Ein Bitterstoff, der Muskeln entspannt - Die PTA in der Apotheke

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Ein Bitterstoff, der Muskeln entspannt - Die PTA in der Apotheke

menspatin ist eine Frau, die vor mehr als

350 Jahren das Zeitliche gesegnet hat,die

Gattin des Vizekönigs von Peru, Gräfin de

Chinchón. Eine Ureinwohnerin soll die

hohe Dame mit Chinarinde von der Malaria

geheilt haben. Obwohl diese Anekdote

nach Ansicht der Historiker in das

Reich der Legenden gehört,hatte Carl von

Linné die Geschichte wohl vor Augen, als

er den Namen Cinchona officinalis vergab.

Auf die Gräfin zurückzuführen ist

auch das Synomym Gräfinnenpulver, andere

lauten Jesuitenpuder, aber auch Kina-Kina-

und Kardinalspulver.

Chinin-Produktion Im Zuge der ausgeprägten

Kolonialisierung Afrikas und

Asiens und der damit notwendig gewordenen

Bekämpfung der Malaria stiegen

Bedarf und Preis der Chinarinde sprunghaft

an. Anbau und Handel mit dem begehrten

Produkt hatten bald die Niederländer

fest in der Hand. Vor allem im damaligen

Niederländisch-Indien fanden

sich günstige Klimabedingungen,um den

nun bereits von der Ausrottung bedrohten

Baum zu kultivieren. Zu Beginn des

vorigen Jahrhunderts waren auf Java von

der Anpflanzung chininreicher Cinchonabäume

über professionelle Analysen

der China-Alkaloide bis hin zur Verpackung

alle Produktionsabschnitte bis ins

Detail ausgereift. 1930 kamen 97 Prozent

des Weltbedarfes an Chinin von der indonesischen

Insel. Nach der Besetzung der

Kolonie 1942 durch die Japaner ging deren

Vormachtstellung als Chininlieferant

verloren. Weitaus schlimmer jedoch war

die Tatsache, dass durch die japanische

Eroberung die Vereinigten Staaten samt

ihrer Alliierten fast völlig von der Chininversorgung

abgeschnitten waren. Es sollen

mehr amerikanische Soldaten an Malaria

verstorben sein, als durch japanische

Kugeln getötet wurden! Durch die

Entwicklung synthetischer Antimalariamittel

wurde die Erfolgsgeschichte des

Chinins vorerst beendet. Erst in den letzten

Jahren wird es auf Grund von Resistenzen

gegen andere Substanzen wieder

verstärkt in der Therapie der Malaria eingesetzt.

BITTER MACHT LUSTIG

Die Verwendung von Chinin in Lebensmitteln

ist in Deutschland gesetzlich geregelt.

Bei Erfrischungsgetränken darf

es bis zu einer Höchstmenge von 85 mg

pro Liter Fertiggetränk eingesetzt werden.

Es ist zwar nach deutschem Recht

kein Zusatzstoff,wird aber aus EG-rechtlichen

Gründen bei der Kennzeichnung

und in Bezug auf Reinheitsanforderungen

wie ein solcher behandelt. In Limonaden

dient es der geschmacklichen Abrundung

und sorgt für den erfrischendherben

Geschmack. Noch in einer Verdünnung

von 1 : 50 000 ist es zu schmecken.

Die erste Limonade mit Chinin

wird 1843 in New Orleans verkauft.

1870 „erfinden“ englische Offiziere in Indien

das Indian Tonic Water. Sie lösen eine

Chinin-Tablette in Wasser auf und geben

Limetten und Limonen dazu. Im

selben Jahr beginnt Schweppes mit seinem

„Tonic Water“ die Massenproduktion,

1957 kann das Getränk „Bitter Lemon“

auf den Markt.

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