1 mut! – Mädchen und Technik - Akzente Salzburg

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1 mut! – Mädchen und Technik - Akzente Salzburg

US2 PROGRAMM

ImprEssum

Herausgabe: mut! Mädchen und Technik

projektträger: Akzente Salzburg

Glockengasse 4c, 5020 Salzburg

www.mut.co.at

www.akzente.net

www.gender.schule.at/bo

redaktionelle Bearbeitung und Lektorat: Mag.ª Ruth Mayr

unter Mitarbeit von Mag.ª Esther Mandl, Mag.ª Helga Gschwandtner,

DSA in Susanne Willi (Protokolle der Themenrunden 1, 2 und 3)

Die schriftliche Fassung der Eröffnungsrede und des Impulsreferats sowie der Inputs in

Themenrunde 2 wurden freundlicherweise von den Referentinnen zur Verfügung gestellt.

Abdruck der PPT-Präsentationen von MinR Mag. Augustin Kern, Dr. Wolfgang Haidinger

und Martina Rauter mit freundlicher Genehmigung der Ersteller/innen.

Layout: Akzente Verlag / Brigitte Nahlik

Druck: ONLINE DRUCK.BIZ

Salzburg, 2009

ERGEBNISSE

mut! Mädchen und Technik

Geschlechtssensible Berufsorientierung mit Schwerpunkt

Mädchen und Technik

Bleibender Eindruck.

Ergebnisse aus sieben Jahren mut!iger Arbeit in Österreich.

Dokumentation der Veranstaltung am Dienstag, 26. Mai 2009

in der edu4you Bildungsakademie, 1090 Wien

1

www.mut.co.at

www.gender.schule.at/bo

mut! Bleibender Eindruck.


Inhaltsverzeichnis

03 > Bleibender Eindruck. Ergebnisse aus sieben Jahren mut!iger Arbeit in Österreich.

04 > Programm

05 > Begrüßung durch MinR in Mag.ª Helga Pegac

07 > Von mutigen Anfängen und erfolgreichem Fortschreiten: mut! ist gut!

Mag. a Elisabeth Stögerer-Schwarz

10 > Die Summe der einzelnen Teile. mut! 20022009 in ganz Österreich.

Interaktive Projektpräsentation.

Mag.ª Ruth Mayr, Projektleiterin mut! Österreich, Akzente Salzburg

22 > Rahmenprogramm: mut! in ganz Österreich …

24 > Themenrunde 1: Lehrer/innenaus- und -weiterbildung

26 > Themenrunde 2: Mädchen in technischen Ausbildungen

30 > Themenrunde 3: Werkunterricht in Österreich

35 > Podiumsgespräch: Gemeinsam mut!ig in die Zukunft.

42 > Abschluss der Veranstaltung

43 > Teilnehmerinnen und Teilnehmer

Bleibender Eindruck. Ergebnisse aus sieben Jahren

mut!iger Arbeit in Österreich.

Dokumentation der Veranstaltung am 26. Mai 2009

edu4you-Bildungsakademie, Frankgasse 4, 1090 Wien

EINlEItUNG 03

mut! mädchen und Technik unterstützt seit 2002 in ganz Österreich Lehrer/innen, Direktor/innen und andere

Multiplikator/innen aus dem pädagogischen Bereich bei der Umsetzung geschlechtssensibler Berufsorientierung

mit dem Fokus ‚Mädchen und Technik‘.

Neun mut!-regionalstellen in ganz Österreich bieten in Kooperation mit den Frauenreferaten der Länder

und der Abteilung für Gender Mainstreaming/Gender und Schule des BMUKK Workshops und Fortbildungen,

begleiten Pilotprojekte und vernetzen Interessierte und kompetente Ansprechpersonen.

Die mut!igen Erfahrungen und Konzepte für Lehrer/innen und Schulen langfristig nutzbar zu machen, war Ziel

der dritten Laufzeit (20072009).

Das Projekt sowie die Konzeption der Veranstaltung waren von folgenden Fragestellungen geleitet:

Wie können multiplikator/innen und Entscheidungsträger/innen im Bildungssystem die mut!igen

Ergebnisse für ihre praxis nutzen?

Wo liegen stolpersteine und welche strategien sind nachahmenswert? Wie können erfolgreiche

Ansätze ins system integriert werden?

Die Quintessenz dieser Überlegungen ist in drei positionspapiere geflossen: kurz und prägnant sind darin

Empfehlungen formuliert

um Berufsorientierung und Bildungsberatung geschlechtssensibel zu gestalten (siehe Themenrunde 1),

um einen Beitrag zur langfristigen Steigerung des Mädchenanteils in technischen Ausbildungen zu leisten

(siehe Themenrunde 2)

und um Modelle und Möglichkeiten aufzuzeigen, wie Werkunterricht zur Erweiterung des Rollenspektrums

von Jugendlichen beitragen kann (siehe Themenrunde 3).

(mehr Info: www.mut.co.at->Downloads)

81 personen aus ganz Österreich kamen an diesem Nachmittag in den 9. Bezirk,

um sich über die Ergebnisse von mut! Mädchen und Technik in den vergangenen

sieben Jahren zu informieren. Die Teilnehmer/innen waren zur Reflexion

und Diskussion eigener Erfahrungen, mut!iger Praxisbeispiele und weiterführender

Empfehlungen eingeladen und dazu, sich und mit den Projektumsetzenden

einen bleibenden Eindruck zu (ver-)schaffen.

Bei für die Jahreszeit ungewöhnlich hohen Außen- und im Laufe des Nachmittags

auch Innentemperaturen sorgte eine innovative Projektpräsentation für frischen

Wind und interessante Referentinnen und Referenten für angeregte Diskussionen

in den Themenrunden sowie in den Pausen.

Wir hoffen, die Dokumentation dieser Veranstaltung kann für die Teilnehmenden den vor Ort gewonnenen

Eindruck verfestigen und auch für alle anderen Interessierten neue mut!ige Anregungen und

Anknüpfungspunkte für die eigene Arbeit vermitteln!

mut! Bleibender Eindruck.


04 BlEIBENdER EINdRUck

BEGRüSSUNG

05

Programm

Moderation: Mag.ª Martina Berthold, MBA

(Organisationsberaterin und Projektmanagerin, Land Salzburg)

12:30 Eintreffen, Registrierung, kleine Stärkung (Brötchenbuffet)

13:00 Begrüßung durch MinR in Mag.ª Helga Pegac in Vertretung von SC Mag.ª Heidrun Strohmeyer

(Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur)

13:15 Von mut!igen Anfängen und erfolgreichem Fortschreiten: mut! ist gut!

Mag.ª Elisabeth Stögerer-Schwarz (Leiterin des Frauenreferates des Landes Tirol)

13:45 Die summe der einzelnen Teile. mut! 2002-2009 in ganz Österreich.

Interaktive Projektpräsentation

Mag.ª Ruth Mayr (Akzente Salzburg, Projektleiterin mut! Österreich)

KAFFEEPAUSE

15:00 Input und Diskussion in drei parallelen Themenrunden:

THEmENruNDE 1: Lehrer/innenaus- und -weiterbildung

Wie kann geschlechtssensible Berufsorientierung ausgehend vom Unterrichtsprinzip „Erziehung zur

Gleichstellung von Frauen und Männern“ und der Verbindlichen Übung Berufsorientierung Eingang

in die Schule und in die Aus- und Weiterbildung von Lehrer/innen finden? Welche Schritte wurden

schon erprobt und sind gelungen, welche sind noch zu setzen?

moderation: martina rauter (mut! Kärnten, Mädchenzentrum Klagenfurt)

Input zum Status quo der Berufsorientierung und Bildungsberatung durch minr mag. Augustin Kern

(Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur, Sektion I)

THEmENruNDE 2: mädchen in technischen Ausbildungen

Anders und doch ähnlich: Sowohl im HTL als auch im Berufsschulbereich gibt es bereits viele

Maßnahmen für eine mädchengerechte Schulkultur. Wo liegen Gemeinsamkeiten und Spezifika

und wie kann eine Verknüpfung positiver Ansätze gelingen?

moderation: DsA in susanne Willi (mut! Vorarlberg, Mädchenzentrum Amazone)

minr in mag.ª renate saipt (BMUKK, Referatsleiterin in der Pädagogischen Fachabteilung für

Berufsschulen)

ADir in sabine smutni (BMUKK, Mitarbeiterin der Pädagogischen Fachabteilung für Technische,

Gewerbliche und Kunstgewerbliche Lehranstalten)

THEmENruNDE 3: Werkunterricht in Österreich

Zwischen ‚Wahlfreiheit‘ und ‚Entscheidungspflicht‘: wie kann die geschlechtsspezifische Konnotation

des Textilen und Technischen Werkunterrichts aufgehoben werden und was könnte das für die

Erweiterung des Rollen- und Berufswahlspektrums der Schüler/innen bedeuten?

moderation: mag.ª Astrid Jakob (mut! Salzburg, Verein Einstieg)

Dr. Wolfgang Haidinger (Industriellenvereinigung, Bereich Bildung, Innovation und Forschung)

17:00 Gemeinsam mut!ig in die Zukunft.

Podiumsdiskussion mit den Expertinnen und Experten aus den Themenrunden

17:45 Abschluss der Veranstaltung

Mag.ª Ruth Mayr (Akzente Salzburg, Projektleiterin mut! Österreich)

Begrüßung durch MinR in Mag. a Helga Pegac

Abteilung Gender Mainstreaming/Gender und Schule,

Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur

Sehr geehrte Anwesende, sehr geehrte mut!-Beteiligte!

Mein Name ist Helga Pegac und ich darf Sie im Namen von Frau Sektionschefin Strohmeyer zur heutigen

Abschlussveranstaltung des Projektes mut! Mädchen und Technik sehr herzlich begrüßen.

Gemeinsam mit meiner Abteilungsleiterin Frau Guggenberger und Frau Kollegin Langenecker begleite ich das

Projekt seit 2007 seitens des Unterrichtsressorts.

Das Projekt Mädchen und Technik ist bereits 2002 entstanden und hat sich seitdem weiter entfaltet und

verändert. Von einem anfänglich reinen Mädchenprojekt hat es sich hin zu einem Projekt entwickelt, das den

Blick nun auf beide Geschlechter ausrichtet.

D.h. es gibt einerseits den Fokus auf mädchen und Technik und andererseits geht es um nachhaltige

Verankerung von geschlechterreflektierter Berufsorientierung v.a. im Rahmen der Aus- und Fortbildung

von Lehrkräften.

mut! Mädchen und Technik ist ein Projekt der Vielfalt das zeigt sich in mehrfacher Hinsicht:

mut! findet in dieser Laufzeit von 200709 in allen neun Bundesländern statt.

Unter der Leitung von Frau Mag.ª Mayr (vom Verein Akzente) erfolgt die Durchführung von neun

Verbundpartnerinnen, die ich hiermit namentlich nennen darf:

Mädchenzentrum Amazone in Vorarlberg

Arbeitsmarkförderungsgesellschaft in Tirol

Verein Einstieg in Salzburg

ALOM-FrauenTrainingsZentrum in OÖ

Mädchenzentrum Klagenfurt in Kärnten

Verein Mafalda in der Steiermark

Koordinationsstelle für geschlechtssensible Berufsorientierung in NÖ

Verein Sprungbrett in Wien

Zentrum Langeck im Burgenland

Hervorzuheben ist weiters die Mitwirkung der Pädagogischen Hochschulen, Landesschulräte und zahlreicher

Schulen.

Auftraggebende sind alle Länder und das BMUKK.

Ausgerichtet ist das Projekt auf die Bereiche: Volks-, Hauptschulen, AHS und HTL sowie auf die Pädagogischen

Hochschulen.

Der Bogen der Aktivitäten reicht von Fortbildungsveranstaltungen für Lehrerinnen und Lehrer,

Verankerung geschlechtssensibler BO in Curricula, Einrichtung der neun mut!-Regionalstellen,

Entwicklung von Modellprojekten, Erstellung von Materialien und Konzepten bis hin zu Workshops für Mädchen.

Es ist hier nicht der Ort, um alle Einzelheiten erschöpfend zu nennen. Konzentriert auf drei Schwerpunkte

werden die maßgeblichen Initiativen in den folgenden drei Themenrunden behandelt werden.

Nur eine sicherlich eindrucksvolle Zahl darf ich Ihnen mitgeben:

Seit 2002 sind durch das Projekt Mädchen und Technik mit Mitteln von knapp 4 Mill. EUR - insgesamt mehr

als 30.100 Personen direkt erreicht worden.

Allein diese Zahl zeigt die Reichweite und lässt wohl auch auf die Nachhaltigkeit schließen. Wobei uns

natürlich allen bewusst ist, dass die Nachhaltigkeit nicht auf allen Aktivitätsebenen gemessen werden kann.

Sensibilisierung und Bewusstseinsbildung können oft erst mit Verzögerung und in einem ganz anderen

Zusammenhang wirksam werden.

mut! Bleibender Eindruck.


06 BEGRüSSUNG

MUt! ISt GUt!

Es liegt in der Natur von Projekten, dass diese nur in einem begrenzten Zeitrahmen stattfinden können. Auf

Grund äußerer Umstände in diesem Fall die angespannte Budgetsituation wird es das Projekt ab Herbst

2009 nicht mehr geben.

Das in den vorangegangenen Jahren erworbene Wissen sowie die unschätzbaren Erfahrungen müssen jedoch

weiter transportiert werden.

Wir, damit meine ich alle Auftraggeberinnen, sind dabei, gemeinsam mittel und Wege zu finden, damit

das in all den Jahren gewonnene Know-how auch in Hinkunft genutzt werden kann.

Berufsorientierungsprojekte wie diese, die zum Ziel haben, das Berufswahlspektrum von Mädchen und Buben

zu erweitern, werden weiterhin notwendig sein.

Technik kann auch attraktiv und spannend sein, das hat dieses Projekt unzählige Male bewiesen. Techniker/

innen werden auf Grund der derzeitigen Herausforderungen z.B. knapper werdende Ressourcen, Umweltprobleme

dringender denn je benötigt.

Der technische Bereich gehört somit immer noch zu jenen, die berufliche Zukunftschancen bieten. Die geistigen

Ressourcen von uns allen sind gefragt, und das Potenzial von Frauen muss hier stärker genutzt werden als

bisher.

Ich danke allen, die bei mut! mitgewirkt haben und bis zum Herbst am Abschluss arbeiten werden,

der projektleiterin, die dieses komplexe Projekt verlässlich und engagiert geleitet hat und finalisieren wird,

den Verbundpartnerinnen, die es vor Ort durchgeführt haben,

den Frauenbeauftragten, durch deren tatkräftige Unterstützung erst vieles möglich gemacht wurde und allen

anderen nicht explizit genannten Personen, ohne die es keinen Erfolg gegeben hätte.

Ich danke auch allen Anwesenden, die durch das zahlreiche Erscheinen dem Projekt einen würdigen Abschluss

verleihen und wünsche uns allen einen interessanten und nachhaltigen Erfahrungsaustausch.

Von mutigen Anfängen und erfolgreichem

Fortschreiten: mut! ist gut!

Mag. a Elisabeth Stögerer-Schwarz

Leiterin des Frauenreferates des Landes Tirol

Imst ist eine Bezirksstadt im Tiroler Oberland.

Wien ist unsere Bundeshauptstadt, dort findet das Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur statt und

heute auch die Abschlusstagung des Projekts mut! Mädchen und Technik.

Dazwischen oder je nach Betrachtungsweise davor liegen neun Bundesländer mit neun Frauenreferaten

und Frauenbüros, die in Zusammenarbeit mit NGOs und dem Unterrichtsministerium in den letzten sieben

Jahren im Rahmen des Projekts mut! zahlreiche Maßnahmen zur geschlechtssensiblen Berufsorientierung mit

dem Schwerpunkt Mädchen und Technik gesetzt haben.

Dazu ein Zitat: „... Wir verstehen die uneingeschränkte Implementierung von Gender Mainstreaming

und Diversity als permanente Herausforderung, Chancengleichheit für Frauen und Männer sowie

Demokratiebewusstsein aktiv nach außen und innen zu leben.

Seit vielen Jahren bemühen wir uns, eine Arbeitsatmosphäre zu schaffen, Handlungs- und Denkweisen

unter allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zu entwickeln und zu pflegen, welche es Mädchen und

Burschen ermöglicht, sich in gleicher Weise kreativ zu entfalten und sich wohl zu fühlen. ... Zahlreiche

Projekte haben wir abgeschlossen, manches ist in Bearbeitung, alle mit dem Ziel, das Genderbewusstsein

zum Mainstream zu entwickeln.“

Dieses Zitat ist aus einem Leitbild, allerdings nicht aus einem Leitbild eines der Frauenreferate der Bundesländer,

sondern aus dem Leitbild der HTL Imst, die die Schwerpunkte Bautechnik, Innenausbau und ein IT-Kolleg

anbietet. An der HTL Imst ist, wie an sehr vielen Schulen in ganz Österreich, in den letzten sieben Jahren also

im Projektzeitraum von mut! − sehr viel passiert, sowohl bei den Schülerinnen und Schülern, als auch bei den

Lehrenden, bei den Eltern, vor allem auch bei den Multiplikatorinnen und Multiplikatoren.

Sehr geehrte Damen und Herren,

Im Namen aller Frauenreferate und Frauenbüros der österreichischen Bundesländer möchte ich Sie zu dieser

Abschlussveranstaltung herzlich begrüßen. Unterschiedlich in der Bezeichnung verfolgen wir Frauenreferate

natürlich gemeinsame Ziele, wie z.B. die aktive Frauenförderung und die Gleichstellung von Frauen und

Männern im Berufsleben.

In den letzten sieben Jahren hat ein bunter und vielfältiger Verbund an unterschiedlichsten Partnerinnen und

Partnern in ganz Österreich Maßstäbe gesetzt in der geschlechtssensiblen Berufsorientierung. Die Frauenreferate

der Landesregierungen aller österreichischen Bundesländer haben sich gemeinsam mit dem Bundesministerium

für Unterricht, Kunst und Kultur zu einem spannenden und vielfältigen Projekt zusammengetan. Die

Berufsorientierung der geschlechtersensiblen Art einerseits, die Erweiterung des Berufswahlspektrums von

Mädchen andererseits, und die Verankerung von geschlechtssensiblen pädagogischen Maßnahmen natürlich

insgesamt, waren das gemeinsame Ziel. Für die operative Umsetzung in den einzelnen Bundesländern wurden

die unterschiedlichsten Projektträgerinnen von Frauenberatungsstellen über Arbeitsmarktförderungs-

GesmbHs, etc. gefunden. Diese Vielfalt und Unterschiedlichkeit der mitmachenden Organisationen und

Einrichtungen war auf jeden Fall Garant für Vielfalt, Dynamik, durchaus auch Spannungs- und Reibungsflächen,

woraus natürlich Energie entsteht.

