lesen - Vatican magazin

vaticam.vatican.magazin.de

lesen - Vatican magazin

titel-thema

Was ist der

Mensch?

Einfach aufhören.Einfach mal lassen.

Mit seinem „Moratorium gegen Abtreibung“

will der italienische Journalist Giuliano Ferrara

die Gewissen wachrütteln.Auch das Leben

des Embryo ist heilig

VON GUIDO HORST

Denn sie wissen

nicht, was sie tun

Das Post-Abortion-Syndrom

wird nicht ernst genommen.

Mit fatalen Folgen

VON STEFAN REHDER

Sie ist dick, hoch und mächtig. Aber

sie hat Risse bekommen. Die Mauer

des Schweigens, die sich Jahre lang

um das Drama der Tötung ungeborener

Kinder gelegt hatte, hält nicht mehr ganz

dicht. Und einer, der dazu beiträgt, ganze

Breschen in das schwere Gemäuer zu

schlagen, hat auch rein äußerlich die Gestalt

eines Rammbocks. Wenn sich Giuliano

Ferrara in der von ihm geführten Redaktion

der italienischen Tageszeitung „Il

Foglio“ am Tiberufer Trasteveres in den

Chefsessel fallen lässt, tut einem das Federbeinchen

des armen Stuhls fast schon leid.

Aber aus Ferraras Augen blitzt es. Er ist in

seinem Element. Endlich wieder eine Kampagne.

Er kämpft und lenkt und kommandiert

und leitet – wie damals in den siebziger

Jahren, als er noch als „Beauftragter

für die Fabriken“ der Kommunistischen

Partei Italiens die Genossen in Turin in die

Werksversammlungen jagte.

Da sitzt er nun und erzählt. Menschliches

Leben beginne bei der Verschmelzung

von Ei- und Samenzelle. Das sei naturwissenschaftlich

zweifelsfrei festgestellt.

Es liegt schon eine Weile zurück. Am

Abend eines langen Tages – ich war

als Berichterstatter zu einem Kongress

entsandt worden – ging es noch in

die Cocktail-Bar. Maria – eine junge Hebamme,

die mit ihrem schonungslosen Bericht

über die Abtreibungspraxis in einer

deutschen Klinik auf dem Kongress für

Furore gesorgt hatte – hatte mich dorthin

bestellt, um mir ein Interview zu geben.

Doch noch bevor wir mit den Fragen und

Antworten beginnen konnten, klingelte

ihr Handy. Eine Klientin teilte ihr mit, sie

habe sich zur Abtreibung entschlossen.

Die junge Frau, deren Namen ich nie

erfuhr, erwartete Zwillinge. Wie mir Maria

später erzählte, hatte der Inhaber einer

Model-Agentur der jungen Frau versprochen,

sie “groß herauszubringen“. Nicht

ohne zu bemerken, dass dies nur ohne

„dicken Bauch“ möglich sei. Einen ersten

Abtreibungstermin hatte die ungewollt

Schwangere bereits verstreichen lassen.

Maria hatte sie, wie unzählige andere zuvor

und danach, auf dem Gehsteig vor der

Klinik angesprochen und ihr ihre Hilfe

angeboten. „Was brauchen Sie, damit sie

ihr Kind behalten können?“, fragt sie in

solchen Situationen häufig. Kommt es mit

der Angesprochenen zu einem Gespräch,

hat Maria am Ende oft die Nase vorn.

Hunderte Kinder hat die Hebamme auf

diese Weise in den letzten Jahren vor dem

Tod gerettet; viele buchstäblich in letzter

Minute. Doch in diesem Fall war auch

Maria machtlos.

