potential zur

Auslese. Namhafte Pomologen, wie Christ, Diel und Lucas, versuchten Ordnung in die Sortenvielfalt

zu bringen und Sortenempfehlungen auszusprechen. Das Erste Reichssortiment wurde geschaffen

und darauf aufbauend die Landessortimente.

Beginnend mit den 30iger Jahren des letzten Jahrhunderts, aber insbesondere nach dem 2. Weltkrieg

erforderten arbeitstechnische und wirtschaftliche Gründe eine rationelle Tafelobstproduktion,

die Anlage geschlossener Intensivobstanlagen. Die Entwicklung eines modernen Obstbaus wird

begleitet von einer Reduzierung des Obstartenspektrums. Gleichzeitig können nur leistungsstarke

Sorten wirtschaftlich bestehen.

Die alten Sorten sind alles Zufallssämlinge, Bäume dieser Sorten wurden zufällig im Wald, an Hecken

und am Rand von Siedlungen gefunden oder Jungpflanzen wurden aus Tresterabfällen der

Mostbereitung gezogen und ausgegraben. Eine Zwischenstufe zur eigentlichen Züchtung war die

bewusste Aussaat und Auslese von Samen ‚guter Sorten’ durch Pomologen. Erst mit der Gründung

der Abteilung Obstzüchtung im Kaiser-Wilhelm-Institut für Züchtungsforschung in Müncheberg

wurde in Deutschland 1929 mit der systematischen Obstzüchtung begonnen. 1971 wurden diese

Züchtungsarbeiten nach Dresden-Pillnitz verlagert und werden heute durch das Institut für Obstzüchtung

der Bundesanstalt für Züchtungsforschung an Kulturpflanzen fortgesetzt.

Die geschichtliche Entwicklung der Birne entspricht weitgehend derjenigen des Apfels. Zur Entwicklung

der heutigen Kultursorten von Pyrus communis haben zahlreiche Wildarten beigetragen.

Wildarten der Birne sind in Europa und Westasien verbreitet. An der Entstehung der europäischen

Kultursorten sollen neben den in Europa verbreiteten Wildarten auch noch asiatische bzw. mediterrane

Arten beteiligt gewesen sein. Im Zuge der Völkerwanderung nach der Eiszeit kam die Birne

vom Kaukasus über den Balkan nach Griechenland, Italien und später mit den Römern nach Westeuropa.

Im Mittelalter waren es auch bei der Birne die Klöster und der Adel, die den Anbau förderten. Das

18. Jahrhundert war das ‚Goldene Jahrhundert’ der Sortenentwicklung bei der Birne. Viele aus dieser

Epoche und dem 19. Jahrhundert stammenden Sorten sind noch heute gut bekannt und im

Anbau: ‘Alexander Lucas’ (1870), ‘Boscs Flaschenbirne’ (1793), ‘Clapps Liebling’ (1860), ‘Confe-

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rence’ (1894), ‘Gellerts Butterbirne’ (1820), ‘Williams Christ’ (1770) u. a. Auch die Birnensorten

waren alles Zufallssämlinge, die nach ihrem Finder oder späteren Baumschuler benannt wurden.

Prunus avium, die Stammform der heutigen Kirschsorten, wächst wild in Kleinasien, im Kaukasus

und Europa. Als Heimat der Kultursorten der Süßkirsche wird der Schwarzmeerraum angesehen.

Feldherr Lucullus brachte nach seinem Sieg über Persien 63 v. Chr. Bäume der Kulturkirsche als

Beute nach Rom. Durch die Römer gelangten auch diese Früchte, ähnlich dem Apfel und der Birne,

nach Norden und Westen. In der Landesgüterordnung von Karl dem Großen, dem Capitulare de

Villis, werden die königlichen Kirschbäume als unerlässliche Pflanzen für den Obstgarten genant.

Die Süßkirschen werden entsprechend ihres Fruchtfleisches in Knorpelkirschen, diese zeichnen

sich durch festes Fruchtfleisch und gute Transportfähigkeit aus, und in Herzkirschen, mit weichem

saftigen Fleisch als Grundlage für Kirschwasser, unterteilt. Zu den bekannten alten Sorten von

Knorpelkirschen zählen: ‘Große Schwarze Knorpel’ (1540), ‘Dönissens Gelbe’ (1820), ‘Büttners

Rote Knorpel’ (1795) u. a. Viele der alten Herzkirschsorten kommen aus dem Potsdamer Anbaugebiet,

da die Preußenkönige, insbesondere Friedrich II., der Entwicklung der Obstbaumkultur zum

Aufschwung verhalfen. Die Kirschen waren die Lieblingsfrüchte des Königs. Bekannte Lokalsorten

aus diesem Anbaugebiet sind: ‘Kassins Frühe’ (1860), ‘Knauff’s Schwarze’ (1820) und ‘Frühe Werdersche

Herzkirsche’ (1794).

Steine von Sauerkirschen fanden sich erst in Grabungen in mittelalterlichen Städten des 13. und

14. Jahrhunderts. Prunus cerasus ist als Wildpflanze im Kaukasus und Kleinasien heimisch. Die

bekanntesten alten Sorten sind: ‘Ostheimer Weichsel’ (1714), ‘Leopoldskirsche’ (1772) und die

allen bekannte ‘Schattenmorelle’, die aus Frankreich stammt, bereits 1650 beschrieben wurde und

weltweit angebaut wird.

Nutzen und Wert alter Obstsorten

Aus der dargestellten geschichtlichen Entwicklung wird deutlich, dass sich die Entwicklung des

Obstbaues an veränderte ökonomische Erfordernisse anpassen musste. Sorten, die sich durch

große Fruchtbarkeit und schönes Äußeres auszeichneten, rückten in den Vordergrund, der Geschmack

verlor an Wichtigkeit. Es entstanden neue Bedingungen des Marktes. Die Gesamtheit der

Veränderungen machte die Entwicklung neuer Produktionsmethoden, neuer Unterlagen und Sorten,

neuer Erziehungs- und Kulturformen notwendig. Viele alte Sorten entsprechen nicht den Bedingungen

der heutigen Obstproduktion. Durch den Rückgang des Streuobstanbaues, der gekennzeichnet

war von einem großen Arten- und Sortenspektrum, wurden nicht nur Naturreservate zerstört,

sondern auch viele alte Sorten sind verloren gegangen. Außerdem brachte der steigende Lebensstandard

Veränderungen und Umgestaltungen der Hausgärten mit sich, was ebenfalls zum

Verlust alter Sorten beitrug, die von unseren Vorfahren gesammelt, gehütet und vermehrt worden

sind.

Erst in den letzten 20 Jahren, die gekennzeichnet waren durch ein gesteigertes Gesundheits- und

Umweltbewusstsein, dem Bedürfnis nach intakten Ökosystemen, verbunden mit der Rückbesinnung

auf Vergangenes, wurde erkannt, dass alte Sorten wie Bräuche oder Bauten sind, ein Stück

Kulturgeschichte darstellen und mit ihnen ein Teil Kulturgeschichte verloren gehen würde, wenn

man alte Obstsorten nicht erhält. Eine Sorte kann am besten erhalten werden, wenn diese durch

vielfältige Möglichkeiten genutzt wird: Intensivobstanbau – Marktproduktion; Streuobstanbau –

Landschaftsgestaltung; private Initiativen zur Nutzung alter Sorten; genetisches Potential für die

Züchtung und Erhaltung von obstgenetischen Ressourcen in Sammlungen.

Bei Apfel haben im Intensivobstanbau weltweit gegenwärtig nur etwa 20 Sorten eine wirtschaftliche

Bedeutung. In Deutschland werden von den alten Sorten angebaut: ‘Golden Delicious’ (1890), ‘Cox

Orange’ (1830) oder ‘Boskoop’ (1856). Betrachtet man das Angebot der Direktvermarkter, so erhöht

sich das Sortenspektrum, man findet u. a. ‘James Grieve’ (1890) oder ‘Gravensteiner’ (1669).

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Bei den Birnen wurde bereits im oberen Abschnitt darauf hingewiesen, dass sich das heutige Sortenspektrum

im Intensivobstanbau zum größten Teil aus alten Sorten des 18. und 19. Jahrhunderts

zusammensetzt. Bei der Süßkirsche sind neben sehr vielen neuen Sorten aber auch die alten Sorten

‘Knauff’s Schwarze’, ‘Büttners Rote Knorpel oder ‘Große Schwarze Knorpel’ im Anbau. Ein

komplett anderes Bild zeichnet sich bei der Sauerkirsche ab, da ist die ‘Schattenmorelle’ in

Deutschland zu 80 % im Anbau.

Streuobstwiesen, nach der Begriffsdefinition Hochstammanbau ohne Einsatz synthetischer Behandlungsmittel,

zeichnen sich durch eine wesentlich größere Arten- und Sortenvielfalt im Vergleich

zum Intensivobstanbau aus. Im Unterschied zum Intensivobstanbau mit bis zu 4.000 Bäumen

pro ha befinden sich hier etwa 75 Bäume pro ha. Alte Streuobstwiesen stellen ein reichhaltiges

Genreservoir insbesondere von alten Lokalsorten dar. Neben dem ökonomischen Wert besitzt der

Streuobstanbau auch einen ökologischen, gesundheitlichen und ethisch-kulturellen Wert, da ein

Stück alter Kulturgeschichte erhalten wird. Vom Naturschutzbund werden Empfehlungen für die

Sorten im Streuobstanbau ausgesprochen, darin enthalten sind Charakterisierungen zur Anbaueignung,

zum Wuchs und zum Reifetermin.

Die Pflege und die Ernte von Streuobstwiesen stellen eine extensive Wirtschaftweise dar, da sie

einen sehr hohen manuellen Arbeitsaufwand erfordern. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt existiert kein

spezieller Markt für diese Produkte. Einzige Abnehmer sind meist nur Keltereien, welche das Obst

zu geringen Preisen aufkaufen. In unserer heutigen Konsumgesellschaft spielt jedoch die Wirtschaftlichkeit

eine große Rolle. Aus diesem Grund ist es wichtig, durch die Veredlung des Ausgangsproduktes

Obst ein hochwertiges Endprodukt aus diesen alten Sorten zu gewinnen, um die

Wirtschaftlichkeit wieder herzustellen. Die Herstellung von sortenreinem Most, wie am Beispiel des

‘Finkenwerder Herbstprinz’, die Veredlung in Spezialitätenbrennereien oder Erzeugung von Birnenschaumwein

aus der ‘Champagner Bratbirne’ tragen durch die Nutzung der alten Sorten zum Erhalt

der selben bei.

Alte Obstsorten zeichnen sich durch eine große Vielfalt an Formen, Farben, Geschmacksrichtungen,

Wuchstypen, Blühzeiten und Resistenzen aus und stellen somit ein wichtiges Ausgangspotential

für die Züchtung neuer Sorten dar. Heute bekannte neue Sorten sind durch die Kreuzungsarbeit

mit alten Sorten entstanden: z. B. ‘Elstar’ (1975) eine Kreuzung aus ‘Golden Delicious’ (1890) und

‘Ingrid Marie’ (1910).

Eine Aufstellung von Sorten, welche in den staatlichen Einrichtungen in Deutschland und einigen

nichtstaatlichen Organisationen sowie Privatsammlungen vorhanden sind, ist im Bundesobstartensortenverzeichnis

http://www.genres.de/bosr/ enthalten. Sortenbeschreibungen sind im Internet

unter http://www.genres.de/eva/ einzusehen.

Aus der großen Sortenanzahl, die heute bekannt ist, wird jedoch auch deutlich, dass die Erhaltung

von allen Sorten nicht über eine direkte Nutzung gesichert werden kann. Aus diesem Grund sind

Genbanken und Sortengärten im Ursprungsgebiet sowie private Sammlungen notwendig, um auch

Sorten zu erhalten, die in der gegenwärtigen Entwicklung des Obstbaues und der Züchtung keine

Bedeutung besitzen, jedoch in der Zukunft bei anderen Anforderungen an eine Sorte durchaus

wieder an Bedeutung gewinnen können. Damit stellt die Erhaltung von alten Obstsorten zum einen

die Erhaltung eines Teils der Kulturgeschichte dar, ist aber gleichzeitig auch die Grundlage für den

Obstanbau und die Züchtung in der Zukunft.

Für Gartenfreunde, die Bäume von alten Obstsorten in ihrem Garten aufpflanzen wollen, wurde die

nachfolgende Aufstellung von Baumschulen angefügt, die u. a. alte Sorten im Angebot haben. Reiser

von alten Sorten werden sowohl von Reisermuttergärten als auch von den Genbanken und anderen

Sammlungen abgegeben.

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Literatur

Hartmann, W.: Farbatlas Alte Obstsorten. Ulmer-Verlag 2003

Fischer, M.: Farbatlas Obstsorten. Ulmer-Verlag 2003

Heilmeyer, M.: Kirschen für den König, Potsdamer Pomologische Geschichten. Vacat 2001

Schaal, G.: Obstsorten. Manuscriptum 1999

Votteler, W.: Verzeichnis der Apfel- und Birnensorten. Obst- und Gartenbauverlag 1998

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Baumschulbetriebe, die fertige Anzuchten so genannter "Alter Obstsorten" anbieten

Baumschule Anschrift Telefon/Fax

Alves, Wilhelm Prisdorfer Weg 69

25421 Borstel

Brandt-Westphal, Eckhart Im Moor 1

21712 Großenwörden

Clausen, Hermann Schleswiger Str. 46

24860 Böklund

Cordes, Hermann

Lülanden 4

(Inh. John-Hermann C.) 22880 Wedel

Fuhs, J. & Sohn

Alfterer Str. 210

(Inh. Hans-Peter Fuhs) 53347 Alfter

Gebr. Kühnen Steinberg 2

22880 Wedel

Heros-Baumschulen Niedergräfenhain,

04643 Geithain

Hoffmann, Dr. Ute; Obstbaum- Brinkstr. 53

schule

27249 Mellinghausen/Brake

Krämer Baumschulen

Bielefelder Str. 202-206

(Inh. Rolf Krämer)

32758 Detmold

Müller, Adolf Mimmelager Str.

49610 Quakenbrück

Sämann, Baumschulen Spittelwiesenweg 42

02625 Bautzen

Semmelhack, Heinrich Ellerauer Str. 43

25451 Quickborn

Söruper Baumschulen, Meinulf Waldweg 2

Hammerschmidt

24966 Sörup

Wolters Baumschulen Hillenberg 2

28857 Syke-Wachendorf

Wunderlich, Wolfgang Schulenhörn 10

25421 Pinneberg

04101-72886, -71630 (Fax)

04775-538

04623-343, -7353 (Fax)

04103-2498, -5340 (Fax)

02222-2571, -63413 (Fax)

04103-9293-0, -30 (Fax)

034341-42506, -41420 (Fax)

04272-382, -1865 (Fax)

05231-68778, -63457 (Fax)

05431-2331, -2778 (Fax)

03591-2186-0, -20 (Fax)

04106-2377, -68599 (Fax)

04635-2745

04240-1407, -1538 (Fax)

04101-72-792, -859 (Fax)

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Neue Sorten und Kulturformen im Obstbau

Dr. Andreas P e i l

Bundesanstalt für Züchtungsforschung an Kulturpflanzen

Institut für Obstzüchtung

Dresden-Pillnitz

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Neue Sorten und Kulturformen im Obstbau

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Das Institut für Obstzüchtung in Dresden-Pillnitz ist eines von neun Instituten der Bundesanstalt

für Züchtungsforschung an Kulturpflanzen. Die Anstalt gehört zum Geschäftsbereich des Bundesministeriums

für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft. Die neun Institute verteilen

sich auf sechs Standorte. Das Institut für Obstzüchtung arbeitet besonders eng mit dem Institut

für Epidemiologie und Resistenz in Aschersleben und dem Institut für Pflanzenanalytik in Quedlinburg

zusammen.

Die Aufgaben des Institutes sind die Bereitstellung neuer Sorten bei Baum- und Beerenobst für den

umweltschonenden Obstbau, die Erarbeitung von Entscheidungshilfen für das Bundesministerium

für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft auf dem Gebiet des Obstbaus und die Erhaltung

und Betreuung obstgenetischer Ressourcen. Im Jahr 2003 wurde die Genbank Obst des Instituts

für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung (IPK) Gatersleben in das Institut für Obstzüchtung

eingegliedert, was besonders für die Sortenzüchtung einen entscheidenden Vorteil darstellt.

Zurzeit hat das Institut für Obstzüchtung ca. 50 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, darunter zwölf

Wissenschaftler, die zum Teil auf Projektstellen beschäftigt werden. Die Versuchsfeldfläche beläuft

sich auf ca. 45 ha, die nutzbare Gewächshausfläche auf ca. 1.550 m 2 und die Laborfläche auf 456

m 2

. Neben der Züchtung von Obstsorten und der Betreuung der Genbank werden in Arbeitsgruppen

molekulargenetische und biotechnologisch-gentechnische Fragestellungen bearbeitet.