Es ist auch die Widerspiegelung von kreativem Arbeiten: die Expertise zu genderrelevantem Arbeiten, die in

Frauen- und Mädchenberatungsstellen traditionell gut verankert ist, trifft zusammen mit Landesverwaltungen,

auf Bundeskompetenz. Darin spiegelt sich natürlich auch schon ein Stück weit die Kompetenzen- und Zuständigkeitsvielfalt

im gesamten Bildungssystem Österreichs wider. Der immerwährende Versuch, Klarheit über

07

mut! Bleibender Eindruck.


08 MUt! ISt GUt!

MUt! ISt GUt! 09

Zuständigkeiten zu bekommen, um zu wissen, wo welche Steuerungs- und Verankerungsmaßnahmen anzusetzen

sind, war ein kontinuierliches Abenteuer.

Ausgangspunkt dieser österreichweiten Kooperation waren natürlich die alt bekannten Zahlen und

Fakten:

Die Mädchen sind im Bereich der Bildung auf der Überholspur Mädchen haben bessere und höhere Schulabschlüsse

und auch der Frauenanteil an den Unis steigt. Mehr junge Frauen als Männer beginnen ein Studium

und mehr Frauen beenden es auch. Der Wermutstropfen dabei ist, dass die jungen Frauen und Mädchen sich

nach wie vor auf wenige Ausbildungsbereiche konzentrieren sowohl in der Lehre als auch beim Studium.

Die Segregation am Arbeitsmarkt in Frauenberufe und Männerbereiche einerseits, in hierarchische Segregation,

Stichwort Gläserne Decke, funktioniert weiterhin noch gut und ist ein sehr beharrliches Phänomen.

Die größten Gleichstellungsfortschritte wurden zwar im Bildungsbereich verbucht, allerdings ist die gesellschaftliche

und berufliche Gleichstellung am Arbeitsmarkt, insbesondere was Aufstiegschancen und Anteil an

Führungspositionen betrifft, noch längst nicht erreicht. Auch die biologische Buntheit in einzelnen Berufsbereichen

hat noch weiterhin großes Erfolgspotenzial. Die Konzentration auf wenige Ausbildungsbereiche ist eine

sehr beharrliche, verändert sich nur langsam, aber sie verändert sich.

Das und das in den Bundesländern bereits vorhandene Know-how zum Thema war Grund und Anlass mit der

Projektidee mut! Mädchen und Technik an das Bundesministerium heranzutreten. Wir fanden offene Ohren

und eine gute und interessante Partnerschaft, die neben der gemeinsamen inhaltlichen Weiterentwicklung vor

allem auch die finanzielle Unterstützung für dieses österreichweite Projekt sicherstellte. Aus Mitteln von fForte

und mit zusätzlichen Mitteln aus den Bundesländern wurde mut! finanziert.

Mittlerweile ist mut! Mädchen und Technik in den Bundesländern zu einer Marke für geschlechtersensible

Berufsorientierung, eine Marke für professionelles Herangehen an dieses Thema, geworden. mut! ist Garant

für gute Qualität.

mut! kann sich aber auch statistisch bestens sehen lassen. Wir haben im projektzeitraum direkt erreicht:

10.282 Mädchen, knapp 11.000 Lehrer/innen oder Multiplikatorinnen und Multiplikatoren, 2.392 Elternteile

und 2.723 Entscheidungsträger/innen. Also eine ganze Menge Menschen, nämlich 30.140 personen, die

direkt mit mut! zu tun hatten. So sperrig der Begriff „geschlechtersensible/ genderreflektierte Berufsorientierung“

ist aber zumindest 30.140 Menschen mussten sich zumindest einmal in ihrem Leben damit bzw. dem

dahinter liegenden Anliegen auseinandersetzen. Und wir haben diese Begriffe in einem sehr breiten Ansatz,

sehr vielfältig bearbeitet, konkretisiert, erfahrbar gemacht...

Wenn in Zeiten der Krise der Einstieg in den Arbeitsmarkt für junge Menschen immer schwieriger wird, ist

anzunehmen, dass sie immer länger im Bildungssystem bleiben. Beste Gelegenheit also für Projekte wie mut!,

die jungen Menschen im Schulsystem zu erreichen, weiter an der Veränderung der traditionellen Rollenbilder

mit den unterschiedlichsten Ansätzen zu arbeiten. Krisen gehen auch zu Ende und dann wird es auch bestens

ausgebildete junge Menschen brauchen.

Neben der Freude an diesen Quantitäten möchte ich als weitere erfolgreiche Qualitäten gerade auch aus

der Sicht der Frauenreferate der Länder festhalten:

Die Schaffung von mehr Selbstverständnis für Berufsorientierung in frauenuntypischen Bereichen. Die

besondere Kraft des Projekts lag sicher auch in der österreichweit koordinierten Ausrichtung, dem dadurch

ermöglichten Know-how-Transfer, mit dem ein breites Angebot von Infomaterialien, Methoden und Instrumenten

nicht nur entwickelt, sondern vor allem auch ausgetauscht und verankert wurde.

Hervorzuheben ist auch die starke Vernetzung von Akteurinnen und Akteuren v.a. im schulischen und

außerschulischen Bereich, von arbeitsmarkt- und bildungspolitischen Einrichtungen, öffentlichen Verwaltungen

und NGOs. Ebenso die Schaffung von Vernetzungsstrukturen wie immer sie hießen: Round

Tables, Expert/innengespräche etc. Die regionalen Netzwerke, die in sieben Projektjahren angestiftet wurden,

können nun sehr gut für weitere strukturelle Verankerungen genutzt werden.

Gelungen ist auch die Verschränkung mit anderen Projekten und Programmen wie FIT, Girls’ Day etc..

Entwickelt wurde qualitativ hochwertige Weiterbildungsangebote für (Berufsorientierungs-)Lehrer/innen

diese müssen nun nur noch von den Lehrer/innen heftig genutzt werden da gibt es noch einiges an

Erfolgspotenzial.

mut! zahlt sich aus, mut! ist dann erfolgreich, wenn es top down unterstützt und gefördert wird. mut! ist

ein wichtiger Beitrag zu einem neuen selbstverständnis gerade auch in den Bildungsinstitutionen.

Was noch aussteht, ist die intensivere und vor allem verbindliche Verankerung und Implementierung im Aus-

und Weiterbildungssystem für Lehrende. Nach wie vor hängt es sehr stark vom Engagement und Interesse

hoch motivierter Lehrer/innen ab, Maßnahmen umzusetzen oder an Aus- und Weiterbildungen teilzunehmen.

Weitere Maßnahmen sind also sicher nötig.

Wie in der Tageszeitung ‚Der Standard‘ vom 11.Mai 2009 nachzulesen ist, regt ja auch der Rechnungshof an, im

Gegenstand ‚Berufsorientierung‘ vermehrt auf die Vielfalt von Berufsfeldern hinzuweisen und die geschlechtsspezifischen

Muster in der Berufswahl der Schüler/innen aufzuweichen

Der Prozess der Institutionalisierung ist noch im Gange, muss noch intensiver betrieben werden. Das Knowhow,

‚wie geschlechtersensible Berufsorientierung ginge‘, mit welchen Methoden und Instrumenten Mädchen

(und auch Burschen) erreicht werden können, liegt vor. Die Kompetenz und Expertise ist in den Bundesländern

weiterhin abrufbar.

Ermöglicht wurden sieben Jahre mut! durch den Elan und die Kompetenz unserer Umsetzerinnen aus den

Frauen- und Mädchenberatungsstellen und amgs vielen Dank, Dank auch meinen Kolleginnen aus den Frauenreferaten

und natürlich dem Bundesministerium, das sich für uns materialisierte, namentlich in Frau Dr. in

Guggenberger, Mag.ª Pegac und Mag.ª Langecker.

Im Epizentrum des mut!-Verbundes in all seiner Vielfalt und manchmal auch Zentrifugalkraft hat uns Mag.ª Ruth

Mayr episch und geduldig koordiniert wahrlich nicht immer eine einfache Aufgabe, danke auch dafür.

Ich komme zum Schluss wieder nach Imst und zitiere wiederum:

„Die intensive Auseinandersetzung mit dem Gender-Thema ab dem Schuljahr 2004/2005 spiegelt sich

in der signifikanten Zunahme der Schülerinnenzahlen wieder. Lag der Mädchenanteil an der HTL Imst

im Schuljahr 1997/98 bei 11,9%, beträgt er im Schuljahr 2008/09 23,7%. Im Vergleich dazu liegt Tirols

Anteil landesweit an allen mittleren und höheren technischen Lehranstalten derzeit bei 17,9%.“

Das heißt,

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!

mut! lässt sich statistisch nachweisen

und

mut! zahlt sich auf jeden Fall aus.

mut! Bleibender Eindruck.


10

dIE SUMME dER EINzElNEN tEIlE

Die Summe der einzelnen Teile. mut! 20022009

in ganz Österreich. Interaktive Projektpräsentation.

Erstellt mit: http://prezi.com, die interaktive Version der Präsentation ist auf der mut!-Website verfügbar:

http://www.mut.co.at/prezi.html

Mag.ª Ruth Mayr, Projektleiterin mut! Österreich, Akzente Salzburg

Ich möchte Sie in den kommenden 40 Minuten auf eine kleine Zeitreise mitnehmen: eine Reise durch drei Projektphasen,

durch sieben Jahre und durch ganz Österreich. Es wird zwangsläufig eine Reise im Zeitraffer, mit

kurzem Verweilen an ausgewählten Stationen.

Wir starten im Jahr 2002:

Initiiert vom runden Tisch der

österreichischen Frauenreferentinnen

und -beauftragten und der

Abteilung für geschlechtsspezifische

Bildungsfragen des (damaligen)

Bildungsministeriums begann

im Sommer 2002 die Pilotphase von

mut! Mädchen und Technik.

‚Stell dir vor, es gibt über 300 Eissorten

und du isst immer nur die

selben drei!‘ stand damals im Projektfolder

und sollte verdeutlichen, dass ein bei weitem breiteres Spektrum an Berufen zur Wahl stand, als die

starke Konzentration von jungen Frauen im Bereich der Lehrlingsausbildung suggerierte. 75% aller weiblichen

Lehrlinge wurden zum Zeitpunkt der Projektkonzeption in einem der drei ‚klassisch weiblichen‘ Lehrberufe

Friseurin, Einzelhandelskauffrau und Bürokauffrau ausgebildet.

Mädchenberatungsstellen aus sieben Bundesländern traten dem entgegen, entwickelten Workshopkonzepte

und Methoden zur innovativen Technikförderung von Mädchen.

Das Ziel von mut! war damals wie heute, durch die Erweiterung des Berufswahlspektrums von mädchen und

jungen Frauen einen Beitrag zur Aufhebung der geschlechtsspezifischen segregation auf dem Arbeitsmarkt

zu leisten.

Was heißt das konkret und warum ist das wichtig?

Dass der Anteil von Frauen in technischen, handwerklichen und bestimmten naturwissenschaftlichen Berufsfeldern

so gering war/ist, ist nicht mit ‚naturgegebenen‘ geschlechtsspezifischen Eigenschaften zu erklären.

Als Sozialwissenschafterin und im Sinne der Interaktivität hatte ich geplant, an dieser Stelle eine kleine ‚Erhebung‘

mit Ihnen durchzuführen. Ich wollte jene von Ihnen bitten, aufzustehen, die in ihrer Kindheit mit Konstruktionsmaterial

wie Matador oder Lego Technic gespielt haben, sowie jene, die schon einmal ein Werkstück

aus Holz oder aus Metall hergestellt haben mit dem Hintergedanken, dass sich damit bereits anhand der

geschlechtsspezifischen Verteilung innerhalb der heute anwesenden ‚Stichprobe‘ ablesen lässt, was ich im Weiteren

ausführen möchte. Aufgrund der Tatsache, dass die Geschlechterverteilung zwischen den Anwesenden

nicht einmal annähernd als ausgeglichen zu betrachten ist 1 , erscheint mir diese Übung aber wenig sinnvoll ich

möchte sie Ihnen aber als ‚Forschungsfrage‘ in Ihrem eigenen Umfeld mit auf den Weg geben … - worauf ich

hinaus wollte: Im Verlauf des Heranwachsens haben Mädchen weniger oft als Buben die Gelegenheit, sich im

Umgang mit Konstruktionsmaterial, bei der Erstellung von Werkstücken oder anderen handwerklichen/technischen

Tätigkeiten zu versuchen.

Es steht außer Frage, dass es bestimmte Begabungen und Talente gibt aber um herauszufinden, ob man

etwas kann, muss man es einmal ausprobieren.

Die in mut! entwickelten Workshops waren von Beginn an v.a. eines: praxis- und erlebnisorientiert. Sie sollten

1 angemeldet waren 74 Frauen und 11 Männer

dIE SUMME dER EINzElNEN tEIlE

kein trockenes Theoriewissen vermitteln, sondern Mädchen (zwischen 10 und 15 Jahren) die faszinierende

Welt von Technik und Handwerk näher bringen, sie motivieren, ihre eigenen Fähigkeiten und stärken in

diesem Bereich zu entdecken und v.a.: selbst aktiv zu werden, auszuprobieren, welche Tätigkeiten ihnen

Spaß machen, ihnen liegen und ihnen auch aufzeigen, in welchen Berufsfeldern diese Tätigkeiten angewandt

werden.

Ich möchte einige Beispiele aus den ersten beiden Laufzeiten herausgreifen es handelt sich dabei ausdrücklich

NICHT um die einzig erwähnenswerten Beispiele bei über 1.000 durchgeführten Veranstaltungen in

sieben Jahren ist nur einfach eine Auswahl zu treffen.

In Kärnten wurde vom mädchenzentrum Klagenfurt im Rahmen von mut!1 für Österreich erstmalig die

Methode Assessment Center mit dem Ziel der stärken- und potenzialerhebung im technisch-handwerklichen

Bereich auf die Zielgruppe Schülerinnen abgestimmt. Dieses innovative Instrument zur geschlechtssensiblen

Berufsorientierung und Technikmotivation wurde mit bereits erprobten Methoden (Einzelberatung, Gruppenberatung,

Sozialkompetenztrainings und Technikworkshops) kombiniert und als „Paket“ an vier Schulstandorten

in ländlichen Bereichen Kärntens umgesetzt.

Die Evaluation des Maßnahmenpakets hat zusammengefasst

ergeben, dass mut!

eine bessere Selbsteinschätzung und mehr Zutrauen

sowie eine bessere Gesamteinstellung der Mädchen

gegenüber handwerklich-technischen Aufgaben

und Tätigkeiten bewirkt

und zur Entscheidungsfindung hinsichtlich des weiteren

Berufs- und Bildungsweges beigetragen hat.

In Oberösterreich wurden vom FrauenTrainingsZentrum rohrbach und der Frauenstiftung steyr programmtage

für schülerinnen der unterstufe an Höheren technischen Lehranstalten konzipiert. Was heute bei den

meisten HTL fix in den Jahresplan integriert ist, war damals noch Neuland.

Inhalte dieses Tages waren/sind:

Mitarbeit im Technikunterricht (Metall, EDV, Kunststoff, Elektronik, Kfz, usw.)

Probeunterricht in Fächern wie CAD, EDV, Mathematik, etc.

Ins-Gespräch-Kommen mit Schüler/innen

Kennen lernen der Schule als Lern- und Lebensort.

Der Tag in der technischen Schule war eingebettet

in eine Vor- und Nachbereitung mit den Mädchen in

den Hauptschulen. Dabei wurde das Thema „Frauen

in technischen Berufen“ diskutiert und den Mädchen

die Teilnahme am Techniktag angeboten. Bei der

Nachbereitung wurden die Mädchen ermuntert, die

Erfahrungen in konkrete Handlungen fließen zu lassen

und das Erlebte in ihre eigene Lebenssituation zu

integrieren.

11

mut! Bleibender Eindruck.


12

dIE SUMME dER EINzElNEN tEIlE

In einem Bundesland wurden im Rahmen von mut!1 bereits bewusst Fortbildungs-Aktivitäten für die Zielgruppe

der Multiplikatorinnen und Multiplikatoren gesetzt: so entstanden in salzburg schon 2002 seminare für Kindergartenpädagoginnen

und Volksschullehrerinnen

zum Thema Technikförderung in der Vor- und Volksschule.

Auch hier stand nicht nur die Vermittlung von

Basiswissen zu geschlechterreflektierter Pädagogik im

Vordergrund die Pädagoginnen haben, vielfach zum

ersten Mal, selbst in einer Werkstatt Metall und Holz

bearbeitet und die entstandenen Werkstücke konnten

dann als Konstruktionsmaterial im Kindergarten bzw. in

der Volksschule eingesetzt werden.

Insgesamt wurden im Rahmen von mut!1 7.432 personen in den sieben beteiligten Bundesländern erreicht.

mut! traf also einen Nerv: die teilnehmenden Mädchen waren begeistert, die Rückmeldungen von Eltern und

Lehrerinnen und Lehrern bestärkten das Team und die Auftraggeberinnen, den eingeschlagenen Weg weiter

zu verfolgen. Der Bedarf war nach wie vor gegeben. Auch 2004 wurden immer noch 74,6% der weiblichen

Lehrlinge Friseurin, Sekretärin oder Verkäuferin. In den

HTL lag der Mädchenanteil rund um die 10%-Marke.

Ich bin mit Beginn der Laufzeit von mut!2 ins Projekt

eingestiegen und habe seither folgende Formulierung

x-fach verwendet (und viele von Ihnen haben sie vermutlich

schon ebenso oft gehört): Die Entscheidung für

eine Ausbildung oder einen Beruf wird nicht im ‚luftleeren

Raum‘ getroffen. Viele unterschiedliche Faktoren

und Akteurinnen und Akteure haben darauf Einfluss:

schulisches und familiäres umfeld, mediale (Vor-)Bilder,

der Kreis der Gleichaltrigen, vorweggenommene

Annahmen bzgl. Vereinbarkeit und Arbeitsmarkt …

Diese Grafik finden Sie, in Verbindung mit einem erläuternden Fachartikel, übrigens in unserer Broschüre ‚Die

Top 10 der mut!igen mädchenförderung‘.

Um langfristig zu einer sich auf die Arbeitsmarktstatistik auswirkenden Veränderung beizutragen, muss auf

mehreren Ebenen angesetzt werden. Welche Berufe als ‚Frauenberufe‘ oder ‚Männerberufe‘ wahrgenommen

werden, hat mit stereotypen Zuschreibungen zu tun. Es gilt, sich den Stereotypen entgegenzustellen, sie

aufzuweichen, aufzuzeigen, dass sie nichts mit den individuellen Fähigkeiten, Eigenschaften und Talenten der

einzelnen Mädchen zu tun haben, aber auch auf einer übergeordneten Ebene den von ihnen ausgehenden

einschränkenden Charakter sichtbar zu machen und diesen damit zu entkräften.

