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Johannisburger Heimatbrief 1975 - Familienforschung S c z u k a

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Archiv der Kreisgemeinschaft Johannisburg e.V. - <strong>Johannisburger</strong> <strong>Heimatbrief</strong> <strong>1975</strong><br />

Kreis<br />

Johannisburg<br />

Es leuchten tausend Seen<br />

in meinem Heimatland.<br />

Hast du sie je gesehen,<br />

ist liebend dein Herz entbrannt.<br />

JOHANNISBURGER-<br />

HEIMATBRIEF <strong>1975</strong><br />

=====================================<br />

Unser geliebtes Pilchen am Roschsee (1974)<br />

Sahst du sie träumend blauen,<br />

singt ewig davon dein Mund.<br />

Wer in Gottes Augen durft’ schauen,<br />

tut selig dies Wunder kund! Fritz Kudnig<br />

www.Kreis-Johannisburg.de


Archiv der Kreisgemeinschaft Johannisburg e.V. - <strong>Johannisburger</strong> <strong>Heimatbrief</strong> <strong>1975</strong><br />

www.Kreis-Johannisburg.de


Archiv der Kreisgemeinschaft Johannisburg e.V. - <strong>Johannisburger</strong> <strong>Heimatbrief</strong> <strong>1975</strong><br />

Liebe <strong>Johannisburger</strong>!<br />

Grüße unseres Patenkreises<br />

Schleswig – Flensburg<br />

Es gehört zu den guten Gewohnheiten Ihrer Kreisgemeinschaft, einmal<br />

im Jahr einen <strong>Heimatbrief</strong> herauszugeben, der über für Sie wichtige Ereignisse<br />

des vergangenen Jahres berichtet.<br />

Bedeutsam erscheint es mir hierbei, daß mit Geschichten und Abhandlungen<br />

aus der alten Heimat das Bindeglied zwischen den Mitgliedern<br />

der Kreisgemeinschaft aufrechterhalten wird, wobei in den letzten Jahren<br />

auch Berichte über Reisen in Ihre Heimat besonders geeignet erscheinen,<br />

die Erinnerungen wachzuhalten. Als Landrat Ihres neuen Patenkreises<br />

habe ich gerne den langgeübten Brauch übernommen, für Ihren<br />

<strong>Heimatbrief</strong> ein Grußwort zu schreiben. Dadurch bietet sich mir eine<br />

gute Gelegenheit, die persönlichen Bindungen zwischen Ihrer Kreisgemeinschaft<br />

und dem Kreis Schleswig-Flensburg, der manchen von Ihnen<br />

noch etwas fremd erscheinen mag, zu dokumentieren.<br />

Hierbei darf ich Ihnen mitteilen, daß über einen von Ihnen langgehegten<br />

Wunsch, nämlich eine Heimatstube für den ehemaligen Kreis Johannisburg<br />

einzurichten, vom Kreisausschuß Ihres Patenkreises positiv entschieden<br />

worden ist. Wir werden zusammen mit Ihrem Kreisvorstand in<br />

absehbarer Zeit die näheren Einzelheiten klären. Mit der Einrichtung einer<br />

Heimatstube würde auch ein ideeller Mittelpunkt für die <strong>Johannisburger</strong><br />

geschaffen, wie es die Patenschaftsurkunde aus dem Jahre 1954<br />

vorsieht.<br />

Während wir nach wie vor hoffen, daß uns ein dauerhafter Friede beschert<br />

sein möge, müssen wir feststellen, daß in vielen Teilen der Welt<br />

die kriegerischen Auseinandersetzungen nicht abreißen. Immer noch<br />

müssen viele Menschen täglich ihre Heimat verlassen und müssen Hunger<br />

leiden.<br />

Das Schicksal dieser Menschen wird sicher gerade von Ihnen besonders<br />

nach-empfunden. Nach meiner Meinung könnte daher auch eine besondere<br />

Rechtfertigung Ihrer Arbeit darin liegen, mitzuhelfen, das Gewissen<br />

der Umwelt gegen Gewalt und Unrecht aufzurütteln.<br />

Ich möchte dieses Grußwort nicht schließen, ohne der Kreisgemeinschaft<br />

als solcher, aber auch jedem einzelnen von Ihnen, für das kommende<br />

Jahr aufrichtig alles Gute zu wünschen. Ich hoffe sehr, daß Sie von den<br />

wirtschaftlichen Schwierigkeiten,- die nun auch vor unserem Land nicht<br />

halt machen, verschont bleiben mögen.<br />

Mit meinen Wünschen gebe ich der Hoffnung für eine weitere gedeihliche<br />

Zusammenarbeit zwischen der Kreisgemeinschaft Johannisburg und<br />

Ihrem Patenkreis Ausdruck.<br />

gez. Dr. Korthals<br />

Landrat<br />

www.Kreis-Johannisburg.de<br />

1


Liebe <strong>Johannisburger</strong> Landsleute!<br />

Auch diesen <strong>Heimatbrief</strong> begleiten meine Grüße an die Kreisangehörigen. Lassen Sie<br />

darüber hinaus mich über unsere Arbeit berichten.<br />

Das letzte Jahr brachte uns erneut Beweise guter Zusammenarbeit mit unserem Patenkreis,<br />

ohne dessen Mithilfe unsere Arbeit in dieser Form nicht möglich wäre Auch<br />

der zusammengelegte Landkreis Schleswig-Flensburg hat die Patenschaft über die<br />

Kreisgemeinschaft Johannisburg uneingeschränkt übernommen. Hierfür haben wir<br />

besonderen Dank zu sagen Herrn Kreispräsidenten Franzen und Herrn Landrat Dr.<br />

Korthals. Der Dank gilt auch den Angehörigen aller Parteien im neuen Kreistag. In<br />

diesem ist die Frage des Patenschaftsverhältnisses nicht durch den Umstand getrübt<br />

worden, daß wir Heimatvertriebenen der Form und dem Inhalt der Ostpolitik der Bundesregierung<br />

nicht zustimmen konnten. Besonderer Dank gilt auch Herrn Oberamtsrat<br />

Autzen für seine langjährige erfolgreiche Unterstützung bei der Abwicklung der Patenschaft.<br />

Der Kreisausschuß hat ihn zum Ehrenmitglied der Kreisgemeinschaft ernannt.<br />

Im letzten Jahr konnten wiederum vier Kreistreffen durchgeführt werden. Hierbei zeigt<br />

sich eine immer deutlicher werdende Ausbildung des Dortmunder Treffens zum<br />

Haupttreffen. Sorgen macht uns weiterhin das Treffen in Hannover. Die Schwierigkeiten<br />

in der Organisation werden nur durch aktive Mithilfe einiger in der Nähe von Hannover<br />

wohnender Kreisangehöriger behoben werden können. Einige Schülertreffen<br />

haben vielen Landsleuten weiteren Auftrieb gegeben.<br />

Zu beklagen haben wir den Tod vieler verdienter Landsleute. Stellvertretend gedenken<br />

wir des Kreisältesten Carl Bongarts aus Gehlenburg, des Kreisausschußmitglieds<br />

Robert Michalzik aus Kronfelde und unseres Kassenprüfers Heinz Petersdorf aus<br />

Gehlenburg. Ihnen haben wir Dank zu sagen für Ihre Verdienste um die Kreisgemeinschaft.<br />

Meinen Mitarbeitern gilt mein persönlicher Dank für die gute Zusammenarbeit. Trotz<br />

Überlastung eines jeden von uns wollen wir auch die noch ausstehende Arbeit erledigen.<br />

Hierfür bitten wir die Betroffenen um Verständnis und Geduld. Mit den besten<br />

Wünschen für Ihr Wohlergehen und mit heimatlichen Grüßen<br />

2<br />

Archiv der Kreisgemeinschaft Johannisburg e.V. - <strong>Johannisburger</strong> <strong>Heimatbrief</strong> <strong>1975</strong><br />

Ihr Gerhard Wippich<br />

Kreisvertreter<br />

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Johannisburg 1974


Archiv der Kreisgemeinschaft Johannisburg e.V. - <strong>Johannisburger</strong> <strong>Heimatbrief</strong> <strong>1975</strong><br />

Dieser <strong>Heimatbrief</strong> ist besonders unseren Landsleuten aus Arys und Umgebung gewidmet.<br />

Arys<br />

von Fritz Steiner (von 1935—1945 in Arys)<br />

Nimmer kann ich dich vergessen<br />

Kleine Stadt am Arys-See<br />

Wenn mich die Gedanken fressen<br />

Sei's in Freude oder Weh.<br />

Viele reichbeschenkte Stunden<br />

Hab' ich bei dir zugebracht,<br />

Habe Arbeit dort gefunden<br />

Und die hat mich froh gemacht.<br />

Daran muß ich immer denken<br />

Jetzt in der Erinnerung<br />

Und in diese mich versenken.<br />

Damals war ich ja noch jung.<br />

Und so geht auch heut' mein Sinnen<br />

Zu dir liebe, kleine Stadt,<br />

Die mir ja ein Neubeginnen<br />

Und viel Glück gegeben hat!<br />

Bei dir gab's auch viel zu sehen,<br />

Jeden Tag jahrein, jahraus,<br />

Dort, wo die Kasernen stehen,<br />

Wo man kannte jedes Haus.<br />

Wo man schritt vertraute Straßen,<br />

Wo man Uniformen sah.<br />

Kirche in Arys<br />

(Aufn. 1974)<br />

www.Kreis-Johannisburg.de<br />

Niemals wird bei mir verblassen<br />

„Budda” und „Amerika”.<br />

Mittelpunkt für unser Städtchen<br />

War der Truppen-Übungsplatz<br />

Und gar manches nette Mädchen<br />

Fand so seinen Lebens-Schatz.<br />

Kleinstadtluft, Soldatenstrenge,<br />

Wo ein jeder jeden kannt',<br />

Manchesmal auch eine Enge ...<br />

Dort gab's auch viel Wald und Sand.<br />

Und so lebten wir zufrieden<br />

Unser kleines Erdenglück,<br />

Was uns wurde dort beschieden<br />

Daran denk' ich gern' zurück!<br />

Doch wir mußten dich verlassen.<br />

Das war eine schlimme Zeit!<br />

Wandern unbekannte Straßen:<br />

Flüchtlingselend, Flüchtlingsleid!<br />

Dreißig Jahre sind entschwunden,<br />

Als wir mußten von dir geh'n.<br />

Vieles hat man überwunden.<br />

Es gibt doch kein Wiedersehn!<br />

Fritz Steiner<br />

3


Arys<br />

Aryssee — Strandbad Waldfrieden<br />

4<br />

Archiv der Kreisgemeinschaft Johannisburg e.V. - <strong>Johannisburger</strong> <strong>Heimatbrief</strong> <strong>1975</strong><br />

An der Seufzerbrücke<br />

Marktplatz mit Amtsgericht<br />

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Archiv der Kreisgemeinschaft Johannisburg e.V. - <strong>Johannisburger</strong> <strong>Heimatbrief</strong> <strong>1975</strong><br />

Zum Kirchbild von Arys<br />

(Aus der <strong>Johannisburger</strong> Chronik)<br />

Am Ende der Ordenszeit (etwa um 1500) noch eine „Tochterkirche” von Eckersberg.<br />

