INFORMATIONEN RUND UM DEN BAMBUS - Forum

bj.final.ebs.d.de

INFORMATIONEN RUND UM DEN BAMBUS - Forum

September 2005 Nummer 3

16. Jahrgang

INFORMATIONEN RUND UM DEN BAMBUS

European Bamboo Society Sektion Deutschland e.V. · ISSN 0942-4679

www.bambus-deutschland.de


Inhalt

Treffen der European Bamboo Society ................................ 3

Phyllostachys parvifolia – Bambus des Jahres 2006 .............. 4

Neues von der Bambussichtung .......................................... 6

Auf dem Bambusfloß über den Pink-Fluss ............................ 8

Phyllostachys nigra „Megurochiku“ ..................................... 10

Die Gewinner des Fotowettbewerbs 2005 ......................... 11

Entdeckt auf der BUGA 2005 in München .......................... 11

Bücherkiste ....................................................................... 12

Bambus-Glas-Art ............................................................... 13

Ein Haus mit Guadua angustifolia ....................................... 14

Autoren

Bergemann, Jürgen und Fehse, Käte, Am Karbel 48, 09116 Chemnitz

Eberts, Wolfgang, Saarstraße 3-5, 76532 Baden-Baden

Finkenbusch, Vera, Hirschgraben 24-26, 52062 Aachen

Hoag, Bill, Bahnhofstraße 2, 66999 Hinterweidental

Impressum

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EBS Deutschland e.V. (www.bambus-deutschland.de)

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Roland Eitel · Tel. (0 61 04) 64 33-10 · Fax 64 33-29 · roland.eitel@km-digital.de

2

Holger Ehrlich · Tel. (0179)9461939 · Fax (06061)68829 · holger.ehrlich@bambusundmehr.de

Alois Münst · Telefon (07 51) 4 19 36 · alois@muensta.de

Hans Pleister · Telefon (04 21) 40 58 17 · hpleister@inneres.bremen.de

Wolfgang Riede · Telefon (0 36 41) 21 48 00 · Fax (0 36 41) 60 69 35 · info@gartenriede.de

Titelgestaltung:

Franz Josef Steinhage

Titelfoto:

Fred Vaupel: Phyllostachys parvifolia

Vorstand

1. Vorsitzender:

Gerhard Sieber · Schloßstraße 10 · 65439 Flörsheim

Telefon (0 61 45) 3 14 06 · gerhard.sieber@bambus-deutschland.de

Geschäftsführerin:

Edeltraud Weber · John-Wesley-Straße 4 · 63584 Gründau / Rbn.

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2. Vorsitzender:

Wolfgang Riede · Wilhelm-Pitt-Weg 17 · 07749 Jena

Telefon (0 36 41) 21 48 00 · Telefax (0 36 41) 60 69 35 · info@gartenriede.de

Ehrenmitglieder

Neues Bauen mit Bambus – Traditionelles Material

trifft moderne Verbindungs-Technik ................................... 15

Bad Muskau ...................................................................... 17

Japanische Werkzeuge ....................................................... 17

Bambus-WORLD EXPO 2005 in Aichi, Japan .................... 18

Lagerung von Pflanzenschutzmitteln .................................... 20

Treffen der Rhein-Main-Gruppe .......................................... 21

Bambustreffen in Norddeutschland ...................................... 21

Mitglieder-Homepages ....................................................... 22

Termine ............................................................................ 22

Der Präsidentenbambus ...................................................... 23

Leider zu spät .................................................................... 23

China-Reise mit Frau Rusch ............................................... 23

Menking, Gundula, Schützenstraße 21, 33178 Borchen

Morgenstern, Udo, Hauptstraße 63, 09249 Taura

Münst, Alois, Richard-Strauß-Straße 8, 88276 Berg

Pleister, Hans, Am großen Kuhkamp 3a, 28307 Bremen

Sommer, Franz, Im Kimbachtal 67, 64732 Bad König

Sieber, Gerhard, Schlosstraße 10, 65439 Flörsheim

Vaupel, Fred, Ramhorster Straße 2, 31275 Lehrte-Steinwedel

Das Bambus-Journal

...erscheint viermal im Jahr. Für die Mitglieder der EBS-D ist der Bezug der Zeitschrift im

Mitgliedsbeitrag enthalten. Alle Rechte sind vorbehalten; Nachdruck, Vervielfältigung, Übersetzung

und Übernahme in andere Medien nur mit schriftlicher Genehmigung der Herausgeberin.

Die Auffassung der Autoren und die Inhalte derer Beiträge müssen nicht mit der Meinung

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...ist eine gemeinnützige Gesellschaft, eingetragen beim Amtsgericht Hochheim am Main.

Die EBS-Deutschland hat sich folgende Ziele gesetzt:

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· Austausch und Verbreitung der Erfahrungen und des Wissens über die Eignung des

Bambus als Zier- und Nutzpflanze

· Vermittlung der

- kulturellen Bedeutung des Bambus in seinen Heimatländern

- wirtschaftlichen Nutzung des Bambus als Baumaterial und Nahrung

- Rolle des Bambus als Motiv und Material in Kunst und Kunsthandwerk sowie als Musikinstrument

Der Verein pflegt zur Förderung dieser Zwecke Kontakte und den Austausch mit Personen

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Palmengarten (Leitung Dr. Jenny), Frankfurt am Main

Werner Vogel, Hebertsfelden

Christine Recht, Neuried-Altenheim


Gerhard Sieber

Wir Pflanzenfreunde sind schon eine seltsame

Spezies; nicht dass wir nur unseren

überfüllten Garten und die darin befindlichen

Pflanzen lieben, nein, das reicht vielen

von uns bei weitem nicht. Bei jedem

Gartenbesuch muss getauscht, verschenkt

oder gekauft werden.

Mir kommt da, liebe Bambusfreunde, in

dem Moment da ich dies schreibe die Idee,

wir könnten das doch auch einmal

machen. Das Europäische Meeting wird im

nächsten Jahr von uns ausgerichtet, deshalb

soll nur ein kleines Sommerfest stattfinden.

2006 sind die ersten vier Jahre der

EBS-D als eingetragener Verein schon herum

und so stehen zu unserer Mitgliederversammlung

auch Vorstandswahlen an.

Wir könnten bei dieser Gelegenheit für

unsere Mitglieder eine Pflanzentauschbörse

veranstalten; es darf natürlich auch

ge- und verkauft werden. Das ganze

benötigt keine große Organisation. Was

wir brauchen wäre eine Fläche für die

Pflanzenbörse und einen Raum oder ein

Zelt für unsere Versammlung. Gibt es in Ih-

Gerhard Sieber

Editorial

rer Nähe eine solche Möglichkeit? Lassen

Sie sich das ganze einmal durch den Kopf

gehen und es uns gegebenen Falls wissen;

ich meine da hätten wir alle etwas davon.


Ein Bambus der nach der Wahl zum „Bambus

des Jahres 2006“ sicherlich noch den

Weg in viele Gärten findet, ist Phyllostachys

parvifolia. Leider noch nicht in

allen Fachbetrieben ausreichend vorhanden,

dafür aber ein Geheimtipp auf besagten

Tauschbörsen. Warum der seit

ca.15 Jahren bei uns eingeführte Gold-

Bambus die Wahl gewann, Fred Vaupel beschreibt

ihn und versucht es zu ergründen.


Im Bericht von Udo Morgenstern über

Neuigkeiten in der Bambussichtung

werden wir Phyllostachys parvifolia zwar

vergeblich suchen, dafür vergrößerten

zwölf weitere Bambusse das bisherige

Fargesien-Sortiment.

Treffen der European Bamboo Society

vom 15. bis 16. Juli 2006 in Frankfurt am Main

In der Europäischen-Bambus-Gesellschaft

ist es Sitte und Brauch, sich in regelmäßigen

Abständen zu treffen; alle zwei Jahre

in einem anderen Land. Zweck des Ganzen

ist der Erfahrungsaustausch und das Kennenlernen

untereinander. Es werden Vorträge

gehalten und Führungen angeboten.

Im nächsten Jahr ist Deutschland mit der

Ausrichtung des europäischen Treffens an

der Reihe.

Neben unseren ausländischen Bambusfreunden

sind natürlich die Mitglieder der

EBS-D recht herzlich eingeladen daran teilzunehmen,

es wird ein Teilnehmerbetrag

erhoben, der alle Aktivitäten (einschließlich

Verpflegung, ohne Übernachtung) der beiden

Tage abdeckt.

Soviel sei schon verraten: Am Samstag,

dem 15. Juli 2006 stehen die Begrüßung

und Vorstellung der verschiedenen Sektionsvorsitzenden

sowie mehrere Vorträge

von bekannten Bambus-Fachleuten an.

Am Abend gibt es eine Stadtführung und

gemütliches Beisammensein in einem his-

Sehr wichtig und sicherlich auch interessant

ist die Gegenüberstellung von konventionell,

durch Teilung, sowie im Labor

vermehrten Pflanzen. Es ist zwar noch viel

zu früh um von Sichtungsergebnissen zu

sprechen, aber alleine schon die Möglichkeit

einer neutralen Bewertung durch das

Bundessortenamt und den Bund Deutscher

Baumschulen (BdB) lässt hoffen.


Liebe Bambusfreunde, hoffen wir auf einen

milden und nicht zu trockenen Herbst

damit unser Bambus ausgereift und gestärkt

in die Winterruhe gehen kann.

Ihnen wünsche ich bei der Lektüre des vorliegenden

Journals einen Goldenen

Oktober, viel Gesundheit und noch den

einen oder anderen Gartenbesuch.

Ihr

Gerhard Sieber

torischen Frankfurter Lokal. Für Sonntag,

den 16. Juli, werden Führungen angeboten,

unter anderem im Botanischen Garten

der Johann-Wolfgang-von-Goethe-

Universität.

Liebe Bambusfreunde, bis zum Erscheinen

des Bambus-Journals 4 / 2005 wird die

Planung und Organisation beendet sein, so

dass wir Ihnen dann den Teilnehmerbeitrag

und den Anmeldetermin nennen können.

Bis dahin und darüber hinaus halten Sie

sich bitte den Termin frei.

3


Fred Vaupel

Vorkommen: China, Zhejiang, Nähe

Hangzhou, im Gebiet um Anji am 29. Breitengrad

(ca. 230 km westlich von Shanghai),

auf einer Höhe um 200 m. Milde und

kurze Winter bis -10° C. Wärme von Anfang

März bis Oktober.

Höhe: 8 bis 10 m

Halmdurchmesser: 5 bis 6 cm. Kultiviert

im Anji Bambus Garten (ca. 250 km westlich

Shanghai). Länge der Internodien bis

24 cm. Junge Halm grün, purpur streifig,

stark bereift unter den Nodien. Alte Halme

gräulich. Leichte Wölbung der Nodien.

4

Phyllostachys parvifolia

Bambus des Jahres 2006

Chinesischer Name: Anji golden bamboo – Gold Bambus. Alle Fotos: Fred Vaupel

Halmaustrieb bei Klon 1

Halmscheiden: Zartbraun, rötlich bis purpur-rot,

hellgelb-braun oder weißlich-gelb

gestreift, glatt mit weißen bis hellen Wimpern.

Zweigscheiden: Auffallend rötlich ausfärbend.

Blätter: Schmal, kurz, lanzettlich, 4 bis

6 cm lang, 0,8 bis 1,2 cm breit, behaarte

Blattunterseite.

Sprossen: Schmackhaft.

Austrieb in Deutschland: Von Mitte Mai bis

Ende Juni.

Standortempfehlung: Warme und milde

Gegenden, geschützt.

Ersteinführung: 1990. Ein sehr wüchsiger

Klon 1, mit auffallend hellgrünen Blättern

und in den ersten 5 Jahren schräg aus dem

Boden wachsenden Halmen.

Ein besserer Klon 2 wurde Mitte der 90-er

Jahre über Belgien und Holland importiert.

Halme anfangs schräg, aber schon ab 3 m

Höhe senkrecht wachsend mit grasgrünen

Blättern und zarter Laubmasse.

Austrieb Klon 1 am 27. Juni 2005 in Lehrte-

Steinwedel.


Auffallend sind an allen mir bekannten

Standorten der relativ geringe Ausbreitungsdrang

und die dicken Rhizome.

Eigene Kulturerfahrungen mit Klon 1: An

der Ostsee, Nähe der Insel Fehmarn,

bereits 1992 ausgepflanzt, trieb die 1 m

hohe Pflanze bereits im vierten Standjahr

4 m hohe Halme, die alle in einem Winkel

von ca. 75° bis 80° austrieben. Die Pflanze

zeigte im Gegensatz zu der verwandten

Art Ph. Atrovaginata wenig Ausbreitungsdrang

und entwickelte pro Jahr nicht mehr

als vier Halme. Keine Blattschäden bei

Temperaturen bis -16,8° C. Ein 4 m hohes

Teilstück wurde 1999 in Steinwedel ausgepflanzt.

Auch an dem neuen Standort

zeigte sich Parvifolia sehr wüchsig, schob

die dicken Halme bis zum letzten Jahr immer

leicht schräg aus dem Boden. Erst in

diesem Jahr sind die Halme der schräg aus

dem Boden kommenden Austriebe senkrecht

in den Himmel geschossen. Höhe in

Steinwedel bis 6,50 m, Halmstärke bis

45 mm, an den Nodienringen bis 49 mm.

An der Ostsee bis 6 m mit einer Halmstärke

bis 5,5 cm, an den Nodienringen bis

5,9 cm. Bis zum 2. September ist der Bestand

in Steinwedel noch nicht voll beblättert.

Rechts oben: Rötliche Zweige bei Klon 1 in

Lehrte-Steinwedel an einem vollsonnigen

Standort

Rechts unten: Halme von Klon 2. Der Standort

in Flörsheim ist -– wie auch der in Lehrte –

sehr geschützt.

5


Klon 2: In Flörsheim 1999 als 2 m hohe

Pflanze ausgepflanzt. Höhe ca. 7 m, Halmstärke

bis 4 cm, senkrechte Halme. In

Saxdorf wächst Parvifolia mit wenigen

Halmen bis 6,5 m Höhe und knapp 4 cm

dicken Halmen. Die Art zeigt bis -18° C

kaum Blattschäden.

Die diesjährige Wahl des „Bambus des Jahres“

durch die Mitglieder der EBS-Deutsch-

Udo Morgenstern

6

Links: Klon 1 in Lehrte-Steinwedel. Der

Austrieb des Bestandes am 10. Juni 2005.

Rechts: Klon 2, der Bestand in Flörsheim.

Ende August ist der Austrieb fast

voll beblättert.

land zeigt ein erstaunliches Ergebnis. Die

meisten Bambusfreunde legen neben der

Wuchsform in erster Linie Wert auf dekorative

Details an ihrem Bambus, wie etwa

die Farben der Austriebe, stämmige und

dicke Halme, Bemehlung oder ausdrucksvolle

Behaarung und rötlich ausfärbende

Zweigscheiden. Bei der Wahl des Bambus

des Jahres 2006 scheint die Entscheidung

nur aus der Sicht von Bambusliebhabern

Neues von der Bambussichtung

Gesamte Pflanzung der Bambussichtung in Dresden-Pillnitz. Alle Fotos: Udo Morgenstern

gefallen zu sein, die auf Kriterien wie eine

gute Winterhärte, einen blickdichten Sichtschutz

oder sattgrüne Blätter und gute Kulturbedingungen

keinen besonderen Wert

legen. So fiel die Wahl diesmal auf einen

Bambus, der in der Regel eher Liebhaber

ansprechen dürfte, als die große Zahl der

normalen Gartenbesitzer.

Waren die bisherigen Berichte noch mit

„Fargesiasichtung“ überschrieben, so ist

nun diese kleine Änderung notwendig. Das

Bundessortenamt hat in Zusammenarbeit

mit dem Bund Deutscher Baumschulen

weitere Bambusgattungen und -arten in

die Sichtung aufgenommen. Im Einzelnen

umfasst dies: Pseudosasa japonica,

Semiarundinaria fastuosa, Phyllostachys

vivax f. aureocaulis, Phyllostachys humilis,

Phyllostachys aureosulcata Spectabilis,

Phyllostachys aureosulcata Aureocaulis,

Phyllostachys bissetii, Phyllostachys nigra

Henonis, Fargesia spez. Jiuzhaigou,

Fargesia robusta, Fargesia robusta Laborvermehrung,

Fargesia murielae Joy. Die

Pflanzen wurden im Mai bzw. Juni 2005

am besuchten Standort in Dresden-Pillnitz


geliefert und gepflanzt; weiterhin an den

Standorten Bad Zwischenahn, Veitshöchheim

und Scharnhorst beim Bundessortenamt.

An dieser Erweiterung beteiligen

sich somit nicht alle an der

Fargesiasichtung beteiligte Standorte.

Wegen der zu erwartenden Ausläufertätigkeit

erhielten die Quartiere von jeweils drei

Pflanzen eine Sperre aus Bambu-stop;

70 cm hoch, 2 mm dick. Das Verbinden

dieses Bambu-stop geschah (am besuchten

Standort Dresden-Pillnitz) durch verkleben /

verschmelzen mittels Heißluft. Die Zuverlässigkeit

dieser Verbindungsart wird ein

weiteres interessantes Ergebnis der Sichtung

sein.

Nicht minder interessant erachte ich den

direkten Vergleich konventionell vegetativ

mittels Teilung vermehrter versus im Labor

vermehrter Fargesia, in diesem Falle

Fargesia robusta. Die seit 2003 stehenden

Fargesien zeigen jetzt im zweiten Standjahr

fast alle ein gutes Wachstum, wodurch

sich die einzelnen Arten weitestgehend homogen

zeigen, nachdem teilweise recht

unterschiedliche Qualitäten geliefert und

gepflanzt worden waren. Zu diesen Pflanzen

liegt nun die Merkmalstabelle vor, nach

der mit Noten von 1-3-5-7-9 in der nächsten

Zeit mehrfach bonitiert wird:

(1=sehr gut bis 9=sehr schlecht, entsprechend

den einzelnen Merkmalen)

1. Pflanze: Wuchsform (1 = straff aufrecht

bis 9 = stark überhängend;

in diesem Falle ist mir

die negative Bewertung einer

überhängenden Wuchsform

nicht zwangsläufig einleuchtend)

2. Pflanze: Anzahl der Schosser (1=sehr

gering bis 9 = sehr hoch;

auch dieser Bewertungsmaßstab

erschließt sich mir nicht)

3. Blatt: Einrollen des Blattes im Sommer

(Hitze, Trockenheit)

4. Blatt: Vergilben im Sommer

5. Blatt: Einrollen des Blattes im Winter

6. Dekorative Wirkung im Winter

7. Dekorative Wirkung des Austriebes

8. Überwinterungsverhalten

der Halme (hier ist die Schädigung

gemeint)

9. Überwinterungsverhalten

Blätter

‘Alter’ Bestand, im Vordergrund Fargesia rufa.

10. Vitalität

11. Pflanze: Höhe nach Abschluss der

Sichtung

12. Pflanze: Breite nach Abschluss der

Sichtung

13. Sonstiges (Krankheiten)

Wie in einem früheren Artikel bereits erwähnt

wird eine vergleichende, vernünftig

aussagefähige Bewertung kaum vor dem

‘Neue’ Pflanzung.

4. bis 5. Standjahr möglich sein. Aussagen

über zu erwartenden Pflanzenhöhe benötigen

vermutlich darüber hinaus noch längere

Zeit.

Mein Dank für die freundliche Unterstützung

gilt an dieser Stelle wiederum Herrn

Buner von der Sächsischen Landesanstalt

für Landwirtschaft, Fachbereich Gartenbau

und Landespflege.

7


Jürgen Bergemann & Käte Fehse

Es ist Februar, tiefer Winter und früh am

Morgen. Die Sonne steigt bedächtig und

langsam, rotgold über den Bergkamm und

wärmt in der Kühle angenehm den Rücken.

In einigen Stunden wird die Temperatur auf

30 Grad Celsius steigen. Wir befinden uns

in Nordthailand, in einem Elefantencamp.

Chiang Mai, unser Hotel ist dort, liegt in der

Nähe. Die Landschaft zeigt ein sattes Grün

und viele Blumen bilden hübsche Farbtupfer.

Oben in den Bergen ist die Farbe Rot verbreitet.

Aber sie leuchtet nur sehr vorsichtig,

ganz versteckt. Dieses Rot gehört dem

Schlafmohn. Die Polizei und das Militär patrouillieren

mit Hubschraubern über den

Bergen. Auch auf den Straßen finden ständig

Kontrollen statt. Die Bevölkerung in den

Bergen ist arm und schafft sich mit dem Anbau

der Pflanzen ein Zubrot. Und aus den

8

Auf dem Bambusfloß über den Pink-Fluss

Nachbarländern kommt auch noch Nachschub

für die Rauschgiftproduktion - wir befinden

uns in der Gegend des „Goldenen

Dreieck“.

Auf dem Rücken eines Arbeitselefanten sitzend,

reiten wir durch die Wildnis. Unser

Arbeitstier bekommt zur Motivation gerade

ein Päckchen kurzgeschnittenes Zuckerrohr.

Der Dickhäuter bewegt sich bedächtig

und würdevoll weiter durch die Landschaft

und wir bewegen uns im Takt seiner

Schritte mit. Anstrengend, dabei zu filmen

und zu fotografieren! Nach links vorn, nach

rechts vorn und dann ist auch einmal Stau

und wir warten.

Später erfolgt der Umstieg auf einen Ochsenkarren.

Die Zügel in den Händen fahren

wir weiter. Bedächtig trotten die Tiere dahin,

uns auf einem zweirädrigen Wagen hinterherziehend.

Es

geht zurück zum Elefantencamp. Dort,

nach einer Vorführung der Dickhäuter, beginnt

das nächste Abenteuer.

Neben dem Camp fahren Lastkraftwagen

vor. Auf der Ladefläche sind Bambusflöße

gestapelt. Sie werden abgeladen und auf

dem Fluss geordnet. Die Flöße sind praktisch

gebaut. Die nebeneinander liegenden

Bambusrohre werden jeweils am Anfang

und am Ende quer mit je zwei zusammen

geschraubten Hölzern verbunden. Einfach,

haltbar und im Reparaturfall schnell zu ersetzen.

Geflochtene Verbindungen gibt es

nicht. Auf die Flöße wurden kleine Holzbänke

für sechs Gäste gestellt. Ein Thai wurde

am Bug des Floßes postiert und ein zweiter

Thai am Heck. Das Floß war einfacher

zu besteigen als wir dachten. Wir ließen uns


hintreiben auf dem Pink-Fluss. In der Ruhe

liegt die Kraft hier in Nordthailand. Jetzt genossen

wir die Bambuspflanzen in ihrer

wahren, üppigen Ursprünglichkeit. Bambus

und Wasser, huschende Spiegelbilder,

sanfte Bewegung – das war ein Erlebnis, unbedingt

zu empfehlen.

Langsam und ruhig trieb das Floß, gestakt

und gesteuert von den beiden Thais, den

Fluss hinunter. Links und rechts stieg das

Ufer zum Teil steil bergan. Kleinere und

größere Bambushütten mit kleinen Gärten

belebten das Landschaftsbild. Es war Erholung

pur. Ein bisschen Bewegung kann aber

nicht schaden und so griff ich selber zum

Arbeitsgerät, dem Bambusrohr des Thais.

Kontaktfreudig, fremden Menschen gegenüber

sehr aufgeschlossen, erlebten wir

die Thais. Unser Flößer gab mir das Bambusrohr

gern und so übernahm ich die

Führung des Floßes. Meine Arbeit machte

ich gut und die Fahrgäste waren zufrieden

mit mir. Dann gab es einige Turbulenzen im

Fluss und der Thai übernahm wieder das

Bambusrohr und mit ihm die Verantwortung.

Die Schuhe oder die Füße wurden

leicht nass. Wasser kam durch die Zwischenräume

der Bambusrohre. Es war ja

auch nicht das Traumschiff, sondern ein

Traumfloß mit anderen Verhaltensweisen.

Das Sonnenlicht spiegelte sich auf den nassen

Bambusrohren.

Eine Stunde lang ruhten und träumten wir

so zufrieden. Dann auf einmal Lärm und

Krach. Wir waren am Ziel. Man wartete lachend

am Ufer auf uns; und unser Busjunge

hatte ein kleines funkgesteuertes Boot

mit Erfrischungstüchern zu uns fahren lassen.

Eine nette Geste. Wir verließen das

Bambusfloß, stiegen in den klimatisierten

Reisebus und weiter ging es. Rundreisen

sind trotz allem Enthusiasmus anstrengend.

Der Besuch einer Manufaktur die Schirme

aus Bambus herstellt, sollte neben der Floßfahrt

ein weiterer Höhepunkt unserer

Nordthailand-Rundreise werden. Chang

Mai ist der Standort der, so die Reklame:

„Largest Manufacturer Of Handmahde

Umbrella From Northern Thailand“.

Chang Mai ist die heimliche Hauptstadt

Nordthailands. Zu erreichen ist

sie im Direktflug oder über Bangkok

mit Weiterflug bzw. per Busfahrt auf

der Straße Nr. 1 Richtung Norden.

Das ist die Hauptverkehrsstraße mit

dem Endziel burmesische Grenze. Als

Teilnehmer einer Rundreise mussten

wir uns an den straffen Zeitplan halben.

In diesem Fall eindeutig zu straff:

Eine halbe Stunde wurde uns für den

Besuch der Manufaktur vorgegeben,

also 45 Minuten „mit Augen zudrücken“!

45 Minuten Zeit für Zuhören, Filmen,

Fotografieren und Shopping. Dieses Leistungspaket

musste bei 30° C im Schatten

erbracht werden – und das im Urlaub. Ja,

wir waren leider nur Touristen und keine

Reisenden. Letztere haben eben viel mehr

Gestaltungsfreiraum.

In der Manufaktur wurden uns alle Arbeitsvorgänge

beim Fertigen der Bambusschirme

gezeigt: Begonnen bei der Herstellung

des Bambuspapiers bis zum Lackieren der

Schirme. Wir möchten Sie mit den ausgewählten

Bildern in diesen interessanten Fertigungsprozess

schauen lassen.

Zuerst wurde uns das Papierschöpfen gezeigt.

Das geschieht in der gleichen Weise

wie bei uns in Deutschland. Das Zusägen

der Bambusrohre war sehr interessant. Im

Sitzen, den Fuß als Zwinge benutzt, wurde

gesägt. Wer das den ganzen Tag aushält,

der braucht bestimmt keine Rückenschule.

Feinarbeiten wurden wiederum von anderen

Personen verrichtet. Auch hier war wieder

die Fußarbeit zu beobachten. Den Zusammenbau

des Schirmgestells zeigt das

nächste Bild. Der farbige Schirm wird nach

diesem Arbeitsgang am Gestell durch Flechten

befestigt. Das Bemalen der Schirme

schließt sich an. Sie sind in der Lage, aus

dem Stegreif alles mit allen möglichen Motiven

zu bemalen: T-Shirts, Teller, Fototaschen,

Schirme und vieles mehr. Die Farben

sind absolut wasserfest und für Textilien

geeignet. Dem Bemalen der Schirme folgt

im Produktionsprozess das Trocknen – im

Innenhof der Manufaktur. Die Sonne

scheint ja hier üppig genug und die Wärme

lässt auch keine Wünsche offen. Das

Lackieren ist dann der letzte Arbeitsgang.

Die Verkaufsräume waren randvoll mit

Schirmen aller Farben, Muster, Motive und

Größen. Wer Bedarf hatte, konnte sich

auch einen Schirm in selbst gewählter

Größe für den eigenen Garten oder als Geschenk

bestellen (auf Wunsch auch imprägniert)

und per Flugzeug nach Deutschland

schicken lassen. Die Kosten

waren überschaubar.

Dann war schon wieder Abfahrtszeit.

Mein in Auftrag gegebener Drache

war in der Sonne getrocknet und ich

rollte das Bild ein. Wir nahmen uns

einen kleinen Schirm zur Erinnerung

mit. Dann ging die Fahrt weiter in das

landschaftlich herrliche Gebiet Nordthailands

bis in die Berge.

Unser Resümee: Thailand ist als

Reise- und Urlaubsland sehr zu empfehlen.

9


Alois Münst

10

Phyllostachys nigra „Megurochiku“

Wann und wo diese Nigra-Varietät entstanden

ist, konnte ich leider nicht ergründen.

„A Compendium of Chinese

Bamboo”, ansonsten eine Fundgrube,

weist keine Mutationen aus.

Und zugegebenermaßen war dieser Bambus

auch kein absolutes Wunschkind. Die

Art kam gewissermaßen als Grundausstattung

in meinen großen Garten, weil ich das

ganze damalige Phyllostachys-Sortiment

aus der Gärtnerei Willumeit erwarb. Dem

vermeintliche Aschenputtel wurde denn

auch in Ermangelung eines besseren Standortes

ein keineswegs idealer, schattiger

Platz zwischen zwei Kiefern zugeteilt. Der

einzige Vorteil war der schwere, widerliche

Lehmboden, in dem Bambus bei mir so gut

gedeiht, wahrscheinlich der gleichmäßigen

Wasserführung wegen und des guten Speichervermögens

von Feuchtigkeit. Der abseits

gelegene Platz führte dazu, dass die

Pflanze selbst nur sehr selten inspiziert, bei

den Düngergaben regelmäßig vergessen

wurde.

Aufmerksamkeit allerdings erregte die

Pflanze regelmäßig bei der Frühjahrs-Inspektion,

wenn ich mir Notizen über Winterschäden

machte. Keinerlei Blatt-, keine

Halmschäden notierte ich mir jedes Jahr

aufs Neue. Und erstaunlich ist auch die

Wuchsleistung. Halme mit 7 m Länge und

4 cm Durchmesser überraschten mich angenehm.

Dies vor allem,

wenn ich Ph. nigra „Punctata“

als Maßstab nahm.

Der Ausbreitungsdrang

hielt sich in engen Grenzen.

Die Farbe der Halme entsprach

dagegen meinen

Vorstellungen, die ich mir

nach der Abbildung auf Seite

67 in dem großartigen

Bildband „Bambus“ von Shinji

Takama machte. Nach

meinem Geschmack kein

Herzschlag erhöhender

Hingucker. Im Anhang des

Buches „Die Familie der

Bambusgewächse“ von Koichiro

Ueda finden wir übrigens

eine recht gute Beschreibung

der Art:

Meguro-chiku ist mit Hachiku

(Ph. nigra f. henonis)

verwandt und wird ungefähr

so hoch wie die Art (Ph. nigra).

Die Grate (Sulcus) tragen

eine schwarze Rille.

Seine Rohre sind übersät mit feinen braunen

Flecken, die Sesamsamen ähneln,

weshalb er auch „Goma-dake“ oder Sesamsamen-Bambus

genannt wird.

Die insgesamt guten, gar ausgezeichneten

Eigenschaften, vor allem im Hinblick auf

die Winterhärte, veranlassten mich, ein

kleines Teilstück abzustechen und eine

Testpflanzung zu wagen: Vollsonne und

magerer Boden. Unter diesen Bedingungen

lernte die Pflanze augenblicklich „wandern“.

Ein geradezu erschreckend explosives

Wuchsverhalten legt die Art nun an den

Tag. Andererseits ist dieser Bambus auch

nicht mehr zu übersehen. Die Halme sind

am neuen Standort absolut attraktiv und

farbenfroh! Der Sulcus leuchtet dunkelbraun

aus seiner Umgebung, die auf grünem

Hintergrund sehr fein bräunlich gepunktet

ist. Im Austrieb erscheinen die

Halme eigenartig samtig-grün. Der „Nigra-

Habitus“, das kurze zierliche Blatt, ist auch

dieser Form eigen und verleiht diesem

Bambus ein Hauch von Leichtigkeit.

Aschenputtel hat sich zu einem Hingucker

entwickelt und ist nicht nur dem Bambus-

Sammler zu empfehlen. Zusammen mit

Ph. vivax f. aureocaulis, mit seinem schweren,

vollen Blattwerk und etwa gleicher

Wuchshöhe, kann er ein interessantes

Paar bilden.

Phyllostachys nigra ‘Megurochiku’. Foto: Thomas Grünewald


Gespannt warteten Sie auf die Abbildung

der Fotos, die beim diesjährigen Sommerfest

die ersten Plätze belegt haben und jetzt

1. Platz: 2. Platz: 3. Platz:

„Ich fliege auf Bambus“

von Carmen Kreutmeier

Gerhard Sieber

Anfang August war ich aus beruflichen

Gründen auf der BUGA. Vom 29. Juli bis

11. August wurde dort vom Land Niedersachsen

die Sonderschau Wasserträume

präsentiert.

Wie der Name schon sagt, gab es eine Vielzahl

von Wasserbecken mit heimischen

und exotischen Pflanzen zu bewundern.

Ein riesiger Enziangarten, große Sortimente

von Fuchsien, Stauden, Orchideen

und Sommerblumen waren ausgestellt.

Verschiedene Gartenbaubetriebe waren

mit Farnen, Formgehölzen, Sukkulenten,

Rosen, Wasserpflanzen, Gehölzen und

natürlich Bambus vertreten. Alle Pflanzen

waren in hervorragender Qualität herausgeputzt.

Die niedersächsischen Gärtner erhielten

insgesamt 81 Gold-, 24 Silber-, und

36 Bronzemedaillen. Es gab ferner fünf

Große Goldmedaillen und vier Ehrenpreise.

Prämiert wurde von den Preisrichtern

nicht nur der Zustand der ausgestellten

Pflanzen, es wurden auch Neuheiten und

der Stand selbst prämiert.

Und inmitten der Preisträger habe ich das

Bambus-Informations-Zentrum entdeckt.

Steckhan-Vaupel wurden mit der Großen

Die Gewinner des Fotowettbewerbs 2005

sind sie nur so klein abgebildet! Seien Sie

nicht enttäuscht, es kommt noch besser:

Die Redaktion hat beschlossen, die Sieger-

„Licht zwischen Halmen“

von Hans Pleister

Goldmedaille für ein Sortiment von neuen

Bambussen in sehr gutem Kulturzustand und

hervorragender Qualität ausgezeichnet.

Es gab ferner jeweils eine Goldmedaille für

Fargesia ´Flamingo´, Farg. ´Schwan´,

Farg. ´Dragon´, Farg. ´Fontäne´ und Farg.

´Standing Stone´. Steckhan-Vaupel hatten

nicht nur die vorgenannten Pflanzen ausgestellt,

es gab Bambus-Pavillons und

bilder im nächsten Jahr als Titelbilder für

das Journal zu verwenden als echte Hingucker

– freuen Sie sich darauf.

„Tau auf jungem Bambusspross“

von Sophia Hein

Entdeckt auf der BUGA 2005 in München

Bambus-Zäune zu sehen. Sehr schöne

Pflanzen von Phyllo.vivax ´Shanghai´ und

’Aureocaulis’, sowie drei Sorten von Lama-Tempel

waren ebenfalls vertreten.

Die Bambus-Gesellschaft gratuliert recht

herzlich zu den Sichtungsergebnissen und

Erfolgen auf dieser Sonderschau. Schöner

wäre es gewesen, wenn wir Bambusfreunde

eher davon gewusst hätten.

11


Friedrich Eberts

Bambus

Die schönsten Arten und Sorten

Auswählen, Gestalten, Pflegen

blv garten plus

ISBN 3-405-16916-X

96 Seiten, 105 Farbfotos, 1 Schwarzweißfoto,

4 Zeichnungen

Broschur

Euro 7,95

Bambus – ein Gras, das in den Himmel

wächst. Bambus gibt dem Garten eine ganz

besondere Anmutung. In China wird dieses

grazile und dekorative Gras als „Freund

des Menschen“ bezeichnet und in Vietnam

als „Bruder“, denn es ist aus dem Alltag

Asiens nicht wegzudenken. Wie es auch

mitteleuropäische Gärten ziert, zeigt der

Bambus-Experte und Mitarbeiter des

12

Bücherkiste

Bambus-Centrums Deutschland, Friedrich

Eberts, in seinem Buch Bambus (BLV

Buchverlag), das in der Reihe blv garten

plus erschienen ist.

Nach einer kleinen Kulturgeschichte des

Bambus, der in Asien als Baumaterial für

Möbel, Gerätschaften wie für ganze Häuser

dient, der zum Zeichnen, zum Kochen,

in Medizin und Kosmetik Verwendung findet,

geht es um die Botanik des Bambus:

Manche tropische Arten schießen bis zu

35m in die Höhe, mit Halmen stabiler als

Stahl, andere werden nur eine Handbreit

hoch und dienen in ihrer Heimat als Rasenersatz.

Im großen Porträt-Teil des Buches werden

die 60 schönsten für den mitteleuropäischen

Garten geeigneten Bambus-Arten

und -sorten mit ihren Besonderheiten vorgestellt.

Die starke Bambusblüte, die vor

einigen Jahren zum Absterben von vielen

Pflanzen führte, wird diskutiert, und Alternativen

zu der damals betroffenen Art Fargesia

murieliae werden vorgestellt. Der

Autor zeigt, wie Bambusse im Garten verwendet

werden können: als Hecke oder als

Solitär, der einen Blickfang im Garten bildet,

als flächiger Bodendecker, im Kübel

für Balkon oder Terrasse. Ganzjährig grün

sorgt er im Winter für einen besonderen

Akzent in unseren Gärten.

Und damit das Gras auch tatsächlich in den

Himmel wächst und sich dank der Rhizomsperre

nicht allzu ungestüm ausbreitet,

informiert das letzte Kapitel über die Praxis:

vom Einkauf über die Standortwahl,

Pflanzung und Pflege, Schädlingsbekämpfung,

Schnitt und Winterschutz.

Paul Whittaker

Hardy Bamboos

Taming the Dragon

Verlag Timber Press, 2005

ISBN 0-88192-685-X

300 Seiten, Hardcover

Viele Zeichnungen und Fotos

Texte nur in Englisch

Euro 37,50

Dieses Buch ist auf der Basis jahrelanger

eigener, praktischer Erfahrung geschrieben

und bietet eine Fülle von Informationen

zur Kultur und Verwendung der

unterschiedlichsten Bambusarten. Gartenwürdige

Arten von Arundinaria bis Yushania

werden hinsichtlich ihrer möglichen

Alle Fotos: Gundula Menking

Verwendung, ihrem Habitus und ihren Anforderungen

genau beschrieben. Mit diesem

praktischen und informativen Buch

gibt Whittaker allen Gärtnern eine Hilfestellung

zur Auswahl aus vielen imposanten

und häufig verkannten Bambuspflanzen

an die Hand.


Gundula Menking

Die in Borchen lebende Künstlerin Gundula

Menking arbeitet mit den Materialien

Bambus und Glas, aus denen Sie patentierte

und limitierte Bambuslampen herstellt.

Die Lampen sind ungewöhnliche

Wohnobjekte. Im Bambus-Glas-Projekt

liegt der Schwerpunkt der ästhetischkünstlerischen

Aspekte und Entscheidungen

auf der Glasgestaltung, der Kalligraphie

und der Wahl des Materials Bambus.

Die philosophischen Hintergründe der kalligrafischen

Zeichen liegen im Taoismus,

dem Buch „I Ging“, der Bedeutung des Zeichens

„Wu Wei“ (Nicht-Handeln) und in

chinesischen Volksweisheiten.

Bambus-Journal (BJ): Frau Menking,

welchen Bambus verwenden Sie für Ihre

Objekte?

Gundula Menking (GM): Bambus zu beschaffen

stellte sich als teuer, schwierig und

langwierig heraus. Die Halme für die ersten

Versuchsobjekte alt, spröde und rissig,

stammen aus Indonesien; sie haben

aber schöne lange Internodien (45 bis

60 cm) und einen passenden Umfang (14

bis 16 cm). Dementsprechend werden die

Gläser, die ich in die Halme einsetze 12 bis

14 cm schmal und 30 bis 43 cm hoch.

Durch Kontakte zur Professor Liese konnte

ich hochwertigen und wunderschönen

Bambus bestellen, der aber leider nur kurze

Internodien hat und für kleinere Tischlampen,

Höhe ca. 25 cm) verwendet wird.

Ich suche noch nach weiteren Bezugsquellen.

BJ: Sie haben Ihre Lampen in zwei

verschiedenen Versionen hergestellt.

Was hat sich bewährt?

GM: Die erste Lampen-Version ist aufklappbar.

Die beiden Hälften des Bambus

werden durch Scharniere verbunden.

Daraus ergaben sich verschiedene Nachteile

und Probleme. Durch das längsseitige

Aufsägen und Schleifen ist das Bambusrohr

nach der Bearbeitung nicht mehr

rund, sondern mehr ellipsenförmig, so

dass die verdickten Nodien aneinanderstoßen

und ein sauberes Aufeinanderliegen

verhindern. Das Licht dringt später

hindurch. Außerdem hatte die erste Version

noch eine Vorrichtung für Trafo und Beleuchtung,

was ich aber komplett verworfen

habe.

Für die neue Version suche ich die besten

Halmabschnitte aus. Bis zu 2 m lang sind

Bambus-Glas-ART

sie für die hohen Lampen, und sie werden

nicht mehr auseinander geschnitten. Für

die Fenster in den einzelnen Segmenten

des Halmes stelle ich Metallformen her,

über die die Glaseinsätze gebogen werden.

Erst danach wird das Fenster mit einer

Stichsäge in den Halm gesägt und mit

Stemmeisen und Feile eine Nut angebracht,

in die später das Glas eingesetzt

wird. Das ist ein schwieriger und langwieriger

Prozess.

BJ: Sie arbeiten mit Holz, Metall

und Glas, mit starren

und mit biegsamen Materialien.

Wie sind die

nächsten Schritte?

GM: Mit großer Hitze

geht es weiter. Metallund

Eisenformen benötige

ich für die

Herstellung des

Glasfensters,

welches über

die Form gebogen

wird.

In der weiterenEntwicklung

habe ich

auch die Füße

der Lampen

aus Eisen arbeiten

lassen. Die

Metallformen blättern

allerdings bei

800 °C Hitze im Ofen

ab und müssen später

gesandstrahlt werden.

Um das Kleben des Glases

zu verhindern, wird die Form

mit Faserpapier umhüllt.

Glas schmelzen kann ich im eigenen

Atelier, doch für die ersten

Proben waren Industrieöfen erforderlich.

Um optimale Ergebnisse zu erzielen und

Fehler zu vermeiden, werden die Proben

für die Glasfenster bei jedem Schmelzvorgang

protokolliert.

Das Anpassen der Gläser in den Bambushalm

erfordert viel Geduld und größte Präzision.

Bei den kleinen Tischlampen setze

ich unregelmäßige, kurvenreiche Gläser

ein, so dass die Anpassung noch schwieriger

wird. Selbstverständlich wird vor der

Fixierung des Fensters die Elektrik in die

Lampe eingebaut. Dies wird – nach etlichen

Versuchen und Modellen – profes-

sionell von einem Meister gemacht. Die

Zeichen auf den Glasfenstern malten Yang

Liu, eine Chinesin und Professor Pasierbsky,

Sprachwissenschaftler und Sinologe.

Die Zeichen beinhalten die Philosophie des

Taoismus, die sehr eindrucksvoll in dem

Buch „Wu Wei, Die Lebenskunst des Tao“

von Theo Fischer erläutert ist. Technisch

und materialmäßig sind viele Proben nötig,

bis die Zeichen mit der Glasfarbe geschrieben

werden können.

BJ: Welche Rolle spielt die Farbe des

Bambus im Gesamtkunstwerk?

GM: Die Farbwahl der Bambushalme

und Gläser, sowie die Gestaltung des

Glases sind inspiriert von den natürlichen

Farben des Bambus, besonders von

den grün-gelb Schattierungen, die für mich

die unglaubliche Lebens- und Wachstumskraft

des Bambus symbolisieren. Eine

Bambusbroschüre, in der die vielfältige

natürliche Farbschattierung der Halme

dargestellt ist, unterstützt mich bei der

Farbwahl. Ich arbeite aber auch mit verdünnter

Acrylfarbe. Die tiefblaue Bambuslampe

zum Beispiel, die über 1,60 m hoch

ist, hat zwei Fenster mit kalligraphischen

Zeichen: „Das Tao des Wassers“ und „Sobald

man ein Segel setzt, weht der Wind

günstig (taoistische Lebensweisheit)“.

BJ: Und so wie das Wasser, so ist auch

das Leben ständig im Fluss. Im Sinne dieser

taoistischen Philosophie wünschen

wir Ihnen für die Weiterentwicklung

Ihres Projektes gutes Gelingen.

Das Interview mit Frau Gundula Menking,

Glasgestaltung und Kreativ-Seminare,

Schützenstraße 21, 33178 Borchen, Telefon

0 52 51 / 39 84 84 führte Ilse Rauch.

13


Fred Vaupel

In Deutschland entsteht zurzeit das erste

Haus mit Bambusstützen als tragende Konstruktion.

Die bei uns so beliebten Riesengräser kommen

für dieses Projekt aus Kolumbien. Die

feine und glatte Oberfläche der Bambusrohre

ist eine auffällige, faszinierende und

natürliche Eigenschaft des südamerikanischen

Riesengrases. Der schnell nachwachsende

Rohstoff sollte nur aus kontrolliertem

Anbau verwendet werden.

Sonst besteht die Gefahr, dass auch die

Bambuswälder in Südamerika zu schnell

gerodet werden und als Folge die ehemals

großen Wuchsflächen versteppen wie dies

in Äthiopien oder auch in Asien bereits der

Fall ist.

In Kolumbien, Brasilien, Florida, Italien,

Spanien und Leipzig sind in den letzten 10

Jahren kühn konstruierte und sehr dekorative

Bambushäuser und Brücken unter

der Verwendung von Guadua angustifolia

Ein Haus mit Guadua angustifolia

entstanden. Der bekannte Architekt Villegas

(Buch: New Bamboo, Architecture and

Design) zeigt, ebenso wie die Architekten

Hidalgo und Velez, welche Möglichkeiten

der Konstruktion mit Bambus in der Architektur

bestehen. Diese Beispiele mögen

verdeutlichen, dass auch bei uns das Bauen

mit Bambus – zum Teil in Kombination

mit tradierten Bauweisen – möglich ist.

Die 33 Bambusstützen des Bambushauses

in Darmstadt – sie haben einen für unsere

Begriffe traumhaften Durchmesser von 12

Zentimetern – tragen die gesamte Dachkonstruktion,

in traditioneller Weise aus

Holz und Hanf errichtet. Die Wände werden

im Fachwerkbau mit Stroh zur Wärmedämmung

und Lehm als Putz erstellt.

Die Architektin Susanne Körner von Shakti

Architecture hat das Energiesparhaus geplant.

Leider ist für Bauen mit Bambus in

Deutschland noch kein Statiknachweis

vorhanden. Deshalb war eine Sonderge-

Bild oben und rechts: Das Bambushaus in der Heidelberger Straße, Ecke

Eschollbrücker Straße in Darmstadt (Hessen), auf dem Gelände der Autowerkstatt

Bodo Schaumburg.

Oben gut zu erkennen: Die Bambusstützen mit Metallverbindung.

Rechts: Der Blick von oben auf die eindrucksvolle Dachkonstruktion.

14

nehmigung des Ministeriums für Wirtschaft

und Technik in Wiesbaden für dieses Projekt

erforderlich.

Bambusstützen: Die Tragfähigkeit des einzelnen

Bambusrohrs, das über eine Zugfestigkeit

von Stahl verfügt, kann ohne

Metallverbindungen nicht ausgenutzt

werden. So entwickelte ein Team um

Evelin Rottke vom Lehrstuhl für Tragkonstruktionen

der RWTH Aachen

den konischen Stabanschluss. Dipl.-Ing.

Christoph Tönges, an der Entwicklung wesentlich

beteiligt, hat sich auf die Anwendung

der CONBAM Verbindungstechnik

spezialisiert und diese auch für das

Haus in Darmstadt zum Einsatz gebracht

(www.conbam.de).

Der schwer entzündliche Bambus ist nicht

nur für mich seit vielen Jahren ein faszinierender

Baustoff.


Vera Finkenbusch

Neues Bauen mit Bambus

Traditionelles Material trifft moderne Verbindungs-Technik

Das verholzende Riesengras Bambus ist

uns in Deutschland vor allem als Gartenpflanze

und zur Dekoration bekannt. In den

Ländern mit natürlichem Bambusvorkommen

gilt Bambus traditionell als bewährter

und leistungsfähiger Baustoff. Besonders

im südamerikanischen und asiatischen

Raum entstehen eindrucksvolle Konstruktionen:

hohe Gerüste, weitgespannte

Brücken oder komplexe Dachkonstruktionen

– alles aus Bambus.

Mittlerweile ist in Deutschland eine innovative

Verbindungs-Technik zur Herstellung

stabförmiger Tragstrukturen aus

Bambusrohren entstanden. Ein großer

Schritt für den modernen Bambusbau,

denn nun sind Konstruktionen möglich, die

bislang nur mit Werkstoffen wie z.B. Stahl

realisiert werden konnten. Verantwortlich

für die Entwicklung der Verbindungs-Tech-

nik ist Dipl.-Ing. Christoph Tönges in Zusammenarbeit

mit dem Lehrstuhl für Tragkonstruktionen

der RWTH Aachen.

Die Verbindungs-Technik

Die Verbindungs-Technik ist im Wesentlichen

ein neuartiger Stabanschluss, der die

sichere Verankerung beliebiger Anschlussmittel

an den Enden des Bambusrohres ermöglicht.

Das Besondere ist die optimale

Beanspruchung des Rohrquerschnitts sowie

die bambusgerechte Kraftübertragung

durch einen geometrischen Formanschluss.

Die Verbindungs-Technik ist darüber

hinaus in der Lage, die volle Zugfestigkeit

des Bambus auszunutzen, wie

Zugprüfungen am Institut für Bauforschung

prinzipiell bewiesen haben.

Für die so genannte CONBAM Verbindungs-Technik

wird das Bambusrohr

zunächst um einen massiven Innenkonus

konisch verjüngt und durch einen Außenkonus

in dieser Form gehalten. Der Stabanschluss

wird auf diese Weise so präzise

werkseitig vorgefertigt, dass die Montage

auf der Baustelle einfach und schnell funktioniert.

Durch die systematische Konstruktion

von Stabanschluss und Knoten

sowie deren geschraubten Verbindungen

sind vielfältige Anschlussmöglichkeiten sowie

flexible Strukturen realisierbar. Die einzelnen

Bauelemente können demontiert

und nachher in anderen Projekten wieder

verwendet werden. Als Knoten sind alle

gängigen Details übertragbar.

Für den modernen Bambusbau erschließen

sich damit völlig neue Perspektiven

und interessante Alternativen zu konventionellen

Materialien. Denn neben

kleinen Tragwerken und einzelnen Stützen

sind nun auch komplexe und leistungsfähige

Strukturen in Bambus denkbar. Die

Konstruktionsprinzipien sind aus dem

Stahlbau übernommen und auf den Bambus

materialgerecht übertragen worden.

Im Stahlbau haben sich räumliche Fachwerkstrukturen

durch serielle Vorfertigung,

schnelle Montage und architektonische

Klarheit bereits seit Jahren bewährt.

Das Material

Bambus als Baustoff zeichnet sich vor allem

durch eine hohe Tragfähigkeit und

große Stabilität aus. Kein anderer natürlicher

Baustoff besitzt mehr Elastizität, Härte

und Festigkeit. Die hohe Elastizität

macht ihn zu einem erdbebensicheren

Baustoff, der darüber hinaus auch schwer

entflammbar ist. Einen natürlichen Schutz

vor Verletzungen bietet die glatte, extrem

harte Oberfläche des Materials. Darüber

hinaus beeindruckt die bambuseigene Geometrie.

Durch die axialparallele Anordnung

der Fasern in Längsrichtung eignen

sich Bambusrohre vor allem für die Aufnahme

von Normalkräften (Zug und Druck),

die entlang der Längsachse des Rohres wirken.

Die Zugfestigkeit ist dabei besonders

hoch. Als Hohlquerschnitt sind Bambusrohre

sehr leicht, was Ernte, Transport und

Montage entscheidend erleichtert.

Der Rohstoff Bambus ist preiswert und

nachhaltig. Als schnell nachwachsende

Ressource benötigt Bambus während seines

Wachstums nur wenig Energie. Nach

kurzer Zeit lassen sich so fast fertige Bauelemente

ernten. Bambus produziert viermal

so viel Biomasse wie Eiche. Wann immer

Bambus angewendet wird, ist es ein

wertvoller Beitrag für unsere Umwelt, solange

der viel langsamer wachsende

Hartholzwald unberührt bleibt oder Energie

fressende Stahlkonstruktionen ersetzt

werden. Bambus produziert darüber hinaus

mehr Sauerstoff und bindet verhältnismäßig

mehr CO 2 als Bäume. Mit seinem

verzweigten Wurzelsystem schützt er den

Boden außerdem vor Erosion.

Vor allem aber besticht Bambus durch seine

natürliche Schönheit. Trotz der großen

Artenvielfalt wird besonders eine Bambusart

zum Bauen verwendet: Guadua angustifolia,

ein sehr hochwertiger Bambus.

Die Idee

Mit dem ZERI-Pavillion auf der EXPO

2000 in Hannover brachte der kolumbianische

Architekt Simon Vélez das erste Mal

ein Stück Bambusarchitektur mit nach

Deutschland. Der Lehrstuhl für Tragkonstruktionen

der RWTH Aachen ließ sich

dadurch inspirieren und nahm das Thema

Bambus in seine Forschungstätigkeiten

auf. Bereits zu diesem Zeitpunkt entstand

die Frage nach einer neuen Verbindungs-

Technik für Bambusrohre. Denn obwohl

diese theoretisch zur Herstellung von stabförmigen

Tragstrukturen geeignet sind,

fehlte es doch bislang an geeigneten Möglichkeiten,

Bambusrohre auch effizient und

materialgerecht zu verbinden.

15


Die Entwicklung

Erste Erfahrungen mit Bambus sammelte

Christoph Tönges als Architekturstudent

während eines Praktikums bei Jörg Stamm

(weitgespannte Bambus-Brücken) in Kolumbien.

Vor Ort erwarb er grundlegende

Kenntnisse über die Eigenschaften von

Bambus, verschiedene Bearbeitungsmethoden,

übliche Bauweisen und Verbindungs-Techniken.

In Südamerika werden

heutzutage Verbindungen angewendet,

welche jedoch handwerklich sehr aufwändig

sind und eine räumliche Geometrie sowie

eine hohe Festigkeit nur eingeschränkt

zulassen. Der Ansatz für eine neue Verbindungs-Technik

lag darin, die Herstellung

moderner und filigraner Strukturen

unter Ausnutzung der Rohr-Geometrie sowie

der Leistungsfähigkeit des Materials zu

ermöglichen.

Die Herausforderung lag ganz klar in dem

natürlich gewachsene Baustoff mit seinen

unterschiedlichen Durchmessern und

Wandstärken. Problematisch für den Anschlusspunkt

am Rohrende waren vor allen

Dingen die auftretenden Zugkräfte.

Punktuelle Verschraubungen können bei

großen Kräften zu Rissen und Spaltung des

Bambus führen. Die Lösung dieses Problems

lag nach vielen Versuchen schließlich

in der gleichmäßig konischen Verjüngung

des Bambusrohres.

Mit dieser Idee und ersten Versuchsergebnissen

im Gepäck, kehrte Christoph Tönges

nach Aachen zurück, wo er zusammen

mit Dr.-Ing. Evelin Rottke den konischen

Bambus-Stabanschluss weiterentwickelte.

Die Tragfähigkeit wurde

zunehmend erhöht sowie die Gestaltung

der Details vorangetrieben.

Begleitend wurden die entstandenen

Prototypen am Institut

für Bauforschung diversen Materialprüfungen

unterzogen, bis sich eine

leistungsfähige Lösung abzeichnete.

Erstmals umgesetzt wurde die neue

Anschlusstechnik 2003 an einem

Demo-Tetraeder unter Mitarbeit einer

Studentengruppe der RWTH

Aachen.

Der Bamboo Dome

Unter Anwendung des konischen

Stabanschlusses sowie der Verwendung

möglichst langer Bambusstäbe

entwarf Christoph

Tönges eine völlig neuartige Kuppelstruktur.

Das Ziel dieses Entwurfes

war es, die Anzahl der

Bauteile auf ein Minimum zu re-

16

duzieren, sowie die bambuseigene Ästhetik

zur Geltung zu bringen. Die Kuppelkonstruktion

seiner Diplomarbeit wurde im

Juli 2004 als Symbol eines internationalen

Pfadfinderlagers in Luxemburg realisiert

und zum eindrucksvollen Demonstrationsprojekt

der neuen Konstruktionsmöglichkeiten.

Die einzigartige Struktur entstand durch

die Überlagerung zweier geometrischer

Grundkörper. Die einzelnen, bis zu 8m langen

Stäbe sind in diesem Fall an ihren Enden

mit der neuen Verbindungs-Technik

verschraubt und die Kreuzungspunkte der

geometrischen Grundkörper mit Seilen

verbunden. Es kommt also sowohl traditionelle

als moderne Technik zur Anwendung.

Bei einer Grundfläche von 130 m 2

besitzt die Kuppel eine Höhe von 11 m sowie

einen Durchmesser von 13 m. Mit maximaler

Grundfläche bei geringstem Materialaufwand

ist die Kuppelkonstruktion

dabei ein sehr wirtschaftlicher Bautyp.

Realisiert wurde die Bambuskuppel in

Zusammenarbeit mit Studenten und Pfadfindern

aus Deutschland und Luxemburg.

Bereits einige Wochen vor dem Errichtungstermin

wurden alle Stabanschlüsse

sowie die einzelnen Knoten vorgefertigt.

Auf der Baustelle konnten alle Bauelemente

mit Hilfe von Gerüsten, Kletterausrüstung

und der örtlichen Feuerwehr

schließlich innerhalb eines Tages zusammengefügt

werden.

Die aktuellen Projekte

Die Verbindungs-Technik stellt sich

bereits neuen Herausforderungen.

Gerade erst kam sie für eine Sonnensegel-Landschaft

auf Bambus-

Stützen bei der Bundesgartenschau

2005 in München zum Einsatz und

für ein Sonnensegel auf dem Gelände

des Schlosses Dyck bei Neuss.

Momentan findet an der RWTH Aachen

der Realisierungswettbewerb

„Halm und Hülle“ statt. Studenten

sollen dabei zukunftsträchtige Konstruktionen

entwerfen, die aus einer

Kombination von Bambus und Membran

bestehen. Darüber hinaus wird

in Darmstadt das erste deutsche

Bürogebäude mit einer Bambuskonstruktion

errichtet. Nach dem Entwurf

zweier Feng Shui Architekten

sind 33 Bambus-Stützen als tragende

Elemente geplant. Nach der

Zulassung der CONBAM Verbindungs-Technik

durch die Behörden

steht dem Bau nun nichts mehr im

Wege.


Oben: Sonnensegel-Landschaft bei der Bundesgartenschau 2005 in München.

Linke Seite: Kuppelkonstruktion „Bamboo Dome“. Alle Fotos: Christoph Tönges

Gerhard Sieber

Im Mai 2005 wurde der Park und Schloss

Bad Muskau zum Unesco-Weltkulturerbe

erklärt.

Als die Bambus-Gesellschaft 1997 die Anlage

Fürst Pücklers besuchte war alles noch

in Wiederaufbau und Restaurierung begriffen.

Zwischenzeitlich ist die 830 ha

große Parkanlage nach alten Plänen wiederhergestellt.

Die Stiftung „Fürst-Pückler-Park Bad Muskau“

veranstaltet in den Räumen des

Schlosses gartenbauliche Seminare und

Didier Ferment / Bill Hoag (Übersetzung)

Japanische Werkzeuge

Die japanischen Handwerker bearbeiten

den Bambus mit speziellen Werkzeugen,

unter anderem mit robusten Sägen, die

beim Ziehen schneiden. Der verwendete

Stahl ist von sehr guter Qualität und widersteht

der stark abrasiven Eigenschaft

der Bambusfaser, die durch ihre hohe Konzentration

an Kieselsäure die Schneidkanten

von Werkzeugen oft schnell abnutzen.

Die Firma hat alle holzbearbeitenden

Werkzeuge, die man sich vorstellen kann.

Der Katalog kann angefordert werden bei

DICK GmbH, Donaustraße 51, 94526

Metten oder unter www.dick.biz

Aus: Bambou, Zeitschrift der EBS Frankreich,

Ausgabe Dezember 2004

Bad Muskau

Lehrgänge zum Thema Gartendenkmalpflege,

Stauden- und Wechselpflanzungen,

Gehölzverwendung und -pflege,

Obstgehölze, Rosen und Orangeriepflanzen

sowie Arten- und Biotopschutz.

Chelsea Flower Show 2005

...und der Etablierung von Bambus als traditionellem

modernen Baustoff, in unseren

Breiten, ebenfalls nicht.

Ausführliche Informationen zum Thema

finden sich unter www.conbam.de und

unter http://bambus.rwth-aachen.de

Weitere Informationen gibt es im Internet

unter www.muskauer-park.de oder unter

der Telefonnummer 03 57 71 / 6 32 01

Goldmedaille

für Bambusse aus Baden-Baden

bambus.de

17


Wolfgang Eberts

Kann jemand von einem Ereignis berichten,

in diesem Fall von einer Weltausstellung,

ohne selbst vor Ort gewesen zu sein?

Die Frage könnte auch lauten: Darf ein

Ereignis, bei dem der Bambus eine solch

wichtige Rolle spielt, von uns unbeachtet

vorübergehen? Aufmerksam wurde ich

erst durch einen Artikel von Frau Annette

Schörner in einer der letzten Ausgaben der

„Gartenpraxis“ (Ulmer Verlag). Durch Kontaktaufnahme

mit ihr und mit Dr. Masatoshi

Watanabe, einer wichtigen Persönlichkeit

in der japanischen Bambusszene,

sowie durch gute Hinweise der Veranstalter,

ist es mir gelungen einige Daten zusammenzutragen.

Besonderer Dank gilt

Herrn Hartmut Pohling, der als deutscher

Fotograf in Japan lebt und arbeitet und der

uns ohne Honorarberechnung druckfähige

Bilder zur Verfügung gestellt hat. Arrigato!

Mit ein Grund für die Neugierde bezüglich

der EXPO 2005 JAPAN war die eigene

Teilnahme an der EXPO 2001 in Hannover.

Viele werden sich noch daran erinnern,

dass unsere Weltausstellung damals

keine Chance hatte, sie wurde bereits vor

18

Bambus-WORLD EXPO 2005

in Aichi, Japan

der Eröffnung von den eigenen Medien

schlechtgeredet. Bei solch ungünstigen

Startbedingungen blieben die Besucher

folgerichtig dann auch aus.

Anders im bevölkerungsreichen Land der

aufgehenden Sonne. Dort hat man bis

einschließlich der ersten Septemberwoche

über 18 Millionen Besucher verzeichnet,

das sind in Spitzenzeiten über 150 000 Besucher

täglich. Die dortige Weltausstellung

steht unter dem Motto „Wisdom of Nature“,

was übersetzt so viel heißt wie „Weisheit

der Natur“.

Durch die zunehmende Technisierung ist

man in Japan und anderswo dabei, immer

mehr von der Natur abzurücken. Dass dies

der falsche Weg ist, dass wir die Natur mehr

brauchen als sie uns, das soll diese Ausstellung

aufzeigen.

Die Beweise für eine Klimaveränderung

sind mittlerweile offensichtlich.

Japan, ein Land in welchem während der

letzten Jahrzehnte die Belange der Natur

dem technisch-wirtschaftlichen Fortschritt

untergeordnet wurden, möchte aufzeigen,

dass keine Nation allein in der Lage ist gegenzusteuern.

Das Umdenken betrifft die ganze Menschheit.

Wir müssen langfristig einen Weg finden

uns mit der Natur zu arrangieren. Mit

der Aussage „Umwelt“ stellen wir Menschen

uns automatisch ins Zentrum; alles

andere ist unwichtiger, hat sich uns unterzuordnen.

„Mitwelt“ wäre zutreffender.

Hoffentlich spuckt uns die Natur nicht eines

Tages aus.

Doch zurück zur Ausstellung. Überall sind

natürliche Werkstoffe zum Einsatz gekommen.

Viel Holz wurde verbaut. Obgleich

Japan eine enorm hohe Bevölkerungsdichte

hat, gibt es eine eigene, florierende

Forstwirtschaft. Über nahezu die Hälfte

des Ausstellungsgeländes erstreckt sich die

„Forst Experience Zone“. Dort können die

Besucher unter fachkundiger Führung den

Wald erleben. Die Pavillons sind alle nach

einem Modulsystem gebaut und so ausgelegt,

dass sie ohne weiteres abgebaut und

für andere Zwecke verwendet werden können.

Auch Beton und Asphalt sollen nach

Beendigung der Schau wiederverwertet

werden. Der Antrieb der Busse, die zum

Einsatz kommen, erfolgt durch Brennstoffzellen.


Der Bambus hatte früher eine größere Rolle

im Leben der japanischen Bevölkerung

inne. Er war aus dem täglichen Leben nicht

wegzudenken, ein Leben ohne ihn wäre

schlichtweg nicht möglich gewesen. Doch

durch die zunehmende Technisierung Japans

wurde der Bambus verdrängt. Bestimmt

gibt es im Japan unserer Tage auch

Teile der Bevölkerung, die das Riesengras

als ein sich stark ausbreitendes Unkraut ansehen.

Den Initiatoren der Ausstellung lag

sehr daran den Bambus wieder ins rechte

Licht zu rücken, aufzuzeigen, dass der

Bambus unser „Freund“ ist. Ein Freund,

der sich nicht aufdrängt, der aber da ist

wenn wir ihn brauchen. Es kommt darauf

an was man daraus macht.

Einen besseren Auftritt des Riesengrases

als bei der EXPO 2005 in Aichi kann man

sich kaum denken.

Der zweistöckige Japanpavillon wurde

komplett überzogen mit einem aus Bambus

gefertigten Kokon, einem geflochtenen

Schutzdach. Die Ausmaße sind

enorm. Die Bambushülle hat eine Länge

von 90m, sie ist 70m breit und 19m hoch.

Es war dies die Idee des Architekten Yutaka

Hikosaka. Die Bambushülle hat er verglichen

mit unserer Erdatmosphäre, die uns

als Schutzhülle dient. Sie hält schädliche

Strahlungen von uns ab, sie versorgt uns

mit Sauerstoff.

Was die Form anbelangt hat man lange mit

Seifenblasen experimentiert. Schließlich

wurden 23.000 Halme des Phyllostachys

edulis (Moso) in der Umgebung geerntet.

Vor der Verarbeitung hat man sie mittels

eines speziellen Verfahrens in einer Art

Räucherkammer resistent gemacht gegen

Käferfraß und gegen Witterungseinflüsse.

Bei diesem Verfahren, in der Fachwelt als

EDS, als Eco Dry System bekannt , werden

Temperaturen von 200° C und Rauch

erzeugt.

Aus jeweils vier ganzen Halmen wurden,

zusammen mit kleineren Verstrebungshalmen,

Gitterträger gebaut. Nachdem diese

Tragkonstruktionen montiert waren, wurde

das Flechtwerk aufgezogen. Das ist ähnlich

wie bei der Herstellung von Körben,

nur die Maschenweite ist entsprechend

größer. Ich wollte herausfinden ob dabei

hunderte von Freiwilligen aus der Umgebung

mitgeholfen hätten. Ich erfuhr, dass

die Bambusspezialisten aus Beppu, von

der Südinsel Kiushu herbeigerufen worden

waren.

Die wichtigste Aufgabe des Bambusflechtwerkes

ist der dadurch erzielte Sonnen-

Der ‘Bambuskorb’ zur Klimatisierung muss auch Taifunen standhalten.

schutz. Rund 70 Prozent des direkten Sonnenlichtes

werden so eliminiert. Der Luftraum

darunter wird umgewälzt, so dass

der Aufwand für Klimatisierung ganz wesentlich

reduziert werden konnte. Der riesige

übergestülpte Bambuskorb muss auch

Taifunen standhalten. Auf einigen Bildern

erkennt man deshalb Befestigungsseile.

Wie man auf den Bildern ferner erkennen

kann, wurden hohe Bambusse gepflanzt.

Kurz nach Ausstellungseröffnung erscheint

deren Qualität alles andere als ausstellungswürdig.

Wie Herr Dr. Watanabe

wissen ließ, waren die ersten Wochen nach

der Eröffnung von einer starken Trocken-

periode geprägt, die automatische Bewässerung

wurde scheinbar erst nachträglich

installiert. Es entzieht sich auch meiner

Kenntnis ob die großen Bambusse nach

der traditionellen Methode, nämlich mit

Ballen, herausgenommen und umgepflanzt

wurden. Bei den Bambussen auf

der EXPO Hannover handelte es sich jedenfalls

um Pflanzen aus Großcontainern,

auf diese Weise gibt es keinen Verpflanzungsschock.

Die Versorgung mit Wasser

und Dünger am neuen Standort darf natürlich

nicht lange auf sich warten lassen. Bei

der Pflanzung großer Bambusse ist die Verankerung

ein Thema. Auf den Bildern von

Aichi sieht man horizontale Verstrebungen

19


Die mit Zwergbambussen bepflanzten Wände. Alle Fotos: Norbert Pohling

aus Bambushalmen und entsprechende

senkrechte Pfosten. Unsere Erfahrungen

haben gelehrt, dass es besser ist, den Wurzelballen

unterirdisch zu fixieren, zum Beispiel

mit Eisenstäben, und die Halme oben

dem freien Spiel der Windkräfte zu überlassen.

Eine Aufsehen erregende Neuerung sind

die mit Zwergbambussen bepflanzten grünen

senkrechten Wände. In Japan bemüht

man sich jetzt, nachdem Dachbegrünungen

überall Vorschrift sind, zusammen mit

Industriefirmen (z.B. Toyota) grüne Trennwände

zu schaffen, das Pflanzsubstrat in

die Vertikale zu bringen. Wir sehen bei uns

vergleichbare Beispiele auf Gartenschauen,

wo Sommerblumen in der Senkrechten

gepflanzt werden. Es kommt dabei auf

Gerhard Sieber

20

Lagerung von Pflanzenschutzmitteln

Pflanzenschutzmittel sind nicht ewig lagerfähig. Sie sollten in jedem

Fall kühl, frostfrei, trocken und dunkel aufbewahrt

werden. Bei solcher Lagerung können sie über

mehrere Jahre verwendet werden, ohne an

Wirkung zu verlieren. Frosteinwirkung und

Lagerung über +25°C führen zu Wirksamkeitsverlusten.

Bacillus thuringiensis und

Neem-Präparate sollten nicht auf Vorrat

eine gute Bewässerung an. In Aichi gibt es

zusätzlich Sprühnebelanlagen. Hierfür verwendet

man aufbereitetes Brauchwasser

und freut sich über die erzeugte Verdunstungskälte

und die damit einhergehende

Temperaturabsenkung.

Auch diese grünen Wände machten

zunächst keinen besonderen Eindruck;

wahrscheinlich hatte man wurzelnackte

Pflanzen verwendet, die eine gewisse Zeit

brauchten, um durch das Drahtgitter

durchzuwachsen und einen dichten grünen

Pelz zu bilden. Pflanzen aus Topfkultur

kommen sehr viel schneller in die Gänge.

Es wird in Aichi wohl nicht anders gewesen

sein als im Rest der Welt: Die Gärtner

sind als Letzte am Werk und ihnen bleiben

nur wenige Tage (und Nächte) vor der

Eröffnung für ihre Arbeit. Umso wichtiger

ist es, dass bei derartigen Prestigeprojekten

die Pflanzen rechtzeitig vorkultiviert

werden. Die Idee der kühlenden grünen

Wände ist genial.

gekauft werden, da sie schon nach 2 Jahren

ihre Wirkung verlieren. Es ist außerdem

sehr wichtig Pflanzenschutzmittel

nicht in der Nähe von Futtermittel aufzubewahren.

Selbstverständlich sollte die Lagerung

in einem abschließbaren Raum

oder Schrank sein, zu dem Unbefugte und

Kinder keinen Zugang haben.


Franz Sommer

Vorausschicken möchte ich, dass die Veranstaltung

(wie immer) hervorragend organisiert

war. Auf dem Marktplatz in Gelnhausen

wurden wir von den ortsansässigen

Latrinenreinigern erwartet. Sie ließen bei

der Führung die Einwohner der im Mittelalter

reichen Stadt Gelnhausen wieder lebendig

werden. Woher Ausdrücke wie „auf

den Hund kommen“ oder „den Löffel abgeben“

stammen, erfuhren wir so nebenbei.

Nach der Mittagspause ging es weiter zur

ersten Gartenbesichtigung. Im Garten der

Familie Weber wurden wir mit einem Gläschen

Sekt empfangen. Dann bestaunten

alle die Fortschritte der Gartenumgestaltung.

Anscheinend haben sich Webers bei

der Pflanzenreise in den hohen Norden viele

Anregungen für den eigenen Garten holen

können, die sie jetzt umsetzen. Am

Teich mit prachtvollen Kois lädt ein Holzdeck

zum Verweilen ein. Ob wir uns wohl

den Garten, wenn er fertig umgestaltet und

neu eingewachsen ist noch einmal anschauen

dürfen?

Anschließend liefen wir zwei Straßen weiter

zu Familie Eitel. Hier erwartete uns ein

ebenfalls sehenswerter Garten, der in Tei-

Hans Pleister

Während sich die Bambusfreunde in den

westlichen und südlicheren Teilen unseres

Landes zunehmend auch zu regionalen Aktivitäten

treffen, waren in Norddeutschland

dazu seit längerem keine Ansätze zu erkennen.

Dabei dürfte der Wunsch, Gleichgesinnte

persönlich zu treffen, sich auszutauschen,

andere Erfahrungen kennen zu

lernen, zu fachsimpeln und Bambuslatein

zu erzählen, sicherlich bei dem einen oder

anderen vorhanden sein. Norddeutsche

sitzen keineswegs abends allein in ihren finsteren

Hütten und vermeiden jeden

menschlichen Kontakt. Gesagt getan, vielleicht

fehlte nur der Anstoß. Also auf ins

Experiment, was kriegen wir hier auf die

Beine? Kleine Abfrage im Forum, wollen

Treffen der Rhein-Main-Gruppe

len bereits seit über 25 Jahren eingewachsen

ist. An zwei Grundstücksecken

dominieren jeweils ein Mammutbaum und

eine Libanonzeder, beide in beträchtlicher

Höhe. Direkt am Haus steht eine viele

Quadratmeter bedeckende Passiflora und

eine haushohe Magnolia grandiflora, die

sogar noch eine offene Blüte hatte. Der

ans Haus angebaute Wintergarten faszinierte

die Besucher. Diverse Palmen,

Orchideen, Tillandsien und unzählige, mir

leider unbekannte Pflanzen ließen ein richtiges

„Urwaldgefühl“ in uns aufsteigen.

Die Könige der

Nacht plauderten

die Heimlichkeiten

der GelnhäuserOberund

Unterschicht

aus.

Foto:

Franz Sommer

Bambustreffen in Norddeutschland

wir uns in einer Baumschule oder lieber in

einem Privatgarten treffen? Die Antworten

deuteten eher auf Letzteres hin. Andreas

Rippert war spontan bereit, seinen

Garten in der Nähe von Bremen zur Verfügung

zu stellen. Da er Bambus noch nicht

so lange hat, waren auch noch ein paar

Quadratmeter frei, um die Menschenmassen

unterzubringen. Anfahrtsskizze und

Adresse gab es für alle Interessierten per

E-Mail. Den Aufbau und die Organisation

hat Andreas mit seiner Familie ganz alleine

hingelegt. Dafür auch an dieser Stelle

noch mal herzlichen Dank an Andreas und

alle anderen Mitwirkenden! Am Sonnabend,

dem 20. August verbrachten dann

etwa 15 Bambusfreunde nebst Familien ei-

Schauhäuser in botanischen Gärten können

nicht besser mit Pflanzen bestückt

sein.

Nach Kaffee und Kuchen bei Webers erwarteten

uns bei Familie Eitel ein hervorragender

mediterraner Imbiss und ein vorzüglicher

Rotwein.

Auf diesem Wege möchte ich mich (auch

im Namen der restlichen Teilnehmer) ganz

herzlich bei unseren Gastgebern bedanken.

nen wirklich wunderschönen Nachmittag.

Es war für mich erstaunlich, wie schnell

sich auch unter bis dahin Unbekannten

nette Kontakte entwickelten. Und vor allem

war es Klasse, Leute zu treffen, die

man sonst nur aus dem Forum „kennt“.

Dadurch dass es keine Besichtigungen gab,

sondern wir ein eher „statisches“ Treffen

vorgesehen hatten, war auch genügend

Gelegenheit zum Plauschen und Tauschen.

Der Bambus-Wettergott hatte übrigens ein

Einsehen und hat den Nachmittag weitgehend

frei von Schauertätigkeit gehalten.

Bleibt nur das Fazit zu ziehen: Es hat Spaß

gemacht, das machen wir nächstes Jahr

noch mal.

21


22

Wie angekündigt, veröffentlichen wir

von diesem Heft an regelmäßig die

Die EBS ist nicht für die Inhalte der folgenden

Websites verantwortlich.

www.saathainer.de

Marco Schenk

www.rodenwaldt-blank.de

Ute Rodenwaldt-Blanc

www.franz-sommer.de

Franz Sommer

Mitglieder-Homepages

Homepages unserer Mitglieder. Änderungen,

Ergänzungen oder auch Streichun-

gen bitte per E-Mail an die Redaktions-

Adresse ilse.rauch@t-online.de

www.internet.de

www.bambooweb.online.fr

Thomas Grünewald

www.people.freenet.de/pflanzenwelten

Hans-Peter Möllers

bis 09. Oktober 2005

Bundesgartenschau (BUGA)

...in München. Motto „Perspektivenwechsel“.

Infos: 01 80 / 5 04 20 05

bis 16. Oktober 2005

Hopfen und Malz

...im Palmenhaus auf der Insel Mainau

Infos: 0 75 31 / 30 30

bis 06. November 2005

Größte Kürbisausstellung in Deutschland

Über 400 Kürbissorten in Kleistow.

Infos: 03 30 / 2 06 61 07 00

08. bis 09. Oktober 2005

Straßburger Pflanzentage – Elsass

Internationale Verkaufsausstellung im Parc

de la Citadelle.

Infos: 00 33 / 3 88 39 00 05

www.bambus.de

Wolfgang Eberts

www.bambus-austria.at

Robert Jonas, EBS Austria

home.wanadoo.nl/bamboeplanten

Jürgen Schmitz

www.magnoliagarden.de

Jost Wallis

www.bambusgartenkahl.de

Markus Buchmeier

Termine

13. Oktober bis 06. November 2005

Chrysanthemen-Tage

...im Palmengarten Frankfurt am Main.

Infos: 0 69 / 2 12-3 66 89

14. Oktober bis 06. November 2005

Neues Bauen mit Bambus

...am Goethe-Institut Bangkok. Ausstellung

von Markus Heinsdorff und Christoph

Tönges (RWTH Aachen). Eröffnung am

14. Oktober um 19 Uhr. Geöffnet: werktags

von 7 bis 19 Uhr, samstags und sonntags

bis 14 Uhr.

Infos: Markus Heinsdorff, 0 89 / 22 03 97

Christoph Tönges, 01 63 / 8 08 19 75

04. bis 14. Januar 2006

Workshop „Experience Bamboo“

...in Chiang-Mai, Thailand. Sprache: Englisch;

Übersetzung in Deutsch, Französisch,

Spanisch oder Thai sind möglich.

Infos: Markus Heinsdorff, 0 89 / 22 03 97

Christoph Tönges, 01 63 / 8 08 19 75

www.bambusparadies.de

Marco Gleiter

www.bambustraeume.de

Reinhard Trautmann

www.selfer-gartendesign.de

Stefan Selfer

www.duzak.de

Willi und Marina Duzak

Weitere Web-Tipps in der nächsten

Ausgabe des Bambus-Journals!

01. April bis 17. April 2006

Fachstudienreise des Botanischen

Gartens der Universität Hamburg

unter der Leitung von Dipl.-Ing. Sabine

Rusch. Reiseroute: Honkong–Guilin–

Kunming–Xishuangbana–Dali–Lijiang–

Hangzhou–Sozhou–Shanghai.

Reisepreis: 2.998,00 Euro

Infos: Reisedienst Wunderlich GmbH,

Telefon 0 45 51 / 96 09 10 oder bei der

Redaktion des Bambus-Journals, Telefon

06144/401982.


Redaktion

Der

Präsidentenbambus

Wie gefällt Ihnen diese „Neuzüchtung“?

Der Präsidentenbambus, kreiert von

Hans-Peter Möllers. Er hat noch keinen

Namen. Phyllostachys sieberax Aureocaulis

ist vorgeschlagen. Gibt es weitere

Vorschläge?

Bambus-Bau-Symposium, Workshop in

Italien – leider passiert es immer wieder,

dass die Redaktion die Mitteilung über Veranstaltungen

zu spät erhält, so dass sie

nicht mehr im Heft angekündigt werden

können. So auch die oben genannten Veranstaltungen.

Wir bemühen uns, diese Termine

dann wenigstens über das Forum

www.bambus-deutschland.de noch bekannt

zu machen. Schauen Sie dort ruhig

China-Reise mit Frau Rusch

Unter den Terminen finden Sie die Ankündigung

einer China-Reise des Botanischen

Gartens der Hamburg unter der Leitung

von Frau Dipl.-Ing. Sabine Rusch. Auf der

Norddeutschland-Reise der EBS-D hat uns

Frau Rusch bei der Führung durch den Botanischen

Garten begeisternd von den Reisen

erzählt, die sie jedes Jahr begleitet. Ein

Teil der Gruppe wünschte sich nähere Informationen

zu der Reise, die Frau Rusch

im Frühjahr 2006 begleiten wird.

Liebe Bambusfreunde,

Leider zu spät

Wir begrüßen unsere neuen Mitglieder

Rudi Langer, Oldenburger Straße 39, 10551 Berlin

Stefan Lieken, Mittenfelderweg 12, 26935 Rodenkirchen

Dirk Blanik, Forststraße 31, 46244 Bottrop

Jutta Hemskerk, Essenberger Straße 80a, 47443 Moers

Andrea Walkenhaus, Nachtigallenweg 38, 50169 Kerpen

Reiner Schmitz, Peter-Warnecke-Weg 64, 51061 Köln

Claus Wenzel, Bahlinger Straße 16, 68239 Mannheim

Gernot Braunschmied, Seestraße 81, A-7141 Podersdorf am See

Bettina Stein, 25 Rue de la Concorde, F-31000 Toulouse

Danke!

Wir bedanken uns ganz herzlich bei Frau Ilse Rauch

für eine Spende von 20 Euro.

einmal nach. Und wenn Sie das Glück gehabt

haben sollten, an einer interessanten

Veranstaltung teilzunehmen, sind wir für

einen kurzen Bericht mit Bildern sehr

dankbar. Er muss ja nicht mit dem Bambusgriffel

geschrieben sein, ein Blatt Papier,

eine Mail oder ein Datenträger sind

uns herzlich willkommen. Redaktionsschluss

ist jeweils 6 Wochen vor Quartalsende.

Die Reise wird in Zusammenarbeit mit dem

Reisedienst Wunderlich organisiert. Dort

erhalten Sie weitere Auskünfte und können

sich anmelden.

Kontakt:

Reisedienst Wunderlich GmbH

Oldesloer Straße 17

23795 Gladebrügge

info@rdw-reisen.de

Telefon 0 45 51 / 96 09 10

denken Sie schon jetzt an Weihnachten und suchen für Pflanzenfreunde ein passendes Geschenk?

Verschenken Sie eine Jahresmitgliedschaft in der EBS zu 35 Euro

oder 4 Bambus Journale (ältere Exemplare) zu 20 Euro.

Jeder Pflanzenfreund wird sich darüber freuen.

Ich wünsche Ihnen noch schöne Herbsttage.

Ihre Geschäftsstelle

Edeltraud Weber

Unbekannt verzogen:

Peter von der Born, Auf dem Lockhorn 19, 27211 Boßum

Lars Hoffmann, Großhamberg 14, 51399 Burscheid

Gisela Kottwitz, Lotzestraße 9, 37083 Göttingen

Redaktionsschluss

für Ausgabe 4 / 2005

ist am

10. November 2005

23


Bambus-Informationszentrum

Bambuspflanzen für Heim und Garten

Direktverkauf und Versand

liste

ken

Phyllostachys aureosulcata 'Spectabilis' mit Indocalamus tesselatus (große Blätter)

und Pleioblastus pygmaeus (als Bodendecker).

Bambus- und Granitartikel

Ramhorster Straße 2 · 31275 Lehrte-Steinwedel · Telefon 0 51 36 / 57 42 · Telefax 87 37 81

www.bambus-info.de · service@bambus-info.de

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