Ab 2004 wurde das Projekt mut! erweitert: einerseits in geographischer Hinsicht und andererseits in inhaltlicher:

die Zielgruppe der Lehrer/innen, Multiplikatorinnen und Multiplikatoren und des familiären Umfelds von

Mädchen wurde vermehrt ins Blickfeld gerückt.

dIE SUMME dER EINzElNEN tEIlE

mut! bot nun wirklich Angebote ‚Von der Bauecke bis in die HTL‘ von Fortbildungen für Kindergartenpädagoginnen

(z.B. ein ‚Werkzeugführerschein‘ in Wien) bis zu Seminaren für Werklehrerinnen in der Volksschule,

zu Seminaren für Berufsorientierungslehrerinnen und -lehrern an der Hauptschule, bis zu einer bundesweiten

HTL-Fachtagung und zahlreiche Fortbildungsangebote für HTL-Lehrende standen auf dem Programm.

Daneben wurden nach wie vor die in der ersten Laufzeit entwickelten Workshops für die Schülerinnen weitergeführt

bzw. neue erprobt aber eben nicht als isoliertes, punktuelles Programm, sondern unter Einbeziehung

des Umfelds.

So gab es z.B. Workshops für Mütter und Töchter, hatten Lehrer/innen die Gelegenheit, die Technikstationen

für den Unterricht selbst in Seminaren praktisch zu erproben oder einmal die HTL-Werkstätten aus der Nähe

kennen zu lernen und dabei nebenbei Kontakte zu den Bildungsberaterinnen und -beratern dieser Schulen

zu knüpfen.

Besonders wichtig war den mut!igen Mitarbeiterinnen in den beteiligten acht Bundesländern die Kooperation

und Vernetzung mit bestehenden Institutionen d.h. v.a. den damaligen Pädagogischen Instituten bzw.

Akademien.

mut!2 erreichte die unglaubliche Anzahl von 12.548 personen und führte in nicht einmal zweieinhalb Jahren

mehr als 700 Veranstaltungen in acht Bundesländern durch.

Ich greife hier keine konkreten Beispiele heraus, da die zweite Laufzeit sehr umfassend in unserem Endbericht

mut! hinterlässt spuren‘ beschrieben ist 2 .

Schon im Rahmen der zweiten Laufzeit wurde versucht, möglichst viel von der Fülle an erarbeitetem Know-how

nachhaltig für Interessierte zu sichern. So entstanden zwischen 2004 und 2006 die materialien, die Sie auf den

Infotischen finden: da gibt es einen Berufsorientierungslehrplan für mut!ige, einen Best-practice-Katalog

zur umsetzung einer mädchengerechten schulkultur an HTL und eine Broschüre für Eltern und Töchter

ich freue mich, sagen zu können, dass v.a. letztere immer noch auf so großes Interesse stößt, dass es Überlegungen

zu einer Neuauflage gibt.

Diese Präsentation trägt den Titel ‚Die summe der einzelnen Teile‘. Kaum eine Redewendung könnte mut!

besser charakterisieren.

Das Projekt setzt sich aus vielen verschiedenen Einzelteilen/Teilprojekten zusammen, die aber nicht isoliert

nebeneinander stehen, sondern ineinandergreifen und gemeinsam ein größeres Ganzes ergeben.

Das trifft wie beschrieben auf Ebene der Zielgruppen zu, aber auch auf Ebene der projektstruktur: mut!

berücksichtigt bei der Umsetzung die regionalen Gegebenheiten und stimmt die Aktivitäten darauf ab, verliert

dabei aber synergie-Effekte über die Bundesländergrenzen hinweg nicht aus den Augen. Ein Ergebnis

dieser bundesländerübergreifenden Zusammenarbeit sind z.B. die positionspapiere, die Ihnen in den folgenden

Themenrunden, näher vor- und zur Diskussion gestellt werden.

Wir sind schnell unterwegs und schon in der jüngeren Vergangenheit angekommen, nämlich im Jahr 2007.

Hier gab es eine kurze Unterbrechung und Neu-Konzeptionsphase in diesem Zeitraum wurde nach dem Bild

einer „vermittelnden Drehscheibe“ eine überregionale Anlaufstelle konzipiert. Diese bietet gebündelte Informationen,

Links, Materialien- und Methodentipps und ist beim projektträger Akzente salzburg angesiedelt.

Diese „mut!-Zentrale“ tritt nach außen v.a. über den Punkt „Geschlechtssensible Berufsorientierung“ auf dem

Internetportal www.gender.schule.at in Erscheinung.

2 Dieser ist als digitale Version auf unserer Website verfügbar.

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mut! Bleibender Eindruck.


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dIE SUMME dER EINzElNEN tEIlE

Seit Herbst 2007 gibt es mut! wirklich in ganz Österreich. Das Burgenland

ist als letztes Bundesland in den Verbund eingestiegen. Die mut!-

Österreich-Karte ist nun noch bunter. Mit dem Projektträger arbeiten 11

Vereine in neun Bundesländern an der Umsetzung der Projektziele.

Die strategische steuerung liegt nach wie vor bei der Abteilung für

geschlechtsspezifische Bildungsfragen und Gender mainstreaming 3

des unterrichtsministeriums sowie bei den Frauenreferentinnen der

Bundesländer.

Bei der Konzeption der dritten Laufzeit stand v.a. die Frage im Vordergrund, wie sichergestellt werden kann,

dass die von mut! entwickelten Konzepte den entsprechenden Zielgruppen langfristig zu Gute kommen.

Alle von Ihnen, die sich mit dem Bereich geschlechtssensible Pädagogik oder Berufsorientierung auseinandersetzen,

wissen: das Bewusstsein für die Bedeutung des Themas, für die vielschichtigen Aspekte, ist nicht

mit einem Schlag vorhanden. Es muss wachsen, und das braucht Zeit und raum für Widerstände und für die

Auseinandersetzung mit dem Thema auf individueller Ebene.

Gleichzeitig ist dieses Thema aber von einer derartigen gesamtgesellschaftlichen, (arbeitsmarkt- und bildungs-)politischen

Bedeutung, dass man die Verantwortung nicht auf (engagierte) Einzelpersonen abwälzen

kann.

Es braucht einen (gesetzlichen) Rahmen und es braucht Menschen, die diesen Rahmen mit Leben und mit

Inhalt füllen es braucht ein Zusammenspiel der vielzitierten ‚top down‘ und der ‚bottom up‘-Ebene.

mut!3 ist mit vollem Bewusstsein um die Ambitioniertheit des Ziels in dieses Spannungsfeld hineingetreten: Wir

hatten die Erfahrungen aus zwei Laufzeiten, welche Methoden und Konzepte sich bewährt haben. Ausgehend

von der ‚kleinsten Einheit‘ haben wir uns die Frage gestellt: Was brauchen Mädchen, um technische und handwerkliche

Berufe in ihre Berufswahl mit einzubeziehen und diese Berufswünsche auch realisieren zu können?

Wie schon vorher ausgeführt, spielt das umfeld eine wesentliche Rolle - Was brauchen daher die Akteurinnen

und Akteure dieses Umfelds, um Mädchen dabei unterstützen zu können, sich bei der Berufswahl nicht von

traditionellen Geschlechterrollenbildern hemmen zu lassen?

Ein Schritt in diese Richtung war im Rahmen von mut!3 die Idee, zusätzlich zu der bereits erwähnten überregionalen

Servicestelle, eine Anlaufstelle in jedem Bundesland zu etablieren.

Die Projektpartnerinnen in den neun Bundesländern bilden zentrale schnittstellen, an denen das regionale

Know-how im Bereich geschlechterreflektierter Berufsorientierung (mit Fokus auf mädchen und Technik)

zusammenläuft.

Ihre Hauptaufgaben liegen im Bereich:

Initiierung und Begleitung von Modellprojekten

Konzeption und Durchführung von Seminaren und Workshops im Rahmen der Aus- und

Weiterbildung von Lehrenden

Information, Beratung und Vermittlung

Vernetzung und Kooperation mit bestehenden Institutionen, Projekten und Initiativen

Initiierung und Durchführung von Strategiegruppen und Round Tables

Einbringen von Expertise bei der Erstellung von Curricula und Modulen

3 mittlerweile: Abteilung für Gender Mainstreaming/Gender und Schule

dIE SUMME dER EINzElNEN tEIlE

Das Stichwort ‚Vernetzung und Kooperation‘ ist dabei nicht nur so dahingesagt. Es war uns wichtig, die mut!-

Aktivitäten nicht als parallelstruktur zu vorhandenen Einrichtungen weiterzuführen bzw. aufzubauen. Die

Kooperation und Zusammenarbeit mit pädagogischen Hochschulen, Landes- bzw. stadtschulräten und

anderen regionalen Bildungseinrichtungen, stand daher im Mittelpunkt.

Wo sich Möglichkeiten dazu ergeben haben, wurde eine infrastrukturelle, personelle, curriculare oder materielle

Einbindung realisiert. Die jeweiligen Formen der Realisierung sind abhängig von den regionalen Gegebenheiten

einige Beispiele möchte ich Ihnen vorstellen:

kommunikationsraum Vorarlberg

Vom mut!igen Team des Mädchenzentrums Amazone wurde ab Herbst 2007 gemeinsam mit mut!-Kooperationspartner/innen,

mit Mädchen, Eltern und Lehrenden, im Bundesland eine Drehscheibe als Anlaufstelle zu

Belangen geschlechtssensibler Berufsorientierung konzipiert.

Im mut!igen Kommunikationsraum in Bregenz findet sich nun z.B. eine Landkarte

mit Angeboten und Terminen zu Berufsorientierung und Ausbildung in ganz Vorarlberg,

Tipps und Tools aus Modellprojekten, Methodikmaterialien zur geschlechtssensiblen

Berufsorientierung stehen zur Verfügung, die Mitarbeiterinnen bieten

Coaching, Beratung und Projektbegleitung z.B. für Schulen und der Raum stellt

auch eine Kontakt- und Austauschmöglichkeit für alle in den Prozess der Berufsorientierung

involvierten Zielgruppen dar.

Genderkompetenzzentrum langeck

Im Zuge der regionalen Vorarbeiten zum Projekt mut! im Burgenland entstand auf Seiten des LSR der Wunsch,

in Langeck eine Außenstelle ein Genderkompetenzzentrum - einzurichten.

Dieser Schritt ist gelungen. Das GKZ dient als regionale Anlaufstelle im Burgenland für Fragen zum Thema

Gender Mainstreaming und als Drehscheibe für Projekte aus diesem Themenbereich, z.B. mut!, aber auch Girls‘

Day, FiT u.a.

Die Erhaltung der Infrastruktur des Genderkompetenzzentrums ist durch LSR, PH Burgenland und die Gemeinde

Lockenhaus gesichert.

koordinationsstelle für geschlechtssensible Berufsorientierung am lSR NÖ

In Niederösterreich wurde in Kooperation mit dem NÖ Frauenreferat und dem NÖ Landesschulrat eine eigene

Koordinationsstelle für geschlechtssensible Berufsorientierung am LSR NÖ eingerichtet. Diese fungiert ebenfalls

als Drehscheibe für Information, Vernetzung und Unterstützung rund um das Thema geschlechtssensible

Berufsorientierung und richtet sich an Lehrer/innen, Schüler/innen, Eltern und alle pädagogisch Tätigen. Durch

die Ansiedlung beim Landesschulrat ging Niederösterreich mit dieser Einrichtung einen eigenen und einzigartigen

Weg.

mut!-Büro an der PH Salzburg

Feierlich eröffnet wurde im Dezember 2007 das mut!-Büro an der Pädagogischen Hochschule Salzburg. Salzburg

ist das einzige Bundesland, wo die mut!-Regionalstelle räumlich direkt an der PH angesiedelt ist möglich

gemacht hat das die gute Kooperationsbasis, die in den Laufzeiten davor aufgebaut wurde, sowie die strategische

Unterstützung des Büros für Frauenfragen & Chancengleichheit. Durch die räumliche Nähe bietet sich ein

Vernetzungs- und Kooperationspotenzial, das in dieser Laufzeit exzellent genutzt werden konnte.

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mut! Bleibender Eindruck.


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dIE SUMME dER EINzElNEN tEIlE

Was machen die regionalen mut!-stellen?

Das Thema sichtbar zu machen, ihm einen konkreten Ort zu geben, ist wichtig aber natürlich nicht allein

ausreichend.

Initiierung und Begleitung von Modellprojekten (Beispiele)

Vorarlberg

In den vergangenen zwei Jahren wurde an der Modellhauptschule Alberschwende mit Mädchen, Eltern, Lehrerinnen

und Lehrern gearbeitet, und zwar ab der 1. Klasse.

Die Ergebnisse dieses Modellprojekts, z.B. Methodikmaterialien, fließen direkt in den Kommunikationsraum

zurück und stehen anderen interessierten Schulen zur Verfügung.

kärnten:

In der Laufzeit von mut!3 unterstützte das Mädchenzentrum insgesamt 12 Schulen bei der Initiierung und Konzeption

unterschiedlicher Projekte zur geschlechtssensiblen Berufsorientierung. Die verwendeten Methoden

können von Lehrerinnen und Lehrern auch im Regelunterricht eingesetzt werden, die Projekte wurden gemeinsam

mit den Lehrkräften konzipiert, umgesetzt und reflektiert.

Oberösterreich

Der von Beginn an in Oberösterreich gesetzte Schwerpunkt auf die Aktivitäten mit und an Höheren technischen

Lehranstalten wurde fortgesetzt: Auch zwischen 2007 und 2009 sind zahlreiche Initiativen an HTBLA für Mädchen

umgesetzt worden.

Dabei wurden zwei Maßnahmenstränge verfolgt:

Um Mädchen aus den Hauptschulen und AHS-Unterstufen anzusprechen; mit dem Resultat der absoluten

Steigerung des Mädchenanteils an HTBLA.

Um Mädchen an den HTBLA zu unterstützen.

mut! OÖ hatte dabei die Rolle der Projektbegleiterin. Was mit ‚Tagen der offenen Tür‘ für Mädchen begonnen

hat (was von vielen HTL übernommen wurde), ist nunmehr ein aus vielen verschiedenen Bausteinen zusammengesetztes

Programm für die HTL, zur gezielten Ansprache von Mädchen.

Und das zeigt Wirkung, z.B. an der HTL Neufelden: 12 Anmeldungen von Mädchen für das Schuljahr 09/10;

10 dieser Mädchen haben an einem der beiden Mädchentage im Dezember 08 teilgenommen. Der Direktor,

DI Zeller, ist sehr zufrieden damit und bewertet die Mädchentage als optimales Instrument, um Mädchen für

die HTL zu gewinnen. Mädchentage sind fixer Programmbestandteil der HTL und auch „Chefsache“: Die HTL

Neufelden hatte zu Beginn von mut! 2002 vier Mädchen an der Schule; seit 2002 konnte der Mädchenanteil

um 150% gesteigert werden.

tirol

Wie erwähnt, hat sich die HTL Imst zur mut!igen Modellschule entwickelt. Seit der im Rahmen von mut!2

durchgeführten Genderanalyse ist das Thema Gender Mainstreaming an der Schule als Querschnittsthema

präsent.

Im Schuljahr 2007/2008 besuchten 551 Schüler/innen die HTL Imst. Dies ist, fast auf die Zahl genau, der Stand

an Schülerinnen und Schülern des Schuljahres 1997/98. Bei gleich bleibendem Anteil von Schülerinnen und

Schülern hat sich der Mädchenanteil deutlich erhöht. 1997/98: 11,9%, 2007/08: 23,8%.

Die intensive Auseinandersetzung mit dem Gender-Thema ab dem Schuljahr 2004/2005 in Zusammenhang

mit mut!2 spiegelt sich in der signifikanten Zunahme der Schülerinnenzahlen wider. In den Klassen der Höheren

Abteilung für Innenraumgestaltung und Holztechnik beträgt der Mädchenanteil 40,7% bei fast gleichbleibenden

Gesamt-Schüler/innenzahlen.

(Ich zitiere hier aus dem Abschlussbericht des GEKOS-Projekts, das nach der Zusammenarbeit von mut! an der

HTL Imst durchgeführt wurde auch das zeigt: Die Tiroler HTLs führen das Thema selbstständig weiter!)

Salzburg

... und auch in Salzburg zieht sich ein Thema eines von mehreren als roter Faden seit der ersten Laufzeit

durch: in mut!3 wurde mit Schülerinnen und Schülern der Praxisvolksschule der Pädagogischen Hochschule

Salzburg (und mit ihren Lehrer/innen) zum Thema ‚Traumberufe‘ und ‚Forschen und Experimentieren‘

gearbeitet.

Modellprojekte liefern wertvolle Erfahrungen diese sollten aber nicht isoliert als einmaliges, punktuelles

Ereignis stehen bleiben, sondern nutzbar gemacht werden d.h. u.a. auch Eingang in die Fortbildung von

anderen Pädagoginnen und Pädagogen finden. Im Umkehrschluss bereichern die Praxiserfahrungen die Fortbildungen:

d.h. die mut!-Mitarbeiterinnen, die in der Aus- und Weiterbildung zum Thema Technikförderung

von Mädchen und Berufsorientierung arbeiten, wissen, wovon sie sprechen, weil sie über jahrelange Erfahrung

in der praktischen Mädchenarbeit verfügen.

konzeption und durchführung von Seminaren und Workshops im Rahmen

der Aus- und Weiterbildung von lehrenden

Fortbildung

dIE SUMME dER EINzElNEN tEIlE

Niederösterreich

Pro NÖ Bildungsregion wurde im Rahmen von mut! NÖ gemeinsam mit einer Werklehrerin der VS und DSA in

Karin Gruber von Sunwork ein Fortbildungsseminar für geschlechtssensiblen Werkunterricht an der Volksschule

mit dem Titel ‚Mit Herz, Hirn und Hand‘ entwickelt. Die Halbtagsseminare waren ausgebucht und aufgrund

der sehr positiven Rückmeldungen und der nachdrücklichen Bedarfsäußerung nach einem rein technischen

Werkseminar mit Schwerpunkt Solartechnik wurden zwei Ganztagsseminare im Rahmen der Pädagogischen

Hochschultage NÖ entwickelt diese werden im Sommer durchgeführt. Die entwickelte Experimentierbox für

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mut! Bleibender Eindruck.