Bei der Thematik Züchtung neuer Obstsorten stellt sich die Frage:

Brauchen wir neue Obstsorten?

Die Antwort ist: Ja, wir brauchen neue Obstsorten. An Obstsorten werden vielfältige Ansprüche

seitens der Verbraucher, der Vermarkter, der Erzeuger und der Vermehrer gestellt. Keine Obstsorte

kann alle Ansprüche befriedigen. Eine Obstsorte stellt immer einen Kompromiss dar. So verlangt

z. B. der Verbraucher einen wohlschmeckenden Apfel, der makellos und möglichst nicht mit Pflanzenschutzmitteln

behandelt worden ist. Der Erzeuger muss jedoch Pflanzenschutzmittel aufwenden,

um einen einwandfreien Qualitätsapfel zu produzieren. Hier werden neue Sorten, resistente

Sorten, benötigt, die es gestatten, diesen Pflanzenschutzmittelaufwand zu reduzieren, aber trotzdem

eine ausgezeichnete Qualität besitzen. Als weitere Punkte sind die Veränderung in den Geschmacksgewohnheiten

der Verbraucher und steigende Ansprüche der verarbeitenden Industrie zu

nennen. Bei der Gefriertrocknung von Erdbeeren sind z. B. die Energiekosten von ausschlaggebender

Bedeutung. Die Erhöhung der Trockenmasse von nur einem Prozent senkt die Energiekosten

um ca. 10 %.

Neue Sorten müssen besser sein als das bisherige Sortiment, d. h., sie müssen dem Vermehrer,

Erzeuger, Vermarkter oder Verbraucher einen Vorteil bringen. Aus deren unterschiedlichen Ansprüchen

setzen sich die Zuchtziele für neue Sorten zusammen. Führt der Züchtungsprozess dann zu

einer verbesserten Sorte, muss sich diese am Markt durchsetzen. Die Einführung neuer Sorten

braucht Zeit und ist kostenintensiv. Hier kann man zwei Beispiele aus dem Bereich der Apfelzüchtung

nennen. Da ist zum einen die Sorte ‘Cripps Pink’ (Markenname ‘Pink Lady’), die massiv beworben

wurde und wird und mittlerweile einen guten Bekanntheitsgrad besitzt, und zum anderen

die Sorte ‘Pinova’, eine Sorte aus dem Institut für Obstforschung Dresden-Pillnitz, die bereits 1986

zugelassen wurde, aber trotz ihrer unbestreitbaren Qualitäten erst seit wenigen Jahren mehr Beachtung

im Anbau findet.

Aufgabe der Obstzüchtung ist die Bereitstellung gebrauchswertorientierter Sortimente mit exzellenter

Tafelqualität für den Frischverzehr, mit hoher Rohstoffqualität für die Verarbeitung und für den

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Anbau mit einem stark verminderten Aufwand an Pflanzenschutzmitteln. Das Institut für Obstzüchtung

in Dresden-Pillnitz arbeitet vor diesem Hintergrund an der Züchtung von Apfel, Erdbeere,

Süß- und Sauerkirsche. Die Zuchtziele sind dabei von Obstart zu Obstart unterschiedlich, vereinen

aber alle die Parameter Qualität der Frucht, Ertragssicherheit und Resistenz gegen biotische und

abiotische Schadfaktoren in sich. Der Weg in der Züchtung geht aus von der Schaffung genetischer

Variabilität, die auf traditionellem Weg durch sexuelle, gezielte Kreuzung erzeugt wird. In den entstandenen

Populationen wird dann entsprechend der Zuchtziele selektiert. Geeignete Klone werden

vermehrt, an unterschiedlichen Standorten geprüft und können zu neuen Sorten werden.

Am Institut für Obstzüchtung sind in letzter Zeit sechs neue Apfel- und drei Sauerkirschsorten entstanden,

die zurzeit beim Bundessortenamt in Wurzen geprüft werden. Unter den sechs neuen

Apfelsorten sind zwei resistente Sorten, Re-Sorten ® , und vier so genannte konventionelle Sorten,

Pi-Sorten. Die sechs neuen Sorten zeichnen sich durch folgende Eigenschaften aus:

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‘Pikosa’

- 28 -

Kreuzung: 1988, ‘Pirella’ [‘Golden Delicious’ x ‘Alkmene’] x ‘Idared’

Züchter: C. Fischer, Haugk

angemeldet zum Sortenschutz: 2002•Fa

biger

‘Pikosa’ ist eine farbige Herbstapfelsorte, empfohlen für den Intensivanbau und Liebhaberobstbau.

Sie eignet sich sehr gut als Tafelapfel.

‘Pikosa’ blüht mittel bis spät, dabei reich und regelmäßig. Als Pollenspender sind z. B. ‘Golden

Delicious’ und ‘James Grieve’ geeignet. Die Frucht ist mittelgroß, mit einem Fruchtgewicht von ca.

170 g, länglich-rund und stielbauchig mit gelber Grundfarbe und roter, flächiger Deckfarbe bis 75

%. Die Frucht ist glatt, der Geschmack ausgeglichen bis süßlich bei weichem bis mittelfestem

Fruchtfleisch.

Der Ertrag setzt früh ein, ist hoch (135 % zu ‘Golden Delicious’) und regelmäßig. ‘Pikosa’ ist in der

ersten Septemberdekade pflückreif und genussreif ab Ernte bis Dezember.

Der Baum wächst mittelstark mit schräg aufrecht stehenden Gerüstästen bei guter Verzweigung.

Die Sorte ist wenig empfindlich für Schorf und Mehltau.

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‘Pilana’

- 29 -

Kreuzung: 1988, ‘Pirella’ [‘Golden Delicious’ x ‘Alkmene’] x ‘Idared’

Züchter: C. Fischer, Haugk

angemeldet zum Sortenschutz: 2002•Fa

‘Pilana’ ist eine farbige Herbstapfelsorte, empfohlen für den Intensivanbau und Liebhaberobstbau.

Sie eignet sich sehr gut als Tafelapfel.

Die Blüte setzt bei ‘Pilana’ mittel bis spät ein und ist reich und regelmäßig. Für diese diploide Sorte

eignen sich ‘Golden Delicious’ und ‘James Grieve’ als Bestäubersorten. Die Frucht ist mittelgroß

bis groß bei länglich-rundem, stielbauchigem Umriss. Die gelbe Grundfarbe ist zu ca. 75 % mit

hellrot gemaserter Deckfarbe bedeckt. Der Geschmack ist ausgeglichen bis säuerlich bei mittelfestem

Fruchtfleisch.

Der Ertrag setzt früh ein, ist sehr hoch (141 % zu ‘Golden Delicious’) und regelmäßig. Die

Pflückreife liegt in der ersten Septemberdekade und die Genussreife beginnt ab der Ernte und dauert

bis November.

Der Baum wächst mittelstark mit schräg aufrecht stehenden Gerüstästen bei guter Verzweigung.

Die Sorte ist wenig empfindlich für Schorf und Mehltau.

Bundesverband Deutscher Gartenfreunde e.V. - Grüne Schriftenreihe 173


‘Pisaxa’

Kreuzung: 1984, Pi-A-15,130 [‘Undine’ x ‘Alkmene’] x ‘Pinova’ [‘Clivia’ x ‘Golden Delicious’]

Züchter: C. Fischer, Schmadlak, Haugk

angemeldet zum Sortenschutz: 2002

- 30 -

‘Pisaxa’ ist eine rote Spätherbstapfelsorte, empfohlen für den Intensivanbau und Selbstversorger.

Sie eignet sich sehr gut als Tafelapfel.

Die diploide Sorte ‘Pisaxa’ blüht mittelfrüh, reich und regelmäßig. Befruchtersorten sind u. a. ‘Golden

Delicious’ und ‘Idared’.

Die große Frucht erscheint rund, ein wenig flach gebaut mit gelber Grundfarbe, die bis zu

100 % von einer kräftigen roten Farbe bedeckt wird. Der fein säuerliche bis ausgeglichene Geschmack

wird von einem kräftigen Aroma begeleitet. Das Fruchtfleisch ist knackig und fest.

Der Ertrag setzt früh ein, liegt bei 105 % im Vergleich mit ‘Golden Delicious’ und ist regelmäßig.

Die Ernte liegt in der dritten Septemberdekade, die Genussreife beginnt Anfang Oktober und dauert

bis Februar.

Der Wuchs des Baumes ist mittelstark. Die Gerüstäste sind schräg aufrecht stehend mit guter Verzweigung.

‘Pisaxa’ ist wenig empfindlich für Schorf und Mehltau.

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‘Pivita’

Kreuzung: 1984, ‘Pinova’ [‘Clivia’ x ‘Golden Delicious’] x ‘Idared’ [‘Jonathan’ x ‘Wagnerapfel’])

Züchter: C. Fischer, Schmadlak

angemeldet zum Sortenschutz: 2002

- 31 -

‘Pivita’ ist eine rote Winterapfelsorte, empfohlen für den Intensivanbau. Sie eignet sich sehr gut als

Tafelapfel.

Die reiche und regelmäßige Blüte setzt mittelfrüh ein. Geeignete Befruchtersorten für die diploide

Sorte ‘Pivita’ sind ‘Idared’ und ‘James Grieve’.

Die mittelgroße Frucht erinnert an ‘Pinova’, ist aber mit einem kräftigeren Rot gefärbt und bis zu

100 % bedeckt. Auffällig sind die leuchtend gelben Lentizellen. Der volle süßliche Geschmack und

die angenehm knackig, mittelfeste bis feste Frucht erinnern an ‘Gala’. Der früh einsetzende Ertrag

ist hoch (116 % im Verhältnis zu ‘Golden Delicious’) und regelmäßig. Pflückreif ist ‘Pivita’ in der

ersten Oktoberdekade und die Genussreife beginnt im November und dauert im normalen Kühllager

bis Februar/März.

Aufgrund des mittelstarken Wuchses von ‘Pivita’ eignet sich der Baum vorzüglich für die Erziehung

als schlanke Spindel. Die Sorte ist gering anfällig für Schorf und Spinnmilben und anfällig für Mehltau.

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‘Recolor’

- 32 -

Kreuzung: 1989, ‘Regine’ [‘Clivia’ x schorfresistenter Zuchtstamm/Vf] x ‘Reglindis’ [‘James Grieve’ x

schorfresistenter Zuchtstamm von ‘Antonovka’/VA]

Züchter: C. Fischer

angemeldet zum Sortenschutz: 2002

‘Recolor’ ist eine mehrfachresistente, rote Herbstapfelsorte. Sie wird empfohlen für den intensiven

und den biologischen Erwerbsanbau und Selbstversorger.

Die Blüte ist früh, reich und regelmäßig. Als Befruchtersorten für die diploide Sorte ‘Recolor’ eignen

sich z. B. ‘Idared’ und ‘James Grieve’.

‘Recolor’ bildet eine mittelgroße, länglich-runde Frucht mit glatter Schale. Die rote Deckfarbe liegt

bis zu 70 % über der grünlich-gelben Grundfarbe mit roter Deckfarbe. Der Geschmack ist ausgeglichen

mit feinem Aroma bei mittelfestem Fruchtfleisch. Der Ertrag setzt früh ein, ist regelmäßig und

mittel (im Verhältnis zu ‘Prima’ 90 %). Die Pflückreife liegt in der zweiten Dekade September. Genussreif

ist ‘Recolor’ ab der Ernte bis November bei der Lagerung im Kühllager. ‘Recolor’ wächst

mittelstark, bildet eine lockere, gut verzweigte Krone.

Als Besonderheit zeichnet sie die Resistenz gegen Schorf (Vf, VA) aus. Des Weiteren ist sie unempfindlich

für Spinnmilbe, Bakterienbrand und nur mäßig anfällig für Mehltau.

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‘Rekarda’

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Kreuzung: 1980, ‘Golden Delicious’ x ‘Remo’[‘James Grieve’ x schorfresistenter Zuchtstamm/Vf]

Züchter: C. Fischer

angemeldet zum Sortenschutz: 2002

‘Rekarda’ ist als mehrfachresistente, farbige Winterapfelsorte sowohl für den intensiven als auch

den biologischen Erwerbsanbau und Selbstversorger empfehlenswert.

Die Blüte ist mittelspät, wie ‘Golden Delicious’, reich und regelmäßig. Als Befruchter für diese

diploide Sorte eignen sich ‘Idared’ und ‘James Grieve’. Die Frucht wird mittelgroß bis groß und hat

eine länglich-runde Form. Die glatte Schale prägt eine grünlich-gelbe Grundfarbe mit bis zu 70 %

roter Deckfarbe. Der Geschmack ist herb säuerlich. Der Ertrag setzt früh ein, ist regelmäßig und

mittel bis hoch (106 % im Vergleich zu ‘Prima’). Die Pflückreife liegt in der zweiten Oktober-

Dekade. Genussreif ist die Sorte von November bis März bei der Lagerung im Kühllager. Bei mittelstarkem

Wuchs bildet ‘Rekarda’ eine lockere, gut verzweigte breite Krone.

‘Rekarda’ ist resistent gegen Schorf (Vf), unempfindlich für Spinnmilbe und Bakterienbrand und

nur mäßig anfällig für Mehltau.

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- 34 -

Die drei neuen Sauerkirschsorten werden im Folgenden beschrieben:

‘Achat’

Kreuzung: ‘Köröser’ x Klon B7,2,40 [‘Fanal’ x ‘Kelleriis 16’]

Züchter: B. Wolfram

Charakteristisch für die Sorte ‘Achat’ ist ihr Fruchtbehang am mehrjährigen Holz. Eine Verkahlung

des stärker wachsenden Baumes ist nicht zu beobachten. Die dunkelrotbraunen, wohlschmeckenden

Früchte mit einem mittleren Fruchtgewicht von 7,4 g reifen Mitte Juli, zwei Wochen vor der

Sorte ‘Schattenmorelle’. Die Sorte ist selbstfertil.

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‘Jade’

Kreuzung: ‘Köröser’ x ‘Röhrigs Weichsel’

Züchter: B. Wolfram

- 35 -

Die Sorte ‘Jade’ ist durch ihr gutes Aroma und einen sehr guten Geschmack charakterisiert. Die

dunkelrotbraunen Früchte mit einem Fruchtgewicht von durchschnittlich 7,1 g reifen kurz vor oder

mit der Sorte ‘Schattenmorelle’. Die Sorte ist selbstfertil. Im Vergleich zur Sorte ‘Schattenmorelle’

ist der Fruchtbehang etwas geringer. Die Sorte kann gut als Spindel erzogen werden und verkahlt

nicht so stark.

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‘Rubellit’

Kreuzung: ‘Köröser’ x ‘Schattenmorelle’

Züchter: B. Wolfram

- 36 -

Die Sorte ‘Rubellit’ hebt sich durch ihre sehr gute Fertilität aus. Ihr Fruchtbehang ist gleich bzw.

höher als der Behang der Sorte ‘Schattenmorelle’.

Die runden Früchte mit einer durchschnittlichen Fruchtgröße von 7,8 g sind rot bis dunkelrot. Die

Reifezeit ist gleich der Sorte ‘Schattenmorelle’ Ende Juli.

Die Sorte ‘Rubellit’ ist selbstfertil.

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- 37 -

Tabelle: Merkmale der neuen Sauerkirschsorten im Vergleich zur Sorte

‘Schattenmorelle’

Sorte

Fruchtbehang

Selbstfertilität %

Achat Pi-Sa 5,55 5,3 21,0 6,7 24,0 16,3 16,1 1996 - 2003

Rubellit Pi-Sa 11,134 6,4 26,2 7,0 23,9 14,9 19,2 1995 - 2003

Jade Pi-Sa 19,130 5,6 35,2 6,4 24,0 17,3 19,1 1995 - 2003

Schattenmorelle 5,6 25,0 6,0 22,1 14,4 18,1 1995 - 2003

Fruchtmasse in g

Fruchtgrößen in mm

Zucker ( Brix % )

Säure ( Weinsäure )

Mittelwerte

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- 39 -

Nährstoffansprüche und Versorgung der Obstbäume

Gerd G r o ß m a n n

Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft,

Fachbereich Gartenbau

Dresden-Pillnitz

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- 40 -

Nährstoffansprüche und Versorgung der Obstbäume

1. Einleitung

Eine optimale Nährstoffversorgung der Obstgehölze im Garten setzt Kenntnisse über Wachstumsfaktoren,

erforderliche Bodenverhältnisse aber auch über Wechselbeziehungen der Nährstoffe zueinander

voraus. Gleichfalls spielen für die Nährstoffansprüche und die Versorgung die Obstart

sowie die Unterlage eine Rolle (Abb. 1). Bei den Wachstumsfaktoren übt insbesondere das Klima

mit den Faktoren Temperatur und Niederschlag einen Einfluss auf die Nährstoffverfügbarkeit aus.

Beim Boden, der selbst als Wachstumsfaktor anzusehen ist, sind vor allem der Humus- und Tongehalt

und der pH-Wert entscheidend für die Nährstoffversorgung. Der Bedarf der einzelnen Obstarten

an Hauptnährstoffen ist unterschiedlich hoch. In der Regel haben Steinobstarten einen höheren

Bedarf als Kernobstarten.

