JAHRESBERICHT 2008 - ACR

acr.at

JAHRESBERICHT 2008 - ACR

IMPRESSUM ACR – AUSTRIAN

COOPERATIVE RESEARCH

VEREINIGUNG DER KOOPERATIVEN

FORSCHUNGSEINRICHTUNGEN DER

ÖSTERREICHISCHEN WIRTSCHAFT

HAUS DER FORSCHUNG,

SENSENGASSE 1, A-1090 WIEN

TEL. +43 (1) 219 85 73,

FAX +43 (1) 219 85 73-13

FÜR DEN INHALT VERANTWORTLICH

MARTIN LEITL, JOHANN JÄGER

PROJEKTKOORDINATION

MANUELA JERETIC, EVA WIELANDER

LAYOUT ALEXANDER SCHUH,

O-@BLACKBOX.NET DRUCK

STEINHAUSER BILDBEARBEITUNG UND

DRUCK GMBH, 1100 WIEN

ERSCHEINUNGSDATUM MAI 2009

office@acr.at www.acr.at

mit freundlicher

Unterstützung

AUSTRIAN COOPERATIVE RESEARCH 2008 KOOPERATION MIT KOMPETENZ

JAHRESBERICHT 2008


Kooperation mit Kompetenz


Jahresbericht 2008

austrian Cooperative researCh


INHALT

26

Leicht, sicher, dicht – schachtabdeckung

in rekordzeit entwickelt

BTI – BAUTECHNISCHES

INSTITUT LINZ

Baustoffe, Bauwesen, Brandschutz

und sicherheitsforschung

36

Fichte – aber sicher!

iBs ermöglicht Brandschutzfenster

aus Fichtenholz

IBS – INSTITUT FÜR

BRANDSCHUTZTECHNIK UND

SICHERHEITSFORSCHUNG GMBH

Baustoffe, Bauwesen, Brandschutz

und sicherheitsforschung

7

aCr als Wegbegleiter für

erfolgreiche innovationen

VORWORT

28

ziegelprinzip für holzwände

– holz wird im hausbau

immer beliebter

BVFS – BAUTECHNISCHE

VERSUCHS- UND

FORSCHUNGSANSTALT SALZBURG

Baustoffe, Bauwesen, Brandschutz

und sicherheitsforschung

38

top oder Flop?

Die Kmu ForsChunG austria

weiß, wie es um die Kmu in

Österreich steht

KMFA – KMU FORSCHUNG

AUSTRIA

sozial- und Wirtschaftsforschung

8

Kooperation mit Kompetenz

EINLEITUNG

10

2008 – für aCr ein Jahr auf

neuen Wegen mit viel erfolg

ACR IM JAHR 2008

30

schöner Wohnen – Die FGW

befragte Bewohnerinnen

FGW –

FORSCHUNGSGESELLSCHAFT FÜR

WOHNEN, BAUEN UND PLANEN

sozial- und Wirtschaftsforschung

46

nachhaltige energiewirtschaft –

Lva mischt bei alternativenergien

mit

47

service hat priorität – Die Lva

vernetzt die player der Branche

LVA – LEBENSMITTEL -

VERSUCHS ANSTALT

Lebensmittel, Getreide und

Getränke, Life sciences

12

ÜBER DIE ACR

15

DAS TEAM DER

GESCHÄFTSSTELLE

16

ACR-KENNZAHLEN

19

ACR-LEISTUNGSBILANZ 2008

32

in echt forschen — hFa baute

häuser eigens für tests

34

Das superpellet — hFa dopt

holzpellets mit amylopektin und

Wachsweizen

HFA – HOLZFORSCHUNG AUSTRIA

Werkstoffe, Werkstoffcharakteri -

sierung und -verarbeitung, Baustoffe,

Bauwesen, Brandschutz und

sicherheitsforschung, nachhaltig -

keits- und umweltforschung

48

Benutzerfreundlich – ofi optimiert

das Konzept für motorradhelm

50

ungeahnte pferdestärken – Das ofi

macht pferdemist als Brennstoff

nutzbar

52

und sie innovieren doch – Kmu

setzten mit dem ofi viele ideen um

OFI – ÖSTERREICHISCHES

FORSCHUNGSINSTITUT FÜR

CHEMIE UND TECHNIK

Werkstoffe, Werkstoffcharakteri

sierung und -verarbeitung,

Bau stoffe, Bauwesen, Brandschutz

und sicherheitsforschung, Lebens -

mittel, Getreide und Getränke,

nachhaltigkeits- und umwelt -

forschung, Life sciences


20

INSTITUTSVERTRETER

22

ACR-MITGLIEDER

25

Dicht auf den Fersen hFa und bvfs

ACR-CARBONIUM 2007: DAS ZFE

IST DER VERNETZUNGSKÜNSTLER

DER ACR

54

ÖGi gegen den zahn der zeit –

Die Computertomographie macht

verborgenes sichtbar

ÖGI – ÖSTERREICHISCHES

GIESSEREI-INSTITUT

Werkstoffe, Werkstoffcharakte -

risierung und -verarbeitung

70

Dem aroma auf der spur

vFG erforscht den guten

Brotgeschmack

VFG – VERSUCHSANSTALT FÜR

GETREIDEVERARBEITUNG

Lebensmittel, Getreide und Getränke,

Life sciences

41

»Die rezession ist das tal,

aus dem wir kommen«

ratsvorsitzender Knut

Consemüller im Gespräch

61

mobilität

LOHNT SICH DAS AUSLAND

FÜR FORSCHERINNEN?

sylvia polleres und

nadejda matsko im Gespräch

56

sicherheit: nach wie vor thema

nr. 1 im netz – Das Öiat

zertifiziert seriöse online-shops

ÖIAT – ÖSTERREICHISCHES

INSTITUT FÜR ANGEWANDTE

TELEKOMMUNIKATION

informations- und

Kommunikations technologie

72

extra Luft, maßgeschneiderte

Wärme – Kachelöfen machen

sich gut in passivhäusern

VFH – VERSUCHS- UND

FORSCHUNGSANSTALT DER

HAFNER ÖSTERREICHS

Baustoffe, Bauwesen, Brandschutz

und sicherheitsforschung

81

»rechne nicht mit

massenhaft insolvenzen«

Christoph Leitl im Gespräch

58

einzelstücke für den massenmarkt

Das Öti erstellt mCp-Fahrplan für

textilunternehmen

ÖTI – INSTITUT FÜR ÖKOLOGIE,

TECHNIK UND INNOVATION

Baustoffe, Bauwesen, Brandschutz

und sicherheitsforschung, Life

sciences, nachhaltigkeits- und

umweltforschung

74

16 cm Betonfahrbahn sind

genug … wie dies funktioniert,

untersuchte das vÖzFi

vÖzFi – ForsChunGsinstitut

Der vereiniGunG Der ÖsterreiChisChen

zementinDustrie

Baustoffe, Bauwesen, Brandschutz

und sicherheitsforschung

8 5

ACR-ENQUETE

KOOPERATIONSPREIS 2008

66

sicher auf schienen

sza prüfte den chinesischen

velaro

SZA – SCHWEISSTECHNISCHE

ZENTRALANSTALT

Werkstoffe, Werkstoffcharakte -

risierung und -verarbeitung

68

schnell sein mit dem tandem

auch 2008 stand im zeichen

des antriebs

SVA – SCHIFFBAUTECHNISCHE

VERSUCHSANSTALT

schiffbau

76

Genau betrachtet … lassen

sich schäden durch Korrosion

vermeiden, weiß das zFe

78

Bis auf den letzten nanometer

am zFe gelang erstmals

die präzise messung von

oberflächenplasmonen

ZFE – ZENTRUM FÜR

ELEKTRONENMIKROSKOPIE GRAZ

mikro- und nanostrukturforschung


VORWORT

reinhold mitterlehner

aCr aLs WeGBeGLeiter Für erFoLGreiChe innovationen

innovationen brauchen mutige unternehmer und

professionelle unterstützung. Dies gilt besonders

in wirtschaftlich schwierigen zeiten. investitionen

in Forschung und entwicklung sind deshalb

gerade jetzt der richtige schritt. Das

innovationsklima in Österreich ist ausgezeichnet.

Die Bruttoinlandsausgaben für Forschung und

entwicklung wurden von 4 milliarden euro oder

1,91 % des Bruttoinlandsprodukts im Jahr 2000

auf 7,5 milliarden euro oder 2,63 % des Bip im

Jahr 2008 gesteigert. auch der internationale

vergleich zeigt, dass Österreich auf dem besten

Weg ist, an die europäischen innovations-Leader

schweden und Finnland aufzuschließen und das

Barcelona-ziel einer Forschungsquote von 3 %

des Bruttoinlandsprodukts bis zum Jahr 2010

zu erreichen. Forschung zahlt sich

für unternehmen aus. Dabei können sie auf das

Know-how und die unterstützung kompetenter

Forschungspartner, wie die institute der austrian

Cooperative research (aCr), zugreifen. aus dieser

kooperativen Forschung sind zahlreiche neue produkte,

methoden und erkenntnisse hervorgegangen, die

für die Wirt schaft essentiell sind und unsere Wettbewerbsfähigkeit

sichern. im vorliegenden

Jahresbericht der aCr finden sich erfolgreiche

innovationen und Forschungsprojekte, von denen

ich mir wünsche, dass sie viele nachahmer finden.

Das Wirtschaftsministerium unterstützt die aCrinstitute

bei der erweiterung des Dienstleistungsangebotes

und bei der verbesserung der technischen

infrastruktur. Das kommt direkt den unternehmen

zu Gute. reinhold mitterlehner, Bundesminister

für Wirtschaft, Familie und Jugend.

aCr JahresBeriCht 2008

7


aCr JahresBeriCht 2008

8

KOOPERATION MIT KOMPETENZ

martin Leitl

Liebe Leserinnen, liebe Leser, mit einer

Forschungsquote von 2,63 % ist das Jahr 2008

für die Forschung in Österreich insgesamt ein sehr

erfolgreiches Jahr gewesen – und damit auch für

die Wirtschaft. Die unternehmen finanzieren den

weitaus größten teil der ausgaben für Forschung

und entwicklung, heuer knapp 3,7 mrd. euro.

Dank ihrer und eines flexiblen Fördersystems hat

Österreich in den letzten Jahren eine entwicklung

hin zu einer stärker technologieorientierten

Ökonomie vollzogen. über die schlichten

zahlen gerät manchmal in vergessenheit, dass

Forschung und innovation prozesse sind, die

nicht von heute auf morgen be- und abgeschlossen

werden, sondern oft genug von rückschlägen

begleitet werden, in jedem Fall aber einen

zunächst ungewissen ausgang haben. insofern

erfordert jede innovation einen gewissen mut –

und die richtigen partner. in diesem Jahresbericht

finden sie Beispiele, bei denen beides zusammenkommt.

unsere Forschungsinstitute haben 2008

22.057 aufträge gemeinsam mit unternehmen

ab gewickelt, davon 16.106 projekte für kleine

und mittlere unternehmen. Der 2008

eingeführte innovationsscheck war ein großer

erfolg und ein wichtiges signal an die Klein- und

mittelbetriebe. mit dem innovationsscheck bekamen

sie die möglichkeit, unkompliziert eine starthilfe für

ihre innovation in anspruch zu nehmen. mehr als

1.600 unternehmen haben die Chance erkannt und

genutzt. Dies zeigt, welches innovationspotenzial

bei den Kmu immer noch brach liegt und von

seiten der Forschungspolitik deutlicher adressiert

werden sollte. Wie zahlreiche der von


aCr-instituten durchgeführten Forschungsprojekte

zeigen, entsteht der größte Fortschritt, wenn

traditionelles handwerk und neueste technologie

zusammenkommen: Wenn man beispielsweise

mikrowellen für die holzforschung nutzt oder

Computertomographie in der Gießerei einsetzt.

Die in unserem Jahresbericht vorgestellten

projekte räumen mit gängigen Klischees auf:

tradition und innovation schließen sich nicht aus,

im Gegenteil. und: unternehmen müssen nicht

groß und finanzstark sein, um ihre ideen zu

verwirklichen. mehr als 8.104 unternehmen haben

2008 das wissenschaftliche Fachwissen und die

Forschungsinfrastruktur der aCr-einrichtungen

genutzt und damit die richtigen schritte für eine

nachhaltige sicherung ihrer Wettbewerbsfähigkeit

gesetzt. Davon wird auch die österreichische

Wirtschaft insgesamt profitieren. Die

Beispiele zeigen aber auch, dass der übergang

von innovation und entwicklung zu high-tech-

Forschung fließend und bei erfolgreichen

innovationen meist beides beinhaltet ist. Gerade

Kmu brauchen hier entsprechende unterstützung,

die sie von den gemeinnützigen aCr-instituten

in besonderer Weise erhalten. um diese unterstützung

als non-profit organisationen auch

geben zu können, sind die aCr-institute ihrerseits

auf entsprechende Förderung ihrer projekte angewiesen.

ein besonderer Dank gebührt

hier dem Wirtschaftsministerium, das sich für

diese indirekte unterstützung der österreichischen

Klein- und mittelbetriebe immer wieder besonders

engagiert hat. viel Freude beim Lesen!

martin Leitl, präsident der aCr

aCr JahresBeriCht 2008

9


aCr JahresBeriCht 2008

10

ACR IM JAHR 2008

2008 – Für aCr ein Jahr auF neuen WeGen mit vieL erFoLG

rückblickend war 2008 für aCr ein bewegtes,

ja fast turbulentes Jahr. mit der aCr-akademie

und dem Carbonium haben wir intern neue Wege

beschritten, aber auch nach außen hin – ausgelöst

durch die neuwahlen – Flagge gezeigt, mit dem

ergebnis, dass aCr sogar im regierungsprogramm

2008–2013 mit »Daneben sind im

außeruniversitären Bereich die ›Kooperativen

Forschungsinstitute‹ (gebündelt im Verein

ACR – Austrian Cooperative Research) weiter

zu unterstützen« erwähnung fand.

mit der aCr-akademie haben wir

gemeinsam mit den instituten ein schulungsprogramm

erarbeitet, das disziplinübergreifend

auf Kunden zugeschnitten ist. Bei dieser initiative,

die vom gesamten verband getragen wird, geht

es darum neue inhalte zu vermitteln, die durch

die vielfalt der institute überhaupt erst möglich

sind. ein weiterer aspekt ist die nutzung von

synergien der heterogenen mitgliederstruktur.

mit dem Carbonium wird jenes institut

ausgezeichnet, das sich im vergangenen Jahr am

umfassendsten für den verband eingesetzt hat.

2008 wurde dieser preis zum ersten mal vergeben.

mit der vtÖ haben wir im mai in steyr

eine neue veranstaltungsreihe ins Leben gerufen.

Grundgedanke dabei ist es, den Kmu zum einen

die rolle des vtÖ und der aCr näher zu bringen

und zum anderen traditionell wirkungsvolle Förderschienen

für Kmu näher zu beleuchten.

mit dem auslaufen von prokis04 war es notwendig

ein nachfolgeprogramm zu diskutieren. Letztlich

ging dies in der neuen FFG-Förderschiene Coin

auf. Die neuwahlen haben der aCr


Johann Jäger

die Chance offeriert, erstmalig an alle parteien in

Form eines Fragenkatalogs zu F&e – insbesondere

zur unterstützung von Kmu – heranzutreten. Das

ergebnis war ein offener Dialog der uns angeboten

wurde und den aCr willkommen aufgenommen

hat. Gemündet hat dies in einem positionspapier

der aCr in dem auch der versuch unternommen

wurde, die rolle der aCr im nationalen innovationssystem

festzuhalten. Begleitet wurde dieser Dialog

von einer evaluierung der aCr als verband sowie

der aCr-Geschäftsstelle, mit dem das industriewissenschaftliche

institut (iwi) vom BmWFJ

beauftragt wurde. Beides, Dialog und evaluierung,

ziehen sich ins Jahr 2009 hinein und werden

dort zu konkreten maßnahmen führen.

traditionell ist aber die enquete mit der verleihung

des »aCr Kooperationspreis 2008« der höhepunkt

des aCr-Jahres. 2008 gelang es uns, Frau staatssekretärin

Christine marek für die verleihung

des »aCr Kooperationspreises« zu gewinnen.

Gemeinsam mit präsident martin Leitl hat sie

die drei siegerprojekte mit einem scheck über

2.000 euro sowie einer urkunde ausgezeichnet.

mit diesem Jahresbericht, den wir

ganz im zeichen des Carboniums, sinnbild der

vernetzung und der vielfalt, gestaltet haben,

möchten wir sie teilhaben lassen an diesem

ereignisreichen und entscheidenden Jahr.

viel Freude beim Lesen,

Johann Jäger, Geschäftsführer der aCr aCr

JahresBeriCht 2008

11


aCr JahresBeriCht 2008

12

ÜBER DIE ACR

WER WIR SIND

aCr, austrian Cooperative research, ist

die vereinigung außeruniversitärer Forschungseinrichtungen

mit kooperativem Charakter.

Die aCr bildet eine wichtige plattform für

außeruniversitäre Forschung und entwicklung

und unterstützt in erster Linie die Klein- und

mittelbetriebe der österreichischen Wirtschaft.

UNSERE MITGLIEDER

aCr hat ordentliche, außerordentliche

und assoziierte mitglieder. Die ordentlichen

mitglieder der aCr sind privatwirtschaftlich

geführte gemeinnützige Forschungseinrichtungen,

die außerhalb der universitäten wirtschaftsnahe

F&e-Dienstleistungen erbringen. Die außerordentlichen

mitglieder sind profitorientierte

unsere ForsChunGsBereiChe

• Werkstoffe, Werkstoffcharakterisierung

und -verarbeitung

• Baustoffe, Bauwesen, Brandschutz

und sicherheitsforschung

• Lebensmittel, Getreide und Getränke

• sozial- und Wirtschaftsforschung

unternehmen, die aufgrund ihrer hohen

Forschungskompetenz in der aCr-plattform

verankert sind. assoziierte mitglieder sind

die industriellenvereinigung, die Forschungsgesellschaft

des Landes steiermark Joanneum

researCh und die Wirtschaftskammer

Österreich.

WAS WIR TUN

Das vorrangige ziel der aCr ist es,

durch spezialisierte F&e-Dienstleistungen

die österreichische Wirtschaft, insbesondere

die Klein- und mittelbetriebe, wettbewerbsfähiger

zu machen. Die aCr bietet in den Bereichen

prüfungen und Gutachten, Forschung, entwicklung

und innovation sowie technologietransfer

(z.B. Qualitätskontrollen, produktzertifizierungen,

• schiffbau

• mikro- und nanostrukturforschung

• informations- und Kommunikationstechnologie

• nachhaltigkeits- und umweltforschung

• Life sciences

• physik und künstliche intelligenz


schulungen) Gesamtlösungen an, die speziell

auf die Bedürfnisse von kleinen und mittleren

unternehmen zugeschnitten sind. Die aCr stellt

adäquate Forschungskapazitäten bereit und

unterstützt innovative vorhaben zur erhöhung

der innovationsleistungen der österreichischen

Wirtschaft. Die Forschungstätigkeit erfolgt

in enger Kooperation mit den unternehmen.

auf Grund ihrer umfangreichen erfahrung

mit Fördereinrichtungen unterstützt die aCr

unternehmen bei Förderanträgen.

