Indianische Gegenwart - Aktionsgruppe Indianer und ...

aktionsgruppe.de

Indianische Gegenwart - Aktionsgruppe Indianer und ...

ISSN 0939-4362 Postvertriebsstück B 30651 F

CO COYOTE CO TE

Indianische Gegenwart

Entwicklungen – Hintergründe – Engagement

Working Group on

Indigenous

Populations

Zeichen auf Sturm

Sun Peaks

Kein Recht auf Land?

Lubicon Cree

18 Monate Frist

Lakota

Zauber der Prärie

Lebendige Kultur

Potlatch

Literatur

Film

Preis 4,50 Euro / 8,00 SFr - Nr. 55 - Herbst 2002


Inhaltsverzeichnis + Inhaltsverzeichnis + Inhaltsverzeichnis + Inhaltsverzeichnis

NEWS Kurznachrichten .......................................................................................................4

Politik

WSSD Johannesburg-Gipfel:

Indigene fordern ihre Rechte ....................................................................................8

WGIP Working Group on Indigenous Populations:

Zeichen auf Sturm. ...................................................................................................9

SUN PEAKS Sun Peaks:

Kein Recht auf Land für die Secwepemc? ............................................................. 11

LUBICON CREE 18 Monate Frist bis zur Klärung der Landrechtsfragen..........................................15

IPPERWASH Verdrängt und vertuscht .........................................................................................17

LAKOTA Zauber der Prärie

Neues aus dem land der Lakota .............................................................................18

WESTERN SHOSHONE Atomendlager auf Land der Western Shoshone beschlossen

Inter-American Commission on Human Rights verurteilt USA.............................. 23

CHIAPAS Chiapas erneut in der Schusslinie...........................................................................28

Kultur

POTLATCH Potlach als Benefizvenastaltung .............................................................................25

RELIGION Globaliesierung indianischer Religionen?

Eine Spurensuche im World-Wide-Web .................................................................. 26

LITERATUR „Slash“ von Jeanette Armstrong .............................................................................29

Pauline Johnson:

Mohawk-Dichterin und Popstar der Jahrhundertwende ........................................31

„A to Z of Native American Women“ von Liz Sonneborn .....................................35

Büffelfrau und Wofsmann

Indianische Märchen zusammengestellt von Frederik Hetmann ............................36

„On A Move“

Die Lebensgeschichte Mumia Abu Jamals von Terry Bisson .................................37

FILM „Windtalkers“ – Hollywoods Heldenkino ..............................................................39

Antanarjuat – The Fast Runner ..............................................................................41

MUSIK „Bone Days“

John Trudells neue CD...........................................................................................42

KINDERSEITE Videobesprechung: Was ist das? Achtung Indianerschund! ...................................44

Service Impressum ..............................................................................................................45

Bestellformular ......................................................................................................46

Sales Corner ...........................................................................................................47

Titelbild: Indianische Kinder beim Powwow

Foto: AGIM

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Liebe Leserinnen und Leser,

COYOTE 3/02

München, im September 2002

aus guter Tradition berichten wir in der Herbstausgabe des Coyote über die jüngsten Ereignisse und Entwicklungen bei

den Vereinten Nationen, insbesondere über die Working Group on Indigenous Populations vom Juli des Jahres. Diesmal

erfährt unsere Berichterstattung jedoch besondere Brisanz, da es genau diese Arbeitsgruppe schon bald nicht mehr

geben könnte. Wir möchten daher speziell auf unsere Aktion zum Erhalt der WGIP hinweisen, da dies das einzige

Gremium innerhalb der UN ist, das indigenen Vertretern weltweit nahezu unbeschränkt die Möglichkeit zur Teilnahme

gewährt. Gerade im Hinblick auf die „Entlassung“ der für die Ureinwohnerrechte engagierten Hochkommissarin für

Menschenrechte, Mary Robinson, sind die indigenen Völker auf unsere Unterstützung angewiesen. (Wir schicken

gerne auch Flyer und Unterschriftenlisten).

Solidarität ist aber ebenso für die Secwepemc erforderlich (siehe Artikel im Heft), die sich weiterhin gegen die Zerstörung

ihres Landes durch Skigebiete und Immobilien- und Investitionsfirmen zur Wehr setzen müssen. Auch hier bitten

wir um Unterstützung und Beteiligung an unseren Kampagnen, zumal gerade drei Secwepemc für die Verteidigung

ihres Landes und ihrer Lebensweise verurteilt wurden. Auch hierzu ist weiteres Material erhältlich und Rückmeldung

erwünscht.

Weitere Bereiche bedürfen dringend der Unterstützung und die im Heft enthaltenen Protetbriefe und -vorschläge bieten

die Möglichkeit, nicht nur Anteil zu nehmen, sondern sich konkret zu engagieren. Mit der Ankündigung des derzeitigen

kanadischen Premiers Jean Chretien fürchten auch die Lubicon Cree um ihre Verhandlungsmöglichkeiten und

die Durchsetzung ihrer Rechte. Die Western Shoshone haben nicht nur einen Rückschlag im Kampf gegen das atomare

Endlager in den Yucca Mountains erlitten, sondern müssen sich weiterhin gegen den Ausverkauf ihrer Landrechte zur

Wehr setzen. Leider hat sich auch die Situation in Chiapas mit der gerichtlichen Bestätigung des infamen „Ley Indigena“

wieder verschärft und nur durch massive Berichterstattung und entschiedenen Protest können weitere Massaker

verhindert werden.

Viele der Probleme, denen die indigenen Völker ausgesetzt sind, sind globaler Natur. Nach den Ausführungen zur

globalen Vermarktung und Ausbeutung indianischen Kunsthandwerks, schließt sich diesmal ein Artikel an, der sich

mit der Globalisierung indianischer Religion und Spiritualität befasst. Während auf der einen Seite brutale Wirtschaftsinteressen

ihre Lebensgrundlagen zerstören, raubt die Ausbeutung ihrer Religion - auch hier in Europa - ihnen die

eigene Identität. Da dieser Komplex der Globalisierung viele beschäftigt und zunehmend auf Widerstand stößt, soll in

der nächsten Ausgabe eine umfassendere Untersuchung folgen, in wie weit gerade die indigenen Völker besonders von

den Auswirkungen der Globalisierung betroffen werden.

Die nun leider hinter uns liegende Sommerzeit ist auch Reisezeit, und wir freuen uns über zwei engagierte Reisende,

die für uns bei den Lakota waren und über den aktuellen Stand des Büffelprojekts sowie des Hanfanbaus auf der Pine

Ridge Reservation berichten können.

Angesichts der vielfältigen Probleme, über die wir wieder berichten müssen, möchten wir auch etwas „Entspannung“

bieten und halten hierfür in dieser Ausgabe zahlreiche Artikel zur Kultur - Buchrezensionen, Filmbesprechungen,

Musikeindrücke - bereit, die jedoch ihren gleichzeitig politischen Anspruch nicht verhehlen.

Abschließend möchten wir noch auf unsere erweiterte Sales Corner verweisen. Neuzugänge sind u.a. das Buch „Der

Walfänger“ von A. Babendererde, das wir im letzten Heft vorgestellt haben, sowie ein Soli-T-Shirt für Leonard Peltier.

Monika Seiller

P.S.: Die für den Herbst bzw. den 12. Oktober geplante Aktion musste leider abgesagt werden. Wir wollten ursprünglich am 12.10. zum Anti-

Kolumbus-Tag eine Kundgebung und Demonstration in München veranstalten. Doch leider wird just an diesem Tag die überarbeitete Ausstellung

„Verbrechen der deutschen Wehrmacht“ des Hamburger Instituts für Sozialforschung in München wiedereröffnet. Kundgebungen der Faschisten

wurden bereits genehmigt, ebenso Gegendemonstrationen. In letzter Zeit lässt sich in erschreckendem Maße feststellen, dass eigentlich linke,

gerade auch globalisierungskritische Positionen von rechtsextremer Seite besetzt werden, die an sich richtige Aussage instrumentalisieren und

missbrauchen. Wir wollten uns bewusst dem entgegenstellen und verhindern dass Nazis ihre rassistische Politik mit dem Argument kaschieren, die

Amis hätten die Indianer umgebracht, also könnte man die deutsche Geschichte und deren Verbrechen relativistisch legitimieren. Wir werden

jedoch die Aktionen in anderer Form fortsetzen. Einstweilen sei auf die Protestbriefaktionen und das Potlatch im Januar verwiesen.

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News + News +News +News + News + News +News +News + News + News

Almosen statt Vertragstreue

Eine Pressekonferenz des kanadischen Indianerministers

Robert Nault am 15. August in Ottawa war Anlass für die

Algonquins of Barriere Lake, in die Hautptstadt zu kommen

und für ihre Rechte zu demonstrieren. Doch der Minister

weigerte sich, die Indianer und ihren Chief Harry

Wawatie zu empfangen. Nach der Pressekonferenz, auf

der Nault seinen Finanzplan vorstellte, schwang sich der

Minister in seine Limousine und fuhr an dem Protestzug

der Indianer an der National Press Gallery vorbei, wobei

aus seinem Auto den Indianern eine 25-Cent-Münze vor

die Füße geworfen wurde. Das scheint alles zu sein, was

Nault für die Indianer übrig hat, denn den finanziellen

Verpflichtungen seines Ministeriums aus dem Trilateral

Agreement, das zwischen den Algonquin, dem Bund und

der Provinz abgeschlossen wurde, sowie aus dem Memorandum

of Mutual Understanding von 1997 verweigert

sich Nault bislang. Die vereinbarten 1,2 Millionen Dollar,

mit denen die desolate Wohnsituation der Algonquin

gelindert und neue Arbeitsplätze geschaffen werden sollten

– teilweise leben über 20 Personen in einer Wohnung

und die Arbeitslosenquote liegt über 80% –, haben die

Indianer nie erreicht.

Chief Harry Wawatie hat die Münze nun an Nault zurückgeschickt

und verlangt die Einhaltung des Vertrags durch

das Ministerium.

Infos: www.ubcic.bc.ca

Protestbriefe an Robert Nault

Minister of Indian Affairs and Northern Development

House of Commons

Ottawa, Canada

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Gerichtserfolg für Haida

Am 19. August 2002 entschied das Berufungsgericht von

British Columbia zugunsten der Haida, daß sowohl die

Provinz als auch das Unternehmen Weyerhaeuser zu Konsultation

mit den Indianern verpflichtet sind, wenn sie auf

deren Gebiet Holz fällen wollen. Die Gegenseite hatte eine

solche Verpflichtung stets abgelehnt und auf die Rechtslage

verwiesen, der zufolge der Rechtstitel über das Land

nicht geklärt sei und somit die Indianer kein Mitspracherecht

hätten. Das Gericht lehnte diese Auffassung eindeutig

ab, und entschied, daß die Indianer unabhängig von

der Landrechtsfrage konsultiert werden müssen.

UBCIC stellt sich hinter Fischereirechte

Chief Stewart Phillip, Präsident der Union of British Columbia

Indian Chiefs, Grand Chief Ed John vom First

Nations Summit und Arnie Narcisse, Vorsitzender der

British Columbia Aboriginal Fisheries Commission, demonstrierten

am 03.08. ihre Solidarität und Unterstützung

für die Fischereirechte der Musqueam und Tsawassen First

Nations, als deren Fischerboote sich über hundert Booten

von weißen Protestteilnehmern gegenüber sahen, welche

die Indigenen an der Ausübung ihres Fischfangrechts hindern

wollten.

Chief Phillip erhob dabei schwere Vorwürfe gegen das

Fischereiministerium, das lediglich 20 Mann geschickt

hatte, um das verbürgte Recht der Indianer zu schützen.

„Es ist offensichtlich, dass in diesem Land zweierlei Recht

existiert – eines für Kanadier und ein anderes für Indigene.

Wenn wir demonstrieren, entsendet das Ministerium

hunderte Beamte und RCMP-Leute, Küstenwache und

Hubschrauber, um uns zu kontrollieren und zu drangsalieren.

Unsere Boote werden beschlagnahmt und unsere

Leute wandern in den Knast. Doch was passiert hier? Die

kanadische Fischereilobby bedroht uns, aber die Beamten

schauen nur zu.“ Der Konflikt schwelt seit langem

zwischen der mächtigen Fischindustrie und den indgenen

Fischern, die nur ihr Recht wahrnehmen. Mit heuchlerischen

Hetzkampagnen wird den Indianern unterstellt, sie

würden den Fischbestand gefährden, während gleichzeitig

die Industrie mit brachialsten Methoden alles aus dem

Wasser holt, was noch zu haben ist, und dabei auch noch

von der Regierung unterstützt wird. „Ich war selbst Zeuge

des brutalen Polizeivorgehens bei Burnt Church und

bei Cheam“, so Phillip, „und nichts hat sich geändert.“

Einen neuen Hoffnungsschimmer verspricht allerdings ein

Abkommen zwischen der Bundesregierung und den Mikmaq

von Burnt Church, das Ende Juli von den Indianern

angenommen wurde. Die Mikmaq verteidigen seit Jahren

ihr Recht auf Fischerei und vor allem auf den Hummerfang.

Immer wieder war es dabei zu heftigsten Auseinandersetzung

mit den Regierungsbehörden und zu Angriffen

von weißen Rassisten gekommen. Das neue Abkommen,

das keine Aufgabe ihres traditionellen Rechts bedeutet,

wie die Mikmaq betonen, soll ihnen Lizenzen für

den Hummerfang im Frühjahr zusichern und im Rahmen

eines 20-Millionen-Dollar-Programms neue Ausbildungsund

Arbeitsmöglichkeiten bieten. Das Abkommen wurde

bereits in den nationalen Medien heftig kritisiert. Ein

höchst tendenziöser Bericht der National Post wetterte,

dass das „illegale“ Fischen der Indianer den Hummerbestand

ausrotte und nun auch noch belohnt werde. Erst letztes

Jahr war es wieder zu einem Schusswechsel gekommen,

bei dem mehrere Mikmaq verhaftet wurden, die Gegenseite

jedoch, die das Feuer eröffnet hatte, unbehelligt

blieb. Bleibt abzuwarten, ob Ottawa wirklich sein Versprechen

hält oder der Worte von Chief Philip wieder

einmal bestätigt werden.

Info www.ubcic.bc.ca oder www.turtleisland.org

4 COYOTE 3/02


News + News +News +News + News + News +News +News + News + News

Kaska-Abkommen kurz vor dem Abschluß

Robert Nault, Chef des Ministeriums für indianische Angelegenheiten

und nördliche Entwicklung (IAND), ist uns

nicht gerade als Förderer der indianischen Rechte bekannt,

doch gibt es ausnahmsweise Positives zu berichten. Am

24.05.2002 erklärte er, ein „Memorandum of Understanding

(MOU) on Forest Stewardship“ zwischen der Kaska

First Nation in Yukon abschließen zu wollen, das nun kurz

vor der Fertigstellung steht. 80% des Holzvorkommens

der Provinz liegt auf dem traditionellen Gebiet der Kaska,

die – wie andere indianische Nationen – ihren Landtitel

niemals aufgegeben haben. Bislang gab es keinerlei

Nutzungspläne oder ein Forstmanagement, das diesen Namen

verdient.

Anfang des Jahres berief Nault George Tough als Sonderbeauftragten,

der sich mit der Holzindustrie, Umweltschützern

und Indigenen traf und einen Bericht verfasste,

in dem er die bisherige Politik des Ministeriums in deutlichen

Worten kritisierte. Im Bericht „Yukon Forestry Issues:

A Reality Check and a New Direction“ fordert er endlich

detaillierte Nutzungspläne, welche die Interessen aller

Betroffenen, also auch der Kaska, berücksichtigen sollen,

und bei Yukons größter NGO, der Yukon Conservation

Society, auf breite Zustimmung stößt.

Ausgestattet mit einem Budget von zwei Millionen Dollar

für die nächsten beiden Jahre soll nun das Abkommen

Wirklichkeit werden.

Infos: www.ycs.yk.ca

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COYOTE 3/02

Kanadische Versprechen

Am 02.09.2002 kündigte der kanadische Premierminister

Jean Chretien an, das Kyoto-Protokoll zu unterstützen und

bis Ende des Jahres durch das Parlament ratifizieren zu

lassen. Zudem wollen die beiden in Johannesburg vertretenen

Minister für Umwelt, David Anderson, und Entwicklungshilfe,

Susan Whalen, die kanadische Finanzbeihilfe

zum UN-Umweltprogramm UNEP um 5,7 Millionen

Dollar aufstocken sowie weitere 1,5 Millionen für das UN

Global Environmental Monitoring System zur Verfügung

stellen.

Damit stellt sich Kanada gegen die erklärte Politik der

USA und sorgte für weitere Differenzen, indem es im

Agrarsektor dem südlichen Nachbarn aufgrund der Subventionen

wettbewerbswidriges Verhalten vorwarf.

Kanada möchte sich einmal mehr in der Weltöffentlichkeit

profilieren, um von den eigenen Umweltsünden abzulenken.

Umsatz statt Umwelt

Nachdem Präsident Bush am 22. August sich – unter dem

Vorwand der Maßnahmen gegen die heftigen diesjährigen

Waldbrände in den USA – für höhere Holzschlagquoten

ausgesprochen hatte, soll den Plänen nun die rechtliche

Grundlage nachgeschoben werden. Unternehmerfreund

Bush will nichts Geringeres, als das zentrale Umweltgesetz

der USA, den National Environmental Protection

Policy Act (NEPA) von 1970 auszuhöhlen. Das Weiße

Haus sprach von einer längst überfälligen „Modernisierung“,

die zwar auch Umweltschützer fordern, nur in

entgegengesetzter Richtung.

Vor allem die großen Konzerne sehen in dem Gesetz ein

Hindernis für ihre Wirtschaftsinteressen, denn die darin

enthaltenen Bestimmungen verlangen detaillierte Umweltstudien

und öffentliche Anhörungen, bevor Unternehmenspläne,

die von weitreichender Auswirkung auf die Umwelt

sind, genehmigt werden. Besonders in hochsensiblen

Ökosystemen war der NEPA oft der letzte Rettungsanker

gegen die unwiderrufliche Zerstörung einzigartigen

Lebensraums, obgleich Sondergenehmigungen immer

wieder die Bestimmungen zu unterwandern trachten (z.B.

bei den Blackfeet).

Bush ist der Umsatz der Unternehmen und damit die heimische

wirtschaftliche Stimmungslage (schließlich sind

ja bald wieder Wahlen) wichtiger als der Umweltschutz.

Wer das Kyoto-Protokoll ablehnt und nicht einmal für

nötig erachtet, in Johannesburg beim UN-Weltgipfel für

Nachhaltige Entwicklung präsent zu sein, wird sich doch

nicht mit einem heimischen Umweltgesetz rumschlagen.

Ein Sondergremium von neuen Mitgliedern soll nun bis

Ende September Anhörungen durchführen und Anfang

nächsten Jahres einen Bericht zur „Überarbeitung“ des

NEPA vorlegen.

Wichtigster Kritikpunkt der Umweltschützer ist die geplante

Beschneidung des juristischen Einspruchrechts

gegen Holzeinschlag auf Bundesebene. Weitere Änderungen

betreffen nicht nur den Schutz der Küstengewässer

(Bestand der Wale etc.), sondern nahezu alle Bereiche des

Umweltschutzes, der nach Befürchtungen der Kritiker um

Jahrzehnte zurückgeworfen werden könnte.

Infos: www.truthout.org

Regelmäßige Treffen der AGIM

Jeden Montag in München,

Frohschammerstr.14, (U-Bahn Petuelring

bzw. Milbertshofener Str.)

Offen für alle Interessierten - Wir suchen

Menschen die sich aktiv engagieren wollen.

Meldet Euch! 089 / 35 65 18 36

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News + News +News +News + News + News +News +News + News + News

10 Jahre Taiga Rescue Network

Vor 10 Jahren trafen sich 120 Leute – darunter auch ein

Vertreter der Aktionsgruppe Indianer & Menschenrechte

– im nördlichen Jokkmok, um das Taiga Rescue Network

ins Leben zu rufen. Initiiert von einer Koalition aus NGOs

und Indigenen traf man sich drei Tage lang zu einer Konferenz

zum Thema „Boreale Wälder“, aus der schließlich

das Netzwerk mit inzwischen 200 Organisationen hervorging.

Das Hauptanliegen des Treffens war der Schutz der

borealen Wälder, die sich über den Norden Amerikas,

Russlands und Europas erstrecken. Die Rettung der Wälder

war damals hauptsächlich auf den Tropenwald fokussiert,

obgleich das meiste in Westeuropa verbrauchte Papier

von borealen Hölzern stammt.

Der größte Erfolg des TRN, das sich u.a. auch der Unterstützung

der Lubicon Cree anschloss, war das Moratorium

von Urwäldern im Norden Rußlands, das seit 1996

besteht.

Die diesjährige Konferenz findet vom 20. bis 22. September

in Winnipeg, Kanada, statt. Kanada verfügt (noch)

über 1/3 des gesamten weltweiten borealen Waldes. Jüngst

hat Quebec 13.000 Quadratkilometer borealen Walds zum

Schutzgebiet erklärt; das größte Gebiet liegt dabei im

Natashquam River Valley. Darüber hinaus haben sich vier

First Nations – Pikangikum, Popular River, Paungassi und

Little Grand Rapids – in Ontario und Manitoba zusammengeschlossen,

um über die Provinzgrenzen hinaus, ihre

traditionellen Gebiete besser schützen zu können.

Infos unter:

www.taigarescue.org

www.cpaws.org

www.shawbiz.ca Peltier-Bewährung abgelehnt

○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○

Lakota könnten US-Senatswahl kippen

Mit Unterstützung der angesehenen und mächtigen Bürgerrechtsorganisation

American Civil Liberties Union

(ACLU) haben vier Lakota im US-Bundesstaat South

Dakota am 5. August 2002 eine Klage gegen das Wahlsystem

eingereicht, die sogar die Durchführung der Wahlen

zum US-Senat im November gefährden könnte.

Im Zentrum des größten Wahlrechtsstreits, den es bislang

in den USA gab, stehen zwei Wahlbezirke – Shannon

County auf der Pine Ridge Reservation und Todd County

auf der Rosebud Reservation – mit überwiegend indianischer

Bevölkerung, die im Widerspruch zumVoting Rights

Act (VRA) stehen. Mit einem Gesamtanteil von 8% im

Staat South Dakota könnte durch das sogenannte „Blocking“

die indianische Bevölkerung und deren Wahlentscheidung

marginalisiert werden. Die Klage verweist darauf,

daß über 600 Statuten in den vergangenen 30 Jahren

die nötige Absegnung der Bundesebene nicht erhalten

hätten, und nun, so ACLU-Anwalt Bryan, alle überprüft

werden müssen. Von zentraler Bedeutung ist hierbei Abschnitt

5 des VRA von 1965, der 1975 ergänzt wurde und

verlangt, dass alle Wahländerungen, die diskrimierenden

Effekt haben könnten, von Bundesgerichten bzw. dem

Justizministerium genehmigt werden müssen. Dies trifft

insbesondere auf Wahlbezirke mit zweisprachiger Bevölkerung

zu, wie beispielsweise die beiden genannten Bezirke

Shannon und Todd. Bereits in den 60er Jahren klagten

schwarze Organisationen gegen die Mißachtung ihrer

Minderheitenrechte und rassistische Wahlkreisaufteilung

mit Erfolg, denn sie gaben den Anstoß für den VRA. „1975

wurde ein gesonderter Passus eingefügt, der von seiten

der Bundesebene garantieren sollte, dass die Wahlgesetze

der einzelnen Bundesstaaten jene Bevölkerungen, die in

der Geschichte bereits Opfer von Diskriminierungen waren,

angemessen berücksichtigen. Doch seit Anbeginn hat

sich South Dakota gegen dieses Gesetz gesträubt und gegen

dessen Bestimmungen verstoßen.“, erläuterte Jennifer

Ring, Regionaldirektorin der ACLU, die Lage.

Joyce Hazeltine, derzeitige Ministerin für Bundesangelegenheiten

von South Dakota, weist die Vorwürfe zurück.

Sollte jedoch das Gericht, bei dem die Klage eingereicht

wurde, sich für nicht zuständig erklären und den Fall an

das Justizministerium zu Entscheidung weiterreichen,

könnte die planmäßige Durchführung der Novemberwahl

zur Disposition stehen. Sowohl der Innenminister des US-

Bundesstaats wie auch das Justizministerium schrecken

bislang vor einer Stellungnahme zurück.

Infos:

www.aclu.org

www.indiancountry.com

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Am 09.07.2002 tagte der Bewährungsausschuss zum Fall

des indianischen Gefangenen Leonard Peltier, der unschuldig

wegen Mordes seit einem Vierteljahrhundert im Gefängnis

sitzt. Erwartungsgemäß lehnte der Ausschuss eine

Aussetzung der Strafe auf Bewährung ab. Die nächste

Möglichkeit einer Bewährungsanhörung ergibt sich somit

erst wieder 2008.

Unterdessen zeigt die Bemühung des Leonard Peltier

Defense Committee (LPDC) zur Freigabe von FBI-Akten

weitere Erfolge. Ingesamt wird das Aktenmaterial auf

ca. 100.000 Dokumentseiten geschätzt, von denen bislang

30.000 an Peltiers Anwälte herausgegeben wurden. Zuvor

hatte das FBI stets behauptet, es handle sich lediglich um

6.000 Seiten. Zur Auswertung der Dokumente will das

LPDC weitere Mitarbeiter und Anwälte gewinnen, doch

ist dieser Aufwand mit ehrenamtlichen Helfern nicht mehr

zu bewältigen. Die Kosten hierfür (technische Ausstattung,

Mitarbeiter, Anwälte) dürften sich auf rund 200.000

US-Dollar belaufen.

Das LPDC hat daher zu Spenden aufgerufen und bittet

um Unterstützung.

Infos: www.freepeltier.org

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News + News +News +News + News + News +News +News + News + News

Erst Referendum, dann neues Bundesgesetz

Indianerminister Robert Nault hat im Sommer ein neues

Gesetz vorgelegt, das die bestehenden Regelungen des

Indian Act teilweise aufhebt – das First Nations Governance

Act. Die kanadische Bundesregierung greift damit

massiv in indianische Rechte ein, ohne sich an das versprechen

zu halten, jede rechtliche Neuregelung nur unter

aktiver Einbeziehung der Betroffenen vorzunehmen.

Dabei hatte sie gerade eine solche Vorgehensweise erst

jüngst am Fall des Treaty Referendum in British Columbia

kritisiert.

Die Regierung der kanadischen Pazifikprovinz British

Columbia verweigert sich einer wirklichen Lösung der

indianischen Landrechte und Anerkennung der rechte der

First Nations. Selbst der von der Provinzregierung eingesetzte

Prozess der Vertragsverhandlungen, der von verschiedenen

indianischen Nationen mit Verweis auf ihre

unveräußerten Rechte abgelehnt wird, wurde ergebnislos

verschleppt und verhindert. Um sich aus der Verantwortung

zu stehlen, erfand die Regierung von Premier Gordon

Campbell daher ein Referendum, in welchem die

Bevölkerung der Provinz in verfassungswidriger Weise

über die Rechte der Indianer entscheiden sollte.

Der entschiedene Protest von indianischer Seite fand breite

Unterstützung (Gewerkschaften, Wirtschaftsverbände,

Umwelt- und Menschenrechtorganisationen) und wurde

in der Öffentlichkeit medienweit diskutiert mit dem Ergebnis,

dass lediglich 34,5 % der Bevölkerung an der Wahl

teilnahmen, während fast 75 % dem Boykottaufruf folgten

und sich mit den Indigenen solidarisierten. Die Fragen

des Referendums waren nicht nur von diskriminierendem

Charakter, sondern standen auch in Widerspruchs

zu jüngsten Gerichtsentscheiden (Haida, Taku River Tlingit,

Delgamuukw), in denen die Rechte der Indianer bestätigt

wurden.

Auch die Regierung von Jean Chretien war zunächst gar

nicht begeistert von dem Referendum, da die indianischen

Angelegenheiten nicht den einzelnen Provinzen, sondern

der Bundesebene obliegt. Doch kaum war das Ergebnis

des Referendums bekannt geworden, bei dem sich eine

Minderheit klar hinter die Abschaffung indianischer Rechte,

wie sie die Campbell-Regierung betreibt, stellte,

schwenkte Ottawa um.

John Sinclair beim Lesen unseres Infomaterials in Genf - Foto: AGIM

COYOTE 3/02

Auch bei den Vereinten Nationen, deren Arbeitsgruppe

für indigene Völker gerade Ende Juli in Genf tagte, warb

der kanadische Regierungsvertreter John Sinclair mit dicken

Hochglanzbroschüren für das neue Gesetzesvorhaben.

Unterdessen erklären indianische Organisationen –

von der Union of British Columbia Indian Chiefs bis zur

Assembly of First Nations – ihre eindeutige Ablehnung

eines Gesetzes, das über sie bestimmt, ohne jedoch vorher

gefragt worden zu sein. Das Gesetz soll im November

dem Parlament vorgelegt werden, das weitere Verfahren

ist noch ungewiss.

○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○

Gericht bestätigt Walfang der Makah

Am 08.08.2002 wies der US-Bundesrichter Franklin Burgess

die Berufung von Umweltschützern gegen den Walfang

der Makah ab (vgl. Coyote 2/02). Die Entscheidung

bedeutet einen weiteren Sieg der Makah, nachdem ihr Walfangrecht

erst im Mai von der Internationalen Walfangkommission

bestätigt wurde. Gemäß einem Vertrag zwischen

den Makah und der US-Regierung von 1855 ist ihr

Recht explizit verankert, doch haben sie nach einer 80jährigen

Pause erst 1999 wieder den Walfang aufgenommen

und seitdem nur einen Wal nach strengen Regeln erlegt.

Die Walpopulation wird auf 26.000 Tiere geschätzt und

ist damit keinesfalls im Bestand bedroht.

○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○

Wasserhahn abgedreht

Die Situation der noch rund 2.000 Dineh, die sich der

Umsiedlung von ihrem traditionellen Land im US-Bundesstaat

Arizona widersetzen, wird immer schwieriger.

Neben dem politischen und teils physischen Druck von

seiten des BIA und des Hopi-Stammesrats kommt nun auch

die Belastung durch die außergewöhnliche Dürre des Jahres

hinzu. Kaum mehr in der Lage, ihre Schafzucht auf

diesem ohnehin kargen Land aufrecht zu erhalten, hat ihnen

das BIA seit März auch noch die Wasserversorgung

durch den Rocky Bridge Watertower unterbunden. Von

der Maßnahme sind jedoch nicht nur die Leute auf dem

inzwischen durch Umsiedlungsgesetz und Accomodation

Agreement von 1996 abgetrennten Gebiet, sondern

insgesamt 4.000 Dineh betroffen. Während den Indianern

der Wasserhahn abgedreht wird, verschleudert Peabody

Coal zum Transport der auf dem Indianerland gewonnenen

Kohle täglich Millionen Liter Wasser.

Protestbriefe an:

Neal McCaleb,

Assistent Secretary Bureau of Indian Affairs

1849 C Street NW Mail Stop 4140

Washington, D.C. 20240, USA

Nachrichten: Monika Seiller

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Unmittelbar vor dem WSSD tagte der

„International Indigenous Peoples

Summit on Sustainable Development“

vom 20. bis 23. August in Kimberley,

Südafrika, der in seiner Deklaration

beklagte, dass die Versprechungen

zu ihrer Teilnahme und Einbeziehungen

in die internationalen

Entwicklungen und Programme, die

in der Deklaration von Rio 1992 verkündet

worden waren, in keiner Weise

umgesetzt wurden. In der Kimberley-Deklaration

werden alle Aspekte

berührt, von denen die indigenen

Völker im Zuge der Globalisierung

betroffen sind: Selbstbestimmung,

Land- und Ressourcenrechte, Schutz

des traditionellen Wissens, Auswirkungen

umfangreicher Entwicklungsprogramme

und Handelsabkommen.

