Kardinal Joachim Meisner

sommer.zeitung.de

Kardinal Joachim Meisner

75 Jahre

Kardinal Joachim Meisner

SONDERAUSGABE ZUM GEBURTSTAG


Zu Hause in der Kirche

Robert Zollitsch

S. 4

Ein Mann, der weiß,

für wen er geht

Jürgen Rüttgers

S. 6

Das „C“ als

Verpflichtung

und Maßstab

Metropolit Augoustinos

S. 8

Durch die Taufe

als Christen

verbunden

Nikolaus Schneider

S. 9

Weil die Hoffnung

unerschütterlich ist

Wilhelm Schraml

S. 11

2

75 Jahre Kardinal Joachim Meisner

Liebe Leserinnen und Leser,

sehr verehrter Herr Kardinal Meisner,

schon vor Monaten hat die Redaktion begonnen, die ersten Vorbereitungen

für ein Geschenk zum 75. Geburtstag unseres Erzbischofs

zu treffen. Dass wir eine Sonderausgabe der Kirchenzeitung

zusammenstellen wollten, war schnell klar. Dass wir dabei

auf die Hilfe von Vielen angewiesen sein würden, war ebenso

schnell klar, und dass das Ganze mit viel zusätzlicher Arbeit verbunden

war, wissen wir heute. Aber es war eine Arbeit, die sehr

viel Freude gemacht hat.

Wir bedanken uns an dieser Stelle bei allen Autoren, an erster

Stelle natürlich bei unserem Heiligen Vater, Papst Benedikt XVI.,

dessen Würdigung unseres Erzbischofs wir hier abdrucken dürfen.

Es war nicht so ganz einfach, alle Geburtstagsgrüße rechtzeitig

zu bekommen. Aber am vergangenen Samstag konnte die Redaktion

aufatmen: Alle Texte waren da, die vielen Fotos zusammengesucht

und wir konnten diese Sonderausgabe - unser Geburtstagsgeschenk

für Sie, sehr geehrter Herr Kardinal - produzieren.

Dass es schon ein paar Tage vor dem 25. Dezember vorliegt, soll

die Freude auf diesen Tag ein bisschen vergrößern.

Inhaltsverzeichnis

Hirte zwischen

zwei Welten

Friedhelm Hofmann

S. 12

„. . . wo man zu

schweben aufhört“

Norbert Trelle

S. 13

Joachim, Nepomuk

und die Geduld

Norbert Feldhoff

S. 15

Des Heiligen

Apostolischen Stuhles

geborener Legat

Dominik Schwaderlapp

S. 17

Offen, um

weiterzugeben

Thomas Nickel

S. 18

Wir bedanken uns sehr herzlich auch bei allen, die es mit ihren

Anzeigen erst möglich gemacht haben, dass diese Sonderausgabe

allen Abonnenten zusätzlich zur letzten Ausgabe des Jahres 2008

kostenlos zugestellt werden kann.

Wir würden uns sehr freuen, wenn diese Sonderausgabe der

Kölner Kirchenzeitung zum 25. Dezember 2008 von Ihnen allen

mit Interesse und Vergnügen gelesen würde.

Gottes Segen allen Leserinnen und Lesern.

Ihr

Robert Boecker

stellvertretender Chefredakteur

„Du kannst trotz allem

sogar noch ein Heiliger

werden“

Interview mit Kardinal Meisner

S. 20

Glückwünsche I

Aus dem Erzbistum

S. 24

Einmal sehen ist

besser als zehnmal lesen

Erich Läufer

S. 26

Glückwünsche

der Kleinen

Kindergartenkinder basteln

zum Geburtstag

S. 30

Vom Rhein bis

zum Jordan

Erich Läufer

S. 34

Glückwünsche II

Aus dem Erzbistum

S. 36

20 Jahre Erzbischof

von Köln

Zwei Jahrzehnte in Bildern

S. 38

Kolumba und der

Kardinal

Stefan Kraus

S. 42

Anstelle von Geschenken

Spenden für die „Casa Angela“

S. 45

Impressum

S. 45

Lebenslauf

S. 47

Titelbild: Boecker

Rückseite: Repros Boecker

Kirchenzeitung Köln ● Sonderausgabe zum 25. 12.2008


Eminenz! Lieber Mitbruder!

Wenn ich daran denke, wie lebendig und dynamisch Du im Leben

der Kirche und der Welt von heute stehst, dann fällt mir schwer

zu glauben, dass Du an diesem Weihnachtsfest Deinen 75. Geburtstag

begehst. Aber die innere und die äußere Zeit, das innere

und das äußere Alter eines Menschen sind nun einmal zwei verschiedene

Größen.

Dabei hast Du wahrhaft nicht in einem windstillen Winkel der

Geschichte leben können, sondern bist von frühester Jugend an

und all die Jahre Deines Lebens hindurch in eine Zeit voller Drangsal

und Mühen hineingeworfen worden. Da stehen am Anfang die

Jahre der Nazi-Diktatur, der Krieg, der Verlust der Heimat und das

Einleben-Müssen in einer fremden Welt. Fremd und neu war sie

für Dich zunächst als Diaspora, in der die Katholiken eine kleine

Minderheit bildeten, fremd aber vor allem auch, weil sie von einer

atheistischen Diktatur beherrscht wurde, deren Absicht es war, den

christlichen Glauben in der Welt zum Verschwinden zu bringen -

den Glauben, der Deine wirkliche Heimat war und der nun keine

Zukunft mehr haben sollte.

Du hast mir erzählt, dass Du in dieser Zeit die Bilder der Kardinäle

Mindszenty und Stepinac über Deinem Bett befestigt hast,

weil Du einer wie sie werden wolltest. Das war nicht einfach Lust

zum Widerspruch, wie sie jungen Menschen zu eigen ist. Es war

Ausdruck einer tiefen und freudigen Verwurzelung im Glauben als

der innersten Heimat Deiner ganzen Existenz. Es war Ausdruck

dafür, dass Du im Glauben das wahre Leben gefunden hast, wie es

der Herr sagt: „Ich lebe und auch ihr werdet leben“ (Joh 14,19). Im

Widerspruch gegen das Pseudo-Leben der Machthaber, die aus der

Lüge lebten und gegen das Pseudo-Leben der Mitläufer, die sich

der Lüge unterwarfen, hast Du das wirkliche Leben entdeckt, das

auch des Leidens wert ist; das den Mut gibt, sich der Macht zu widersetzen,

wenn sie gegen die Wahrheit und gegen das Gute steht.

So hast Du Dir gegen viele Widerstände den Weg zum Priestertum

freigekämpft und aus innerster Zustimmung ja sagen können, als

der Herr Dich rief.

Es war für Dich ein Geschenk, dass Du am Anfang Deiner

priesterlichen Wege in Bischof Aufderbeck einen guten Hirten im

Geist Jesu Christi begegnen

und von ihm lernen durftest.

Schon 1975 bist Du ins Bischofsamt

berufen worden;

fünf Jahre danach wurdest Du

als Nachfolger von Kardinal

Bengsch zum Bischof von Berlin

ernannt und hattest nun für

die ganze katholische Kirche

im damaligen sozialistischen

Deutschland einzustehen. Du

kanntest keine Anbiederungen,

keine falschen Kompromisse;

von Deinem eigenen Glaubensweg

her konntest Du den

Menschen helfen, zu Christus

in seiner Kirche zu stehen und

im Glauben die wirkliche Hoffnung

des Menschen zu finden,

auch wenn die äußeren Umstände

diesen Glauben endgültig

in die Vergangenheit abzudrängen

schienen.

Dann kam der Ruf nach Köln.

Papst Johannes Paul II. war mit

seinem visionären Blick für das

Kommende davon überzeugt,

dass nun gerade ein Bischof aus

75 Jahre Kardinal Joachim Meisner

dem Osten ins westliche

Deutschland gehen

müsse, so wie er

selbst von Krakau

nach Rom gerufen

worden war. Er war

überzeugt, dass die

Türen zwischen beiden

Welten sich öffnen

mussten und dass

es der Glaube war, der

allein sie wirklich öffnen

konnte. Über die

Vorgänge bei der

Wahl und danach

wollen wir hier nicht

sprechen. Ich habe

Dich bewundert, wie Du in den Anfechtungen jener Tage fest geblieben

bist und nichts anderes tun wolltest, als dem Willen des

Herrn und ganz praktisch dem Ruf des Heiligen Vaters Folge zu

leisten. So waren die Anfänge in Köln nicht leicht. Aber weil Du

nie für Dich selbst, sondern stets aus der Demut des Glaubens, aus

der Liebe zu Christus gehandelt hast, darum haben immer mehr

Menschen begriffen, dass Du wirklich der Hirte warst und bist, wie

wir ihn in dieser Zeit brauchen.

Den Vorbildern Deiner Kindheit treu, scheust Du Dich nicht zu

widersprechen, wenn widersprochen werden muss, ohne auf Parteien

oder auf taktische Vorteile Rücksicht zu nehmen. Du bist einfach

Zeuge des Glaubens. Das bringt Dir immer wieder schmerzliche

Angriffe ein, aber doch auch den Respekt vor Deiner Furchtlosigkeit

und vor Deiner Demut, mit der Du die unvermeidlichen

Schläge erträgst. Vor allem aber bist Du ein Hirte, der den Menschen

nachgeht, ihre Sprache spricht, ihr Leben teilt und so glauben

hilft.

Nun darfst Du in aller Mühsal auch die Früchte sehen, die aus

solchem Wirken wachsen: dass es wieder mehr Bereitschaft gibt,

den Ruf des Herrn zum Priestertum

anzunehmen; dass Menschen

das Sakrament der Buße

entdecken und die innere Befreiung,

die es schenkt; dass

Anbetung viele ins Mitsein mit

Gott hineinführt; dass junge

Menschen den Weg Jesu

Christi suchen und ihm folgen

möchten. Der Weltjugendtag in

Köln steht nicht nur mir, sondern

Menschen aller Kontinente

als Lichtzeichen Gottes

im Gedächtnis. Dich selber hat

der Glaube jung gehalten, und

das wünsche ich Dir an diesem

Tag: dass die Freude Gottes

auch weiterhin Dein Leben bestimmt

und dass Du auch weiterhin

vielen ein Wegweiser

zum wahren Leben sein darfst.

Kirchenzeitung Köln ● Sonderausgabe zum 25. 12. 2008 3


ieber Kardinal Joachim,

Lallein ein Blick zurück in die

Geschichte unseres Landes und

ihrer Menschen macht überdeutlich,

was Deine Generation

zu tragen und ertragen hatte. Politische

und gesellschaftliche

Machtphantasien führten in die

Katastrophe. Der Wahn des

Menschen, sich selbst zu entwerfen

und eine Welt jenseits der

Verantwortung vor Gott zu gestalten,

zerbrach an sich selbst.

Nicht wenige - darunter viele

Christen - wurden in der Gesellschaft

benachteiligt und der inneren

und äußeren Freiheit beraubt.

Verheerende Bedrängnisse

durch den Zweiten Weltkrieg

und die überaus schwierigen

Nachkriegszeiten haben auch

Deine Familie nicht verschont.

Aus der vertrauten Heimat

musstet Ihr Euch auf den Weg

machen in eine unbekannte Zukunft,

um dann noch einmal zu

erleben, dass die kleinen Freiheitsräume

nicht selbstverständlich

sind und im alltäglichen Leben

hart errungen werden mussten.

Es war aber sicher auch die

Zeit, in der Deine Familie gewiss

war, zu Hause sind wir dort, wo

wir miteinander in einem stabilen

Vertrauen leben dürfen. Das

war die Familie und das war für

Dich immer prägender auch die

katholische Kirche. In ihr fand

der Schüler und Student Joachim

die notwendige Orientierung, im

Unterwegs-Sein des Lebens die

ruhige Gewissheit entwickeln zu

können: „An Gottes Segen ist

alles gelegen“, wie Du es oft am

Ende froher Ereignisse im Hohen

Dom zu Köln den Menschen

zurufst. Diese Dir so wertvolle

Überzeugung ist - so dürfen wir

wohl vermuten - der Grund Deiner

Standhaftigkeit, mit der Du

für die Anliegen der Menschen

und der Kirche in der Öffentlichkeit

eintrittst. Wer sich auf seine

Lebensreise begibt und sie als

Pilgerschaft begreifen lernt,

weiß darum, dass die letztlich

bergende Heimat im Himmel ist.

So verstanden, vermögen wir, in

diesem Wissen auch die Sehnsucht

danach als eine lebensspendende

Gabe mitzunehmen.

Es ist Nahrung, die sich nicht

4

75 Jahre Kardinal Joachim Meisner

Zu Hause in der Kirche

Von Erzbischof Robert Zollitsch

aufzehrt. An Gottes Segen ist alles

- auch unseres Lebens Pilgerschaft

- gelegen. Die immer wiederkehrende

Erinnerung an dieses

Wort zeichnet besonders

auch Deinen bischöflichen

Dienst aus.

„Unterwegs sein“ - drängt sich

als deutendes Wort zum Ver-

ständnis Deines Lebens und

Deines bischöflichen Dienstes

auf. Ähnlich dem Schicksal der

Familie beginnt mit dem geistlichen

Beruf eines katholischen

Priesters und der Berufung zum

bischöflichen Dienst wiederum

ein mehrfacher Ortswechsel.

Weihbischof in Erfurt, Bischof

des noch geteilten Erzbistums

Berlin. Kurz vor dem aufwühlenden

Prozess der Deutschen

Einheit kam dann der Auftrag,

dem Erzbistum Köln als Bischof

zu dienen. Unschwer ist zu vermuten,

dass dies auch von einem

Bischof nur bewältigt werden

kann, wenn er weiß und spürt, wo

er letztlich zu Hause ist - in der

Kirche. In ihr finden wir dem Leben

Wahrheit und Ziel gebende

Worte der Heiligen Schrift, die

Solidarität zu den Menschen, die

in der Karitas Christi ihre Quelle

hat, und die wirksame Nähe des

Herrn im Sakrament. Bischöflicher

Dienst wird sich immer von

diesen Aufgaben her gründen.

Damit sind aber die Umstände,

unter denen ein Bischof seinen

Dienst tut, noch nicht beschrieben.

Als Christen wissen wir unser

Leben - den Lauf der Dinge -

nicht als schicksalshafte Unausweichlichkeit

zu deuten, sondern

vertrauen darauf, dass uns ein

zum Guten führender Wille

Gottes leitet. Unbezweifelbar

gibt es Wegstrecken unseres Lebens,

in denen das Dunkel undurchschaubar

ist. Zu besonderen

Anlässen, wie diesem 75.

Erzbischof Robert Zollitsch (links) zu Gast im Kölner Maternushaus.

(Foto: Boecker)

Geburtstag und dem 20-jährigen

Jubiläum, aber wird es einem geschenkt

zu verstehen, wie Gott

lenkend und begleitend dem Leben

eine Richtung gibt, dessen

Ziel ER selbst ist.

Die Berufung zum Bischof des

Bistums Berlin forderte eine

stete Beharrlichkeit, die Einheit

des Bistums unter politisch sehr

schwierigen Umständen zu erhalten.

Die Erfahrung, dass Spitzel

alles überwachen, was im

persönlichen und kirchlichen

Leben vermeintlich für den Staat

schädigend sein könnte, ist eine

besondere Herausforderung gewesen.

Wie und wem kann man

vertrauen? In solchen Situationen

das Wort des Evangeliums

offen und stark zu sagen, das

verlangt Mut, den man wohl nur

erlangt, wenn man sich auch der

einmal versprochenen Treue zur

Sendung der Kirche verpflichtet

weiß. Sich selbst treu bleiben

kann man wohl nur in der Gewissheit,

dass allein Gottes Segen

alles ermöglicht, was dem

Leben der Menschen dient. Die

Erfahrung der Kirche in politisch,

gesellschaftlich und ökonomisch

sehr schwierigen Situa-

tionen zeigt, wie stark die Kirche

jeden einzelnen Gläubigen herausfordert

und befähigt, sich

auf den Kern der Botschaft des

Evangeliums zu beziehen:

Grund und Schlussstein der Kirche

und jeden einzelnen Lebens

ist Christus selbst. Wenn Bedrängnis

und Armut dem Leben

zusetzen, dann schält sich unweigerlich

die Frage heraus,

worauf wir selbst und die Kirche

verlässlich bauen können. Gerade

die Zeit als Weihbischof in

Erfurt und Bischof von Berlin

hat Dich tief verbunden mit den

verfolgten Kirchen in Osteuropa.

Heimliche Priesterweihen

und Begegnungen mit vielen,

die im Untergrund ihren Glauben

leben mussten, haben in

Deiner Verkündigung tiefe Spuren

hinterlassen. Diese Erfahrungen

bergen eine eigene Einsicht

und Kraft: Auch im

Schmerz bricht die Hoffnung

nicht! Wollte man daran zweifeln,

so stärkt das Zeugnis Vieler

aus diesen Zeiten, von denen wir

nur einige Namen kennen. Du

selbst bist Zeuge dafür und Dein

Jubiläum gibt Anlass, an diese

Glaubenszeugen zu erinnern.

Der Tod des hoch verehrten

Erzbischofs von Köln - Kardinal

Joseph Höffner - führte Dich

nach Köln, einem der größten

und sicher bedeutendsten Bistümer

weltweit. Dieses Erzbistum

weiß sich in eine starke Tradition

gestellt. Deine beiden unmittelbaren

Vorgänger als Erzbischöfe

waren die bis heute unvergessenen

Kardinäle Joseph Frings und

Joseph Höffner. Als Erzbischöfe

von Köln prägten sie auf je eigene

Weise auch ihr Bistum. Es war

Kardinal Frings, der entscheidende

Weichenstellungen auf

dem II. Vatikanischen Konzil mit

einzuleiten half. Dass der junge

Professor Joseph Ratzinger als

theologischer Berater dem Kardinal

zur Seite stand, ist im Blick

auf den heutigen Papst ein für das

Erzbistum Köln außergewöhnliches

Zeichen.

Es war Kardinal Höffner, der

als unbestrittener Fachmann aus

dem Bereich der kirchlichen Sozialethik

die gesellschaftliche

Stimme der Kirche entscheidend

Kirchenzeitung Köln ● Sonderausgabe zum 25. 12. 2008


stärkte und hörbar machte. Er

war deutlich Anwalt, wenn es um

die Fragen von Menschenrecht

und Menschenwürde ging. War

es das Hilfswerk MISEREOR,

das gewissermaßen im Schoß des

Erzbistums unter dem Wirken

von Kardinal Frings das Licht der

Welt erblickte, so waren es die

vielfältigen Kontakte und Aufträge,

die Kardinal Höffner in der

Weltkirche übernahm, die dem

Erzbistum Köln eine besondere

weltkirchliche Aufmerksamkeit

schenkten. Was also lag näher,

als einen Bischof nach Köln zu

berufen, der ebenfalls weltkirchliche

Erfahrung mitbrachte und

dies vor allem aus den Ländern

Osteuropas!

Das Pontifikat Papst Johannes

Pauls II. ist ein Pontifikat gewesen,

das nicht zuletzt durch die

Pastoralreisen des Papstes die

katholische Kirche als Weltkirche

kennzeichnete. Mit seinen

Reisen rückten die Nöte und

Hoffnungen der Kirche in anderen

Erdteilen ganz nah an die eigenen

Erfahrungen heran. Sein

prophetisches Wort am Beginn

des Pontifikates: Habt keine

Furcht, keine Angst - öffnet

Christus die Türen des Lebens

wurden zu einer unüberhörbaren

Grundmelodie in der Kirche. In

diese Zeit hineingestellt, tratest

Du Deinen bischöflichen Dienst

im Erzbistum Köln an.

Als Erzbischof von Köln und

Kardinal der Weltkirche wurde in

Deiner Person auch das Erzbistum

einmal mehr in die gesamtkirchliche

Verantwortung hineingestellt

- diesmal mit Deinem

von den Erfahrungen der

Kirche in Osteuropa geprägten

Wissen. Es war rückblickend

wohl eine besondere Fügung des

Heiligen Geistes, als Du mit einer

kleinen Gruppe Jugendlicher

1984 zum ersten Weltjugendtag

nach Rom fahren konntest. Der

pastorale Impuls des Papstes, einen

Weltjugendtag durchzuführen,

war zutiefst von der Grundüberzeugung

getragen, dass die

Menschen einer sich immer globaler

organisierenden Welt entgegengingen.