Da ich mich nach einem kurzen Telefonat

mit meiner Frau angeboten hatte,

die Zwillinge zu adoptieren, wenn das helfe,

die Mutter umzustimmen, hielt Maria

mich über den Fortgang der Ereignisse auf

dem Laufenden. So erfuhr ich, dass Maria

nichts unversucht gelassen hatte, ihre

Klientin noch umzustimmen. Sogar in das

Wartezimmer der Abtreibungsklinik war

sie ihr gefolgt. Doch die junge Frau ließ

sich nicht umstimmen. „Sie nahm meine

Hand, legte sie auf ihren Bauch und sagte

trocken: ‚Verabschiede Dich von ihnen‘“,

erzählte Maria. Zwei Monate, nachdem

die Frau in die vorgeburtliche Tötung der

Zwillinge eingewilligt hatte, schnitt sie sich

in der Badewanne die Pulsadern auf und

verblutete.

Höchst wahrscheinlich litt auch sie

längst am so genannten Post-Abortion-

Syndrom (PAS). Dieses Syndrom ist eine

seelische und/oder körperliche Erkrankung,

die in unterschiedlichen Ausprägungen

in einem zeitlich variablen Intervall

nach einer Abtreibung auftreten kann. In

den allermeisten Fällen manifestiert sie

sich in starken Schuldgefühlen (96 Prozent),

Depressionen (88 Prozent) und dem

Verlust des Selbstverwertgefühls (82 Prozent).

Mehr als die Hälfte der Frauen, die

am PAS erkranken, werden von Selbstmordgedanken

(56 Prozent) oder hysterischen

Weinkrämpfen (51 Prozent) geplagt.

Alpträume (47 Prozent), Essstörungen

(39 Prozent) sind ebenso keine Seltenheit,

wie der Konsum von Drogen (41 Prozent)

oder Alkohlmissbrauch (37 Prozent).

In der Fachliteratur wird das PAS als

Sonderform des „Posttraumischen-Stress-

Doch wo seien jetzt alle die gezeugten und

nie geborenen Menschen? Ferrara spricht

vom „appuntamento demografico“, von

der „demografischen Verabredung“ hier in

Europa. Da fehlten sie jetzt und kämen nie

mehr an. Und in China und Indien fehlten

sie auch, vor allem die Mädchen und jungen

Frauen, die man millionenfach „weg

gemacht“ hat. Abtreibung als Mittel der

Eugenik. Vor allem ist Abtreibung für

Ferrara ein Fall von Unterdrückung. Eine

Unterdrückung der schwangeren Frau,

und eine tödliche Unterdrückung des Ungeborenen.

Giuliano Ferrara ist ein wahrer Bürgerschreck.

Aber gegen Abtreibung als

brutale Unterdrückung hat er schon in

den achtziger und neunziger Jahren geschrieben.

Dabei hat er die „Laufbahn“

hinter sich gebracht, die viele waschechte

Kommunisten und Steinewerfer des Landes

durchgemacht haben. Von Marx und

Ein Embryo in der

sechzehnten Lebenswoche.

Foto: Life issue institute

Syndroms“ (PTSD) beschrieben, einer

durch ein schweres Trauma ausgelösten

Störung körperlicher und seelischer Funktionen

mit Krankheitswert. Ein solches

Trauma erleiden Menschen zum Beispiel

durch körperliche Gewaltanwendung, bei

einer Vergewaltigung sowie durch die passive

oder aktive Teilnahme an einem gewaltsamen

Tötungsgeschehen. Solche Ereignisse

überwältigen nicht selten die normalen

psychischen Abwehrmechanismen

eines Menschen. Die traumatisierte Person

reagiert, indem sie das Erlebte zu verdrängen

sucht, doch das Unterbewusstsein

fordert eine Verarbeitung. Weil jedoch der

Verdrängungsmechanismus oft sehr stark

ist, werden die Folgen – wie man bei zahlreichen

Vietnam-Kriegsveteranen beobachtet

hat – oft in einigen Fällen erst viele

Jahre nach dem eigentlichen Vorfall sichtbar.