Abb. 1: Faktoren die für die Nährstoffversorgung zu beachten sind

Wachstumsfaktoren Bodenverhältnisse

Klima

Obstart und

Unterlage

2. Wachstumsfaktor Klima

Was gilt es

zu beachten?

Humus

pH-Wert

Wechselbeziehungen

der Nährstoffe

Tongehalt

Beim Klima als variabler Wachstumsfaktor zeichnet sich seit Jahren eine langsame aber kontinuierliche

Veränderung ab. Am Beispiel des Witterungsverlaufes am Standort Dresden-Pillnitz ist für die

letzten zwölf Jahre eine Erhöhung der Durchschnittstemperatur der Monate Januar bis August gegenüber

dem langjährigen Mittel zu verzeichnen (Abb. 2). Bei Betrachtung der Abweichung der

Jahresmitteltemperatur vom langjährigen Mittel in Abbildung 3 liegt diese seit 1992 mit Ausnahme

der Jahre 1996 und 1997 deutlich über dem Mittel. Die höchste positive Abweichung war 2000 mit

1,8 °C. Im Mittel der Jahre 1992 bis 2003 erhöhte sich die Jahresdurchschnittstemperatur um 0,8

°C.

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- 41 -

Abb. 2: Monatliche Durchschnittstemperatur 1992-2003 im Vergleich zum langjährigen Mittel

°C

21,0

20,0

19,0

18,0

17,0

16,0

15,0

14,0

13,0

12,0

11,0

10,0

9,0

8,0

7,0

6,0

5,0

4,0

3,0

2,0

1,0

0,0

-1,0

Jan

Monatliche Durchschnittstemperatur im Mittel der Jahre 1992 bis 2003

im Vergleich zum langjährigen Mittel 1961 bis 1990 am Standort Pillnitz

Mittel 92-03 Mittel 61-90

Febr

März

Abb. 3: Abweichung der Jahresmitteltemperatur vom langjährigen Mittel

2

°C

1,5

1

0,5

0

-0,5

-1

-1,5

Apr

Mai

Juni

Juli

August

Abweichung der Jahresmitteltemperatur vom langjährigen Mittel 1961 -1990 (9,2 °C)

am Standort Pillnitz

1,2

0,4

1,7

0,9

-1,1

0

0,4

1992 1993 1994 1995 1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 Mittel

92-03

Die monatlichen Niederschläge im Mittel der Jahre 1992 bis 2003 im Vergleich zum langjährigen

Mittel sind in Abbildung 4 ersichtlich. Mit Ausnahme der Monate März und Juli sind die Monatsniederschläge

deutlich verringert. Extrem stark verringert haben sich die Niederschläge in den Wintermonaten.

Im Dezember und Januar betragen sie fast nur noch die Hälfte des langjährigen Mittels.

In Abbildung 5 zur Abweichung des Jahresniederschlages der Jahre 1992 bis 2003 wird das

langjährige Mittel nur 1995 und 2002 überschritten. In den anderen Jahren liegt der Jahresnieder-

0,9

Sept

1,8

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Okt

0,6

Nov

1,6

Dez

1,3

0,8


- 42 -

schlag deutlich darunter. 2003 stellt ein absolutes Extremjahr dar mit einem Defizit von 356 mm.

Im Mittel der Jahre 1992 bis 2003 beträgt das Defizit des Jahresniederschlages immerhin 82 mm

gegenüber dem langjährigen Mittel mit 648 mm.

Abb. 4: Monatlicher Niederschlag im Mittel der Jahre 1992-2003 im Vergleich zum langjährigen Mittel

mm

90

80

70

60

50

40

30

20

10

0

Monatlicher Niederschlag im Mittel der Jahre 1992 bis 2003

im Vergleich zum langjährigen Mittel 1961 bis 1990 am Standort Pillnitz

Mittel 92-03 Mittel 61-90

Jan Febr März Apr Mai Juni Juli August Sept Okt Nov Dez

Abb. 5: Abweichung des Jahresniederschlages 1992-2003 vom langjährigen Mittel

mm

150

100

50

0

-50

-100

-150

-200

-250

-300

-350

-400

Abweichung des Jahresniederschlag vom langjährigen Mittel 1961-1990 (648 mm)

am Standort Pillnitz

-90

-38 -44

50

-115

-132

-17

1992 1993 1994 1995 1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 Mittel

92-03

-155

-110

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-84

97

-356

-82


3. Bodeneigenschaften und Zeigerpflanzen

- 43 -

Der Boden bietet den Obstgehölzen einerseits einen sicheren Stand, andererseits ist er für ihre

Ernährung die wesentliche Grundlage. An natürlichen Standorten zeigen bestimmte Pflanzenarten

den Zustand des Bodens an. Sie geben Auskunft zu Bodenverdichtungen, Staunässe oder humose

und nährstoffreiche Böden. Aber auch die Bodenreaktion sauer bzw. alkalisch lässt sich von Zeigerpflanzen

ableiten. Im kultivierten Garten kann man jedoch davon nur im geringen Maße

Gebrauch machen (Tabelle 1).

Tabelle 1: Auswahl von Zeigerpflanzen.

Zeigerpflanzen weisen auf den Zustand des Bodens hin

Stickstoffanzeiger Brennnessel, Hirtentäschel, Franzosenkraut,

Kreuzkraut, Vogelmiere

Anzeiger für sauren

Boden

Anzeiger für

alkalischen Boden

Anzeiger für

Verdichtungen und

Staunässe

Hundskamille, Kleiner Sauerampfer, Hasenklee

Wiesenstorchschnabel, Kriechendes Fingerkraut,

Ackerstiefmütterchen

Ackerfuchsschwanz, Ackerkratzdistel,

Ackerschachtelhalm, Kriechender Hahnenfuß

Anzeiger für Bodengare Franzosenkraut, Taubnessel, Brennnessel, Vogelmiere

4. Aufgaben der Nährstoffe

Für ein optimales Gedeihen der Obstgehölze, was sich in einem ausgeglichenen Verhältnis zwischen

Wachstum und Ertrag widerspiegelt, zeichnen Makro- und Mikronährstoffe verantwortlich.

Stickstoff als „Motor des Wachstum“ ist für die Chlorophyllbildung und Eiweißsynthese unerlässlich.

Ein höherer Phosphorbedarf besteht für die Blütenbildung und das Wurzelwachstum. Kalium

ist als quellendes Element wesentlich für den Wasserhaushalt verantwortlich. Ausreichend mit Kalium

versorgte Gehölze überstehen länger anhaltende Trockenperioden besser. Weiterhin ist Kalium

wichtig für die Zucker- und Kohlenhydratbildung für die Einlagerung von Reservestoffen bei.

Dadurch wird die Frosthärte positiv beeinflusst. Magnesium ist der zentrale Baustein des Chlorophylls.

Kalzium als Bestandteil der Zellwände fördert besonders die Holzreife. Von den Mikronährstoffen

sind insbesondere Eisen, Bor und Zink bei den Obstgehölzen an wichtigen Prozessen wie

Chlorophyllsynthese, Befruchtungsprozesse und Wuchsstoffbildung beteiligt.

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5. Der pH-Wert und seine Auswirkungen

- 44 -

Eine entscheidende Schlüsselrolle spielt der pH-Wert des Bodens. In erster Linie ist seine Höhe

von der Bodenart abhängig. Je mehr Tongehalt ein Boden aufweist, desto höher ist der optimale

pH-Bereich. Darüber hinaus besteht eine Beziehung zum Humusgehalt. Mit zunehmendem Humusgehalt

nimmt der optimale pH-Bereich ab. Erst in zweiter Hinsicht ist der optimale pH-Bereich

der Obstgehölze in Betracht zu ziehen. Mit wenigen Ausnahmen, wie bspw. Heidelbeere, gedeihen

Obstgehölze am besten bei einer mäßig sauren bis schwach sauren Bodenreaktion. Abbildung 6

verdeutlicht, wie sich pH-Bereiche auf den Zustand mineralischer Böden auswirken. In Abhängigkeit

von der Bodenart wird in einem pH-Bereich zwischen 5,5 und 7,2 ein gutes Pflanzenwachstum

zu erwarten sein. Auf leichten Böden kommt es ab pH 6,2 nach oben bereits zu Überkalkungsschäden.

Diese führen oft zur Festlegung von Mangan und Eisen. Auf mittelschweren und schweren

Böden dagegen führt ein Absinken des pH-Wertes unter 4,5 zu Säureschäden. In diesem Fall werden

insbesondere Aluminium- und Manganionen in großem Maße freigesetzt, die dann eine phytotoxische

Wirkung haben.

Abb. 6: pH-Bereiche mineralischer Böden und ihre Auswirkungen

kein

Wachstum

mehr Säureschäden

extrem

sauer

sehr stark

sauer

stark

sauer

mäßig

sauer

gutes Wachstum

auf vielen Böden

Überkalkungsschäden

auf leichten Böden

3 4 5 6 7 8 9

schwach

sauer

schwach

alkalisch

stark

alkalisch

saure Böden alkalische Böden

neutrale

Böden

pH-Bereich vieler

Kulturböden

kein

Wachstum

mehr

extrem

alkalisch

(nach FINK 1991)

Die optimale Einstellung des pH-Wertes in Bezug auf die Bodenart ist außerdem sehr wichtig für

eine gute Nährstoffverfügbarkeit aus dem Boden (Abb. 7). Die beste Verfügbarkeit von Makronährstoffen

ist einem pH-Bereich von 6 bis 7. Ab dem stark sauren Bereich nimmt die Verfügbarkeit

enorm ab. Mikronährstoffe, wie beispielsweise Eisen und Mangan, werden dagegen im stark alkalischen

Bereich festgelegt und sind nicht mehr pflanzenverfügbar. Deutlich wird dies in der bekannten

Eisenchlorose. Hier zeigen zuerst jüngere Blätter Mangelerscheinungen. Die Interkostalfelder

vergilben, während die Blattadern grün bleiben.

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- 45 -

Abb. 7: Nährstoffverfügbarkeit von Makronährstoffen in Abhängigkeit vom pH-Wert,

Nährstoffverfügbarkeit %

100

90

80

70

60

50

40

30

20

10

0

Nährstoffverfügbarkeit (%) in Abhängigkeit vom pH-Wert

4 4,5 5 5,5 6 6,5 7 7,5 8

6. Wechselbeziehungen der Nährstoffe

Phosphor Kalium

Magnesium

pH-Wert

Außer des Einflusses des pH-Wertes auf die Nährstoffversorgung gibt es vielfältige Wechselbeziehungen

der Nährstoffe untereinander. Das heißt, bei einem Überangebot eines Nährstoffes können

andere an der Aufnahme durch die Wurzel oder bei der Anlagerung an Tonminerale behindert werden.

Man spricht dann von Antagonismus. Andererseits bestehen in geringem Maße fördernde

Wechselbeziehungen (Synergismus) wie in Abb. 8 ersichtlich ist.

Die meisten starken antagonistischen Beziehungen gehen vom Kalzium aus. Besonders zum Kalium

stellt Kalzium den Gegenspieler dar. Die entquellende Wirkung des Kalziums bedeutet für das

Obstgehölz Probleme bei lang anhaltender Trockenheit. Aber auch gegenüber Bor und Zink verhält

sich Kalzium antagonistisch. Das bedeutet bei einem Zuviel an Kalzium, dass der Befruchtungsprozess

und die Wuchsstoffbildung gestört sein können. Zwischen Kalium und Magnesium besteht

ein wechselseitiger Antagonismus. Beide sollten deshalb in einem ausgewogenen Verhältnis im

Boden sein.

Eine wechselseitige Wirkungsförderung besteht zwischen Magnesium und Phosphor. Eine optimale

Stickstoffversorgung fördert die Kalium- und Magnesiumaufnahme. Allerdings müssen hierbei

die beiden pflanzenaufnehmbaren Stickstoffverbindungen Ammonium und Nitrat unterschieden

werden. Die positiv geladenen Ammoniumionen verhalten sich antagonistisch zu den Magnesiumionen.

Sie werden ebenfalls Tonminerale gebunden. Erst mit einsetzender Nitrifikation, also der

Umwandlung der Ammoniumionen zu Nitrationen wird die Magnesiumaufnahme wieder gefördert.

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- 46 -

Abb. 8: Wechselbeziehungen der Nährstoffe (aus RUCKENBAUER u. TRAXLER 1983)

Mn

Ca

K

Cu Mg

Fe P

7. Optimaler Nährstoffgehalt des Bodens

Zur Bestimmung des Nährstoffgehaltes ist eine Bodenuntersuchung im Turnus von etwa fünf Jahren

sinnvoll. Für Ertragskulturen, zu denen die Obstgehölze gehören, ist für die Nährstoffversorgung

des Bodens mit Makronährstoffen die Versorgungsstufe C anzustreben (Tab.2). Ist die Versorgungsstufe

C erreicht, bedarf es lediglich den Ausgleich der durch den Ertrag entzogenen Nährstoffe

zu schaffen. Im Regelfall erreicht man das bereits mit der Ausbringung von gut verrottetem

Kompost. Liegt der Nährstoffgehalt deutlich über der Versorgungsstufe C ist eine mineralische

Düngung, aber auch die Ausbringung von Stallmist und Kompost zu unterlassen. Bei Nährstoffmangel

(Versorgungsstufe B oder A) sollte die Anhebung des Nährstoffgehaltes durch mineralische

Düngung erfolgen. Der Mangel wird so schneller behoben als bei organischer Düngung.

Zn

Antagonismus – Wirkungshemmung schwach

stark

Synergismus – Wirkungsförderung

B

N

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- 47 -

Tabelle 2: Grenzwerte für die Versorgung des Bodens mit Makronährstoffen (Versorgungsstufe C)

Angaben in mg/100 g Boden

Nährstoff

Bodenart

Sandböden

mittelschwerer

Lehmboden

schwere Lehmund

Tonböden

8. Nährstoffbedarf der Obstgehölze

P2O5

10,1 – 20,2

10,1 – 20,2

10,1 – 20,2

K2O

8,4 – 14,3

13,2 – 19,1

19,2 – 27,5

MgO

6,0 – 10,0

16,8 – 19,9

16,8 – 19,9

Generell ist der Nährstoffbedarf der Obstgehölze als gering einzuschätzen. Eine verstärkte Düngung,

insbesondere mit Stickstoff führt zu einer einseitigen Förderung des Triebwachstums. Das

Fruchtwachstum wird dagegen kaum beeinflusst. Die inneren Fruchtqualitäten verschlechtern sich

und die Anfälligkeit für Schaderreger und Krankheiten wird erhöht. Liegt für den Boden die Versorgungsstufe

C mit Makronährstoffen vor, genügt es nur den Nährstoffentzug zu düngen, der durch

den Fruchtertrag entsteht. Der Nährstoffentzug der Obstarten ist in Abb. 9 ersichtlich. Am meisten

wird durch die Früchte Kalium entzogen. Beim Apfel spielt in diesem Zusammenhang das Problem

der Stippigkeit eine Rolle. In die Früchte wird mehr Kalium als Kalzium eingelagert, ohne dass die

Versorgung des Bodens mit Ca unzureichend wäre.

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Abb. 9: Nährstoffentzug ausgewählter Obstarten

Entzug g/100 kg Früchte

300

280

260

240

220

200

180

160

140

120

100

80

60

40

20

0

Apfel, Birne

- 48 -

Mittlerer Nährstoffentzug (g/100 kg Früchte) ausgewählter Obstarten

Süßkirsche

9. Die praktische Düngung

9.1 Stickstoffdüngung

Sauerkirsche

P2O5 K2O MgO

Pflaume

Himbeere

Stachelbeere

Johannisbeere

Erdbeere

Der Stickstoffbedarf bei Obstgehölzen beträgt etwa 6 bis 9 g Reinstickstoff je m² und Jahr. Kernobstarten,

die Süßkirsche und das Beerenobst sind hierbei eher im unteren Bereich, Sauerkirsche

und Pflaume dagegen im oberen Bereich angesiedelt. Eine mineralische Düngung ist insofern nicht

unbedingt erforderlich. Der Boden liefert vor allem bei hohem Humusgehalt mehr Stickstoff über

das Jahr nach als vom Obstgehölz benötigt wird. In der Regel genügt es Rasenschnitt auf die

Baumscheibe auszubringen. Rasenschnitt hat ein relativ enges C:N Verhältnis, so dass durch den

Rotteprozess der organischen Substanz ausreichend Stickstoff gebildet wird. Abbildung 10 verdeutlicht

die Einflussfaktoren für die Höhe der Stickstoffnachlieferung. Hier spielen vor allem die Bodenart,

der Humusgehalt und die Witterung während der Herbst- und Wintermonate eine wesentliche

Rolle für die Nachlieferung in der kommenden Vegetationsperiode. Bei der Strohdüngung sowie

Bodenbedeckung mit Rindenmulch wird auf Grund des weiten C:N Verhältnisses dieser organischen

Substanz der Stickstoff dem Boden entzogen.