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dIE SUMME dER EINzElNEN tEIlE

den Einsatz von Strom und Solartechnik im Unterricht mit genauen Anleitungen haben wir Ihnen als Ansichtsexemplar

natürlich auch heute mitgebracht (nähere Infos auch auf der mut!-Website).

Steiermark

Eine in mut!2 erfolgreich begonnene Kooperation von Mafalda Graz und der HTL-Abteilung des BMUKK,

wurde auch heuer fortgesetzt. Im März fand ein bundesweites Fortbildungsseminar für HTL-Werkstättenlehrende

statt, an dem 21 Lehrer und eine Lehrerin teilnahmen.

und dieses Seminar ist außerdem ein gelungenes Beispiel für die bundesländerübergreifende Zusammenarbeit

im Rahmen von mut! eine Referentin arbeitet für mut! Steiermark, eine für mut! OÖ. Dass mut! Ausgewogenheit

wichtig ist, zeigt auch die Tatsache, dass bei allen HTL-Fortbildungsseminaren Referenten zum Thema

Bubenarbeit eingeladen wurden.

kärnten

und einmal mehr freue ich mich, aufzeigen zu können, wie die Erfahrungen innerhalb der sieben Jahre

ineinandergeflossen und genutzt wurden: Unter dem Titel „Mädchen frisieren … Autos, Jungen bauen …

Beziehungen auf - Geschlechtssensible Berufsorientierung im Schulkontext“ fanden Schulungen an PH und

Universität in Kärnten statt und wurde das für die Durchführung von Assessment Centern nötige Know-how

weitergegeben. Kärnten ist damit das einzige Bundesland, wo mut!ige Inhalte auch Eingang in die universitäre

Lehre gefunden haben.

Wien

Die Lehrveranstaltung: „Berufsorientierung ohne Klischees - gendersensible BO“ fand mit viel Erfolg an der PH

Wien statt. Ein Termin für das kommende Studienjahr, und damit über die Projektphase von mut!3 hinaus, ist

bereits fixiert. Die Lehrveranstaltung wurde von den Teilnehmenden durchwegs positiv und als anregend und

aktivierend für ihre Arbeit mit Schülerinnen und Schülern erlebt.

Oberösterreich

mut! veranstaltete zahlreiche Seminare zur geschlechtssensiblen Berufsorientierung für (angehende) Lehrer/

innen in Kooperation mit den Pädagogischen Hochschulen in Oberösterreich u.a. noch geplant ist im Rahmen

des Ferialprogramms z.B. ein Seminar zum Thema ‚Beruf im Deutsch- und Geschichteunterricht‘ im Juli.

und erstmals hat sich heuer im April ein ganzer Bezirk in OÖ, nämlich Perg, eine Woche lang dem Thema

Mädchen und Technik‘ gewidmet.

Burgenland

14 Seminare in der Lehrer/innenfortbildung mit insgesamt 52 Teilnehmenden

... davon 5 in (finanzieller) Kooperation mit der PH Burgenland.

... und es geht weiter! Die PH Burgenland finanziert für das Schuljahr 2009/2010 Fortbildungen für Lehrer/innen

aus dem mut! Burgenland Seminarprogramm im Ausmaß von 104 UE!

Ausbildung

Salzburg

Ein besonders gelungenes Beispiel für die Nutzung von Synergien in Salzburg: die mut!-Mitarbeiterinnen sind

fixer Bestandteil des Berufsorientierungsunterrichts im Rahmen der Lehrer/innen-Grundausbildung und haben in

den vergangenen beiden Schuljahren zahlreiche Inputs für Studierende des Lehramts für Volksschulen gestaltet.

Auch in Oberösterreich und der steiermark werden mut!-Inhalte in die Grundausbildung integriert.

Information, Beratung und Vermittlung

… steht bei allen Regionalstellen im Mittelpunkt … zwei innovative Beispiele seien herausgegriffen:

mut!-Infohotline tirol

virtueller kommunikationsraum Vorarlberg der mut!ige Kommunikationsraum ist nicht nur ein ganz

reeller Raum, sondern für alle Interessierten über das Internet zugänglich.

Und als ein Beispiel, was unter ‚Vermittlung‘ verstanden wird: an der Pädagogischen Hochschule Salzburg

läuft momentan eine Ausstellung mit Porträts österreichischer Forscherinnen die Auseinandersetzung mit

lebensnahen Vorbildfrauen macht eine eigene Berufswahl in diesem Bereich denkmöglicher! Die Ausstellung

ist als Wanderausstellung konzipiert und kann ab Ende des Schuljahres verliehen werden 4 . Diese Ausstellung ist

übrigens eine Kooperation mit w-fforte, einer Aktivitätslinie des Programms fforte-Frauen in Forschung und

Technologie, zu dem auch mut! gehört.

Vernetzung und kooperation mit bestehenden Institutionen,

Projekten und Initiativen

Es gibt seit Jahren und bis zum heutigen Tag sehr viele Initiativen und Projekte, die sich mit dem Thema Berufsorientierung

v.a. oder auch unter einer geschlechterreflektierten und mädchenfördernden Perspektive beschäftigen.

Hier Synergien zu nutzen, entspricht der Zielsetzung von mut!3. Besonders gut ist das mit dem in ganz Österreich

etablierten Girls‘ Day gelungen z.B. in Form von vorbereitenden Seminaren für Lehrer/innen, wie z.B.

in NÖ und im Burgenland, bei der Vorbereitung und dem Coaching von HTL zur Beteiligung am Aktionstag in

Tirol, OÖ und Salzburg oder durch Workshops für Schülerinnen in Tirol, die damit gut vorbereitet die Eindrücke

bei den Betriebsbesuchen am Girls‘ Day noch besser für ihren Berufsorientierungsprozess nutzen können.

Auch mit dem Projekt Roberta Mädchen erobern Roboter hat es in der dritten Laufzeit Kooperationen in mehreren

Bundesländern gegeben das Burgenländische Schulungszentrum Neutal ist als erstes Roberta-Regiozentrum

eine wichtige Kooperationspartnerin von mut!-Burgenland, in Salzburg wurden Roberta-Workshops im

Rahmen von mut! am Girls‘ Day angeboten.

Strategiegruppen und Round tables

dIE SUMME dER EINzElNEN tEIlE

Vernetzung mit vorhandenen Institutionen usw. gehört zu den Voraussetzungen, um die Funktion einer regionalen

Schnittstelle erfüllen zu können. Langfristig Eingang in die Aus- und Weiterbildungslandschaft und ins

Schulsystem können die mut!-Konzepte nur finden, wenn auch Entscheidungsträger/innen die Anliegen mittragen.

In allen Bundesländern wurden strategiegruppen/round Tables umgesetzt. Besonders herausgreifen

möchte ich dabei den Weg, den Wien eingeschlagen hat:

4 Kontakt: Stabsstelle für Frauenfragen & Chancengleichheit des Landes Salzburg, Peter Fürst, 0662/8042/4041, bff@salzburg.gv.at

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mut! Bleibender Eindruck.


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dIE SUMME dER EINzElNEN tEIlE

Wien: mut!-Strategiegruppe

In Wien wurden Vertreter/innen der Pädagogischen Hochschule und des

Stadtschulrats von Beginn an aktiv in die Detailkonzeption der Projektaktivitäten

eingebunden. Über die im Rahmen von mut!3 in Wien umzusetzenden

Maßnahmen wurde im Herbst 2007 entschieden die Strategie gruppe

traf laufend zusammen und die Teilnehmer/innen waren auch in der Umsetzung

aktiv. Im Rahmen einer Zukunftswerkstatt erarbeiteten Vertreter/innen

der Bildungseinrichtungen jene Inhalte, die nun im neu erschienenen Folder

‚Was braucht eine gendersensible orientierte Wiener Bildungslandschaft?‘ zusammengefasst sind.

Dieser Weg hat sich als sehr effektiv und nachhaltig erwiesen dass Vertreter/innen der relevanten Institutionen

zusammengebracht werden, gemeinsam entscheiden, was in ihrem Bereich umgesetzt werden soll, auch in die

weitere Umsetzung integriert sind und die Entwicklungen maßgeblich beeinflussen und unterstützen, sowohl in

ihrer eigenen Organisation als auch organisationsübergreifend. Dass die bereits vorgestellte Lehrveranstaltung

an der Pädagogischen Hochschule ein Pflichtmodul im Lehrgang Berufsorientierung bildet, ist dem Engagement

dieser Gruppe zu verdanken.

Burgenland: Strategischer Beirat

Der Beirat wurde als beratendes Gremium für das Projekt mut! Burgenland bestehend aus Vertreter/innen des

LSR, der PH Burgenland, der Frauen- und Männerberatungsstellen, des Frauenbüro, des AMS Burgenland und

der mut! Mitarbeiter/innen installiert, die Beschlüsse des Beirats haben empfehlenden Charakter.

Steiermark: Round table

In der Steiermark wurden Round Tables mit Vertreterinnen und Vertretern des steirischen Schul- und Bildungssystems

umgesetzt. Der nächste findet am 29. Mai statt und kann mit sehr interessanten Referentinnen und Referenten

aufwarten: einen Input liefern Dr. Peter Härtel von der Steirischen Volkswirtschaftlichen Gesellschaft und

Dr. in Helga Stadler, Physikerin an der Universität Wien.

kärnten

… was aus einem Runden Tisch aller im Bereich Berufsorientierung aktiven Institutionen alles entstehen kann,

zeigt das Beispiel Kärntens: der Runde Tisch ‚Schulische Berufsorientierung Kärnten‘ 5 hat in der zweiten Laufzeit

seine Arbeit als Vernetzungsgremium aufgenommen im Rahmen von mut!3 wurde das Gütesiegel ‚Berufsorientierung‘

gemeinsam konzipiert und verliehen. Das Gütesiegel versteht sich als Auszeichnung, um hervorragende

Leistungen und Initiativen rund um das Thema zu würdigen. Ausgezeichnete Berufsorientierung muss, so eine

Auflage des Gütesiegels, in jedem Fall geschlechtssensibel sein, d.h. u. a. zur Herstellung von Gleichberechtigung

am Arbeitsmarkt für Frauen und Männer beitragen (Technikmotivation für Mädchen, Vorbildmänner aus

Sozialberufen für Jungen, etc.). Daneben wurden als weitere Kriterien für die Vergabe u. a. Realbegegnungen

(Betriebsbesichtigungen, Schnupperpraktika, etc.), Elternarbeit, methodische Vielfalt und Persönlichkeitsbildung

festgelegt. Für 2009-2012 geht das Gütesiegel an 5 Hauptschulen und eine Polytechnische Schule in Kärnten.

Ich habe zu Beginn meiner Präsentation von der Bedeutung personenunabhängiger (gesetzlicher) rahmenbedingungen

gesprochen. Im Zuge der Etablierung der Pädagogischen Hochschulen wurden neue Curricula für

die Lehrer/innenausbildung entwickelt (bzw. werden immer noch), neue (Hochschul-)Lehrgänge konzipiert.

Es freut mich, Ihnen zum Abschluss auch noch berichten zu können, dass es mut! gelungen ist, die ohne Zweifel

vorhandene Expertise auch bei der Erstellung von Curricula bereitstellen zu können.

5 Alpen-Adria-Universität, Arbeiterkammer, Arbeitsmarktservice, Industriellenvereinigung, Landesfrauenreferat, Landesschulrat,

Mädchenzentrum Klagenfurt, Pädagogische Hochschule und Wirtschaftskammer

Expertise bei der Erstellung von curricula und Modulen

Salzburg

Geschlechtssensible Berufsorientierung ist fix in einem Pflichtmodul des Lehramt-Studiums für Volksschulen integriert.

Außerdem konnten dank der guten Kooperationsbasis mit der Pädagogischen Hochschule Salzburg mut!-

Inhalte in das Modul ‚Pädagogik der Vielfalt‘ eingebracht werden. Die mut!-Mitarbeiterinnen werden auch für die

Umsetzung dieser Inhalte im Rahmen der Lehrveranstaltungen angefragt.

Niederösterreich

Die Implementierung des Moduls „Gender und GeseBO“ im Curriculum des Lehrgangs für Berufsorientierung und

des Lehrgangs für Schüler/innenberatung (APS) an der PH NÖ. Dadurch ist eine nachhaltige strukturelle Verankerung

von GeseBO in NÖ gelungen. Dies ist ein Ergebnis der guten Vernetzung von mut! NÖ mit der PH NÖ.

kärnten

Das Mädchenzentrum konnte an der Konzeption des Curriculums für den geplanten Hochschullehrgang zum

Thema Berufsorientierung und Lebenskunde an der Pädagogischen Hochschule Kärnten mitwirken und eine Stellungnahme

zum Studienplan abgeben. Die Vorschläge wurden aufgegriffen und führten u.a. zur Erweiterung um

ein eigenes Modul zur geschlechtssensiblen Berufsorientierung.

überregional war eine Mitarbeiterin von mut!, Mag.ª Helga Gschwandtner, auch in die Erstellung des Curriculums

für BO-Koordinatorinnen und -Koordinatoren an AHS involviert.

Dieses Curriculum ist Teil des Maßnahmenpakets des BMUKK und der Sozialpartner/innen zum Ausbau der Berufsorientierung

und Bildungsberatung in Österreich, auf das Herr MinR. Mag. Kern in seinem Input in der Themenrunde

1 im Anschluss genauer eingehen wird.

Bisher wurden im Rahmen der dritten Laufzeit von mut! über 10.000 personen erreicht.

dIE SUMME dER EINzElNEN tEIlE

Wir sind nun wieder in der Gegenwart angelangt. Diese Präsentation geht damit ihrem Ende zu. Die Umsetzungsphase

der dritten Laufzeit des Projekts mut! Mädchen und Technik wird mit diesem Sommersemester zu Ende

sein, bis Ende september 2009 steht die überregionale Servicestelle noch für Anfragen zur Verfügung.

Was ich Ihnen in den vergangenen 40 Minuten näher bringen wollte und hoffentlich konnte, waren nicht nur Teile

und Highlights eines erfolgreichen Projekts, sondern auch die Summe dieser Teile, die nicht für sich allein stehen

und nicht für sich allein stehen können.

Im Prozess der Berufsorientierung braucht es ein Zusammenspiel all dieser Teile,

dieses trägt dazu bei, wie das Gesamtbild in diesem Fall die Ausbildungs- und

Berufswahl von Schülerinnen und auch Schülern aussieht. Als Vertreterin des unterrichtsministeriums, als Lehrerin

und Lehrer, als angehende pädagoginnen, als mutter und Vater, Tante, Onkel, als Vertreterin und Vertreter

Ihrer Berufsrolle, haben sie bewusst oder unbewusst Einfluss auf den Berufsorientierungsprozess von

Jugendlichen sie sind ein Teil dieses Bilds und tragen dazu bei, wie es in Zukunft aussehen wird. Welche

Methoden, Wege und Möglichkeiten es gibt, dieses zu gestalten und wahrzunehmen, dazu erhalten Sie in den kommenden

Stunden hoffentlich zahlreiche Anregungen, und ich hoffe, diese Veranstaltung kann ein Impuls sein,

damit das österreichische schulsystem und die projektlandschaft in Zukunft nicht ganz ‚mut!-los‘ sein wird.

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit und freue mich auf spannende Diskussionen!

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mut! Bleibender Eindruck.


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VoRARlBERg

TIRol

SAlzBuRg



MUt! IN GANz ÖStERREIcH

MUt! IN GANz ÖStERREIcH

Rahmenprogramm: mut! in ganz Österreich … … die Inhalte der Pinnwände sind detailliert im Internet verfügbar: www.mut.co.at

mut !-Regionalstelle NÖ

Mag.ª Ursula Mischak

NÖ Frauenreferat

Amt der NÖ Landesregierung

Koordinationsstelle für

geschlechtssensible Berufsorientierung in NÖ

die mut ! igen Ergebnisse

LehrerInnenfortbildung W e i t e r b i l d u n g s i m p u l s e Mädchen

geschlechtssensible Berufsorientierung geschlechtssensible Technikdidaktik

Technikförderung

und SchülerInnenberatung

ExpertInnen-Arbeitsgruppe

für geseBO in NÖ

« Gender und geseBO »

Modul in den Curriculae der Lehrgänge

BO und SchülerInnenberatung

an der PH NÖ

Follow Up Seminare

geschlechtssensible BO und Didaktik

geseBO Koffer NEU !

Lehrgang

Assessment AssessorIn

Gender Workshop

für Pilotschulen des NÖ Schulmodells

Positionspapier BO

Workshops zur Solartechnik

für LehrerInnen der Grund- und

Sekundarstufe 1 an der PH NÖ

Grund- und Aufbauseminar

« Alles dreht sich, alles bewegt sich,

mit der Kraft der Sonne »

an der PH NÖ

Solar-Experimentier-Set für den

Unterrichtseinsatz

Seminar

« Faszination in Naturwissenschaft

und Technik »

für KindergärtnerInnen und

VolksschullehrerInnen

Positionspapier Werkunterricht

in Zusammenarbeit mit

Vorbereitungsworkshops

für LehrerInnen für den Girls Day

Unterlagen für HTL Schülerinnen

zu Unternehmenspraktika

Unternehmenspool Praktikastellen

für HTL Schülerinnen

Ausbildungsworkshops

für Girl Scouts

Infos zur Ausbildung und Umsetzung

des Girl Scouts Konzepts

Girl Scouts Werbefolder

für 1200 HTL Schülerinnen in NÖ

Positionspapier

Mädchen in technischen Ausbildungen

Das Team von mut! Vorarlberg:

DSA in Susanne Willi,

Mag.ª (FH) Olivia Mair und

Mag.ª Amanda Ruf.

mädchenzentrum Amazone

Kirchstraße 39

6900 Bregenz

mut@amazone.or.at

www.amazone.or.at

projektleiterin von mut! Tirol:

Mag.ª Claudia Vogel-Gollhofer.

amg-tirol

Kaiserjägerstr. 4a

6020 Innsbruck

c.vogel-gollhofer@amg-tirol.at

www.amg-tirol.at

mut! salzburg:

Mag.ª Helga Gschwandtner und

Mag.ª Astrid Jakob vom Verein Einstieg.

mut! regionalbüro

Erzabt-Klotz-Str. 11

5020 Salzburg

mut@einstieg.or.at

www.einstieg.or.at

Das Team von mut! Oberösterreich:

Dipl.Päd. in Marlies Auer und

Mag.ª Barbara Spreitzer

FrauenTrainingsZentrum rohrbach

Stadtplatz 11, 4150 Rohrbach

barbara.spreitzer@alom.at

www.alom.at/ftz

subpartnerin: Frauenstiftung steyr

Wagner-Straße 24, 4400 Steyr

dorothea.dorfbauer@frauenstiftung.at

www.frauenstiftung.at

Leiterin der Koordinationsstelle für

geschlechtssensible Berufsorientierung

NÖ im rahmen von mut! NÖ,

Mag.ª Ursula Mischak (Mitarbeiterin des

Trägervereins Jugend & Arbeit), mit

Kooperationspartnerin Mag.ª Nicole

Schaffer von Joanneum Research.