Anders als in den Vereinigten Staaten

ist in Europa das PAS noch vielfach unbekannt.

Der Psychologe Vincent Rue brachte

erstmals 1981 die Folgeerscheinungen

von Abtreibungen mit dem PTSD in

8 vatican 3|2008 vatican 3|2008 9


titel-thema

Engels führte der Weg zu Italiens Sozialisten

unter Bettino Craxi, von dort zum

Imperium des Mailänder Unternehmers

Silvio Berlusconi, einem Zögling Craxis,

der mit seinen Privatsendern das Informationsmonopol

des Staatsfernsehens zur

Strecke brachte, und von dort schließlich

zu Autoren und Denkern, die plötzlich mit

den Slogans der 68er nichts mehr anzufangen

wussten. Und da war es dann nur

noch ein kleiner Schritt zu katholischen

Intellektuellen, deren Spitzenvertreter

auch in Italien nun einmal Kardinal Ratzinger

/ Papst Benedikt war und ist.

Ferrara bezeichnet sich (noch) als Ungläubiger

und wird im Allgemeinen zu

einer Gruppe von Denkern gerechnet, die

man in Italien mit der Bezeichnung „atei

devoti“ – „fromme Atheisten“ umschreibt.

Aber als Benedikt XVI. am vergangenen

24. Februar die Heimatpfarrei Ferraras im

erlesenen römischen Stadtviertel Testaccio

Wie man ihn aus dem Fernsehen kennt:

Der Journalist, Moderator und jetzt auch

Politiker Giuliano Ferrara. Foto: XPress

Verbindung. Und weil in vielen Ländern

Abtreibung als etwas betrachtet wird, auf

das Frauen ein Anrecht haben sollen, werden

die möglichen Folgen von Abtreibungen

selbst dort, wo sie nicht mehr geleugnet

werden können, immer noch ignoriert

und verdängt.

Mit fatalen Folgen. „Das Post-Abortion-Syndrom

wird nicht ernst genommen“,

beklagt der Gynäkologe Detlev

Kratzwinkel. Dabei sei die Lage dramatisch.

Bei zwei von drei Frauen, die in eine

Abtreibung eingewilligt hätten, sei eine

medizinische Behandlung notwendig.

„Statt von speziellen Einzelschicksalen zu

sprechen, wäre es heute sicher eher korrekt,

eine reelle Massentraumatisierung

Einzelner zu konstatieren, da eben enorm

viele Frauen betroffen sind“, weiß Kratzwinkel.

Weil das PAS kaum thematisiert

werde, fühlten sich die Betroffenen meist

als Außenseiter. In Wirklichkeit hätten sie

„Hunderttausende Leidensgenossinnen“.

Der Gynäkologe spricht gar von einem

„Schleier“, der auf vielen jungen Frauen

liege. Frauen, die „aufgrund ihrer Alterzugehörigkeit

sonst eher als starke potentielle

Säulen der Gesellschaft gebraucht

würden“. Eine Rolle, die sie auf absehbare

Zeit kaum wahrnehmen könnten.

In seinem Ende letzten Jahres erschienenen

Buch, das den Titel trägt: „Das

Kind, das ich nie geboren habe“, hat Kratzwinkel

auch eine Reihe anonymer Schilderungen

Betroffener aufgenommen. In

einer dieser Schilderungen erzählt eine

Frau, wie sie die Abtreibung ihres acht

Wochen alten Kindes erlebt und welch

dramatische Folgen diese Entscheidung

für sie hatte. Sie war damals 23 Jahre alt

und ebenso wie der Kindvater mitten im

Studium. Das Geld war knapp, an Unterstützung

durch die Eltern nicht zu denken.

Abtreibung erschien beiden als die richtige

Wahl. „Meine Erinnerungen an den Eingriff

sind nach wie vor dumpf, so als wollte

ich sie aus meinem Gedächtnis streichen.

