RK D04 - Kunstwanderungen

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RK D04 - Kunstwanderungen

RK D04

Steingaden – Ramsau

Steingaden – Wies – Wildsteig – Rottenbuch – Ramsau

Bus 9822

Ramsau täglich 6.02, Mo-Fr 18.34

Steingaden täglich 6.25, Mo-Fr 19.00

Bus 9822

Ramsau Mo-Fr 8.43, 17.30, an Schul- u. Ferientagen 16.22, Sa 8.43

Eschelsbacher Brücke Mo-Fr 8.54, 17.41, an Schul- u. Ferientagen 16.36, Sa 8.54

Bus 9651

Eschelsbacher Brücke Mo-Fr 9.10, 18.10, an Schul- u. Ferientagen 16.37, Sa 10.45

Steingaden Mo-Fr 9.27, 18.27, an Schul- u. Ferientagen 16.49, Sa 10.57

5 Stunden und 12 Minuten reine Wanderzeit

Wir gehen in Steingaden vom Busbahnhof auf die Querstraße, dort rechts und

halten uns links. Diesen Landstrich von Deutschland nennt man

Der Pfaffenwinkel.

Der Pfaffenwinkel liegt zwischen Lech und Isar. Das Gebiet

von Ettal, Oberammergau über Rottenbuch, Ilgen, Steingaden

bis zur Wies nennt man den Südlichen Pfaffenwinkel.

*

3 Minuten später wandern wir rechts zur Klosterkirche von

Steingaden.

Im Jahre 1147 gründet Markgraf Welf VI. das Prämonstratenserkloster. 1176 wird das

Welfenmünster geweiht. Zwischen 1470 und 1491 hat man das Kloster im Stil der Spätgotik

umgebaut. Nach Zerstörung im Dreißigjährigen Krieg folgt bis 1663 die Wiederherstellung

im Stil des Barock. Zwischen 1740 und 1750 wird die Kirche Rokoko ausgestattet.

In der Säkularisation, 1803, wird der Konvent aufgehoben. 1819 werden die

Klostergebäude abgebrochen.

*

1 Minute später wandern wir in den Klosterbereich und zuerst rechts in die

*** Johanneskapelle, ein romanischer Rundbau aus der Zeit

vor 1190. Im Tympanon: Jesus, Maria und Johannes. Neben

dem Portal: Löwenreliefs. Die Decke ist spätgotisch. Der neoromanische

Altar mit der Muttergottes besitzt zwei Hochreliefs:

Szenen aus dem Leben Jesu.

Wir gehen nun aus dem Rundbau hinaus und sofort nach rechts in die Kirche

***** St. Johannes der Täufer.

1147 gründet Herzog Welf VI. am Ort ein

Prämonstratenserkloster, dessen Klosterkirche 1176 geweiht

wird. Zwischen 1470 und 1490 baut man die romanische Anlage

spätgotisch um. Nach Verwüstungen im Bauernkrieg und im

30jährigen Krieg wird das Gotteshaus 1663 wieder in Stand gesetzt.

1747 erhält der Raum sein Rokokokleid vom Stuckateur

Franz Xaver Schmuzer.

Das Äußere präsentiert sich in romanischen Formen mit Friesen

am Langhaus und Blendarkaden am Chor sowie zwei Türmen

des 12. Jhs. Die Fenster des Mittelschiffes wurden im Barock

gebrochen. – Wenn man sich das Innere der Kirche ohne

Schmuck und Zier sowie ohne Ausstattung vorstellt, so steht

man in einem gewaltigen romanischen Haus, dessen linkes Seitenschiff

in der Spätgotik Spitzbogenfenster erhielt. Ein Spitzbogen

führt uns in die

Vorhalle des 15. Jhs. Sie ist netzgewölbt. An der linken Wand

prangt die Welfengenealogie, eine um 1600 entstandene Bemalung.

