Rote Liste der Süßwasserfische und Neunaugen als PDF

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Rote Liste der Süßwasserfische und Neunaugen als PDF

Rote Liste der Süßwasserfische

und -Neunaugen

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Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung ..........................................................................................................................291

2. Bewertungsgrundlagen......................................................................................................292

3. Gesamtartenliste, Rote Liste mit Zusatzangaben...............................................................293

4. Auswertung .......................................................................................................................303

5. Gefährdungsursachen und notwendige Hilfs- und Schutzmaßnahmen .............................308

6. Literatur.............................................................................................................................313

Anhang.......................................................................................................................................316

Tabellenverzeichnis

Tab. 1: Gesamtartenliste und Rote Liste ................................................................................ 294

Tab. 2: Bilanzierung der Anzahl etablierter Arten und der Rote-Liste-Kategorien ............... 304

Tab. 3: Auswertung der Kriterien zu den bewerteten Arten (ohne Neobiota)........................ 305

Tab. 4: Kategorieänderungen gegenüber der früheren Roten Liste (BLESS et al. 1998)

und ihre Bilanzierung ................................................................................................ 306

Tab. 5: Gründe der Kategorieänderungen gegenüber der früheren Roten Liste (BLESS et

al. 1998) und ihre Bilanzierung ................................................................................. 307

Tab. 6: Heimische Fischarten, die von der IUCN in ihrem Weltareal als ausgestorben

oder gefährdet klassifiziert werden............................................................................ 308

Tab. 7: Heimische Fischarten der Kategorien „Vom Aussterben bedroht“ bis

„Gefährdet“, die auch in der FFH-Richtlinie aufgelistet werden............................... 309


Naturschutz und Biologische Vielfalt 70 (1) 2009 291–316 Bundesamt für Naturschutz

Rote Liste der im Süßwasser reproduzierenden Neunaugen und Fische

(Cyclostomata & Pisces)

Fünfte Fassung

JÖRG FREYHOF

1. Einleitung

Die Roten Listen sind ein wichtiges Instrument zur Prioritätenfindung im Arten- und Naturschutz.

Im Gegensatz zu den Instrumentarien der EU werden Rote Listen regelmäßig aktualisiert

und damit die Prioritätenfindung an die ständigen Veränderungen in der Natur und Landschaft

angepasst. Rote Listen geben damit wesentliche Warnsignale zum Zustand der Umwelt.

Die hier vorliegende Rote Liste ist die fünfte Rote Liste der Neunaugen und Fische und die

dritte, die nach der deutschen Wiedervereinigung das gesamte Bundesgebiet betrachtet (BLAB &

NOWAK 1977; BLESS & LELEK 1984 und BLESS et al. 1994; 1998). Die Fauna des deutschen

Binnenlandes umfasst 106 Arten von Neunaugen und Fischen. Der im Süßwasser weit verbreitete

Aal Anguilla anguilla und die auf die küstennahen Gewässer beschränkte Grundel Pomatoschistus

microps werden wie alle nicht im Süßwasser reproduzierenden Arten in der Meeresliste

eingestuft. Die im Süß- und Brackwasser reproduzierende Finte Alosa fallax wird ebenfalls in

der Meeresliste eingestuft. Daher werden hier vier Arten von Neunaugen und 99 Arten von

Fischen auf ihren Erhaltungszustand geprüft. Darunter befinden sich 14 Arten von Neobiota, die

als solche nicht bewertet werden. Die aktuelle Zahl der heimischen Neunaugen- und Fischarten,

die in dieser Roten Liste einer Gefährdungsanalyse unterzogen werden, liegt daher bei 89.

Die verwendete Nomenklatur und Artenliste folgt KOTTELAT & FREYHOF (2007). Die Veränderung

der Namen einiger Arten wurde von FREYHOF & HUCKSTORF (2006) bereits ausführlich

diskutiert. Als Betrachtungseinheit dieser Roten Liste wird ausschließlich die Art verwendet. Es

sei aber darauf hingewiesen, dass die Art in vielen Fällen (u.a. bei Äschen, Coregonen, Saiblingen

und Neunaugen) nicht unbedingt die Schutzeinheiten widerspiegelt, um deren Erhaltung wir

uns bemühen sollten. Bei einigen dieser Arten gibt es offenbar mehrere geographische Populationsgruppen,

die relativ lange voneinander isoliert sind und die daher als eigenständig betrachtet

werden sollten. FREYHOF & HUCKSTORF (2006) diskutieren die im Bundesgebiet vorkommenden

Schutzeinheiten und Wissensdefizite unterhalb des Artniveaus für Neunaugen und Fische. Die

genetische Identität derartiger Populationsgruppen sollte vor allem bei Wiederansiedlungsmaßnahmen

und Bestandsstützungen angemessen berücksichtigt werden.

BLESS et al. (1998) weisen auf den mangelhaften Kenntnisstand in der Gruppe der Coregonen

hin (siehe auch KOTTELAT & FREYHOF 2007 zur spezifischen Problematik der Evolution und

Arterkennung in dieser Gruppe). Diese Wissensdefizite hatten wesentliche Probleme bei der

Erstellung der letzten Roten Liste verursacht und dazu beigetragen, dass nahezu alle Coregonen

als Coregonus spp. in die Kategorie „Gefährdet“ eingestuft wurden. Trotz neuer Forschungsergebnisse

ist die Diversität der Coregonen immer noch ungenügend bekannt. Dies gilt vor allem

für die Coregonen – aber auch für die Saiblinge – des Donauraumes. Für die Coregonen bleibt

zu hoffen, dass heute noch unerkannte Arten nicht aussterben, bevor sie als eigenständige Arten

erkannt und geschützt werden. Es sei auch darauf hingewiesen, dass es in dieser Gruppe von

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Fischen zahlreiche Endemiten und Arten gibt, für die der Bundesrepublik Deutschland eine

besondere Verantwortlichkeit für deren weltweite Erhaltung zukommt. Diese wurde von FREY-

HOF & BRUNKEN (2004) dargelegt; auf diese Arbeit wird auch für die Angaben zur Verantwortlichkeit

bezüglich der übrigen Arten verwiesen.

Im Vergleich zu der letzten Fassung der Roten Liste der Neunaugen und Süßwasserfische

(BLESS et al. 1998) gibt es erhebliche Unterschiede. Die Zahl der betrachteten Arten ist aufgrund

neuerer Erkenntnisse deutlich angestiegen und die Kriterien sowie Methode der Gefährdungseinstufung

wurden weiterentwickelt (LUDWIG et al. 2006). Ein Vergleich der aktuellen mit den

vorhergehenden Roten Listen oder mit den Listen der Bundesländer ist daher nur sehr eingeschränkt

möglich.

Danksagung

Das Herzstück dieser Roten Liste sind die Angaben zu Häufigkeiten und Bestandstrends, die

von 58 Experten der Flächenbundesländer (ohne Thüringen) für ihr Bundesland ermittelt wurden.

Für ihr großes Engagement möchte ich mich bedanken bei: Hans-Hermann Arzbach, Jan

Baer, Ludwig Bartmann, Peter Beeck, Siegfried Blank, Thomas Bobbe, Erik Bohl, Uwe Brämick,

Tomas Brenner, Matthias Brunke, Siegfried Darschmik, Arne Drews, Christoph Dümpelmann,

Clemens Fieseler, Walter Fricke, Gert Füllner, Bernhard Gum, Sebastian Hanfland, Uwe

Hartmann, Rainer Hennings, Wlodzimierz Jarocinski, Wolfgang Jansen, Lothar Jörgensen, Arne

Ludwig, Bernd Kammerad, Manfred Klein, Heiner Klinger, Christian Köhler, Michael Kolahsa,

Egbert Korte, Martin Krappe, Christoph Laczny, Eberhard Leuner, Lutz Meyer, Jürgen Mencke,

Michael Neuhaus, Rüdiger Neukamm, Thomas Oswald, Matthias Pfeifer, Herbert Preiß, Bernd

Rüblinger, Thomas Schaarschmidt, Jörg Schneider, Ulrich Schliewen, Michael Schubert, Cornelia

Schütz, Werner Schütz, Gabi Sparkuhl, Siegfried Spratte, Stefan Staas, Ludwig Steinberg,

Bernd Stemmer, Helmut Wedekind, Klaus Wendling, Helmut Winkler, Christian Wolter, Otfried

Wüstemann und Steffen Zahn.

2. Bewertungsgrundlagen

Die Einstufung der Arten folgt strikt den Kriterien und der Vorgehensweise von LUDWIG et

al. (2006). Die Grundlage für die Einschätzung des Erhaltungszustandes der Neunaugen und

Fische bilden vor allem Einschätzungen der befragten Experten und Daten, die in den Bundesländern

für Natura 2000, die Wasserrahmenrichtlinie und im Rahmen anderer fischereilicher

Untersuchungen (z. B. Befragung von Fischern und Anglern) gesammelt wurden. Um die von

LUDWIG et al. (2006) vorgegebenen Kriterien zur Einstufung einer Art in der Roten Liste anzuwenden

und Häufigkeiten und Bestandstrends zu erfassen, wurden insgesamt 58 Experten aus

allen Flächenbundesländern (ohne Thüringen und Saarland) zur regionalen Häufigkeit und Bestandsentwicklung

befragt. Die Daten und Einschätzungen für Thüringen folgen BOCK et al.

(2004) und die für das Saarland folgen FISCHEREIVERBAND SAAR (2001) sowie den Trends aus

den jeweils angrenzenden Bundesländern. Um die Bestandsentwicklung einzuschätzen, wurden

Bestandsdaten oder Einschätzungen für die vergangenen 100–150 Jahre (langfristiger Bestandstrend)

und die letzten zehn Jahre (kurzfristiger Bestandstrend; seit 1998) betrachtet. Es sei hier

ausdrücklich darauf hingewiesen, dass vor allem für den langfristigen Bestandstrend selten harte

Daten vorlagen und die Einschätzungen als Expertenmeinungen zu werten sind. Die Häufigkeiten

nach den Kriterienklassen wurden in den Bundesländern von den Experten auf die Landesfläche

geschätzt und dann vom Autor über die Fläche der Länder gewichtet. Zur Abschätzung

der Häufigkeiten konnten sowohl die Daten zur Verbreitung in der Fläche als auch die relativen

Häufigkeiten in den Habitaten berücksichtigt werden. Grundsätzlich wurde die Häufigkeit der

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Arten und deren Bestandstrends in den Bundesländern nach dem Eicharten-Prinzip abgeschätzt

(LUDWIG et al. 2006).