Ich erinnere mich, fast unablässig

an die Zimmerdecke gestarrt zu haben,

während ich diese Sauggeräusche hörte.

Meine Knie zitterten, mein Puls lief auf

Hochtouren. Ich hatte Angst, auf den Glasbehälter

der Absaugmaschine zu schauen,

da ich befürchtete, dort Teile meines

Kindes zu sehen“, schreibt sie. Nach dem

Eingriff sei sie „physisch und psychisch

völlig kraftlos“ gewesen, aber auch – ein

Umstand, von dem viele Betroffene berichteten

– „anfangs erleichtert“. „Mein

Leben konnte wieder seinen gewohnten

Gang nehmen, dachte ich.“ Tat es aber

nicht: „Ich konnte nicht einmal weinen

und richtete mich als ausgesprochen hartherzig.

Ich hätte vor mir selbst ausspucke

können!“

Auch begann sie ein auffälliges Verhalten

an den Tag zu legen. Sie begann, ihr

Bücherregal „mit Kinderbüchern zu füllen“

und „Stofftiere zu kaufen“. Damit

nicht genug: Der „Beischlaf mit meinem

Freund war mir nur mit Überwindung

möglich, ich begann mich zu ekeln, der

Gedanke an eine weitere Schwangerschaft

ängstigte mich. (…) Tag für Tag lebte ich

unter kaum zu ertragender Angst und

besuchte, da stand der dickleibige Chefredakteur

schon in der ersten Reihe.

In italienischen Redaktionen geht immer

alles schnell – und bei Ferrara erst

recht. Als die Generalversammlung der

Vereinten Nationen am 18. Dezember vergangenen

Jahres ein Moratorium gegen

die Todesstrafe in aller Welt beschloss,

staunte Ferrara nicht schlecht, wie schnell

sich diese Nachricht durch das Internet

fraß. Einige wenige Telefonate. Und schon

am Tag darauf erschien ein Aufmacher in

„Il Foglio“, in dem Ferrara ein Moratorium

in Sachen Abtreibung forderte. Keine

Änderung von Gesetzen, keine Kriminalisierung

von Frauen, sondern einen Wandel

der Mentalität: Einfach mal lassen, einfach

mal aufhören, ungeborene Kinder in

aller Welt millionenfach in die Abfalleimer

zu befördern.

Vor allem eines macht Ferrara nicht.

Er fordert keine Änderung des italienischen

Abtreibungsparagraphen 194. Er zeigt

keine Fotos von zerstückelten Babyleichen,

sondern zählt auf, wo und wie sehr der

Welt die Kinder fehlen.

Der Aufschrei unter der Politikerkaste

und den ihr verbundenen Kommentatoren

in den Massenmedien war groß. Aus

den Zeitungen ist das Thema nicht mehr

wegzubekommen. Und für die Kirche in

Italien ist die Debatte, die Ferrara losgetreten

hat, ein Geschenk des Himmels. Nachdem

sie im Referendum von 1981, das die

in Italien geltende Fristenregelung mit

68 Prozent der Stimmen bestätigte, den

Kampf um den Lebensschutz verloren hatte,

saß sie wie in einem Ghetto. Es waren

nur noch die katholischen Zeitungen, nur

noch der „Osservatore Romano“, nur noch

Papst und Bischöfe, die die Stimme für die

Ungeborenen erhoben. Das Recht gestand

man ihnen zu. Ändern würde und sollte es

sowieso nichts mehr.