Seit 1539 einen eigenen Pfarrer. Ein verputzter Feldsteinbau aus den ersten achtziger<br />

Jahren des 16. Jahrhunderts. Oberbau des Kirchenschiffes und der an der Westseite<br />

vorgelegte Turm sind in der Mitte des 17. Jahrhunderts erbaut bzw. erneuert worden.<br />

1872 wurden Turm und Kirche wiederhergestellt und das Gotteshaus ausgemalt. Der<br />

fünfteilige Ostgiebel hat Rundbogenblenden. Im Innern tragen hölzerne Pfeiler mit langen<br />

Unterzügen die flache Holzdecke, die 1937/38 bemalt worden ist. Die Schmuckformen<br />

der Emporenbrüstungen gehören der Mitte des 17. Jahrhunderts an.<br />

Der aus derselben Zeit stammende Altar ist 1766 mit der 1596 aus dem Sechseck geschnitzten<br />

und 1638 reich staffierten Kanzel zum Kanzelaltar vereinigt worden. Die<br />

Tür zur Kanzeltreppe hatte die Inschrift:<br />

„Nachdem Gott der Allmechtige, peter molckern von dieser zergenglichen Welt abgefordert<br />

und zu Königsberg aufm Haberberge begraben liget, hatt er in seinem letzten,<br />

50 Mark geldt zu einer Cantzel in diese Kirche verehret, welche den Forder Clauß Jochen<br />

die Zeit Fischmeister zum Abriß auf seine Unkosten fertigen lasen. Anno 1596”.<br />

Am Fuße der Kanzel steht: „Der woll Edle, veste, manhafte Friedrich Palaski hat<br />

diese Canzel mit seinen Unkosten malen lasen.” Dazwischen ist sein Wappen aufgetragen:<br />

ein Ochsenkopf, darüber F. P. und darunter die Jahreszahl 1638.<br />

Vor 57 Jahren in Arys:<br />

Abfahrt der<br />

letzten Postkutsche<br />

Dieses Foto ist ein Zeitdokument besonderer Art. Es wurde am 6. Mai des Jahres 190x vor<br />

dem damaligen „Kaiserlichen Postamt“, dem späteren Gebäude für die Stadtverwaltung zur<br />

Vertreibung, aufgenommen. Der uns heute unbekannte Fotograf hielt den Augenblick der letzten<br />

Abfahrt der Pferdepost fest. Es begann bei der Post das' Zeitalter des Motors. Der Postillion<br />

hatte auch in Ostpreußen ausgedient. Und der Schall des Posthorns gehört ab diesem<br />

denkwürdigen Tage auf der dreißig Kilometer langen Postkutschenstrecke Arys - Lyck der romantischen<br />

Vergangenheit an.<br />

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5


Die Dorfkirche Eckersberg<br />

(Aus: Chronik von Johannisburg)<br />

Die ordenszeitliche Kirche war dem heiligen Bartholomäus geweiht. Das Gotteshaus<br />

steht auf dem Boden der ehem. Burg Eckersberg. Im Jahre 1799 wurde In den alten<br />

Ringmauern einer früheren Kirche aus Feldstein eine neue erbaut. Sie hatte im Innern<br />

eine Bretterdecke. Der Kanzelaltar stammte aus dem 17. Jahrhundert. Das<br />

letzte Gotteshaus entstand 1921. Ständer und Balken sind reich verziert und bemalt.<br />

Ein Gemälde, die Geburt Christi darstellend, ist eine Arbeit aus der Mitte des<br />

17. Jahrhunderts, es zeigt flämische Züge, ist aber schlecht erhalten.<br />

Evangelische Geistliche haben in Eckersberg mindestens seit 1541 gewirkt. Die letzten<br />

Geistlichen waren: Joh. Fr. G. Konschorrek 1896—1907, Friedrich Karl Mitzka<br />

1908—1910, Ernst A. Heinr. Sack 1910—1917, Erich Riedel 1933—1939, Johannes<br />

Kippke 1940—1941, Werner Ebert 1942—1945.<br />

Kirchenbücher sind seit 1776 geführt worden.<br />

Die messingene Taufschale mit dem Sündenfall und gotischen Minuskeln und lateinischen<br />

Majuskeln stammt aus dem 17. Jahrhundert. Die drei Glocken waren in<br />

den Jahren 1603, 1648 und die kleinste 1746 gegossen.<br />

— Eine dekorierte Inschrift-Tafel mit konsoletragendem Engel ist für Maria Robertin<br />

(t 1710) angefertigt worden. An der Ostwand der Kirche hingen das Bildnis des<br />

Pfarrers Johann Christoph Wannovius (t 1767) und ein Bild des Pfarrers Jakstein<br />

(t 1844),<br />

Evangelische Geistliche lassen sich seit 1539, die Pfarrstelle seit Mitte des 16.<br />

Jahrhunderts nachweisen.<br />

Die letzten 1. Geistlichen waren:<br />

Ernst August Heinrich Sack 1887—1910, Friedrich Karl Mitzka 1919—1929, Friedrich<br />

Foltin 1925—1933, Gerhard Woytewitz 1933—1945 (r Lübeck 1961)<br />

2. Geistliche:<br />

Ludwig Wilh. Paul Rosenow 1898—1909, Gottfried Bienko 1910—1917, Max Mehlfeld<br />

1921—1928, Hermann Ippig 1931—1944 (?)<br />

Die Kirchenbücher waren seit 1700 vorhanden, die evangelische Militärgemeinde<br />

führte Kirchenbücher seit 1895.<br />

Es fehlen jetzt noch die Bilderunterschriften, sie werden nach Rückgabe der Manuskripte<br />

nachgereicht.<br />

Ein Picknick auf der Wisocki-Insel<br />

Auf den größeren Inseln des Ary-Sees wird alljährlich Jungvieh zur Weide angesetzt,<br />

welches sich über Sommer selber überlassen bleibt und zum Teil verwildert und<br />

menschenscheu wird.<br />

Im Juli war's, noch vor dem Kriege,<br />

Bekam Herr August viel Besuch<br />

Und aus Berlin, wenn ich nicht lüge.<br />

Das Haus war voll, mehr als genug.<br />

An einem Sonntag hell und klar,<br />

Da war die Luft so wunderbar.<br />

Und wie die freien Wandervögel,<br />

Nach Budda gings mit Kahn und Segel,<br />

6<br />

Archiv der Kreisgemeinschaft Johannisburg e.V. - <strong>Johannisburger</strong> <strong>Heimatbrief</strong> <strong>1975</strong><br />

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Sprang ängstlich in des Baumes Äste.<br />

Die Gattin wollte eben baden,<br />

Und kroch mit splitternackten Waden,<br />

Auf einen alten Weidenbaum.<br />

Der Dame war das nicht zu traun!<br />

Im Kaddick saß des Hauses Herr:<br />

„Der Ochs zertrampelt das Gescherr!”<br />

„Ach, wer bezahlt mir diesen Schaden?<br />

Nun legt das Biest noch einen Fladen,<br />

Aufs neue Tischtuch und so viel! —<br />

Ich bleich das, Vattchen, mit Persil”,<br />

Rief Muttchen von der Weide munter,<br />

„Ach, jag den Ochs doch endlich runter!”<br />

Wiedersehen mit ARYS im Juni 1974<br />

Und schwer bepackt war der Kanu,<br />

Mit Wurst und Bier und ... (?)<br />

Ein Picknick sollt' den Ausflug enden,<br />

Schwer knarrt' das Ruder in den Händen.<br />

Und bei Wisocki endlich „Halt”.<br />

Ein nettes Plätzchen fand sich bald.<br />

Das Tischtuch breit, der Kaffee warm,<br />

So huckt im Gras der bunte Schwarm.<br />

Man schlürft den Mokka, raucht den Klee,<br />

Und prahlt den wunderbaren See. —<br />

Da brummt es dumpf wie ein Propeller,<br />

Schrill klirren Glas und Topf und Teller,<br />

Vier Kühe und ein junge Bulle,<br />

Und aus Berlin, der feine Gast, Die stürzen sich auf Mensch und Stulle,<br />

Schrie: „August, schnell, sonst bricht der Ast” Die Hörner tief, den Zagel hoch,<br />

Dann trollte sich das Rindvieh weiter. Und im Galopp, daß Erde flog.<br />

Und von den Bäumen froh und heiter, Und in der Herzensangst und Schrecken,<br />

Da kamen alle schnell zurück: Blieb manchem Wurst im Gurgel stecken.<br />

„Das war denn heute noch ein Glück!” — Das Picknick wurd' in Hast verlassen,<br />

Nur Muttchen hatt' die Knie beschunden. Weil Ochsen solchen Luxus hassen,<br />

Das wurde aber schnell verbunden. — Ein Vetter in der weißen Weste,<br />

Unsere Aryser Landsmännin Ella Glauß stellte diesen Bericht zur Verfügung. Eine<br />

ehem. Mitschülerin (H. D.) stellte ihn für uns zusammen.<br />

Wie wird es sein? Was hast du, liebe kleine Stadt, hergeben müssen bzw. behalten<br />

dürfen?<br />

Mit dem Bus von Lötzen einfahrend, überrascht der gute Zustand des Grundstückes<br />

Freytag, am Schienenübergang der Bahnstrecke Arys/Lyck, ebenfalls der Flachbau<br />

eines einstöckigen Wohnhauses auf dem Grundstück Brodowski ohne umrahmende<br />

Wirtschaftsgebäude. Verlassen wirkt Braunshof. Außer zwei Ställen und einem<br />

kümmerlichen Garten ist nichts vorhanden.<br />

Den Hof Wnuk schmückt auch kein Wohnhaus. Der Garten ist an die Chaussee verlegt<br />

und mit Eisenzäunen, wohl vom Friedhof stammend, eingefriedigt.<br />

Als Nachbar präsentiert sich ein nicht kleiner Betrieb, anscheinend ein Düngemittelhandel.<br />

Zur Feststellung der Firmenbezeichnung über dem Toreingang reichten<br />

meine polnischen Sprachkenntnisse nicht aus.<br />

Die linke Seite der Chaussee ist vom Anwesen Biesky bis zum Waffendepot unverändert.<br />

Die dazwischenliegenden Siedlungshäuser mit Gärten und Zäunen wirken gut<br />

bewirtschaftet. Langgestreckt, massig, bietet sich die Fassade des „Städtischen Heimes”<br />

dar. So groß, so freundlich, hatte ich das als Armenhaus gestempelte Gebäude<br />

nicht in Erinnerung.<br />

Das Miethaus Szesny auf der linken Straßenseite brachte mir den Bürobetrieb des<br />

alteingesessenen Obergerichtsvollziehers Schatz ins Gedächtnis.<br />

Das Haus Grigo, ohne das benachbarte Pfarrhaus, schaut trotz seiner notwendigen<br />

Farbbedürftigkeit erhaben auf die gegenüberliegende leere Straßenseite, denn das<br />

Magistratsgebäude und die Häuser Aranowski sind weg. Vom Haus Bienko, mit dem<br />

für Kinder interessanten Vorbau — versteckten wir uns dort nach<br />

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7


oshafter betätigter Klingelei, im Gerank des wilden Weins — steht auch nichts<br />

mehr.<br />

Überlebt haben das nebenstehende Miethaus Zahlmann, weiter die Häuser Gollenbek,<br />