Bei einigen Arten ist die Bestandssituation zumindest regional durch Fischbesatz überformt.

Dies gilt insbesondere für die Arten Karpfen, Schleie, Wels, Hecht, Äsche, Huchen, Forelle,

Seesaibling und für die Coregonen. Die Experten haben bei allen Arten abgeschätzt, wie deren

Situation ohne Besatz aussehen würde. Solche Einschätzungen sind jedoch mit großen Unsicherheiten

behaftet und dem entsprechend vorsichtig zu interpretieren. Berücksichtigt wurden

nur Bestände, bei denen die Experten der Meinung waren, dass es sich um selbst tragende Populationen

handelt. Zur Beurteilung dieser Fälle wurden ebenfalls die Etablierungskriterien nach

LUDWIG et al. (2006) herangezogen.

Bei allen in dieser Roten Liste als verschollen klassifizierten Arten liegen die letzten Nachweise

einer Reproduktion von Wildfischen 30 oder mehr Jahre zurück. Arten werden als verschollen

eingestuft, wenn trotz intensiver Nachsuche kein Nachweis eines sich selbst tragenden

Bestandes oder von regelmäßig, selbstständig ins Gebiet eingewanderten Individuen dieser Art

mehr erbracht werden konnte. Nachweise von besetzten oder entkommenen Individuen (z.B.

Störe) werden hier nicht berücksichtigt.

3. Gesamtartenliste, Rote Liste mit Zusatzangaben

Legende

Die Erläuterungen der Artengruppen übergreifend vereinbarten Symbole und Abkürzungen

befinden sich auf der Beilage und der letzten Seite im Buch.

Gruppenspezifische Ergänzungen

RL 98:

gemäß BLESS et al. (1998)

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Tab. 1: Gesamtartenliste und Rote Liste.

RL V Name Kriterien RL 98 Kat.änd. E Arealr. Deutscher Name N

� Abramis brama (LINNAEUS, 1758) h = = = � = Brassen

0 Acipenser gueldenstaedtii BRANDT & RATZEBURG, 1833^ ex vor 1900 � W Waxdick

0 Acipenser oxyrinchus MITCHILL, 1815^ ex um 1940 �° Baltischer Stör

1 Acipenser ruthenus LINNAEUS, 1758^ es


RL V Name Kriterien RL 98 Kat.änd. E Arealr. Deutscher Name N

R !! Coregonus fontanae SCHULZ & FREYHOF, 2003 es = = = �° E Stechlin-Maräne

0 !! Coregonus gutturosus (GMELIN, 1818)^ ex um 1970 �° Bodensee-Kilch

1 !! Coregonus hoferi BERG, 1932^ es


RL V Name Kriterien RL 98 Kat.änd. E Arealr. Deutscher Name N

0 Huso huso (LINNAEUS, 1758)^ ex vor 1900 � W Hausen

3 Lampetra fluviatilis (LINNAEUS, 1758)^ ss


RL V Name Kriterien RL 98 Kat.änd. E Arealr. Deutscher Name N

3 Rutilus virgo (HECKEL, 1852) ss ↑ = 2 + R Wels

� Squalius cephalus (LINNAEUS, 1758) h = = = � = Döbel

3 Telestes souffia (RISSO, 1827) ss


Kommentare

Acipenser gueldenstaedtii BRANDT & RATZEBURG, 1833: Gef.: s. Huso huso.

Acipenser oxyrinchus MITCHILL, 1815: Gef.: Dieser Stör ist Anfang des 20. Jahrhunderts in der

Bundesrepublik Deutschland verschollen. Aktuell laufen erste Vorversuche für eine Wiederansiedlung

im Einzug der Oder.

Acipenser ruthenus LINNAEUS, 1758: Gef.: Der Sterlet wurde in der letzten Roten Liste (BLESS

et al. 1998) als verschollen geführt. Im untersten deutschen Donauabschnitt existiert eine

kleine Population, welche sich wahrscheinlich auch ohne Besatz selbst erhält (ZAUNER

1997; LUDWIG et al. 2008). Leider ist der Fortbestand dieser Population nicht gesichert, da

die Hybridisierung mit dort eingesetzten Sibirischen Stören A. baerii (LUDWIG et al. 2008)

zum kurzfristigen Aussterben des Sterlets führen kann.

Acipenser stellatus PALLAS, 1771: Gef.: s. Huso huso.

Acipenser sturio LINNAEUS, 1758: Gef.: Dieser Stör ist Anfang des 20. Jahrhunderts in der Bundesrepublik

Deutschland verschollen. Aktuell laufen erste Vorversuche für eine Wiederansiedlung

im Einzug der Elbe.

Alburnus mento (HECKEL, 1836): Komm.: Die Verantwortlichkeit für die Seelaube wird von

FREYHOF & BRUNKEN (2004) noch als hochgradig isolierter Vorposten eingeschätzt. Inzwischen

werden die Alpenpopulationen aber von den anderen Populationen als eigenständige

Art abgetrennt (FREYHOF & KOTTELAT 2007). Dadurch verändert sich auch die Verantwortlichkeit

hin zu ! (mehr als 10% der Populationen in Deuschland und Lage im Hauptareal).

Alosa alosa (LINNAEUS, 1758): Gef.: Maifische waren vor allem im Rhein bis zu Beginn des 20.

Jahrhunderts sehr zahlreich. Danach brachen die Bestände zusammen. Seit 1978 nahm die

Zahl der Maifischnachweise wieder leicht zu (BARTL & TROSCHEL 1997). Seit den 1990er

Jahren hat sich die Zahl der Nachweise aber auf sehr geringem Niveau stabilisiert. Der erhoffte

Aufbau einer Maifischpopulation im Rhein hat bislang nicht stattgefunden. Trotz umfangreicher

Untersuchungen zum Fischbestand im Rhein (auch Jungfischuntersuchungen

und Fischuntersuchungen im Kühlwasser von Kraftwerken) wurden keine Jungfische dieser

Art nachgewiesen, so dass es sich bei den Maifischen im Rhein sehr wahrscheinlich um verirrte

Exemplare aus den großen französischen Populationen handelt (FREYHOF 2002). Dies

trifft auch auf die sehr vereinzelt nachgewiesenen Maifische in der Nord- und Ostsee sowie

in der Elbe zu (NEUDECKER & DAMM 2005; H.M. Winkler, persönliche Mitteilung). Alle befragten

Experten gingen davon aus, dass es aktuell keine sich selbst tragende Population des

Maifisches in Deutschland gibt. Aktuell laufen Versuche für eine Wiederansiedlung im

Rhein.

Carassius carassius (LINNAEUS, 1758): Gef.: Karauschen kommen in allen Bundesländern vor,

doch sind die Bestände offenbar überall stark bis sehr stark vermindert. Die Karausche gehört

zu den Fischarten, deren Häufigkeit in den letzten zehn Jahren weiter abgenommen hat.

Die Gründe hierfür liegen überwiegend in dem immer noch fortschreitenden Verlust von

pflanzenreichen Kleingewässern und deren Degradation. Viele Experten befürchten, dass

eine weitere Intensivierung der Landwirtschaft (u.a. für Energiepflanzen) kleine Feldgewässer,

die ohnehin nur Ersatzlebensräume darstellen, stark beeinträchtigen wird. Weitere

Probleme entstehen durch den Verlust von Auengewässern infolge von Hochwasserschutzmaßnahmen,

ausbaubedingten Gewässerbetteintiefungen sowie durch Verlandung von

Kleingewässern aus der Teichwirtschaft, verursacht durch Naturschutzfolgenutzungen.

Cobitis elongatoides BACESCU & MAIER, 1969: Komm.: In Sachsen kommt mit C. elongatoides

ein Steinbeißer vor, der außerhalb Deutschlands (z. B. in Tschechien und Polen) sehr häufig

ist. Bei Steinbeißern aus dem deutschen Donauraum handelt es sich sehr wahrscheinlich

ebenfalls um diese Art. Hier stehen genauere Untersuchungen aber noch aus.

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Cobitis taenia LINNAEUS, 1758: Gef.: Steinbeißer der Art C. taenia sind im norddeutschen Tiefland

weit verbreitet und treten dort (z.B. Schleswig-Holstein, Niedersachsen) vielfach in stark

gestörten Lebensräumen auf. Im Mittelgebirgsraum war die Art historisch und ist auch heute

vergleichsweise lokal verbreitet, weist aber meist positive Bestandsentwicklungen auf.

Coregonus arenicolus KOTTELAT, 1997: Gef.: Das im Bodensee endemische Sandfelchen C.

arenicolus ist wesentlich seltener als die anderen Bodenseefelchen und spielt fischereilich

keine Rolle. Der Bestand wird inzwischen als stabil interpretiert, nachdem das Sandfelchen

in den 1970er und 80er Jahren unter der Eutrophierung des Bodensees und den damit verbundenen

Sauerstoffproblemen gelitten hat. Sandfelchen werden in den letzten Jahren nicht

mehr künstlich reproduziert.

Coregonus bavaricus HOFER, 1909: Gef.: FREYHOF (2005) untersucht die wenigen bekannten

Exemplare des Ammerseekilches, einer in Bayern endemischen Renkenart. Der Ammerseekilch,

der Anfang des 20. Jahrhunderts noch eine wirtschaftlich bedeutende Fischart war,

steht offenbar unmittelbar an der Schwelle zum Aussterben.

Coregonus gutturosus (GMELIN, 1818): Gef.: Von den vier Bodenseefelchen gilt der Kilch

Coregonus gutturosus als weltweit ausgestorben.