Ferrara ist wie der Strick, an dem sich

die katholische Kirche aus dem Ghetto in

Sachen Abtreibung herausangeln kann. „Il

Foglio“ Ferraras, die Zeitung der Bischöfe,

„Avvenire“, und der „Osservatore Romano“

spielen sich die Bälle zu, Autoren des

„Foglio“ schreiben plötzlich in der Zeitung

des Papstes und umgekehrt. Eine leben-

dige Abtreibungs-Debatte ist wieder da –

mit politischen Folgen. Als die Regierung

Romano Prodis Ende Januar stürzte und

im April neu gewählt werden muss, entschloss

sich Ferrara – wieder über Nacht –,

mit einer eigenen Liste in den Wahlkampf

zu ziehen, die sich nur ein Ziel auf die Fahnen

schreibt: Die Unterstützung des Moratoriums

gegen Abtreibung. Nachdem

ihm die „Forza Italia“ und Silvio Berlusconi

keinen Platz im eigenen Listenbündnis

gaben, zieht Ferrara nun allein in die

Schlacht. Wieder blitzen seine Augen. Eine

erste Umfrage traut seiner kleinen Partei

ein Wahlergebnis von vier bis sechs Prozent

zu, zumeist enttäuschte Katholiken

aus dem Umfeld der neuen Linkspartei

Walter Veltronis, denen dessen Bündnis

mit der Abtreibungspartei der Radikalen

ein Dorn im Auge ist.

Wer ist der Mensch, wann beginnt das

menschliche Leben, was geschieht, wenn

es im Leib der Mutter beendet wird? Die

Katholiken beten den „Engel des Herrn“,

jeden Sonntagmittag ist es eine Demonstration

von Tausenden auf dem Peters-

nahm mein Leben wie unter andauernder

Betäubung war: dumpf, leer und gleichzeitig

unter höchster Anspannung. Monate

später konnte ich diesen Zustand nur

noch mit Psychopharmaka aushalten“,

schreibt sie.

Nach vier Jahren zerbrach auch die

Partnerschaft mit ihrem Freund. Heute,

Ende dreißig, betrachtet sie die Abtreibung

ihres Kindes als den „Einstieg in ein

Jahre andauerndes persönliches Desaster.“

Und obwohl es zynisch klingen mag, viele

Frauen haben weniger Glück. Weil bei

ihnen das PAS überhaupt nicht erkannt

wird, erfahren sie nie oder aber erst nach

vielen Jahren wirksame Hilfe.

So berichtet die Ärztin und Psychotherapeutin

Angelika Pokropp-Hippen

etwa von einer 68-jährigen Patientin, die

an Angst und Depressionen litt. „Sie war

wenige Wochen zuvor aus einer psychiatrischen

stationären Behandlung entlassen

In Indien ist eine Abtreibung

für 100 Rupien zu haben.

Foto: cns

10 vatican 3|2008 vatican 3|2008 11


titel-thema

platz: „Und das Wort ist Fleisch geworden.

Und hat unter uns gewohnt.“ Das Fest

Mariä Verkündigung am 25. März ist kein

Feiertag, an dem man eines Zellhaufens

gedenkt, der im Leib einer jungen Jüdin zu

wachsen begann. Es trägt vielmehr weihnachtlichen

Charakter. Es betrachtet die

Menschwerdung Gottes. Maria trug seither

Jesus unter dem Herzen, Gottes Sohn.

Noch bevor die Wissenschaft eindeutig

definierte, was im Moment der Empfängnis

geschieht, hatten die Christen eine Intuition,

dass das Leben des Menschen von

diesem Augenblick an heilig ist. Und immer

dann, wenn auf Feldern, in Kapellen

oder auf dem Petersplatz in Rom um zwölf

Uhr mittags der „Engel des Herrn“ gebetet

wird, drücken sie das aus, auch wenn die

meisten gar nicht bewusst daran denken.

Wer ist der Mensch? Ist seine Würde

nicht deshalb unverletzlich, weil er Abbild

Am vergangenen 24. Februar war es

soweit: Ferrara begegnet in der Pfarrei

des römischen Stadtviertels Testaccio erstmals

Papst Benedikt XVI. Foto: AP

worden.“ Dem Arztbrief zufolge hatte die

Frau vier Fehlgeburten erlitten. „Bei vorsichtiger

genauerer Nachfrage nach dem

Verlauf der Fehlgeburten“ erfuhr die Ärztin,

dass die Patientin „eine Fehlgeburt

und drei Abtreibungen“ hinter sich hatte.