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Abb.10: Einflussfaktoren für die Stickstoffnachlieferung

- 49 -

Einflussfaktoren für die Stickstoffnachlieferung

leichte Böden

humusarmer Standort

keine organische Düngung

milder, nasser Herbst und

Winter

Strohdüngung und

Bodenbedeckung mit

Rindenmulch

9.2 Phosphordüngung

geringe Nachlieferung

Grundsätzlich muss für die Phosphordüngung beachtet werden:

gute Böden

humusreicher Standort

organische Düngung

trockener, kalter Herbst und

Winter

Einarbeitung von

Zwischenfrüchten

(Gründüngung)

hohe Nachlieferung

� Die meisten Gartenböden sind ausreichend mit Phosphor versorgt.

� Phosphor reichert sich vor allem in der Bodenoberschicht an und ist schwer beweglich.

� Die Verfügbarkeit ist vom pH-Wert abhängig.

� Die P-Aufnahme wird durch die Symbiose der Gehölzwurzel mit Mykorrhiza positiv beeinflusst.

� Bei größeren Obstbäumen hat sich die Platzierung des P-Düngers in den Wurzelbereich

bewährt. Dazu werden im Wurzelbereich im Abstand von etwa 50 cm Löcher mit einer Tiefe

von ca. 40 bis 50 cm vorbereitet. In diese wird die erforderliche Düngermenge verteilt und

die Löcher anschließend wieder verfüllt.

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9.3 Kaliumdüngung

- 50 -

Kalium wird in die Zwischenschichten der Tonminerale eingelagert. Das heißt, je höher der Tongehalt

des Bodens, desto höher ist die Kaliumversorgung. Ansonsten würden die Tonminerale mit

der Zeit „verhungern“. Es ist zu beachten, dass Beerenobst chloridempfindlich ist. Bei mineralischer

Düngung ist deshalb Kaliumsulfat zu bevorzugen.

Obstbäume können bei Herbstdüngung auch mit Kaliumchlorid (50er oder 60er Kali) gedüngt werden.

Das Chlorid wird bis zum Frühjahr ausgewaschen.

Da Phosphor und Kalium kaum der Auswaschung unterliegen, kann bei Bedarf der Dünger auf

Vorrat für die folgenden drei Jahre verabreicht werden.

9.4 Kalkung

Eine Kalkung sollte nur bei Kenntnis des pH-Wertes durchgeführt werden. Ziel der Kalkung ist, den

pH-Wert optimal nach der Bodenart einzustellen. Der Einfluss einer Kalkung in positiver und negativer

Hinsicht auf Bodeneigenschaften und Nährstoffversorgung ist in Abb. 9 dargestellt.

Abb. 9: Einfluss der Kalkung auf die Eigenschaften des Bodens und die Nährstoffversorgung

Einfluss der Kalkung auf die Eigenschaften des Bodens

und die Nährstoffversorgung

Verbesserung der

bakteriellen

Stickstoffbindung

(pH > 6,5)

Verbesserung der Bodenstruktur, der

Luftversorgung und der Verfügbarkeit

von Phosphor und Molybdän.

Kalkung

Abnahme der Verfügbarkeit

von Mangan, Kupfer, Zink

und Eisen

Abnahme der

„Säureschäden“

(Aluminium und Mangan)

Tabelle 2 verdeutlicht die Erhöhung oder Minderung des Kalkgehaltes im Boden bei Einsatz entsprechender

Dünger. Eine stark versauernde Wirkung hat der Stickstoffdünger Ammoniumsulfat.

Aber auch beim Einsatz von Kalkammonsalpeter wird der pH-Wert noch etwas abgesenkt. Eine

deutliche pH-Wert Erhöhung dagegen wird durch Kalkstickstoff und Thomasphosphat erreicht.

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- 51 -

Tab. 2: Kalkgewinn und Kalkverlust bei mineralischer Düngung (Auswahl)

Kalkgewinn (1 kg N bzw. P bedeutet Gewinn kg Ca)

Stickstoffdünger

Kalksalpeter 0,5

Kalkstickstoff 1,2

Kalkverlust (1 kg N bedeutet Verlust kg Ca)

Stickstoffdünger

Ammoniumsulfat 2,1

Ammonsulfatsalpeter 1,4

Harnstoff 0,7

Kalkammonsalpeter 0,3

9.5 Blattdüngung

Phosphatdünger

Superphosphat 0

Thomasphosphat 4,4

Die Nährstoffversorgung des Obstgehölzes muss grundsätzlich über die Wurzel erfolgen. Eine

Blattdüngung kann nur eine ergänzende oder unterstützende Maßnahme sein. Besonders bei extrem

lang anhaltenden Trockenperioden kann es erforderlich sein, die Nährstoffversorgung über

das Blatt aufrecht zu erhalten. Gleichermaßen werden oftmals im Juni bei kühl feuchter Witterung

chlorotische Mangelerscheinungen sichtbar. Hier kann ebenfalls eine Blattdüngung hilfreich sein.

Aber auch ungünstige Standortortbedingungen, wie Bodenverdichtungen, führen zu Chloroseerscheinungen

bei Obstgehölzen. In diesen Fällen müssen unbedingt die Ursachen beseitigt werden,

da durch eine zusätzliche Blattdüngung nur ein kurzzeitiger Effekt erzielt würde.

Zwecke der Blattdüngung sind deshalb:

� Ergänzung der Stickstoffdüngung bei niedriger Bodenversorgung,

� Überwindung von Schwierigkeiten der Nährstoffversorgung aus dem Boden,

� Überwindung der Folgen von Schäden am Gehölz und Schwächezustände,

� Behebung von Mangelerscheinungen bestimmter Nährelemente.

Wie erfolgt die Nährstoffaufnahme?

Die Nährstoffaufnahme erfolgt überwiegend über die Kutikula und Epidermis, weniger über Spaltöffnungen.

Dabei haben jüngere Blätter das bessere Aufnahmevermögen. Da die Kutikula durch

Wachsblättchen abgeschlossen ist, spielen Luftfeuchte und Temperatur bei der Ausbringung der

Blattdünger für die Aufnahme eine entscheidende Rolle. Hohe Luftfeuchte und Temperaturen zwischen

15 und 25 °C sowie Taubildung in den frühen Morgenstunden sind optimal, da unter diesen

Bedingungen die Wachsblättchen weicher sind und die Nährstoffe besser zwischen diesen in das

Blatt eindringen können.

Bei Nährstoffmangel ist die Maßnahme im Abstand von einer Woche ca. drei- bis viermal zu wiederholen.

Die einzelnen Nährstoffe werden in unterschiedlicher Geschwindigkeit vom Blatt aufgenommen

(Tabelle 3). Von den Makronährstoffen wird am schnellsten Stickstoff aufgenommen,

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- 52 -

Phosphat dagegen nur sehr langsam. Bei den Mikronährstoffen beträgt die Aufnahmegeschwindigkeit

von Eisen nur 8 % in einem Tag.

Tab. 3: Aufnahmegeschwindigkeit von Nährstoffen bei Rebblättern

Stickstoff

Phosphat

Kalium

Mangan

Zink

Magnesium

Eisen

Aufnahmegeschwindigkeit (nach JÜRGENS und RAMSTETTER)

Nährstoff

10. Zusammenfassung

50%ige Aufnahme in folgender Zeit

1 – 6 Stunden

2 – 6 Tage

1 – 4 Tage

1 – 2 Tage

1 Tag

20 % in 1 Stunde

8 % in 1 Tag

Die Nährstoffversorgung der Obstgehölze im Garten stellt kein Problem dar. Der jährliche Nährstoffentzug

ist gering. Die Gartenböden sind in der Regel ausreichend mit den Hauptnährstoffen

versorgt. Gleichermaßen trifft dies auch für den Humusgehalt zu, so dass eine zusätzliche mineralische

Stickstoffdüngung nicht erforderlich ist. Gelegentliche Mangelerscheinungen, hervorgerufen

durch ungünstige Witterung oder falschen pH-Wert, können durch Ursachenbeseitigung (pH-Wert-

Einstellung) sowie durch die unterstützende Maßnahme der Blattdüngung behoben werden.

Literatur

FINK, A.: Düngung ertragssteigernd, qualitätsverbessernd, umweltgerecht, Ulmer Verlag

1991

RÖBER, R. u. SCHALLER, K.: Pflanzenernährung im Gartenbau, Ulmer Verlag 1985

QUAST, P.: Düngung, Bewässerung und Bodenpflege im Obstbau, Ulmer Verlag 1986

FRIEDRICH, G. u. FISCHER, M.: Physiologische Grundlagen des Obstbaus,

Ulmer Verlag 2000

WINTER, F.: Lucas´ Anleitung zum Obstbau, Ulmer Verlag 2002

RUCKENBAUER, W. u. TRAXLER, H.: Weinbau heute, Leopold Stocker Verlag 1983

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- 53 -

Pomologische Bestimmung an Objekten

Bestimmungshilfe für die Sortenbestimmung

Wilfried M ü l l e r

Mitglied im Pomologenverein e.V.

Aue

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Pomologische Bestimmung an Objekten

- 54 -

Grundregeln und Strategie zur Sortenbestimmung

1. Nenne nie einen sicheren Sortennamen, wenn du auch nur in einem Punkt zweifeln musst.

2. Im günstigsten Falle nenne den Sortennamen, der dir am wahrscheinlichsten ist, betone aber,

dass es auch eine andere Sorte sein könnte.

3. Weise darauf hin, dass der Sortenbestimmer nicht alles kennen kann und vielleicht beim nächsten

Mal diese Sorte inzwischen kennen gelernt hat.

4. Verspreche nicht Sorten zu bestimmen, indem du die Exemplare entgegen nimmst, dir die Adresse

geben lässt und später keine Antwort gibst.

5. Beweise deine „Namensgebung" für die jeweilige Sorte durch Kernvergleiche, Literaturbeschreibungen

oder Bilder, der „Kunde“ ist sehr dankbar, wenn er selbst etwas nachlesen kann.

6. Bestimme nur an Einzelexemplaren, die du sicher kennst und zu keinem Zweifel führen.

7. Stelle etwa folgende Fragen, die dir bei der Namensfindung helfen können und eventuell auch

Zeit zum Nachdenken schaffen:

• Alter, Größe, Standort des Baumes, kommt er eventuell noch häufiger bei Nachbarn vor?

• Hat die Sorte schon eine Bezeichnung oder wird eine Sorte darin vermutet?

• Frage weiter ab über Haltbarkeit, Verwertungseigenschaften, Geschmack, Alternanz u.a.

• Sei aber kritisch, da solche Eigenschaften oftmals vom Besitzer überbewertet werden.

• Wenn ein Name genannt wurde, den du nicht kennst, schlage im „Synonymverzeichnis" nach,

oftmals ist es ein landschaftsgebundener Name, den du noch nicht kennst.

• Suche in deinen Aufzeichnungen nach sortentypischen Merkmalen der Sorten, die in Betracht

kommen.

Ausrüstung zur Sortenbestimmung und Sortenbeschreibung

Ein Sortenbestimmungsplatz im Rahmen einer Veranstaltung (z.B. Sortenschau oder ähnl.) sollte

etwas abseits gelegt werden, damit der Besucherverkehr nicht gestört wird. Es muss eine ausreichende

Tischfläche eingeplant werden, damit die erforderlichen Hilfsmittel und die zu bestimmenden

Früchte Platz finden.

� Sorge für gute Beleuchtung am Bestimmungsplatz, ungenügende künstliche Beleuchtung

kann die Farbe der Frucht sehr stark verfälschen!

� Halte Schreibmaterial und Signierstifte bereit.

� Wertvolle Hilfe bietet manchmal eine Lupe bzw. sogar eine Messlupe.

� Zum Säubern der Stielgrube hilft ein kleiner Pinsel und etwas Wasser, die Stielgrube ist oft

so verstaubt oder noch mit Spritzresten behaftet, dass man die Farbe innerhalb der Stielgrube

nicht erkennen kann.

� Halte einen feuchten Lappen zum Säubern der Hände bereit, da sonst bald das Gefühl für

die „Griffigkeit" der Früchte verloren geht.

Für Sortenbeschreibungen wird zusätzlich benötigt:

� Fließpapier zum Trocknen der Fruchthälfte für den Fruchtumriss,

� Bleistifte verschiedener Härtegrade, Radiergummi,

� Behältnisse zum Aufbewahren der Samen, die in die Kernsammlung aufgenommen wer-

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den.

Bestandteile einer Sortenbeschreibung:

- 55 -

� Herkunft der Früchte mit voller Adresse (wenn es möglich ist) bzw. auch Herkunft der Bäume

oder auch Reiser,

� Anzahl der Früchte, die zur Sortenbeschreibung vorlagen und ob es typische Exemplare

oder als Ausnahme erkannte Exemplare waren (madige Frucht, diese ist oft frühreif oder

auch geschädigt),

� Datum der Beschreibung und Angaben zum Reifezustand und Lagerzustand der Früchte,

� Wenn bekannt, dann Angaben über Baumreife und Genussreife der beschriebenen Sorte,

� Von wem wurde die Sorte bestätigt!!! oder nach welcher Literatur wurde bestimmt und die

Sorte als richtig erkannt angenommen???

� Weitere Literaturangaben, wo die Sorte erwähnt oder beschrieben wird (mit/ohne Abb.),

� Vermerke, welche Merkmale bei der Sorte besonders typisch und konstant erscheinen (Zusammenfassen

oder Unterstreichen),

� Es ist sehr wichtig, sich bei der Beschreibung einer Sorte sofort eventuelle Ähnlichkeiten zu

anderen Sorten herauszuarbeiten, diese Sorten auch zu notieren, um Gruppen zu bilden,

die bei den kommenden Sortenbestimmungen sehr nützlich sein können.

� Da der Zeitpunkt von Sortenbestimmungen vor allem in den Monaten September bis November

liegt, müssen deshalb die Sortenbeschreibungen mehr oder weniger in dieser Zeit

erfolgen. Früh- und Herbstsorten können hier schon überreif sein, Lagersorten sind zum

Teil noch nicht einmal baumreif. Es ist deshalb sinnvoll, die Hauptbeschreibung im Zustand

„baumreif" durchzuführen, die Früchte bis zur Genussreife zu beobachten und dazu

entsprechende Ergänzungen in den Aufzeichnungen zu machen. Das heißt, besonders die

Veränderungen der Frucht wie Farbe, Schalenbeschaffenheit, Fleischbeschaffenheit und

Geschmack sind zu beobachten und wenn notwendig festzuhalten. Jede Sortenbeschreibung

sollte in den Folgejahren durch Früchte anderer Herkünfte kontrolliert und damit

auch bestätigt werden. Dies ist besonders dann wichtig, wenn Sortenbeschreibungen nicht

zum optimalen Zeitpunkt erfolgt waren und deshalb die Merkmale anders vorlagen. Außerdem

wird hierbei festgestellt, welche Merkmale konstant sind.

Erkennungsbereiche und Sortenmerkmale

In diesem vorliegenden Bestimmungsschema ist die Frucht in 7 Erkennungsbereichen eingeteilt:

1. Gesamteindruck

2. Farbliche Ausprägung

3. Schalenbeschaffenheit und Druckfestigkeit

4. Kelchansicht

5. Stielansicht

6. Schnittbild (Längsschnitt)

7. Fleischbeschaffenheit

Hierzu gehören jeweils die bestimmten Erkennungsmerkmale, die stichwortartig zusammengestellt

sind und deren Verwendung bei der Beschreibung einer Sorte diese mit ihren Sortenmerkmalen

charakterisiert. Je ein Erkennungsbereich ergibt ein geschlossenes Bild. Diese Bilder gilt es sich

einzuprägen, um schnell und sicher Sorten zu erkennen. Oft sind schon wenige dieser typischen

Bilder ausreichend, um nicht nur einen Hinweis auf die Sorte zu bringen, sondern diese mit Sicherheit

zu bestimmen.

Der Sortenbestimmer muss jedoch immer beachten, dass die Früchte einer Sorte oft sehr erheblich

voneinander abweichen können. Das erschwert die Bestimmungsarbeit außerordentlich und ist das

eigentliche Problem der Sortenbestimmung. Will der Sortenbestimmer mit diesem Problem fertig

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- 56 -

werden, muss er alle möglichen Abweichungen einer Sorte kennen lernen und dies bei Bestimmungen

mit berücksichtigen.

Gruppen ähnlicher Sorten

Die Bestimmungsarbeit wird erleichtert wenn ähnliche Sorten zu Gruppen zusammengefasst werden.

Hierbei muss man sich jedoch auf typische gut ausgebildete Früchte beschränken, die als Standard

einer Sorte angesehen werden können. Da jedes Erkennungsmerkmal zu einem typischen Unterscheidungsmerkmal

werden kann, sind solche Gruppen der Ausdruck gleicher Erkennungsmerkmale

in einem oder mehrerer Erkennungsbereiche bei unterschiedlichen Sorten. Damit wird die Ähnlichkeit

dieser Sorten betont und der Sortenbestimmer muss sich auf weitere Erkennungsbereiche

bzw. Erkennungsmerkmale konzentrieren, die ihn dann zur richtigen Sorte führen können.

Die Gruppen ähnlicher Sorten sollten immer schon auf den persönlichen Sortenbeschreibungen

vorhanden sein, da sie bei der Bestimmung schnell auf eine Verwechslersorte hinweisen und dort

weitere Erkennungsmerkmale beschrieben sind, die diese Sorte sicher festlegt.

Die Reifezeit dient einer Grobeinteilung der Sorten. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass bei der

Gruppenbildung eine Frühsorte als Verwechsler einer Lagersorte anzusehen ist. Man muss jedoch

gegenwärtig aufgrund der Herkünfte von der Südhalbkugel auch damit rechnen. Auch durch die

moderne Lagerhaltung (z.B. C A - Lager) können Sorten zu Zeitpunkten vorgestellt werden, an denen

man diese Sorte nicht erwartet. Es ist deshalb durchaus sinnvoll, derartige extreme Reifeunterschiede

bei der Gruppenbildung zu vernachlässigen, da besonders auch zum Zeitpunkt der Sortenbestimmung

nicht immer Informationen bezüglich der Genussreife

der zu bestimmenden Sorte vorliegen.

Früh- oder Sommersorte (Genussreife bis 9 )

Herbstsorte (Genussreife 10-11)

Wintersorte (Genussreife 12-2 )

Lager- oder Dauersorte (Genussreife ab 2)

1. Gesamteindruck

1.1 Größe: klein < 100 g

mittelgroß < 150 g

groß < 250 g

sehr groß > 250 g

unterschiedliche Größen

1.2 Form, längs: flach

kugelig

hoch

kegelförmig

walzenförmig, fassförmig

oben einziehend flach kugelig, rundlich hochgebaut

oben schief (sehr kurzachsig) (mittelllangachsig) (langachsig)

oben / unten abgeplattet

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- 57 -

Lage des größten Durchmessers:

stielbauchig mittelbauchig kelchbauchig

1.3 Form, quer: rund / oval

unregelmäßig rund

rundkantig

kantig (z.B. 3-, 5-, bis 10-kantig)

1.4 Relief: Das Relief der Frucht prägt die Form längs und quer vom Kelch über die Fruchtseiten

bis zur Stielgrube und ist oft ein sehr typisches Erkennungsmerkmal:

2. Farbliche Ausprägung

Buckel, Beulen Fruchtrelief

Warzen

Naht

Kanten glatt, eben

Rippen Querschnitt rund

Zwischenrippen

Höcker

Wülste

2.1 Grundfarbe: grün bis gelb

trüb / leuchtend

aufgehellt mit weiß

scheckig

2.2 Deckfarbe: gelb

orange

rot

violett

hell bis trüb

zart bis kräftig

kantig, rippig,

Querschnitt eckig

Kernkammern offen

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- 58 -

2.3 Art: gesprengelt

gestreift / geflammt

marmoriert

verwaschen

mit Attributen wie breit, schmal, lang, kurz

Farbchimären besonders angeben

2.4 Ausdehnung: 0 - 1/4 - 2/4 - 3/4 - 4/4 Backe

2.5 Berostung: (beachten, dass Berostung nicht sortentypisch sein muss, sondern auch

andere Ursachen haben kann z.B. Standort, Spätfröste, Spritzschäden)

Form: flächig, netzartig, figurenartig

Struktur: fein bis rauh, besonders in der Stielgrube auch schuppig, schollig

Farbe: grau, grün, oliv, hellbraun, braun, zimt

2.6 Reif: ist ein abwichbarer Belag (in älterer Literatur oft „Duft" genannt)

2.7 Schalenpunkte: sind die sichtbaren Reste der Atmungsöffnungen auf der Frucht. Sie werden

auch als Deckpunkte („Aufschalen- und Unterschalenpunkte“) bezeichnet.

Oft sind diese von einem andersfarbigen „Hof” umgeben.

Größe: sehr fein bis sehr groß

Form: punktförmig, eckig, sternchenförmig, figurenförmig

Farbe: wenn rostartig, dann grau bis braun; sonst weiß, grau, hellbraun

Farbe der Höfe: in Grundfarbe und Deckfarbe meist verschieden

weiß, grün, gelb, rot

Form der Höfe: rund, oval (kann bei einer Sorte je nach Lage veränderlich sein)

Größe der Höfe: klein bis groß, ist abhängig von der Lage auf der Frucht

3. Schalenbeschaffenheit und Druckfestigkeit

3.1 Aussehen und Griffigkeit: glatt bis rauh

matt bis glänzend

narbig, schwammig, geschmeidig

trocken, wachsartig, fettig, klebrig

Schalenpunkte oder Rost spürbar.

3.2 Druckfestigkeit: 1 sehr weich: Frucht lässt sich bei geringem Druck eindrücken.

2 weich: Frucht lässt sich noch leicht eindrücken.

3 mittelfest: Frucht lässt sich bei mittleren Druck eindrücken.

4 fest: Frucht lässt sich erst nach kräftigem Druck eindrücken.

5 sehr fest: Frucht lässt sich nicht eindrücken.

(Beachte: nach längerer Frosteinwirkung kann es zu Fehleinschätzungen kommen - Kühllager)

Die Prüfung der Druckfestigkeit erfolgt durch Druck des Daumens auf die Frucht. Es ist sinnvoll,

sich hierfür die Druckfestigkeit häufig vorkommender Sorten als Vergleich einzuprägen, da auch

hier sehr individuelle Unterschiede auftreten, die auch zu unterschiedlichen Beurteilungen führen.

3.3 Schalengeruch: vorhanden Ja / Nein - Intensität

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4. Kelchansicht

4.1 Kelcheinsenkung (Kelchgrube):

Tiefe: flach, mittelweit, tief

Breite: eng, mittelweit, weit

Relief: schüsselförmig

trichterförmig

glatt

gefalten

gerippt

Fleischperlen

4.2 Kelchumgebung: eben, wellig

Höcker, Rippen, Kanten

- 59 -

4.3 Berostung in Kelchgrube und Kelchumgebung:

Punktrost

Strichrost

flächig

4.4 Kelch (Auge): groß, mittelgroß, klein

geschlossen, halboffen, offen

Kelchblätter am Grunde getrennt oder sich berührend

Stellung der Kelchblätter: zusammengeneigt (gedrängt)

zurückgeschlagen

aufrecht (auch buschig)

Kelchblätter: schmal bis breit, kurz, lang, verkümmert

Die Farbe der Kelchblätter ist i.a. nebensächlich, desgl. Befilzung,

wichtig kann der Hinweis „am Grunde grün" sein.

5. Stielansicht

5.1 Stieleinsenkung (Stielgrube)

Weite: eng, mitteleng, weit, sehr weit

Tiefe: flach, mitteltief, tief, sehr tief

Relief: gleichmäßig, ungleichmäßig, Fleischwulst

5.2 Berostung der Stielgrube: Wenn keine Berostung vorhanden ist, dann Farbe der Stielgrube

angeben.

5.3 Stiel

Form: flächig, strahlig (auslaufend), oder nur in der Tiefe

Struktur: fein, schuppig, schollig

Farbe: grau, grün, oliv, braun, zimt, gelb

(wenn erforderlich vorher die Stielgrube säubern!)

Länge: sehr kurz bis sehr lang

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6. Schnittbild (Längsschnitt )

6.1 Kelchhöhle:

Form:

6.2 Kelchröhre:

- 60 -

Dicke: dünn, mitteldick, dick, Hinweis ob holzig oder fleischig

Stand: versenkt, abschließend, herausragend, eingezwängt, durch

Fleischwulst zur Seite gedrückt

(Farbe): grau, grün, braun, rotbraun

(Form): gerade, gekrümmt, am Ansatz bzw. am Ende verdickt

Größe: klein bis groß

eng bis breit

6.3 Stand der Staubgefäße:

dreieckig kegelförmig becherförmig trichterförmig

schmal breit kurz lang

hoch mittel tief

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- 61 -

6.4 Kernhaus einschließlich der Gefäßbündel (Kernhausbegrenzung)

Größe: Das Kernhaus wirkt relativ zur Frucht groß oder klein. Ein normales mittleres Kernhaus

wird nicht extra bewertet.

Lage: Das Kernhaus steht näher zum Kelch oder zum Stiel. Auch hier wird die mittlere

Lage, wie sie meist auftritt, nicht besonders erwähnt.

Gefäßbündel: Bei den Gefäßbündeln interessieren besonders die Form und die Farbe im Vergleich

zur Farbe des Fruchtfleisches.

Farbe: weißlich, grünlich, gelblich, rötlich

Form: herzförmig, eiförmig, flach- bis hochzwiebelförmig

Achsenhöhle: (Ist die Öffnung des Kernhauses in der Längsachse) geschlossen, offen,

weit offen

Kernkammern: Die „Kernwände" umschließen die Kerne und bilden damit Kammern, in

denen die Kerne mehr oder weniger eng umschlossen liegen. Die Weite

dieser Kernkammern kann man oft im Querschnitt der Frucht besser beurteilen.

Es genügt im allgemeinen der Längsschnitt: eng oder weit

6.5 Kernwände: Sie können innerhalb einer Sorte oder sogar einer Frucht stark variieren.

Andererseits sind die Kernwände für viele Sorten ein wichtiges Hauptmerkmal.

a) b)

Form: bogenförmig

bohnenförmig

mondsichelförmig

ohrenförmig mondsichel- bogen- bohnen- ohren- rucksack-

rucksackförmig förmig förmig förmig förmig förmig

a) glatt b) gerissen

Sie können schmal bis sehr breit sein und glatt (glänzend oder matt erscheinen) und mehr oder

weniger feine oder breitere Risse aufweisen, die oft „wattig" belegt sind.

6.6 Kerne (Samen der Frucht):

Anzahl: sehr viel bis sehr wenig (eventuell eine mittlere Anzahl vermerken) gut ausgebildet

(+) bzw. unvollkommen ausgebildet (-) (auch hier evt. Anteil)

Farbe: Es ist zu unterscheiden zwischen frisch und trocken. (Farbe ist nur z.T. ein

Hauptmerkmal)

orange-, hell-, mittel-, dunkel-, schwarzbraun

Größe und Form: Die Kerne wirken klein oder groß.

Form: rund, kantig, flach, schmal, breit, spitz, abgestumpft

Form der Kuppe: glatt, seitlich spitz- oder stumpfnasig

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- 62 -

Länge der Kerne: sehr kurz < 6 mm

kurz 6-7 mm

mittellang 7-8 mm

lang 8-9 mm

sehr lang > 9 mm

Samen

+ befruchtet, voll ausgebildet taub, unvollkommen

breit lang klein oval rundlich zugespitzt spitznasig stumpfnasig

7. Fleischbeschaffenheit

7.1 Farbe: weiß, grünweiß, gelbweiß, gelb, evt. mit Zusätzen: geadert, stark oder

schwach anlaufend, unter der Schale rot, u.a. Hinweise

7.2 Struktur: locker, mittelfest, fest, zäh,

trocken, mäßig saftig, saftig,

feinzellig, grobzellig

7.3 Duft: vorhanden - nicht vorhanden

spezielle Duftnote, wenn diese erkennbar ist (z.B. coxartig, säuerlich, sortentypisch,

parfümiert u.a.)

7.4 Schalenbeschaffenheit:

weich - fest - hart - zäh

dick - dünn

abziehbar - teilweise abziehbar - nicht abziehbar

7.5 Geschmack: (es werden Zucker- und Säuregehalt, sowie Aromastoffe bewertet)

süß bis sauer, angenehm süß bis fad süß, süßsauer, u.a. Kombinationen

ohne Aroma bis stark hervortretendes Aroma

Die Gehalte an Säure, Zucker und Aromastoffen können auch im Zusammenwirken mit den anderen

Merkmalen zu Bewertungen führen, die mit den folgenden Worten beschrieben werden:

renettig - weinig - erfrischend - parfümiert - sortentypisch - mild - edel - u.a.

Beispiele:

zu 1. flach: Königlicher Kurzstiel, Champagner Renette

flachkugelig: Berlepsch, Schweizer Orangen, Ontario

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hochkugelig: Berner Rosenapfel,

- 63 -

kugelig: Winterbananenapfel, Idared, Herma (Beispiel für kelchbauchig),

zu 2.6 Reif: Berner Rosenapfel, Roter Hauptmannsapfel, Gascoynes Scharlachroter

Roter Eiserapfel, Ontario, Macoun

zu 7.1 Fleischfarbe: weiß Boikenapfel, Rheinischer Krummstiel, Macoun

grünweiß Altländer Pfannkuchenapfel, Prinz Albrecht von Preußen,

Roter Eiserapfel

gelbweiß Geheimrat Oldenburg, Landsberger Renette, James Grieve,

gelb Golden Delicious, Schweizer Orangen, Goldparmäne, Cox

Orangen

H. Petzold verwendet noch erweiterte Attribute wie folgende Beispiele zeigen:

weiß bis grünweiß - Mc Intosh, Macoun, Prinzessin Luise

weiß, grünlichweiß, gelbweiß - Lanes Prinz Albert

grüngelblichweiß - Weißer Klarapfel

grüngelb, weißgelb, teils hell lachsgelblich - Minister von Hammerstein

zu 7.5 Geschmack: Die Geschmacksbeurteilung ist sehr von individuellen Maßstäben abhängig,

die sich jeder Sortenbestimmer selbst erarbeiten muss. Es werden häufig Sorten

aus rein persönlichen Gründen über- oder unterbewertet (z.B. weil bestimmte

Erinnerungen damit verbunden sind). Hier sollen nur einige Beispiele

(wörtlich) aus dem Buch „Apfelsorten" von H. Petzold genannt werden:

feinaromatisch: Dülmener Rosenapfel, Harberts Renette, Helios

edelaromatisch: Carola (Kalco), Alkmene, James Grieve, Kanadarenette,

schwach aromatisch: Champagner Renette, Berner Rosenapfel

schwach aromatisch aber

angenehm wohlschmeckend: Jakob Lebel

zart aromatisch: Auralia (Tumanga), Jonagold, Gelber Edelapfel

zart aromatisch, schwach

parfümiert: Jonathan

hocharomatisch, edelweinig: Berlepsch

sortentypisch aromatisch: Ananasrenette

ohne ausgeprägtes Aroma: Idared

ohne ausgeprägtes Aroma,

etwas parfümiert: Schöner aus Herrnhut

einzigartig edelstes Apfelaroma:

Gravensteiner

mit typ. an Waldmeister

(Kumarin) erinnernden Gewürz:

Minister von Hammerstein

Diese Beispiele zeigen die Vielfalt der Möglichkeiten, den Fruchtgeschmack darzustellen. Andererseits

muss man sich immer bewusst sein, dass dieser sehr stark von Unterlage, Standort, klim.

Jahresverlauf und besonders vom Reifegrad (z.B. auch zu früh gepflückt) abhängt.

Da Sortenbestimmungen im allg. in den Monaten September bis November erfolgen, damit Winter-

und Lagersorten ihre Genussreife noch nicht erreicht haben, darf das Merkmal „Geschmack"

nicht überbewertet werden, kann aber wiederum auch zu einem Hauptmerkmal werden, wenn an-

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dere Sortenmerkmale zutreffen.

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zu Schalenpunkten: Jakob Lebel: vereinzelt, hell umhöft

Crocel: um zahlreiche Punkte typisch heller Hof

Berner Rosena: Schalenpunkte hell, erscheinen typ. eingesenkt

Berlepsch: zahlreich, rostartig, spürbar mit den Fingern

Kaiser Wilhelm: r ostartig mit hellem Hof, Rostpunkte deutlich

Signe Tillisch: Schalenpunkte grün umhöft

Klarapfel: zahlreich, grün, hell umhöft

Gasc.Scharlr: zahlreich, typ. rot und grün umhöft

Ananasrenette: typ. zahlreiche Rostpunkte, -sterne, -dreiecke

Altländ. Pfannk.: auffallende typ. hellumhöfte Schalenpunkte, auch in

der Stielgrube

Bei verschiedenen Sorten werden gar keine Angaben zu Schalenpunkten gemacht:

Beispiele für Druckfestigkeit:

Ontario, Geheimrat Oldenburg, Nordhausen, Juno, Jonathan, James, Grieve

1 Signe Tillisch, Küchenäpfel wie Keswicker, Früher Viktoria, Lord Suffild u.a

Hibernal (Stammbildner),

2 Ellison Orange, Cumberland, Großherzog Friedrich von Baden, James Grieve,

Biesterfelder Renette, Prima, Klarapfel

2 - 3 Aderleber Kalvill, Landsberger Renette, Gravensteiner, Schöner aus Herrnhut,

3 Brettacher, Gewürzluiken, Kaiser Alexander, Schmalzprinz, Gelber Richard, Harberts

Ren. Minister von Hammerstein, Holsteiner Cox

3 - 4 Boskoop, London Pepping, Golden Delicious,

4 Kanadarenette, G. Rhein. Bohnapfel, Kaiser Wilhelm, Bittenfelder Sämling, Riesenboiken

5 Boikenapfel, Baumanns Renette, Schöner aus Lunow, Altländer Pfannkuchenapfel

Alle vom Erwerbsanbau angebotenen Sorten Festigkeiten der Gruppen 4-5, da diese für maschinelle

Sortierung und Transport geeignet sein müssen.

Es hat sich bewährt, in Verwechslergruppen sich die Reihenfolge der Druckfestigkeit festzuhalten.

Beispiel hierfür sind die oben unterstrichenen Sorten, die teilweise verwechselt werden.

Bei der Prüfung der Druckfestigkeit kommt es selbstverständlich zu Unterschieden bei verschiedenen

Personen. Gerade deshalb ist es wichtig, hier eigene Erfahrungen zu sammeln und in seinen

Aufzeichnungen festzuhalten, auch wenn diese noch Fehler aufweisen.

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Notwendige Merkmale von ausgesuchten Apfel- und Birnensorten

(Verwechslersorten sind Kursiv geschrieben)

Äpfel:

Ananasrenette: aufsitzender Kelch, Schalenpunkte,

Zuccalmaglio, Ernst Bosch, Manks Küchenapfel Eva, Wachendorfer Renette

Baumanns Renette: Druckfestigkeit 5, Kelchröhre vorhanden, Berostung der Stielgrube, Ruhm

von Kirchwerder, Fraurotacher, Roter Berlepsch, Roter Bellefleur

Berlepsch: Höcker, spürbare Deckpunkte

Bittenfelder Sämling, Melrose

Berner Rosenapfel: weiße feine (engesenkte) Schalenpunkte, Reifbelag,

Jonathan, Spartan, Idared, Roter Hauptmannsapfel, Herrnhut

Blenheim: offener Kelch, fast schüsselförmige Kelchgrube, Berostung der

Stielgrube,

Orleansrenette, Hildesheimer Goldrenette, Weidners Goldrenette

Bohnapfel: Faßform,

Geheimrat Breuhahn, Alantapfel, Rheinischer Krummstiel, Mautapfel

Boikenapfel: Druckfestigkeit 5, typ. Deckfarbe, typ. Kelchansicht

Landsberger, Hammerstein, Adersleber Kalvill, Großherzog Friedrich von

Baden, Signe Tillisch, London Pepping, Weißer Winterkalvill,

Riesenboiken, Horneburger , Pfannkuchenapfel, Antonowka, u.a.

Boskoop: Berostung, nicht fettend,

Coulons Renette, Kasseler Renette, Kanadarenette, Zabergäurenette,

Graue Herbstrenette, Damasonrenette, Graue Französische Renette,

Parkers Pepping

Champagnerrenette: Faltenkreuz an Kelch, weite Stielgrube, kaum Deckfarbe,

Weißer Wintertaffetapfel, Auralia (Tumanga), Hammerstein, Uhlhorns

Champ.r.

Cox Orange: Kelchansicht, Samen, Geschmack

Muskatrenette, Ribston Pepping, Laxtons Superb, Holsteiner Cox,

Elektra, Winston, Karmijin de Somnaville

Croncels: Druckfestigkeit 2, typ. Schalenpunkte, Samen schwarz, Geschmack,

Antonowka, Großherzog Friedrich von Baden, Potts Sämling, Grahams

Jubi

Danziger Kantapfel: Druckfestigkeit 2, typ. Kelchansicht, oft typ. Naht, später Schale sehr

fettig

Gascoynes Scharlachroter, Roter Stettiner, Prinz Albrecht von Preußen

Gelber Bellefleur: hohe Form oben einziehend, Schalenpunkte, Schnittbild, Samen, Geschmack

Apfel von Grünheide, Graham, Golden Delicious, Grimes Golden, MM 106

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Gewürzluikenapfel: typ. Deckfarbe, weißes Fleisch,

Luikenapfel, Himbeerapfel von Holouwaus, Malvesier, u.a.

Goldparmäne: offener Kelch, Stielgrube mit grauen Rost (Alkmene grün), Geschmack

Alkmene, Ribston Pepping, Erwin Baur, Karmeliterrenette, Graf Luxburg Renette

Graham: Schalengriffigkeit, selten Deckfarbe, Geschmack, Kelchröhre fast immer

vorhanden,

siehe Gelber Bellefleur

Gravensteiner: Schalengeruch, buschiger Kelch, weit offenes Kernhaus, Samen, Geschmack,

Dülmener Rosenapfel, Geflammter Kardinal, James Grieve, Herbststreifling

G. Kasseler Renette: flache runde Form, Druckfestigkeit 5, langer Stiel, große typ. Samen, Orleans

Renette, Strauwaldts Neue Goldparmäne

Jakob Lebel: fettige Schale mit typ. Deckfarbe, Berostung der Stielgrube, Samen, Potts

Sämling, Hagedorn, Bramleys Sämling, Edler von Leipzig, Hausmütterchen

Brettacher, auch Ontario, Wagenerapfel, Juno

James Grieve: lange Kelchblätter, enge Kelchgrube, geschlossenes Kernhaus, Samen, Geschmack,

Jamba 69, Gravensteiner, Early Bleaze, Delbarestivale (Delcorf)

Kaiser Wilhelm: Druckfestigkeit 4, typ. Rost der Stielgrube, gelbes, etwas trockenes Fleisch,

Harberts Renette, Röthaer Blenheim (Gestreifte Winterrenette), u.a.

Kanadarenette Druckfestigkeit 5, typ. flachkantig, typ. Rostschalenpunkte,

Graue Kanadarenette, siehe Boskoop

Klarapfel: Reifezeit, oft Naht, wenig Rost in Stielgrube (Antonowka viel),

Früher Viktoria, Antonowka, Riesenantonowka, Lodi

Landsberger Renette: Druckfestigkeit 3, hauchartige Deckfarbe, feine Schalenpunkte, Fleisch mürbe,

siehe Boikenapfel

Oldenburg: typ. Falten am Kelch, Kelch groß, Stielgrube flach, oft nicht berostet,

Breuhahn, Alantapfel, Erwin Baur, Herrnhut

Ontario: flachrund kantig, Reif, Druckfestigkeit nur 3, tiefe Kelchgrube, Juno, Herma,

Brettacher, Wagenerapfel, Schweizer Orangen, Idared,

Schöner von Pontoise, Johannes Böttner, Edler von Leipzig, Jakob Lebel

Prinzenapfel: hohe Form, langer dünner Stiel, offenes Kernhaus (Klapperapfel), typ. Geschmack

Dithmarscher Paradiesapfel, Oldenburg, versch. Taubenäpfel

Schö. v.Nordhausen: typ. Grund- u.Deckfarbe, Kelch buschig, typ. Rost in Stielgr., typ. weißes

Fleisch u. Geschmack,

Großherzog Friedrich von Baden, Adersleber Kalvill, Auralia (Tumanga),

Wintertafelapfel

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Signe Tillisch: Druckfestigkeit 2, typ. Kelchansicht mit großen Kelchblättern, Geschmack,

Samen

siehe Boiken

Rh. Winterrambur: Druckfestigkeit 4, Form unregelmäßig. feine Deckpunkte, kleines Kernhaus,

Eifeler Rambur, Roter Bellefleur, Königsapfel, Schöner von Pontoise, Cox

Pomona, Kaiser Alexander

Zuccalmaglio: gelbweiße Farbscheckung, typ. Geschmack,

Ananasrenette, Golden Delicious, Freyberg, Manks Apfel Eva, Ernst Bosch

Birnen:

1. Alexander Lucas: Samen - mit typ. seitlicher Nase, Rost in Stielnähe

Lucius, Philippsbirne, Diels Butterbirne, Holzfarbige Butterbirne

2. Birne von Tongern: typ. beulig mit Furche, Geschmack

Bosc´s Flaschenbirne, Marianne, Clairgeau, Conferénce, Abbe Fetel

3. Bosc´s Flaschenb.: Form, Samen schwarz; Geschmack

Marianne, Tongern, Conferénce, Van Marums Flaschenbirne, Abbe Fetel

4. Clapps Liebling: Stiel mittellang, Form, Kelch leicht eingesenkt mit leichten Falten, Geschmack

Frühe von Trévoux, Laxton Suberb, Dr. Jules Guyot

5. Frühe von Trévoux: Stiel kurz, keine Kelchgrube, Form, Geschmack,

Clapps Liebling, Bunte Julibirne

6. Gellerts Butterbirne: Form, Fruchtschale, Geschmack Robert de Neufville, Elsa, Gute Graue, Amanlis

Butterbirne, Madame Verté

7. Gute Graue: Form, Schalenpunkte, Kelchansicht (Seestern), Fleisch, Geschmack

Volkmarser, Marianne, Gellert, Elsa, u.a.

8. Gute Luise: Form, Stiel grün am Stielansatz, Schalenpunkte, Geschmack

Köstliche von Charneu, Forellenbirne

9. Köstl. v. Charneu: Stielwulst, raue Schale, Geschmack

Gute Luise

10. Madame Verté: zimtbraun berostete Schale, große Schalenpunkte,

Gellerts Butterbirne, Robert de Neufville, Gute Graue, Marianne, Winterdechant

11. Nordhäuser Winter-Forellenbirne:

Deckfarbe, Stiel grün, Schalenpunkte, Form stielseits nicht eingezogen

Forellenbirne, Sterkmanns Butterbirne

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12. Stuttgarter Geißhirtle:

langer Stiel, Fruchtform lang,

Petersbirne, Bunte Julibirne, Wilders Frühe, Muskatellerbirne, André

Desportes

13. Vereinsdechantbirne:

tiefe enge Kelchgrube, Kelchblätter nur Stummel, Form, Geschmack

Geheimrat Dr. Thiel, Highland, General Leclerc, Gellerts Bb., Canal Red

14. Williams Christ: oft Rostkappe am Stiel, Geschmack, beulige Frucht

Dr. Jules Guyot, Pitmaston, Packhams Triumph

Bei der Darstellung der Merkmale wurde hier auf das Merkmal „Genussreife" verzichtet, obwohl

dieses häufig die Verwechslung mit anderen Sorten völlig ausschließen kann.

Die Auswahl der hier vorgestellten Sorten entspricht den im vom Bayrischen Landesverband für

Gartenbau und Landespflege herausgegebenen Heft: „Altbewährte Apfel- und Birnensorten“. Sie

sollen nur als Beispiel für Gruppenbildung bei der Sortenbestimmung dienen, meine Darstellung

ist keinesfalls als Anbauempfehlung zu betrachten.

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Schädlinge im Obstbau erkennen und

Bekämpfungsformen nach dem neuen

Pflanzenschutzgesetz

Dr. Christine G e b h a r t

Referat Pflanzengesundheit und Diagnose im

Fachbereich Pflanzliche Erzeugung der

Sächsischen Landesanstalt für Landwirtschaft

Dresden-Pillnitz

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Schädlinge im Obstbau erkennen und Bekämpfungsformen nach dem neuen Pflanzenschutzgesetz

Am 1. Juli 1998 trat das neue Pflanzenschutzgesetz in Kraft und drei Jahre später, am 1. Juli 2001,

war die Übergangsfrist beendet. Es galt nun, die neuen Bestimmungen in voller Breite umzusetzen.

Eingangs noch einige Worte zur Geschichte.

Bis zum Jahr 1968 gab es in Deutschland keine staatlichen Regelungen für den Vertrieb und die

Anwendung von Pflanzenschutzmitteln (PSM).

Ab 1968 wurde die Zulassungspflicht für PSM eingeführt, und es wurden auf Grund toxikologischer

Untersuchungen Höchstmengen festgelegt.

Ab 1986 wurden für die Zulassung umfangreiche ökologische Untersuchungen gefordert und das

Umweltbundesamt wirkt seitdem bei der Zulassung mit. Somit wurden die Umweltstandards wesentlich

angehoben.

1998 stand schließlich bei Pflanzenschutzmitteln die EU-Harmonisierung an. Die Gebotsindikation

wird festgelegt, was eine unausweichliche Bindung des Anwenders an die Gebrauchsanleitung bedeutet.

Es ist aus dieser chronologischen Darstellung ersichtlich, dass die Regelungen für die Anwendung

von PSM seit 1968 ständig dem wachsenden Umweltbewusstsein angepasst wurden. Damit wurde

dem hohen Schutzstatus für Mensch, Tier und Natur versucht, zu entsprechen.

Wenn man sich den im aktuellen Gesetzestext festgelegten restriktiven Einsatz von Pflanzenschutzmitteln

im Haus- und Kleingarten vor Augen hält, entsteht der Eindruck, dass der Gesetzgeber

dem Hobbygärtner die erforderliche Sachkunde für einen umfassenden PSM-Einsatz nicht zutraut.

Dies mag in der Praxis für Einzelfälle zutreffen, die Masse der Freizeitgärtner verfügt jedoch

über einen sehr hohen Wissenstand und über das Bedürfnis, diesen ständig zu erweitern. Dazu

wird jede sich bietende Gelegenheit wahrgenommen.

Im Einzelnen sind folgende Regelungen für die Anwendung von PSM im Haus- und Kleingarten mit

dem neuen Gesetz in Kraft getreten:

- Der § 6a (besondere Anwendungsbestimmungen) regelt die Anwendung von PSM im Haus-

und Kleingarten insofern, dass diese Präparate die Beschriftung „Anwendung im Haus- und

Kleingarten zulässig“ tragen müssen. Für alle Mittel ohne dieser Aufschrift besteht Anwendungsverbot

in diesem Bereich. Das betrifft vor allem die Mittel, die im Erwerbsanbau eingesetzt

und in Großpackungen verkauft werden. Die Pflanzenschutzmittel für den Haus- und

Kleingarten werden nur in Abpackungen bis maximal 500 g in den Handel gebracht. Dadurch

wird die die Gefahr der unzulässigen Lagerung bzw. der Überschreitung von Lagerfristen minimiert.

Eine der einschneidendsten Änderungen ist die Festschreibung der ‚Indikationszulassung’.

Damit wird konkret vorgeschrieben, für welche Schaderreger in welchen Kulturen das Pflanzenschutzmittel

eingesetzt werden darf. Auf diese Weise wird verhindert, dass z. B. ein Mehltaumittel,

welches nach unserer Kenntnis bei Rosen gut wirkt, auch in anderen Kulturen, wie

etwa Phlox oder gar bei Basilikum, zum Einsatz kommt. Eine Anwendung von PSM außerhalb

der festgesetzten Anwendungsgebiete und Anwendungsbestimmungen gilt als Ordnungswidrigkeit

und kann mit hohem Bußgeld belegt werden.

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- 71 -

Indikationszulassung

Festschreibung, für welche Schaderreger an welchen Kulturen das Mittel

eingesetzt werden darf.

Beispiele:

• Fungizid zur Bekämpfung von Mehltau:

zugelassen an Rosen, verboten an Phlox oder Basilikum

• Teldor gegen Monilia laxa:

zugelassen an Kirschen und Pflaumen, verboten an Aprikosen und Pfirsich

Anwendung von Pflanzenschutzmitteln außerhalb

der festgesetzten Anwendungsgebiete und

Anwendungs-bestimmungen gilt als

Ordnungswidrigkeit und wird mit einem Bußgeld

belegt

Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft

- Prinzipiell bedürfen alle Pflanzenschutzmittel einer Zulassung. Damit ist auch die Eigenherstellung

von solchen nicht mehr erlaubt. Im Gegensatz dazu ist der Umgang mit Pflanzenstärkungsmitteln

mit weniger Auflagen verbunden - zum Beispiel ist die Herstellung von

Brennnesselbrühe erlaubt. Im Handel und bei der Weitergabe ist jedoch die Kennzeichnung

„Pflanzenstärkungsmittel“ erforderlich.

Wichtige Änderungen im Pflanzenschutzgesetz von 1998

- allgemein -

- Definitionen: z. B.

Pflanzenstärkungsmittel: Mittel zur Erhöhung der Widerstandsfähigkeit,

Mittel zum Schutz vor nichtparasitären Krankheiten, Frischhaltemittel

Anwendungsgebiet: stärkere Bindung der Anwendung an die Zulassung

- Anwendungsvorschriften: Pflanzenschutzmittel dürfen nur angewandt

werden, wenn sie zugelassen sind, dann nur mit dem in der Zulassung

festgesetzten Anwendungsgebiet (Indikation) und gemäß den festgesetzten

Anwendungsbestimmungen.

- Zulassungsbedingungen sind der RL 91/44/EWG angepasst.

- Möglichkeit des Widerrufs der Zulassung, wenn Wirkstoff nicht in Anhang

I der EU-Richtlinie 91/44 aufgenommen worden ist.

- Die Anwendung von PSM im Haus- und Kleingarten ist erschwert worden.

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1


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Anwendung von Pflanzenschutzmitteln im Haus- und Kleingarten

nach dem neuen Pflanzenschutzgesetz

Pflanzenschutzmittel für den Haus- und Kleingarten

� müssen eine Zulassung für dieses Einsatzgebiet haben und

müssen durch die Beschriftung "Anwendung im Haus- und

Kleingarten zulässig" kenntlich gemacht sein

� Mittel für den Erwerbsanbau und Mittel in Großpackungen sind

verboten anzuwenden.

� Packungsgröße für maximale Behandlungsfläche von 500 m²/

Jahr ausgelegt.

Kennzeichnung von Pflanzenschutzmitteln

Nach § 20 Pflanzenschutzgesetz dürfen Pflanzenschutzmittel nur in den Verkehr gebracht

oder eingeführt werden, wenn zusätzlich zu der Kennzeichnung nach §§ 13 und

14 des Chemikaliengesetzes auf den Behältnissen und abgabefertigen Packungen in

deutscher Sprache und in deutlich sichtbarer, leicht lesbarer Schrift unverwischbar angegeben

sind:

� die Bezeichnung des Pflanzenschutzmittels,

� die Zulassungsnummer,

� der Name und die Anschrift des Zulassungsinhabers und desjenigen, der

das Pflanzenschutzmittel zur Abgabe an den Anwender verpackt und kenn-

zeichnet, soweit dies nicht der Zulassungsinhaber ist,

� die Wirkstoffe nach Art und Menge,

� das Verfallsdatum,

� die Gebrauchsanleitung mit den festgesetzten Anwendungsgebieten und

Anwendungsbestimmungen, Auflagen und sonstige Angaben.

Diese Regelungen gelten für alle Pflanzenschutzmittel, die in Deutschland in den Verkehr

gebracht und angewendet werden sollen, also auch für Parallelimporte in Deutschland

zugelassener Pflanzenschutzmittel (Identität).

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Diese Regelungen gaben Anlass zu großen Bedenken über die völlige Unbekämpfbarkeit von

Schaderregern im Kleingartenbereich. Es ist bekannt, dass eine Reihe von Lücken gegen verschiedene

Schaderreger entstanden sind. Hier gibt es auch keine Chance, diese mit Ausnahmegenehmigungen

nach § 18 des Pflanzenschutzgesetztes, wie es im Erwerbsanbau nach Antrags- und Prüfungsprocedere

noch möglich ist, zu schließen.

Sehr hart trifft den Kleingärtner der Wegfall der Zulassung des nützlingsschonenden Präparates,

speziell gegen Blattläuse - wie beispielsweise Blattlausfrei Pirimor. Ebenso schmerzlich wird auch

das Verbot von Kupfermitteln in Raumkulturen registriert, so dass u. a. gegen die Kräuselkrankheit

keine zeitige Bekämpfung mehr möglich ist. Auf Grund seiner Fischgiftigkeit darf auch Spruzit

nicht mehr in Raumkulturen eingesetzt werden; ebenso wie das wieder zugelassene Euparen, was

damit in seiner Anwendung auf die Kulturen Erdbeeren, Salat, Endivien und Tomate beschränkt ist.

Heute, drei Jahre nach Einführung des neuen Gesetzes ist es angebracht, Bilanz zu ziehen und sich

die Praxis vor Augen zu führen. Ein Ziel des Gesetzgebers, den Einsatz von PSM im Haus- und

Kleingarten zu verringern, ist sicher gelungen; allerdings m. E. nicht allein durch strikte Befolgung

der vorgegebenen Anwendungen, sondern eher durch die vielfältigen Unklarheiten im Gesetzestext

und die mannigfaltigen Auslegungen, die zu hoher Unsicherheit geführt haben.

Für viel wesentlicher halte ich aber eine andere Herangehensweise der Freizeit- und Hobbygärtner,

die ich persönlich aus eigenem Erleben über Jahrzehnte hinweg, interessiert verfolge. Ein hoher

Prozentsatz von ihnen ist selbst nicht daran interessiert, Pflanzenschutzmittel einzusetzen. Sie

sind vielmehr daran interessiert, die Ursachen des Schadens zu erkennen, über die Biologie des

Schaderregers zu erfahren, und zu lernen, sich mit dem Schädling bei Schadensminimierung zu

arrangieren bzw. ihm die Lebensgrundlage zu entziehen. An dieser Stelle sind die Berater sehr gefordert,

sich umfangreichstes Wissen über die „Lebensläufe“ der Schadorganismen anzueignen

und nach Möglichkeiten zu suchen, ihnen die Entwicklung so schwer wie nur irgend möglich zu

machen. Dabei ist es durchaus auch angebracht, gelegentlich auf Methoden aus dem Biogarten

zurückzugreifen.

Fazit

� Für den Kleingarten sind eine Reihe von Pflanzenschutzmitteln nicht

mehr anwendbar

� Es ist zu einer Reduzierung des Pflanzenschutzmittel-Einsatzes im

Haus- und Kleingarten gekommen. Das ist auf eine Vielzahl von Ursachen

zurückzuführen.

Viele Kleingärtner WOLLEN allerdings gar keine

Pflanzenschutzmittel einsetzen.

Beratung ist dringend gefordert:

� Biologie der Schaderreger

� Riskobewertung

� Aufzeigen von Möglichkeiten des Eingriffs ins biologische Gefüge.

INTEGRIERTER PFLANZENSCHUTZ

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Die Vielschichtigkeit der Pflanzenschmutzmaßnahmen ordnen wir heute dem großen Begriff „Integrierter

Pflanzenschutz“ unter. Im Klartext heißt das: Pflanzenschutz darf nicht als Einzelaktion

verstanden werden, sondern muss sich in das gesamte biologische und ökologische Gefüge einpassen.

Die Termini auf diesem Gebiet sind möglichst optimale Anbau- und kulturtechnische Bedingungen,

Auswahl widerstandsfähiger Sorten und Ausschöpfung der biologischen und biotechnischen

Maßnahmen. Für den Haus- und Kleingarten ist es unbedingt richtig, den Einsatz von chemischen

Mitteln stark zu reduzieren, auch weil die wenigen, noch verbliebenen Wirkstoffe die Gefahr

der Selektion resistenter Schaderreger erhöhen.

Integrierter Pflanzenschutz

� weltweites Leitbild zur Bekämpfung von Pflanzenkrankheiten und

Schadorganismen

Der Integrierte Pflanzenschutz ist ein Verfahren des Integrierten Landbaus, das

alle wirtschaftlich, technisch, ökologisch und toxikologisch vertretbaren und

einsetzbaren Techniken und Methoden des Pflanzenschutzes,

das heißt alle physikalischen, chemischen,

biologischen und anbautechnischen Maßnahmen zur

Begrenzung und Bekämpfung pflanzlicher und

tierischer Schaderreger und Standortkonkurrenten im

Kulturpflanzenbau sowie im Vorratsschutz sinnvoll

aufeinander abstimmt, um Schadorganismen unter

einer bestimmten Schadensschwelle zu halten und

gleichzeitig unerwünschte Nebenwirkungen zu

minimieren.

Dabei steht die Ausnutzung der natürlichen

Schadensbegrenzungsfaktoren im Vordergrund.

Quelle: Fachbeirat Naturhaushalt des BVL

Anhand von Bekämpfungsbeispielen von Schaderregern an Obstkulturen im Kleingarten werden

Möglichkeiten des integrierten Herangehens beim Pflanzenschutz gezeigt.

Anlage 1

Als Beispiele für die integrierte Bekämpfung tierischer Schaderreger im Kleingarten stehen:

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Kirschfruchtfliege - Rhagoletis cerasi

Diagnose

• Früchte braun, in Stielnähe weich, Gewebe um Kern zersetzt

• Fliege 5 mm, mit schwarzem Körper

• Flügel durchsichtig mit bräunlicher Querbinde

• Schildchen gelb

• Larve weiß bis cremfarben

Biologie

• im Frühjahr Schlupf der Fliegen (ab Mitte Mai)

• Eiablage an gelblich gefärbten Kirschen

• nach wenigen Tagen Larvenschlupf

• Larven dringen sofort bis in Nähe des Kerns vor

• ab Mitte Juni Verpuppung im Boden

Bekämpfung

• gelbe Leimtafeln zum Abfangen der Fliegen, eventuell Eigenbau

• wenn möglich, Boden unter dem Kirschbaum für Hausgeflügel zugänglich

machen, um Puppen zu dezimieren

• befallene Früchte dadurch eliminieren, dass sie restlos und zeitig geerntet

werden

• Möglichkeiten der Larvenbekämpfung mit entomopathogenen Nematoden

(Steinernema sp.) sind in der Erprobung

Pflaumenwickler - Cydia funebrana

Diagnose

• befallene Früchte mit Bohrloch, Kotansammlungen im Fruchtfleisch

• ca. 10 mm lange rötliche Raupe im Fruchtfleisch

• Kopf dunkelbraun, Nackenschild und Analplatte hellbraun

• Flügelspannweite ca. 15 mm

• Vorderflügel matt purpurgrau, verschwommene Zeichnung

• Hinterflügel graubraun

Biologie

• Raupe überwintert hinter Rinde (Kokon)

• Mai und Juni Falterflug

• ca. 3 Wochen nach Abfall Blütenblätter – Beginn Eiablage

• nach 14 Tagen Larvenschlupf

• befallene Früchtchen verfärben sich blau und fallen zu Boden

• Raupen vollenden hier Entwicklung, Verpuppung hinter Rinde

• ab Juli 2. Generation Falter, ab August Larven in den Früchten

• ab September Raupe im Winterquartier im Kokon

Bekämpfung

• Stammpflege bei Baumschnitt

• nach Möglichkeit Fruchtfall beseitigen

• Flugverlauf mit Pheromonfallen überwachen Ende April bis Ende September

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Blutlaus

Eriosoma lanigerum

Diagnose

• Grundfarbe braun mit viel Watteausscheidungen

• weiß flockiger, dichter Belag auf Ästen, darunter Läuse

• besonders an Wasserschossern oder Rindenverletzungen; auch am Stammgrund (ungepflegte

Baumstämme)

Biologie

• Nymphe überwintert in Verstecken am Apfelbaum oder Stammgrund

• Ende März Beginn der Koloniebildung gern an Verletzungen

• im Sommer Befallsausdehnung bis auf Neutriebe

• im Juli einige geflügelte Tiere (Verbreitung)

• keine sexuelle Phase in Europa

• hier auch kein Befall der Wurzeln

Bekämpfung

• Entfernung der Versteckmöglichkeiten bei Baumpflege

• Abbürsten des Frühjahrsbefalls, bis Ende Mai Befallsstellen ausschneiden

• Entfernen der Wasserschosser und Wurzeltriebe

• auf Blutlauszehrwespe achten

• Zweige mit Läusen, die von Zehrwespen befallen sind, in unbefallene Bereiche verbringen

• Befallsherde nur zeitig im Frühjahr mit Spiritus und Schmierseife bepinseln. Später können auch

Parasiten abgetötet werden.

Apfelwickler - Cydia pomonella

Diagnose

• abfallende junge Früchte, Bohrlöcher mit Kot

• RAUPE: ca. 10 mm, blassrosa mit dunklen Warzen - Nackenschild und Kopf braun - ohne Analkamm,

Analplatte blass

• FALTER: Vorderflügel schwarzbraun, aschgrau überdeckt - metallischer, bronze-schwarzer Spiegelfleck

am Flügelende - Spannweite 15 bis 20 mm

Biologie

• Ende Mai Falterschlupf

• in der Abenddämmerung (mind. 15 °C) Eiablage

• nach 2 Wochen Larvenschlupf, Naschfraß, dann Einbohren

• nach 4 Wochen Verlassen der Früchte

• Verpuppung in geeigneten Verstecken (Rindenschuppen, Risse)

im gesponnenen Kokon

• 2. Generation im August

Bekämpfung

• Beseitigung Versteckmöglichkeiten bei Baumpflege

• Entfernen des frühsommerlichen Fruchtfalls

• Anfang Juli am unteren Stamm Wellpappgürtel (unten offen!) anbringen

• Pheromonfallen zur Überwachung Falterflug

• bei hohem Befallsdruck Viruspräparate bei ermitteltem Flughöhepunkt ausbringen

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Kirschfruchtstecher

Rhynchites auratus

Diagnose

• Gegensatz: feine "Stichverletzung" – Kirschkernstecker, Steinfruchtstecher

(Anthonomus rectirostris) – Hauptwirt: Traubenkirsche

• an jungen Früchten flache Fraßstellen

• Larve C-förmig gekrümmt, schmutzig-weiß

• braune Kopfkapsel

• Käfer fast 1 cm, goldgrün-glänzend mit deutlichem Rüssel

Biologie

• Käfer überwintert in geeigneten Verstecken, oft am Baum

• im Frühjahr zunächst Blattfraß

• Ab Juni Eiablage am Ende eines Bohrganges

• Bohrgang wird mit Fruchtfleisch abgedeckt

• Larve frisst den Kern

• nach etwa 4 Wochen Verpuppung im Boden

Bekämpfung

• sehr schwierig, aber meist nicht erforderlich

• gute Baumpflege, Gartenhygiene

Borkenkäfer

Diagnose

• absterbende Äste oder Bäume

• Stecknadelkopf-große Bohrlöcher

• bei starkem Befall Rinde leicht ablösbar

• arttypische Fraßbilder

• unterschiedliche Körperformen

• kleine Käfer von meist 2 – 5 mm oder deren Larven

Biologie

• Schwächeparasiten

• je nach Art unterschiedlich, meist aber zwei Generationen

• Flugzeit März/April und August/September

• Holz- (Ambrosiapilze) oder Rindenbrüter (Bastschicht)

Bekämpfung

• ausreichende Versorgung mit Wasser und Nährstoffen (besonders bei Neupflanzung)

• unverzüglich befallene Partien entfernen

• kein Brennholz aus Windbruch- oder anderen Befallsgebieten mit Rinde einlagern

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Diagnose

• einzelne, herabhängende und vertrocknende Blütenknospen

• Fraßlöcher an Blattspreite und angenagte Blütenblätter

• in den vertrocknenden Knospen fußlose cremefarbene, 4 mm lange Rüsselkäferlarven (braune

Kopfkapsel)

• grau-brauner, 3 – 4 mm langer Rüsselkäfer

Biologie

• Käfer überwintern unter Blattresten und im Boden

• ab April (bei ca. 18 °C) beginnt Eiablage

• je Blütenknospe 1 Ei, bis zu 150-mal

• Blütenstiel wird angenagt, so dass Blüte knickt

• ab Mitte Juni Beginn Verpuppung

• ab Juli neue Käfer (nur 1 Generation)

Erdbeermilbe

Tarsonemus pallidus

Diagnose

• nesterweise verkrüppelte, zwergwüchsige Pflanzen (bes. Herzblätter)

• Herzblätter gekräuselt, verfärben sich braun und vertrocknen

• kleine, 0,25 mm große, Milben mit 4 Beinpaaren, deren letztes endet

in einer fadenförmigen Verlängerung; weißlich bis hell braun-gelb

Biologie

• es überwintern die befruchteten Weibchen im Herz der Erdbeerpflanze

• im Frühjahr Eiablage an entfalteten Blättern

• bis zu 7 aufeinander folgende, sich überlappende Generationen

• parthogenetische Vermehrung überwiegt – im Sommer keine/kaum Weibchen

Bekämpfung

• unbedingt auf gesunde Jungpflanzen achten

• Neuanlage von Befallsflächen möglichst weit trennen

Erdbeerblütenstecher

Anthonomus rubi

Bekämpfung

• Beseitigung der Versteckmöglichkeiten (Altlaub)

• konsequente Entfernung der Brutstätten, bevor Verpuppung beginnt

• nur gelegentlich Übervermehrung – Bestände in Vorblüte und Blüte genau nach Symptomen und

Käfern absuchen

Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft

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Dickmaulrüssler

Otiorhynchus spp., Phyllobius spp.

Diagnose

• polyphag, schädlich an Beerenobst oder Anpflanzungen

• buchtenartig ausgefressene Blätter

• welkende Pflanzen (Wurzelfraß)

• 6 – 10 mm große Rüsselkäfer

• "Rüssel" als verbreiterter kurzer Ansatz

• einige Arten flugunfähig

Biologie

• einige, polyphage Arten

• meist im Spätsommer Eiablage im Boden

• Larven (schädliches Stadium) fressen an den Wurzeln bis Anfang Mai

• es können gelegentlich auch Käfer überwintern

• zuweilen auch durch Knospenfraß die Käfer stark schädigend (Lappenrüssler)

• Käfer fressen mehr oder weniger tiefe Buchten in die Blätter

• nacht- und dämmerungsaktiv

Bekämpfung

• besonders an Dauerkulturen auf Buchtenfraß achten, dann Einsatz von phytomonophagen

Nematoden (gegen die Larven), am besten im Spätsommer/Frühherbst

Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft

Auch bei pilzlichen Schaderrgern ist die Anwendung integrierter Pflanzenschutzverfahren weit

nachhaltiger als die „Feuerwehraktion“ einer Fungizidmaßnahme.

Als Beispiele sollen hier angeführt werden:

Echter Mehltau am Wein

Uncinula necator

Diagnose

• Triebe treiben später aus und/oder bleiben im Wachstum zurück (Zeigertriebe)

• Oberfläche mit Pilzmyzel überzogen

• grauweißer Belag auf Blattfläche

• Gescheine sterben ab, junge Beeren wachsen nicht

• erbsengroße Beeren platzen auf (Samenbruch)

• kranke Trauben können Schimmelgeschmack verursachen

Biologie

• Überwinterung als Myzel in Knospen

• Erstbefall auf grünen Teilen im Frühjahr

• Konidienbildung (opt. 15 – 27 °C)

• günstig sind hohe Temperaturen und hohe Luftfeuchte

Bekämpfung

• frühzeitiges Ausbrechen der Zeigertriebe

• bei Neupflanzung oidiumresistente Sorten bevorzugen

• Schwefelpräparate

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Falscher Mehltau am Wein

Plasmopara (Peronospora) viticula

Diagnose

• gelbgrüne, ölig wirkende Blattflecken ab Mitte Mai

• blattunterseits weißer Pilzrasen

• bei Starkbefall Verbräunung und Blattfall

• befallene Beeren verfärben sich und trocknen (Lederbeeren)

Biologie

• der Pilz überwintert als dickwandige Dauersporen im Falllaub

(Jahrzehnte lebensfähig im Boden)

• Dauersporen sind Ausgangspunkt für Erstinfektion

• feuchte Witterung >10 mm Niederschlag befallsfördernd

• Ausbreitung per Wind durch blattunterseits abgeschnürte

Konidien (Sommersporen)

• Infektion durch Schwärmsporen bei hoher Luftfeuchte, 12 ° C und

Dunkelheit

Bekämpfung

• dichte Bestände vermeiden

• nicht Laubwand zusätzlich befeuchten (Beregnung)

• Entfernen befallener Pflanzenteile

Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft

Narren- oder Taschenkrankheit der Pflaume

Taphrina pruni

Diagnose

• typisches Schadbild, meist erst kurz vor Ernte sichtbar

• Früchte steinlos

• flach schotenförmig gekrümmt, oft auch abnorm vergrößert

• Fruchtfleisch bleibt grün, hart, mit faden Geschmack

• mehlig überzogene Früchte, verbräunen, fallen ab oder faulen

Biologie

• Überwinterung wahrscheinlich als Myzel auf Trieben, Knospen,

Zweigen

• bei kühl-feuchter Witterung erfolgt Infektion der Blütenorgane

• weißer Fruchtbelag durch dicht stehende Sporenschläuche (Asci)

• verwandt mit Kräuselkrankheit am Pfirsich

Bekämpfung

• bei schwachem Befall Früchte entfernen

• durch Schnittmaßnahmen luftigen Kronenaufbau

• chemische Bekämpfung nur zur Blüte, zum Zeitpunkt der sichtbaren Missbildungen nicht mehr

möglich.

Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft

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Birnengitterrost

Diagnose

• ab Mitte Mai orangerote 1,5 – 2 cm große, glänzende Flecke

auf Blattoberseite, später dunkelrot

• Juli/August im Bereich der Blattflecken unterseits 3 – 4 mm

große Warzen

• bei starkem Befall Blattverlust

Biologie

• Pilz überwintert auf Wacholder

• im Frühjahr Infektion junger Birnenblätter

• Bildung von Sporenlagern auf Blattunterseite der Birnenblätter

• Reinfektion Wacholder

Bekämpfung

• Wo möglich, Haupt- und Zwischenwirt trennen aber: Sporen können durch Luftströmungen über weite

Strecken verfrachtet werden

• befallene Blätter entfernen

Schorf des Kernobstes

Venturia inaequalis + Venturia pirina

Diagnose

• im Frühjahr rundliche, olivgrüne Flecken auf Blattoberseite

• später schwarz-braune diffuse Flecke; auch auf Blattunterseite

• junge Früchte mattschwarze Flecke, die später verkorkte Risse aufweisen

• ältere Früchte am Stielansatz und Kelchgrube relativ kleine Flecke (Spätschorf)

• Frucht genießbar, aber nicht lagerfähig

• auch Befall der Triebe möglich

Biologie

• Überwinterung im Falllaub, zuweilen auch auf grindigen Trieben

• daraus Erstinfektion (durch Wind über weite Strecken)

• zur Infektion Wasser notwendig, dann temperaturabhängig nach 8 bis 20 Tagen Schorfflecken

Bekämpfung

• Beseitigung kranken Laubes

• Rückschnitt grindiger Triebe

• Auslichten der Krone

• Nutzung resistenter Sorten

• Wahl des richtigen Standortes

• ausgewogene Düngung

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Moniliakrankheit der Obstgehölze

1. Monilia fructigena, 2. Monilia laxa, 3. Monilia cydoniae

1. Diagnose

• großflächig graubraune Flecke bis weit in das Fruchtfleisch

• Myzelpolster auf konzentrischen Ringen

• Früchte schrumpfen und verbleiben am Baum (Fruchtmumien)

• völlig schwarze Früchte im Lager (Mohrenköpfe)

• bei sehr feuchter Witterung auch Spitzendürre

2. Diagnose

• Blüten verwelken und verbräunen, bleiben aber noch lange am Zweig

• Zweig vertrocknet von der Spitze her

• Fruchtmumien

3. Diagnose

• Blattgewebe verbräunt schon kurz nach dem Austrieb entlang der Blattrippe

• später ganzes Blatt und Welke

• Geruch nach Bittermandel an Befallsstelle

• Fruchtmumien

Bekämpfung

• regelmäßiger Baumschnitt

• Fruchtmumien möglichst unverzüglich entfernen

• Rückschnitt erkrankter Triebe bis tief (20 cm) ins gesunde Holz

Zwetschgenrost

Diagnose

• Blattoberseite kleine gelbe mosaikartige Flecken

• später rotbraune – schwärzliche, nadelkopfgroße Pusteln

• Blätter vertrocknen von der Spitze beginnend und fallen ab

• hellgrüne Blätter am Zwischenwirt (Anemonen, Leberblümchen,

Winterlinge)

Biologie

• Pilz überwintert auf Blättern

• im Frühjahr Infektion der Zwischenwirte

• ab Mitte Mai Reinfektion der Pflaumenblätter

• Verbreitung durch große Mengen Sommersporen

• auch Sommersporen können überwintern und machen dann den Zwischenwirt überflüssig

Bekämpfung

• Beseitigung der Blätter im Herbst

• Nutzung toleranterer Sorten bei Neuanlage (Bühler, Zimmermanns Frühzwetsche)

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Amerikanischer Stachelbeermehltau

Sphaerotheca mors-urae

Diagnose

• an unbelaubten Sträuchern korkenzieherartige einjährige Triebspitzen

• gestauchte Triebe

• zunächst unauffälliger weißer Belag auf den Triebspitzen, später auf den Blättern deutlicher

• unreife Früchte mit weißem Pilzmyzel, woraus sich später ein rötlich-brauner, filziger Fruchtbelag

entwickelt

• Früchte bleiben unreif und sind somit wertlos

• Sträucher im Spätsommer ohne Laub

Biologie

• Pilz überwintert in Knospen oder Zweigspitzen

• zum Austrieb Frühinfektion mit Sommersporenbildung

• ab Juni dunkelt das Myzel auf Früchten und Blättern und bildet 0,1 mm große, kugelige "Dauersporenbehälter"

• diese Schlauchfrüchte bilden bei Johannisbeeren die Hauptinfektionsquelle im Folgejahr

Bekämpfung

• Entfernen sehr tief angesetzter Zweige

• Rückschnitt aller Triebe um ein Drittel

• restloses Entfernen von Laub- und Schnittgut

• ausgewogene Düngung

• Unkraut freier Boden fördert die Durchlüftung

Johannisbeersäulenrost / Kiefernblasenrost

Cronartium ribicula

Diagnose

• im Juni auf Blattunterseite vor allem bei schwarzer Johannisbeere gelbe Pusteln

• blattoberseits helle Flecken

• im Spätsommer an Stelle der Pusteln 1 – 1,5 mm lange "Säulchen"

• vorzeitiger Blattfall, keine direkten Fruchtschäden

Biologie

• im April bis Mai Übertragung der Sporen aus Sporenlagern von

5-nadligen Kiefern durch Wind und Regen

• nach 2 Wochen erste Pusteln blattunterseits

• davon Ausbreitung innerhalb der Anlage

• August/September Rückinfektion von Säulchen auf Kiefer (Winterwirt)

• nach 2 – 3 Jahre entstehen hier neue Sporenlager

Bekämpfung

• wenn möglich keine Schwarze Johannisbeere in der Nähe von Kiefern pflanzen

• befallenes Laub im Herbst entfernen (auch Direktbefall möglich)

• Anbau toleranter Sorten (Titana, Ometa, Goliath etc.)

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Diese Beispiele sollten zeigen, dass die Bekämpfungsmöglichkeiten ohne Einsatz von chemischen

Mitteln breit angelegt werden müssen und dass es unbedingt erforderlich ist, sich mit dem Lebenszyklus

der Schaderreger vertraut zu machen. Nur dann hat man die Chance, dort einzugreifen,

wo man den Schädling am Lebensnerv trifft.

Internetangebote für Haus- und Kleingärtner (Auswahl)

www.landwirtschaft.sachsen.de/Gartenakademie

www.landwirtschaft.sachsen.de/lfl

www.llg-lsa.de/AktuellerPflanzenschutz

www.tll.de/ainfo

www.bba.de

www.bba.de/inst/bi/nuetzl.htm

www.bvl.bund.de/pflanzenschutz/psmbd/fr_sf_ex.htm

www.verbrauchernews.de/artikel/0000010597.html

www.infodienst.bwl.de/ISP/ispHausgarten

Pflanzenschutzhinweise der Sächsischen Landesanstalt

für Landwirtschaft

Liste der aktuell zugelassenen PSM für den Kleingarten

Pflanzenschutzhinweise der Landesanstalt für

Landwirtschaft und Gartenbau Sachsen-Anhalt

Pflanzenschutzinformationen der Thüringer Landesanstalt

für Landwirtschaft - Merkblätter

Biologische Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft

- Veröffentlichungen, Aktuelles, Gesetze,

PSM-Recherche, Nützlingsangebot

Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit

- Recherche zu aktuell zugelassenen

Pflanzenschutzmitteln

Pflanzenschutzmittelverzeichnis für Haus- und

Kleingarten

Infoservice Pflanzenbau und Pflanzenschutz

Haus- und Kleingarten Baden-Württemberg

www.lk-wl.de/verbraucher/pflanzenschutz Pflanzenschutztipps für Hobbygärtner

www.lwk-hannover.de/gartenbau Infos des Pflanzenschutzdienst Weser-Ems

www.rp-giessen.de Infos des Pflanzenschutzdienstes Hessen

www.stmelf.bayern.de/garten/ Pflanzenschutztipps aus Bayern - Sortentipps

www.beerendoktor.de Pflanzendoktor

www.mein-schoener-garten.de Pflanzendoktor

www.neudorff.de Gartenkalender, Rasentipps, Pflanzendoktor

www.obstundgarten.de Gartenberatung

www.gartensaison.de Tipps für Hobbygärtner

www.kleingartenkolonie-grueneaue.de/Gartenfachberatung/gartenfachberatung.htm

www.gartenfreunde.de/archiv

www.gartenfreunde-berlin.de

Kleingartenkolonie Grüne Aue e. V. in Berlin -

Webseiten der Gartenfachberatung

Fachartikel, Wächter-Verlag, Merkblätter

Bundesverband Deutscher Gartenfreunde e.V. - Grüne Schriftenreihe 173


Leitthemen der Schriftenreihe

115 1996 Würzburg Aktuelle Fragen des Vereins- und Kleingartenrechts

115a 1996 Cottbus Das Bundeskleingartengesetz in seiner sozialpolitischen und

städtebaulichen Bedeutung

116 1996 Lünen Die Position des Kleingartens im Pflanzenschutz

117 1996 Osnabrück Ehrenamtliche Tätigkeit - Freizeit – Kleingarten

118 1996 Nürnberg Die Novellierung des § 3, 1 Bundeskleingartengesetz und deren

Auswirkungen auf die Nutzung und Bewirtschaftung des

Kleingartens

119 1996 Grünberg Die Rolle der Stauden und Küchenkräuter im Kleingarten

120 1996 Gera Natur- und Umweltschutz in Kleingärten

121 1996 Erfurt Probleme des Kleingartenrechts in Theorie und Praxis

122 1997 Schwerin Haftungsrecht und Versicherungen im Kleingartenwesen

123 1997 St. Martin Pflanzenschutz und die naturnahe Bewirtschaftung im

Kleingarten

124 1997 Berlin Lernort Kleingarten

125 1997 Gelsenkirchen Möglichkeiten und Grenzen des Naturschutzes im Kleingarten

126 1997 Freising Maßnahmen zur naturgerechten Bewirtschaftung und

umweltgerechte Gestaltung der Kleingärten als eine

Freizeiteinrichtung der Zukunft

127 1997 Lübeck-Travemünde Der Schutz unserer natürlichen Lebensgrundlagen

128 1997 Karlsruhe Aktuelle Probleme des Kleingartenrechts

129 1998 Chemnitz Aktuelle kleingartenrechtliche Fragen

130 1998 Potsdam Die Agenda 21 und die Möglichkeiten der Umsetzung der lokalen

Agenden zur Erhaltung der biologischen Vielfalt im

Kleingartenbereich

131 1998 Dresden Gesundes Obst im Kleingarten

132 1998 Regensburg Bodenschutz zum Erhalt der Bodenfruchtbarkeit im Kleingarten

Gesetz und Maßnahmen

133 1998 Fulda Der Kleingarten - ein Erfahrungsraum für Kinder und Jugendliche

134 1998 Wiesbaden Aktuelle kleingartenrechtliche Fragen

135 1998 Stuttgart Kleingärten in der / einer künftigen Freizeitgesellschaft

136 1998 Hameln Umsetzung der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie der EU von 1992

im Bundesnaturschutzgesetz und die Möglichkeiten ihrer

Umsetzung im Kleingartenbereich


137 1999 Dresden (Kleine) Rechtskunde für Kleingärtner

138 1999 Rostock Gute fachliche Praxis im Kleingarten

139 1999 Würzburg Kind und Natur (Klein)Gärten für Kinder

140 1999 Braunschweig Zukunft Kleingarten mit naturnaher und ökologischer

Bewirtschaftung

141 1999 Hildesheim Biotope im Kleingartenbereich

- ein nachhaltiger Beitrag zur Agenda 21

142 1999 Freiburg Zukunft Kleingarten

143 2000 Mönchengladbach Recht und Steuern im Kleingärtnerverein

144 2000 Oldenburg Pflanzenzüchtung und Kultur für den Kleingarten

von einjährigen Kulturen bis zum immergrünen Gehölz

145 2000 Dresden Die Agenda 21 im Blickfeld des BDG

146 2000 Erfurt Pflanzenschutz im Kleingarten unter ökologischen Bedingungen

147 2000 Halle Aktuelle kleingarten- und vereinsrechtliche Probleme

148 2000 Kaiserslautern Familiengerechte Kleingärten und Kleingartenanlagen

149 2000 Erfurt Natur- und Bodenschutz im Kleingartenbereich

150 2001 Rüsselsheim Vereinsrecht

151 2001 Berlin Kleingartenanlagen als umweltpolitisches Element

152 2001 Mönchengladbach Natur- und Pflanzenschutz im Kleingarten

153 2001 St. Martin Das Element Wasser im Kleingarten

154 2001 Gelsenkirchen Frauen im Ehrenamt - Spagat zwischen Familie, Beruf und

Freizeit

155 2001 Erfurt Verbandsmanagement

156 2001 Leipzig Zwischenverpachtungen von Kleingartenanlagen - Gesetzliche

Privilegien und Verpflichtungen

157 2002 Bad Mergentheim Kleingartenpachtverhältnisse

158 2002 Oldenburg Stadtökologie und Kleingärten – verbesserte Chancen für die

Umwelt

159 2002 Wismar Miteinander reden in Familie und Öffentlichkeit – was ich wie

sagen kann

160 2002 Halle Boden – Bodenschutz und Bodenleben im Kleingarten

161 2002 Wismar Naturnaher Garten als Bewirtschaftsform im Kleingarten

162

2002 Berlin Inhalt und Ausgestaltung des Kleingartenpachtvertrages


163 2003 Dessau

164

165

166

167

168

169

Finanzen

2003 Rostock Artenvielfalt im Kleingarten – ein ökologischer Beitrag des

Kleingartenwesens

2003 Hamburg Rosen in Züchtung und Nutzung im Kleingarten

2003 Rostock Wettbewerbe – Formen, Auftrag und Durchführung

2003 Limburgerhof Die Wertermittlung

2003 Bad Mergentheim Soziologische Veränderungen in der BRD und mögliche

Auswirkungen auf das Kleingartenwesen

2004 Braunschweig Kleingärtnerische Nutzung (Rechtstagung)

170 2004 Kassel Öffentlichkeitsarbeit

171

172

2004 Fulda Kleingärtnerische Nutzung durch Gemüsebau

2004 Braunschweig Mein grünes Haus

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