Knapp-Purwien, Kizio, Schmidt. Die Giebel der Häuser Gollenbek,<br />

Knapp-Purwien (zur Straßenseite gekehrt), muteten mich wie freundliche Kindergesichter<br />

an.<br />

Die Bäckereien Sakowski und Kuczinski weisen leere Plätze vor.<br />

Im Hause Kizio residiert die Polizei. Aus der Geschäftsfront hat man eine Wohnhausfront<br />

gemacht. Kein Schild weist auf die Miliz hin. Ein Gefängnis befindet<br />

sich darin, geschaffen aus der Wohnung Nareijek. Viele vergitterte kleine Fenster<br />

ließen mich auf die Enge der Zellen schließen. Die alte Linde im Hofe steht nicht<br />

mehr auf ihrem Platz, auch nicht die rot blühende Kastanie im Garten. Unter<br />

ihrem Blätterdach hatte sie bei günstigem Winde Zuhörer der herüberschallenden<br />

Konzerte aus dem Offizierskasino-Garten.<br />

Im Hause Hermann Schmidt befindet sich, wie seinerzeit, ein Wirtschaftswarenund<br />

Lebensmittelgeschäft. Der Holzlichmast am Bürgersteig ist durch einen massigen<br />

Betonmast ersetzt. Warum ich das erwähne? Wie oft sah man den Mast in<br />

der Umarmung Alkoholgeschwächter! Lagen ja dort drei Bierstuben dicht beieinander.<br />

Der Garten Schmidt, wohl zum schönsten der Stadt zählend, ist eine<br />

Wildnis, unter-strichen noch durch die angrenzende Ruine der vor zwei Jahren<br />

abgebrannten Mühle Rutta. Die Häuser Zimath-Poppek, Slomma-Zahlmann sind<br />

in einem Bau größeren Formats gewichen. Dort sind das Standesamt und weitere<br />

Abteilungen der Gemeindeverwaltung untergebracht. Den Häusern Komossa,<br />

Heinrichowski schließt sich ein mehrstöckiger Neubau auf den Grundstücken<br />

Bottke und Czwalinna an. Die Kirche hat ihre gehabte Umgebung mit den drei<br />

großen Linden. Sie messen sich mit dem Turmdach. Die niedrige massive Einfriedigung,<br />

neu erstellt, hat keinen Durchgang zum Pfarrhaus über die Kanalbrücke<br />

und zur Bronsartstraße.<br />

Nun betrete ich die Kirche, in der ich konfirmiert wurde. Der Vorraum mit der<br />

alten eingemauerten Bank grüßt mich vertraut, auch die Treppe zur Empore,<br />

ebenfalls die Deckenmalerei im Kirchenschiff und die Orgel. Ganz umgestaltet ; st<br />

der Altarraum. Der farbarme Altaraufbau mit Balustrade und einer Standuhr an<br />

der Seite, alles eingerahmt von grauen Wänden, verlocken zu keiner Bewunderung:<br />

„Wie lieblich ist deine Wohnung, Herr Zebaoth.” Bedrückend ist der Anblick;<br />

ein Gefühl der Verlassenheit drängt sich in mein Herz. Noch verstärkter<br />

empfinde ich es, als ich draußen vor der Giebelseite der Kirche stehe und die<br />

verwirrende Geräumigkeit des Platzes sehe.<br />

Die fehlende Ecke Sentko, die fehlende Ecke Nippa-Bartlick geben den Blick frei<br />

bis zu den Häusern Abel, Borowy in der Gartenstraße.<br />

Wo man einst an Sczesny-Peylo, Grigutsch vorbeiging, steht heute ein großer<br />

„Kasten”. In seiner wenig ansprechenden Gestalt wirkt er wie ein Fremdkörper.<br />

Die Grünanlage vom Kanal bis zum Deutschen Haus setzt diesem Anblick nicht<br />

genug entgegen. Aber man kann bei dieser Beobachtung nicht stehen bleiben.<br />

Weiter führt der Weg an den Häusern Turowski (Fahrradgeschäft), Jendreyzik,<br />

Apotheke, Pawelzik entlang. Gegenüber stehen zwei gute Bekannte, das Haus<br />

Schlachtermeister Sczesny und das Deutsche Haus. Von den schönen Bauten,<br />

das Gericht und das Haus Dr. Peters / Kopka sind nichts vorhanden. Ein langgestreckter<br />

mehrstöckiger Neubau steht statt der Häuser Hoffmann-Nisch.<br />

Wer erinnert sich nicht an den Toreingang zwischen Pawelzik und Blumen-<br />

8<br />

Archiv der Kreisgemeinschaft Johannisburg e.V. - <strong>Johannisburger</strong> <strong>Heimatbrief</strong> <strong>1975</strong><br />

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Fischer? Er besteht, ist aber nicht mehr begrenzt durch die apostolische Kirche,<br />

wie früher. Anscheinend fand dieser sakrale Bau keine Verwendung.<br />

Bevor die verbreiterte Betonbrücke über den Grabenlauf der fehlenden Schmiede<br />

Linkner sichtbar ist, wird der Blick gefesselt von den gut erhaltenen Häusern<br />

Eilf, Flöther, kath. Pfarrhaus mit Kirche, inmitten einer schönen Gartenanlage.<br />

Die Häuser Teichert und Turrek sind auch noch da. Das zurückgebaute Haus<br />

Arthur Schilling und den Wirtschaftshof Adami kann man durch den dichten<br />

Baumbestand nicht deutlich sehen.<br />

Im häßlichsten Farbenkleid, das ich im Stadtbild sah, behauptet sich das Haus<br />

der Witwe Platzek. Lelewels Haus steht bescheiden, ohne den schattenspendenden<br />

'Baum da.<br />

Das Postbeamtenhaus bildet den Anschluß an die Häuser, die die Biegung nach<br />

Gronden säumen. Die Siedlungshäuser auf der anderen Seite tun das gleiche.<br />

Haus Kasper, der Saal der christlichen Gemeinschaft innerhalb der Landeskirche<br />

und das angrenzende Haus Pawlowski halten gute Nachbarschaft. Den Saal der<br />

Gemeinschaft dürfen die evangelischen Deutschen und eine griechische?? Gemeinde<br />

benutzen. Das Haus Pawlowski dient als Kindergarten.<br />

An der Schonung hat sich nichts verändert. Die in der Nähe stehenden Häuser<br />

fallen durch bessere Gardinen auf. Die Feststellung machte ich auch bei den<br />

Häusern an der Chaussee nach Stollendorf (Wirsbinnen.)<br />

Ob wohl das Knusperhäuschen überdauert hat? Nein, die Ecke ist leer. Das In<br />

der Nähe gestandene Kanalbaudenkmal mußte auch weichen. Wer stand dort<br />

nicht als Schüler in einer Heimatkundestunde!!<br />

Die ehemalige Pferdeschwemme ist eine gut ausgebaute Badeanstalt für die<br />

Stadtbewohner. Ein Anlegesteg für Boote ist auch da. Zu dieser Einrichtung<br />

führt ein Betonplattenweg hin. Budda und Amerika sind militärisches Sperrgebiet.<br />

Das weiße Haus auf Amerika existiert nicht mehr. Der Friedhof liegt verwildert<br />

da. Die neue Anlage, rechts am Wege nach Stollendorf (ehemal. Militärfriedhof),<br />

hat schon eine beachtliche Ausdehnung. Weiße Kreuze heben sich wirkungsvoll<br />

aus dem Grün.<br />

Und nun führt mein Weg in die Bronsart-Garten-Lager und Bahnhofstraße. Die<br />

linke Seite der Gartenstraße ist bis auf das Haus Pasuch häuserIeer. Dieses soll<br />

auch abgerissen werden. Am Anfang der Straße liegt ein moderner Kinderspielplatz.<br />

Auf der rechten Seite fehlen die Häuser: Blumengeschäft Mrotzek,<br />

Laddach, Danischewski. Das einstöckige Hofwohnhaus Laddach ist jedoch vorhanden.<br />

Klebba's Haus mit der hohen Treppe lehnt sich dicht an das im besten Farbanstrich<br />

strahlende Feuerwehrdepot an.<br />

Die Villa Neumann, noch immer mit dem vergoldeten Löwenkopf über dem Türeingang,<br />

ist Gesundheitsamt und Entbindungsklinik.<br />

Es lohnt sich, ein wenig auf der Kanalbrücke zu verweilen, sich an die elegante<br />

Schaufensteranlage und Auslage zu erinnern, des Kaufhauses Kienitz, zu vergleichen,<br />

was jetzt die polnische Mode bietet. Es ist nicht viel an Qualität und<br />

Quantität.<br />

Wie ein Wächter steht das zurückgebaute Wohnhaus Welt da. Aufgehäufte Erde<br />

bis zur Fußsteighöhe verbirgt die Spur der davorgelegenen Geschäftsräume. In<br />

die Gastwirtschaft Gehrmann, in das Obstgeschäft, in die Gastwirtschaft Brockmann,<br />

in das Fleischgeschäft Dembiany, in den Salon Dembiany kann kein<br />

Kunde mehr eintreten. Anstelle dieser Häuser stehen einstöckige neue Häuser,<br />

auch auf der anderen Straßenseite.<br />

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Von den Schulen ist nur noch die neue Schule vorhanden. Vor dem ersten Weltkrieg<br />

erbaut, war sie mit Schiebefenstern und Turnräumen im Keller ausgestattet.<br />

Am Schulhof ist nichts verändert. Von der leeren Ecke Hohenzollern<br />

schaut man in noch eine größere Leere, entstanden durch das Fehlen des Kinos,<br />

der Molkerei und der Speisewirtschaft, ferner durch das Kriegerdenkmal vorne.<br />

Die Kasernen bieten das altgewohnte Bild. Durch drei Tore kann man jetzt das<br />

Lagergelände betreten.<br />

In einem modernen Bau an alter Stelle wickelt sich jetzt der Postbetrieb ab. Die<br />

Straßenzeile: Scheunenhaus an der Post, über die militärischen Verwaltungsgebäude,<br />

Haus Victor Krüger, die Lücke Gärtnerei Priedigkeit und Genossenschaft,<br />

Haus Geltz mit anschließender Heeresbäckerei Haus Zopp (Sägewerk)<br />

Haus Peylo, fehlender Königlicher Hof, ist durch keinen Neubau verändert.<br />

Die <strong>Johannisburger</strong> Chaussee säumen die alten Bäume, die alten Häuser bis<br />

zum Feldschlößchen hin. Der Komplex Bierverlag Schmidt und die Städt. Mühlen-werke<br />

mit Villa ist in einem erstaunlich guten Zustand.<br />

Nach diesem Eindruck steht man aber erschüttert auf dem Gelände des Ehrenfriedhofes.<br />

Nichts deutet auf die einst so schön angelegte Stätte hin. Man würde<br />

wahrscheinlich nicht einmal ihre Stelle finden, wenn nicht die vorhandene Treppe<br />

auf sie hinwies.<br />

Zurück geht es an der Villa Kautz am dicht gelegenen Szaimosee. Sein Wasserspiegel<br />

glänzt im Sonnenschein. Er war unser Tummelplatz im Winter. Und nun<br />

der Bahnhof: An den roten alten Eisenbahnhäusern erreiche ich ihn. Totenstille<br />

in und um ihn. Kein Mensch zu hören, keine Waggons weit und breit zu sehen.<br />