„Sie hatte zwei Kinder geboren und danach

drei Abtreibungen mit der Unterstützung

ihres Ehemannes vornehmen lassen.“

Drei Monate nach der zweiten Abtreibung

befielen die Frau häufig Angst und

Panikattacken sowie Alpträume. Körperliche

Symptome, wie unerklärliche Leibschmerzen,

führten zu stationären Behandlungen

und zur Gabe von Valium-

Infusionen. Auch ambulant war die Patientin

über Jahrzehnte mit Beruhigungsmitteln

„ruhig gestellt“ worden. Schließlich

kam es zu einer manifesten depressiven

Erkrankung und zuletzt zu einer stationären

Therapie. „In dreißig Jahren hatte

niemand mit der Frau den zeitlichen Zusammenhang

der Abtreibungen mit dem

Beginn der Angst- und Panikattacken erwogen

und sie über ihre Gefühle in Hin-

blick auf die Tötungen befragt“, stellt Pokropp-Hippen

fest. Erst als dieser erkannt

wird, schlägt die darauf abgestimmte Therapie

an, kommt es zu einer ersten Besserung

der Symptome. „Verdrängte Schuld

macht krank – auf die eine oder andere

Weise, früher oder später“, weiß die Ärztin.

Werde man sich der Schuld bewusst,

sei es wichtig, sie nicht „weg zu rationalisieren

oder weg zu therapieren“, sondern

der Betroffenen Gelegenheit zu geben, in

eine „wirkliche Trauerarbeit“ einzutreten.

„Die Heilung vom Post-Abortion-

Syndrom ist in der Tiefe nur möglich,

wenn die Versöhnung auf verschiedenen

Ebenen erfolgt“, ist Pokropp-Hippen überzeugt.

Dabei unterscheidet die katholische

Ärztin zwischen der Versöhnung mit Gott,

der Versöhnung mit dem getöteten Kind

und der Versöhnung mit sich selbst. Die

Heilung und Versöhnung durch und mit

Gott hält Pokropp-Hippen für „die tiefste

Ebene“. Bei vielen Betroffenen sei sie „auf

Grund eines mangelnden religiösen Bewusstseins“

jedoch oft gar nicht oder nur

schwer möglich. Bei der 68-Jährigen war

es möglich. „Eine deutliche Besserung

ihrer Symptome“ stellte sich ein, nachdem

es ihr auch gelang, „sich an einen katholischen

Priester zu wenden und ihre Mitschuld

am Tode dreier ungeborener Kinder

im Sakrament der Erlösung vor den

Herrn zu bringen.“

Viel wäre bereits gewonnen, wenn das

PAS nicht länger geleugnet würde und

Abtreibung als das erkannt würde, was sie

ist: die Tötung eines Menschen, die häufig

zwei Opfer fordert. Das Leben eines wehrlosen

Kindes und die Gesundheit seiner

Mutter.

Bei zwei von drei Frauen, die in

eine Abtreibung eingewilligt haben,

ist später eine medizinisch-psychologische

Behandlung notwendig.

Foto: Daniel Rennen

des einen Gottes ist, der Mensch wurde

wie alle Menschen auf der Welt: als Embryo,

als Schutz bedürftiger Winzling, der

den Leib einer Mutter braucht. Giuliano

Ferrara ist wie ein Prophet, der ohne katholisches

Ticket, dafür aber auf der gleichen

Straße läuft. Gegen alle Regeln, gegen

das, was zum parteienübergreifenden

Konsens in den aufgeklärten Gesellschaften

des Westens gehört: Jede Abtreibung

sei ein Drama, heißt es, aber die geltenden

Gesetze hätten zumindest den Engelmachern

und ihrem illegalen Geschäft in

dunklen Hinterzimmern das Handwerk

gelegt. Aber haben dieselben Gesetze nicht

dafür gesorgt, dass heute Abtreibung gemeinhin

als zulässiges Mittel der Empfängnisverhütung

und Familienplanung gilt?