Coregonus hoferi BERG, 1932: Gef.: WAGLER (1932) beschreibt die Chiemseerenken relativ

detailliert und es gibt keinen Zweifel, dass es sich um eine eigenständige Art handelt. Die

Chiemseerenke konnte trotz intensiver Nachsuche 2005 nicht mehr nachgewiesen werden.

Es muss davon ausgegangen werden, dass der Bestand dieser Renke sehr gering oder eventuell

sogar schon ausgestorben ist. Bei den heute im Chiemsee häufig vorkommenden Renken

handelt es sich um eine im See allochthone Art.

Coregonus macrophthalmus NÜSSLIN, 1882: Gef.: Der im Bodensee endemische Gangfisch C.

macrophthalmus ist hier sehr häufig und zählt mit dem Blaufelchen C. wartmanni zu den

wichtigsten Wirtschaftsfischen. Gangfische kommen als eingebürgerte Populationen möglicherweise

auch in anderen Voralpenseen vor. Der Bestand im Bodensee wird inzwischen als

stabil interpretiert, nachdem der Gangfisch in den 1970er und 80er Jahren unter der Eutrophierung

des Bodensees und den damit verbundenen Sauerstoffproblemen gelitten hat. Der Bestand

reproduziert sich in großem Umfang selbst und wird durch künstliche Vermehrung für

die Berufsfischerei auf einem hohen Niveau gehalten. Die Elterntiere des Besatzmaterials

stammen aus dem See selbst. Dieses System erlaubt eine nachhaltige Bewirtschaftung des

Gangfischs in vorbildlicher Weise und sichert den Fortbestand der endemischen Art.

Coregonus maraena (BLOCH, 1779): Tax.: Die Nordseepopulation von C. maraena ist der

Schnäpel, der in der FFH-Richtlinie unter Anhang IV fälschlicherweise als C. oxyrinchus

bezeichnet wird. Nachs.: Es sollte zumindest in Schleswig-Holstein unbedingt überprüft

werden, ob sich die Schnäpelbestände vielleicht doch etabliert haben und unabhängig vom

alljährlichen Besatz existieren können. Komm.: In Deutschland hat nur die Schnäpelpopulation

des Peene-Odergebietes überlebt und eine allochthone Population scheint sich im

Rhein etabliert zu haben. Der Bestand im Ostseeraum wird durch Besatz gestützt und intensiv,

auch während der Laichzeit, fischereilich genutzt. Alle Populationen der deutschen

Nordsee sind verschollen. Die Quelle für alle durch Besatz eingeführten deutschen Nordseebestände

ist der dänische Fluss Vidau.

Coregonus oxyrinchus (LINNAEUS, 1758): Tax.: Neuere Arbeiten konnten zeigen, dass der historisch

im Rhein vorkommende Schnäpel C. oxyrinchus weltweit ausgestorben ist (FREYHOF

& SCHÖTER 2005). Der echte C. oxyrinchus ist nicht der Schnäpel, der unter Anhang IV in

der FFH-Richtlinie als C. oxyrinchus bezeichnet wird. Bei dem Schnäpel der FFH-

Richtlinie und bei den im Rhein rezent ausgesetzten Schnäpeln handelt es sich um die

Nordseepopulation von C. maraena (siehe dort). Nachs.: Zu Beginn des letzten Jahrhunderts

war der Rheinschnäpel in Rhein und Maas noch zahlreich vertreten. In den Folgejah-

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en brach der Bestand zusammen und wurde letztmalig in den 40er Jahren des 20. Jahrhunderts

im Rhein nachgewiesen (LELEK & BUHSE 1992; DE GROOT 1990).

Coregonus renke (PAULA SCHRANK, 1783): Nachs.: Die Starnberger Renke Coregonus renke ist

historisch aus Bayern beschrieben (VOGT & HOFER 1909) und der Typenfundort liegt in

Bayern. Über die Identität von C. renke ist kaum etwas bekannt, doch wird dieser Name von

KOTTELAT & FREYHOF (2007) für Renken aus dem Donauraum mit einer hohen Zahl von

Reusendornen verwendet. Es ist aber nicht klar, ob die Art, die als C. renke beschrieben

wurde, überhaupt noch existiert. Hier gibt es noch einen großen Forschungsbedarf.

Coregonus wartmanni (BLOCH, 1784): Gef.: Das im Bodensee endemische Blaufelchen C.

wartmanni ist hier sehr häufig und zählt mit dem Gangfisch C. macrophthalmus zu den

wichtigsten Wirtschaftsfischen. Der Bestand wird inzwischen als stabil interpretiert, nachdem

das Blaufelchen in den 1970er und 80er Jahren unter der Eutrophierung des Bodensees

und den damit verbundenen Sauerstoffproblemen gelitten hat. Der Bestand reproduziert sich

in großem Umfang selbst und wird durch künstliche Vermehrung für die Berufsfischerei auf

einem hohen Niveau gehalten. Die Elterntiere des Besatzmaterials stammen aus dem See

selbst. Dieses System erlaubt eine nachhaltige Bewirtschaftung des Blaufelchens in vorbildlicher

Weise und sichert den Fortbestand der endemischen Art.

Coregonus widegreni MALMGREN, 1863: Nachs.: Die Buckelmaräne wurde an der Ostseeküste

nur in wenigen Exemplaren nachgewiesen (FREYHOF & SCHÖTER 2005). Es ist unklar, ob

sich diese Art bei uns reproduziert.

Cottus gobio LINNAEUS, 1758: Tax.: Die weit verbreitete Koppe C. gobio wurde von FREYHOF et

al. (2005) in zwei Arten, C. gobio und C. rhenanus, getrennt. Die genauen Verbreitungsgrenzen

beider Arten sind allerdings bis heute nicht geklärt. BLESS et al. (1998) ordnen diese beiden

Arten (zusammen als C. gobio) noch in „stark gefährdet“ ein. Beide sind heute vor allem

in den Mittelgebirgsregionen weit verbreitet und in geeigneten Habitaten oft sehr häufig.

Cottus microstomus HECKEL, 1837: Gef.: Die Baltische Koppe C. microstomus ist in Polen weit

verbreitet und kommt in Deutschland nur in der Schwärze und im Nonnenfließ, zwei kleine

Gewässer in Brandenburg, vor. Diese Bestände werden von den Brandenburger Experten

als stabil eingeschätzt.

Cottus perifretum FREYHOF, KOTTELAT & NOLTE, 2005: Komm.: Die Stachelkoppe C. perifretum

dringt erst seit wenigen Jahrzehnten aus Belgien und dem Niederrhein nach Süden vor

und besiedelt vor allem den Rhein. Sie ist wahrscheinlich nur im Gebiet des Niederrheins

(NRW) autochthon.

Cottus poecilopus HECKEL, 1837: Nachs.: Das deutsche Verbreitungsgebiet der Buntflossenkoppe

C. poecilopus war immer schon auf wenige Seen in Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern

beschränkt. Im Jahr 1978 gelang der letzte Beleg aus dem Breiten

Luzin in Mecklenburg-Vorpommern (KNAAK 2003). Die Buntflossenkoppe wird auch von

BLESS et al. (1998) als verschollen geführt. Ein Vorkommen dieser Art in den beiden Mecklenburgischen

Seen Breiter Luzin und Zansen (KNAAK 2003) konnte bisher nicht bestätigt

werden (M. Krappe, persönliche Mitteilung). Ein aktuell laufendes Wiederansiedlungsprojekt

mit Buntflossenkoppen am Breiten Luzin hat bisher zu keiner Etablierung eines Bestandes

geführt (M. Krappe, persönliche Mitteilung). Es sei auch hier darauf hingewiesen,

dass sich die Gewässer der Bundesrepublik am Rande des natürlichen Verbreitungsgebietes

dieser weltweit sicheren und ungefährdeten Art befinden.

Cottus rhenanus FREYHOF, KOTTELAT & NOLTE, 2005: Tax.: Siehe C. gobio.

Eudontomyzon vladykovi OLIVA & ZANANDREA, 1959: Gef.: Dieses Neunauge ist auf einen oder

wenige kleine Bäche in Bayern beschränkt. Die gesamte Gefährdungssituation dieser Art ist

sehr schlecht untersucht.

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Gobio obtusirostris VALENCIENNES, 1842: Nachs.: Der Donau-Gründling ist historisch aus

Bayern beschrieben (VALENCIENNES in CUVIER & VALENCIENNES 1842) und der Typenfundort

liegt in Bayern. Diese Art wurde aber in den letzten Jahrzehnten nicht nachgesucht.

Hucho hucho (LINNAEUS, 1758): Gef.: Die Bestandssituation des Huchens, der ausschließlich

im Donau-Einzug heimisch ist, hat sich seit vielen Jahren nicht verändert. Von dieser einst

weit verbreiteten Art existieren nur sehr wenige und kleine sich selbst erhaltende Bestände.

Ursachen hierfür sind vor allem massive Ausbaumaßnahmen der einstigen Huchengewässer,

z.B. für Wasserkraft. Die meisten heute in der Donau lebenden Huchen gehen auf Besatz

zurück. Die befragten Experten schätzen die Bestandsentwicklung in den letzten Jahren

als auf sehr geringem Niveau stabil ein und gehen nicht von einem Aussterben der Art in

den nächsten Jahren aus.

Huso huso (LINNAEUS, 1758): Gef.: Die Donaustöre Hausen Huso huso, Sternhausen Acipenser

stellatus und Waxdick A. gueldenstaedtii gelangten im 19. Jahrhundert vom Schwarzen

Meer nur noch sehr vereinzelt bis in die deutsche Donau (SIEBOLD 1863). Schon damals

waren die Bestände stark durch Überfischung beeinträchtigt. Heute sind alle drei Arten in

Deutschland verschollen.