An der Frontwand hängt über einer gotischen Mensa ein

Kruzifix aus dem 16. Jh. Wir gehen hier sofort links in die

Seitenkapelle, die spätgotisch gedeckt ist, mit einem Barockaltar,

auf dem das Gemälde den heiligen Sebastian zeigt. Wir gehen

aus der Seitenkapelle hinaus und in der Vorhalle durchs romanische

Das Chorhaus von 1663 ist ein vorzügliches Beispiel des Baustils

von der Spätrenaissance zum Frühbarock. Decke und

Wände sind entsprechend stuckverziert. – An der Decke erkennt

man Gemälde der Monogramme: Jesus, Maria, Josef, Norbert. –

Der Hauptaltar, ebenfalls von 1663, birgt den auferstehenden

Im Chorhaus befindet sich aber auch noch ein Ausstattungsstück

aus früherer Zeit: das Chorgestühl von 1534 des im Bau-


ernkrieg zerstörten Vorgängerklosters. – Zwei Ausstattungsstücke

weisen auf spätere Zeit hin, in der das Kirchenschiff sein

Linkes Seitenschiff mit schöner Stuckdecke von 1663 sowie

herrlichen Beichtstühlen. – Frontwand: Josefsaltar von 1777 mit

Rechtes Seitenschiff mit schöner Stuckdecke von 1663 sowie

herrlichen Beichtstühlen. – Frontwand: Antoniusaltar von 1777,

Mittelschiff. Die Deckengemälde des Johann Georg Bergmüller

von vorne nach hinten: 1. Eine Vision Norberts deutet

ihm an, nach dem Plan ein Kloster zu errichten. 2. Die Verherrlichung

Norberts im Himmel lässt den Irrlehrer Tanchelin zu

Boden stürzen. 3. (über der Orgel) Herzog Welf, sein Sohn,

Johann Georg Bergmüller

Der Maler wird 1688 in Türkheim geboren. 1702 kommt er

beim Hofmaler Andreas Wolff in München in die Lehre. Auf

einer Reise in die Niederlande lässt er sich von Gemälden des

Peter Paul Rubens beeinflussen. 1713 geht er nach Augsburg.

Dort wird er 1730 Direktor der Reichsstädtischen Kunstakademie.

Neben seiner Kirchenmalerei erstellt er in Augsburg viele

Fassadengemälde, von denen nichts mehr vorhanden ist. Zu seinen

bedeutendsten Kirchenausmalungen gehören außer Steingaden,

das sich schon vollkommen im Rokokogewand zeigt,

Ochsenhausen und, vor allem, Dießen. Er machte Augsburg,

neben Wien und München, zu einem der drei Mittelpunkte der

Barock- und Rokokomalerei. An seiner Akademie machen sich

Künstler wie Matthäus Günther, Johannes Evangelist Holzer

und Gottfried Bernhard Göz einen Namen.

Bergmüller gilt als der bedeutendste süddeutsche Freskant. Er

stirbt 1762 in Augsburg.

*

An den linken Pfeilern: 1. Altar mit dem Gemälde der Überreichung

des Rosenkranzes an Dominikus und Katharina von Siena;

2. Epitaph für Welf VI. (+1191) von J. B. Straub, von 1747;

3. Die Kanzel schuf Anton Sturm; auf dem Schalldeckel steht

An den rechten Pfeilern: 1. Vierzehn-Nothelfer-Altar; im Auszug:

Gottvater und Heiliger Geist; 2. Epitaph für Welf VII.

(+1167) von J. B. Straub, von 1747; 3. Gnadenstuhl, von Anton

Sturm. – Rückwärtig: Phantastische Orgelempore samt

Wir gehen im rechten Seitenschiff hinten hinaus in den Restflügel vom

Kreuzgang. Vom Kreuzgang ist noch der westliche Flügel aus

dem 13. Jh. erhalten. Das gotische Netzgewölbe stammt aus der

Zeit um 1480. – Die Brunnenkapelle, die einzige in Oberbayern

erhaltene aus romanischer Zeit, besitzt Gewölbe und Fresken

aus spätgotischer Zeit, darunter befindet sich eine Kreuzgruppe.

Wir gehen aus Kirche, Kirchhof und Klosterpforte hinaus, dahinter links, später

auf der Querstraße links zur „Wies“, halten uns rechts und wandern an der

Gabelung gegenüber dem evangelischen „Rüstzeitenheim“ links bergauf

durch eine *** Ahornallee.

25 Minuten später wandern wir in die Kirche in der 79 Min.

Wies.

Die Wallfahrt zur Wies entwickelt sich aus der Verehrung eines

Geißelchristus, der am 14. Juli 1738 Tränen geweint haben soll.

Die Kirche wird zwischen 1746 und 1754 erbaut. Sie ist das

einheitliche Werk der Brüder Dominikus Zimmermann und

Johann Baptist Zimmermann. Architektur und ein Teil der

Stuckatur stammen von Dominikus, Fresken und die Farbe im

Raum stammen von Johann Baptist.

Dominikus Zimmermann

Der Architekt wird 1685 in Gaispoint/Wessobrunn geboren.

