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Ausgabe 1/2009 - Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft

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GEWERKSCHAFT ERZIEHUNG UND WISSENSCHAFT • STADTVERBAND KÖLN • KREISVERBAND RHEIN-BERG • AUSGABE 1/2009


Der Dom, endlich

wird er auf unseren Titelseitenzum Leitmotiv! Für dieses Jahr soll er der Ausgangspunkt

der konzeptuellen Überlegungen sein, die den Fotografen zu seinen

Standorten und Aufnahmepositionen führen. Doch das ist nicht einfach, denn

der Dom ist als Bildmotiv ziemlich unattraktiv, schließlich ist er zigtausendfach

abgelichtet worden aus allen nur erdenklichen Perspektiven. Doch ohne ihn

geht es nicht, irgendwann gewinnt er die ihm zustehende Dominanz: er muss

ins Bild.

Wie aber entwickelt man um ihn herum ein Konzept? Die bisher eingesetzten

Mittel der Kartographie und der Geometrie versagen hier, denn es läßt sich von

außen gar nicht absehen, ob ein bestimmter Punkt auf der Karte in der Wirklichkeit

überhaupt einen Blick auf den Dom möglich macht.

Als Alternative bot sich an, ein einfaches Grundkonzept vorzugeben, aber letztlich

in traditioneller Weise auf Motivsuche zu gehen.

Drei Prämissen wurden aufgestellt:

• Der Dom wird aus größerer Entfernung von der rechten

Rheinseite aus fotografiert,

• Der Rhein darf kein Bildobjekt werden.

• Die fünf Motive staffeln sich vom Norden zum Süden.

In den Weihnachtsferien war Gelegenheit, ›rumzufahren‹

und zu schauen, wo denn der Dom so durch Straßenschluchten

und Häuserzeilen hindurchlugt. Das führte zu

interessanten Erlebnissen, denn auch bei dieser Art Standortsuche

kommt man an Orte von ungewöhnlichem Reiz.

Dies trifft auf das erste Titelfoto gleich zweifach zu.

Wer kennt die WDR-Familienserie ›Die Anrheiner‹? Also ich

kenne sie nicht, aber ich weiß jetzt, wo sie gedreht wird:

In einigen alten Häusern in Mühlheim, umgeben von Neubauten. Und ich weiß

jetzt, wo die Fernsehleute im Sommer gern mal die Drehpausen verbringen: in

der Sandburg.

Beides findet man am Zugang zum Mühlheimer Hafen, über den eine Fußgängerbrücke

führt zum nördlichsten Ausläufer des Rheinparks.

Von dieser Brücke aus konnte ich ihn sehen, den Dom! Und natürlich auch den

Rhein. Zu dumm.

Man muss ebenerdig stehen, dann blickt man über den Fluss hinweg, aber der

Blick auf den Dom ist dann versperrt, ganz wie befürchtet. Es sein denn, es

wäre Sommer und die Sandburg hätte geöffnet, dann könnte man ja bis fast ans

Ufer gehen ...

Wie man sehen kann, gab es eine glückliche Lösung: Herr Dick vom Sandburg

Cologne Beach Club (www.sandburgcologne.de) war so freundlich, uns für das

Foto an einem Mittwoch Mittag das Firmengelände aufschließen zu lassen.

Denn es musste ein Mittwoch Mittag sein, denn das ist die einzige Doppelstunde,

die wir gemeinsam frei haben, Tuba und ich.

Thomas Sommerkamp

Tuba Namli ist Schülerin der Katharina-Henoth-Gesamtschule, ebenso wie vor ihr Janina Flock

und Sarah von Knobelsdorf, die beide im letzten Jahr ihr Abitur gemacht haben. Tuba ist im

Literaturkurs der . Jahrgangsstufe, also Theater erfahren.

SEITE


IMPRESSUM

Herausgeber: GEW Stadtverband Köln

Hans-Böckler-Platz

5067 Köln

Erscheint fünfmal im Jahr; Bezugspreis , 5 Euro;

Für GEW-Mitglieder ist der Bezug des forum im

Mitgliedsbeitrag enthalten.

Leserbriefe geben nicht in jedem Fall die Meinung

der Redaktion wieder.

REDAKTION

Henning Cremer,

Klaus Minartz (verantwortlich)

GESCHÄFTSSTELLE

Montag bis

Donnerstag 0.00 bis 6.00 Uhr

Freitag .00 bis 6.00 Uhr

Telefon 0 5 6 67

Telefax 0 5 54 46

Homepage www.gew-koeln.de

E-MAIL gew-koeln@netcologne.de

Konto 07 0

SEB AG, BLZ 70 0

DRUCK

Prima Print, Köln

DTP

Thomas Sommerkamp, Köln-Kalk

REDAKTIONSSCHLUSS

6. März 009

TELEFONISCHE RECHTSBERATUNG

Telefon 0 5 6 67

Montag und Donnerstag 7.00 bis 9.00 Uhr

und nach Vereinbarung

In den Ferien:

Landesrechtsschutzstelle 0 0 94 0 7

SEITE

forum 1/2009

INHALT

Der Dom, endlich

Impressum und Inhalt

Kommunalpolitik

Soziales Konjunkturprogramm 4

Regionales Bildungsbüro 7

Ganztagsangebote in Köln 0

Gebundener Ganztag in Köln

Tarifpolitik

TV-L: Wertschätzung pädagogischer Arbeit

Soz-Päd: Eingruppierung 4

Kommentar: Verhindert die Bankenrettung 5

Tucholsky: C´est la vie! 7

Rechtsberatung 8

Modellprojekt 9

Internationales: Häuser jetzt

Aktive Ruheständler

0

Fachgruppen & Arbeitskreise 4

Unterrichtsbausteine gegen rechts 6

Deserteur-Denkmal 7

HIB: Neue Lehrerausbildung 8

Nachruf auf die Tafel 9

Buchbesprechung

Jubilare

0

TEST

THE MOUSE

Ein kurzer Mausklick

auf unsere Kölner Internet-Seite www.gew-koeln.de

oder auf die Internetseite www.gew-nrw.de

macht wichtige aktuelle Informationen, Newsletter,

Archivmaterialien, Kommentare zu allen bildungspolitischen

Aspekten abrufbar.

Nach der Eingabe des Benutzernamens (mit großem

Anfangsbuchstaben) und der Mitgliedsnummer (hat 0

Ziffern und beginnt in NRW mit einer 4, sie steht auf

dem Mitgliedsausweis oder auf dem Adressaufkleber

der NDS) stehen alle Daten vollständig zur Verfügung.


KOMMUNALPOLITIK

Soziales Konjunkturprogramm

Pressekonferenz des DGB am 19.1.09 / Beitrag der GEW

von Hildegard Merten,

Geschäftsführerin GEW

Für die GEW möchte ich zu

vier Bereichen etwas sagen:

Erstens zum KiTa - Bereich: U3

- Betreuung in der Stadt Köln;

Zweitens zum Ausbau der

Ganztagsbetreuung in Köln

(Grundschule / Sek 1);

Drittens zur Schulsanierung im

Rahmen des Konjunkturprogramms

des Bundes und viertens

zur aktuellen Tarifrunde

2009 für die Tarifbeschäftigten

des Landes.

Zum KiTa – Bereich:

Es ist inzwischen Konsens

in unserer Gesellschaft, dass

Bildung nicht erst in der Schule

beginnt. Bildung beginnt im

frühen Kindesalter. Der Bildungsauftrag

für die KiTas ist

deshalb von großer Bedeutung

für die Bildungsperspektive

unserer Kinder.

Für Kinder aus bildungsfernen

Familien bietet die KiTa die

Chance, nicht in die häufig

vorbestimmte Sackgasse zu

laufen.

Aber auch die veränderten

Lebensentwürfe der jungen

Familien müssen ernst genommen

werden. Die Wünsche der

jungen Menschen haben sich

gravierend verändert. Die Qualifikationen

von Frauen sind

in den letzten Jahren erheblich

gestiegen. Nur noch 5 Prozent

der jungen Frauen wollen

ausschließlich Mutter und

Hausfrau sein. Für die jungen

Familien sind die fehlenden

Betreuungsplätze ein schier

unlösbares Problem.

Wir begrüßen deshalb das

Vorhaben der Stadt, die Versorgungsquote

der U-3-Kinder

von derzeit 21 % bis zum Jahr

2013/2014 auf 40 % zu erhöhen.

Zu beachten ist allerdings bei

den städtischen Bedarfszahlen,

dass diejenigen jungen Mütter

nicht erfasst sind, die vor

ihrem Erziehungsjahr ihre

Ausbildung beendet haben und

somit über keinen gültigen

Arbeitsvertrag verfügen. Sie

werden bei der Stadt abgewiesen,

wenn sie den Betreuungsbedarf

für ihr Kind anmelden

wollen: Ohne Arbeitsvertrag

wird ihr Betreuungsbedarf erst

gar nicht registriert. Die Folge:

Bei Bewerbungen haben sie

ohne Nachweis eines Betreuungsplatzes

kaum eine Chance

auf einen Arbeitsvertrag, der

wiederum Voraussetzung für

einen Betreuungsplatz ist. Ein

Teufelskreis für diese jungen

Mütter, der von der Stadt aufgelöst

werden muss.

Gute Bildung und Weiterbildung

werden vor dem Hintergrund

von demografischem

Wandel und Globalisierung zur

ökonomischen Notwendigkeit.

SEITE 4

Sie sind die Voraussetzung für

die Sicherung der internationalen

Wettbewerbsfähigkeit

unserer zunehmend wissensbasierten

Wirtschaft und für

die langfristige Stabilität der

sozialen Sicherungssysteme.

Der unbestritten großen Bedeutung

der frühkindlichen

Bildung muss aber auch in

anderer Form, nicht nur in Erklärungen

und Sonntagsreden,

im wahrsten Sinne des Wortes

„Rechnung“ getragen werden.

Der Bildungsauftrag in den

KiTas kann nur von genügend

vielen, gut ausgebildeten und

angemessen bezahlten Beschäftigten

erledigt werden.

Unsere Forderungen sind

deshalb:

• Personalschlüssel deutlich

verbessern (zugespitzt ausgedrückt:

„Wickeln ist noch kein

Naturexperiment!“)

• Berufsbegleitende Qualifizierungsangebote

für ErzieherInnen,

• Nachqualifizierung der Kinderpflegerinnen

während der

Arbeitszeit

• Kein Übergang zu Fristverträgen.

• Derzeit verhandeln die Tarifpartner

über die Eingruppierung

der Erzieherinnen. Die

GEW fordert eine Eingruppierung

in die Tarifgruppe 9.


Zum Ganztag in Köln

Köln setzt auf Ganztagsschulen.

Das Land NRW und die

Stadt Köln bauen Schritt für

Schritt Ganztagsangebote und

Ganztagsschulen aus. Ziel ist

es, den Kindern mehr Bildungschancen

zu eröffnen und

Eltern die Vereinbarkeit von

Familie und Beruf zu erleichtern.

Diese Entwicklung begrüßt

die GEW im Grundsatz. In der

Umsetzung gibt es aber große

Probleme.

An den Grund- und Förderschulen

gibt es inzwischen an

fast allen Schulen ein offenes

oder gebundenes, also verpflichtendes

Ganztagsangebot.

Seit Beginn des Schuljahres

2008/ 2009 stehen an den 161

Offenen Ganztagsschulen in

Köln (144 Grund- und 17 Förderschulen)

insgesamt 18.800

Betreuungsplätze zur Verfügung.

Damit können 52% der

Kinder im Grundschulalter am

Offenen Ganztag teilnehmen.

Die Verteilung auf die einzelnen

Stadtbezirke ist allerdings

recht unterschiedlich.

Für die Aufstockung sind nach

Auskunft der Stadtverwaltung

knapp 500.000 Euro in 2009

sowie sollen 700.000 Euro für

die Folgejahre in den Haushalt

zusätzlich bereitgestellt werden.

KOMMUNALPOLITIK

Die GEW wird

mit darauf

achten, dass die

Quantität nicht

zu Lasten der

Qualität gehen

wird.

Auch die weiterführenden

Schulen haben

zum Teil auf

einen ganztägigen

Schulbetrieb umgestellt.

Anlass ist u.a. die Verkürzung

der Schulzeit auf 8 Jahre (G8)

an den Gymnasien, die zu

verbindlichem Nachmittagsunterricht

führt. Bis jetzt sind die

Jahrgänge 5 bis 8 davon betroffen.

Die Kinder und Jugendlichen

bleiben länger in der

Schule und müssen versorgt

werden.

Im Zuge der Ganztagsoffensive

der Landesregierung wird

das bisherige Nachmittagsbetreuungs-Programm„Dreizehn

Plus“ umgestaltet. Durch

das neue Programm „Geld

oder Stelle“ haben alle Schulen

der Sekundarstufe I, die

nicht am gebundenen Ganztag

teilnehmen, ab dem 1. Februar

2009 Anspruch auf eine pädagogischeÜbermittagbetreuung.

Entweder bekommen die

Schulen dafür Stellenanteile

oder entsprechende Geldmittel,

die sie eigenständig einsetzen

können.

SEITE 5

Für Köln ergibt sich folgende

Lage:

Erste Kalkulationen auf der

Basis des von den Schulen

gemeldeten Bedarfs haben

ergeben, dass die Landesmittel

nicht ausreichen, um über die

Mittagspause auch ergänzende

Ganztagsangebote (nach „13

PLUS“) fortzuführen oder neu

anzubieten. Die vom Land

gegebene Garantie, dass keine

Schule schlechter steht als beim

Programm „13 PLUS“, lässt

sich nach Meinung der Stadt

nicht mit den zur Verfügung

gestellten Mitteln realisieren.

Daher hat der Rat der Stadt

Köln im Dezember einen

kommunalen Zuschuss für

die Einrichtung ergänzender

Ganztagsangebote beschlossen

und ein städtisches Programm

„Mittagspause PLUS“ entwickelt.

In diesem Programm

werden einerseits die Anforderungen

sowie die finanzielle

Ausschüttung aus dem Landesprogramm

„Geld oder Stelle“

geregelt sowie andererseits die

kommunale Konzeption und


der damit verbundene städtische

Zuschuss. Es umfasst die

Durchführung der verbindlich

vorgeschriebenen MITTAGS-

PAUSE inklusive der Angebote

an Tagen mit Nachmittagsunterricht.

Und es umfasst

die optionalen ergänzenden

Ganztagsangebote – das PLUS

im Programmnamen.

Dabei profitieren die Sek. 1

Schulen von den Erfahrungen

bei der Umsetzung des offenen

Ganztages an den Grund- und

Förderschulen.

Auch hier gilt für die GEW:

Wir begrüßen grundsätzlich

den vermehrten Ausbau der

Schulen zu Ganztagsschulen

als eine wichtige Möglichkeit,

die Bildungschancen für die

Kinder in Köln zu verbessern

und Familie und Beruf besser

zu vereinbaren.

Aber wir wollen keinen Ganztag

um jeden Preis!

Wir wollen kein Billigmodell

und keine pädagogische Mogelpackung.

Die Handlungsmöglichkeiten

der Schulen sind durch die

zu kurzen Antragsfristen des

Landes und der Stadt sehr eingeschränkt:

• Eine organisatorische und

pädagogische Planung ist

nur unzureichend machbar.

Beratungen und Konzeptentwicklungen

sind zeitlich kaum

fundiert möglich.

• Pädagogische Raumkonzepte

KOMMUNALPOLITIK

sind kaum zu leisten und können

nur bedingt bautechnisch

geprüft werden. Es muss nicht

alles „sofort fertig“ sein. Aber

auf Dauer angelegte Provisorien

auf zu geringem Raum sind

weder funktional noch akzeptabel.

Zum Schulsanierungsprogramm:

Wir schließen uns als GEW

den Forderungen der SPD

und CDU an, die in ihren

Programmen zur Bekämpfung

der Wirtschaftskrise in Köln

umfassende Sanierungen von

Schulen fordern.

Und diese Maßnahmen schnell

und unbürokratisch und flexibel

umsetzen wollen.

Wir fordern, dass die rund 50

unbesetzten Stellen bei der

Gebäudewirtschaft schnellst

möglich besetzt werden und

die Abläufe innerhalb der Verwaltung

verbessert werden.

Zur Tarifrunde 2009:

Schwerpunkt unserer Arbeit in

den nächsten Wochen ist wie

bei verdi und der Polizeigewerkschaft

die Tarifrunde 2009

für alle Landesbeschäftigten.

Die Forderungen der GEW

sind im Kasten abgedruckt.

Wir gehen davon aus, dass wir

diese Tarifrunde mit Aktionen

und Streiks begleiten müssen,

wenn wir erfolgreich sein

wollen.

SEITE 6

Die GEW mobilisiert für drei

Aktionen/Warnstreiks:

Am 28. Januar sind alle angestellten

Lehrerinnen und Lehrer

an öffentlichen Schulen in

NRW aufgefordert, ihre Arbeit

niederzulegen und sich nach

Düsseldorf zu einer Streikversammlung

zu begeben, die dort

um 10 Uhr beginnt.

Am 5. Februar fordern wir alle

angestellten Lehrerinnen und

Lehrer in Köln auf, die Arbeit

niederzulegen und sich zum

Gewerkschaftshaus zu begeben.

Dort erwarten wir die Kolleginnen

ab 9 Uhr zum Streikfrühstück.

Ab 11.30 Uhr findet

dann auf dem Hans-Böckler-

Platz eine öffentliche Unterrichtsstunde

statt, die mit einer

Mittagspause (ohne PLUS)

endet. Am 10. Februar schließlich

demonstrieren alle Gewerkschaften

des öffentlichen

Dienstes in Düsseldorf gemeinsam

für ihre Forderungen.

Zum Abschluss:

Investitionen in die Bildung, in

die Verbesserung der Bildungsmöglichkeiten

aller Kinder, in

das Bildungspersonal und in

die Infrastruktur der Bildung,

sind nachhaltige Verbesserungen

und deshalb wirksame

Instrumente gegen die Krise.

Diese Investitionen versickern

nicht in dunkle Kanäle. Sie

kommen uns allen und den

nächsten Generationen zu

Gute.


KOMMUNALPOLITIK

Regionales Bildungsbüro Köln

(RBB)

von Hildegard Merten, Max

Beier und Klaus Minartz

Tina Turner in der LanXess-

Arena. Lange Schlangen vor den

Eingängen. Unser Weg führt

vom Stadthaus West zum Stadthaus

Ost an diesen Schlangen

vorbei. Das technische Rathaus

ist nicht so einladend wie die

Arena. Der Sicherheitsangestellte

am Eingang hat uns nicht auf

seiner Liste. Ein wenig Überzeugungsarbeit

ist notwendig, bis

uns der Weg zum Büro 09 G44

gewiesen wird. „Wen wollen Sie

denn besuchen?“ „Wir wollen

zu Herrn Böll und Frau Winter,

zum regionalen Bildungsbüro.“

Resigniertes Lächeln. „Ich bin

neu hier. Das Bildungsbüro ist

mir nicht bekannt.“

So wie ihm wird es möglicherweise

auch vielen KollegInnen

gehen, die nicht am Modellprojekt

„Selbstständige Schule“

teilgenommen haben. Das Büro

ist noch nicht so im Bewusstsein

verankert, wie es seinem Anspruch

nach sein sollte.

Im forum 4/08 hatten wir angekündigt,

dass wir die Akteure

und die Arbeit des RBB deshalb

vorstellen werden. Tina Turner

musste also an diesem Abend

ohne uns rocken. Wir führten

ein Interview mit dem Leiter

des RBB, Herrn Böll, und seiner

Mitarbeiterin Frau Winter.

forum: „Stellen Sie für unsere

LeserInnen bitte das Selbstverständnis

des Regionalen

Bildungsbüros (RBB) Köln und

seine Mitarbeiter kurz vor.“

Her Böll / Frau Winter (im

Folgenden kurz RBB):

Bildungsbiografien gestalten

– Bildungsbiografien ohne

Brüche ermöglichen. Dies sind

Ziele, die in der „Strategischen

Planung der Regionalen Schullandschaft

Köln“ fest verankert

sind und die voll umfänglich

in den mit dem Land NRW

abgeschlossenen Kooperationsvertrag

zur Weiterentwicklung

des Bildungsnetzwerks in der

Bildungslandschaft Köln eingeflossen

sind.

forum: „Wo findet man das

Strategiepapier und den Kooperationsvertrag,

wenn man

Details in diesen Papieren

nachlesen möchte?“

RBB: Das Konzept und den

Vertrag finden Sie hier:

www.bildung.koeln.de/schule/

selbststaendige_schule/vernetzung/index.html

und:

www.bildung.koeln.de/schule/

selbststaendige_schule/index.

html

Die einzelne Schule und die

Schulen in ihrer Gesamtheit

sind der Ausgangspunkt für einen

systematischen und strukturierten

Entwicklungsprozess.

SEITE 7

Dabei sind

die Schulen

bedarfsgerecht

zu unterstützen. Hier

sind viele Institutionen gefragt.

Bereits seit Jahren ist das

Regionale Bildungsbüro im

Rahmen des Modellprojekts

„Selbstständige Schule“ diesbezüglich

aktiv und unterstützt

die Schulen in vielfältiger

Weise.

forum: „Arbeitet das RBB nur

für Schulen, die am Modellprojekt

„Selbstständige Schule“

teilgenommen haben?“

RBB: Die Mitarbeiterinnen

und Mitarbeiter verstehen sich

als Dienstleister und stehen

für schulische Anliegen allen

Kölner Schulen beratend und

unterstützend zur Verfügung.

Das Regionale Bildungsbüro

hat seinen „Sitz“ im Stadthaus,

Ostgebäude am Willy-Brandt-

Platz 3 in Köln-Deutz.

forum: „Wer sind die Akteure

im RBB?“

RBB: Herr Böll ist als Leiter

des Regionalen Bildungsbüros

vielen Schulen bekannt.

Tatkräftig zur Seite stehen

ihm vier Mitarbeiterinnen.

Frau Hübner ist seit dem

1.08.2008 vom Land NRW als

pädagogische Mitarbeiterin

abgeordnet. Die Stadt Köln

finanziert 2,5 weitere Stellen


für die nächsten fünf Jahre.

Zum Team zählen Frau Steffens,

Frau Kornemann und

Frau Winter. Die Mitarbeiterinnen

kümmern sich um

Finanzangelegenheiten, Geschäftsführungsaufgaben

für

die neuen Steuerungsgremien

(Lenkungskreis und Regionale

Bildungskonferenz), Unterstützung

der Unterregionen

sowie Koordination des stadtweiten

Transfers von in den

Unterregionen entwickelten

Konzepten, Öffentlichkeitsarbeit

und vieles mehr. Weitere

Aufträge erhalten sie u. a. aus

dem Lenkungskreis.

Gerne nehmen sie auch andere

Anliegen von Schulen auf, um

diese innerhalb der Stadtverwaltung

mit den zuständigen

Ämtern zu kommunizieren

oder um den für spezielle Anliegen

der Schulen zuständigen

Sachbearbeiter „ausfindig“ zu

machen – was ja nicht immer

so einfach ist.

KOMMUNALPOLITIK

forum: „Können Sie dies personell

schaffen?

RBB: Zurzeit sind diese Anfragen

und Bitten um Hilfestellung

noch überschaubar und

wir konnten mindestens an

die richtigen Ansprechpartner

weitervermitteln.“

forum: „Was sind die weiteren

Arbeitsschwerpunkte des

RBB?“

RBB: Aufbauend auf

den Erfahrungen aus

dem Modellprojekt

„Selbstständige Schule“

bietet das Regionale

Bildungsbüro auch

nach Modellende

Unterstützung und

Beratung bei der

Durchführung von

Qualifizierungsmaßnahmen

an, die sich

als gewinnbringend

für Schulen erwiesen

haben.

Schulen, die z. B. Bedarf an der

Ausbildung zur/zum schulischen

Beraterin / Berater für

Evaluation haben, sich künftig

an SEIS (Selbstevaluation in

Schulen) im Regionalen Verbund

beteiligen wollen oder

sich mit der Frage auseinander

setzen, ob schulische Steuergruppen

eingerichtet und hierfür

qualifiziert werden sollen,

können sich gerne an Herrn

SEITE 8

Böll wenden. Nähere Informationen

sind auch auf

www.bildung.koeln.de/schule/

selbststaendige_schule/qualifizierung_prozessbegleitung/index.html

eingestellt.

Die Säulen für die Weiterentwicklung

der Kölner Schul-

und Bildungslandschaft bilden

die in den Unterregionalgruppen

organisierten - derzeit

etwa 110 - Kölner Schulen. Die

Netzwerke wachsen und sollen

in ihrem Prozess unterstützt

und professionell begleitet werden.

Hier stellt das Regionale

Bildungsbüro Ressourcen zur

Verfügung.

forum: „Im Projekt „Selbstständige

Schule“ wurde immer

wieder betont, dass es auf die

Verbesserung des Unterrichts

als „Kerngeschäft“ ankommt.

Wie werden Sie dieser Erkenntnis

gerecht in Ihrer

Arbeit als RBB?“

RBB: Die Schulen arbeiten in

den Unterregionen an einem

oder mehreren der folgenden

Handlungsfelder:

Individuelle Förderung

Überfachliche Kompetenzen

Übergänge zwischen Schulen

und Schulformen.

Bei dieser gemeinsamen Arbeit

an der Unterrichtsqualität, insbesondere

bei der Vermittlung

der überfachlichen Kompe-


tenzen und der Befähigung der

Schülerinnen und Schüler zum

lebenslangen Lernen bietet das

Regionale Bildungsbüro Köln

Unterstützung in Form von Beratung

durch Frau Hübner an.

Schulen, die den Prozess der

Unterrichtsentwicklung beginnen

oder fortsetzen wollen,

können Beratung zu Inhalten

oder Organisation der Unterrichtsentwicklung

anfragen. Je

nach Interesse und Entwicklungsstand

der Schule kann es

sich dabei um einen Informationsaustausch

über die Organisation

des Fortbildungsprozesses

für die Lehrkräfte, über

die Implementation im Unterricht

oder z.B. die Entwicklung

eines Methodencurriculums

handeln. Auch Fragen bezüglich

der Aufgaben und Zusammensetzung

der Steuergruppe,

die den Prozess der Unterrichtsentwicklung

organisiert und

die Nachhaltigkeit sicherstellen

soll, können diskutiert werden.

Damit sind dann auch Auswirkungen

auf die Organisationsentwicklung

der Schule

verknüpft, wie z.B. Fragen zur

Teambildung im Kollegium

oder zur Veränderung des 45-

Minuten-Rhythmus.

Denkbar ist aber auch eine

grundsätzliche Beratung über

KOMMUNALPOLITIK

verschiedene Konzepte der

systematischen Unterrichtsentwicklung

und deren Verknüpfung

mit Schulprogrammarbeit

und individueller Förderung.

Über die entsprechenden

Fortbildungsangebote des

Kompetenzteams Köln können

die Schulen in diesem Zusammenhang

auch beraten werden.

Dieses Beratungsangebot

wendet sich an Schulleitungen,

Fortbildungskoordinatoren

und schulische Steuergruppen.

Weitere Infos sind auf

www.bildung.koeln.de/schule/

selbststaendige_schule/unterrichtsentwicklung/index.html

veröffentlicht.

Viele Projekte z. B. Bildungslandschaft

Altstadt-Nord,

Bildungslandschaft Höhenberg/Vingst

laufen in Köln. An

diesen und anderen Arbeitsgruppen

nimmt das Regionale

Bildungsbüro teil, damit die

Verzahnungen mit den Unterregionalgruppen

und dem

Konzept zur Strategischen

Planung der Regionalen Schullandschaft

Köln sichergestellt

werden können. Alle Schulen

sind willkommen, sich aktiv

an der Gestaltung der Kölner

Schullandschaft zu beteiligen.

SEITE 9

forum: „Wie

sind Sie zu

erreichen?“

RBB: Gerne stehen Herr Böll

(Tel.: 221-29295) oder per

e-mail manfred.boell@stadtkoeln.de

und Frau Hübner für

den Bereich der Beratung im

Rahmen der Unterrichtsentwicklung

unter Tel.: 221-21344

sowie marlise.huebner@stadtkoeln.de

zur Verfügung.

forum: „Vielen Dank, dass

Sie sich für uns Zeit genommen

haben. Die GEW wird

die Entwicklung der Kölner

Regionalen Schullandschaft

unterstützen. Sie sieht diese

als einen Zwischenschritt. Die

GEW wird darauf hinwirken,

dass diese weitergeführt

wird hin zu einer regionalen

Bildungslandschaft, in der alle

Bildungsakteure einbezogen

werden.


Köln setzt auf Ganztagsschulen

Das Land NRW und die Stadt

Köln bauen Schritt für Schritt

Ganztagsangebote und Ganztagsschulen

aus. Ziel ist es, den

Kindern mehr Bildungschancen

zu eröffnen und Eltern die

Vereinbarkeit von Familie und

Beruf zu erleichtern.

Ganztagsschulen und Ganztagsangebote

bieten mehr als

Unterricht. Zu einem guten

Ganztag gehören Arbeitsgemeinschaften,

Förder- und

Freizeitangebote, Bewegung,

Spiel und Sport sowie kulturelle

Angebote.

16 neue weiterführende Schulen

in Köln werden zu Ganztagsschulen

Vier Kölner Gymnasien und

fünf Realschulen starten den

Ganztags- betrieb ab dem

KOMMUNALPOLITIK

Ganztagsangebote in Köln

Schuljahr 2009/10, sieben

weitere Schulen werden den

Ganztagsunterricht ein Jahr

später einführen. Der gebundene

Ganztag in der Sekundarstufe

I ermöglicht den Schulen

bedarfsgerechte und flexible

Angebotsformen. Verpflichtend

ist die Anwesenheit für

alle Schülerinnen und Schüler

an drei Tagen bis 15 Uhr. Zusätzlich

können auch freiwillige

Angebote nach 15 Uhr oder an

einem vierten oder fünften Tag

genutzt werden.

„Dreizehn Plus“ für die Sekundarstufe

I wird umgestaltet

zum Programm „Mittagspause

PLUS“

Im Zuge der Ganztagsoffensive

der Landesregierung wird das

Programm „Dreizehn Plus“

umgestaltet. Durch das neue

Programm „Geld oder Stelle“

haben alle Schulen der Sekundarstufe

I, die nicht am gebundenen

Ganztag teilnehmen, ab

dem 1. Februar 2009 Anspruch

auf eine pädagogische Übermittagbetreuung.

Entweder

bekommen die Schulen dafür

Stellenanteile oder entsprechende

Geldmittel, die sie

eigenständig einsetzen können.

Ganztagshauptschulen

Viele Kölner Hauptschulen

werden entweder als Ganztagsschulen

geführt oder bieten ih-

SEITE 0

ren Schüler- innen und Schülern

die Möglichkeit zusätzlich

an drei bis vier Nachmittagen

in der Schule zu lernen, zu

arbeiten und Angebote zur

sinn- vollen Freizeitgestaltung

zu nutzen.

Offene Ganztagsschulen

(OGTS) im Primarbereich

Als „Offene Ganztagsschule“

wird eine Grund- oder eine

Förderschule bezeichnet, deren

Schülerinnen und Schüler am

Nachmittag an Förder-, Sozial-

und Freizeitangeboten

teil- nehmen können. Im Gegensatz

zu einer „gebundenen

Ganztagsschule“ entscheiden

hier die Eltern, ob der tägliche

Schulbesuch für Ihr Kind nach

dem Unterricht endet oder ob

sie eine Teilnahme an den Angeboten

des Offenen Ganztags

wünschen.

Seit Beginn des Schuljahres

2008/ 2009 stehen an den 161

Offenen Ganztagsschulen in

Köln (144 Grund- und 17 Förderschulen)

insgesamt 18.800

Betreuungsplätze zur Verfügung.

Damit können 52% der

Kinder im Grundschulalter am

Offenen Ganztag teilnehmen.

Quelle: www.bildung-koeln.de


Zu den Schuljahren 2009/10 und

2010/11 werden insgesamt 16

neue weiterführende Schulen zu

Ganztagsschulen

Bezirksregierung und Rat stimmen

Umwandlung von je acht

Realschulen und Gymnasien zu

Der Ganztagsbetrieb an den 16

neuen Schulen wird mit den

jeweiligen Eingangsklassen des

5. Schuljahrs beginnen. Für die

Schülerinnen und Schüler in

den höheren Jahrgangsstufen

bleibt der Halbtagsunterricht

bestehen. […]

Mit Beginn des neuen Jahres

wird die Schulverwaltung

gemeinsam mit der Bauverwaltung

mit der Planung der

notwendigen Baumaßnahmen

fortfahren. Erforderlich sind beschleunigte

Verfahren mit allen

beteiligten Ämtern, um in den

neuen Ganztagsschulen möglichst

bald die benötigten Räume

für Mensen und Freizeiträume,

aber auch die bereits jetzt

fehlenden Unterrichtsräume zu

schaffen.

Der gebundene Ganztag in der

Sekundarstufe I ermöglicht den

Schulen bedarfsgerechte und

flexible Angebotsformen. Verpflichtend

ist dabei eine Anwesenheit

für alle Schülerinnen

und Schüler an drei Tagen bis 15

Uhr. Darüber hinaus besteht die

Möglichkeit, zusätzliche ergänzende

und freiwillige Angebote

durchführen, zum Beispiel nach

15 Uhr oder an einem vierten

oder fünften Tag.

KOMMUNALPOLITIK

Gebundene Ganztagsschulen

in Köln

Für Oberbürgermeister Fritz Schramma

ist eine Ausweitung der Ganztagsangebote

in Köln dringend erforderlich: „An den

weiterführenden Schulen in Köln gibt es

einen hohen Bedarf an qualitativ hochwertiger

Ganztagsbetreuung. Wir müssen hier

zusätzliche Angebote schaffen. Bildung ist

unsere Ressource Nummer 1. Daher brauchen

wir ein Regelangebot von 8 bis 16 Uhr mit einem gesunden

Essen und einer Hausaufgabenbetreuung, die bei Lernschwierigkeiten

weiterhilft und ergänzende Angebote macht. Der

Schulbetrieb darf nicht mehr so organisiert werden, als wären

alle Mütter spätestens ab 13 Uhr zu Hause. Die Familienfreundlichkeit

einer Stadt wird mehr und mehr zu einem ihrer Hauptstandortfaktoren.

Wer will, dass Köln weiter wächst und gedeiht,

der muss jetzt in Strukturen investieren, die attraktiv sind für

Familien.“

Diese Schulen starten den Ganztagsbetrieb

ab dem Schuljahr 2009/10:

Rhein-Gymnasium, 51063 Köln-Mülheim

Dreikönigs-Gymnasium, 50739 Köln-Bilderstöckchen

Montessori-Gymnasium, 50827 Köln-Bickendorf

Hildegard-von-Bingen-Gymnasium, 50939 Köln-Sülz

Albert-Schweitzer-Schule, 51107 Köln-Ostheim

Max-Planck-Realschule, 51145 Köln-Porz

Bertha-von-Suttner-Realschule, 50829 Köln-Vogelsang

Konrad-Adenauer-Schule, 50676 Köln-Altstadt/Süd

Edith-Stein-Schule, 50733 Köln-Nippes

Diese Schulen starten den Ganztagsbetrieb

ab dem Schuljahr 2010/11:

Heinrich-Mann-Gymnasium, 50765 Köln-Volkhoven/Weiler

Heinrich-Heine-Gymnasium, 51107 Köln-Ostheim

Kaiserin-Augusta-Schule, 50676 Köln-Altstadt/Süd

Maximilian-Kolbe-Gymnasium, 51147 Köln-Wahn

Henry-Ford-Realschule, 50769 Köln-Seeberg

Elly-Heuss-Knapp-Realschule, 51065 Köln-Mülheim

Theodor-Heuss-Schule, 50935 Köln-Sülz

(Quelle: Bildung-Koeln.de)

SEITE


TARIFPOLITIK (TV-L)

Wertschätzung pädagogischer Arbeit

GEW fordert deutliche Verbesserungen

für Angestellte im Landesdienst

von Armin Himmelrath,

freier Journalist

Reiner Schölles rechnet gern.

Und weil er als Lehrer und

Gewerkschafter die Situation

in den Klassenzimmern der

Republik kennt, kann er eine

ziemlich eindrucksvolle Rechnung

aufmachen: Lehrkräfte,

wie alle Beschäftigten des

öffentlichen Dienstes, müssen

eine Jahresarbeitszeit von

rund 1770 Stunden leisten, das

entspricht 40 Wochenstunden.

Bei 40 Unterrichtswochen im

Schuljahr, 26 Pflichtstunden

pro Unterrichtswoche und

acht Lerngruppen mit jeweils

25 Schülerinnen und Schülern

stellt sich für Schölles die

Frage, „wie groß denn eigentlich

noch der Tauschwert für

pädagogische Arbeit ist“. Vom

Gesamtpensum gehen nämlich

pro Jahr 780 Stunden Unterricht

und 30 Stunden Fortbildung

ab. Und in den restlichen

rund 960 Stunden müssen

dann 1040 Unterrichtsstunden

vor- und nachbereitet, bis zu

1000 Klassenarbeiten korrigiert

und die Lernentwicklung von

200 Kindern und Jugendlichen

beobachtet, dokumentiert und

bewertet werden – nicht eingerechnet

Konferenzen, Schulveranstaltungen

und sonstige

Mitwirkung. „Gelobt wird viel,

insbesondere vor einer anstehenden

Wahl“, zieht Schölles

mit Blick auf die Bildungspoli-

tik ein kritisches Fazit. „Denn

es ist kostengünstiger, die pädagogisch

Engagierten zu loben,

als sie leistungsgerecht zu bezahlen.“

Und weil immer mehr

Aufgaben an die Pädagoginnen

und Pädagogen (nicht nur in

den Schulen!) herangetragen

werden, die Bezahlung aber

nicht entsprechend gestiegen

ist, gebe es ein Problem, bilanziert

Schölles: „Die Arbeitsleistung

wurde objektiv entwertet,

und zumindest subjektiv müssen

Lehrkräfte dies als Geringschätzung

ihrer Arbeitsleistung

empfinden.“ Für den BielefelderErziehungswissenschaftler

Klaus-Jürgen Tillmann ist

das eine fatale Entwicklung:

„Die Wertschätzung pädagogischer

Arbeit hängt eben auch

vom gesellschaftlichen und

politischen Umfeld ab“ – etwa

von dem, was die Länder bereit

sind, für pädagogische Arbeit

auszugeben.

Pädagogenmangel droht

Zeit also für eine spürbare

Anpassung der Gehälter, denn:

„Deutschland steuert auf einen

massiven Pädagogenmangel

zu. Wenn wir mehr junge,

qualifizierte Menschen für den

Pädagogenberuf gewinnen

wollen, brauchen wir attraktive

Arbeitsbedingungen – und

dazu gehört auch das Gehalt“,

sagt GEW-Tarifexpertin Ilse

Schaad. Tatsächlich zeigen die

aktuellen bildungspolitischen

SEITE

Debatten, wie groß der Bedarf

an pädagogischer Arbeit in der

gesamten Bildungskette ist. Im

Dezember 2008 wurden mit

IGLU und TIMSS die neuesten

Schul-Vergleichsstudien für

Grundschüler vorgelegt, die

– wenig überraschend – erneut

deutlich machten, dass guter

Unterricht und individuelle

Förderung sowie ganztägige

Betreuung für den weiteren

Bildungsweg der Kinder

entscheidend sind. Der im

November 2008 veröffentlichte

innerdeutsche PISA-Vergleich

legte zum wiederholten Male

offen, dass weiterführende

Schulen hier Defizite haben,

weil sie personell zu schlecht

ausgestattet sind – nicht nur

mit Lehrkräften.

Unis müssen „nachlegen“

Auch an den Hochschulen

müssen die Länder spürbar

„nachlegen“, damit ihnen die

jungen, hoch qualifizierten

Wissenschaftlerinnen und

Wissenschaftler nicht weglaufen.

Denn wer will sich schon

immer wieder auf befristete

Arbeitsverträge und unsichere

Projekt-Finanzierungen einlassen?

Heike Hofstetter jedenfalls

wollte das nicht. „Die

Arbeitsbedingungen spielten

bei dieser Entscheidung eine

wichtige Rolle“, sagt die Chemikerin.

Nach ihrer Promotion

in Tübingen ging sie deshalb

zunächst nach Israel und ist


heute als „adjunct professor“

an der Northern Illinois

University in den USA – eine

Entscheidung, wie sie jedes

Jahr Tausende Nachwuchskräfte

treffen. Alleine in den

USA arbeiten derzeit über 20

000 deutsche Wissenschaftler,

schätzt die Buchautorin Marita

Vollborn.

Konkurrent Wirtschaft

Neben den besseren Bedingungen

an den Hochschulen

im Ausland locken aber auch

gut dotierte Jobs in der Industrie:

Während wissenschaftliche

Tätigkeiten oft nur als

halbe Stellen ausgeschrieben

werden (bei 100 Prozent erwarteter

Arbeitsleistung!) und

dann in der Gehaltsstufe EG13

nur gut 20 000 Euro brutto

im Jahr einbringen, können

etwa Chemie-Absolventen mit

Diplom oder Master Einstiegsgehälter

von bis zu 53 700 Euro

erzielen – auch ohne Doktortitel.

Wenn die Promotion

noch hinzukommt, empfiehlt

der Bundesarbeitgeberverband

Chemie sogar 62 590 Euro

pro Jahr. Kein Wunder also,

dass nach dem jahrelangen

Abbau von Stellen im wissenschaftlichen

Mittelbau und der

ausgeprägten Konkurrenz um

die wenigen Arbeitsverträge

ohne Befristung die Attraktivität

des Arbeitsplatzes Hochschule

sinkt. Außerdem: Viele

wissenschaftlich Beschäftigte

TARIFPOLITIK (TV-L)

Gemeinsame Forderungen

• 8 Prozent, mindestens 200 Euro

• Verlängerung des Überleitungsrechts

• Übernahme der Auszubildenden

• Festbetrag von 120 Euro

für Auszubildende

• Vereinbarung zu Equalpay

• 12 Monate Laufzeit

• zeit-und inhaltsgleiche Übertragung

auf die BeamtInnen und

Versorgungsempfänger

müssen zusätzliche Verantwortung

in der Lehre übernehmen.

„Die Hochschullehrerlaufbahn

ist fast ausschließlich

auf Forschung ausgerichtet“,

sagt GEW-Hochschulexperte

Andreas Keller. „Folge ist die

Neigung zur Delegation von

Lehraufgaben – an den akademischen

Mittelbau, an den

wissenschaftlichen Nachwuchs,

an Lehrbeauftragte, sogar an

studentische Beschäftigte.“

Und weil diese Gruppen,

zusammen mit etlichen engagierten

Hochschullehrern, die

Überlastung der Unis und FHs

immer wieder abfedern, ergebe

sich eine absurde Situation:

„Gerade diejenigen, auf deren

Schultern ein Großteil des

Lehrbetriebs lastet, arbeiten

unter den schwierigsten Beschäftigungsbedingungen.“

Doch die so geleistete pädagogische

Arbeit werde, so Keller,

von den Hochschulen kaum

gewürdigt.

Tarifsituation unbefriedigend

Die Tarifverhandlungen finden

ab Januar zentral für 14

Bundesländer statt. „In Hessen

wird gesondert verhandelt,

solange der beschlossene Wiedereintritt

in die Tarifgemein-

SEITE

schaft deutscher Länder

(TdL) noch nicht vollzogen

ist“, sagt Ilse Schaad. In

Berlin, das 2003 aus allen

Arbeitgeberverbänden ausgetreten

war, gab es zwar

im November 2008 einen

Abschluss (s. E&W 12/2008),

doch die Tarifsituation, insbesondere

an den Hochschulen,

ist aus gewerkschaftlicher Sicht

weiterhin unbefriedigend.

Die Einbeziehung der Hochschulen

in den seit 2006 geltenden

Tarifvertrag der Länder

(TV-L) sei ein richtiger Schritt

gewesen, meint Keller: „Auch

für die Hochschulbeschäftigten

hat die Einkommensentwicklung

in den vergangenen Jahren

mit den gestiegenen Kosten

nicht Schritt gehalten. Deshalb

sind acht Prozent eine berechtigte

Forderung.“ Zusätzlich

müsse es aber auch darum

gehen, die wissenschaftsspezifischen

Regelungen im TV-L

zu erweitern: Dazu gehört

eine bessere Anerkennung von

Berufserfahrungszeiten, etwa

bei Doktorandinnen und Doktoranden,

die außerhalb einer

Festanstellung geforscht haben,

ebenso wie die Ausweitung des

Tarifvertrags auf studentische

Beschäftigte, wissenschaftliche

Hilfskräfte sowie Lehrkräfte an

Kunst- und Musikhochschulen.

Andreas Keller: „In den aktuellen

Verhandlungen kommt

also einiges auf uns zu.“


Eingruppierung

GEW beschließt Grundsätze der

künftigen Eingruppierung im

Sozial- und Erziehungsdienst

Am 20. Januar 2009 begannen

die Verhandlungen für ein neues

Eingruppierungsrecht für

Beschäftigte im Sozial- und Erziehungsdienst.

Die zuständige

Tarifkommission der GEW

hat am 12. Januar 2009 weitere

Grundsätze beschlossen. Mit

diesen Grundsätzen wird die

GEW in die Verhandlungen

mit der Arbeitgeberseite gehen.

Bereits am 15. September

war beschlossen worden, für

Erzieherinnen mindestens

Entgeltgruppe 9 und Sozialarbeiterinnen/Sozialarbeiter

und

Sozialpädagoginnen/ Sozialpädagogen

Entgeltgruppe 10

zu fordern.

Grundsätze

Das neue Eingruppierungsrecht

soll die Tätigkeiten von

- pädagogischen Kräften (z.B.

Kinderpflegerinnen/Kinderpfleger,

Sozialassistentinnen/

Sozialassistenten)

SOZ-PÄD

- pädagogischen Fachkräften

(z.B. Erzieherinnen/Erzieher,

Sozialarbeiterinnen/Sozialarbeiter,

Sozialpädagoginnen/

Sozialpädagogen und Diplompädagoginnen/Diplompädagogen)

- Fachkräften in Spezialberufen

(z. B. Heilpädagoginnen/Heilpädagogen)

- Fachkräften in koordinierender,

anleitender und

beratender Tätigkeit

- Fachkräften in Leitungstätigkeiten

erfassen.

Die Beschäftigten im Sozial-

und Erziehungsdienst

sollen nach bundesweit

einheitlichen Eingruppierungsregelungen

nach Funktionsmerkmalen

eingruppiert

werden. Unter Berücksichtigung

der bisherigen Aufstiege,

Vergütungsgruppenzulagen

und Heimzulage sind mindestens

die Wertebenen zu

sichern, die im BAT/BAT-O

bestanden haben. Eine unterschiedliche

Eingruppierung

von Erzieherinnen als Gruppenleiterinnen

und als Zweitkräfte

soll es nicht mehr geben.

Eine erforderliche Zusatzqualifikation

oder eine Zusatzqualifikation,

an der der Arbeitgeber

ein Interesse hat, soll in die

nächsthöhere Entgeltgruppe

führen. Wenn für Erzieherinnen

und Erzieher die Bachelorausbildung

zum Standard

wird, soll die Verbesserung für

SEITE 4

alle Beschäftigten gelten. Dies

soll unabhängig davon gelten,

wann, wo und nach welchen

Ausbildungsvorschriften sie

ausgebildet wurden.

Überprüfungsklausel

Das Tarifergebnis vom 31.

März 2008 hat für die Beschäftigten

des Sozial- und

Erziehungsdienstes Übergangsregelungen

geschaffen. Wenn

das neue Eingruppierungsrecht

zum TVöD positiv davon abweicht,

sollen die Regelungen

angepasst werden. Eine Rückgruppierung

ist tariflich auszuschließen.

Weitere Forderungen

Die weiteren Forderungen sind

in enger Abstimmung mit

verdi zu entwickeln. Die betrifft

insbesondere:

· die Konkretisierung der Heraushebungsmerkmale

· die Eingruppierung von

Beschäftigten in Leitungstätigkeiten

und in koordinierender,

beratender und anleitender

Tätigkeit

· die Eingruppierung von

Beschäftigten mit Spezialberufen

im Bereich des Sozial- und

Erziehungsdienstes.

Mobilisierung ist notwendig

Wir erwarten, dass die Eingruppierungsforderungen

bei

den Arbeitgebern nicht ohne

Kampf durchgesetzt werden

können.


von Werner Rügemer

Wenn die Finanzakteure, insbesondere

die Banken, sich gerade

jetzt in ihrer bisher freiesten

Phase selbst als handlungsunfähig

erklären und die Rettung

beim fundamentalistisch kritisierten

Staat suchen, dann müssen

sie wirklich am Ende sein.

Gemessen am eigenen Selbstverständnis

hat das Kapital seinen

Bankrott erklärt.

Nichts wäre systemgerechter

als dass jede zahlungsunfähige

Bank zum Insolvenzrichter geht

oder mit sanfter Gewalt dorthin

begleitet wird. Gerade das aber

passiert nicht. Insolvenzverschleppung

ist eine Straftat, wäre

dies sogar auch in einem betriebswirtschaftlich

gut geführten

Sozialismus. Aber der jetzige, eigentlich

handlungsunfähige Staat

sorgt hurtig und eilfertig für die

Brechung seiner eigenen Gesetze.

Und auch die EU-Markt-Fundis

sind plötzlich ganz flexibel von

der Richtigkeit der Verfahren

überzeugt, die sie bisher verteufelt

haben.

So manche KritikerInnen, die

den „Marktradikalismus“ der

Neoliberalen heftig attackierten,

müssen nun erfahren, dass die

„Marktradikalen“ in Sekundenschnelle

zu Staatsradikalen

mutierten und dabei offensichtlich

keinerlei Argumentationsprobleme

hatten. Man muss

aber nur genauer hinsehen bzw.

bisher hingesehen haben. In

KOMMENTAR

Verhindert die Bankenrettung!

Wirklichkeit hat die neoliberale

Wirtschaft unter Führung

der Finanzakteure von

vornherein auf die Vollkasko-

Methode gesetzt: volle private

Freiheit und volle staatliche

Absicherung.

„Als angemessene kalkulatorische

Verzinsung des von

den Privaten eingesetzten

Eigenkapitals gilt die durchschnittliche

Rendite zehnjähriger

deutscher Bundesanleihen…

zuzüglich eines

jeweiligen, dem unternehmerischen

Risiko angemessenen

Risikozuschlags“, lautet § 3

Absatz 4 des Gesetzes über

den Bau und die Finanzierung

von Bundesfernstraßen

durch Private, beschlossen

1994 vom Bundestag auf

Initiative von CDU und FDP.

Das gilt, wenn Baukonzerne

und Banken den Bau und

die Finanzierung von Straßen

übernehmen. Staatlich

garantierter Risikozuschlag!

Eigentlich nicht nur nach neoliberaler

Lehre der Widerspruch

in sich selbst. Macht

aber nichts. Ist aber genau

das, was die wollten. Und

jetzt bekommen.

Diese staatliche Gewinn-

Garantie und Risiko-Absicherung

findet sich

standardisiert bei allen

Privatisierungen, z.B. in den

Entsorgungsverträgen der

Städte mit privaten Müllofenbetreibern.

Für die In-

SEITE 5

vestoren RWE und Veolia, die

im Jahre 2000 die Hälfte der

Berliner Wasserbetriebe für 30

Jahre gekauft haben, gilt dieselbe

Garantie: Wenn die Preise

und Gebühren für Trinkwasser

und Abwasser es nicht hergeben,

dann muss aus dem

Landeshaushalt nachgeschossen

werden. Und so weiter und

so fort. Da haben halt auch die

linken Kritiker des „Marktradikalismus“

sich nur an der

Theorie abgearbeitet und nicht

an der Praxis.

Ob die Chipwerke von Advanced

Micro Devices in Dresden

oder das Handywerk von

Nokia in Bochum – welcher Investor

baut noch irgendeine Fabrik,

die nicht möglichst weitgehend

vom Staat mitfinanziert


wird, begleitet von Steuerermäßigungen,

Lohnverzicht,

bedingungslosen Infrastrukturvorleistungen?

Staatliches

Wohngeld für das Hochhalten

der Mieten, staatliche Zuschüsse

für Kombilöhne, Zuschüsse

für Vollzeit-Tagelöhner aus der

Arbeitslosenkasse, staatliche

Pensionszahlungen für die

frühverrenteten Mitarbeiter

der privatisierten Post - und

das alles als Dauerleistung in

zwei- und dreistelliger Milliardenhöhe.

Gerade die lautesten Markt-

Schreihälse sind nun die radikalsten

Verstaatlicher. Der Chef

der US-Investmentbank Goldman

Sachs, die wie die anderen

vier US-Investmentbanken mit

ihren „Finanzinnovationen“

wesentlich die Finanzkrise

herbeigeführt hat, rettete sich

rechtzeitig in die Regierung

und gibt nun mit der Staats-

Maske des Finanzministers den

Bankenretter. Der Chef der

Deutschen Bank, ebenfalls als

Kreditgeber für Hedge Fonds,

Private Equity Fonds und

spekulative Hypothekenbündel

führend unter den Verursachern

der Krise, hat wesentlichen

Einfluss beim deutschen

Rettungspaket: Die außerbilanziell

geführten Briefkastenfirmen

der IKB in der US-Finanzoase

Delaware wurden mit 10

Milliarden Euro gerettet, nur

damit die Deutsche Bank und

andere ihre Kredite, die sie der

KOMMENTAR

IKB für die „giftigen“ Spekulationsprodukte

gegeben haben,

zurückgezahlt bekommen.

Erst danach wurde die IKB für

120 Millionen an eine US-Heuschrecke

bzw. deren „deutsche“

Niederlassung verscherbelt.

Ähnlich ist es bei der mit 50

Milliarden Euro immer noch

nicht geretteten Hypo Real

Estate, dort stellt die Deutsche

Bank inzwischen den neuen

Vorstand und kann die staatlichen

Gaben nach eigenem

Gusto und in aller Heimlichkeit

verteilen.

Der Staat ist hier kein Staat

nach den Vorgaben des Grundgesetzes

und von Allgemeininteressen.

Der Bundestag gab

der neuen Finanzmarkt-Stabilisierungs-Anstalt

(FMSA)

einen 500-Milliarden-Blankoscheck.

Diese Anstalt und

ihre staatlichen Finanzen sind

aus der parlamentarischen

Prozedur und aus dem Bundeshaushalt

ausgegliedert. Mit

der Schlussbilanz in einigen

Jahren werden wie bei der

alten Treuhand-Anstalt, die das

DDR-Vermögen privatisierte,

die Schulden dann auf die

öffentlichen Haushalte übertragen.

Der Staat setzt hier also

mit ausgelagerten Zweckgesellschaften

und Schattenbudgets

auf dieselben Praktiken, die

zur Finanzkrise geführt haben.

Die FMSA ist eine staatliche

Behörde, doch darin waltet

uneingeschränkt die private

SEITE 6

Bankenlogik und die private

Selbstbedienung.

Welchen volkswirtschaftlichen

Sinn macht es, diese Finanzakteure

zu subventionieren,

ihnen ihre zerstörerischen

Werkzeuge zu belassen und

alles nur ein bisschen besser

zu überwachen? Und zwar

überwachen zu lassen durch

Institutionen wie Weltbank,

Weltwährungsfonds, Europäische

Zentralbank, die die

Krise nicht vorhergesehen und

verhindert, sondern mitorganisiert

haben? Weiterverkauf

von Krediten in einer endlosen

Kette (Verbriefung), Wetten

auf Aktienkurse, Wetten auf

Ausfälle, Auslagerung solcher

Transaktionen in außerbilanzielle

„Zweckgesellschaften“,

Auslagerung dieser versteckten

Operationen zudem in

Finanzoasen: Alle diese reinen

Interbanken-Geschäfte machen

neun Zehntel aller gegenwärtigen

Bankgeschäfte aus

und haben in die Finanzkrise

geführt.

Dasselbe haben aber nicht nur

Banken praktiziert, sondern

auch Konzerne. Alle Automobilfirmen

etwa betreiben ihre

Banktöchter. Die haben erstmal

nur Kredite für Autokäufe

vergeben, dann aber diese

Kredite und alle anderen Forderungen

an Dritte ebenfalls zu

spekulativen Finanzprodukten

gemacht: Deshalb haben auch

die extrem kreditabhängigen


Autokonzerne jetzt kein Eigenkapital

und sind der von ihnen

selbst mit verursachten Krise

ausgeliefert.

Diese Praktiken haben in der

Tat nicht nur das „Vertrauen“,

sondern auch die Gemeinschaft

zerstört, das ökonomische

Eigentum ausgezehrt,

sei es privat oder öffentlich.

Ausgezehrt und entwürdigt

wurden insbesondere die

abhängig Beschäftigten und

die Nicht-mehr-Beschäftigten.

Soll jetzt durch die staatlichen

Rettungspakete das „Vertrauen“

in die giftigen Instrumente

und gemeinschaftsschädlichen

Akteure wieder aufgebaut werden?

Nein. Es kommt darauf

an, diese gemeingefährlichen

Praktiken nicht zu vergesellschaften,

sondern sie zu eliminieren.

Die Bankrotterklärung der

Finanzakteure muss ernst und

angenommen werden. Der perverse,

staatlich garantierte Risikozuschlag

darf nicht weiter

regieren. Sonst gehen die vielfältigen

Formen der direkten

und schleichenden Enteignung

weiter. Und sonst ist nicht nur

die nächste Finanz-, sondern

auch die nächste Wirtschafts-

und Demokratiekrise vorprogrammiert.

TUCHOLSKY

von Klaus Minartz

Im letzten forum haben wir auf der Seite 29 ein Gedicht veröffentlicht:

„Wenn die Börsenkurse fallen ...“. Ein GEW - Kollege

hatte es an die Redaktion weitergeleitet, nachdem seine Cousine

aus Wien es ihm wegen der verblüffenden Aktualität gemailt

hatte. Für uns eine zuverlässige Quelle. Erst nach dem Druck des

forum erfuhren wir

über Leserbriefe an

uns, über einen Anruf

der NdS-Redaktion

und über einen kurzen

Artikel im KStA, dass

nicht Tucholsky der

Autor des Gedichtes

ist.

Mit einem echten

Tucholsky entschuldigen

wir uns bei

unseren LeserInnen:

IDEAL UND

WIRKLICHKEIT

Kurt Tucholsky

SEITE 7

C’est la vie!

In stiller Nacht und monogamen Betten

denkst du dir aus, was dir am Leben fehlt.

Die Nerven knistern. Wenn wir das doch hätten,

was uns, weil es nicht da ist, leise quält.

Du präparierst dir im Gedankengange

das, was du willst ‑ und nachher kriegst dus nie...

Man möchte immer eine große Lange,

und dann bekommt man eine kleine Dicke ‑

C´est la vie!


Was lange währt wird endlich

auch umgesetzt – die GEW

hat in langen juristischen

Kämpfen gegen die mittelbare

Frauendiskriminierung

in der Umsetzung der Mehrarbeitsvergütung

sowohl für

teilzeitbeschäftigte Angestellte

wie nun auch für verbeamtete

Teilzeitbeschäftigte höchstrichterliche

Erfolge erstritten und

den Landesarbeitgeber zur

Umsetzung für alle Beschäftigten

aufgefordert.

Dem ist nun das Finanzministerium

mit einem Erlass

vom 19. Dezember 2008 und

das MSW mit einem entsprechenden

Schreiben vom 5.

Januar 2009 gefolgt.

• Es gibt keine Bagatellgrenze

für Teilzeitbeschäftigte. Vollzeitbeschäftigte

Lehrkräfte

erhalten erst mit der 4. Stunde

Mehrarbeit eine Bezahlung

dieser Stunden. Das gilt nicht

für Teilzeitbeschäftigte. Erst

wenn sie so viel Mehrarbeit geleistet

haben, dass die Vollzeit

erreicht worden ist, fallen sie

unter dieselben schlechteren

Regelungen wie VollzeitbeamtInnen.

• Jede Mehrarbeitsstunde muss

von der ersten Stunde an wie

eine Stundenaufstockung bezahlt

werden. Eine Abrechnung

nach den Sätzen der geringeren

Mehrarbeitsvergütung ist nicht

zulässig.

RECHTSBERATUNG

Neues zur Mehrarbeit

GEW-Erfolg für Teilzeitkräfte jetzt umgesetzt

• Es können rückwirkend Anträge

für Mehrarbeitsstunden

seit dem 01.03.2008 gestellt

werden, wenn Aufzeichnungen

vorhanden sind.

• Für all diejenigen, die bereits

Anträge auf Freizeitausgleich

bzw. anteilige Besoldung auch

für Fälle vor dem 1. März 2008

gestellt hatten, gilt diese Frist

nicht. Sie werden entsprechende

Nachzahlungen erhalten.

• Für die Berechnung der anteiligen

Besoldung werden das

Grundgehalt, der Familienzuschlag,

die Amtszulagen sowie

die allgemeine Stellenzulage

zu Grunde gelegt. Die Mehrarbeitsvergütung

richtet sich wie

bisher nach der Mehrarbeitsvergütungsordnung.

Führt ein

Günstigkeitsvergleich dazu,

dass ein Stundensatz eine höhere

Vergütung bewirkt, wird

der Stundensatz gezahlt.

Durch GEW Rechtsschutz

erstritten hatte das Oberverwaltungsgericht

NRW weitere

zentrale Leitsätze für die

Behandlung der Teilzeitbeamtinnen

und -beamten beschlossen:

• Es erfolgt keine Verrechnung

mit den Ausfallstunden des

Monats, in dem die Mehrarbeit

geleistet wurde.

SEITE 8

• Es gibt keinen Vorrang für

Freizeitausgleich, d.h. Vorrang

hat die Bezahlung.

Die GEW freut sich über

diesen auch durch ihr Engagement

und ihre Gerichtsverfahren

erreichten Erfolg.

Sie ruft dazu auf, die Mehrarbeit

umgehend und lückenlos

einzureichen, um damit auch

das Ausmaß an zusätzlicher

Belastung aufgrund zu geringer

Vertretungsreserven deutlich

zu machen.

Personalräte haben

bei der Einstufung

nach TV-L mitzubestimmen

Das Bundesverwaltungsgericht

(BVerwG) hat am 27. August 2008 (6

P 11.07) mit seiner Entscheidung dem

Personalrat entgegen der Meinung

einiger vorinstanzlicher Gerichte ein

Mitbestimmungsrecht bei der Stufenzuordnung

zugesprochen.

Es ist damit der Argumentation der

GEW gefolgt.

Personalräte sind daher bei jeder Einstellung

bei der Frage der Ersteinstufung

in die jeweilige Stufe der Entgeltgruppe

zu beteiligen und können eine

bessere und vor allem eine gerechte

Stufenfestlegung für die neuen Tarifbeschäftigten

erreichen.


Hausmeisterhelfer

Handwerklich begabte Menschen

mit Behinderungen

unterstützen Kölner Schulen

Modellprojekt gestartet

Ab dem 1. Februar 2009 können

14 junge Erwachsene mit

Behinderungen ihre Fähigkeiten

erproben- und zwar als

Hausmeisterhelfer an zehn

Kölner Schulen

verschiedener

Schulformen.

Ziel ist es, diese

jungen Menschen

besser in den

Arbeitsmarkt zu

integrieren.

Vertreter des

Landschaftsverbandes

Rheinland

(LVR), der Stadt

Köln und der Gemeinnützigen

Werkstätten Köln GmbH

(GWK) haben die notwendigen

Verträge für das auf drei

Jahre befristete Projekt am 15.

Januar 2009 unterzeichnet.

Die Vertragsunterzeichnung

erfolgte in Anwesenheit von

Günter Winands, Staatssekretär

im nordrhein-westfälischen

Schulministerium, der der

den Anstoß zu diesem Projekt

gegeben hat.

Er lobte: „Ich begrüße die

Idee, Beschäftigten der GWK

die Möglichkeit zu bieten, als

Hausmeisterhelfer und Schulassistenten

an Schulen tätig zu

sein.

MODELLPROJEKT

Gerade jungen Menschen kann

so eine Brücke in das Arbeitsleben

gebaut werden. Wir

machen damit deutlich, dass

Schule auch als Arbeitsplatz

einen Beitrag zur Integration

leisten und jungen Menschen

mit Behinderungen eine berufliche

Perspektive geben kann.“

Der LVR übernimmt für drei

Jahre die Kosten

in Höhe von

jährlich 50.000

Euro. Wenn sich

das Projekt bewährt,

werden

diese Kosten im

Anschluss von der

Stadt Köln übernommen.

Frau Professor

Ziemen von der Universität zu

Köln wird ein wissenschaftliches

Gutachten erstellen,

das von der Montag-Stiftung

finanziert wird.

Das Projekt soll schon jetzt

möglichst viele Nachahmer

finden und Schulen und

Schulträger motivieren, das

Zusammenleben zwischen behinderten

und nicht behinderten

Menschen am Arbeitsplatz

Schule zu gestalten.

Ansprechpartnerin für weitere

Informationen zum Projekt

ist Frau Krista Meurer bei der

Stadtverwaltung Köln, Telefon:

0221 / 221 - 29246.

SEITE 9

Einladung

7.

VL-Ratschlag

Vertrauensleutetreffen

Mittwoch, 25.3.09

18.00 Uhr

Großer Saal 1. OG

Gewerkschaft

Erziehung und Wissenschaft

Köln


INTERNATIONALES

Amakhaya ngoku

Ein Selbsthilfeprojekt in Südafrika

will Häuser für Slumbewohner

bauen

von Manfred Brinkmann

»Amakhaya ngoku« (Häuser

jetzt!) heißt eine Selbsthilfeinitiative

von Bewohnern des

Armenviertels Masiphumelele

am Rande von Kapstadt in

Südafrika. Mit dem Bau von

insgesamt zwölf Häuserzei-

len mit 352 Wohnungen und

einem Gemeindehauses mit

Kindergarten und Spielplatz

will die Initiative die Slumsiedlung,

die in der Vergangenheit

immer wieder durch Brände

zerstört wurde, in ein lebenswertes

Zuhause umgestalten.

Im Oktober 2006 brannten in

einer Nacht rund 400 Hütten

in Masiphumelele, einem der

ärmsten Townships Südafrikas,

nieder. Nicht zum ersten Mal

rannten hunderte Menschen

um ihr Leben, in den Armen

Babys oder die wenige Habe,

die sie aus den brennenden

Hütten retten konnten. Viele

Kinder und alte Leute, die

nicht schnell genug wegkamen,

erlitten schwere Verbrennungen.

Wie durch ein

Wunder kam in dieser Nacht

niemand ums Leben. Die Feuerwehr

kam spät und achtete

nur darauf, dass das Feuer

nicht auf Häuser außerhalb

der Armensiedlung übergriff.

Wirklich helfen konnte oder

wollte sie nicht.

Etwas jedoch war anders nach

dieser Nacht: Eine Gruppe von

Bewohnern aus dem Viertel

beschloss, dass endlich etwas

SEITE 0

Grundlegendes geschehen

muss. Das Feuer hatte gleichsam

eine Aufbruchstimmung

und den Mut zur Veränderung

entzündet. Sie waren nicht

bereit, auf der Asche erneut

aus Wellblech und Abfällen

nur wieder schäbige Hütten zu

errichten, die nach Ruß und

Schmutz stinken, weiter mit

über 1200 Menschen 40 Toiletten

und zwei Wasserhähne zu

teilen und auf das nächste Feuer

zu warten. Sie waren nicht

bereit, weiter praktisch im

Wasser leben zu müssen, das

die schweren Wintergewitter

über dem Viertel niedergehen

ließen und das dann wochenlang

in den Häusern stand, weil

es nicht ablaufen konnte. Sie

waren nicht bereit, zuzusehen,

wie ihre Kinder weiter den

Anschluss in der Schule verpassten,

weil es in den Hütten

keinen Raum zum Lernen gab,

in den sie sich hätten zurückziehen

können. Sie wollen, dass

diese Kinder eine Zukunft bekommen

und nicht aus Not das

bildungsferne Schicksal ihrer

Eltern teilen müssen.

Sie wollten eine dauerhafte

Lösung finden, nicht nur für

einige, sondern für alle, auch

für die Ärmsten. Sie gründeten

die inzwischen von der

südafrikanischen Regierung

anerkannte Selbsthilfeinitiative

“Amakhaya ngoku – Häuser

jetzt!” Ziel ist, menschenwür-


dige Wohnungen zu bauen,

aber auch Ausbildungsplätze

für Jugendliche und Jobs für

Arbeitslose zu schaffen. Fünfzig

Prozent der Arbeiter, die

die neuen Häuser bauen, werden

Bewohner von Masiphumelele

sein, die das ausführende

Bauunternehmen einstellt.

Das ist eine der Bedingungen

der Ausschreibung. Die Wohnungen

sollen von der Genossenschaft

verwaltet werden. Sie

können später schrittweise von

den Bewohnern als Eigentum

übernommen werden.

Das Projekt wird dafür sorgen,

dass die Kinder von Masiphumelele

ohne Angst vor weiteren

Bränden und mit der Chance

auf eine bessere Zukunft aufwachsen.

Unterstützt wird das ‚Häuser

jetzt’ durch den Buchautor,

früheren Lehrer und GEW-

Aktivisten Lutz van Dijk, der

seit Jahren in Masiphumelele

arbeitet und dort das Kinderheim

HOKISA leitet. Die GEW

fördert HOKISA seit mehreren

Jahren durch Spenden des

Heinrich-Rodenstein-Fonds

und will jetzt auch die Selbst-

INTERNATIONALES

hilfeinitiative ‚Häuser jetzt‘ unterstützen,

in deren Vorstand

Lutz van Dijk aktiv mitarbeitet.

Als kompetenten Partner mit

langjährigen Erfahrungen in

Wohnbauprojekten hat die

GEW die deutsche Entwicklungsorganisation

DESWOS

in Köln gewinnen können.

DESWOS hat beim Bundesministerium

für wirtschaftliche

Zusammenarbeit und

Entwicklung ein halbe Million

Euro Fördermittel beantragt

und muss dafür rund 140.000

Euro Spenden nachweisen, die

als private Eigenmittel in die

Finanzierung des Projekts fließen.

Nur wenn diese Spenden

nachgewiesen werden, können

die öffentlichen Mittel ausgezahlt

werden. Helfen Sie mit,

den Menschen in Masiphumelele

ein neues und sicheres Zuhause

zu ermöglichen. Spenden

Sie für das Projekt ‚Häuser

jetzt‚ in MasiphumeleleJeder

Beitrag hilft.

Spendenkonto

DESWOS e.V., Konto-Nummer:

660 22 21, Sparkasse

Köln/Bonn, BLZ 370 501 98,

Stichwort: Häuser jetzt!

SEITE

Erzbischof Desmond M. Tutu

„Ich bitte Sie sehr, das Amakhaya

ngoku, ein Pilotprojekt für den

Wohnungsbau zu unterstützen, das

auch andere Gemeinden inspirieren

könnte!

Masiphumelele ist eine der ärmsten

Kommunen am Westkap Südafrikas.

Und dennoch haben die Menschen

in Masiphumelele ein unglaubliches

Gefühl für Sprache: Denn Masiphumelele

bedeutet übersetzt: Es wird

uns gelingen! Lasst es schaffen, die

Armut zu überwinden, den Hunger

zu beenden, HIV/AIDS zu bekämpfen

und jetzt - ein einfaches Zuhause für

einige Hundert Familien zu bauen,

die zum wiederholten Male durch die

schrecklichen Brände alles verloren

haben.

Amakhaya ngoku ist für mich ein Pilotprojekt,

das für andere benachteiligte

Gemeinschaften Vorbildcharakter

hat. Auch weil es die Behörden und

die Privatwirtschaft als Unterstützer

gewinnen konnte. Ich bitte Sie inständig,

diese sehr lobenswerte und

wertvolle Initiative zu unterstützen,

um zu zeigen: Masiphumelele - Es

wird uns gelingen!

Gott schütze Sie.“


Köln von unten

von Helga Löbbert

Wer schon einmal in der

Schweiz war oder durch sie

gefahren ist, weiß, dass das

ganze Land quasi unterkellert

ist. Man fährt von einem Tunnel

in den anderen. Köln hingegen

ist untermauert. Man muss nur

irgendwo ein Loch buddeln und

schon stößt man auf Mauerreste

früherer Zeiten. Der prähistorische

und provinzialrömische

Archäologe Otto Doppelfeld

nutzte die Zerstörung Kölns im

Zweiten Weltkrieg, um möglichst

viel in Köln auszugraben.

1941 kam er schwer verwundet

aus dem Krieg zurück und

begann dort wieder zu arbeiten,

nämlich unter dem Dom und

rund um den Dom herum, wo

er vor dem Krieg schon bedeutende

Ausgrabungen gemacht

hatte. 1941 entdeckte er das

Dionysos Mosaik und mit zähen

Willen überzeugte er den Rat,

dort ein Museum zu bauen,

nämlich das Römisch–Germanische,

das sich nach neuesten

Erkenntnissen dort gar nicht

aufhalten dürfte. Protokolle aus

der Zeit der Dom–Freilegung

zwischen 1882 und 1902 dokumentieren,

dass sich die Stadt

verpflichtete, die Freiflächen

nie bebauen zu lassen, um dem

Dom „ein würdiges Umfeld

zu geben.“ Nun sind sie da,

die beiden Museen und bleiben

wohl auch. Die Stadt muss

sich nun Gedanken machen.

Kleinere Maßnahmen sollen

AKTIVE RUHESTÄNDLER

jetzt die Würde herstellen: Bimmelbahn,

Skater und Rikschas

sollen weichen. Aber zurück zu

Herrn Doppelfeld und seinen

Ausgrabungen. Als das neue

Rathaus gebaut werden sollte,

entdeckte er just an dieser Stelle

das Praetorium. Er hatte das

Herzstück von Colonia Claudia

Ara Agrippinensis gefunden

und vermutete auch unter dem

Rathausplatz größere römische

Bauten. 1953 begannen dort

die Ausgrabungen. Was man

jetzt allerdings freilegte, war das

jüdische Viertel Kölns. Nicht

nur die Fundamente der mittelalterlichen

Synagoge kamen

zum Vorschein. Man wusste nun

auch, wo die jüdische Schule,

das Gemeindehaus, die Bäckerei,

das Hospital und das Bad

gelegen hatten. Und wie das so

ist mit Ausgrabungen. Wenn

sie erst einmal das Tageslicht

erblickt haben, sind sie sehr

empfindlich und teuer. Wahrscheinlich

hatte man in den

50er Jahren nicht das Geld, um

Ausgrabungen zu konservieren.

Im völlig zerstörten Köln musste

man Wohnungen und Schulen

bauen. Also schüttete man alles

wieder zu, planierte den Platz

und stellte Autos obendrauf.

Nur die 290 Goldmünzen, die

der jüdische Kaufmann Joel von

Dortmund im August 1349, als

das ganze Judenviertel niedergebrannt

wurde, offensichtlich

noch verstecken konnte, wanderten

ins Museum.

SEITE

Heute sind die Ausgrabungen,

besser gesagt die Wiederausgrabungen,

unter dem Zelt

auf dem Rathausplatz Teil der

„Archäologischen Zone Köln“

und werden mit Mitteln des

Landes bis 2010 gefördert. Die

Studentin Alexandra Schubert,

die zum Team der dort grabenden

Archäologen gehört,

erklärte uns äußerst kompetent

die Mauerreste und Fundstücke.

Mir wurde klar, dass ein Archäologe

neben Wissen viel Geduld

und Phantasie für seine Arbeit

braucht. Ich hätte jetzt nicht so

direkt das Tanzhaus, das Warmbad

oder die Lesekanzel erkannt.

Sie informierte uns auch über

die wechselvolle Geschichte der

Juden in Köln, was ich jetzt nicht

tun werde (bei Kiepenheuer ist

gerade ein gutes Buch über die

Juden in Köln herausgekommen).

Nur noch eine Anmerkung,

wie die Kölner so sind. Als

sie die Juden 1423 zum zweiten

Mal aus der Stadt verbannt

hatten – „auf ewige Zeiten“, wie

es damals hieß – ließ der Kölner

Rat über den Fundamenten der

zerstörten Synagoge die kleine

gotische Rathauskapelle bauen.

Sie wurde 1426 geweiht und

bekam den Namen „St. Marien

in Jerusalem“. So kann man auch

die Erinnerung an die jüdischen

Mitbürger und ihr Viertel, das

„Klein Jerusalem“ genannt wurde,

aufrechterhalten.


AKTIVE RUHESTÄNDLER

Große können auch ganz klein...

...und das auch noch super

schön.

von Helga Löbbert

„Cool“, würden meine Enkelkinder

sagen.

Mit der Ausstellung „Gerhard

Richter. Übermalte Fotografien“

präsentiert das Museum

Morsbroich rund 500 Arbeiten,

die fast ausschließlich

aus Privatbesitz stammen. 61

Leihgeber haben zu der Ausstellung,

in der die Bilder einheitlich

gerahmt und äußerst

akkurat aufgehängt waren,

beigetragen. Richter hatte die

übermalten Fotos Freunden

zu Geburtstagen und anderen

Gelegenheiten geschenkt. Er

hat über 1000 hergestellt, aber

viele wieder weggeworfen, weil

sie ihm nicht gefielen. Schade,

dass man da nicht einmal

zugreifen konnte, denn die

kleinen Bilder sind nicht nur

sehenswert, sondern haben inzwischen

auch ihren Preis, wie

alle Werke Richters. Übrigens

für das Fenster im Dom hat er

kein Honorar genommen, das

hätte die katholische Kirche,

die nicht als arm gilt, kaum

bezahlen können. Deutsche

Museen, so sagte die Dame, die

uns sehr gut durch die Ausstellung

führte, könnten sich große

Bilder von Richter nicht mehr

leisten.

Gerhard Richter hat die Technik

der Fotoübermalung durch

Zufall entdeckt. Als er Fotografien

als Vorlagen für seine

Ölgemälde benutzte, sind ihm

während des Malens immer

wieder Farben auf die Fotos

getropft. Die dabei entstandenen

Farbeffekte und die Wechselwirkung

von Fotografie und

Malerei haben Richter dazu

angeregt, mit dieser Kombination

weiter zu experimentieren.

In der Regel verwendet er für

seine Übermalungen handelsübliche

Fotoabzüge in der

Größe von 10 mal 15 Zentimetern.

Zum Betrachten muss

man schon ganz nah an das

Bild herangehen. Seine Fotos

entstehen im Familien- und

Freundeskreis, im Urlaub, beim

Spazierengehen. Die Fotos, die

nicht ins private Fotoalbum

aufgenommen werden, landen

alle in einer großen Kiste, aus

der sie zur Bearbeitung irgendwann

einmal hervorgeholt werden.

Er zieht die Fotos durch

die Ölfarbe, schiebt die Farben

zu dicken Wülsten auf, drückt

sie flach auf den Rakel und

hebt sie vorsichtig wieder ab,

so dass sich die zähe Farbe zu

vielfältigen, gezackten Farbinseln

erhebt. Faszinierend sind

die Gegensätze. So wächst aus

einer Schweizer Fotolandschaft

ein leuchtend gelbes Rapsfeld.

Die großen Richter Bilder sind

nicht so mein Ding, aber die

Kleinen.

SEITE

Einladung

zu einem Theaterbesuch

Wolfgang Borchert

Draußen vor der Tür

Samstag, 4. März 009

0 Uhr

Die Aufführung findet im Rahmen

des Projekts „Kriegserklärungen“

statt, das das Theater

im Bauturm in Zusammenarbeit

mit dem Theater Der Keller

durchführt. Dort wird gespielt:

Bertolt Brecht „Mutter Courage

und ihre Kinder“. Im Rahmen

dieses Projekts finden ebenfalls

verschiedene Diskussionsveranstaltungen

statt, die einem

gesonderten Programm entnommen

werden können.

Theater im Bauturm

(Aachener Str. 4,

U-Bahn Haltestelle

Rudolfplatz)

Der Eintritt beträgt Euro

(bei einer Gruppe von 5 Personen)

sonst 5 Euro.

Wir bitten um verbindliche

Anmeldung bei der GEW Geschäftsstelle

bis zum 7. Februar

009 und Überweisung

des Betrages auf das Konto der

GEW (SEB AG, Kontonummer

07 0 , BLZ 70 0 ).

Gewerkschaft

Erziehung und Wissenschaft

Köln


7. VL-Ratschlag

Vertrauensleutetreffen

Mittwoch, 25.3.09

18.00 Uhr

Großer Saal 1. OG

FACHGRUPPEN & ARBEITSKREISE

Bei allen Veranstaltungen der Fachgruppen und Arbeitskreise sind Interessierte aus anderen

Schulformen und Bildungsbereichen herzlich willkommen!

Alle Termine finden, wenn nicht anders angegeben, im Kölner DGB-Haus, Hans-Böckler-Platz 1, statt.

Fachgruppentermine die nach Redaktionsschluss eingehen, sind im Internet unter

www.gew-koeln.de zu finden.

FG Grundschule

Montag, 23. 3. 2009, 19 Uhr

Thema: Entlastungsstrategien

am Arbeitsplatz,

Tagungsraum im DGB-Haus,

Kontakt: Wolfgang Raabe,

Tel.: 02203/51342

FG Hauptschule

Dienstag, 17.02.09 und Dienstag,

17.03.09 jeweils um 19.00

Uhr

Besprechungsraum 1. OG

Themen: Informationen aus

dem Personalrat; Welche Gestaltungsmöglichkeiten

hat die

Lehrerkonferenz?; Tarifrunde

2009

Kontakt: Mehmet Ali Ates,

Tel.: 0221/461418

Sigried Pleyl-von Laer,

Tel.: 0221/725604

FG Förderschulen

Kontakt: Heinz-Jürgen Kaiser,

Tel.: 0221/618696

Iris Tschauder,

Tel.: 0221/8230540

FG Gesamtschule

Montag, 4.5.09 17.00 Uhr

kleines Sitzungszimmer 1. OG

Themen: Tarifrunde 2009;

Lehrerräteschulungen; Anbindung

der Vertrauensleute;

Berichte aus HPR/BPR/AGA;

Neues aus der Rechtsprechung

Kontakt: Gudrun Neumann,

Tel.: 0221/7607786, E-Mail: neumann-niemann@t-online.de

FG Realschule

Donnerstag, 12.2.09, 19.30 Uhr

Großer Saal 1. OG

Themen: Erfahrungsaustausch

zur Übermittagsbetreuung

und Ganztag; welche Konzepte

werden verwirklicht; wie sehen

organisatorische Rahmenbedingungen

aus; Informationen

aus dem Personalrat; Tarifrunde

2009

Kontakt:

Maria Backhaus, Tel.:

02233/9859031

Elke Görgen-Schmickler, Tel.:

0221/419327

Katrin Reininghaus, Tel.:

0221/331647

SEITE 4

FG Berufskollegs

traditioneller Fachgruppen-

Aschermittwoch, 25.02.09 um

17.00 Uhr

kleines Sitzungszimmer 1. OG

Für die Planung bitte per

E-Mail anmelden!

Kontakt:

Mechtild Degen-Sieg, Tel.:

02236/322241, E-Mail:

degen-sieg@web.de

Dietrich Weinkauf, Tel.:

0221/352956, E-Mail:

diwe@wvs-koeln.de

FG Gymnasium

Kontakt: Hans-Josef Vöckel,

Tel.: 0221/626258

FG Kita

Donnerstag, 12.3.09 um 17.30

Uhr

Großer Saal 1. OG

Kontakt: Brunhilde Seeber,

Tel.: 02203/695623 (d)

AK Offener

Ganztag

Kontakt: Max Georg Beier,

Hildegard Merten,

Tel.: 0221/516267

Lehrerräte HOT-MAIL

ab sofort für alle Fragen

lehrerraete@gew-koeln.de


AK LEMK

Montag, 16.2.09, Montag,

16.03.09 und Montag 20.4.09

jeweils um 18.00 Uhr

Besprechungsraum 1. OG

Zu unseren Sitzungen sind

alle Kolleginnen und Kollegen

herzlich eingeladen, die mit

Migrantenkindern arbeiten.

Kontakt: Hassan Taschkale,

Tel.: 02204/55869

Spyros Kostadimas,

Tel.: 02203/14357

AK Angestellte

Lehrkräfte

an jedem ersten Montag im

Monat um 19.00 Uhr im

Besprechungsraum 1. OG

Kontakt: Hans-Peter Persy,

Tel.: 0221/733294

JungeGEW

jeden zweiten Mittwoch im

Monat um 19.30 Uhr

Besprechungsraum 1. OG

Alle Interessierten sind stets

herzlich willkommen!

Kontakt: info@jungegew.de

www.jungegew.de

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ZP 10 Deutsch, Gymnasium

Wer hat Lust auf gemeinsame

Planung oder gelegentlichen

Austausch?

Anfragen unter:

Tel.: 0176/96029427

FACHGRUPPEN & ARBEITSKREISE

von Manfred Etscheid

Jeder ist überall für seine eigene Gesundheit verantwortlich, außer

am Arbeitsplatz, da ist es der Arbeitgeber. Er spürt jedoch nicht

meine Schmerzen. Daraus ergeben sich Konflikte. Die Eltern sind

überall für die Gesundheit ihrer Kinder verantwortlich, außer in

der Schule, da sind es die Lehrerinnen und Lehrer. Sie spüren jedoch

nicht die Schmerzen der Kinder, teilen nur mittelbar die Sorgen der

Eltern. Daraus ergeben sich Konflikte. Im Schulgesetz NRW heißt

es dazu: „Die Schulleiterin oder der Schulleiter ist für die Unfallverhütung

sowie eine wirksame Erste Hilfe und für den Arbeits- und

Gesundheitsschutz verantwortlich“ (§ 59 Abs 6 Ziff. 8). Entsprechend

könnte man auch formulieren: „Die Lehrerin oder der Lehrer

ist während des Unterrichtes für die Unfallverhütung sowie eine

wirksame Erste Hilfe ... verantwortlich.“ Welche Lehrerin oder welcher

Lehrer besitzt einen gültigen, d.h. weniger als zwei Jahre alten

Erste-Hilfe-Schein? Es werden vermutlich wenige sein.

Der Stadtverband Köln führt deshalb in Zusammenarbeit mit

dem DRK Köln, am Freitag, dem 27. und Samstag, dem 28.

März 2009, jeweils 9-17 Uhr, in den Räumen des DGB-Hauses,

Hans-Böckler-Platz 1, 50672 Köln, einen acht Doppelstunden

umfassenden Erste-Hilfe-Kurs durch.

Während des Kurses wird auch über die Einführung eines Schulsanitätsdienstes

gesprochen. Schülerinnen und Schüler können

als Schulsanitäter nämlich für ihre Mitschüler tätig werden.

Der Erste-Hilfe-Kurs für Lehrerinnen und Lehrer findet teilweise

während der Arbeitszeit statt, denn die Fortbildung in Sachen

Gesundheitsschutz hat während der Arbeitszeit zu erfolgen.

Die Kosten für den Kurs übernimmt im Regelfall die gesetzliche

Unfallkasse, d.h. die Unfallkasse des Landes NRW (http://www.

unfallkasse-nrw.de).

Die Unfallkasse stellt für bis zu 20 v. H. der Lehrerinnen und Lehrern

eines Kollegiums Gutscheine aus (sie sind über die Schulleitung

bei Frau Manuela Meyer, Unfallkasse, Tel.: 0211/2808215

oder 2808200 zu bestellen). Mittels eines solchen Gutscheins

werden die Kosten für den Kurs beglichen. Wer keinen Gutschein

erhält, wende sich bitte an den Moderator

Manfred Etscheid

Tel.: 0221/2941774, metscheid@web.de

SEITE 5

Erste-Hilfe-Kurs


Was tun gegen

rechtsextreme Ideologien?

Drei Bausteine für den Unterricht

von Stephan Otten

In den letzten Jahren unterlag

die Auseinandersetzung mit

dem Thema Rechtsextremismus

konjunkturellen Schwankungen.

Es zeigt sich dabei eine

große Verunsicherung, wie

dem Thema begegnet werden

soll. Manche Jugendliche wollen

nichts mehr davon hören,

während anderen der Raum

fehlt, wo sie über Rassismus

und Gewalt reden können.

Auch Erwachsene besitzen

häufig nur geringe Kenntnisse

und die Zeit, um mit Jugendlichen

darüber zu reden. Dass

dieses Thema aber nach wie

vor eine große Relevanz besitzt,

zeigen schon die emotionalen

Auseinandersetzungen zu

diesem Thema in den letzten

Jahren.

Moralische Appelle greifen

bei diesem Thema zu kurz

und die häufig beschworenen

Lösungsansätze wie mehr Bildung

gegen Rechts, „Aufstand

der Anständigen“ und mehr

Zivilcourage werden nicht

nachhaltig umgesetzt. Zugleich

gibt es immer wieder Phasen,

in denen kaum über Rechtsextremismus

diskutiert wird,

obwohl weiterhin Anschläge

und Angriffe stattfinden.

Wir möchten hingegen einen

längerfristigen und kontinuierlichen

Rahmen schaffen, in

denen wir uns gemeinsam mit

Jugendlichen über die Bereiche

DGB JUGEND

Rechtsextremismus, Rassismus,

(moderner) Antisemitismus

und rechtsextreme Organisationen

auseinandersetzen wollen.

Konkret möchten wir uns

mit aktuellen extrem rechten

Parteien in der Kölner Region

und mit unterschiedlichen Formen

rechter Jugendkulturen

beschäftigen. Hier zu bieten

wir folgende drei Bausteine als

Unterrichtseinheiten mit einer

Länge von je vier Schulstunden

an:

Stichwort Rechtsextremismus

und rechter Lifestyle

Was ist „Rechtsrock“? Was sind

rechte Codes und rechte Symbole?

Was verbirgt sich hinter

der Schulhof CD bzw. der

„Objektiv“? Was will und was

tut die extreme Rechte? Rechtsextreme

im Internet? Wo gibt

es Parallelen und wo sind die

Unterschiede zum Nationalsozialismus

(Soziale Frage)?

Stichwort Rassismus

Was ist eigentlich Rassismus

und was ist Diskriminierung?

Wo fängt Rassismus an und wo

hört er auf? Was ist Antisemitismus?

Welche Ausformung

hat Rassismus im Verlauf der

Geschichte eingenommen?

Stichwort rechtsextreme Organisationen

Was verbirgt sich eigentlich

hinter der „Bürgerbewegung

Pro-Köln“? Was sind „Autono-

SEITE 6

me-Nationalisten“? Was ist die

NPD und was sind „Die Grauen

Wölfe“?

Könnte „Pro Köln“ eine Gefahr

für die Demokratie werden?

Was kann man dagegen tun?

Buchung über:

DGB-Jugend Köln Jugendbildungsreferent:

Stephan Otten

Hans-Böckler-Platz 1 50672

Köln Tel.: 0221 500032-11

Email: stephan.otten@dgb.de

www.dgb-region-koeln.de

Sprechstunde

zum Arbeits- und

Gesundheitsschutz

an Schulen

Jeden ersten Dienstag

im Monat

(außer in den Ferien)

von 18-20 Uhr

in der Geschäftsstelle

der GEW-Köln.

Tel.: 0221-516267

Fax: 0221-525446

GEW-Koeln@netcologne.de

oder nach Vereinbarung

Manfred Etscheid

metscheid@web.de


Liebe Freundinnen und

Freunde, sehr geehrte Damen

und Herren,

es ist nie zu spät: Der Deutsche

Bundestag hat erst 2002

die NS-Urteile gegen so genannte

Wehrkraftzersetzer

und Deserteure der Deutschen

Wehrmacht aufgehoben. Zwar

sind die wegen „Kriegsverrats“

Verurteilten noch immer nicht

rehabilitiert, aber ein Anfang

ist gemacht - nach beinahe 65

Jahren!

Der Rat der Stadt Köln hat

beschlossen, den Opfern der

NS-Wehrmachtsjustiz am Appellhofplatz,

zwischen Gericht,

EL-DE-Haus und Stadtmuseum,

ein Denkmal zu setzen.

Den Anstoß gab die zentrale

Gedenkveranstaltung zum 27.

Januar 2006, die den Deserteuren

gewidmet war. Seitdem

haben engagierte Bürgerinnen

und Bürger die Umsetzung der

Denkmalsidee vorangetrieben

und inhaltlich begleitet. Für

die Realisierung des Denkmals

wird ein Wettbewerb ausgelobt.

Unser Ziel ist es, mit 10.000 €

Spenden zur Finanzierung des

Denkmals beizutragen. Wenn

z.B. 100 Kölnerinnen und Kölner

einen ‚Baustein’ für je 100 €

erwerben, hätten wir unser Ziel

schon erreicht.

SPENDENAUFRUF

Selbstverständlich sind auch

kleinere oder größere Spenden

willkommen!

Wenn genügend Kölner/innen

rechtzeitig ihren Beitrag leisten,

kann ein würdiges Denkmal

am 1. September 2009,

dem 70. Jahrestag des Überfalls

Nazi-Deutschlands auf Polen,

eingeweiht werden.

Wir appellieren an Ihren

Bürgersinn, einen Beitrag zur

Realisierung des Denkmals

zu leisten. Geben Sie unseren

Spendenaufruf weiter

in Ihrem Freundeskreis, an

Verwandte, im Kollegenkreis,

bei Geschäftsfreunden. Den

Spenderinnen und Spendern,

die 100 € (oder mehr) geben,

versprechen wir ein „grafisches

Dankeschön“, das ihnen bei

der Einweihung des Denkmals

überreicht wird.

SEITE 7

Deserteur-Denkmal

Kölner Opfer der NS-Militärjustiz

Spenden Sie bitte bald an die

unten aufgeführten Vereinskonten.

Beide Vereine sind

gemeinnützig anerkannt. Ihre

Spenden sind steuerabzugsfähig.

Bitte geben Sie bei der

Überweisung das Stichwort

„Denkmal“ und Ihre Adresse

an.

Herzlichen Dank schon jetzt

für Ihr Engagement!

Für Rückfragen stehen Elvira

Högemann (koelner-friedensforum@web.de)

und Malle

Bensch-Humbach (EL- DE-

Haus@web.de) von der Projektgruppe

„Kölner Opfer der

NS-Militärjustiz“ zur Verfügung.

Informationen über die

Arbeit der Projektgruppe sowie

Hintergrundinformationen

zum Thema finden Sie auch im

Internet unter www.nsdok.de.

Mit freundlichen Grüßen

Peter Liebermann

Verein EL-DE-Haus e.V.:

Postbank Köln, BLZ 370 100

50, Kto. 290 669 501

Rolf Noack

Förderverein Kölner Friedensforum

e.V.:

Sparda-Bank West, BLZ 370

605 90, Kto. 415 72 30


Einladung

Lehrerräte

Fortbildung

(Weiterführung)

24. März 2009

Großer Saal im DGB - Haus

Hans-Böckler-Platz 1

10 Uhr bis 16 Uhr

Gewerkschaft

Erziehung und Wissenschaft

Köln

HIB

Die neue Lehrerausbildung

von Stephanie Walter

Im Rahmen des Bolognaprozesses

wurde die Umstellung

des deutschen Studiensystems

auf stufenweise Bachelor- und

Masterabschlüsse beschlossen.

Auch die Studiengänge mit

dem bisherigen Abschluss

Staatsexamen sind davon betroffen.

In den meisten Bundesländern

erfolgt dies schrittweise und

begann mit der Einführung

der modularisierten Studienordnung.

Ein Fokus soll gelegt

werden auf eine stärkere

Praxisorientierung während

der Ausbildung, die Intensivierung

der Bezüge zwischen den

einzelnen Ausbildungsphasen,

die Einführung studienbegleitender

Prüfungen und Maßnahmen

zur Verbesserung der

Lehrertätigkeit im Hinblick

auf diagnostische und methodische

Kompetenz.

Die Lehramtsstudenten sollen

nun also einen 3-jährigen

Bachelor of Education und im

Anschluss einen 2-jährigen

Master of Education machen.

Der Erwerb des Masters of Education

beinhaltet dann gleichzeitig

das Ersten Staatsexamen

und somit die Zugangsberechtigung

zum Vorbereitungsdienst.

Ein Semester des Masters

soll dabei in der Schule als

SEITE 8

Praktikum verbracht werden

und das Referendariat im Anschluss

auf 12 Monate verkürzt

werden (ab 2011 zunächst auf

18 Monate). Die Dauer des Studiums

verlängert sich jedoch

insofern nicht, da der Master

im Lehramtsstudium für

Grund, Haupt- und Realschulen

und den entsprechenden

Jahrgangsstufen der Gesamtschulen

nur 1 Jahr umfasst, für

die anderen Lehrämter jedoch

2 Jahre umfasst und das Referendariat

verkürzt wird.

Wie aber sollen die Schulen

mit den ganzen Masterstudenten

im Praxissemester

umgehen?

Werden die Lehrer auf diesen

Teil der „Ausbildung“ vorbereitet?

Ist es möglich ein Drittfach zu

studieren?

Wie wird das Referendariat

strukturiert (ab 2011 soll bereits

die Hausarbeit abgeschafft

werden)?

Ab 2010/11 ist die Einführung

in NRW verpflichtend und bis

dahin werden bestimmt noch

viele Fragen und Vorschläge

zur Beantwortung gemacht

werden.

Literatur:

http://www.bildungsserver.de


Lernen über Grenzen

Auf dem Weg zu einer Lernkultur, die

vom Individuum ausgeht

Mit einem Geleitwort

von Vernor Muñoz

Hrsg.; Katrin Höhmann, Rainer Kopp,

Heidemarie Schäfers,

Marianne Demmer

ISBN 978-3-86649-221-9

Wie können wir Lernprozesse befördern,

die vom Individuum ausgehen

und gleichzeitig die Anregungen,

die heterogene Lerngruppen bieten,

nutzen?

Dieser Frage wird in diesem Buch unter

vielerlei Aspekten nachgegangen:

· durch die Klärung lerntheoretischer,

psychologischer und neurobiologischer

Grundlagen

· in Darstellung der anregenden

Bildungspraxis ausgewählter Länder

und der Auseinandersetzung mit ihr

· mit konkreten Anregungen zur Veränderung

und Weiterentwicklung von

Unterricht und Schule bei uns.

Aus dem Inhalt u. a. :

Anne Ratzki, Integration ist mehr

als Sprachunterricht. Die nordischen

Länder und England

Anne Ratzki, Teamarbeit. Basis für

individualisiertes Lernen und individuelles

Fördern

Verlag Barbara Budrich

Stauffenbergstr. 7

51379 Leverkusen-Opladen

www.budrich-verlag.de

GLOSSE

von Arnfried Schenk

Nachruf auf die Tafel

Stumm hängt sie in der Ecke,

ihr Grün etwas matt, die Flügel

eingeklappt, als würde sie

schmollen. Grund hätte sie, keiner

interessiert sich an diesem

Mittag für die Tafel. Im Mittelpunkt

steht eine neue Diva: das

interaktive Whiteboard, mit

angeschlossenem Beamer und

Computer - willkommen an

Bord der Enterprise. Bis 2010

sollen alle Schulen Hamburgs

damit ausgestattet sein. Ein

humanistisches (!) Gymnasium

der Hansestadt ist schon seit

vergangenen Donnerstag so weit

und feierte die Zukunft mit einer

Pressekonferenz. Über das Wunderding

ging ein oscarwürdiges

Blitzlichtgewitter nieder. Hamburg

ist kein Einzelfall, auch aus

Bayern, Berlin und Thüringen

hört man vom nahenden Ende

der Kreidezeit.

Tja, die Tafel und die Kreide,

morgen schon Schnee von gestern?

Es wäre ja übertrieben zu

sagen, dass man sie geliebt hätte,

vor allem, wenn man an sie

gerufen wurde oder sie wischen

musste. Aber vermissen werden

die Schüler sie schon. Vieles

wird mit ihr verschwinden, kein

Tafeldienst mehr, keine Kreideschlachten,

keine Schwammwürfe

mehr, keine Lehrerkarikaturen

mehr, die beim Aufidappen für

hektisches Wischen des Porträtierten

sorgten. Auch manche

Ausrede wird flachfallen:

‚Tschuldigung, ich kann die For-

SEITE 9

mel nicht lesen, die Tafel spiegelt

so. Auch die Aufgabe, Kreide zu

holen, die man aus Solidarität

mit den Hinterbänklern gerne

ausdehnte - aus, vorbei. Und was

wird aus all diesen Lehrern, die

ihren Bildungsauftrag vor allem

darin sahen, ihren Schülern

beizubringen, wie man eine Tafel

saubermacht?

Klar, die neuen können schon

mehr. Spannende Fotos zeigen,

Dinosaurier über den Bildschirm

laufen lassen, Farben

wechseln und so, was Computer

eben so können. Aber wird

die Mehrheit der Lehrer sie je

bedienen können? Die meisten

sind doch schon am Videorecorder

gescheitert. Immerhin wird

dann mal die Lehrerfortbildung

überrannt.

Wenigsten kann auch das

Whiteboard Geräusche machen,

wenn man darauf schreibt. Natürlich

kommt es lange nicht an

das Gänsehaut machende Kreischen

der Kreide heran. Es hört

sich ungefähr so an, wie wenn

man mit dem Finger über eine

nasse Glasscheibe schrubbelt:

iuuu, iuuu. Schwer zu beschreiben,

das interaktive Whiteboard

könnte da sicher gleich eine

Aufnahme abspielen.

(aus: DIE ZEIT, 5/09)


von Detlef Träbert,

www.schulberatungsservice.de

In meiner Lehrerfortbildungs-

Tätigkeit kann ich an der

Nachfrage nach den gewünschten

Themen ablesen, wie die

Nöte in Schule sich im Lauf der

Zeit wandeln. In den letzten

zwei Jahren ist der Wunsch

nach Fortbildungen zum Umgang

mit „schwierigen“ Schülern,

mit Disziplinproblemen

und Verhaltensauffälligkeiten

sprunghaft angestiegen. Und

fast immer nehme ich Überforderungsgefühle

wahr, weil so

viel zu tun ist: Stoffpläne und

Standards erfüllen, individuell

fördern, Konzepte schreiben,

die Schulentwicklung vorantreiben.

Da stören Konflikte

jeder Art nicht nur, sondern

potenzieren den Stress und

lassen einem das Chaos über

dem Kopf zusammenschlagen.

Konfliktbewältigung findet

dann oft nur im Zustand großer

Not und symptombezogen

statt; an Prävention oder gar

BUCHBESPRECHUNG

Mit System durch das Konfliktchaos

Konfliktmanagement ist kaum

zu denken. Es kann kein Zufall

sein, dass genau zu dieser Zeit

das passende Buch auf den

Markt gekommen ist: „Schulische

Konflikte bewältigen“.

Es besteht aus zwei Teilen. Ein

kompakter Theorieteil von

74 Seiten stellt soziologische,

pädagogische, psychologische,

neurobiologische und schulrechtliche

Grundlagen bereit

– das notwendige, handlungsleitende

Basiswissen. Dabei

wird die kollegiumsinterne

Klärung des Bildungs- und Erziehungsauftrags

als Ausgangspunkt

genommen. Das Vermitteln

von Konfliktfähigkeit ist

wesentlicher Teil beider Aufträge.

Und da Gemeinschaften

ohne Konflikte nicht denkbar

sind, ist Konfliktmanagement

ein wesentlicher Bereich der

Schulentwicklung. Der zweite

Teil bietet auf 91 Seiten plus

Anhang das Know How für

die Praxis der Konfliktbewältigung.

Es wird keine Ebene

ausgelassen: Lehrer-Schüler,

Schüler-Schüler, Lehrer-Lehrer,

Lehrer-Schulleiter, Lehrer-Eltern.

Dabei belässt das Buch

es nicht bei Tipps, sondern

stellt zum einen Strategien

vor, beispielsweise das Trainingsraum-Konzept

gegen

Unterrichtsstörungen oder die

Pädagogische Konferenz in

einer Klasse als Anti-Mobbing-

Maßnahme. Zum anderen stellt

es Arbeitsaufgaben, Checklis-

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ten und Kopiervorlagen auf

der beiliegenden CD-ROM

bereit. Ausführlich und mit

Praxisbeispielen angereichert

behandelt das Schlusskapitel

die Zusammenarbeit mit

außerschulischen Partnern,

denn gelegentlich bedarf es

der Vermittlung durch externe

Berater bei einem Konflikt zwischen

Elternhaus und Schule

oder eines Unterstützungsangebotes

der Schulsozialarbeit

bei Konflikten mit und zwischen

Schülern. Das Buch ist

fundiert, konkret und hilfreich

weit über die reine Konfliktbewältigung

im Alltagschaos

hinaus. Es bietet Orientierung

für die Einrichtung oder

Optimierung des Konfliktmanagements

jeder Schule und

unterstützt damit die Schulentwicklungsarbeit.

Auch wenn

es zahlreiche Beispiele und

standardisierte Ablaufschemata

für Konfliktbewältigung vorstellt,

ist es kein Rezeptbuch,

denn jeder Konflikt hat seine

eigenen Kontextbedingungen.

Es liefert Zutaten und eine Idee

vom fertigen Gericht – kochen

können Leserinnen und Leser

dann schon selbst.

Rudolf Knapp, Walter Neubauer,

Harald Gampe (Hrsg.): Schulische

Konflikte bewältigen. Grundlagen

und Praxisorientierungen plus

CD-ROM mit Praxishilfen, Köln

(LinkLuchterhand) 2008, 185 S.

plus CD-ROM, € 34,-


40 Jahre Mitgliedschaft in der GEW

Jubilare 2008 und 2009

Elisabeth Emmerich

Maria-Therese Gassen

Volker Kanth

Karl Lennartz

Helga Löbbert

Ingo Lörcher

Wilhelm Meeger

Sabine Oetz für Otto Oetz

Brunhilde Seeber

Hildegard Sterz

25 Jahre Mitgliedschaft in der GEW

Jubilare 2008

Ellen Berthmann

Dagmar Feider

Rüdiger Hartmann

Reinhold Kalbfuß

Sabine Piehl

Margret Rose

Jutta Schmitz

Jochen Schremmer

Elfriede Strzelczyk

Gülsen Yikilmis

25 Jahre Mitgliedschaft in der GEW

Jubilare 2009

Rita Bartling

Horst Breitkreutz

Marlies Brück

Bernhard Herting

Ulrich Hoffmann

Karl-Ernst Jelkmann

Jörg Klusemann

Gudrun Neumann

Hilde Schroeder

Klaus Süßenbach

Zsuzsanna Szladek-Szuek

Brigitta von Bülow

JUBILARE 2008 UND 2009

Fotos: Bender PR www.benderpr.de

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G 10629 F Postvertriebsstück DPA Entgelt bezahlt

Nr. 1 GEW forum Hans-Böckler-Platz 1 50672 Köln

Einladung

zur Jahreshauptversammlung

am Mittwoch, 11. März 2009 um 18.00 Uhr

Großer Saal des Kölner DGB-Hauses,

Hans-Böckler-Platz 1


Tagesordnung

Ganztag in Köln

- offen - halb - gebunden

Eine Bestandsaufnahme


Pause

Rechenschaftsbericht

Kassenbericht und Haushaltsansatz

Entlastung des Vorstandes

Anträge

(bitte beim GA vorher einreichen, damit sie für alle kopiert vorliegen)

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