Darüber hinaus ist die aCr mitglied der

Forschung austria.

UNSERE INTERNATIONALEN PARTNER

Die aCr ist mitglied des europäischen

verbandes earto – european association of

research and technology organisations. earto

ist das internationale netzwerk der wichtigsten

außeruniversitären Forschungsorganisationen

in europa. Die earto umfasst mehr als 300

mitglieder, die rund 80.000 Wissenschafterinnen

und Wissenschafter beschäftigen und

für mehr als 100.000 unternehmen, vor allem

Klein- und mittelbetriebe, Leistungen erbringen.

aCr-mitglieder beteiligen sich auch

an den europäischen rahmenprogrammen für

Forschung und technologische entwicklung.

aCr – austrian Cooperative researCh

haus der Forschung, 1090 Wien, sensengasse 1

tel.: +43 (0)1 219 85 73, Fax: +43 (0)1 219 85 73-13

e-mail: office@acr.at, internet: www.acr.at

aCr JahresBeriCht 2008

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DAS TEAM DER GESCHÄFTSSTELLE

MARTIN LEITL

ist seit oktober 2006 präsident der aCr.

nach einem studium des Bauingenieurwesens

an der technischen universität Wien arbeitete

er als stellvertretender Leiter des Bautechnischen

institutes Linz (Bti), das seit 1991 mitglied

der aCr ist. 1983 übernahm martin Leitl die

technische Leitung der Bauhütte Leitl-Werke

Ges.m.b.h., seit 1990 ist er Geschäftsführer

der holding. seine hauptaufgabe als präsident

der aCr ist die vertretung der vereinigung

gegenüber der Öffentlichkeit.

JOHANN JÄGER

übernahm im Frühjahr 1995 die Leitung

der aCr-Geschäftsstelle. nach dem studium

der technischen mathematik und informationsverarbeitung

an der tu Graz war er u.a. am

europäischen Kernforschungszentrum (Cern) in

der schweiz, an der stanford university in den

usa und in Österreich bei voest-alpine, der tu

Wien und bei aBB austria in leitender Funktion

tätig. als Geschäftsführer der aCr

betreut und pflegt er die zusammenarbeit mit allen

Das team

v.l.n.r.: Johann Jäger, manuela Jeretic, eva Wielander, martin Leitl

partnern der aCr und ist für die kaufmännischen,

organisatorischen und wissenschaftlichen

aktivitäten der Dachorganisation zuständig.

MANUELA JERETIC

arbeitet seit Juni 2007 in der aCr-

Geschäftsstelle. sie hat nach ihrem abschluss

an der höheren technischen Lehranstalt Graz

an der universität Wien publizistik und

Kommunikationswissenschaften studiert und

war im anschluss daran im Bundesministerium

für verkehr, innovation und technologie tätig.

ihr primärer aufgabenbereich in der

aCr ist die presse- und Öffentlichkeitsarbeit

sowie die Betreuung der mitglieder. sie ist

außerdem für die umsetzung der aCr-Förderprogramme

verantwortlich.

EVA WIELANDER

ist seit Juni 2008 bei aCr tätig und für

administration und organisation zuständig. sie

betreut die Buchhaltung und Lohnverrechnung

der aCr-Geschäftsstelle und ist für die organisation

von veranstaltungen verantwortlich.

aCr JahresBeriCht 2008

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aCr JahresBeriCht 2008

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ACR-KENNZAHLEN

orDentLiChe mitGLieDer

2008 7 2007 2006 2005

Gesamtumsatz 1 in mio. € 53,3 54,7 51,2 46,8

Leistungsbezogener umsatz 2 in mio. € 43,7 48,5 44,4 39,5

vollzeitäquivalente Beschäftigte 501 555 545 526

anzahl der Beschäftigten 640 687 662 628

davon akademisches personal 3 326 354 351 307

Kmu-Bezug 4 68 % 71 % 71 % 73 %

F&e-Förderungen am Gesamtumsatz 5 6,2 % 6,8 % 4,7 % 6,6 %

F&e-aufwand am Gesamtumsatz 6 28 % 27 % 27 % 28 %

personalaufwand am Gesamtumsatz 54 % 55 % 56 % 56 %

1 Beinhalten alle erlöse und einnahmen des jeweiligen Kalenderjahres.

2 Dazu zählen die Beiträge von unternehmen aller art, Gruppen von unternehmen, verbänden, interessenvertretungen sowie einnahmen aus

anwendungsorientierten Forschungsprojekten. nicht dazu zählen sonstige nicht leistungsbezogene mittel (von Gemeinden, Land, Bund, eu,

diverse Fonds) und erträge aus dem institutsvermögen.

3 als akademisches personal gelten auch absolventinnen ausländischer Fachhochschulen bzw. in Bereichen, wo es keine akademische ausbildung

gibt, soll dies durch den anteil von htL-absolventinnen ausgeglichen werden können. ansonsten sind htL-absolventinnen, studierende und andere

absolventinnen höherer berufsbildender schulen als 50 %iges akademikerinnenäquivalent zu zählen.

4 Bezieht sich auf die anzahl der aufträge, die unmittelbar auf die Bedürfnisse der kleinen und mittelgroßen unternehmen (Kmu) ausgerichtet sind.

im langfristigen Durchschnitt liegt der Kmu-Bezug zwischen 70 % und 75 %.

5 Diese Kennzahl beinhaltet prokis04.

6 Beinhalten: personalkosten für F&e, laufende Gerätekosten für F&e-nutzung, F&e-Leistungen von Dritten, F&e-investitionen (abschreibungsanteil),

sonstige F&e-Leistungen von Dritten (universitäten, Berater), aufwendungen für FFG, FWF und eu-projekte.

7 Der rückgang bei umsatz und Beschäftigten ist ausschließlich auf organisatorische Änderungen eines ordentlichen mitglieds zurückzuführen.

Bei Berücksichtigung dieser umstrukturierungsmaßnahmen rückwirkend auch für 2007 ergibt sich eine umsatzsteigerung von 48,1 mio. eur

auf 52,8 mio. eur und ein anstieg der Beschäftigtenzahl von 607 auf 636.


aCr-umsatz

Gesamtumsatz in mio. eur

Leistungsbezogener umsatz in mio. eur

2005

46,8 mio.

39,5 mio.

2006

aCr-BesChÄFtiGte

vollzeitäquivalente Beschäftigte

2005

526

2006

aCr-Kmu-BezuG

71 %

51,2 mio.

545

Kmu-Bezug 4 in Bezug auf auftragsanzahl

2005

73 %

2006

44,4 mio.

2007

2007

2007

54,7 mio.

71 %

48,5 mio.

555

2008

2008

2008

53,3 mio.

68 %

43,7 mio.

501

aCr JahresBeriCht 2008

17


ACR-LEISTUNGSBILANZ 2008

BESCHREIBUNG DES LEISTUNGSSPEKTRUMS F&E

15.003.821 € F&e-aufwand*

9.550.945 € F&e-personalaufwand*

1.386 F&e-projekte

10.489.785 € F&e-projekte*

3.659.225 € F&e-Förderungen national*

274.413 € F&e-Förderungen international (z. B. von eu)*

14.466.469 € summe F&e-einnahmen*

96 eigenforschungsprojekte

410 wissenschaftlich Beschäftigte

113 der wissenschaftlich Beschäftigten sind Frauen

297 der wissenschaftlich Beschäftigten sind männer

1.619 Kunden im Bereich F&e

29 eu-projekte

HOCHWERTIGES MESSEN UND PRÜFEN

27.768 prüf- und messaufträge

3.855 Kunden im Bereich messen und prüfen

GUTACHTEN UND SACHVERSTÄNDIGKEITEN

286 sachverständigkeiten

1.494 Gutachten

*exkl. ust.

TECHNOLOGIETRANSFER

KUNDENSTRUKTUR

25.798 stunden für kostenlose Beratung

1.574 bezahlte Beratungen

12.547 schulungsstunden mit zertifiziertem abschluss

389 durchgeführte seminare

270 Beteiligung an normungsausschüssen

15 regelmäßig selbst organisierte Großveranstaltungen

1.229 Kunden im Bereich Beratung

8.104 Kunden

22.057 aufträge pro Jahr

3.453 davon ausländische aufträge

16.106 davon aufträge für Kmu

6.254

anzahl der Kunden unterteilt nach

Kmu

1.015 Großunternehmen

453 öffentliche hand

382 andere (universitäten, Fachhochschulen,

Forschungseinrichtungen)

30 bis

700.000 € Bandbreite der Kundenaufträge*

4 neue Geschäftsfelder

VERNETZUNG

132 strategische Kooperationen

mit anderen F&e-einrichtungen

aCr JahresBeriCht 2008

19


aCr JahresBeriCht 2008

20

INSTITUTSVERTRETER

harald mayr norbert Glantschnigg andreas oberhuber

manfred Brandstätter thomas trauner Walter Bornett

Julian Drausinger manfred tacker Gerhard schindelbacher

harald mayr

BTI – BAUTECHNISCHES

INSTITUT LINZ

norbert Glantschnigg

BVFS – BAUTECHNISCHE

VERSUCHS- UND

FORSCHUNGSANSTALT SALZBURG

andreas oberhuber

FGW –

FORSCHUNGSGESELLSCHAFT FÜR

WOHNEN, BAUEN UND PLANEN

manfred Brandstätter

HFA – HOLZFORSCHUNG AUSTRIA

thomas trauner

IBS – INSTITUT FÜR

BRANDSCHUTZTECHNIK UND

SICHERHEITSFORSCHUNG GMBH

Walter Bornett

KMFA – KMU FORSCHUNG

AUSTRIA

Julian Drausinger

LVA – LEBENSMITTEL -

VERSUCHS ANSTALT

manfred tacker

OFI – ÖSTERREICHISCHES

FORSCHUNGSINSTITUT FÜR

CHEMIE UND TECHNIK

Gerhard schindelbacher

peter schumacher

ÖGI – ÖSTERREICHISCHES

GIESSEREI-INSTITUT


Bernhard Jungwirth

ÖIAT – ÖSTERREICHISCHES INSTITUT

FÜR ANGEWANDTE

TELEKOMMUNIKATION

erich zippel

ÖTI – INSTITUT FÜR ÖKOLOGIE,

TECHNIK UND INNOVATION

Gerhard strasser

SVA – SCHIFFBAUTECHNISCHE

VERSUCHSANSTALT

Klaus Wichart

SZA – SCHWEISSTECHNISCHE

ZENTRALANSTALT

Christian Kummer

VFG – VERSUCHSANSTALT FÜR

GETREIDEVERARBEITUNG

thomas schiffert

VFH – VERSUCHS- UND

FORSCHUNGSANSTALT DER

HAFNER ÖSTERREICHS

Johannes steigenberger

vÖzFi – ForsChunGsinstitut Der

vereiniGunG Der ÖsterreiChisChen

zementinDustrie

Ferdinand hofer

ZFE – ZENTRUM FÜR

ELEKTRONENMIKROSKOPIE GRAZ

peter schumacher Bernhard Jungwirth erich zippel

Gerhard strasser Klaus Wichart Christian Kummer

thomas schiffert Johannes steigenberger Ferdinand hofer

aCr JahresBeriCht 2008

21


aCr JahresBeriCht 2008

22

ACR-MITGLIEDER

orDentLiChe mitGLieDer

BTI Bautechnisches Institut Linz 4048 Linz/puchenau

www.bti.at Karl Leitl-straße 2

bvfs Bautechnische Versuchs- und 5020 salzburg

Forschungsanstalt Salzburg alpenstraße 157

www.bvfs.at

FGW Forschungsgesellschaft für Wohnen, 1050 Wien

Bauen und Planen schlossgasse 6-8

www.fgw.at

HFA Holzforschung Austria 1030 Wien

www.holzforschung.at Franz-Grill-straße 7

IBS Institut für Brandschutztechnik 4017 Linz

und Sicherheitsforschung GmbH petzoldstraße 45

www.ibs-austria.at

KMFA KMU FORSCHUNG AUSTRIA 1040 Wien

www.kmuforschung.ac.at Gußhausstraße 8

LVA Lebensmittelversuchsanstalt 1190 Wien

www.lva.co.at Blaasstraße 29

ofi Österreichisches Forschungsinstitut 1030 Wien

für Chemie und Technik Franz-Grill-straße 5,

www.ofi.at arsenal objekt 213

ÖGI Österreichisches Gießerei-Institut 8700 Leoben

www.ogi.at parkstraße 21

ÖIAT Österreichisches Institut für 1050 Wien

angewandte Telekommunikation margaretenstraße 70/2/4

www.oiat.at

ÖTI Institut für Ökologie, 1050 Wien

Technik und Innovation spengergasse 20

www.oeti.at

SVA Schiffbautechnische Versuchsanstalt 1200 Wien

in Wien GmbH Brigittenauer Lände 256

www.sva.at

SZA Schweißtechnische Zentralanstalt 1030 Wien

www.sza.info Franz-Grill-straße 1,

arsenal objekt 207


VFG Versuchsanstalt für Getreideverarbeitung 1040 Wien

www.vfg.or.at prinz-eugen-straße 14

VFH Versuchs- und Forschungsanstalt 1220 Wien

der Hafner Österreichs Dassanowskyweg 8

www.kachelofenverband.at

VÖZFI Forschungsinstitut der Vereinigung 1030 Wien

der Österreichischen Zementindustrie reisnerstraße 53

www.zement.at

ZFE Zentrum für Elektronenmikroskopie Graz 8010 Graz

www.felmi-zfe.at steyrergasse 17

ausserorDentLiChe mitGLieDer

ASTRÖ Anstalt für Strömungsmaschinen Gmbh 8045 Graz-andritz

www.astroe.at reichsstraße 68B

AVL AVL-List GmbH 8020 Graz

www.avl.com hans-List-platz 1

CTI Gesellschaft zur Prüfung elektrotechnischer 1210 Wien

Industrieprodukte GmbH einzingergasse 4

www.cti-vienna.at

FTPH Forschungsinstitut für technische Physik 2081 niederfladnitz

www.schaffar.com hofern 14

assoziierte mitGLieDer

IV Vereinigung der Österreichischen Industrie 1030 Wien

www.iv-net.at schwarzenbergplatz 4

JR Joanneum Research 8010 Graz

Forschungsgesellschaft mbH steyrergasse 17

www.joanneum.ac.at

WKÖ Wirtschaftskammer Österreich 1045 Wien

www.wko.at Wiedner hauptstraße 63

aCr JahresBeriCht 2008

23


ACR-CARBONIUM 2007: DAS ZFE IST

DER VERNETZUNGSKÜNSTLER DER ACR

Ferdinand hofer

DiCht auF Den Fersen hFa unD BvFs

»aufgrund seiner besonderen elektronenkonfiguration

besitzt es die Fähigkeit zur

Bildung von komplexen molekülen und weist

von allen chemischen elementen die größte

vielfalt an chemischen verbindungen auf«

heißt es über den Kohlenstoff, Carbonium.

Genau diese Fähigkeit zur vernetzung hat

2007 das zentrum für elektronenmikroskopie

in Graz (zFe) bewiesen und so überreichte

aCr präsident martin Leitl am 29. april 2008

im rahmen eines feierlichen zusammentreffens

herrn Ferdinand hofer, institutsleiter des zFe,

das »Carbonium« der aCr. in sachen engagement

in und für die aCr hat das zFe 2007

die meisten punkte gesammelt und konnte die

holzforschung austria hFa (2. platz) und die

Bautechnische versuchs- und Forschungsanstalt

salzburg bvfs (3. platz) hinter sich lassen:

»Wir haben einen besonderen platz für diesen

preis, denn er zeigt unsere verankerung in der

aCr. ich hoffe, dass in zukunft noch mehr

Kooperation im verband möglich wird«, sagte

Ferdinand hofer anlässlich der ehrung.

Das Carbonium ist ein Wanderpokal und muss

als solcher immer aufs neue errungen werden.

Landet der pokal allerdings drei mal im selben

regal, darf er bleiben.

aCr JahresBeriCht 2008

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aCr JahresBeriCht 2008

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LEICHT, SICHER, DICHT

sChaChtaBDeCKunG in reKorDzeit entWiCKeLt

Die purator Gmbh ist begeistert: mit unterstützung des Bautechnischen institutes (Bti)

in puchenau bei Linz gelang ihr in kürzester zeit die entwicklung von tetra, einem

abdeckungssystem für schächte, das ohne scharniere funktioniert und wesentlich leichter

ist als alle anderen abdeckungen auf dem markt.

Das Bti begleitete die entwicklung von tetra vom

ersten Design-entwurf an bis hin zur marktreife.

inzwischen ist aus dem singulären entwurf für eine

neuartige rechteckige schachtabdeckung, wie

man sie für Brunnen oder Kanalisationen einsetzen

kann, eine ganze produktgruppe geworden,

die dazu beiträgt, die marktposition der purator

international/Wallner und neubert Gmbh im

Cee-raum zu verbessern. Der klassische Gully

gehört damit der vergangenheit an.

Die schachtabdeckung besteht aus sphäroguss,

einem Gusseisen mit Kugelgraphit, wodurch bis

zu 30 % Gewicht eingespart werden. Das senkt

die herstellungs- und die transportkosten, nicht

nur weil weniger rohstoffe eingesetzt werden,

sondern auch, weil durch die spezielle konstruktive

ausführung der einsatz einer umlaufverpackung

Fixierung bei 100° ohne scharnier

vermieden wird. tetra schützt sicher vor

eindringendem regen und austretenden Gerüchen.

Das system besteht aus einem rahmen und einem

Deckel, der sich ohne scharnier bis zu 100° aufklappen

lässt, dennoch eine zufallsicherung aufweist

und als verschluss mit einer Federstabarretierung

ausgerüstet ist. Die ersten tetra schachtabdeckungen

werden bereits seit april 2008 an die Kunden

ausgeliefert. purator rechnet mit einer signifikant

höheren nachfrage, denn vergleichbare produkte

sind derzeit nicht am markt. Durch den modularen

aufbau können auch individuelle Kundenwünsche

berücksichtigt werden. Das Bti konnte als

Forschungs- und prüfeinrichtung mögliche hindernisse

und Fallstricke der normung vermeiden und

so die entwicklungszeit für die purator international

Gmbh deutlich verkürzen.


BauteChnisChes institut Linz (Bti) www.bti.at

Bernhard nopp, tel.: +43 (732) 22 15 15, e-mail: b.nopp@bti.at

zufallsicherung bei 90° Deckel ohne Kraftaufwand aus- und einzubauen

aCr JahresBeriCht 2008

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aCr JahresBeriCht 2008

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ZIEGELPRINZIP

FÜR HOLZWÄNDE

hoLz WirD im hausBau immer BeLieBter

Was ziegel können, kann holz schon lange: im ziegelmassivbau sorgen Luftschichten

und hohlräume für die Wärmedämmung. Dieses prinzip lässt sich erfolgreich auch für den

holzmassivbau nutzen, wie die Bautechnische versuchs- und Forschungsanstalt salzburg (bvfs)

herausfand. Die von der bvfs konstruierten holzmassivwände kommen ohne Dämmung aus.