Lampetra fluviatilis (LINNAEUS, 1758): Gef.: Flussneunaugen haben positiv auf die verbesserte

Wasserqualität reagiert und der kurzfristige Trend bei den großen Populationen im Nordseeeinzug

ist klar positiv. Die kleine Ostseepopulation des Flussneunauges geht allerdings

auch in Gewässern ohne Wanderhindernisse und guter Gewässerstruktur nach wie vor zurück.

Dieses Neunauge hat insgesamt bisher weder die Verbreitung noch die Populationsstärke

wie vor ca. 100 – 150 Jahren wieder erreicht. Nach wie vor verhindern dies unpassierbare

Querbauwerke und die starke Überformung der großen Fließgewässer. Zahlreiche

Experten befürchten, dass im Rahmen des Ausbaues erneuerbarer Energien zur Wasserkraftnutzung

Querbauwerke erneuert bzw. zusätzlich in den Fließgewässern etabliert werden.

Es ist daher zu befürchten, dass sich der Erhaltungszustand des Flussneunauges mittelfristig

wieder verschlechtern könnte.

Lampetra planeri (BLOCH, 1784): Gef.: Das Bachneunauge hat in den letzten zehn Jahren seine

Bestände nahezu überall stabilisiert. Zahlreiche Experten befürchten aber, dass es im Rahmen

der Vorsorgemaßnahmen zur Klimaänderung zu zusätzlichen Gewässerbelastungen

(Energiepflanzenanbau) und Gewässerausbaumaßnahmen (um Extremhochwässer abzufangen,

z.B. aktuell im Harz) kommen wird. Zudem ist zu befürchten, dass im Rahmen des

Ausbaues erneuerbarer Energien zur Wasserkraftnutzung Querbauwerke erneuert bzw. zusätzlich

in den Fließgewässern etabliert werden. Es ist daher zu befürchten, dass sich der

Erhaltungszustand des Bachneunauges mittelfristig wieder verschlechtern könnte.

Osmerus eperlanus (LINNAEUS, 1758): Gef.: Die Gefährdungsanalyse des Stints wird von den

sehr großen und stabilen Populationen an den Küsten bestimmt. Es sei hier aber darauf hingewiesen,

dass viele der kleinen Populationen in den norddeutschen Binnenseen einen negativen

Bestandstrend aufweisen und durchaus gefährdet sein können.

Pelecus cultratus (LINNAEUS, 1758): Komm.: Die Ziege wird sehr selten in der unteren, deutschen

Donau sowie an der Ostseeküste nachgewiesen. Die Experten in Mecklenburg-

Vorpommern und Bayern gehen davon aus, dass es sich hierbei immer um Gäste aus Polen

bzw. Österreich handelt, die sich nicht oder nur sehr unregelmäßig in Deutschland reproduzieren.

Während es keinen Zweifel daran gibt, dass die Ziege in Bayern vor dem Donauausbau

etabliert war, ist das Vorkommen der Ziege in Mecklenburg-Vorpommern nicht gesichert.

Ob es im Oderhaff je eine Population gegeben hat, ist unklar (WOLTER & FREYHOF

2005). Allerdings befinden sich die Gewässer der Bundesrepublik Deutschland am Rande

des natürlichen Verbreitungsgebietes dieser weltweit sicheren und ungefährdeten Art.

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Petromyzon marinus LINNAEUS, 1758: Gef.: Meerneunaugen waren in Deutschland schon immer

sehr selten. Sie haben positiv auf die verbesserte Wasserqualität reagiert und kommen

heute in den meisten Gewässern wieder vor. Beim Meerneunauge ist es unklar, ob die Populationsstärken

wie vor ca. 100 – 150 Jahren wieder erreicht wurden. Sicher ist aber, dass viele

Gewässer, in denen das Meerneunauge historisch vorgekommen ist, heute durch unpassierbare

Querbauwerke für diese Art unerreichbar sind.

Rutilus meidingeri (HECKEL, 1851): Gef.: Nach lang anhaltendem Rückgang ist Anfang der

1990er Jahre im Chiemsee die einzige historisch bekannte deutsche Population des Perlfisches

erloschen. Seit 1995 werden Perlfische aus Österreich in den Chiemsee besetzt, ohne

dass es hier bisher zur Etablierung einer sich selbst tragenden Population gekommen ist. Die

Gründe für das Aussterben des Perlfisches im Chiemsee sind unklar. ZAUNER & RATSCHAN

(2005) weisen auf eine reproduktive Population des Perlfisches in der österreichischen Donau

im Bereich Jochenstein hin. Es ist davon auszugehen, dass sich die Fische in der gesamten

Gewässerbreite aufhalten, auch wenn sie am deutschen Ufer noch nicht gefunden wurden.

Da die Population in dem untersten deutschen Donauabschnitt sehr klein ist, wird der

Perlfisch hier als vom Aussterben bedroht eingeordnet. Diese Art ist in ihrem Weltbestand

stark gefährdet (KOTTELAT & FREYHOF 2007) und kommt nur noch in Österreich vor.

Komm.: FREYHOF & BRUNKEN (2004) haben den Perlfisch noch als in Deutschland verschollen

eingeschätzt und daher keine Verantwortlichkeit für die Art benannt. Durch die

neu entdeckte Donau-Population trifft dies nicht mehr zu und die Verantwortlichkeit wird

hier als !! eingeschätzt, da die Art nach IUCN als EN klassifiziert wird und die deutsche

Population im Hauptareal liegt.

Sabanejewia baltica WITKOWSKI, 1994: Nachs.: Vom Goldsteinbeißer liegt nur ein Nachweis

aus der Unteren Oder vor (BOHLEN et al. 2005). Da die Art im polnischen Odergebiet weit

verbreitet ist, bleibt unklar, ob auch im polnisch/deutschen Grenzgebiet Populationen existieren

oder ob nur ab und zu Einzeltiere dorthin abgedriftet werden.

Salmo salar LINNAEUS, 1758: Gef.: Der Lachs wird weiterhin als vom Aussterben bedroht eingeschätzt

(vgl. BLESS et al. 1998). Bei den in den deutschen Meeresgebieten gefangenen

Lachsen handelt es sich überwiegend um Tiere aus den Besatzprogrammen. Es ist aber nicht

auszuschließen, dass sich auch Gäste aus nordeuropäischen Wildpopulationen darunter finden.

Die Experten aller Bundesländer mit Ausnahme Sachsens gehen davon aus, dass ihre

Lachsbestände ohne Besatz wieder erlöschen würden. Sächsische Experten geben an, dass

das Wiederansiedlungsprojekt in der Sächsischen Schweiz zur Etablierung einer sich selbst

tragenden Population geführt hat. Obwohl auch in anderen Bundesländern große Anstrengungen

unternommen wurden, die Situation für den Lachs zu verbessern, waren die getroffenen

Maßnahmen u.a. aufgrund ungenügender Sedimentqualität auf den Laichplätzen und

bestehender Wanderhindernisse bisher nicht erfolgreich. Die Anstrengungen v.a. bzgl.

Durchwanderbarkeit und Sedimentqualität müssen fortgesetzt werden, um noch mehr Möglichkeiten

für wirkliche Wiederansiedlungen zu schaffen.

Salmo trutta LINNAEUS, 1758: Tax.: BLESS et al. (1998) trennen innerhalb der Forelle Salmo

trutta drei „ökologische Formen“ und ermitteln deren Gefährdung. Bei der Meerforelle, der

Seeforelle und Bachforelle handelt es sich aber nicht um Arten oder Unterarten, sondern um

unterschiedliche Lebensstrategien einer Art, Salmo trutta, die nicht reproduktiv getrennt

sind (siehe für Details z.B. SCHREIBER & DIEFENBACH 2004; WYSUJACK et al. 2009); auch

Bezeichnungen wie forma fario, forma lacustris oder forma trutta für die verschiedenen Forellen

unter dem International Code of Zoological Nomenclature sind falsch (FREYHOF &

HUCKSTORF 2006). Die ökologischen Formen Bachforelle, Meerforelle und Seeforelle werden

daher im Rahmen der Gefährdungsanalyse zu einer biologischen Einheit zusammengefasst,

der Forelle Salmo trutta. Gef.: Die Forelle ist bundesweit nicht gefährdet, auch wenn

302


vor allem in Norddeutschland viele Populationen durch zu hohe Feinsedimentbelastungen

stark beeinträchtigt sind. Es gibt Forellenpopulationen, die neben Bach- auch See- bzw.

Meerforellen ausbilden, während andere Populationen dazu offenbar nicht in der Lage sind

oder dies aufgrund der ökologischen Rahmenbedingungen aktuell nicht tun. Die Erhaltung

der ökologischen Formendiversität der Forelle muss ein Anliegen des Schutzes sein. Forellenpopulationen,

die aus Bachforellen und Seeforellen oder aus Bachforellen und Meerforellen

bestehen, müssen gesondert betrachtet und entwickelt werden.

Salvelinus evasus FREYHOF & KOTTELAT, 2005: Gef.: Der im Ammersee endemische Saibling

weist offenbar einen stabilen Bestand auf. Siehe auch Salvelinus umbla.

Salvelinus monostichus HECKEL, 1851: Tax.: Im Sinne des Vorsorgeprinzips wird der Königssee-Saibling

S. monostichus hier wie eine eigene Art betrachtet, obwohl sein taxonomischer

Status unklar ist und die Untersuchungen dazu nicht abgeschlossen sind. Gef.: Der Königssee-Saibling

ist im Königssee und angrenzenden Ober- und Grünsee endemisch und dort aktuell

häufig. Der Bestand könnte durch den Besatz mit Renken heute geringer sein als dies

historisch der Fall war, doch liegen keine zuverlässigen Daten vor. Auch kann eine Hybridisierung

mit anderen Saiblingen nicht ausgeschlossen werden.

Salvelinus profundus SCHILLINGER, 1901: Gef.: Der im Bodensee endemische Tiefseesaibling

gilt als weltweit ausgestorben. Siehe auch Salvelinus umbla.

Salvelinus umbla (LINNAEUS, 1758): Tax.: Die Diversität der Seesaiblinge ist kaum erforscht

und mit Ausnahme der echten Tiefseesaiblinge (S. profundus, S. evasus) ist bisher unklar,

wie viele Arten sich unter diesem Namen verstecken. Es ist nicht auszuschließen, dass es

sich bei den Saiblingen des Bodensees sowie bei denen der Donau-Seen um verschiedene

Arten oder Schutzeinheiten handeln könnte.

Thymallus thymallus (LINNAEUS, 1758): Gef.: Nach einer durch vielfältige Probleme in den

Gewässern (Gewässerausbau, Verschmutzung, Schwallbetrieb u.a.) verursachten langen

Phase des Rückganges im 20. Jahrhundert reagierten vor allem die Äschenpopulationen im

Einzug von Rhein, Elbe und Weser regional positiv auf die verbesserte Wasserqualität.

BLESS et al. (1994) bewerteten die Bestandsentwicklung der Äsche daher positiv. Aber nicht

in allen Regionen Deutschlands fand eine Bestandserholung statt oder verlief diese reibungslos

(vgl. BAARS et al. 2001 für Bayern; RAU et al. 1999 für Sachsen) und schon bei

der nächsten Roten Liste mussten negative Trends vermerkt werden (BLESS et al. 1998).

Zwischen den späten 80er und den mittleren 90er Jahren sind nahezu alle Populationen im

ganzen Bundesgebiet dramatisch zurückgegangen. Die Äsche ist zwar noch weit verbreitet,

doch sind die Populationen heute meist klein bis sehr klein.

4. Auswertung

Die Auswertungen der Roten Liste sind in Tabelle 2 dargestellt. Ein bitteres Fazit dieser Roten

Liste ist die Tatsache, dass trotz intensiver Bemühungen im Fischartenschutz drei heimische

Arten im 20. Jahrhundert unwiederbringlich weltweit ausgestorben sind. Dies sind der Rhein-

Schnäpel Coregonus oxyrinchus sowie die beiden Endemiten des Bodensees, der Kilch Coregonus

gutturosus und der Tiefseesaibling Salvelinus profundus (FREYHOF & KOTTELAT 2005).

Zwei weitere Arten (Ammerseekilch, Chiemseerenke) stehen sehr wahrscheinlich kurz vor dem

weltweiten Aussterben. Hier herrscht dringender Handlungsbedarf! In dieser Roten Liste wurden

aufgrund genauerer Erkenntnisse und veränderter Einschätzungen zehn Arten in die Kategorie

„Ausgestorben oder verschollen“ eingruppiert.

303


Tab. 2: Bilanzierung der Anzahl etablierter Arten und der Rote-Liste-Kategorien. Bei Auswertungen

werden Neobiota vereinbarungsgemäß nicht berücksichtigt, selbst wenn sie als

einzelne Arten bewertet wurden.

304

Bilanzierung der Anzahl etablierter Arten absolut prozentual

Gesamtzahl etablierter Arten 103 100,0 %

Neobiota 14 13,6 %

Indigene und Archaeobiota 89 86,4 %

davon bewertet 89 86,4 %

davon nicht bewertet (♦) 0 0,0 %

Bilanzierung der Rote-Liste-Kategorien absolut prozentual

Gesamtzahl bewerteter Indigener und Archaeobiota 89 100,0 %

0 Ausgestorben oder verschollen 10 11,2 %

1 Vom Aussterben bedroht 8 9,0 %

2 Stark gefährdet 9 10,1 %

3 Gefährdet 5 5,6 %

G Gefährdung unbekannten Ausmaßes 0 0,0 %

Bestandsgefährdet 22 24,7 %

Ausgestorben oder bestandsgefährdet 32 36,0 %

R Extrem selten 6 6,7 %

Rote Liste insgesamt 38 42,7 %

V Vorwarnliste 7 7,9 %


Ungefährdet 40 44,9 %

D Daten unzureichend 4 4,5 %

Bezogen auf die übrigen Arten zeichnet die Auswertung dieser Roten Liste allerdings ein

überwiegend erfreuliches Bild. Die Bestände vieler Arten haben sich seit ca. 1985 – 1990 vor

allem aufgrund der verbesserten Gewässergüte und der Erfolge bei der Verbesserung von Gewässerstruktur

und Durchgängigkeit erholt. Nur 22 (25%) der 89 heimischen Arten fallen in die

Kategorien „Vom Aussterben bedroht“ bis „Gefährdet“. Von diesen 22 Arten haben 14 ein

kleines bis sehr kleines Verbreitungsgebiet. Fünf der acht als vom Aussterben bedroht sowie

vier von neun als stark gefährdet eingestuften Arten kommen jeweils nur in einem sehr kleinen

Gebiet in Bayern vor. Das natürliche Verbreitungsgebiet von zehn der in den Kategorien „Vom

Aussterben bedroht“ bis „Gefährdet“ geführten Arten (45%) beschränkt sich auf Bayern (und

zum Teil Baden-Württemberg). Dies hängt vor allem mit der großen Fläche dieser Bundesländer

und dem durch die Donau und die Voralpenseen verursachten hohen Artenreichtum zusammen.

Bayern und Baden-Württemberg spielen daher eine zentrale Rolle bei der Erhaltung der Fischfauna.

Ein weiteres Bundesland mit besonders vielen Arten der Roten Liste ist Mecklenburg-

Vorpommern mit den nur dort vorkommenden Rote-Liste-Fischarten Schaalseemaräne und

Luzin-Tiefenmaräne. In diesen Bundesländern kommen auch die meisten der Arten der Kategorie

R vor. Nur vier der in den Kategorien „Vom Aussterben bedroht“ bis „Gefährdet“ geführten


Arten sind aktuell in nahezu allen Bundesländern verbreitet (Äsche, Karausche, Schlammpeitzger,

Zährte). Allerdings hatten einige verschollene oder heute vom Aussterben bedrohte Arten

historisch ein wesentlich größeres Verbreitungsgebiet (Maifisch, Lachs, Stör).

Tab. 3: Auswertung der Kriterien zu den bewerteten Arten (ohne Neobiota).

Kriterium 1: Aktuelle Bestandssituation absolut prozentual

ex ausgestorben oder verschollen 10 11,2 %

es extrem selten 16 18,0 %

ss sehr selten 23 25,8 %

s selten 13 14,6 %

mh mäßig häufig 16 18,0 %

h häufig 7 7,9 %

sh sehr häufig 2 2,2 %

? unbekannt 2 2,2 %

Kriterium 2: Langfristiger Bestandstrend absolut prozentual


In den letzten zehn Jahren haben sich die Bestände von 24 Arten verbessert (Tab. 3). Dies

zeigt, dass sich die großen Investitionen in den Gewässerschutz positiv auf die Fischbestände

ausgewirkt haben. Für 43 Arten ergab der Vergleich des heutigen zum historischen Verbreitungsgebiet

bzw. zu historischen Bestandsdichten noch verminderte Populationsgrößen bzw.

eine reduzierte geographische Verbreitung. Sieben von neun Arten, die als stark gefährdet eingeschätzt

werden, besiedeln heute ein wesentlich kleineres Verbreitungsgebiet, als dies historisch

der Fall war, weisen aber in diesem Gebiet einen gleich bleibenden kurzfristigen Bestandstrend

während der letzten zehn Jahre auf. Dies zeigt, dass noch große Anstrengungen in der

Verbesserung der Strukturgüte und Durchgängigkeit von Gewässern notwendig sind, damit

Neunaugen und Fische ihre historischen Verbreitungsgebiete natürlich wiederbesiedeln können.

Tab. 4: Kategorieänderungen gegenüber der früheren Roten Liste (BLESS et al. 1998) und ihre

Bilanzierung.

Kategorieänderungen absolut prozentual

Kategorie verändert 36 40,4 %

positiv 31 34,8 %

negativ 5 5,6 %

Kategorie unverändert 18 20,2 %

Kategorieänderung nicht bewertbar (inkl. ♦�♦) 35 39,3 %

Gesamt 89 100,0 %

BLESS et al. (1998) schätzten noch 45 von 68 (71%) Arten (inklusive Finte, Aal und drei Forellen)

als „vom Aussterben bedroht“ bis „gefährdet“ ein. Die meisten Kategorieänderungen in

der hier vorgelegten Roten Liste sind positiv und bei 31 Fällen positiver Kategorieänderungen

(Tab. 4) ist in 14 Fällen eine tatsächliche Verbesserung des Erhaltungszustandes zumindest als

Grund der Kategorieänderung beteiligt; in 13 Fällen spielt Kenntnisgewinn eine Rolle (Tab. 5).

Bei fünf negativen Kategorieänderungen ist in drei Fällen ein Kenntnisgewinn beteiligt und in

zwei Fällen eine tatsächliche Verschlechterung des Erhaltungszustandes (Karausche, Äsche).

Nur sieben von 36 Kategorieänderungen beruhen allein auf der veränderten Methode der Gefährdungseinstufung.

Im Vergleich zu den vorherigen Roten Listen liegen dieser Roten Liste

mehr und bessere Daten zugrunde und viele Fischbestände haben sich auch wirklich verändert.

Die Anwendung von modernen taxonomischen Konzepten spielt für die Zahl der Arten, die in

der Roten Liste betrachtet werden, eine große Rolle. Dies liegt vor allem an dem heute besseren

Verständnis der Diversität der Coregonen, Saiblinge und Koppen. So wurden alle Coregonen bis

auf den Nordseeschnäpel von BLESS et al. (1998) als gefährdet eingestuft. Tatsächlich sind einige

Arten ungefährdet, während andere stärker gefährdet sind. Bei den Saiblingen erkennen

BLESS et al. (1998) nur eine Art und bei den Koppen zwei Arten, während hier vier bzw. fünf

Arten betrachtet werden (siehe auch FREYHOF et al. 2005; FREYHOF & KOTTELAT 2005). Alle

Saiblinge und Koppenbestände wurden von BLESS et al. (1998) als stark gefährdet eingeschätzt.

Sie sind aber heute ungefährdet, wenn auch z.T. sehr lokal verbreitet (Kategorie R).

Nach den Kriterien der IUCN werden 22 heimische Fischarten in ihrem Weltareal als ausgestorben

oder gefährdet klassifiziert (Tab. 6). Von diesen Arten sind acht in Deutschland verschollen

und neun Arten werden auch nach dem Kriteriensystem von LUDWIG et al. (2006) als in

Deutschland gefährdet eingestuft. Von den fünf verbleibenden Arten, die nach den IUCN-

Kritierien als gefährdet gelten, wird hier eine Art (Karpfen) als ungefährdet angesehen und vier

Arten werden in die Kategorie R gruppiert.

306


Tab. 5: Gründe der Kategorieänderungen gegenüber der früheren Roten Liste (BLESS et al.

1998) und ihre Bilanzierung.

positiv

negativ

alle

Gründe für die Kategorieänderungen

1. Grund 1.-3. Grund

abs. proz. abs.

proz.

(Taxa)

R Reale Veränderungen 14 45,2 % 14 45,2 %

R(Na) Reale Veränderungen durch Naturschutzmaßnahmen 0 0,0 % 0 0,0 %

K Kenntniszuwachs 11 35,5 % 13 41,9 %

M Methodik 6 19,4 % 7 22,6 %

T Taxonomische Änderungen 0 0,0 % 0 0,0 %

gesamt mit Grund 31 100,0 % 34 [100,0 %]

[leer] Grund unbekannt 0 0,0 % 0 0,0 %

gesamt positive Änderungen 31 100,0 % 34 *

R Reale Veränderungen 2 40,0 % 2 40,0 %

R(Na) Reale Veränderungen durch Naturschutzmaßnahmen 0 0,0 % 0 0,0 %

K Kenntniszuwachs 2 40,0 % 3 60,0 %

M Methodik 1 20,0 % 1 20,0 %

T Taxonomische Änderungen 0 0,0 % 0 0,0 %

gesamt mit Grund 5 100,0 % 6 [100,0 %]

[leer] Grund unbekannt 0 0,0 % 0 0,0 %

gesamt negative Änderungen 5 100,0 % 6 *

R Reale Veränderungen 16 44,4 % 16 44,4 %

R(Na) Reale Veränderungen durch Naturschutzmaßnahmen 0 0,0 % 0 0,0 %

K Kenntniszuwachs 13 36,1 % 16 44,4 %

M Methodik 7 19,4 % 8 22,2 %

T Taxonomische Änderungen 0 0,0 % 0 0,0 %

gesamt mit Grund 36 100,0 % 40 [100,0 %]

[leer] Grund unbekannt 0 0,0 % 0 0,0 %

gesamt alle Änderungen 36 100,0 % 40 *

Bilanzierung realer Veränderungen [R + R(Na)] abs. proz. abs.

proz.

(Taxa)

positiv 14 45,2 % 14 45,2 %

negativ 2 40,0 % 2 40,0 %

* Aufgrund von Mehrfachnennungen sind Summenbildungen bezüglich der Taxa nicht möglich.

[%]: Anteil derjenigen Taxa, für die mindestens ein Grund genannt wird (nicht die Summe der Prozentsätze der

einzelnen Gründe, s.*).

307


Tab. 6: Heimische Fischarten, die von der IUCN in ihrem Weltareal als ausgestorben oder

gefährdet klassifiziert werden. werden (Stand 2008, www.iucnredlist.org; KOTTELAT & FREY-

HOF 2007). RL: Einstufung nach dieser Roten Liste; IUCN: Einstufung nach IUCN;

EX: ausgestorben; EW: im natürlichen Verbreitungsgebiet verschollen; CR: vom Aussterben

bedroht; EN: stark gefährdet; VU: gefährdet; NT: Vorwarnliste.

A r t RL IUCN

Acipenser gueldenstaedtii 0 CR

Acipenser oxyrinchus 0 NT

Acipenser ruthenus 1 EN

Acipenser stellatus 0 CR

Acipenser sturio 0 CR

Coregonus arenicolus R VU

Coregonus bavaricus 1 CR

Coregonus gutturosus 0 EX

Coregonus hoferi 1 CR

Coregonus holsatus 2 EW

Coregonus lucinensis 2 VU

Coregonus macrophthalmus R VU

Coregonus maraena 3 VU

Coregonus oxyrinchus 0 EX

Coregonus wartmanni R VU

Cyprinus carpio � VU

Hucho hucho 2 EN

Huso huso 0 CR

Rutilus meidingeri 1 EN

Salmo salar 1 VU

Salvelinus evasus R VU

Salvelinus profundus 0 EX

5. Gefährdungsursachen und notwendige Hilfs- und Schutzmaßnahmen

Die FFH-Richtlinie erweist sich als ein wirkungsvolles Instrument zum Schutz von Arten und

ihren Habitaten. In den letzten Jahren ist es aber zu Irritationen einiger Anwender gekommen,

wenn FFH-Arten umbenannt oder gar eine FFH-Art in mehrere Arten unterteilt wurde (z.B.

Cottus gobio in C. gobio, C. rhenanus, C. microstomum und C. perifretum). Ganz im Sinne der

FFH-Richtlinie wird der Status der FFH-Art auf alle „Folgearten“ übertragen. Dies bedeutet,

dass inklusive der Anhang-V-Arten, 51 FFH-Arten entsprechend den Kriterien der Roten Liste

bewertet wurden. Von den in Deutschland heimischen FFH-Arten fallen 18 in die Kategorien

„Vom Aussterben bedroht“ bis „Gefährdet“ (Tab. 7).

308


Tab. 7: Heimische Fischarten Fischarten der der Kategorien „Vom Aussterben bedroht“ bis „Gefährdet“, „Gefährdet“, die

auch in der FFH-Richtlinie aufgelistet werden. RL: Einstufung nach dieser Roten

Liste; FFH: FFH-Anhang; *: der Rote-Liste-Status bezieht sich auf die Art in ihrer Gesamtheit.

A r t RL FFH

Acipenser ruthenus 1 V

Coregonus bavaricus 1 V

Coregonus hoferi 1 V

Coregonus holsatus 2 V

Coregonus lucinensis 2 V

Coregonus maraena Ostsee-Population 3* V

Coregonus maraena Nordsee-Population 3* II, IV

Eudontomyzon vladykovi 1 II

Gymnocephalus schraetser 2 II, V

Hucho hucho 2 II, V

Lampetra fluviatilis 3 II, V

Misgurnus fossilis 2 II

Rutilus meidingeri 1 II, V

Rutilus virgo 3 II, V

Salmo salar 1 II, V

Telestes souffia 3 II

Thymallus thymallus 2 V

Zingel streber 2 II

Zingel zingel 2 II, V

Über die FFH-Richtlinie erfahren die Habitate von elf (50%) der in den Kategorien „Vom

Aussterben bedroht“ bis „Gefährdet“ geführten Arten (Anhang II und IV) besonderen Schutz.

Acht der in den FFH-Anhängen aufgelisteten Arten sind in Deutschland verschollen. Darunter

befinden sich zwei im Anhang IV gelistete Arten (Atlantischer Stör, Baltischer Stör). Eine weitere

Populationsgruppe (Anhang IV: Nordseepopulation des Schnäpels) ist heute sehr wahrscheinlich

außerhalb ihres natürlichen Verbreitungsgebietes etabliert, innerhalb des natürlichen

Verbreitungsgebietes wird die Art bisher nur über Besatzmaßnahmen eingebracht. Eine FFH-Art

(Meerneunauge) verbleibt auf der Vorwarnliste, für zwei FFH-Arten liegen ungenügende Daten

vor (Buckelmaräne, Starnberger Renke) und fünf Arten fallen in die Kategorie R (Baltische

Koppe, Fontanemaräne, Blaufelchen, Gangfisch, Sandfelchen). Die verbleibenden 17 FFH-

Arten werden für das Bundesgebiet als ungefährdet eingeschätzt. Karausche und Zährte sind die

einzigen Arten der Roten Liste, die nicht unter die FFH-Richtlinie fallen. Allerdings sind einige

der stark gefährdeten oder vom Aussterben bedrohten Arten der Roten Liste (Äsche, Sterlet,

Coregonen) nur in Anhang V der FFH-Richtlinie aufgeführt, wodurch kein ausreichender Schutz

der Populationen gewährleistet werden kann. Der Zusammenbruch der Äschenbestände sei hier

nur als ein Beispiel genannt.

309


Gefährdungsursachen

Es sei hier vorangestellt, dass die Gefährdungsursachen und notwendige Hilfs- und Schutzmaßnahmen

für die meisten Fischarten seit langem bekannt sind. Als wesentliche Problemfelder

sind zu nennen:

• Technisch orientierter Gewässerausbau

Stark ausgebaute Gewässer beeinträchtigen überall in Deutschland die Fischbestände. Bundesweit

sind große Teile unserer Gewässer nach rein technisch orientierten Zielen ausgebaut und

reguliert und werden abrechnungsorientiert und mechanisiert unterhalten (z.B. oft fragwürdige

Unterhaltung von weniger intensiv genutzten Schifffahrtsstraßen, z.B. Elbe und Oder). Die

Verbindung der Donau mit dem Rhein über den Rhein-Main-Donau-Kanal hat zu einer Flut von

Neozoen im Rhein geführt. Dass dies so kommen würde, war vor der Fertigstellung des Kanals

bekannt und wurde in Kauf genommen. Weitere große Flussverbindungen (z.B. Donau/Oder)

werden ohne Rücksicht auf Verluste geplant und wohl dann auch umgesetzt. Gewässerregulierung

sowie Querverbau und damit verbunden eine Reduktion des historischen Verbreitungsgebietes

stellen für 16 Arten (73%), die in den Kategorien „Vom Aussterben bedroht“ bis „Gefährdet“

geführt werden, die wesentlichen Gefährdungsursachen dar. Allein die Verbreitung von

sieben Fischarten aus den Kategorien 1 bis 3 (32%) sind durch den Ausbau der Donau zu einer

stauregulierten Wasserstraße stark beeinträchtigt. Strukturverluste durch monotone, mechanisierte

und oft übertriebene Gewässerunterhaltung sind die Regel. Nach wie vor wird Hochwasserschutz

weitgehend mit Deicherhöhungen und hartem Uferverbau statt mit Auenrückgewinnung

synonymisiert. Die klimabedingten Prognosen einer höheren Frequenz und Amplitude von

Hochwasserereignissen werden in den kommenden Jahren zu einer neuen Welle technischer

Überformungen von Fließgewässern führen. Belange des Natur- und Artenschutzes spielen in

dieser Diskussion, wenn überhaupt, nur für ausgewählte terrestrische Organismen eine Rolle.

• Wasserkraft und Kühlwassernutzung

Wasserkraft als nicht-fossiler Energieträger wird, wenn es in den Stauräumen nicht zu starker

Methan-Bildung kommt, zu Recht gefördert. Die Nutzung von Wasserkraft ist aber für die gesamte

Gewässerbiozönose sehr problematisch und erfordert innovative Lösungen. Ein wesentlicher

Teil des Gewässerausbaus erfolgte in der Vergangenheit für Wasserkraftanlagen und der

Neubau vieler Wasserkraftanlagen wird in naher Zukunft unsere Gewässer noch stärker beeinträchtigen.

Querverbau für Wasserkraft hat zu einer Reduktion des historischen Verbreitungsgebietes

von zehn Arten (45%) der Kategorien „Vom Aussterben bedroht“ bis „Gefährdet“ (und

zahlreicher „nur“ regional gefährdeter Arten) geführt und ist damit eine der wichtigsten Gefährdungsursachen.

Wasserkraftanlagen, aber auch viele heute unnötige „Kulturwehre“, haben eine

mangelhafte Durchgängigkeit vieler Gewässer zur Folge. Wenn Wasserkraft mit Schwallbetrieb

verbunden ist, führt dies zur Verödung von ganzen Flussabschnitten, z.B. im Voralpenraum. Zu

geringe Mindestwasserführungen beeinträchtigen schon heute viele Fließgewässer massiv und

dieser Faktor wird mit zunehmender Klimaerwärmung an Bedeutung gewinnen. Zudem werden

jedes Jahr massenhaft Fische in Turbinen und im Kühlwasser von Kraftwerken vernichtet. Zukünftig

wird es vor allem in den größeren Gewässern durch neue Kraftwerke zu einer starken

Zunahme von Abwärme-Einleitungen kommen. Wann es zu Störungen in der Reproduktion

durch einen fehlenden „Winter“ in den Gewässern kommt, ist bisher ungeklärt. Während das

Problem der Durchgängigkeit von Wehren mit Fischpässen technisch zu lösen ist, mangelt es an

der finanziellen, rechtlichen und politischen Umsetzung. Der ökologische Zustand von Stauräumen

und Schifffahrtsstraßen kann nur schwerlich verbessert werden.

310


• Nährstoff- und Feinsedimentbelastung

Eutrophierung von Seen und Verschmutzung von Kiesbetten in Fließgewässern sind weit

verbreitete Phänomene, die zwar nur wenige Arten so existenziell treffen, dass sie in die Rote

Liste kommen (z.B. Lachs), die aber dazu führen, dass viele Fischgemeinschaften sehr stark

verändert sind. So sind z.B. die Bestände vieler Kieslaicher vor allem aufgrund zu hoher Feinsedimentanteile

in vielen Regionen auf sehr niedrigem Niveau. Zu hohe Feinsedimentbelastung

und zu hohe Nährstofffrachten resultieren z.B. aus ungeschützten Anbindungen von Meliorationssystemen

oder Regenwassereinleitungen, ungenügender Abwasserreinigung, ungenügenden

Regenrückhaltekapazitäten von Kläranlagen und zu schmalen Gewässerrandstreifen (Abstände

zu Acker-, Weide- oder Grünland). Nach wie vor laufen in vielen Mittelgebirgslagen bei Starkregen

die Kläranlagen über und fluten die Gewässer mit stark zehrenden Feinsedimenten. Natürliche

Wasserrückhaltung in der Landschaft und Hochwasserschutz durch Renaturierung von

Auen sind leider immer noch Randthemen.

• Forschungsdefizite

Um die Ziele des Übereinkommens über die biologische Vielfalt (u.a. 2010-Ziel der EU: kein

weiterer Verlust von Biodiversität) und das nationale Ziel einer kürzeren Roten Liste (Nationale

Nachhaltigkeitsstrategie) zu erreichen, ist es unbedingt nötig, einem künftigen Verlust von Biodiversität

vorzubeugen. Dazu sind ganz spezifische Maßnahmen nötig. Das 2010-Ziel der EU

wird auch für die Fische Deutschlands nicht mehr zu erreichen sein. Klimaerwärmung, Abwärmeeinleitungen,

Veränderungen in der Landnutzung und ein starker Ausbau der Wasserkraft

werden unsere Fischbestände in den kommenden Jahrzehnten massiv beeinträchtigen. Wenn das

Ziel, den Artenschwund zu stoppen, erreicht werden soll, sind diejenigen Arten besonders interessant,

deren Bestände während der letzten zehn Jahre zurückgegangen sind oder die kurz vor

dem Aussterben stehen. Dies trifft auf die Äsche, den Ammerseekilch, die Chiemseerenke, die

Karausche und die Plötze zu. Die Plötze geht vor allem aufgrund der verbesserten Gewässergüte

zurück, für die anderen Arten besteht akuter Handlungsbedarf. Auf der Ebene einiger Bundesländer

oder auf regionaler Ebene sind wesentlich mehr Arten rückläufig.

• Klimawandel

Der Klimawandel stellt den Schutz von Biodiversität in Deutschland vor neue Herausforderungen.

Vor allem aquatische Arten mit limitierten Ausbreitungsmöglichkeiten wie Fische sind

hier betroffen. Um einem zukünftigen Verlust von Biodiversität begegnen zu können, muss über

die bisherigen Ansätze (Schutzgebiete, FFH-Richtlinie) hinaus gedacht werden. Für die Erhaltung

aquatischer Biodiversität in Deutschland müssen die wichtigen Gebiete identifiziert werden.

Dies kann z.B. nach dem Konzept der Key Biodiversity Areas (KBA) (GÜVEN et al. 2004)

geschehen. Zudem ist es notwendig, die Auswirkungen verschiedener Klimaszenarien auf diese

Gebiete zu modellieren und zu quantifizieren. Es ist weiterhin nötig, potentielle Klima-

Refugialräume zu ermitteln und deren Vernetzung mit den aktuellen Arealen zu gewährleisten.

Damit können Grundlagen für wissenschaftlich begründete Entwicklungskonzepte der Gebiete

und für einen nachhaltigen Schutz aquatischer Biodiversität bereitgestellt werden. Zudem ist die

autökologische und synökologische Datengrundlage für viele Arten sehr gering und wir wissen

oft nicht, wie Fische auf verändertes Klima reagieren werden. Beispielsweise bleibt offen, was

passiert, wenn die kritischen Temperaturen für die Gonadenreifung nicht mehr unterschritten

werden oder die Synchronisation der Laichzeiten nicht mehr gewährleistet ist.

311


• Der Zusammenbruch der Äschenbestände

Dass die Äschenbestände in der weit überwiegenden Zahl der Gewässer massiv zurückgegangen

sind, ist unstrittig. Über die Gründe für diesen Rückgang herrschte bei den befragten

Experten Konsens: „Stark erhöhter Fraßdruck vor allem durch Kormorane hat zu einer flächendeckend

kritischen Situation der Äschenbestände geführt“. Es ist unumstritten, dass Kormorane

wesentlich zum Rückgang der Äsche beigetragen haben, doch auch wenn Kormorane regional

sehr stark negativ auf die Bestände von Äschen wirken können, ist der Rückgang der Äsche so

einfach offenbar nicht zu erklären. DUSSLING & BERG (2001) schreiben für Baden-Württemberg:

„Noch weitgehend ungeklärt sind die Ursachen der in den letzten Jahren nahezu flächendeckend

auftretenden Bestandsrückgänge. Kormorane lauern Äschen mancherorts an ihren Laichplätzen

auf […] Wenngleich es auf diese Weise lokal zum Rückgang von Äschenpopulationen kam,

deuten die räumlichen Ausmaße der Bestandesrückgänge noch auf bislang unbekannte Ursachen

hin“. Ein recht differenziertes Bild zeichnen auch UIBLEIN et al. (2000) für österreichische Äschen

und RIPPMANN et al. (2005) für die Schweiz. RIPPMANN et al. (2005) dokumentieren auch

die massive Auswirkung des warmen Sommers 2003 auf den Äschenbestand am Hochrhein.

Es ist unstrittig, dass Kormorane Fische fressen und dadurch Fischgemeinschaftsstrukturen

beeinflussen. Dies trifft in Deutschland vor allem die Äsche, während andere Arten, wenn überhaupt,

nur regional beeinträchtigt sind. Die Äsche ist besonders anfällig für die Prädation durch

Kormorane, da sie sich vorwiegend in den offenen Fließgewässerbereichen aufhält und kaum

Unterstände nutzt. Es sei hier darauf hingewiesen, dass Kormorane daher auch in naturnahen

Gewässern Äschenbestände massiv reduzieren können. Verbaute Gewässer wirken sich jedoch

insofern negativ aus, als sie oftmals die Wiederbesiedlung der Äsche verhindern (HOFFMANN et

al. 1995). Die sehr deutliche Reduktion der Kormoranbestände als Mittel zur Reduktion der

Prädation wird von allen befragten Experten als das Mittel der Wahl genannt. Der jährliche

Abschuss von im Mittel 64% (36 bis 104%) der Überwinterungsgäste in Bayern (mittlerer Winterbestand;

LINDEINER 2008) wird aber als wirkungslos eingeschätzt, da er nicht zu einer Verminderung

der Winterbestände geführt hat. Der Gesetzgeber hat zudem klar festgelegt, dass

„alternative Populations-Kontrollsysteme“ Vorrang vor der Tötung haben. Eine befriedigende

Lösung des Kormoran-Problems ist bisher nicht in Sicht und zu der Frage, wie der Äsche geholfen

werden kann, gibt es erheblichen Forschungsbedarf.