„Die nationale, regionale und internationale

Anerkennung der indigenen

Völker ist von zentraler Bedeutung

für den Schutz der Menschenrechte

und die Nachhaltigkeit der natürlichen

Ressourcen“, heißt es in der

Kimberley-Deklaration. „Die wirtschaftliche

Globalisierung bedeutet

eines der Haupthindernisse für die

Anerkennung der Rechte der indigenen

Völker. Transnationale Unternehmen

und Industrieländer bestimmen

die Agenda der Verhandlungen und

Abkommen des UN-Systems, der

Weltbank, des IWF, der WTO und

anderer Organisationen und beschneiden

damit die Rechte, die in nationalen

Verfassungen und internationalen

Abkommen manifestiert sind. Das

System rücksichtloser Ausbeutung

und hemmungslosen Konsums führt

zu Klimaveränderungen, Umweltzerstörung

und vertreibt uns von unserem

traditionellen Land. Die Politik

endet in Armut und Elend. (...) Wir

fordern daher eine ‚Weltkonferenz

über Indigene Völker und nachhaltige

Entwicklung‘ als Höhepunkt der

Internationalen UN-Dekade der Indigenen

Völker und in Ergänzung des

WSSD.“

WSSD

Johannesburg-Gipfel:Indigene fordern ihre Rechte

Vom 26.08. bis 4.09. tagte in Südafrika der World Summit on Sustainable Development (WSSD), der zehn

Jahre nach der Umweltkonferenz von Rio den Stand der Ergebnisse festhalten und neue Maßnahmen zum

Umweltschutz und nachhaltiger Entwicklung beschließen sollte. Von diesen Entwicklungen betroffen sind

auch die Ureinwohner weltweit, doch von ihnen wurde in den Medien nicht berichtet.

Die Deklaration wurde beim WSSD

eingereicht und führte erstmals zu der

lange geforderten Verwendung des

Begriffs der „Peoples“ also der indigenen

Völker, gegen den sich viele

Staaten wie die USA oder Kanada

wehren, denn im Gegensatz zu den

üblichen Formulierungen „Bevölkerungen“

oder „indigene Menschen“

bringt er den Anspruch auf Selbstbestimmungsrecht

und Anerkennung als

Völkerrechtssubjekte zum Ausdruck.

In Paragraph 22bis der „Politischen

Deklaration“ von Johannesburg findet

dies Ausdruck: „Wir bestätigen

die entscheidende Rolle der indigenen

Völker im Hinblick auf eine nachhaltige

Entwicklung“.

Doch die Bedeutung der indigenen

Völker wurde schon häufiger beschworen,

ohne sie jedoch umzusetzen.

Die nun – auf Betreiben der USA

– geschasste UN-Hochkommissarin

für Menschenrechte, Mary Robinson,

betonte in Johannesburg beim WSSD

die zentrale Rolle der Menschenrechte,

ohne die keine nachhaltige Entwicklung

möglich ist. Robinson hatte

sich stets in besonderem Maße für

die internationale Anerkennung der

indigenen Rechte eingesetzt, doch

zuviel Einsatz kann schon mal den

Job kosten. „Die meisten Regierungen

gestehen zumindest die Bedeutung

der Menschenrechte heute ein,

doch unglücklicherweise heißt dies

noch lange nicht, dass sie die Menschenrechtsstandards

auch einhalten.

(...) Die Hoffnungen der Verzweifelten

ruhen auf uns. Sie finden vor den

nationalen Gerichten und Regierungen

keine Gerechtigkeit, ihre einzige

Hoffnung sind die internationalen

Gremien“, betonte sie in ihrer Abschiedsrede

in Genf. Doch diese Hoffnungen

können schnell enttäuscht

werden, wenn engagierte Streiterinnen

für die Menschenrechte durch

„Apparatschiks“ ersetzt werden, wie

der Nachfolger Sergio Vieira de Mello

von der Organisation Human

Rights Watch bezeichnet wurde.

Mit der Verletzung der Menschenrechte

einher geht eine Globalisierung

transnationaler Unternehmen und

neoliberaler Politikkonzepte, die in

vielen Fällen indigene Völker in besonderer

Weise betrifft. Zur Disposition

stehen nicht nur die Bodenschätze

auf ihrem Land, sondern ihre einzigartige

Lebensweise. Die Konflikte

reichen von Atomtests auf indianischem

Land, militärischer Nutzung,

Walfangquoten, Ausverkauf traditionellen

Wissens bis zur gentechnischen

Erfassung. Internationale Handelsabkommen

wie NAFTA oder FTAA bedrohen

ihr Überleben, während

gleichzeitig ihre Rechte auf internationalem

Gebiet durch die „global

players“ missachtet werden. Rund ein

Fünftel der Weltbevölkerung sind Indigene,

doch ihre Stimme zählt kaum,

auch wenn UNO-Chef Kofi Annan in

der Schlussrede des „Permanent Forum“

am 24. Mai 2002 erklärte, „Im

Namen der gesamten UN-Familie

möchte ich das starke Engagement für

die Sache der Ureinwohner und unseren

Willen zur Lösung der Probleme

betonen.“ Doch die UN prägen die

Existenz der indigenen Völker in weit

aus geringerem Umfang als die Wirtschaftsinteressen

der transnationalen

Konzerne, auch wenn inzwischen

selbst die Weltbank im Internet mit

einem eigenen Themenkomplex zu

den Indigenen aufwarten kann. „Das

allgemeine, kollektive Eigentumsrecht

auf öffentliche Güter und nicht

erneuerbare Ressourcen“, so das Attac-Manifest

vom Januar 2002, „ist

unveräußerlich.“ Die Globalisierung

der Wirtschaftsstrukturen auf der einen

und einer Zivilgesellschaft auf der

anderen Seite muss im Hinblick auf

die indigenen Völker einer genaueren

Betrachtung unterzogen werden. In

einem umfassenderen Artikel soll -–

nach den bereits publizierten Beiträgen

zur Globalisierung indianischer

Kunst und Religion – im nächsten

Coyote dies unternommen werden.

von Monika Seiller

8 COYOTE 3/02


Zeichen auf Sturm

In der hierachisch aufgebauten Struktur

der Vereinten Nationen ist die

Menschenrechtskommission, Commission

on Human Rights (CHR), das

erste Gremium, das ausschließlich mit

Menschenrechten zu tun hat -

allerdings weltweit. Von der Gleichbehandlung

der Geschlechter bis hin

zu Verbrechen gegen die Menschlichkeit

reicht das Spektrum, so dass dazu

selbst Unterausschüsse tätig sind,

welche zu bestimmten Themen Arbeitsgruppen

einberufen. Eine davon

ist die Arbeitsgruppe zu Indigenen Populationen,

Working Group on Indigenous

Populations (WGIP). Ihre

Aufgabe war es zunächst, eine längst

überfällige Deklaration für ein neues

weltweites Völkerrecht für Ureinwohner

zu entwerfen.

Fünf Leute bilden eine solche Arbeitsgruppe,

und doch finden sich im Sitzungssaal

viele Hundert Leute ein.

Der Grund ist einfach: Die Arbeitsgruppe

lässt sich von Experten beraten,

und im Falle der Ureinwohner

sind das die Ureinwohner selbst sowie

die Unterstützungsorganisationen,

wie etwa die Aktionsgruppe Indianer

& Menschenrechte.

So viele Experten kann man natürlich

nicht alle paar Wochen zusammentrommeln.

Daher finden solche Sitzungen

immer zu einem festgelegten

Rhythmus statt, nämlich in der letzten

Juliwoche eines jeden Jahres.

Damit sind Vor- und Nachteile klar:

Jeder kann sich seine Termine gut einteilen,

aber über das Jahr ist der Arbeitsfortschritt

gering. Das begründet

auch die Langsamkeit des UNO-Apparates.

Aber auch die Beharrlichkeit

zur Ereichung der gesteckten Ziele.

COYOTE 3/02

Der Sturm

Doch dieses Jahr kam vieles anders

als die gewohnte Routine es erwarten

ließ. Das eigentlich debattierte

Thema wurde zur Nebensache. Doch

der Reihe nach: Letztes Jahr hatte es

sich die Working Group mit einem

WGIP

Dieses Jahr fand in Genf die 20. Sitzung der Working Group on Indigenous Populations in Genf statt. Es war

für alle Teilnehmer spürbar, dass sich über den Menschenrechten der Ureinwohner Sturmwolken zusammenziehen.

Julian Burger, Alfonso Martinez und Mary Robinson bei der Feier zum Indigenous Day

bei der UN-WGIP in Genf - Foto: AGIM

neuen Vorsitzenden, dem kubanischen

Juraprofessor Miguel Alfonso

Martínez, eingerichtet, und für dieses

Jahr stand die Wiederwahl der Hochkommissarin

für Menschenrechte an.

Waren die USA bisher Bremser hinter

den Kulissen, was die von der

Working Group ausgearbeitete Gesetzesvorlage

für die Rechte der Ureinwohner

angeht, so wird nun offen

Front gemacht.

Erstes Opfer ist die Hochkommissarin.

Mary Robinson hat sich wie keine

Zweite um die Menschenrechte

verdient gemacht. Keiner ihrer Vorgänger

hat so frank und frei gesprochen.

Damit hat sich die ehemalige

irische Präsidentin und Juraprofessorin

natürlich Feinde gemacht. Sie geißelte

die Todesstrafe, die in den USA

immer noch glühende Anhänger hat,

selbst Kinder werden in Amerika hingerichtet.

Die Taktik der Amerikaner ist ebenso

unauffällig wie wirkungsvoll. Sie fordern

nicht laut polternd den Rücktritt

oder die Abberufung, sie üben vielmehr

Druck auf eine Reihe Staaten

aus, die wirtschaftlich von den USA

abhängig sind und Sitz und Stimme

in der Menschenrechtskommission

haben. Dort ist Amerika selbst nämlich

nicht mehr vertreten, was die

selbsternannten Hüter der Freiheit

natürlich besonders schmerzt. Als

Denkzettel für die permanenten Blockaden

der Amerikaner haben sich

bekanntlich im vergangenen Jahr einige

Staaten zusammengetan und die

Wiederwahl der US-Repräsentanten

verhindert. Gerade Entwicklungsländer

sind natürlich anfällig für Drohungen,

und so konnten die USA mit dem

Hinweis, man werde die Wiederwahl

von Mary Robinson zu verhindern

wissen, durchkommen. Dieser Demütigung

wollte sie sich nicht aussetzen

und trat zurück - elf Wochen vor dem

Ende ihrer ersten Amtszeit. UN-Generalsekretär

Kofi Annan, der natürlich

selbst gerne wiedergewählt werden

will, designierte mit Sergio Vieira

de Mello aus Brasilien schnell einen

Nachfolger.

Das nächste Ziel

De Mello gilt als Amerika-freundlich,

auch wenn man natürlich niemanden

vorverurteilen sollte. Und weil man

sich in der UNO schon so gut eingeschossen

hatte, erklärten die Amerikaner

nunmehr offen, was ohnehin

jeder schon seit langem vermutete:

Als nächstes ist die Working Group

selbst dran.

Hatte man sich in New York bisher

damit begnügt, hinter den Kulissen

herum zumaulen und die angeblich

9


hohen Kosten der Working Group zu

lamentieren, wird jetzt offene Konfrontation

gesucht. Den Vorwand

dafür hat die UNO selbst geliefert, mit

dem permanenten Forum für Ureinwohnerangelegenheiten,

dem Permanent

Forum on Indigenous Issues

PFII. Dieses wurde vor Jahren ins

Leben gerufen, um den Ureinwohnern

etwas zu bieten, was die Working

Group nicht sein kann und nicht sein

darf: Eine Plattform, auf der sie ihre

Sorgen und Nöte äußern können. Die

Working Group soll zwar auch aktuelle

Entwicklungen protokollieren,

aber keine Anklageplattform bieten,

und ansonsten weiterhin Verfahren

und Rechtsmittel entwickeln, welche

die Rechte der Indigenen schützen

sollen. Zu oft wurde der Working

Group vorgehalten, sie sei eher ein

Beschwerdeforum als eine juristische

Arbeitsgruppe. Nun gibt es die Plattform

offiziell, im Frühjahr hielt das

Permanent Forum in New York seine

erste Sitzung ab. Doch es wurde nicht

einmal der Versuch gemacht, den Alibi-Charakter

zu bemänteln. So beklagte

sich der Vorsitzende des PFII

in Genf, dass sein Budget noch nicht

einmal die Einrichtung eines Sekretariats

gestatte.

Und doch versuchen die USA nun

unter Hinweis auf das Pemanent Forum

die Working Group schlicht abzuschaffen.

Das ist freilich absurd,

denn letztere hat ja ein völlig anderes

Mandat. Genau genommen würden

sich WGIP und PFII wunderbar ergänzen.

Doch nachdem man in Washington

lange Jahre den Forumcharakter

der Working Group beklagt

hatte, will man dort nun das Forum

als eigene Veranstaltung behalten

(aber nicht unterstützen), denn die

Working Group ist „gefährlicher“:

was dort ersonnen wird, könnte bald

internationales Recht sein, wenn es

von der Vollversammlung beschlossen

wird. Die Vorgänge vor dem PFII

haben keine Folgen für die Zukunft.

Divide et impera

Teile und herrsche - das könnte das

Motto der gegenwärtigen Politk der

USA gegenüber den Urvölkern der

Welt sein. Selbst den Forumcharakter

des PFII kann man noch herunter-

WGIP

skalieren, denn das Permanent Forum

tagt in New York. Im Gegensatz zu

den ausgesprochen liberalen Schweizer

Grenzbeamten sieht man in New

York einen »selbstgemachten« Ureinwohner-Reisepass

gar nicht gerne.

Dazu kommt, dass die Unterstützerorganisation

nicht wie in Genf einfach

eine Zahl Teilnehmer anmelden und

hinschicken kann, es werden Kontingente

vergeben. So kann man bequem

die anwesende Teilnehmerschaft im

Vorfeld aussieben. Dass die hohen

Unkosten einer New-York-Reise, vor

allem des Hotelaufenthaltes, und das

fast völlige Fehlen einer lokalen, helfend

eingreifenden Unterstützerszene

die chronisch klammen indigenen

Kassen überstrapaziert, ist da nur

noch ein nicht unwillkommener Nebeneffekt.

Und so werden Indigene und Unterstützer

geteilt. In solche, die nach

New York kommen; andere, die nach

Genf fahren; solche, die sich das nicht

leisten können oder abgewiesen werden

und einige wenige die beides hinkriegen.

Natürlich wird so auch die

Kommunikation unter den Unterstützern

wirkungsvoll abgewürgt.

Man kann nicht alles per Telefon und

E-Mail kommunizieren, man muss

An das

Auswärtige Amt

Werderscher Markt 1

10117 Berlin

Telefax 01888 / 17-3402

Sehr geehrter Herr Außenminister,

sich wenigstens einmal im Jahr auch

sehen. Diplomaten haben da weniger

Probleme, wenn’s ums Reisen geht.

Unser Aufruf

Um es klar auszudrücken: Die Working

Group ist der größten Bedrohung

ausgesetzt, die es seit ihrer Gründung

jemals gegeben hat, und diesmal sieht

es düster aus. Die WGIP muss unter

allen Umständen erhalten werden,

und sie muss in Genf bleiben. Nur hier

können Indigene ohne Einreiseärger

zusammenkommen, nach der Konferenz

auch ein halbes Dutzend UNO-

Organisationen (Weltgesundheitsorganisation,

International Labour Organisation

etc.) »gleich mit« besuchen,

und nur hier kann sich die europäische

Unterstützerszene wirkungsvoll

vernetzen.

Unterstützen Sie den Aufruf der Aktionsgruppe

Indianer & Menschenrechte.

Es steht so viel auf dem Spiel,

was in den letzen Jahren aufgebaut

wurde. Es ist Wahlkampfzeit in

Deutschland, und jetzt hören unsere

Politiker wenigstens ein wenig zu.

von Oliver Kluge

die BRD verkündet auf offiziellen Konferenzen (wie eben in Johannesburg) ihr

Engagement für den Schutz der Menschenrechte.Bitte beweisen Sie uns, dass

dies keine leeren Versprechungen sind, und setzen Sie sich für den Erhalt der

UN-Arbeitsgruppe für Indigene Völker (WGIP) in Genf ein, deren Fortbestehen

derzeit akut bedroht ist.

Die Ureinwohner der Welt werden ausgegrenzt und marginialisiert, ihr Land zerstört

und ihre Lebensgrundlagen bedroht. Jährlich treffen sich rund 500 ihrer

Vertreter - darunter auch die indigenen Völker Amerikas -, um der Weltöffentlichkeit

über ihre Situation zu berichten und gemeinsam mit den Vereinten Nationen

Lösungen für ihre Probleme zu finden. Die Teilnehmer nehmen hierfür große

Mühen und finanzielle Belastungen in Kauf, obwohl gerade sie zu den Ärmsten

der Welt zählen.

Die WGIP ist das einzige Forum, das ihnen uneingeschränkt Rederecht und Aufmerksamkeit

schenkt. Das Überleben dieser Menschen und ihrer Kenntnis traditioneller

Lebensfomren ist von globaler Bedeutung. Selbst große Organisationen

wie die Weltbank haben dies inzwischen erkannt. Die scheidende Hochkommissarin

für Menschenrechte, Mary Robinson, betonte stets die besondere Bedeutung

der Indigenen Völker für das globale Zusammleben und schließt sich der Forderung

nach der Fortsetzung der WGIP entschieden an.

Lassen Sie die Ureinwohner der Welt nicht im Stich! Helfen Sie, die Working

Group on Indigenous Populations zu retten, um den Menschen eine Hoffnung auf

Frieden und Gerechtigkeit zu geben!

In Erwartung Ihrer Antwort

10 COYOTE 3/02


Sun Peaks

Kein Recht auf Land für die Secwepemc?

Secwepemc verteidigen ihr Land

gegen Sun Peaks Resort

Am 16. September wurden die Secwepemc

Beverly Manuel, Niki Manuel

und Miranda Dick in einem Gerichtsurteil

der Nötigung für schuldig

befunden. Die Urteile wurden wegen

des anhaltenden Widerstands gegen

den Sun Peaks Resort gefällt, der von

derzeit ca. 5.000 auf eine Kapazität

von 24.000 Betten ausgebaut werden

soll. Die Secwepemc von Neskonlith

haben wiederholt erklärt, dass der

bereits bestehende Skiressort dramatische

negative Auswirkungen auf

ihre Rechte hat zu jagen, zu fischen

und Lebensmittel sowie Heilpflanzen

zu sammeln. Auch die Ausübung ihrer

Spiritualität ist stark beeinträchtigt.

Die Secwepemc wissen, dass die

ökologische Vielfalt der Region zerstört

würde, wenn die Erweiterung

fortgesetzt wird.

Die drei Secwepemc wurden wegen

der Blockade eines sogenannten Provinicial

Highways vom 24. August

2001 verurteilt, der nach Sun Peaks

führt. Sie erklärten gegenüber dem

Gericht, dass sie keine kriminelle Tat

begingen, als sie die Straße blockierten,

da sie die rechtmäßigen Besitzer

des Landes sind und der Provinz keine

Genehmigung gaben, diese Straße

zu bauen. Der Richter Eugene Slather

gelangte zwar zur Überzeugung, dass

dies zwar vom moralischen Standpunkt

aus ihr Land sei, aber nicht vom

juristischen. Chief Arthur Manuel

warf dem Gericht vor, dass es sich mit

dieser Entscheidung die Position der

Provinzregierung aneigne, die den

Aboriginal Title, d.h. den ungebrochenen

Landrechtstitel, und die Bereitstellung

des Neskonlith Douglas

Reservats von 1862 ignoriere.

Das Strafmaß soll am 22. Oktober in

Kamloops verkündet werden. Unab-

COYOTE 3/02

Sun Peaks

Wie mehrfach berichtet, soll in der kanadischen Provinz Britis Columbia auf dem traditionellen Land der

Secwepemc ein Skigebiet erweitert werden, das jedoch nur ein Teilaspekt eines immensen Investitionsvorhaben

darstellt und insbesondere im Immobilienbereich das Land der Indianer ausbeuten soll. Der entschlossene

Widerstand gegen das Projekt wird von Wirtschafts- und Regierungsseite massiv unterdrückt, nun folgt

die Justiz.

Mandy Dick, Niki und Beverly Manuel vor dem Gericht in Kamloops - Foto: SPC

hängig von dem Ausgang wollen die

Verurteilten Berufung einlegen und

erklärten, dass sie auch ihren Widerstand

gegen das Projekt nicht aufgeben

werden.

Tourismusboykott geht weiter

Beverly Manuel, die der Blockade nur

kurz beiwohnte, erklärte gegenüber

dem Gericht, dass „sie das Recht

habe, sich auf dieser Strasse aufzuhalten,

da es sich um Aboriginal Title

Land und Teil der Neskonlith Douglas

Reserve handelt.“ Niki Manuel

forderte die Regierungen von Kanada

und British Columbia auf, ihren

eigenen Gerichtsurteilen zu folgen,

wie sie der oberste Gerichtshof in der

Delgamuukw-Entscheidung bezüglich

des Aboriginal Title verkündet

hatte. Janice Billy, Sprecherin des

Skwelkwek’welt Protection Center

erklärte, dass alle Aktionen – egal ob

direkt oder auf rechtlicher Ebene sowie

der Boykott des Tourismus –

weitergingen und noch verstärkt würden,

bis die Rechte der Secwepemc

anerkannt werden.

Keine Winterolympiade in

Vancouver/Whistler 2010

So lange ihre Rechte nicht anerkannt

werden, fordern die Secwepemc und

deren Unterstützer, sollen auch keine

olympischen Winterspiele in British

Columbia stattfinden. Aus diesem

Grund haben die „Elders, Land Users

and Native Youth of Sutikalh and

Skwelkwek’welt“ eine Einwendung

beim Internationalen Olympischen

Committee (IOC) eingebracht, in der

sie ihre Bedenken erläutern. Das IOC,

das dieser Tage verkündete, dass Vancouver/Whistler

nun in der engeren

Auswahl der letzten vier Bewerber

stehe, hat jedoch in der Vergangenheit

bei der Vergabe der Spiele in seine

Entscheidungen auch die Situation

der Menschenrechte und der Umwelt

mit einbezogen. So war die Ver-

11


gabe der Spiele nach China als Apell

an die chinesische Regierung zu verstehen,

endlich die Menschenrechte

zu fördern. In British Columbia findet

jedoch zur Zeit genau die umgekehrte

Entwicklung statt, indem die

Regierung mittels eines Referendum

die Rechte der Indianer in Frage stellt

und gegen die eigene (kanadische)

Verfassung verstößt oder eben den

vom obersten Gericht bestätigten

Aboriginal Title ignoriert. Mit den

olympischen Winterspielen soll natürlich

die Attraktivität und der Ausbau

der Skigebiete in British Columbia

gefördert werden. Kein Wunder, dass

sich eine Reihe von Befürwortern der

Spiele findet, die sich dadurch zusätzliche

Einnahmen versprechen – und

sich diese durch die vielfältigen Protestaktionen

in Kanada und Europa

gestört fühlen.

Aggressive Antworten

Nancy Greene-Raine, ehemalige

Olympiasiegerin und Betreiberin eines

Hotels in Sun Peaks sowie treibende

Kraft in der geplanten Erweiterung

des Skiressorts und des Baus

eines neuen Skigebietes im Melvin

Creek sah sich – nicht zuletzt aufgrund

unserer Kampagne (vgl. Coyote1/02)

– nun genötigt, deutsche Tourismusunternehmen

anzuschreiben,

um sie dazu zu bewegen, weiterhin

Touristen nach Sun Peaks zu schicken.

In ihrem Schreiben erklärt sie,

dass die Indianer ja genügend anderes

Land hätten, das für „sie genauso

viel oder wenig wert wäre“, wie das

Land auf dem sich der Skiressort befindet.

Welche Arroganz besitzt diese

Frau eigentlich, zu bestimmen welches

Land für die Indianer eine Bedeutung

hat oder nicht. Sie schließt

ihren Brief dann mit dem Hinweis:

„with the opening of our third ski

mountain, Sun Peaks is now one of

the leaders in BC’s winter tourism“.

Ein anderer “erboster” Hotelbetreiber

in Sun Peaks bezeichnet die Indianer,

die sich gegen den Ausbau des Skisressorts

wehren als „losers“, die keinerlei

Unterstützung besäßen. Dieser

Herr Ben van Zijtveld vom Heffley

Lake Inn teilt uns dann mit,

scheinbar um seine Aussagen noch zu

bekräftigen wollen, dass es auch an-

Sun Peaks

dere Indianer gibt, die sich wirtschaftlichen

Investitionen nicht verschließen.

Diese werden dann von ihm als

„very successful“ gepriesen. Wir haben

in Antwort auf unsere Kampagne

noch weitere, teilweise sehr aggressive

Briefe und E-Mails erhalten

– nicht von Indianern, die sich angeblich

zu 98 % von den Aktionen gegen

Sun Peaks distanziert haben (so Peter

Ernst – der uns dies, als erst vor

relativ kurzer Zeit Ausgewanderter, in

deutsch mitteilen konnte), sondern

allesamt von Leuten, die ihr gutes(?)

Geld in Sun Peaks investieren und

nun Angst um ihre Dollars, Euros und

Yens haben.

CERD

Das Skwelkwek’welt Protection Center

informierte bereits im Vorfeld das

„Committee on the Elimination of all

Forms of Racial Discrimination“ (Komitee

zur Beseitigung aller Formen

rassistischer Diskriminierung,

CERD) über die insgesamt acht gegen

sie laufenden Gerichtsprozesse.

Sie verweisen darauf, dass ihnen Gefängnisstrafen

drohen, wenn sich die

Secwepemc nicht der Politik Kanadas

unterwerfen oder die „illegalen

Gesetze“ der Provinz von British

Columbia befolgen. Diese Gerichtsentscheidungen

beziehen sich nicht

auf die angeblichen Gesetzesverstöße

der Beklagten, sondern zeigen, wie

die Bundes- und Provinzregierung das

Straf- und Justizsystem nutzen, um

die Secwepemc zu unterdrücken.

CERD hat sich Anfang September zu

den Vorwürfen gegenüber Kanada

geäußert und bestätigt diese. In den

Ausführungen des Komittees werden

schwerwiegende Bedenken hinsichtlich

der Menschenrechtssituation in

Kanada vorgebracht. Insbesondere

wird auf die Schwierigkeiten der Ureinwohner

verweisen, ihre Ansprüche

auf Aboriginal Title Land vor Gericht

bestätigt zu bekommen. Da bis heute

keine Gruppe von Ureinwohnern ihren

Aboriginal Title vor Gericht bestätigt

erhielt, empfiehlt CERD daher,

dass die Regierungen entsprechende

Wege und Möglichkeiten schaffen

sollen, damit die Ureinwohner Anerkennung

ihres Aboriginal Title bezüglich

ihrem Land erhalten können.

Re/Max

Arthur Manuel erklärte gegenüber

dem Gericht: „Es ist völlig klar, dass

die Regierung keinerlei Interesse hat,

die Gründe der Straßenblockade zu

behandeln, sondern, dass sie nur versucht,

den Widerstand der Secwepemc

zu brechen und sie so gefügig

zu machen“. Er fügte dem hinzu, dass

„er außerordentlich stolz auf die Angeklagten

sei, die für ihre Menschenrechte,

Rechte als Ureinwohner und

den Aboriginal Title einstünden, und

dass die Urteile unzulänglich und

nicht zeitgemäß seien, denn ihr eigentlicher

Zweck sei es, indianisches

Land zu enteignen und einseitig die

Interessen Dritter geltend zu machen.“

Wenn man die Pläne zum Ausbau von

Sun Peaks betrachtet, kann man diesen

Vermutungen von Chief Manuel

nur zustimmen. In dem uns vorliegenden

Plan (siehe Coyote 2/2002) kann

man genau ersehen, wie Sun Peaks

erweitert werden soll. Die 20.000

Betten entstehen nicht oder nur zu

einem kleinen Teil in Hotels oder anderweitigen

Touristenunterkünften.

Vielmehr handelt es sich um Mehrfamilienhäuser

mit Ferienwohnungen,

Reihenhäuser und Bungalows, die

man an solvente Investoren oder

Rentner veräußern möchte. Sun Peaks

ist ein Immobilienprojekt, das auf indianischem

Land entstehen, und wenn

es einmal errichtet ist, es den Secwepemc

erschweren soll, ihre Ansprüche

aus dem Aboriginal Title geltend

zu machen. Das Land, von der Regierung

als Crown Land bezeichnet,

wird dafür günstig zur Verfügung gestellt.

Verdienen an dem Projekt werden

die Baufirmen, die Provinz British

Columbia und die Immobilienmakler,

die ihren Käufern vorenthalten,

dass es sich dabei um Häuser auf

indianischen Land handelt.

In Sun Peaks versucht die RE/MAX

Alpine Resort Realty mit der Vermittlung

der Immobilien sich eine goldene

Nase zu verdienen. Dieses Immobilienunternehmen

ist ein Franchisenehmer

von Re/Max, einem Immobilien-Franchise-Unternehmen

mit

weltweit über 4.000 Büros und 70.000

tätigen Maklern.

12 COYOTE 3/02


Werbegrafik von Re/Max zum Code of Ethics

Re/Max selbst weist mit dem Spruch

„Schluss mit Wild West“ auf seinen

sich selbst auferlegten „Code of

Ethics“ hin. Dort heißt es:

Der RE/MAX Ehrenkodex beinhaltet

Verhaltensrichtlinien zur Gewährleistung

ehrenhafter Geschäftsgepflogenheiten.

Der Ehrenkodex hat maßgeblich

zum hohen Ansehen und zum

Erfolg von RE/MAX beigetragen.

Auch in anderen Ländern der Welt

war die Immobilienvermittlung nicht

schon immer ein angesehener Beruf.

Die Verhaltensrichtlinien und die Tatsache,

dass diese auch eingehalten

und durchgesetzt wurden, hat zu Vertrauen

der RE/MAX Kolleginnen und

Kollegen untereinander und gegenüber

der Kundschaft geführt. In machen

Staaten wurden die Grundzüge

des RE/MAX Ehrenkodex als Vorlage

für Rechtsvorschriften und Verordnungen

herangezogen. Es wird immer

wieder die Frage gestellt, warum der

Ehrenkodex durchgesetzt, anerkannt

und akzeptiert wird, wo doch auch

Verbände Verhaltensrichtlinien haben,

deren Durchsetzbarkeit zeitnah

höchst problematisch ist, wie jeder

Branchenkenner weiß. Die Antwort

ist einfach:

Der Ehrenkodex ist zwingender Bestandteil

aller RE/MAX Master-Franchise-,

Franchise- und Lizenzverträge

weltweit. Also Vertragsgegenstand.

Es kann daher zeitnah die Einhaltung

der Verhaltensregeln eingefordert

werden oder ein „böser Bub“

aus dem System gekündigt werden.

Wir sind der Meinung, dass Sun Peaks

Realty gegen diesen Ehrenkodex verstößt

und werden daher den Franchise-Geber

und die regionalen Büros

in Deutschland auffordern, diesem

Immobilienunternehmen die Mitgliedschaft

aufzukündigen.

Hier nun ein paar Auszüge aus dem

„Code of Ethics“ im Zitat:

COYOTE 3/02

Sun Peaks

Jeder Regionaldirektor (Masternehmer)

, Broker/Owner (Franchisenehmer)

und RE/MAX-Lizenznehmer

(selbständige Maklerinnen und Makler)

hat sich dem Ehrenkodex mit Vertragsabschluß

verpflichtet.

Wiederholte Verletzungen dieser Regeln

stellen eine Vertragsverletzung

dar und begründen den Ausschluss

aus dem Franchisesystem. Um diese

Verpflichtung einzulösen, sind RE/

MAX-Franchisenehmer und RE/

MAX-Lizenznehmer bemüht, die Normen

sowohl von RE/MAX als auch der

Branche beizuhalten und zu verbessern,

u.a. durch ihr Bestreben, die Öffentlichkeit

bei jedem Immobiliengeschäft

vor Betrug, schlechter Darstellung

und unethischen Handlungen zu

schützen. In der Auslegung Ihrer Verpflichtungen,

können RE/MAX-Mitglieder

keinen besseren Leitfaden finden,

als die Goldene Regel, die besagt:

„Was Du nicht willst, was man

Dir tut, füge auch keinem anderen

zu!“

Artikel: Kein RE/MAX-Mitglied darf

einen Verkäufer, einen Käufer, einen

im Immobiliengeschäft Tätigen

oder eine an einem Geschäftsvorgang

beteiligte Partei täuschen

oder bei der Ausübung seiner Tätigkeit

betrügerische Praktiken anwenden.