Nur Blumenstreifen am Sperrzaun deuten darauf hin, daß wohl doch jemand zu<br />

seiner Wartung da ist und wohl auch noch bahnamtliche Dienste verrichtet werden.<br />

Als ich die Bahnhofstraße heraufgehe, kann ich noch nicht den Eindruck des<br />

Bahnhofgeländes abschütteln. Ob die Bewohner des Hauses Eglinski, die des<br />

Neubaues auf den Grundstücken Bohn, Fischer Dombrowski das Rattern und<br />

Pfeifen eines Zuges hören? Wie leblos ist der Ortsteil. Jetzt fällt mir auf, daß mir<br />

niemand begegnet ist.<br />

Ich wollte zuletzt das Wichtigste mitnehmen. Den Besuch der deutschen Familien.<br />

Vier fand ich in ihren ehemaligen Häusern. Bewegend war die Begrüßung<br />

und noch bewegender der Abschied. Durch Rundfunk, Nachrichten und Verwandte<br />

aus dem Westen sind sie über Politik und Wirtschaft bestens orientiert.<br />

Da ein Teil der Besuchten in der Verbindungsstraße zwischen Lötzenerstraße<br />

und Waffendepot wohnen — sie heißt jetzt Straße der Arbeiter — mit dem groß<br />

angelegten Gymnasium, entschloß ich mich der Nähe wegen, noch eine Erkundung<br />

bis zur Gasanstalt. Dort fehlt der Gasbehälter; allein steht ein Wohnhaus,<br />

daneben nur ein Siedlungshaus.<br />

Der Schlachthof soll eine moderne Einrichtung erhalten haben. Auf dem Gartengelände<br />

des Hofes Rauch steht eine Fabrik für irgendwelche Ersatzteile. Über<br />

100 Menschen haben dort einen Arbeitsplatz.<br />

In Gedanken habe ich Sie durch Arys geführt, so wie ich es erlebte. Es hat sich<br />

viel verändert. Die Natur jedoch nicht! Mancher würde seine Baumgruppe, seinen<br />

Wanderweg, seinen stillen Angelplatz, seine kleine Insel wiederfinden und<br />

beglückt feststellen:<br />

Unsere Heimat ist so schön<br />

12<br />

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Heut kam von lieber Hand geschrieben<br />

Zu uns ins Haus ein selten guter Gruß:<br />

„Wo sind die Jahre nur geblieben?”<br />

Schrieb herzlich grüßend sie am Schluß.<br />

Was ich schon längst vergessen wähnte,<br />

Das wurde plötzlich wieder hell und licht.<br />

Und als Erinnerung mich durchströmte,<br />

Entstand von selber dies Gedicht.<br />

Nun klingt das Lied aus fernen Zeiten<br />

Und singt und summt mir immerfort im Sinn,<br />

Und will mich durch den Tag begleiten,<br />

erinnert mich, wo ich auch bin.<br />

An unsre dunklen, grünen Wälder<br />

Und weite, tiefe blaue Seen,<br />

An reiche Wiesen, reife Felder,<br />

Und Blumen bunt am Wege stehn.<br />

Ich sah im Geist die kleinen Hütten,<br />

Die Straßen heiß und still im Sonnenlicht,<br />

durch die wir jugendfroh geschritten<br />

Mit sorglos frohem Angesicht.<br />

Wie gerne möcht ich wieder weilen<br />

Anm. der Redaktion:<br />

Am Aryssee — am stillen Waldesrand —<br />

Und singend durch die Wälder eilen<br />

Und jung sein im Masovialand.<br />

Ich würde dann die Silberstrahlen<br />

Der Sonne sehn in tiefer, dunkler Flut<br />

Am Abend wie zu vielen Malen,<br />

Und glücklich sein in Gottes Hut.<br />

Nur einmal noch in Jugendkreisen<br />

Die Augen leuchten sehen hell und weit<br />

Und singen unsre alten Weisen:<br />

„Kein schönres Land in dieser Zeit!”<br />

Jedoch die frohbewegten Stunden,<br />

Zwar unvergessen, sind doch weit entrückt.<br />

Was aber damals wir gefunden,<br />

War Heimat, die uns noch beglückt.<br />

Sind auch die Jahre schnell vergangen,<br />

Uns bleibt das Märchenland Erinnerung.<br />

Was kommen mag, trotz Angst und Bangen,<br />

Nur Zeit wird alt — mein Herz bleibt jung.<br />

Halle, den 12.12.1971<br />

Dieses Gedicht wurde von Herrn Dr. Reinhold Heling zur Verfügung gestellt. Sein<br />

Vater, der nach dem Krieg die ersten Aryser Treffen mit großer Begeisterung durchführte.<br />

erhielt es 1971 von einem seiner Freunde aus besonderem Anlaß.<br />

Am 23. Juni <strong>1975</strong> wird Herr Heling, früher Prediger in Arys, 80 Jahre alt. Wir gratulieren<br />

sehr herzlich und besonders die Aryser sagen ihm nochmals Dank für seine<br />

uneigennützigen Initiativen für das Zusammenkommen seiner Aryser. Weiteres Wohlergehen<br />

und Gesundheit wünschen wir ihm von Herzen!<br />

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Arys – Kurhaus Budda<br />

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Brücke nach<br />

Amerika<br />

„Feurig sank die Abendsonne,<br />

Und der Aryssee erglühte,<br />

Sanft errötend wie ein Jüngling,<br />

Wenn er um die Liebste anhält” —<br />

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(Aryser Chronik)<br />

In Eckersberg


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Unser Budda (Auszug aus der alten Aryser Chronik)<br />

Ich schreibe absichtlich „unser” Budda, denn erst jetzt nach dem Kriege Ist es unser,<br />

d. h. Allgemeingut aller Volksschichten der Stadt geworden. Es ist als ob man<br />

sich erst. jetzt darauf besonnen hätte, was man an dem Ausflugsort Budda hat. Die<br />

Ursache dafür ist nicht lange zu suchen. Vor dem Kriege fuhr derjenige, der es sich<br />

halbwegs leisten konnte, im Sommer ins Ausland, ins Bad oder machte eine Reise<br />

nach dem Rhein oder Rügen, zum mindesten aber nach Cranz. Heute sieht das Bild<br />

anders aus. Es herrscht eine bedrückende Geldknappheit. Man kann sich keine<br />

Sommerreise leisten und bleibt zu Hause. Und da fiel es vielen wie Schuppen von<br />

den Augen: „Kinder, unser Budda ist doch schön. Viel schöner .als im vorigen Jahre<br />

in .... usw. Nun werden wir uns ein Boot anschaffen und die freien Nachmittage<br />

oder den Sommer in Budda auf dem Aryssee zubringen.” Gesagt, getan. Das Boot<br />

ist bald da. Ein gewöhnliches Kielboot, ein Paddelboot, oder Segel, und wer es kann,<br />

sogar eins mit 1—5 PS. An schönen Nachmittagen, am Sonntag in aller Frühe und<br />

dann besonders am Nachmittag und Abend, wimmelt es in der Buddabucht von<br />

Wasser- und Rudersportlern aller Art. Wie die Hechte schießen die Dreier und Vierer<br />

der Aryser Rudermannschaft durch das Gewimmel der anderen Boote. Größere Familienkähne,<br />

schwer mit Proviant (Gebackenes und Flüssiges), und mit Tanten, Basen<br />

und Kindern schwer beladen, ziehen trägen Zuges nach der Roseninsel, um dort<br />

ein Waldpicknick abzuhalten. Bekränzte Boote mit Flaggenschmuck und besetzt mit<br />

Soldaten und lustigen Mädels, rudern fröhlich nach der Verlobungsinsel und kommen<br />

abends beseligt im Scheine bunter Lampions zurück. Ratternd schieben sich<br />

flinke Motorboote über das Wasser dahin. Ihr Ziel ist der große Teil des Aryssees,<br />

weit hinter der Verlobungsinsel, wo er sich weitet wie ein Haff. Dort ist es bei Sturm<br />

nicht ganz geheuer, und schon so manch ein Bootsfahrer bangte dort für sein Leben,<br />

wenn bei Sturmstärke 8 die meterhohen wilden Wellen das Boot von Wasser<br />

schlugen und die menschliche Kraft am Steuer und Ruder machtlos wurde. Dann<br />

bleibt nichts anderes übrig, als so schnell wie möglich das Ufer zu erreichen und in<br />

mühseligem, stundenlangem Rudern nach Hause zu kommen. Segler schleichen bei<br />

schwacher Brise und kreuzen in der Buddabucht, um ihre Lavierungsmanöver zu<br />

zeigen. Sanft wölbt sich das weiße Segel, und am Topp flattert lustig der bleuweißrote<br />

Wimpel. Der Segler lehnt auf der Luvseite des Bootes in lethargischer Ruhe, die<br />

auf den nervenkranken Zuschauer beruhigender wirkt als „Nervosan”. Auf der Höhe<br />

aber, vor der Verlobungsinsel, wo der „Berg” auf dem Grunde des Sees ist, stehen<br />

zwei große Anglerboote mit Grundangeln beschäftigt. Ab und zu rufen sie sich ein<br />

„Petri Heil” zu, das weit über die Wasseroberfläche schallt und prosten sich zu. —<br />

Budda ist vor allem ein Kurort, wie ihm in dieser Güte wohl manch ein teuerer Badeort<br />

bedeutend nachstehen dürfte. Herrlich ist ein Spaziergang an der Nordseite<br />

des Arysees, wo ein schöner Fußsteig entlangführt. Noch schöner ist eine Promenade<br />

von der Hartwigmühle am Seeufer des einen Seezipfels entlang, bis man an die<br />

Landspitze gegenüber Budda gelangt. Freilich muß man dann einen Umweg über<br />

Wiersbinnen machen, oder sich von dem Wirt der Roseninsel übersetzen lassen. Bei<br />

ihm, Schmidt mit Namen, hat man Gelegenheit, sich nach dem anstrengenden, aber<br />

sehr gesunden Fußmarsch an allerhand Erfrischungen und delikaten Fischgerichten,<br />

zu gewisser Zeit auch an Erdbeeren zu erholen.<br />

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Wer kennt sich<br />

auf den Bildern wieder?<br />

Namen der Personen auf dem Schulbild:<br />

1. Reihe oben — von links nach rechts: Lotte Franz, Charlotte Pogarzelski, Edith<br />

Markuse verehel. Freund-Israel, Grete Warobioff? Irma Grinda, Margarethe Brust,<br />

Christel David, Hilde Großmann, Irma Unger, Grete Mroß, Hilde Schneider.<br />

2. Reihe: Gerda Spee, Elfriede Kurrek, Martha Tiede, Erna Mielke, Martha Strötzel<br />

(Platzek), Frl. Worbs — später Frau Welz, Helene Ulkan, Elisabeth Lipski, Martha?<br />

Sawatzki, Irma Krempf ...? Dudda.<br />

3. Reihe: Maria Grünky, Else Freitag, Erna Bohn, Gertrud Wischnewski?, Liesbeth<br />

Link, Eva Dittmann, Irma Brodowski, Lieselotte Dittmann, Ruth Foerstner, Traute Rosinski,<br />

Ursula Foerstnow, Liesbeth Dennig ...? Wischnewski??<br />

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<strong>Johannisburger</strong><br />