Gesetze verändern das Bewusstsein. Oft

erfahren die Frauen erst lange nach einer

Abtreibung, dass sie etwas getan haben,

was Leib und Seele schadet. Das Bewusstsein

wieder zurückzudrehen, es wieder in

Einklang zu bringen mit dem Urwissen

jeder Frau, ist Stoßrichtung des Moratoriums.

Ferraras Slogans sind einfach. „Aborto?

No, grazie – Abtreibung? Nein, danke“

und „Fatte l’amore, non l’aborto – Macht

Liebe, keine Abtreibung“. Das klingt wie

aus den Zeiten der Friedensbewegung, für

die Ferrara einst genauso auf die Barrikaden

ging wie heute für seine Kampagne.

Aber erst hat Kardinal Camillo Ruini, der

Bischofsvikar des Papstes für die Diözese

Rom, dem Journalisten seinen Segen geben.

Öffentlich, in einer Talkshow, die Ferrara

moderiert. Dann Benedikt XVI. selbst. Als

er am 7. Januar bei seiner jährlichen Ansprache

vor dem beim Vatikan akkreditierten

Diplomatischen Korps zu dem Moratorium

über die Todesstrafe erklärte, diese

Initiative möge „eine öffentliche Debatte

über den heiligmäßigen Charakter des

menschlichen Lebens“ anregen, griff er den

Gedanken Ferraras fast eins zu eins auf.

Die Bischöfe Italiens, Koreas und Indiens

haben sich hinter die Idee eines Moratoriums

gegen Abtreibung gestellt. Und

in Rom und ganz Italien wirbelt ein etwas

voluminöser Journalist über die Podien, damit

die Kampagne weiter Nahrung erhält.

DR. LISL GUTWENGER

Retter in der Not

��� ������� ��������� � ����� ��� �����

In diesem Erstkommunionbuch sind die

Helden Mädchen

und Knaben, wie

wir ihnen jederzeit

im Alltag begegnen

können, mit ihren

Freuden und Nöten.

Eifersucht unter Geschwistern,Trennung

der Eltern, der

Unglaube Erwachsener

und Rassenvorurteile

sind Themen

der Geschichten. Im

Erstkommunionunterricht lernen die Kinder,

wie man alle Nöte und Schwierigkeiten vor

Gott tragen und ihn zum Gesprächspartner,

zum Retter in der Not machen kann.

WILHELM HÜNERMANN

Kinder des Lichts

��� ��� ����� �������������� � ������ ��� �����

Jugendliche möchten

an Gott glauben,

an einen unendlich

starken, der sie versteht

und der will,

dass sie gut sind.

Aber dazu brauchen

sie gute menschliche

Vorbilder. Der Autor

erzählt auf packende

Weise von der Jugend

großer Heiliger

und zeigt, wie sie sich an den Wegkreuzungen

des Lebens für Gott entschieden haben.

A. GUILLET / L. DÜRR-FRECKMANN

Christiana-Kinderbibel

��� ������� ��� ����� ����� � ����� ��� �����

Nichts fesselt Kinder so wie Geschichten

aus der Bibel, zumal wenn sie auf eine Art

illustriert sind, dass

ihre Phantasie angeregt

wird. Die Geschichten

von Adam und Eva,

vom Turmbau zu Babel,

von David und Goliath

wecken die Sehnsucht

nach Gott. Die

Illustrationen stammen

von Alten Meistern.

CHRISTIANA-VERLAG

Postfach 110, 78201 Singen

Tel. 0041 52 741 41 31 www.christiana.ch

12 vatican 3|2008 vatican 3|2008 13

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine