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Ausgabe 5/2011 - Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft

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GEWERKSCHAFT ERZIEHUNG UND WISSENSCHAFT • STADTVERBAND KÖLN • KREISVERBAND RHEIN-BERG • AUSGABE 5/201


Kunst in Köln

gibt es wahrlich genug, da wundert es nicht, wenn der eine oder andere

Künstler in Vergessenheit gerät.

Doch zum Abschluss der ersten Titelbild-Serie über unbekannte

Sehenswürdigkeiten kann ich es mir nicht verkneifen, ein wenig Geschichtsbetrachtung

in eigener Sache zu betreiben.

Einer der Vergessenen war seinerzeiten nicht nur

in der Kölner Kunstszene durchaus präsent: Als

Fluxus-Künstler gehörte Wolf Vostell seit den

50er-Jahren zur erfolgreichen Avantgarde.

Noch im Jahre 19992 ehrte die Stadt Köln den

Künstler mit einer großen Retrospektive verteilt

auf sechs Ausstellungsorte, aber sein zentrales

Werk in Köln ist weitgehend unbekannt:

Wolf Vostell goss vor einer Kölner Galerie in der

Domstraße seinen Opel Kapitän mit Stahlbeton

aus und nannte die Aktion »Situation Ruhender

Verkehr«. Der Wagen ist tatsächlich mit eingeschaltetem

Radio und komplett mit seinen Nummernschildern

(K-RM 175) einbetoniert worden,

sollte ursprünglich auf dem Parkplatz vor dem

alten Wallraf-Richartz-Museum stehen, was aber nicht genehmigt

wurde, und steht nun seit 1989 auf dem Mittelstreifen des Hohenzollernringes.

Gesehen hat ihn wohl schon jeder ...

Aber wie das Leben so spielt, auch Wolf Vostell folgte seiner großen

Liebe, und sie war nun einmal eine Spanierin. Er verlagerte seine

Arbeit in die Einöde der Estremadura und kaufte ein märchenhaftes

Anwesen: eine ehemalige königliche Wollwäscherei, bestehend aus

verfallenen Wirtschaftsgebäuden, einem riesigen Landstrich bedeckt

mit monstösen Findlingen und einem kleinen Stausee, an dessen Ufer

Heerscharen von Fröschen einen unglaublichen Lärm erzeugen und

ebenso vielen Störchen zur Speise dienen.

Dies kann ich berichten aus eigener Anschauung, denn während

meines Studiums haben wir hier Wolf Vostell besucht und bei der

Restaurierung der Gebäude geholfen.

Heute ist das benachbarte Dorf Malpartida de Caceres ein Ausflugsziel

geworden und das Museo Vostell eine rein spanische Institution.

Nichts weist darauf hin, dass Vostell kein Spanier ist, nirgendwo ein

deutscher Text.

In Spanien aber ist Vostell auch heute noch eine prominente

Persönlichkeit.

Thomas Sommerkamp

P: S: Wer mehr über Wolf Vostell erfahren möchte, schaue auf die Seite

www.museovostell.org, die auf spanisch über das Museum in Malpartida

informiert, oder auf die Seite www.fluxus-plus.de, die über das Fluxus-Museum

in Potsdam informiert.

SEITE 2

IMPRESSUM

Herausgeber: GEW Stadtverband Köln

Hans-Böckler-Platz 1

50672 Köln

Erscheint fünfmal im Jahr; Bezugspreis 1,25 Euro;

Für GEW-Mitglieder ist der Bezug des forum im

Mitgliedsbeitrag enthalten.

Leserbriefe geben nicht in jedem Fall die Meinung

der Redaktion wieder.

REDAKTION

Klaus Minartz

GESCHÄFTSSTELLE

Montag bis

Donnerstag 10.00 bis 16.00 Uhr

Freitag 12.00 bis 16.00 Uhr

Telefon 02 21 51 62 67

Telefax 02 21 52 54 46

Homepage www.gew-koeln.de

E-MAIL kontakt@gew-koeln.de

Konto 1320732101

SEB AG, BLZ 370 101 11

DRUCK

Zimmermann, Köln

DTP

Thomas Sommerkamp, Siegen

Redaktionsschluss:

23. Dezember 2011

TELEFONISCHE RECHTSBERATUNG

Telefon 02 21 51 62 67

Montag und Donnerstag 17.00 bis 19.00 Uhr

und nach Vereinbarung

In den Ferien:

Landesrechtsschutzstelle 02 01 2 94 03 37

SEITE 3

Kunst in Köln 2

Impressum und Inhalt 3

Inklusion

INHALT

forum 5/2011

Warten auf den NRW-Inklusionsplan 4

Fachtagung zum Kölner Inklusionsplan 6

Gutachten zu Kompetenzzentren 8

Frühkindliche Erziehung und Inklusion 10

Diskussionsforum 12

Schulentwicklung in Köln

Mehr Gesamtschulen in Köln 16

Offener Ganztag

KiTa

18

Tabubruch 19

Überlastungsanzeige 20

Tarifpolitik 22

Sparpaket 23

Mehr Mittel für Hochschule 25

Fachgruppen & Arbeitskreise 26

Mitbestimmung 28

Rechtsberatung 30

Eine Lex Reinhard Hocker? 32

Aktive Ruheständler 34

Internationales 36

Buchkritik 38

Glosse 39

Über unsere Kölner Internet-Seite www.gew-koeln.de

oder übere www.gew-nrw.de sind aktuelle Informationen,

Newsletter, Kommentare und Archivmaterialien zu allen

bildungspolitischen Aspekten abrufbar.

Nach der Eingabe des Benutzernamens (mit großem

Anfangsbuchstaben) und der Mitgliedsnummer (hat 10

Ziffern und beginnt in NRW mit einer 4, sie steht auf dem

Mitgliedsausweis oder auf dem Adressaufkleber der NDS)

stehen alle Daten vollständig zur Verfügung.


Warten auf den Inklusionsplan NRW

Versuch einer Einschätzung

von Ulli Müller-Harth,

AK Inklusion

Allerorten - vor allem in den

Kommunen, die mit der Erstellung

ihrer Inklusionspläne

schon sehr weit sind - wartet

man auf die für Sommer

versprochenen Eckpunkte

zum Inklusionsplan. An den

für Ende 2011 versprochenen

Aktionsplan zur Inklusion mit

klaren Vorgaben auf den Weg

zu einer inklusiven Schule -

wie im Landtagsbeschluss vom

Dezember 2010 angekündigt

. mag man erst recht nicht

glauben. Das Schulministerium

scheint sehr mit der Verabschiedung

des ›Schulfriedens‹

beschäftigt zu sein. Die

Inklusion wird an den Rand

gedrückt. Während DGB und

GEW-Land den Schulfrieden

durchaus positiv sehen, gibt es

vor allem vom Bündnis ›Eine

Schule für alle‹ zusammen mit

den Elternverbänden von ›Gemeinsam

Leben- Gemeinsam

Lernen‹ Kritik an den Auswirkungen

des ›Schulfriedens‹ für

das Ziel einer inklusiven Schule

für alle.

(siehe dazu unter www.bildungsklick.de/pm/80836/schulkonsens-verhindert-gemeinsames-lernen-inklusionist-allgemeines-menschenrecht/

)

Es ist schon sehr bedenklich,

dass in dem Gesetzesentwurf

zwar immer in Nebensätzen

INKLUSION INKLUSION

die Inklusion erwähnt wird,

es aber noch nicht einmal

eine Verpflichtung für die neu

gegründeten Schulen gibt, von

Beginn an inklusiv zu arbeiten.

Auch ist im Gesetzestext ein

Abschulungsverbot (d.h. kein

Kind darf mehr an eine andere

Schulform abgeschult werden)

nicht vorgesehen. Das Abschulungsverbot

könnte ein - zumindest

kleiner Schritt - in die

Richtung der Akzeptanz der

Vielfalt in allen Schulformen

sein und vor allem die Gymnasien

zwingen, nicht mehr an

das Märchen der homogenen

Lerngruppe zu glauben.

Im Moment herrscht große

Unsicherheit, welche Vorschläge

der Gutachten von Klemm/

Preuss-Lausitz und von Werning

zu den Kompetenzzentren

nun in einen NRW-Inklusionsplan

einfließen. (Die Gutachten

sind stehen im Netz unter

www.schulministerium.nrw.de/

BP/index.html)

Zum besseren Überblick sind

hier die wichtigsten Vorschläge

zur kurzfristigen Umsetzung

aus dem Klemm/Preuss-Lausitz/Gutachtenzusammengefasst:

- Landesweiter Aktionsplan auf

der Grundlage der geplanten

Eckpunkte bis 2020

- Nutzung der demografischen

Rendite (Erhalt der sonderpädagogischen

Ressourcen trotz

Schülerrückgang)

- Zusicherung auf Fortführung

SEITE 4

der inklusiven Beschulung bis

zum Ende der Schulzeit

- Verankerung des Rechts des

Kindes auf inklusive Bildung

- Zielperspektive von 85 %

inklusivem Unterricht bis 2020;

dann 100 % inklusiven Unterricht

für die Förderschwerpunkte

Lernen, emotionale

und soziale Entwicklung und

Sprache sowie 50 % inklusiver

Unterricht in den übrigen Förderschwerpunkten

- Verzicht auf die Feststellungsdiagnostik

für Lernen, Emotionale

und soziale Entwicklung

sowie Sprache (LES)

- Zuweisung von Ressourcen

an die allgemeine Schule

entsprechend einer festgeschriebenen

landesweiten

Förderquote für LES; SonderpädagogInnen

werden zu

LehrerInnen der allgemeinen

Schulen

- Aufbau von interdisziplinären

Beratungs- und Unterstützungssystemen

(REBUS-NRW)

zur Verbesserung der Förderung

stark verhaltensauffälliger

Kinder

- Für die Förderschwerpunkte

Hören und Kommunikation,

Sehen, Körperliche und

Motorische Entwicklung und

Geistige Entwicklung weiterhin

Feststellungsdiagnostik mit

Verknüpfung der Ressourcen;

Überprüfung dieser Diagnostik

in den nächsten zwei Jahren

- Kontinuierliches Angebot an

Fortbildungen (forum 4/2011)

Die weiteren Vorschläge zur mittelfristigen

Umsetzung sind im Text des Gutachtens

auf S.127 - S.130 nachzulesen.

Das Gutachten von Werning zu den Kompetenzzentren

für sonderpädagogische

Förderung (KsF) ›Untersuchung der

Grundkonzeption auf ihre Eignung zur

Entwicklung eines inklusiven Bildungssystems

in NRW‹ sieht als positive Bilanz,

dass die KsF eine Art ›Türöffnerfunktion‹

für sonderpädagogische Förderung an

den allgemein bildenden Schulen haben.

Als besonders problematisch stellt er aber

heraus, dass eine »klare Zielformulierung

hinsichtlich konkreter Standards an allgemeinen

Schulen, verbunden mit der Nennung

konkreter Integrationsquoten und

einer präzisen Aufgabenbeschreibung von

allgemeinen Schulen und Förderschulen

(sofern sie bestehen bleiben)« fehlen. (siehe

dazu auch Brigitte Schumann: »Ein inklusives

Bildungssystem braucht inklusive

Schulen, aber keine sonderpädagogischen

Kompetenzzentren« ab Seite 8)

Wirklich spannend ist nun, wie die Ergebnisse

beider Gutachten in den Inklusionsplan

einfließen. Setzt das Schulministerium

entgegen den Empfehlungen

weiter auf kostenintensive duale Systeme,

um auch in Sachen Inklusion einen

›Schulfrieden‹ mit der CDU einzugehen

oder gibt es einen ›großen Wurf‹, der die

Schulgesetze im Sinne der UN-Konvention

wie z.B. in Bremen entsprechend

anpasst?

Wir laden ein zur Diskussion über die

Gutachten und die Entwicklung in NRW

insgesamt zum nächsten AK Inklusion

am Dienstag, den 8.11.2011 um 18.30

Uhr im DGB-Haus.

Ratsbeschluss zur Inklusion

Zusammenfassung (Juli 2011):

Der Rat begrüßt die Zielsetzung der

Inklusion in allen städtischen Schulen und

beauftragt die Verwaltung:

• Darstellung der erforderlichen Schritte mit

dem Ziel einer kontinuierlichen Steigerung

der Inklusionsquote auf zunächst 80%,

einschließlich des Unterstützungsbedarfs

von Stadt und Land

• Beteiligung der Jugendhilfe ist sicher zu

stellen

• mit Schulentwicklungsplanung die Basis

für Inklusion schaffen

• kurzfristige Ausweitung von GU an

mindestens einer Sek.I - Schule pro Bezirk

• Verzicht auf Ausweitung der Plätze an

Förderschulen

• Ausrichtung der Planungen auf integrative

Beschulung

• Eltern, Schulen, Kitas und die Öffentlichkeit

aktiv und gezielt informieren

• Planung soll mit einem Zeitkonzept

versehen werden

SEITE 5


All together now

›Lernen und Teilhabe in einer Schule der Vielfalt‹

Fachtagung zum Inklusionsplan für Kölner Schulen

Die UN-Konvention hat es vorgegeben:

»Inklusive Bildung für alle

ist ein Menschenrecht«. Bund,

Länder und Kommunen sind seit

der Ratifizierung der Konvention

im März 2009

aufgefordert, dieses Menschenrecht

in die Praxis umzusetzen.

Der Rat der Stadt Köln hat mit

seinem Beschluss die Verwaltung

verpflichtet, im Jahre 2012 einen

Inklusionsplan für Kölner Schulen

vorzulegen.

Die GEW Köln führt in Zusammenarbeit

mit dem Regionalen

Bildungsbüro am Samstag, den

26. November 2011 eine Fachtagung

zum ›Inklusionsplan für

Kölner Schulen› durch.

Mit dieser Fachtagung möchten

wir Einfluss auf diesen Entwicklungsprozess

nehmen.

Inklusion braucht Aus- und

Fortbildungen und entsprechende

Rahmenbedingungen.

Die Schwierigkeiten bei einem

solchen Prozess, in dem sich

unterschiedliche Professionen mit

Änderungen und Auswirkungen

auf ihre Arbeit auseinandersetzen

müssen, sollen mit der Veranstaltung

gezielt in den Blick genommen

werden.

Wir wollen den Beschäftigten an

den Kölner Schulen Mut machen,

sich mit auf den Weg zu machen

und Vielfalt in ihrer Bildungseinrichtung

als Chance zu sehen.

INKLUSION INKLUSION

9.00 Uhr Anmeldung und Stehcafé

10.00 Uhr all together now

Begrüßung

Moderation: Max-Georg Beier,

Manfred Böll, Uschi Kellermann

10.15 Uhr Köln auf dem Weg zur Inklusion

Referentin: Ulrike Heuer,

Leiterin des Amtes für Schulentwicklung

der Stadt Köln

SEITE 6

Lernen und Teilhabe

in einer Schule der Vielfalt

Referent: Raimund Patt,

Schulentwicklungsbüro

„schulhorizonte“

11.30 Uhr Vorstellung der Workshops

11.45 Uhr Mittagspause

12.45 Uhr Workshops

14.15 Uhr Kaffeepause

14.45 Uhr Arbeitsergebnisse der Workshops

Empfehlungen für den Inklusionsplan

für die Kölner Schulen

15.30 Uhr Ende

Programmüberblick Workshops

Workshop 1

OGTS – Erfahrungen mit ersten Schritten zur

inklusiven Schule

Referenten: NN

Moderation: Monika Straetmanns

GiPe.V., „Ganztag in Pulheim“

Workshop 2

Wege zur Inklusion in der Sekundarstufe I -

Risiko der Überforderung oder Chance der

Gestaltung?

Referent: Walther Kröner

Schulleiter Gesamtschule Aachen-Brand

Moderation: Sven Trapp

Workshop 3

Schulentwicklung mit dem Index für Inklusion

Referent: Christian Kemper

Montag Stiftung Jugend und Gesellschaft

Moderation: Ulli Müller-Harth

Anmeldeverfahren

SEITE 7

Workshop 4

Im Unterricht der Vielfalt gerecht werden -

individuelle Förderung durch kooperatives

Lernen

Referentin: Astrid Schulze (GU Koordinatorin)

und Jupp Kreutz (Sonderpädagoge),

Gesamtschule Köln-Holweide

Moderation: Jean-Dirk Rathke

Workshop 5

Inklusiver Unterricht braucht Teamarbeit

Referentinnen: Irmtrud Lohmar, Heidrun Lotz

Institut für die Entwicklung der Teamarbeit

Moderation: Martina Schütte

Workshop 6

Der andere Blick

Von der Belastung zur Entlastung –

Unterstützungsangebote der Schulpsychologie

Referentin: Mirka Schneider

Familienberatung und Schulpsychologischer

Dienst der Stadt Köln

Moderation: Manfred Böll

Anmeldung per E-Mail an: kontakt@gew-koeln.de bis zum 18. November 2011.

Geben Sie bei der Anmeldung bitte Ihren Namen, Ihre Adresse und Ihre Schule/Schulform,

Ihren gewünschten Workshop und einen Alternativ-Workshop an.

Die Anmeldungen werden in der Reihenfolge des Eintreffens berücksichtigt

und via E-Mail bestätigt.

Es wird ein Teilnahmebeitrag von 5 Euro erhoben,

der am Tag der Veranstaltung zu entrichten ist.


INKLUSION

Türöffner

»Ein inklusives Bildungssystem braucht inklusive Schulen, aber keine

sonderpädagogischen Kompetenzzentren.«

von Brigitte Schumann

So lässt sich das Gutachten

von Prof. Werning über die

Eignung der nordrhein-westfälischen

Kompetenzzentren

zur Entwicklung eines inklusiven

Bildungssystems zusammenfassen,

das er im Auftrag

des NRW Schulministeriums

erstellt hat. Die schwarz-gelbe

Vorgängerregierung hatte

Kompetenzzentren für sonderpädagogische

Förderung (KsF)

im Bereich der Lern- und Entwicklungsstörungen

als Pilotprojekt

zu Beginn ihrer Amtszeit

installiert und später als

Motor für die Umsetzung der

UN-Behindertenrechtskonvention

(UN-BRK) ausgegeben.