Koordinationsstelle für

geschlechtssensible BO NÖ

Landhausplatz 1, 3109 St.Pölten

maedchenundtechnik@lsr-noe.gv.at

WIEn

BuRgEnlAnD

STEIERMARk

käRnTEn

üBERREgIonAl

Dr. in Margarete Bican, Mag.ª Bärbel

Traunsteiner, Mag.ª Doris Arztmann,

Mag.ª Daniela Wimpissinger (MA 57)

sprungbrett für mädchen

Pilgerimgasse 22-24/1/1

1150 Wien

margarete.bican@sprungbrett.or.at

www.sprungbrett.or.at

Das Team von mut!-Burgenland:

Gertrude Ofenböck, Frauenbüro der

Burgenländischen Landesregierung,

Mag. Robert Nehfort, Mag.ª Angelika

Kaufmann, Christiane Zeiler,

Jutta Zagler (mona-net).

Genderkompetenzzentrum Langeck

Hauptstraße 29

7442 Lockenhaus

mut-burgenland@pz-langeck.at

Mag.ª Christina Pernsteiner und

Mag.ª Ingrid Erlacher

mafalda

Glacisstraße 9

8010 Graz

ingrid.erlacher@mafalda.at

www.mafalda.at

Als Vertreterin des

Kärntner mut!-Teams in Wien:

Martina Rauter.

mädchenzentrum Klagenfurt

Karfreitstraße 8

9020 Klagenfurt

rauter@maedchenzentrum.at

www.maedchenzentrum.at

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Die mut!-Ansprechpartnerinnen in der

Abteilung für geschlechtsspezifische

Bildungsfragen & Gm des BmuKK,

Mag.ª Helga Pegac, Dr. in Doris Guggenberger

und Mag.ª Evelin Langenecker,

mit Projektleiterin Mag.ª Ruth Mayr (2. v.r.).

projektträger: Akzente salzburg

Glockengasse 4c

5020 Salzburg

projekt-mut@salzburg.gv.at

www.mut.co.at

mut! Bleibender Eindruck.


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Themenrunde 1

lEHRER/INNENAUS- UNd WEItERBIldUNG

Themenrunde 1: lehrer/innenaus- und -weiterbildung

Moderation: Martina Rauter (mut! Kärnten, Mädchenzentrum Klagenfurt)

Wie kann geschlechtssensible Berufsorientierung ausgehend vom Unterrichtsprinzip „Erziehung zur

Gleichstellung von Frauen und Männern“ und der Verbindlichen Übung Berufsorientierung Eingang in

die Schule und in die Aus- und Weiterbildung von Lehrer/innen finden? Welche Schritte wurden schon

erprobt und sind gelungen, welche sind noch zu setzen?

Download mut!-Positionspapier ‚Ausbau der Berufsorientierung und Bildungsberatung‘:

http://www.mut.co.at/intra/docs/mut_sonstige394.pdf

Input zum status quo der Berufsorientierung und Bildungsberatung durch minr mag. Augustin Kern

(Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur, Sektion I)

Download der gesamten Präsentation: http://www.mut.co.at/intra/docs/mut_foto439.pdf

Ausbau der Berufsorientierung und Bildungsberatung positionspapier des projekts mut! mädchen und

Technik

präsentation von martina rauter, mädchenzentrum Klagenfurt

Download der gesamten Präsentation: http://www.mut.co.at/intra/docs/mut_foto438.pdf

Wesentliche Aspekte aus der diskussion:

lEHRER/INNENAUS- UNd WEItERBIldUNG

... gute integrative Berufsorientierung ohne Klischees (= geschlechtssensibler unterricht) erfordert eine

Grundausbildung in diesem Bereich für alle Lehrer/innen

Verbindlichkeit vs. Freiwilligkeit:

Fortbildungen, die freiwillig (bei mut! oder FiT) angeboten werden, werden sehr häufig nur von sehr engagierten

Lehrkräften angenommen. Grundsätzlich ist die Aneignung von Genderkompetenz jedoch KEINE

Frage von Freiwilligkeit.

Genderkompetenz als Qualitätskriterium

Z.B. Best-Practice-Beispiel AMS: Berater/innen müssen die Absolvierung von Ausbildungen zur Erreichung

von Genderkompetenz nachweisen. Dies könnte auch ein mögliches Modell für die PH darstellen.

BO als eigener unterrichtsgegenstand uND integrativ

Es soll ein MUSS werden, beides zu machen. Denn einerseits braucht es Koordination an den Schnittstellen

(klassen- bzw. schulübergreifend, Schule-Wirtschaft, etc.) und gleichzeitig die Selbstverständlichkeit, dass

BO in AHS und BHS stattfindet (ist Ziel der Schulbildung!). D.h. es braucht das Thema in der Ausbildung der

Lehrer/innen und als eigene Koordinationsstelle. Die Koordination kann für Lehrer/innen hilfreich sein, um

auf bestehende Ressourcen zurückgreifen zu können und nicht immer von Neuem alles selbst erarbeiten zu

müssen.

Zusammenarbeit und miteinbindung von bereits bestehenden mädchen- und Burscheneinrichtungen

Dies meint die Aufmerksamkeit auf bestehende Einrichtungen zu richten, die bereits jahrelange Erfahrungen

mitbringen und dies in den verbindlichen Maßnahmenkatalog zu integrieren (Problem: Finanzierung außerschulischer

Berufsorientierung im Moment schwierig).

Von praktischen Veränderungen zur strukturellen Veränderung:

Reflexion: auf welcher Handlungsebene können welche Akteurinnen und Akteure wirklich etwas tun? So zeigt

sich, dass projektorientierte Einrichtungen (NGOs, etc.) auf struktureller Ebene keine Entscheidungen herbeiführen,

sondern nur vorbereiten können. Es gibt viele Best Practice-Beispiele, aber wer hat Ressourcen und

wer hat Handlungsmöglichkeiten? Es bleibt beim Engagement im Kernbereich, aber um nachhaltig zu sein,

muss es strukturelle Veränderungen geben.

paradoxien des österreichischen systems

Verankerung vs. engagierte Einzelpersonen, Anspruch vs. vorhandene Ressourcen (D es soll etwas gemacht

werden, aber es darf nichts kosten), geleistete und zur Verfügung stehende Aufbauarbeit wird oft übersehen.

Hierarchische Herabsetzung von unterrichtsprinzipien

Die Fachidentität ist verbunden mit finanziellem und sozialem Kapital. Für geschlechtssensible Berufsorientierung

wird es deshalb doppelt schwierig: BO findet oft integriert in andere Fächer (‚Hybridgegenstand‘)

statt und die „Erziehung zur Gleichstellung von Frauen und Männern“ ist als Unterrichtsprinzip ebenfalls

am Ende der Hierarchie und der Prioritätenliste angesiedelt. Kompetenzen müssen von einer zuständigen

Instanz eingefordert und Möglichkeiten für Aus- und Fortbildung bereitgestellt werden!

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mut! Bleibender Eindruck.


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Themenrunde 2

MädcHEN IN tEcHNIScHEN AUSBIldUNGEN

Themenrunde 2: Mädchen in technischen Ausbildungen

Moderation: DSA in Susanne Willi (mut! Vorarlberg, Mädchenzentrum Amazone)

MinR in Mag.ª Renate Saipt

(BMUKK, Referatsleiterin in der Pädagogischen Fachabteilung für Berufsschulen)

ADir in Sabine Smutni (BMUKK, Referatsleiterin in der Pädagogischen Fachabteilung für

technische, gewerbliche und kunstgewerbliche Lehranstalten)

Anders und doch ähnlich: Sowohl im HTL- als auch im Berufsschulbereich gibt es bereits viele Maßnahmen

für eine mädchengerechte Schulkultur. Wo liegen Gemeinsamkeiten und Spezifika und wie kann

eine Verknüpfung positiver Ansätze gelingen?

Download mut!-Positionspapier ‚Mädchen in technischen Ausbildungen‘:

http://www.mut.co.at/intra/docs/mut_sonstige441.pdf

Einstieg:

Seit 2002 werden im Rahmen des österreichweiten Projekts mut! - Mädchen und Technik Methoden entwickelt

und erprobt, um Mädchen und junge Frauen auf die Bandbreite ihrer beruflichen Möglichkeiten aufmerksam zu

machen und das Vertrauen in ihre eigenen technischen und handwerklichen Fähigkeiten zu stärken.

Ein Schwerpunkt war und ist dabei stets die Arbeit mit und an Höheren technischen Lehranstalten, die abhängig

von der Fachrichtung oft einen unter 10% liegenden Schülerinnenanteil aufweisen. An vielen HTLs in ganz

Österreich werden bereits Aktivitäten zur Gestaltung einer mädchen- bzw. geschlechtergerechten Schule gesetzt

ein Teil davon ist in einer im Rahmen von mut! Mädchen und Technik erstellten und vom Unterrichtsministerium

herausgegebenen Publikation zusammengefasst: „Leitfaden zur Umsetzung des Unterrichtsprinzips „Erziehung

zur Gleichstellung von Frauen und Männern“ an HTL“ (2006).

In der dritten Projektphase (20072009) steht im Rahmen von mut! Mädchen und Technik die nachhaltige Verankerung

der erarbeiteten Konzepte im Vordergrund. In einer überregionalen österreichweiten Arbeitsgemeinschaft

wurde ein Positionspapier verfasst, das die Erfahrungen aus sechs Jahren mut!iger Mädchenarbeit mit und an

HTLs und anderen technischen Ausbildungseinrichtungen wie z.B. Betrieben, zusammenfasst und konkrete Empfehlungen

an Entscheidungsträger/innen aus den Bereichen der Berufsbildenden höheren Schulen, Akteurinnen

und Akteure im Umfeld anderer technischer Ausbildungseinrichtungen (Berufs- und Fachschulen, Betriebe) sowie

Landesschulrat, Stadtschulrat und das Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur richtet.

Input/referate:

minr in mag.ª saipt und ADir in smutni gaben einen Input über ihre Arbeitsbereiche, Inhalte und aktuelle Themenschwerpunkte

im BMUKK:

Informationen zum Bereich Berufsschule sind zu finden unter:

http://www.abc.berufsbildendeschulen.at/de/page.asp?id=15

Unterlagen zu allen Unterrichtsprinzipien in der Berufsschule sind unter der Rubrik ‚Downloads‘ > ‚Berufsschule‘

abrufbar.

Unter www.bmukk.gv.at/schulen/unterricht/prinz/erziehung_gleichstellung.xml ist die Broschüre „Unterrichtsprinzip

Erziehung zur Gleichstellung von Frauen und Männern; Informationen und Anregungen zur Umsetzung

in der Berufsschule“ verfügbar. Darin ist eine Untersuchung/Befragung veröffentlicht, in der die Vorurteile

gegenüber Männern in Frauenberufen bzw. Frauen in Männerberufen abgefragt wurden.

Informationen von Adir in Sabine Smutni zu den Aktivitäten der Fachabteilung

für technische, gewerbliche und kunstgewerbliche lehranstalten:

Strategiepapier der Arbeitsgruppe „Schülerinnen an Htls“

Im Herbst 2008 wurde auf Bundesebene eine Arbeitsgruppe bestehend aus einer Vertre terin des BMUKK

sowie aus je einem Vertreter bzw. einer Vertreterin jedes Bundeslandes konstituiert. Die Arbeitsgruppe

MädcHEN IN tEcHNIScHEN AUSBIldUNGEN

be fasste sich mit der Entwicklung eines Strategiepapiers, das mit dem Fokus auf Gender Mainstreaming

Überlegungen in den Bereichen: Basics, kurz- und mittelfristige Maßnahmen zur Implementierung, Kooperationen

und Synergien sowie Ausbildungsangebote und Wei terbildung beinhaltet. Die Veröffentlichung dieses

Papiers erfolgt voraussichtlich im Herbst 2009.

Vorstellung des BMUkk-Projekts „Gender kompetenz-Schulen (GekoS)“

Im Schuljahr 2007/08 konnten interessierte Schulen zu den Fondsthemen

Gender & Qualität in der Unterrichtsentwicklung

Gender & Qualität in der Personalentwicklung

Gender & Schuldemokratie / Schulpartnerschaft

Genderspezifisches Wahlverhalten

Vermittlung von Sozialkompetenz Schulische Tagesbetreuung

ein Projekt einreichen. Insgesamt beteiligten sich 24 Schulen 6 . Acht Projekte wurden von HTLs eingereicht -

diese sind im Folgenden kurz dargestellt 7 :

HTBLA Klagenfurt (mössingerstraße)

Das Projekt „Von Gender zu Genderkompetenz Eine Reise nach Gen der“ beschäftigte sich vor allem mit

dem Erwerb von Genderkompetenz am Schulstand ort. Dazu wurden Veranstaltungen abgehalten. Obwohl die

Thematik klar erscheint, näm lich die Gleichstellung von Mann und Frau, ist die Chancengleichheit im Bereich

der Technik noch nicht gegeben. Der Prozess dazu ist ein langsamer und behutsamer, wobei darauf ge achtet

werden muss, nicht in die alten Rollenbilder zu fallen.

HTBLA Braunau

Ziel dieses Projekts war die Vernetzung mit zwei Partnerschulen, der VS Braunau und der HS Ranshofen. Im

Mittelpunkt standen das Werken mit den Pflichtschüler/innen sowie eine Schulung der Pflichtschullehrer/innen.

Konkret werkten und experimentierten die Schü ler/innen der Volks- und Hauptschule im Rahmen von GM- und

Techniktagen an verschiede nen Arbeitsstationen der HTL. Die Pflichtschullehrer/innen fertigten in so genannten

Fortbil dungskursen beispielsweise eine Kupferrose. Diese Schwerpunkte wurden am Schulstandort implementiert

und haben sich bereits bewährt.

HTBLA Hallein

Das Projektthema lautete „high-tech-learning genderbewusst kreativ“. Ausgangslage war der geplante

Schulneubau, bei dem eine gendersensible Planung in Bezug auf Lerntypen und -umgebung Berücksichtigung

finden sollte. Ein weiterer An satzpunkt war die Sensibilisierung und der Aufbau von Genderkompetenz im Lehrkörper.

Im Rahmen des Projektes wurde der Eingangsbereich der Schule mit lerntypengerechten Möbeln ausgestattet.

Bestehende Mädchenförderungsmaßnahmen wurden ergänzt und der begonnene GM-Implementierungsprozess

fortgeführt.

HTBLA Imst

Die Lehranstalt setzte sich mit der Frage „Korrelation: Geschlecht/Leistung geschlechts spezifische Leistungsunterschiede“

auseinander. Dazu wurden messbare Werte (D Zeug nisnoten) mit subjektiven Wahrnehmungen

(Fragebogenauswertungen) verglichen. Folgende Erkenntnisse konnten daraus gewonnen werden: Die Auswertung

der Leistungsbeurteilungen zeigt teils auffallende Notenunterschiede zwischen Mädchen und Burschen;

die Lehrper sonen nehmen Mädchen und Burschen in deren persönlichen Eigenschaften und Handlungszuweisungen

differenziert wahr; Schülerinnen und Schüler denken, dass sie gleich „gut“ oder „schlecht“

sind, die Lehrer/innen dies allerdings unterschiedlich beurteilen.

6 VS, HS, AHS, BS, HTL, HAK/HAS und HUM

7 Projektbeschreibungen sowie Kurzberichte aller teilnehmenden Schulen sind unter http://www.bmukk.gv.at/gekos zu finden.

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mut! Bleibender Eindruck.


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MädcHEN IN tEcHNIScHEN AUSBIldUNGEN

HTBLA saalfelden

Der Fokus wurde im Projekt „Lebensraum für Burschen und Mädchen, Burschen fördern Mädchen stärken“ auf

die Mädchen- UND Burschenarbeit gelegt. Für alle ersten Jahrgänge und Klassen wurde ein Burschen workshop

unter der Leitung des Männerbüros Salzburg zum Thema „Risikoverhalten und Gewalt“ bzw. „Identität, Rollenbilder

Mann Frau“ wahlweise angeboten. Die bereits beste hende Mädchenarbeit wurde weitergeführt, u.a. in

Form eines Mädchentags, wel cher der Bestärkung der jungen Technikerinnen und der Vertiefung des Kontakts

untereinander dienen sollte. Für die Lehrkräfte wurde ein Vortrag zum Thema „Pubertät und Burschen“ angeboten,

der v.a. die Frage behandelte, wie man das auffällige Verhalten von Burschen besser verstehen könnte.

HTBLVA st. pölten

Die Schule stellte das Projekt unter das Motto „Für Technik ist man nie zu jung“ und ging eine Kooperation mit

der Otto-Glöckel-Volksschule ein. Ziel war es, die Volksschulkinder auf den Beruf eines Technikers/einer Technikerin

aufmerksam zu machen. In Form von Workshops sollte spielerisch die Möglichkeit geboten werden, schon

in diesem Alter techni sche Fähigkeiten und Interessen zu erkennen. Auch sollten die HTL-Schüler/innen in ihrer

Berufswahl bestärkt werden und für den erfolgreichen Abschluss der gewählten Ausbildung motiviert werden.

Deutlich wurde durch dieses Projekt, dass jüngere Kinder vor allem auch Mädchen - unvoreingenommen an

die Aufgabe herangehen. Das Projekt wird in den kommenden Schuljahren fortgesetzt werden. Erwähnenswert

ist an dieser Stelle die Prämierung mit dem „Teachers award“ der Industriellenvereinigung in der Kategorie

„Kreativität, Innovation und Technologie“.

HTBLA Wels

Das „Rollenverhalten der Schüler/innen im Chemielabor“ wollte die Schule im Rahmen des GeKoS-Projektes

aufzeigen. Dadurch sollte ein Reflexionsprozess bei Schülern und Schü lerinnen sowie bei den Lehrkräften in

Gang gesetzt werden. Um die Ausgangslage zu ermit teln, wurden Befragungen bei den Schüler/innen und in

Folge Workshops in geschlechterhomogenen Gruppen durchgeführt. Für die Mädchen standen die Stärkung

des Selbstbewusstseins und das Bewusstmachen von geschlechtsspezifisch unter schiedlichem Verhalten im Mittelpunkt.

Mit den Burschen wurde zu Gruppenbildungsprozess und Aufzeigen von Körpergrenzen gearbeitet.

Um die Lehrer und Lehrerinnen auf das Pro jekt aufmerksam zu machen, wurde ein Vortrag angeboten. Dieser

vermittelte deutlich, dass Gender Mainstreaming alle angeht. Der erhoffte Reflexionsprozess konnte sowohl bei

den Schüler/innen, aber auch bei den Lehrern und Lehrerinnen durch das Projekt in Gang gesetzt werden.

