NEW YORK - Baker & McKenzie

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NEW YORK - Baker & McKenzie

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NEW YORK

Einige Tage vor meinem ersten New

York-Besuch überhaupt breitete ich einen

Stadtplan von Manhattan vor mir

aus. Ich suchte darauf meine Unterkunft

und das Bürogebäude von Baker &

McKenzie, in dem ich für die nächsten

drei Monate meine Wahlstation absolvieren

würde. Was ich auf dem Stadtplan

sah, steigerte meine ohnehin große Vorfreude

binnen Minuten. Meine Unter-

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kunft befand sich in derselben Straße

wie das Empire State Building. Zudem

war sie nur eine Parallelstraße vom Madison

Square Garden und nur rund zehn

Minuten Fußweg von Macy’s entfernt.

Auch mein Arbeitsweg sollte relativ kurz

sein. Die Kanzleiräume von Baker &

McKenzie liegen in einem Bürogebäude

neben dem Bryant Park und der Public

Library. Nicht weit davon entfernt befin-

den sich der Times Square, die Radio City

Music Hall und das Rockefeller Center.

Dann war es soweit. Mein Flugzeug

landete spät abends auf dem JFK Flughafen.

Ich setzte mich in ein Taxi, das

mich zu meiner Wohnung brachte. Die

Fahrt dauerte etwas über eine Stunde.

Und auf einmal war ich mitten im Big

Apple. Eine fantastische Zeit stand mir

bevor.

Foto: Susann Harder


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Wahlstation in New York

– the city that never sleeps

WAHLSTATION

Ich kannte Baker & McKenzie inzwischen recht gut: Während meiner Anwaltsstation

in der Banking & Finance-Gruppe im Frankfurter Büro nahm

mich die Kanzlei im Sommer 2011 in ihr Career Mentorship Programme auf.

Im Rahmen dieses Programms werden neben vielen anderen Fähigkeiten

auch Fremdsprachenkenntnisse durch Englischkurse und Auslandsaufenthalte

gefördert. So kam es, dass ich auch meine Wahlstation von Januar bis März

2012 bei Baker & McKenzie absolvierte – diesmal in New York.

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NEW YORK

An der Kreuzung des Broadway mit der

Fifth Avenue steht das Flatiron Building

Foto: Newyork.de/Ulrike Graeff

Wohnen in New York

Ich hatte mich wegen der relativ kurzen

Dauer meines Aufenthaltes zuerst

via Internet auf die Suche nach einem

möblierten Studioapartment gemacht.

Schnell musste ich aber feststellen, dass

diese gut und gerne 2.500 US-Dollar pro

Monat kosten und wegen der hohen

Nachfrage schnell vergriffen waren.

Als vergleichsweise günstige Alternative

dazu bot sich eine Unterbringung

im Webster Apartment an (www.websterapartments.org).

Ein Zimmer kostete

pro Woche rund 300 US-Dollar – Frühstück

und Abendessen inklusive.

Das Webster Apartment ist eine Unterkunft

ausschließlich für Frauen, die

sich wegen eines Praktikums oder Jobs

für ein paar Wochen oder Monate in

New York aufhalten. Das Äquivalent für

die Herren ist das Kolping House

(www.kolpingny.org). Da viele dieser

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Frauen, so wie ich

auch, keine Bekannten

in New York hatten,

fanden wir uns sehr

schnell in kleinen

Gruppen zusammen

und haben die Stadt

und das Nachtleben

gemeinsam erkundet.

Das Haus selbst ist

zwar sehr alt und die

Zimmer sind relativ

klein, aber trotzdem

haben die Räumlichkeiten

ihren Charme.

Außerdem stellt man

schnell fest, dass man

sich sowieso nur zum

Essen und Schlafen

dort aufhält, weil man

ständig unterwegs ist.

In der Kanzlei

An meinem ersten

Arbeitstag bei Baker &

McKenzie erlebte ich

eine tolle Überraschung.

Als mich eine

Mitarbeiterin aus der

Personalabteilung nach einer freundlichen

Begrüßung zu meinem Büro führte,

konnte ich meinen Augen kaum

trauen. Besser hätte ich es nicht treffen

können: Mein Büro befand sich in der

44. Etage des Grace Buildings, einem Bürokomplex

am Bryant Park. Die gesamte

Außenwand des Zimmers war verglast.

Von dort aus hatte ich einen traumhaften

Blick über New York und auf das

Chrysler Building. Ich muss zugeben,

dass es mir die ersten Tage ein wenig

schwer viel, mich bei diesem Ausblick

auf die Arbeit zu konzentrieren.

Kurz nachdem ich mich mit meinem

Arbeitsplatz vertraut gemacht hatte,

lernte ich meine neuen Kollegen aus

dem Banking & Finance-Team kennen.

Neben einer umfassenden Einführung zu

den Arbeitsabläufen versorgten sie mich

mit vielen Informationen über gute Restaurants,

angesagte Bars, tolle Sightseeingstationen

und diverse Freizeitaktivitäten.

Bei gemeinsamen Mittagessen

konnte ich zudem viel von ihnen über

das tägliche Leben in New York und die

juristische Ausbildung erfahren.

Interessant war auch der Kleidungsstil.

Der in den Kanzleiräumen geltende

Dress Code war Casual Business: Anzug

oder Kostüm waren also keine Pflicht,

Jeans gehörten jedoch nicht mehr dazu.

Dazwischen war so ziemlich alles erlaubt,

was der beruflichen Qualifikation

entsprach und der Arbeit in einer Kanzlei

angemessen war. In regelmäßigen

Abständen wurde jedoch ein sogenannter

„Jeans Day“ ausgerufen. An diesen

Tagen durfte jeder, der einen gewissen

Geldbetrag in eine Kasse einzahlte,

Jeans tragen. Das Geld wurde über einen

längeren Zeitraum gesammelt und einer

gemeinnützigen Einrichtung gespendet.

Ich fand die Idee sehr gut und habe gerne

mitgemacht.

Fachlich konnte ich vor allem an Projekten

mit internationalem, vorrangig

amerikanisch-deutschem Bezug mitarbeiten.

Die Aufgabenstellungen waren

relativ breit gefächert. Zu ihnen gehörte

beispielsweise die Vorbereitung einer

Due Diligence im Vorfeld einer grenzüberschreitendenUnternehmensübertragung.

Ich durfte mich aber auch

rechtsvergleichend mit Fragen zur Vertragsgestaltung

bei Verbriefungstransaktionen

auseinandersetzen.

Interessant war für mich festzustellen,

wie unterschiedlich dieselben Rechtsmaterien

geregelt sind. Während in Europa

und speziell in Deutschland fast alles in

Gesetzesform gebracht wurde, sind ganze

Rechtsmaterien im US-Recht entweder

durch Gesetz oder richterliche Entscheidungen,

aber meistens nur partiell

geregelt. Das lässt teilweise großen Gestaltungsspielraum,

verlangt dem Bürger

und dem Unternehmen aber auch viel Eigenverantwortung

ab.

In der Kanzlei gab es außerdem viele

Fortbildungsmöglichkeiten. Man konnte

seine fachlichen und sozialen Fähigkeiten

sowohl durch die Teilnahme an regelmäßig

angebotenen Vorträgen als

auch durch speziell im Intranet zur Verfügung

gestellte Trainingsmodule verbessern.

Eine Stadt mit vielen Facetten

Eines ist New York in jedem Falle nicht:

langweilig! Die Stadt fordert förmlich

dazu heraus, sie zu entdecken. Man ist

einem ständigen Drang ausgesetzt, im-


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mer mehr sehen und erleben zu wollen.

Ich möchte New York als krass beschreiben.

Das ist wohl der Begriff, der

meine Eindrücke am besten trifft und

trotzdem so unkonkret ist, dass er Spielraum

für die vielen, teilweise gegensätzlichen

Superlativen lässt, die ich hier angetroffen

habe. New York ist überwältigend,

weil es sowohl riesig als auch sehr

facettenreich ist. Es kann im einen Moment

ganz besonders schön und im

nächsten sehr hässlich sein. Die Stadt ist

anziehend und abstoßend zugleich. Es

treffen so viele verschiedene Einflüsse

auf engstem Raum geballt aufeinander,

dass sie teilweise sogar überfordernd

wirken können. Man fühlt sich innerlich

aufgewühlt, findet keine Ruhe und bekommt

trotzdem nicht genug davon.

New York hat mich hinsichtlich des

Lärmpegels sehr überrascht. In einer

Stadt, in der rund 8 Millionen Menschen

leben und in die jährlich mehrere Millionen

Besucher kommen, kann es zwangsläufig

nie ganz ruhig sein. Während ich

mich an einigen Orten aber einem ohrenbetäubenden

Lärm ausgesetzt fühlte,

– was nicht nur an den vielen Menschen,

Autos und Baustellen lag, sondern

auch an den ständig zu hörenden Sirenen

von Polizei, Feuerwehr und Krankenwagen

–, konnte ich mich manchmal

nur ein paar Blocks weiter in einer sehr

ruhigen Umgebung wiederfinden, wo

ich diese Ruhe gar nicht erwartet hatte.

Beeindruckend war unter anderem die

Atmosphäre im Grand Central Terminal.

Obwohl dort enorm viele Menschen unterwegs

waren, verlor sich die Geräuschkulisse

im Raum. Es hatte sogar etwas

Entspannendes, sich darin aufzuhalten.

New York – famous as a place of

movie scenes

Selbst wenn man noch nicht dort war,

hat man das Gefühl, schon viel von New

York zu kennen. Wohl jeder von uns hat

ein Bild von der Freiheitsstatue, dem

Central Park, dem Empire State Building,

dem Guggenheim Museum, der Brooklyn

Bridge, dem Times Square und vielen

weiteren Sehenswürdigkeiten in seinem

Kopf. Das mag daran liegen, dass es die

berühmteste Filmkulisse der Welt ist, sich

also zahlreiche Bilder via Kino und TV in

unsere Köpfe eingebrannt haben.

Als ich nach New York kam, hatte ich

zwar auch viel gelesen und gehört, aber

trotzdem keine konkrete Vorstellung

von der Stadt. Eines wurde mir jedoch

schnell klar: New York während eines

einzigen Aufenthaltes tatsächlich kennen

lernen zu können, ist unmöglich. Es

bietet so viel, dass man gar nicht weiß,

wo man anfangen soll. Allein mit der

Besichtigung der bekanntesten Sehenswürdigkeiten

in Manhattan kann man

Tage oder sogar Wochen verbringen.

Dazu kommen Sportevents, Musicals,

Konzerte, Bars, Clubs, unzählige Shoppingmöglichkeiten

und die vier weiteren

Stadtteile Brooklyn, Bronx, Queens

und Staten Island.

Während meines Aufenthaltes war ich

ständig unterwegs. Ich habe mich bemüht,

möglichst viele und möglichst verschiedene

Dinge zu unternehmen, um

die relativ kurze Zeit so intensiv wie

möglich zu nutzen. Wenn ich mich zu-

InfoRMATIon onEn n nEW YoRK | USA

WAHLSTATION

rück erinnere, weiß ich auch, dass ich

unheimlich viel erlebt habe. Trotzdem

begleitet mich ständig ein Gefühl, als

hätte ich ganz viel verpasst. Einige Mitbewohnerinnen

aus dem Webster

Apartment sagten mir kurz vor ihrer Abreise,

dass es ihnen genauso geht. Vielleicht

haben wir viel verpasst. Vielleicht

war die Zeit auch einfach nur zu kurz.

Sie ist in jedem Falle viel zu schnell vergangen.

Aber auch hier gibt New York den Anreiz,

wieder zu kommen, um noch mehr

an und in der Stadt zu entdecken. Ich

werde es auf jeden Fall tun …

Susann Harder

Die Autorin ist Mentee des Career Mentorship Programme

von Baker & McKenzie. Sie verbrachte von Januar bis März

2012 ihre Wahlstation im New Yorker Büro der Kanzlei.

Weitere Berichte von interessanten Stationen finden

Sie auf unserer Internetseite www.juramond.de/de/

juramond-referendariat.php.

Wo waren Sie in der Wahlstation? Stellen Sie Ihre Stage

vor und schreiben Sie an jurajournal@juramond.de!

Informationen im Internet: Hilfreiche Reiseinformationen über New York unter www.newyork.de, Informationen

über die Kanzlei unter www.bakermckenzie.com und www.bakercareers.de.

Anschrift und Bewerbung: Bewerbungen für Praktika und Referendarstagen an Sandra Schmidt, Baker

& McKenzie, Bethmannstraße 50 – 54, 60311 Frankfurt am Main, sandra.schmidt@bakermckenzie.com.

Aufenthaltserlaubnis: Für die Stage in den USA ist ein J1-Visum erforderlich. Informationen dazu gibt

es auf der Website http://german.germany.usembassy.gov/germany-ger/visa/austauschvisum.html. Voraussetzung

für das Visum ist das certificate of eligibility (DS-2019) einer Sponsororganisation (z. B. der German

American Chamber of Commerce in New York, www.gaccny.com/in dex.php?id=404&L=15). Nach Bezahlung

der SEVIS-Gebühr (Formular I-901, www.fmjfee.com/i901fee) kann der Interviewtermin bei der Botschaft

(Clayallee 170, 14195 Berlin) oder einem der Konsulate in Frankfurt a. M., Düsseldorf, Hamburg, Leipzig

und München (www.usconsulate.de) beantragt werden. Die Gesamtkosten für den „Legal Sponsor“, der den

Aufenthalt überwacht, das Konsulat und das Department of Homeland Security betragen über 500 Euro.

Sprachkenntnisse: Sehr gute Englischkenntnisse in Wort und Schrift erforderlich.

Unterkunft: Die Ständige Vertretung bei den UN bietet eine Liste mit Unterkünften an, siehe www.newyork-un.diplo.de/Vertretung/newyorkvn/en/06/UnterkunftslistePDF,property=Daten.pdf.

Beliebte Unterkünfte

sind das International House (www.ihouse-nyc.org), das Kolping-Haus (nur Männer, www.kolpingny.com)

und die Webster Apartments (nur Frauen, www.websterapartments.org). Hilfreich bei der Wohnungssuche

sind die Websites www.studenthousing.org, www.craigslist.com, www.nyhabitat.com.

Krankenversicherung: Das Vorliegen einer Auslandskrankenversicherung, die die Rückführung im

Sterbefall garantiert (repatriation clause), ist Voraussetzung für die Erteilung des Visums. Eine solche Versicherung

wird z. B. vom ADAC angeboten. Weitere Informationen auf der Website www.adac.de. Eine Auslandsreisekrankenversicherung

genügt nicht.

Sonstiges: Die Landeswährung ist der US-Dollar (ein Dollar = 0,76 Euro, ein Euro = 1,30 Dollar/Stand:

09.05.2012). Bargeldzahlungen sind in New York grundsätzlich überall möglich, eine Kreditkarte ist jedoch

sehr hilfreich. Bargeld kann man mit EC-Karten und Kreditkarten an den überall vorhandenen Geldautomaten

(ATH) abheben, bei Partnerbanken der jeweiligen deutschen Banken ist das teilweise sogar gebührenfrei

möglich. Restaurants haben ein ähnliches Preisniveau wie hierzulande. Es gibt zahlreiche Anbieter,

die mittags gutes Essen zu relativ günstigen Preisen anbieten.

Weitere Stationsmöglichkeiten in New York sind z. B. bei Terry Myers, Esq., Gibbons P.C., One Pennsylvania

Plaza, 37th Floor, New York, NY 10119-3701, USA, tmyers@gibbonslaw.com, www.gibbonslaw.com/

careers/referendare.php oder auch bei Eaton and Van Winkle LLP, 3 Park Avenue, New York, N.Y. 10016,

USA, Telefon: (212) 561-3627, cfewell@evw.com, www.evw.com, möglich.

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