Die jungen Menschen

von heute werden als Erwachsene

diese Welt morgen

mitgestalten. Der Glaube an Gott

und die Botschaft des Evangeliums

vom auferstandenen Christus

vermögen dieser Welt in ihren

Veränderungen Richtung und

75 Jahre Kardinal Joachim Meisner

Halt zu geben. Der pastorale Impuls

des Papstes wurde bei uns

zunächst zögerlich und gelegentlich

auch ablehnend aufgenommen.

In dieser Zeit hast Du konsequent

geholfen, dem Weltjugendtag

die notwendige Beachtung

zu geben und als wichtige

pastorale Initiative Anerkennung

zu verleihen. Der Weltjugendtag

in Köln, an dem der neu gewählte

Papst Benedikt teilnahm, war in

gewisser Weise der Dank für

Deine jahrelang durchgehaltene

Treue. Es war ergreifend zu erleben,

wie der ehemalige Professor

Joseph Ratzinger und jetzige

Papst Benedikt den jungen Menschen

aus der ganzen Welt begegnete.

Du hast mit dafür gesorgt,

dass junge Menschen aus

Besondere Anlässe in unserem

Leben laden dazu ein,

Rückschau zu halten, und sie

geben uns auch die Kraft, an

solchen Tagen das Leben

noch einmal anzunehmen, so

wie es geworden ist.

Osteuropa zum Weltjugendtag

kommen konnten. Es hätte sonst

dem Weltjugendtag Endscheidendes

gefehlt - die Erfahrungen

einer Kirche in schwierigen gesellschaftlichen

und ökonomischen

Bedingungen. Gerade

Deine eigenen Erfahrungen zeigen,

dass diese Ortskirchen nicht

nur materiell Empfangende, sondern

vor allem auch spirituell

Schenkende sind.

Ein Blick in Dein Leben als Bischof

wird auch die Mitarbeit in

der Deutschen Bischofskonferenz

aufzeigen. Es ist wohl kein

Zufall, dass Du die Leitung der

Liturgie-Kommission der Deutschen

Bischofskonferenz übernommen

hast. Es kann dies ein

weiterer Hinweis sein auf die

schon erwähnten Erfahrungen

des „Unterwegs-Seins“, welche

Dein Leben prägten. In der Kirche

zu Hause sein, findet in der

Feier der Liturgie einen bleibenden

und dem geistlichen Leben

Halt gebenden Ausdruck. Die

würdige und regelmäßige Feier

der heilige Eucharistie wird in

den kommenden Jahren in ihrer

Bedeutung für den inneren Halt

der Kirche immer deutlicher

werden. Wir verändern die pastoralen

Strukturen, wir suchen

nach angemessenen Wegen, der

Kirche in unserem Land ein authentisches

katholisches Gesicht

zu geben. Immer häufiger werden

wir darauf aufmerksam, dass die

gläubige Feier der Eucharistie in

diesen Veränderungen Grund

und Ziel des Dienstes der Kirche

sicherzustellen vermag. Es muss

uns in den pastoralen Veränderungen

um „mehr als Strukturen“

gehen - wie wir es bei unserem

Studientag in der Bischofskonferenz

gesagt haben.

Unübersehbar ist auch Dein

besonderes Engagement für das

bischöfliche Hilfswerk Renovabis,

mit dem sich die Kirche in

Deutschland den osteuropäischen

Ländern angesichts ihrer

besonderen Not und der pastoralen

Herausforderungen helfend

an die Seite stellt. Häufig bist Du

vor Ort und wirst dort als Brückenbauer

zwischen Ost und

West willkommen geheißen. In

diesem Zusammenhang wirken

Deine eigene Lebensgeschichte

und Dein bischöflicher Dienst in

Ost und West nachhaltig zur Fertigstellung

einer Brücke des Vertrauens

zwischen den verschiedenen

Ortskirchen Europas.

Der Unantastbarkeit menschlichen

Lebens verleihst Du deutlich

Nachdruck. Den Wert des

Lebens - hier bei uns oft angegriffen

- vom Augenblick der Zeugung

bis zum letzten Atemzug eines

Menschen zu schützen, wirst

Du nicht müde, anzumahnen. Es

gehört wohl über die Glaubensüberzeugung

hinaus zu Deinen so

unterschiedlichen Lebensabschnitten

und ihren damit verbundenen

Erfahrungen, dass es

hier keine Kompromisse geben

kann, denn allein an Gottes Segen

ist alles gelegen. Dies weiß, wer

in der Kirche zu Hause ist.

Herzlich gratuliere ich Dir zu

Deinem 75. Lebensjahr und zum

zwanzigjährigen Jubiläum als

Erzbischof von Köln!

In brüderlicher Verbundenheit

Dein Dr. Robert Zollitsch

Der Autor ist Erzbischof

von Freiburg und seit dem

18. Februar 2008 Vorsitzender

der Deutschen Bischofskonferenz.

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Kirchenzeitung Köln ● Sonderausgabe zum 25. 12. 2008 5


6

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s muss vor etwa zehn Jahren

Egewesen sein. Eine feierliche

Messe. Ganz sicher in Köln,

ich meine sogar im Dom. Ganz

genau kann ich das nicht mehr

sagen. Woran ich mich aber

erinnere, ist eine kleine Geschichte.

Vorgetragen zu Beginn

der Predigt. Es war eine

Geschichte aus einer Zeit, als

die Nachtwächter noch im

Auftrag vermögender Herren

durch die Straßen zogen. Es war

die Geschichte von Rabbi

Naftali.

Als der einmal abends durch

die Straßen zog, soll er auf einen

solchen Nachtwächter getroffen

sein, wollte von ihm

wissen, wer dessen Dienstherr

sei. „Für wen gehst Du?“ fragte

er ihn. Der Nachtwächter antwortete.

Als er dann aber dieselbe

Frage an Rabbi Naftali

stellte, geriet dieser ins Grübeln.

Mich fasziniert diese Geschichte

bis heute. Und ich gebe

zu: Auch der Erzähler machte

damals Eindruck auf mich. Hier

sprach einer, der wohl nicht

lange zögern muss, wenn er gefragt

wird, für wen er geht. Vor

allem sprach hier offenbar jemand,

der gar nicht erst wartet,

bis er gefragt wird. Der, der hier

sprach, der bekennt auch ungefragt,

für wen er geht.

Deutliches Bekenntnis

Bis heute erlebe ich auch Kardinal

Joachim Meisner genau

so. Als jemanden, der sich bekennt.

Ungefragt. Unbequem

auch - vor allem dann, wenn er

sich mit deutlichen, von einigen

vielleicht auch als zu deutlich

empfundenen Worten als jemand

ausweist, der im Auftrag

unterwegs ist. Vor allem aber

erlebe ich ihn als jemanden, der

zum Grübeln veranlasst. Weit

über den Raum hinaus, in dem

er gerade spricht. Kardinal Joachim

Meisner bringt die Menschen

zum Nachdenken darüber,

für wen sie eigentlich gehen.

75 Jahre Kardinal Joachim Meisner

Ein Mann, der weiß,

für wen er geht

Von Ministerpräsident Jürgen Rüttgers

Es wäre unredlich, zu behaupten,

dass ich die Klarheit

und Schärfe, mit der er das tut,

mitunter nicht auch als hart

empfinde. Zu kompromisslos

manchmal auch. Dass ich mir

das eine oder andere leiser

wünschte, verbindender. Das

gilt auch für seinen Vorwurf

über das vermeintliche

Schwinden des Christlichen

selbst im christlichen Teil der

Gesellschaft.

Richtige Grundsätze

Der Grundsatz, von dem er sich

in seiner Kritik leiten lässt, ist

dabei richtig: Wer sich in Kirche

und Gesellschaft zum

christlichen Menschenbild bekennt,

der muss sich auch daran

messen lassen. Und das Maß

bestimmt nicht der Gemessene.

Bei alledem ist Kardinal Joachim

Meisner kein streitlustiger

Bischof. Aber er ist streitbar.

Und letztlich reagiert er

auch nur auf die, die unsere Zeit

so groß macht: Die „Gaukler,

Dilettanten, die leichtfüßigen

Intellektuellen“, wie Arnold

Gehlen einmal schrieb. Die,

die „sich vordrängen, wenn der

Wind allgemeiner Hanswursterei

sich erhebt“ und die dazu

beitragen - bewusst und gewollt

-, dass sich die Institutionen

auflösen und dass alles

möglich wird. Ich habe es stets

als bewundernswert empfunden,

wie Kardinal Joachim

Meisner sich gegen diese Entwicklung

und ihre Protagonisten

auflehnt.

Beeindruckend

Und noch beeindruckender ist,

wie er mit jener Kritik umgeht,

die sich fast schon reflexartig

erhebt, wenn er sich äußert. Da

war manches harte, auch zu

harte Wort dabei. Aushalten

kann das nur, wer genau weiß,

für wen er geht.

Es gibt ein Zweites, an das ich

bei Kardinal Joachim Meisner

denke. Anlass ist wieder eine

Predigt. Dieses Mal wurde über

ihn gesprochen. Über seine Jugendzeit.

Sein Aufwachsen in

der Diktatur. In einer Gesellschaft,

die von Gott nichts wissen

wollte und letztlich auch

nichts von denen, die an Gott

glauben. Mich hat das beeindruckt.

Der Mut. Die Zuversicht.

Vor allem aber das Gottvertrauen,

das ein Mensch haben

muss, um sich unter den

Bedingungen des SED-Regimes

für einen solchen Weg zu

entscheiden. Gleichzeitig bin

ich damals nachdenklich geworden:

Denn wie oberflächlich

und schnell blenden wir die

Schattenseiten jener Parteidiktatur

mit Stasi, Schießbefehl

und Sozialismus zugunsten von

Ampelmännchen und Frauenerwerbsquote

aus.

Dankbar für Erfahrungen

Und damit nicht genug: Einige

bis weit in die Mitte unserer Gesellschaft

ragende Kreise wollen

weite Teile dieses Systems

sogar wieder salonfähig machen.

Dass auf deutschem Boden

vierzig Jahre lang ein Staat

existierte, der nicht einmal ein

stilles Bekenntnis zu dulden

gewillt war - darüber spricht

kaum jemand. Und das will offenbar

immer noch kaum jemand

hören. Ich bin deshalb

dankbar, dass Kardinal Joachim

Meisner seine Erfahrungen

aus jenen Tagen immer

wieder mit uns teilt. Ich bin

dankbar, dass er in einer Zeit

mit großer Scheu vor kleinen

Bekenntnissen und kleinen

Skrupeln vor großer Libertinage

beweist, dass Überzeugung

zu leben möglich ist - und noch

viel mehr: nötig ist.

Ein wenig stolz

Es gibt ein Drittes, das ich mit

Kardinal Joachim Meisner verbinde:

Als „wir“ Papst wurden,

wie die Bild-Zeitung titelte,

Kirchenzeitung Köln ● Sonderausgabe zum 25. 12. 2008


war er einer der ersten, die im

Fernsehen zu Wort kamen. Und

ich war ein wenig stolz: Dass ein

Bischof aus Nordrhein-Westfalen,

der Bischof meines Heimatbistums,

den neuen Papst

gewählt hatte - einen Papst zumal,

der aus Deutschland

kommt. Wenige Monate später

sollte ich dieses Gefühl erneut

haben, als der Weltjugendtag in

Köln stattfand. Mit Papst Benedikt

XVI. als Gastgeber und

Gast. Auch dazu, das wusste ich,

hatte Kardinal Joachim Meisner

das Seine beigetragen.

Menschlich und liberal

Und dass er ebenso entschieden

ein Mann der Ökumene sein

kann, ohne dabei seine katholische

Herkunft und sein katholisches

Wesen zu verbergen oder

an Deutlichkeit zu verwischen,

das bewies er dann wiederum

einige Monate später am selben

Ort im Rahmen des Kirchentages

der Evangelischen Kirche.

Joachim Meisner ist viel tole-

RWE Power

75 Jahre Kardinal Joachim Meisner

Ministerprädent Jürgen Rüttgers und Kardinal Joachim Meisner:

Zwei Männer mit klaren Standpunkten. (Foto: Boecker)

ranter, liberaler sogar, in jedem

Fall menschlich größer, als

Viele glauben. Er ist auch viel

mehr in der Offenheit und Vielfalt

unseres Landes angekommen,

als seine Kritiker ihm das

zubilligen würden. Die Schuhe,

die ihm hingestellt werden, sind

regelmäßig zu klein.

Auf ihn ist Verlass

Ein Viertes schließlich verbinde

ich mit Joachim Meisner -

Wir gratulieren Joachim Kardinal Meisner er

sehr herzlich zum 75. Geburtstag.

und hier darf ich sagen: Dieses

Vierte verbindet uns. Als ich

mich vor wenigen Monaten gegen

einen Paragrafen des Gendiagnostik-Gesetzes

und für

den Schutz des ungeborenen

Lebens ausgesprochen hatte,

schrieb dieser Kardinal mir einen

Brief. Einen sehr persönlichen

Brief. Ich habe mich darüber

gefreut. Weil ich gemerkt

habe, dass wir auf demselben

Fundament gebaut haben. Und

weil ich bewiesen bekam, dass

es Unterschiede geben mag -

aber dass auf ihn unbedingt

Verlass ist, wenn es im Großen

darauf ankommt. Es ist gut zu

wissen, für wen Joachim Meisner

geht.

Jürgen Rüttgers ist seit

2005 Ministerpräsident von

Nordrhein-Westfalen, Landesvorsitzender

und stellvertretenderBundesvorsitzender

der CDU. Er lebt mit seiner

Familie in Pulheim.

Kirchenzeitung Köln ● PO_Spezial_Kardinal Sonderausgabe Meissner_198x140+3_4c.indd zum 25. 12. 2008 1 14.11.2008 14:13:41 7


as „C“ als Verpflichtung

Dund Maßstab - unter diesem

Titel hat Kardinal Joachim

Meisner in der Frankfurter Allgemeinen

Zeitung vom 17. November

2008 einige grundsätzliche

Überlegungen zur Frage

politischer Parteien, die das Attribut

„christlich“ im Namen

und Programm führen, niedergeschrieben.

Ich entlehne diesen Titel für

diese meine Gratulation nicht,

um hier gegen diesen Artikel zu

polemisieren - nein, der Verfasser

spricht mir mit seinen Ausführungen

aus dem Herzen! -,

sondern, um anhand der drei

Begriffe eine kurze Würdigung

unseres Jubilars zu versuchen.

Das „C“ - Am 25. Dezember

vollendet Kardinal Joachim

Meisner sein 75. Lebensjahr.

Man hat bereits viel über diese

kalendarische Koinzidenz mit

dem Fest der Geburt unseres

8

75 Jahre Kardinal Joachim Meisner

Das „C“ als Verpflichtung und Maßstab

Herrn spekuliert, zumal es ja

schon nach einer diesbezüglichen

Tradition der Kölner Erzbischöfe

aussieht. An dieser

Stelle sei deshalb nur an das Geburtsdatum

eines anderen großen

Ökumenikers der Kirche

Jesu Christi erinnert: Der ehemalige

Ökumenische Patriarch

Athenagoras war am 25. März,

dem Tag also, an dem Ost- und

Westkirche die Verkündigung

der Frohen Botschaft an die

Gottesmutter feiern, geboren.

So unterschiedlich auch die Lebenswege

dieser beiden Bischöfe

sein mögen, gemeinsam ist

ihnen eine gelebte Christusnähe

und eine von Herzen kommende

Verehrung für die Muttergottes.

So ist für mich auch der

Name „Joachim“ geradezu

Programm: Am Ende jedes orthodoxen

Gottesdienstes gedenken

wir in der so genannten

Entlassung „der heiligen und

GLÜCKWUNSCH

n DRUCKEREIEN

n VERLAGE

n MEDIEN SERVICES

Wir freuen uns, in den vergangenen Jahren

den erfolgreichen Weg der »Kirchenzeitung«

als Druckunternehmen begleitet zu haben.

Die besten Wünsche zum 75. Geburtstag von

Kardinal Joachim Meisner und herzliche

Gratulation zu 20 Jahre Erzbischof von Köln!

n DRUCKEREIEN

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n MEDIEN SERVICES

IST WEISS

Hans-Georg-Weiss-Straße 7 · 52156 Monschau · Tel. 0 24 72 - 9 82-0

Von Metropolit Augoustinos

Metropolit Augoustinos und Kardinal

Joachim Meisner begegnen sich regelmäßig.

(Foto: Boecker)

gerechten Gottesahnen Joachim

und Anna“. Wir tun dies, weil

wir uns dadurch die Nähe dieser

beiden nicht-biblischen, aber

fest in der Tradition der Alten

Kirche verwurzelten Gestalten

der Urchristenheit zu Christus

und seiner allheiligen Mutter

permanent vor Augen halten.

Verpflichtung - Ob als Bischof

in der ehemaligen DDR

oder als Oberhirte im „heiligen

Köln“, unser Jubilar hat sich

stets in die „heilige Pflicht genommen“

gefühlt - dem Wort

meines Namenspatrons, des

heiligen Augustinus von Hippo,

von der „sancta oboedientia“

getreu. Dies geschah und geschieht

zu einer Zeit, in der gerade

dieser Begriff zunehmend

aus dem Wertekatalog des

Durchschnittsbürgers - und

deshalb auch des Durchschnittschristen!

- verschwindet.

Oft genug hat Kardinal

Meisner dies in seinen Predigten

und Ansprachen beklagt.

Dass man sich dadurch nicht nur

Freunde macht, hat er am eigenen

Leib erfahren.

Maßstab - Im Altgriechischen

heißt der Maßstab „Kanon“.

In diesem Sinn lässt sich

durchaus sagen, der Kardinal ist

ein „kanonischer“ Bischof. Ich

meine damit nicht nur, dass er

rechtmäßig eingesetzt wurde,

sondern dass er das Amt des Bischofs

immer als Maßstab oder

Richtschnur des Glaubens verstanden

hat. Das Hirtenamt hat

eben auch eine pädagogische

Dimension

des Hinführens zum

Glauben, des Bewahrens

im Glauben und

des Vollendens durch

den Glauben.

Ganz in diesem Sinn

dieser Gradlinigkeit

gratuliere ich Kardinal

Meisner zu seinem

doppelten Jubiläum.

Ich tue dies nicht nur in

meiner Eigenschaft als

Metropolit und

Exarch des Ökumenischen

Patriarchen beziehungsweise

als

Vorsitzender der

Kommission der Orthodoxen

Kirche in Deutschland,

in der die über eine Million

orthodoxer Christen hierzulande

zusammengeschlossen sind,

sondern eben auch im Zeichen

einer ganz persönlichen, treuen

und aufrichtigen Bewunderung

für seine Standhaftigkeit und

seinen Mut.

Als orthodoxe Christen sind

wir ihm und der Erzdiözese

Köln für viele und vielfältige

Hilfe dankbar. Ich denke insbesondere

an die zahlreichen -

ehemals römisch-katholischen -

Kirchenbauten, die inzwischen

im Gebrauch der orthodoxen

Kirchengemeinden sind. Stellvertretend

seien hier nur Alt-St.

Heribert in Deutz, St. Joseph in

Neuss-Weckhoven und St. Peter

und Paul in Euskirchen-

Kleinbüllesheim genannt. Nie

hat uns der Kardinal abgewiesen,

wenn wir ihm unsere Sorgen

und Nöte geschildert haben.

Und ich weiß, dass dies auch

weiterhin so sein wird.

Mit den dankbaren Priestern

und Gläubigen unserer Diözesen

rufen wir ihm deshalb zu:

Eis polla etä! Ad multos annos!

Auf viele weitere Jahre!

Metropolit Augoustinos

von Deutschland ist Exarch

des Ökumenischen Patriarchats

und Vorsitzender der

Kommission der Orthodoxen

Kirche in Deutschland.

Kirchenzeitung Köln ● Sonderausgabe zum 25. 12. 2008


eburtstage und Jubiläen

Gsind besondere Tage - vor

allem natürlich „runde“ wie jene,

die Kardinal Joachim Meisner

in diesen Tagen feiert. Diese

Tage ragen heraus wie ein

Lesezeichen aus den Seiten seines

Lebensbuches. Sie sind

Erinnerungszeichen in der Zeit.

Zuallererst erinnern sie uns

daran, dass unsere Zeit nicht in

unseren Händen steht, sondern

in Gottes Händen. Lebens- und

Amtszeit sind kein Verdienst

des eigenen Könnens und

Wollens. So wie wir uns die

Gnade und Barmherzigkeit

Gottes ja nicht kaufen, verdienen

oder erarbeiten können, so

ist auch die Zeit, die Gott uns

zumisst, unverdientes Geschenk.

Das macht dankbar.

Und das Wissen um dieses Geschenk

macht auch frei: Denn

wer um diese Gnade Gottes

weiß, der kann auch darauf hof-

Durch die Taufe als Christen verbunden

Von Präses Nikolaus Schneider

fen, dass unser oft unzureichendes

menschliches Tun und

Lassen unter der Verheißung

von Gottes Gnade und Segen

steht. Der kann darauf vertrauen,

dass Gott Wege mitgeht und

zum Ziel führt, die wir mit unserem

kleinen Horizont gar nicht

überblicken können.

Auf dem Lebensweg Joachim

Meisners hat es gewiss

viele Stellen gegeben, von denen

aus er nicht sehen konnte,

wohin der Weg führen sollte:

die Vertreibung aus der schlesischen

Heimat, die späte Entscheidung

des gelernten Bankkaufmanns

zum Theologiestudium,

der Dienst als Bischof im

atheistischen, real existierenden

Sozialismus der DDR und

schließlich der Wechsel von

Berlin nach Köln. Ich bin sicher,

dass er selbst noch manches

Beispiel anfügen könnte.

Umso wichtiger ist es, ange-

Danke Eminenz!

Gesundheit und Gottes reichen Segen zum Geburtstag.

Ihre haupt- und ehrenamtlichen Malteser

im Erzbistum Köln

www.malteser-koeln.de

75 Jahre Kardinal Joachim Meisner

Mehrmals im Jahr treffen sich Präses Schneider und Kardinal

Meisner zu gemeinsamen Veranstaltungen. (Foto: Boecker)

Der Malteser Hilfsdienst e.V. im Erzbistum Köln versteht sich

als lebendiger Bestandteil der katholischen Kirche im Dienst

am Nächsten. Unsere Heimat ist die katholische Kirche, unser

Wirkungskreis die ganze Welt.

S.Em. Joachim Kardinal Meisner unterstützt die Arbeit der

Malteser in vielfältiger Weise. Als Fürsprecher unserer Arbeit

ist der Erzbischof von Köln ein ganz wichtiger Multiplikator

unseres Malteser-Auftrages, den Glauben zu bewahren und dem

in Not geratenen Nächsten zu dienen. Mit der Übernahme

der Schirmherrschaft über unsere Malteser Migranten Medizin

in Köln hat er diese Nähe zu seinen Maltesern einmal mehr

unterstrichen.

Kirchenzeitung Köln ● Sonderausgabe zum 25. 12. 2008 9


sichts solch unübersichtlicher

Wegstrecken zu wissen, auf

wen man vertrauen kann und

muss.

Der Wahlspruch des Erzbischofs

von Köln zeigt das deutlich:

„Spes nostra firma“ - „Unsere

Hoffnung steht fest“. Und

wer den Kölner Erzbischof

kennt, ihn als bestimmten, eloquenten

und gerne auch höchst

charmanten Vertreter der römisch-katholischen

Kirche erlebt

hat, der hegt keinen Zweifel

daran, dass hier ein im Glauben

starker und hoffnungsvoller

Mann zu Werke geht. Ich

teile seine Hoffnung auf den lebendigen

Gott, der uns Menschen

in seinem Wort immer

wieder - und auch immer wieder

neu und oft überraschend

anders - begegnet.

Ich schätze Kardinal Meisners

Glaubensstärke, auch

wenn seine damit verbundene

Bestimmtheit ihn mitunter

kühler erscheinen lässt, als ich

ihn als seelsorgenden Mitbruder

ganz persönlich erlebt habe.

10

Vinzenz Pallotti Hospital Bergisch Gladbach-Bensberg

Das Vinzenz Pallotti Hospital ist ein modernes,

aktuell im Jahr 2008 erneut für seine

hervorragende Qualität zertifiziertes Krankenhaus.

Hier wirken über 480 Mitarbeiter

und Spezialisten in vier Hauptabteilungen:

Medizinische Klinik mit Innere Medizin,

Gastroenterologie, Haematologie / Onkologie,

Palliativmedizin mit Hospiz, Darmzentrum

Chirurgische Klinik mit Allgemein- und

Viszeralchirurgie, Unfall- und Wiederherstellungschirurgie

und Arthroskopische

Chirurgie und Traumazentrum

Anästhesie- und Intensivmedizin

mit Schmerztherapie

Frauenklinik mit Gynäkologie und

Geburtshilfe

Bildungsinstitut mit Krankenpflege- und

Hebammenschule, Fort- und Weiterbildung

und Elternschule

Verschiedene Ambulanzen sowie diagnostische

und therapeutische Institute sind

angegliedert und ergänzen das Angebot bis

hin zu unserem ambulanten Palliativpflegedienst.

Das Vinzenz Pallotti Hospital ist eine Einrichtung

der St. Vinzenz Pallotti Stiftung

und wird von der Ordensgemeinschaft der

Pallottinerinnen – von ganzem Herzen, mit

ganzer Kraft – unterstützt.

75 Jahre Kardinal Joachim Meisner

Dass ich nicht jede seiner theologischen

Überzeugungen teile,

liegt auf der Hand. Aber ich

weiß mich mit ihm einig im

Glauben an den einen, den lebendigen

Gott, von dessen unverdienter

Gnade und Güte wir

leben.

In Christus sind wir durch die

Taufe als Christen verbunden -

über die Grenzen unserer Konfessionen

hinweg.

Denn darin sind wir uns einig:

„Die Taufe gliedert den

Getauften in den Christusleib,

die Kirche, ein. Darum ist die

Taufe ‚ein grundlegendes Band

der Einheit‘ zwischen allen, die

durch sie wiedergeboren sind.

Als Anfang und Ausgangspunkt

des Christseins ist sie

hingeordnet auf das einmütige

Bekenntnis des Glaubens und

auf die eucharistische Gemeinschaft

im Herrenmahl. Daher ist

unsere eine Taufe in Christus

ein Ruf an die Kirchen, ihre

Trennungen zu überwinden

und ihre Gemeinschaft sichtbar

zu manifestieren.“

So hat es der Jubilar gemeinsam

mit dem damaligen Präses

der Evangelischen Kirche im

Rheinland und den Bischöfen

von Aachen, Essen, Münster

und Trier 1996 in der Vereinbarung

zur gegenseitigen Anerkennung

der Taufe unterschrieben

und besiegelt.

Gemeinsam in versöhnter

Verschiedenheit auf

Christus zugehen

Wenn Kardinal Meisner und

ich jeweils zu Beginn der Passionszeit

und zum Beginn des

Kirchenjahres - also gerade erst

wieder - gemeinsam Gottesdienst

halten, dann ist das ja eine

Lebensgestalt des einigenden

Bandes, das uns zusammenhält.

Und wenn man sich angesichts

eines Geburtstages und

Amtsjubiläums auch vom Jubilar

etwas wünschen dürfte,

dann wäre es sicher dies: gemeinsames,

in Fragen des

Modernste Medizintechnik,

hohe fachliche Kompetenz

und liebevolle Betreuung

Vinzenz Pallotti Hospital Bensberg

Vinzenz-Pallotti-Straße 20-24

51429 Bergisch Gladbach-Bensberg

Telefon 0 22 04 / 41 - 0

Fax 0 22 04 / 41 - 20 15

info@vph-bensberg.de

www.vph-bensberg.de

Glaubens, der Liturgie und der

Ethik mutiges Voranschreiten

in versöhnter Verschiedenheit

auf den zu, der uns als das eine

Haupt der Kirche entgegenkommt:

Christus.

Denn in unseren Tagen spüren

wir ja immer wieder die

Wahrheit in einem Satz des

verstorbenen Präses Peter Beier:

„In Zukunft wird man nicht

fragen, ob wir evangelisch oder

katholisch sind, sondern ob wir

Christen sind und woran man

das erkennt.“

Aber darüber sollen freilich

die Wünsche für den Jubilar

nicht zu kurz kommen: Glaubenshoffnung,

Gesundheit und

Lebensfreude - und die Begleitung

des lebendigen Gottes,

auf den wir vertrauen und der es

ist, der unser Leben trägt und

erhält.

Der Autor ist Präses der

Evangelischen Kirche im

Rheinland.

Kooperation für

Transparenz und

Qualität im

Gesundheitswesen

Darmzentrum

Rheinisch-Bergischer

Kreis

Babyfreundliches

Krankenhaus

Eine Initiative von

WHO und UNICEF

Kirchenzeitung Köln ● Sonderausgabe zum 25. 12. 2008


ich auf die Agora, den Athe-

Sner Markt- und Versammlungsplatz,

stellen, das Wort

ergreifen und die Botschaft Jesu

Christi verkünden, sei es gelegen

oder ungelegen - dieser

Apostel Paulus war konsequent.

Einmal im Tiefsten seines

Herzens angerührt, legt er

ohne Zaudern und Zögern klar

Bekenntnis für Jesus Christus

als den Gekreuzigten ab. Treu,

mutig und zuverlässig für

Christus leben und arbeiten,

auch dafür leiden, das zeichnet

ihn aus. Jesus Christus in den

Mittelpunkt seines Lebens zu

stellen, der heillosen Welt Erlösung

in ihm zuzusprechen, dazu

Kraft zu schöpfen aus der unerschütterlichen

Hoffnung auf

den Auferstandenen, das hat ihn

umgetrieben. Gerade in diesem

„Paulus-Jahr“, das unser Heiliger

Vater Papst Benedikt XVI.

ausgerufen hat, gedenken wir

dieses Apostels und großen

Missionars unserer Kirche in

besonderer Weise.

Kardinal Joachim Meisner

hat am Hochfest der leiblichen

Aufnahme Mariens in den

Himmel im vergangenen Jahr

in Altötting solch konsequente

Nachfolge eingefordert. Bei der

Verleihung der Goldenen Rose

durch den Heiligen Vater für

das Marienheiligtum hat er als

Päpstlicher Legat eindrucksvoll

unterstrichen, dass es wesentlich

darauf ankomme, sich

der eigenen Berufung als Christ

immer bewusst zu sein und den

Menschen den Himmel offen

zu halten. Einem Priester, Erzbischof

und Kardinal, der konsequent

für Christus einsteht,

auch in schwieriger Zeit, dürfen

wir zum 75. Geburtstag gratulieren.

Einem, der keinen Zweifel

lässt an seiner Treue zur Kirche,

zu ihrer Lehre und zum

Nachfolger des heiligen Petrus,

dürfen wir für sein persönliches

Zeugnis ein herzliches Vergelt’s

Gott sagen.

Solches Bekenntnis ist gereift

durch die Erfahrung eines

kommunistisch-atheistischen

Systems in der früheren DDR.

Die Stimme eindeutig erheben,

wenn der Mensch manipuliert

75 Jahre Kardinal Joachim Meisner

Weil die Hoffnung unerschütterlich ist

Von Bischof Wilhelm Schraml

Bischof Schraml und Kardinal Meisner im August 2008 in Altötting.

(Foto: Roswitha Dorfner, Liebfrauenbote)

und in seinem Wesen gefährdet

ist, das wurde geformt in einer

gottlosen und deshalb so unmenschlichen

Gesellschaft. So

ist der Kardinal bis heute ein

entschiedener Mahner, wenn es

etwa um den Schutz des Lebens

geht oder um Fragen von Ehe

und Familie. Er ist ein warnender

Rufer, wenn der Mensch

seiner Würde beraubt zu werden

droht; einer, der Kurs hält

im Chaos der Abkehr von Gott;

einer, für den das Christsein im

konkreten Alltag bis hinein in

das politische Handeln Konsequenzen

haben muss.

Wie für den heiligen Paulus,

der die stürmische See durchfahren

und steinige Landwege

durchziehen musste, hieß es

auch für ihn oft, aufzubrechen

und neue Lebenswege mit großen

Unabwägbarkeiten und

Herausforderungen zu gehen.

Das gelingt letztlich nur, wenn

man durch seine Familie fest

verwurzelt ist im Glauben,

wenn man herzhaft „Ja“ sagt

und sich ganz einlässt in die

Nachfolge Christi, wenn man

lebt aus dem Geheimnis der

heiligen Liturgie der Kirche,

besonders aus der Eucharistie.

So kann man auch in schwieriger

Zeit mit frohem Herzen anderen

Mut machen und sie für

die Sache Jesu Christi begeistern.

„Spes nostra firma“ heißt

es in seinem Wappenspruch.

Unerschütterlich also ist die

Hoffnung von uns Christen, wie

der Apostel Paulus schreibt in

seinem Korintherbrief. Fest

und unerschütterlich ist aufgrund

solcher Hoffnung denn

auch sein Glaube.

Für mich ist Kardinal Joachim

Meisner ein stets aufrechter,

in Freundschaft ver-

bundener Mitbruder, an den

man sich halten kann. So darf

ich aus dem Bistum Passau unserem

verehrten Kardinal einen

herzlichen Gruß entbieten, ihm

Wohlergehen und Gesundheit,

Kraft und Gottes reichen Segen

wünschen ad multos annos.

Weil ich weiß, wie sehr Kardinal

Joachim dem altehrwürdigen

Heiligtum Unserer Lieben

Frau von Altötting von Herzen

verbunden ist, darf ich meinen

Wunsch zusammenfassen in der

Strophe eines Liedes, das

gleichsam das Altöttinger Marienlied

ist: „Segne du, Maria, alle

die mir lieb, deinen Muttersegen

ihnen täglich gib! Deine Mutterhände

breit auf alle aus; segne

alle Herzen, segne jedes Haus!“

Lieber Herr Kardinal Meisner,

das NET-Team und die NET-Kinder

gratulieren Ihnen von Herzen zu

Ihrem 75. Geburtstag.

Vielen Dank für Ihre

langjährige Unterstützung!

www.freunde-von-net.net

Der Autor ist seit 2001 Bischof

von Passau.

Herzensbildung

für Kinder

Kirchenzeitung Köln ● Sonderausgabe zum 25. 12. 2008 11


orträts hat Ernst Günter

PHansing von den drei bisher

letzten Kölner Kardinälen gemalt:

als Bleistiftstudien, Kohlezeichnungen,

mit Pinsel und

Zeichenstift auf die Leinwand.

Porträts offenbaren oft mehr

vom Dargestellten als flüchtig

skizzierte Lebenserinnerungen,

die aus Begegnungen und

persönlichen Eindrücken gespeist

sind und die Zufälligkeit

des Augenblicks in sich tragen.

Hansings großes Ölgemälde

von Papst Johannes Paulus II.,

das er nach dem Papstattentat

aus roten, weißen und schwarzen

Blitzen aufgebaut hat, offenbart

einen Pontifex, der als

Mahner die Kälte gottferner

Verirrung auf die Mitte und das

Ziel menschlichen Lebens zurückführt.

So geschieht es auch mit

Kardinal Meisner. In mehreren

Studien hat der Künstler Kardinal

Joachim Meisner, den er

noch als Bischof von Berlin

kennen gelernt hatte, erfasst:

sein intensives Zuhören, seine

kompromisslosen, markanten,

klaren Antworten.

12

Seelischer Kosmos

Im 1993 entstandenen Bild,

Acryl auf Leinwand (99,8 mal

79,8 cm), das im Katholisch-

Sozialen Institut der Erzdiözese

in Bad Honnef hängt, schaut

uns Kardinal Meisner im Halbprofil

an. Zeige- und Mittelfinger

an die linke Wange gelehnt

zeigen einen nachdenklichen,

zuhörenden Bischof. Während

das ganze Bild den skizzenhaften

Aufbau beibehält, verdichtet

sich das Zentrum der Komposition

im linken Auge, das

den seelischen Kosmos des

Dargestellten freigibt: Das

Empfindsame, Verletzliche,

Nachdenkliche und Beharrliche.

Auch ich konnte Kardinal

Meisner als Bischof von Berlin

kennen lernen. Mit einer

Künstlergruppe waren wir von

Köln aus in den achtziger Jahren

nach Ostberlin gereist - und

fanden einen agilen und streitbaren

Oberhirten vor, der trotz

75 Jahre Kardinal Joachim Meisner

Hirte zwischen zwei Welten

Von Bischof Friedhelm Hofmann

Bespitzelung

und permanenter

Bedrohung das

offene Wort

nicht scheute.

Als er nach

seiner Wahl zum

Kölner Erzbischof

vor 20 Jahren

auf dem

Köln-Bonner

Flughafen landete

- mit kleinemHandgepäck

- ohne die

ihm angedichteten

Kunstwerke

aus dem Osten,

da folgte er dem

Ruf des Heiligen

Vaters in seine

zukünftige rheinische

Heimat.

Nur wenige hatten

sich zur Begrüßungeingefunden.

Doch der

Kardinal ging

entschlossen die

von ihm erwarteten

Aufgaben

an. Wo immer er

persönlich in Erscheinung

tritt,

öffnen sich ihm

die Herzen der

Menschen -

manchmal erstaunt,

da ein

„öffentliches

Meinungsbild“

allzu sehr sein

Image bestimmt.

Als Erzbischof

von Köln hat er nicht nur diözesane

Aufgaben zu erfüllen,

sondern weltweite - eben katholische

- Aufgaben. Wenn er

dies auch mit Freude wahrnimmt,

so bleibt er doch permanent

in Bewegung, unterwegs,

nur im Gebet verankert

und in Gott geortet. Mit Papst

Johannes Paulus II. ebenso verbunden

wie mit unserem Heiligen

Vater Papst Benedikt XVI.,

verkörpert er und wirbt er für

die eine, heilige, katholische

und apostolische Kirche.

Voller Dankbarkeit schaue

ich auf meine Bischofsweihe,

die er im Auftrag des Heiligen

1993 schuf der Künstler Ernst Günter Hansing dieses Porträt des Kardinals

(Acryl auf Leinwand), das im Katholisch-Sozialen Institut (KSI) in Bad Honnef

hängt. (Repro: PA)

Vaters vorgenommen hat und

das Vertrauen, das er mir in all

diesen Jahren - auch in meiner

Würzburger Zeit - entgegengebracht

hat.

Ernst Günter Hansings kräftige

Pinselstriche, die manchmal

wie Hiebe die Bildkomposition

aufbauen, verlieren in

diesem Porträt ihre klirrende

Kälte und schmiegen sich in die

bergenden Rundungen des

Kopfes. Lediglich die kontrastierenden

kardinalsroten Kompositionselemente

bauen eine

Gegenbewegung auf, die dem

Bild Ordnungsstruktur und

Halt geben.

Möge die Feier der Vollendung

seines 75. Lebensjahres

und sein 20-jähriges Kölner

Ortsjubiläum ihm einen Augenblick

des Innehaltens, Ausruhens

und Kraftschöpfens

schenken.

Der Autor

war 12 Jahre

Weihbischof

im Erzbistum

Köln und ist

seit 2004 Bischof

von

Würzburg.

Kirchenzeitung Köln ● Sonderausgabe zum 25. 12. 2008


ndstation Oberbarmen,

EHerr Kardinal, wir sind in

meiner Pfarrei angekommen -

hier hört man auf zu schweben!“

Es war am 19. März 1992.

Kardinal Meisner besuchte die

Stadt Wuppertal, in der ich damals

Pfarrer und Stadtdechant

war. Natürlich gehörte zum Besuchsprogramm

eine Fahrt mit

der Schwebebahn. Wir erreichten

die Endstation in

Oberbarmen und damit das Gebiet

meiner damaligen Pfarrgemeinde

und ich bemerkte

beim Aussteigen beiläufig

„. . . hier hört man auf zu

schweben!“ Er schaute mich

kurz an, um festzustellen: „Das

ist wohl richtig: Seelsorge geschieht

dort, wo man zu schweben

aufhört!“

Ich muss auch heute noch oft

an diese Formulierung denken,

75 Jahre Kardinal Joachim Meisner

„. . . wo man zu schweben aufhört“

Von Bischof Norbert Trelle

Mit sicherer Hand in der Wuppertaler Schwebebahn: Kardinal

Meisner und der damalige Stadtdechant und heutige Bischof von

Hildesheim Norbert Trelle. (Foto: Boecker)

wenn ich den Kardinal erlebe in

der ihm eigenen Dynamik. In

Gesprächen und Diskussionen

S. E. Joachim Kardinal Meisner,

Erzbischof von Köln, wird 75.

Von Herzen wünschen wir Gottes Segen, Gesundheit und

Lebensfreude – und die Zeit, den Rheinischen Merkur zu lesen.

Ihre Verlagsgruppe Rheinischer Merkur

Der

Rheinische Merkur

wurde ausgezeichnet

als „thematisch

DAS JUNGE MAGAZIN

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und Welt am

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M e di a T e no r A w a r d 2 0 0 7

wie in seinen Predigten, in Begegnungen

mit Menschen, die

ihm zustimmen oder wider-

sprechen, in theologischen

Grundsatzdebatten wie in politischen

Auseinandersetzungen.

Er lässt keinen Zweifel daran

aufkommen, dass der christliche

Glaube geerdet werden

muss, dass er jene Bodenhaftung

braucht, die eine „verschwebende“

Undeutlichkeit

oder Realitätsferne ausschließt.

Das Christusmysterium der Inkarnation

Gottes lässt sich nur

im Indikativ aussagen, nicht im

Konjunktiv.

Am Weihnachtsfest geboren,

hat Kardinal Meisner einen besonderen

Grund, sich und andere,

die im Verkündigungsdienst

der Kirche stehen, immer wieder

daran zu erinnern. Gott hat

sich der Erde und dem Menschen

radikal zugewandt. Das

verträgt keine Verharmlosung

und keine Abschwächung.

Kirchenzeitung Köln ● Sonderausgabe zum 25. 12. 2008 13


14

LESER DER KIRCHENZEITUNG

REISEN FÜR DIE

Herzlichen

Glückwunsch!

75 Jahre Joachim Kardinal Meisner!

2762 Jahre Ewige Stadt Rom!

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Fax 0221 - 16 19 216 • E-Mail:

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75 Jahre Kardinal Joachim Meisner

„Und das Wort ist Fleisch geworden“

- das zentrale Wort des

Weihnachtsfestes macht den

Glauben konkret. Es lässt den

Hörer des Wortes zum Täter des

Wortes werden. Es verbindet

den Himmel mit der Erde.

Wohl deshalb hat der Kardinal

in seine Predigten wie ein

Leitmotiv häufig das Wort aus

dem Vater-unser eingefügt:

„Wie im Himmel so auf Erden!“

Jeder weiß, dass gerade

diese Gleichung nicht einfach

und glatt aufgeht. Es braucht

den Einsatz und die Anstrengung

aller Kräfte, die Bereitschaft

zur Auseinandersetzung,

zuweilen auch eine gehörige

Portion Streitlust, um zu verhindern,

dass dem Mensch seine

Würde und die ihm von Gott

her zukommende Bestimmung

genommen wird und die Erde

somit den Geschmack des

Schönen, des Guten, des Wahren,

eben des Himmlischen

verliert: Wie im Himmel so auf

Erden!

Man hat dem Kardinal oft

diese Streitlust vorgehalten -

warum eigentlich? Gehört sie

nicht zu den Konsequenzen, die

uns das Weihnachtsfest letztlich

zutraut und zumutet, damit

dieses zentrale Fest unseres

Glaubens sich nicht in sentimentaler

Verflachung und

Verblödung auflöst? Streitlust

in einem weihnachtlich begründeten

Zusammenhang zielt

auf eine bis zum Äußersten und

Innersten gehende Dialogbereitschaft,

weil Gott selbst in

seiner Menschwerdung diesen

Dialog als Heilsdialog begonnen

hat: Das Wort, der Logos,

ist eingetreten in den Raum

menschlichen Lebens, ist selbst

Mensch geworden.

Im göttlichen Logos geschieht

Heil nicht monologisch,

sondern dialogisch, und nicht

schwebend über den Dingen

und den Menschen, sondern

konkret und wesenhaft in ihnen

und in der Auseinandersetzung

mit ihnen.

Als der Kardinal im Jahre

2003 mit dem Großen Verdienstkreuz

mit Stern und

Schulterband geehrt wurde, hat

der damalige Ministerpräsident

des Landes, Peer Steinbrück,

seine Laudatio mit einem Zitat

versehen, das dem griechischen

Philosophen Xenokrates zuge-

schrieben wird und das der

Kardinal selbst sehr schätzt.

Besagter Xenokrates soll einen

unerträglichen Schmeichler

und Dauerlobhudler heftig angefahren

haben mit den Worten:

„Widersprich mir doch

einmal, damit ich merke, dass

wir zu zweit sind!“

Der Widerspruch kann oft

mehr gefordert sein als der Zuspruch.

Wir brauchen keinen

Dialog der schwebenden und

unverbindlichen Worte, sondern

einen Dialog, der zur Veränderung

und Umkehr drängt,

wo es nötig ist. Diesen Dialog

hat Kardinal Meisner gesucht

und den Widerspruch nicht gescheut,

ja ihn zuweilen provoziert,

„damit wir merken, dass

wir zu zweit sind“, dass wir

nämlich vor Gott und den Menschen

eine soziale Verantwortung

tragen, die zutiefst mit unserem

Glauben verbunden ist.

Darum sein unbeugsames Eintreten

für die Würde und das

Lebensrecht des Menschen in

jeder Phase seines Lebens, für

Ehe und Familie, für Caritas,

für den Schutz des Sonntags,

für eine allen Menschen zukommende

Religionsfreiheit,

um in all dem ein klares und unverfälschtes

Glaubenszeugnis

zu ermöglichen.

Sein oft heftiger, öffentlicher

Widerspruch in gesellschaftlich

diskutierten Grundfragen,

seine Bereitschaft, darüber

konstruktiv zu streiten, belegen

keine krankhafte Lust am Nörgeln,

sondern eine Leidenschaft

für die Heiligkeit Gottes und die

Heiligung des Menschen - wie

im Himmel so auf Erden!

Die Feier seines Geburtstages

am Weihnachtsfest gibt

vielen von uns Gelegenheit,

ihm „Helfer der Danksagung“

zu sein, wie er selbst gern formuliert.

Ich schließe mich gern

an: Möge Gott seinen Dienst

mit seinem Segen weiterhin

kraftvoll begleiten - himmelwärts

und erdverbunden!

Norbert Trelle war Pfarrer

und Stadtdechant in

Wuppertal, Weihbischof im

Erzbistum Köln und ist seit

2005 Bischof von Hildesheim.

Kirchenzeitung Köln ● Sonderausgabe zum 25. 12. 2008


enn jemand 75 Jahre alt

Wwird, zumal wenn er in so

herausgehobenen Ämtern wie

Erzbischof und Kardinal tätig

ist, haben sich viele von ihm ein

Bild gemacht, geprägt aus persönlichen

Erfahrungen, aus

Medienberichten und Vorurteilen.

Ein wenig soll hier vom

anderen Joachim Meisner berichtet

werden, wie er nicht so

in der Öffentlichkeit bekannt

ist.

An eine sehr frühe, sicher

nicht die erste Begegnung mit

Joachim Meisner kann ich mich

sehr gut erinnern. Am 17. Januar

1981 starb der damalige Bischof

von Erfurt, Hugo Aufderbeck,

dem Joachim Meisner

sehr viel verdankt. Zur Beerdigung

konnte Kardinal Höffner

als Kölner Vertreter nur seinen

Generalvikar schicken. Nach

der Beisetzung trafen sich die

Gäste im Erfurter Priesterseminar

und der damalige Bischof

von Berlin, Joachim Meisner,

kam auf mich zu. Er war außerordentlich

freundlich zu mir

und bedauerte die Tätigkeit eines

Generalvikars, weil der die

ärgerlichen Sachen seinem Bischof

vom Hals halten müsse.

Dabei gebe es nur einen heiliggesprochenen

Generalvikar,

Johannes Nepomuk. Um seinem

Bedauern Ausdruck zu geben,

versprach der Bischof, mir

eine holzgeschnitzte Nepomuk-Figur

zu schenken. Tatsächlich

kam sie wenige Wochen

später fest eingepackt in

Köln an. So schön, so gut. Keiner

von uns Beiden dachte damals

daran, dass wir uns in Köln

unter völlig anderen Vorzeichen

wiedersehen würden.

Nach der Wahl des inzwischen

zum Kardinal erhobenen

Berliner Oberhirten zum Erzbischof

von Köln nahm der damalige

Dompropst Bernard

Henrichs sofort telefonisch

Kontakt mit dem Erwählten auf

und bereits in diesem ersten Gespräch

trug dieser den Wunsch

vor, die Chrisammesse in der

Karwoche mit allen Priestern

des Erzbistums zu feiern, wie er

es bisher auch in Berlin gewohnt

war. Dies war ihm ein

75 Jahre Kardinal Joachim Meisner

Joachim, Nepomuk und die Geduld

Von Dompropst Norbert Feldhoff

Eine kluge Entscheidung: Bei seinem Amtsantritt vor 20 Jahren bestätigte Kardinal Joachim Meisner

Norbert Feldhoff als Generalvikar. (Foto: Boecker)

großes geistliches Anliegen, für

uns etwas Neues.

Wenige Tage später telefonierte

er dann auch mit mir und

ich hatte in der Vorbereitung

auf dieses Gespräch lange

überlegt, ob ich wohl über die

Nepomuk-Figur mit ihm sprechen

sollte, aber ich hielt dies

für eine Anbiederung und

wollte es unterlassen. Zu meiner

Überraschung war seine

erste Frage bei dem Telefonat:

„Haben Sie den Nepomuk

noch?“ Gott sei Dank konnte

ich ihm ehrlich antworten:

„Herr Kardinal, seit Sie ihn mir

geschenkt haben, steht er zu

Hause in meinem Arbeitszimmer.“

Im Stillen wunderte ich

mich über das „Elefantengedächtnis“

dieses Kardinals.

Wir trafen uns dann wiederum

wenige Tage später in Ostberlin.

Von den etwa 80 Themen,

die ich zur Besprechung

mit dem neuen Erzbischof in

der langen Vakanz vorbereitet

hatte, nahm ich einige mit, vor

allem aber das Kölner Gotteslob,

die Texte für die Kölner Eigenfeste

zum Brevier und zum

Messbuch sowie das Kölner Direktorium,

um dem Erzbischof

die Möglichkeit zu geben, sich

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Kirchenzeitung Köln ● Sonderausgabe zum 25. 12. 2008 15


schnell auf Kölner Besonderheiten

vorzubereiten. Er erklärte

mir dann, dass er von einigen

aus Köln vor mir gewarnt

worden sei: „Auf keinen

Fall dürfen Sie Feldhoff zum

Generalvikar machen.“ Mich

wunderte das nicht, denn wenn

man zwölf Jahre Generalvikar

ist, hat man nicht nur Freunde.

Auf der anderen Seite, sagte

Kardinal Meisner, hätten ihm

andere aber auch dringend geraten,

mich wieder zum Generalvikar

zu ernennen. So geschah

es dann auch.

Aber die Nepomuk-Geschichte

ist noch nicht zu Ende.

Der Kardinal ist ein großer Verehrer

dieses Heiligen. Nach einigen

Jahren reiste er mit seinem

damaligen Sekretär Rainer

Woelki und mir nach Prag, einer

Stadt, die ihm besonders ans

Herz gewachsen ist, und von der

aus die Männer begleitet und

vorbereitet wurden, die er in der

Zeit der kommunistischen

Herrschaft in Mittel- und Osteuropa

geheim zu Priestern geweiht

hatte und die ihm in be-

16

sonderer Weise bis heute verbunden

sind. In Prag geht er

auch gerne in bodenständige

Gastwirtschaften, um Knödel

zu essen und das berühmte Pilsener

Bier zu trinken. Mich

führte er dann auf die Karlsbrücke

in Prag, von der der heilige

Johannes Nepomuk in die

Moldau gestürzt wurde. So

starb dieser Generalvikar als

Märtyrer - vielleicht der einzige

Weg für Generalvikare, heilig

zu werden. Mich stürzte aber

niemand von der Brücke. Dies

stellte der Kardinal schmunzelnd

fest.

Gerne erinnere ich mich auch

an einen Tag in Prag, an dem der

Kardinal dienstlich zu tun hatte.

Er verordnete Rainer Woelki

und mir deshalb eine Führung

durch eine angesehene Kunsthistorikerin,

die allerdings ihr

umfassendes Wissen wie einen

Wasserfall über ihre Begleiter

schüttete. Eine anstrengende

Begleitung. Bei sommerlichen

Temperaturen ließen wir uns

dann in der Mittagszeit in einem

Gartenrestaurant nieder. Dabei

„Tun wir nach besten Kräften das Beste und Gott

wird das Gute nie ohne Segen lassen.“

Adolph Kolping

Herzlichen Glückwunsch

Kolping International und das Kolpingwerk

Deutschland wünschen Joachim Kardinal

Meisner zu seinem 75. Geburtstag und zum

20-jährigen Jubiläum seines Wirkens im

Erzbistum Köln Glück und Gottes Segen.

Mögen seine Gesundheit und Schaffenskraft

ihm noch lange erhalten bleiben.

Kolping International

Axel Werner,

Generalpräses

Hubert Tintelott,

Generalsekretär

75 Jahre Kardinal Joachim Meisner

Kolpingwerk Deutschland

Thomas Dörflinger, MdB

Bundesvorsitzender

Ottmar Dillenburg,

Bundespräses

Wenn der Erzbischof bei offiziellen Anlässen den Dom betritt, wird

er am Eingang vom Dompropst feierlich begrüßt. (Foto: Boecker)

kam ich auf die Idee, unserer

Führerin ein Bier aufzureden,

das auch den gewünschten Erfolg

hatte. Die Dame wurde

furchtbar müde, entschuldigte

sich bei uns, dass sie doch jetzt

nach Hause gehen müsse und

wir hatten den Nachmittag frei.

Als Kardinal Meisner später

von diesem Schachzug hörte,

schimpfte er nicht, im Gegenteil,

er hatte große Freude.

Bekannt ist der Ausspruch

des Kardinals: „Ich habe noch

nie die Geduld verloren, da ich

sie noch nie besessen habe.“

Selbst Johannes Paul II. hat die

nicht vorhandene Geduld von

Kardinal Meisner sehr strapaziert.

Nach dem Weltjugendtag

1997 in Paris äußerte der Heilige

Vater gegenüber Kardinal

Meisner den Wunsch, dass der

nächste Weltjugendtag in Köln

stattfinden sollte. Dem stimmte

der Erzbischof selbstverständlich

zu. Aber es wurde (noch)

nichts aus der Idee, weil dem

Heiligen Vater klar gemacht

wurde, dass zum Jubiläumsjahr

2000 der Weltjugendtag in Rom

stattfinden müsste. Der darauf

folgende Weltjugendtag 2002

konnte nun nicht wieder in Europa

stattfinden. Er wurde in

Toronto ausgetragen, allerdings

mit der Zusage, dass der darauf

folgende Weltjugendtag (2005 -

also nach achtjähriger Geduldsprobe)

in Köln stattfinden sollte.

Nun verordnete Kardinal Meisner

mir die Mitreise nach Toronto:

„Du hast noch nie einen

Weltjugendtag erlebt. Bevor er

in Köln ist, musst Du an einem

teilgenommen haben.“ Ich habe

diese Aufforderung nicht als besondere

Last empfunden. Zu-

sammen mit dem damaligen

Sekretär Dominik Schwaderlapp

begleitete ich also unseren

Kardinal nach Toronto. Das

Erlebnis dieses Weltjugendtages

werde ich sicher nie vergessen

und es war für mich eine

wichtige Vorbereitung auf unseren

Kölner Weltjugendtag.

In Erinnerung geblieben ist

mir eine für unseren Erzbischof

typische Autofahrt über eine

achtspurige Autobahn bei Toronto.

Am Steuer saß Dominik

Schwaderlapp. Die Autobahn

war ziemlich voll und wir kamen

nicht so zügig weiter, wie

der Kardinal es sich vorgestellt

hatte. „Herr Kaplan, wechseln

Sie in eine andere Spur, da

kommen wir schneller weiter.

Herr Kaplan, der Lastwagen

war eben noch weit hinter uns,

jetzt hat er uns überholt, wechseln

Sie in eine andere Spur.“

Der Fahrer blieb stumm. Er hielt

seine Spur bei und etwa nach 10

bis 15 Minuten überholten wir

dann ohne Spurwechsel den

Lastwagen, der den Erzbischof

vorher so geärgert hatte, weil er

schneller war. Da stellte unser

Fahrer fest: „Sehen Sie, jetzt haben

wir den Lastwagen überholt.“

Aus dem Fond kam kein

Kommentar. Eine etwas eigenwillige,

aber doch sehr positive

Zusammenarbeit, die ich unserem

Erzbischof und seinem Generalvikar

auch für die Zukunft

wünsche.

Der Autor ist Dompropst

und war von 1975 bis 2004

Generalvikar des Erzbistums

Köln.

Kirchenzeitung Köln ● Sonderausgabe zum 25. 12. 2008


Des Heiligen Apostolischen Stuhles geborener Legat

er Kardinal hat einen anti-

Drömischen Affekt. Das mag

zwar überraschen, stimmt aber -

was die Stadt Rom angeht. Kardinal

Joachim Meisner liebt

Rom nicht. Zwar gibt es die

Gräber der Apostelfürsten, den

Vatikan und den Papst, aber der

Lärm, der Autoverkehr, die

Hitze im Sommer - all das liegt

ihm nicht. Da ich hingegen ein

Mensch bin, der Rom auch als

Stadt geradezu liebt, führte dies

immer wieder zu leidenschaftlichen

Debatten.

Der antirömische Affekt des

Erzbischofs beschränkt sich

allerdings auf Rom als Stadt. In

kirchlichen Angelegenheiten

ist er immer an der Seite Roms

zu finden. Das bedeutet nicht,

dass er, wenn es mit einigen Dikasterien

der römischen Kurie

sachliche Differenzen gibt, diese

offen, mündlich oder schriftlich,

thematisiert. Und wenn er

zu einem persönlichen Gespräch

beim Heiligen Vater ist,

dann wird - das ist, ohne es zu

wissen, zumindest meine Überzeugung

- nicht nur höfliche

Konversation gepflegt, sondern

ebenso offen geredet. Doch geschieht

dies auf Basis einer unzerstörbaren

Liebe zur Kirche,

die in Rom ihren sichtbaren

Mittelpunkt und im Nachfolger

des heiligen Petrus ihren von

Gott geschenkten sichtbaren

Fels hat. Schon als Bischof von

Berlin erlebte er die Verbundenheit

mit Rom geradezu als

Lebenselixier. Mehrfach betonte

ihm gegenüber der damalige

Kirchenstaatssekretär der

DDR, dass sie mit den wenigen

Katholiken in der DDR schon

fertig würden, wenn da nicht

der Papst in Rom und damit die

katholische Weltkirche im

Hintergrund stünde.

So ist Kardinal Meisner ein

Mensch, der sich nicht nur hinter

den Papst stellt, sondern,

wenn gefordert, auch vor ihn

und seine Mitarbeiter, selbst

wenn dies zum Eklat führt. Ich

erinnere mich an folgende Begebenheit:

Es war bei einer der

vielen Festveranstaltungen einer

kirchlichen Institution. Einer

der Festredner übte im

75 Jahre Kardinal Joachim Meisner

Von Generalvikar Dominik Schwaderlapp

Zum Geburtstag überreichte Generalvikar Dominik Schwaderlapp

Kardinal Meisner eine Festschrift mit dem Titel „Spes nostra

firma“ - „Unsere Hoffnung steht fest“. (Foto: Boecker)

Rahmen seiner Ansprache harsche

Kritik am damaligen Präfekten

der Glaubenskongregation,

Joseph Kardinal Ratzinger.

Nach dem Ende dieser Rede

ging Kardinal Meisner zu

ihm und machte ihm unmissverständlich

und auch für die

Umstehenden hörbar deutlich,

dass er es nicht akzeptieren

könne, wenn er diese Festveranstaltung

dazu missbrauche,

den Präfekten der Glaubenskongregation

zu attackieren.

Dem Redner blieb nichts

anderes übrig als zu antworten:

„Ich nehme dies zur Kenntnis!“

Niemand hat Freude an einem

Eklat, auch nicht Kardinal

Meisner. Doch wenn es um die

Liebe zur Kirche geht, treten

politische Erwägungen in den

Hintergrund. Ein Titel des Erzbischofs

von Köln lautet: „Des

Heiligen Apostolischen Stuhles

geborener Legat.“ Das ist kein

überkommener formaler Titel.

Kardinal Meisner erfüllt ihn mit

Leben.

Von historischer Bedeutung

war für die katholische Kirche

nicht nur in Deutschland das

Jahr 2005, das manche auch das

„katholische Jahr“ nennen. Das

Sterben Johannes Paul II. löste

geradezu eine Jugendbewegung

nach Rom aus. Millionen

vor allem junger Menschen

kamen, um sich von Johannes

Paul II. zu verabschieden. Die

Wahl Joseph Ratzingers zum

Papst Benedikt XVI. brachte

gerade der Kirche in Deutschland

einen neuen Impuls. „Wir

sind Papst!“ titelte ein großes

deutsches Boulevardblatt und

gab damit ein wenig die Stimmung

in Deutschland wieder.

Die Rolle, die Kardinal Meisner

im Konklave einnahm, unterliegt

wie das gesamte Konklave

der Vertraulichkeit. Aufgrund

seiner freundschaftlichen Beziehungen

zu Kardinal Ratzinger

ist es sicherlich keine verbotene

Spekulation anzunehmen,

dass auch hier Kardinal

Meisner seinen Beitrag geleistet

hat. Als er am Ende jenes

Jahres in der Fernsehshow

„Menschen 2005“ von Johannes

B. Kerner gefragt wurde,

wen er denn im Konklave gewählt

hat, antwortete er: „Das

darf ich nicht sagen, das will ich

nicht sagen, aber das muss ich

auch nicht sagen, denn ohnehin

kann sich das wohl jeder denken.“

Der Autor ist Domkapitular

und Generalvikar des

Erzbischofs von Köln.

Kirchenzeitung Köln ● Sonderausgabe zum 25. 12. 2008 17


er im Internet den Such-

Wbegriff „Kardinal Meisner

eingibt, erhält über 90 000

Seiten zur Auswahl. Und das

hat einen guten Grund: Der

Erzbischof von Köln ist eine der

prägenden, ist eine der am

prägnantesten formulierenden

Gestalten der katholischen Kirche

in Deutschland und in der

Welt. „Nächstenliebe ist kein

Freundlichkeitsbrei“, hat er

einmal gesagt. Und: „Wer sich

gegen fließendes Wasser

stemmt, weil er Standpunkte

hat, verursacht Wirbel.“ Wir

vom Diözesanrat der Katholiken

wissen, dass „unser Kardinal

Wirbel verursacht, weil er

christliche Standpunkte klar

und deutlich in unsere säkulare

Gesellschaft zu tragen hilft, was

schließlich auch unser Auftrag

ist. Wir gratulieren Joachim

Meisner daher von Herzen und

mit großer Freude zur Vollendung

seines 75. Lebensjahres

und zu seiner 20-jährigen Tätigkeit

als Hirte unserer Erzdiözese

am Rhein.

Als Kardinal Meisner zu uns

kam, traf er hier auf eine Denkund

Lebensweise, die auch in

der Glaubenswelt der rheinischen

Katholiken ihren Niederschlag

gefunden hatte. Sie kam

ihm zunächst fremd vor, er

musste sich erst an sie gewöhnen.

Ich erinnere mich gut an

unsere erste Mahlzeit, als wir

beim Tischgebet sitzen blieben

und er erstaunt zur Kenntnis

nehmen musste, dass es dem

Rheinländer - egal, was auf dem

Tisch stand und mit wem er am

Tisch saß - überhaupt nicht einfiel,

zum Gebet aufzustehen.

Unser Erzbischof hat sich daran

gewöhnt, und wir haben uns

nicht geändert. Auf gut Rheinisch

heißt das: „Et ess wie et

ess.“

Kardinal Meisner kam also

von außen auf uns zu, und das

war von großem Vorteil für

beide Seiten. Aufgewachsen

und studiert in Thüringen und

segensreich wirkend im Osten

Berlins, konnte er völlig unbelastet

und unbeeinflusst erkennen,

was bei uns in und um Köln

gut war und was uns noch fehlte

im Leben und im Glauben. Seinen

reichen Erfahrungsschatz,

der ihn so beherzt Brücken bauen

lässt, hat unser Erzbischof

kürzlich bei einer Gesprächs-

18

75 Jahre Kardinal Joachim Meisner

Kardinal Meisner hilft gerne. Hier unterstützt er zum Beispiel die Aktion „Oikocredit“, für die sich

der Diözesanrat und sein Vorsitzender Thomas Nickel (rechts) stark machen. (Foto: Boecker)

reihe vor großem Publikum in

meiner Heimatstadt Neuss offenbart.

Es war quasi ein Appell

an die Bescheidenheit, ein Appell

an die Demut in Zeiten, in

denen Dekanate und Gemeinden

zusammenrücken und zusammenrücken

müssen. „Wir

hatten in der DDR tatsächlich

nur unseren Glauben. Wir hatten

keine eigene Kirche, keine

Monstranz und keine Muttergottes-Figur.

Allein unser

nackter Glaube war unsere

Chance, unsere Kraft und unsere

Stärke“, sagte Kardinal

Meisner. Und er sagte noch etwas:

Aus der kleinen, verstreuten

Diasporagemeinde, in der er

groß geworden ist, seien sage

und schreibe drei Priester und

fünf Ordensschwestern hervorgegangen.

Das Fazit des Erzbischofs

war denn auch klar und

deutlich: „Ich kann den Glauben

nicht wie in einem Einweckglas

konservieren. Ich

muss mich öffnen, um ihn zu

empfangen, und ich muss offen

sein, um ihn weiterzugeben.

Wir dürfen uns das Christus-

Zeugnis nicht gegenseitig vorenthalten.

Wir müssen Jesus

Christus vielmehr in unsere Lebensatmosphäre

bringen.“

Genau in diesem Sinne hat

uns Kardinal Meisner seit nun

20 Jahren begleitet und wir

auch ihn. In dieser Zeit war es

immer wieder gut, voneinander

zu lernen und aufeinander zu

hören. Da war etwa sein mutiger

Schritt zum Pastoralgespräch

über die Zukunft des

Offen, um weiterzugeben

Von Thomas Nickel

Erzbistums zwischen 1993 und

1996. Rund 60 Prozent aller

Gemeinden und zwei Drittel

aller Dekanate haben sich an

diesem Angebot beteiligt. Auch

Projekte von „Zukunft heute“

bis „Wandel gestalten - Glauben

entfalten“ haben wir mitunter

kontrovers diskutiert,

aber letztlich doch einvernehmlich

auf den Weg gebracht.

Das betrifft auch den

Wunsch von zahlreichen engagierten

Laien nach gewählten

Ortsgremien in den Pfarrgemeinderäten

der künftigen

Seelsorgebereiche. Andere

gute Beispiele der Zusammenarbeit

waren das so genannte

Kölner Manifest anlässlich des

Dom-Jubiläums oder der von

Kardinal Meisner gestiftete

Anton-Roesen-Preis für beispielhafte

Initiativen in den

katholischen Gemeinden und

Verbänden.

Bei all den vielen Dingen, die

der Erzbischof in den zurückliegenden

20 Jahren bewegt hat,

erinnere ich mich besonders

gern an Projekte, von denen ich

weiß, dass sie ihm am Herzen

lagen. Dazu zählte die Bereitschaft,

den Fairen Handel zu

unterstützen genauso wie das

Anliegen von „Oikocredit“

aufzunehmen. Oft stand unser

Erzbischof in vorderster Linie,

als es darum ging, sein hohes

Amt und sich als Mensch und

Christ in die Waagschale für ein

menschenwürdiges Leben zu

werfen. Im Zusammenhang mit

der Kampagne „Erlassjahr

2000“ riefen wir gemeinsam

zur Teilnahme an der Unterschriftenaktion

für einen

Schuldenerlass für die ärmsten

Länder dieser Welt sowie zur

Teilnahme an der Menschenkette

anlässlich des „G7“-Gipfels

in Köln auf.

Ich werde nie vergessen, wie

eine junge schwedische Besucherin,

mit der wir zusammen

Hand in Hand auf der Deutzer

Brücke standen, völlig begeistert

war, dass ein Erzbischof

nicht nur mitgekommen war,

um - geschmückt mit dem Schal

der Kampagne - dabei zu sein,

sondern auch mit einer Trillerpfeife

für einen Erlass der

Schulden der Ärmsten zu demonstrieren.

Hätte ich davon

eine Videoaufnahme, ich hätte

sie meinen Gästen schon oft gezeigt.

Lieber Kardinal Meisner, ich

darf Ihnen im Namen des Diözesanrats

und im Namen vieler

Frauen und Männer, der Laien

in unserem Erzbistum zu Ihren

Jubiläen gratulieren und Ihnen

alles Gute, viel Glück, Schaffenskraft,

aber auch Gelassenheit

und nicht zuletzt Gesundheit

wünschen. Aber vor allem

für Sie, für Ihre Arbeit und damit

für uns alle den Segen unseres

gütigen Gottes.

Der Autor ist Vorsitzender

des Diözesanrats der

Katholiken im Erzbistum

Köln.

Kirchenzeitung Köln ● Sonderausgabe zum 25. 12. 2008


„Kirchliches Engagement ist immer sozial, weil die Wohnung Gottes der Mensch ist.“

Erzbischof Joachim Kardinal Meisner

Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag

einem Anstifter zum Glauben und zum Gutes tun!

„An Gottes Segen ist alles gelegen!“

Erzbischof Joachim Kardinal Meisner, Alt und Jung in einem Boot

www.caritasstiftung.de

Dem Erzbischof von Köln nur die

besten Wünsche zum 75. Geburtstag! www.caritasnet.de


75 Jahre Kardinal Joachim Meisner

„Du kannst trotz allem sogar noch ein Heiliger werden“

„Ich habe weniger Haare und

bin dicker geworden“, antwortet

Kardinal Joachim

Meisner auf die Frage, ob er

sich im Laufe der Jahre verändert

habe. 75 Jahre auf der

Welt und 20 Jahre Erzbischof

von Köln - zwei Anlässe zurückzuschauen

und Bilanz zu

ziehen. Mit Robert Boecker,

dem stellvertretenden Chefredakteur

der Kirchenzeitung,

sprach der Kardinal

über Freundschaft und Familie,

über Heimat und seinen

Anfang in Köln.

Was bedeutet für Sie

Heimat?

MEISNER: Sehr viel. Was der

Wurzelboden für einen Baum

ist, das ist die Heimat für einen

Menschen. Je älter der Mensch

wird, umso mehr verwurzelt er

sich in seinem Heimatboden,

damit er von den Stürmen nicht

umgerissen wird. Auch ich spüre

das. Vor 20 oder 30 Jahren

hat mir die Frage nach der Heimat

nicht so viel bedeutet wie

heute. Je älter ich werde, desto

wichtiger wird das Thema für

mich.

Wo ist Ihre Heimat?

MEISNER: Bis zum elften Lebensjahr

habe ich in Breslau, in

Schlesien gelebt. Ich merke

immer mehr, wie tief ich dort

verwurzelt bin. Der Ort, wo

man die Welt betritt und seine

ersten Welterfahrungen gemacht

hat - was ist ein Baum,

ein Weg, die Kirche? -, das ist

die Heimat. Das alles macht

Heimat aus. Auf dieser ursprünglichen

Erfahrungsfolie

bewältige ich alle späteren

Welterfahrungen. Der Mensch

braucht zu seiner Identität die

Heimat. Ich spreche Hochdeutsch,

aber jeder erkennt

durch die Färbung der Sprache,

woher ich stamme. Durch mein

bewegtes Leben ist Thüringen,

wo ich ab meinem elften Lebensjahr

gelebt habe, zu einem

neuen Zuhause geworden. Berlin

kommt später hinzu. Auch

20

Interview mit Kardinal Joachim Meisner

Kardinal Joachim Meisner ist ein Mann der klaren Worte. (Fotos: Boecker)

dort bin ich geprägt worden.

Und jetzt ist das Rheinland seit

20 Jahren mein Zuhause.

Aber nicht Ihre Heimat?

MEISNER: Das Rheinland ist

nicht Heimat im gleichen Sinn

wie Schlesien, aber mein Zuhause.

Man kann wohl immer

nur eine Heimat haben.

Was bedeutet für Sie Familie?

MEISNER: Familie ist eines

der größten irdischen Güter, die

Gott uns geschenkt hat. Deshalb

hat Gott seinen Sohn, als er

ihn Mensch werden ließ, nicht

vom Himmel fallen lassen,

sondern er hat ihm eine Familie

geschenkt. Familie ist der Lebensraum,

in dem man wachsen

und gedeihen kann, in dem man

geliebt wird. Nur wenn ein

Mensch geliebt wird, kann er

gerade wachsen, fühlt er sich

wohl, wird er glücklich. Und

das ist sehr wichtig. Ich habe

zwar selber keine unmittelbare

Familie, das heißt, ich habe keine

Frau und keine Kinder, aber

ich habe die große Familie mei-

ner Geschwister. Meine drei

Brüder haben zusammen zehn

Kinder, die alle verheiratet sind

und selber schon wieder Kinder

haben. Meine Großfamilie ist

für mich der tragende Grund,

auf dem ich stehe, auch wenn es

nicht meine eigenen Kinder

sind. Aber es ist die gleiche

Wurzel. Die Kinder sagen „Onkel“

zu mir und duzen mich.

Wir wissen schon, dass wir zusammengehören.

Haben Sie einen guten

Freund?

MEISNER: Ja, einen priesterlichen

Freund. Wir machen einmal

im Jahr gemeinsam Urlaub

und rufen uns gelegentlich an.

Vor dem Urlaub lesen wir meist

ein theologisches Buch, über

das wir dann in den gemeinsamen

Ferien miteinander sprechen.

Wir reden nie über Kirchenpolitik!

Wir beten sehr viel

zusammen, zelebrieren gemeinsam

und sprechen von

Gott und seinen großartigen

Plänen, wenn wir gemeinsam

lange spazieren gehen. Freundschaft

ist eigentlich eine seltene

Gabe. Freundschaft, so wie ich

sie definiere, besteht darin, dass

mich der Freund durch sein Tun

und Lassen in die Nähe Gottes

bewegt. Ein Freund ist jemand,

der einem die Freude an Gott

näher bringt und diese Freude

einen erfahren lässt. Das ist für

mich Freundschaft.

Sind Sie manchmal einsam?

MEISNER: Einsam fühle ich

mich eigentlich nie. „In Ihm leben

wir, bewegen wir uns und

sind wir“, sagt Paulus über Gott

(Apg 17,28). Ich fühle mich

deshalb nie alleine. Ich bete jeden

Tag das Stoßgebet der großen

heiligen Teresia: „Nichts

soll Dich ängstigen, nichts Dich

erschrecken, alles geht vorbei,

nur Gott bleibt derselbe. Wer

Gott hat, der hat alles. Gott alleine

genügt“, das trägt mich

wie eine Grundmelodie: Wer

Gott hat, der hat alles!

Haben Sie sich in dieser

Situation während Ihrer

Einführung vor 20 Jahren einsam

gefühlt?

MEISNER (nimmt das Foto,

betrachtet es einen langen Moment

und lacht): Ob ich mich in

Kirchenzeitung Köln ● Sonderausgabe zum 25. 12. 2008


dem Moment einsam gefühlt

habe, weiß ich nicht mehr. Wissen

Sie, der Bischof ist auch nur

ein Mensch. Auch Christus hat

am Ölberg geweint, obwohl er

wusste, dass er vom Vater getragen

ist. Es kann schon sein,

dass man in Extremsituationen

kommt und dann ein bisschen

innerlich zu frieren beginnt.

Damals musste man erst miteinander

warm werden. Ich bin

wohl sehr abhängig von einer

guten Atmosphäre. Ich war

nicht unglücklich, fühlte mich

aber vielleicht ein wenig verlassen.

Hat es Ihnen weh getan,

dass damals so viele Menschen

Ihnen so kritisch gegenüberstanden?

MEISNER: Ich habe das damals

gar nicht so mitbekommen,

was in der Presse über

mich geschrieben wurde. Ich

hatte in Berlin noch so viel Arbeit,

dass ich mich darum überhaupt

nicht kümmern konnte.

Als ich nach Köln kam, waren

hier so viele Menschen, die

mich freundlich begrüßten und

mir Blumen gebracht haben.

Natürlich gab es auch die Kritiker.

Die Kritik hat mich aber

nicht getroffen. Das war die

Frucht einer Verunglimpfung.

Die negativen Stimmen haben

mich eigentlich darin bestätigt,

dass ich hier richtig bin. Wenn

ich nur ein harmloses Priesterlein

wäre, würde sich niemand

um mich kümmern. Als ich aber

im Gehorsam gegenüber dem

Papst nach Köln gekommen bin

- nachdem ich zuvor alles versucht

habe, dies zu verhindern -,

wusste ich tief in meinem Inneren:

Hier bist du richtig.

Was es bedeutet, neu irgendwo

anzufangen, hatte ich ja

schon in Berlin erlebt, wo man

mich allerdings mit offenen

Armen empfangen hat. Damals

hatte ich Erfurt verlassen müssen

und damit mein Zuhause

und all die Priester, mit denen

ich studiert hatte, die mit mir

geweiht worden waren und die

mir eine wirklich geistliche

Familie geworden waren. Ich

habe mich dann an die berühmte

Stelle in der Heiligen

Schrift erinnert, wo Christus

dem Petrus sagt: „Als du noch

jung warst, hast du dich selbst

75 Jahre Kardinal Joachim Meisner

gegürtet und konntest gehen,

wohin du wolltest. Wenn du

aber alt geworden bist, wirst du

deine Hände ausstrecken und

ein anderer wird dich gürten

und dich führen, wohin du nicht

willst.“ (Joh 21,18) Wenn man

dort ist, wohin man nicht wollte,

von Gott aber hingestellt

wurde, dann ist man an der

richtigen Stelle. Wenn ich mich

nach dieser Aufgabe gedrängt

hätte, dann hätte ich selber die

Schuld. So aber bin ich im Gehorsam

gegangen und kann diese

innere Ruhe haben.

Begeistert waren Sie

nicht, nach Köln zu kommen.

Haben Sie deswegen mit

dem Papst gehadert?

MEISNER: Es stimmt, dass ich

nicht begeistert war, aber ich

habe nicht gehadert. Ich hoffe,

dass auch die Priester, die ich

nach Gesprächen und reiflicher

Überlegung manchmal dorthin

versetzen muss, wohin sie nicht

wollen, auch nicht mit mir hadern,

sondern wie ich sagen:

„Ich gehe nicht gerne, aber ich

gehe.“

Haben Sie später mit dem

Papst über diese Ereignisse

gesprochen?

MEISNER: Nein, der Papst

hatte andere Dinge zu tun. Ich

weiß nur, dass der Kardinal

Macharski, der zu meiner Einführung

nach Köln gekommen

12. Februar 1989, der Tag der Einführung von Kardinal Meisner

in das Amt des Erzbischofs von Köln. „Ich war nicht unglücklich,

aber ich fühlte mich vielleicht ein wenig verlassen.“

war, am Abend dieses Tages

noch den Papst angerufen und

ihm gesagt hat: „Es ging alles

gut mit Joachim.“

Wie haben Sie erfahren,

dass Sie Erzbischof von

Köln werden sollten?

MEISNER: Im September

1987 habe ich an einem marianischen

Kongress in Kevelaer

teilgenommen, wo ich einen

Vortrag halten sollte. Gegen 16

Uhr bin ich dort angekommen.

Wenig später klingelte in meiner

Unterkunft das Telefon. Am

anderen Ende der Leitung war

die Päpstliche Nuntiatur. Der

Nuntius, Erzbischof Uhac,

wollte mich sprechen. Zu dieser

Zeit lebte Kardinal Höffner

noch, hatte aber bereits resigniert.

Wenn ein Bistum im

ehemaligen Land Preußen vakant

wird, so müssen laut Konkordat

alle „preußischen“ Bischöfe

einen Dreiervorschlag,

die so genannte Terna, mit

möglichen Kandidaten an die

Nuntiatur schicken. Für Köln

hatte ich schon meine Vorschläge

eingereicht.

Jetzt sagte der Nuntius am

Telefon zu mir: „Sie müssen einen

Dreiervorschlag für Berlin

einreichen.“ Ich habe überhaupt

nicht verstanden, was der

wollte. „Ich habe doch schon

einen Vorschlag eingereicht.“

„Ja, für Köln, aber nicht für

Berlin“, antwortete der Nuntius.

Noch immer hatte ich nicht

verstanden, was der Botschafter

des Papstes von mir wollte.

Ich entgegnete deshalb: „Ich

hab’s doch schon gemacht: Der

Bischof von Berlin hat für Köln

eine Terna abgegeben.“ Darauf

der Nuntius: „Nun hören Sie

mir doch einmal zu: Für Berlin!“

Noch immer war mir nicht

klar, was los war, denn ich sagte:

„Wieso für Berlin. Die haben

doch einen Bischof und der

spricht gerade mit Ihnen.“ Darauf

erwiderte der Nuntius:

„Aber der Papst will, dass Sie

nach Köln gehen.“ - „Herr

Nuntius, Sie bekommen von

mir keinen Dreiervorschlag für

Berlin. Wenn unser Gespräch

beendet ist, rufe ich sofort den

Sekretär des Papstes an und

bitte dringend um einen Termin

beim Heiligen Vater. Das muss

Kirchenzeitung Köln ● Sonderausgabe zum 25. 12. 2008 21


ich dem Papst ausreden“, lautete

meine Antwort. So hat sich

das für mich in Kevelaer entschieden,

und deshalb ist die

Muttergottes „mitverantwortlich“.

Marienwallfahrtsorte sind

geistliche Orte. Schätzen

Sie diese besonders?

MEISNER: Ja, weil sie Inspirationspunkte

für das Leben der

Kirche sind. Kevelaer hat für

mich immer noch eine große

Bedeutung. Jedes Jahr am ersten

Adventssonntag fahre ich

dort mit meinen ehemaligen

Nachbarn des Bischofshauses

in Berlin sowie meinen Sekretärinnen

aus Ost- und Westberlin

hin, die mich traditionell an

diesem Sonntag besuchen. Diese

Beziehung ist trotz 20-jähriger

Abwesenheit von Berlin erhalten

geblieben.

Wann haben Sie zum ersten

Mal das Gefühl gehabt,

in Köln so richtig angekommen

zu sein?

22

75 Jahre Kardinal Joachim Meisner

Seine Familie ist für Kardinal Joachim Meisner ein wichtiger

Rückhalt. Unser Bild zeigt den Erzbischof mit seinen drei Brüdern.

MEISNER: Von Anfang an

hatte ich das Gefühl angekommen

zu sein. Aber ich erinnere

mich an ein Ereignis am letzten

Tag der Feiern zum Domjubiläum

vor zehn Jahren. Nach

dem Schlussgottesdienst geleitete

mich Dompropst Bernard

Henrichs vom Dom über

die Domplatte zu meinem Wagen.

Da kam ein ur-kölsches

Ehepaar auf mich zu und sagte:

„Jong, dat häste joot jemaat.“

Da sagte Henrichs: „Das kann

ich nur bestätigen.“ Da wusste

ich wirklich, dass ich angekommen

bin.

Nun, wo es heraus ist, dass

ich länger im Amt bleiben werde,

dachte ich, dass viele jetzt

pfeifen werden und sagen, jetzt

müssen wir den noch länger ertragen.

Es wird sicherlich einige

geben, die so denken. Doch

das Medienecho auf die Entscheidung

des Papstes war erstaunlich

positiv. So ist es eben

oft mit einem alten Bischof.

Und wenn der dann eines Tages

gestorben ist, dann sieht es wieder

anders aus.

Wie sagte mir einst der jetzige

Dompropst Norbert Feldhoff:

„Wie haben sich die Menschen

seinerzeit über ‚den

Westerwälder‘ aufgeregt, aber

als Kardinal Joseph Höffner

dann tot war, war er plötzlich

der gute Erzbischof.“ Mit der

Schwäche der Menschen muss

man leben. Wir sind ja auch

nicht da, um gelobt zu werden.

Die Menschen sollen Gott loben,

nicht den Bischof.

Der Papst hat Ihren Rücktritt

nicht angenommen.

Was bedeutet das jetzt?

MEISNER: Bis auf Weiteres

bleibe ich im Amt. Wenn ich

sage, ich kann nicht mehr und

dafür einen triftigen Grund habe,

dann kann ich aufhören. Ich

kann mir allerdings vorstellen,

dass der Papst oder der Präfekt

der Bischofskongregation mich

in zwei oder drei Jahren fragen:

„Geht es noch?“ Ich mache jedenfalls

keine großen Pläne

mehr. Solange ich mein Amt

ausüben kann, solange werde

ich es tun. Ich werde aber den

Papst nicht erst dann um Entlassung

bitten, wenn ich gar nicht

mehr kann. Schließlich braucht

man auch noch Kraft, um in den

Ruhestand zu gehen. Man soll

gehen, wenn man sich noch ein

wenig frisch fühlt. In dieser

Frage bin ich auch sehr auf meine

Mitarbeiter angewiesen.

Fühlen Sie sich alt?

MEISNER: Manchmal schon.

Ich merke, dass ich mich alt

fühle, wenn man zum Beispiel

unterwegs ist und mit einem

Menschen ins Gespräch kommt

und denkt: „Mein Gott, ist der

aber alt.“ Wenn sich dann herausstellt,

dass dieser Mensch

drei Jahre jünger als man selber

ist, dann ist das schon komisch.

Mein Alter merke ich auch,

weil ich abends nach einem

langen Arbeitstag erschöpft

bin. Früher habe ich dann noch

gelesen oder Predigten konzipiert,

das kann ich heute nicht

mehr. Ich stehe jeden Morgen

um 4.30 Uhr auf, versuche mittags

ein wenig zu schlafen und

beende den Tag um 23.30 Uhr.

Bei Veranstaltungen bleibe ich

bis 21.30 Uhr, dann beende ich

mein öffentliches Tagewerk.

Haben Sie sich im Laufe

der Jahre verändert? Sind

Sie weiser geworden?

MEISNER (lacht): Das kann

ich nicht beurteilen. Klar habe

ich mich verändert. Ich habe

weniger Haare und bin dicker

geworden. Aber von meiner

Persönlichkeit her? Ich kann

mich über schöne Dinge immer

noch so freuen wie ein Kind.

Genauso kann ich mich aber

auch über Dinge ärgern, über

die ich mich schon als Kind geärgert

habe. Oft sage ich mir:

Kirchenzeitung Köln ● Sonderausgabe zum 25. 12. 2008


„Du kannst trotz allem sogar

noch ein Heiliger werden. Bei

Gott ist nichts unmöglich.“ Es

ist mir unvergesslich, was Papst

Johannes Paul II. in seinem

Apostolischen Schreiben „Novo

Millenio ineunte“

(6. 1. 2001) geschrieben hat:

„Die Strategie der Kirche muss

die persönliche Heiligkeit

sein.“

Wirkliche Heiligkeit bedeutet

meines Erachtens, sich mit

seiner Mittelmäßigkeit nicht

abzufinden. Trotzdem zu sagen

- obwohl man schon alles versucht

hat und alles schief gegangen

ist -: Gottes Geist findet

schon die Mittel, dich zu heiligen.

Du musst nur wachsam

sein, damit du seinem Ruf auch

folgen kannst. Eine Sünde ist

es, ein alter Mann zu sein, das

heißt zu glauben, dass man sich

nicht mehr ändern kann.

Macht es Sie traurig, Kirchen

schließen zu müssen?

MEISNER: Natürlich macht

mich das traurig. Es gehört aber

zum Glaubensleben auch dazu.

Die Kirche gehört nicht mir,

sondern sie gehört dem Herrn.

Ich habe zum Beispiel auf keinem

Gebiet so viel Energie und

Kraft investiert wie für den

Priesternachwuchs. Zugleich

bin ich zahlenmäßig auf keinem

Gebiet so erfolglos geblieben.

Ich weiß nicht, woran das liegt.

Wir haben seit zehn Jahren die

Gebetsgemeinschaft „Rogamus“,

die auch um Priesternachwuchs

betet.

Ich bin aber fest davon überzeugt,

dass im Haushalt Gottes

nichts verloren geht. Es wird also

Frucht bringen, vielleicht

anders als wir uns das vorstellen.

Ich war in Erfurt und Berlin

Bischof einer kleinen Kirche.

Jetzt bin ich der Erzbischof einer

großen Kirche, die kleiner

wird. Kleiner werden ist viel

schwerer, als klein sein. Kleiner

zu werden, das tut richtig weh.

Ich bin dem lieben Gott aber

dankbar, dass wir das im Erzbistum

Köln trotz allem gut

schultern.

Seit 20 Jahren sind Sie nun

schon Erzbischof von

Köln. Welche Bilanz ziehen

Sie?

75 Jahre Kardinal Joachim Meisner

MEISNER: Ich bin erstaunt,

dass trotz meiner Schwäche die

Gnade Gottes durch mich einiges

in Bewegung gebracht hat,

auf den unterschiedlichsten

Feldern. Mich freut zum Beispiel,

dass es gelungen ist, den

Oasentag, an dem sich der Erzbischof

in der Karwoche mit

seinen Priestern und Diakonen

trifft, zu einer festen Einrichtung

werden zu lassen. Das

hätte niemand hier für möglich

gehalten.

Wir hatten den Weltjugendtag,

das Welttreffen der Pueri

Cantores, das Domjubiläum

und wir haben die Domwallfahrt

etabliert. Wir haben die

Domschatzkammer und das

Kunstmuseum Kolumba gebaut.

In unseren großen Städten

ist die Citypastoral wie hier in

Köln das Domforum inzwischen

fest beheimatet. Wir haben

das zweite Priesterseminar

„Redemptoris Mater“; ich habe

eine ganze Reihe geistlicher

Bewegungen hier angesiedelt.

Sehr wichtig ist mir auch der

Priesterrat, den ich mit der

Dechantenkonferenz kombiniert

habe. Er ist für mich zu

einem sehr wichtigen Arbeitsinstrument

geworden. Ich hätte

es nicht für möglich gehalten,

dass wir das so gut hinbekommen.

Natürlich darf ich hier in großer

Dankbarkeit nicht meine

unmittelbaren und mittelbaren

Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen

vergessen, die mir von Anfang

an bis jetzt kompetent und

selbstlos zur Seite gestanden

sind. Ich nenne hier keine Namen

und Institutionen innerhalb

des Erzbistums, sonst

müsste die Kirchenzeitung eine

eigene Nummer dafür herausgeben.

Nicht zu vergessen die Projekte

„Zukunft heute“ und

„Wandel gestalten - Glauben

entfalten“, mit denen das Erzbistum

für die Zukunft gut aufgestellt

ist. Inzwischen gelingt

in vielen der neuen Seelsorgebereiche

die Zusammenarbeit

schon sehr gut. Aber alles, was

ich Ihnen hier auf Anfrage gesagt

habe, sind äußere Fakten.

Im Grunde genommen sind sie

nicht zu bemessen. Ich überlasse

die letzte Bilanz dem lieben

Gott. Er soll alles in die Hand

nehmen und gewichten.

Das internationale Chorfestival „Pueri Cantores“, zu dem im

Jahr 2004 mehrere tausend junger Sängerinnen und Sänger aus

aller Welt nach Köln kamen, zählt für Kardinal Meisner mit zu den

Höhepunkten seiner Amtszeit. (Foto: Boecker)

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Herzensbildung

für Kinder

Kirchenzeitung Köln ● Ausgabe 51-52/08 vom 19. Dezember 23


„Lieber Herrr Kardinal,

aus Wuppertal, der drittgrößten Stadt Ihres

Bistums, herzliche Glück- und Segenswünsche.

Ich wünsche Ihnen ganz persönlich,

dass es Ihnen gelingt, die verbandliche

Jugendarbeit weiter so zu stärken, dass

mehr Kinder und Jugendliche

in der Gemeinschaft

das Gefühl

von Zusammengehörigkeit

im Glauben erleben

können.“

Steffen Schmidt

aus Wuppertal

24

75 Jahre Kardinal Joachim Meisner

„Das Projekt „Wandel gestalten – Glauben entfalten“

hat Ihnen und vielen Pfarrgemeinden Erhebliches abverlangt.

Ihnen, Herr Kardinal, wünsche ich die Unterstützung

der Menschen Ihres Bistums im Gebet und mit

Tatkraft.“

Mechthild Dorenkamp, Vorsitzende des Pfarrgemeinderates

St. Martin aus Rheinbach

„Ich wünsche dem Kardinal für seinen 75. Geburtstag, dass er gesund

bleiben möge. Er soll doch bitte auch weiterhin auf die

Kirche aufpassen und auch noch lange Priester bleiben.

Ich wünsche ihm auch viel Kraft für sein Amt, und dass

ihm der Spaß an seiner Arbeit bleibt. Ich wünsche mir,

dass er noch lange Kardinal bleibt, weil ich ihn gut leiden

kann.“

Henrik Wagner aus Remscheid

„,Wer Ohren hat, zu hören, der höre’ - im Gleichnis vom Sämann zeigt Jesus,

dass das gesäte Wort oft nicht auf fruchtbaren Boden fällt, sondern ins

Leere geht. Die ökumenische Telefonseelsorge in Neuss, deren Aufgabe es

ist, ein offenes Ohr für die Nöte ihrer Mitmenschen zu

haben, wünscht Herrn Kardinal Meisner auch in Zukunft

das Geschenk der doppelten Erfahrung, dass das durch

ihn verkündete Wort Gottes auf fruchtbaren Boden fällt,

und er selbst in den Fragen und Nöten der Menschen

Gottes Wort hört.“

Barbara Keßler, Leiterin der ökumenischen Telefonseelsorge

in Neuss

„Lieber Kardinal Meisner, was die

Queen für die Briten ist, sind Sie für die

Katholiken in Ihrem Erzbistum. Bei der regelmäßigen

Durchsicht der Kirchenzeitung

wurde mir klar, wieviele Termine Sie

ständig wahrnehmen, um bei den Menschen

zu sein. In einem Alter, wo andere

Menschen längst ihren wohlverdienten

Ruhestand genießen, starten Sie noch einmal

durch. Ich wünsche

Ihnen zu Ihrem 75. Geburtstag

und zu Ihrem

„Neustart“ Gottes reichen

Segen.“

Gerlinde Geisler aus

Wuppertal

„Als Erzbischof von Köln haben Sie

viele Samen gestreut, die jeder nach

seiner Art Früchte tragen wird. Mögen

daraus viele Pflanzen und Bäume werden,

Ihnen nachfolgen

und zur Nachahmung

angestiftet

werden.“

Thomas Schiffelmann

aus Köln-

Mauenheim

„Wir wünschen unserem Kardinal,

dass er auch in hohem Alter immer

mehr in seinem Glauben gestärkt werde.

Außerdem wünschen wir ihm viel

Glück für die Zukunft und wir wünschen

ihm, dass er viele kreative Geschenke

von anderen bekommt. Geschenke,

die zeigen, dass die Menschen

ihn mögen. Geschenke

von Herzen

halt.“

Kardinal Meisner ist ein Menschenfreund; er hat

sich mit der kölschen Mentalität angefreundet. Er

freut sich, wenn der 1. FC Köln spielt und gewinnt.

Mittlerweile liebt er auch den Kölner Karneval und

feiert ihn gerne, und ich wünsche ihm und uns, dass er

noch lange mitfeiern kann.“

Anni Kirschbaum aus Köln-Vingst

Kathrin und Marie

(rechts) Dietloff,

Firmlinge und

Austrägerinnen der

Kirchenzeitung aus

Brühl

„Sehr geehrter Herr Kardinal Meisner,

mit den Worten der Kölner A-cappella-Gruppe „Wise Guys“ wünsche

ich Ihnen ‚fürs neue Lebensjahr, dass das, was gut ist,

bleibt, so wie es war, und dass alles was Dich nervt,

sich zumindest nicht verschärft. Ich wünsche Dir im

Sommer Sonnenschein, im Winter soll es ohne Ende

schnein, solang Du je nachdem wie's ist passend angezogen

bist - happy birthday!‘“

Randi Dann aus Leverkusen

„Ich wünsche Ihnen, dass Sie bei allem Bemühen um die Einheit in der

Kirche die Pflege der Vielfalt nicht aus dem Blickwinkel geraten lassen,

dass Sie neben der Fähigkeit der Rede nicht die Gabe des Hin-Hörens

und Auf-Nehmens verlieren und reichlich das Gespür

pflegen, wichtige Impulse aus der Mitte des Volkes

Gottes zu beherzigen. Abschließend wünsche ich Ihnen

dasselbe, was Sie mir vor einigen Wochen

wünschten: ‚Wirken Sie noch - so lange es gut geht - in

Ihren vielen Aufgabenfeldern weiter‘.“

Dr. Albert Wunsch aus Neuss

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Kirchenzeitung Köln ● Sonderausgabe zum 25. 12. 2008


Wenn man Joachim Kardinal Meisner

beschreiben will, genügt ein Blick ins Lexikon.

Joachim Kardinal Meisner ist immer

eindeutig, er liegt nie zwischen den

Begriffen und vertritt sein Anliegen

immer mit einer unverwechselbaren

Stimme. Er ist jetzt 75 geworden

und feiert sein 20-jähriges Jubiläum

als Erzbischof. Wir gratulieren und

wünschen ihm viel Gesundheit

für seinen weiteren Einsatz für die

Menschen in unserer Region.

Science For A Better Life


treng genommen ist das Ge-

Sbiet, in dem ein Erzbischof

sein Hirtenamt für die ihm anvertrauten

Menschen ausübt,

seine Diözese, für Kardinal

Joachim Meisner die Ortskirche

von Köln. Wer aber vom

Heiligen Vater mit der Würde

eines Kardinals ausgezeichnet

ist, gehört zum Senat des Papstes

und nimmt in besonderer

Weise teil an dessen Sorge um

das Geschehen der Weltkirche.

Diese katholische Kirche besteht

eben nicht nur aus Deutschen

und Westeuropäern in

wohlhabenden Ländern. Zu ihr

gehören ebenso die Menschen

in den Elendsvierteln der Städte

Brasiliens und Mexikos, die

rechtlos gemachten Landarbeiter

Lateinamerikas, diejenigen

in den Müllbergen Manilas

und Kairos oder die Menschen

am afrikanischen Äquator.

Schon zu Zeiten der Kölner

26

75 Jahre Kardinal Joachim Meisner

Einmal sehen ist besser als zehnmal lesen

Randnotizen zu Kardinal Meisners Reisen in die Weltkirche / Von Erich Läufer

Kardinäle Josef Frings und Joseph

Höffner gab es Hilfen des

„reichen Bistums“ in viele

Teile der Weltkirche unter dem

Motto „Ortskirche im Dienst

der Weltkirche“. Dieses Denken

und Handeln hat Kardinal

Meisner nahtlos übernommen.

Die zahlreichen Informationsreisen,

besonders die längeren

in den ersten Jahren als Erzbischof

von Köln, dienten der klärenden

Information und waren

nie ein Produkt schierer Reiselust.

Persönlich an Ort und

Stelle zu sehen, wie es um die

Glaubensbrüder und -schwestern

steht, ist besser als zehnmal

darüber zu lesen.

Hier geht es nicht um eine

umfassende Chronik jener Erkundungen

in die Weite der

Weltkirche, sondern um einige

wenige Eindrücke, die sich

festgesetzt haben. Beachtliche

Kilometer und Meilen in alle

Himmelsrichtungen wurden

dabei zurückgelegt: Japan und

Hongkong, das Heilige Land,

Portugal, Brasilien, Mexiko,

Indien, Benin, Griechenland,

Türkei, Philippinen, Kanada,

Togo, Sibirien, Kasachstan, die

Ukraine und das Baltikum, die

nordischen Länder, Polen,

Tschechien, die Slowakei, der

Balkan und so fort.

Und was ist davon besonders

ins Herz gedrungen und unvergesslich?

Ich denke an den Aufenthalt

bei einem krankenhausreif

geprügelten Bischof im

brasilianischen Nova Iguacu.

Gequält und geschunden, weil

er sich für die Armen eingesetzt

und weil er auf dem Weg zum

ewigen Heil die irdische Not

der Menschen nicht vergaß.

Weder der Kölner Kardinal

noch wir als Begleiter werden je

die Stunden in einer Favela, einem

jener berüchtigten Elends-

viertel rund um Rio de Janeiro,

vergessen. Tausende hausen

dort, wo die Menschenwürde

mit Füßen getreten wird. In jenen

„Städten“ aus Kisten,

Wellblech und Brettern. Und

mitten drin eine Kapelle aus

Abfallholz und zusammengenähten

Säcken mit dem Lattenkreuz

draußen, das anzeigt,

dass hier der Platz der Eucharistiefeier

ist. Gefeiert mit einem

Priester, der freiwillig in

diesem Elend lebt, das ein Europäer

nur stundenweise ertragen

kann.

Da sind die Erinnerungen an

Manaus, der merkwürdigen

Stadtsiedlung am Amazonas,

wo in einem Seminar am Rand

des Tropenwaldes sich junge

Männer darauf vorbereiten,

Priester zu werden, um als

„Einheimische“ das Wort Gottes

zu verkünden. Dort traf

Kardinal Meisner einen in die

Kardinal Joachim Meisner mit einem Mitbruder am Strand in

Südindien. (Fotos: Läufer)

Kirchenzeitung Köln ● Sonderausgabe zum 25. 12. 2008


75 Jahre Kardinal Joachim Meisner

Ein nachdenklicher Kölner Erzbischof vor einer „Kapelle“ in einer brasilianischen Favela.

Auf dem indischen Subkontinent ließ sich Kardinal Meisner von der Lebensfreude der einheimischen Christinnen anstecken.

Kirchenzeitung Köln ● Sonderausgabe zum 25. 12. 2008 27


28

75 Jahre Kardinal Joachim Meisner

Die Feier der Liturgie steht für den Kardinal stets im Zentrum von Pastoralbesuchen.

Region „ausgeliehenen“ Kölner

Priester, der tagelang auf

den Nebenflüssen des Amazonas

unterwegs war, um seinen

Erzbischof wiederzusehen. Im

Reisetagebuch des Herzens

hätte der Gottesdienst in der

Kathedrale von Guadalupe am

Stadtrand von Mexiko-City

seinen Platz, gefeiert mit tausenden

Indios, die auf Knien

sich dem Marienheiligtum näherten.

Oder die Messfeier in

der kargen Kapelle am Straßenrand

einer großen mexikanischen

Fernstraße, als Erinnerung

an einen hier erschossenen

Bischof errichtet, weil der seine

Stimme den Ausgebeuteten

verliehen hatte. Neben mir

schnarchte in der Kirchenbank

ein riesiger Schäferhund. Mitgebracht

vom Nachfolgebischof,

um ihm etwas Sicherheit

zu vermitteln. Mit dem Kölner

Kardinal muss man unterwegs

sein, um auf ein Priesterseminar

zu treffen, das der Ortsbischof

den Besuchern nicht zumuten

will, weil es zu armselig ist.

Tokio war mehrmals Ziel von

Besuchen, um sich ein Bild davon

zu machen, was die Hilfe

aus Köln bewirkt hat in dem

aufgeblühten japanischen Bis-

tum. Nicht der Duft des Weihrauchs,

sondern der Gestank der

„smoking hills“, der brennenden

und qualmenden Müllberge

Manilas, steckte tagelang in

den Kleidern der Besucher aus

Köln. Gestank der Müllkippen,

wo Familien vegetieren, um aus

dem Abfall der Metropole herauszukratzen,

was zum Überleben

noch taugt. Freilich sind

da auch die heiteren Erinnerungen

an Kerala, dem südlichen

Ende des indischen Subkontinents.

Fröhlich, weil die Ungezwungenheit

und Buntheit der

malabarischen, lateinischen

und malakarischen Christen

den Kölner Bischof sogar zum

Mit-Tanzen brachten. Er wird

neugierig gewesen sein, ob die

Thomaschristen Indiens vielleicht

doch etwas mit Köln zu

tun haben, weil - wie die Legende

sagt - einer der Drei Könige

hier missioniert haben soll.

Mit Sicherheit nicht am Ganges

und dort, wo er Mutter Teresa

getroffen hat.

Nie hat er die Länder, die unter

der sowjetischen Diktatur

gelitten haben, aus den Augen

verloren. „Ab nach Sibirien“,

dieses schlimme Wort aus Zeiten

des Kommunismus machte

Das Schicksal aller Menschen, egal ob jung oder alt und auf welchem

Kontinent auch immer, berührt den Kölner Erzbischof.

Kirchenzeitung Köln ● Sonderausgabe zum 25. 12. 2008


75 Jahre Kardinal Joachim Meisner

Kardinal Joachim Meisner ist auch Vorsitzender des Trägerkreises

der bischöflichen Hilfsaktion „Renovabis“. Nicht nur in dieser

Funktion hält er engen Kontakt zu den Katholiken in Mittel- und

Osteuropa. Unser Bild zeigt ihn mit Kardinal Andrius Backis, dem

Erzbischof von Vilnius in Litauen, in dem litauischen Muttergottes-Heiligtum

Ausros Vartai.

der Kölner Bischof zum Motto

seiner Reise, als es nach Nowosibirsk

ging, für einen Europäer

eine Reise ans Ende der Welt.

Oder der Flug nach Astana in

Kasachstan, wohin er im Auftrag

des Papstes unterwegs war.

Als Begleiter mit ihm unterwegs,

könnten Bibliotheken

damit gefüllt werden, welche

Eindrücke aus der Weltkirche

bleibend und wegweisend sind.

Eines Tages feierte der Kölner

Erzbischof die heilige Messe,

wo auf dem Altar als Tabernakel

die Nachbildung einer

Holzhütte der Campesinos

stand. Auf der Tür des Taber-

nakels war zu lesen: „O pobres

me converteram“ - „Die Armen

haben mich bekehrt.“

Der Autor, Ehrendomherr

Prälat Erich Läufer, war

langjähriger Chefredakteur

der Kirchenzeitung.

Er begleitete

den

Erzbischof

häufig auf

dessen Reisen

in die

Weltkirche.

Das persönliche

Geburtstagsbuch

Zum 75. Geburtstag von

Joachim Kardinal Meisner

am 25. Dezember 2008

Gloria von Thurn und Taxis

Joachim Meisner

Die Fürstin und der Kardinal

Ein Gespräch über Glauben und Tradition

192 Seiten | Gebunden mit

Schutzumschlag und Leseband

€ 19,95 ISBN 978-3-451-29871-4

Herder

Zwei Menschen, die auf unterschiedlichen Wegen

zum Glauben gekommen sind und ihren Glauben in

unterschiedlicher Weise leben, tauschen sich aus.

Offen, persönlich und inspirierend.

Ein außergewöhnliches Gespräch.

Kirchenzeitung Köln ● Sonderausgabe zum 25. 12. 2008 29


In Gemeinschaftsarbeit entstand im Familienzentrum „Mariä Heimsuchung“ in Marialinden unter anderem ein Bild vom Kölner Dom.

Laterne mit Bischofsinsignien.

In Bilderstöckchen wurde ein Dom gebacken.

30

75 Jahre Kardinal Joachim Meisner

Glückwünsche der Kleinen

Kindergartenkinder basteln zum Geburtstag

Vor einigen Wochen hat die Redaktion der Kirchenzeitung

in den katholischen Kindergärten in Bergheim-

Büsdorf, Köln-Bilderstöckchen und Marialinden vorgesprochen.

Wir haben die Erzieherinnen gefragt, ob sie

sich vorstellen könnten, zusammen mit den Kindern das

Thema „75. Geburtstag von Kardinal Joachim Meisner

aufzugreifen. Nach anfänglichem Zögern setzten sich die

Damen zunächst in ihrem jeweiligen Team mit dem Anliegen

auseinander. Schnell entstanden tolle Ideen, die

schließlich auch die Kinder begeisterten. Doch bevor man

in den Einrichtungen damit begann zu malen, zu schneiden,

zu kleben oder zu formen, besprachen die Erzieherinnen

mit den Kindern, was genau eigentlich ein Bischof

ist, welche Aufgaben er hat und schließlich, wer denn das

Geburtstagskind ist, dem die Arbeiten gewidmet sind.

Die schönsten Kunstwerke zeigen wir hier. RB

Papierblumen in Rot-Weiß.

Die tanzenden Kinder vor dem Dom kommen aus Büsdorf.

Kirchenzeitung Köln ● Sonderausgabe zum 25. 12. 2008


75 Jahre Kardinal Joachim Meisner

Rund um die nachgebildete Krümme des Bischofsstabes von Kardinal Meisner klebten die Kinder aus Büsdorf bemalte Kerzen.

Dieser Guckkasten (oben) entstand in

Zusammenarbeit der Büsdorfer Kinder

mit ihrer Erzieherin.

Wer durch das Guckloch schaut

(links), erkennt die Wellen des

Rheins, den Dom, den Stern der Heiligen

Drei Könige und mittendrin das

Geburtstagskind.

Kirchenzeitung Köln ● Sonderausgabe zum 25. 12. 2008 31


Domsilhouette mit Kinderhandabdrücken und eine bunte Mitra.

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75 Jahre Kardinal Joachim Meisner

Der Erzbischof als Menschenfischer: eine gute Idee aus Büsdorf.

Kinder aus Bilderstöckchen legten ein Lebenslabyrinth. Die umgedrehten Kronkorken stehen für einen „stacheligen“ Wegabschnitt.

Die Anzeige auf der gegenüberliegenden Seite ist eine Spende des Bankhauses Sal. Oppenheim jr. & Cie. KGaA.

Kirchenzeitung Köln ● Sonderausgabe zum 25. 12. 2008


Caritas-Jugendhilfe-Gesellschaft mbH

Klosterstraße 79 50931 Köln Tel.: 0221/94 05 10-0

Fax: 0221/94 05 10-25 E-Mail: info@cjg-jugendhilfe.de

CJG Hermann-Josef-Haus,

Bonn-Bad Godesberg

www.cjg-hjh.de

CJG Haus Miriam,

Köln-Lindenthal

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mit St. Antoniusschule,

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Vom Rhein bis zum Jordan

Der Erzbischof von Köln ist Präsident des Deutschen Vereins vom Heiligen Lande / Von Erich Läufer

er in der rheinischen Me-

Wtropole zur Hautevolee

gehören möchte, wer bei den

Kölschen ein Wörtchen mitreden

will oder überhaupt auf Reputation

aus ist, der muss in

Köln Präsident sein. Präsident,

jawohl. Am besten Präsident

von einem großen Karnevalsverein.

Präsident eines großen

Fußballclubs tut es auch oder

einfach Präsident einer der

vielen Kammern und Gesellschaften.

Das Geburtstagskind Kardinal

Joachim Meisner hat es gut:

Seit 20 Jahren ist er Präsident

des Deutschen Vereins vom

Heiligen Lande. Sein Augenmerk

und Wirkungsbereich erstreckt

sich damit vom Rhein

bis zum Jordan, von der Eifel

bis zur Wüste Juda.

Wo „alles begann“

Eine seiner ersten Reisen, die

er als Kölner Erzbischof antrat,

führte ihn deshalb ins Heilige

Land. Damals war Israel und

Palästina für ihn Neuland. Inzwischen

ist er dort zu Hause.

Er kennt sich aus in der

Heimat Jesu. Er weiß um die

Nöte der dortigen Christen. Er

liebt die heiligen Stätten in Jerusalem

und in Betlehem. Tief

34

75 Jahre Kardinal Joachim Meisner

Kardinal Meisner angesichts des Sonnenuntergangs am See Gennesaret: „Was hat Gott seinem Sohn eine schöne Heimat

bereitet.“ (Foto: Raspels)

berührt ihn jeder Gottesdienst

im Hei-ligtum von Nazareth, in

jener ehrwürdigen Grotte, wo

nach der Tradition die Begegnung

zwischen dem Engel und

Maria sich ereignete und mit

dem Ja-Wort der Jungfrau alles

begann.

Als er mit den Mitbrüdern der

Deutschen Bischofskonferenz

vor einem Jahr bei der gemeinsamen

Pilgerfahrt während des

Sonnenuntergangs oben auf

den Höhen des Golan stand und

im milden Abendlicht über den

See Gennesaret nach Tiberias,

Tabgha und Kafarnaum

schaute, sagte er leise: „Was hat

Gott seinem Sohn eine schöne

Heimat bereitet!“

Aber diese Heimat braucht

Hilfe. Den Christen im Heiligen

Land muss geholfen werden,

damit nicht eines Tages aus

den Heiligen Stätten nur ein

historisches Museum ohne

Gläubige übrig bleibt. Kardinal

Als Präsident des Deutschen Vereins vom Heiligen Lande unterhält Kardinal Meisner enge Kontakte

zu den Christen im Heiligen Land. Das Bild zeigt ihn neben dem melkitisch-katholischen Patriarchen

Gregor III. Lutfi Laham. (Foto: Läufer)

Kirchenzeitung Köln ● Sonderausgabe zum 25. 12. 2008


Meisner wird nicht müde, dies

immer wieder zur Sprache zu

bringen. Das Amt eines Präsidenten

des Deutschen Vereins

vom Heiligen Lande ist dem

Kardinal wie „auf den Leib zugeschnitten“.

Unser Glaube beruht auf

konkrete Geschichte in

einem konkreten Land

Der Verein, der über 150 Jahre

besteht, hat damals in seinen

Statuten festgeschrieben, dass

der jeweilige Erzbischof von

Köln auch sein Präsident ist.

Nur einen Steinwurf vom erzbischöflichen

Haus in Köln entfernt,

in der Steinfelder Gasse,

liegt die Zentrale dieses kirchlichen

Hilfswerkes für die

Christen im Heiligen Land.

Ohne lange Umwege und unkompliziert

lässt sich Kardinal

Meisner darüber informieren,

wo seine helfende und wegweisende

Hand gefragt ist: Für das

Paulushaus in Jerusalem und

die Schmidtschule, für das

Heim in Bet-Emmaus, in dem

alte und kranke palästinensische

Frauen betreut werden, für

das Pilgerhaus in Tabgha und

75 Jahre Kardinal Joachim Meisner

In Tabgha am See Gennesaret unterzeichnet Kardinal Joachim Meisner in Anwesenheit der Deutschen Bischöfe die Urkunde zur

Grundsteinlegung für den Neubau des Klosters der Benediktiner. (Foto: Läufer)

die Dormitio-Abtei auf dem Sionsberg.

Besonders aber für die

Schwestern und Brüder im

Glauben, die in der unruhigen

Region wie zwischen allen

Stühlen sitzen.

Meisners Präsidentschaft hat

über den Tag hinaus markante

Zeichen gesetzt: Er mauerte

den Grundstein zum Pilgerhaus

Tabgha ein. Zur Einweihung

des wunderschönen Gästehauses

war er wieder am See. Im

Jahr 2007 legte er den Grundstein

für ein neues Benediktinerkloster

in Tabgha. Aufmerksam

verfolgt der Präsident,

dass in seiner Amtszeit die

katholische Schmidtschule am

Damaskustor jetzt als Anerkennung

den Status einer deutschen

Schule im Ausland zugesprochen

bekommen hat.

„Ich bin gerne Präsident dieses

Vereins“, gesteht der Kölner

Erzbischof während einer

Pilgerfahrt: „Im Heiligen Land

werden wir von Jesus ergriffen.

Dort ist der Sohn Gottes in unsere

menschliche Geschichte

eingetreten, denn unser Glaube

beruht nicht auf einem Mythos,

sondern auf konkrete Geschichte

in einem konkreten

Land.“

Medizin für die Seele!

Ein bewährtes Medikament ohne Rezept. Wirkt über

die Schulmedizin hinaus. Von ungezählten gläubigen

Christen erprobt und empfohlen. Ausdrücklich für Erwachsene

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Herzensbildung

für Kinder

Kirchenzeitung Köln ● Sonderausgabe zum 25. 12. 2008 35


„Ich wünsche Kardinal Meisner den

unschuldigen Glauben eines Kindes,

die Schaffenskraft eines 50-Jährigen

und die Weisheit des 75-Jährigen. Dazu

natürlich die möglichst lange währende

Zeit eines erfüllten Ruhestands, der

vielleicht doch noch

kommen wird. Und

da er immer in der

Öffentlichkeit steht,

ein großes Stück Privatsein.“

vor allem Gesundheit. Bestimmt werden das viele tun,

aber ich weiß, wovon ich spreche, wenn ich Ihnen

wünsche, dass Sie möglichst lange mobil bleiben und

Ihre Zufriedenheit nicht verlieren,

wenn Sie es mal nicht mehr sind. Außerdem

wünsche ich Ihnen viele schöne

Stunden mit Ihrer Familie, denn die

Familie ist auch für einen Priester,

auch für einen Bischof wichtig.“

Regina Clever aus Leverkusen

36

Marina Schnurbus

aus Remscheid

„Lieber Herr Kardinal, Ich schenke

Euch vier Kerzen. Die erste steht für

Glaube, den tragt in alle Welt. Die

zweite steht für Liebe, die jeder kennt.

Die dritte ist die Hoffnung für jeden

neuen Tag. Die vierte steht für Frieden,

den man im Herzen trag.

Glaube, Liebe, Hoffnung und Frieden

wünsche ich Ihnen

von ganzem Herzen

für die nächsten Lebensjahre.“

Tobias Nett, Messdiener

an St. Chrysanthus

in Münstereifel

„Sehr geehrter Herr Kardinal,

zum Geburtstag wünsche ich Ihnen für

die kommenden Jahre alles Gute und

„ Also, . . .wir wollen nicht pokern, sondern mit aufgedeckten Karten und

in Anbetracht der Lage nicht viel drumherum reden, dass rein theoretisch,

unter den Voraussetzungen, dass es natürlich praktisch auch möglich ist

und dass die Mittel uns zur Verfügung stehen, sagen: . . . Jetzt haben wir es

vergessen. Also noch mal von vorne: Eigentlich, also

irgendwie nicht, aber irgendwie schon wollten

wir sagen: Wie schön, dass Sie geboren sind, sonst

hätten wir Sie sehr vermisst!“

Alina Kälble (links) und Meike Lingscheid aus Bad

Münstereifel

„Sehr geehrter Herr Kardinal Meisner, Sie haben die verantwortungsvolle

Aufgabe der Leitung unserer großen Kölner Diözese für weitere Jahre

übernommen. Dafür wünschen wir Ihnen die Kraft, die aus der Freude am

Herrn kommt, die nur der Herr schenken kann. Wir

wünschen Ihnen, dass Sie stets in dieser Freude leben

können, dass sie aus Ihren Worten zu erkennen

ist, dass sie in all Ihrem Tun deutlich wird, dass diese

Freude aus Ihrem ganzen Wesen strahlt und alle

Menschen ansteckt, die Ihnen anvertraut sind.“

Felicitas und Norbert Zinzius aus Bergisch Gladbach

„Ich wünsche Kardinal Meisner zum 75. Geburtstag zu seinem anerkannt intellektuell-analytischen

Scharfblick vielleicht etwas mehr Nachsicht im preußischen Umgang mit den Kölnern im

Besonderen und den Rheinländern im Allgemeinen. Ansonsten möge er seine bewundernswerte

Geradlinigkeit und seine Festigkeit in Standpunkten beibehalten.“

Dr. Christian Henkelmann aus Remscheid

„Viele Mitarbeiter der Malteser waren begeistert, als Kardinal

Meisner kürzlich in Wesseling unsere neuen Fahrzeuge gesegnet

hat. Er war sehr locker und hat sich

mit vielen Menschen unterhalten. Ich wünsche

Kardinal Meisner weiterhin viel Offenheit

im Umgang mit den Menschen als

Seelsorger. Er soll so menschlich und

christlich bleiben.“

Heinz Vogel, Zugführer der Malteser aus

Wesseling

„Lieber Herr Kardinal, anlässlich Ihres 75. Geburtstags möchte ich Sie nicht nur beglückwünschen,

sondern Ihnen auch von Herzen danken. Mehrfach schon durfte ich Sie beim Ehrenamtstag sprechen

hören und mit Ihren Worten haben Sie mich jedes Mal aus Neue gefesselt. Ich wünsche Ihnen, dass Sie

auch in Zukunft viele Menschen mit Ihren Worten begeistern werden. Mögen Sie offene Ohren finden.“

Monika Reusch aus Leverkusen

75 Jahre Kardinal Joachim Meisner

„Die katholischen Frauen in den Städten Neuss und Kaarst lassen Ihnen

herzliche Glück- und Segenswünsche durch mich übermitteln. Wir sind

glücklich, 25 intakte Pfarrgruppen zu haben. Als katholischer

Frauenverband fördern wir das Miteinander der

Generationen und bilden somit eine kraftvolle Gemeinschaft.

Wir wünschen Ihnen Gottes reichen Segen und

für Ihr verantwortungsvolles Amt seine Kraft spendende

Nähe.“

Petra Indenhuck, Vorsitzende der kfd im Dekanat Neuss/

Kaarst

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Kirchenzeitung Köln ● Sonderausgabe zum 25. 12. 2008


pointiert prinzipienfest profiliert

Perspicuitate nobilis.


Gerne sucht der Erzbischof den Kontakt zu jungen

Menschen. Unser Bild zeigt ihn unterwegs mit Jugendlichen

im Bergischen Land.

38

75 Jahre Kardinal Joachim Meisner

Am 12. Februar 1989 wurde Kardinal Meisner als Erzbischof eingeführt. Das

Foto zeigt Dompropst Henrichs beim Verlesen der Ernennungsurkunde.

Kardinal Meisner bei seinem ersten Besuch im Dom als Erzbischof von Köln in

Begleitung des damaligen Dompropstes Henrichs und des Diözesanadministrators

Bischof Hubert Luthe. Das Foto entstand in der Bischofsgruft.

Der Erzbischof von Köln ist ein Mann des klaren Wortes, ob gelegen oder ungelegen, ob in der Predigt oder in Interviews.

Kirchenzeitung Köln ● Sonderausgabe zum 25. 12. 2008


Der Bischof mit dem gelben Gießkännchen. Wenn der Kardinal Zeit

hat, dann kümmert er sich auch um die Pflanzen in seinem Garten.

20 Jahre

Erzbischof

von Köln

75 Jahre Kardinal Joachim Meisner

Zwei Jahrzehnte in Bildern Der Erzbischof ist gerne unter Menschen und sucht den Kontakt.

(Fotos: Boecker, Klein, Raspels)

Für viele Späße zu haben: Hier versucht sich

der Erzbischof auf der Bühne des Maternushauses

an einem „Zaubertrick“.

Die Kraft für sein mitunter schweres Amt zieht der Kölner Erzbischof aus dem Gebet. Unser

Foto zeigt ihn in der Kapelle des Erzbischöflichen Hauses.

Kirchenzeitung Köln ● Sonderausgabe zum 25. 12. 2008 39


Hält Kontakt mit der Politik: Unser Bild zeigt ihn mit Wolfgang

Clement, der damals noch in der SPD und NRW-Ministerpräsident

war. (Fotos: Becker, Boecker)

Während eines Besuchs im Braunkohletagebau Hambach suchte

Kardinal Meisner auch das Gespräch mit den Arbeitern.

Auch mit und an dem Fußballclub seiner

Bischofsstadt leidet der Erzbischof.

40

75 Jahre Kardinal Joachim Meisner

Als die „Töchter der göttlichen Liebe“ im Sommer 2008 in Leverkusen

ihr 25-Jähriges feierten, gab es für den Kardinal Geschenke.

Eine ganz seltene Aufnahme: Der Erzbischof am Steuer seines

Wagens.

Kardinal Meisner zeichnet ein unkompliziertes Verhältnis zu Kindern aus.

Kirchenzeitung Köln ● Sonderausgabe zum 25. 12. 2008


Aus der Feier der Eucharistie schöpft er die Kraft für sein

Leben.

Kardinal Meisner, ein Bischof, dem auch Kardinäle zuhören.

75 Jahre Kardinal Joachim Meisner

Viel zu selten findet der Erzbischof Zeit, sich in seinem Garten zu entspannen.

Kardinal Meisner pflegt das Gespräch mit den Juden, wie hier mit den israelischen

Oberrabbinern und dem jüdischen Kantor von Köln (2. v. l.).

Mehr als 20 000 Schützen kamen Anfang

Oktober 2003 zum 75-jährigen Bestehen des

Bundes der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften

in die Domstadt.

Kirchenzeitung Köln ● Sonderausgabe zum 25. 12. 2008 41


enn wir heute in den vie-

Wlen Gesprächen mit Besuchern

nach dem Verhältnis des

Kardinals zu Kolumba gefragt

werden, dann erinnern wir uns

an den langen Weg, den wir gegangen

sind, und an das Vertrauen

des Kardinals, das uns

dabei begleitet hat.

Kardinal Joachim Meisner ist

derjenige, der die Entwicklung

des Diözesanmuseums initiiert

und seinen Neubau viele Jahre

verteidigt hat, nicht ohne sich

wiederholt der Mehrheit aller

ihn beratenden Gremien zu versichern.

In der Hoffnung auf ein zukunftsfähigesMuseumskonzept

und auf die authentische

Begegnung mit Kunst berief er

1990 mit Joachim M. Plotzek

bewusst den ersten nicht-geistlichen

Leiter des traditionsreichen

Hauses. Er ließ der Tochter

Kolumba die notwendige

42

Dunnerkiel

der Magenstimmer

tut gut und

stimmt immer

Kolumba und der Kardinal

Zeit, sich zu entwickeln und akzeptierte

ihre eigenwillige Persönlichkeit.

Denn fast wäre es

im Oktober 1992 schon vorbei

gewesen, als bei Eröffnung der

„Vaticana“-Ausstellung nach

mittelalterlichem Chorgesang

auch eine Musik-Performance

des Kagel-Schülers Chris

Newman erklang.

Die durch prominente Zwischenrufe

schließlich beendete

Aufführung entsprach nicht

den Erwartungen des Publikums

- auch nicht der des Kardinals.

Dennoch ließ er dem

Kolumbateam freie Hand bei

der Entfaltung von Museumskonzept,

Sammlungsaufbau

und Neubauplanung.

Vielleicht liegt der Schlüssel

zu diesem Vertrauen in der gemeinsamen

Wertschätzung des

Werkes von Joseph Beuys. Es

war eine Sternstunde für die

Begegnung von Kunst und Kir-

seit über 80 Jahren

M. LAUFENBERG KÖLN

Kräuterspezialitäten

75 Jahre Kardinal Joachim Meisner

Von Stefan Kraus

che, als der Kardinal 2004 mit

dem von Beuys 1949 geschaffenen

Handkreuz aus der

Sammlung von Kolumba beim

Mit dem Handkreuz von Joseph Beuys aus

Kolumba spendete Kardinal Meisner in der

Weihnachtsnacht 2004 den Segen.

Weihnachtsgottesdienst im

Hohen Dom den Segen erteilte.

Beuys sehe seinen wichtigsten

Beitrag zum Christusbild

seiner Zeit im „erweitertenKunstbegriff“,

schrieb

der Kardinal schon

1989 mit Bezug

auf eine frühe

Kreuzigungsgruppe

des Künstlers.

„Er ist nicht im engeren

Sinne von

der Kirche, aber

von ihrer christlichenVerkündigung

geprägt.“

Am Beispiel

Beuys hat der Kardinal

erfahren,

dass - jenseits des

persönlichen Geschmacks

- im Unerwarteten

die eigentliche

Chance

einer Auseinandersetzung

mit

Kunst liegt: „Gerade

durch die Ge-

staltung mit unkonventionellen

Materialien

kommt das Unge-

Der Architekt und der Kardinal: Im September 2007 konnte

Kolumba endlich eröffnet werden. Peter Zumthor (links) hatte in

der Bauphase immer wieder neue Ideen und stellte nicht nur die

Geduld des Erzbischofs auf eine harte Probe.

Kirchenzeitung Köln ● Sonderausgabe zum 25. 12. 2008


heuerliche, Unfassbare von

Christi Opfertod zur Rettung

der Menschen erschreckend

schmerzhaft zum Ausdruck.“

Im Museum wurde diese

Haltung ab Juni 1993 manifest,

in einem nicht unumstrittenen

Raum mit drei Hauptwerken:

der unbetitelten Munitionskiste

mit Fichtenstamm von

Beuys, dem Schrittspuren-

Bild von Antoni Tàpies und

dem monumentalen romanischen

Kruzifix aus Erp.

Der „erweiterte Kunstbegriff“

wurde maßgeblich für

die Neukonzeption der

Sammlung. Mit Peter Zumthor

gewann 1997 ein Architekt

den Wettbewerb für den Museumsneubau,

der nach eigenem

Bekunden an Beuys das

„alte Wissen über den Gebrauch

von Materialien“ erkannt

hatte. Als Ort eines vielfältig

geführten Dialoges zwischen

Gegenwart und Vergangenheit

in Kirche und Kunst ist

Kolumba nach Beuys’schem

Denken eine „Wärmeskulptur“.

Denn der Dreiklang von

75 Jahre Kardinal Joachim Meisner

Ort, Architektur und Sammlung

möchte es jedem Besucher

ermöglichen, mittels seiner

Phantasie, seines Glaubens

und seiner Erfahrung im

Nachdenken selbst schöpferisch

tätig zu werden.

Über der Ruine der ehemaligen

Kirche errichtet, ist Kolumba

- so der Kardinal -, ein

„Sakralbau, in den Dimensionen

eines Museums“ und eine

„neue Möglichkeit, Menschen

mit der Wirklichkeit Gottes in

Berührung zu bringen“; Beuys

hätte diese unsere wesentliche

Aufgabe „soziale Plastik“ genannt.

Dr. Stefan

Kraus ist Direktor

von

Kolumba,

dem Kunstmuseum

des

Erzbistums

Köln.

Wie eine Burg erhebt sich das von Peter Zumthor entworfene Museum

in der Mitte der Stadt. (Fotos: Boecker, Steinmann)

Kolumba, das Kunstmuseum des Erzbistums Köln, zu bauen, war

eine mutige und zukunftsweisende Entscheidung des Erzbischofs.

Das Bild entstand bei der Grundsteinlegung. Im Hintergrund der

damalige Landesbauminster Michael Vesper und der Kölner

Oberbürgermeister Fritz Schramma.

Kirchenzeitung Köln ● Sonderausgabe zum 25. 12. 2008 43


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Anstelle von Geschenken

Kardinal Joachim Meisner bittet um Spenden

s gibt viele Menschen, die

EKardinal Joachim Meisner

zu dessen 75. Geburtstag mit

einem Geschenk eine Freude

bereiten wollen. Doch anstelle

persönlicher Gaben bittet der

Erzbischof um die großzügige

Unterstützung einer Hilfseinrichtung,

die ihm sehr am Herzen

liegt. Dabei handelt es sich

um die „Casa Angela“ in Bad

Münstereifel.

Wenn es nachts um drei Uhr

in der Mahlberger Straße 28 in

Münstereifel-Schönau an der

Haustüre klingelt, ahnt Marlene

Büchel schon, was sie erwartet,

Kirchenzeitung

für das Erzbistum Köln

Herausgeber: Der Erzbischof von Köln.

Chefredakteur: Stephan Georg Schmidt.

Redaktion: Robert Boecker (Stellvertretender

Chefredakteur), Siegbert Klein (Chef vom Dienst),

Kathrin Becker, Helmut Pathe, Bernhard Raspels.

Anschrift der Redaktion: Ursulaplatz 1, 50668 Köln,

Postfach 10 20 41, 50460 Köln,

Telefon: (02 21) 16 19-1 31; Fax: (02 21) 16 19-2 16.

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Fotos keine Haftung und keine Rücksendung.

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Herstellung: Weiss-Druck GmbH & Co. KG,

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Anzeigen: Klaus Boscanin,

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(Anzeigenpreisliste Nr. 33 vom 1. November 2008).

Vertrieb: Ida Schulz,

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Sommer- und Weihnachtsferien 14-tägig). Bei

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und jeder Zusteller entgegen. Abbestellungen

können nur schriftlich

unter Beifügung der letzten Bezugsquittung

oder mit Angabe der Kundennummer

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Vertrieb Verlagsbezirk Rhein-Sieg-Kreis rrh.,

Oberbergischer Kreis und Kreis Altenkirchen (Dekanat

Wissen) siehe unten.

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inkl. MwSt. zuzügl. einer Zustellgebühr von 0,80 Euro.

Bei Lieferung als Postvertriebsstück oder als

Streifbandzeitung beträgt der monatl. Bezugspreis

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Kreis und Kreis Altenkirchen (Dekanat Wissen):

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(0 22 41) 98 00 13, E-Mail: kiz@degenschedruckerei.de.

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Schriftenstand; monatlicher Bezugspreis: 5,55 Euro

inkl. MwSt. ab Verlag zuzügl. 0,80 Euro bei

Auslieferung durch die zuständige Ortsagentur auf

deren Rechnung. Bezugspreis bei Belieferung durch

die Post: 8,10 Euro inkl. MwSt. Bei Auslandsbezug

Preis auf Anfrage.

75 Jahre Kardinal Joachim Meisner

wenn sie die Türe ihres großen

Hauses öffnet. „Oft genug stehen

dann zwei Polizisten ein

wenig ratlos und mit fragendem

Blick vor meinem Haus. In ihrer

Begleitung haben sie meist

eine junge Frau. Irgendwo aufgegriffen,

irgendwo herausgeholt:

Mit 18 zu alt fürs Kinderheim,

zu jung fürs eigene Leben“,

erzählt die 66-jährige

Frau. Inzwischen hat es sich herumgesprochen,

dass junge

Frauen in der „Casa Angela“

vorübergehend eine Bleibe finden

können, um aus einem geschützten

Raum heraus zu

überlegen, wie es weitergehen

soll. Seit 1991 gibt es die „Casa

Angela“. Damals entschloss

sich Marlene Büchel, die unter

anderem als Ausbilderin im

hauswirtschaftlichen Bereich

viele junge Menschen auf einen

erfolgreichen Berufsabschluss

vorbereitete, ihr Leben zu ändern

und sich der offenen Jugendarbeit,

insbesondere für

Mädchen zu widmen. Motiviert

wird sie zu ihrer Arbeit durch

das Vorbild der Angela Merici,

der Gründerin des Ursulinenordens.

Neben der akuten Notfallhilfe

betreiben Frau Büchel

und ihre vielen Mitstreiter in ihrem

Verein „Jugendarbeit

FREIZEIT LEBEN in der Casa

Angela“ Präventionsarbeit.

Dieses geschieht durch TagesundWochenendveranstaltungen,

die das Ziel haben, jungen

Frauen durch Kreativität,

Sport, Glaubensangebote und

das Erleben von Gemeinschaft

Selbstbewusstsein zu vermitteln

und die Persönlichkeitsbil-

Seit 1991 ist sie für Mädchen

Schutzengel: Marlene Büchel.

Diese junge Mutter fand in der „Casa Angela“ Aufnahme.

dung zu fördern. Der Verein

„FREIZEIT LEBEN“ arbeitet

in der Jugendarbeit mit öffentlichen

Sozialträgern zusammen.

Seit 1994 unterstützt ein

Förderverein die Jugendarbeit

materiell und ideell. Rund 45

Prozent der anfallenden Kosten

trägt der Verein. Den Rest

zahlte Frau Büchel aus ihrer

privaten Kasse, wenn keine

Spender gefunden werden

konnten. Jetzt stehen umfang-

Ströer Out-of-Home Media AG

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reiche Investitionen in der „Casa

Angela“ an, um das Leben

dort zu erleichtern und die präventive

Jugendarbeit neu auszurichten.

Dafür werden Spenden

benötigt, die weder der

Verein noch Frau Büchel aufbringen

können. RB

Spendenkonto: Erzbistum

Köln, Stichwort: Casa Angela,

Konto 55050, Pax Bank BLZ

370 601 93.

Lieber Herr Kardinal Meisner,

wir gratulieren Ihnen zum 75. Geburtstag und zum

Jubiläum Ihrer zwanzigjährigen Amtszeit als Kölner

Kardinal. Erfolgreich verbreiten Sie von Köln aus die

Frohe Botschaft.

Als Deutschlands Marktführer für Außenwerbung

verstehen auch wir uns als Spezialist für die Verbreitung

von Botschaften. Von der Planung bis zur Realisierung

von Out-of-Home-Media-Kampagnen sind

wir der kompetente Ansprechpartner.

Kirchenzeitung Köln ● Sonderausgabe zum 25. 12. 2008 45


Gudrun Schmidt

mit Fotos von Robert Boecker

7 Tage mit dem Kardinal

144 Seiten mit 152 Abbildungen

Format 22,5 x 25 cm

ISBN 978-3-7616-2260-5

19,95 Euro

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Lebenslauf

25. Dezember 1933 geboren in Breslau-

Lissa; drei Brüder; Vater im Krieg gefallen

seit 1945 lebt die Familie in Körner bei

Mühlhausen/Thüringen

1948 Schulabschluss in Körner

1956 Abitur über das Norbertuswerk in

Magdeburg

1956-1962 Studium der Philosophie und

Theologie in Erfurt

22. Dezember 1962 Priesterweihe in

Erfurt

1963 Kaplan in Heiligenstadt

1966 Kaplan in Erfurt

1966-1975 Rektor im Caritasverband,

Referat „Kirchliche Dienste“

1969 Promotion zum Dr. theol. an der

Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom

17. Mai 1975 Bischofsweihe, Weihbischof

in Erfurt/Meiningen

1980 Ernennung zum Bischof von Berlin,

Amtseinführung 17. Mai

1982 Vorsitzender der Berliner Bischofskonferenz

5. Januar 1983 Ernennung zum Kardinal

2. Februar 1983 Erhebung zum Kardinal

im Konsistorium zu Rom

Mitglied

75 Jahre Kardinal Joachim Meisner

20. Dezember 1988 Ernennung zum Erzbischof

von Köln

12. Februar 1989 Einführung als Erzbischof

von Köln

9. Dezember 1989 Ehrensenator-Würde

der Sophia-Universität in Tokio, Japan

5. Dezember 1990 Ehrendoktorwürde der

Jesuiten-Universität Ateneo in Manila,

Philippinen

28. August 1992 Ehrenbürger von Miguel

Pereira, Brasilien

30. November 1992 Großes Goldenes

Ehrenzeichen am Band für die Verdienste

um die Republik Österreich

8. Oktober 1996 Ehrendoktor der Päpstlich-Theologischen

Fakultät der Universität

in Breslau, Polen

24. Oktober 1996 Ehrendoktor der Päpstlichen

Universität in Mexiko-City, Mexiko

1998 Plakette für Verdienste um den deutschen

Osten und das Selbstbestimmungsrecht

durch den Bund der Vertriebenen

1998 „Orden des Weißen Löwen III. Klasse“

der Tschechischen Republik

21. August 2001 Ehrenbürger der Stadt

Trebnitz/Schlesien, Polen

27. November 2001 Ehrenbürger der Gemeinde

Serra San Bruno/Kalabrien, Italien

Mai 2003 Ehrendoktor der „Leibniz University

Institute of Arts and Science“ in

Santa Fe, USA

7. Oktober 2003 Verleihung des Großen

Verdienstordens der Bundesrepublik

Deutschland mit Stern und Schulterband

29. Oktober 2003 Ehrendomherr der

Kathedrale in Breslau, Polen

5. Mai 2005 Ehrendoktor der Katholischen

Universität Lublin, Polen

15. August 2006 Ehrenbürger von Levoca,

Slowakei

- der römischen Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung

- der römischen Kongregation für die Bischöfe

- der römischen Kongregation für den Klerus

- im Päpstlichen Rat für die Gesetzestexte

- der Präfektur für die wirtschaftlichen Angelegenheiten des Heiligen Stuhles

- des Kardinalsrates zum Studium der organisatorischen und wirtschaftlichen Fragen des Apostolischen Stuhles

- des Obersten Komitees der Päpstlichen Missionswerke

- der Kommission X für weltkirchliche Aufgaben der Deutschen Bischofskonferenz

Vorsitzender

- der Liturgiekommission der DBK

- der Unterkommission X für die Beziehungen der DBK mit Mittel- und Osteuropa

- der Solidaritätsaktion Revovabis

Präsident

- des Deutschen Vereins vom Heiligen Lande

- der bischöflichen Kommission Ecclesia celebrans

Kirchenzeitung Köln ● Sonderausgabe zum 25. 12. 2008 47


Ein

Blick

ins Familienalbum

des Erzbischofs

zeigt

das Kommunionkind

Joachim zwischen

seiner

Mutter und dem

im Krieg gefallenen

Vater. Das linke Bild in der zweiten

Reihe entstand kurz nach der

Flucht nach Thüringen. Zu sehen

sind Joachim Meisner (hintere

Reihe rechts) mit seiner Mutter

und den drei Brüdern. Auf dem

Bild in der Mitte sieht man Joachim

(links vorne) als Jugendlichen

mit kurzen Hosen. Die weiteren

Bilder zeigen den jungen

Mann Joachim Meisner.

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75 Jahre Kardinal Joachim Meisner

Erinnerungen aus Kindheit und Jugend

Kirchenzeitung Köln ● Sonderausgabe zum 25. 12. 2008

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