Nach seiner Ausbildung in der Wessobrunner Schule als Stu-


ckateur ist er zunächst in Füssen und Landsberg tätig. 1705 fertigt

er in Niederschönenfeld bereits Stuckmarmoraltäre. Die

folgenden Aufträge beschränken sich auch auf dergleichen Arbeiten.

Gute Arbeiten diesbezüglich und Decken- wie Wandschmuck

findet man in Füssen, Ottobeuren, Wemding, Memmingen

und vielen anderen Kirchen und Schlössern.

Als Architekt baut er ab 1716, beginnend mit Medingen/Dillingen,

Land- und Klosterkirchen nach dem einfachen Schema der

Wandpfeilerkirche. 1727 schafft er mit der Wallfahrtskirche

von Steinhausen bei Schussenried zum ersten Mal den für ihn

charakteristischen Licht durchfluteten Raum: Ovales Langhaus,

freistehende Pfeiler. Von nun an achtet er darauf, dass Raum,

Ausstattung und Malerei zur Einheit finden. Die Skulpturen haben

weiß gefasst zu sein, die Stuckdekoration zartfarbig. Den

Höhepunkt seines Schaffens stellt die Wieskirche dar.

Weitere bedeutende Kirchen aus seiner Hand sind: Günzburg,

Mariä Himmelfahrt. – Pöring, Maria von der Versöhnung. –

Landsberg, St. Johannes. – Landsberg, Heilig-Geist-Kirche.

Dominikus Zimmermann, einer der bedeutendsten Vertreter des

Süddeutschen Rokoko, stirbt 1766 in Steingaden.

*

Johann Baptist Zimmermann

Johann Baptist Zimmermann wird 1680 in Gaispoint/ Wessobrunn

geboren. Nach seiner Ausbildung in Augsburg als Stuckateur

und Maler arbeitet er vorläufig fast nur als Stuckateur,

meistens mit seinem Bruder Dominikus zusammen. Ab 1720

wendet er sich in München zunehmend der Freskomalerei zu.

1729 wird er dort zum „Hof-Stuccateur“ ernannt. Unter dem

Baumeister Cuvilliés bringt er es schließlich zu einem der ganz

bedeutenden Rokokofreskanten.

Vorzügliche Stuckarbeiten aus seiner Hand findet man in der

Münchner Residenz, in der Amalienburg im Park von Schloss

Nymphenburg, in der Wallfahrtskirche Steinhausen, in der

Wieskirche, Schloss Schleißheim und in Günzburg in der Kirche

Mariä Himmelfahrt. – Gemälde aus seiner Hand findet man

u. a. in der Wallfahrtskirche Steinhausen, in der Wieskirche und

im großen Saal des Nymphenburger Schlosses. Johann Baptist

stirbt 1758 in München.

*

***** Zum gegeißelten Heiland.

Der Bau besteht aus einem ovalen Hauptbau, 29 x 25 m, mit

vorgesetzter langgestreckter Chorhalle und hinten angefügter

halbkreisförmiger Vorhalle.

Die Chorhalle beeindruckt mit einem zweigeschossigen umlaufenden,

oben als Stuckmarmorsäulenloggia gestalteten Umgang

samt integriertem Altar, der nach bayerisch-schwäbischer Sitte

ein Doppelaltar ist, in dessen vorderer unterer Mitte die Wallfahrtsstatue

des Gegeißelten steht, von 1730. Zwischen dem

halten Engel die Leidenswerkzeuge. Dieses ist aufgrund seiner

leuchtenden Farben wohl das beeindruckendste Gemälde, das

Joh. Bapt. Zimmermann in dieser Kirche hinterlassen hat.

Der Chorumgang. Die Deckengemälde Joh. Baptists zeigen die

Werke der Barmherzigkeit. – Die schmiedeeisernen Gitter entwarf

Dominikus Z. selbst.

Der Hauptbau. Acht frei stehende Doppelsäulen, die einen

schmalen Umgang zur Wand frei lassen somit den Eindruck

vermitteln, als ob Nischen den Innenraum flankierten, tragen

ein hölzernes Spiegelgewölbe auf hoher Kehle. Das alles gleicht

nach innen gezogenen Strebepfeilern. An vier dieser Doppelsäulen

stehen die vier großen Kirchenväter Ambrosius, Augustinus,

Gregor und Hieronymus, von Anton Sturm. – An der

über: die Abtempore. – Die Orgelempore rundet das Oval augenscheinlich

ab, Orgel und der prächtige Orgelprospekt ragen

in die Vorhalle hinein.


Der Hauptbau-Umgang. Die Deckenfresken zeigen, wie Jesus

den Menschen aus seelischer Not hilft. – Linker Altar, von J. B.

Bergmüller, 1756; Auf dem Blatt salbt Maria Magdalena dem

Herrn die Füße; darüber: Vater Abraham; Magdalenafigur

Wir gehen aus der Kirche hinaus, halten uns rechts und kommen vorbei am

*** Kapellchen, das Dominikus Zimmermann mit Stuck versehen

hat und in dem das Bild von 1749 hängt, das an die Anfänge

der Wallfahrt erinnert.

3 Minuten später wandern wir an der Gabelung rechts nach „Wildsteig“.

8 Minuten später wandern wir an der Kreuzung bei Haus Nr. 4 links.

6 Minuten später wandern wir linksversetzt über die Querstraße nach „Wildsteig“.

6 Minuten später wandern wir auf der Querstraße rechts bergauf.

3 Minuten später wandern wir an der Kreuzung hinter Haus Nr. 29 links.

1 Minute später wandern wir n die Kirche von 141 Min.

Wildsteig.

Die Geschichte des Ortes zwischen Ammer, Illach und den Trauchbergen ist eng mit

der Geschichte des Stiftes Rottenbuch verbunden.

*

*** St. Jakob. Das Gotteshaus, in der zweiten Hälfte des 18.

Jhs. an Stelle des Vorgängerbaues mit Chor und Langhaus errichtet,

besitzt am Turm die Jahreszahl 1785. – Den Stuck des

späten Rokoko und aufkommenden Klassizismus schufen

Thassilo Zöpf und Franz Edmund Doll.

Das Chorhaus. Das Deckenfresko schuf Franz Seraph Zwinck.

Es zeigt den Gang des Jakobus zur Richtstätte seines Martyriums,

mit dem Schriftgelehrten Josias zu Füßen. – Der Altar in

Formen des Überganges zeigt im Hauptbild von Johann Degler,

um 1710, die Muttergottes mit Jakobus und Margaretha, flankiert

von den beiden spätgotischen Figuren des Petrus und des

Paulus, 1487. – Linke Wand, Gemälde: Maria heißt Monika,

den Trauergürtel zu tragen, samt Nikolaus von Tolentino und

Augustinus.

Das Langhaus. Das große Fresko des F. S. Zwinck von 1784

schildert das Martyrium des Sebastian. – Linker Altar, klassizistisch,

mit der Figur der Margaretha. – Rechter Altar, klassizistisch,

mit der Figur des Sebastian. – Linke Wand: Kanzel, mit

Christus und den vier Evangelisten, am Korb; Figur des Antonius,

barockisiert, 20. Jh.; Figur des Leonhard, barockisiert,

1977. – Rechte Wand: Kreuzgruppe, barockisiert von 1904. –

Rückwand: Konrad, 20. Jh. – An der Empore: Neugotische

Schutzmantelmadonna.

Wir gehen aus Kirche und Kirchhof hinaus und links bergab. Gasthof.

3 Minuten später wandern wir an der Gabelung „Loßweg“ links, an der Gabelung

beim Hochspannungshäuschen rechts und halten Richtung, vorbei am

begehen nun, immer der Bezeichnung „Rottenbuch“ folgend, einen

***** Panoramaweg mit Ansichten von den Alpen und dem

Alpenvorland.

25 Minuten später wandern wir auf dem Querweg bei den ersten Häusern und

beim Holzwegweiser „Schönegg“ links.

6 Minuten später wandern wir rechtsversetzt über die Querstraße und auf den

Wiesenweg mit Wegkreuz bergab.

3 Minuten später wandern wir auf der Querstraße links.

2 Minuten später wandern wir an der Gabelung links und folgen dem „K“.

10 Minuten später wandern wir an der Kreuzung rechts zur „Ortsmitte“.

5 Minuten später wandern wir in die Kirche von 215 Min.

Rottenbuch.

Auf der Grenze zwischen Bayern und Schwaben entstand das Kloster Raitenpuech im

10. Jh. auf welfischem Boden. Nach Erneuerung durch Welf IV. zogen Augustinerchorherren

ein. So wurde im 12. Jh. der Bau der Stiftskirche begonnen. Feuersbrünste und

Baufälligkeit sorgten für die Veränderungen am Gotteshaus bis zum Rokoko.

*

***** St. Johann Baptist.

Die Basilika wurde ursprünglich im romanischen Stil errichtet,

dann aber mehrfach, besonders in der Spätgotik umgebaut, bis

es im Rokoko sein heutiges Aussehen erhielt. Völlig Rokoko ist

nur der Chor, die Umfassungsmauern noch romanisch. Die Innenausstattung

erstrahlt im herrlichsten Rokoko.


Der Entwurf für den Stuck stammt von Joseph Schmuzer,

1744, aus Wessobrunn. Sämtliche Fresken schuf Matthäus

Günther 1744.

Matthäus Günther

Günther wird 1705 in Tritschengreith/Unterpeißenberg geboren.

Nach seiner Lehrzeit in Murnau wird er um 1723 Gehilfe bei

Cosmas Damian Asam in München. Zwischen 1728 und 1730

geht er wohl auf Wanderschaft, vermutlich nach Italien. 1730

kommt er nach Augsburg, wo er ein Jahr später Meister wird

und heiratet. Seine Malerei wird nicht nur von C. D. Asam beeinflusst,

sondern auch von Tiepolo. Dessen Fresken in der

Würzburger Residenz entstanden parallel zu Günthers Ausmaltätigkeit

am Käppele dort. 1762 wird er Nachfolger von Joh.

Georg Bergmüller an der Augsburger Staatsakademie. 1784 tritt

er von diesem Amt zurück. In 55 Jahren hat Günther über 60

Räume ausgemalt, womit sein langes Leben den Spätbarock

und das gesamte Rokoko überzieht und in den frühen Klassizismus

reicht. Außerdem umfasst seine Maltätigkeit Nord- und

Südtirol, Bayern, Schwaben und Franken. Man nennt ihn mit

Recht den „führenden süddeutschen Freskomaler des Rokoko“.

1788 stirbt er in seinem Haus in Haid/Wessobrunn.

*

Die Altäre, die Kanzel, das Chorgestühl, der Orgelprospekt

und die meisten Plastiken gestaltete Franz Xaver Schmädl.

Franz Xaver Schmädl

Der Bildhauer wird 1705 in Oberstorf geboren. Bei wem und

wo er in die Lehre geht, ist unbekannt, vielleicht ist sein Lehrmeister

Anton Sturm, der sich in Füssen niedergelassen hat.

Sein erstes, uns überkommenes Werk, ein Palmesel, entsteht

auch dort im Jahre 1729. Im Jahre 1734 heiratet er in Weilheim

die Witwe des Bildhauers Martin Dirr. Insgesamt heiratet er

viermal und zeugt siebenundzwanzig Kinder, von denen nur

eins halbwegs in seine Fußstapfen tritt und immerhin Gehilfe

bei ihm wird. 1752 wird Schmädl in den Stadtrat von Weilheim

gewählt. Auf eigenen Wunsch schied er ein Jahr später wieder

aus. 1759 jedoch wird er vierter Bürgermeister. Schwindende

Aufträge und steigende Kinderzahl bringen ihn zum Alter hin in

finanzielle Not. – Schmädl ist an der Kirche in Dießen tätig und

arbeitet zusammen mit dem Kollegen Joh. Bapt. Straub. In Rottenbuch

arbeitet Schmädl an Altären, Chorgestühl, Orgel und

Plastiken fast das gesamte fünfte Jahrzehnt des 18. Jhs. –

Schmädl stirbt 1777 in Weilheim.

*

Die Vorhalle ist aus dem Jahre 1777.

Das Chorhaus. An der Decke der Apsis befindet sich das Gemälde:

Die Verehrung der Mutter Gottes durch die damals bekannten

vier Erdteile. – An der Decke des Presbyteriums ist die

Glorie im Himmel dargestellt: Irrlehrer stürzen, Ordensväter

werden erhoben. – Auf dem Hochaltar von 1749 voll bewegter

Figuren, begleiten Engelchen die Geburt Mariens, die Gottvater

und die Heilig-Geist-Taube mit einbezieht; flankiert wird das

Geschehen von den Figuren des Petrus und des Paulus.

Die Vierung. An Hochwand und Decke zeigen die Gemälde die

Weihe der Mönche an ihren Ordensgründer Augustinus. – Auf

dem Lettner steht links David, rechts Zacharias. Das Chorgestühl

darunter besitzt bemalte Wände. – An den beiden vorderen

Pfeilern stehen die beiden Stifterfiguren Welf I. und Judith.

Linker Querschiffarm. An der Decke zeigt das Gemälde das

Gespräch des Augustinus mit seiner Mutter Monika. An den

Ecken: Die drei göttlichen Tugenden. – Frontaltar mit dem Gemälde

der Verherrlichung des Stephanus, von M. Pusjäger,

1716. – Außenwand: Gemälde der Mantelteilung durch Martin;

Gemälde der Steinigung des Stephanus; Gemälde der Himmelfahrt

Mariens.

Linkes Seitenschiff. An der Wand: Beichtstühle, von 1713. –

Stationsbilder. – Hinten: Taufstein, von 1745, mit Rokokogitter.


Rechter Querschiffarm. An der Decke zeigt das Gemälde: Augustinus

wäscht einem Pilger die Füße und entdeckt an ihm die

Wundmale Jesu. – An den Ecken: Drei Kardinaltugenden.

Rechtes Seitenschiff. An der Wand: Beichtstühle, von 1713. –

Stationsbilder. – Hinten: Pietà von 1686.

Mittelschiff. An Hochwand und Decke befinden sich die Gemälde

mit Szenen aus dem Leben des Augustinus. 1. (über der

Orgel) Ein Engel bedeutet Augustinus, er werde die Dreifaltigkeit

ebenso wenig begreifen, wie ein Löffelchen das Meer in

4. Die Hoffnung übernimmt die Führung seiner Seele zum Gericht

(der Mann, der gegenüber dem Sterbelager sitzt, soll Matthäus

Günther selber sein); 5. Ein Engel hebt das Herz des Augustinus

aus dem Grab und bringt es nach Lyon.

An den Pfeilern links: 1. Altar von 1745. Auf der Tafel gibt

Ecclesia dem Augustinus den Auftrag, den Glauben (Gestalt mit

flankiert von Engeln; unterhalb: Franz Xaver. 3. Marienfigur,

Vorbarock. 4. Kanzel von 1743 mit dem Engel auf dem Schalldeckel

und den vier Evangelisten auf dem Korb.

An den Pfeilern rechts: 1. Altar, von 1745. Gemälde der Kreuzabnahme;

davor ein Maria-Trost-Bild; flankierende Figuren

Bartholomäus Steinle

Steinle wird um 1575 auf dem Steinlehof ob dem Kürnberg in

der Hofmark Rottenbuch geboren. Nach seiner Lehre und der

Gesellenwanderung findet man ihn 1605 in Weilheim, wo er

das Bürgerrecht erwirbt und wo auch sein Bildhauerkollege

Hans Degler tätig ist. Zwischen 1614 und 1622 arbeitet Steinle

an der Kirche St. Mang in Füssen. Seine Altäre dort mussten

leider der Ausstattung Herkomers weichen. Überhaupt: von den

vier Altarprojekten in verschiedenen Kirchen hat nur der Altar

in Stams im Inntal überdauert. Steinle ist erfolgreich, wird vermögend

und 1624 in den Weilheimer Rat gewählt. Als Baudirektor

leitet er die Arbeiten an der Stadtpfarrkirche dort. Bartholomäus

Steinle stirbt 1628 oder 1629.

*

3. Skulptur des Johannes, Vorbarock. 4. Figur des Johannes

Nepomuk.

An der Rückwand: Buntsandsteinepitaph für Probst Neumair

(+1472). – Herrliche Orgelempore mit fein gestaltetem Orgelprospekt,

von 1746, voll schwebender Engel.

Wir gehen aus der Kirche hinaus und nach rechts, vorbei am Rathaus, wandern

auf den Weg links des quer stehenden Gebäudes und folgen dem „K“ des

König-Ludwig-Wegs.

15 Minuten später wandern wir auf dem Querpfad vor der Wiese links, auf

asphaltiertem Querweg rechts und folgen nun wieder dem „K“. Rastplatz im

Waldanfang. – Später wandern wir dann auf **** romantischem Weg, der

„Ammerleite“ entlang dem Flüsschen. Rastplatz vor dem „Steig Noll“.

70 Minuten später wandern wir auf dem Querweg hinter dem Schild „König-

Ludwig-Weg“ sowie dem Schild „Achtung“ nebst dem Schild „Gasthöfe und

Hotel in Peiting“ links bergauf nach „Peiting“.

1 Minute später wandern wir an der versetzten Kreuzung bei umrohrtem Bach

links bergauf.

8 Minuten später wandern wir auf der Landstraße rechts.

3 Minuten später wandern wir zu Bushaltestelle in Ramsau. 312 Min.

Steingaden – Ramsau (Lech 4)

RK D04

Ende

*

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