Heimattreffen '75<br />

7. September <strong>1975</strong>: Dortmund,<br />

Reinoldi-Gaststätte<br />

21. September <strong>1975</strong>: Hamburg, Haus des<br />

Sports, Schäferkampsallee Näheres erfahren<br />

Sie vie immer durch die Bekanntmachung<br />

im Ostpreußenblatt (Heimatteil).<br />

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Volksschule Offenau (Salleschen) mit Lehrer Hermann Schwesig (1931)<br />

Blick auf das Bild von oben links: 1. Reihe: Gertrud Retzko, Frieda Wenzek, Martha<br />

Schrdak, Herta Goronzy, Anna Orzechowski, Erich Scheiko, Walter Filipzik, Gustav<br />

Lotzmann, Wilhelm Marzinzik, Erich Hartwich, Ernst Schwittay.<br />

2. Reihe: Elfriede Fiukowski, Hildegard Gemballa, Gertrud Gemballa, Olga Hart-wich,<br />

Elfriede Trojan, Lena Sokolowski, Johann Zielinski, Heinz Plaga, Hans Rämsch, Otto<br />

Trojan, Kurt Chmielewski, Hans Hermann, Gustav Jorzik.<br />

3. Reihe: Elfriede Salamon, Wilhelmine Orzechowski, Elfriede Grasewski, Helene Kitzelmann,<br />

Ida Hartwich, Auguste Stefanski, sitzend: Lehrer Schwesig, Erich Salamon,<br />

Hans Strysio, Helmut Dudda, Reinhard Arndt, Helmut Fiukowski, Werner Konrad.<br />

4. Reihe: Hedwig Salamon, Herta Trojan, Herta Lotzmann, Elfriede Romeiko, Herta<br />

Romeiko, Herta Romeiko, Heini Grasewski, Fritz Fiukowski, Horst Dudda, Helmut Fiukowski,<br />

Anna Schudak.<br />

5. Reihe: Elfriede Hartwich, Margarete Pokroppa, Elfriede Gogoll, Gertrud Schwittay,<br />

Else Bohn (Tafel haltend), Hildegard Salloch, Erika Gesell, Elfriede Bohn und Helene<br />

Strysio.<br />

Sicher wird so mancher dieser Schüler nicht mehr am Leben sein.<br />

Kindergarten Arys - Sommerfest im Garten des Pfarrers Foltin (1932)<br />

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Sommerfest des Kindergartens im Pfarrgarten Foltin<br />

Männergesangverein Arys (1933)<br />

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Zur Aufheiterung<br />

Die Verauktionierung des Aryser Truppenlagers<br />

„Ist der Schnaps in Arys billig?<br />

„Geh'n die Weiber heut in Drillich?<br />

„Was ist da für Wagenklappern,<br />

„Was für Quaseln, was für Plappern?<br />

„Gestern wälzt sich um die Wette<br />

„Mann und Weiblein in dem Bette,<br />

„Stehen spät am Tage auf.<br />

„Das ist so in Arys Brauch.<br />

„Was gibst Neues in dem Städtchen?<br />

„Ist was Frisches für die Mädchen?<br />

„Budda tanzt mit Sang und Schalle,<br />

„Mägdlein schwingt das Bein zum Balle.<br />

„Und der Bürger, welterfahren,<br />

„Kraut bedenklich an den Haaren.<br />

Große Volksversammlung heut<br />

Auf dem Markt mit allen Leut.<br />

8 mal Ball und 8 mal Sitzung,<br />

Kappenfest und Krach und Schwitzung.<br />

Ach, wie ist's in Arys schön.<br />

Nobel muß die Welt vergehn.<br />

— Heute ist schon etwas Ios!<br />

Auf der Straße Klein und Groß,<br />

Alles rennt zum Lager hin,<br />

Omama und Enkelin.<br />

Will so billig etwas kaufen,<br />

Will im Wettbewerb sich raufen,<br />

Will nach Hause etwas bringen,<br />

Will den Zuschlag sich erringen. —<br />

In der Lagerstraße, dicke<br />

Spartakus und Bolschewicke,<br />

Demokrat und Sozialist,<br />

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Kriegsgewinnler, Jud und Christ,<br />

Alle drängen zur Auktion,<br />

Alle bieten. „Hat ihm schon!”<br />

Meilenweit sind sie gefahren,<br />

Einzeln, stellenweis zu Paaren.<br />

Lötzen, Lyck, Johannisburg,<br />

Pianken, Sdorren, Orteisburg,<br />

Lyzyjamy, Sachasch, Rostken,<br />

Oszywilken, Kessel, Prostken,<br />

Jeder will sich etwas retten,<br />

Nachttopp, Wagen oder Betten.<br />

Alles drängt in großen Massen,<br />

Alles kann kein Lager fassen.<br />

— Emil hat 'nen Affen sitzen,<br />

Kopf und Haare sieht man schwitzen,<br />

Hat gekauft `ne Ofenkelle,<br />

Dann eine Latrinenzelle,<br />

18 Gabeln von den Russen,<br />

Die er erst hat putzen mussen.<br />

Und ein Herr aus einem Wald (Ewald)<br />

Kauft' sich eine Lausanstalt! —<br />

Wagen, Karren, Schaufeln, Schippen,<br />

Pferdehufe, Schwänze, Krippen,<br />

Alte Zähne und Gardinen,<br />

Schweineborsten, tote Bienen,<br />

Alles kauft man wie verrückt,<br />

Froh, wenn nur der Zuschlag glückt.<br />

Ganz egal, ob teuer, billig,<br />

Ob gewaltsam oder willig,<br />

Ob mit Henkel oder Boden,<br />

Ob Papierstoff oder Loden.<br />

Froh zieht heimwärts im Triumpfe<br />

Mann und Frau meist mit — Gelumpe<br />

(Aryser Chronik)<br />

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ARYSer ehemalige Jugend gab sich ein „Stelldichein”<br />

nach dreißig Jahren<br />

(von Elisabeth Lipski)<br />

Was sich alle einmal sehnlichst wünschten, aber kaum zu hoffen wagten, wurde e n d<br />

l i c h Wirklichkeit. Im Abstand von nur sieben Monaten ergriffen gleich zwei Personen<br />

die Initiative (ohne daß bei Einleitung dieser Aktion einer vom Vorhaben des anderen<br />

wußte), um diesen gehabten Traum wahrlich zu erleben. Während das zuerst stattgefundene<br />

Treffen (Okt. 1973) rein privater Natur war, wurde das zweite Treffen (Mai<br />

1974) im großen Rahmen aufgezogen. Die Teilnehmerzahl auf Grund der ersten Einladung<br />

betrug 42 Personen, die der zweiten das Doppelte. Unter Berücksichtigung<br />

unserer kleinen Stadt von nur 4.000 Einwohnern zur damaligen Zeit, ist das eine sehr<br />

beachtliche Anzahl der vorwiegenden Jahrgänge 1920—1930, welche die Kosten und<br />

Mühen nicht scheuten, um von weit und breit (z. T. aus dem Ausland) zusammenzufinden;<br />

beide Male im Raum Düsseldorf.<br />

Die einzelnen Szenen, die sich bei der Wiedersehensfreude abspielten, sind in Worten<br />

nicht zu beschreiben.<br />

Zur besonderen Überraschung aller Anwesenden nahm am ersten Treffen der uns<br />

Arysern so bekannte und vertraute Lehrer und Rektor, Herr Paul Lelewel (schlicht<br />

„Paulchen” genannt) teil. Beim zweiten Treffen war es unser Lehrer, Herr Teichmüller<br />

(schlicht „Tümpel” genannt).<br />

Wir fühlten uns wie eine große Familie unseres kleinen vertrauten Städtchens. Erinnerungen<br />

und Gefühle wurden wieder lebendig, die man schon gestorben glaubte. Altvertraute<br />

heimatliche Ausdrücke — längst dem allgemeinen Wortschatz<br />

Arys-Treffen am 20.10.1973 bei Ingeborg Möller (geb. Lipski)<br />

20<br />

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Arys-Treffen<br />

20. 10. 73<br />

mit Rektor Lelevel<br />

t 1974<br />

entschwunden — kamen im Kreise der Heimatfreunde plötzlich fließend von der Zunge.<br />

Wir waren alle wieder in Arys!<br />

Sinnbildlich, an Hand der Dias, gingen wir gemeinsam durch die Straßen unserer<br />

kleinen Stadt. Wir kamen zu unserem geliebten, verträumten Arys-See, auf dem wir<br />

der Länge nach eine Bootsfahrt unternahmen, zur Verlobungsinsel, Landzunge, Roseninsel,<br />

Wisocky-Insel.<br />

Anschließend nahmen wir teil an der Schiffsreise ab Lötzen über den Mauersee, Nikolaiken<br />

— mit Stinthengst — Beldan-See bis Rudczanny/Niedersee. Es gab wohl kaum<br />

ein Auge, das trocken blieb, selbst Männer schämten sich dessen nicht.<br />

Für unseren Herrn Lelewel wurde es ein „letztes” großes Erlebnis. Bereits 2 1/2 Wochen<br />

nach diesem Beisammensein entschlief er plötzlich für immer. Einige Tage zuvor<br />

brachte er schriftlich sein innerstes Empfinden u. a. mit folgenden Worten zum Ausdruck:<br />

„Ich habe es nicht für möglich gehalten, in meinem Alter eine so große Herzlichkeit<br />

zu erleben. Daß so viele dem Ruf<br />

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gefolgt sind, ist doch ein erhebendes Zeichen der Heimattreue und gegenseitigen<br />

Freundschaft!"<br />

Diese wertvollen Worte beziehen sich ganz allgemein gleichwohl auf das zweite stattgefundene<br />

große Treffen. —<br />

In diesem Sinne. voller Beglückung, gedenken alle Teilnehmer immer wieder der vertrauten<br />

Stunden. Zum Teil dem Gedächtnis längst entschwundene Namen oder Gesichter<br />

waren im Genießen der „großen Gemeinsamkeit” nicht zusammenzubringen.<br />

Zuerst wie in einer Vision, standen dann aber nach Tagen, oft nach Wochen, während<br />

welcher man noch ganz im Zeichen des Erlebten stand, auch diese Personen nach<br />

den dazwischenliegenden Jahrzehnten wieder ganz lebendig vor dem geistigen Auge.<br />

Von Mund zu Mund geht nun die Frage ...<br />

„Wann findet wieder ein solches Treffen statt?”<br />

Wir alle ersehnen es aus tiefem Herzen!<br />

Unser Kreisvertreter zum Thema:<br />

Dreißig Jahre Vertreibung<br />

Auch dieser <strong>Heimatbrief</strong> soll einige Worte des Nachdenkens wert enthalten. In diesen<br />

Stunden der Niederschrift dieser Zeilen jährt sich zum 30. Male der Tag, da es unsere<br />

Landsleute vor der herannahenden Kriegsfurie auf die eisigen Straßen unserer Heimat<br />

trieb. Die an sich zunächst nur kriegsbedingte Flucht weitete sich zu der Vertreibung<br />

aus der angestammten Heimat auch für diejenigen aus, denen die Flucht nicht gelungen<br />

war. Während aber andere Vertreibungen in der Welt zu Brutstätten von Unruhen,<br />

Haßausbrüchen und Elendstätten wurden, ja zu kriegerischen Auseinandersetzungen<br />

geführt haben, wurden die Ostvertriebenen zum Sauerteig unseres zerstörten<br />

Vaterlandes. Sie bauten dieses Land fern ihrer angestammten Heimat nicht nur wieder<br />

auf, sondern sie zogen wegweisende Lehren aus ihrem Schicksal. Zwar hielten sie an<br />

dem auch ihnen zustehenden Recht auf die Heimat, am Selbstbestimmungsrecht fest,<br />

sie schworen aber einer gewaltsamen Lösung ihrer Vertreibungsprobleme ab. Sie hatten<br />

erkannt, daß auch die Durchsetzung von Rechtsansprüchen nicht Lösungen mit<br />

Hilfe von Gewalt sein dürfen. Für eine derartige Lösung ist nicht das Recht einer Partei<br />

ein entscheidender Faktor, sondern im Regelfall die Stärke der Machtmittel, mit welchen<br />

die Auseinandersetzung geführt wird. Da aber gerade Machtverhältnisse laufenden<br />

Veränderungen unterworfen sind, mögen sie noch so gefestigt erscheinen, bleibt<br />

das durch sie erworbene Gut weiter gefährdet. Die Geschichte lehrt uns in immer<br />

neuen Formen, der Macht zu mißtrauen und an der Gewalt nicht zu verzweifeln. Das<br />

Wechselspiel dieser Mittel setzt stets einen Teufelskreis in Bewegung, der wiederum<br />

Menschen und Völker in Not, Haß und Elend stürzt.<br />

Werden dazu noch die Gedanken der Völker von Ideologen durchströmt, kommen<br />

Kreuzzugsideen vermischt mit persönlichen Rachegelüsten hinzu, kann menschliches<br />

Leid kein Ende nehmen.<br />

Diese Entwicklung zu beenden haben die Vertriebenen bereits am 5.8.1950 in ihrer<br />

Stuttgarter Erklärung ein Zeichen gesetzt, als sie auf Gewalt zur Durchsetzung ihrer<br />

Rechte verzichteten. Diesen so wesentlichen Beitrag zur Humanisierung der Weltgeschichte<br />

hat kein Nobelpreis geehrt. Die Entwicklung in den<br />

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Reihen der Vereinten Nationen spricht leider eine andere Sprache. Nicht friedliche<br />

Stimmen Vertriebener auf dieser Erde werden dort gehört, sondern die der Vertreter<br />

von Terror und Schrecken anderer Gruppen Vertriebener.<br />

Wie weit der Weg der Menschheit zum friedlichen Neben- und Miteinanderleben ist,<br />

zeigt der Umstand, daß gerade durch Leid geprüfte Völker ihren Weg über das Leid<br />

anderer Menschen gehen wollen. Selbst Leute, die sich Christen nennen, unsere Kirche<br />

eingeschlossen, haben Christus nicht verstanden.<br />

So konnten auch die Ostverträge einer Bundesregierung keinen Beitrag zum Frieden<br />

zwischen den Völkern leisten. Sie waren kaum geschrieben und unterschrieben, mußte<br />

man bereits ihren Inhalt deuten. Unserem Volk haben die Verträge nur Enttäuschungen<br />

gebracht. Erwartete Gegenleistungen wuchsen sich zu unberechtigten Forderungen<br />

und Schlimmerem aus. So werden dem Miteinanderleben der Völker neue<br />

Hindernisse entgegengesetzt, so bedauerlich diese Entwicklung ist und leider auch<br />

voraussehbar. Auch wir Vertriebenen wollen mit den Völkern Osteuropas friedlich zusammenleben,<br />

wenn auch unter Wahrung angestammter und erworbener Rechte.<br />

Nur die Achtung des Rechts kann die Welt befrieden. Es wird noch vieler Einsichten<br />

und Anstrengungen auf dem Wege des Zusammenlebens der Völker bedürfen. Lassen<br />

Sie uns dafür arbeiten. Die Verteidigung des Rechtes auf die angestammte Heimat<br />

gehört hierzu.<br />

G. Wippich<br />

Reiseeindrücke<br />

Blick auf Nikolaiken<br />

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Auch heute lohnt sich noch eine solche Fahrt über die herrlichen Masurischen Seen.<br />

Die Landschaft ist geblieben, sie hat dieselben Reize wir vor 30 oder 100 Jahren.<br />

Eine Reise nach Masuren<br />

Tagebuchaufzeichnungen von Hellmuth Gramatzki<br />

(Gekürzter Auszug f. Drigelsdorf u. Arys Verm. d. d. Red.)<br />

Mit diesem Bericht über meine Reise nach Masuren, auf der ich die Orte Lyck, Lötzen,<br />

Prostken, Nikolaiken, Heiligelinde, Milken, Eisermühl und Drigelsdorf besuchte,<br />

möchte ich alle interessierten Landsleute, aber ganz besonders die ehemaligen Bürger,<br />

die hier einmal beheimatet waren, ansprechen, und sie über die heutige Situation<br />

informieren.<br />

Unter den 50 Fahrtteilnehmern, überwiegend Landsleute aus Stadt und Kreis Lyck,<br />

sie kamen alle aus der gesamten Bundesrepublik und Berlin, war auch ich dabei, um<br />

nach fast drei Jahrzehnten die alte Heimat wiederzusehen.<br />

Unser nächstes und letztes Ziel ist Drigelsdorf, ein größerer Ort im Kreis Johannisburg,<br />

in den mein Vater als Beamter versetzt wurde. Über Hanffen, Ublick (hier im<br />

See wollen wir auf der Rückfahrt endlich einmal baden), Arys, Schlagakrug und<br />

Schlagamühle, durch den Drigelsdorfer Forst, erreichen wir gegen Mittag Drigelsdorf.<br />

Drigelsdorf (heute Drygaly)<br />

Abfahrt von<br />

Rudczanny<br />

(Niedersee)<br />

nach Lötzen<br />

Bevor wir in den Ort hineinfahren, fängt es leider wieder an zu regnen. Ich bin daher<br />

gezwungen, meine Aufnahmen aus dem Auto zu machen. Zunächst empfängt uns ein<br />

schmales und gänzlich verbogenes Ortsschild „DRYGALY”. Das erste Haus rechts<br />

macht einen schlechten Eindruck. Der ehem. Sportplatz (mit Umkleidehaus) ist als<br />

solcher noch zu erkennen. Die Dorfstraße, auf der wir jetzt weiterfahren, befindet<br />

sich in einem guten Zustand. Dagegen sind die Gebäude der ehem. Besitzer Olschewski,<br />

Welk (?) und Kopatz stark renovierungsbedürftig. Das Wohnhaus von Kopatz<br />

scheint z. Z. nicht bewohnt zu sein. Das Haus, in dem Zahnarzt Dr. (?) wohnte,<br />

und auch andere Gebäude befinden sich dagegen in einem besseren Zustand. Wir<br />

fahren zur evangelischen Kirche.<br />

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Wir können sie ungehindert besichtigen und Blitzaufnahmen machen. Der Kirchenraum<br />

(ein alter Saalbau aus dem Jahre 1660) ist gänzlich verändert worden. Man hat<br />

ihn zu einem katholischen Gotteshaus umfunktioniert. Der Altaraufbau ist erhalten,<br />

aber stark verändert worden. Die Wände und die Decken sind bunt ausgemalt, die<br />

beiden Emporen abgetragen worden. Nur das Gestühl und die Orgel erinnern noch an<br />

den früheren Zustand. Der vor dem Haupteingang errichtete hohe Gedenkstein aus<br />

dem 1. Weltkrieg und auch die Steinkreuze mit den Gräbern haben die Zeit überstanden.<br />

Selbst die Namen der Gefallenen kann man noch gut lesen.<br />

Wir fahren wieder ins Dorf hinunter. Auch hier scheint die Zeit stehen geblieben zu<br />

sein. Soweit ich es überblicken kann, haben fast alle Gebäude den Krieg überstanden.<br />

Ich möchte einige nennen, von denen mir noch die Namen der früheren Eigentümer<br />

in Erinnerung sind. Kaufhaus Dunse, Gastwirtschaft Ehrlich, Fleischerei Grotzki,<br />

Landwirt Treskat, Mollenhauer, Mühe und Sägewerk Kuchenbecker und das<br />

Postbeamtenhaus. Von den Abbauten in Richtung Gehlenburg stehen noch folgende<br />

Gebäude und Höfe: Figura, Dreipälcher, Jakubowski und Dmoch. Teile der baulichen<br />

Anlagen des seinerzeit aufgeteilten Gutes „Neu-Drygallen” existieren ebenfalls noch,<br />

auch die meisten Neubauernstellen, die Anfang der dreißiger Jahre hier für die ausgewiesenen<br />

deutschen Bauern aus dem ehem. Korridorgebiet errichtet worden sind.<br />

Die Strecke der Eisenbahnlinie Lyck-Johannisburg ist in Betrieb. Die Schranke, der<br />

Bahnhof — alles ist noch so wie früher. Das kleine Wäldchen hinter dem alten Friedhof,<br />

ln dem ich als Junge oft herumgezogen bin, existiert noch. Der neue Friedhof<br />

wird weiter belegt.<br />

Im ehemaligen Gasthaus Ehrlich, einiges wurde hier verändert, essen wir dann Mittag.<br />

Sehr preiswert. Wir bezahlen für vier Essen und vier Bier 8,70 DM. Plötzlich hat<br />

es wieder aufgehört zu regnen — es scheint nun wieder die Sonne. Ich möchte gerne<br />

noch einige Aufnahmen von der Kirche machen. Wir steigen die Treppen, die an der<br />

alten Schule vorbeiführen, zum Kirchplatz hoch. Die Bäume sind mächtig groß geworden.<br />

Beim Gang um die Kirche entdecken wir noch Gräber der hier einmal tätig gewesenen<br />

Geistlichen, u. a. auch das Grab des bekannten Pfarrers Treskatis, der vor genau<br />

100 Jahren gestorben ist, die z. T. noch mit Eisengittern umgeben sind. Man hat<br />

sie nicht entfernt.<br />

Bevor wir Drigelsdorf verlassen, werfe ich noch kurz einen Blick in das Postgebäude,<br />

in dem mein Vater einmal tätig war. Es befindet sich in einem guten baulichen Zustand<br />

und dient heute wieder als Post. Abgeholzt wurden dagegen die prächtigen Kastanienbäume,<br />

die zwischen der Post und der ehem. Domäne gestanden haben. Die<br />

Wirtschaftsgebäude der Domäne sind im wesentlichen erhalten geblieben, ebenfalls<br />

auch das große Wohn- und Verwaltungsgebäude, in dem der frühere Verwalter<br />

Marckwitz wohnte. Die ehem. Domäne ist heute Staats-gut. Das Gebäude wird z. Z.<br />

um ein Geschoß aufgestockt.<br />

Als wir durch den großen Drigelsdorfer Forst kommen, werden alte Erinnerungen<br />

wach. Hier haben wir in den lahgen Sommerferien Blaubeeren und Pilze gesammelt,<br />

die es hier in großen Mengen gab. Die ehem. Kasernen zwischen Schlagamühle und<br />

Schlagakrug stehen noch und werden heute noch als solche genutzt. In ARYS (heute<br />