Artikel: Kein RE/MAX-Mitglied darf

übertreiben, unzutreffende Aussagen

machen und einschlägige Tatsachen

preisgeben, die sich auf eine

Eigentumsübertragung beziehen,

wobei er auf ihm bekannte Mängel

hinweisen muss, die den Wert einer

Immobilie oder ihre beabsichtigte

Nutzung erheblich beeinträchtigen.

Artikel: Alle RE/MAX-Mitglieder sind

dazu angehalten, in ihrer Werbung

oder in öffentlich gemachten Angaben

zutreffende und genaue Informationen

zu liefern und die Öffentlichkeit

in keiner Weise zu täuschen.

Würde Sun Peaks Realty den Code

einhalten, dürften sie dort überhaupt

keine Geschäfte machen und müssten

zumindest die Interessenten darauf

hinweisen, dass es sich bei dem

Land, auf dem die Häuser errichtet

werden, um indianisches Land handelt.

Dies ist aber nicht der Fall, im

Gegenteil pries der Makler Bill Han-

rahan, als ich unter falschem Vorwand

nach den Immobilien fragte, mir die

Wohnungen und Bungalows überschwänglich

an. Zu dem Punkt: Was

Du nicht willst, was man Dir tut...

erübrigt sich glaube ich jeder Kommentar.

Wir rufen deshalb zur Beteiligung an

dieser Aktion auf und bitten Sie den

Protestbrief an die Re/Max-Zentrale

ihrer Region zu schicken. Außerdem

bitten wir Sie, uns die erhaltenen Antworten

weiterzuleiten.

RE/MAX Nordwest Deutschland, Freddy

Marks Verwaltungs GmbH & Co.

Franchise KG, Frau Evelyn Marks, Timmermannufer

142, 48429 Rheine, Telefax:

+ 49 5971 98040 99,

E-Mail: zentrale@remax.de;

RE/MAX Deutschland Region Bayern,

GJJJ Franchise GmbH, Dorfstr. 1, Altes

Schulhaus, 82178 Puchheim-Ort / München,

Telefax: 089/ 86 49 35-35

E-Mail: remax-bayern@remax.de;

RE/MAX Deutschland Region Südwest,

SV Wohnbau GmbH, Hr. Vögele / Hr.

Schumacher, Breitwasenring 2, 72135

Dettenhausen, Telefax: 07157 - 52 26 55,

E-Mail: remax@bvs-immo.de;

RE/MAX Deutschland Ost, Ansprechpartner:

Tilman A. Kienle & Kathrin Santer,

Uferstraße 21, 99817 Eisenach, Telefax:

03691 / 79 888-8

E-Mail: REMAX-d-zentral@t-online.de;

RE/MAX Austria IF Immobilien Franchising

Ges.m.b.H Alois Reikersdorfer,

Bahnhofstrasse 2 A-3300, Amstetten,

Austria, Fax: +43 7472 209 18

E-Mail: office@remax-amstetten.at;

RE/MAX Switzerland, GFJJ Franchising

AG, Teddy Keifer, Kantonsstrasse 148,

8807 Freienbach, Schweiz, Fax: +41 55

4203877, E-Mail: info@remax.ch.

Falls sich Re/Max nicht bereit erklärt,

auf diesen „bösen Bub“ zu verzichten,

werden wir in Erwägung ziehen,

einen Boykottaufruf gegen Re/Max

zu starten, und uns auch etwas einfallen

lassen, wie wir die geplante

Jubiläumsveranstaltung zum 30-jährigen

Bestehen von Re/Max im Jahr

2003 etwas bereichern können.

von Ludwig Seiller

13


Protestbrief an Re/Max:

Sehr geehrte Damen und Herren,

wohlwollend haben wir zur Kenntnis genommen, dass Sie sich verpflichtet haben, gemäß einem Ehrenkodex

Ihre Geschäfte zu betreiben. Diese Verpflichtung hebt Sie aus dem Gros vieler Unternehmen heraus und dient

dem Ansehen ihres Unternehmens und des ganzen Franchise-Verbundes.

Leider mussten wir feststellen, dass ein Re/Max-Mitglied gegen diesen Code of Ethics vorsätzlich und in grober

Weise verstößt. Es handelt sich dabei um Re/Max Alpine Resort Realty, ein Immobilienbüro, das in Sun Peaks in

British Columbia, Kanada tätig ist. Dort soll ein Skiressort erheblich erweitert und Appartements, Bungalows

und Hotelwohnungen verkauft werden. Das Land, auf dem sich dieser Skiressort befindet, ist jedoch indianisches

Land. Die Secwepemc besitzen einen sogenannten „Aboriginal Title“ auf das Land, was ihnen in einem

Urteil des obersten Gerichtshofes von 1997 bestätigt wurde. Außerdem befindet sich das Land in den Grenzen

der „Neskonlith Douglas Reserve“, einem Gebiet, das 1862 den Indianern zur Verfügung gestellt wurde. Die

betroffenen Indianer haben sich wiederholt gegen die Erweiterung des Skigebietes ausgesprochen und haben

dies auch durch direkte Aktionen und ihren Protest bekräftigt. Die letzte Maßnahme war ein Bericht an das

Committee on the Elimination of all Forms of Racial Discrimination (CERD) der UN, das daraufhin die kanadische

Regierung angemahnt hat, ihren Verpflichtungen nachzukommen.

Diese Sachlage wird den Interessenten nicht mitgeteilt, und das Büro vermittelt weiterhin Immobilien, die sich

auf diesem indianischen Land befinden.

Dies verstößt gegen Ihren, für alle Re/Max-Mitglieder verpflichtenden Code of Ethics.

Dort heißt es u.a.:

- Um diese Verpflichtung einzulösen, sind RE/MAX-Franchisenehmer und RE/MAX-Lizenznehmer bemüht,

die Normen sowohl von RE/MAX als auch der Branche beizuhalten und zu verbessern: - durch Ihr Bestreben,

die Öffentlichkeit bei jedem Immobiliengeschäft vor Betrug, schlechter Darstellung und unethischen Handlungen

zu schützen

- In der Auslegung Ihrer Verpflichtungen, können RE/MAX-Mitglieder keinen besseren Leitfaden finden, als die

Goldene Regel, die besagt: „Was Du nicht willst, was man Dir tut, füge auch keinem anderen zu!“

- Artikel: Kein RE/MAX-Mitglied darf einen Verkäufer, einen Käufer, einen im Immobiliengeschäft Tätigen

oder eine an einem Geschäftsvorgang beteiligte Partei täuschen oder bei der Ausübung seiner Tätigkeit betrügerische

Praktiken anwenden.

- Artikel: Kein RE/MAX-Mitglied darf übertreiben, unzutreffende Aussagen machen und einschlägige Tatsachen

preisgeben, die sich auf eine Eigentumsübertragung beziehen, wobei er auf ihm bekannte Mängel hinweisen

muss, die den Wert einer Immobilie oder ihre beabsichtigte Nutzung erheblich beeinträchtigen.

- Artikel: Alle RE/MAX-Mitglieder sind dazu angehalten, in ihrer Werbung oder in öffentlich gemachten Angaben

zutreffende und genaue Informationen zu liefern und die Öffentlichkeit in keiner Weise zu täuschen.

Sie müssen zugeben, dass wenn man einem Käufer einer Immobilie nicht mitteilt, wer der Besitzer des Landes

ist, auf dem sich diese Immobilie befindet, einen groben Verstoß gegen obige Richtlinien darstellt. Des weiteren

ist dies eindeutig als unethisch zu betrachten. Und der erwähnte kategorische Imperativ: Was Du nicht willst,

was man Dir tut... wird hier völlig ins Gegenteil verdreht. Sie können gerne die Secwepemc dazu befragen, was

sie davon halten.

Darum bitte ich Sie, sich dafür einzusetzen, dass Sun Peaks Realty seine Tätigkeit in Sun Peaks einstellt oder,

wenn diese dazu nicht bereit sind, aus dem Franchise-Verbund zu entfernen.

Sie können damit rechtzeitig dazu beitragen, dass der Name Re/Max in der Öffentlichkeit nicht geschädigt wird

und Boykottaktionen gegenüber ihrem Verbund nicht durchgeführt werden.

Mit freundlichen Grüßen

Sun Peaks

P.S.: Ich bitte Sie mir mitzuteilen, welche Maßnahmen Sie zu ergreifen gedenken.

14 COYOTE 3/02


Die Lubicon Cree im Norden der Provinz

Alberta drängen seit mehr als 60

Jahren auf die Einrichtung eines Reservats

innerhalb ihres mehr als 10

000 Quadratkilometer umfassenden

traditionellen Jagdgebiets. Bei den

Vertragsabschlüssen von 1899 wurden

die Cree einfach übergangen, weil

ihr Gebiet von der zu Kanu reisenden

Vertragskommission nicht zu erreichen

war. Die Grippeepidemie während

des 1. Weltkriegs tötete 90% der

ursprünglich 3000 Lubicon Cree Indianer.

Ein Reservat wurde den Überlebenden

und ihren Nachkommen in

den dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts

zwar versprochen, dann aber

nicht eingerichtet, weil Vermessungstechniker

infolge des 2. Weltkriegs

nicht abkömmlich waren. In der zweiten

Hälfte des 20. Jahrhunderts lebten

die Lubicon Cree nach wie vor

von der Jagd und der Fallenstellerei,

bis infolge der Ölkrisen von 1973 und

1980 ihr niemals veräußertes Territorium

ins Visier der Erdölkonzerne

geriet. Seither wurden dort Hunderte

von Bohrungen niedergebracht und

aus mehr als 200 Förderanlagen

strömt Erdöl- und Erdgas im Wert von

mehr als einer Million Dollar täglich

in die Pipeline-Systeme Nordamerikas.

Die Lubicon Cree erhielten

bisher weder ein Reservat noch erhielten

sie Entschädigungen für die

nach kanadischem Recht widerrechtlich

entnommenen Bodenschätze. Im

Gegenteil entrichten sie bis heute einen

hohen Preis: ihre traditionelle

Wirtschaftsweise ist völlig zerstört,

ihre Umwelt massiv geschädigt und

die Zukunft ihrer Kinder besteht in

einer Existenz auf dem untersten Sozialhilfe-Niveau,

bisher ohne Aussicht

auf Besserung.

COYOTE 3/02

Lubicon Cree

Lubicon Cree:

18 Monate Frist bis zur Klärung der Landrechtsfragen

Der kanadische Regierungschef Jean Chretien hat seinen Rücktritt angekündigt – aber erst in 18 Monaten

im Februar 2004 soll es soweit sein. Bis dahin wird innerhalb seiner unangefochten regierenden Liberal

Party ein heftiges Gerangel um seine Nachfolge erwartet. Für die Lubicon Cree im nördlichen Alberta

bedeutet dieser angeündigte Rücktritt, dass die derzeit laufenden Landrechtsverhandlungen mit einer von

Chretien eingesetzen Verhandlungskommission innerhalb der nächsten anderthalb Jahre zum Abschluss

kommen müssen, sollen die mühselig ausgehandelten Kompromisse nicht ein weiteres Mal im Papierkorb

landen.

Immer wieder versuchten die Lubicon

Cree aus eigener Kraft ihr Schicksal

zu wenden. Doch insbesondere die

steuerlich vom Ölgeschäft profitierende

Provinzregierung Albertas weigerte

sich an einen Ausgleich der Interessen

auch nur zu denken. Erst ein

Olympia-Boykott der Winterspiele in

Calgary 1988, dem eine Blockade der

Ölförderung im selben Jahr folgte und

ein Boykott der japanisch-kanadischen

Papierfirma Daishowa, die beabsichtigte

das Lubicon-Gebiet abzuholzen,

zwang wenigstens die Bundesregierung

ernsthafte Verhandlungen

aufzunehmen. Noch 1993 in der

Opposition hatte der heutige Regierungschef

Jean Chretien in einem

Schreiben an AGIM erklärt, „dass es

Zeit zu handeln sei“ und die Situation

in der Lubicon-Gemeinde zu verbessern

eine „oberste Priorität“ haben

sollte. Seither sind neun Jahre vergangen.

Ein erster Anlauf scheiterte aufgrund

der Inflexibilität der Regierungsunterhändler

und der drohenden

Abholzung des Lubicon-Gebiets

durch Daishowa, die natürlich zuerst

verhindert werden musste. (Worüber

hätte man dann noch verhandeln sollen,

wenn der Waldbestand vernichtet

gewesen wäre?)

Ein Neuanfang am Verhandlungstisch

konnte erst 1998 eingeleitet werden.

Seither ziehen sich die Verhandlungen

zwischen der kanadischen Bundesregierung

und den Lubicon Cree

dahin, zum einen weil zahlreiche

technische Fragen zu klären sind, die

Provinzregierung Albertas mit immer

neuen Störmanövern versucht die

Verhandlungen von außen zu torpedieren,

insbesondere aber weil die

Regierungsseite in einem zeitlichen

Rahmen vorgeht, der mit nur einem

einzigen Verhandlungstag pro Monat

Zweifel an der Ernsthaftigkeit weckt,

dass die Regierung tatsächlich auch

eine Vertragslösung erzielen will. Mit

Jean Chretiens aktueller Rücktrittsankündigung

steht zu befürchten, dass

mit der Beibehaltung dieser gebremsten

Vorgehensweise die bisher erreichten

Verhandlungsergebnisse zur

Makulatur werden. Dabei handelt es

sich lediglich um einen Teil dessen,

was die Lubicon Cree fordern, nämlich

die Einrichtung eines Reservats

mit einer gemeindlichen Infrastruktur

(Häuser, Versorgung, Entsorgung).

Noch gar nicht diskutiert wurde die

Frage der Entschädigung für widerrechtlich

entnommene Bodenschätze

oder ein bereits früher ausgehandeltes

Wald- und Wildschutzabkommen

für das abzutretende Lubicon-Gebiet

um das zukünftige Reservat herum.

Die Lösung dieser weiteren Fragen ist

einer trilateralen Verhandlungsrunde

unter Einbeziehung der Provinz Alberta

vorbehalten, die - ginge es denn

gerecht zu – auch den Löwenanteil

der Entschädigungszahlungen zu leisten

hätte. Immerhin dürfte allein der

Steuergewinn der Provinz aus dem

Erdölgeschäft deutlich über 10 Milliarden

kanadische Dollar betragen.

Weil das Nahziel eines eigenen Reservats

nunmehr gefährdet scheint,

rufen die Lubicon-Unterstützer in

Kanada (Friends of the Lubicon) zu

einer Briefaktion auf, die auch in Europa

unterstützt werden soll (siehe

Briefvorschlag auf der nächsten Seite)

. Dabei geht es darum, die kanadische

Bundesregierung und ihren Chef

an ihre Versprechen zu Beginn ihrer

Amtszeit zu erinnern.

von Dionys Zink

15


Briefaktion zur Unterstützung der Lubicon Lake Indian Nation

Die kanadische Unterstützerorganisation Friends of the Lubicon (FoL) ruft zu einer Briefkampagne auf, die sich auf

einen Brief des heutigen Kanadischen Ministerpräsidenten Jean Chretien an FoL vom Mai 1993 beruft. AGIM und

auch andere europäische Unterstützungsorganisationen erhielten damals einen ähnlich lautenden Brief Chretiens, der

damals noch der Chef der Opposition im Parlament von Ottawa war.

Wir bitten um Erinnerungsbriefe an Jean Chretien und drucken zu diesem Zweck eine deutsche Fassung als Formulierungsvorschlag

ab. Briefe machen in der eigenen Muttersprache, durchaus auch handschriftlich und natürlich in den

kanadischen Amtssprachen Sinn. Wir bitten um eine Kopie des Briefes an unsere Büroadresse (siehe Impressum)

Rt. Hon. Jean Chretien

Prime Minister of Canada

Parliament Hill

Ottawa, ON K1A 0A6

Kanada

Sehr geehrter Herr Chretien,

bei der Lösung großer Aufgaben kann die Zeit quälend langsam oder auch sehr schnell vergehen: langsam

für diejenigen, die sich verzweifelt um eine Besserung ihrer gegenwärtigen Lebensumstände bemühen, schnell

andererseits für diejenigen, die sich der Tatsache bewusst sind, dass sie nur über begrenzte zeitliche Spielräume

verfügen, diese Besserung auf politischem Feld voranzubringen.

Für die Lubicon Lake Indian Nation hat es sehr lange gedauert bis sich eine Veränderung einstellen wollte.

Es ist nun mehr als 60 Jahre her, dass ihnen seitens der kanadischen Regierung erstmalig eine Reservation in

Aussicht gestellt wurde, und noch immer gibt es weder dieses Reservat noch angemessene Wohnunterkünfte

noch fließendes Wasser noch eine Zukunftsperspektive für die Lubicon-Gemeinde.

Für Ihre Regierung scheint die Zeit jedoch schnell vergangen zu sein. Es muss für Sie kaum vorstellbar sein,

dass neun Jahre vergangen sind, seitdem Sie in einem Brief an AGIM (damals noch unter dem Namen Big

Mountain Aktionsgruppe – BMAG) versprachen, für „rasches Handeln“ in Bezug auf eine Klärung der

Lubicon-Landrechtsfragen zu sorgen.

Damals erklärten Sie, dass „die Zeit dränge“, es „Zeit zum Handeln sei“ und dass Sie den Anspruch der

Lubicon Cree als eine „vorrangige Angelegenheit“ ansehen würden.

Noch schwerer mag es vorstellbar sein, dass Sie nur noch wenig Zeit haben werden, Ihr Versprechen einer

vertraglichen Lösung der Lubicon-Landrechtsfragen zu bewerkstelligen, da Sie ja kürzlich Ihren Rücktritt

vom Amt des kanadischen Ministerpräsidenten zum Februar 2004 angekündigt haben.

Wir sind der Auffassung, dass eine faire Vertragslösung bis dahin sehr wohl möglich ist, wenn sich Bundesund

Provinzregierung entsprechend bemühen. Gesetzt den Fall, Sie würden sich persönlich um eine zügige

Vorgehensweise bemühen, sind wir überzeugt, dass ein Vertrag sogar deutlich früher zustande kommen

könnte. Die noch offenen Verhandlungsgegenstände sind klar definiert und auch ihre technischen Bedingungen

sind bereits geklärt. Was jedoch offenkundig noch fehlt, ist der politische Wille, die Verhandlungen zum

Abschluss zu bringen. Wir glauben, dass Ihre persönliche Mitwirkung, ihre politische Richtlinienkompetenz

und Ihre Entschlusskraft diesen erfolgreichen Abschluss ermöglichen kann.

Bisher ist es keinem kanadischen Ministerpräsidenten gelungen, das Versprechen einer Zukunft für die Lubicon

Cree auch einzulösen, trotz der Hoffnungen und Bemühungen aller, die von den am Lubicon Lake

bestehenden Problemen Kenntnis haben.

Wir hoffen, dass Sie der Ministerpräsident sein werden, der seine Versprechen halten und seine Amtszeit mit

einem erfolgreichen Vertragsabschluss beenden wird.

Mit freundlichen Grüßen

Lubicon Cree

16 COYOTE 3/02


Verdrängt und vertuscht

Am 6. September fand eine Gedenkveranstaltung

im Queen’s Park in Toronto

in Erinnerung an den Tod von Dudley

George am 06.09.1995 statt, zu der sich

mehrere hundert Teilnehmer versammelten,

um erneut eine öffentliche Untersuchung

des Falles zu fordern und der

Familie des Ermordeten sowie den

Stoney Point Solidarität zu bekunden.

Als „Aufstand von Ipperwash“ hatte der

Konflikt 1995 für breite Aufmerksamkeit

in der kanadischen Öffentlichkeit

gesorgt. Die Stoney Point First Nation

besiedelte ursprünglich den Grenzbereich

zwischen der Ostküste Kanadas

und der USA. Die Region um den Ipperwash-Park,

wo sich uralte Grabstätten

des Volkes befinden, wurde ihnen

als Reservat Nr. 43 zugesprochen. Doch

Anfang des 19. Jahrhunderts wurden sie

von ihrem ursprünglichen Gebiet vertrieben

und nach Kettle Point umgesiedelt.

Mit drei weiteren Gemeinden –

darunter zwei weiteren Ojibway und

einer Pottawatomi Band – wurden sie

zu einer Verwaltungseinheit zusammengelegt.

1942 wurde ihnen die Region

um den Ipperwash Park zwangsenteigenet

(War Measurement Act) und zu

einem Militärcamp ausgebaut. Bereits

damals konnte ihr Appell, dass unter

dem Boden die Gebeine ihrer Vorfahren

liegen, kein Gehör finden, doch die

Stoney Point gaben nicht auf und versuchten,

ihr Land zurück zu gewinnen.

1993 entschlossen sich die ersten unter

ihnen zur Landbesetzung, die sich 1995

unter Führung von Dudley George auf

die gesamte Militärbasis ausdehnte, so

dass sich das Militär aus dem Gebiet

zurückzog. Der nächste Schritt war eine

Blockade der Stoney Point, um ihre

Grabstätten am Ipperwash Provincial

Park zurückzufordern. Die Politik hatte

auf die Forderungen mit Zurückweisung

reagiert und keinerlei Verhandlungsversuche

unternommen. Die Taktik

des konservativen Premiers von

Ontario, Mike Harris, war eine andere,

er wollte kompromisslose Stärke demonstrieren.

In der Nacht des 6.09.1995

griffen drei Einheiten der Ontario Provincial

Police – einschließlich einer

Spezialeinheit – die rund ein Dutzend

Besetzer mit einem Kugelhagel an und

hinterließen drei tote Demonstranten.

Der unbewaffnete Dudley George wurde

vom OPP-Offizier Kenneth Deane

erschossen, der – obwohl des Tod-

COYOTE 3/02

Ipperwash

schlags für schuldig befunden – weder

inhaftiert noch aus dem Dienst entlassen

wurde.

Der Vorfall sorgte für Aufregung in der

Öffentlichkeit und den Medien, die

zunächst die Indianer für den Schusswechsel

verantwortlich machten. Doch

nachdem sich erwies, dass die Indianer

in der Tat unbewaffnet waren, trat eine

Wende in der Einschätzung der Vorfälle

ein. Selbst der Richter, der Deane

schuldig sprach, gab zu Protokoll, dass

er sämtliche Aussagen der beteiligten

Polizisten für Lügen hielt, und die Vorsitzende

der Rechtsabteilung der Polizei

verlangte die sofortige Suspendierung

des Täters. Doch die Gerechtigkeit

hatte noch keinen Sieg errungen.

Premier Harris weigerte sich, aus dem

Vorfall Konsequenzen zu ziehen und

lehnte jede Untersuchung der Vorfälle,

die zu dem Tod Georges führten, ab. Die

Nachforschungen der Reporter,

insbesondere durch Dan Smoke, ergaben,

dass innerhalb der Polizei bekannt

war, dass es sich um Unbewaffnete handelte,

so dass für die Vorgehensweise

keinerlei Rechtfertigung bestand. Interne

Quellen gaben vielmehr zu verstehen,

dass es sich hierbei um eine politische

Entscheidung von höchster Ebene

gehandelt habe. Harris verweigerte sich

einer Untersuchung und verklagte stattdessen

die kanadische Zeitung Globe &

Mail, für die Smoke arbeitete, auf 15

Millionen Dollar Schadensersatz. Doch

die Öffentlichkeit hat sich inzwischen

auf die Seite der Indianer gestellt. 75 %

der Bevölkerung von Ontario schließen

sich inzwischen der Forderung nach einer

eingehenden Untersuchung an, und

das Buch „One Dead Man“ von Peter

Edwards ist ein Beststeller. Zu einer Benefizveranstaltung

im März 2002 versammelten

sich über 1000 Menschen an

der University of Toronto, um ihre Solidarität

mit der Familie von Dudley

George zu bekunden.

Die Stoney Point, indianische und nichtindianische

Organisationen hatten gehofft,

dass sich mit dem Regierungswechsel

im Mai dieses Jahres der neue

Premier Ernie Eves der politischen Verantwortung

stellen und Untersuchungen

einleiten würde, doch dieser erklärte

seine entschiedene Ablehnung von Anhörungen

und unterstützte die Politik

seines Vorgängers. Unabhängige

Rechtsgelehrte bescheinigtenwiederholt,

dass es keinerlei

Gründe für diese

Haltung gebe

und dass einer juristischen

und parlamentarischenUntersuchung

nichts

im Wege stünde, doch die Regierung

beharrt auf ihrer Weigerung, endlich

Gerechtigkeit walten zu lassen. Selbst

die Appelle der UN-Menschenrechtskommission

konnten diese Haltung

nicht ändern. Sieben Jahre sind seit dem

Mord an Dudley George vergangen.

Nur eine breite Unterstützung kann der

Gerechtigkeit zum Sieg verhelfen!

von Monika Seiller

Mr. Ernie Eves, Premier of Ontario

Toronto, Ontario

Canada M7A 1A1

Fax 001-416-325-3745

e-mail: webprem@gov.on.ca

Dear Premier Eves,

As you know, this September 6 th marks

seven years since the death of Aboriginal

rights activist Dudley George as

a result of an Ontario Provincial Police

Assault on a small group of unarmed

protesters in Ipperwash Provincial

Park.

I am one of many individuals and

groups who demand a public inquiry

into what happened that night and the

circumstances that led up to the occupation

of the park and the police assault.

Your own Ombudsman called

for a public inquiry in June 1999, referring

to the many outstanding questions

raised by Mr. George’s death and

beyond the scope of her own investigations.

Legal opinions prepared for the Coalition

for a Public Inquiry into Ipperwash

1998 as well as by the

Legislature’s Research and Information

Services indicate that there is no

legal impediment into calling an inquiry,

even with the civil suit case outstanding.

I am calling on you to mark the seventh

anniversary of Dudley George’s

death by invoking the Public Inquiries

Act to uncover the truth about Ipperwash,

and to recommend much-needed

policy directions to prevent such

an event from happening again.

Sincerely Yours

17


Zauber der Prärie

Neues aus dem Land der Lakota

Im Jahr 2001 veranstaltete die Aktionsgruppe Indianer und Menschenrechte eine Verlosungsaktion, deren

Einnahmen dem Büffelprojekt von Henry Red Cloud zugute kommen sollten. Die Lakota planen eine neue

Büffelzucht aufzubauen und benötigten dafür Geld für einen Zaun. Mit Unterstützung der AGIM konnten

rund 5.000,- Dollar zusammengetragen werden, um das Projekt zu finanzieren. Cornelia Bauer reiste nun

erneut nach South Dakota, um sich einen Eindruck der aktuellen Lage zu verschaffen. Zurückgekehrt

berichtet sie nicht nur über den Stand des Büffelprojekts, sondern auch über die Situation des geplanten

Anbaus von Nutzhanf durch Alex White Plume. Coyote hatte mehrfach über die beiden Projekte informiert,

die Henry und Alex bei einer Veranstaltung der AGIM im November 2000 persönlich vorgestellt hatten.

Besuch bei der Familie Red

Cloud und Neues über das

Tatanka-Projekt

Christiane und ihr Mann Dirk, die

mich nach Pine Ridge zur Familie

Red Cloud begleiten werden, brechen

unsere Zelte am 12 08.02 im Rose

Bud Reservat ab. Am frühen Nachmittag

erreichen wir Pine Ridge. Wir

erkundigen uns bei einem freundlichen

Tankwart nach dem Weg zu den

Red Clouds, und wie erwartet, kann

er uns sofort weiterhelfen. Schnell

noch eine CD mit „traditional songs“

gekauft, und weiter geht es. Von den

Trommeln und dem Gesang von der

CD angetrieben, nähern wir uns dem

Haus von Christine und Bernard Red

Cloud, den Eltern von Henry. Als wir

dort ankommen, empfängt uns eine

Frau mit einem Telefon in der Hand

vor dem Eingang des Hauses. Zu

meiner Überraschung übergab sie mir

sofort das Telefon und am anderen

Ende der Leitung befand sich Henry

Red Cloud, der vor ca. 1 ½ Jahren

das Tatanka Projekt in München in

den Räumen der AGIM vorstellte. Er

begrüßte mich und beschrieb mir den

Weg zu seinem Trailer. Natürlich

wurden wir, bevor wir unsere Fahrt

fortsetzen konnten, erst noch allen

Anwesenden im Hause von Henrys

Eltern vorgestellt. Leider suchten

meine Blicke im Trailer vergebens

nach Christine und Bernard Red

Cloud, mit denen ich wegen des Projekts

schon häufig telefoniert hatte.

Sie waren aber zu Besuch bei einer

Tochter in Indianapolis. Ich muss zugeben,

dass ich etwas enttäuscht war,

denn nach meinen zahlreichen Telefonaten,

speziell mit Christine, hätte

ich sie doch sehr gerne persönlich

kennen gelernt.

Lakota

Conny Bauer (r.) mit Henry RedCoud (2.v.r.) und seiner Familie beim Begutachten des

Zaunmaterials - Foto: Dirk Schröder

Wir machten uns auf den Weg zu

Henry, der ca. 15 Minuten mit dem

Auto von seinen Eltern entfernt, zusammen

mit seiner Freundin Beggy,

seiner Tochter Teshawee und seinem

Sohn Wamblee lebt. Als wir die Einfahrt

zu dem Grundstück erreichen,

sehen wir Henry schon an einem im

Bau befindlichen großen „Earthshiphouse“

stehen und uns zuwinken. Wir

biegen ab und lassen uns auf einer

kurzen Schotterstraße noch einmal

tüchtig durchschütteln. Henry weist

uns den Weg zum Trailer, der auf einer

Lichtung eines kleinen Laubwäldchens

steht, an welches die Prärie

angrenzt. Es folgt ein fröhliches Hallo

mit der Vorstellung der Menschen,

mit denen er dort lebt. Anschließend

entsteht bei Kaffee und Schokocookies

ein interessantes Gespräch.

Henry erläutert mir, warum es so lange

dauerte, bis er alle Papiere fertig

hatte, damit das Land seines Vaters

für die Bisonzucht genutzt werden

kann. Er kam mit einem dicken Ordner,

voll mit dem Schriftwechsel mit

dem BIA, an. Das Problem bestand

darin, dass die Familie Red Cloud aus

finanziellen Gründen bislang ihr Land

nicht selbst nutzen konnte. Deshalb

hatte der Stammesrat das Land an einen

weißen Farmer verpachtet, dessen

Vertrag zum 1.11.02 abläuft. Das

BIA, welches die Zustimmung geben

muss, wenn eine indianische Familie

Eigenbedarf anmeldet, hat diese Bewilligung

ständig hinaus gezögert.

Jetzt sind alle Unterlagen fertig und

am 1.11.02 kann laut BIA die Familie

Red Cloud beginnen, den Zaun

aufzustellen. Das Material für den

Zaun lagert bereits auf dem Grundstück

von Henrys Eltern, bewacht von

den zahlreichen Augen der großen

Familie.

Am Abend bereiteten wir unser

Schlaflager in einem großen Tipi,

welches von Henry selbst gefertigt

wurde. Als er vor sieben Jahren

wieder in das Reservat zurück kehrte,

nachdem er in Großstädten auf

dem Bau gearbeitet hatte, begann er

sich mit dem Nähen von Tipis über

Wasser zu halten. Er freut sich über

18 COYOTE 3/02


jedes verkaufte Tipi riesig und verschickt

die Tipis auch an Käufer in

Europa. Heißer Tipp für Liebhaber!

Am nächsten Vormittag brechen wir

zum Gelände auf, wo die Bisons leben

werden. Dort angekommen zeigt

uns Henry voller Stolz dieses Gebiet.

Die Schönheit der Landschaft und das

Gefühl, endlich auf dem Stück Erde

zu stehen, wohin unsere Gedanken so

oft reisten, rührt uns tief an.

Auf dem Gelände befindet sich auch

ein kleiner Canyon, der aber wegen

der ausbleibenden Regenfälle dieses

Jahr völlig vertrocknet ist. An dieser

Stelle erklärt uns Henry, dass seine

Familie jetzt leider noch einmal Geld

sammeln muss, da sie jetzt nach dem

Bau des Zaunes auch noch einen

Brunnen anlegen müssen, bevor die

Bisons endlich das Land in Beschlag

nehmen können. In diesem Gebiet

muss ca. 100 m in die Tiefe gebohrt

werden, um auf Wasser zu stoßen,

welches dann mit einer Windkraft be-

Zweimal hat Alex White Plume schon

vergeblich darauf gewartet, zusammen

mit seiner Familie und Freunden

im August sein Feld, auf dem er Industriehanf

anbaut, zu ernten. Beide

Male wurde die Ernte durch FBI und

DEA verhindert und der Hanf beschlagnahmt.

Dieses Mal sollte eine symbolische

Ernte am 14.08.02 stattfinden. Dafür

war eine große Dankeszeremonie geplant.

Einige Tage vor der Ernte klopfte

es jedoch an der Haustüre von Alex

White Plume. Als seine Frau Debby

die Tür öffnete, betraten zwei Männer

das Haus, die sich weder vorstellten

noch auswiesen. Sie suchten

sofort nach Alex und klopften ihm,

als sie ihn gefunden hatten, nur mit

einem Briefumschlag auf die Schulter

- mit Vorladung zum Gericht in

Rapid City. In diesem Augenblick begriff

Debby, dass es sich um Staatsbeamte

handelte und warf die beiden

Männer mit dem Vorwurf des Haus-

COYOTE 3/02

Lakota

triebenen Pumpe zur Oberfläche gebracht

und in einem Becken gesammelt

wird. Wir standen in der sengenden

Hitze und uns war klar, dass in

dieser Gegend unbedingt ein Brunnen

nötig ist, wenn die Bisons hier leben

sollen. Damit rückt aber das Ziel, die

Bisons zurück auf dieses Land zu

bringen, leider wieder ein Stück in die

Ferne. Ich mache mir Gedanken, wie

wir gemeinsam mit der Familie eine

gute Lösung finden können.

Wieder bei Henry zu Hause, erfahren

wir, dass Henrys Eltern extra wegen

uns aus Indianapolis zurück kehren.

Sie werden in zwei Tagen erwartet.

Am 17.8.02 treffen wir endlich Henrys

Eltern, die uns sehr herzlich begrüßen.

Wir verbringen eine gute Zeit

und Christine schlägt uns vor, alle in

der Nähe lebenden Verwandten anzurufen

und zu einem Familienfoto zu

bestellen.

Bei mildem Abendlicht trifft der letzte

Pick-up ein, mit einer Fuhre Red

Erneutes Ernteverbot durch US-Bundesregierung

friedensbruches hinaus. Somit kam es

am 14.08.02 erneut nicht zur Ernte.

Es hätte sich ohnehin nur um eine

symbolische Ernte gehandelt, da Alex

kein Feld angesät hatte, sondern nur

die Saat hatte aufgehen lassen, die

beim Abmähen des Hanfes durch das

FBI im letzten Jahr gestreut wurde.

Dennoch waren am 14.08.02 ca. 30

Unterstützer vor Ort, die Alex und

seiner Familie ihre Solidarität bekundeten.

Vor dem Feld hielt Alex eine

Rede, in der er sich bei den Unternehmern,

die in Zukunft von ihm

Hanf kaufen wollen und bei allen, die

extra wegen der symbolischen Ernte

angereist waren, entschuldigte und

sich auch im Namen seiner Familie

für die Anteilnahme bedankte. Er erklärte,

dass er auf Grund der gerichtlichen

Verordnung – „Temporary restraining

order and motion for preliminary

injunction“ – erneut durch die

Regierung auch an dieser symbolischen

Ernte gehindert wurde und er

am 04.11.02 eine Vorladung vor das

Clouds auf der Ladefläche. Nach einer

kurzen Begrüßung verteilt sich die

Familie auf ein paar Strohballen und

vor dem Haus für das „Shooting“. An

dieser Stelle habe ich die große Ehre,

stellvertretend für die vielen Menschen

in Deutschland, die gespendet

oder Lose gekauft haben und für die

Unterstützung des AGIM-Teams, den

Dank der Familie, ausgesprochen von

Henry, entgegenzunehmen. Voll Freude

gebe ich diesen Dank an alle Genannten

weiter. Ohne euch gäbe es

keinen Zaun für das Tatanka-Projekt.

Das Kommen der Bisons hat für die

Familie Red Cloud nicht nur einen

wirtschaftlichen Aspekt, sondern in

erster Linie einen spirituellen, und es

ist ein großer Hoffnungsträger, der

selbst die, die im Moment keine großen

Hoffnungen haben, wieder mit

neuem Mut erfüllt.

Vielen Dank für die Unterstützung des

Projekts!

Gericht in Rapid City habe, wegen

Anbau und Besitz von Marihuana.

Danach ergriff Craig Lee, ein Hanffabrikant

aus Kentucky, das Wort und

brachte seine Verzweiflung zum Ausdruck.

Er sei amerikanischer Staatsbürger

und habe in Amerika eine Lizenz

für seinen Hanf verarbeitenden

Betrieb. Er habe sich als Geschäftspartner

bewusst Alex White Plume

ausgesucht, da dieser Sioux Indianer

sei. Als Unternehmer sei es sein Anliegen,

mit den Sioux, die er als souveräne

Nation betrachtet, Handel zu

treiben. In diesem Moment wird sein

geschäftliches Handeln aber illegal,

da die amerikanische Regierung den

Anbau von Industriehanf, auch auf

Reservatsgelände, als rechtswidrig

ansieht, obwohl der Oglala Sioux

Stammesrat bereits 1998 sich für die

Legalisierung des Industriehanfes

entschieden hat. Craig zeigte den Widerspruch

auf, da ihm wiederum erlaubt

sei, aus Kanada eingeführten

19


Hanf zu verarbeiten und er sich somit

wieder auf der Seite der Legalität

befinde. Craig hatte ein noch vom

kanadischen Zoll verplombtes Paket

mit kanadischem Hanf dabei, dessen

Inhaltsstoffe ohne weiteres mit dem

auf Feld von Alex wachsenden Hanf

hätten verglichen werden können, um

festzustellen, dass es sich bei beiden

Sorten lediglich um Industriehanf und

nicht um Marihuana handelt. Craig

ging des weiteren auf die lange Geschichte

und die vielseitigen Verarbeitungsmöglichkeiten

des Hanfes ein,

wie z.B. als Verbundstoff in der Autokarosserieentwicklung,

Dämmstoff,

Naturfaser in der Bekleidungsindustrie,

bei der Papierherstellung, bei der

Ölgewinnung und vieles mehr. Er

zeigte auch anhand zweier alter Geräte,

wie einfach die Hanfverarbeitung

ist, hin zu der Form, in der er für

die Industrieverarbeitung benötigt

wird. Als erstes legte er ein Bündel

Hanf in eine Art Pressmaschine. Er

schloss eine Klappe, öffnete sie

wieder, schlug sie wieder zu. Auf diese

Weise wurde der Hanf geplättet.

Danach schlug er mit dem geplätteten

Hanf auf eine mit ca. 10 Zentimeter

langen Eisendornen bestückte

Platte, die auf vier Füssen stand. So

konnte er die einzelnen Fasern aufspalten

und es entstand ein fast haariges

Bündel, das nun weiter verarbeitet

werden könnte.

Anschließend ergriff Bob Newland

das Wort, ein Befürworter des Hanfanbaus,

der auch mit vielen weißen

Farmern Amerikas für die Legalisierung

des Industriehanfanbaues

kämpft. Nach einer enthusiastischen

Rede zog er sein Messer vor den Kameras

der anwesenden Presse und

sagte, dass er nun ernten werde, auch

wenn er dabei das Risiko eingehe,

morgen bereits im Gefängnis zu sitzen.

Als er die erste Pflanze geschnitten

hatte, erklärten sich einige der

Anwesenden solidarisch, zückten ihre

Messer und schlossen sich seiner

Aktion an.

Danach ergriff Debby White Plume

das Wort und brachte die zuvor gesprochenen

Worte auf einen kurzen

Nenner. Sie sagte, dass sie nicht verstehe,

weshalb Industriehanfanbau

nicht genehmigt würde und weshalb

Lakota

Alex White Plume in seinem Hanffeld - Foto: Dirk Schröder

die Regierung in den letzten drei Jahren

eine halbe Million Dollar dafür

ausgegeben habe, um den Hanfanbau

auf ihrem Land, welches sich

immerhin im Pine Ridge Reservat

befindet, zu verhindern. Es zeige sich

allerdings kein Bundesmarschall im

Reservat, um die immer noch ungeklärten

Todesfälle von Indianern aufzuklären.

Sie sehe den Industriehanf

als den „Büffel der Neuzeit“ für ihr

Volk. Doch so, wie die Büffel einst

durch den weißen Mann ausgerottet

wurden, soll nun verhindert werden,

dass durch den Hanf eine neue Lebensgrundlage

für ihr Volk entstehen

könne. Der Hanf, so erklärte sie,

könnte tatsächlich eine neue Grundlage

bilden, da er selbst auf dem ihnen

zur Verfügung stehenden kargen

Boden ohne große Pflege in 120 Tagen

nach der Aussaat zur Ernte reif

sei. Der Hanf stelle eine realistische

Grundlage dar, um viele Arbeitsplätze

im Reservat entstehen zu lassen.

Trotz der erneut durch die Regierung

verhinderten Ernte des Hanfes zeigt

sich Alex sehr zuversichtlich, dass

seine Familie und alle Befürworter

am Ende siegen werden.

Am nächsten Tag war erstaunlicher

Weise in den „Lakota News“ zu lesen,

dass Alex angeblich des nachts

heimlich mit modernster technischer

Ausrüstung geerntet hätte. Er wurde

sogar zitiert, dass er dies vom FBI

gelernt habe, als sie sein Feld ernteten.

Des weiteren soll er gesagt haben,

dass ein Vertrag zwischen seiner

Familie und einer Gesellschaft in

Kentucky bestehe und dass es nur der

Wille seiner Familie gewesen sei, ihr

Wort zu halten.

Als wir Alex am Tag nach der nicht

stattgefundenen Ernte auf diesen Zeitungsartikel

ansprachen, hat er nur

gesagt, dass er diese Reaktionen

schon kenne und nur versucht würde,

die Öffentlichkeit gegen ihn aufzubringen.

Er erklärte uns noch mal ausdrücklich,

dass er nicht geerntet habe.

Er hätte nur einmal am Abend, da es

da kühler sei, die männlichen Pflanzen

aus dem Feld genommen, da diese

den für die Verarbeitung wertvolleren

weiblichen Pflanzen die Nährstoffe

nehmen. Die ausgerupften

männlichen Pflanzen habe er neben

dem Feld liegen gelassen.

Eine Frau aus der Gruppe der Unterstützer

von Alex erzählte uns sogar,

dass sie im „Kili Radio“ in der Presseschau

gehört habe, dass die „Associated

Press“ mitteilte, dass durch die

Bundesregierung Proben aus dem

Feld von Alex genommen wurden, bei

denen durch Laboruntersuchungen

Spuren von Marihuana und Kokain

gefunden worden seien.

Da sich selbst nach gründlichster

Kontrolle zwischen den auf dem Feld

wachsenden Industriehanfpflanzen

kein Kokastrauch, aus dessen Blättern

das Kokain gewonnen wird, finden

ließ, muss ich leider davon ausgehen,

dass hier versucht wird, Alex kräftig

etwas unterzuschieben. Wer da wohl

dahinter steckt?

von Cornelia Bauer

20 COYOTE 3/02


Am Beispiel der Indianerfamilie

White Plume wird deutlich, dass Eigeninitiativen

im Reservat nicht gefördert,

sondern von der Regierung

meist verhindert werden. Für Mittwoch

den 14. August war bei den

White Plumes in Manderson, einem

Ort in der Pine Ridge Reservation

(Bundesstaat South Dakota) die Ernte

des kleinen Hanffeldes festgelegt.

Mit einer Dankeszeremonie soll an

diesem Tag die Arbeit beginnen. Unterstützer

aus den verschiedensten

Teilen der USA, die vor dem Hanffeld

zelten, warten bereits seit Tagen

auf diesen Augenblick. Zwei Unternehmer

sind angereist die den Hanf

direkt kaufen wollen, doch es kommt

alles anders: Gegen Mittag tritt der

Vollblutlakota Alex White Plume vor

die wartenden Menschen: „Wir können

den Hanf nicht ernten“, sagt der

Mann mit dem Basecape voller Verbitterung.

„Gestern wurde über mich

und meine Familie eine einstweilige

Verfügung verhängt, die es uns verbietet

die Hanfpflanzen auch nur zu

berühren.“ Dabei hält er das gut 2cm

starke Schriftstück in die Höhe (im

Internet unter www.sodakhemp.org/

summons.htm) „Am 1. Oktober (später

verschoben auf den 4. November)

muss ich dann vor Gericht. Ich kann

es nicht glauben“, sagt er und weist

auf die Hanfpflanzen, die ihm bis zur

Brust reichen. „Wie kann der Anbau

von so etwas wunderschönem, aus

dem so viele verschiedene Dinge hergestellt

werden können, verboten

sein. Es ist so einfach auf unserem

kargen Boden Hanf anzubauen. Er

wird ausgesät und nach 120 Tagen

kann man ernten und Geld verdienen.

- Ja, Hanf wächst in diesen Gebieten

sogar wild. 5.000 $ habe ich mir von

dem kleinen Feld erwartet“, sagt Alex

mit gebrochener Stimme.

Nutzhanf ist eine Form der Cannabis

Pflanze, die häufig mit Marihuana in

einen Topf geschmissen wird. Dass

dieser Hanf aber kein THC (Tetrahydrocannabinol)

enthält, also nicht als

Rauschmittel geeignet ist, darauf weisen

Schilder gleich am Eingang des

Feldes hin. Alex’ Rechtsanwalt Tom

COYOTE 3/02

Lakota

Eigeninitiative der Oglala-Indianer auf Pine Ridge per

Gerichtsbeschluss gestoppt

Bruce stützt sich auf den geltenden

Vertrag von 1868, der in Fort Laramie

unterzeichnet wurde. Demnach

ist der Anbau von Hanf nicht verboten.

Während die US-Regierung zwischen

Marihuana und Hanf keinen

Unterschied macht und den Anbau

generell unter Strafe stellt, hat der

Oglala Sioux Tribal Council (Stammesrat

der Oglala Sioux), in einer

Abstimmung 1998 Nutzhanf ausdrücklich

legalisiert.

Es war bereits der dritte Versuch von

Alex White Plume und seiner Tiospaye

(Großfamilie) sich durch den Anbau

von Nutzhanf eine Existenz aufzubauen.

Wie bereits berichtet kamen

in den letzten beiden Jahren die Beamten

des FBI und der Drogenbehörde

(DEA) mit Helikoptern und Lastwagen,

um die Ernte zu beschlagnahmen.

Es war ein sonderbares Bild, als

die Männer in ihren kugelsicheren

Westen mit der Pistole im Halfter die

Pflanzen abmähten. Im U-Haul (gemieteten

LKW) wurden sie abtransportiert,

um sie auf der Airforce-Base

in Ellsworth zu verbrennen. Grotesk

ist es in diesem Jahr deshalb, weil

Alex die Hanfpflanzen nicht einmal

gesät hat. „Das Feld, das ihr hier seht,

hat der DEA gesät. Letztes Jahr bei

der Ernte haben die Beamten die

Pflanzen schwungvoll auf die Schultern

genommen und dabei die Samen

verteilt“, erklärt Alex. Sie sind in dem

trockenen Sommer prächtig gewachsen,

während die Saat der White

Plums nur kleine Pflanzen erbrachte.

Hanf – der Bison der Neuzeit

Seine Frau Debby bringt es auf den

Punkt: „Durch den Anbau von Nutzhanf

fanden wir einen Weg unsere

Nation zu ernähren, so wie es einst

der Büffel (umgangssprachlich Buffalo,

richtiger Bison) war. 1 . Der Büffel

lieferte uns Schutz, Essen, Medizin

und vieles mehr. Das kann der

Hanf auch“, sagt die moderne Indianerin

mit Ohrringen und Armbanduhr.

„Nun findet die Regierung wieder einen

Weg, uns den „modernen“ Büffel

zu nehmen. Wenn Ihr auch kein

Land habt“, spricht sie ihre Landsleu-

te an, „dann könnt Ihr Euch an der

Weiterverarbeitung des Hanfs beteiligen.

Es gibt durch Hanf so viele

Möglichkeiten aus dem Dilemma

heraus zu kommen, in dem wir stecken.

Es geht hier nicht darum, dass

unsere Familie Hanf anbaut, es geht

um eine generelle Frage, um die Unabhängigkeit

aller Stämme. Es geht

hier um Stammesverträge, für die

unsere Vorfahren gekämpft haben.

Wenn wir nicht dafür kämpfen, was

erzählen wir dann unseren Ahnen? Ihr

seit umsonst gestorben? Ich kann das

nicht.“

Im folgenden schneidet Debby White

Plume ein weiteres heikles Thema an:

„Und wenn Ihr nicht von hier seid,

dann fragt Eure Führer, warum die

Regierung ½ Million Dollar ausgibt,

um uns immer wieder den Hanf zu

beschlagnahmen, aber keine Bundespolizei

ins Reservat schickt, um die

Morde an Indianern im angrenzenden

Nebraska zu untersuchen. Sie verwenden

keinen Dollar, um die Mörder

zu fassen und zu bestrafen. Aber

Helikopter, 20 Autos, 50 bewaffnete

Polizisten, um uns das Hanffeld zu

nehmen. Geht nach Hause und fragt

Eure Regierenden das!“. Bei der Untersuchung

der kriminellen Straftaten

weißer Bürger gegen Indianer berufen

sich die Beamten auf die Souveränität

der Reservation, wenn es aber

darum geht den Hanf zu beschlagnahmen,

scheint es diese Souveränität

nicht zu geben.

Nutzhanf auch für die weißen

Amerikaner

Genau dies bleibt auch für Creag Lee,

einem der Käufer ein Rätsel. Er will

für seine Firma Madison Hemp &

Flax aus Lexington in Kentucky von

den Lakota als souveräner Nation den

Hanf beziehen, um einheimische Anbieter

zu unterstützen und macht sich

damit strafbar. Die gleiche Regierung

gestattet es ihm aber, von dem souveränen

Nachbarn Kanada Hanf einzuführen.

Als Beweis öffnet Lee vor

den Augen aller ein langes versiegeltes

Paket, das an seine Firma gesendet

wurde. Mit den Hanfpflanzen aus

21


Kanada demonstriert er den Anwesenden

wie leicht es selbst mit einfachen

Geräten ist, den Hanf zu brechen

und Fasern für den weitern Verkauf

zu gewinnen.

Auch Bob Newland aus Rapid City

ist zum Erntetag gekommen. Er

kämpft zusammen mit den weißen

Farmern in South Dakota für die Legalisierung

des Nutzhanfs in den

USA. Ebenso wie die Indianer sehen

sie darin die einzige Alternative für

die Agrarwirtschaft in der immer trockener

werdenden Region. Nach einer

enthusiastischen Rede zieht er

sein Taschenmesser und sagt: „Ich

werde jetzt ernten, auch wenn ich

dabei riskiere morgen bereits im Gefängnis

zu sein.“ Kaum hat er die erste

Pflanze geschnitten, zeigen sich andere

solidarisch, zücken ihre Messer

und schließen sich der Aktion an.

Schmutzkampagne gegen die

Familie White Plume

Mit diesem Tag ist der Fall noch lange

nicht abgeschlossen. Ich glaube

meinen Augen nicht zu trauen, als ich

zwei Tage später das Lakota Journal

aufschlage und unter der Rubrik:

„News from Pine Ridge & Rosebud“

die Überschrift lese: „Regierung

zwei, White Plume eins.“ Der Artikel

mit einem alten Archivfoto, das

Alex vor Hanf zeigt, der um ein vielfaches

höher ist als die diesjährigen

Pflanzen, beginnt sehr sachlich und

weist darauf hin, dass schon die Präsidenten

Washington und Jefferson

Hanf anbauten. Der Autor Paul

Richardson erwähnt auch, dass während

des Zweiten Weltkriegs etwa

250.000 Hektar Hanf teilweise mit

staatlicher Unterstützung gesät wurden.

Dann aber kommt die Aussage:

„Um der Regierung dieses Jahr zuvor

zu kommen, erntete die Familie

White Plume bei Nacht und unter Verwendung

moderner Hilfsmittel.“ Alex

wird mit den Worten zitiert „Ich benutzte

ein Grasschneidegerät. Das

habe ich vom FBI und BIA gelernt“.

So fahren wir noch einmal auf das

Anwesen der White Plums. „Das ist

eine Schmutzkampagne gegen uns“

sagt er. „Wir haben die männlichen

Pflanzen herausgenommen, damit die

weiblichen besser gedeihen können.

Lakota

Und da es tagsüber bis zu 40 Grad hat,

haben wir den kühleren Spätnachmittag

dazu gewählt.“ Er nahm diese Art

der Berichterstattung gelassen. „Ich

soll sogar Kokain gepflanzt haben“

sagte er mir zum Abschluss.

Dies bestätigt Joann Muir, eine füllige

Amerikanerin und Unterstützerin

der Familie White Plume. Sie hat diese

Anschuldigung erst vor wenigen

Stunden im „Kili Radio“, dem lokalen

Radiosender der Lakota gehört,

als die Presseschau vorgelesen wurde.

Danach schrieb die Associated

Press, dass Regierungsbeamte Proben

der Hanfpflanzen genommen haben,

in denen bei Laboruntersuchungen

Spuren von Marihuana und Kokain

gefunden worden sein sollen. „Ich

kann verstehen, dass man Marihuana

und Hanf verwechseln kann“, sagt

Joann kopfschüttelnd, „doch soweit

ich weiß ist Kokain eine ganz andere

Pflanze, die in Südamerika wächst.

Ich habe Laboranalysen gesehen, die

beweisen, dass die Sorte, die Alex

anbaut 0% THC enthält. Ich glaube

das die Regierung und der DEA die

Indianerfamilie verleumden“, sagt die

einstige Strafverteidigerin. „Ich weiß

aus meiner Tätigkeit als Anwältin, das

im Reservat mit Kokain gedealt wird,

doch dies wird von der Regierung ignoriert.“

Alex kommentiert die Situation ziemlich

gelassen so:. „Im Reservat denken

nun alle meine Verwandten – oh,

Alex baut Marihuana an und jetzt

auch noch Kokain. Ich denke, es ist

eine Schmutzkampagne des DEA, um

uns gegeneinander aufzuhetzen.“ Wie

überall auf der Welt wird Berichten

in Presse und Radio erst mal Glauben

geschenkt. Als wir eine Woche

später im Bundesstaat Wyoming einen

Freund der Familie White Plume

treffen, ist er erstaunt zu hören, dass

die Ernte gar nicht stattgefunden hat,

so wie er im Lakota Journal gelesen

hatte.

Nicht nur der umstrittene Hanfanbau,

auch die anderen Pläne der Familie

White Plume, wie das Trainingsprogramm

mit Pferden, einen Campingplatz

aufzubauen und sich mit Tourismus

Geld zu verdienen, finden keine

Unterstützung. „Es gibt 35 Er-

wachsene in der Tiospaje, die arbeitslos

sind und keine Einnahmequellen

haben“, sagt Joann Muir und erzählt

begeistert, aber auch frustriert von einem

anderen Projekt: „Die White

Plums könnten eine Herde von 300

Büffeln bekommen, als einzige Auflage

müssen sie fünf anderen indianischen

Familien helfen, eine eigene

Büffelzucht zu starten. Wir benötigen

10.000 $ um das Land zu kaufen, doch

von Seiten der Regierung bekommen

wir nur Widerstand. Ich habe es aufgegeben,

von der US-Regierung Unterstützung

zu fordern. Ich glaube, die

wollen nur Reiche fördern und Arme

unterdrücken. Ich wende mich jetzt

an private Spender!“

Alex ist kein Einzelfall. Viele haben

längst aufgegeben. Doch der kämpferische

Oglala bleibt optimistisch für

die Gerichtsverhandlung am 4. November.

Was er bis dahin dringend

braucht sind weitere Rechtsanwälte,

die ihm unentgeltlich zur Seite stehen.

Spenden sind ebenfalls willkommen.

von Dirk Schröder

Über den Autor: Dirk Schröder ist

als Reisejournalist und Fotograf jedes

Jahr bei den Indianer zu Gast und

berichtet so aus erster Hand über die

Situation der Lakota. Über den Ritt

nach Wounded Knee hat er ein Video

aus der Sicht eines Teilnehmers gedreht(www.reise-foto-text.de/indianer/wounded-knee.htm)

Internetadressen:

www.reise-foto-text.de/indianer/

reise.htm

Dirk Schröder berichtet hier über seine

Reise auf den Spuren der Siedler

und Indianer, wo einige Tage bei der

Familie White Plume und ihren Pferden

vorgesehen sind, um deren Tourismusprojekt

zu fördern.

Auf den Seiten www.sodaknorml.org,

und www.sodakhemp.org hat Bob

Newland viele Informationen (englisch)

zum Thema Hanf zusammengestellt.

1 Vor der Ankunft der Siedler lebten etwa 60

Million Bisons in der Prärie. Ende des 19.

Jahrhunderts waren die Tiere nahezu

ausgerottet und die Indianer gezwungen in

die Reservationen zu gehen, um dort ihre

Essensrationen abzuholen

22 COYOTE 3/02


Nachdem bereits im Mai das Abgeordnetenhaus

auf heftiges Drängen der

Bush-Regierung dem Atomendlager in

den Bergen 140 km von Las Vegas entfernt

zugestimmt hatte, gab nun am 9.

Juli auch der Senat grünes Licht für das

Projekt und überstimmte damit das

zuvor eingelegte Veto des Bundesstaats

Nevada gegen die Lagerung von rund

77.000 Tonnen radioaktiven Materials

in dem erdbebengefährdeten Gebiet.

Trotz der mangelnden Unterstützung

anderer Senatoren, die froh sind, das

Problem aus dem eigenen Bundesstaat

fernzuhalten, zeigte sich eine kurze

Hoffnung für die beiden Nevada-Senatoren

Harry Reid und John Ensign, in

der Person des demokratischen Senatsmehrheitsführers

Tom Daschle, der sich

geweigert hatte, die völlig überstürzte

Abstimmung nach nur wenigen Stunden

der Debatte durchzuführen. Doch

ein Gesetz von 1982 erlaubt es jedem

Senator eine Abstimmung zu erzwingen,

was in diesem Fall besondere Brisanz

gewann, da das gesamte Projekt

gestorben wäre, hätte der Senat nicht bis

zum 26. Juli eine Entscheidung gefasst.

Präsident Bush ließ unterdessen keine

Zeit verstreichen und unterzeichnete das

Gesetz bereits am 23. Juli.

In der 60-39-Abstimmung sprachen

sich die Senatoren für eine sofortige

Entscheidung aus, in der – unterstützt

von 15 Demokraten - fast alle republikanischen

Senatoren für das Endlager

votierten mit Ausnahme von John Ensign

aus Nevada, Lincoln Chafee aus

Rhode Island und Ben Nighthorse Cambell

aus Colorado. „Seit Jahren führen

wir Untersuchungen über die Tauglichkeit

von Yucca Mountains durch“, so

Sen. Jeff Bingaman aus New Mexico,

„nun nach einem anderen Standort zu

suchen, ist völlig unrealistisch“. Doch

die Sorgen der Senatoren bleiben hinsichtlich

des Gefahrenpotentials der Nukleartransporte.

Zudem hat Nevada

weitere sechs Gerichtsklagen gegen das

COYOTE 3/02

Western Shoshone

Atomendlager auf Land der Western Shoshone beschlossen

Inter-American Commission on Human Rights verurteilt USA

Selbst der gesammelte Protest von 70 Hollywoodgrößen – darunter Barbara Streisand, Tim Robbins oder

Martin Sheen – konnte nichts mehr ändern: das atomare Endlager in den Yucca Mountains ist beschlossen

und unterzeichnet. Doch der Widerstand bleibt und Nevadas Gouverneur Kenny Guinn hat bereits angekündigt,

alle rechtlichen Schritte in die Wege zu leiten, um das Projekt doch noch zu stoppen. Auch die Western

Shoshone, die sich seit Jahrzehnten gegen die nukleare Zerstörung ihres Landes wehren – auf ihrem Territorium

wurden zwischen 1952 und 1992 immerhin 928 Atomtests durchgeführt –, werden ihren Kampf gegen

den atomaren Wahnsinn nicht aufgeben. Für sie steht unterdessen mehr auf dem Spiel: die Anerkennung

ihrer Landrechte.

Atomlager eingereicht, und schließlich

steht noch die Genehmigung durch die

Nuclear Regulatory Commission , die

US-Atombehörde, aus. Selbst Befürworter

des Projekt halten die Inbetriebnahme

2010 für zu optimistisch.

Die Proteste der Western Shoshone, auf

deren rechtmäßigem Land die Berge liegen,

spielten bei den Debatten im Senat

keine Rolle, obwohl sie gerade hier

derzeit erneut um ihre Landrechte

kämpfen müssen. Senator Harry Reid

(D-Nevada) hatte im Mai 2001 ein Entschädigungsgesetz

eingebracht, das einem

Ausverkauf ihrer Rechte gleich

kommt. Reid verweigert sich dem Protest

der Indianer und will das Gesetz

möglichst schnell durchpauken. Eine

Anhörung am 21. März wurde

kurzerhand abgesagt, nachdem Chief

Raymond Yowell sowie die Schwestern

Dann nach Washington gereist waren,

um vor dem Ausschuss des Senats ihre

Landrechte einzufordern. Eine neue Anhörung

über das 138-Millionen-Dollar-

Gesetz war für den 02.08. angesetzt.

Nachdem Anfang Juni eine Teilgruppe

der Western Shoshone – die Temoak

Band – sich für die Annahme der Entschädigung

ausgesprochen hatte, wollten

die Chiefs der fünf weiteren Bands

ihren Widerstand gegen das Gesetz S.

958 unterstreichen, der von der Mehrheit

ihres Volkes mitgetragen wird.

Just am Vorabend der Anhörung erhielten

sie unerwartete Unterstützung von

der Inter-American Commission on

Human Rights, die in ihrem Bericht

vom 29. Juli die Vorgehensweise der

Regieung kritisierte und als erste internationale

Organisation den USA die

Missachtung der indianischen (Menschen-)

Rechte vorwarf. Die Kommission

befand, dass die Regierung mehrere

Artikel der „American Declaration

on the Rights and Duties of Man“ verletzte,

darunter den Grundsatz der

Gleichheit vor dem Gesetz, das Recht

auf ein faires Verfahren und das Recht

auf Eigentum. Tim Coulter, Direktor

des Indian Law Ressource Center, welches

die Klage vor der Kommission eingebracht

hatte, sieht in dieser Entscheidung

einen Erfolg, der weit über den

Fall der Western Shoshone hinausgeht,

denn erstmalig sei offiziell und juristisch

eindeutig festgestellt worden, dass

die von der US-Regierung angewandten

Verfahren rechtswidrig seien.

Inzwischen haben sich die Western

Shoshone auch an die OSZE gewandt,

um auf die Verletzung und Missachtung

ihrer Rechte aufmerksam zu machen.

Bleibt abzuwarten, ob die amerikanische

Regierung, die selbst ihre Beteiligung

am Internationalen Strafgerichtshof

ablehnt, sich von einem internationalen

Gremium beeindrucken lässt. Der

Protest der Basis sollte auf jeden Fall

nachhelfen, die Regierung zur Anerkennung

der indigenen Rechte zu drängen.

Protestbriefe gegen eine Politik, die

weder internationales noch eigenes

Recht respektiert, sollten weiterhin an

den Senat gerichtet werden

Sen. Daniel Inouye (Chairman)

Senate Select Committee on Indian Affairs

Hart Building 838

Washington D.C. 20510

von Monika Seiller

23


Chiapas erneut in der Schusslinie

Nachdem „Marsch der Würde“ der Zapatisten am 11. März 2001 unter jubelnden Begrüßungsrufen Mexiko-

Stadt erreicht hatte, glaubte die Weltöffentlichkeit einen Augenblick lang an die Hoffnung auf eine friedliche

Lösung der Situation im mexikanischen Bundesstaat Chiapas und eine Anerkennung der indigenen Rechte.

Doch kaum hatten sich die Kameras verzogen, verfiel die Regierung von Vicente Fox in die alte Rolle:

Versprechungen wurden gebrochen, das Militär wieder verstärkt und die Situation der Menschen zeigte

keinerlei Verbesserungen. Im Gegenteil forcierte Fox ein Indigenengesetz (Ley Indigena), das keine der

Forderungen der betroffenen rund 10 Millionen Ureinwohner erfüllte und in fast allen Punkten den Vereinbarungen

des Abkommens von San Andres widerspricht. Am 6. September hatte der mexikanische Oberste

Gerichtshof die Klage der Indigenen gegen dieses neue Gesetz abgewiesen, womit der juristische Spielraum

der Indigenen ausgeschöpft ist. Doch nun setzt den Indigenen nicht nur die Regierung erneut zu, sondern vor

allem Paramilitärs, die mit staatlicher Hilfe terrorisieren und morden.

Mexiko

USA

Chiapas

Seit Juli hat die Offensive der Paramilitärs

in Chiapas mehrere Tote und

Verletzte gefordert. Familien wurden

von ihrem Dorf und ihrem Land vertrieben

und bedroht, während die Regierung

tatenlos zusieht oder die paramilitärischen

Angriffe unterstützt.

Die Bundesarmee wurde mobilisiert,

aber nicht um die Indigenas zu schützen,

sondern die eigenen Stellungen

zu sichern. Sowohl Salazar, der Gouverneur

von Chiapas, als auch die

Regierung Fox leugnen die Existenz

der Paramilitärs und verbreiten infame

Gerüchte, es handle sich bei den

Auseinandersetzungen um innerzapatistische

Konflikte oder Verteilungskämpfe

der Bauern. Chiapas Innenminister

Emillio Zebadua behauptete

sogar, es gehe nur um Familienstreitigkeiten.

Die Regierung läßt die

Muskeln spielen und setzt die Paramilitärs

für die schmutzigeren Arbeiten

ein.

Nicht ohne Grund reagiert Fox nervös,

denn die Umsetzung der indigenen

Autonomie wird ungebremst von

den Zapatisten verfolgt und behindert

die Pläne der Regierung zur Freihandelszone

FTAA, die bis 2005 verwirk-

Chiapas

licht werden soll. Auch der von Fox

verkündete Plan Puebla-Panama wird

durch den Widerstand der Indigenen

unterwandert. So wehrte sich die Bevölkerung

des autonomen Bezirks

Olga Isabel erfolgreich gegen den Bau

einer Schnellstraße durch ihr Gebiet,

und der autonome Bezirk Ricardo

Flores Magon widersetzte sich der

Vertreibung und Ausbeutung eines

Naturschutzgebiets, das aufgrund der

reichen Bodenschätze erschossen

werden sollte.

„Und dann sagten sie ‚Globalisierung‘,

und da wußten wir Bescheid,

denn so nannten sie diese absurde

Ordnung, in der das Geld die einzige

Heimat ist, der die Leute dienen und

in der die Grenzen nicht etwa aus

Brüderlichkeit aufgehoben werden,

sondern durch den Aderlaß, der die

Mächtigen mästet.“ (Zitat Marcos)

Der Widerstand der autonomen Dörfer

und der Indigenas wird brutal niedergeschmettert.

Auch im Nachbarstaat

Oaxaca kam es Ende Mai zu einem

Massaker, bei dem 27 indigene

Bauern ermordet und weitere verwundet

oder verschleppt wurden. Im Juli

wurden sieben Camps der EZLN von

der paramilitärischen OPDIC überfallen,

die von dem Abgeordneten der

jahrzehntelangen Staatspartei PRI

gegründet wurde.

Am 7. August wurde Jose Lopez Santiz

erschossen, am 25. Wurden Lorenzo

Martinez Espinosa und Jacinto

Hernandez Gutierrez sowie Antonio

Mejia ermordet. Sie alle wurden Opfer

der Paramilitärs, die auch weitere

Gemeinden überfielen und angriffen.

Morddrohungen und Vertreibungen

sind an der Tagesordnung und werden

von der Regierung ignoriert, denn

die Verbindungen der Paramilitärs mit

alten und neuen Politikern zeigen ein

korruptes und brutales System, das

auch unter Fox keinen Schutz der indigenen

Rechte gewährleisten kann –

und will.

Es ist daher wichtig, die Aufmerksamkeit

weiter auf Mexiko und

insbesondere Chiapas zu richten, um

weitere Massaker zu verhindern. Der

Protest gegen die Politik der Regierung

Fox muss auch aus Europa erfolgen.

„Ya basta!“ bedeutet auch lokal Widerstand

gegen die globalen Herrschaftsverhältnisse

zu organisieren.

von Monika Seiller

Protestbriefe an:

Jorge E. Navarrete Lopez

Botschafter der Rep. Mexiko

Klingelhöferstr. 3

10785 Berlin

Fax: 030/26 93 23 700

E-Mail: mail@embamexale.de

24 COYOTE 3/02


Potlatch als Benefiz-Veranstaltung

Anders als in den vergangenen zwei Jahren

wird AGIM die Benefiz-Veranstaltung

2003 nicht als Benefiz-Abendessen gestalten,

sondern als Potlatch-Fest. Ein

Potlatch ist eine vieldeutige Verschenkzeremonie

der Indianer der Nordwestküste.

Der Zweck der Veranstaltung ist auch

diesmal die Beschaffung von Finanzmitteln

für AGIM-Aktionen im Jahr 2003.

Neu ist dabei, dass AGIM ein einfaches

aber dafür erschwingliches Abendessen

anbieten wird, gekocht wird auch diesmal

selbstverständlich nach indianischen Rezepten.

Im Anschluss daran findet der

Potlatch gleich zweimal statt: Einmal als

szenisches Spiel der Aktionsgruppe und

zum zweiten als Spiel der anwesenden

Zuschauer und Gäste.

Eine indianische Zeremonie im Wandel

COYOTE 3/02

Potlatch

Mit dieser Neuausrichtung wollen wir

einerseits unsere Idee einer eher geselligen

Veranstaltung zum Beginn des neuen

Jahres fortsetzen, andererseits aber auch

den finanziell weniger gut ausgestatteten

Abonnenten und Mitgliedern Gelegenheit

geben, sich sowohl an der Unterstützung

der Indianer als auch am Gespräch mit

AGIM zu beteiligen.

„Risikofreudige“ Mitspieler gefragt

Für das Spiel bitten wir alle Gäste in ihren

Haushalten nach „Potlatch-würdigen“

Objekten zu fahnden. Wir stellen uns vor

allem vor, dass es sich dabei um Gegenstände

mit indianischem Bezug handelt,

z.B. (antiquarische) Indianerbücher, CDs,

Unter Potlatch versteht man eine Verschenkzeremonie indianischer Völker der nordamerikanischen

Westküste, die ursprünglich mit einem bestimmten Anlass verknüpft

war. Ein solcher Anlass konnte die Namenszeremonie eines Heranwachsenden,

der vollendete Bau eines neuen Hauses oder die Aufstellung eines Wappenpfahles

(bei uns fälschlicherweise als Totempfahl bezeichnet) sein. Die feiernde

Familie nutzte einen derartigen Anlass, um ihr gesellschaftliches Ansehen zu dokumentieren

oder sogar zu erhöhen. Ein Potlatch wurde langfristig mit der Herstellung

von Gütern vorbereitet. Je mehr eine Familie an ihre Gäste verschenkte, desto

höher wuchs ihr Ansehen innerhalb des Sozialverbands. Nur durch Potlatching konnte

zum Beispiel der Rang eines Häuptlings erlangt und auch erhalten werden.

Dabei ist zu bedenken, dass es sich bei den indianischen Nationen der Pazifikküste

um Überflussgesellschaften handelte, die wegen des Lachsreichtums nicht auf die

zeitraubende und gefährliche Jagd auf größere Landsäugetiere angewiesen waren.

Für Kwakiutl, Haida und Nuxalk war der Potlatch also auch eine Institution für die

Umverteilung von Überschüssen von oben nach unten bzw. von reich zu arm, die in

unserer Überflussgesellschaft zu einem gewissen Grad durch die Geldwirtschaft

erfolgt bzw. erfolgen könnte.

Wie alle indianischen Zeremonien wurde auch der Potlatch vom Kontakt mit den

weißen Neuankömmlingen beeinflusst. Gegenstände wie Töpfe, Waffen, Baumwollstoffe

und ähnliche Güter wurden als besonders wertvolle Geschenke in das

Geschehen einbezogen. Dazu kam, dass aufgrund von gewaltsamen Auseinandersetzungen

mit den Weißen, aber auch eingeschleppten Krankheiten immer häufiger

hochrangige gesellschaftliche und politische Positionen innerhalb der Völker neu

zu besetzen waren. Die Zahl der Potlatches nahm dementsprechend zu. In den fünfziger

und sechziger Jahren des 19. Jahrhunderts ließen die kämpferischen Auseinandersetzungen

zwischen den Indianervölkern deutlich nach und wurden durch den

Potlatch als ritualisierte Form des Stellvertreterkriegs ersetzt. Ziel der Auseinandersetzung

wurde es dann, den Gegner mittels Geschenken zu demütigen. Sieger

im Konflikt war also interessanterweise nicht die Partei, welche den größten materiellen

Nutzen daraus zog, sondern die Gruppe, die ihre symbolische Macht mit

einem Übergewicht an Geschenken behaupten konnte.

Mit der christlichen Missionierung und dem damit verbundenen zwangsweisen

Wertewandel verschwand auch der öffentliche Potlatch, eine Entwicklung, die auch

durch anglo-kanadische Gesetze unterstützt wurde. Zwar wurde dieses Vorgehen

im 19. Jahrhundert mit der Begründung verbrämt, man wolle die Indianer daran

hindern, sich finanziell zu ruinieren, viel wahrscheinlicher ist jedoch, dass die mit

dem Potlatch einhergehende Werterelativierung von Privateigentum (Prestige und

Ansehen sind mehr wert als Wohlstand) vor allem den protestantischen Kirchen

mit ihrer diametral entgegengesetzten Ethik entgegenarbeitete.

Trotz Verboten und kirchlicher Verteufelung konnte der Potlatch aber nicht völlig

unterdrückt werden, so dass er in gemäßigter Form auch heute noch abgehalten

wird.

Der Potlatch 2003 findet am 4.1. 2003

(Samstag) um 20.00 Uhr in den Räumen

der AGIM statt. (Frohschammer-

Str. 14, 80807 München, U-Bahn: Petuelring

bzw. Milbertshofener Straße)

Wir bitten um Voranmeldung und

Vorab-Überweisung des Unkostenbeitrags

von 15,- Euro pro Person (Kinder

10,-) auf unser Konto bei der

Stadtsparkasse München, BLZ 701

500 00, Kto.# 17-223470, Stichwort:

Potlatch 2003. Eine Voranmeldung ist

ab sofort unter 089/35651836 (auch

Anrufbeantworter) erwünscht und

möglich, da wir für den Abend unsere

Vorbereitungen treffen müssen.

indianisches Kunsthandwerk oder ähnliches.

Eine zweite Möglichkeit wäre die Verwertung

von Weihnachtsgeschenken, die man

weiterverschenken möchte. Um die Veranstaltung

tatsächlich zu einem gelungenen

Benefiz-Abend zu machen, sollte es

sich jedoch schon um Objekte mit gewissem

Sachwert handeln.

Die dritte Möglichkeit der Mitwirkung

besteht in einer schriftlich erklärten

Selbstverpflichtung zu einem bestimmten

Dienst (von einfachen, stundenweisen

Bürotätigkeiten bis hin zu umfangreicheren

Aktivitäten) für AGIM.

Eine weitere Möglichkeit, die nur geringer

Vorbereitung bedarf, besteht in der

Mitnahme eines wohlgefüllten Geldbeutels,

um sich am Potlatch zu beteiligen.

Die beste Vorbereitung besteht vermutlich

in einer Kombination all dieser aufgeführten

Möglichkeiten mit möglichst vielen

Einzeleinsätzen, so dass sich ein lebendiges

Spielgeschehen ergibt.

Der Spielablauf in Umrissen

Ziel des Spiels ist die Umverteilung von

Gütern (Gegenständen, Hilfsdienste,

Geld) zugunsten der Aktionsgruppe Indianer

und Menschenrechte. AGIM-Mitspieler

werden die Gäste mit eigenen Spieleinsätzen

dazu herausfordern, ihrerseits

Einsätze zu wagen. Mit den Gewinnen,

können dann die Mitspieler weitere Herausforderungen

an andere Anwesende

richten. Sie können die Gewinne nach

Ablauf einer bestimmten Gesamtspieldauer

auch behalten oder an AGIM zurückspenden.

Wir geben zu bedenken, dass es

sich bei diesem Spiel vermutlich um eine

europäische Premiere handelt, wir also

auch bei gründlicher Vorbereitung nicht

wissen können, wie sich das Spiel im Einzelnen

entwickeln wird. Wir glauben aber,

dass dieses Spielexperiment bei entsprechendem

Engagement aller Beteiligten ein

Erfolg werden wird.

von Dionys Zink

25


Im Zeitalter der Globalisierung machen

selbstverständlich auch weltanschauliche

Orientierungen und damit

auch viele Religionen nicht vor Grenzen

halt. Allerdings ist das nichts

neues.

Schon lange bevor Schlagworte wie

„Globalisierung“ oder „Informationsund

– Kommunikationstechnologie“

als richtungsweisend für unsere Gegenwart

apostrophiert worden sind,

haben sich Weltanschauungen respektive

Religionen über unterschiedliche

Kulturen hinweg verbreitet. Auch das

heutige Abendland war lange Zeit

nicht christlich. Kunst, Handel und

Philosophie oder auch Religionen

haben von jeher Grenzen überschritten;

gemessen an den technischen

Mitteln der jeweiligen Zeit, sogar

schon immer erstaunlich schnell.

Maßgeblich war dabei, inwiefern eine

geistige Bewegung, ein Handelsgut

oder ein anderer Gegenstand des Interesses

den Bedürfnissen einer lokalen

Bevölkerung oder auch nur einem

Teil von ihr entgegenkam, dem Zeitgeist

entsprach, bzw. Antworten auf

existentielle Fragen geben konnte,

seien sie eher materieller oder geistiger

Natur.

Scheinbar kommen auch viele außereuropäische

Religionen im Abendland

der Gegenwart einem solchen

Bedürfnis entgegen. Vielleicht noch

häufiger werden ausgesprochen eigenwillige

Interpretationen solcher

Heilslehren als „authentische Weisheiten“

verpackt unter die Leute gebracht

und finden regen Zuspruch.

Davon sind auch indianische Religionen

betroffen.

Ein Überblick über die schier endlose

Auswahl solcher Veranstaltungen

lässt sich leicht gewinnen. Jede größere

Stadt kennt einschlägige Esoterik-Fachgeschäfte,

wo man sich in

Fachmagazinen oder periodisch erscheinendenVeranstaltungsprogrammen

der Szene von der Bandbreite des

Angebots überzeugen kann.

Religion

Globalisierung indianischer Religionen?

Eine Spurensuche im World-Wide-Web

Selbstverständlich ist auch das Internet

als weltumspannendes Medium zu

einem Tummelplatz der Selbstdarstellung

ambitionierter „Neoschamanen“

und anderer „Lebenshelfer“ mit Ausbildung

in „indianischer Tradition“

geworden. Für die Vielzahl entsprechender

Websites sollen stellvertretend

einige Auszüge zum „Weg der

Twisted Hairs“ vorgestellt werden

(www.mirrordancers.de):

„Die Twisted Hairs waren und sind

Schaman(inn)en und Medizinleute

der Schildkröteninsel (Nord-, Mittel

und Südamerika), die gültiges Wissen

von vielen magischen Schulen und

Stämmen sammeln, integrieren und

bewahren.

Der Ältestenrat dieser Medizingesellschaft

hat 1972 beschlossen, einen

kleinen Teil des Wissens, das über

unzählige Generationen hinweg in

der geheimen Schule bewahrt worden

ist, nun der Öffentlichkeit zugänglich

zu machen – damit es all jene erreichen

kann, die auf der Suche sind

nach kraftvollen Werkzeugen, die sie

befähigen, Teil der Lösung und nicht

mehr Teil des Problems auf diesem

Planeten zu sein.

Einen Weg zu gehen – ist das noch

zeitgemäß in unserer Zeit der Informationsfülle

und – überfülle? ...

[Frage:] ,...verflixt noch mal – jetzt

wollte ich doch diesmal alles anders

machen, und schon wieder stehe ich

am gleichen Punkt! Lerne ich denn

gar nichts dazu? Ich bin doch nicht

blöd! Woran liegt das denn nur?‘

[Antwort:] Da bist Du nicht allein!

So wie Dir geht es immer wieder ganz

vielen Leuten. Jeder Mensch hat so

etwas wie einen inneren Teufelskreis,

der so gut eingefahren ist und

dermaßen schnell abläuft, dass ihm

ohne Spezialwerkzeug kaum Herr zu

werden ist. Die gute Nachricht

allerdings ist, dass alles, was in unserem

Leben funktioniert, auf genau

dieselbe Art und Weise abläuft – und

das ist auch nicht gerade wenig! Die

Ältesten der Twisted Hairs nennen

diesen Ablauf die „Unendlichkeitsbewegung

des Lebens“. Das Leben

selbst funktioniert nach bestimmten

Mustern und Gesetzmäßigkeiten –

also auch der Mensch.“

Einige dieser Formulierungen sind

regelrechte Allgemeinplätze, die in

Variationen alle gleichartigen Texte

auszeichnen: z.B. das geheime Wissen

einer mysteriösen Gesellschaft,

die ein uraltes, tradiertes Wissen angesichts

der drohenden Weltkrise der

Allgemeinheit zugänglich macht oder

das Versprechen, eine „Patentlösung“

für unsere globalen Probleme zu besitzen.

Ganz dem Trend zur Globalisierung

entsprechend – im Grunde

schon seit Jahren als regelrechte Globalisierungspioniere

– arbeiten hier

Schamanen aller Teile Amerikas einträchtig

an einem Projekt zur Bewahrung

„gültigen Wissens“ zusammen.

Auch die angebliche Internationalität

der Mitglieder solcher Geheimgesellschaften

ist einer der üblichen Allgemeinplätze.

All das ist im Grunde wenig glaubwürdig

und man möchte es kaum

glauben, warum immer wieder Menschen

auf solche „Plastik-Schamanen“

hereinfallen. Die Gründe sind

vielfältig und können gar nicht alle

angesprochen werden. Aber

wenigstens zur „Zeit der Informationsfülle

und -überfülle“, wie sie im

gerade zitierten Text erwähnt wird,

möchte ich einige Anmerkungen fallen

lassen.

Zweifelsohne wird hier ein allgegenwärtiges

Phänomen unserer Zeit angesprochen:

Die Geschwindigkeit,

mit der neue Erkenntnisse gewonnen

werden und sich verbreiten, nimmt

drastisch zu. Spezialistenwissen verändert

den Alltag und auf den Außenseiter

wirkt der Fachjargon der unentbehrlichen

Spezialisten geradezu esoterisch.

Viele Menschen schnaufen

beispielsweise schon erleichtert auf,

wenn man die „Benutzeroberfläche

moderner technischer Geräte

26 COYOTE 3/02


halbwegs verstanden hat und für die

eigenen Zwecke einzusetzen weiß.

Auch wenn sich nun Freude über das

technische Spielzeug mit geradezu

magischen Eigenschaften breit machen

mag, die Technikbegeisterung

findet dann ein Ende, wenn eine Komponente

des komplizierten Innenlebens

ausfällt. Dann wird sich Otto

Normal Verbraucher seiner Hilflosigkeit

sowie einer neuen Abhängigkeit

bewußt. Selbst wenn man an das

bereits viel bemühte Ideal vom „ständig

dazulernenden Menschen“ der

neuen Berufswelt glauben will, bleibt

ein Grundproblem bestehen. Die Einzelperson

kann mit dem Fortschritt

des kollektiven Wissens nicht Schritt

halten. Jeder Mensch besitzt dazu je

nach Veranlagung und gegenwärtiger

Verfassung seine eigene Zeit, nicht

zuletzt, was die Aufnahmefähigkeit

betrifft. Die lässt sich nicht beliebig

beschleunigen. Wissen will gefestigt

werden und Lernen lebt von Wiederholung.

Das braucht seine Zeit und

Pausen zum Verdauen. Alles andere

gerät sonst nur zum „Put through“,

einem schnellen Durchsatz, ohne dass

etwas hängen bleibt.

Was haben diese Ausführungen nun

mit indianischer Religion zu tun? Eigentlich

gar nichts. Aber sie beschreiben

in groben Zügen eine von verschiedenen

Ursachen, warum sich

Menschen „pseudoindianischer Religionsausübung“

und deren Heilsvermittler

hingeben. Wer sich von der

Reizüberflutung und Hektik der modernen

Welt überfordert fühlt und

abzuheben droht, ist froh, wenn er

Angebote bekommt, die ihn wieder

auf die Erde bringen – zu „Mutter

Erde“. Wer kopflastige Arbeiten ausführen

muß freut sich über körperliche

Erfahrungen, z.B. in einer

Schwitzhütte. Wer umgeben vom üppig

wuchernden Dschungel des

mitunter auch noch kontrovers diskutierten

Expertenwissens nach klarer

Orientierung sucht, mag für die Offenbarung

eingängiger, ewiger Weisheiten

dankbar sein.

Wie kommt man nun in den Genuß

solcher Weisheit? Auch hierzu erteilt

die Website über „Weg der Twisted

Hairs“ Auskünfte:

COYOTE 3/02

Religion

„Kosten und Anmeldung: Schnupperwochenende:

190 DM (98 Euro)

Jahreskurs: (inkl. Schnupperwochenende):

1440 DM (737 Euro)

Die Unendlichkeitsbewegung:

250 DM (128 Euro)

Anzahlung: Mit einer Anzahlung von

100 DM (bzw. 52 Euro, per Scheck

oder Überweisung) ist Deine Anmeldung

verbindlich. Bringe den Restbetrag

bitte in bar mit. ... Die Kosten

für die Jahreskurs-Wochenenden von

jeweils 250.- DM (128 Euro) bitte in

bar mitbringen. Bei Vorauszahlung

des Gesamtbetrags am Schnupperwochenende

gibt es 10% Ermäßigung.

Der Jahreskurs kann nur als Gesamteinheit

gebucht werden.“

Schnell wird klar, dass da jemand von

seiner „Berufung“ zu leben versucht.

Eine ausreichende Anzahl von Jüngern,

die den Jahreskurs buchen, sichern

ein vernünftiges Grundgehalt.

Aus zusätzlichen Veranstaltungen

kommt dann der Rest.

Mit der Rolle, die ein Schamane oder

Medizinmann in einem Indianerstamm

einnimmt, hat das alles wenig

zu tun. Trotz der ganz unterschiedlichen

Strukturen bei den einzelnen

Indianerkulturen, lassen sich dennoch

einige Gemeinsamkeiten herausarbeiten.

Eine davon ist, dass kein indianischer

Medizinmann als „Profi“ von

seiner Berufung lebt. Die könnte man

eher als „nebenberufliches“ Engagement

auffassen, das mitunter die Kräfte

dieses „ehrenamtlichen Nothelfers“

bis an die Belastungsgrenzen führt.

Der Weg zu dieser Aufgabe ist in der

Regel alles andere als selbstgewählt

und eher eine Bürde, die man bereitwillig

im Wissen um ihren tieferen

Sinn und den Nutzen für die Gemeinschaft

auf sich nimmt. Natürlich wird

auch ein Medizinmann für seine Leistungen

entlohnt, aber nach ganz anderen

Prinzipien: keineswegs gefällige

Dienstleistung für „Cash“.

Abschließend noch ein paar Zitate zu

den Inhalten des Einführungskurses.

„Das Medizinrad ist die Widerspiegelung

der Heiligen Kräfte des Universums.

Jede Kraft ist eine Schwingung,

ein Ton in der Gesamtkomposition

der Schöpfung. An diesem Wo-

chenende lernst Du das „Denken in

Rädern“ kennen. Du schaust die

Richtungen, die Elemente und ihren

Zusammenhang mit den menschlichen

Aspekten an. Du lernst die Welten

von Großmutter Erde kennen und

vertiefst speziell Dein Wissen über das

Halten, das Geben, das Empfangen,

das Bestimmen und das Katalysieren.

In einer schamanischen Tierreise begegnest

Du Deinem Tierverbündeten

– Deinem Krafttier. Nach diesem

Wochenende entscheidest Du, ob Du

den Jahreskurs besuchen möchtest.“

Das alles an einem Wochenende, an

dem frisch erworbenes Wissen auch

gleich vertieft wird? Wer sich ernsthaft

mit einer anderen Kultur beschäftigen

will, braucht Jahre, um auch nur

halbwegs zu verstehen, wie eine fremde

Gesellschaft „funktioniert“. Ohne

solide Sprachkenntnisse – und welcher

Europäer beherrscht schon wirklich

eine indianische Sprache – ist ein

tiefes Eindringen gerade in die religiöse

Vorstellungswelt gar nicht

denkbar. Hinzu kommt, dass indianische

Religionen überwiegend auf den

Raum und das Personengefüge bezogen

sind, in dem ihre Anhänger leben.

Sie sind nicht auf Außenseiter zugeschnitten,

traten nicht mit dem Anspruch

auf international zu missionieren

und tun das auch heute nicht.

Was die Jünger der „Twisted Hairs“

auf Ihren Seminaren „entdecken“

können, sind letztlich nichts als dem

eigenen Kulturraum entsprungene

Projektionen und Traumwelten im

indianischen Gewand, die gerade deshalb

so schnell greifen können und

verstanden werden, weil sie einer

mehr oder weniger bewußten Erwartungshaltung

entsprechen, die schon

von Kindesbeinen an durch die meist

unbemerkte Integration von Klischees

in das eigene Weltbild geprägt ist.

Ohne jeden Zweifel fördert die Globalisierung

und die mit Ihr einhergehende

Ausbreitung von Information

das „Halbwissen“ über fremde Kulturen.

Das Word „globalisieren“ kann

bezeichnenderweise auch die Bedeutung

haben, etwas übermäßig vereinfacht

darzustellen. In diesem Sinne

weist das folgende Zitat von einer

anderen „Website“ bereits auf die

27


„global-galaktische“ Verblödung im

kommenden Zeitalter hin.

„DIE MIT DEN STERNEN TAN-

ZEN.

Indianische Stammesälteste geben ihr

Wissen über seit Jahrhunderten bestehende

Kontakte mit Ausserirdischen

weiter (von Dr. Richard Boylan).

Es war gewiss die ungewöhnlichste

UFO-Konferenz, an der ich je teilgenommen

hatte. Die Ältesten und Medizinmänner

versprachen, ihr „Sternenwissen“

mit den führenden „weißen“

UFO-Forschern zu teilen, „mit

jenen, die bisher Integrität gezeigt

haben und die spirituelle Seite des

Phänomens nicht ignorieren“, wie es

hieß. „Für euch sind es UFOs, unbekannte

Flugobjekte“, hatte mir Standing

Elk, der Häuptlingssohn der

Lakoto erklärt, als er mich auf seine

Konferenz auf dem Reservat einlud,

„für uns sind sie nicht unbekannt. Wir

tanzen mit den Sternenältesten seit

Tausenden von Jahren.“ Eine Woche

lang dauerte das „Sharing“ von Wissen,

nachts kam man zusammen in

Schwitzhütten und zu anderen heiligen

Zeremonien der Indianer, danach

folgte ein Sonnentanz, das wichtigste

Ritual der Lakota. Der Grund für die

plötzliche Offenheit der Indianer war

ihre Sorge um die Erde, um bevorstehende

Erdveränderungen und die

Gewißheit, daß „die Rückkehr der

Sternenvölker“ unmittelbar bevorsteht.“

...

(http://www.saphyraswelt.de/

stern.htm).

Manche Aussagen erinnern in erschreckender

Weise an die bereits

oben vorgestellten Muster. Eine

besonders interessante Variante stellt

hier die Kombination indianischer

Weisheit mit der Gemeinde der „Ufo-

Gläubigen“ dar, einer Bewegung die

keinesfalls ernst zunehmen ist. Dennoch

macht nachdenklich, dass Veranstaltungen

zu Ufo-Phänomenen

durchaus große Hallen zu füllen wissen

und ein abstruser Wust an entsprechender

Literatur rentablen Absatz

findet.

Es gibt auch noch zahlreiche andere

Varianten der Verquickung von indi-

Religion

anischer Weisheit mit anderen Pseudo-Heilslehren.

Wer Sie unbedingt

finden will, kann das in oben angeführten

Quellen und natürlich auch im

Internet tun. Immerhin ist tröstlich,

dass sich mitunter auch sinnvolle

Äußerungen finden:

»Alte indianische Weisheiten« werden

heute auch im Westen gelehrt, in

Workshops, Seminaren oder Abenteuercamps.

Dahinter verbergen sich in

der Regel dubiose Psycho-Sekten mit

einem nebulösen Mystizismus oder

einfach Geschäftemacher, die auf der

Ethno-Welle mitschwimmen wollen.

In ihren Prospekten zeigen sie entrückt

dreinblickende Rothäute und

versprechen Verheißungsvolles:

„schamanische Reisen zu Kraft und

Heilung“, Feuerproben und Initiationsriten,

Schwitzhüttenzeremonien

und Trommel-Sessions, um „Schamanen

in uns“ zu erfahren. ...

(http://www.indianer-web.de/gegwart/medici.htm).

Abschließend sei nochmals auf einen

wesentlichen Punkt hingewiesen.

Während es tatsächlich Religionen

gibt, die mit dem Anspruch auftreten,

prinzipiell allen Menschen einen

Heilsweg bieten zu können, ist ein

solches Ansinnen den traditionellen

Religionen nordamerikanischer Indianer

fremd. Sie sind für Insider

vergleichsweise kleiner Gemeinschaften

mit einem spezifischen Gesellschaftsgefüge

in einem bestimmten

Lebensraum bestimmt. Selbst

stammesübergreifende Kulte richten

sich an Indianer, nicht an Weiße. Die

Bekanntmachung religiöser Inhalte an

Fremde erfolgt auch in der Regel

nicht ohne Vorbehalte und nur in beschränktem

Ausmaß. Schließlich wird

die eigene Religion, wo ausgeübt,

auch als identitätsstiftend erfahren,

weshalb sich die Mitteilung entscheidender

Inhalte geradezu von selbst

verbietet. Es besteht kein Interesse

daran, dass sich einige Weiße auch

noch auf dieser Ebene ureigensten

indianischen „Besitz“ aneignen.

Es sei auch hervorgehoben, dass Indianer

nicht unbedingt bessere Menschen

sind als wir und schon gar nicht

im Besitz geheimen Wissens zur Rettung

der Welt. Inwiefern eine Einzel-

person die religiösen Ideale seiner Gemeinschaft

in die Tat umsetzen kann,

bleibt ihre Aufgabe und erfordert entsprechende

Anstrengung. Auch Indianer

können an ihren eigenen Idealen

scheitern.

Wichtig ist aber die Feststellung, dass

Indianer gerade aus ihren eigenen

kulturellen Wurzeln die tauglichsten

Modelle entwickeln können, um ihre

Gegenwart zu bewältigen. Die im

Einklang mit dem traditionellen Wertesystem

erarbeiteten Lösungen zur

Bewältigung existentieller Probleme

haben sich effektiver als jede noch so

gut gemeinte weiße Hilfestellung in

abendländischer Tradition erwiesen.

(Vgl. hierzu u.a. die Besprechung von

Duran u. Duran: Native American

Postcolonial Psychology im Coyote

2/01). Das sollte letztlich auch für uns

Abendländer gelten. Lösungsansätze

für unsere oder die von uns verursachten

Probleme greifen dann am besten,

wenn wir uns unserer eigenen kulturellen

Wurzeln bewußt werden. Dabei

mag im Einzelfall die Auseinandersetzung

mit anderen Kulturen weitere,

wertvolle Impulse geben. Aber

auch dies bedeutet mehr als nur die

oberflächliche Aneignung einiger

Schlagwörter als Versatzstücke für

eine postmoderne Lebenskulisse.

von Robert Stark

28 COYOTE 3/02


„Slash“, der 1985 erschiene Debütroman

der indianischen Autorin Jeannette

Armstrong ist nicht nur die packende

Geschichte einer Identitätsfindung,

sondern beschreibt zugleich

eine wichtige Epoche jüngster indianischer

Zeitgeschichte – den Aufbruch

aus der Bevormundung durch

die Indianerbehörden BIA und DIA

in den USA und Kanada in den späten

60er und 70er Jahren – exemplarisch

an der Hauptfigur Tommy

Kelasket, einem Okanagan aus British

Columbia. In ihm verkörpert sich

eine Generation, die wie kaum eine

andere zwischen den beiden Welten

steht und in vielen Fällen von diesem

Widerspruch zwischen der konsumorientierten

weißen „Moderne“ und

der indianischen Tradition und Lebensweise

zerrissen wurde.

Der Ich-Erzähler Tommy ist zu Beginn

des Romans ein 14-jähriger Junge,

der sich lieber auf dem Land und

mit den Pferden rumtreibt als in der

Reservatsschule zu sitzen. Bei seiner

Familie scheint die Welt noch in Ordnung,

man spricht die eigene Sprache,

der Großvater Prac-wa erzählt von

den Traditionen, Onkel Joe führt

Tommy in die alten Mythen ein und

die Eltern pflegen die Tradition des

Wintertanzes. Doch zeigen sich erste

Konflikte und die kommenden Ereignisse

werfen ihre Schatten voraus,

denn der Kontrast zwischen den Traditionen

und der modernen kanadischen

Lebensweise, zwischen Land

und Stadt brechen in Tommys Welt

ein und er ist ihnen – anders als noch

die Generationen zuvor – innerlich

schutzlos ausgeliefert. Deutlicher

zeigt sich dies an seinem Freund Jimmy

Joseph, der den Reichtum der

Weißen beneidet und mit allen Mitteln

ihren Lebensstil annehmen will.

Jimmy, selbst Okanagan, hat bereits

die weiße Sichtweise übernommen,

auf die Indianer als Minderwertige

herabzublicken.

Auch Tommy verliert das Interesse an

der Schule und verlässt seine Familie.

In der Stadt fängt er an zu trinken

und Drogen zu nehmen. Immer tiefer

wird er von dem Widerstreit der Kul-

COYOTE 3/02

Literatur

„Slash“ von Jeannette Armstrong

turen vergiftet. Der Hass frisst sich

in seine Seele, der Hass auf alle Weißen,

den er nicht bezähmen kann,

wendet sich gegen ihn selbst. Er gerät

in eine Auseinandersetzung mit

einem Drogendealer und wird durch

eine Stichwunde schwer verletzt. Auf

dem Krankenbett lernt er Mardi kennen,

die sich in indianischen Selbsthilfegruppen

engagiert und ihm seinen

neuen Namen verpasst: Slash.

Als Slash aus dem Knast entlassen

wird , bleibt er in Vancouver und sucht

den Weg zur Red Power Bewegung.

Der Hass, der sich durch die ungerechte

Verurteilung, die statt des Täters

ihn in den Knast brachte, schwelt

weiter, aber er gibt ihm auch die Energie

zum Widerstand: „Los mach

endlich was. Stirb nicht bettelnd und

kriechend, sondern aufrecht. Jetzt ist

die Zeit zu handeln.“ Slash empfindet

jedoch nicht nur Hass, sondern

erstmals ein Empfinden der Gemeinschaft,

denn „ es war ein gutes Gefühl,

nur unter Indianern zu sein, jungen,

die ein Problem ernsthaft in Angriff

nahmen“. Das erste Mal verspürt

Slash die Hoffnung, vom Alkohol und

den Drogen loskommen. Doch immer

wieder erleidet er Rückschläge. Er

geht in die USA und schließt sich AIM

an, wo er einen neuen Stolz auf die

indianische Herkunft entwickelt. „Ich

verspürte eine riesigen Hass, aber

gleichzeitig gab es da noch ein anderes

Gefühl, das ich nur schwer beschreiben

konnte, so etwas wie Stolz,

den ich vorher nicht empfunden hatte.

Dieses Gefühl wurde auf den Demos

und Treffen besonders stark. Wir

spürten, dass etwas in Bewegung

kam, und diesmal waren wir es, die

die Dinge in die Hand nahmen“

Doch rastlos treibt es ihn immer weiter,

denn die Aktionen allein geben

ihm nicht das, was er sucht. „Eine

brennende Enge füllte meinen Hals...

Dann kamen die Tränen. Ich hatte diesen

Traum mit meinem Volk gelebt.

Ich hatte mich danach gesehnt, dazustehen

und ein stolzer Indianer zu sein

... aber irgendwas hatte gefehlt und

ich hatte gewusst, dass ich irgendwie

rausfinden musste, was es war.“ Erst

in der Wiederentdeckung der eigenen

Spiritualität findet er einen Ausweg

aus seinem Konflikt. „Mir kam es so

vor, als hätte sich mir eine neue Welt

eröffnet“, in der er einen Platz für sich

finden kann, in der jeder einzelne

wichtig und notwendig für die gesamte

Gemeinschaft ist. Mögen auch viele

Aktionen nicht den erhofften Erfolg

gebracht haben, so war der Kampf

doch notwendig, „denn wir haben

unser Volk zurückgewonnen“.

Slash kehrt zu seiner Familie ins Reservat

zurück und sieht nun seinen

Weg klar vor sich. Heimkehrend tanzt

er im Schnee. Im Höhepunkt des Romans

wird nochmals die besondere

Beziehung zum Land thematisiert, die

alle wichtigen Etappen in Slashs Irrfahrt

begleitet. Doch ein Happy-End

bietet die Autorin nicht, nur eine Hoffnung,

wenn er sich zum Schluss an

seinen Sohn wendet: „Du bist unsere

Hoffnung. Du bist ein Indianer von

einer besonderen Generation. Deine

Welt wird hart sein, aber du wirst mit

dem Stolz aufwachsen, ein Indianer

zu sein.“

Ursprünglich als Materialsammlung

für die Schulen gedacht, entwickelte

Armstrong aus den zusammengetragenen

und eigenen Erfahrungen einen

Roman, der versucht, die eigene Tradition

der mündlichen Überlieferung

mit der aufgezwungenen Kolonial-

29


Jeannette Armstrong

sprache zu vermitteln. Die Ereignisse

und Aktionen, die in dem Buch

zwar nicht namentlich genannt, aber

schnell zu erkennen sind, dürften den

meisten geläufig sein, die sich für den

Widerstand der Indianer gegen ihre

Unterdrückung interessieren: Besetzung

von Alcatraz, BIA-Besetzung,

Trail of Broken Treaties, Wounded

Knee oder der Native Peoples’ Caravan

to Ottawa. Armstrong wollte jedoch

die Geschichte aus der Perspektive

der Unterdrückten und Ausgeschlossenen

zu erzählen, die den

Kampf gegen die vermeintlichen Segnungen

der amerikanisch-kanadischen

Gesellschaft mit ihrem Konsumwahn,

ihrem Materialismus und

ihrer menschlichen Kälte aufgenommen

haben. Ihr Roman ist ein Appell

an die Indigenen, nicht den scheinbaren

Verlockungen der dominanten

Gesellschaft zu erliegen, sondern den

Erhalt der eigenen Kultur als wichtigstes

Verteidigungsmittel zu erkennen.

Nur durch die Verankerung in

den eigenen Traditionen und durch

geistige Autonomie ist Erkenntnis und

Entscheidungsfreiheit möglich. Eine

Änderung der aufgezwungenen Gesetze

allein bietet nach Armstrongs

Meinung keine Lösung, denn die Gesetze

und Bestimmungen wurden

nicht zum Wohle der Indianer erlassen,

sondern zu deren Unterdrückung,

wie sich an vielen Stammesräten

zeigt, die nur als kolonialisierte Marionetten

agieren.

Die indigenen Völker müssen diese

Zerrissenheit zwischen den Welten

überwinden und solidarisch handeln,

ob in Kanada, den USA, Mexiko oder

wo auch immer. Armstrong leugnet

Literatur

weder die Probleme wie Alkoholismus

oder Drogenmissbrauch noch die

Auseinandersetzungen innerhalb der

Indianer. Auch unter den Aktivisten

der Red Power Bewegung oder des

American Indian Movement gab es

Machtkämpfe, Eitelkeiten, Zwist und

Sexismus, doch die Autorin versucht

Wege aus diesem Dilemma aufzuzeigen.

Das wichtigste Mittel ist hierbei,

„den inneren Geist zu heilen“, wie

auch ihr Mann, der Okanagan-Aktivist

Marlowe Sam, im Nachwort

schreibt. Dabei gilt es das Wesentliche

nicht aus den Augen zu verlieren:

„Ich weiß, dass unsere Rechte nicht

von der Regierung gegeben oder genommen

werden“, entscheidend ist

vielmehr „wie man Souveränität

praktiziert und lebt und sein Schicksal

bestimmt“.

Jeannette Armstrong, 1948 geboren,

wuchs im Okanagan-Reservat nahe

Penticton in der kanadischen Provinz

British Columbia auf, wo sie von ihrer

Familie eine traditionelle Erziehung

erfuhr und in der eigenen Kultur

und Sprache ihre Wurzeln fand.

Darüber hinaus besuchte sie

allerdings auch die Reservatsschule,

bevor sie 1978 ihr Diplom (Bachelor

of Fine Arts) an der Universität von

Victoria sowie am Okanagan College

erhielt. Ihre schriftstellerischen

Fähigkeiten hatte sie bereits in der

Jugend entdeckt und „das Schreiben

war für mich als Indianerin ein Heilungsprozess,

der mir half, mich selbst

und mein Volk zu verstehen.“ Nach

dem Studienabschluss begann sie am

En:owkin Center zu arbeiten, dem

Kultur- und Bildungszentrum der

Okanagan, das die Kultur im Leben

der Okanagan als Teil ihrer gelebten

Identität fördern will. Armstrong

wirkte unter anderem am „The Okanagan

Curriculum Project“ mit, das

nicht-indigenen Kindern Kultur und

Tradition der Okanagan vermitteln

soll, wozu ein eigener Lehrplan für

die Schulen entwickelt wurde. Angesichts

der Möglichkeiten der Literatur,

die eigene Identität zu entdecken

und auszudrücken, sollten jedoch vor

allem Programme für die Okanagan

selbst entworfen werden, die 1989

schließlich zur Gründung der

„En:owkin School on International

Writing“ führte, die Armstrong seit

Beginn als Direktorin leitet.

Allerdings ist Jeannette Armstrong

nicht nur auf dem literarischen Gebiet

tätig, sie hat selbst Lehrpläne

entworfen und ist häufiger Gast auf

Tagungen und Vorträgen, die über die

kulturellen Themen hinausreichen.

Besonders engagiert sich Armstrong

gegen eine ausbeuterische Globalisierung,

die auch vor der Ausbeutung

indigenen Erbes nicht zurückschreckt

– hier sind vor allem das Genomprojekt

und die Missachtung von geistigem

und kulturellem Erbe, besser

geläufig unter der englischen Bezeichnung

„intellectual property

rights“, zu nennen, das nicht nur die

Ureinwohner Nordamerikas betrifft,

sondern die indigenen Völker weltweit.

Neben anderen zahlreichen Auszeichnungen

und Ehrungen, wurde sie

für ihr literarisches und Bildungsengagement

im Mai 2000 von der St.

Thomas Universität in New Brunswick

mit dem Ehrendoktor ausgezeichnet

– übrigens zusammen mit Sr.

Helen Prejean, die durch ihr Buch

„Dead Man Walking“ (welches mit

Sean Penn verfilmt wurde) und ihren

unerschütterlichen Einsatz gegen die

Todesstrafe berühmt wurde.

Der Kampf um die Menschenrechte

findet in Armstrong eine engagierte

Unterstützerin, die neben der Teilnahme

an Aktionen in Kanada – z.B. an

der Seite der Mohawk beim Oka-

Konflikt 1990 in Quebec - u.a. auf

Einladung der FIPI (Indigene Unabhängigkeitsfront)

als Beobachterin

1998 nach Chiapas reiste, um über die

Unterdrückung und Ausbeutung der

Indigenas in Mexiko zu berichten.

Kultur und Politik sind auch hier nicht

zu trennen, denn im Zentrum steht die

Verteidigung der indigenen Lebensweise

in all ihren Facetten.

Ihr jüngstes Buch „Whispering in

Shadows“, das 2000 ebenfalls bei

Theytus, einem indianischen Verlag,

erschienen ist, liegt derzeit leider noch

nicht auf deutsch vor.

„Slash“ von Jeannette Armstrong, übersetzt

aus dem Englischen von Audrey Huntley,

versehen mit einem Glossar und einem

Nachwort von Hartmut Lutz sowie einem

Aufsatz von Marlowe Sam, Unrast Verlag,

244 Seiten, 16,- EURO

von Monika Seiller

30 COYOTE 3/02


Sie war ein Star ihrer Zeit. Tausende

säumten ihren Leichenzug, die Fahnen

der Stadt wurden auf Halbmast

gesetzt und die Verwaltungsstellen in

Vancouver schlossen ihre Büros für

eine Stunde. Die ganze Stadt wollte

ihre Anteilnahme bekunden, bevor die

Mohawk-„Prinzessin“, die als Pauline

Johnson Literaturgeschichte

schrieb, ihre letzte Ruhestätte in dem

von ihr so innig geliebten Stanley

Park fand. In Anerkennung ihrer großen

Verdienste um die Literatur in

Kanada erteilte Ottawa eine Sondergenehmigung,

um der Dichterin diesen

letzten Wunsch zu erfüllen. Heute

ziert ein Gedenkstein nahe Siwash

Rock ihre Grabstätte in dem Park, der

vor allem durch seine Totempfähle

bekannt ist und zu den beliebten Freizeitorten

der Einwohner der Pazifikstadt

wie auch vieler Tausender Touristen

zählt.

Wenn sich die Abendsonne in die

sanften Wellen senkt und die Fassaden

der Häuser in goldenes Licht

hüllt, gewinnt die Lieblingsstadt der

verstorbenen Poetin ihren besonderen

Reiz. Die Natur entfaltet ihre majestätische

Schönheit in einem Zauber,

der von Pauline Johnson in vielen ihrer

Werke beschworen wird. Ihre Naturgedichte

in der Tradition von

Wordsworth, Swinburne oder Longfellow

künden von großer Sensibili-

COYOTE 3/02

Literatur

Pauline Johnson:

Mohawk-Dichterin und Popstar der Jahrhundertwende

tät ihrer Schöpferin, einer Hingabe,

die von vielen ihrer Leser und Zuhörer

geteilt und bewundert wurde.

Doch die Naturlyrik war nur eine Facette

dieser bemerkenswerten Frau,

die heute weithin vergessen ist.

Dame und Anklägerin

So unzeitgemäß manche ihrer

mitunter länglichen Gedichte dem

modernen Leser scheinen mögen, so

sehr überrascht der Erfolg ihrer Indianergedichte

in einer Zeit, die in unserer

Vorstellung – zumindest in

Amerika – vom Spannungsfeld zwischen

dem Pioniergeist des Wilden

Westens und einer puritanischen Gesellschaft

im Osten geprägt ist. Auch

Pauline Johnson war ein Kind dieser

Zeit und von ihrer Mutter dazu erzogen,

die moralischen Anforderungen

der Gesellschaft um die Jahrhundertwende

an die Rolle der Frau zu verwirklichen.

Doch die gelungene bürgerliche

Erziehung war nur eine Seite

ihrer Persönlichkeit, denn die Dichterin

erhob zugleich harsche Anklagen

gegen ihre Zeitgenossen und verlangt

Anerkennung für jenen Teil ihrer

Identität, welcher mit dem Bild

einer Dame in der damaligen Gesellschaft

unversöhnbar gelten muß: die

stolze Verteidigung ihrer indianischen

Herkunft.

Der zeitgenössischen kanadischen –

ebenso wie der amerikanischen oder

englischen – Gesellschaft galten Indianer

entweder als Wilde oder als

unselbständige Kinder, die der angelsächsischen

Kultur nichts zu erwidern

haben. Doch diese Frau, die auf ihren

Vortragsreisen so charmant und eloquent,

so kultiviert und wohlerzogen

ihre Gedichte zu rezitieren verstand,

riß ihre Zuhörer zu Begeisterungsstürmen

hin, wurde von der feinen Gesellschaft

von Soiree zu Soiree gereicht,

in den aristokratischen Palästen

Englands, ja gar dem König empfangen,

verkehrte in der literarischen

Welt unter Berühmtheiten wie Oscar

Wilde oder George Alexander ebenso

wie auf den Bühnen der großen Städ-

te Kanadas, Amerikas oder Englands.

Doch nicht nur die Upper Class war

fasziniert von dieser entschlossenen

Frau, der ersten Indianerin, die in der

Öffentlichkeit als Dichterin in Erscheinung

trat. Sie fand ihr begeistertes

Publikum selbst in den Herbergen

der Goldgräberstädte und den Scheunen

amerikanischen Prärienester.

Tekahionwake

Wer war diese Frau und Dichterin, die

von sich sagte: „Ich bin Indianerin,

und mein Wunsch, meine Freude und

mein Stolz ist es, vom Ruhm meines

Volkes zu singen“, und unter dem

Mohawk-Namen Tekahionwake, den

sie von ihrem Großvater übernommen

hatte, berühmt wurde?

Pauline Johnson wurde am 10. März

1861 in Chiefswood nahe Brantford

auf dem Mohawk-Reservat geboren.

Ihre Eltern hatten 1853 geheiratet,

was mit einigen Schwierigkeiten verbunden

war, denn Emily Howells entstammte

einer angesehenen kanadisch-englischen

Quäkerfamilie,

während George Johnson als Mohawk-Chief

auf eine lange Ahnenreihe

von Sprechern, Geschichtenerzählern

und Häuptlingen zurückblicken

konnte. Sein Vater John Johnson war

Sprecher der Six Nations, der über die

31


Grenzen der Irokesenkonföderation

hinaus Ansehen

und Berühmtheit erlangte,

zumal er als großer Geschichtenerzähler

geschätzt

wurde. George Johnson, der

sechs Sprachen beherrschte,

war nicht allein als Häuptling

tätig, sondern arbeitete

zeitweise auch als Dolmetscher

und Vermittler der

Regierung. Dennoch galt

seine erste Loyalität den

Mohawk bzw. den Six Nations.

Seine Kritik an den

Methoden und Machenschaften

der Hudson‘s Bay

Co. sowie der Holzfällergesellschaften

zog ihm nicht

nur den Unmut der Weißen

zu, der sich wiederholt in

tätlichen Angriffen entlud.

Die Mohawk hatten sich mit

den Briten gegen die für sie

bedrohlicher auftretenden

Franzosen zusammengeschlossen

und kämpften im Unabhängigkeitskrieg

Schulter an Schulter mit

den Briten gegen die Amerikaner, die

an der Spaltung des traditionellen

Mohawk-Territoriums zwischen den

USA und Kanada Schuld trugen. Diese

historische Verbundenheit prägte

auch die Gefühle Pauline Johnson, die

eine leidenschaftliche Schwärmerei

für alles Englische und einen abgrundtiefen

Haß auf die Amerikaner

entfaltete.

Nach dem damaligen Gesetz, dem

Indian Act von 1876, galten fortan

sowohl Emily als auch ihre Kinder,

denen sie eine sehr strenge Erziehung

zukommen ließ, ebenfalls als Indianer.

Die Kinder wuchsen nach rigorosen

moralischen Prinzipien auf, die

seichte Vergnügungen verabscheuten,

einen tadellosen Lebenswandel und

stete Selbstbeherrschung verlangten.

Als viertes Kind – nach Henry, Helen

(genannt Eva) und Allen – wurde

Pauline zunächst von Gouvernanten

erzogen und besuchte anschließend

für zwei Jahre die Reservatsschule.

Ihre Zukunft schien besiegelt: Ganz

Tochter aus höherem Hause sollte sie

behütet im Schoß der Familie im herrschaftlichen

Elternhaus in Chiefswood

leben, bis sich eine glückliche

Auszüge aus

Literatur

A Cry from an Indian Wife

My forest brave, my Red-skin love, farewell,

We may not meet tomorrow; who can tell

What mighty ills befall our little band,

Or what you’ll suffer from the white man’s hand?

[...]

They but forget we Indians owned the land

From ocean unto ocean; that they stand

Upon our soil that centuries agone

Was our sole kingdom and our right alone.

They never think how they would feel today

If some great nation came from far away,

wrestling their country from their hapless braves,

giving what they gave us – but wars and graves.

[...]

Go forth, nor bend to greed of white men’s hands,

By right, by birth we Indians own these lands,

Though starved, crushed, plundered, lies our nation

low

Perhaps the white man’s God has willed it so.

Verbindung mit einem angesehenen

Gatten ergeben würde, um selbst eine

Familie zu gründen. Doch dieses ihr

zugedachte Schicksal wollte Pauline

nicht begeistern. Schon in frühen Jahren

– bedingt durch eine schwache

Gesundheit oft ans Bett gefesselt –

entwickelte sie ihre Liebe zur Literatur.

Ganz im Sinne des englischen Bildungskanons

las sie schon in frühen

Jahren Scott, Browning, Longfellow,

Tennyson, Byron, Keats sowie Mil-

Illustration zu „Cattle Thief“, entnommen

aus dem Gedichtband „Flint And feather“

ton und entdeckte die Kraft

der Poesie für sich. Ihr Ziel

stand fest: Sie wollte Dichterin

werden. Ihr literarischer

Eifer sollte schon 1883 belohnt

werden, als ihr Gedicht

„The Sea Queen“ in der kanadischen

Zeitung „The

Week“ veröffentlicht wurde

und weitere folgten.

„Das Mohawk-Mädchen,

das Gedichte schreibt“

Doch der durch Wundrose

hervorgerufene Tod ihres

Vaters 1884 bedeutete eine

unerwartete Zäsur. Die Familie

konnte das Haus nicht

mehr unterhalten und zog,

nachdem sie einen Mieter für

ihr Haus gefunden hatten,

nach Brantford. Unterdessen

war es Johnson gelungen,

weitere Gedichte zu veröffentlichen,

doch der eigentliche

Durchbruch sollte am

16. Januar 1892 erfolgen. Über Nacht

war sie zum Tagesgespräch der literarischen

Clubs in Toronto und bald

ganz Kanadas geworden.

Der junge Präsident des Young Men’s

Liberal Club of Ontario, Frank Yeigh,

hatte sie neben anderen lokalen Dichtern

zu einem Rezitationsabend eingeladen

und ihr damit den Weg zum

Erfolg geebnet. Nachdem sich das Publikum

nach einigen mittelmäßigen

Gedichten im Stil der Zeit bereits gelangweilt

nur noch zu Anstandsapplaus

herabließ, wagte Johnson den

Sprung ins kalte Wasser. Kaum hatte

sie die Bühne betreten, riß sie ihre Zuhörer

mit dem Gedicht „A Cry from

an Indian Wife“ aus der Trägheit und

zu stehenden Ovationen hin. So etwas

hatte es noch nicht gegeben, denn

das Gedicht war eine flammende Stellungnahme

gegen die weiße Gesellschaft,

die jüngst in der Niederwerfung

des Metis-Aufstands 1885 und

der Hinrichtung ihres Anführer Louis

Riel erneut gezeigt hatte, wie mit

„diesem roten Pack“ umzugehen sei.

Das Publikum war begeistert und die

Zeitungen schwärmten am nächsten

Tag von der literarischen Neuentdeckung,

die sich zudem als große Überraschung

entpuppt hatte. Angekündigt

32 COYOTE 3/02


Auszüge aus

als das „Mohawk-Mädchen, das Gedichte

schreibt“, hatte man eine Wilde

in Lederfetzen erwartet, doch erschienen

war eine junge Dame von

32 Jahren in eleganter Abendgarderobe

mit vollendeten Umgangsformen.

Yeigh erkannte schnell ihr Potential

und überzeugte sie, unter seinem

Management auf Vortragsreise

zu gehen. Bereits in den nächsten fünf

Monaten hatte sie in 50 Orten 125

COYOTE 3/02

THE CATTLE THIEF

Literatur

THEY were coming across the prairie, they were galloping hard and fast ;

For the eyes of those desperate riders had sighted their man at last-

Sighted him off to Eastward, where the Cree encampment lay,

Where the cotton woods fringed the river, miles and miles away.

[...]

„ Never! „ and up from the cotton woods rang the voice of Eagle Chief;

And right out into the open stepped, unarmed, the Cattle Thief.

Was that the game they had coveted ? Scarce fifty years had rolled

Over that fleshless, hungry frame, starved to the bone and old;

Over that wrinkled, tawny skin, unfed by the warmth of blood.

Over those hungry, hollow eyes that glared for the sight of food.

He turned, like a hunted lion : „ I know not fear,“ said he;

And the words outleapt from his shrunken lips in the language of the Cree.

„I’ll fight you, white-skins, one by one, till I kill’ you all,“ he said;

But the threat was scarcely uttered, ere a dozen balls of lead

Whizzed through the air, about him like a shower of metal rain,

And the gaunt old Indian Cattle Thief dropped dead on the open plain.

And that band of cursing settlers gave one triumphant yell,

And rushed like a pack of demons on the body that writhed and fell.

„Cut the fiend up into inches, throw his carcass on the plain ;

Let the wolves eat the cursed Indian, he’d have treated us the same.“

A dozen hands responded, a dozen knives gleamed high,

But the first .stroke was arrested by a woman’s strange, wild cry.

[...]

„Stand back, stand back, you white-skins, touch that dead man to your shame ;

You have stolen my father’s spirit, but his body I only claim.

You have killed him, but you shall not dare to touch him now he’s dead.

You have cursed, and called him a Cattle Thief, though you robbed him first of

bread-

Robbed him and robbed my people – look there, at that shrunken face,

Starved with a hollow hunger, we owe to you and your race.

What have you left to us of land, what have you left of game,

What have you brought but evil, and curses since you came ?

[...]

You say your cattle are not ours, your meat is not our meat ;

When you pay for the land you live in, we’ll pay for the meat we eat.

Give back our land and our country; give back our herds of game ;

Give back the furs and the forests that were ours

Before you came;

Give back the peace and the plenty. Then come

With your new belief,

And blame, if you dare, the hunger that drove him to be a thief.“

Auftritte, die sie nun zur Hälfte in einem

mehr oder weniger fiktiven indianischen

Kostüm, das sie selbst geschneidert

hatte, bestritt. Nach den

Kleinstädten folgten sodann die großen

Konzerthallen zunächst in Ontario

und dann ganz Kanada.

Für eine alleinstehende Frau in der damaligen

Zeit war dies alles andere als

eine leichte Aufgabe, denn auch den

Dichterlesungen haftete das

Ruf an, dem Schauspielerberuf

nahe zu stehen, der als unseriös

galt und keinesfalls für eine

Dame der guten Gesellschaft

geeignet schien. Doch Pauline

Johnson konnte nicht nur den

anfänglichen Widerstand ihrer

eigenen Familie bezwingen,

sondern durch ihr Auftreten

auch alle gesellschaftlichen

Einwände entkräften. Ihre Auftritte

waren begehrt und die

Dichterin wurde hoch geschätzt.

On the road

Nun hatte sie ihren Beruf und

ihre Berufung gefunden, die

sie die nächsten Jahrzehnte (!)

auf Vortragsreisen schicken

sollte. Der Erfolg ihrer Tourneen,

die sie – zeitweilig mit

Partnern – durch ganz Kanada,

Amerika und schließlich

nach England führten, schien

keine Ende nehmen zu wollen.

Doch Pauline Johnsons größter

Wunsch war die Veröffentlichung

eines eigenen Gedichtbands,

der nach langem Bemühen

mit dem Erscheinen von

„The White Wampum“ 1895 in

England endlich in Erfüllung

ging.

1903 folgte der zweite Gedichtband

„Canadian Born“,

die Veröffentlichung ihres dritten

Bandes „Flint and Feathers“

sollte sie erst kurz vor

ihrem Tod erleben. Pauline

Johnson schrieb jedoch nicht

nur Gedichte, sondern auch

zahlreiche Beiträge und Artikel

für Zeitungen und Zeitschriften.

Geschätzt wurden

ihre Reiseerlebnisse ebenso

wie ihre Abenteuergeschichten, die

regelmäßig im „Mother’s Magazine“

erschienen. Mehr noch als ihre Gedichte

wurden die „The Legends of

the Capilanos“, die auf Drängen des

Verlegers unter dem Titel „Legends

of Vancouver“ 1911 veröffentlicht

wurden, zu ihrem literarischen Erbe.

Pauline Johnson hatte Chief Joe Capilano

1906 in London kennengelernt,

33


als er mit zwei weiteren Häuptlingen

im Auftrag der indianischen Nationen

von British Columbia den englischen

König aufsuchte, um ein Ende der

Unterdrückung und der katastrophalen

Lebensbedingungen seines Volkes

zu fordern. Die Freundschaft zwischen

dem Häuptling und der Dichterin,

die sich bei King Edward VII

persönlich für dessen Treffen eingesetzt

hatte, währte bis zum Tod Capilanos

1910.

Nachdem sich Johnson 1909 in Vancouver

nach den langen Tourneejahren

endlich niedergelassen hatte, besuchte

sie Capilano häufig und erzählte

ihr in einer Mischung aus Chinook

(quasi eine Art Esperanto aus den

Sprache der Küstenindianer und Elementen

aus Englisch und Französisch)

und Englisch die Legenden der

Literatur

Squamish, die sie fasziniert niederschrieb,

um sie der Nachwelt zu erhalten.

Krankheit und Armut

Die Niederschrift der „The Legends

of Vancouver“ gestaltete sich für

Johnson zu einem Martyrium, das sie

aufgrund ihrer angegriffenen Gesundheit

nur mit der Hilfe eines jungen

Redakteurs der Vancouver Zeitung

„Province“, Lionel Makovsky, dem

sie die Geschichten zeitweise diktierte,

und der finanziellen Unterstützung

ihrer Freunde überwinden konnte.

Schon seit der Kindheit von schwacher

Gesundheit war Johnson wiederholt

gezwungen, ihre Tourneen aufgrund

von Erschöpfung und Krankheit

zu unterbrechen. 1901 erkrankte

sie – wie ihr Vater – an Wundrose und

mußte die Vorträge für längere Zeit

absagen; ihr Gesicht wurde durch rote

Flecken entstellt und sie verlor alle

Haare. Doch ihr Wille und ihre Leidenschaft

zur Literatur gewannen

immer wieder die Oberhand, bis ihr

schließlich 1909 unheilbarer Brustkrebs

diagnostiziert wurde. Nur unter

Schmerzen und Lähmungserscheinungen

konnte sie ihre Arbeit fortsetzen.

Doch zunehmend nahm der

Schmerz überhand und sie mußte sich

1912 in ein Privatkrankenhaus einweisen

lassen. Den Aufenthalt finanzierten

ihre Freunde und Bewunderer,

denn so erfolgreich Johnson war,

hatte sie dennoch zeitlebens mit immensen

finanziellen Schwierigkeiten

zu kämpfen.

Als Pauline Johnson am 7. März 1913

starb, waren bereits Tausende an Exemplaren

ihres Gedichtbands „Flint

and Feathers“ verkauft und sicherten

zusammen mit ihren Geschichten und

„The Legends of Vancouver“ ihr literarisches

Erbe.

Ein ungewöhnliches Leben

Pauline Johnson Werke erlebten noch

viele Auflagen, bevor es still um sie

wurde. Deutsche Übersetzungen gibt

es nicht, jedoch Neuauflagen ihrer

Werke, u.a. „The Moccasin Maker“

2002. In jüngster Zeit haben vor allem

die Gender Studies ihre Arbeit

und ihr Leben neu entdeckt, und wer

z. B. unter der Suchmaschine Google

sucht, wird sich nicht wenig wundern

über die immense Zahl der Einträge

(Tausende!!). Inzwischen gibt es auch

eine Dokumentation über die Dichterin,

„The Pauline Johnson Story“

von Scott Colbeck und Morgan Earl,

die 1999 beim American Indian Film

Festival mit dem „Best Story Award“

ausgezeichnet wurde. Bleibt abzuwarten,

ob diese Renaissance der Werke

einer ungewöhnlichen Frau auch nach

Europa schwappt.

Tekahionwake heißt übrigens so viel

wie „Zwei Wampums“ oder anders

formuliert: zwei Leben. Das Leben in

der weißen Gesellschaft und die Verteidigung

der eigenen indianischen

Identität prägen das gesamte Werk der

Dichterin und das Leben der Frau, die

als Pauline Johnson den Vorurteilen

entgegen trat.

von Monika Seiller

Werke von Pauline Johnson

Lyrik

White Wampum, London 1895

Canadian Born, Toronto 1903

Flint & Feather, Toronto 1912

Prosa

The Legends of Vancouver,

Vancouver 1911

Shagganappi, Toronto 1913

Moccasin Maker, Toronto 1913

34 COYOTE 3/02


Schon wieder ein neues Lexikon? Ja,

aber eines, das in seiner Bedeutung über

das Ansammeln von Namen oder Terminologie

hinausgeht, denn es widmet

sich einem Thema, welches bislang

vielfach in der Öffentlichkeit vernachlässigt

wurde – den indianischen Frauen.