SPD und Grüne hatten schon

vor der Regierungsbildung eine

Evaluation des Pilotprojektes

angekündigt.

Kritik an der Konzeption

Die Konzeption der Kompetenzzentren

war von Anfang an

äußerst umstritten. Die Befürworter

der Inklusion bewerteten

das Projekt als gezielten

Versuch der Landesregierung,

die Forderung der UN-BRK

nach inklusiver Bildung für

Kinder und Jugendliche mit

Behinderungen zu unterlaufen.

Faktisch werde – so die Argumentation

- das Förderschulsystem

im Bereich der Lern- und

Entwicklungsstörungen über

die Zusammenführung der

Förderschwerpunkte Lernen

und emotionale/ soziale Ent-

wicklung stabilisiert bzw. durch

die Ausweitung der sonderpädagogischen

Kompetenzen im

Rahmen von Kooperationen

mit allgemeinen Schulen in regionalen

Netzwerken gestärkt.

Auch der Gutachter formuliert

deutliche Kritik an der Konzeption

und Zielsetzung der

Kompetenzzentren als duales

System sonderpädagogischer

Förderung in allgemeinen

Schulen und in Förderschulen.

Als besonders problematisch

stellt er dabei heraus, dass

„eine klare Zielformulierung

hinsichtlich konkreter Standards

inklusiver Bildung an allgemeinen

Schulen, verbunden

mit der Nennung konkreter

Integrationsquoten und einer

präzisen Aufgabenbeschreibung

von allgemeinen Schulen

und Förderschulen (sofern

sie bestehen bleiben sollen)

fehlen“.

Die Ergebnisse der Evaluation

Aus den Gruppendiskussionen

mit den unterschiedlichen Beteiligten

erschließt sich für den

Gutachter als positive Bilanz,

dass die KsF eine Art „Türöffnerfunktion“

für sonderpädagogische

Förderung in den

allgemeinen Schulen haben.

„Sowohl auf der Leitungsebene

als auch auf der Ebene der

Lehrkräfte wird die Einschätzung

deutlich, dass die KsF

zu einer schnelleren, flexibleren

und unbürokratischeren

Kontaktaufnahme zwischen

den allgemeinen Schulen und

SEITE 8

den Förderschulen beitragen

als dies davor möglich war.

Dies ermöglicht einen niedrigschwelligen

Zugang der

allgemeinen Schule zu sonderpädagogischer

Unterstützung

und Expertise.“ Bezogen

auf die Kernfrage nach dem

Beitrag der Kompetenzzentren

für die Entwicklung eines

inklusiven Bildungssystems

in NRW stellt er jedoch fest,

„dass von dem Konzept der

Kompetenzzentren für sonderpädagogische

Förderung im

Bereich der Lern- und Entwicklungsstörungen

in Nordrhein-

Westfalen nur begrenzte

Impulse für die Entwicklung

eines inklusiven Bildungssystems

ausgehen. Das Konzept

ermöglicht vielmehr eine

flexiblere sonderpädagogische

Unterstützung in den allgemeinen

Schulen. Es reicht jedoch

nicht aus, um hier nachhaltige

inklusive Schulentwicklungsprozesse

– in den bestehenden

widersprüchlichen Strukturen

– in Gang zu setzen“. Der Gutachter

konstatiert u. a. fehlende

Aufgabenbeschreibungen,

Rollendiffusität auf Seiten

des pädagogischen Personals

sowie zu kurze Präsenszeiten

der Sonderpädagogen an den

allgemeinen Schulen. Eine gemeinsame

Planung und Durchführung

des Unterrichts sind

nicht möglich. Unter diesen

Bedingungen findet sonderpädagogische

Unterstützung in

additiver Form und in äußerer

Differenzierung statt. Eine in-

klusionspädagogische Haltung

und Praxis können aus seiner

Sicht so schwerlich entwickelt

werden. Stattdessen wird die

Mentalität der „Reparaturorientierung“

bei Lehrerinnen

und Lehrern gefördert, die sich

von dem Einsatz der Sonderpädagogen

lediglich Entlastung

von den schwierigen Kindern

versprechen.

Die Empfehlungen

Perspektivisch müssen aus

Sicht des Gutachters die

Schulen inklusive Leitbilder

für inklusive Bildung und

eine inklusive Schulkultur

entwickeln, „die durch Anerkennung

und Wertschätzung

von Unterschiedlichkeit, die

durch die Bereitstellung von

Bildungsangeboten für alle

Schülerinnen und Schüler

auf ihren jeweiligen Entwicklungsständen,

eine ausgeprägte

Kooperation zwischen den

Lehrkräften sowie durch die

Förderung der Zusammenar-

INKLUSION

beit zwischen Schülerinnen

und Schülern und durch die

konstruktive Einbeziehung

von Eltern geprägt ist“. Die

Aufgabe des Schulministeriums

besteht in einer klaren

Aufgabenbeschreibung und

strukturellen Verankerung

von Unterstützungsangeboten

in den allgemeinen Schulen.

Das Schulministerium muss

sich bei der Entscheidung über

den Inklusionsplan ernsthaft

damit auseinandersetzen, dass

Werning - wie schon Klemm

und Preuss-Lausitz in ihrem

Inklusionsgutachten für das

Schulministerium - für eine

„dauerhafte Positionierung

von Sonderpädagoginnen und

Sonderpädagogen an allgemeinen

Schulen“ für den Bereich

der Lern- und Entwicklungsstörungen

eintritt, wobei er

ebenfalls für eine systembezogene

regionale Zuweisung der

sonderpädagogischen Ressourcen

unter Berücksichtigung der

sozialräumlichen Verhältnisse

SEITE 9

plädiert. Eine Etikettierung der

Kinder mit Lern- und Entwicklungsproblemen

im Rahmen

sonderpädagogischer Feststellungsverfahren

entfällt damit.

Ausgehend von dem Anspruch,

dass Inklusion auf die institutionelle

Entwicklung einer

Schule für Alle abzielt, die

keinen Menschen ausschließt,

verweist der Gutachter nachdrücklich

darauf, dass in den

bestehenden Strukturen des

gegliederten Schulsystems mit

dem Prinzip der strukturellen

Selektivität Inklusion immer

nur durch „Widersprüche und

Antinomien“ gekennzeichnet

sein wird. Sie können von

den Lehrerinnen und Lehrern

weder aufgelöst noch austariert

werden. Diesen Hinweis

möchte man der Landesregierung

entgegenhalten, die für

den sog. Schulfrieden bereit

ist, das gegliederte Schulsystem

ausdrücklich in der Landesverfassung

festzuschreiben.


„Jedes Kind ist ein besonderes Kind“

Anmerkung der Redaktion:

Wir haben aus dem folgenden

Interview nur diejenigen Teile

abgedruckt, die sich auf Inklusive

Bildung in der frühkindlichen

Erziehung beziehen. Dieser

Aspekt ist bisher noch nicht so

in den Vordergrund getreten,

da sich z.B. der Kölner Inklusionsplan

zunächst nur auf die

Kölner Schulen bezieht.

Das Fachkräfteportal der Kinder-

und Jugendhilfe war in der

Fachhochschule Köln, und hat

dort ein Interview mit Prof. Dr.

Andrea Platte geführt, Professorin

für „Bildungsdidaktik

mit dem Schwerpunkt Didaktik

der Elementarpädagogik“.

Fachkräfteportal: Inklusionspädagogik

und Integrationspädagogik

sind Begriffe, die oft

synonym verwendet werden?

Sind Sie damit einverstanden?

Prof. Dr. Platte:

Für mich ist Integrationspädagogik

aus dem gemeinsamen

Spielen und Lernen von behinderten

und nicht-behinderten

Kindern entstanden. Es ist also

ein Begriff, der in Deutschland

eine Tradition seit den 70er

Jahren hat in Praxis und Wissenschaft.

In dieser Zeit haben

sich Strukturen bewährt und

Methoden und Beispiele guter

Praxis entwickelt. Allerdings

ist die integrative Beschulung

immer eine zusätzliche Säule

INKLUSION INKLUSION

im Bildungssystem geblieben

und hat keine grundlegende

Veränderung erreicht. Diese

grundlegende Veränderung

verlangt der Begriff der „Inklusion“.

Die Inklusive Pädagogik

setzt am Bildungssystem an

und nicht an einzelnen Kindern,

wo man sich Gedanken

macht, wie passen die wohin.

Nein, ALLE Kinder haben das

Recht wohnortnah gemeinsam

zu lernen und zu spielen.

Mir gefällt an der inklusiven

Idee die Vorstellung, dass jeder

Mensch einzigartig ist und

nicht in Kategorien gesteckt

werden soll und will. Das

empfinde ich als sehr entlastend,

auch für die, die keine

diagnostizierte Behinderung

oder Schwierigkeit haben, weil

jedes Kind ein Recht hat in seiner

Individualität gesehen und

gefördert zu werden. Ich finde,

die Begriffe unterscheiden sich

auch darin, dass es Integrationspädagogik

praktiziert schon

gibt, auch in unserem Schulsystem,

das insgesamt ein Segregierendes

ist. Die Inklusion

ist für mich eher eine Leitidee

oder eine Zukunftsorientierung,

die noch nicht umgesetzt

ist in unserem Bildungssystem.

Um ihr gerecht zu werden,

müsste es sich radikal verändern.

Allerdings gibt es bereits

viele „inklusive Momente“,

wie ich das nenne, in vielen

Bildungseinrichtungen, die

sich bemühen, bewusst jedes

SEITE 10

Kind anzunehmen und jedem

Kind gerecht zu werden – und

das in einem sie umgebenden

segregierenden System. Das

ist für mich auch einen Beweis

dafür, dass diese Leitidee nicht

utopisch ist.

Fachkräfteportal: Der Begriff

der „Inklusiven Bildung“ wird

recht einseitig in Bezug auf die

formale Bildung, die Bildung

in der Schule, verwendet. Gibt

es entsprechende Ansätze auch

in der frühkindlichen Bildung

und der außerschulischen

Bildung?

Prof. Dr. Platte:

In der frühkindlichen Bildung

gibt es eigentlich auch eine

starke integrationspädagogische

Tradition, die aber in

der Tat nicht so im Blick ist.

1987 gab es in Deutschland

eine Studie zu integrativen

Prozessen im Kindergarten,

die dann auch stark die schulische

Diskussion geprägt hat.

Dadurch, dass die gesamte

Frühpädagogik allmählich

stärker in den Fokus rückt,

spielt auch hier der Aspekt der

Inklusiven Bildung zunehmend

eine Rolle. Ich beobachte einige

Veröffentlichungen diesbezüglich

in der jüngsten Zeit

und denke, dass da eine große

Chance liegt. Inklusive Bildung

muss bereits im Kindergarten

anfangen. Sie kann nicht erst

in der Schule beginnen. Hier

würde ich mir eine Bereitschaft

und auch eine Neugier bei den

entsprechenden Fachkräften

wünschen, jedes Kind so zu

nehmen, wie es kommt – nicht

schon mit einer Diagnose oder

einem Stigma behaftet und

auch mit möglichst wenig Erwartungen.

Eine inklusive Haltung

muss ganz früh wachsen,

bei Kindern, bei Pädagogen

und auch bei den Eltern.

Was Methodik und Didaktik

angeht, könnten sich Schulen

in der Frühpädagogik sehr viel

abgucken für den Umgang mit

Vielfalt und Unterschiedlichkeit.

Wer mit kleinen Kindern

arbeitet, weiß sehr genau, wie

unterschiedlich schnell Entwicklungsschritte

aufeinander

folgen. Normungen sind da

noch nicht so allgegenwärtig

wie in der Schule. In der außerschulischen

Bildung sehe ich,

dass Inklusive Pädagogik ein

zunehmend wichtiges Thema

im Ganztag wird. Ich erlebe

beispielsweise, dass Schulen,

die sich in Richtung Ganztag

entwickeln, auch nach Qualitätsentwicklung

zum Thema

Inklusion fragen. Und auch

hier liegt meiner Meinung

nach wieder eine Chance:

in dem etwas druckfreieren,

nicht so stark nach Leistung

fragenden Bereich von Schule

mit einer inklusiven Haltung

zu beginnen. Das könnte dann

prima auf das Lernen im Unterricht

übertragen werden. Im

Freizeitbereich ist es durchaus

auch ein Thema. Ich selber

bin zur Integrationspädagogik

gekommen, weil ich schon als

Jugendliche Freizeiten mit behinderten

Jugendlichen mitgemacht

haben.

Fachkräfteportal: Was bedeutet

eine stärkere Forderung nach

Inklusiver Bildung für die Ausbildung

von Lehrerinnen und

Lehrern, Erzieherinnen und

Erziehern? Wie ist die Situation

diesbezüglich an der FH Köln?

Prof. Dr. Platte:

Mir ist es ein starkes Anliegen,

dass die Studierenden der Pädagogik

der Kindheit und Familienbildung

bei uns in Köln

von Anfang an ein Bewusstsein

für die Unterschiedlichkeit

von Kindern entwickeln. Die

Studentinnen und Studenten

hier werden auf den Umgang

mit Heterogenität vorbereitet

– dafür spielt aus unserer Sicht

zum Beispiel die Beobachtung

von Kindern eine große Rolle.

Die Studierenden erfahren

Beobachtung als eine wichtige

Voraussetzung und ein wichtiges

Werkzeug für didaktische

Entscheidungen. Das finde ich

eine große Chance. Wenn man

das gut beherrscht, kann man

auch sehr gut mit Heterogenität

umgehen. Der Aspekt der

Vielfalt ist hier gut verankert

im Studium. Es gibt beispielsweise

innerhalb des Moduls

SEITE 11

Auf der Homepage der GEW steht zum Download bereit:

Anja Dilk, André Dupuis

Auf dem Weg zu einer inklusiven Kindertagesstätte

www.gew.de/Publikationen_Inklusion.html#Section41891

„Diversity“ auch ein Angebot

mit einem stark heilpädagogischen

Fokus.

Bei Studierenden der Sozialen

Arbeit erlebe ich ein recht

ausgeprägtes Bewusstsein für

Heterogenität, Exklusionsprozesse

und Benachteiligung.

Ich biete ein Modul unter dem

Titel „Integrationspädagogik

und inklusive Bildung“ an und

das wird auch gut nachgefragt.

Also die Aktualität des Themas

ist den Studierenden stark bewusst.

Im Zusammenhang mit

Inklusion wird auch stark die

Notwendigkeit der Kooperation

von Schule und Jugendhilfe

diskutiert.

Für die Lehrerausbildung

bedeutet es auf jeden Fall, dass

das Denken in Zuständigkeiten

überwunden werden muss und

dass diese zwei Systeme, die

da nebeneinander stehen – ein

sonderpädagogisches und ein

allgemein-pädagogisches -

zusammen finden. In einem

modularen Studium könnten

durchaus grundlegende Kompetenzen

zum Lernen mit

heterogenen Gruppen verpflichtend

verankert sein und

darüber hinaus spezifische

Angebote, z.B. heil- und sonderpädagogische

Kompetenzen

gemacht werden. Damit würde

dann sichergestellt, dass die

entsprechenden Kompetenzen

in einem für alle zuständigen

Bildungssystem vorhanden

sind.


Einladung

Auch Lehrerinnen

werden Mütter –

und Lehrer Väter!

Die neuen Mutterschutzregelungen

haben zu vielen

Unsicherheiten geführt. Diese

Veranstaltung soll Fragen aus

diesem Bereich beantworten,

und zwar sowohl für schwangere

Lehrerinnen als auch

für Kolleginnen, die planen,

schwanger zu werden, und

natürlich interessierte

werdende Väter!

Referentin

Barbara Inhoff

GEW-AG Arbeits- und

Gesundheitsschutz

Donnerstag, 1. Dezember

2011 um 17.00 Uhr

im Kölner DGB-Haus,

Hans-Böckler-Platz 1, Großer

Saal (1. Etage)

Anmeldung

kontakt@gew-koeln.de

Gewerkschaft

Erziehung und Wissenschaft

Köln

INKLUSION INKLUSION

Fachkräfteportal: „Vielfalt

als Normalfall“ ist ein in

die Zukunft gerichtetes

Konzept, das den Begriff

„Inklusion“ möglicherweise

irgendwann verzichtbar

macht. Halten Sie das für

realistisch?

Prof. Dr. Platte:

Ich würde dem zunächst

einmal zustimmen. Ob ich

das für realistisch halte? Ich

kann natürlich nicht in der

Lehre ein Konzept vertreten,

von dem ich glaube, das

können wir nicht erreichen.

In vielerlei Hinsicht und in

letzter Konsequenz bleibt

es vielleicht immer eine

Zielorientierung. Aber das

ist auch gut so, ein Ziel, an

dem man sich immer wieder

messen kann und muss und

das Korrekturen verlangt.

Mir ist das Bild von den Momenten

wichtig: in jedem

Wassertropfen ist bereits ein

Stück vom Regenbogen. Die

Momente zeigen, dass es zu

realisieren ist. Und das sollte

anspornen – denn es geht

nicht mehr um die Frage,

ob ein inklusives Bildungssystem

erstrebenswert ist,

sondern wie.

Quelle: Fachkräfteportal der

Kinder- und Jugendhilfe,

Redaktion Anneli Starzinger

SEITE 12

Diskussionsforum

Es gilt tatsächlich: es kann nicht

mehr diskutiert werden, ob sich

unsere Schulen zu inklusiven Schulen

entwickeln, sondern wann und

wie sie sich dazu entwickeln. In

diesen Prozess, der sich allerdings in

Deutschland schon 30 Jahre hinzieht,

ist jetzt wieder Dynamik gekommen

durch die Unterzeichnung der UN-

Menschenrechtskonvention und den

dadurch initiierten Inklusionsplänen

auf verschiedenen Ebenen (siehe

forum 4/2011 „Inklusionspläne

überall“ Seite 4).

Die Dynamik des Prozesses verändert

viel im bisherigen Arbeitsumfeld.

