kirchenfenster - in der Evangelischen Kirchengemeinde Sophien

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kirchenfenster - in der Evangelischen Kirchengemeinde Sophien

2 Dash gibt Kraft

Dash Snow macht neue Kunst aus alten

Papieren. Auf stockfleckige und vergilbte

Plattencover klebt er kryptische

Textcollagen, abgenutzte Erinnerungsgegenstände

legt er in Vitrinen aus.

Dash Snow, Haare wie ein Prophet,

entschiedene Tattoos, wurde berühmt

mit Polaroids, die der 1981 in New York

geborene Milliardärssohn von sich und

seinen Freunden in der Halbwelt von

Gosse und Sprayerszene fotografiert

hat. Den Kontakt zu seiner reichen

Familie hat er weitgehend abgebrochen.

Hinter der Sophienkirche sind Dash

Snows Polaroids zur Zeit zu sehen, in

der Galerie Contemporary Fine Arts,

Sophienstr. 21, zusammen mit seinen

neuen Arbeiten auf altem, braun gewordenen

Papier.

„Meine Augen hältst du, dass sie wachen

müssen; ich bin so voll Unruhe,

dass ich nicht reden kann. Ich gedenke

der alten Zeit, der vergangenen Jahre.

Ich denke und sinne des Nachts und

rede mit meinem Herzen, mein Geist

muß forschen.“

Der Beter von Psalm 77 kann nicht

schlafen. Er denkt an früher, wühlt in

seinen alten Gedanken, denkt sie noch

GEDANKEN ZUR ZEIT 2

einmal, wieder und wieder. Gedanken

an verpasste Möglichkeiten, an Verlorenes.

Alte Gedanken an ein helleres

Früher. Seine Erinnerungen ähneln

den eingedunkelten Papieren von Dash

Snow. Früher blank und weiß, sind sie

heute vergilbt. „Darunter leide ich, dass

die rechte Hand des Höchsten sich so

ändern kann.“ - dass das Heute so anders

ist als das Gestern, das früher Neue

heute abgenutzt und überholt.

Dann, mitten im schlaflosen Forschen,

werden für den Psalmbeter die vergilbten

Blätter der Erinnerung lesbar. In der

Vergangenheit gesammelte Erfahrungen

von Gottes Güte zeichnen sich auf

ihnen ab. „Ich sinne deinen Taten nach.

Gott, dein Weg ist heilig.“ Sichtbar

wird, wo Gott aus Einengendem erlöst,

in Krisen begleitet und neue Freude am

Leben gegeben hat. Gott selbst schenkt

diesen anderen Blick auf das Vergangene.

Er befreit aus dem schlaflosen Wiederkäuen

alter Selbstvorwürfe, aus dem

gewohntem Selbstmitleid. Wehmut

weicht Dankbarkeit.

Dash Snows Collagenkunst zeigt, was

die Schrift sagt: Der andere Blick auf

das Alte, die andere Zusammenstellung

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des Vorhandenen schafft Neues für die

Gegenwart.

Vor den vergilbten Papieren denke ich:

Ich war auf der Welt, als diese Papiere

weiß waren. Jetzt, wo sie alt und neu

bearbeitet sind, bin ich noch immer da.

Ich habe die vergangene Zeit überlebt

und spüre in mir die Kraft der Überlebenden,

die Kraft Gottes. Damit lebe

ich weiter.

Ich wünsche Ihnen einen gesegneten

Sommer, voller Erfahrungen dieser

Kraft Gottes.

Ihr Alexander Schwan

2 2 2 JUNI | JULI 2007

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