Die meisten Leser werden sicherlich

das ein oder andere Lexikon zu Indianern

im Regal stehen haben: eine Übersicht

über die verschiedenen indianischen

Nationen, zu indianischer Mythologie,

gar vielleicht eines über die

„großen Häuptlinge“. Genau dies ist der

springende Punkt: Die Geschichte der

Indianer wurde von den Kolonisatoren

geschrieben, genauer gesagt, von Männern.

Der Blick, selbst auf die wenigen

bekannten indianischen Frauengestalten

ist daher nicht nur ein weißer, sondern

auch ein männlicher, der Frauen – nicht

nur in der Vergangenheit – altbekannte

Rollen zuschreibt und diese Klischees

auch den Indianerinnen überstülpt.

Pocahontas, Sacagawea oder Kateri Tekakwitha

dürften hierbei die bekanntesten

Gestalten sein – indianische Frauen,

die nicht nur das Bild der unterwürfigen

Frau erfüllten, sondern auch die

Überlegenheit der weißen Kultur anerkannten.

Verehrt wurden höchsten die

indianischen „Prinzessinnen“, die man

als Kuriosum am englischen Hof vorführen

konnte, nicht jedoch die Vielzahl

der indianischen Frauen, die traditionell

einen wesentlichen Beitrag zu den Kulturen

und Lebensweisen der indianischen

Völker beitrugen. Wer weiß denn

schon, daß es nicht nur indianische

Krieger, sondern auch Kriegerinnen

gab, wie etwa Woman Chief (1806-

1854), eine Crow, die im 19. Jahrhundert

großes Ansehen innerhalb ihre Volkes

genoß.

Die Bereiche, in denen Frauen wichtige

Funktionen innehatten, waren und

sind sehr vielfältig. Dies gilt nicht allein

für die üblichen matrilinear strukturierten

Völker, sondern zumindest in

Einzelfällen für alle. Frauen übernahmen

wichtige Aufgaben im gesellschaftlichen

und politischen Leben, wie

etwa Betty Mae Jumper oder heute Wilma

Mankiller, aber auch Wirtschaft und

Handel waren ohne sie nicht denkbar.

Die Eroberung und Kolonisation Amerikas

griff entscheidend und nachhaltig

in diese Strukturen ein und verdrängte

COYOTE 3/02

Literatur

„A to Z of Native American Women“ von Liz Sonneborn

die Frauen aus dem öffentlichen Leben.

Durch die veränderten Handelsbeziehung

wurden Indianerinnen von den

Wirtschaftsbeziehungen ebenso ausgeschlossen

wie aus den politischen Strukturen.

Einschnitte wie z.B. der Indian

Reorganization Act 1934 veränderten

die traditionellen Regierungsmuster und

ersetzen sie durch weiße „Demokratie“und

Verwaltungsvorstellungen, in denen

kein Platz für Frauen blieb. Die großen

Handelsunternehmen veränderten

den Markt und ließen traditionelles

Kunsthandwerk, das häufig von Frauen

ausgeübt wurde, in Vergessenheit

geraten. In vielen Fällen dauerte es bis

Mitte bzw. Ende des 20. Jahrhunderts

bis Frauen wie Tonita Pena alte Kunstfertigkeiten

wie Töpferei oder Korbflechterei

wieder aufgriffen.

Unterdrückt und von der dominanten

Gesellschaft ausgeschlossen, begannen

viele indianische Frauen erst Ende des

19. Jahrhunderts wieder ihre Position

zu verteidigen. Sicherlich gab es auch

starke Frauen, die zu anderen Zeiten ihr

Schicksal selbst in die Hand nahmen,

doch durch Schulbildung , d.h. Englischkenntnisse

und Schrifterwerb, verstanden

sie, die assimilationistischen

Bestrebungen als Mittel zur eigenen

Verteidigung ins Positive zu kehren. In

Autobiographien und später Gedichten

und Erzählungen konnten sie der amerikanischen

Öffentlichkeit ihre Sichtweise

vermitteln. Blieben zwar Anfang

des 20. Jahrhunderts indianische Wissenschaftlerinnen,

Ärztinnen etc. noch

Einzelfälle, konnte ihr Auftreten als Aktivistinnen

und Künstlerinnen in der

zweiten Hälfte des Jahrhunderts nicht

mehr verdrängt werden. Anna Mae

Aquash, Mary Crow Dog oder Winona

LaDuke sind dafür deutliche Beispiele.

Längst haben sich auch Musikerinnen

wie Buffy Sainte Marie oder Schauspielerinnen

wie Tantoo Cardinal einen

Namen gemacht, der über die indianischen

Gemeinden hinaus bekannt ist.

Alle diese Frauen und über hundert weitere

werden im Lexikon vorgestellt. Die

Einträge umfassen Medizinfrauen,

Dichterinnen, Kriegerinnen, Akivistinnen,

Anthropologinnen sowie viele Bereiche

mehr und reichen von den frühen

Jahrhunderten bis zu unserer Gegenwart.

Die Biographien dieser Frauen

verdeutlichen das reiche Spektrum

des Beitrags, den indianische Frauen für

die Kultur und das Leben ihrer Völker

geleistet haben. Jeder Eintrag – häufig

durch Photographien oder Bild ergänzt

– enthält die wichtigsten biographischen

Angaben, aber auch die besonderen

Hintergründe der jeweiligen Kultur und

Zeitgeschichte. Durch Querverweise

sind sie mit anderen Einträgen verbunden

und zeigen so ein komplexes Bild

der indianischen Kulturen. Angefügt

sind zudem jeweils kurze Literaturhinweise.

Neben dem alphabetischen Eintrag

sind die vorgestellten Frauen in eigenen

Registern nach Stammeszugehörigkeit,

Betätigungsfeld und Geburtsdatum

erfaßt, was einen interessanten

Überblick ermöglicht. „A to Z of Native

American Women“ ist nicht nur ein

hilfreiches Nachschlagewerk, sondern

lädt vor allem zum spannenden Schmökern

ein, durch das man/frau viel Neues

und Überraschendes erfährt. Vielleicht

sollten vor allem unsere männlichen

Leser einen Blick in das Buch werfen,

um mal einen neuen Blickwinkel auf die

indianischen Kulturen erfahren zu können.

Liz Sonneborn ist Autorin und Herausgeberin

von Büchern über indianische

Kultur und Biographie, darunter „Performers“,

„The Cherokee Indians“ und

„Indian Boarding Schools“.

„A to Z of Native American Women“ von Liz

Sonneborn

Facts on File, New York 1998

228 Seiten (englisch)

von Monika Seiller

35


Frederik Hetmann wurde 1934 geboren

und studierte Sprachen und politische

Wissenschaften. Die Vielseitigkeit

seiner Interessen spiegelt sich

auch in seinen Veröffentlichungen,

die von der Auseinandersetzung mit

dem schwarzen Amerika und ihrem

Freiheitskampf bis zu Biografien von

Che Guevara, Rosa Luxemburg oder

Georg Büchner reichen. Die meisten

Leser werden ihn aber als fleißigen

Sammler indianischer Märchen kennen

und vielleicht sogar eines seiner

Werke im Bücherregal stehen haben,

z.B. „Indianermärchen aus Nordamerika“

1970 im Fischer Verlag erschienen.

Nachdem er sich seit Jahrzehnten

für die Verbreitung indianischer

Märchen im deutschsprachigen Raum

engagiert, hat er nun mit „Büffelfrau

und Wolfsmann“ eine Sammlung von

Mythen, Märchen und Legenden der

nordamerikanischen Indianer vorgelegt,

welche eine Neuausgabe von

„Die Büffel kommen wieder und die

Erde wird neu“ ist, das 1995 im Diederichs

Verlag erschienen ist.

Die Geschichten sind sieben Themenkomplexen

zugeordnet:

· Die Schöpfung

· Sonne, Mond und Sterne

· Der kulturbringende Held

· Männer, Frauen und die Liebe

· Die Welt der Tiere

· Geheimnis, Spuk und Geister

· Zeremonien und Rituale.

Die 71 in der Sammlung enthaltenen

Texte entfalten die schöpferische

Kraft der gesamten indianischen Kulturen

und reichen von Coyotegeschichten

der Navajo über Lieder der

Chippewa zu den Schöpfungsgeschichten

der Okanagan. Die Vielfalt

der Stile und Formen verdeutlicht den

Reichtum der verschiedenen Völker,

die das Klischee von „dem“ Indianer

schnell überwinden läßt, denn gesammelt

hat Hetmann die Geschichten bei

zahlreichen indianischen Völkern:

den Cherokee, Navajo, Seneca, Okanagan

und vielen mehr.

Wer seine früheren Bücher kennt,

wird ohnehin die ein oder andere Ge-

Literatur

Büffelfrau und Wolfsmann

Indianische Märchen zusammengestellt von Frederik Hetmann

schichte – z.B. den Schöpfungsmythos

in „Die Mutter aller Dinge“ –

wiedererkennen und doch neu erleben,

denn die Legende der Seneca findet

sich bereits in dem oben genannten

Indianermärchen aus Nordamerika“

unter dem Titel „Die Himmelsfrau“.

Sicherlich, es ist die gleiche

Geschichte, aber eben doch wieder

anders und neu erzählt. Indianische

Kultur ist geprägt durch die mündliche

Überlieferung und bleibt damit

ein lebendiger Prozess der wiederholten

Vermittlung und Entdeckung.

Die Erzählungen werden mit einem

Glossar und einem Nachwort Hetmanns

zu „Naturhaß und kosmisches

Bewußtsein“ ergänzt. Das Verständnis

von Natur und Mensch ist in der

weißen Kultur geprägt vom Streben

nach Überlegenheit, dem Bezwingen

der Umwelt, dem Unterwerfen alles

Nichtmenschlichen. Hetmann zitiert

zur Verdeutlichung den weißen Anthropologen

Tom Bahti: „Der augenfälligste

Unterschied zwischen den

Philosophien der Indianer und der

Menschen der westlichen Welt sind

die unterschiedlichen Blickwinkel,

unter denen die Rolle der Menschen

im Universum betrachtet wird.“ Weitere

Zitate unterstreichen diesen Gegensatz

zwischen indigener und westlicher

Lebenskonzeption.

Zugleich provoziert das Nachwort der

vorliegenden Ausgabe einen Vergleich

mit dem Vorwort zu „Indianermärchen

aus Nordamerika“. Während

Hetmann noch im Vorwort des Buches

von 1970 ausführlich auf die historische

und heutige politische Situation

der Indianer eingeht, wird dieser

Komplex kaum mehr gestreift.

Mag sein, dass der Autor in positiver

Absicht davon ausgeht, daß die Aufklärungsarbeit

über das Schicksal des

indigenen Amerika Früchte getragen

hat und eine tiefere Erörterung nicht

mehr nötig erscheint. Besonders hilfreich

war jedoch für den Leser, der

sich erstmals den indianischen Märchen

nähert, in der Fischer-Ausgabe

die Einführung in die Entstehungsgeschichte

und den Überlieferungspro-

Jetzt bei uns bestellen!

Frederik Hetmann,

Büffelfrau und Wolfsmann.

Märchen, Mythen und Legenden

der nordamerikanischen Indianer;

Königsfurt Verlag, 304 Seiten,

EURO 14,90 (zzgl. Versand)

zess indianischer Legenden, die viel

zum Verständnis der gesammelten

Märchen und Mythen beitragen kann.

Für manchen Leser wären zusätzliche

Informationen dieser Art sicherlich

hilfreich, denn sie erlauben neben einem

kurzen Einblick in die Vielfalt

der Geschichten ein tieferes Erfassen

indianischer Lebensweise und Kultur.

Die Märchen und Erzählungen selbst

sind jedoch unterhaltsame Lektüre

und Herausforderung zugleich, denn

sie zwingen den Leser, den eigenen

Standpunkt zu überdenken und sich

auf eine Kultur einzulassen, die so

reich an Schätzen ist, dass hoffentlich

noch viele Legenden gesammelt und

dem deutschsprachigen Publikum

zugänglich gemacht werden.

von Monika Seiller

36 COYOTE 3/02


Wem der Fall „Mumia Abu Jamal“

kein Begriff ist, hat offensichtlich

vergessen sich umzuschauen, in welcher

Welt er lebt. Ich nenne bewußt

den Fall, der den meisten wohl vertraut

sein dürfte, doch wer kennt hinter

einem weiteren Symbol des repressiven

Amerikkka (=Land des

KuKluxKlans), hinter dem Fall eines

zum Tode Verurteilten den Menschen,

das bewegte Leben eines leidenschaftlichen

Kämpfers für Gerechtigkeit

und Freiheit. Mumia Abu Jamal

– ein Ex-Black Panther, ein Journalist

– was hat das mit Indianern zu

tun?

Nichts und zugleich alles, denn es

geht um ein System, das die Rechte

jedes Einzelnen und im besonderen

der Minderheiten unterdrückt, jener

Minderheit der Aufrechten, die für

Gerechtigkeit und Freiheit einstehen.

Dabei spielt es keine Rolle, ob Mumia

schwarz oder rot ist, denn er ist

Opfer eines Systems, das die Rechte

des Menschen beschneidet und damit

auch den Indianern Gerechtigkeit und

Würde verweigert. Ihre Aktivisten

sind den gleichen Repressionsmechanismen

unterworfen wie die Black

Panther, die Linken, die Schwulen

und alle, die Freiheit und Gerechtigkeit

einfordern.

COYOTE 3/02

Literatur

„On A Move“

Die Lebensgeschichte Mumia Abu Jamals von Terry Bisson

„Ich bin kein Symbol,

ich bin ein Mensch.“

Das Buch „On A Move“ erzählt die

Geschichte Mumia Abu Jamals, der

am 24. April 1954 unter dem Namen

Wesley Cook in den Schwarzenvierteln

Philadelphias geboren wurde und

dessen Leben am 09.12.1981 eine tragische

Wendung erfuhr, als er seinem

Bruder, der von Poilizisten angegriffen

wurde, zu Hilfe eilen wollte. Mumia

Abu Jamal wurde angeschossen

und verlor das Bewußtsein. Nachdem

er im Krankenhaus wieder zu sich

kam, erfuhr er, daß man ihn des Mordes

an einem Polizisten anklagte, der

bei der Auseinandersetzung erschossen

worden war. Obwohl Zeugen seine

Unschuld bestätigen können, fielen

Prozeß und Urteil erwartungsgemäß

aus – ausgerechnet am

04.07.1982 (bekanntlich ist der 4. Juli

der amerikanische Nationalfeiertag)

wurde er zum Tode verurteilt. Seit

nunmehr 20 Jahren ist Mumia Abu Jamal

lebendig in der Todeszelle begraben,

die kein Geräusch, keine Berührung

zuläßt – nur 24 Stunden erbarmungsloses

Neonlicht.

Terry Bisson, der bereits bei der Zusammenstellung

und Publikation von

Mumias erstem Buch „...aus der Todeszelle“

half, das 1995 erschien und

sogleich auch ins Deutsche übersetzt

wurde, zeichnet die Stationen eines

bemerkenswerten Lebens nach, das

Mumia selbst bescheiden als

„eines von vielen ähnlichen

Lebenswegen“ bezeichnet

Von Elternhaus und Umfeld

sensibilisiert wird er auf der

Highschool zum erstenmal

auf die Black Panther aufmerksam

und beginnt sich –

erst 14 Jahre jung – für die

Black Panther und ihre Sozialprogramme

zu engagieren.

Rasch wird man auf den

aufgeweckten Jungen aufmerksam,

dem man auch

größere Aufgaben zutraut.

Er begnügt sich nicht damit,

die Pamphlete und Publikationen

der Panthers zu ver-

teilen, sondern beginnt selbst zu

schreiben und wird rasch mit redaktionellen

Aufgaben vertraut. Die Partei

erkennt seine Fähigkeiten und

schickt ihn zu ihren verschiedenen

Ortsgruppen. Rasch steigt er auf und

wird zu einer wichtigen Stimme der

Bewegung.

Das wache Auge des Staates

Doch die Gegenseite hat längst die

Bedrohung ihrer Interessen durch eine

geschlossene Schwarzenbewegung

erkannt und setzt alle Mittel ein, um

das „Problem“ aus der Welt zu schaffen.

Mißtrauen, Verdächtigung und

Zwist sind das Ergebnis eines Programms,

das unter dem Kürzel

COINTLEPRO ein dunkles Kapitel

der amerikanischen Geschichte

schreibt. Hervorragend nachzulesen

in den beiden Büchern von Ward

Churchill und Jim Vander Wall:

„Agents of Repression: The FBI’s

Secret Wars Against the Black Panther

Party and the American Indian

Movement“, Boston 1988 sowie „The

COINTELPRO Papers, Documents

from the FBI’s Secret Wars Against

Dissent in the United States“, Boston

1990, die jedoch leider nur auf englisch

zu haben sind. Ähnlich wie auch

AIM, das American Indian Movement,

werden die Panthers unterwandert,

ihre Mitglieder verfolgt, verhaftet

und brechen schließlich unter der

Last der Repression auseinander.

Mumia während seiner Zeit bei den Black Panther,

entnommen dem Buch „On A Move“

37


Auch Mumia hat sich aus der Bewegung

zurückgezogen und ein neues

Betätigungsfeld gefunden: Journalismus.

Vor allem als Radiomoderator –

als „Voice of the Voiceless“ – gewinnt

er zunehmend an Einfluß und kann

so der politischen Sache treu bleiben

und neue Mitstreiter gewinnen. Doch

er wird weiter überwacht und bespitzelt,

bis er schließlich zum Schweigen

gebracht werden soll, begraben

in der Todeszelle. Doch Mumia

schweigt nicht.

Heldenverehrung tabu

„On the Move“ entstand im Auftrag

und in enger Zusammenarbeit mit

Mumia, wobei er dem Autor Bisson

einige Regeln auferlegte, wie Terry

Bisson im Nachwort erläutert: Respekt

der Privatsphäre der Beteiligten,

ferner muß es Spaß machen, das

Buch zu lesen, doch am wichtigsten,

keine Glorifizierung seiner Person.

Ausdrücklich verlangte Mumia,

„mach aus mir nicht irgendeinen Heiligen

oder Märtyrer. Ein Revolutionär

zu sein, ist schwierig, aber es

macht Spaß. Ich hatte Spaß dabei.

Verdammt, und ob du es glaubst oder

nicht, ich habe immer noch Spaß

dabei.“

Diese Auflagen hat der Autor in hervorragender

Weise erfüllt. Lebendig

beschreibt er - natürlich von Sympathie

und Solidarität getragen – die

Person Mumia Abu Jamals, seine Na-

Literatur

mensgebung, seinen Werdegang und

sein Leben, das mit der Verhaftung

und dem Todesurteil eine jähe Zäsur

erleiden mußte. Bisson beschreibt all

dies witzig, und ironisch, aber nicht

blind für die Schwächen des Beschriebenen,

nicht idealisierend oder heroisierend,

sondern voller Zuneigung

und Leidenschaft, Engagement und

Menschlichkeit. Entstanden ist so

nicht nur die Biographie eines interessanten

Menschen, sondern zugleich

ein Stück wichtiger und leider noch

gegenwärtiger Zeitgeschichte. Wie

gegenwärtig die Repressionen sind,

zeigt sich u.a. daran, daß Mumias

Sohn – wohlgemerkt im Land der

weißen Waffenfanatiker – aufgrund

einer konstruierten Anklagen wegen

Waffenbesitzes zu 15 Jahren Haft verurteilt

wurde. Einfühlsam und kenntnisreich

zeichnet Bisson die Atmosphäre

der 60er und 70er Jahre nach,

läßt die Ära der Bürgerrechtsbewegung

und der Emanzipation der

Schwarzen (zeitgleich auch der Indianer)

wiederauferstehen.

Geschrieben ist das Buch nicht von

einem Schwarzen, sondern von einem

Weißen, noch dazu einem Science

Fiction Autor. Ich muß gestehen, im

ersten Moment zauderte auch ich,

denn was hat ein Science Fiction Autor

mit der Geschichte der Schwarzen

zu tun, kann ein Weißer die Lebenssituation

der Schwarzen, noch

dazu in den 60er Jahren angemessen

beschreiben? Er kann und noch mehr,

Auf mehr als 200 Seiten zeichnet Oliver

Demny die Geschichte der Black Panther

nach, erläutert den Aufstieg der schwarzen

Befreiungsorganisation und den Zusammenbruch

bzw. die inneren Konflikte,

die durch die Verfolgung von FBI und

Polizei entstanden. Wer sich über ein

Stück Zeitgeschichte und die Entwicklung

der schwarzen Bürgerrechtsbewegung

in den 60er und 70er Jahren ein Bild

verschaffen möchte, ist bei Demny gut

aufgehoben. Die besonderen Methoden

des FBI und der Unterwanderung und

Bespitzelung von Bürgerrechts- und

Menschenrechtsorganisationen sind jedoch

in Ward Churchills Buch „Cointelpro“

noch besser dargestellt.

Oliver Demny, Die Wut des Panther, Unrast

Verlag, 14,00 Euro

denn „On A Move“ ist eine fesselnde

Geschichte, die nicht nur mitreißt,

sondern auch hervorragend lebendig

geschrieben ist.

Nachtrag

Im Vorwort vermerkt Chuck D. von

Public Enemy, daß er erst in Europa,

genauer in Neapel, auf Mumias

Schicksal aufmerksam wurde. Menschen

und Organisationen in aller

Welt unterstützen den Kampf um

Mumias Freilassung, darunter auch

hierzulande. Eine besondere Form der

Unterstützung erfuhr Mumia aus

Frankreich: im vergangenen Dezember

erklärte der Stadtrat von Paris

Mumia zum Ehrenbürger der französischen

Hauptstadt. Die Meldung kam

nahezu zeitgleich mit einer überraschenden

Gerichtsentscheidung, denn

am 18. Dezember 2001 hob Richter

William Yohn das Todesurteil auf,

obwohl er den Schuldspruch gegen

Mumia bestätigte,und ordnete eine

neue Verhandlung zur Strafbeimessung

an. Die Sache ist damit

allerdings noch längst nicht ausgestanden,

und Mumias Anwälte versuchen

weiterhin eine Aufhebung des

gesamten Urteils und eine Anerkennung

seiner Unschuld zu erwirken.

Wer sich an Aktionen beteiligen

möchte oder sich weiter informieren

will, sei auf die beiden Webpages verwiesen:

www.mumia.de oder

www.mumia.org. Auf diesen Seiten

wird übrigens auch zur Unterstützung

für einen weiteren politischen Gefangenen

aufgerufen – Leonard Peltier –

womit der Kreis sich wieder schließt.

Ich möchte das Buch „On a Move“

jedem ans Herz legen, der sich für

einen wichtigen Abschnitt amerikanischer

Geschichte interessiert, der

die Zusammenhänge eines repressiven

Systems verstehen will, das noch

heute den Freiheitsgeist knechten

will, oder der einfach einen Schimmer

der Hoffnung erleben will, die

Mumia in sich trägt.

Terry Bisson, „On a Move“

Übersetzt aus dem Englischen von Michael

Schiffmann

246 Seiten, zahlreiche Photos, Adressen

Atlantik Verlag, 2001, EURO 12,80

von Monika Seiller

38 COYOTE 3/02


1982 erklärte der damalige US-Präsident

Reagan den 14. August zum „National

Navajo Code Talkers Day“. Fast

vier Jahrzehnte nach Ende des Zweiten

Weltkriegs hatte es gedauert, bis damit

von offizieller Seite die Leistung und

der Einsatz der insgesamt 25.000 Indianer,

darunter rund 3.600 Dineh, bei den

amerikanischen Streitkräften gewürdigt

wurden. So zwiespältig der Kriegseinsatz

der Indianer ausgerechnet für jene

Regierung zu sehen ist, die ihnen bis

heute Land- und Menschenrechte vorenthält,

so war es doch für viele der beteiligten

Veteranen ein Tag der Genugtuung,

die ihnen selten zuteil wird.

„Ohne die Navajos hätten wir Iwo Jima

niemals eingenommen“, kommentierte

Major Connor von der 5. Marineeinheit

die Verdienste der Indianer, doch

die Heimat zeigte sich den indianischen

Soldaten gegenüber nach Kriegsende

weniger großzügig. Ira Hayes, der auf

dem berühmten Photo zu sehen ist - einer

Ikone des amerikanischen Kollektivgedächtnisses

- das ihn und fünf weitere

Soldaten zeigt, welche am 23. Februar

1945 die amerikanische Flagge

auf Mount Suribachi hissen, fand nach

der Rückkehr in die Heimat seines

Pima-Volkes nur Armut und Elend vor.

Hayes starb in einer kalten Januarnacht

1955 an Alkoholismus und Verzweiflung.

Selbst er mußte trotz der kurzen

Berühmtheit das Schicksal vieler Indianer

teilen, die nicht mehr als Kriegshelden

gefeiert, sondern als dreckige

Rothäute diskriminiert wurden.

Johnny Cash hat 1970 in einem Song

das Schicksal von Ira Hayes verewigt.

„The Ballad of Ira Hayes“ (Lyrics: Peter

LaFarge), die auch von Bob Dylan

gecovert wurde, ist eine scharfe Anklage

an die amerikanische Gesellschaft,

die den Indianern nicht nur das Land,

sondern auch die Würde geraubt hat. Es

bedurfte erst eines langen Kampfes, bis

Ira Hayes auf dem Soldatenfriedhof Arlington

beigesetzt wurde, denn der berühmte

Friedhof ist nur amerikanischen

Kriegshelden vorbehalten – versoffene

Indianer haben dort nach Ansicht der

Öffentlichkeit nichts zu suchen.

Die Kriegsbeteiligung der Indianer in

den beiden Weltkriegen ist ein heikles

Thema, das weder in den indianischen

Gemeinden noch in der amerikanischen

Gesellschaft wirklich erörtert wurde.

COYOTE 3/02

Film

„Windtalkers“ – Hollywoods Heldenkino

Einerseits, so die Kritiker, geben die

Indianer ein Stück ihrer Souvernität auf,

indem sie für die Kolonisatoren ihr Leben

aufs Spiel setzen, andererseits sahen

viele ihre Rolle darin, nicht nur

Amerika, sondern vor allem ihr Land

zu verteidigen. Insbesondere die Navajo

Code Talkers, von den rund 400

bei den Marines eingesetzt wurden, verstanden

sich durchaus als Patrioten.

In dem Dokumentarfilm „Navajo Code

Talkers“ von Allan Silliphant, der 1995

entstand, wird vor allem auf die tragische

Geschichte der Dineh verwiesen

– Kit Carsons Krieg gegen die Indianer,

den „Long Walk“ von 1864, die Internierung

in Fort Sumner – bevor die

eigentliche Darstellung der Code Talkers

folgt. Kritisch verlangt die Dokumentation

Gerechtigkeit und Wiedergutmachung

für den Landraub und das

Elend, das den Indianern zugefügt wurde.

Amerika nahm von der Dokumentation

und dem Thema keine Notiz - bis

Hollywood kam

Ballad of Ira Hayes

Nichts von all den vorgenannten Aspekten

ist in dem Spielfilm „Windtalkers“

zu sehen: Weder reflektieren die Indianer

über ihre Situation in der Armee

noch wird die historische Situation oder

gar die damalige Lebenssituation der

Indianer (immerhin gab es bei Kriegs-

Gather round me, people, there’s a story I would tell,

About a brave young Indian you should remember well;

From the land of the Pima Indians, a proud and noble band,

Who farmed the Phoenix Valley in Arizona land.

Down their ditches for a thousand years the waters grew Ira’s people’s crops,

Till the white man stole their water rights and their sparklin’ water stopped.

Now Ira’s folks grew hungry, and their farms grew crops of weeds.

When war came, Ira volunteered and forgot the white man’s greed.

CHORUS: Call him drunken Ira Hayes —

He won’t answer anymore,

Not the whiskey-drinkin’ Indian,

Not the Marine who went to war.

Well, they battled up Iwo Jima hill — two hundred and fifty men,

But only twenty-seven lived — to walk back down again;

When the fight was over — and Old Glory raised

Among the men who held it high was the Indian — Ira Hayes.

Ira Hayes returned a hero — celebrated through the land,

He was wined and speeched and honored — everybody shook his hand;

But he was just a Pima Indian — no water, no home, no chance;

At home nobody cared what Ira done — and when do the Indians dance?

Then Ira started drinkin’ hard — jail was often his home;

They let him raise the flag and lower it — as you would throw a dog a bone;

He died drunk early one morning — alone in the land he’d fought to save;

Two inches of water in a lonely ditch — was the grave for Ira Hayes.

CODA: Yea, call him drunken Ira Hayes,

But his land is just as dry,

And the ghost is lying thirsty

In the ditch where Ira died.

39


eintritt der USA rund 50.000 Navajo)

angesprochen. Stattdessen ist der Film

eine krude Aneinanderreihung billiger

Special-Effect-Kriegsgemetzel und

oberflächlicher Actionszenen. Die Dialoge

sind dürftig und die Dramaturgie

ermüdend und zusammenhangslos.

Im Zentrum des 100-Millionen-Dollar-

Films von John Woo (Regisseur von u.a.

Mission Impossible 2), der ausgerechnet

am Veterans Day in die amerikanischen

Kinos kam, steht natürlich auch

kein Indianer, sondern der tapfere,

mehrfach dekorierte Marines-Kämpfer

John Enders, der gegen seinen Willen

mit der Aufgabe beauftragt wird, „Kindermädchen“

für den Navajo Code Talker

Ben Yazzie, dargestellt von Adam

Beach, zu spielen.

Aufgrund der Erfahrungen aus dem 1.

Weltkrieg, als sich bereits Choctaw und

Comanche ihrer eigenen Sprache zur

Übermittlung wichtiger Botschaften

erfolgreich bedient hatten, kam der Missionarssohn

und Kriegsveteran Philip

Johnston, der auf dem Navajo-Reservat

aufgewachen war und die Sprache der

Dineh fließend beherrschte, auf die

Idee, diese Sprache als Basis eines Codes

zu verwenden und trug den Vorschlag

dem Chef der Marineeinheiten

im Pazifik, Major General Clayton Vogel

vor, der sofort die Möglichkeiten

einer neuen Geheimsprache erkannte,

da alle bisherigen von den Japanern

entschlüsselt werden konnten. Mai 1942

rückten die ersten Navajo-Rekruten in

Camp Pendleton in Kalifornien ein, um

sich zu Code Talkern und Funkern ausbilden

zu lassen.

Anders als im ersten Weltkrieg, als sich

die Indianer nur ihrer natürlichen Muttersprache

bedient hatten, sollte nun auf

der Basis der Navajo-Sprache und der

Einbeziehung militärischer Terminologie

ein spezielles Wörterbuch entwickelt

werden, das dann zu einem wirklichen

Geheimcode umgewandelt wurde.

Das zur Sprachfamilie der Athabasken

gehörige Navajo selbst ist für Außenstehende

kaum zu erfassen, da sie

nicht schriftlich fixiert war und von

komplexer Struktur ist. Zudem übertraf

die Geschwindigkeit der Code Talkers

alle bisher eingesetzten Maschinen.

Nach Erlernen des Codes sollten die

Navajo als Funker im Pazifik gegen die

Japaner eingesetzt werden. Nachdem es

jedoch zu Zwischenfällen gekommen

war, bei denen Navajo als vermeintli-

Film

che Japaner inhaftiert worden waren,

verfiel man auf die Idee, ihnen „Leibwächter“

zur Seite zu stellen, die nicht

das Leben der Navajo schützen sollten,

sondern vor allem den Geheimcode.

Damit sind wir mitten im Thema des

Films. Die beiden Code Talker Ben und

Charlie werden in den Pazifik abkommandiert,

wo ihnen jeweils ein Kindermädchen

zugeordnet wird. Während

Charlie sachte Freundschaft mit seinem

Bodyguard schließt, kann sich Major

Enders nicht mit seiner neuen Aufgabe

abfinden. Er läßt keine Gelegenheit aus,

den freundlich-naiven Ben zu demütigen.

Nachdem Enders jedoch gezwungen

war, Charlie aus nächster Nähe zu

exekutieren, um dessen Gefangennahme

durch die Japaner und damit die Entschlüsselung

des Codes zu verhindern,

rettet er auch noch Ben das Leben.

Durch Bens Heldenmut verstummen

selbst die anfänglich rassistischen Töne

innerhalb der Truppe und alles endet

gut. Hollywood und Happyend.