Innerhalb der GEW müssen sich

unterschiedliche Professionen mit

den Änderungen und den Auswirkungen

auf ihre Arbeit auseinandersetzen.

Keiner kennt den Stein der

Weisen.

Deshalb eröffnen wir ein Diskussionsforum

im Zusammenhang mit

der Entwicklung des Kölner Inklusionsplans.

Nur wenn Bedenken

öffentlich diskutiert werden, können

gemeinsam Lösungen gefunden

werden, um den Zielen des längeren

gemeinsamen Lernens und der einen

Schule für Alle wirklich näher zu

kommen und sie im absehbaren Zeitrahmen

zu erreichen.

Wir beginnen mit dem folgenden

Artikel mit den Erfahrungen und

Einschätzungen aus der Sicht eines

Kollegen, der in der Jugendhilfe tätig

ist und aus dieser Perspektive die

Entwicklung in den Schulen analysiert.

Anlässlich eines Erfahrungsaustauschs

zwischen den Kölner

Antidiskriminierungs stellen und

dem Zentrum für Schülerförderung

von Jugendhilfe und Schule

e.V. in Köln-Nippes wurden

erste Einschätzungen zur Kölner

Inklusionsplanung in Form

eines Interviews formuliert.

Gesprächspartner:

Mercedes Pascual Iglesias,

AWO Mittel rhein

Dr. Wolfgang Zaschke,

Nippes Museum

Pascual-Iglesias (P): Die Zuweisung

von SchülerInnen in

eine För derschule wird von den

Familien häufig als Ausgrenzung

erlebt. Gibt es einen klassischen

Verlauf oder ist jeder

Fall anders?

Zaschke (Z): Bei den umstrittenen

Fällen gibt es noch

immer den klassischen Zusammenhang

und Verlauf einer

schichtspezifischen Selektion.

Unerwünschte Förderschuleinweisungen

korrespondieren

mit Kinder reich tum, Wohnungsnot

und zu geringem

Familien ein kommen. Dies

betrifft verstärkt Migranten

und andere Gruppen der so

genannten neuen Armut. Der

Zusam menhang zwischen

Armut und För derschule ist

aber heute unauffälliger und

kompli zierter organisiert

als vor der Expansion der

kommuna len So zialdienste. ...

Integration und Antidiskriminierung -

Chancen durch Inklusion?

P.: Wie kann es sein, dass das

gleiche Verfahren so unterschiedliche

Vor- und Nachteile

schafft?

Z.: Das heutige Förderschulverfahren

soll sozialer Se lektion

durch wissenschaftlich fundierte

Tests und hohe Professionalität

der Gutachter entgegen

wirken. Es ent stand als Korrektiv

für offene soziale Diskriminierung

durch Verknüpfung

von Förderschuleinweisungen

mit Sozialhilfebezug, wie man

sie früher in Obdachlosensiedlungen

der Großstädte

oder auf dem Land antraf, wo

dem ersten Kind auch die Geschwisterkinder

in die Sonderschule

folgten. Heute funktioniert

die soziale Selektion

weniger offen, durch Vernetzung,

indirekte Steuerung und

sprachlich maskiert als Förderung.

Zur Ausbreitung und

Verfestigung von Bildungsarmut

trägt besonders die Vernetzung

von Gesundheits- und

Ge waltprävention, Frühförderung,

Regelschulen, Förderschulen

und erzieherischer

Jugendhilfe im Sozialraum bei.

Systemische Vernetzung führt

zu einem stärkeren Einfluss

der privilegierten Akteure. Mit

Blick auf die Feststellung von

Förderbedarf sind im Netzwerk

die Sonderpädagogik und die

erzieherische Jugendhilfe dominant,

weil nur sie über eine

rechtlich verbürgte Begutachtungsautonomie

verfügen, die

selbst dann fort gelten würde,

wenn man das Förderschul-

SEITE 13

verfahren ab schaffte. ... Das

Dilemma der unerwünschten

Förderung resultiert aus der

Vermischung von Zielen der

sozialen Kontrolle oder Vereinzelung

mit der vorgeblich

aus schließlich beanspruchten

fachlichen Förderung.

P.: Ist das vorwiegend ein Ausländerproblem?

Z.: Die Überrepräsentation

von Migranten in den Förderschulen

für Lernen deutet

darauf hin, dass traditio nelle

schichtspezifische Selektion

teilweise ethnisiert wird, was

von den Betroffenen als besondere

Diskrimi nierung

empfunden wird. Zu Konflikten

zwischen El tern und

Schule kommt es in der Praxis

aber meist we gen fachlicher

Fehler der Schule, z.B. bei

mangelhafter El ternberatung,

fehlender Mitbestimmung,

defizitorien tierter Diagnostik

und Ablehnung alternativer

Förder methoden. ...

P.: Welche Möglichkeiten der

Verbesserung gibt es durch die

Inklusion?

Z.: Inklusion beansprucht

eine neue Schichtung des

Bildungssystems, kann aber

schon aus rechtlichen Gründen

nur in Regie der Schulen

umgesetzt werden. Förderschulen

werden geschlossen,

Förderschullehrer dezentral

an Regelschulen eingesetzt,

neue Organisati onsmodelle in

Kompetenzzentren erprobt,


gemeinsamer Unterricht in

Grundschulen generalisiert.

Ob sich daraus Verbesserungen

ergeben, hängt davon

ab, ob bei die sen Maßnahmen

taktische, symbolische oder

substan zielle Veränderungen

angestrebt werden. Taktisch

wäre eine Einsparung von hoch

spezialisierten und bewährten

son derpädagogischen Einrichtungen

für körperlich und geistig

Behinderte, da sie Ökonomisierung

und Privati sierung

Vorschub leistet. Symbolisch

wäre die Einfüh rung von GU

mit dem Versprechen der

Chancengleich heit bei gleichzeitig

verstärkter interner Differenzierung

und Selektion in

Grundschulen. Als substanziell

wären nur solche Maßnahmen

zu bezeichnen, die neue Ressourcen

der Kinder, Eltern und

Lehrkräfte erschließen und

solidarisch nutzen, wie z.B.

besseren Unterricht, Erhöhung

der Sozialkompetenz von

Lehrkräften, glei che Augenhöhe

von Schule und außerschulischer

Förde rung und Ausdifferenzierung

der Rechtsmittel

von El tern für eine vernetzte

Praxis. Wozu die Inklusion

führt, hängt aber nicht in erster

Linie von den schulischen

Ressourcen ab, sondern von

der Erschließung neuer Ressourcen

außerhalb der Schulen.

Das sind die uner kannten

Ressourcen der Kinder, der

Familien und der offenen Jugendhilfe.

In der Praxis lassen

sich unter Zeitdruck zwar neue

INKLUSION INKLUSION

Organisationsmodelle mit alten

Methoden “installieren”. Diese

führen aber zu Grob heiten und

Folgewirkungen, die den substanziellen

Zie len der Inklusion

entgegenstehen: GU führt zur

Aus weitung der Fallzahlen festgestellten

Förderbedarfs und

zu mehr Förderschuleinweisungen

im Anschluss an den

GU. Im neuen Schuljahr stieg

die Zahl der Förder schüler in

Köln bereits um 400 auf 5600

(KStA 7.9.2011). Auch die

Zusammenarbeit von Sonderschullehrkräften

und Klassenleitung

kann bei unprofessionellem

Agieren mehr schaden

als nützen, insbesondere, wenn

dadurch die ganzheitliche Sicht

durch eine defizitorientierte

Sicht auf die Kinder verdrängt

wird. Die von der Ganztagspolitik

betriebene Ver lagerung

von Jugendhilfeangeboten in

die Schule raubt unbeaufsichtigten

Spielraum und verlängert

Sozial strukturen aus dem

Unterricht in den Nachmittag.

Für die verlangte gleiche

Augenhöhe von Schule und Jugendhilfe

bei der Diagnose und

für alternative Förder konzepte

gibt es keine ausreichende

rechtliche Grund lage, solange

das Begutachtungsmonopol

der Sonder pä dagogik besteht.

Spezifische Wirkungen von

Inklu sion auf unterschiedliche

Zielgruppen, z.B. Migranten,

wer den dann ebenfalls nicht

beachtet. Besser wäre ein langfristiger,

aufbauender Prozess

mit einem außer schuli schen

SEITE 14

Standbein und Trägervielfalt.

P.: Findet eine institutionelle

Diskriminierung in der Schule

statt?

Z: Der Begriff institutionelle

Diskriminierung ist zu unpräzise,

um die realen Konflikte

zu beschreiben. Er führt in die

Irre, wenn konkrete Einmischung

in der Schule oder in

der lokalen, kommunalen Praxis

erreicht werden sollen. Die

entsprechenden Studien sind in

sozi al pädagogischer Hinsicht

oft unkritisch, übernehmen die

Defizitorientierung der Sonderpädagogik

und der erzieherischen

Hilfen, fachfremde

Managementmodelle und innerschulische

Selektions- und

Erfolgskriterien. ... Abstrakte

Antidiskriminierung erschwert

auch das Ge spräch zwischen

Eltern und Lehrkräften. Die

gut ge meinten Konzepte helfen

nur dann, wenn sich die

Anti diskriminierungsstellen

fachlich ebenso ausdifferenzieren

und spezialisieren wie die

Sozialberatung, beson ders zu

Schulfragen. In der Elternberatung

mag man im Ein zelfall

feststellen: “Sie werden diskriminiert.”

In der Regel muss es

aber heißen: “Jede Lehrkraft ist

eine po tentielle Antidiskriminierungsstelle.”

P.: Die Schule wird zunehmend

zum Lebensmittelpunkt

von Kindern durch den offenen

Ganztag und die Freizeitangebote,

die nicht mehr

bei freien Trägern, sondern

ebenfalls in der Schule stattfinden

sollen. Welche Bedeutung

hat diese Entwicklung

für Kinder, die eine Förderschulzuweisung

zu befürchten

haben?

Z: Kinder und Jugendliche,

die besonders von Selektion

betroffen sind, brauchen

andere und bessere Freiräume.

In der Jugendhilfe ist das

Gespräch aus schlaggebend, die

freie Rede. Treffpunkte können

Kontakte zu Schülern aus

anderen Schulen und Milieus

vermitteln. Unabhängige

Fachberatung zu Schulfragen

ohne Kontrolle, Vorgaben oder

Sanktionen werden auf dem

gleichem Niveau einer Supervision

benötigt wie bei den

Eltern. Außerschulische, von

der Schule unab hängige Treffpunkte

sind Voraussetzung dafür,

sich sprachlich anders als

im Unterricht artikulieren zu

kön nen und Grundvoraussetzung

von Selbstverantwortung

und Partizipation. Die Verlagerung

der Jugendfreizeit in die

Schule zerstört dem gegenüber

die letzten Restbe stände von

Kindheit und Jugend neben

der kommer ziellen Medien-

und Freizeitszene, die nicht

weniger defizitorientiert und

sozial trennend wirkt als die

ein greifende Schülerförderung.

Der 100%ige Schulnach mittag

schadet besonders den gefährdeten

Kindern, weil er das

Verhalten und die oft ungünstige

Position in der Klasse in

den Nachmittag verlängert. Die

Jugend hilfe hat diese Entwicklung

erkannt, ihr eigenes Profil

aber noch nicht ausreichend

geschärft. ... Besser wäre eine

offensive Profilierung, Ausdifferenzierung

und teil weise

Spezialisierung der offenen Jugendarbeit

auf Schulfra gen, die

auch eine solidarische Zuarbeit

der erzieheri schen Hilfen einschließen

müsste. Wenn es bei

der bisherigen Ganztagspolitik

bleibt, verlieren Schüler, Eltern

und auch engagierte Lehrkräfte

an Schulen den letzten unabhängigen

Gesprächspartner.

Eine Verhär tung im Leben

könnte die Folge sein. Neue

interkultu relle Konflikte als

Folge inklusiver Schulrefor men

sind nicht auszuschließen.

P.: Kann ein kommunaler

Inklusionsplan substanzielle

Veränderungen bewirken?

Z.: Die von der Jugendhilfe

entwickelten und finanzierten

Ansätze der Schülerarbeit

außerhalb der Schule stellen

die wichtigste Ressource der

Kommunen dar. Sie sind relativ

autonom, eigenständig und

stehen für die klassi schen Reformziele

offener Jugendarbeit

und auch der Integrationsförderung.

Die Ganztagsbetreuung

an Schulen verlängert

stattdessen die innerschulische

Sozi alstruktur, ihre Status- und

Verhaltensmuster noch in den

Nachmittag und verhindert

qualitative Alternati ven und

schulübergreifende unabhängige

Strukturen der Förderung.

SEITE 15

Umso bedauerlicher wäre es

daher, wenn trotz Inklusion

Schülerarbeit in NRW weiter

als Mittel zur Kompensation

fehlender Hort- oder Ganztagsplätze

benutzt und den

Kommunen oktroyiert wird.

Dadurch verspielt man Chancen

der Qualifizierung, speziell

den Aufbau außerschulischer

inklusiver Koope ration zur

sozialen und interkulturellen

Öffnung der Schu len und Förderschulen.

Das so genannte

100% -Schule-Konzept stellt

zudem auch die Relevanz der

sonstigen offenen Jugendförderung

in Frage. Subventionierung

von Ganztagsschulen

aus Jugendhilfemitteln wirkt

fachlich zerstörend, weil sie die

Deprofessionali sierung und

Privatisierung von Förderung

in der Nach mittagsbetreu ung

bewirkt.

Literaturhinweise

Jugendhilfe und Schule e.V. (Hg.)

2010: Sozialraum analyse Bildung und

Migration, Köln

Mattern A. / Werner, S. / Zaschke, W.

2010: Soziale Integrationsför derung

unter Bedingungen des neuen Sozialmanagements

- GWA-Jahrestagung

DPWV Gesamtverband, Bonn

Zaschke, W. 2010: Fluchtpunkt Soderschule,

in: Heilpädagogik online

2/2010 – www.heilpaedagogik-online.

com

Link zur Langfassung des Interviews:

www.nrwgegendiskriminierung.de/

files/pdf/Newsletter_1_2011.pdf


SCHULENTWICKLUNG

Mehr Gesamtschulen in Köln

Beschluss des Vorstandes des StV Köln zur Schulentwicklung in Köln

Entgegen dem allgemeinen

Landestrend steigen in Köln

die SchülerInnenzahlen. Deshalb

braucht die Stadt Köln

dringend neue Schulen und

dafür große neue Grundstücke.

In den letzten Jahren sind in

Köln jedes Jahr mehr als 500

SchülerInnen von Gesamtschulen

abgelehnt worden, weil die

Schulkapazitäten ausgelastet

waren.

Der StV Köln der GEW fordert

deshalb die Neugründung von

weiteren Gesamtschulen. Diese

sind für eine Großstadt wie

Köln der Einführung einer weiteren

Schulform vorzuziehen.

Der „schulpolitische Konsens“

für NRW sieht künftig für neue

Gesamtschulen eine niedrigere

Errichtungsgröße vor. Statt 112

Anmeldungen sollen nur noch

100 Anmeldungen für vier

Parallelklassen nötig sein.

Dies erleichtert die Gründung

kleinerer Gesamtschulen.

Gesamtschulen haben eine

jahrzehntelange Erfahrung mit

heterogenen SchülerInnengruppen.

Sie haben ein verlässliches

Angebot für inklusiv zu

unterrichtende SchülerInnen

Sie sind schulgesetzlich abgesichert

und Fortbildungsmaßnahmen

und Schulaufsicht

sind für sie etabliert. Sie bieten

im Gegensatz zur Sekundarschule

alle allgemeinbildenden

Schulabschlüsse inklusive dem

Abitur in 9 Jahren an. In den

letzten Jahren des Zentralabiturs

in NRW waren unter den

erfolgreichen AbiturientInnen

an Gesamtschulen in NRW

mehr als 70% ohne eine Gymnasialprognose

der Grundschule

und viele SchülerInnen

mit Migrationshintergrund.

Der schulpolitische Konsens

beinhaltet, dass die Schulträger

entsprechend den Bedingungen

und Verhältnissen vor

Ort im definierten Rechtsrahmen

eigenständige Entscheidungen

über die Schulstruktur

und Schulorganisation treffen

können.

Die GEW vor Ort wird bei

der Umsetzung dieser Zielsetzungen

eine wesentlich größere

Rolle spielen als bisher, aber

auch mehr gefordert in der

kommunal-politischen Einflussnahme

bei der Entwicklung

der Bildungslandschaft

als bisher. Die Einrichtung der

beiden Arbeitskreise „Inklusion“

und „Schulentwicklung

SEITE 16

in Köln“ und die Fachtagung

zum „Inklusionsplan an Kölner

Schulen“ in Kooperation mit

dem Regionalen Bildungsbüro

sind erste Schritte, diese Herausforderung

anzunehmen.

Ziel der GEW ist „Eine Schule

für Alle“. Dieses Ziel ist der

Maßstab für die Beurteilung

der sich verändernden schulpolitischen

Entscheidungen

und für die Mitarbeit und Unterstützung

von Initiativen.

• Der StV Köln unterstützt

die Aktivitäten der Initiative

„Mehr Gesamtschulen für

Köln“.

• Der StV Köln unterstützt gewünschte

Zusammenlegungen

und Umwandlungen unterschiedlicher

Schulformen in

Gesamtschulen. Dabei können

auch kreative Zwischenlösungen

bedacht werden, um

das „Standortproblem“ in Köln

zu lösen.

• Der StV Köln fordert eine

Änderung der Praxis, Schüler-

Innen, die von einer Gesamtschule

abgelehnt werden, auf

freie Plätze im gegliederten

Schulsystem zu verweisen. Der

Elternwille für eine integrierte

Schulform ist zu respektieren.

• Der StV Köln unterstützt die

Bemühungen, in Köln Weiden

eine „Individualschule“ vom

1. bis zum 13. Schuljahr als

Modellversuch genehmigen zu

lassen.

• Der StV Köln unterstützt die

Stadt bei ihren Bemühungen,

auf dem Heliosgelände in

Ehrenfeld die Universitäts-

Modellschule „school is open“

zu errichten.