Dennoch wird derzeit in keinem Bundesland davon ausgegangen, dass die Äsche in den

nächsten zehn Jahren aussterben wird. Die Art wird sich wahrscheinlich mittelfristig auf sehr

geringem Populationsniveau und mit eingeschränkter Verbreitung stabilisieren. Die Prognosen

zu möglichen Folgen der Klimaerwärmung auf Fließgewässer lassen allerdings befürchten, dass

viele Äschenpopulationen erlöschen könnten. Zudem sind bei der Äsche mehrere geographische

Populationsgruppen zu unterscheiden (KOSKINEN et al. 2002; WEISS et al. 2002; GUM et al.

2005). Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass einige davon jetzt schon kurz vor dem Aussterben

stehen. Daher bleibt die Frage offen, ob es nicht doch durch kluge und innovative Forschungsansätze

gelingen könnte, den Prädationsdruck von gefährdeten Fischbeständen zu nehmen

und Habitate so zu optimieren, dass alle anderen Rückgangsursachen minimiert werden

können. Die notwendige Diskussion um den Kormoran darf nicht von einer solchen umfassenden

Analyse ablenken. Es besteht erheblicher Forschungsbedarf: Wie müssen Äschengewässer

gestaltet sein, um sowohl dem hohen Fraßdruck als auch zunehmend warmen Sommern begegnen

zu können? Ist ein spezifisch auf bedrohte Fischbestände ausgerichtetes Vergrämungs-

/Bejagungskonzept sinnvoll und durchführbar? Wo liegen wirklich die kritischen Gebiete? Ein

nationaler Aktionsplan für die Äsche wäre dringend angebracht.

312


• Der ungenügende Kenntnisstand zur Diversität der Renken des Donauraumes

Die Diversität der Renken ist derzeit nicht geklärt. VOGT & HOFER (1909) nennen für die

deutschen Seen im Donau-Einzug folgende Renken: Chiemseerenke, Schlierseerenke, Tegernseerenke,

Starnberger Bodenrenke, Kleine Starnberger Renke, Kochelseerenke, Kochelsee-

Bodenrenke, Ammerseerenke und Ammerseekilch. Ob es sich bei all diesen Renken um eigenständige

Arten handelt, ist bisher unklar. Spätere Autoren wie z.B. WAGLER (1937; 1941) erkennen

einige davon an, fügen weitere hinzu (z.B. den Chiemseekilch) und verwerfen aber auch

einige der Hypothesen. Daher ist die historische Diversität der Renken nur schwer nachzuvollziehen.

Hinzu kommt, dass schon sehr früh Renken (aber auch Maränen, Felchen und Schnäpel)

von einem in einen anderen See besetzt wurden. So berichten VOGT & HOFER (1909) von der

Einsetzung und Etablierung von Renken aus dem Kochelsee in den Walchensee im Jahr 1480.

Nur die Chiemseerenke Coregonus hoferi, der Ammerseekilch C. bavaricus und eine der beiden

Starnberger Renken C. renke sind bisher als gültige Arten beschrieben. All die anderen Renkenpopulationen

wurden bisher nicht im Detail untersucht. Gleichzeitig sind diese Fische die Wirtschaftsgrundlage

vieler Berufsfischer. Die gründliche Erforschung der Diversität der bayrischen

Renken ist deshalb unbedingt notwendig, um den nationalen und internationalen Verpflichtungen

zum Schutz der Biodiversität nachzukommen. Eine solche Forschung sollte die Nutzer der

Seen, Fischexperten und Genetiker einbeziehen. Nach bisherigem Kenntnisstand sind der Ammerseekilch

und die Chiemseerenke, beide in Deutschland endemisch, in ihrem Erhaltungszustand

besonders kritisch einzuschätzen. Für den Ammerseekilch fehlt bislang eine wissenschaftliche

Analyse der Rückgangsursachen. Bei der Chiemseerenke und der Starnberger Renke kann

leider nicht ausgeschlossen werden, dass diese Arten inzwischen ausgestorben sind. Eine intensive

Nachsuche und, wenn diese erfolgreich sein sollte, ein von allen beteiligten Nutzern getragenes

Schutzkonzept wären unbedingt nötig, um das lokale und damit leider auch weltweite

Aussterben dieser Renken zu verhindern.

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315


Anhang

Synonymliste

Abramis ballerus (LINNAEUS, 1758) → Ballerus ballerus (LINNAEUS, 1758)

Abramis sapa (PALLAS, 1814) → Ballerus sapa (PALLAS, 1814)

Acipenser sturio LINNAEUS, 1758 → Acipenser oxyrinchus MITCHILL, 1815

Carassius auratus gibelio (BLOCH, 1782) → Carassius gibelio (BLOCH, 1782)

Chalcalburnus chalcoides (GUELDENSTAEDT, 1772) → Alburnus mento (HECKEL, 1836)

Chalcalburnus chalcoides mento (HECKEL, 1836) → Alburnus mento (HECKEL, 1836)

Cobitis aurata DE FILIPPI, 1863 → Sabanejewia baltica WITKOWSKI, 1994

Cobitis taenia LINNAEUS, 1758 → Cobitis elongatoides BACESCU & MAIER, 1969

Coregonus albula (LINNAEUS, 1758) p.p. → Coregonus fontanae SCHULZ & FREYHOF, 2003

Coregonus albula (LINNAEUS, 1758) p.p. → Coregonus lucinensis THIENEMANN, 1933

Coregonus lavaretus (LINNAEUS, 1758) p.p. → Coregonus hoferi BERG, 1932

Coregonus lavaretus (LINNAEUS, 1758) p.p. → Coregonus renke (PAULA SCHRANK, 1783)

Coregonus lavaretus (LINNAEUS, 1758) p.p. → Coregonus wartmanni (BLOCH, 1784)

Coregonus lavaretus balticus THIENEMANN, 1922 → Coregonus maraena (BLOCH, 1779)

Coregonus lavaretus oxyrinchus (LINNAEUS, 1758) → Coregonus oxyrinchus (LINNAEUS, 1758)

Coregonus nasus (PALLAS, 1776) p.p. → Coregonus arenicolus KOTTELAT, 1997

Coregonus nasus (PALLAS, 1776) p.p. → Coregonus holsatus THIENEMANN, 1916

Coregonus nasus (PALLAS, 1776) p.p. → Coregonus maraenoides POLYAKOV, 1874

Coregonus nasus (PALLAS, 1776) p.p. → Coregonus widegreni MALMGREN, 1863

Coregonus pidschian (GMELIN, 1789) p.p. → Coregonus bavaricus HOFER, 1909

Coregonus pidschian (GMELIN, 1789) p.p. → Coregonus gutturosus (GMELIN, 1818)

Cottus gobio LINNAEUS, 1758 p.p. → Cottus microstomus HECKEL, 1837

Cottus gobio LINNAEUS, 1758 p.p. → Cottus perifretum FREYHOF, KOTTELAT & NOLTE, 2005

Cottus gobio LINNAEUS, 1758 p.p. → Cottus rhenanus FREYHOF, KOTTELAT & NOLTE, 2005

Eudontomyzon mariae (BERG, 1931) → Eudontomyzon vladykovi OLIVA & ZANANDREA, 1959

Gasterosteus aculeatus LINNAEUS, 1758 → Gasterosteus gymnurus CUVIER, 1829

Gobio albipinnatus (LUKASCH, 1933) p.p. → Romanogobio belingi (SLASTENENKO, 1934)

Gobio albipinnatus (LUKASCH, 1933) p.p. → Romanogobio vladykovi (FANG, 1943)

Gobio gobio (LINNAEUS, 1758) → Gobio obtusirostris VALENCIENNES, 1842

Gobio uranoscopus AGASSIZ, 1828 → Romanogobio uranoscopus (AGASSIZ, 1828)

Gymnocephalus cernuus (LINNAEUS, 1758) → Gymnocephalus cernua (LINNAEUS, 1758)

Leuciscus cephalus (LINNAEUS, 1758) → Squalius cephalus (LINNAEUS, 1758)

Leuciscus souffia RISSO, 1827 → Telestes souffia (RISSO, 1827)

Leuciscus souffia agassizii VALENCIENNES in CUVIER & VALENCIENNES, 1844 → Telestes souffia (RISSO,

1827)

Noemacheilus barbatulus (LINNAEUS, 1758) → Barbatula barbatula (LINNAEUS, 1758)

Proterorhinus marmoratus (PALLAS, 1814) → Proterorhinus semilunaris (HECKEL, 1837)

Rhodeus sericeus amarus (BLOCH, 1782) → Rhodeus amarus (BLOCH, 1782)

Rutilus frisii meidingeri (HECKEL, 1851) → Rutilus meidingeri (HECKEL, 1851)

Rutilus pigus (LA CEPEDE, 1803) → Rutilus virgo (HECKEL, 1852)

Rutilus pigus virgo (HECKEL, 1852) → Rutilus virgo (HECKEL, 1852)

Salvelinus alpinus (LINNAEUS, 1758) p.p. → Salvelinus evasus FREYHOF & KOTTELAT, 2005

Salvelinus alpinus (LINNAEUS, 1758) p.p. → Salvelinus monostichus HECKEL, 1851

Salvelinus alpinus (LINNAEUS, 1758) p.p. → Salvelinus profundus SCHILLINGER, 1901

Salvelinus alpinus (LINNAEUS, 1758) p.p. → Salvelinus umbla (LINNAEUS, 1758)

Salvelinus alpinus salvelinus (LINNAEUS, 1758) p.p. → Salvelinus monostichus HECKEL, 1851

Salvelinus alpinus salvelinus (LINNAEUS, 1758) p.p. → Salvelinus umbla (LINNAEUS, 1758)

Stizostedion lucioperca (LINNAEUS, 1758) → Sander lucioperca (LINNAEUS, 1758)

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