Wer allerdings mehr über das Thema

der Navajo Code Talker erfahren möchte,

sollte sich diesen Hollywoodstreifen,

der sicherlich zig Millionen Dollar einspielen

wird, ganz einfach schenken

und lieber den Dokumentarfilm anschauen

oder sich fundierter Literatur

zuwenden. Hollywood hat als Geschichtsunterricht

selten beeindrucken

können. Helden bleiben Helden und retten

die freie Welt, doch was ist mit den

Indianern. Der eine muss sterben, um

das Vaterland zu retten, der andere

scheint es Uncle Sam nicht mal wirklich

übel zu nehmen, dass der Code über

das Leben der Talkers gestellt wird. Sie

werden zu Mitteln degradiert und haben

sich mit ihrem Schicksal abzufinden.

Am Schluss kehren sie heim und

beten für die gefallenen Seelen. In der

Tat gab es die Versöhnungszeremonien

wirklich; die „enemy ways“ genannten

Rituale sollten die Zurückgekehrten mit

dem vergossenen Blut versöhnen und

nicht nur ihren Seelen Ruhe schenken,

sondern auch denen des Feindes. Doch

im Film erscheinen die Reinigungszeremonien,

die Charlie und Ben im Pazifik

durchführen wie Hokuspokus,

Relikte einer überwundenen Kultur,

deren Träger man hoffentlich doch noch

ins 20. Jahrhundert retten kann, wenn

aus den abergläubischen Kriegern endlich

wirkliche harte Männer geworden

sind. Nach diesem Crash-Kurs in Sachen

Patriotismus sieht Ben seinem

Aufpasser sogar nach, daß dieser

kurzerhand in Pflichterfüllung Bens

besten Freund kaltblütig erschossen hat.

So sind eben die wahren Helden Amerikas.

Nicolas Cage in der Hauptrolle als John

Enders begnügt seinen schauspielerischen

Einsatz darauf, mürrisch in die

Gegend zu schauen oder wie wild um

sich zu feuern. Adam Beach als sein

indianischer Gegenspieler Ben Yazzie

bleibt zwar auch unter seinen schauspielerischen

Fähigkeiten zurück, die er

zuvor in Filmen wie „Smoke Signals“

oder „Dance Me Outside“ unter Beweis

stellen konnte, dürfte jedoch durch diesen

Film endlich einem breiteren Publikum

zum Begriff werden. Adam Beach

wurde 1972 in Ashern im kanadischen

Manitoba geboren. Für ihn als

Salteaux-Indianer war die Sprache der

Navajo fremdes Terrain, so daß er sich

auf die Rolle durch ein sechsmonatiges

Sprachtraining vorbereiten mußte. Aufgewachsen

in Winnipeg spielte er

zunächst in einer Metal-Band, bevor er

die Schauspielerei für sich entdeckte.

Nach zahlreichen Fernsehauftritten und

mittlerweile mehr als einem Dutzend

Spielfilmen zählt er zum festen Kern der

indianischen Schauspielerelite.

Beach, der jüngst mit der Filmcrew Gast

von George W. Bush im Weißen Haus

war, sieht kein Problem darin, daß er

bislang nur Indianer im Film spielte.

„Auf diese Weise kann ich das romantisierte

Hollywood-Bild korrigieren

helfen. Natürlich leben wir wie jeder

andere auch und als Schauspieler möchte

ich, daß ein Regisseur sagt, nehmen

wir Beach, weil er gut ist, aber darüber

hinaus bin und bleibe ich Indianer.“

Übrigens ist Beach derzeit im Gespräch

für die Hauptrolle einer Verfilmung des

Lebens von Leonard Peltier, dem berühmtesten

indianischen Gefangenen in

den USA. Für diese Rolle wird ihn Präsident

Bush jedoch mit Sicherheit nicht

ins Weiße Haus einladen, denn die Machenschaften

der US-Behörden, allen

voran des FBI, tragen wenig zu patriotischen

Gefühlen bei, sind dafür umso

passender für die Ära Bush, die das freie

Wort mit Maulkorb, Patriotismusknute

und Terrorgesetzen knechtet.

„Windtalkers“, USA 2001, Regie: Joon Woo

Darsteller: N. Cage, A. Beach, Ch. Slater

von Monika Seiller

40 COYOTE 3/02


Filmbesprechung

Seit 10 Jahren werden auf dem Filmfest

München Filme amerikanischer

Ureinwohner vorgeführt: zuerst „nur“

Dokumentarfilme, schließlich auch

Spielfilme wie „Naturally Native“,

„Tushka“, „Smoke Signals“ oder

„Skins“. Im Sommer 2002 wurde der

erste Inuit-Film vorgestellt. Drehbuch,

Produktion und Rollenbesetzung:

alles erledigten die arktischen

Ureinwohner selbst.

Der Film setzt den Inhalt einer alten

Legende um, die seit Generationen

von den Älteren erzählt wird und

davor warnt, Begierde und Eigennutz

über das Wohl der Gruppe zu stellen.

Der Film spielt in historischer Zeit,

lange bevor der Kontakt mit Missionaren

und weißen Walfängern die

Kultur der arktischen Jägergruppen

drastisch veränderte. Innerhalb der

kleinen Jagdgemeinschaften hatte jedes

Mitglied spezifische Aufgaben zu

erfüllen. Während die Männer gemeinsam

Jagd und Fischfang ausübten,

schabten z.B. die Frauen mit dem

„ulu“, einem Rundmesser, das Fleisch

von den Fellen erlegter Tiere, gerbten

es und fertigten daraus in ungewöhnlicher

Perfektion Parkas, die

gegen die extreme Kälte schützten.

Die Menschen waren aufeinander

angewiesen, teilten alles, kannten

kaum persönlichen Besitz.

Rivalität würde das gemeinsame

Überleben gefährden. Doch die Bessessenheit

von der Schönheit einer

jungen Frau macht zwei Männer zu

erbitterten Gegnern. Atanarjuat, heiratet

Atuat, die aber Oki versprochen

ist. Der will sich nicht mit seinem Los

abfinden und zieht mit seiner Anhängerschaft

los, um Atanarjuat und seinen

Bruder auf der Jagd zu überfallen.

Dabei wird der Bruder getötet,

während es Atanarjuat gelingt zu fliehen.

Nackt läuft er über die Tundra.

Dann springt er über das Eis, von

Scholle zu Scholle, bis seine Füße

bluten und er ohnmächtig zusammenbricht.

Atanarjuat wird schließlich

von Fremden aufgefunden, verborgen

und gepflegt. Währenddessen drängt

Oki Atuat ihn zu heiraten. Die spürt

COYOTE 3/02

Film

Atanarjuat – The Fast Runner

aber intuitiv, dass ihr Mann noch lebt

und wartet auf seine Rückkehr.

Wieder genesen kommt er auch zurück,

belohnt die Treue seiner Frau

und entwickelt einen raffinierten Racheplan

...

Das Meisterwerk des Regisseurs

Zacharias Kunuk war ursprünglich

über vier Stunden lang und auch nach

dem „directors cut“ blieb ein Epos

von 172 Minuten Länge in „Inuktitut“

mit englischen Untertiteln. Einstellungen

und Kameraführung überraschen

immer aufs Neue. Dutzende

von Künstlern stellten die Kostüme

nach alten Vorlagen von Hand her.

Die Frauen tragen damals übliche Tättowierungen

im Gesicht. Überhaupt

gaben sich die Produzenten alle

Mühe, eine vergangene Welt

möglichst authentisch wiederaufzuerstehen

lassen. Trotzdem sollte der

Film weder reine Dokumentation,

noch romantisch verklärte Exotik bieten.

Die Geschichte ist künstlerisch

frei gestaltet und erzählt ein menschliches

Drama, dass auch andernorts

verstanden werden kann und von allgemeiner

Gültigkeit ist.

Fünf „Genies“, die kanadischen „Oscars“

wurden dem Film zuerkannt

(bester Film, beste Regie, bestes

Drehbuch, bester Schnitt, beste Musik).

In Cannes wurde er mit der „Goldenen

Palme“ für den besten ausländischen

Film ausgezeichnet. Die Besetzung

erfolgte mit professionellen

Schauspielern und Laien, die aber alle

eine ausgezeichnete Gruppenleistung

erbrachten, in der jeder seine Rolle

zu spielen wußte, ganz wie in alten

Zeiten. Hauptdarsteller Natar Ungalaaq,

der schnelle Läufer, ist ein berühmter

Bildhauer und seine Werke

finden sich in den bedeutendsten

Sammlungen der Inuit-Kunst. Er trat

bereits in kanadischen und amerikanischen

Filmen auf. Sylvie Ivalu, die

Darstellerin der Atuat, hatte hingegen

Premiere. Die Mutter von drei Kindern

ist Sekretärin für die Regierung

der autonomen Region Nunavut, in

der Hauptstadt Igloolik. Peter Henry

Arnatsiaq, der den Rivalen Oki spielt,

ist im wirklichen Leben ein Jäger.

Der Film ist ein authentisches Zeugnis

der Inuit-Kultur, auf das die arktischen

Ureinwohner stolz sein können:

Zum einen, weil es zeigt, welchen

kulturellen Reichtum die eigenen

Wurzeln hervorgebracht haben und

noch immer hervorbringen. Zum anderen,

weil mit der Botschaft des

Films über das Inuit-Publikum hinaus

auch Menschen anderer Kulturen

ein Geschenk gemacht worden ist.

Hoffentlich ist er bald in den deutschen

Kinos zu sehen.

von Christin Ferretti.

P.S.: „Inuit - Our People“ von Regisseur

Zacharias Kunuk gehörte zu den

beeindruckendsten Beiträgen der

diesjährigen Documenta 11 in Kassel.

41


„Bone Days“

John Trudells neue CD

„Bone Days ist eine ergreifende Verbindung

von Stammesrhythmen, traditionellem

Gesang, modernen musikalischen

Hintergrund (Blues und

Rock) und Trudells eindringlicher

Dichtung“, urteilte das Musikmagazin

Rolling Stone. Die im Frühjahr

des Jahres erschienene neue CD von

John Trudell führt diese bewährte

Mischung, die wir von seinen früheren

Veröffentlichungen kennen, erfolgreich

fort, ohne dabei in einer

Wiederholung eines erfolgreichen

Konzepts zu verharren. Bereits in seinen

bisherigen CDs, u.a. „AKA Graffiti

Man“ – das bekanntlich Bob

Dylan 1986 zum „besten Album des

Jahres“ erklärt hatte –, verknüpfte

Trudell diese verschiedenen Elemente

ausdrucksstark zu einem ganz eigenen

Stil, der von seinem typischen

Sprechgesang geprägt wird.

John Trudell, der inzwischen zu den

bekanntesten indianischen Musikern

zählt, machte sich zunächst auf der

politischen Bühne einen Namen, bevor

er sich der Musik zuwandte. Aufgewachsen

im Santee Sioux Reservat

bei Omaha, Nebraska, hatte er – wie

viele Aktivisten der 60er und 70er

Jahre – sein politisches Bewußtsein

in Vietnam (1963 bis 1967) und der

aufkeimenden Bürgerrechtsbewegung

geschärft. 1969-71 nahm er an

der Besetzung von Alcatraz teil und

wurde Sprecher für die „Indians of All

Tribes“, aus der schließlich das

„American Indian Movement“ (AIM)

hervorging, deren nationaler Vorsitzender

er von 1973 bis 1979 war.

Schlagartig bekannt wurde sein Name

durch einen tragischen Vorfall: Nachdem

er im Februar 1979 anläßlich einer

Protestkundgebung in Washington

zusammen mit anderen Aktivisten

die amerikanische Flagge auf den

Stufen zum amerikanischen Kongreß

verbrannt hatte, ging kurz darauf sein

Haus in Flammen auf, wobei seine

Frau, seine drei Kinder und seine

Schwiegermutter qualvoll starben.

Trudell zog sich daraufhin aus AIM

zurück und entdeckte Musik und

Dichtung als Mittel „den Realitätsbe-

Musik

zug nicht zu verlieren“. 1979 hatte er

Jackson Browne kennengelernt, der

ihm half, 1982 seine erste MC „Tribal

Voice“ zu veröffentlichen. 1986

folgte das Album „Aka Graffiti Man“,

das unter der Produktion von Jackson

Browne 1992 als CD erschien. Nicht

nur Bob Dylan war von diesem Album

begeistert, sondern auch die zu

diesem Zeitpunkt sehr erfolgreiche

Band „Midnight Oil“, die ihn mit auf

Tour nahm. 1994 erschien „Johnny

Damas and Me“, 1999 „Blue Indians“

und im Frühjahr 2002 nun „Bone

Days“. Neben seiner musikalischen

Karriere hatte John Trudell auch die

Leinwand für sich entdeckt und wirkte

in Filmen wie „Thunderheart“,

„Smoke Signals“ oder „Incident at

Oglalla“ mit.

„Bone Days“ reflektiert in exemplarischer

Weise Trudells heutige Sicht

auf die politische Entwicklung und

öffnet gleichzeitig eine zutiefst individuelle

und menschliche Dimension,

die eng mit dem Begriff der Wahrheit

Jetzt bei uns bestellen!

verknüpft ist. Die Aufrichtigkeit sich

selbst gegenüber ist für ihn die unabdingbare

Voraussetzung sowohl der

Erkenntnis der Realität als auch des

eigenen Handelns. Ob ihn andere als

Aktivisten oder als Musiker sehen, ist

nicht entscheidend, denn es kommt

darauf an, selbst über das eigene Leben

zu bestimmen, die eigene Autonomie

als denkender Mensch zu bewahren.

„Wir haben, glaube ich, seit Wounded

Knee damals 1973 eine Menge

gelernt“, erklärte Trudell vor kurzem

in einem Interview mit Torri Townsend

vom Sender WOJB’s, „das Lernen

ist Teil eines Heilungsprozesses,

aber für mich ist es eher eine Frage

des Überlebens, des Widerstands. Mir

kommt es mit meinen Songs nicht

darauf an, dass die Leute sagen, ja, er

hat recht, so ist es, als vielmehr, dass

sie anfangen nachzudenken. Wir alle

sind bestimmten Zwängen und äußeren

Faktoren unterworfen, aber es

kommt darauf an, daß wir uns davon

„Bone Days“ - bei uns zu haben für Euro 14,75,- (zzgl. Versand)

55 Minuten gute indianische Musik in 13 Songs

42 COYOTE 3/02


CARRY THE STONE

Hidden in the beauties of babylon

A civilized behavorial notoriety

The more evil the empire

The more paranoid the society

Building to the new world order

We’re expected to carry the stone

Emperors and the feeding class

Human being, being used up fast

The miners keep on mining

Intelligence is the mother lode

Imagination as an energy source

In this predators way of dining

Defining how and what we think

As we’re led to the way to believe

Conditioned reaction we call thought

Our reality rides in how we perceive

In the ways of being lost and alone

Who runs from their doubt and fear

In the mask of everything’s normal

Who’s not feeling or seeing to clear

Could be we’re being programmed

In a way our spirit bleeds

All over our lives, our lives

Become fuel for predator needs

befreien und einen klaren Kopf behalten,

wir selbst müssen nachdenken

und entscheiden, was wir wollen, wie

wir leben wollen.“

In seinem Song „Carry the Stone“

bringt er dies beispielhaft zum Ausdruck,

wenn er die „neue Weltordnung“

thematisiert, in der dem Einzelnen

nur noch eine Handlangerposition

zugewiesen wird, über dessen

Leben längst andere entscheiden.

„Wir müssen uns mit der politischen

Realität auseinandersetzen“, so Trudell,

„sie kann nicht geleugnet werden,

sie ist da und bestimmt über unser

Leben. Aber man kann natürlich

auch nicht übersehen, daß die Politik

europäischen Denkmustern folgt, es

ist nicht unsere Art, wie Politik gemacht

wird. Uns werden die Rahmenbedingungen

vorgesetzt, also können

wir auf diesem Feld nur die gleichen

Mittel einsetzen, aber das ist nicht

unsere Identität. [...] Daher glaube ich,

daß langfristig unsere Identität und

unsere Wahrheit stärker und deutli-

COYOTE 3/02

Musik

cher durch Kultur und Kunst vermittelt

werden können als durch Politik.“

Trudell sieht sich selbst heute weniger

als Aktivist denn als Vermittler,

der die Menschen zum Nachdenken

anregen will, ohne ihnen eine fertige

Botschaft aufzudrängen. Wie im Titelsong

„Bone Days“ formuliert,

möchte er die Menschen zur „großen

Suche nach der Wahrheit“ auffordern.

Nur wenn wir unseren Verstand und

unsere Intelligenz als unabhängige

und selbstbestimmte Individuen einsetzen,

können wir zur Erkenntnis

gelangen, auf deren Basis wir die richtigen

Entscheidungen treffen.

Im Rückblick bezeichnet Trudell die

politischen Aktionen wie die Besetzung

von Wounded Knee 1973 als

wichtig, aber gibt auch zu bedenken,

daß die Politik nur ein Mittel ist. Wenn

dies nicht erkannt wird, können die

Dinge nur noch aus der verengten

politischen Perspektive wahrgenommen

werden und führen zu Identitätsverlust.

„Wounded Knee war gut, aber

wir müssen uns den Kampfplatz

selbst aussuchen. Nach Wounded

Knee gab uns die Regierung den

Schauplatz vor, nämlich die Gerichte,

und das hat unsere Energien gebunden;

wir wurden damit von der

Offensive in eine Verteidigungshaltung

gedrängt.“

Immer wieder greift Trudell in seinen

Songtexten, u.a. in „Crazy Horse“ das

Bild des Raubtiers auf und meint damit

ein rücksichtsloses System, das

alles zu verschlingen trachtet. „Für

mich sind dies wirklich Kannibalen.

Sie verschlingen unser Land, unser

Leben und unsere Zukunft. Es ist reiner

Kannibalismus, aber es hat eine

Form – Regierung, Nation oder wie

immer es sich selbst nennt, aber im

Ende ist es purer Kannibalismus.“

Dieser Angriff kann nur abgewährt

werden, indem man sich der Realität

bewußt wird und den Lügen mißtraut,

denn das Raubtier gibt nur „ein weiteres

Versprechen, damit sie ein weiteres

Versprechen brechen können“,

wie es im Song „Hanging from the

Cross“ formuliert ist. Nur wer sich

selbst gegenüber aufrichtig ist, kann

dieses Lügengeflecht zerreißen und

der Wahrheit ins Auge blicken.

„Wir müssen uns selbst vertrauen, wir

dürfen uns nicht selbst belügen“, fordert

Trudell und verweist auf die eigene

Identität, die indianische Weise,

bestimmte Dinge zu sehen und entsprechend

der eigenen Überzeugungen

zu handeln. „Alle politischen

Mittel, die wir aufgreifen und einsetzen,

sind nicht unsere Methoden, denn

dies ist eine aufgesetzte und aufgezwungene

Politik. Doch wir sind in

der Situation, daß wir uns dieser fremden

politischen Mittel bedienen müssen,

wenn wir etwas erreichen wollen.

Diese fremden politischen Methoden

zeigen aber nicht unsere Wirklichkeit,

Kultur und Kunst jedoch

können dies.“ Die Musik bietet Trudell

daher die Möglichkeit, die eigene

Unabhängigkeit zu bewahren, die

eigene Identität zu leben.

Zu dieser Identität zählt nicht nur der

politische Kampf, sondern auch die

Beziehung zu den Menschen im privaten

Alltag. Stets finden sich bei Trudell

auch sehr persönliche Töne. Er

singt, wie etwa in „Lucky Motel“, von

den Versuchen, die Einsamkeit zu

überwinden und einen Moment der

Nähe zu finden, der sich in „Takes my

Breath“ im Glück eines Augenblicks

der Zärtlichkeit und Erfüllung verwirklicht,

wenngleich stets auch die

Schattenseiten lauern in „Sorry Love“

oder „Doesn’t Hurt Anymore“.

Trudell ist sich mit den 13 Stücken

von „Bone Days“ nicht nur lyrisch,

sondern auch musikalisch treu geblieben.

Erneut hat er die CD mit seiner

Band „Bad Dog“ aufgenommen:

Mark Shark und Billy Watts (beide

Gitarre), Ricky Eckstein (Keyboards,

Percussion) und natürlich Quiltman,

der dem rockigen Sound mit seinem

indianischen Gesang eine breitere

Dimension verleiht.

von Monika Seiller

P.S.: Leider musste die für den Herbst

geplante Tour von John Trudell durch

Deutschland verschoben werden. Wir werden

uns bemühen, rechtzeitig die neuen

Tourtermine mitzuteilen.

43


Hi, junge Indianerfreunde. Ich wollte

mich mal wieder für euch schlau

machen und schauen was es Spannendes

zu Indianern gibt. Viele von euch

kennen sicher die bekannte Buchreihe

„Was ist was“ (Tessloff Verlag

Hamburg). Das ganz brauchbare

Buch zu den Indianern aus dieser Serie

kenne ich schon und als ich ein

Video mit dem Namen „Was ist was

Indianer und der Wilde Westen“ zur

Besprechung bekam, hatte ich mich

auf ein paar interessante Minuten gefreut.

Leider wurde ich herb enttäuscht.

Zwischen dem Buch und dem

Videofilm habe ich gravierende Unterschiede

endeckt. Während das

Buch sehr informativ und aufschlussreich

geschrieben ist, bestärkt der

Film nur altbekannte und irreführende

Indianerklischees. Das einzige was

übereinstimmte, war das Logo von

„Was ist was“. Die Macher des Videos

waren wohl ganz andere Leute.

Hätten Sie das entsprechende Buch

der gleichnamigen Reihe gelesen,

wären Ihnen viele Fehler erst gar nicht

unterlaufen. Ehrlich gesagt waren die

26 Min. Spieldauer eine Zumutung.

Indianische Kulturen werden sehr einseitig

dargestellt. Es wird der Eindruck

erweckt, dass die Indianer nur

in Tipis lebten oder sich ausschließlich

von der Büffeljagd ernährten. In

den meisten, ganz unnatürlich wir-

Kinderseite

Videobesprechung: Was ist das? Achtung Indianerschund!

kenden Szenen wird das indianische

Leben noch nicht einmal von wahren

Indianern, sondern von sogenannten

Hobbyisten (das sind Leute, die in

ihrer Freizeit Indianer spielen) dargestellt.

Irgendwie wirkt der Film am

Anfang so, als würden Indianer noch

heute auf diese Weise leben.

Überhaupt erfolgen Ausführungen zu

bestimmten, geschichtlichen Abschnitten

völlig durcheinander an verschiedenen

Stellen des Videos – irgendwie

verwirrend.

Ein Indianerhäuptling wird u.a.

folgendermaßen beschrieben: Er

muss „freundlich, gerecht und großzügig

sein und seinen Stamm in den

Krieg führen“. Das ist einfach

„Käse“, wie er in billigen Wildwestromanen

zu finden ist. Ich habe herausgefunden,

dass es bei allen Indianerstämmen

immer mehrere Führungspersönlichkeiten

mit ganz unterschiedlichen

Verantwortlichkeiten

gegeben hat. Das war doch alles etwas

komplizierter und in jedem

Stamm ganz anders geregelt.

Während im Was-ist-Was-Indianerbuch

von den verschiedenen Kulturkreisen

der Indianer ausführlich erzählt

wird, tauchen diese im Film nur

ganz am Rande für ein paar Sekunden

auf. Es wird erwähnt, dass sich

nach der Besiedlung Amerikas über

die Beringstraße hunderte von Indianervölkern

gebildet hätten. Dann werden

gerade mal vier Bilder auf einer

Amerikakarte plaziert, um wenigstens

exemplarisch die Wohngebiete einzelner

Stämme zu zeigen. Seltsamerweise

werden dabei die Puebloindianer

des Südwestens an der Nordwestküste

und die Choctaw und Creek

ebenfalls völlig falsch an der Grenze

zu Nordmexiko angesiedelt. Die Karten

im Buch sind da genauer.

Da der Titel des Videos auch Infos

zum Wilden Westen verspricht, werden

die Zustände in Westernstädten,

wieder ganz klischemäßig und total

überzogen dargestellt. In den Saloons

hätten rauhe Sitten mit Schlägereien

und Schießereien geherrscht. Wenn

die Gewalt den Bewohnern einer

Stadt überhand nahm, hätten diese „in

geheimer Wahl“ einen „Sheriff“ gewählt,

der dann für Recht und Ordnung

sorgte. Das alles wird von den

Darstellern moderner „Westernstädte“

– die es auch in Deutschland gibt

– etwas lächerlich vorgespielt.

Sehr peinlich finde ich auch die Maskottchen,

die den Film moderieren:

ein Ausrufezeichen, ein Fragezeichen

und ein Punkt. Sie machen völlig unangebrachte

Kommentare und primitive

Scherze. Z.B muß das Ausrufezeichen

nach einigen Verrenkungen,

die das Fragezeichen irrtümlicherweise

für einen Indianertanz hält, auf

ein Klohäuschen mit Herz auf der Tür

neben einem Indianerlager verschwinden.

Völlig daneben!

Die Videokassette wirbt auf der Hülle

mit dem Schlagwort „Wissen up to

date“. Stattdessen wird man mit üblen

Klischees aus Schundromanen

von Vorgestern bombardiert. Gut,

dass die Kassette urheberrechtlich

geschützt ist und deshalb auch nicht

öffentlich oder in Schulen vorgeführt

werden darf. So bleibt die Verdummung

Gott sei Dank auf Einzelpersonen

beschränkt. Wer auch nur ein einziges,

gutes Kinderbuch zum Thema

Indianer gelesen hat – z.B. das Buch

Indianer“ aus der Reihe „Was ist

was“ – muss sich von den Herstellern

dieses Videos verschaukelt und um

das Taschengeld des letzten Monats

betrogen fühlen. Gar nicht erst kaufen,

ist alles was mir noch zu sagen

bleibt!

Das Video „WAS IST WAS – TV – Indianer

und Wilder Westen ist bei den „Universal

Pictures Germany“, Hamburg erschienen

und kostet: 9,99 Euro.

Eure Aileen (14 Jahre)

44 COYOTE 3/02


Termine

April 2002 – 15. Juni 2003

Indianer 1858 – 1928

Fotoausstellung im Völkerkundemuseums Hamburg

Infos: Tel. 01805-308888 oder

www.voelkerkundemuseum.com

08. Mai bis 01. Dezember 2002

Rosebud-Sioux: Lebensbilder einer Indianerreservation

Völkerkundemuseum in Zürich

Weitere Termine unter:

www.indianerkalender.de

Ferretti Galerie

Indian Summer

Zeitgenössische und historische

Kunst der Indianer Nordamerikas

Verkauf - Ankauf - Beratung

Zeppelinstr. 63

81669 München

Tel. 089-4895-3512

Fax 089-4895-3513

COYOTE 3/02

Impressum

Inhaber und Verleger:

Aktionsgruppe

Indianer & Menschenrechte e.V.

Frohschammerstr. 14

80807 München

Tel.: 089/35 65 18-36

Fax: 089/35 65 18-37

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Internet:

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Bezugsbedingungen:

COYOTE erscheint vierteljährlich zum

Ende des Quartals. Das Abonnement

kostet inkl. Porto in Deutschland 22,- Euro

(Bei Zahlung durch Lastschrifteinzug

nur 20,- Euro), im europäischen Ausland

24,- Euro. Das Einzelheft kostet 4,50 Euro

(zzgl. Porto). Das Abonnementjahr

umfasst mindestens ein Kalenderjahr, eine

Kündigung muss bis zum 30. September

des laufenden Jahres erfolgen.

Die in diesem Heft veröffentlichten Artikel

geben nicht zwangsläufig die Meinung der

Redaktion wieder.

COYOTE versteht sich als Forum für die

Arbeit der Unterstützungsgruppen für

nordamerikanische Indianer und veröffentlicht

daher zugesandte Artikel dieses

Themenbereichs.

ISSN 0939 - 4362

Verantwortliche Redakteurin und

verantwortlich für den Anzeigenteil:

Monika Seiller, Fraunhoferstr. 29, 80469

München

Layout: L. Seiller, M. Seiller

Diese COYOTE-Ausgabe entstand unter

textlicher Mitwirkung von:

Cornelia Bauer, Christin Ferretti, Dirk

Schröder, Ludwig Seiller, Monika Seiller,

Aileen Singer, Robert Stark, Dionys Zink

Druck: Bittera Druck Gmbh, Triebstr. 11a,

80993 München

45


Ja, ich möchte die Arbeit der

Aktionsgruppe Indianer & Menschenrechte e.V. unterstützen:

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[ ] mit einem regelmäßigen Förderbeitrag in Höhe von_____________ Euro

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Der jährliche Mitgliedsbeitrag beträgt: [ ] 50,- Euro (Normalbeitrag)

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Kontonummer: _________________ BLZ: _______________ Bank: ________________________

Datum: __________________ Unterschrift: ___________________________________________

Bei Einzugsermächtigung: [ ] Ich ermächtige die Aktionsgruppe Indianer & Menschenrechte e.V. bis auf

Widerruf die obigen Beträge von meinem Konto durch Lastschrift einzuziehen.

○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○

Bestellungsliste

[ ] T-Shirt mit „Free Peltier“-Logo (siehe rechts), 15,- Euro

[ ] John Trudell - Bonedays, CD, 14,75 Euro

[ ] Bücherliste „Indianer“ (über 800 Buchtitel), 14,90 Euro

[ ] CD: Shaman II, 15,- Euro

[ ] Tom LaBlanc: Go Beyond (Gedichte, dt./engl.), 9,90 Euro

[ ] Lakota (Sioux) für Anfänger, 90 Seiten, 10 Lektionen, 18,50 Euro

[ ] Indianische Frauen - Indianischer Widerstand, 14,90Eur

[ ] CD: The Return of the Buffalo Horses, 17,50 Euro

[ ] Lance Henson, Revolutionslied (Gedichte dt./engl.), 9,90Euro

[ ] Sioux-Wandkalender - statt 22,00 Euro jetzt nur noch 11,00 Euro !

[ ] Peter Schwarzbauer, Der Lakota Report, 8. überarb. Auflage, 17,50 Euro

[ ] Stimmen der Erde - Berichte von 14 Ureinwohnern aus aller Welt, 14,90Euro

ACHTUNG!

Wer Infostände organisiert oder

an Veranstaltungen, Festivals etc.

teilnimmt, kann bei uns KOS-

TENLOS zahlreiche alte Ausgaben

des Coyote zum Verteilen bestellen.

Wir freuen uns über alle

Möglichkeiten der Informationsverbreitung!!

Kurzer Anruf genügt oder per email

post@aktionsgruppe.de!

[ ] Flüsse unter Strom - Widerstand der Cree gegen Staudämme in Quebec, 14,90Euro

[ ] Ferderik Hetmann - Das Indianerlexikon der Mythen und Geschichten, 12,90 Euro

[ ] Ferderik Hetmann - Büffelfrau und Wolfsmann (indian. Märchen), 14,90 Euro

[ ] Lance Henson: Lieder in der Sprache des Feindes (Gedichte, dt./engl.), 14,90Euro

[ ] Antje Babendererde: Der Walfänger (Roman über die Makah, s.Coyote2/02), 20,50 Euro

[ ] L. Henson/Memchoubi/A. Taylor/M. Somby„Words from the edge“(Gedichte, dt./engl.), 14,90 Euro

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Alle Preise zuzüglich 2,50 Euro

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Reise zu den Lakota (Sioux) Indianern vom 25.7.-9.8.2003

5 Tage sind Sie zu Gast bei dem Lakota Alex

White Plume und seiner Familie, haben ein

Pferd zur freien Verfügung, können mit Indianern

über die Prärie reiten und im Tipi leben.

Als Vorbereitung reisen wir gemeinsam

in einer Kleingruppe von 6 - 12 Personen auf

den Spuren der Siedler und Indianer durchs

Land der Sioux, besuchen die heiligen Stätten,

die Forts, lernen die Menschen kennen,

die Prärie, die Black Hills und sehen mit Sicherheit

Bisons und Präriehunde.

Deutsche Reiseleitung.

Preis: 1.500 $ (ca. 1500 Euro) + Flug

Dirk Schröder

Graf-Lamberg-Weg 10

83026 Rosenheim

Tel. +49-8031-615152

Fax: +49-8031-615153

e-mail: Schroeder-Reise-Foto-Text@t-online.de

Neu!

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prisoners - leonard peltier“

Größe L für 15,- Euro

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Wounded Knee

Trail of Broken

Treaties

INDIANISCHEN WIDERSTAND

Sutikalh Camp

JETZT!

Reclaim the Test Site

Skwelk’wek’welt Protection Centre

UNTERSTÜTZEN!

OKA

Alcatraz

Anti-Columbus-Day

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