Die Forschungsarbeit ist eine Kooperation mit dem unternehmen timberfreaks und der

Fachhochschule salzburg.

holz ist ein nachhaltiger rohstoff, der zunehmend

mehr im hausbau nachgefragt wird. Der Wunsch,

die effizienz dieses rohstoffs hinsichtlich des

materialverbrauchs und der Dämmeigenschaften

zu verbessern, stand am anfang des Forschungsprojektes,

das die bvfs gemeinsam mit den »timberfreaks«

– einem unternehmen, das sich für die

promotion von holz als Baustoff einsetzt – und

dem studiengang holztechnologie und holzbau

der Fachhochschule salzburg durchführte. michael

Quehenberger als Diplomand der Fh salzburg

und sein Betreuer robert preininger, abteilungsleiter

für Bauphysik und hochbau in der bvfs wollten eine

holzmassivwand, die weniger material braucht

und den mindestwärmeschutz der salzburger

Wärmeschutzverordnung LGBL. 82/2002 (Wsvo)

erfüllt, aber ganz ohne zusätzliche Dämmstoffe

holz-massivwand mit um 45° gedrehten

Distanzleisten in den Luftebenen

auskommt. ein ergebnis der Forschung

ist eine holzmassivwand, die mit dem prinzip der

hohlräume und Luftschichten arbeitet, wie man es

von ziegelmassivwänden kennt: 13 schichten holz

und 12 schichten Luft wechseln sich ab und ergeben

eine 25 cm starke Wand, die den geforderten

mindestwärmeschutz von 0,35 [W/m²K] erreicht.

Die u-Werte, also die Wärmeleitfähigkeit des

Gesamtaufbaues, wurden mit dem Wärmebrückenprogramm

therm 5.2 berechnet. Der spezielle

aufbau wurde im Wärmeschutzlabor der bvfs

nach dem zweiplattengerätverfahren geprüft.

Das ergebnis der messung der Wärmeleitfähigkeit

nach Önorm en 12667:2001 bestätigte die

zuvor errechneten Werte. Die aus der messung

erhaltene Wärmeleitfähigkeit weicht vom errechneten

Wert mit 1,7 % nur minimal ab.


BauteChnisChe versuChs- unD

ForsChunGsanstaLt saLzBurG (BvFs) www.bvfs.at

robert preininger, tel.: +43 (662) 62 17 58-500, e-mail: preininger@bvfs.at

norbert Glantschnigg, tel.: +43 (662 ) 62 17 58-100, e-mail: glantschnigg@bvfs.at

Das prüfverfahren belegt, dass holz ein nachhaltiger

Baustoff ist, der sparsam und energieeffizient

eingesetzt werden kann und daher zu recht für

immer mehr anwendungen im hochbau wieder

entdeckt wird. Das projekt ist auch ein gelungenes

Beispiel der Kooperation von Fachhochschule,

Forschungseinrichtung und Wirtschaftsunternehmen.

solche Kooperationen stellen sicher, dass ausbildung

und Forschung an den Bedürfnissen der praxis

orientiert sind und erkenntnisse direkt in entwicklungen

und produkte einfließen können.

auf diese Weise werden netzwerke geschaffen,

die eine kontinuierliche Weiterentwicklung des

Wissens in den traditionellen Branchen ermöglichen.

Die Bautechnische versuchs- und

Forschungsanstalt salzburg (bvfs) wird in zukunft

verstärkt auf holz bauen: Die Forschungszusammen-

arbeit mit dem holztechnikum Kuchl und der

Fachhochschule salzburg wird weiter ausgebaut.

Die entwicklung einer Lärmschutzwand und eine

analyse des Diffusions- und austrocknungsverhaltens

von verleimten holzbauteilen sind erste gemeinsame

projekte. Die bvfs wird auch im Bereich der Dienstleistungen

mehr für holzbauer tun: so werden

die prüfungen zur erreichung des Ce-zeichens für

festigkeitssortiertes Bauholz und des üa-zeichens

für vorgefertigte Wand- und Deckenelemente

angeboten.

BauteChnisChe versuChs- unD ForsChunGsanstaLt saLzBurG –

2008 war ein gutes Jahr. Wir erweiterten unser institutsgebäude und schufen

damit die Grundlage für zusätzliche modernisierungen, insbesondere im

Labor. unsere Forschungs- und untersuchungsmethoden für alle Bereiche

des Bauwesens wurden damit wesentlich ausgeweitet.

aCr JahresBeriCht 2008

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aCr JahresBeriCht 2008

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SCHÖNER WOHNEN

Die FGW BeFraGte BeWohnerinnen

mehrgeschossige Gebäude aus holz bzw. mit holzelementen waren bis vor kurzem noch relativ

selten und so konnte auch die zufriedenheit in diesen Wohnräumen nicht ermittelt werden. Bei zwei

projekten der stadt Wien im 22sten Wiener Gemeindebezirk konnte die Forschungsgesellschaft

für Wohnen, Bauen und planen (FGW) nun eine der ersten Befragungen der Bewohnerinnen

durchführen: Die holzhäuser machen ihre Bewohnerinnen insgesamt zufrieden – nur der Bus könnte

etwas öfter kommen.

Die FGW wurde im sommer 2008 anlässlich

eines Forschungsprojektes der holzforschung

austria (hFa) für die ma 50, Wiener Wohnbauforschung,

beauftragt, die Wohnzufriedenheit

der Bewohnerinnen von zwei mehrgeschossigen

Wohnbauprojekten in holzmassivbauweise am

mühlweg im 22sten Wiener Gemeindebezirk zu

erfragen. auf der Grundlage eines standardisierten

Fragebogens und nachfolgender telefoninterviews

gelang es den Forscherinnen, ein stimmiges

Gesamtbild von der Wohnzufriedenheit in den

beiden häusern zu zeichnen. Der

standardisierte Fragebogen der FGW erzielte

eine überdurchschnittliche rücklaufquote von

40 % und erfasste neben den allgemeinen Daten

zur haushaltsgröße und -form, Wohnungsgröße,

die relevanten Daten zu den Gründen der

teamfoto v.l.n.r.:

Birgit schuster, Kerstin Götzl, andreas oberhuber

Wohnungswahl und erfragte das derzeitige

individuelle Wohlbefinden in der Wohnung

und der Wohnanlage. Die Bewohnerinnen wurden

nach ihren erwartungshaltungen und zukünftigen

Wohnabsicht gefragt. Die Daten für die beiden

häuser wurden getrennt ausgewertet.

um die erhebungsergebnisse hinsichtlich der

zufriedenheit der Bewohnerinnen in den Bereichen

schallschutz, Wahrnehmung von Lärm (innen- und

außenlärm), Ästhetik, heizung und energie qualitativ

zu vertiefen, führte die FGW die anschließenden

telefoninterviews durch. Das ergebnis:

Bei der Bewertung allgemeiner aspekte der

Wohnhausanlage und des Wohnumfeldes heben

die Bewohnerinnen vor allem die verwendung

ökologischer Baustoffe als »sehr« oder »eher«

positiv hervor. Die Bewohnerinnen leben gern


ForsChunGsGeseLLsChaFt Für

Wohnen, Bauen unD pLanen (FGW) www.fgw.at

andreas oberhuber, tel.: +43 (1) 712 62 51, e-mail: andreas.oberhuber@fgw.at

in holzbauten – das belegen die überdurchschnittlich

hohen Werte der holzbauweise.

auch gefällt ihnen die Ästhetik des Gebäudes

überwiegend, auch wenn einige anregen, die

verwitterungsbeständigkeit der holzverkleidungen

bzw. holzfassadenteile zu verbessern.

Jenseits der architektonischen Fragen begrüßen

die Bewohnerinnen das angebot an Freizeit- und

erholungsmöglichkeiten und heben sicherheitsaspekte

innerhalb der anlagen (Brandschutz)

sowie im Wohnumfeld positiv hervor.

Weniger gut weg kommt allerdings die anbindung

der anlage an öffentliche verkehrsmittel: so erhielten

die anbindung an öffentliche verkehrsmittel sowie

die erreichbarkeit des arbeitsplatzes unterdurchschnittliche

Bewertungen.

ForsChunGsGeseLLsChaFt Für Wohnen, Bauen unD pLanen –

2008 war für uns ein arbeitsreiches und lebendiges Jahr mit vielen

Forschungsprojekten und expertisen. Der 2007 eingeleitete Konsolidierungsprozess

der FGW konnte erfolgreich abgeschlossen werden.

aCr JahresBeriCht 2008

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aCr JahresBeriCht 2008

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IN ECHT FORSCHEN

hFa Baute hÄuser eiGens Für tests

natürlich gibt es Computersimulationen. Dennoch setzt die holzforschung austria (hFa) auf Forschung

am echten objekt und errichtete zwei häuser für bauphysikalische untersuchungen unter realen

Bedingungen. Was die häuser vorleben, wird unter anderem zur validierung von simulationen

genutzt. aktuell beherbergen die häuser drei Forschungsprojekte zu Flachdächern, statik und

barrierefreiem Wohnen.

viele Bauherren und architekten entdecken derzeit

den holzbau mit seinen vielen vorzügen wieder

neu. Die holzforschung austria (hFa) will diesen

trend bestärken und errichtete zwei Gebäude auf

dem Gelände des Wiener arsenal: Diese liefern

lebensechte bauphysikalische ergebnisse, die unter

anderem für die verbesserung von Computersimulationen

genutzt werden. im mittelpunkt steht das

hygrothermische verhalten von holz unter realen

Klima- und nutzungsbedingungen. als besonders

vorteilhaft erweist sich, dass die Bauteile in ihrer

originalen Größe und relation untersucht werden

können. Die beiden Gebäude sind flexibel

konstruiert. eines der Gebäude wird von einer

Gitterrostkonstruktion aus vertikalen, 60 cm hohen

osB-plattenstreifen überspannt, die die Dachfläche

vor sonneneinstrahlung schützt, ohne jedoch den

neues Forschungsgebäude

der holzforschung austria

niederschlag oder Wind fern zu halten. Diese

Konstruktion simuliert eine Beschattung durch angrenzende

höhere Gebäude oder Dachaufbauten

wie z.B. Klimaanlagen und solarpaneele – was einen

enormen bauphysikalischen unterschied im vergleich

zum besonnten Dach macht. Die Gebäude

ermöglichen Forschungsarbeiten zum sommerlichen

und winterlichen Wärmeschutz, zu einflussfaktoren

auf das raumklima oder auch die erprobung neuer

haustechniken und vieles mehr. Derzeit beherbergen,

oder »sind« die Gebäude vielmehr, drei Forschungsprojekte:

eines zu Flachdächern aus holz, eines zum

verbundkleben von holz und Glas und ein weiteres

projekt zu sockel- und Fensteranschlüssen, beispielsweise

im Bereich barrierefreies Wohnen.

Flachdächer werden bislang zumeist beidseitig

diffusionsdicht beschichtet, um sie undurchlässig

Das Beschattungselement über einem der Gebäude

schützt die Dachfläche vor erwärmung durch die sonne


hoLzForsChunG austria (hFa) www.holzforschung.at

sylvia polleres, tel: + 43 (1) 798 26 23 67, e-mail: s.polleres@holzforschung.at

martin teibinger, tel: + 43 (1) 798 26 23 63, e-mail: m.teibinger@holzforschung.at

Klaus peter schober, tel.: + 43 (1) 798 26 23 38, e-mail: p.schober@holzforschung.at

für Feuchtigkeit zu machen. Diese Konstruktionen

haben quasi kein austrocknungspotenzial: eingedrungene

Feuchtigkeit kann nicht entweichen. Besser

wären also feuchtetolerantere Bauteile, die nicht

hermetisch abgeschlossen werden müssen. so könnten

zum Beispiel feuchteadaptive Dampfbremsen eingesetzt

werden. Die hFa untersucht derzeit ihre baupraktischen

einsatzgrenzen. Gemeinsam mit der tu

Wien wird die hFa ausgehend davon ein hygrothermisches

simulationsprogramm weiterentwickeln

und validieren. zusätzlich wird ein Katalog mit

Konstruktionsempfehlungen für Flachdachaufbauten

in abhängigkeit von den umgebungsbedingungen

erstellt. in einem weiteren projekt wird

die statisch wirksame verklebung von holz und Glas

zur Gebäudeaussteifung untersucht. in die Fassade

der Forschungsgebäude wurde nord- und südseitig

jeweils ein holz-Glas-verbundelement (hGv) aus

vier, mit zwei verschiedenen Klebstoffsystemen auf

holz aufgeklebten, Glasscheiben integriert. Die

montage der hGv-elemente erfolgte – wie im richtigen

Leben auch – nach der eigentlichen Wandfertigung

direkt im Werk. hierbei konnte auch die gute praktikabilität

und problemlose aufnahme von Bautoleranzen

untersuchung zur hygrothermischen

Beständigkeit der holz-Glas-Klebesysteme

des von der hFa patentierten montagesystems

bestätigt werden. Das Fassadensystem wird an den

Forschungsgebäuden frei bewittert. Die nord-südausrichtung

der Glasscheiben wird den einfluss der

sonneneinstrahlung auf das Kriechverhalten der

Klebstoffsysteme im Langzeitversuch zeigen.

Bauherren, architekten und Baubehörden haben im

Bereich des sockelanschlusses zunehmend vorgaben

und Komfortwünsche, die im Wohnbau mit den derzeit

am markt befindlichen standardlösungen teilweise

nicht mehr realisiert werden können. so widmet

sich das dritte projekt der Forschungshäuser dem

barrierefreien Wohnen: Die realisierung schwellenfreier

übergänge zählt unbestritten zu den kritischsten

Detaillösungen an Gebäuden – insbesondere im

holzbau – und setzt neue ausführungen voraus. Die

theoretisch entwickelten anschlussdetails werden an

beiden Forschungsgebäuden auf Funktionstauglichkeit

hin untersucht: im Bereich des Fensteranschlusses

wird an den Forschungsgebäuden analysiert, welche

konkreten maßnahmen getroffen werden müssen, um

einen hygrisch sicheren Fensteranschluss innen sowie

wasserdichten anschluss von außen – insbesondere

im Bereich der Fensterbank – herstellen zu können.

hoLzForsChunG austria – 2008 brachte uns einen deutlichen

anstieg bei aufträgen aus der Wirtschaft und ebenso einen zuwachs

an Forschungsprojekten, sodass wir auch 2008 die anzahl unserer

mitarbeiterinnen erhöhten. im Bereich service und Dienstleistungen

bieten wir ein neues online-tool an: infoholz.at ist ein interaktives

Fragen- und infoservice zum thema »Bauen mit holz« und dient

dem Wissenstransfer innerhalb der Branche.

aCr JahresBeriCht 2008

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aCr JahresBeriCht 2008

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DAS SUPERPELLET

hFa Dopt hoLzpeLLets mit amyLopeKtin unD WaChsWeizen

um Qualität und Leistung geht es auch bei holzpellets: Die holzforschung austria (hFa)

hat untersucht, was die energiedichte der pellets steigern könnte und wie man eine maximale

energieausbeute erzielt und das auch noch mit minimalem stromverbrauch bei der herstellung.

amylopektin und Wachsweizen verbesserten energieausbeute, produktionseffizienz und

abriebfestigkeit.

stetig steigende energiepreise und der Wunsch

nach einer autonomen und umweltfreundlichen

energieversorgung haben die holzpelletsproduktion

europaweit stark beflügelt: Jährlich werden in

europa rund neun millionen tonnen pellets aus sägemehl

und holzspänen sowie aus abfallprodukten

von sägewerken produziert, eine million tonnen

kommen aus Österreich. Die pressung der holzstäbchen

ist dabei, ihre markt-nische zu verlassen

und so gewinnen Kosten- und Leistungsoptimierung

in der produktion an Bedeutung. Die Qualität

soll darunter natürlich nicht leiden, sondern – im

hinblick auf die umweltbilanz – sogar noch besser

werden. im rahmen des industriellen

Kompetenzzentrums »holztechnologie« gelang

es der hFa, die Grundlagen einer effizienten

pellets-produktion zu erarbeiten. umfangreiche

temperaturüberwachung

bei der Laborpelletierung

Laboruntersuchungen sowie testpressungen im

industriellen maßstab zeigten, welchen einfluss

rohstoffart, Wassergehalt, additive und die

vorbehandlung des materials auf prozessleistung

und -kosten haben. Was bei der interpretation

der ergebnisse zählte, waren Qualität und Leistung.

erstere im hinblick auf die energiedichte der

pellets; letztere im hinblick auf die hergestellte

menge in relation zum energieaufwand.

Die hFa identifizierte zwei vorteilhafte zusatzstoffe:

amylopektin und Wachsweizen. amylopektin

– ein Bestandteil von stärke und damit von mehl –

verbessert die Qualität, indem es die Bindung

sägemehl-partikel fördert. Wachsweizen wiederum

steigert die Leistung, indem mit demselben aufwand

mehr pellets hergestellt werden können. eine weitere

produktionstechnische verbesserung lässt sich


hoLzForsChunG austria (hFa) www.holzforschung.at

Wilfried pichler, tel.: +43 (1) 798 26 23-16, e-mail: w.pichler@holzforschung.at

erreichen, wenn besonderes augenmerk auf die

Korngröße des rohmaterials, sprich die Größe der

späne bzw. der sägemehl-partikel, gelegt wird.

Die Korngrößen-verteilung hat ganz wesentlichen

einfluss auf den stromverbrauch bei der pelletierung

und auf die abriebfestigkeit der produzierten

presslinge. Welche Konkurrenz den pellets

selbst erwachsen könnte, hat die hFa ebenfalls

untersucht. als rohstoffbeimengungen eignen

sich besonders rinde und zuckerrohr-Bagasse

und empfehlen sich damit als alternative bei der

pelletsproduktion: sie senken den energieverbrauch

bei der herstellung und die rohstoffkosten. Die

neu gewonnenen erkenntnisse ermöglichen es

der industrie qualitativ hochwertige holzpellets

in effizienteren prozessen herzustellen.

Die optimierung des pelletierprozesses

birgt noch großes potenzial

aCr JahresBeriCht 2008

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aCr JahresBeriCht 2008

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FICHTE – ABER SICHER!

iBs ermÖGLiCht BranDsChutzFenster aus FiChtenhoLz

Dass Fichtenholz nur für die Kommode taugt, nicht aber für anspruchsvolle Funktionen

wie Brandschutzfenster, ist ein Gerücht, das das institut für Brandschutztechnik und

sicherheitsforschung (iBs) widerlegte: richtig eingesetzt, entspricht auch das Fenster

mit Fichtenholzrahmen den Bestimmungen der Feuerwiderstandsklasse ei2 30 und

den Önormen en 1363 und 1634.

Fichte gilt nicht eben als widerstandsfähig,

insbesondere bei Feuer. Brandschutzfenster

werden daher zumeist mit dem härteren

und teureren eichenholz hergestellt. Die F&t

elementebau Gmbh wollte das nicht so stehen

lassen und nutzte den innovationsscheck der

FFG, um gemeinsam mit dem institut für

Brandschutztechnik und sicherheitsforschung

(iBs) ein Dreh-Kipp-Fenster zu konzipieren,

das mit einem Fichtenholzrahmen ausgestattet

ist und nicht nur der Feuerwiderstandsklasse

ei2 30 entspricht, sondern auch den Önormen

en 1363 und 1634: mindestens dreißig minuten

hält das Fenster einem Brand stand.

Das Dreh-Kipp-Fenster ist das erste Brandschutzfenster,

das mit einem holzrahmenstock aus

Fichte hergestellt wurde und den anforderungen

verglasung fällt nach 33 minuten normbrandbeanspruchung

aus dem holzrahmenstock

verglasungskonstruktion Dreh-Kipp-Fenster unmittelbar

bei Beginn der Feuerwiderstandsprüfung

des Brandschutzes genügt. Fichte ist ein

schnell wachsendes weiches holz und als

solches kostengünstiger als zum Beispiel eiche.

Die F&t elementebau Gmbh ist somit in der

Lage eine wirtschaftliche alternative zu den

Brandschutzfenstern mit hartholzrahmen

anzubieten. um diese alternative

zu realisieren, brachte das iBs sein Know-how

in Bezug auf das abbrandverhalten von

Weichholz, wie z.B. abbrandgeschwindigkeiten,

abbrandtiefen, entzündungstemperaturen ein

und ermittelte die relevanten Daten, wie zum

Beispiel die mindestabmessungen von rahmen,

Blindstock etc. neben der brandtechnischen

analyse des holzes selbst, identifizierte

das iBs das passende Brandschutzglas, ermittelte

den geeigneten Glaseinstand und die abmessungen


institut Für BranDsChutzteChniK

unD siCherheitsForsChunG (iBs) www.ibs-austria.at

thomas trauner, tel.: +43 (732) 76 17 817, e-mail: th.trauner@ibs-austria.at

der Glashalterung. Wichtig dabei ist wie

immer das Detail: Bei den prüfungen und tests

ging es auch darum, eine auf die neue holzart

abgestimmte Band- und schließbefestigung,

die auch den höchsten temperaturen ausgesetzt

werden kann, zu finden. anhand

dieser Daten baute F&t elementebau ihren

ersten prototypen, dessen entwicklung das iBs

durch orientierende Brandwiderstandsprüfungen

begleitete.

Brandschutzglas wird durch temperatureinwirkung wirksam

und bildet feuerzugekehrt schauschicht als Brandschutzbarriere

institut Für BranDsChutzteChniK unD siCherheitsForsChunG –

2008 stieg die nachfrage nach Brandschutzkonzepten und Fireengineering-

Dienstleistungen deutlich an. Dieser trend wird sich auch 2009 fortsetzen,

da moderne ingenieurmethoden im Brandschutz immer größere Bedeutung

durch die anforderungen aus der oiB richtlinie erlangen.

aCr JahresBeriCht 2008

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aCr JahresBeriCht 2008

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TOP ODER FLOP?

Die Kmu ForsChunG austria Weiss, Wie es um Die Kmu

in ÖsterreiCh steht

erfolgreiche Betriebe zeichnen sich durch eine überdurchschnittliche ertragslage und eine

solide eigenkapitalausstattung aus. Die Kmu ForsChunG austria (KmFa) zieht jährlich

Bilanz für die kleinen und mittleren unternehmen (Kmu) in Österreich, zu denen über

99 % aller Betriebe zählen. annähernd gleich viele (jeweils rund ein viertel der Kmu)

sind in einer wirtschaftlich guten position bzw. haben massive probleme.

Die analyse der Jahresabschlüsse 2006/2007 von

rd. 80.000 österreichischen kleinen und mittleren

unternehmen (Kmu) zeigt enorme unterschiede

bei den betriebswirtschaftlichen ergebnissen.

Während die erfolgreichsten 25 % der Betriebe

(oberes Quartil) respektable Gewinne in höhe

von 11,5 % der Betriebsleistung erwirtschaften,

arbeiten die Betriebe im unteren Quartil mit

verlust (11,7 % der Betriebsleistung).

Die ertragslage hat unmittelbare auswirkungen

auf die Qualität der Finanzierung. Die top-Betriebe

weisen eine eigenkapitalquote von 33 % aus.

Demgegenüber haben die Betriebe in der verlustzone

lediglich 16 % des Betriebsvermögens mit

eigenkapital finanziert. Die verknüpfung

von umsatzrentabilität und eigenkapitalquote

zeigt die betriebswirtschaftliche position:

15 % der Kmu zählen zur betriebswirtschaftlichen

elite. sie haben mehr als 20 % des

Betriebsvermögens mit eigenkapital finanziert

und erwirtschaften betriebswirtschaftliche

Gewinne von mehr als 5 % der Betriebsleistung.

10 % der Kmu sind mit einer umsatzrendite

von über 2,5 % und einer eigenkapitalquote

von mehr als 10 % in einer relativ guten

betriebswirtschaftlichen position.

27 % der Kmu haben vor allem

ertragsprobleme, d.h. sie verfügen zwar

über mehr als 10 % eigenkapital, machen

aber relativ wenig Gewinn (unter 2,5 %

der Betriebsleistung) bzw. arbeiten sie

sogar mit verlust.

Kmu ForsChunG austria – 2008 bleibt die KmFa weiterhin auf

Wachstumskurs. in den sieben Geschäftsfeldern wurde im Jahr 2008

an 86 projekten mit einem projektvolumen von € 5,4 mio gearbeitet.

20 projekte wurden bzw. werden für internationale auftraggeber

durchgeführt. Gemessen am projektvolumen (€ 2,4 mio) liegt der

anteil internationaler projekte bei 44 %.

Die Betriebsleistung stieg um 12,6 % auf über € 3,5 mio. Für 2009

wird mit einer Fortsetzung der dynamischen entwicklung gerechnet.


Kmu ForsChunG austria (KmFa) www.kmuforschung.ac.at

Walter Bornett, tel.: +43 (1) 505 97 61, e-mail: w.bornett@kmuforschung.ac.at

12 % der Kmu erwirtschaften zwar

ausreichende Gewinne (über 2,5 % der

Betriebsleistung), haben aber zu wenig

eigenkapital (weniger als 10 % des

Gesamtkapitals) oder das Betriebsvermögen

ist zur Gänze mit Fremdkapital finanziert.

14 % der Kmu haben sowohl

ertrags- als auch Finanzierungsprobleme

(Gewinne unter 2,5 % der Betriebsleistung,

eigenkapitalquote unter 10 %).

22 % der Kmu haben kein eigenkapital

bzw. sind überschuldet und arbeiten mit verlust.

Eigenkapitalquote der KMU in %

Eigenkapitalquote (%) KMU

oberes Quartil 33,0

Gesamtdurchschnitt 22,8

unteres Quartil 15,6

Quelle: Kmu ForsChunG austria,

Bilanzdatenbank, Jahresabschlüsse

2006/2007

in der Bilanzdatenbank der Kmu ForsChunG

austria können Branchenkennzahlen und

Benchmarks für alle Branchen der gewerblichen

Wirtschaft ausgewertet werden.

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»DIE REZESSION IST DAS TAL,

AUS DEM WIR KOMMEN«

ratsvorsitzenDer Knut ConsemüLLer im GesprÄCh

Der rat für Forschung und technologieentwicklung (rFte) berät die österreichische regierung

in Forschungsangelegenheiten und legt mitte 2009 seine empfohlene strategie für die

Forschungspolitik bis 2020 vor. Durch die wirtschaftliche rezession, so der ratsvorsitzende

Knut Consemüller, wird der staat erneut in die pflicht genommen: steuerliche anreize und

erleichterungen für Forschung und entwicklung sind wichtiger denn je.

ACR: Innovation und Forschung sind die

»Motoren des Wirtschaftswachstums«. Noch

nie wurde in Österreich so viel in F&E investiert

wie in den letzten Jahren. Dennoch haben

wir eine Wirtschaftskrise. Gilt das Diktum

der Lissabon-Strategie trotzdem?

Knut Consemüller: mehr denn je. Gerade

in wirtschaftlich schwierigen zeiten ist es besonders

wichtig vorzubauen und in die zukunft zu

investieren. Forschung und entwicklung nehmen

dabei einen zentralen stellenwert ein, da sie es

sein werden, die mit neuen produkten die sich

in den nächsten Jahren langsam erholende

Wirtschaft wiederbeleben werden. einen rückgang

der Forschungs- und entwicklungsausgaben

können wir uns einfach nicht leisten.

Die Dynamik der Forschungsausgaben der

letzten zehn bis fünfzehn Jahre ist jedenfalls

beizubehalten. Gerade deshalb sind das

3 %- und das für 2020 postulierte 4 %-ziel,

also 4 % des Bip in Forschung und entwicklung

zu investieren, als zielgröße so wichtig.

Welche konkreten Auswirkungen der Wirtschaftskrise

erwarten Sie für die Forschungslandschaft

Österreichs?

Krise bedeutet immer ein sparprogramm

mit eingeschränkten aktivitäten. Das betrifft

natürlich auch den Forschungsbereich in den

unternehmen. Besonders betroffen sind hier

natürlich die Forschungstätigkeiten kleiner

und mittlerer unternehmen, die insgesamt von

der wirtschaftlichen problematik unmittelbarer

erfasst werden, da sie nicht im ausmaß großer

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unternehmen über rücklagen verfügen. es ist

daher die hocheigenste aufgabe des staates,

in schwierigen zeiten den unternehmen unter

die arme zu greifen und rückgänge der privaten

Forschungsaktivitäten durch vermehrte staatliche

unterstützung in Form direkter Forschungsförderung

zu unterstützen. umso mehr freut

es mich daher, dass F&e im Konjunkturpaket

explizit budgetär berücksichtigt sind und hier

entsprechende mittel auch besonders Kmu

zugute kommen.

Etwa 20 % der Unternehmens-Aufwendungen

für Forschung und Entwicklung gehen konstant

auf ausländische Firmen zurück, die in Österreich

F&E betreiben. Werden deren Forschungsausgaben

zurückgehen?

Bedauerlicherweise ist zu erwarten,

dass diese für den österreichischen standort

so wichtigen aktivitäten zurückgehen werden.

Die anzahl forschender unternehmen ist in

Österreich selbst noch immer recht klein. Die

Forschungsausgaben konzentrieren sich auf

wenige und auf ausländische Firmen. Diesen

sind daher auch weiterhin anreize für die

standortentscheidung zugunsten von Österreich

zu bieten. Die steuerliche Forschungsförderung

hat hier wesentlich dazu beigetragen und

ist daher auch in zukunft unbedingt nicht

nur fortzuführen, sondern auch auszuweiten.

Im Sommer 2009 will der Rat für Forschung und

Technologieentwicklung seine Strategie 2020

vorlegen. Ist darin die Rezession berücksichtigt?

natürlich. möchte man einen Weg für

die zukunft skizzieren, so muss man mit dem

heute als startpunkt anfangen und die rezession

ist ein wichtiger beeinflussender Faktor der

gegenwärtigen wirtschaftlichen und damit

natürlich auch der forschungspolitischen

rahmenbedingungen. Wichtig ist es aber auch

trotz der großen probleme, die uns gegenwärtig

beschäftigen, nicht den Blick auf die zukunft

zu verlieren. nicht das kurzfristig machbare,

sondern das langfristig notwendige soll handlungsleitend

sein. hier gilt es zu abstrahieren

und zu sagen, die rezession ist jetzt, sie ist das

tal, aus dem wir kommen, aber im Jahr 2013


Knut Consemüller

oder 2020 – die horizonte der strategie –

ist davon auszugehen, dass wir wirtschaftlich

veränderte Bedingungen vorfinden werden.

nichtsdestotrotz bestimmt die rezession im sinn

der pfadabhängigkeit des innovationssystems

das investitions- und F&e-verhalten des nächsten

Jahrzehnts.

Können Sie die wesentlichen Elemente der

Strategie skizzieren? Welche Maßnahmen

empfiehlt der Rat?

Die strategie strukturiert sich um acht

zentrale handlungsfelder, die sich auf dem

Dreibein menschen, Geld und strukturen wie

folgt detaillieren: humanressourcen, Dialog

Wissenschaft und Gesellschaft, Fti-mittelinput

und -output, Forschungsschwerpunkte,

Forschungsinfrastruktur, Förderinstrumente,

Governance und internationales. Für jedes

dieser elemente wurden strategische Leitlinien

und zugehörige handlungsempfehlungen

entwickelt, die ab 14. mai im rahmen eines

online Wiki-prozesses der Fti-Community

präsentiert und gemeinsam mit ihr diskutiert

werden sollen. Dieses Feedback wird dann

in Folge in die Finalisierung der strategie

einfließen.

Welche Rolle spielen dabei kleinere Forschungseinrichtungen

– wie beispielsweise jene unter dem

Dach der ACR – und KMU?

eine Frontrunner-strategie braucht

eine breite Basis in Form einer großen zahl

an innovierenden unternehmen, innovativer

unternehmensgründungen und neuer Forschungsmöglichkeiten

auch durch verstärkte Kooperation

mit dem außeruniversitären Bereich. aus diesem

Grund sind gerade die aktivitäten der aCr

besonders wertvoll und werden als wichtige

maßnahme zur Förderung von Forschungskooperationen

angesehen. Dazu kommen noch

steueranreize wie z.B. die Forschungsprämie,

die gerade für kleinere unternehmen interessant

sind und eine entsprechend adaptierte Weiterführung

finden sollen.

Werden Sie auch einen Strukturwandel in der

Forschungspolitik empfehlen? Seit langem wird

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diskutiert, ob die Aufteilung der Forschungsagenden

auf drei Ministerien sinnvoll ist.

strukturelle Weiterentwicklungen und

optimierungen sind Grundvoraussetzungen auf

dem Weg zur steigerung von attraktivität und

effizienz des österreichischen Fti-systems. um

im internationalen Wettbewerb der forschenden

nationen die gute positionierung Österreichs

weiterhin zu gewährleisten, müssen strukturelle

Defizite systematisch beseitigt werden. Der

rat hat in der vergangenheit bereits eine reihe

von reformschritten, insbesondere die zusammenlegung

der agenturen auf drei institutionen,

initiiert, die zur optimierung und effizienzsteigerung

des Fördersystems beigetragen

haben. auch die aufteilung der Forschungsagenden

auf zwei ressorts wurde vom rat

in den letzten Jahren immer wieder gefordert.

Leider ist dieser Forderung aufgrund anderer

politischer entscheidungen bis heute nicht

nachgekommen worden. im rahmen der Ftistrategie

2020 wird der rat auch ein anzustrebendes

soll-model der Governance-struktur

für das österreichische Fti-system skizzieren.

Die IKT-Strategie hat der Rat bereits im Herbst

2008 vorgelegt. Eine Branche, die für Krisen

doch besonders anfällig ist. Warum soll dort

in Forschung investiert werden?

iKt sind ein essentieller Wertschöpfungsfaktor.

als Querschnittstechnologie, die alle

gesellschaftlichen Bereiche durchzieht, sind iKt

der Lebensnerv der Wirtschaft. Die mit ihnen

verbundene ungebrochene Leistungszunahme

gibt zu berechtigter hoffnung anlass, dass sich

auch in einer global schwierigen ökonomischen

situation iKt als Konjunktur- und Beschäftigungsmotor

erweisen. Die umsetzung der iKt-

Forschungs- und entwicklungsstrategie 2020

soll Österreich einen spitzenplatz in der

internationalen iKt Forschung bringen.

Damit wird aber auch ein kräftiger zuwachs

an Wirtschaftsdynamik erwartet. um diesen

sicherzustellen, sind gerade hier investitionen

in Forschung und entwicklung dringend

erforderlich. Konkret empfiehlt der rat bis

zum Jahr 2020 eine Gesamtfinanzierung

für iKt-F&e von mindestens 0,8 % des Bip.

Der unternehmensanteil soll dabei bei 83 %


zw. etwa 3,3 mrd. euro liegen; 650 mio.

euro sollen von der öffentlichen hand kommen.

Welche weiteren Stärken sehen Sie?

Österreich hat gute Chancen, im Bereich

der iKt-Forschung ins internationale spitzenfeld

aufzurücken. sowohl an universitäten als auch

in unternehmen verfügen wir über internationale

Forschungsstärkefelder, unter anderem in den

Bereichen embedded systems, mikroelektronik,

visual Computing, semantische systeme,

Quanteninformatik oder optoelektronik. Das

konkrete ziel: im Jahr 2020 sind wir, bezogen

auf die F&e-intensität des unternehmenssektors,

unter den top 3 aller eu-Länder – und damit

in der internationalen spitzengruppe der

iKt-nationen.

Der FT-Bericht 2008 spricht von einem allmählichen

Strukturwandel der österreichischen Wirtschaft.

Auch traditionelle Branchen, wie der Bau, haben

sich vorsichtig Innovationsprojekten zugewandt.

Der Innovationsscheck von BMWFJ und BMVIT

wurde begeistert genutzt. Welche Möglichkeiten

sehen Sie, Unternehmen traditioneller Branchen

weiter auf diesem Weg zu unterstützen?

Der innovationsscheck und auch die

Brancheninitiative der FFG sind großartige

maßnahmen, die eher forschungs- und

innovationsfernere unternehmen hin zu

mehr Bewusstsein für diese Bereiche bringen.

man sollte diese Wege weitergehen. Die

erste runde in der innovationsscheckvergabe

ist mehr als erfolgreich verlaufen. es ist daher

zu überlegen, inwieweit man dieses Konzept

nicht nur entsprechend weiterführt, sondern

auch auf andere Bereiche und zielsetzungen

umlegt.

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(Foto: www.pixelio.de)

NACHHALTIGE

ENERGIEWIRTSCHAFT

Lva misCht Bei aLternativenerGien mit

Die üblichen energydrinks sind für sportlerinnen eher nicht geeignet: reich an zuckerbasierten

Kohlehydraten ist diese energie ebenso schnell da wie sie wieder verpufft. von nachhaltigkeit

keine spur. Die Lebensmittelversuchsanstalt (Lva) entwickelte nun einen energydrink, der lang

energie spendet und gänzlich auf natürlichen zutaten beruht.

energydrinks erfreuen sich großer Beliebtheit

und stellen ein produktsegement mit hohen

Wachstumsraten dar. neben vielen möglichen

funktionellen stoffen haben die meisten

produkte eines gemeinsam – einen hohen

Kohlenhydratgehalt in der Form von zucker.

Diese Form der energydrinks richtet sich meist

an den »normalen« verbraucher im ruhezustand.

Für hobby- und spitzensportlerinnen ist diese

art der kurzfristigen energieversorgung weniger

geeignet. ein unternehmen der Lebensmittelbranche

beauftragte die Lva mit der entwicklung

eines Getränks, das lang anhaltende energie

spendet und auf natürlichen funktionalen

zutaten basiert. im projekt wurden

die möglichkeiten alternativer Getränkeformen

evaluiert und ein produktkonzept basierend

Lang anhaltende unterstützung für sportler

durch ein neues Getränkeprodukt

auf möglichst naturbelassenen rohstoffen

entwickelt. ebenfalls ging es dabei um die

miteinbeziehung von aktuellen innovationen

und Forschungsergebnissen auf dem Gebiet

der sportlichen Leistungsforschung.

Dem Lva projektteam gelang es, eine mischung

von Komponenten zu entwickeln, die eine

anhaltende energiefreisetzung bei körperlicher

Betätigung möglich macht, einen ansprechenden

Geschmack hat und die im rahmen der gesetzlichen

vorgaben des Lebensmittelrechts liegt.


LeBensmitteLversuChsanstaLt (Lva) www.lva.co.at

Julian Drausinger, tel.: +43 (1) 36 88 555 25, e-mail: julian.drausinger@lva.co.at

SERVICE

HAT PRIORITÄT

Die Lva vernetzt Die pLayer Der BranChe

Das Lva technologienetzwerk ist nun schon seit mehreren Jahren für die vernetzung und den

Know-how-transfer in der Lebensmittelbranche aktiv. strategische Bedeutung hat das netzwerk

im 7. eu rahmenprogramm.

Die Lebensmittelversuchsanstalt (Lva) ist die

führende private serviceeinrichtung für die

Lebensmittelwirtschaft in Österreich. eine eigene

abteilung, das Lva-technologie-netzwerk, ist

für die Durchführung von angewandten kooperativen

entwicklungs- und innovationsprojekten

in der Lva verantwortlich. im netzwerk können

zu jeder relevanten F&e-Fragestellung nationale

und internationale experten angesprochen

werden. Durch die erfolgreiche einbindung

in die europäische technologieplattform

»Food for Life« und die etablierung der austrian

technology platform atp setzt das technologienetzwerk

maßgebliche akzente im schnellen

und effizienten technologietransfer und ist zu

einem strategischen player für training und

technologie-transfer auf dem Lebensmittelsektor

im 7. Forschungsrahmenprogramm der eu

geworden.

LeBensmitteLversuChsanstaLt – 2008 führt die Lva

ihre erfolgsgeschichte weiter und stellt die größte private

serviceeinrichtung für die Lebensmittelwirtschaft dar.

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BENUTZERFREUNDLICH

helmkonzept

oFi optimiert Das Konzept Für motorraDheLm

Der neue helm bietet alle schikanen: individueller verschluss, einfach an- und auszuziehen,

integriertes Bluetooth und ein Kunststoff-material basierend auf Carbon. Das material ist

hochsteif, enorm schlagfest, leicht und dämmt alle Geräusche angenehm ab. Das Österreichische

Forschungsinstitut für Chemie und technik (ofi) hat mit der Firma mark Wallerberger ein innovatives

Konzept für motorradhelme entwickelt.

Die Firma mark Wallerberger kam mit

einem innovationsscheck der Forschungsförderungsgesellschaft

(FFG) und dem

Konzept eines motorradhelms mit einer

einschlupföffnung am Kinn und einem

selbst spannenden Kinnriemen. Für dieses

Design sollte das Österreichische Forschungsinstitut

für Chemie und technik (ofi) ein

geeignetes material finden, das den Komfort

und die sportlichkeit des Designs unterstützen

sollte. Das ofi bekam damit Gelegenheit

sein gesamtes Kunststoff-Know-how für

die designgemäße Dimensionierung der

Komponententeile unter Beweis zu stellen,

die geeigneten Werkstoffe auszuwählen,

sowie Lösungsansätze für das assembling

zu liefern. Gemeinsam legten

mark Wallerberger und ofi die rahmenbedingungen

sowie die Käuferzielgruppe

fest. Letztere muss bereits in der frühen

phase berücksichtigt werden, denn das

marketing baut darauf auf. Grundlegend

für die Bestimmung des materials war auch

die anspruchsvolle ausstattung des helms mit

integriertem Bluetooth-Kommunikationssystem,

dem individuellen verschlusssystem und

verschiedenem mehr. Das ofi

arbeitete mehrere Konzepte mit unterschiedlichen

materialien aus, die preislich und

verarbeitungstechnisch stark variierten

und auf unterschiedlichste Käufergruppen

zielten. sicherheit, Design und

Funktionalität gaben schließlich den ausschlag:

es wurde ein Carbon-helmkonzept


ÖsterreiChisChes ForsChunGsinstitut

Für Chemie unD teChniK (oFi) www.ofi.at

heinz haider, tel.: +43 (1) 798 1601 420, e-mail: heinz.haider@ofi.at

der oberklasse, das neben der neuartigen

einschlupföffnung zusätzlich die vorteile bietet,

hochsteif, enorm schlagfest, leicht und sehr

geräuschdämmend zu sein. in dieser

Kombination ist der helm so herausragend

innovativ, dass auch der rennsport bereits

interesse bekundet hat.

ÖsterreiChisChes ForsChunGsinstitut Für Chemie unD

teChniK – 2008 war insbesondere das zweite halbjahr für einige

unserer Kundenbranchen, wie etwa den automobilzulieferern,

von einem ausgeprägten nachfragerückgang gekennzeichnet.

Dem ofi gelang es in diesem schwierigen marktumfeld durch

maßgeschneiderte angebote innovativer Dienstleistungen vor allem

an Kmu die marktanteile weiter auszubauen und gegenzusteuern.

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UNGEAHNTE

PFERDESTÄRKEN

Das oFi maCht pFerDemist aLs BrennstoFF nutzBar

holzspäne allein dienen als wertvolle rohstoffe für Biomassebrennstoffe, da wäre es doch

schade, wenn sie, durch die verunreinigung mit pferdemist einfach zu abfall würden: Die

gebrauchte einstreu der geschätzten fünf millionen pferdeboxen in europa ist eine potenzielle

Brennstoffquelle. ob diese Biomasse tatsächlich unbedenklich genutzt werden kann, prüfte

das Österreichische Forschungsinstitut für Chemie und technik (ofi). ne ben anlagenbauern

engagierten sich in diesem projekt auch stallbesitzer, streuhersteller und energieversorger.

in europa werden über 5 mio. pferde in reitställen

und Gestüten – meist in Boxen – gehalten. neben

stroh werden als unterlage und einstreu immer

häufiger hobelspäne eingesetzt, da diese viele

vorteile bei der anwendung und für die Gesundheit

der pferde haben. Die entsorgung der benutzten

streu stellte sich in letzter zeit als problematisch

dar, da der einsatz als Dünger immer teurer bzw.

in manche regionen ganz verboten wird.

ein neues material kann jedoch erst dann ohne

Bedenken als Brennstoff eingesetzt werden, wenn

seine eigenschaften ausreichend bekannt sind. erst

dann können Kesselhersteller, anlagenbetreiber

und Behörden die Chancen und risiken des

einsatzes abwägen. Das ziel dieses

Forschungsprojektes war es, einen alternativen

entsorgungsweg für die Biomasse pferdemist

durch die verbrennung in Biomasse-Feuerungsanlagen

zu etablieren. als branchenübergreifendes

projekt wird der gesamte produktzyklus der

hobelspäne betrachtet. Beginnend bei der

schaffung eines instruments für die analyse und

Qualitätsüberwachung des einstreumaterials,

über die einflussfaktoren auf die zusammensetzung

des mistes bis zur Definition von Grenzwerten

für den einsatz als Biomasse-Brennstoff. in diesem

projekt waren neben dem Österreichischen

Forschungsinstitut für Chemie und technik (ofi)

streu- und Kesselhersteller, stallbesitzer und

Gemeinden, energiedienstleister und selbstversorger

beteiligt. nicht zuletzt ist dieses

projekt auch ein Beitrag zum international

vereinbarten ziel, die energieversorgung durch

erneuerbare rohstoffe zu forcieren.


ÖsterreiChisChes ForsChunGsinstitut

Für Chemie unD teChniK (oFi) www.ofi.at

angelika rubick, tel.: +43 (1) 79 81 601-590, e-mail: angelika.rubick@ofi.at

Für einen teilaspekt dieses projektes – der

trocknung der pferdeeinstreu – hat das ofi

gemeinsam mit der Firma rts trocknungstechnik

den aCr Kooperationspreis 2008 gewonnen.

Die projektleiterin angelika rubick wurde unter

anderem auch für dieses projekt mit dem preis

»Frauen in der umwelttechnik« der ÖGut

ausgezeichnet. Gefördert von der

FFG Bereich Basisprogramme.

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UND SIE INNOVIEREN DOCH

Kmu setzten mit Dem oFi vieLe iDeen um

Der unkomplizierte einstieg mit dem innovationsscheck machte es möglich: viele kleine und

mittlere Betriebe nutzten die Chance gemeinsam mit dem Österreichischen Forschungsinstitut

für Chemie und technik (ofi) ihre ideen in die tat umzusetzen. so entstanden unter anderem

rohrohrzucker-stangerln, Lampenschirme für den eigenbau und eine marktanalyse für Kartons,

die sich selbst nachschlichten.

sie gelten als innovationsresistent und der verdacht

besteht, dass sie viele gute ideen in ihren schubladen

horten: die kleinen und mittleren Betriebe Österreichs.

Dass daran etwas Falsches und etwas

Wahres ist, zeigt der erfolg der innovationsschecks,

die von der Forschungsförderungsgesellschaft

(FFG) organisiert wurden. Falsch ist, dass sie

innovationsresistent sind und sich nicht motivieren

lassen. Wahr ist, dass sie viele gute ideen haben

– in den schubladen und auf ihren schreibtischen.

nur manchmal fehlt eben das Geld oder der

kompetente Forschungspartner die idee weiter

zu entwickeln bis ein produkt daraus wird. Diese

hürde für Kmu niedriger zu legen, ist mit dem

innovationsscheck gelungen. viele Betriebe nutzten

die möglichkeit, innovationsvorhaben umzusetzen.

Der scheck erleichtert es den Kmu eine Kooperation

Kandisstick aus rohrohrzucker

der Bergkräutergenossenschaft

eigenbaulampenschirme

der Firma sL Designs

mit Forschungseinrichtungen einzugehen. Das

Österreichische Forschungsinstitut für Chemie und

technik (ofi) hat in diesem rahmen letztes Jahr

eine vielzahl von innovationsschecks bearbeitet und

erfolgreich abgeschlossen. exemplarisch

werden drei Kooperationen aus dem verpackungsund

Lebensmittelbereich dargestellt:

so hat die Bergkräutergenossenschaft mit ihrem

innovationsscheck untersuchen lassen, ob eine

herstellung von naturbelassenen rohrohrzucker-

Kandissticks grundsätzlich möglich ist, um somit

eine Basis für eine neue produktentwicklung zu

schaffen. Die herausforderung lag darin, einen

geeigneten prozess vorerst im Labormaßstab

zu entwickeln, der als rohstoff unbehandelten

rohrohrzucker verwendet, im Gegensatz zu

normalerweise verwendetem raffiniertem zucker.


ÖsterreiChisChes ForsChunGsinstitut

Für Chemie unD teChniK (oFi) www.ofi.at

michael Krainz, tel.: +43 (1) 798 1601 180, e-mail: michael.krainz@ofi.at

Das erfreuliche ergebnis zeigte, dass es möglich

ist, Kandissticks aus nicht raffiniertem zucker

herzustellen, doch müssen noch einige prozessoptimierungen

vorgenommen werden. hier ist

eine weitere zusammenarbeit mit dem ofi geplant.

sL Designs plant, Lampenschirme für den

eigenbau auf den markt zu bringen und beauftragte

das ofi mit einer funktionalen machbarkeitsstudie.

Die Lampenschirm-vorlagen sollen von den Kunden

selbst bemalt werden können, was zahlreiche

anforderungen an das material stellte. im rahmen

der arbeiten am ofi konnten spezifische materialkenndaten

festgelegt und die grundlegenden

anwendungs- und Funktionstests durchgeführt

werden. Das brachte einen deutlichen Fortschritt

in richtung marktreife für das produkt.

servent Consulting peter Kerstan benötigte eine

marktübersicht zu selbstnachschlichtenden trays

aus Karton für den handel. Bei diesen trays

handelt es sich um nachführverpackungen, die mit

entsprechenden vorschubmechanismen ausgestattet

sind und womit ein automatischer vorschub der

artikel nach einer produktentnahme aus dem regal

vollzogen wird. Durch den einsatz eines solchen

selbstnachschlichtenden trays kann eine optimale

produktpräsentation am point of sale erreicht

werden. Das ofi entwickelte darüber hinaus mögliche

Lösungsansätze für den markt. Die produktidee

besitzt potenzial und das ofi empfahl die entwicklung

einer nachführverpackung. Bei vielen der

am ofi durchgeführten innovationsschecks ist eine

weitere entwicklungsarbeit mit den Kmu geplant

und zum teil auch schon in Form von Feasibility

studies gestartet.

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ÖGI GEGEN

DEN ZAHN DER ZEIT

abbildung 1

Die ComputertomoGraphie maCht verBorGenes siChtBar

Wenn es doch nur im echten Leben auch so einfach wäre: Das Österreichische Gießereiinstitut

(ÖGi) rechnet bei seinen archäologischen analysen die zeichen der zeit einfach mittels

Computertomographie weg. so werden Fundstücke in ihrer originalen makellosigkeit wieder

sichtbar. Die jüngste virtuelle Freilegung führte das ÖGi für Funde aus dem Dominikanerkloster

im steirischen Leoben durch.

Das 1280 errichtete Dominikanerkloster in

Leoben hat eine wechselvolle Geschichte:

Bis 1811 Kloster, beherbergte das Gebäude

schließlich ein salzmagazin, ein Gericht, ein

Gefängnis und wurde nun zu einem einkaufszentrum.

Dies hat sein Gutes: so wurden

archäologische untersuchungen und Grabungen

möglich, die viel neues zur Geschichte des

Klosters und der stadt zu tage förderten.

ans Licht kamen unter anderem Grabbeigaben

aus metall, die das Österreichische Gießerei

institut (ÖGi) im auftrag des Bundesdenkmalamtes

und des Landeskonservatorats steiermark

mittels Computertomographie noch genauer

unter die Lupe nahm. Die Computertomographie

bietet neue möglichkeiten für

archäologische untersuchungen und die

restaurierung archäologischer Funde. Fundobjekte

können zerstörungsfrei untersucht und

dreidimensional dargestellt werden. Farben

und Formen bleiben somit exakt erhalten und

können so konserviert werden. auch verdeckt

liegende Bereiche oder das innere von objekten

können mit hilfe der Computertomographie

sichtbar gemacht werden. Bei den

untersuchten Fundstücken handelt es sich um

anhänger aus Buntmetall aus der zeit zwischen

dem 15. und 17. Jahrhundert, die den verstorbenen

üblicherweise mit ins Grab gegeben

wurden. Die Fundstücke waren mit schichten

aus organischem material und Korrosion bedeckt:

schichten, die bei der analyse nicht beschädigt

werden sollten, da sie wertvolle informationen

enthalten. entfernt man die Korrosionsschichten


abbildung 2

ÖsterreiChisChes Giesserei-institut (ÖGi) www.ogi.at

Georg Geier, tel.: +43 (3842) 43 101 48, e-mail: georg.geier@ogi.at

auf metallfunden, was sehr aufwändig ist, werden

auch die organischen auflagen (textilien, Leder,

holz etc.) zerstört. Die Computertomographie kann

die organischen auflagen so wie sie sind erhalten

und gleichzeitig die darunter liegende prägung

sichtbar machen. Die auf der prägung

aufliegenden, organischen und korrodierten

schichten werden weggerechnet: sie weisen

je unterschiedliche Dichten auf und sind daher

numerisch beschreibbar. so bleibt nur das metall

und damit die prägung sichtbar: abbildung 1 zeigt

einen teilrestaurierten anhänger, der bei seinem

Fund und bei der Computertomographieaufnahme

von einer harten blaugrünen Korrosionsschicht

überzogen war mit einem daran anhaftenden stück

feinen textilgewebes. Die Ct machte die prägung

auf dem anhänger sichtbar und somit entzifferbar

und interpretierbar. ein anhänger

aus einem anderen Grab (abbildung 2), an

dem neben der Korrosionsschicht auch holzreste

erhalten geblieben waren, offenbarte durch die

Ct detailreiche Brustbilder zweier mitbegründer

des Jesuitenordens.

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SICHERHEIT: NACH WIE VOR

THEMA NR.1 IM NETZ

Das Öiat zertiFiziert seriÖse onLine-shops

Die ein oder anderen Bedenken wird wohl jeder Kunde von online-shops empfinden,

wenn er seine Daten vertrauensvoll weitergibt. Das Österreichische institut für angewandte

telekommunikation (Öiat ) weiß mulmige Gefühle zu beruhigen: Durch das Gütezeichen

weiß der Kunde sofort, ob ein shop seriös ist oder nicht.

Wer online einkauft – und das tun nicht wenige:

69 % aller internetnutzer haben wenigstens

einmal online eingekauft – kennt es: so ganz

hundertprozentig vertraut man nicht darauf, dass

die bestellte Ware auch ankommt, der korrekte

Betrag abgebucht wird und das produkt tatsächlich

der Beschreibung entspricht. Das tut vor

allem den unternehmen unrecht, die seriös arbeiten.

Für sie ist es daher entscheidend, sofort auf einen

Blick als vertrauenswürdig erkennbar zu sein.

Das Österreichische e-Commerce Gütezeichen des

Öiat, das gemeinsam mit der Wirtschaftskammer

Österreich, dem Bundesministerium für Wirtschaft,

Familie und Jugend (BmWFJ) und der Bundesarbeiterkammer

geschaffen wurde, ist eine

von den anbietern und Kunden unabhängige

vertrauensbildende maßnahme: es wird nach

euro-Label – Österreichisches e-Commerce-Gütezeichen

einer standardisierten, zertifizierenden prüfung

an solche online-shops vergeben, die mehr

tun, als es das Gesetz vorschreibt. Gerade

kleinere unternehmen mit einem guten Kundenservice

können dies zu einem entscheidenden

Wettbewerbsvorteil machen. Für das

Gütezeichen werden rechtliche und technische

Kriterien von experten des Öiat überprüft.

Gegenstand der zertifizierenden prüfung ist

aber auch die Kundenfreundlichkeit des onlineanbieters.

Das Öiat führt während der prüfungsphase

testeinkäufe sowie einen vertragsrücktritt

durch, um das Gebaren der Betriebe zu testen.

Die prüfung wird jährlich wiederholt.

Bei problemen mit zertifizierten online-shops hilft

die schlichtungsstelle des »internet ombudsmann«.

streitfälle zwischen Konsumenten und unternehmen


ÖsterreiChisChes institut Für

anGeWanDte teLeKommuniKation (Öiat ) www.oiat.at

Bernhard Jungwirth, tel.: +43 (1) 595 21 12, e-mail: jungwirth@oiat.at

werden hier rasch und unbürokratisch beigelegt.

ein zusätzliches service für Gütezeichen-träger

sind die informationen über aktuelle entwicklungen

im dynamischen umfeld des e-Commerce.

im rahmen der e-Commerce Qualitätsoffensive

2008 wurden die ersten 100 Kmu, die sich seit

dem 1. märz 2008 für das Gütesiegel angemeldet

haben, besonders belohnt: sie erhielten die zertifizierung

und die nutzung für ein Jahr kostenlos.

inzwischen tragen bereits 292 österreichische

online-anbieter das e-Commerce Gütezeichen.

Damit nimmt Österreich im europäischen euro-Labelverbund

eine vorreiterrolle ein. aCr

ÖsterreiChisChes institut Für anGeWanDte teLeKommuni-

Kation – 2008 war für uns durch die erfolgreiche und innovative

Weiterentwicklung der initiativen internet ombudsmann, e-Commerce

Gütezeichen, saferinternet.at, handywissen.at sowie zahlreiche e-Learning

projekte und praxistests gekennzeichnet. auch 2009 werden wir einen

entscheidenden Beitrag zur sicheren internet- und handynutzung in

Österreich leisten.

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EINZELSTÜCKE FÜR

DEN MASSENMARKT

Das Öti ersteLLt mCp-FahrpLan Für textiLunternehmen

individuelle massenfertigung heißt das zauberwort in einer Ökonomie, die sich zunehmend an den

individuellen Kundenwünschen orientieren muss und dabei aber die vorteile der massenfertigung nutzen

will. ob und wie »mass Customization and personalisation« (mCp) auch für kleinere unternehmen der

textilbranche lohnend sein kann, hat das Öti – institut für Ökologie, technik und innovation untersucht

und eine roadmap erstellt: anhand der ergebnisse des projektes my-WorLD können unternehmen

selbst ermessen, ob mCp ein gangbarer Weg für sie ist.

Wenn es gelingt, ein produkt für den massenmarkt

herzustellen, das trotzdem individuell

und »persönlich« ist, ist mass Customization

and personalisation mCp am Werk. vorreiter

dieser Form des marketings waren die auto-

und Computerindustrie. Das in großen mengen

in der von den einzelnen Käuferinnen persönlich

gewünschten variante produzierte auto, der

Computer oder sneaker sind mCp-produkte.

Das unternehmen nutzt auf diese Weise die

vorteile der massenproduktion (große mengen)

und vermeidet ihre nachteile (z.B. die Lagerhaltung).

Durch den engen Kontakt mit dem

Kunden ist das unternehmen außerdem immer

über die neuesten trends informiert. Bislang

galt mCp als marketingstrategie der Großen,

bewegen sich die kleineren unternehmen doch

a roadmap for mass customization

and personalisation for textile

integrated products and services

Der Fahrplan (»roadmap«) für mass

Customization für die textilsektoren

teppichboden, schutzbekleidung,

textilien in transportsystemen und

möbelstoffe

ohnehin schon auf nach Kundenwünschen

individualisiertem terrain. und es fehlt den

Kleineren oft an Wissen und personal, um

neue marketingwege zu prüfen, so dass ein

neues marketing meist mit unabschätzbarem

risiko verbunden ist. Das Öti – institut für

Ökologie, technik und innovation minimiert

dieses risiko jetzt mit my-WorLD: my-WorLD ist

eine evaluierungshilfe für kleinere unternehmen

der textilbranche, die wissen wollen, ob sich

mCp für sie lohnt oder nicht und welche schritte

sie für die umsetzung setzen müssen.

Das projekt my-WorLD beruht auf einer analyse

der möglichen ansätze in anderen sektoren und

industrien. aufgrund dieser analyse entwickelte

das Öti verschiedene Konzepte für die textilindustrie.

Die unternehmen sollen anhand der


Öti – institut Für ÖKoLoGie,

teChniK unD innovation www.oeti.at

andrea häußermann, tel.: +43 (1) 544 25 43 53, e-mail: haeussermann@oeti.at

gewonnen ergebnisse abschätzen können, ob

mCp eine reelle möglichkeit für ihr unternehmen

darstellt. Das Öti konzipierte das

evaluationsinstrument als roadmap: Grundlage

dieses Fahrplans sind Literaturrecherchen,

interviews in verschiedenen Bereichen der

textilindustrie, die entwicklung und validierung

möglicher szenarien und engpassanalysen.

Letztere sind ihrerseits in einer matrix den

verschiedenen unternehmensbereichen und

industriebranchen zugeordnet, da sie je nach

unternehmensstruktur und Branchenzugehörigkeit

stark variieren können und für die entscheidung

von unternehmen zur einführung von mCp sehr

wichtig sind. neben den engpässen haben sich

die verfügbarkeit der erforderlichen technologie(n)

und die verfügbarkeit des entsprechenden

Know-hows als weitere entscheidende Kriterien

herausgestellt. Das Öti erstellte im

my WorLD projekt die roadmap zunächst für

die textilsektoren teppichböden, schutzbekleidung,

textilien in transportsystemen wie u-Bahnen,

autobussen sowie möbelstoffe.

Öti – institut Für ÖKoLoGie, teChniK unD innovation – als Folge

der Gründung einer Öti-niederlassung in Cairo im herbst 2007 stieg Ägypten

bereits im ersten Jahr zum zweitgrößten auslandsmarkt auf. 2008 wurden

intensiv neue organisations- und it-strukturen entwickelt, die 2009 umgesetzt

und dazu dienen werden, unsere serviceleistungen weiter zu optimieren. nach

langen Jahren der planung wurde auch der neubau des instituts im verband

mit der textil-htL spengergasse begonnen und wir sind zuversichtlich, unsere

Leistungen ab mitte 2010 aus neuen, größeren und moderneren Laborräumen

anbieten zu können.

aCr JahresBeriCht 2008

59


LOHNT SICH DAS AUSLAND

FÜR FORSCHERINNEN?

Der auslandsaufenthalt gilt für Wissenschafterinnen als obligatorisch. Doch trifft das auch auf

die angewandte Forschung zu? austrian Cooperative research hat sich mit sylvia polleres von

der holzforschung austria (hFa) und nadejda matsko vom zentrum für elektronenmikroskopie

in Graz (zFe) über die mobilität von Forscherinnen unterhalten.

ACR: Sie arbeiten beide in einem technischen

Beruf in der angewandten Forschung. Können

Sie von Ihrem Forschungsalltag ein bisschen

erzählen?

sylvia polleres: ich bin in der holzforschung

austria in der abteilung Bautechnik

tätig und leite dort den Bereich hausbau und

Fassadentechnik. meine arbeit ist sehr vielfältig:

ich betreue holzhausbaufirmen in technischen

Belangen, führe Betriebs- und Baustellenüberwachungen

durch, beschäftige mich mit

technischen zulassungen nach europäischen

normen, akquiriere und bearbeite Forschungsprojekte,

bin in der normung tätig, halte vorträge

und unterstütze meine mitarbeiterinnen.

nadejda matsko: Ja, vielfältig ist der

richtige ausdruck. ich arbeite als senior

postdoc und projektleiterin am zentrum für

elektronenmikroskopie Graz und kann mich

nicht an zwei arbeitstage erinnern, die

gleich gewesen wären. insofern gibt es den

Forschungsalltag nicht. Für mich besteht auch

kein großer unterschied zwischen wissenschaftlicher

und technischer arbeit, denn

beide verlangen ein hohes maß an Kreativität.

Frau Matsko, Sie sind hier in Österreich ja

im Ausland, da Sie aus Moskau stammen?

nadejda matsko: Ja, ich habe meinen

Doktor in physik in moskau gemacht, wo

ich auch technische studien absolviert habe.

Bevor ich nach Österreich kam, habe ich eine

postdoktorale ausbildung an der eth zürich

gemacht.

aCr JahresBeriCht 2008

61


aCr JahresBeriCht 2008

62

Frau Polleres, Sie waren im Rahmen Ihres

Studiums im Ausland?

sylvia polleres: Ja. ich habe acht monate

in Finnland, in helsinki und in imatra, das liegt

im südosten, in südkarelien nahe der russischen

Grenze, verbracht. im zuge meiner Diplomarbeit

war ich dann noch sechs monate in Kanada,

genauer gesagt, in vancouver auf der university

of British Columbia. Jetzt bin ich vor allem

beruflich im ausland unterwegs.

Welche Erfahrungen haben Sie dabei gemacht?

sylvia polleres: eigentlich nur positive. ich

bin dadurch ein viel offenerer mensch geworden.

nadejda matsko: Das entscheidende

daran sind die unterschiede, mit denen man sich

auseinandersetzen muss. Die menschen sind in

jedem Land anders, jedes Land hat eine eigene

mentalität und in jedem Land gelten andere un -

ausgesprochene regeln. erst durch die Begegnung

mit diesen anderen regeln konnte ich entdecken,

welche regeln ich für mich selbst gelten lassen

will. insofern haben mich die erfahrungen gelehrt,

was ich persönlich wirklich vom Leben will.

Können Sie in Ihrem Beruf problemlos ins

Ausland gehen?

sylvia polleres: theoretisch schon. holzwirtschaft

bzw. holz verarbeitende industrie

gibt es natürlich auch in vielen anderen Ländern,

z.B. auch in den usa. und die Forschung auf

diesem Gebiet begrenzt sich nicht nur auf

Öster reich. es gibt einige sehr gute institute

im ausland.

nadejda matsko: Ja, ebenso wie fast

jeder Beruf einem diese möglichkeit gibt.

es hängt nur davon ab, ob man ins ausland

gehen will. es kann einem nur der eigene

Wille im Weg stehen.

Können Sie sich vorstellen, in Ihrem Beruf für

immer ins Ausland zu wechseln bzw. für immer

zu bleiben?

sylvia polleres: schwierig zu beantworten.

ich kann mir sehr gut vorstellen eine längere

zeit – ich spreche von fünf bis zehn Jahren – im

ausland zu leben. aber für immer? Das glaube

ich eher nicht. ich meine jedoch, dass dies auch

sehr situationsabhängig zu sehen ist. hätte ich


sylvia polleres

zum Beispiel in Österreich keine interessante

adäquate arbeit gefunden, wäre meine alternative

das ausland gewesen. Das attraktive am

ausland ist die möglichkeit etwas neues zu

sehen und kennen zu lernen. man wächst durch

diese erfahrungen. Für mich kann ich es mir

im moment eher nicht vorstellen, weil ich durch

meine Familie und Freunde hier verwurzelt bin.

nadejda matsko: ob ich bleibe, hängt

von den Bedingungen und den möglichkeiten

ab, die sich mir hier bzw. außerhalb von

russland bieten.

Während eine Karriere innerhalb der Universität,

Erfahrungen im Ausland voraussetzt, scheint die

außeruniversitäre Forschung weniger Wert auf

die Mobilität und die internationalen Erfahrungen

ihrer MitarbeiterInnen zu legen. Stimmt dieser

Eindruck?

sylvia polleres: es scheint so zu sein.

Wenn ich jetzt die institute, die ich kenne

durchgehe, gibt es dort in der tat nur wenige

personen, die längere zeit im ausland gelebt

und gearbeitet haben. ich glaube, dass es

im universitären umfeld leichter ist, da es hier

auch verschiedenste »austauschprogramme«

gibt. und da es erwünscht ist, wird es auch

stärker gefördert – ich meine jetzt nicht nur

finanziell.

nadejda matsko: Das hat mit universitärer

oder außeruniversitärer Forschung wenig zu

tun. es hängt vielmehr vollkommen von der

einzelnen einrichtung ab, also der entwicklungsrichtung,

die das institut eingeschlagen hat.

international ausgebildete Forscherinnen sind

sehr gut ausgebildet und auf einem hohen

professionellen niveau. Gleichzeitig sind sie

sehr mobil und jederzeit bereit, wegzugehen,

wenn die arbeitsbedingungen nicht passen.

im allgemeinen gilt sicher, dass größere

einrichtungen internationaler orientiert sind

als kleinere einrichtungen.

Nützt Auslandserfahrung einer Forscherin

in der außeruniversitären Forschung?

sylvia polleres: ich sage so: auslandserfahrung

kann der Karriere förderlich sein,

als zwingend sehe ich sie nicht.

syLvia poLLeres wurde am 1. september 1973 in Wien geboren

und studierte holzwirtschaft an der universität für Bodenkultur (BoKu)

Wien, an der university of helsinki in Finnland und an der university

of British Columbia (uBC) in vancouver/Kanada. sie leitet den Bereich

hausbau und Fassadentechnik der holzforschung austria (hFa), wo sie

seit 2000 tätig ist.

aCr JahresBeriCht 2008

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aCr JahresBeriCht 2008

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nadejda matsko: Jede außeruniversitäre

einrichtung braucht sehr gut ausgebildete

Wissenschafterinnen und da ist die auslandserfahrung

natürlich ein plus.

Ist mit dem Auslandsaufenthalt vielleicht auch

ein Risiko verbunden?

sylvia polleres: Beruflich sicherlich nicht.

auch persönlich sehe ich bei begrenzten aufenthalten

kein risiko. aus meiner eigenen erfahrung,

kann ich sagen, dass ich während meiner auslandszeit

oft regelmäßigeren Kontakt zu meinen

Freunden pflegte, als jetzt. und im zeitalter

von blogs, skype und co ist dies überhaupt

kein problem. schwieriger ist die situation

sicherlich bei Familien- oder partnersplittings,

solche Fernbeziehungen können ein risiko sein.

Wären forschungspolitische Maßnahmen für die

Mobilität von Forscherinnen in der angewandten

Forschung notwendig?

sylvia polleres: Die Bereitschaft ins

ausland zu gehen würde durch derartige

programme sicherlich zunehmen.

nadejda matsko: schwierige Frage.

üblicherweise haben doch einrichtungen,

die sehr intensiv mit der privatwirtschaft

zusammenarbeiten, doch ein sehr großes

interesse die mobilität zu fördern, weil sie

davon profitieren, wenn die mitarbeiterinnen

internationale erfahrung haben. Das kann

die politik nicht wirklich beeinflussen.

Österreich hat zwar viele naturwissenschaftliche

AbsolventInnen, aber nur sehr wenige arbeiten

in F&E-relevanten Berufen. Gibt es zu wenige

Arbeitsplätze für junge WissenschafterInnen?

sylvia polleres: Ja, das stimmt. ich glaube,

dass wir in Österreich noch eine sehr gute universitäre

ausbildung, speziell im naturwissenschaftlichen

Bereich haben. viele der jungen

Wissenschafterinnen finden aber danach keinen

der Qualifikation entsprechenden arbeits platz.

Firmen verkleinern ihre F&e-abteilungen,

Forschungsetats werden gekürzt. im ausland

werden die absolventinnen oft mit offenen

armen aufgenommen und viele kehren dann

auch gar nicht mehr nach Österreich zurück.


nadejda matsko

eigentlich bedenklich – so bekommt z.B. die

usa viele österreichische Wissenschafterinnen

samt hervorragender ausbildung zum nulltarif!

Ist denn dann Österreich für Ihren Bereich

überhaupt ein attraktiver Standort, um hier

als Forscherin tätig zu sein?

sylvia polleres: Für Forscherinnen in

meinem Bereich gibt es nicht viele außeruniversitäre

möglichkeiten in Österreich. es gibt die

holzforschung austria, ein paar institutionen,

die eng mit der universität verknüpft sind und

nur einige Betriebe, die sich noch eine F&eabteilung

leisten.

nadejda matsko: ich hatte großes Glück,

denn ich habe mit dem zFe eine institution

ge funden, wo ich das instrument entwickeln kann,

von dem ich schon seit sieben Jahren träume.

Das zFe und die Leute, die hier arbeiten, sind

sehr offen und sie schaffen es, dass Wissenschaft

und Wirtschaft von der arbeit profitieren.

Für mich persönlich ist Österreich ein sehr

attraktiver ort zu leben und arbeiten. als

Forschungsstandort sogar einer der besten.

naDeJDa matsKo wurde am 1. Jänner 1974 in Kiew (ukraine)

geboren und studierte in moskau und zürich physik. sie arbeitet

seit anfang 2007 als senior postdoc und projektleiterin am zentrum

für elektronenmikroskopie in Graz (zFe).

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SICHER

AUF SCHIENEN

sza prüFte Den ChinesisChen veLaro

China hat die hochgeschwindigkeitszüge von siemens geordert. Die schweißtechnische

zentralanstalt (sza) unterzog die Fahrgestelle umfangreichen sicherheitstests, damit der

300 km/h schnelle zug die knapp 1.300 Kilometer lange strecke peking-shanghai immer

sicher bewältigt.

auf der strecke peking-tjanjin wird er bereits

eingesetzt, der hochgeschwindigkeitszug

velaro. Dort bricht der schnelle zug von siemens

mobility regelmäßig Geschwindigkeitsrekorde.

nun sollen die 1.300 Kilometer zwischen shanghai

und peking ebenfalls mit hochgeschwindigkeit

zurückgelegt werden. Die sza überprüfte als

akkreditiertes prüflabor die Fahrwerke, die

bei diesem zug über alle Wagen verteilt sind,

auf ihre stabilität. Die Fahrwerke

(Drehgestelle) eines zuges tragen die motoren,

Bremsen und radsätze und genießen daher

die volle aufmerksamkeit der sicherheitstechniker:

Die Fahrgestelle sind nicht nur die Lastesel eines

zuges, sie sind auch für die Kraftübertragung

auf die schiene zuständig. von ihnen ausgehend

werden sämtliche Kräfte vom Fahrzeug auf die

schiene übertragen. Bei schnellen zügen

wie dem velaro mit spitzengeschwindigkeiten

von über 300 km/h sind diese Kräfte enorm.

sza und siemens transportation

system arbeiteten bereits in der entwicklungsphase

zusammen und konnten daher die

entwicklungsschritte mit den entsprechenden

Festigkeitsanalysen begleiten. um die entwicklungszeit

zu beschleunigen, erhielt die

sza die digitalen versionen der Drehgestellrahmen

lange bevor der physische rahmen

das Forschungsinstitut zur prüfung und endkontrolle

erreichte. Das Drehgestell entstand

damit zunächst virtuell und auch die tests

wurden durch Computersimulation an den

digitalen entwürfen durchgeführt bzw. durch

eigene mathematische modellierung berechnet.


sChWeissteChnisChe zentraLanstaLt (sza) www.sza.info

Klaus Wichart, tel.: +43 (1) 798 26 28 11, e-mail: klaus.wichart@sza.info

Wirklich »zur sache« ging es

erst recht spät, als der prototyp da war und

dynamische versuche durchgeführt werden

konnten. Dann schließlich wurden die realen

Lasten im Labor der sza ausgetestet. etwa

acht Wochen lang fuhr tag und nacht der

velaro oder, besser gesagt, seine versuchstechnische

simulation, durchs versuchslabor,

so lange, bis 30 Jahre realer Betrieb mit

bis zu 40 % iger Lastenerhöhung simuliert

waren. zwischen den Fahrten wurde der

Drehgestellrahmen immer wieder gründlich

auf veränderungen überprüft und auch

während des testlaufes blieb nichts verborgen.

Bei den geringsten veränderungen bricht

die onlineüberwachung den versuch ab.

nach zehn millionen Lastwechseln

war der versuch beendet und der Drehgestellrahmen

wurde einer letzten eingehenden

untersuchung unterzogen. »Keine Änderungen

gegenüber dem ausgangszustand« lautete

das urteil des prüfverantwortlichen. techniker,

ingenieure, projektleiter konnten aufatmen und

sich über gewohnt gute arbeit freuen.

sChWeissteChnisChe zentraLanstaLt – 2008 erwirtschafteten

wir mit 36 mitarbeiterinnen einen Gesamterlös von über 4 mio. euro.

2008 waren wir außerdem die organisatoren von internationalen

Großveranstaltungen: 61. Generalversammlung des internationalen

schweißverbandes iiW (700 internationale expertinnen); Fachmesse

sChWeissen in Wien (35.000 Fachbesucherinnen); internationaler

Fachkongress der schweiß- und verbindungstechnik Join-ex

(200 internationale teilnehmerinnen) und die 1. internationale

Fachtagung der hybridfügetechnik in Kooperation mit dem ofi.

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SCHNELL SEIN

MIT DEM TANDEM

auCh 2008 stanD im zeiChen Des antrieBs

Bei der schiffbautechnischen versuchsanstalt (sva) stand auch das Jahr 2008 im zeichen

des tandems. im »twin-propeller-projekt« des eureka-Forschungsprogramms saFepasea

(safe passenger transport at sea) setzte die sva ihre Forschung zum tandemantrieb fort.

im tandem braucht der antrieb weniger platz, bringt aber bessere Leistungen. und alles nur,

weil die propeller anders angeordnet sind.

Während noch vor wenigen Jahren 25 Knoten

(etwa 46 km/h) höchstgeschwindigkeit bei einer

Fähre als schnell galten, liegen die erwartungen

mit über 33 Knoten (ca. 61 km/h) nun deutlich

höher. Gleichzeitig trachten die reedereien

danach, das transportvolumen zu maximieren

und damit immer mehr schiffraum gewinnträchtig

auszulasten. Die schiffe werden damit schwerer.

um die gewünschten Geschwindigkeiten zu er -

reichen, sind leistungsstarke antriebe erforderlich,

die nach möglichkeit wenig platz und energie

verbrauchen. Die sva ordnete die propeller

erstmals 2007 in versuchen als tandem an

und fand damit die gesuchte alternative zur

vergrößerung der propelleroberflächen: hintereinander

angeordnet, bringen die propeller eine

bessere Leistung. Für den antrieb von

Kreuzfahrtschiffen und schnellen passagierfähren

werden üblicherweise zwei propeller eingesetzt.

ihre Leistungsstärke hängt vom Durchmesser

der propellerflächen ab. Je größer die Fläche,

desto mehr Kraft und damit Geschwindigkeit.

Die mögliche Größe der propellerflächen hängt

vom möglichen tiefgang in den Gewässern ab.

Die derzeit bestehenden hafeneinrichtungen

sowie Fahrtrouten der nordsee, ostsee, arktischen

Gewässer sowie im mittelmeer und dem Golf von

mexiko erlauben einen tiefgang von ca. 8 m,

sodass die propellerdurchmesser auf 5,8 m

beschränkt sind. zwei im tandem

hintereinander geschaltete propeller, so das

ergebnis der Forschungen der sva, erbringen

nicht nur die erforderliche Leistung, durch eine

sinnvolle anordnung der propeller zueinander


sChiFFBauteChnisChe versuChsanstaLt (sva) www.sva.at

richard anzböck, tel.: +43 (1) 330 37 32, e-mail: richard.anzboeck@sva.at

lässt sich sogar der Wirkungsgrad des antriebsorgans

verbessern. mit besseren Wirkungsgraden

wird weniger treibstoff verbraucht und damit die

umwelt entlastet. ein tandempropeller

hat außerdem noch wirtschaftliche vorteile: Der

Durchmesser des tandemsystems und damit der

tiefgang werden gering gehalten, sodass die mit

tandempropellern ausgestatteten schiffe einen

größeren aktionsradius haben: sie können in

geringeren tiefen fahren. ein tandempropeller-system

ist kostengünstiger als ein

mehrwellenantrieb. Die schubbelastung der

propeller ist geringer, das bedeutet eine niedrige

Kavitation (unerwünschter Bremseffekt durch

hohlräume) und geringere Druckschwankungen

auf der außenhaut – ein tandemantrieb schont

das schiff insgesamt.

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DEM AROMA

AUF DER SPUR

vFG erForsCht Den Guten BrotGesChmaCK

Wie kommt der Geschmack ins Brot? Wie fein ist feines mehl? Die versuchsanstalt für

Getreideverarbeitung (vFG) setzt schwerpunkte in Qualität und Geschmack bei Brot,

Gebäck und mehlspeisen aller art. neben Forschung und entwicklung sind seminare

für Gebäcksommeliers neu im angebot.

in den letzten zwei Jahren ist das interesse am

Brot- und Gebäcksektor bezüglich der Qualitätsanforderungen

massiv angestiegen. im zuge von

untersuchungen der österreichischen Brot- und

Gebäckqualität eröffnete sich eine große Lücke

in diesem speziellen Fachbereich. in der tat gibt

es keine unabhängige institution in Österreich,

die in diesem sektor nachhaltige F&e&i erbringt.

Dies hat sich die vFG zur neuen aufgabe gemacht.

Durch den aufbau eines neuen vFG-institutes für

Forschung, entwicklung und innovationen entlang

der Wertschöpfungskette von Getreide, mehl bis

hin zu Brot und Gebäck sowie dem aufbau eines

Kooperationsnetzwerkes mit in- und ausländischen

partnern. Die vFG hat 2008 mit der ausbildung

zum vFG-Gebäcksommelier die ersten ausbildungen

zum Gebäcksommelier in Österreich durchgeführt.

Kooperationen mit dem ausland haben einen

hohen stellenwert erhalten. Die vFG fungiert

aufgrund der guten verbindung zur züricher

hochschule für angewandte Wissenschaften

(prof. Kleinert) als multiplikator des neu entwickelten

Wädenswiler Brot-aromarades. 2009

wird das Jahr des Brotes, wodurch weitere maßnahmen

zur besseren positionierung von Brot

und Gebäck in der Öffentlichkeit gesetzt werden.

im Frühjahr 2010 wird der von der vFG

organisierte Brotwettbewerb einen neuen

aufschwung erleben.


versuChsanstaLt Für GetreiDeverarBeitunG (vFG) www.vfg.or.at

Christian Kummer, tel: +43 (676) 34 82 088, e-mail: kummer@vfg.or.at

aromarad

versuChsanstaLt Für GetreiDeverarBeitunG – 2008 war für uns das Jahr vieler

neuerungen im institut. Die gesamte Labor-infrastruktur wurde modernisiert und ein

Labor management informations system implementiert. Der neu etablierte Geschäftszweig

seminare entwickelte sich durch die ausbildungen zum »vFG-Gebäcksommelier« sehr

erfolgreich. Der mut zu neuen Wegen wurde mit einer 25 %igen ertragssteigerung

gegenüber dem vorjahr belohnt.

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EXTRA LUFT,

MASSGESCHNEIDERTE WÄRME

KaCheLÖFen maChen siCh Gut in passivhÄusern

Die versuchs- und Forschungsanstalt der hafner Österreichs (vFh) untersuchte, ob und wenn

ja wie sich Kachelöfen an die Bedingungen von niedrigenergie- und passivhäusern anpassen

müssen. extra Luft und maßgeschneiderte Wärme lautet die Devise, dann bilden Kachelofen

und passivhaus ein behagliches paar.

Kachelöfen erfreuen sich auch im zeitalter

von niedrigenergie- und passivhäusern großer

Beliebtheit: Behaglichkeit, versorgungssicherheit

und niedrige energiekosten sind die großen

vorteile der wärmenden Öfen. Kachelöfen sind

vollkommen von Fremdenergie unabhängig und

werden im regelfall mit scheitholz beheizt, das

in Österreich mehr als ausreichend vorhanden

ist. im rahmen des projekts »WoComast

– World Competence in massive stoves« untersuchte

die vFh die auswirkungen der immer

besser gedämmten Gebäudehüllen in passiv-

und niedrigenergiehäusern auf die anforderungen

an moderne Kachelöfen. Weil diese modernen

und begrüßenswerten Bauweisen mit viel weniger

Wärme auskommen und besser abgedichtet sind,

müssen Kachelöfen ihre heizleistung ein wenig

zukunftssicheres heizen mit einem Kachelofen

mit externer verbrennungsluftzufuhr

herunter fahren und sich nach einer anderen Luftzufuhr

umsehen – denn es zieht in passivhäusern

üblicherweise nicht. im Gegensatz zur

bisher meist üblichen versorgung aus dem raumverbund

– so konnte man davon ausgehen, dass

die undichtigkeiten der Gebäude ausreichen,

die für die verbrennung erforderliche Luft bereitzustellen

– muss die zuluft nun direkt von der

außenluft in den Kachelofen eingebracht werden.

Die vFh führte diesbezüglich untersuchungen

zu verschiedenen möglichkeiten der

Luftzufuhr durch. Dazu zählt die versorgung durch

einen schacht im Keller bzw. im Fußbodenaufbau.

außerdem wurde die möglichkeit der zufuhr von

Luft mit einem eigenen versorgungsschacht in der

abgasanlage (rauchfang, schornstein) untersucht.

Dabei hat sich gezeigt, dass diese variante im


versuChs- unD ForsChunGsanstaLt

Der haFner ÖsterreiChs (vFh) www.kachelofenverband.at

thomas schiffert, tel.: +43 (1) 256 5885 12, e-mail: tschiff@kachelofenverband.at

normalbetrieb funktioniert. Weitere zukünftige

untersuchungen sollen gewährleisten, dass diese

technik auch bei ungünstigen Witterungsverhältnissen

funktioniert. Die vFh nutzte

das projekt, um an der von Bmvit und BmuKK

gestarteten initiative Forschung macht schule

teilzunehmen. Forschung macht schule soll

schülerinnen neugierig auf technische Berufe

machen. erfreulicherweise wurde der Bericht

unseres praktikanten Clemens moser von den

organisatoren der initiative mit einem award

ausgezeichnet.

versuChs- unD ForsChunGsanstaLt Der haFner ÖsterreiChs –

2008 war für die vFh ein Jahr der gut genutzten Chancen: Die verunsicherung

der Konsumentinnen was die preisentwicklung und versorgungssicherheit bei

den fossilen energieträgern betraf, haben den erneuerbaren energien und

damit dem Kachelofen auftrieb gegeben und zu einer merklichen steigerung

der nachfrage geführt.

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16 CM BETONFAHRBAHN

SIND GENUG

… Wie Dies FunKtioniert, untersuChte Das vÖzFi

Wie viel Betonfahrbahn braucht eine Brücke? Das Forschungsinstitut der vereinigung der

österreichischen zementindustrie (vÖzFi) hat untersucht, welche Gesamthöhe für Betonfahrbahnen

auf Brücken erforderlich ist, um den stetig steigenden verkehrslasten standhalten zu können,

und kommt zu dem schluss: 16 cm sind ausreichend. Dies funktioniert jedoch nur unter ganz

bestimmten voraussetzungen; werden diese erfüllt, so lassen sich Bauzeiten um 40 % und

Baukosten um 30 % reduzieren.

Das von der FFG geförderte Forschungsprojekt

»Betonfahrbahnen auf Brücken im verbund mit dem

tragwerk« sollte überprüfen, ob der herkömmliche

aufbau durch einen neuen, dünneren aufbau mit

einer Betondecke ersetzt werden kann und welche

randbedingungen dabei beachtet werden müssen.

Für die umsetzung dieses Forschungsvorhabens

fand das vÖzFi in Johann Kollegger vom institut

für tragkonstruktionen – Betonbau sowie in elmar

tschegg vom institut für Festkörperphysik, beide

von der technischen universität Wien, zwei

kompetente partner. Gemeinsam wurden im

Laufe der tests die wesentlichen Bedingungen

für das Funktionieren dieser Bauweise identifiziert.

Die spritzabdichtung, die Betondecke und tragkonstruktion

verbindet, muss sich »duktil« verhalten,

das heißt sie darf bei Belastung nicht spontan

abbildung 1: probekörper während der verbundprüfung

mittels Keilspaltmethode nach tschegg (Foto © vÖzFi )

versagen bzw. darf sich nicht vom untergrund

lösen, sondern soll gewisse verformungen zulassen.

zusätzlich stellen eine gute oberflächenvorbereitung

des untergrundes sowie die Betonqualität im

interfacenahen Bereich wichtige Bedingungen

für das Gelingen dieser Bauweise dar.

tu Wien und vÖzFi entwickelten so ein ganz

neues system, das lediglich aus einer direkt auf

das tragwerk aufgebrachten, hochelastischen

spritzabdichtung sowie einer fugenlosen Betondecke

mit 16 cm stärke besteht. Die beiden

großen vorteile sind zeit- und Kosteneinsparungen

bis zu 40 %. Das vÖzFi führte die tests

unter anderem an der tu Wien in Kooperation mit

elmar tschegg durch, wobei die verbundwirkung

zwischen spritzabdichtung und Beton im mittelpunkt

der untersuchungen stand. es stellte sich nach

abbildug 2: Kraft – rissöffnungsdiagramm für ein sprödes

und ein duktiles material bei gleichem Festigkeitswert


vereiniGunG Der ÖsterreiChisChen zementinDustrie

ForsChunGsinstitut (vÖzFi) www.zement.at

martin peyerl, tel.: +43 (1) 714 6681 DW 24, e-mail: peyerl@voezfi.at

mehreren versuchen heraus, dass die Bestimmung

der abreißfestigkeit keinen ausreichenden aufschluss

über den verbund gibt. Durch die Bestimmung

der abreißfestigkeit wird lediglich die maximal

aufnehmbare spannung, die ein material im zugversuch

aufnehmen kann, bevor es zum versagen

kommt, ermittelt. aufschlussreicher sind

hingegen die materialkennwerte, die mittels

Keilspaltmethode – entwickelt von elmar tschegg –

gewonnen werden. Bei dieser methode wird das

zu prüfende interface entlang einer starterkerbe

mit einem Keil geöffnet und die rissöffnung sowie

die dabei wirkende Kraft gemessen (abbildung 1).

anhand der gewonnenen ergebnisse ist eine

zuverlässige bruchmechanische Beschreibung

des materials möglich. Für einen guten haftverbund

– und damit für die Beständigkeit der gesamten

Konstruktion – ist die Duktilität des abdichtenden

materials wesentlich. Durch den versagensverlauf

bzw. die Größe der Fläche unter der versagenskurve

im Kraft-rissöffnungsdiagramm kann auf

die Duktilität des materials geschlossen werden

(abbildung 2). Bei dynamischen

Großkörperversuchen im maßstab 1:1 am

abbildung 3: Großkörperversuche am institut für tragkonstruktion

der tu Wien mit 4 millionen Lastwechselraten

institut für tragkonstruktion – Betonbau der tu Wien

mit über vier millionen Lastwechseln konnte die

gute verbundwirkung des abdichtungssystems

bestätigt werden (abbildung 3). nichtsdestotrotz

sind auch eine gute oberflächenvorbereitung

sowie eine hohe Betonqualität für das einwandfreie

Funktionieren der Konstruktion wichtig. Werden

diese vorgaben beachtet, sind hervorragende

verbundeigenschaften mit einem hochelastischen,

duktilen spritzabdichtungssystem möglich und

dieses system hat ein hohes potenzial, sich zu

einer alternativen Bauweise für Betonfahrbahnen

auf Brücken zu entwickeln.

aCr JahresBeriCht 2008

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GENAU BETRACHTET …

… Lassen siCh sChÄDen DurCh Korrosion vermeiDen,

Weiss Das zFe

Die moderne rasterelektronenmikroskopie, wie sie das zentrum für elektronenmikroskopie

in Graz (zFe) anbietet, kann die entstehung von Korrosion sichtbar machen. ausgestattet

mit »Klimakammer« und heizbühne lassen sich mit dem »esem« reale Betriebsbedingungen

einfach und reproduzierbar einstellen.

Der Boiler, der heizkessel, das auto – alles rostet.

Daher müssen sowohl viele einfache Dinge des

täglichen Lebens als auch große einzelteile von

industriellen anlagen häufig wesentlich früher

als geplant ersetzt werden. Dies bringt Ärger,

unerwartete Kosten und im industriellen sektor

unter umständen produktionsausfälle. manche

materialien können wegen ihrer starken anfälligkeit

für Korrosion in vielen Bereichen erst gar nicht

ohne aufwendige vorbehandlung eingesetzt werden.

ein Beispiel ist etwa die verwendung von magnesium

bei außen liegenden auto-teilen. andere Werkstoffe

wiederum, etwa rostbeständige stähle, wie sie in

Kesseln von heizwerken verwendet werden, schützen

sich selbst gegen Korrosion durch die entwicklung

einer chromreichen oxidschicht. strategien

zur vermeidung von Korrosion für einen bestimmten

abbildung 1: aufbau der heizbühne auf dem

mikroskoptisch, bei geöffneter mikroskopkammer.

Werkstoff lassen sich am Besten dann entwickeln,

wenn man versteht, wo die Korrosion einsetzt und

wie sich die korrosiven schichten und strukturen

entwickeln. Beginnt die Korrosion vorwiegend an

Korngrenzen, bestimmten phasen, oberflächenrauhigkeiten

oder verschmutzten stellen? Wie ist

die chemische zusammensetzung dieser ersten

Korrosionsschicht und wie ändert sie sich mit

zunehmendem Korrosionsverlauf? ein mikroskop

wie das esem (environmental scanning electron

microscope) mit hohem vergrößerungsbereich und,

da korrosive strukturen im allgemeinen ja nicht

eben sind, besonders wichtig, hoher tiefenschärfe

kann diese prozesse sichtbar machen. in der

mikroskopkammer des esem können die Betriebsparameter

– Gaszusammensetzung, temperatur,

temperaturänderungen etc. eingestellt werden.


zentrum Für eLeKtronenmiKrosKopie Graz (zFe) www.felmi-zfe.at

peter pölt, tel.: +43 (316) 73 8332, e-mail: peter.poelt@felmi-zfe.at

Damit wird unter den Bedingungen, unter denen der

zu untersuchende Werkstoff auch eingesetzt wird,

mikroskopiert und der Korrosionsprozess kontinuierlich

dokumentiert. Das esem ist ein rasterelektronenmikroskop,

das neben dem hochvakuumbereich

einen zusätzlichen Druckbereich zwischen

0.1 und 20 torr bietet. Damit können feuchte proben

ebenso untersucht werden wie material, das etwa

durch erhitzen der probe abdampft. Das abdampfen

führt im esem nicht zu einem zusammenbruch des

vakuums, das für die mikroskopie benötigt wird.

eine heizbühne mit programmierbarem temperaturanstieg

und einem einsatzbereich bis etwa 1500°C

erlaubt die optimale untersuchung von hochtemperaturkorrosion.

über den Druck in der probenkammer

lässt sich, bei verwendung von Wasserdampf als

Gas, die relative Luftfeuchtigkeit einstellen. Die

mikroskopkammer stellt also gleichzeitig auch eine

Klimakammer dar. Korrosive Gase können natürlich

nur in geringer menge über eine Düse direkt auf die

probenoberfläche zugeführt werden. Die entwicklung

der Korrosion wird gewissermaßen filmisch dokumentiert,

sodass der Korrosionsprozess selbst sichtbar und

damit interpretierbar wird. zur Bestimmung

abbildung 2: hochtemperaturkorrosion eines stahles:

links: ausgangszustand bei 40°C, mitte: bei 583°C, rechts: bei 725°C

der chemischen zusammensetzung der korrosiven

schichten können röntgen- und raman-spektrometer

an das esem gekoppelt und damit die beiden sich

ergänzenden analysemethoden an exakt derselben

probenstelle eingesetzt werden. abbildung 1

zeigt die anordnung der heizbühne in der probenkammer

für die untersuchung von hochtemperaturkorrosion.

Die 3 Bilder aus abb. 2 stammen aus

einer Bildsequenz, bei welcher ein polierter stahl

(253ma) mit einer heizrate von 10°C/min aufgeheizt

wurde. Die ersten anzeichen von Korrosion

wurden bei etwa 500°C sichtbar, die Korrosion

breitete sich dann primär in der Fläche aus, es trat

aber kein besonderes höhenwachstum auf. Bei

etwa 740°C ist die gesamte oberfläche mit einer

Korrosionsschicht bedeckt, die Korngrenzen sind

als riefen sichtbar. Bei anderen heizraten verläuft

auch der Korrosionsprozess anders. Damit

kann das zFe seinen Kooperationspartnern und

Kunden eine untersuchungsmethode anbieten, mit

der bereits vor dem einsatz eines neuen Werkstoffes

getestet werden kann, wie beständig er – bei vorgegebenen

Betriebsparametern – gegen Korrosion ist.

aCr JahresBeriCht 2008

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aCr JahresBeriCht 2008

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BIS AUF DEN LETZTEN NANOMETER

am zFe GeLanG erstmaLs Die prÄzise messunG von

oBerFLÄChenpLasmonen

mit einer neuen elektronenmikroskopischen untersuchungsmethode, die am zentrum für

elektronenmikroskopie Graz (zFe) entwickelt wurde, können oberflächenplasmonen mit einer

50fach besseren auflösung als bisher möglich gemessen werden. Die neue methode ermöglicht

einen genaueren einblick in die physik der oberflächenplasmonen, der für zukünftige

Forschungsarbeiten zur Beschleunigung der Datenübertragung bis auf Lichtgeschwindigkeit

von großer Bedeutung ist.

Die neue methode ist eine sensation. Gemeinsam

mit Wissenschaftern der Karl-Franzens universität

Graz und der technischen universität Graz gelang

Bernhard schaffer vom zFe Graz die entwicklung

einer neuen nanooptischen messmethode, mit

der so genannte oberflächenplasmonen mit

nanometerpräzision analysiert werden können.

Die nanooptik, die das Licht dazu nutzt, informationen

zu übertragen oder bessere sensoren

zu entwickeln, erhält durch die ergebnisse einen

entscheidenden entwicklungsimpuls. Die

methode beruht darauf, dass ein elektronenstrahl,

der eine wenige nanometer dünne metallische

probe durchdringt, energie verliert und so an der

oberfläche eines metalls elektronenschwingungen,

so genannte oberflächenplasmonen, erzeugt.

Diese oberflächenplasmonen breiten sich wie

abbildung 1: anregung eines oberflächenplasmons in

einem Gold-nanoteilchen mit hochenergetischen elektronen

Wellen auf einem see aus, in den man einen

stein geworfen hat (siehe abb.1). Die analyse

der oberflächenplasmonen erlaubt rückschlüsse

auf die struktur der oberfläche als auch auf ihre

optischen und energetischen eigenschaften, das

heißt, sie eignet sich zur »visualisierung« bzw.

messung von oberflächen. im mai 2008

konnte Bernhard schaffer vom zFe Graz zum ersten

mal die lokale ausbreitung der oberflächenplasmonen

an nano-kleinen Goldpartikeln mit hilfe

der energiefilterungs-elektronenmikroskopie direkt

analysieren (abb.2). Damit steht der nanooptik

erstmals eine messmethode zur verfügung, mit

der oberflächenplasmonen mit einer auflösung

von einem nanometer beobachtet werden können.

Dies bedeutet gegenüber der bisher verwendeten

methode der nahfeldmikroskopie eine 50fache


zentrum Für eLeKtronenmiKrosKopie Graz (zFe) www.felmi-zfe.at

Ferdinand hofer, tel.: +43 (316) 873 88 20, e-mail: ferdinand.hofer@felmi-zfe.at

verbesserung der auflösung. Die

Genauigkeit der neuen messmethode sprengt

die bisherigen Grenzen der sichtbarkeit und

macht den Weg frei für revolutionäre technische

anwendungen. so könnte in der Computertechnologie

der Datentransport wesentlich beschleunigt

werden, indem oberflächenplasmonen mit

Lichtgeschwindigkeit Daten entlang den Leiterbahnen

der Computerchips transportieren.

Bei den Forschungsarbeiten arbeitete

das zFe eng mit Wissenschaftern der technischen

universität Graz und der Karl-Franzens-universität

Graz zusammen. Die experimentellen arbeiten

wurden mit dem hochauflösungselektronenmikroskop

Fei-tecnai F20 durchgeführt, das mit

hilfe von Förderungsmitteln der FFG (Basisprojekte

und proKis 04) mit einem monochromator und

abbildung 2: tem-Bild eines Gold-nanoteilchens

und energiefilterungsbild der oberflächenplasmonen

einem hochauflösenden energiefilter ausgerüstet

werden konnte. im Jänner 2009 wurde

die bahnbrechende entwicklung in der international

renommierten zeitschrift physical review B publiziert

und mit dem vermerk »editors suggestion« ausgezeichnet

– damit kennzeichnet der herausgeber

arbeiten von herausragender Qualität.

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»RECHNE NICHT MIT

MASSENHAFT INSOLVENZEN«

Christoph LeitL im GesprÄCh

Die Krise wird vor allem die industrienahen Branchen treffen, meint Wirtschaftskammerpräsident

Christoph Leitl und empfiehlt den kleinen und mittleren Betrieben, gerade jetzt innovationen zu

wagen und sich dem globalen Wettbewerb zu stellen.

ACR: Herr Leitl, die Finanzkrise hat auf die so

genannte Realwirtschaft durchgeschlagen. Bei den

kleinen und mittleren Unternehmen stehen wir laut

Zeitungsberichten vor massenhaft auftretenden

Insolvenzen und Pleiten. Gibt es Schätzungen zum

(quantitativen) Ausmaß der Krise für die KMU?

Christoph Leitl: nicht alle Kmu sind von

der Krise gleich betroffen. es gibt auch Ge -

schäfts felder, die sogar eine höhere nachfrage

als zuletzt aufweisen – etwa im Bereich der

energieeffizienz, der reparatur und in bestimmten

marktsegmenten des handels und des tourismus.

trotzdem rechne ich mit mehr insolvenzen, allerdings

nicht massenhaft! Bisher zeigt sich, dass

Kmu in der Krise etwas besser zurechtkommen,

Kosten und angebot schneller anpassen können

als mittelgroße und große unternehmen.

Gibt es Branchen, die jetzt besonders gefährdet sind?

Betroffen sind vor allem unternehmen

aus dem industrienahen Bereich, die mit starken

nach frageausfällen kämpfen. Bestimmend ist

die nachfrageentwicklung im eigenen Geschäftsbereich

und die marktposition, die wesentlich

durch die innovationsfähigkeit und produktivität

bestimmt wird.

Die F&E-Quote ist in den letzten Jahren kontinuierlich

gestiegen. Allmählich hielt der Innovationsgedanke

auch in traditionellen Branchen Einzug.

Ist es mit dieser Entwicklung nun vorbei?

Die Krise verschärft den globalen Wettbewerb

noch und verändert die anforderungen

der Kunden. Daher werden unternehmen

weiter in die innovation investieren müssen.

aCr JahresBeriCht 2008

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Bei stillstand droht der verlust der marktposition.

Wer eine gute idee zur marktreife bringen will,

kann aber heute und auch künftig auf öffentliche

F&e-Förderung zählen. Dafür habe ich mich

eingesetzt. Wenn die heimische Wirtschaft nur

empfänger von technologien wäre, würde die

Wertschöpfung unseren Wohlstand nicht tragen.

Deshalb müssen wir selbst innovativ sein.

Warum sollten gerade die kleineren Unternehmen

jetzt noch in Forschung, Entwicklung

und Innovation investieren? Können Sie das

noch empfehlen?

Ja, natürlich. Wer still steht, fällt zurück.

auch in der Krise werden marktanteile gewonnen

oder verloren. Wer sich mit innovation

positionieren kann, hat mehr vom heutigen markt

und ist erfolgreicher im künftigen aufschwung.

Über die aws sollen KMU nun leichter an Kredite

kommen, die bevorzugt für Umwelt- und Innovationsprojekte

vergeben werden. Was ist aus Ihrer

Sicht darüber hinaus noch notwendig?

Wichtig ist, dass die direkte öffentliche

Förderung sowie F&e-prämie und F&e-Freibetrag

auch dazu dienen, das risiko teilweise abzudecken.

zusätzlich spielen projektbezogene

haftungen eine rolle. Die zusammenarbeit

von unternehmen und Wissenschaft muss den

zugang zum nötigen Know-how auch für kleine

unternehmen gewährleisten. Deshalb unterstützen

wir die am Bedarf der unternehmen orientierte

außeruniversitäre Forschung.

Neben dem Innovationsscheck gibt es kaum

Programme, die speziell auf KMU und inkrementelle

Innovationen zugeschnitten sind. Nach wie

vor bestehen Informationsdefizite zu Förderstellen.

Wie soll da weiter zu Innovationen und damit

Wachstum motiviert werden?

F&e-Förderung ist der öffentliche rückenwind

für das innovationsengagement von

unternehmen, damit mehr innovation möglich

wird als aus eigener Kraft darstellbar ist. um

die F&e-Fördermittel auf Bundes-, Landes- und

eu-ebene bestmöglich auszuschöpfen, berät

die Wirtschaftskammer in allen Bundesländern

– wie auch die Fördereinrichtungen selbst.


Christoph Leitl

Ein großes Problem – vor allem für kapitalschwache

kleinere Betriebe – ist die Entwicklung

eines Produkts zur Marktreife und das entsprechende

Marketing für dieses neue Produkt,

das ja eigentlich bei der Innovation bereits

mitgedacht werden muss. Welche Unterstützung

können die Unternehmen in dieser Hinsicht von

der Wirtschaftskammer erwarten?

ich habe mich immer für die unterstützung

der innovation bis zur marktreife eingesetzt.

heute bieten die Wirtschaftskammern in allen

Bundesländern durch das WiFi unternehmerservice

und in zusammenarbeit mit partnern

wie aws oder die Landesfördereinrichtungen eine

auf das jeweilige unternehmen zugeschnittene

innovationsberatung an – von der idee bis

zum produkt, von der Forschungskooperation bis

zur Durchsetzung von patenten. mit der neuen

internationalisierungsoffensive von Wirtschaftskammer

und Wirtschaftsministerium bauen wir

dieses service im internationalen Bereich aus.

Sind die Strukturen in Österreich überhaupt tragfähig?

Immer wieder (noch im Forschungs- und

Technologiebericht 2008) ist von der Notwendigkeit

die Rede, deutlich mehr Private Equity und

Venture Capital verfügbar zu machen. Wie sollen

KMU da rankommen, selbst wenn es da wäre?

Bei der nutzung von venture Capital

und private equity für das Wachstum von

innovativen unternehmen haben wir aufholbedarf,

vor allem in der Frühphasenfinanzierung

unter 200.000 euro. hier sind mittel des

Bundes vorgesehen. allerdings können nicht

alle innovativen unternehmerinnen das hohe

Wachstumspotenzial darstellen, das investoren

in diesem Bereich erwarten. Wo dies nicht

gegeben ist, müssen andere Finanzierungsformen,

etwa double equity der aws, greifen.

Haben Sie auch eine Einschätzung für das

Ende der Krise? OptimistInnen sprechen vom

Sommer 2010.

Je eher umso besser! sicher ist, dass es

von Branche zu Branche unterschiedlich sein

wird. Die Krise werden wir überwinden, wenn

mit einer stabilen Konsumnachfrage auch die

exporte und investitionen wieder steigen.

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ACR-ENQUETE

KOOPERATIONSPREIS 2008

Wie sich ganz traditionelle techniken durch Kreativität revolutionieren lassen, zeigen die drei

projekte, die 2008 mit dem Kooperationspreis der aCr ausgezeichnet wurden. Durch die

Kooperation von unternehmerinnen und Forscherinnen der aCr wurde eine neue energiequelle

erschlossen, das mauerhandwerk bereichert und eine einzigartige reinigungstechnik entwickelt.

Der Kooperationspreis der aCr würdigt die kreative und innovative Leistung dieser Kooperationen

und zeigt, welche innovative Kraft gerade die kleinen und mittleren unternehmen haben.

DIE KRAFT DER KLEINEN

Kleine und mittlere Betriebe haben

in sachen innovation längst die nase vorn.

eindrucksvoll unter Beweis stellten das einmal

mehr die siegerprojekte zum »Kooperationspreis

der aCr 2008«: am 3. november 2008 wurde

der Kooperationspreis der aCr im tech Gate

vienna zum 3. mal vergeben. ausgezeichnet

wurden drei herausragende innovationen,

die durch die zusammenarbeit eines kleinen

bis mittleren Betriebes mit einem aCr-institut

entstanden sind. in diesem Jahr wurden die

innovationspartner eines projektes zur nutzung

von energie aus pferdemist, die entwickler

einer alternative zu mörtel und die erfinder

einer besonderen sandstrahltechnik vor den

vorhang gebeten.

PATENTIERTE MISTWÄRME

Dass man aus pferdemist wohlige Wärme

zaubern kann, zeigte die rts trocknungstechnik

aus dem kärntnerischen Lesachtal. ausgelöst

durch die anfrage eines reitsportzentrums in

maria Wörth wurde 2006 die idee geboren,

pferdemist mit einer einstreu aus holzspänen

so zu entsorgen, dass damit auch heizenergie

gewonnen werden kann. Das Kleinstunternehmen

rts, das gerade fünf mitarbeiterinnen zählt,

schuf damit zwei große vorteile: zum einen

löst sich das entsorgungsproblem von ställen

und zum anderen wird eine bislang ungenutzte

Biomasse als energieträger erschlossen. Die

umwandlung von pferdemist in energie lohnt

sich für ställe ab 25 pferden. rts sicherte sich

bei der entwicklung die tatkräftige expertise

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preisträger v.l.n.r.: harald mayr (Bti ), primoz eiselt (plasmait), angelika rubick (ofi), hartmuth schröttner (zFe), martin Leitl (aCr),

heinz schmidt (plasmait), Christine marek (BmWFJ ), Günter obermair (Leitl spannton), Josef rauter (rts trocknungstechnik),

alexander G. Bauer (Leitl spannton), herbert Kraiger (plasmait), stefan melicha (rts trocknungstechnik)


des Österreichischen instituts für Chemie und

technik (ofi), das aufgrund seiner einschlägigen

erfahrung wesentlich zur erfolgreichen technischen

umsetzung beitragen konnte.

ZIEGEL MIT HAFTUNG

es dauert eine Weile, bis mörtel trocknet.

Da aber lange aushärtungszeiten von architekten

und Baumeistern immer weniger akzeptiert werden

können, machte sich das oberösterreichische

traditionsunternehmen Leitl-spannton, ein

unternehmen der Leitl Gruppe, 2006 daran,

eine kostenfreundliche, bauklimatisch günstige

und verarbeitungsfreundliche alternative für ziegel

zu finden. Gemeinsam mit dem Bautechnischen

institut Linz (Bti) konnte ein revolutionäres

Klebeverfahren für ziegeldecken entwickelt

Günter obermair (Leitl spannton)

werden, das exakt diesen ansprüchen entspricht:

schnell einsetzbar und kostengünstig.

Der Kleber ermöglicht vorgefertigte ziegeldecken

mit einem minimalen Betonanteil. Da der

verwendete Kleber bisher noch nie bei Deckentragwerken

zum einsatz gekommen war, mussten

Konstruktionsdetails und nachweisverfahren

entwickelt werden, um die Gleichwertigkeit

mit herkömmlichen Baustoffen zu belegen.

Die aufgabenteilung war klar: Während Leitl

spannton die idee entwickelte, war das

Bautechnische institut Linz für die technische

umsetzung zuständig. Das ergebnis ist unter

dem namen vitaLton bereits erhältlich.

philipp unterguggenberger, Bernd mitterdorfer, stefan melicha,

nikolaus Letter, Bernadette unterluggauer, Josef rauter (rts trocknungstechnik)

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primoz eiselt (plasmait)

SANDSTRAHLEN AUF ATOMAREM NIVEAU

seit der attraktive Großbildfernseher in

Österreichs Wohnzimmern einzug gehalten hat,

ist uns »plasma« ein Begriff. Die wenigsten

wissen jedoch, dass plasma ein aggregatzustand

ist, der der gasförmigen zustandsgröße zuzuordnen

ist. experte in sachen plasma ist das

vier mann hohe Kleinstunternehmen plasmait,

beheimatet im steirischen Lebring in der nähe

von Graz. Das hightech-unternehmen produziert

apparate, die Drähte, rohre und andere endlosmaterialien

reinigen und thermisch behandeln

können, ohne den ursprünglichen zustand

der behandelten materialien zu verändern.

sie verwenden dazu die plasmatechnologie.

Das prinzip des »sandstrahlens auf atomarem

niveau« schafft chemisch reine oberflächen

und äußerst feine strukturen, eigenschaften, die

bei nachfolgenden Beschichtungen des materials

unverzichtbar sind. im zuge der perfektionierung

der plasma-apparate wurde das zentrum für

elektronenmikroskopie Graz (zFe) beauftragt,

die isolierrohre der anlage zu optimieren, was

wesentlich zur verfahrensoptimierung beitrug.

Die ausgezeichneten projekte legen

zeugnis ab von der Kreativität und innovationskraft

der kleineren unternehmen. Gerade dann,

wenn es um angewandte Forschung geht, sind

es die kleinen und mittleren Betriebe, von denen

der anstoß zu Forschung und innovation ausgeht.

Der Kooperationspreis der aCr 2008

wurde in Kooperation und mit unterstützung des

Bundesministeriums für Wirtschaft, Familie und

Jugend (BmWFJ) vergeben.

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