Orjysz)<br />

legen wir eine kleine Pause ein. Wie wir hörten, sollen hier noch einige Deutsche<br />

wohnen. In einer Musikalienhandlung lassen wir uns von einem auffallend freundlichen<br />

Verkäufer polnische Folklore-Schallplatten vorspielen, von denen uns drei<br />

recht gut gefallen und die mit auf die Reise gehen. „Auf Wiedersehen Deutsch-<br />

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land"! wird uns freundlich nachgerufen, als wir den Laden verlassen — wir sind überrascht!!<br />

Danach suchen wir noch einen PKO-Laden auf, um deutsche Zigaretten zu erstehen.<br />

Hier kann man westliche Waren nur gegen Dollar oder Deutsche Mark kaufen, die<br />

wesentlich billiger sind als bei uns (1 Flasche Wodka kostet 2,50 DM, eine Stange<br />

Stuyvesant kostet 9,00 DM, bei uns 23,00 DM).<br />

Seit einiger Zeit können auch die Polen in diesen Läden einkaufen. natürlich nur gegen<br />

Dollar oder DM. Jetzt kann man verstehen, warum die Polen ihre Zlotys so gerne<br />

gegen unsere DM eintauschen möchten.<br />

Am Ubllck-See legen wir erneut eine halbstündige Pause ein, um endlich in einem<br />

„masurischen See” zu baden. Das Wasser ist nicht gerade warm, ich schätze es<br />

höchstens auf 16—17 Grad, aber es ist sehr weich.<br />

Es macht uns Freude, nach so vielen Jahren wenigstens in einem unserer zahlreichen<br />

Seen baden zu können. Herrlich spiegelt sich die Sonne im Wasser. Kein<br />

Mensch ist hier, nur in der Nähe des Ufers stehen ein einfaches Zelt und dicht<br />

daneben ein Personenwagen aus der DDR.<br />

Wir fahren weiter, die Straße ist leer, sie gehört uns ganz allein.<br />

Den Rest des Nachmittags wollen wir bei einer deutschen Familie im Kreise Lötzen<br />

verbringen. Als wir auf einer Nebenstraße fahren, die eigentlich nur aus Schlaglöchern<br />

besteht, setzt strömender Regen ein, der immer heftiger wird. Wir haben Pech,<br />

denn an fast allen Tagen unseres Aufenthaltes in Ostpreußen hat es geregnet. Nach<br />

einigen Verirrungen finden wir nun endlich das Haus, in dem die deutsche Familie<br />

wohnt. Die Überraschung ist groß, man freut sich, wieder einmal Landsleute aus dem<br />

Westen zu sehen. Wir werden zu Kaffee und Kuchen eingeladen.<br />

Man spricht über alles, über Deutschland und über Polen, über die Politik und natürlich<br />

auch über die Ausreise der noch in der Heimat ansässigen Deutschen. Es ist für<br />

unsere Landsleute zum Problem 1. Grades geworden — eine Existenzfrage. Die meisten<br />

von ihnen möchten nun endlich in die Bundesrepublik umgesiedelt werden, da<br />

es hier keine Zukunft mehr für sie . gibt. „Wir haben alles versucht”, sagen sie, und<br />

mehr als zehnmal einen Antrag auf Ausreise gestellt, der immer abgelehnt wurde.<br />

Trotzdem, sie haben immer noch die Hoffnung, daß es einmal so weit sein wird. Zum<br />

Abschied bitten sie uns, Ihnen zu helfen, soweit wir dazu imstande sind. „Sagt allen<br />

in Deutschland, daß wir hier nicht mehr länger bleiben können, denn wir sind mit unserer<br />

Kraft am Ende.” Von den Ostverträgen sind wir einerseits enttäuscht, aber andererseits<br />

fühlen wir uns nicht mehr ganz so verlassen, seitdem nun auch die Landsleute<br />

aus der BRD zu uns kommen können. Das ist das bisher einzig Positive an diesen<br />

Verträgen.<br />

Außer einigen kleinen Geschenken lassen wir noch mehrere Kleidungsstücke da, die<br />

sie sicher gut gebrauchen können.<br />

In eigener Sache<br />

Endlich wieder mal ein <strong>Heimatbrief</strong>! Eine erfreulich große Menge reagierte auf meinen<br />

Aufruf im Ostpreußenblatt, geeignetes Material für den <strong>Heimatbrief</strong> <strong>1975</strong> zur Verfügung<br />

zu stellen. Herzlichen Dank allen Einsendern! Wie immer können leider nicht alle<br />

eingesandten Fotos und Texte veröffentlicht werden. Das Text- und Bildmaterial<br />

für unsere Stadt Arys ist so umfangreich, daß nur ein kleiner Teil für den <strong>Heimatbrief</strong><br />

verwertbar ist und darum aufgenommen werden kann. Ganz besonders möchte ich<br />

stellvertretend für viele einige Landsleute<br />

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erwähnen und diesen besonderen Dank sagen: Ella Glauß, Elisabeth Lipski, Ingeborg<br />

Möller (geb. Lipski), Georg Schubert, Josefine Glossat, Dr. Reinhold Heling,<br />

Fritz Steiner, Arthur Schilling, Horst Donder, Hellmuth Gramatzki. Insgesamt sind<br />

78 Einsendungen eingegangen, 128 Korrespondenzen habe ich geführt, um in jedem<br />

Falle unsere heimatliche Verbundenheit zum Ausdruck zu bringen. Eine Menge<br />

Arbeit, aber sie zu tun macht große Freude. Etwa 72 Stunden (9 Tage ä 8 Stunden<br />

harte Arbeit) werden benötigt, um die 11.700 <strong>Heimatbrief</strong>e allein zu adressieren,<br />

„einzutüten” und zur Post zu bringen. Dazu kommen etwa 64 Stunden reine Arbeit<br />

für den Redakteur (Vorbereitung, Verhandlungen, Korrespondenzen, Zusammenstellung,<br />

Korrekturen u. a.).<br />

Ist das der <strong>Heimatbrief</strong> wert?<br />

Viele Zuschriften bejahen diese Frage und machen mir immer wieder Mut, diese ehrenamtliche<br />

Arbeit für meine Heimat zu tun.<br />

Im <strong>Heimatbrief</strong> 1976 werden einige Veröffentlichungen kommen, die <strong>1975</strong> nicht gebracht<br />

werden konnten.<br />

Und die Kosten? Auch diese Frage muß sehr deutlich angesprochen werden: Der<br />

Druck kostet rund 7.200,- DM, der Versand (Porto ä Brief 0,30 DM) rund 3.500,- DM<br />

und andere anfallende Kosten etwa 400,- DM. Insgesamt kostet unser <strong>Heimatbrief</strong><br />

also 11.100,- DM. Bisher haben wir diesen <strong>Heimatbrief</strong> ohne Verluste finanzieren<br />

können. Eine ungeahnte Zahl von großzügigen Spendern hat die Herausgabe ermöglicht<br />

und damit vielen Landsleuten Freude bereitet. Wir hoffen zuversichtlich, daß<br />

auch dieser und die zukünftigen <strong>Heimatbrief</strong>e auf diese Art finanziert werden können!<br />

Vergessen Sie also auf keinen Fall ihre<br />

freiwillige Spende<br />

Unser Kassenverwalter hat das Wort:<br />

Herzlichen Dank!<br />

In heimatlicher Treue und Verbundenheit<br />

Ihr<br />

G. B.<br />

Liebe Landsleute!<br />

Es drängt sich förmlich der Wunsch auf, mit dem Abschluß des Rechnungsjahres all<br />

den treuen und zuverlässigen Spendern mit kleinen aber auch mit beträchtlichen Beträgen<br />

herzlich Dank zu sagen. Somit konnte ich auch im vergangenen Jahr alle Verpflichtungen,<br />

vor allen Dingen die den <strong>Heimatbrief</strong> betreffenden dank Ihrer zahlreichen<br />

Spenden erfüllen. Zudem konnten die letzten drei Kreis-treffen voll durchgeführt<br />

und finanziert werden. Das sind stattliche Summen, die jeweils auf uns zukommen.<br />

Es ist daher auch meine Pflicht, Ihnen kundzutun, daß die Kassenführung<br />

zwar keine großen Überschüsse erzielte, aber dafür glatt und ausgewogen blieb. Das<br />

muß ich Ihnen sagen, um volles Vertrauen bei allen Spendern zu finden und auch<br />

heute Sie zu bitten, uns nicht zu vergessen. Wir erfüllen dadurch eine Pflicht, die uns<br />

<strong>Johannisburger</strong>n eine Selbstverständlichkeit sein sollte.<br />

Die Konto-Nr. ist dieselbe geblieben: Postscheckkonto Köln, Nr. 285187-506<br />

Ihr Geldverwalter<br />

Walter Sagorski<br />

5 Köln 51, Brühlerstr. 46<br />

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Schulbus in<br />

Nikolaiken (1974)<br />

Mühle in Seegutten<br />

(Spirdingsee)<br />

Wie lang wird sie<br />

noch stehen?


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Auszüge aus Briefen von unseren Landsleuten, die erfreuen:<br />

Frau Rymarzik, geb. Pietrzyk (früher Wiesenheim) schreibt u. a.:<br />

„Über die zugesandten Bilder habe ich mich sehr gefreut. Die Tränen standen uns allen<br />

in den Augen. 0, du schönes Masuren, was ist aus dir geworden! Gerne würde ich<br />

nochmal in die Heimat fahren, aber man wird schon vom Anblick der Bilder (1974!,<br />

die Red.) seelisch fertig.”<br />

Frau Lipski (früher Arys) am 2. Advent 1974 (Auszug):<br />

„Ihre Zeilen haben mich tief bewegt. Was so eine ehrenamtliche, nur dem Idealismus<br />

und der Liebe zur Heimat entspringende Aufgabe wir die Ihrige in der Landsmannschaft<br />

alles an Mühe, Arbeit und auch Sorgen mit sich bringt, müßte jedem einmal<br />

nahe gebracht werden . . . — Mögen Ihnen Kraft und Eingebungen bezüglich der<br />

<strong>Heimatbrief</strong>-Arbeiten vom ,Großen Unbekannten' geschenkt werden.”<br />

— Ja, liebe Frau Lipski, ich habe viel Dank geerntet. Ist das nicht viel? Der Kreisvertreter<br />

überreichte mir zum Weihnachtsfest für meine ehrenamtliche Arbeit einen<br />

Bildband von Ostpreußen. Das war eine Auszeichnung, die ich zu schätzen weiß.<br />

Frau Renate Althaus, geb. Kaszemek:<br />

. . Ich war seit 29 Jahren wieder einmal ,zu Hause'. Diese Reise hat mir trotz leisem<br />

Wehmut gut gefallen. Mein Elternhaus (Försterei Königsdorf In Henriettental)<br />

steht zwar nicht mehr, trotzdem fühlte ich mich im Walde dort und an den Wondoller<br />

Teichen wieder ganz zu Hause. Auch mein westfälischer Mann ließ sich von dem Zauber<br />

dieser Landschaft einfangen und ist heute begeisterter Schilderer der Schönheit<br />

Masurens und der <strong>Johannisburger</strong> Heide. — Von dem Platz, wo mein Elternhaus<br />

stand, habe ich Kiefern- und Fichtenzapfen mitgebracht, den Samen in einen Blumentopf<br />

gesät und hege und pflege heute acht kleine masurische' Nadelbäumchen. — Daß<br />

ich meinem Vater ein Beutelchen Heimaterde für sein Grab mitbrachte, versteht sich<br />

von selbst."<br />

Kreisgruppe Johannisburg in Berlin<br />

Die <strong>Johannisburger</strong> Kreisgruppe in Berlin grüßt alle Landsleute in Westdeutschland.<br />

Ich bitte alle Landsleute, nicht aufzuhören, die Stimme für unsere ostdeutsche Heimat<br />

und auch für Berlin zu erheben. Versäumen Sie nie die Treffen Ihres Heimatkreises<br />

und versuchen Sie immer wieder, auch die junge Generation aufzuklären und ihr<br />

immer wieder über unsere schöne Heimat zu berichten. Unsere junge Generation<br />

muß wissen, daß es nie ein friedliches Deutschland ohne unsere Ostgebiete geben<br />

wird.<br />

Wenn wir <strong>Johannisburger</strong> in Berlin heute für unsere neue Heimat Berlin besonders<br />

eintreten, so geschieht es aus der Angst heraus, daß Berlin ein gleiches Schicksal<br />

treffen könnte wie unsere alte Heimat.<br />

1974 waren unsere Heimattreffen immer gut besucht. Wir schlossen das Jahr 1974<br />

mit einer Weihnachtsfeier im Gedenken an alle Landsleute, auch die in der alten<br />

Heimat verbliebenen, ab. Die Jugend war bei der Weihnachtsfeier besonders aktiv<br />

und untermalte die Feier mit ostpreußischen Liedern und Gedichten.<br />

Liebe Landsleute, wir bitten Sie, sich im Jahre <strong>1975</strong> noch mehr für die Arbeit in der<br />

Landsmannschaft einzusetzen und uns Berliner nicht zu vergessen. Wir freuen uns,<br />

wenn Sie mal unsere Treffen besuchen. Unsere nächsten Treffen sind am 5. April, 30.<br />

August, 25. Oktober und die Weihnachtsfeier am 6. Dezember. Im Sommer machen<br />

wir eine Dampferfahrt oder einen Ausflug. Das Datum dafür wird im Ostpreußenblatt<br />

noch bekanntgegeben. Heinrich Wischnewski<br />

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Bei einem Besuch in seiner Heimat von einem Landsmann entdeckt:<br />

Zum Teil noch gut erhaltene Gräber<br />

Johannisburg:<br />

1. Franz Schäfer (Soldatengrab), an der Mauer zur Straße.<br />

2. Teichert (Familiengrab mit Eisengitter, dicht an der Mauer).<br />

Gehsen:<br />

1. Abt. Kdr. Ernst Pabst, 1. Mob. Ers. Abt. Feld Art. Rgt. 52 gef. 21. 7. 1915<br />

2. Ltn. Karl Ludwig v. d. Osten, 4. Kp. Grenadier Rgt. 2 gef. 1. 3. 1915<br />

3. Emil Mühlhausen, mit Spruch „Verlorenes Glück .. .”, Hier ruht mein Ib. Mann<br />

Uffz. d. Landw. Drag. Rgt. 17 geb. 24. 8. 1884, gef. 9. 9. 1914<br />

4. Pienkohs, geb. 1912 gest. 1935 (alles andere unleserlich)<br />

Königstal:<br />

1. Gottl. Danielzik, geb. 21. 12. 1855, gest. 11. 12. 1941<br />

2. Amalie Smentek, geb. 13. 10. 1880, gest. 1. 8. 1937<br />

3. Margarete Pernack, geb. 16. 2. 1923, gest. 29. 4. 1942,<br />

Spruch: „Du bleibst uns unvergeßlich”<br />

4. Werner Darda, Spruch: Hier ruht in Gott mein lieber Sohn und Bruder,<br />

geb. 30. 11. 1888, gest. 7. 1. 1942<br />

5. Amalie Danielzik, geb. 11. 1835 (Tag nicht leserlich), gest. 25. 9. 1912<br />

6. Marie Konstanty, geb. 16. B. 1874, gest. 25. 2. 1934<br />

Ich hoffe, daß man vielleicht . einigen Angehörigen eine, wenn auch schmerzliche,<br />

Freude damit bereiten kann. Der Gedanke, noch ziemlich gut erhaltene Gräber in der<br />

Heimat zu wissen, dürfte wohl tröstlich sein.<br />

Erinnerungen .an Breitenheide<br />

Von Revierförster i. R. G. Schubert<br />

Wer hat dieses kleine Dörfchen in Masuren wohl nicht gekannt, inmitten der großen<br />

<strong>Johannisburger</strong> Heide? Und sicher nicht nur die Kreisbewohner, sondern auch weit<br />

darüber hinaus durch eine — man kann es schon so nennen — Naturkatastrophe eigener<br />

Art, die sich 1923/24 rund um Breitenheide ereignete: dem verheerenden<br />

Raupenfraß. Hervorgerufen durch die Forleule, einem Insekt, das während seines<br />

Entwicklungsstadiums (Falter — Ei — Raupe — Puppe) als Raupe rd. 10.000 ha Kiefernbestände<br />

vernichtete, d. h. andererseits durch Kahlfraß (Abfressen der Nadeln)<br />

ca. drei Millionen Festmeter Stammholz zum Absterben brachte.<br />

Während bis dahin rundum der Ort mit Hochwald umgeben war, lag er nunmehr etwas<br />

erhöht frei in der Landschaft. Aber noch ein anderes Schicksal war Breitenheide<br />

acht Jahre zuvor beschieden, als 1915 während der Masurenschlacht fast alle Gebäude<br />

zerstört wurden, wenn sie ca. ein bis zwei Jahre später auch wieder aufgebaut<br />

waren. So auch das Forsthaus, in das wir — aus Sachsen kommend — im Herbst<br />

1930 einzogen. Für zwei Jahre unsere erste Station, die uns „Mitteldeutschen Ostpreußen”<br />

sozusagen von Stund an zur neuen Heimat werden ließ. Inzwischen sind<br />

nun 45 Jahre dahingegangen, sodaß ich heute mit genauen Zahlen und auch nicht<br />

mehr mit Namen aufwarten kann. So weiß ich nicht mehr zu sagen, wieviel Gebäude<br />

die Gemeinde hatte oder wieviel Einwohner zu der Zeit. Ich meine, es wären um die<br />

150 gewesen. Vier oder fünf Familien betrieben eine bescheidene Landwirtschaft, eine<br />

davon mit Gastwirtschaft und kleinem Lebensmittelhandel (Willimzig / Kroll).<br />

Dann besinne ich mich auf die Tischlerei<br />

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von Joswig. Die übrigen Bewohner waren mehr oder weniger in der Fostwirtschaft<br />

beschäftigt. Nicht zu vergessen die auch neuerbaute Schule, in der zu der Zeit etwa<br />

20 Kinder vom Lehrer Weitschat unterrichtet wurden. Und dann gehörte auch das<br />

Staatl. Forstamt zur Gemeinde, etwas abseits an der Nordspitze des Jaschkower Sees<br />

gelegen. Dazu ein Sekretär-Dienstgehöft am Südrand des Ortes. Während meiner<br />

Zeit war das Forstamt jedoch nicht mit einem Fo. A.-Leiter besetzt, sondern als Kurhaus<br />

verpachtet. Das entsprechende Waldgebiet wurde von Rudczanny (damals<br />

Forstmeister Neuser) aus mitverwaltet. Später, ich glaube 1934 oder 35, wurde es<br />

dann wieder besetzt (Forstm. Wellenstein?) und gleichzeitig als Versuchsstation ausgestattet,<br />

speziell in bezug auf forstschädliche Insekten, Erkrankungen der Forstpflanzen<br />

und andere Waldbaumaßnahmen, als Ziel Anlage späterer Versuchsflächen.<br />

Einzelner Erlebnisse aus den zwei Jahren erinnere ich mich aber dennoch recht gut.<br />

So in jagdlicher Hinsicht (wie an anderer Stelle bzgl. des Birkwildes berichtet) besonders<br />

an meine Erlegung eines Wolfes am .12. Februar 1931 zwischen Breitenheide<br />

und dem Bahnhof Br., die Erlegung meines ersten Hirsches unweit des Bahnhofes<br />

und der feuchtfröhlichen Silvesterfeiern der Forstbeamtenschaft der Forstämter<br />

Rudczanny, Johannisburg, Wolfsbrück, Kullik und Turoscheln in Wiartel, wo wir 1931<br />

bei Krisch den weltberühmt gewordenen Kosakenkaffee mit aus der Taufe gehoben<br />

haben. Er ist inzwischen zwar reichlich teuer geworden, ich trinke ihn aber trotzdem<br />

heute noch gern. Und nie, ohne dabei auch an Wiartel zu denken! Und auch noch<br />

daran, daß — ich glaube 1932 — Mitte Mai noch einmal so viel Schnee fiel, daß wir<br />

ein paar Tage Schlitten fahren konnten. Auch habe ich bis heute nicht vergessen,<br />

daß ich in Breitenheide zum ersten Mal das Masurenlied gehört habe, gesungen von<br />

Mädchen und Jungen an einem stillen Sommerabend auf der Veranda von Schröders<br />

Haus. Später hörten wir es dann noch ab und zu vom Sender Königsberg, doch seit<br />

der Zeit nicht wieder.<br />

Wollte ich mir einmal die „breite Heide” von oben ansehen, so stieg ich auf den ca. 20<br />

Meter hohen Feuerwachturm, ein paar hundert Meter vom Ort entfernt am kleinen<br />

Breitenheider See, auf dem der Haumeister Kohn in den Sommermonaten tagsüber<br />

Wache hielt. Von hier aus übersah man fast die ganze Fläche, die 1923/24 zerstört,<br />

inzwischen aber wieder aufgeforstet war. Eine erhaltene Waldkulisse hinderte zwar<br />

den Ausblick zum etwa fünf Kilometer entfernten Niedersee, aber einige andere Seen,<br />

den Jaschkower-, den Wiartel- und den Mausesee, konnte man gut einsehen. Einige<br />

Kilometer jenseits der Bahnlinie Allenstein—Johannisburg — (Den Zug nannte man ja<br />

wohl den „Masurenexpress"!) sah man den Feuerwachturm im Forstamt herausragen.<br />

Sonst jedoch nur Wald, Wald, soweit das Auge reichte.<br />

Inzwischen müßte nun Breitenheide wieder ein von 40jährigen Kiefernbeständen umschlossenes<br />

Walddorf sein. (Ja, das ist es. 1973 und 1974 dort Pilze gesucht und am<br />

Bahnhof Breitenheide einen großen Korb Pfifferlinge gekauft. — Anm. d. Redaktion).<br />

Wer von den ansässigen Familien dort geblieben ist, weiß ich nicht. Ich nehme aber<br />

an, daß sich die sehr bodenständigen Masuren nicht alle haben vertreiben lassen, obgleich<br />

der Lebensstandard vermutlich recht bescheiden sein wird. Da sie aber schon<br />

immer sehr anspruchslos und trotzdem zufrieden waren, werden sie es heute auch<br />

sein. Und das schöne Lied wird noch immer erklingen:<br />

„Wild flutet der See ……<br />

Masovialand, mein Heimatland,<br />

Masovia lebe, mein Vaterland.”<br />

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