• Der StV Köln fordert die

Schulaufsicht auf, die Schulen

intensiv zu beraten, wie sie sich

zu inklusiven Schulen entwickeln

können.

• Der StV Köln wird nach der

Fachtagung zum Inklusionsplan

für Kölner Schulen seine

Positionen zur Entwicklung

eines inklusiven Schulsystems

darlegen.

• Der StV Köln unterstützt die

Bemühungen der Stadtverwaltung,

in Bayenthal das Grundstück,

das für eine (geplatzte)

Verlagerung der Fachhochschule

von Deutz vorgesehen

war, für eine größere Schule zu

nutzen.

• Der StV Köln fordert das

Land auf, durch gesetzliche

Regelungen sicher zu stellen,

dass alle Schulformen ihre aufgenommenen

SchülerInnen zu

einem ersten Abschluss führen.

• Der StV Köln fordert positive

Anreize und Perspektiven für

die KollegInnen derjenigen

Schulen, die auslaufen, umgewandelt

oder durch Neugründungen

ersetzt werden.

SCHULENTWICKLUNG

SEITE 17

Einladung

Benefiz-Veranstaltung zur Förderung des GU

Cäcilia Wolkenburg 2012

Kölner Jungfrau, dringend gesucht

Freitag, 10. Februar 2012

19.30 Uhr in der Oper Köln

Im Sommer des Jahres 1922 wird Ursula von den Sinnen unter

dubiosen Umständen zum ersten weiblichen Oberbürgermeister

der Stadt Köln gewählt. Ihre erste Amtshandlung ist die Einführung

einer Quotenfrau im Dreigestirn des Kölner Karnevals. Wo Jungfrau

draufsteht, soll auch Jungfrau drin sein. Aber so einfach ist das

nicht. Die wenigen, die vor der Jury erscheinen sind hässlich und

untalentiert. Einzig das Model eines Malers fällt durch Schönheit

und Anmut auf. Aber Leonore kommt aus Sachsen und spricht kein

Kölsch. Für Jan Op den Hippt, Mitglied der Jury und Professor an der

„Akademie för uns kölsche Sproch“ kein Problem. Er wettet, dass er es

bis zur nächsten Session schaffen werde, aus der ‚sächsischen Kraat‘

ein echt kölsches Mädchen zu machen.

In intelligent witzigen Dialogen, turbulenten Szenen, mitreißender

Musik und ständig wechselnden Kölner Örtlichkeiten, steuert die

Geschichte auf einen glanzvollen Höhepunkt zu. Dass jedoch, auf dem

großen „Benefizball für Frauen in Not“, die soeben durch perfektes

Kölsch als Mitglied der kölschen Hautevolee gefeierten Leonore aus

der Rolle fällt, stellt alle Erwartungen auf den Kopf.

Wir laden zum Besuch dieses Divertissementchens sehr

herzlich ein und bieten Karten für 43 Euro an.

In diesem Endpreis enthalten sind Vorverkaufs- und

Bearbeitungsgebühren sowie ein Benefiz-Zuschlag von 5 Euro,

der ausschließlich der Förderung des „Gemeinsamen Unterrichts“

zugute kommt.

Kartenbestellung bei:

GEW Stadtverband Köln,

Hans-Böckler-Platz 1, 50672 Köln,

Tel.: 0221-516267, Fax: 0221-525446,

E-Mail: kontakt@gew-koeln.de

Die Karten können ab Dezember 2011 in der GEW Geschäftsstelle

abgeholt werden. Auf ausdrücklichen Wunsch können die Karten

auch per Post zugesandt werden. Das Verlustrisiko übernimmt der

Empfänger.

Gewerkschaft

Erziehung und Wissenschaft

Köln


Masse statt Klasse

von Hildegard Merten

Stadt und Träger nutzen zusätzliche

Fördermittel nicht wie

vom Schulministerium empfohlen

für „Tariferhöhungen“

für die im offenen Ganztag Beschäftigten,

sondern verwendet

diese Mittel für die Schaffung

weiterer Betreuungsplätze.

Am 23. Juni schrieb Schulministerin

Löhrmann an die Vertreter

der Städte und Gemeinden,

der Kirchen und Verbände:

»Tariferhöhungen für die

offenen Ganztagsschulen im

Primarbereich

Sehr geehrte Damen und

Herren,

ich freue mich, Ihnen mitteilen

zu können, dass der nordrheinwestfälische

Landtag am 18.

Mai den Haushalt 2011 verabschiedet

hat. Das bedeutet, dass

die mit Erlass vom 23. Dezember

2010 erhöhten Fördermittel

SCHULPOLITIK KITA

für die offene Ganztagsschule

nun wie geplant ausgezahlt

werden können. … Ich bitte

Sie, sich bei Ihren Mitgliedern

dafür stark zu machen, dass die

erhöhten Fördersätze auch tatsächlich

dem offenen Ganztag

vor Ort zugute kommen. …

Mit freundlichen Grüßen

Sylvia Löhrmann«

In Köln fragen sich

die Kolleginnen und

Kollegen im offenen

Ganztag, wann diese

Tariferhöhungen

endlich bei ihnen ankommen.

Recherchen

haben ergeben, dass

die Stadt Köln dieses

Geld, offensichtlich

mit Zustimmung der

Träger, in den Ausbau

der OGS-Plätze

gesteckt hat, um die

Nachfrage der Eltern zu befriedigen.

Dieses Verfahren kennen

wir bereits aus den KiTa-

Bereich. Auch hier hatten die

Beschäftigten die Erwartung,

dass die neue Landesregierung

ihre Versprechen einlöst und

mit der Revision des Kinderbildungsgesetzes

die untragbaren

Arbeitsbedingungen in

den Kindergärten anpackt und

verbessert. Aber bei der ersten

Revision wurden zunächst die

Eltern „bedient“ (Beitragsfreiheit

im 3. Kita-Jahr), während

die Beschäftigten auf die nächste

Revisionsrunde vertröstet

wurden.

SEITE 18

Auch bei der Stadt Köln haben

offensichtlich die Eltern Vorrang

und die Kolleginnen und

Kollegen das Nachsehen. Das

Geld in den weiteren Ausbau

zu stecken, bringt der Stadt

nur scheinbar Entlastung.

Dauerhaft schlechte Arbeitsbedingungen

und schlechte

Bezahlung werden sich rächen.

Die jetzt schon hohe Fluktuation

im offenen Ganztag

wird weitergehen und viele

KollegInnen, die mit großem

pädagogischem Engagement

begonnen haben und noch beginnen

werden, werden diesen

Arbeitsplatz „OGS“ verlassen.

Dies ist dann keine Empfehlung

für die Stadt.

Für die Stadt stellt sich dann

nicht nur die Frage nach der

Qualität sondern auch nach

der Quantität. Was tun, wenn

genügend Betreuungsplätze

bereit stehen, aber das pädagogische

Personal fehlt? Auch

dann dürfte der Elternfriede

gefährdet sein.

Wir können den KollegInnen

und Kollegen im offenen Ganztag

nur empfehlen: Informiert

die Abgeordneten, schreibt

ihnen, ladet sie ein zu „einem

Tag im offenen Ganztag“.

Mehr Informationen zum

Thema unter:

www.gew-koeln.de/schule/

ganztag

von Hildegard Merten

Über das enttäuschende Ergebnis

der ersten Stufe der

Revision des Kinderbildungsgesetzes

haben wir berichtet (s.

forum 4/11). Die Beschäftigten

wurden mit ihren Anliegen auf

die nächste Revisionsrunde

verwiesen. Dann würden eine

neue Fachkraft-Kind-Relation

und eine neue Finanzierungspauschale

endlich Entlastung

bringen. Die Stadt hat – sicher

auch in Umsetzung des Gesundheitstarifvertrags

– erste

Konsequenzen gezogen und in

Absprache mit dem städtischen

Personalrat Maßnahmen veranlasst,

die der Realität in den

Kindergärten Rechnung tragen

und erste Erleichterung verschaffen.

Das Informationsblatt für die

Eltern („Die städtische Benutzerordnung“)

wurde um eine

Erläuterung zur den Betreuungszeiten

ergänzt. Jetzt gibt

es die Verpflichtung der Eltern,

die vereinbarte Kernzeit einzuhalten

mit festen Bring- und

Abholphasen

Frau Dr. Klein schreibt als Vertreterin

der Stadt Köln:

„….Während der Bring- und

Abholphasen sind die Türen

der Einrichtung geöffnet und

Sie als Eltern haben uneingeschränkten

Zutritt. …. Während

der festgelegten Kernzeit

sind die Türen geschlossen.

In diese Zeit erfolgen die die

Tabubruch

Die Stadt reagiert auf die angespannte Situation in den KiTas

täglich geplanten Angebote, die

den differenzierten Bedürfnissen

ihrer Kinder entsprechen.

Diese Zeit muss zum Wohle

und zur Entwicklung ihrer

Kinder störungsfrei verlaufen.

Darum setzte ich ihr Verständnis

voraus, dass während der

festgelegten Kernzeit die Pädagoginnen

und Pädagogen sich

ihren Kindern widmen und zukünftig

die Tür nicht mehr öffnen

werden.“ (Erläuterungen

zu § 5 der Benutzungsordnung

für Kindertageseinrichtungen

der Stadt Köln).

In den Einrichtungen, wo

diese Regelung konsequent

gehandhabt wird, zeichnen sich

deutliche Verbesserungen ab.

Von den KollegInnen kommen

nur positive Rückmeldungen.

Endlich lässt sich eine Zeit lang

störungsfrei mit den Kindern

arbeiten. Die Arbeit mit den

Kindern wird für alle dadurch

stressfreier und befriedigender.

Und auch die Eltern beginnen,

den Bildungsauftrag der Kindergärten

erst zu nehmen und

gewöhnen sich schnell an die

festen Bring- und Abholzeiten

Es gibt noch eine weitere Ergänzung

der städtischen „Benutzerordnung“,

die mit einem

Tabu bricht:

Frau Dr. Klein schreibt an die

Eltern: “Es gehört zu meinen

wichtigsten Zielen, die tägliche

Betreuung Ihrer Kinder

sicher zu stellen! … Leider ist

trotz aller Vorkehrungen nicht

SEITE 19

in jedem Fall zu vermeiden,

dass durch unvorhersehbaren

kurzfristigen Personalausfall

nicht mehr alle Kinder eines

Kindergartens betreut werden

können. Hierbei sind Aspekte

der Aufsichtspflicht und der

Sicherheit von Kindern zu

bedenken. … Damit die Leiter/

innen der Kindergärten auf

solche Situationen angemessen

reagieren können, habe ich mit

der Personalvertretung einen

Handlungsleitfaden vereinbart,

der die Leitungen in die

Lage versetzt, nach einem

festgelegten Schlüssel selbst

zu berechnen, wie viele Kinder

betreut werden können.

Auf dieser Basis entscheiden

die Leiter/innen, ob Eltern

gebeten werden, ihre Kinder

zuhause zu betreuen. … Die

Reduzierung des Betreuungsangebotes

ist und bleibt das


letzte anzuwendende Mittel

und dient, wie bereits erwähnt,

primär der Sicherheit Ihrer

Kinder.“(Erläuterungen zum §

4 der Benutzungsordnung für

Kindertageseinrichtungen der

Stadt Köln)

Ein ungewöhnlicher Vorgang.

Häufig verschweigen Träger die

teilweise erhebliche Unterversorgung/Unterbesetzung

ihrer

Kita-Gruppen und basteln

eher an Notlösungen, meistens

mit Hilfe und zu Lasten der

verbliebenen Beschäftigten.

Den Eltern vermittelt sich so

der Eindruck, dass alles in

Ordnung ist, und sie sich keine

Sorge um die Sicherheit ihrer

Kinder machen müssen. Dass

dem so nicht ist, wissen die

Beschäftigten seit langem, wird

jetzt aber durch die Ergänzung

der Benutzerordnung auch den

Eltern deutlich gemacht.

Vor diesem Hintergrund empfehlen

wir allen Beschäftigten,

egal bei welchem Träger, egal

in welcher Einrichtung, der

Leitung/dem Träger rechtzeitig

zu signalisieren, wenn eine

geregelte Betreuung der Kinder

nicht mehr gewährleistet werden

kann. Beschäftigte sollten

sich selbst vor Haftungsrisiken

schützen und in solchen

Situationen Belastungsanzeige

stellen.

KITA KITA

Die Überlastungsanzeige –

eine Pflicht

von Nina Goerges

Die Überlastungsanzeige ist

ein schriftlicher Hinweis an

den Arbeitgeber, dass aufgrund

von Arbeitsüberlastung die

ordnungsgemäße Erfüllung der

Arbeitsleistung gefährdet ist.

Warum bin ich bei Arbeitsüberlastung

zur Anzeige verpflichtet?

Die Verpflichtung ergibt sich

aus dem Arbeitsrecht. Aus dem

Arbeitsverhältnis entstehen

für den Arbeitnehmer und

für den Arbeitgeber Pflichten.

Es gibt Hauptpflichten, wie

die Erbringung der Arbeitsleistung

und die Zahlung des

vereinbarten Lohns. Neben

diesen Hauptpflichten gibt

es aber auch Nebenpflichten.

Eine dieser Nebenpflichten

ist für den Arbeitnehmer im

Arbeitsschutzgesetz geregelt.

Hier wird der Beschäftigte in

§ 15 dazu verpflichtet, sowohl

für seine eigene Gesundheit als

auch für die Gesundheit der

Personen Sorge zu tragen, die

von ihren Handlungen bei der

Arbeit betroffen sind. Für die

GEW-Mitglieder sind diese

Personen die Schüler oder

Kindergartenkinder, die ihnen

während ihrer Arbeitszeit

anvertraut wurden. Wenn nun

eine unmittelbare erhebliche

Gefahr für die Sicherheit oder

Gesundheit dieser anvertrauten

Personen vorliegen sollte, dann

muss der Beschäftigte nach §

16 ASchG dem Arbeitgeber

SEITE 20

diese Gefahr melden. Eine

solche Gefahr liegt auch dann

vor, wenn der Beschäftigte

aufgrund von Arbeitsüberlastung

z.B. durch personelle

Unterbesetzung oder durch

mangelhafte Arbeitsbedingungen,

nicht mehr sicher für die

Gesundheit der ihm anvertrauten

Personen sorgen kann.

Diese Meldepflicht kann der

Beschäftigte durch eine Überlastungsanzeige

nachkommen.

Die Überlastungsanzeige ist

damit nicht nur das Recht, sondern

eine arbeitsvertragliche

Pflicht jedes Arbeitnehmers!

Die Überlastungsanzeige schützt

den Beschäftigten bei Haftungsansprüchen

Die Überlastungsanzeige hat

aber auch direkte Auswirkungen

auf die Haftungsfrage

der Beschäftigten wenn wirklich

einmal etwas passieren

sollte. Ein Beispiel: Eine Erzieherin

ist wegen Krankheit

alleine in einer Gruppe. Ein U3

Kind stiehlt sich unbemerkt

davon, fällt eine Treppe hinunter

und bricht sich ein Bein.

Zwar gelten die allgemeinen

Grundsätze über eine Schadensersatzverpflichtung

im Arbeitsrecht

nur eingeschränkt,

trotzdem könnten jetzt Schadensersatzansprüche

auf die

Kollegin zukommen. Auch

arbeitsrechtliche Maßnahmen

wie z.B. eine Abmahnung wegen

Verletzung der Aufsichtspflicht

wären denkbar. Auch

um dies zu vermeiden eignet

sich die Überlastungsanzeige.

Zwar wird man hierdurch nicht

„automatisch“ von jeder Verantwortung

freigestellt. Aber

bei der Frage, ob eine Sorgfaltspflichtverletzung

vorliegt,

wird die Überlastungsanzeige

hinzugezogen und kann den

Beschäftigten (zum Teil) entlasten.

Mit der Belastungsanzeige

wird nämlich die Verantwortung

an die nächst höhere

Stelle weitergereicht.

Welche Formalien sind wichtig?

In der Anzeige sollten Datum,

Name der Person, Name der

Einrichtung/Schule und die

konkrete Situation (Personalmangel)

in kurzen Worten

beschrieben sein. Wichtig ist,

dass die Überlastungsanzeige

unverzüglich nach Feststellung

der Gefährdung dem Arbeitgeber

bzw. dem unmittelbaren

Vorgesetzten zu übergeben ist.

Ändert sich für den Beschäftigten

an der Situation nichts,

sollte er nach einiger Zeit erneut

eine Überlastungsanzeige

stellen.

Ein Muster für verschiedene

Überlastungsanzeigen (Schule/Kindergarten/Offener

Ganztag) können auf unserer

Homepage www.gew-koeln.de/

Arbeit und

www.gew-koeln.de/Recht/

Gesundheitsschutz herunter

geladen werden.

Fortbildung

Als Erzieherin älter werden

Die Tätigkeit in Kindertageseinrichtungen

scheint kein

Beruf für das ganze Leben zu

sein, obwohl erfahrene Fachkräfte

gebraucht werden. Das

Seminar will dabei helfen,

Strategien zu entwickeln, um

die letzten Berufsjahre zufrieden

stellend und gesund

gestalten zu können.

Da auch Entspannungsmethoden

und Bewegungseinheiten

in das Seminar

eingebaut sind, sollten die

Teilnehmer bequeme Kleidung

tragen und eine Decke

mitbringen.

Tagungsort:

GEW Stadtverband Köln,

Hans-Böckler-Platz 1

Samstag, 4. Februar 2012

9 Uhr bis 16 Uhr

Referentin: Rita Viertel

SEITE 21

Fortbildung

Betriebliche

Gesundheitsförderung

in der Kita

Seit 2009 gibt es erstmals eine

tarifliche Regelung für die

betriebliche Gesundheitsförderung

im Bereich pädagogischer

und sozialer Berufe.

Ziel des Seminars ist es, über

die Inhalte von Betrieblicher

Gesundheitsförderung aufzuklären

und Strategien zur

Erhaltung und Verbesserung

der Gesundheit zu entwickeln.

Schwerpunkte:

- Informationen über den

neuen Tarifvertrag zur betrieblichen

Gesundheitsförderung

- Praktische Umsetzung von

Methoden zur Verhaltens- und

Verhältnisprävention in den

Kita-Alltag

Tagungsort:

GEW Stadtverband Köln,

Hans-Böckler-Platz 1

Samstag, 3. März 2012

´9 Uhr bis 16 Uhr

Referentin: Rita Viertel

Anmeldungen an

DGB-Bildungswerk NRW e.V.

E-Mail: katharina.kaminski@gew-nrw.de

Teilnahmebeitrag: GEW-Mitglieder 50 Euro;

GEW-Mitglieder ermäßigt 30 Euro; Nichtmitglieder 90 Euro

Weitere Infos: www.weiterbildung.gew-nrw.de


Einladung

Workshop für LAA

Mehr Selbstsicherheit

im Schulalltag

Konstruktive Gestaltung von

Kommunikationsprozessen mit

Hauptseminarleitern, Fachleitern,

Fachlehrern, Schulleitern und

Kollegen; „Stärken/Schwächen“-

Selbstanalyse; Strategien für das

Planungs- und Entwicklungsgespräch,

Umgang mit Konflikten;

Tipps zur Selbstpräsentation

Referenten:

Manfred Diekenbrock

Georg Bickmann-Krebber

Samstag, 10.12.2011

10 Uhr - 16 Uhr

DGB-Haus, Hans-Böckler-Platz 1,

Tagungsraum - EG

Beitrag: 15 Euro für GEW-Mitglieder,

sonst 40 Euro

(inkl. Verpflegung)

Anmeldung:

GEW Landesverband NRW, Abteilung

Gewerkschaftliche Bildung,

z. Hd. Bettina Beeftink,

Fax: 0201/2940334,

E-Mail: bettina.beeftink@gew-nrw.de

(bei Anmeldungen per E-Mail bitte

die vollständige Anschrift angeben)

Eine Anmeldebestätigung wird

ca. vier Wochen vor dem Seminar

verschickt.

Begrenztes Platzangebot!

Gewerkschaft

Erziehung und Wissenschaft

Köln

PRESSEMITTEILUNG BILDUNGSPOLITIK

Gleiche Bezahlung für Lehrkräfte -

auf höherem Niveau

Die GEW fordert, dass künftig

Lehrkräfte an Grundschulen

und den Schulen der Sekundarstufe

I auf dem gleichen,

höheren, Niveau wie die

Lehrkräfte an Gymnasien und

Berufskollegs besoldet werden.

Im gleichen Zug muss – so die

weitere Forderung der Gewerkschaft

- eine Angleichung der

unterschiedlichen Besoldung

für verbeamtete Lehrkräfte

auch zu vergleichbarer Bezahlung

der 30.000 Tarifbeschäftigten

an den Schulen des

Landes führen.

„Die derzeitige Besoldungsstruktur

im Schulbereich

schafft Lehrkräfte erster, zweiter

und dritter Klasse. Nicht

länger darf sich die Bezahlung

danach richten, an welcher

Schulform oder in welcher

Schulstufe eine Lehrkraft arbeitet,“

forderte Norbert Müller,

stellvertretender Landesvorsitzender

der GEW, in Reaktion

auf die Veröffentlichung eines

Gutachtens zur Gleichwertigkeit

der Lehrerarbeit des

Verbandes Bildung und

Erziehung am heutigen

Mittwoch in Düsseldorf.

Müller lässt dabei

keinen Zweifel daran,

dass die Gewerkschaft

die Besoldungs -

SEITE 22

angleichung „nach oben“ fordert

und in weiteren Tarifaktionen

für die Gleichstellung

der Tarifbeschäftigten eintritt.

Müller wörtlich: „Wenn der

Grundsatz „Gleicher Lohn für

gleichwertige Arbeit“ wirklich

ernst genommen wird, erwarten

wir Konsequenzen. Das

bedeutet auch, endlich die

eklatante Benachteiligung der

rund 30.000 angestellten Lehrkräfte

aufzuheben.“

Das neue Lehrerausbildungsgesetz

bestimme, dass alle Lehrerinnen

und Lehrer in NRW

eine gleich lange Ausbildung

absolvieren: acht Semester Studium

an der Universität und 18

Monate Referendariat. Dies sei

allgemein als wichtiges Signal

hinsichtlich der Gleichwertigkeit

der Lehrämter gewertet

worden. Entsprechende positive

Aussagen maßgeblicher

Verantwortlicher der Regierungsparteien

vor der Wahl

seien in den Koalitionsvertrag

der Regierungsparteien geflossen.

Dieser hebe ausdrücklich

den Grundsatz der

gleich langen

und gleich guten

Ausbildung

hervor.

Am Schuljahresbeginn wurden

die Antragsformulare zum „Bildungs-

und Teilhabepaket“ in

Schulen, Kitas und Jugendeinrichtungen

verteilt. Beantragt

werden können Mittel für die

Bereiche Mittagessen, Lernförderung,

Klassenfahrten und

Ausflüge, Musik- oder Sportvereine,

Schulmaterialund Schulbeförderung.

Jetzt, da die ersten Klassenfahrten

geplant und die ersten

Nachhilfestunden genommen

wurden, fragt das forum nach:

Hat sich was verbessert?

Unsere Interviewpartnerin

arbeitet in einer Kölner Jugendeinrichtung,

ihr Name ist der

Redaktion bekannt. Die Fragen

stellte Guido Schönian.

forum: Rückwirkend zum 1.

Januar 2011 greift das sogenannte

Bildungs- und Teilhabepaket.

Was kannst du aus

der Praxis berichten: Hat sich

etwas verbessert?

Sozialarbeiterin: Nein.

forum: Warum nicht?

Sozialarbeiterin: Weil die versprochene

Entbürokratisierung

nicht gegeben ist. Der Zugang

zu den Leistungen für die

Menschen, für die es gedacht

ist, die vielfach aus sogenannten

bildungsfernen Schichten

kommen, gestaltet sich schwierig

und kompliziert.

forum: Aber die Arbeits- und

Sozialministerin, Ursula v.d.

Leyen, sagt, dass „das Bil-

Kein Gesetz, das in die Zukunft blickt, sondern ein

Sparpaket

dungspaket […] 2,5 Millionen

bedürftigen Kindern aus

Geringverdienerfamilien mehr

Zukunftschancen (gibt). Sie

haben jetzt einen Rechtsanspruch

auf Bildung und aufs

Mitmachen.“ Das ist doch eine

Verbesserung?

Sozialarbeiterin: (lacht) Einen

Rechtsanspruch haben heißt

erstmal nichts haben. Angefangen

von der Lernförderung

ist es so, dass nur die Kinder

Lernförderung bekommen,

deren Lehrer bestätigen, dass

sie durch die Förderung das

Klassenziel erreichen werden;

sprich: Versetzung. Wer also

das Klassenziel der Versetzung

trotz Lernförderung nicht

erreichen würde, erhält offiziell

keine Leistungen über das Bildungspaket.

Oder umgekehrt:

Wenn die Versetzung gesichert

ist, der entsprechende Schüler

aber einen besseren Abschluss

anstrebt, dann gibt es dafür

keine Leistungen zur Förderung.

Dann ist es so, dass ein

enormer Aufwand zu betreiben

ist, um überhaupt eine Leistung

zu bekommen, weil alles nicht

nur über Schule oder soziale

Institutionen wie Jugendeinrichtungen

oder Kitas laufen

muss, sondern immer wieder

auch zurück über Jobcenter

oder Amt für Soziales. Das

bringt einen Riesen-Papieraufwand

für alle Beteiligten und

einen hohen Zeitaufwand für

Behördengänge mit sich.

SEITE 23

forum: Konkret?

Sozialarbeiterin: Die Eltern

stellen einen Antrag auf Leistungen

für Bildung und Teilhabe,

in dem sie ankreuzen,

was sie aus den sechs Säulen

alles brauchen. Im Falle eines

Antrags auf Lernförderung

wenden sie sich dann an die

Institution Schule, die ihnen

bestätigen muss, dass das Klassenziel

erreicht würde, wenn

eine Lernförderung erfolgt.

Dann müssen sie einen entsprechenden

so bezeichneten

Leistungsträger finden. Entweder

ist dies eine private Organisation

wie die Schülerhilfe oder

ein sonstiger Anbieter wie etwa

eine Jugendeinrichtung mit

Übermittagsbetreuung. Dazu

muss es wieder eine schriftliche

Bestätigung über die Teilnahme

an der Förderung und die

Förderungsart (Gruppenform,

Inhalt etc.) geben. Dann müssen

die Eltern bestätigen, dass

das entsprechende Kind an

den entsprechenden Stunden

teilgenommen hat. Dann muss

das gesamte Formular-Paket

an den Leistungserbringer, und

dann werden die Kosten übernommen

– rückwirkend!

forum: Wie müsste es denn

dann laufen?

Sozialarbeiterin: Es geht hierbei

nicht um ein Gesetz, das in

die Zukunft blickt, sondern es

ist im Endeffekt ein Sparpaket.

Die Kommunen sollen mittels

einer Umschichtung aus der


Sozialhilfe auf die Umsetzung

des Bildungspakets verpflichtet

werden. Es ist die Frage, ob die

Kommunen in diesem Falle

wirklich aktiv darauf hinwirken,

die Leistungen an den

Mann bzw. das Kind zu bringen?

Im Sinne der Kinder wäre

es. Aber im Sinne der Kinder

scheint dieses Gesetz nicht gemacht

worden zu sein – schnell

und unbürokratisch - betrachtet

man die geringe Zahl der

bisher tatsächlich erbrachten

Leistungen.

forum: v.d. Leyen sagt auch,

dass „ab sofort (bedürftige

Kinder) bei Sport, Musik oder

Kultur dabei sein (können),

an Schulausflügen und am

gemeinsamen Mittagessen in

Schule, Hort oder Kita teilnehmen

(können). Sie bekommen

das Schulmaterial, das sie

brauchen, und die notwendige

Lernförderung, wenn ihre Versetzung

gefährdet ist.“ - Was

war denn dann vorher?

Sozialarbeiterin: Vorher gab

es beispielsweise zu Schuljahresbeginn

120 Euro für Schulmaterial.

Jetzt wurde es auf 70

Euro für das erste und 50 Euro

für das zweite Schulhalbjahr

gesplittet. Lernförderung machen

wir in den Jugendeinrichtungen

schon immer und seit

die Horte abgeschafft wurden

sehr intensiv im Rahmen der

Übermittagsbetreuung. Jetzt

sollen zwar zusätzlich Förderstunden

in Anspruch genom-

BILDUNGSPOLITIK HOCHSCHULE

men werden können, die aber

auf 15 bis 35 Stunden pro

Schuljahr begrenzt sind.

forum: „Das Bildungspaket

folgt der großen Leitidee:

Chancen eröffnen.“, so v.d.

Leyen. Was sagst du zusammenfassend

dazu?

Sozialarbeiterin: Erst im vergangenen

Jahr wurden seitens

der Kommune die Zuschüsse

für freie Träger und damit soziale

und kulturelle Angebote

genau eben für diese Zielgruppe

enorm gekürzt!Chancen

für wen, frage ich mich. Geht

es um junge Menschen, die

sowieso nur schwer Zugang

haben zu gesellschaftlichen

Strukturen oder um Kinder, die

in Jugendeinrichtungen bereits

betreut werden? Wieso werden

die Angebote nicht ausgeweitet,

so dass zum einen mehr Kinder

und Jugendliche in den bereits

vorhandenen Strukturen

besser betreut und gleichzeitig

zusätzliche Angebote entwickelt

werden können, die dazu

beitragen, Zugangsbarrieren

abzubauen.

forum: Und das geschieht nicht

durch das Bildungspaket?

Sozialarbeiterin: Das Bildungspaket

gefährdet bereits vorhandene

Sozialleistungen wie

den „Kölnpass“, setzt Fristen

der Antragsstellung und für

den Erhalt der Leistungen und

baut Zugangsbarrieren durch

umfangreiche Antragsstellung

aus. Möchte man tatsächliche

SEITE 24

Zukunftschancen ermöglichen,

müsste jeder Leistungsberechtigte

nach persönlichem Bedarf

Nachhilfe erhalten, müsste

jedes leistungsberechtigte

Kind ein Mittagessen erhalten,

müssten vorhandene Orte

der sozialen und kulturellen

Bildung (Musikschulen, Sportvereine

etc.) direkt finanziert

werden, um kostenfreie Angebote

für Leistungsberechtigte

anbieten zu können etc.

Zugleich könnte mittels einer

entsprechenden Finanzierung

all der Orte, die für junge Menschen

eben da sind – Schule,

Kinder- und Jugendeinrichtungen,

Theater-, Musikschulen,

Kunst- und Sportvereine –

die Vernetzung ausgebaut und

für ein echtes „Teilnehmen“

gesorgt werden.

Auszug „frauTV“: www.wdr.

de/tv/frautv/sendungsbeitraege/2011/0707/thema_2.jsp

„Bedenkt man, dass von den

2,5 Millionen Berechtigten

bislang gerade mal zwei Prozent

Anträge gestellt haben,

erweckt, das den Anschein als

seien, die 6 Milliarden nicht

für das Bildungspaket, sondern

auch zugunsten des Staates

kalkuliert. Denn so wie es jetzt

aussieht, gibt der rund 1 Milliarde

für das Bildungspaket aus

und streicht im Gegenzug 5

Milliarden ein.“

Der drastische Anstieg der

Studienanfängerzahlen an den

Hochschulen in NRW muss

mehr Finanzmittel nach sich

ziehen. Die GEW fordert Bund

und Land zu gemeinsamen

Kraftanstrengungen auf und

fordert eine Aufstockung der

Mittel des Hochschulpaktes II.

Der Trend zum Studium soll

auch im Landeshaushalt 2012

angemessen berücksichtigt

werden.

„Wir begrüßen, dass die Zahl

junger Menschen, die ein

Studium aufnehmen, wächst.

Diese Entwicklung ist nicht nur

von uns prognostiziert worden.

Wir haben rechtzeitig davor

gewarnt, dass die Mittel des

Hochschulpaktes II nicht ausreichen,

um nach dem Ansturm

auf die Hochschulen auch vernünftige

Studienbedingungen

zu gewährleisten. Der Ausbau

der Kapazitäten ist nicht von

heute auf morgen zu haben“,

erklärte heute GEW-Landesvorsitzende

Dorothea Schäfer

nach der Pressekonferenz von

Wissenschaftsministerin Svenja

Schulze zum Auftakt des Wintersemesters.

Zweifelsohne hätten zu den

heute genannten Zahlen ganz

maßgeblich die Abschaffung

der Studiengebühren wie auch

die Aussetzung der Wehrpflicht

beigetragen, regional auch der

doppelte Abiturjahrgang in

Niedersachsen. Die GEW sieht

den Trend zur Aufnahme eines

Mehr Mittel

für wachsende Studierendenzahlen!

Studiums aber auch grundsätzlich

positiv: „Er ist für die

soziale und wirtschaftliche

Entwicklung unseres Landes

von enormer Bedeutung,

Stichwort „Fachkräftemangel“.

Zwar nehmen wir, was

die Studienabsolventenzahlen

betrifft, unter den Flächenländern

in Deutschland eine

Spitzenstellung ein, aber

von internationalen Durchschnittswerten

sind wir

noch weit entfernt“, bewertet

Schäfer die Lage. So liege die

Quote in NRW bei ca. 30%,

der OECD-Durchschnittswert

sei aber 10% höher.

Die GEW unterstützt insbesondere

auch den Vorschlag

von Ministerin Schulze, den

Kapazitätsausbau bei den

Master-Studiengängen mit

Hochschulpakt-Mitteln zu

finanzieren. Die Befürchtung,

dass es insbesondere für die

Lehramtsstudiengänge zu

wenig Master-Plätze geben,

sei bei der GEW groß. „Ein

Flaschenhals nach dem Lehramts-Bachelor

hätte dramatische

Konsequenzen für die

Lehrerversorgung an unseren

Schulen“, warnte Schäfer eindringlich.

Das von den Ministerinnen

Löhrmann und Schulze im

Mai verkündete Maßnahmenpaket

der Landesregierung

zum doppelten Abiturjahrgang

2013, das eine Programmförderung

von über

SEITE 25

10 Milliarden

EURO bis zum

Jahr 2020 vorsieht,

war von der GEW

begrüßt worden.

Die Zielzahl des

Hochschulpaktes

II, in den Jahren

2011 bis 2015 mit

1,8 Mrd. EURO 90.000 zusätzliche

Studienplätze in NRW zu

schaffen, hielt die GEW schon

damals für zu knapp dimensioniert.

„Die Aufstockung wird ja selbst

von der Hochschulrektorenkonferenz

gefordert. Der Bund

darf die Länder jetzt nicht im

Regen stehen lassen. Das Kooperationsverbot

muss fallen“,

forderte die GEW-Landesvorsitzende.

Nicht nur NRW,

auch andere Länder, hätten

zunehmend Schwierigkeiten,

den notwendigen Ausbau der

Hochschulen zu finanzieren.

Mit Blick auf die Exzellenzinitiative,

die in ihrer dritten

und letzten Runde für den

Zeitraum 2012-2017 nochmals

2,7 Milliarden EURO an die

erfolgreichen Wettbewerber

ausschüttet, bemerkte die Landesvorsitzende

abschließend:

„Die Voraussetzung für mehr

Klasse in der Wissenschaft ist

eine bedarfsgerechte Ausstattung

der Masse. Zumindest ein

Teil dieses Geldes wäre für vernünftige

Studienbedingungen

und mehr Qualität in der Lehre

besser verwendet.“


FACHGRUPPEN & ARBEITSKREISE

Bei allen Veranstaltungen der Fachgruppen und Arbeitskreise sind Interessierte

aus anderen Schulformen und Bildungsbereichen herzlich willkommen!

Alle Termine finden, wenn nicht anders angegeben, im Kölner DGB-Haus, Hans-Böckler-Platz 1, statt. Fachgruppentermine

die nach Redaktionsschluss eingehen, sind im Internet unter

www.gew-koeln.de zu finden.

FG Grundschule

Dienstag, 29.11.2011

um 19.00 Uhr

Tagungsraum (EG)

Vorbereitung der Personalratswahl

– Konzept und Aufstellung

der Liste

Wolfgang Raabe,

Tel.: 02203/51342

Martina Schütte,

Tel.: 02236/321318

FG Hauptschule

Mehmet Ali Ates,

Tel.: 0221/461418

Sigried Pleyl-von Laer,

Tel.: 0221/725604

FG Förderschule

Christiane Balzer,

Tel.: 0221/9524740

Iris Tschauder,

Tel.: 0221/8230540

FG Gesamtschule

Gudrun Neumann,

Tel.: 0221/7607786

FG Realschule

Maria Backhaus,

Tel.: 0221/16932167

Elke Görgen-Schmickler,

Tel.: 0221/419327

AK Offener

Ganztag

Max-Georg Beier, Hildegard

Merten, Tel.: 0221/516267

FG Gymnasium

Dienstag, 22.11.2011

um 19.00 Uhr

Tagungsraum (EG)

Aktuelles aus den Schulen und

Lehrerzimmern, Aktivitäten

der Fachgruppe, Personalratswahlen/Listenvorschläge/

Wahlkampf, Wahlen der Delegierten

zur Bezirksdelegiertenkonferenz,

Verschiedenes

Hans-Josef Vöckel,

Tel.: 0221/626258

FG Berufskolleg

Mechtild Degen-Sieg,

Tel.: 02236/322241

Dietrich Weinkauf,

Tel.: 0221/352956

FG Kita

Brunhilde Seeber,

Tel.: 0163/9158338

AK LEMK

Dienstag, 22.11.2011 und

Dienstag, 13.12.2011 jeweils

um 18.00 Uhr

Besprechungsraum 1. OG

Zu allen Treffen sind interessierte

Kolleginnen und Kollegen,

die sich mit dem Thema

Migration beschäftigen, herzlich

eingeladen!

Süleyman Ates,

Tel.: 0221/632346

Spyros Kostadimas,

Tel.: 02203/14357

SEITE 26

AK Betriebsräte/

Mitarbeitervertretungen

Aktuelle Themen und Erfahrungsaustausch

Unsere Hotline für Betriebsräte

und Mitarbeitervertretungen:

betriebsraete@gew-koeln.de ist

jederzeit erreichbar.

Heiner Frey,

Tel.: 02742/969493

Nina Goerges,

Tel.: 0221/516267

AK Homosexueller

LehrerInnen

Wir treffen uns alle 6 Wochen

zum Austausch über die berufliche

und persönliche Situation

und alles, was mit dem Thema

„Schwule und Schule“ zutun

hat. Wir sind auch offen für

lesbische Lehrerinnen. Weitere

Infos über uns finden KollegInnen

unter www.schwule-lehrer.

de. Unsere nächsten Themen:

NRW-Aktionsplan gegen

Homophobie, Coming Out als

Lehrer/-in in der Schule?

Ort unserer Treffen: LSVD,

Pipinstr.7 (Heumarkt)

Termine auf Anfrage per E-

Mail: schwule-lehrer@freenet.

de oder telefonisch: Frank G.

Pohl, Tel:. 0173/4631977

AK Angestellte

Lehrkräfte

jeden ersten Montag im Monat

um 19.00 Uhr

Besprechungsraum 1. OG

Hans-Peter Persy,

Tel.: 0221/733294

AK Schulentwicklung

Donnerstag 9. Februar 2012

18 Uhr DGB-Haus

Klaus Minartz,

Tel.: 0221/526722

AK Inklusion

Ulli Müller-Harth,

Tel: 0221/512687

Uschi Kellermann,

Tel.: 0221/16846200

AK Schulsozialarbeit

Montag, 21.11.2011

um 17.00 Uhr

kleines Sitzungszimmer 1.

OG

Johannes Vogel

ijvogel@t-online.de

Wenn GEW, dann

www.gew-koeln.de

FACHGRUPPEN & ARBEITSKREISE

FG GEW-Studis

Neue Termine werden wieder

im WS 2011/12 bekannt gegeben.

David Stoop,

studi.gew.koeln@gmail.com

Junge GEW

jeden zweiten Mittwoch im Monat

um 19.45 Uhr

Besprechungsraum 1. OG

Alle Interessierten sind stets

herzlich willkommen!

info@jungegew.de

www.jungegew.de

Ratschlag

für Vertrauensleute, Lehrer- und

Personalräte

Geplantes Thema:

Der Ganztag (OGT und gebundener

GT) und die Arbeitsverhältnisse

bei den Trägern – Was

wissen die LehrerInnen? Was

müssen sie wissen?

Der Termin wird auf der Homepage

bekanntgegeben.

Klaus Minartz, Tel.:

0221/516267

»Reffi-Treff«

1. Quartalstreffen für

Referendare

Informationen und Erfahrungsaustausch

Ort und Termin bitte unserer

Homepage entnehmen:

www.gew-koeln.de

SEITE 27

Einladung

Junge Fachgruppe Gymnasium

Informationsveranstaltung

zu den Themen

Probezeit und

Dienstliche

Beurteilung

Auf dieser Veranstaltung sollen u. a.

folgende Fragen beantwortet werden:

Wie lange dauert die Probezeit für Beamte

und Tarifangestellte?

Welche Regelungen gelten für eine

dienstliche Beurteilung?

Wann kann die Probezeit verlängert/

verkürzt werden?

Welche Schwierigkeiten können auftreten?

Referent

Dr. Mario Sandfort

Rechtsschutz GEW NRW

Donnerstag, 15. Dezember 2011,

17.00 Uhr - 18.30 Uhr

DGB-Haus

Hans-Böckler-Platz 1,

Tagungsraum – EG,

U-Bahn-Linien: 3, 4 und 5

Die Veranstaltung ist kostenfrei, auch Nicht-

GEW-Mitglieder sind herzlich willkommen!

Die Veranstaltung findet ihren Ausklang im

Stadtgarten-Restaurant bei einem Glühwein.

Wir freuen uns über Eure Teilnahme!

Rückfragen bitte an

Hans-Josef Vöckel,

Tel.: 0221-626258,

E-Mail: voeckel@yahoo.de

Gewerkschaft

Erziehung und Wissenschaft

Köln


Beispiel: Fortbildung

von Klaus Minartz

Veränderungen erreichen nur

langsam alle Schulen. Beharrungskräfte

sind stark und

Akteure oft eigenwillig. Vielen

Schulleitungen und manchen

Lehrerräten sind die Bestimmungen

des Schulgesetzes, die

die Personalvertretungsrechte

des Lehrerrates regeln, noch

nicht genügend bekannt oder

sie ignorieren sie. Deshalb

beginnen wir eine Reihe, in

der die Beteiligungsrechte (von

der Mitbestimmung bis zur

Anhörung und Information)

des Lehrerrates kommentiert

werden.

Die folgenden Informationen

sind der Broschüre von Ute

Lorenz „Der Lehrerrat … mit

personalvertretungsrechtlichen

Aufgaben“ entnommen. Diese

Broschüre kann über die GEW

NRW (www.gew-nrw.de) für

Mitglieder digital zur Verfügung

gestellt werden.

„Das Landespersonalvertretungsrecht

(LPVG) enthält im

§ 72 Abs. 4 Nr. 16 ein Mitbestimmungsrecht

des Personalrates

bei Fortbildungen

und hier insbesondere bei der

Auswahl der Teilnehmer an

Fortbildungsveranstaltungen.

§ 69 Abs. 3 des Schulgesetzes

(SchulG) erklärt den Lehrerrat

personalvertretungsrechtlich

für zuständig, sofern

eine Aufgabe übertragen ist.

Gem. § 59 Abs. 6 SchulG ist

MITBESTIMMUNG MITBESTIMMUNG

die Aufgabe Fortbildung auf

Schulleiterinnen und Schulleiter

übertragen worden. Damit

entsteht als Folgewirkung auch

die personalvertretungsrechtliche

Zuständigkeit des Lehrerrates

nach § 69 Abs. 3 und 4

SchulG. Die Beteiligung nach §

59 Abs. 6 S. 3 SchulG schließt

diesen Mitbestimmungstatbestand

nicht aus. Nach § 69

Abs. 3 SchulG wird durch

gesetzliche Regelung dieser

Mitbestimmungstatbestand auf

die Lehrerräte übertragen und

gleichzeitig nicht ausdrücklich

negiert, nur weil auch § 59 Abs.

6 SchulG die weitere Beteiligung

des Lehrerrates regelt.

Diese Negierung hätte der Gesetzgeber

vornehmen können,

da die Vorschrift der Beteiligung

nach § 59 Abs. 6 Satz 3

Schulgesetz bereits vor Inkrafttreten

und Änderung des

Schulgesetzes vom 24.06.2008

vorlag. Das hat der Gesetzgeber

jedoch versäumt.

Fortbildungsveranstaltungen

im Sinne der Personalvertretungsgesetze

sind alle Veranstaltungen,

die mit dem Ziel

durchgeführt werden, die

beruflichen Kenntnisse und

Fertigkeiten zu erhalten, zu

SEITE 28

erweitern, der technischen

Entwicklung anzupassen oder

beruflich aufzusteigen. Die

Mitbestimmung umfasst folgende

Aspekte:

• Interessierte und geeigneten

Beschäftigten

• Gleichmäßiger Zugang zur

Fortbildung

• Chancengleichheit und

• Ggf. andere potentielle Interessenten

für die Auswahlentscheidung

benennen.

Das Mitbestimmungsrecht

liegt nicht nur vor, wenn sich

mehrere Beschäftigte beworben

haben. Es muss eine echte Auswahlentscheidung

vorliegen.

Eine solche Entscheidung liegt

aber auch dann vor, wenn sich

nur ein Beschäftigter beworben

hat, es aber in der Dienststelle

weitere Interessenten gibt die,

die geforderten Voraussetzungen

für die Fortbildung

erfüllen (VG Greifswald v.

16.12.2004 – 7 A 3584/03). Sofern

alle Beschäftigten für die

Fortbildung ausgewählt werden,

gibt es auch kein Raum

mehr für die Mitbestimmung.

Beispiel:

Bei einer schulinternen Fortbildung

sind nur zehn Teilnahme-

„Wenn Lehrerinnen und Lehrer an den Schulen

nicht mitbestimmen, bestimmen andere über sie“

Lehrerräte HOT-MAIL für alle Fragen

zur Lehrerrätearbeit und zum Schulgesetz:

lehrerraete@gew-koeln.de

plätze zu vergeben, es melden sich

aber fünfzehn Kolleginnen und

Kollegen an. Der Schulleiter hängt

eine Liste der „glücklichen“ aus,

die teilnehmen dürfen. Die Abgewiesenen

äußern im Beisein der

Lehrerratsvorsitzenden Unmut im

Lehrerzimmer über die Auswahlentscheidung.

Der Schulleiter hätte hier den

Lehrerrat beteiligen müssen. Bei

einem ordnungsgemäßen Mitbestimmungsverfahren

und einer

möglichen Erörterung hätten

folgende Punkte Berücksichtigung

finden sollen: Grundsätzlich muss

Ziel sein, dass die Auswahl nicht

Ausschluss der zurückgewiesenen

von der Fortbildung bedeutet,

sondern, dass das Fortbildungsangebot

so lange wiederholt wird, solange

Fortbildungsbedarf besteht.

Es müssen inhaltliche Kriterien für

eine Auswahl gefunden werden.

Dabei muss auch verabredet werden,

nach welchem Zufallsverfahren

ausgewählt wird, sofern sich

keine Sachkriterien finden lassen.

Kriterien und Auswahlverfahren

müssen den Betroffenen generell

(allgemeine Regelungen) und

konkret (Herleitung der Auswahl

in diesem Einzelfall) transparent

gemacht werden.“

Die Lehrerräte sollten sich mit den

Schulleitungen und ggf. mit den

Fortbildungskoordinatoren zusammensetzen,

um für die eigene

Schule praktikable und effiziente

Verfahren abzustimmen, um

diesen gesetzlichen Bestimmungen

gerecht zu werden.

Übertragung

der DVE

auf alle SL

erst 1. August 2013?

Im Zusammenhang mit

dem 3. Schulrechtsänderungsgesetz

wurde 2008

geregelt, dass alle Schulleiterinnen

und Schulleiter

SL zum Beginn des

Schuljahres 2012/13, zum

1. August 2012, die sog.

erweiterten Dienstvorgesetzteneigenschaften

DVE

übertragen bekommen.

Diese Aufgaben sind in der

Verordnung über beamtenrechtlicheZuständigkeiten

im Geschäftsbereich

des für den Schulbereich

zuständigen Ministeriums

in § 1 Abs. 5 geregelt. Derzeit

nehmen sie nur etwa

350 Schulleiterinnen und

Schulleiter wahr.

Nun verlautet aus dem

Schulministerium, dass

der Termin der Übertragung

um ein Jahr auf den

1. August 2013 verschoben

werden wird.

SEITE 29

Einladung

Die GEW führt

Basisqualifizierungen

für Mitglieder in

Lehrerräten

durch.

Im Schuljahr 2011/2012 sind

diese Fortbildungen besonders

wichtig, da der Landtag das

Personalvertretungsgesetz

novelliert hat.

Das hat Auswirkungen auf die

Arbeit der Lehrerräte.

Zur Teilnahme laden wir Sie

herzlich ein.

Dienstag, 29. November 2011,

von 9.00 bis 16.30 Uhr

DGB-Haus,

Hans-Böckler-Platz 1

Themen (u.a.):

• Der neue Lehrerrat

• Rollenverständnis

• Wahlverfahren

• Rechtliche Grundlagen

• Mitbestimmungsrechte,

weitere Beteiligungsrechte

Bitte melden Sie sich bis zum

15. November 2011 an.

Direkt nach diesem

Anmeldetermin erhalten Sie

von uns eine

Anmeldebestätigung:

svenja.tafel@gew-nrw.de

Gewerkschaft

Erziehung und Wissenschaft

Köln


Einladung

Diese Fortbildung setzt die

Kenntnisse der

Basisqualifizierungen voraus.

Aufbauschulung

Der Lehrerrat und

das Landespersonalvertretungsrecht

Rechte und Pflichten des

Lehrerrates in seiner Funktion

als Personalrat in eigenverantwortlichen

Schulen

24. Novem

ber 2011

9.00 Uhr bis 16.30 Uhr

DGB-Haus,

Hans-Böckler-Platz 1, 50 672 Köln

- Allgemeine und besondere

Beteiligungsrechte

des Lehrerrates

- Mitbestimmung im Einstellungsverfahren

und bei Mehrarbeit

Referent:

Michael Schulte

Geschäftsführer der GEW-NRW

Der Veranstalter rechnet die Seminarkosten

– auf Grundlage einer Abtretungserklärung

der Teilnehmerinnen

und Teilnehmer – mit der Schule ab.

Die Anmeldungen erfolgen bitte

schriftlich bis spätestens zum 10. November

2011 an das:

DGB-Bildungswerk NRW e.V., c/o GEW

NRW zu Hd. Frau Svenja Tafel Nünningstr.

11 45 141 Essen.

Gewerkschaft

Erziehung und Wissenschaft

Köln

RECHTSBERATUNG RECHTSBERATUNG

Bewährungsaufstiege

gelten in bestimmten Fällen weiter

von Ines Bartenstein

Mit der Einführung des TV-L

2006 wurden die so genannten

Bewährungsaufstiege

abgeschafft. Sie sind im

Tarifvertrag nicht mehr

vorgesehen. In der Folge sind

Anträge auf Höhergruppierung

von den Ländern unter Verweis

auf den Tarifvertrag abgelehnt

worden.

Es liegt nun ein Urteil des

Landesarbeitsgerichts

Rheinland-Pfalz in 2. Instanz

vor (Az. 10 Sa 15/11 5 Ca

515/10 ArbG Ludwigshafen

– AK Landau -), das ein

Urteil des Arbeitsgerichts

Ludwigshafen zugunsten des

Anspruchs einer pädagogischen

Fachkraft (Heilerziehungspfleger)

bestätigt hat. Der

Arbeitsvertrag des Klägers

enthielt die Formulierung,

dass eine Eingruppierung nach

„Eingruppierungsrichtlinien“

und nicht nach „Eingruppierungstarifvertrag“

zu

erfolgen hat. Die Eingruppierungsrichtlinien

der TdL

(Tarifgemeinschaft der

Länder) sehen jedoch einen

Bewährungsaufstieg weiterhin

vor.

Das Gericht ist der Ansicht,

dass die Arbeitsvertragsparteien

im Falle des Klägers

einzelvertraglich einen

Bewährungsaufstieg vereinbart

hätten und dass der Kläger

SEITE 30

alle Voraussetzungen erfüllte,

die die Richtlinien an den

Bewährungsaufstieg stellen.

Demnach ergibt sich in

bestimmten Fällen – da

nämlich, wo in einem

Arbeitsvertrag auf die

Richtlinien verwiesen

wird – ein Anspruch auf

Höhergruppierung.

Dies betrifft im Lehrerbereich

lediglich die Gruppe der so

genannten „Nichterfüller“

– Lehrkräfte, die die

fachlichen und pädagogischen

Voraussetzungen für

die Übernahme in ein

Beamtenverhältnis nicht

erfüllen. „Nichterfüller“

können ggf. einen Antrag auf

Höhergruppierung stellen,

denn ihre Eingruppierung

ist nicht im TV-L geregelt,

sondern einseitig in den

Eingruppierungsrichtlinien für

Lehrkräfte der TdL bzw. der

einzelnen Bundesländer.

Wer sich eingehender

informieren möchte, kann

sich an Daniel Hard vom

GEW-Hauptvorstand,

Vorstandsbereich Angestellten-

und Beamtenpolitik wenden:

daniel.hard@gew.de oder Tel.

0 69/ 7 89 73 – 2 14

(Quelle: Informationen des

Hauptvorstandes der GEW)

Ruhegehaltfähige

Dienstzeiten

Bei einer Pensionierung

ist für die Berechnung

des Ruhegehaltes die

ruhegehaltfähige Dienstzeit

von wesentlicher Bedeutung.

Als ruhegehaltfähige

Dienstzeit können auch

Ausbildungszeiten (Studium,

Vorbereitungsdienst) anerkannt

werden. Dieses setzt jedoch

einen Antrag voraus! Dieser

kann im Prinzip auch noch

während der Berechnung der

Versorgungsbezüge gestellt

werden, käme aber z.B. im

Todesfalle für die Berechnung

von Witwen- bzw. Waisengeld

zu spät. Daher sollte der

Antrag auf Anerkennung

der Ausbildungszeiten als

ruhegehaltfähige Dienstzeit

jetzt erfolgen. Es reicht ein

formloser Antrag an die

zuständige Bezirksregierung.

Eingruppierung

von Künstlern

und Musikern

Mit Erlass vom 8. Juni 2011

können Absolventinnen und

Absolventen von Kunst-

und Musikhochschulen

in NRW Lehrkräften mit

einem wissenschaftlichen

Hochschulabschluss

gleichgestellt werden.

Dieses setzt allerdings den

Nachweis eines Studiums

von mehr als 6 Semestern

(ohne etwaige Praxissemester,

Prüfungssemester etc.)

voraus. Zur Prüfung bzw.

Bearbeitung wird von der

Bezirksregierung eine Kopie

der Prüfungsordnung und der

Studienbücher oder ähnliches

verlangt. Bei Anerkennung des

entsprechenden Abschlusses

erfolgt eine Höhergruppierung

von EG 11 in EG 12

rückwirkend zum 1. Januar

2011.

Nachzahlungen

Wenn man die Vorgriffsstunden

nicht mehr in Anspruch

nehmen kann, weil man

z.B. bereits vorzeitig wegen

Dienstunfähigkeit pensioniert

ist, gibt es pro geleisteter

Vorgriffsstunde eine

Vergütung von 52 Stunden als

Mehrarbeitsvergütung.

Zunächst gab es nur eine

Vergütung in Höhe von 39

Stunden. Die Differenz

wird nur auf Antrag ausgezahlt

–es gibt keine entsprechenden

Unterlagen bei der

Bezirksregierung, man muss

einen formlosen Antrag stellen.

SEITE 31

Urlaubsgeld 2011

für Beamtinnen

und Beamte

Soweit noch nicht geschehen,

sollte wieder ein Antrag auf

Urlaubsgeld an das

Landesamt für Besoldung und

Versorgung, 40192 Düsseldorf

gerichtet werden.

Der Beihilfe - Tipp

Lehrkräfte in der Altersteilzeit

sind Teilzeitkräfte, die eine

niedrigere Kostendämpfungspauschale

bezahlen müssen.

Sie sollten bereits zu Beginn

der ATZ - also noch in der

Beschäftigungsphase - auf

ihren Beihilfeanträgen die

ATZ angeben, damit die

Kostendämpfungspauschale

gemindert wird.

Lebenspartnerschaft

Einem Beamten, der in eingetragener

gleichgeschlechtlicher

Partnerschaft lebt, steht der

Familienzuschlag rückwirkend

ab Juli 2009 zu. .

Hessischer Verwaltungsgerichtshof,

Urteil vom 28. September

2011 - 1 A 2381/10


ASYLVERFAHREN

Eine »lex Reinhard Hocker«?

von Hanswerner Odendahl

Am 27.6. jährte sich zum

dritten Mal der Todestag von

Reinhard Hocker, der von 1979

bis 1991 Vorsitzender der Kölner

GEW war. Danach engagierte

er sich bis zu seinem Tod

für von Abschiebung bedrohte

ausländische Kinder und Jugendliche.

Nach der Pensionierung

widmete er dieser Tätigkeit

seine gesamte Zeit, bis in

die Nacht brannte im Büro des

von ihm ins Leben gerufenen

Arbeitskreises im ›Falkenheim‹

in der Feltenstraße in Bickendorf

das Licht. Die Arbeit war

in dieser Art wohl einzigartig,

sie war mühsam, aber oft auch

nicht umsonst. Einer ganzen

Reihe von Kindern, die die

Voraussetzungen der Familienzusammenführung

nach

dem Ausländergesetz von 1990

nicht zu erfüllen schienen,

und vielen Kindern aus Familien

abgewiesener Flüchtlinge

haben er und der Arbeitskreis

helfen können.

Letztlich beruhen die Probleme

dieser Kinder darauf,

dass das Grundgesetz ein

Recht zum Aufenthalt nur

Deutschen gewährt. Die

tatsächliche Verwurzelung in

Deutschland führt allein nicht

zu Ansprüchen, sondern über

den Vertrauensschutzgedanken

allenfalls dann, wenn eine

einmal erteilte Aufenthaltserlaubnis

verlängert werden

soll. Der neuere Ansatz des

Europäischen Gerichtshofs für

Menschenrechte in Straßburg,

die tatsächliche Verwurzelung

als Teil des Persönlichkeitsrechts

(Art. 8 II EMRK) zu

schützen, hat bisher in der

deutschen Gesetzgebung und

Rechtsprechung fast keinen

Niederschlag gefunden. Die

Dauer und Kompliziertheit

der Asylverfahren führt daher

dazu, dass vielen Flüchtlingen

nach Jahren und Jahrzehnten

der Duldung die Abschiebung

droht, auch wenn z.B. ihre Kinder

hier einen erheblichen Teil

ihrer Schullaufbahn absolviert

haben. Eine allgemeine Bleiberechtsregelung

hat hiergegen

nie durchgesetzt werden

können, stattdessen gab es in

großen Abständen amnestieartige

Stichtagsregelungen.

Danach konnten Geduldete,

die vor einem bestimmten

Stichtag eingereist waren, jeweils

unter bestimmten Bedingungen

einen Aufenthaltstitel

erhalten. Kritisch waren dabei

immer solche Voraussetzungen

wie die Unterhaltssicherung

für die gesamte Familie (was

bei Familien mit einem Lohn

in der Regel nicht zu erreichen

ist) und die fehlende Straffälligkeit

der gesamten Familie (was

sich dann wie eine Sippenhaft

auswirken kann).

Auf die nicht verstummende

Kritik am Fehlen einer Bleiberechtsregelung

reagiert jetzt der

SEITE 32

neue § 25a Aufenthaltsgesetz

(im Gesetz zur Bekämpfung

der Zwangsheirat und zum

besseren Schutz der Opfer von

Zwangsheirat sowie zur Änderung

aufenthalts- und asylrechtlicher

Vorschriften vom

23.6.2011, BGBl I Nr. 33 vom

30.6.2011), indem er sich das

Hauptargument der Befürworter

herausgreift: ›erfolgreiche‹

geduldete Schüler/innen sollen

nun eine Aufenthaltserlaubnis

erhalten können - unabhängig

von der Sicherung ihres Lebensunterhalts.

Gesetzlich vorausgesetzt wird

- Geburt in Deutschland oder

Einreise vor dem 14. Lebensjahr

- 6 Jahre erlaubter oder geduldeter

Aufenthalt

- Schul- oder Berufsabschluss

oder 6 Jahre „erfolgreichen“

Schulbesuchs

- Antragstellung vom 15. bis

zum 20. Lebensjahr

- positive Integrationsprognose

(eine Straffälligkeit wird hier

negativ berücksichtigt s.u.)

Die Erteilung ist ausgeschlossen,

wenn eine frühzeitige

Abschiebung durch falsche

Identitätsabgaben verzögert

wurde.

Die Eltern und Geschwister

solcher Kinder können eine

Aufenthaltserlaubnis erhalten

(hier kehrt man teilweise

zu den bekannten problematischen

Voraussetzungen

zurück), wenn sie nicht (we-

sentlich) straffällig geworden

sind, und ihr Lebensunterhalt

gesichert ist. Bisher wurden

aufgrund der neuen Regelungen

erst ganz wenige Aufenthaltserlaubnisse

erteilt, bis

September waren es bundesweit

30, in Köln eine einzige.

Die Probleme der neuen Regelung

liegen m.o.w. auf der

Hand, sie zeigen sich auch in

den Anwendungshinweise des

Innenministers NW (Erlass

vom 29.9.2011, 15-39.08.01-1-

11-354):

Recht willkürlich ist das Mindestalter

von 15 Jahren, das

Land Brandenburg hat hier im

Gegensatz zu NRW (I.1.4.)

eine Duldungsregelung getroffen

für Kinder, die die Voraussetzungen

in absehbarer Zeit

erfüllen werden.

Schwierig ist natürlich der

Begriff des ›erfolgreichen‹

Schulbesuchs. Der Erlass

orientiert die Auslegung sehr

stark an den individuellen

Leistungsmöglichkeiten. Damit

wird mehr die Haltung als die

Leistung belohnt. Auch auf der

Förderschule soll nach dem

Erlass ein erfolgreicher Schulbesuch

möglich sein, demgegenüber

muss der Gymnasiast

schon beim ersten Wiederholen

einer Klasse nachweisen,

dass er seine Haltung geändert

hat (I.1.3.1). Fehlzeiten und

Ordnungsmaßnahmen führen

zu einer Erörterung der Integrationsprognose

(ebenda).

ASYLVERFAHREN

Es ist damit zu rechnen, dass

im Zweifelsfall einer Stellungnahme

der beteiligten Lehrer

entscheidende Bedeutung

zukommen wird.

Jugendstrafen und Freiheitsstrafen

stehen nach dem Erlass

(als Ausschluss der geforderten

positiven Integrationsprognose,

I.1.5 ) sämtlich der Erteilung

der Aufenthaltserlaubnis

entgegen. Es ist befremdlich,

dass es hier keine Bagatellgrenze

gibt. Nur bei Geldstrafen

und jugendgerichtlichen Maßnahmen

soll noch der Weg zu

einer positiven Prognose offen

sein. Man fragt sich, welchen

Sinn Strafen haben, wenn nach

Verhängung oder Verbüßung

keine positive Prognose möglich

sein soll.

Ein sehr wichtiger Schritt nach

vorne ist die Regelung, dass

für das durch § 25a privilegierte

Kind für die Dauer der ordnungsgemäß

betriebenen Ausbildung

kein Erfordernis der

Unterhaltssicherung besteht.

Dieses gilt zwar dann für den

Rest der Familie, dabei werden

nach dem Erlass die von §

25a privilegierten Kinder bei

der Ermittlung des Bedarfs

nicht mitgerechnet (II.1.3.).

Sofern also z.B. alle Kinder

der Familie schon 6 Jahre in

SEITE 33

Der Autor Rechtsanwalt Hanswerner Odendahl,

50672 Köln, Kaiser-Wilhelm-Ring 11 ist Fachanwalt

für Familienrecht und Lehrbeauftragter der Universität

zu Köln. Er war mit Reinhard Hocker freundschaftlich

verbunden und hat mit ihm zusammengearbeitet

seit der Kampagne für die Freilassung des

Kölner Lehrers Şakir Bilgin aus türkischer Haft

in den Jahren 1983-1985.

Ausbildung sind, wird es auch

mit einem Lohn möglich sein,

den so errechneten Bedarf der

Familie zu decken.

Weiterhin große Probleme

wird es bei bestimmten Gruppen

von Flüchtlingen geben,

die bisher keinen Heimatpass

haben. So gibt es zum Beispiel

bei einigen Ländern Schwierigkeiten,

hier geboren Kinder

ohne Rückkehr ins Heimatland

registrieren zu lassen. Bei

Rückkehr müssen junge Männer

dann oft erst einmal Militärdienst

leisten - insbesondere

ist aber ist die Wiedereinreise

nach Deutschland gefährdet.

Eine Lösung gibt es hier bisher

schon nur, wenn der Flüchtling

alles ›Zumutbare‹ getan

hatte, um einen Pass zu erhalten.

Hierfür hat die Praxis sehr

hohe Hürden aufgerichtet, die

der Erlass nicht senkt.

Wenn Reinhard Hocker die

Novelle noch erlebt hätte,

so hätte er sich mit Freude

den Herausforderungen der

Neuregelung gestellt und für

zahlreiche seiner ›Schützlinge‹

nutzbar gemacht. Die Nutzung

der Regelung und die Kritik

ihrer Grenzen würde er mit

dem Kampf um eine allgemeine

Bleiberechtsregelung verbinden.


Einladung

Kölle Alaaf

unterm

Hakenkreuz

Karneval zwischen Unterhaltung

und Propaganda

Die Ausstellung gibt einen

Einblick in den Kölner Karneval

zwischen Schein und Sein.

Erst auf den zweiten Blick wird

sichtbar, dass das NS-Regime

den Karneval gleichschaltete

und die Unterhaltung der

Massen zur Festigung der Macht

nutzten.

Dienstag, 29. November 2011

um 14 Uhr

im NS-Dokumentationszentrum

Wir treffen uns im Foyer

des EL-DE-Hauses,

Appellhofplatz 23-25.

Kostenbeitrag: 7 Euro

(Eintritt eingeschlossen)

Verbindliche Anmeldung bitte

bei der GEW Geschäftsstelle

(Telefon: 0221-516267,

E-Mail: kontakt@gew-koeln.de).

Im Falle der Verhinderung

bitte wieder abmelden.

Gewerkschaft

Erziehung und Wissenschaft

Köln

AKTIVE RUHESTÄNDLER AKTIVE RUHESTÄNDLER

Ein Wintermärchen in Köln

von Helga Löbbert

Heinrich Heine, nicht unbedingt

ein Sympathieträger in

Köln, wurde er doch in Düsseldorf

geboren. Aber über

Düsseldorf hat er nie eine Zeile

geschrieben, wohl über Köln:

„Im Rhein, im schönen Strome,

Da spiegelt sich in den Well`n,

Mit seinem großen Dome,

Das große, heilige Köln.“

Das ist doch was! Gerechterweise

muss man sagen, dass es

auch andere, nicht so großartige

Zeilen Heines über Köln

gibt.

Für seinen Geburtsort kann

man meistens ja auch nichts.

Ich zum Beispiel bin in Engelsdorf

geboren, einem Dorf, das

heute wieder Ligneuville heißt.

Wie auch sein Name war, bevor

Hitler seine Hand und seine

Besatzungstruppen auf Eupen-

Malmedy legte. Meine drei

Geschwister sind dort geboren,

wo wir herkommen, aus der

Norddeutschen Tiefebene.

Ihre Geburten fallen nicht in

die Zeit, in der mein Vater als

deutscher Beamter die Grenzen

des großdeutschen Reiches

„schützen“ musste. Kurz gesagt:

Auf seinen Geburtsort hat man

in der Regel keinen Einfluss. So

hat sich Heine wahrscheinlich

auch nicht Düsseldorf ausgesucht,

einem Ort, mit dem er

sich nicht besonders vertrug.

Düsseldorf aber auch nicht mit

ihm. Ich erinnere mich noch

SEITE 34

an die hitzigen Debatten, als

die Düsseldorfer Universität

seinen Namen bekommen

sollte und trotz aller Widerstände

auch bekam. Wegen

seiner jüdischen Herkunft, die

in dieser Auseinandersetzung

wohl keine Rolle spielte, und

seiner politischen Einstellung

wurde er immer wieder angefeindet

und ausgegrenzt.

So gerne und laut auch immer

wieder die „Loreley“ als

deutsches Liedgut gesungen

wird, der politische Heine

konnte schon sehr bissig sein

und Deutschland und den

Deutschen heftig auf die Füße

treten. Aber kein Mensch ist

einseitig und so zogen Gerd

Buurmann und Tobias Weber

zu meinem Erstaunen einen

karnevalistischen Heine aus

dem Hut:

„Er wird nicht vollendet der

Kölner Dom …

Er wird nicht vollendet trotz

allem Geschrei …“

Stark verkürzt, richtig rezitiert

und betont, konnte man bei

den Zeilen schunkeln, was bei

dem kräftigen Wind, einer

ständigen Komponente auf der

Dom Platte, zur Erwärmung

ganz sinnvoll war. Passanten

betrachteten unsere Gruppe

neugierig nach dem Motto:

“Die jecken Kölner scheinen

stets und ständig und überall

Karneval zu feiern. Schunkeln

scheint wohl zur Grundausstattung

der Menschen, die in

Köln leben, zu gehören.“

Auch die Biedermeier

Bekleidung unserer

Stadtführer dürfte ein

Blickfang für Vorbeigehende

gewesen sein.

Die beiden Schauspieler

führten uns mit Texten Heines

vom Dom durch die Altstadt,

wo wir an verschiedenen

Punkten Halt machten, z. B. in

die Mikwe herabstiegen, zum

Rhein, dem Vater aller Dinge:

“Und als ich an die Rheinbrück

kam,

Wohl an der Hafenschanze,

Da sah ich fließen den Vater

Rhein

Im stillen Mondenglanze.

Sei mir gegrüßt, mein Vater

Rhein …“

Wenn auch auf Heine konzentriert,

verloren unsere Stadtführer

nicht die Gegenwart

aus dem Blickfeld. Heutzutage

kann eine Führung durch Köln

nicht stattfinden ohne Erwähnung

der Baustellen, die schon

lange die Innenstadt ausfüllen.

Thomas Weber und Gerd

Buurmann wiesen darauf hin,

dass die Absperrungen an den

Baustellen in den Kölner Stadtfarben

gehalten sind: rot-weiß.

Man könne stolz sein, dass diese

Farben an allen Baustellen

in Deutschland übernommen

worden sind. So kommunalpatriotisch

hatte ich die Hindernisse

in der Stadt noch nicht

besehen. Machte aber Sinn.

Auch der Hinweis, dass in Köln

eine Moschee schneller gebaut

wird als ein Dom, ist nicht von

der Hand zu weisen.

Heine, der zeitweise Vizepräsident

des Dombauvereins in

Paris war, hatte irgendwann

auch die Lust am preußischen

Weiterbau verloren und schlug

vor, den Dom zum Pferdestall

zu machen, was wohl nicht auf

Gegenliebe bei seinen deutschen

Zeitgenossen gestoßen

ist.

„Der Rheinwein glänzt wie

Gold im grünen Römerglase

…“ In heutiger Zeit eher ein

Plastikbecher, in dem der

Rheinwein unserer Truppe

kredenzt wurde. Eine außerordentliche

Führung, nicht nur

mit Literatur, auch mit Getränk.

Unsere Tour endete am Heinrich-

Böll-Platz, am Beginn

von Dani Karavans Kunstwerk

Ma’alot, für dessen Restaurierung

die beiden Schauspieler

sich energisch einsetzten.

Und zum Schluss, kein Heine

ohne Loreley, bekamen wir Notenblätter

in die Hand gedrückt

und durften alle drei Strophen

singen.

Eine runde Sache: Am Anfang

schunkeln, am Ende singen.

SEITE 35

Einladung

zur Ausstellung:

Alfred Sisley

der wahre Impressionist

Erste große Einzelausstellung

in Deutschland

Dienstag, 17. Januar 2012

um 11.30 Uhr

Von der Heydt-Museums

Turmhof 8

42103 Wuppertal

5 Gehminuten vom Bahnhof

Wuppertal-Elberfeld;

Fahrgemeinschaften können

gebildet werden

(Schöner-Tag-Ticket)

Dauer der Führung

etwa 1 Stunde

Kostenbeitrag: 10 Euro

Bitte in der GEW

Geschäftsstellte

(Telefon: 0221-516267 oder

E-Mail: kontakt@gew-koeln.de)

anmelden und bei Verhinderung

unbedingt auch wieder

abmelden, da nur 20 Personen

teilnehmen können.

Gewerkschaft

Erziehung und Wissenschaft

Köln


„Wir werden das Streikrecht für Lehrer

erkämpfen“

von Manfred Brinkmann

Während der türkische Präsident

Abdulah Gül Ende September

in Deutschland selbstbewusst

das Interesse seines

Landes an einer Mitgliedschaft

in der Europäischen Union

bekräftigte, beklagen Lehrergewerkschafter

der Egitim Sen

fortgesetzte Verfolgungen und

Verhaftungen in der Türkei.

Gewerkschaften haben einen

schweren Stand in der Türkei.

„Unsere Mitglieder werden

verfolgt und inhaftiert“, beklagte

Unsal Yildiz, der Vorsitzende

der türkischen Bildungsgewerkschaft

Egitim Sen. Er

und seine Kollegen Abdullah

Karahan und Hasan Olgun

waren auf Einladung von GEW

und Friedrich-Ebert-Stiftung

vom 18. bis 29. September zu

Besuch in Deutschland. „Gewerkschaftssrechte

unterm

Halbmond“ – unter dieser

Überschrift berichteten die drei

Gewerkschafter in verschiedenen

Städten – so auch in

Köln - über ihre gewerkschaftliche

Arbeit in der Türkei.

Egitim Sen steht in Opposition

zur AKP Regierung unter

Ministerpräsident Erdogan.

Zahlreiche gewerkschaftliche

Aktivisten befinden sich in

türkischen Gefängnissen.

Selbst während des Besuchs in

Deutschland wurden weitere

Gewerkschafter in der Türkei

verhaftet. „Wir lassen uns nicht

INTERNATIONALES INTERNATIONALES

einschüchtern“,

meint

Yildiz. „UnsereGewerkschaft

wurde

schon in den

neunziger

Jahren von

den Militärregierungen

verfolgt. Was

wir hier in Deutschland über

die Türkei sagen, kritisieren

wir auch öffentlich zu Hause.“

Mehr als zweihundert Personen

nahmen in München,

Karlsruhe, Frankfurt, Köln,

Düsseldorf, Bremen, Hannover

und Berlin an acht Abendveranstaltungen

in Gewerkschaftshäusern

teil und diskutierten

mit den Kollegen aus der

Türkei über ihre Lage.

Yildiz kritisierte das türkische

Bildungswesen, dem es sowohl

an Qualität wie auch an Inhalt

mangele. Der Staat spare an der

Bildung und lege den Eltern

immer neue Gebühren auf.

Wer beim Prüfungsmarathon

an den Schulen mithalten will,

benötigt Nachhilfe – und die

kostet Geld. So werden Kinder

aus armen Familien benachteiligt

und erlangen seltener

einen höheren Schulabschluss.

Der türkische Staat verfolge

zudem eine nationalistisch-islamistische

Erziehung. Grundschüler

müssen jeden Morgen

in der Schule einen Eid auf das

Türkentum ablegen „Ein Volk,

ein Glaube, eine Sprache“ –

SEITE 36

unter dieser Prämisse sind wir

gezwungen, in der Türkei zu

unterrichten“, so Yildiz. Seine

Gewerkschaft Egitim Sen wehrt

sich gegen den in der Türkei

für alle Kinder verpflichtenden

islamischen Religionsunterricht

und fordert zudem das

Recht auf muttersprachlichen

Unterricht für nationale Minderheiten.

Das macht sie aus

Sicht des türkischen Staates

verdächtig. „In meiner Grundschulklasse

sprechen alle Kinder

kurdisch. Viele von ihnen

sind auch Alleviten“, erzählte

Hasan Olgun. Er ist Egitim Sen

Vorsitzender in Tunceli, einer

Stadt im Osten der Türkei. Die

Einwohner benutzen weiterhin

den kurdischen Namen

Dersim. „Ich muss Türkisch

mit ihnen reden, obwohl sie

die Sprache nicht verstehen.

Wenn ich das nicht tue, werde

ich strafversetzt oder sogar

angeklagt und ins Gefängnis

gebracht.“ In diesem Jahr seien

schon mehrere seiner Kollegen

in weit entfernte Gegenden der

Türkei versetzt worden, weil

sie sich für muttersprachlichen

Unterricht eingesetzt hätten.

Für die

Grundschüler

ist es eine

demütigende

und nicht

selten

traumatische

Erfahrung, in der Schule

nicht mehr die Sprache sprechen

zu dürfen, die sie zu Hause mit

ihren Eltern und Geschwistern

sprechen. Auch für die Lehrer sei

die Situation sehr belastend.

Etwa 700.000 Lehrerinnen und

Lehrer unterrichten an türkischen

Schulen. Die meisten von ihnen

sind Beamte des türkischen

Staates. Sie verdienen monatlich

etwa 600 – 650 Euro. Ihre angestellten

Kolleginnen und Kollegen

erhalten jedoch oft nur die Hälfte.

Noch schlechter geht es den rund

400.000 arbeitslosen Lehrkräften,

die auf eine Anstellung in den

Staatsdienst warten. Ihre Zukunft

ist ungewiss. Wie die GEW in

Deutschland kämpft auch Egitim

Sen in der Türkei für das Streikrecht

der Lehrer im öffentlichen

Dienst. „Beamte haben in der

Türkei kein Streikrecht. Tarifverhandlungen

verweigert die Regierung

auch“, erklärt Abullah Karahan,

Schatzmeister im Vorstand

der Egitim Sen. „Es gibt zwar

Gespräche mit dem Ministerium,

wo wir unsere Vorschläge machen

dürfen. Bei unterschiedlichen

Positionen entscheidet dann aber

ein sogenannter Schlichtungsrat,

der der Regierung verpflichtet

ist.“ Der Vorsitzende

Unsal Yildiz zeigte

sich überzeugt, dass dies

nicht so bleiben wird. Die

türkische Regierung habe

zunächst auch versucht, den

verbeamteten Lehrkräften

die Mitgliedschaft in einer

Gewerkschaft zu verbieten.

Ohne Erfolg. Trotz Unterdrückung

und Verfolgung

ihrer Mitglieder existiert

Egitim Sen seit mehr als

zwei Jahrzehnten als nationale

Gewerkschaft und setzt

sich für eine laizistische,

kostenlose, demokratische

und muttersprachliche

Bildung ein. Sie vertritt

rund 116.000 Mitglieder

in staatlichen Schulen und

Hochschulen und ist in

allen Provinzen der Türkei

mit über hundert lokalen

Niederlassungen präsent.

„Wir vertrauen auf unsere

Kraft“, gab sich Yildiz optimistisch:

„Wir werden das

Recht auf Streik und Tarifverhandlungen

für Lehrer

in der Türkei erkämpfen.“

SEITE 37

Seminar

Was tun gegen

rechte Sprüche?

Gebrauchsanleitung zum

antirassistischen Argumentieren

Rassistische

Argumentationsmuster,

insbesondere gegen Muslime

gerichtet, haben nicht erst

seit Thilo Sarrazins Bestseller

„Deutschland schafft sich ab“

Konjunktur in Deutschland. Es

ist allerdings nicht immer leicht,

den „einfachen Lösungen“

rassistischer Parolen etwas

entgegenzusetzen und sie zu

widerlegen.

Eine Kooperation von VHS

Köln, Kölnische Gesellschaft

für christlich-jüdische

Zusammenarbeit, GEW-

Studis Köln, sowie der Info-

und Bildungsstelle gegen

Rechtsextremismus im NS-

Dokumentationszentrum der

Stadt Köln

Referent

David Christopher Stoop

Sa. 11.Februar 2012

13.00 bis 17.00 Uhr

NS-Dokumentationszentrum

Kostenbeitrag: 7 Euro /

5 Euro ermäßigt)

Anmeldung telefonisch unter

0221-221-25990

per E-Mail an

weiterbildung-vhs@stadt-koeln.de

www.vhs-koeln.de


Steuerungsphilosophien

Manfred Müller-Neuendorf /

Michael Obermeier (Hrsg.):

Handbuch Qualitätsmanagement

Schule

Schöningh Paderborn 2010

von Dieter Ewig

Das Handbuch von Manfred

Müller-Neuendorf, langjähriger

Schulleiter des Erzbischöflichen

Berufskollegs in

Köln, und Michael Obermeier,

Wissenschaftler an der Uni

Köln, gibt einen guten Überblick

über die Schulentwicklung

der letzten Jahre und

reflektiert kritisch interne und

externe Evaluationsprozesse

sowie Strategien zur Qualitätssicherung

an Schulen.

Interessant für alle Schulformen

ist dabei vor allem der

erste Teil des Handbuchs, der

sich mit den aktuellen Steuerungsphilosophien

auseinander

setzt, während der zweite und

dritte Teil - der Logik eines

Handbuchs folgend - vor allem

Praxiszugänge eröffnen wollen

und ein Fülle von konkretem

Material bereit stellen, das sich

vor allem für interne Evaluationsprozesse

eignet.

Kritisch wird zunächst angemerkt,

dass alle bisherigen

Vergleichsstudien (PIRLS/

IGLU, TIMSS, PISA) und

auch die Bertelsmann-Studie

BUCHKRITIK GLOSSE

(SEIS) noch nicht auf ihre

Wirksamkeit hin überprüft

worden sind. Die Frage nach

ihren Wirkungen kann also

gegenwärtig nicht valide

beantwortet werden.

Ebenso kritisch wird auch die

Fokussierung der bisherigen

Untersuchungen auf kognitive

Schülerleistungen betrachtet,

treten doch all jene Zielsetzungen,

die mit Einstellungen

und Haltungen der Schülerinnen

und Schüler zu tun haben,

notwendig zurück. Ebenso

der traditionell schulpädagogische

Bereich, der erzieherische

und weltanschauliche

Anforderungen und Auswirkungen

beinhaltet. Auch die

musisch-kulturelle Bildung ist

dadurch bedroht.

Der humanistische Ansatz der

Autoren zeigt sich am deutlichsten

in der Ablehnung der

„Verwarenfömigung von Bildung“,

wie sie McKinsey schon

seit Jahren fordert, und dem

amerikanischen Modell der

„high stakes testings“, die nicht

mehr primär der Rückmeldung

für Schulen dienen, sondern

ein öffentliches Ranking

praktizieren, das an ein festes

Belohnungs- und Bestrafungssystem

gekoppelt ist.

Gewarnt wird vielmehr davor,

dass solche Entwicklungen der

Reproduktion sozialer Ungleichheit

dienen und Segre-

SEITE 38

gationstendenzen in unserem

Bildungssystem verschärfen.

Der Kölner Armutsforscher

Christoph Butterwege spricht

in diesem Zusammenhang

von einem Refeudalisierungsprozess,

in dem Besitz und

Bildung wieder die Verbindung

eingehen, die anfangs bestand,

und Ungleichheiten auf höherem

Niveau etabliert. (Politische

Bildung 2002).

Gerade deshalb ist dieses

Handbuch auch aus gewerkschaftlicher

Sicht lesenswert

und zu empfehlen. Und es gibt

noch weitere wichtige Gründe,

sich mit ihm zu beschäftigen:

Es ist orientiert an einem

humanistischen Verständnis

von Schulentwicklung, die auf

Partizipation, Transparenz

und Teamentwicklung setzt.

Qualitätssicherung und Selbstevaluation

sollen die Persönlichkeitsentwicklung

fördern

– jenseits eines Foucaultschen

Kontrollsystems, in dem sich

alle Beteiligten einem „Qualitätstribunal“

aussetzen müssen.

Auch für die Schulaufsicht,

Schulleitungen und Qualitätsbeauftragten

daher ein lesenswertes

Buch.

von Wolfgang Hardenacke

„Der einsame Leitwolf ist im

modernen Fußball nicht mehr

zeitgemäß. Die heutige Generation

lehnt Macho-Gehabe

ab. Ende der One-Man-Show!“,

liest Rainer Brück im Kicker.

„Spätestens mit der Ohrfeige,

die Poldi der polternden Diva

Ballack verpasste, ist dies auch

für uns alle sichtbar geworden“,

meint Kollege Weiß. „Aber es

gibt immer noch prominente

Unterstützer der Alpha-Tiere“,

antwortet Kollege Brück. „So

schreit Oliver Kahn in jedes

vorbeikommende Mikrofon:

,Wir brauchen Eier. Was wir

gerade nicht gebrauchen können,

sind flache Hierarchien‘.“

„Warum müssen sich eigentlich

Führungsspieler und flache

Hierarchien ausschließen?“,

mischt sich Anne Pesch ein.

„Und was verstehen die überhaupt

unter flacher Hierarchie?

Wenig Hierarchie, oder was?“

„Mehr Eigeninitiative und Eigenverantwortung

des einzelnen

Spielers ist damit gemeint“,

erklärt Kollege Brück.

In diesem Moment kommt

Kollegin Rath kopfschüttelnd

ins Lehrerzimmer: „Sechs Uhr

fünfundzwanzig, das glaubt

man nicht, sechs Uhr fünfundzwanzig

ruft eine Mutter bei

mir an, heute Morgen, um

ihren Sohn zu entschuldigen,

Bronchitis, das müsst ihr euch

vorstellen, und zwar bei mir,

nicht im Sekretariat.“ „Diese

Mutter kannte sich mit flachen

Hierarchien aus“, spottet Benno

Weiß, was Petra Rath überhaupt

nicht lustig findet.

„Apropos Podolski“, meint Rainer

Brück, „der ist übrigens ein

gutes Beispiel dafür, dass flache

Hierarchien und Führungsspieler

durchaus zusammenpassen.

Das eigentlich spannende

im modernen Fußball

ist: Mit welchem Spielsystem

trete ich an? So wie wir uns

ja auch fragen: Mit welchem

Unterrichtskonzept arbeite

ich?“„Aber im Ernst: Hinkt der

Vergleich von Fußball spielen

und Unterricht gestalten nicht

etwas?“, will Anne Pesch wissen.„Nein,

überhaupt nicht!“,

sprudelt es aus Rainer Brück.

„Moderner Fußball ist Zonenverteidigung,

offensive Ballbehauptung,

Spielfreude eben,

während traditioneller Fußball

Manndeckung, Defensivtaktik

und Kampf bedeutet. Moderner

Unterricht, wenn man das

so sagen darf, geht von offenen

Handlungssituationen und

Lernfeldern aus – Raumdeckung

eben, während der traditionelle

Unterricht Lernziele

eines klar definierten Lehr-

und Lern-Prozesses beschreibt

– Manndeckung eben.“

Inzwischen hat Kollegin Pesch

ihre Tasche gepackt. „Warum

gehst du schon? Es hat doch

noch nicht geklingelt?“ „Ich

habe jetzt eine Vertretungs-

SEITE 39

Flache Hierarchien

stunde und bin nicht gut

vorbereitet.“ „Schwellendidaktik“,

stellt Petra Rath fest,

die offensichtlich ihr Anruf-

Trauma überwunden hat.

„Was?“ „Schwellendidaktik“,

wiederholt Kollegin Rath, „

die wichtigste Fähigkeit einer

Lehrperson“. „Und was heißt

das?“ „Dass du die Stunde in

dem Moment vorbereitest,

in dem du über die Schwelle

ins Klassenzimmer trittst.“

„Danke! Sehr hilfreich.“ „Hat

der FC nicht sein Spielsystem

umgestellt? Von der Manndeckung

auf Raumdeckung?“,

meint Benno Weiß. „Ja. Und

es hat einige Zeit und Rückschläge

gebraucht, bis die

Spieler das komplexe System

auch auf dem Platz erfolgreich

umsetzen konnten“, antwortet

Kollege Brück. Inzwischen hat

es geklingelt und die Ersten

verlassen das Lehrerzimmer.

Kollegin Rath will noch wissen,

warum der FC denn nicht

schon früher das moderne

Spielsystem übernommen

habe. „Um mit dem weltbesten

Mittelfeldspieler Xavi zu sprechen“,

antwortet Rainer Brück.

„ ,Das Problem ist, dass 95

Prozent der Menschen Fußball

mögen, aber nur zwei Prozent

wirklich etwas davon verstehen‘.“

„Womit wir auch beim

Umsetzungsproblem eines

modernen Unterrichts wären“,

meint Kollegin Rath. „Aber das

wäre dann ein anderes Thema!“


KITA

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Nr. 5 GEW forum Hans-Böckler-Platz 1 50672 Köln

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Lernen und Teilhabe

in einer Schule der Vielfalt

Fachtagung zum Inklusionsplan für Kölner Schulen

Samstag 26. November 2011

10 Uhr - 16 Uhr

Königin-Luise-Schule

Alte Wallgasse 10 • 50672 Köln

Veranstalter:

GEW

Stadtverband Köln

in Kooperation

mit dem

Regionalen

Bildungsbüro

Köln

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