HTBLA Wien 10

Das Projekt „Gender goes Tech“ hatte zum Ziel, Gender Mainstreaming im Bewusstsein der Lehrer und Lehrerinnen

zu verankern. Dazu wurden drei Workshops abgehalten, wobei ein Workshop als Gendertrai ning konzipiert

war und die beiden anderen „Gendergerechte Sprache“ bzw. „Gen dergerechte Didaktik“ zum Inhalt hatten.

Gender Mainstreaming ist durch das Projekt zu einem bedeutsamen Thema im Bewusstsein der Lehrenden

geworden.

Die Wahrnehmung von Genderaspekten wurde verstärkt und fließt in die Un terrichtsgestaltung und -organisation

ein. Die erworbenen Genderkompetenzen werden von den Multiplikatoren und Multiplikatorinnen an der

Schule weitergeben.

Plattformscreening kurzbeschreibung der Studie

Im April 2008 wurde seitens des BMUKK die Studie „Die technisch-gewerblichen und kunstgewerblichen Lehranstalten

(HTLs) in Öster reich aus der Gender- und Diversity-Perspektive“ in Auftrag gegeben. Dieses Projekt

setzt sich aus zwei Teilprojekten zusammen: Im Teilprojekt I war eine Status Quo- und Sekundär analyse von

quantitativen Daten sowie ein „Gender Screening“ der Websites der österreichi schen HTLs vorgesehen. Die im

Rahmen der Quali tätsinitiative Berufsbildung gesetzten Aktivitäten zu den Bereichen Qualitätsmanagement und

MädcHEN IN tEcHNIScHEN AUSBIldUNGEN

Gender sollten ebenfalls Berücksichtigung finden. Im Rahmen des Gender Screenings wurden alle HTL-Webseiten

in den Blick genommen (i.B. für die Bereiche Schulleitbild, Schulprofil und programm, Technikvermittlung,

Bilder auf der Startseite, Mädchen an HTL, Hinweise auf Jahresberichte und Initiativen, geschlechter gerechte

Sprache, u.a.)

Im Teilprojekt II wurden an fünf ausgewählten HTL-Standorten Einzel- und Gruppeninter views mit Direktorinnen

und Direktoren, Abteilungsvorständ/inn/en, Lehrer/innen, Schüler/innen und ausgewählten Expertinnen und

Experten durchgeführt. Ziel dieser Interviews war, einen dia gnostischen Blick auf die HTLs zu werfen und dabei

die Fachkulturen näher zu beleuchten.

Ein Maßnahmenkatalog mit Empfehlungen zur Verbesserung der Rahmenbedingungen für Schüler/innen, Absolvent/inn/en

und Lehrende im HTL-Bereich soll zu Projektende vorliegen und langfristig zur Hebung des Anteils

von Frauen in diesem Bereich in Öster reich führen sowie die Implementierung von Gender Mainstreaming im

Sinne einer Qualitäts steigerung auch in den HTLs auf unterschiedlichen Ebenen fördern.

Das Projekt soll im Herbst 2009 abgeschlossen werden; die Ergebnisse werden in Folge der Öffentlichkeit

zugänglich gemacht.

diskussion mit den Beteiligten:

Aus- und Weiterbildungsangebote zu Gender werden gesetzt. Da die Angebote auf Freiwilligkeit basieren,

können dadurch jedoch nicht alle Lehrpersonen erreicht werden. (siehe Positionspapier Punkt a))

Aus Sicht von Frau MinR in Mag.ª Saipt ist es nicht sinnvoll, Lehrpersonen mit Zwang zur Nutzung der Angebote

zu bewegen.

Eine Lehrerin aus einer HTL berichtet über ihre Position als Mädchenbeauftragte an der Schule. In ihrer Position

ist sie Einzelkämpferin und erhält kaum Unterstützung vom Lehrer/innenkollegium.

Das mut!-Team berichtet über positive Beispiele aus dem Projekt, macht Mut zur Fortsetzung und ruft zur

Einforderung von Unterstützung durch Direktorinnen und Direktoren und dem Lehrer/innenkollegium auf.

Bericht einer Teilnehmerin über die langsame Öffnung von Betrieben gegenüber Frauen in technischen

Berufen/Ausbildungen.

Diskussion um die Budgetverteilung zugunsten von Frauenförderung.

Bericht über ein Projekt an der HTL Wels im Rahmen eines GEKOS-Projektes (siehe oben). Das Angebot wird

von Mädchen sehr gut angenommen. Die Mädchen haben auch in einem zweitägigen WS zu ihrer eigenen

Geschlechterrolle als Technikerinnen gearbeitet und reflektiert.

Erfolgskriterien im BMUkk: (aus Sicht von Frau Smutni und Frau Saipt)

gendergerechte Sprache

Schulungen für Lehrpersonen

Strategiegruppe Schülerinnen an HTBLA: Strategiepapier

Lehrplan optimieren

Ergebnisse:

Das mut!-Positionspapier unterstützt bestehende Maßnahmen. Weiterarbeit im BMUKK von Frau Smutni

und Frau Saipt in ihren Arbeitsbereichen.

mut!-Know-how wird in verschiedenen Schulen umgesetzt.

Mädchenbeauftragte sind oftmals immer noch Einzelkämpferinnen siehe Positionspapier Punkt b).

Türen in den Schulen sind offen; Implementierung ist jedoch kein ‚Selbstläufer‘ und kann nur durch aktive

Teilnahme des gesamten Schulsystems zu einem Erfolg werden siehe Positionspapier Punkt b).

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mut! Bleibender Eindruck.


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Themenrunde 3

WERkUNtERRIcHt IN ÖStERREIcH

Themenrunde 3: Werkunterricht in Österreich

Moderation: Mag.ª Astrid Jakob (Projekt mut! Salzburg)

Zwischen Wahlfreiheit und Entscheidungspflicht: wie kann die geschlechtsspezifische Konnotation des

Textilen und Technischen Werkunterrichts aufgehoben werden und was könnte das für die Erweiterung

des Rollen- und Berufswahlspektrums der Schülerinnen und Schüler bedeuten?

Download mut!-Positionspapier ‚Werkunterricht in Österreich‘:

http://www.mut.co.at/intra/docs/mut_bericht408.pdf

Ablauf der Themenrunde:

Präsentation der einzelnen Inputs durch Expertinnen und Experten

Diskussionen in der Großgruppe

moderation: mag.ª Astrid Jakob (Projekt mut! Salzburg)

Expertinnen und Experten:

Dr. Wolfgang Haidinger (Industriellenvereinigung Österreich, Bereich Bildung, Innovation und Forschung)

Kurzinput zum Aktionspapier der IV „Menschen schaffen Zukunft.“

mag.ª Daniela Knie (AHS Rosasgasse in Wien)

Interview zum Modell „Werken beides für beide“ in den ersten beiden Klassen der Unterstufe in der AHS

Rosasgasse

mag. Erwin Neubacher (Wirtschaftskundliches Realgymnasium in Salzburg)

Präsentation des Modells „Design, Architektur, Technik“ in der Oberstufe des WRG

Anlass für die Beschäftigung des Projekts mut! mit dem Thema Werkunterricht und für die Erstellung eines Positionspapiers

mit Empfehlungen sind die Erfahrungen und Erkenntnisse in Zusammenhang mit den Bemühungen, mehr

Mädchen für Ausbildungen in den Bereichen Naturwissenschaft und Technik zu gewinnen. Ein wichtiger Aspekt ist,

dass Mädchen Zugang zu praktischer Erprobung brauchen, um Interesse und Fähigkeiten im technisch- handwerklichen

Bereich entwickeln zu können. Schule ist der Ort, den alle Mädchen und Burschen besuchen, daher ist dort

eine Vermittlung von technischen Grundlagen wichtig und sichert somit, dass alle Mädchen mit Technik in Berührung

kommen.

Die Tatsache, dass sich Mädchen und Burschen zu Beginn der Sekundarstufe I zwischen Technischem und Textilem

Werken entscheiden müssen, ist aus dieser Sicht sehr problematisch. Mädchen wie Burschen entscheiden sehr rollenstereotyp,

wie die Daten des BMUKK zum Wahlverhalten der Schüler/innen zeigen. Zudem artikulieren immer mehr

Mädchen Unzufriedenheit mit dem „Entscheidungszwang“, da ihnen die Inhalte beider Fächer zusagen würden.

Wahlverhalten der Schülerinnen und Schüler:

Fakten zum Wahlverhalten: Aus der Bildungsdokumentation 2007 8 (Datenerhebung an öffentlichen Schulen)

betreffend die 5. Schulstufe des Schuljahrs 06/07 ergibt sich folgendes Bild:

Hauptschule:

BuBEN mÄDCHEN

58,8 % Technisches Werken 6,7% Technisches Werken

8,7 % Textiles Werken 60,5% Textiles Werken

13,4% nicht zutreffend 13,2% nicht zutreffend

19,1% keine Angaben 19,6% keine Angaben

8 Zur Verfügung gestellt von Dr.in Doris Guggenberger, Abt. V/7, BMUKK

AHs:

BuBEN mÄDCHEN

96,3 % Technisches Werken 17,4 % Technisches Werken

1,9 % Textiles Werken 81,0 % Textiles Werken

1,4% nicht zutreffend 1,3 % nicht zutreffend

0,4% keine Angaben 0,4 % keine Angaben

WERkUNtERRIcHt IN ÖStERREIcH

Grundsätzlich ist zu sagen, dass in der AHs mehr mädchen im Technischen Werken zu finden sind als in der

Hauptschule. Es wählen allerdings noch weniger Buben als in der Hauptschule Textiles Werken (max. 3,6%

Wien).

Die Bundesländer salzburg (27,5%) und Niederösterreich (26,3%) haben den höchsten Mädchenanteil im

Technischen Werken in der 5. Schulstufe AHS.

Die Empfehlungen aus dem Positionspapier von mut!:

Ein gemeinsames Fach Werken mit Inhalten aus Technischem und Textilem Werken.

Inhalte des Werkunterrichts sollen lebensnah und alltagspraktisch gewählt sein.

Das Fach sollte eine Aufwertung erfahren, da hier sehr wichtiges theoretisches Wissen praktisch vermittelt

und umgesetzt wird.

Werklehrerinnen als Role Models sind wichtig. Wesentlich ist jedoch die Gender Kompetenz von Lehrerinnen

und Lehrern darauf ist in der Ausbildung großes Augenmerk zu legen.

Kurzinput von Dr. Wolfgang Haidinger:

Download der gesamten Präsentation: http://www.mut.co.at/intra/docs/mut_foto440.pdf

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mut! Bleibender Eindruck.


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WERkUNtERRIcHt IN ÖStERREIcH WERkUNtERRIcHt IN ÖStERREIcH

Trotz allgemeiner Wirtschaftskrise sind Segmente in der Wirtschaft zu sehen, die einen erhöhten Bedarf an

Arbeitskräften haben. Dazu gehören in erster Linie Forschung und Entwicklung sowie technische Bereiche wie

z.B. Maschinenbau, Elektrotechnik und Materialwirtschaft - hier werden in den nächsten Jahren gut qualifizierte

Arbeitskräfte gebraucht. Daher sind Ausbildungen in Naturwissenschaft und Technik weiterhin gefragt

und wichtig.

Frage an Dr. Haidinger: Welche Bedeutung hat Werken aus Sicht der Industriellenvereinigung?

Es sollte Leidenschaft für Technik entfachen und ein praktisches Verständnis für theoretisches Wissen schaffen.

Dazu muss Werken lebensorientiert mit großem Alltagsbezug unterrichtet werden, es sollte handlungsorientiertes

und experimentierendes Lernen ermöglichen.

Allgemeine Diskussion:

Eine Vertreterin des Landesschulrats Wien weist auf die befürchteten Folgen einer Zusammenlegung von Textilem

und Technischem Werken als ein Fach hin. Dies würde aus ihrer Sicht eine Stundenkürzung zur Folge haben

und damit sei der Sache nicht gedient.

Eine Volksschullehrerin beschreibt ihre Unterrichtspraxis im Werkunterricht. Die Kinder experimentieren gerne

und sind vom praktischen Arbeiten begeistert. Die Teilungszahl von 20 Kindern erschwert aber einen alltags-

und erlebnisorientierten Unterricht enorm. Bestimmte Arbeiten sind mit einer Gruppe von 19 Kindern einfach

nicht durchführbar.

Eine Lehrerin beschreibt das schulautonom geregelte Modell für den Werkunterricht an ihrer Schule. Der

Unterricht findet wechselweise statt Technisches und Textiles Werken werden jeweils ½ Jahr unterrichtet die

Klasse ist in zwei Gruppen geteilt. Sie weist jedoch auch darauf hin, dass in der Lehrer/innenausbildung etwas

geändert werden müsste, um diese Form des Werkunterrichts auch tatsächlich umsetzen zu können… Es gibt

zu wenig Studierende und noch weniger Studentinnen in der Ausbildung für den Technischen Werkunterricht.

Frage in die Runde: Gehen Inhalte verloren, wenn ein Fach „Werken“ gemacht wird?

Ein PH-Lehrender bekräftigt, dass Inhalte verloren gehen. Außerdem können Inhalte nicht mehr wirklich tiefergehend

bearbeitet werden. Er sieht auch ein Problem bei den schulautonomen Lösungen des wechselnden

Unterrichts der beiden Fächer. Dabei wird schon jetzt auf Inhalte verzichtet. Die Inhalte des Technischen

Werkens sind elementar notwendige Bildungsinhalte. Außerdem sieht er die Gefahr, dass immer im Bereich

Werken Stunden eingespart werden, nie z.B. in Mathematik oder Physik.

Darauf kommt der Einwand eines mut!-Mitarbeiters, dass bei der momentanen Variante der Wahl ebenfalls

bereits auf Inhalte verzichtet wird, nämlich dass Mädchen keine technischen Inhalte unterrichtet bekommen

und Burschen keine textilen Inhalte. Bezüglich Stundenkürzungen seien in der Konzeption der Neuen Mittelschule

sehr viele Fächer von Stundenreduktionen betroffen.

Die Diskussion beschreibt zwei große Problemfelder, einerseits befürchtete Stundenkürzungen und somit

Arbeitsverlust einzelner Lehrer/innen und der Verlust von Inhalten, wenn die beiden Fächer zusammengefasst

werden.

Eine Studierende für Technisches Werken argumentiert, dass das Bedürfnis und Wohl der Schüler/innen in

den Vordergrund zu stellen wären und nicht, ob Lehrer/innen ihre Arbeit verlieren. Sie plädiert für ein gemeinsames

Fach vor dem Hintergrund, dass die Entscheidungen meistens rollenstereotyp gefällt werden, da die

Konnotationen mit technisch männlich und textil weiblich eine sehr lange Geschichte haben und sehr fest

verhaftet sind im gesellschaftlichen Bewusstsein. Die Fächertrennung verstärkt die Konnotationen sowie die

gesellschaftliche Arbeitsteilung und Segregation nach Geschlecht. Aus ihrer Sicht müssen nicht zwangsläufig

Inhalte verloren gehen, sie schlägt vor, wegzugehen von der Fixierung auf Materialien hin zu einem problemlösungsorientierten

Ansatz. Als Beispiel nennt sie: Was kann ein Mensch gegen Kälte machen Haus bauen,

Heizung, Kleidung usw. usw.

Eine Möglichkeit wäre ein Basismodul mit Inhalten aus beiden Fachrichtungen mit anschließenden vertiefenden

Schwerpunktbildungen im Technischen oder Textilen Werken.

mag. Erwin Neubacher (Wirtschaftskundliches realgymnasium salzburg)

Mag. Neubacher erläutert die Entstehungsgeschichte des Oberstufenfaches: „Design, Architektur und Technik“.

Diese Idee ist im Austausch mit einer Architekt/innengruppe und einigen Werklehrerinnen und -lehrern entstanden.

Im Bereich Architektur gibt es einen großen Nachwuchsbedarf und für das WRG war interessant, in diesem

Feld ein Angebot für interessierte Schüler/innen zu setzen. Klar war, nicht alle technisch und naturwissenschaftlich

Interessierten wollen in eine HTL gehen, mit diesem Angebot kommt man diesen Schülerinnen und Schülern daher

entgegen. Mit diesem Fach wird das Berufswahlspektrum von Schülerinnen und Schülern erweitert Interesse verstärkt

und Fähigkeiten ausgebaut.

Bei der Erarbeitung des Lehrplans waren Firmen, Institutionen eingebunden, z.B. Kiska, Tupper, Halle 1. Inhalte

des Lehrplans waren auf Vorstellungen und Ideen dieser Partner/innen abgestimmt. Ziel dieser Ausbildung ist, den

Schüler/innen Berufsbereiche näherzubringen, die zukunftsträchtig sind und die mögliche zukünftige Arbeitsbereiche

darstellen. Wichtig ist es, auch Inhalte anzubieten, die Bezüge zum Alltag und zur Berufswelt haben. Werken in

der Oberstufe am WRG beinhaltet das kulturelle Element sowie ein naturwissenschaftliches Element.

Frage an Mag. Neubacher: Wie viele Mädchen und Burschen haben sich angemeldet?

Anmeldungen 2009/10: 13 Mädchen und 8 Burschen, davon hatten 10 TECH und 11 TEX Werken.

Um Mädchen für dieses Wahlpflichtfach zu gewinnen, bedarf es noch einiger Bemühungen. Wichtig ist, Arbeiten

mit hineinzunehmen, die ‚weiblich‘ konnotiert sind. Themen sollen sehr vielschichtig bearbeitet werden und stark

schüler/innenorientiert. Wichtig ist, zu Beginn Einführungsmodule zu machen, die Grundkenntnisse vermitteln, z.B.:

Umgang mit den Maschinen in der Werkstatt usw. Die Gruppengröße liegt bei ca. 10 Schüler/innen, da lässt sich

ganz gut arbeiten.

Ein Vorschlag wäre zusätzlich für besonders Interessierte eine Spezialisierung verbindliche Übungen, Wahlfächer,


mag.ª Daniela Knie (AHs rosasgasse in Wien)

In der AHS Rosasgasse müssen Mädchen und Burschen in den ersten beiden Klassen nicht mehr wählen, sie werden

sowohl im Technischen als auch im Textilen Werken in einem halbjährlichen Wechsel unterrichtet. Das läuft nun seit

drei Jahren. In der dritten Klasse müssen sich Mädchen und Burschen wieder entscheiden, Mädchen wählen dann

verstärkt Technisches Werken, Burschen dagegen melden sich überhaupt nicht für Textiles Werken. Aus ihrer Sicht

haben Volksschullehrer/innen großen Einfluss auf die Entscheidung, welche Form des Werkens gewählt wird.

Auf die Frage nach den Schwierigkeiten und den Verlusten, wenn es ein Fach geben wird, betont sie, dass der Verlust

wahrscheinlich im Bereich des Textilen Werkens liegen wird weiblich konnotierte Fertigkeiten gehen verloren

und werden abgewertet, aber auch in der räumlichen und gerätetechnischen Ausstattung wird möglicherweise

gespart werden. Es könnte dann sein, dass keine Nähmaschinen mehr gekauft werden usw.

Würde Werkunterricht auf die Oberstufe ausgedehnt werden, wäre der Verlust von Inhalten nicht gegeben.

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mut! Bleibender Eindruck.


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MUt!IG IN dIE zUkUNFt

Frage an Frau Mag.ª Knie: Was halten Sie von geschlechtshomogenen Gruppen?

Das Reflexionsniveau der meisten Lehrer/innen ist nicht gegeben. Es ist daher zu befürchten, dass in geschlechtshomogenen

Gruppen Lehrer/innen mit Mädchen nur töpfern und mit den Buben nur technische Arbeiten durchgeführt

werden. Wenn mehr Mädchen in der Gruppe sind, dann ist es auch nicht nachteilig, wenn Mädchen und

Burschen gestärkt sind, auf ihre Interessen und Fähigkeiten zu achten.

Hinsichtlich der Signale, die durch geschlechtshomogene Gruppen gegeben werden (was wollen wir gesellschaftlich

geht es nicht um ein gerechtes Miteinander?), gab es in der Gruppe unterschiedliche Positionen.

Eine Mädchenarbeiterin bemerkte, dass getrennte Gruppen viel weiter bringen weil Mädchen und Burschen nicht

abgelenkt sind, wichtig sei jedoch das Reflexionsniveau der Lehrer/innen.

resümee

Die Inputs und die Diskussion in der Großgruppe waren sehr spannend, anregend und engagiert.

Alle sind sich einig, dass der Werkunterricht aufgewertet werden sollte, die Bedeutung der praktischen Umsetzung

von theoretischem Wissen wird zunehmend größer, da außerschulisch immer kleinere Erfahrungsräume

für technisches/handwerkliches Erproben existieren.

Grundsätzlich sehen die meisten Teilnehmer/innen ein Fach Werken positiv, es spricht sich niemand dezidiert

dagegen aus, praktisch scheint es jedoch für die meisten nicht umsetzbar, da zu viele Verluste (siehe oben)

befürchtet werden.

MARtINA BeRtHolD: (Hinweis zur Aufnahme des

MUt!IG IN dIE zUkUNFt

Podiumsgespräch: gemeinsam mut!ig in die zukunft.

Gesprächs für die Dokumentation)

Ich bin jetzt sehr neugierig auf die Kurzfassungen der Positionspapiere,

ich werde zuerst die mut!-Expertinnen herausbitten,

die jeweils in drei Minuten eine Kurzfassung machen

zu den einzelnen Themen und werde dann die Vertreterinnen

und Vertreter des Ministeriums und den Herrn Dr. Haidinger

von der Industriellenvereinigung zu uns bitten und

auch noch einmal vorstellen. Darf ich nun martina rauter,

susanne Willi und Astrid Jakob zu mir bitten? Ruth Mayr

hat zu Beginn ihrer Einführung gesagt, sie wollte eigentlich

eine sozialwissenschaftliche Erhebung machen und fragen,

wie viele von den Anwesenden mit Matador oder mit Technic-Lego

gespielt haben sie hat‘s dann nicht gemacht,

aber dennoch mache ich‘s jetzt in einer Kurzform und hoffe, dass es repräsentativ ist. Wer von euch drei hat in der Kindheit

mit Matador oder Technic-Lego gespielt?

(Alle drei zeigen auf Gelächter)

Es ist nicht repräsentativ … Martina Rauter, darf ich dich um eine Kurzzusammenfassung des positionspapiers Lehrer/

innenaus- und -weiterbildung bitten?

Martina Rauter: Wir haben‘s in der Themenrunde schon kurz diskutiert, das Positionspapier ist ein bisschen weiter, nicht

nur fokussiert auf die Lehrer/innenaus- und -weiterbildung, es geht um eine Positionierung zu den vom BMUKK 2008

geplanten maßnahmen zum Ausbau der Berufsorientierung und Bildungsberatung und die AG Lehrer/innenausund

-weiterbildung hat dazu ein Positionspapier verfasst, mit schwerpunkt geschlechtssensible Berufsorientierung auf

unterschiedlichen Ebenen. Das heißt, dass man schaut, welche Umsetzungen, welche Strategien, sowohl auf der Strukturebene

als auch auf der Inhaltsebene, sinnvoll wären, um geschlechtssensible Berufsorientierung zu verankern Schwerpunkt

auf den 7./8. Schulstufen, und in der Oberstufe auch für die 11. bis 13. Schulstufe und trotzdem auch für Lehrer/

innenaus- und -weiterbildung.

MARtINA BeRtHolD: Danke Susanne Willi, darf ich dich nach deiner Zusammenfassung fragen …?

Susanne Willi: In der Themen-AG ‚mädchen in technischen Ausbildungen‘ wurde ein Positionspapier verfasst, das nicht

nur Erfahrungen zusammenfasst, sondern v.a. auch konkrete Empfehlungen an Entscheidungsträger und -trägerinnen

richtet, im Sinne von, dass zwar schon sehr viel Arbeit gemacht wurde in Gesamtösterreich, aber es noch sehr viel Arbeit

zu tun gibt. Und im Sinne dieser Empfehlungen wurde das Positionspapier verfasst. Wir haben Maßnahmen, Forderungen,

angefangen von ‚Nachhaltige Verankerung erfordert den top-down-Auftrag‘ bis hin zu ‚Offene Türen alleine reichen

nicht aus‘ bis hin zu ‚Gender- und mädchenarbeit sollen einander ergänzende Angebote sein‘, im Sinne von ‚Vielfalt

statt Einfalt‘, hin zu ‚Gender mainstreaming und mädchenarbeit als Teil des Qualitätsmanagements in Betrieben

und in schulen‘ und last, but not least, ‚unternehmerisches Denken an HTL und Betrieben‘. Nur hier ganz kurz diese

Schlagworte dazu. Die Themenrunde hat uns gezeigt, dass gerade in diesen Bereichen sich unsere Erfahrungen bestätigt

haben, mit Erfahrungen von den Bereichen HTL und von den Bereichen Berufsschule. Angefangen von Erfahrungen von

Mädchenbeauftragten, die nach wie vor sehr viel Unterstützung brauchen würden, damit sie ihre Inhalte umsetzen können

für Mädchen, bis hin zu, dass die Türen zwar sehr wohl offen stehen, aber dass es sehr wichtig ist, dass es in Schul- und

Betriebs-Strukturen verankert wird, damit wirklich eine Veränderung passieren kann. Also gerade in der Themenrunde

war hier klar, dass noch einiges zu tun ist, und Frau Smutni und Frau Saipt haben hier auch schon für den Ausblick in die

Zukunft, für viele, für die kommenden Jahre, schon Pakete geschnürt, wo wir hoffen, dass die weitere Fortführung auch

erreicht wird.

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mut! Bleibender Eindruck.


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MUt!IG IN dIE zUkUNFt

MARtINA BeRtHolD: Nun die Frage an Astrid Jakob zum Thema Technischer Werkunterricht in Österreich.

Astrid Jakob: Ja, das positionspapier von mut! zum Werkunterricht in Österreich, nicht nur zum technischen (aber den

Schwerpunkt hat es natürlich auf dem technischen Werkunterricht), beinhaltet im Wesentlichen zwei Punkte, nämlich der

erste Punkt beschäftigt sich mit dem Technischen Werken an sich, dass wir es für wichtig halten, dass dieses Fach eine Aufwertung

erfährt, der Werkunterricht an sich eine Aufwertung erfährt, weil das ein handlungsorientiertes Fach ist, was in

der Schule ansonsten nur mehr sehr wenig bis gar nicht vorkommt, und es ist ein Fach, das in der Pflichtschule stattfindet,

das bedeutet, Mädchen werden, also können, in dieser Zeit auch an diesem Fach teilnehmen und werden mit technischen

Inhalten konfrontiert. Das große Problem, das wir in der Sekundarstufe haben, ist diese Entscheidungsmöglichkeit, oder

dieser ‚Entscheidungszwang‘, d.h. man muss sich entscheiden, und das Positionspapier von mut! weist noch einmal ganz

klar darauf hin, dass sozusagen die Tatsache, dass man sich zwischen Textilem und Technischem Werken entscheiden muss

oder kann, keine Lösung ist, wenn man Mädchen verstärkt in den technischen Bereich bringen möchte. Es geht immer in

die Richtung rollenkonformes Verhalten, und es ist keine Lösung, hier eine Entscheidungsfreiheit zu stellen, das ist eigentlich

der wesentliche Punkt.

MARtINA BeRtHolD: Nun werde ich zuerst Herrn ministerialrat mag. Augustin

Kern vorstellen und Sie dann ersuchen, ganz langsam aufzustehen … Herr Mag. Kern

ist stellvertretender Sektionsleiter der Sektion I, Allgemeinbildendes Schulwesen, Bildungsplanung,

Internationale Angelegenheiten, Pädagogische Hochschulen des Bildungsministeriums,

mit dem Schwerpunkt auch Lehrplanentwicklung, Schulentwicklung,

Bildungsstandards, Schnittstelle Schule-Wirtschaft. Er ist Mitglied der Nationalen

Steuerungsgruppe zum Nationalen Qualifikationsrahmen. 9396 war er am Zentrum

für Schulentwicklung Wien und zwei Jahre auch in der Geschäftsführung und seit 1996

in der Sektion eben allgemeinbildendes Schulwesen des Unterrichtsministeriums. Herr

Mag. Kern, darf ich Sie herausbitten zu uns? Und ich stelle Ihnen jetzt auch gleich die

Einstiegsfrage: 2006 standen vier Jahre mut! unter dem Titel ‚mut! hinterlässt Spuren‘.

Welche spuren hinterlässt mut! bei Ihnen bzw. in Ihrer Arbeit im Bundesministerium, was dürfen wir erwarten?

Augustin Kern: Jetzt bin ich ein bisschen überrascht, ich habe mich eingestellt auf die Frage, ob ich mit Matador und Lego

Technic gespielt habe …

MARtINA BeRtHolD: Haben Sie gestrickt?

Augustin Kern: Das weiß ich nicht, aber ich habe bewussterweise Matador in die Hand genommen, wie ich mit meiner

Tochter das gebaut und gespielt habe, vor ungefähr neun, zehn Jahren. Ob ich‘s als Junge gemacht habe, weiß ich nicht

mehr, das liegt schon lange zurück. Welche Spuren hat mut! hinterlassen seit 2006 ... Also ich muss gestehen, ich habe

immer wieder gehört und Informationen bekommen, ich habe gewusst, dass es mut! gibt, ich muss Ihnen sagen, dass mich

die heutige präsentation und da bedauere ich jetzt ein bisschen, dass es die Abschlussveranstaltung dieses Programmes

ist sehr beeindruckt hat. Ich nehme den Eindruck mit, dass das wirklich ein sehr dichtes, ertragreiches projektprogramm

gewesen ist, von dem ich leider, gesteh ich ein, zu wenige Informationen mir geholt habe und Notiz genommen

habe, ich bin sehr froh, dass es ein paar Brücken gibt, ein paar Andockstellen, das ist die Person der Frau Gschwandtner,

die in einer Arbeitsgruppe, mit der ich auch zu tun habe, dabei ist, das ist in Person der Frau Langenecker, die in der AG

Ausbau der Berufsorientierung mitarbeitet. Ich hätt‘ schon fast einen Höhenflug gemacht und habe mir gedacht, wir haben

vielleicht da zu wenig Aspekte einer gendersensiblen Berufsorientierung eingearbeitet, sie hat mir aber jetzt in der Pause

gesagt, nein nein, sie ist durchaus zufrieden mit dem, was wir da alles drinnen haben, da bin ich sehr beruhigt gewesen.

Ich nehme Mut mit … wir haben in unserer Runde festgestellt, dass sehr viele paradoxale Anforderungen der Bildungspolitik

an uns alle gibt, sei es im Ministerium, sei es außerhalb des Ministeriums, und ob uns das nicht ein bisschen entmutigt,

aber irgendwie war der Tenor: nein, das lassen wir nicht zu. Und sowohl dieses Projekt als auch unser persönlicher

Mut sollten ausreichen, dass wir weitermachen.

MUt!IG IN dIE zUkUNFt

MARtINA BeRtHolD: ich nehme Sie auch ein bisschen beim Wort, wenn Sie sagen, Sie haben Bedauern, dass es

der Abschluss ist, vielleicht wohnt in jedem Abschluss auch ein Neubeginn inne…? Wir haben gehört, es sind pakete

geschnürt worden … Ich stelle Ihnen jetzt ministerialrätin mag.ª renate saipt vor, sie war in der Themenrunde 2, im

Bereich Mädchen und technische Ausbildungen jetzt aktiv in den letzten zwei Stunden. Sie ist Referatsleiterin in der

Sektion II des Ministeriums, in der Pädagogischen Fachabteilung für Berufsschulen, ist auch für geschlechtsspezifische

Bildungsfragen zuständig, leitet und koordiniert die Bundesexpertinnengruppe Burschen- und mädchenbildung. Und

die Abteilung für Berufsschulen im Ministerium hat im Jahr 1999 das Unterrichtsprinzip ‚Erziehung zur Gleichstellung von

Frauen und Männern‘ im Lehrplan für Berufsschulen verankert, da haben Sie sehr maßgeblich mitgearbeitet daran. Frau

Saipt, darf ich Sie zu uns aufs Podium bitten? Sie haben intensiv am Berufsschullehrplan zur Umsetzung des Unterrichtsprinzips

mitgearbeitet, jetzt haben wir 10 Jahre nach Verankerung dieses Prinzips… da frage ich Sie um Ihre kurze Analyse

der aktuellen situation, und v.a. interessiert mich auch, welche Auswirkungen jetzt mut! auf Ihre Berufsarbeit hat, was

dürfen wir auch von Ihnen erwarten? … Und haben Sie mit Matador gespielt?

Renate Saipt: Ja, natürlich, sogar sehr gern. Weniger mit Puppen. Wie wir gehört haben, seit 1999 gibt’s eben diese

Arbeitsgruppe, die aber natürlich nur die Berufsschulen betrifft. Es sind Experten und Expertinnen aus der Berufsschule,

die hier Mitglieder sind, ich bin die Vorsitzende, und nach diesen 10 Jahren, wenn Sie mich ehrlich fragen, was ist da

rausgekommen, gibt’s auch eine ehrliche Antwort: außer, dass die Inspektoren und Direktoren die weibliche Form verwenden…

aber sobald es um eine Besetzung eines Inspektorsposten oder eines Direktorsposten, also um den Posten einer

Schuldirektion geht, werden dann eher Männer bevorzugt. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass so nach außen hin tut

man ja so, man ist gegendert, auch als Mann, aber wenn‘s dann ums wenn ich das auf Wienerisch aussprechen kann ans

‚Eingemachte‘ geht, dann… dann sind die Männer dann nicht mehr gegendert, sozusagen. Wir arbeiten trotzdem weiter,

also diese Arbeitsgruppe arbeitet mit stundenbildern, die eben dieses unterrichtsprinzip ‚Erziehung zur Gleichstellung

von Frauen und männern‘ umsetzen im Unterricht, weil wir glauben, man muss da die Lehrerinnen und Lehrer

unterstützen in dem Bereich. Und … ja, wir versuchen mittels Projekten in diesem Bereich viel zu tun, und die Lehrerinnen

und Lehrer einzuladen, bei den Projekten mitzutun.

MARtINA BeRtHolD: Ja, und die zweite Frage war, ob mut! Ihre Arbeit beeinflusst, ob Sie sich was mitnehmen für die

Zukunft?

Renate Saipt: Ja, die heutige Veranstaltung hat mir insofern viel gebracht, dass ich sage: ich habe jetzt mut, weiterzumachen

weil das ist das, was wir auch zwischendurch brauchen, alle, die an dieser Thematik arbeiten: dass wir uns verstärken,

dass wir immer wieder sagen, ja, tun wir weiter, weil… ja, ich brauche das in diesem Kreis nicht noch erwähnen,

es ist einfach schwierig … was weiterzubringen. Aber wir sind mutig, werden weitertun.

MARtINA BeRtHolD: Frau Amtsdirektorin sabine smutni war auch in der Themenrunde 2, sie ist Mitarbeiterin der

Pädagogischen Fachabteilung für Technische, gewerbliche und kunstgewerbliche Lehranstalten in der Sektion II, Berufsbildendes

Schulwesen … Sie koordiniert die Bundesländerübergreifende Arbeitsgruppe schülerinnen an HTLs und

ist wichtige Kooperationspartnerin von mut! gewesen ab der 2. Projektphase in dem Bereich der HTL. Sie haben auch

mitorganisiert an der HTL-Fachtagung im Jahr 2006, die Frage an Sie, Frau Smutni, und gleichzeitig die Einladung zu uns

heraus: welches mut!-Know-how, welche Erfahrungen, welches Wissen fließen jetzt in Ihre Arbeit ein, was können Sie auch

für diese österreichweite Arbeitsgruppe Schülerinnen an HTL mitnehmen von mut!, und wie wirkt dieser Gedanke dort

weiter? … Und die Matador-Frage, ’tschuldigung …

Sabine Smutni: Ich muss mich outen, ich bin die erste, die nicht mit Matador oder Lego gespielt hat, aber meine Kinder

dafür … Von mut! nehme ich mit, da ich jetzt beim Wien mut!-Projekt selbst auch involviert war und das als sehr spannenden

Prozess erlebt habe: viele Best-practice-Beispiele, die es ja im Katalog auch gibt, die wir überarbeiten werden,

wieder ergänzen werden, auf neuesten Stand bringen werden. Ich nehme mit die vielen engagierten mitarbeiterinnen

und mitarbeiter, die ich bei verschiedenen Seminaren erleben durfte, oder auch die mir immer wieder zu Hilfe gestanden

sind, die mich auch immer wieder kontaktiert haben, wenn es Probleme gegeben hat, wie auch immer, und ich konnte

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mut! Bleibender Eindruck.


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MUt!IG IN dIE zUkUNFt

irgendwie eine Aussendung an die richtigen Personen bringen. Mir tut‘s leid, dass es diese mut!-Gruppe nicht mehr geben

wird, ja aber, vielleicht bringt die Zukunft auch etwas, das wir noch nicht wissen sei es jetzt Ressourcen oder sonstiges…

In unsere Arbeitsgruppe werden auch die Ergebnisse von mut! einfließen, keine Frage, v.a. eine Vernetzung hat ja schon

stattgefunden, viele, oder eigentlich fast alle unserer Schulen kennen mut!, haben mit den mut!-Mitarbeiterinnen gearbeitet,

Kontakt gehabt, und ich denke mir, wenn es einmal darum geht, Expertise einzufordern, dann werden wir uns sicher

auch wieder dorthin wenden, in welcher Form auch immer. Ich denke nicht, dass da was verloren geht.

MARtINA BeRtHolD: Danke Ihnen. In der Themenrunde 3 war Herr Dr. Wolfgang Haidinger integriert. Und ich habe

schon ein bisschen rumgehört, und Sie gelten jetzt in dieser Szene schon als ‚gegenderter Mann‘. Er ist Mitarbeiter der

Industriellenvereinigung im Bereich Bildung, Innovation und Forschung, ist Autor des Aktionspapiers ‚Menschen schaffen

Zukunft‘, das von der Fokusgruppe Nachwuchssicherung in Naturwissenschaften und Technik erarbeitet und 2007 vom

Ausschuss für Bildung, Forschung und Innovation beschlossen wurde. Darf ich auch Sie zu uns heraus bitten …

Im Internet ist von einer Studie die Rede, die die Industriellenvereinigung gemacht hat, und da ist ein anhaltender und

dramatischer mangel an Diplomingenieuren und ingeneurinnen konstatiert, v.a. im Bereich Maschinenbau, Verfahrenstechnik

und andere. Die oben genannte Fokusgruppe hatte ja auch zum Ziel, Lösungswege und Szenarien zu erarbeiten

und entscheidende Handlungsfelder und Empfehlungen abzuleiten. Wenn Sie jetzt Ihren bisherigen Einblick in die

Ergebnisse vom Projekt mut! nehmen, welche Handlungsfelder leiten Sie davon ab? Was braucht‘s aus Ihrer Erfahrung? …

Und die Matador-Frage auch an Sie!

Wolfgang Haidinger: Wenn ich jetzt nicht bei einer mut!-Veranstaltung wäre, würde ich sagen, klar, ich bin ein Mann, ich

habe mit Matador gespielt. Ich habe mit Matador gespielt, unabhängig davon, ob ich ein Mann bin oder nicht ... ich habe

vorher schon im Workshop ein paar Worte gefunden über die Arbeitsmarktsituation, und ich glaube, auf die spielen Sie

an … die Studie, die Sie meinen, ist aus dem Jahr 2006/2007, aber es gibt noch eine neuere Erhebung der IV aus dem Jahr

2009, d.h. mitten in diesen schwierigen Zeiten, mitten in der Wirtschaftskrise, und eigentlich, trotz allem, zeigt sich, dass

das Feld Forschung-Innovation nach wie vor ein Feld ist, wo Arbeitskräftemangel herrscht. 54% von 150 befragten Leitbetrieben

sagen, sie finden noch immer zu wenig Leute in Forschung und Entwicklung, und dieser Trend wird auch in den

nächsten 3 Jahren halten. Um so mehr ist es uns ein Anliegen, und Sie kennen unser Aktionspapier möglicherweise, dass

wir auch Frauen für diesen Bereich gewinnen, und die Attraktivität auch steigern, in diese Männerdomäne einzusteigen,

die Handlungsfelder sind im Aktionspapier auch drinnen und ich kann einige rausnehmen, wobei ich das Feld Werken

von heute mitnehmen muss, und gern werde. Das fängt im Prinzip im Bereich der Schule an, wobei, im Aktionspapier

steht Schule drinnen, ich würde eigentlich mittlerweile sagen, es fangt noch viel früher an, auch im vorschulischen Bereich,

aber auch ich weiß nicht, wie viele von Ihnen Eltern, Mütter oder Väter sind, aber Eltern müssten eigentlich auch ziemlich

stark oder stärker in die Pflicht genommen werden, und ich bin selbst Vater und nehm mich da auch manchmal selber an

der Nase, obwohl ich mir wirklich Mühe gegeben habe, die letzten Jahre … also den Schulbereich mit genderorientierten

unterrichtsformen, ich möchte im Prinzip die Bereiche nicht wieder alle runterbeten, es geht darum, dass man auf die

Bedürfnisse und die Fähigkeiten von mädchen und Frauen durch die Ausbildung durch bis in das Berufsleben stärker

eingehen muss, das geht bis hin zu einer höheren Frauenquote in Führungsrollen, Akademien, Hochschulen, Vereinbarkeit

von Familie und Beruf, aber ganz klar ein gesamtes gesellschaftliches Engagement, da meine ich die medien, die

politik, die unternehmen dass man die männerdominierte Kultur in Forschung und Entwicklung durchbricht und sie für

Frauen auch wirklich zugänglich macht.

MARtINA BeRtHolD: Auf das Werken möchte ich zurückkommen … ich bin eine, die da sehr ehrgeizig ist, Wirkung zu

zeigen, mit der Arbeit, die wir machen. Sie haben gesagt, Sie nehmen sich Werken mit … gibt’s noch ein zweites Thema,

das Sie sich mitnehmen aus dieser Themenrunde, aus dieser Diskussion jetzt?

Wolfgang Haidinger: Ich kann im Prinzip nur für Werken sprechen, weil ich nur in einem Workshop war und vorher nicht

Zeit gefunden habe, aber ich nehme stark … bezogen auf das Werken mit wie wichtig engagierte Lehrerinnen und Lehrer

sind, also mir ist aufgefallen, im Workshop waren so viele gute Beispiele drinnen, wie man den Werkunterricht gestalten

MUt!IG IN dIE zUkUNFt

kann, weg von Entscheidungsfreiheit, weg von der Wahlfreiheit, die grad im Fall des Werkens eigentlich keine Entscheidungsfreiheit,

sondern ein Entscheidungszwang ist, den man im Werkunterricht überhaupt nicht brauchen kann, weder für

Mädchen noch für Buben. Und die unterstützung dieser vielen Lehrerinnen und Lehrer und projekte, die es in diesem

Sektor gibt ich habe jetzt leider zu wenig mitbekommen von der Berufsorientierung und Mädchen in den Naturwissenschaften,

aber so wie ich mut! kenne, auch da gibt’s weitgehende Übereinstimmung mit der position der Industriellenvereinigung,

darum mach ich mir da keine Sorgen, dass ich da etwas mitnehmen muss. Ich werde ersuchen, dass ich diese

Dinge kriege in der Langfassung, dass wir uns das im Detail ansehen und einfließen lassen in die Arbeiten der IV.

MARtINA BeRtHolD: Darf ich die mut!-Expertinnen fragen es haben die Vertreterinnen und Vertreter des Ministeriums

gesagt, was sie mitnehmen werden, welche Pakete schon geschnürt sind, was geht aus eurer Sicht da noch ab, was

braucht‘s? … Jetzt stehen sie alle da!

Martina Rauter: Also das war ein großer Punkt, den wir in der ersten Themenrunde diskutiert haben: es hat viel begonnen,

es ist viel initiiert worden, und jetzt braucht es ressourcen, damit es wirken kann, damit es wirksam werden und bleiben

kann. Wir haben lang darüber gesprochen, auch über die Paradoxien im System, und sind immer wieder an dem Punkt

hängen geblieben, ohne personelle und finanzielle ressourcen lassen sich auch die besten projekte nicht umsetzen,

nicht weiterverfolgen, und können auch nicht wirkmächtig werden. D.h. es sind ganz ganz viele Ideen da, an denen

hapert es nicht, es wäre jetzt Ziel, das fortzusetzen, fortzuführen.

Astrid Jakob: Ja, im Bezug auf die Technik an der Schule, ich nenn‘s jetzt einmal so, an der Pflichtschule, geht’s einerseits

auch um Ressourcen, also es ist natürlich das wichtigste Thema, es geht einfach darum, diesen Bereich, v.a. auch diese

handlungsorientierten Bereiche, diese praktischen Erfahrungen, nicht zu schmälern, sondern eher auszubauen. Das

denk ich, wäre ein ganz wichtiger Punkt für den Werkunterricht natürlich, aber auch z.B. in diesen naturwissenschaftlichtechnischen

Bereichen, wo‘s ums Experimentieren und Forschen geht, handlungsorientierter arbeiten zu können das

braucht Geld, das braucht kleinere Gruppen, das braucht gute Ausstattung, das wäre die eine Seite. Und aus der Sicht,

sozusagen mit der Genderbrille betrachtet, würde ich schon auch meinen, es braucht noch ganz viel an grundsätzlicher

Auseinandersetzung in verschiedensten Bereichen und auf allen Ebenen, das muss natürlich top down funktionieren,

aber das muss auch innerhalb der Systeme funktionieren, sei es jetzt Unternehmen, sei es jetzt Schulen, eine tatsächliche

Auseinandersetzung, und eine Bereitschaft, ‚ans Eingemachte zu gehen‘, wie Sie so schön gesagt haben, glaub ich, ist

in diesem Geschlechterbereich immer noch sehr notwendig.

MARtINA BeRtHolD: Wie können wir uns das jetzt konkret vorstellen?

Astrid Jakob: Das glaube ich, würde bedeuten also für mich würde das bedeuten, dass man… dass man mit dieser

Genderbrille sich alle Bereiche einfach genau anschaut und dass das ein tatsächliches Querschnittsthema ist, das tatsächlich

bei ganz vielen Entscheidungen, oder bei allen Entscheidungen, mitbedacht wird… im Bereich Schule, aber auch

im Bereich Unternehmen, ist sozusagen dieser Genderbereich immer noch so ein Teil, den man sich manchmal hernimmt,

aber ihn dann auch ganz gern wieder wegschiebt. Und solange wir sozusagen in diesem spannungsfeld bleiben sich

mal holen und dann wieder wegschieben geht, glaub ich, zu wenig weiter. Es muss tatsächlich so sein, dass man diesen

Bereich nicht mehr wegschieben kann.

Susanne Willi: Ich kann mich da ganz gut an meine mut!-Partnerinnen aus den anderen Bundesländern anschließen, im

Sinne von, dass sehr sehr viel entstanden ist, Konzepte, Maßnahmen und Modelle, die entstanden sind, das sehr toll ist,

aber es natürlich sehr schade wäre, wenn die jetzt wirklich irgendwo in einer Schublade oder wo auch immer verschwinden.

Also es ist sehr viel passiert in dieser Laufzeit von mut!, aber es ist wichtig, das weiterhin fortzusetzen, weil nur dann

können wir wirklich etwas bewirken, und es kann nur dann auch passieren, wenn es Unterstützung gibt durch Projekte. Also

d.h., teilweise konnte natürlich sehr gut auch in Schulen und Betrieben Angebote übernommen werden, aber vielerorts ist

das nicht flächendeckend und nur teilweise, in dem Sinn, wie wir uns das wünschen. Hinzu kommt, dass viele Angebote,

die gesetzt werden, leider immer noch nur von der Personengruppe genutzt wird, die sich mit dem Thema auseinandersetzt,

die sensibel ist für das Thema. Also das heißt, es ist wichtig, diese Personen zu erreichen, die noch nicht sensibel sind

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mut! Bleibender Eindruck.


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MUt!IG IN dIE zUkUNFt

für das Thema, also sprich, eine Forderung auch von uns vom Positionspapier, hier wirklich durch top down die Menschen

an den Tisch zu bekommen, in eine Auseinandersetzung, in eine sensibilisierung, weil nur dann können wir etwas bewir-

ken. Wenn wir immer mit denselben Menschen kooperieren, entstehen natürlich auch tolle Sachen und tolle Initiativen, nur

schlägt‘s nicht solche Wellen, wie wir das gerne hätten.

MARtINA BeRtHolD: Ich nehme das Stichwort des top down mit rüber auf die Seite des Ministeriums. Top down-

Gespräche zu initiieren, Round table und klare Vorgaben, kostet jetzt mal nach meinem Verständnis nicht das große

Geld. Was braucht‘s oder welche Unterstützung brauchen Sie, um diesen Wunsch, diese Forderung von der Seite der

Expertinnen umzusetzen? Wirklich klar also von oben her, klare Vorgaben oder die Anforderungen zur geschlechtssensiblen

Berufsorientierung wirklich durchzusetzen?

Sabine Smutni: Also ich kann nur für meinen Bereich sprechen, wir haben zu Beginn dieses Schuljahres eine strategiegruppe

ins Leben gerufen, ‚Schülerinnen‘ mit kleinem i an HTLs, die sich mit dieser Materie auseinandersetzt. Das ist

unter der Federführung des ministeriums, es ist jeweils ein Vertreter bzw. eine Vertreterin eines Bundeslandes in dieser

Gruppe vertreten, die Landesschulinspektoren und unsere Frau Landesschulinspektorin aus Wien, stehen dahinter, also

ich denke, das ist der erste Schritt top down es wird dieses Strategiepapier entwickelt, mit entsprechenden Maßnahmen,

Vorschlägen, Basics, die formuliert sind, ja, also ich denke, bei uns ist hoffentlich der erste Schritt getan.

Renate Saipt: Ja, für mich hat die top down-strategie eine Grenze, und zwar dann dort, wenn ich Lehrer und Lehrerinnen

haben möchte, die eine bestimmte Fortbildung, heißt Genderthema, bearbeitet haben, und ich sie verpflichte,

dieses Seminar zu besuchen. Die sitzen dann zwar dort, ich kann in der Statistik vorweisen, es sind auch Lehrer dabei

und andere, aber die Wirkung ist nicht da, das heißt also in diesem Bereich bringt sie nichts, die top down-Strategie,

und zwar wie Sie wissen, man ist als Lehrer ja nicht verpflichtet, Fortbildungsseminare zu besuchen, und da wäre natürlich

eine Maßnahme, man verpflichtet sie dazu. Und da gibt es Diskussionen, ich kenne welche, die sagen, machen wir

das, und andere sagen, nein, das hat keinen Sinn, das wäre ein Zwang und das würde nichts bringen. Ja, das ist so.

Augustin Kern: Zwei kurze Anmerkungen oder zwei kurze Bemerkungen: Zum einen es ist mir bewusster geworden,

dass wir mit der Abteilung für geschlechtsspezifische Bildungsfragen ich glaube, ihr heißt noch so einen wichtigen

strategischen partner im ministerium haben, den ich vielleicht in den letzten Jahren auch zu wenig angenommen

habe. Es freut mich, dass wir in den letzten Monaten da einen Konnex in einer Arbeitsgruppe haben, wo sich ein bisschen

schon angebahnt hat, ich denke mir, ihr müsst euch auch grade verändern, das könnte auch eine Chance sein, dass wir

ein bisschen näher rücken … also das nehm ich alles mit. Und das zweite ist, ein Grund, das aufzugreifen, was die Frau

Rauter gesagt hat, so in Richtung: es gibt viele Ideen zur Fortführung. Wir haben eine ‚Ideeninitiationsabteilung‘, da

kommt ja das auch her und da wird das getragen, und da muss man halt ein bisschen genauer hinschauen, zu mir selbst

gesagt. Und das zweite ist, dieses positionspapier zum Ausbau der Berufsorientierung und Bildungsberatung hab

ich mir im Vorfeld dieser Abschlussveranstaltung durchgeschaut, da stecken wirklich ganz ganz tolle sachen drinnen,

vieles, was wir in der AG Ausbau der Berufsorientierung bereits drinnen haben, aber einige ergänzende Sachen, und

ich denke, ich schau mir‘s noch ein paar Mal ganz genau und gut an und kann einiges daraus herausnehmen danke

dafür.

MARtINA BeRtHolD: Danke für das Stichwort mit dem Näherrücken wir haben die gleiche Idee gehabt, ich gehe

jetzt nämlich zur Abteilung für geschlechtsspezifische Bildungsfragen und werde die Abteilungsleiterin auch fragen,

wie von ihrer Seite dieses Näherrücken denn aussehen kann?

Doris Guggenberger: Ja, ich bin ganz erfreut über dieses Angebot, und es hat mich auch nicht wirklich überrascht, weil

sich in den letzten Wochen und Monaten ja schon diese Kooperation abgezeichnet hat im Bereich Berufsorientierung

und ich möchte mich noch einmal bedanken für die Bereitschaft, die da gegeben war, eben Anregungen, die über uns,

über mut!, gegeben wurden, auch tatsächlich aufzunehmen. Die Kooperation mit den anderen beiden Kolleginnen

Smutni und Saipt funktioniert ja schon über viele Jahre und ich hab das jetzt hier in dieser Runde als sehr angenehm

erlebt, dass wir einmal nicht draußen stehen müssen, sondern dass wir hier sitzen können und einmal zuhören und

MUt!IG IN dIE zUkUNFt

andere Kolleginnen aus dem Hause diese Rolle, diese Aufgabe, übernommen haben das zeigt schon, dass sich in den

letzten Jahren viel getan hat, und dass sich die Gruppe jener im ressort, die gendergerecht agieren wollen, vergrößert

hat, und das gibt mir mut auch für die nächsten Jahre, dass wir weiterkommen.

MARtINA BeRtHolD: Wir haben das zwar nicht bewusst gemacht, aber dennoch, diese Aussagen der Kooperation

sind digital aufgezeichnet …

Ich möchte jetzt einen wichtigen strategischen Partner noch einmal ins Gespräch reinholen, Sie als Vertreter der Industriellenvereinigung,

wie sieht da die Kooperation mit dem Ministerium aus, gibt’s da Wünsche nach einer stärkeren

Kooperation zum Thema Bildung und auch Mädchen und Technik?

Wolfgang Haidinger: Also Wünsche haben wir immer, klarerweise. Aber ich glaube, die Kooperation mit dem ministerium

läuft super und einwandfrei, es gibt auch einige Arbeitsgruppen, wo Vertreterinnen und Vertreter aus unserem

Haus eingebunden sind, nämlich die Berufsorientierung z.B.. Das Thema ‚Mädchen und Technik‘, und ich nehme Bezug

auf ein Statement, dass das Thema Frauen in diesen Männerdomänen eines ist, das man schnell wegschiebt und dann

wieder herzieht, wenn‘s einem passt ganz ehrlich, ich glaube, diese Zeiten sind vorbei. Also wenn die wichtigsten

Leitbetriebe sagen, uns gehen die Leute aus, wir haben sie nicht mehr, sogar in Zeiten der Wirtschaftskrise, ich sag

es einmal so, wo viele der Firmen ums Überleben ringen, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, auch wenn‘s weh tut, z.T.

freisetzen müssen dann brennt der Hut, dann muss man im Prinzip sich auch bewusst sein, dass Frauen in den Naturwissenschaften

nicht ein Gerechtigkeitsfaktum ist, sondern einen ökonomischen mehrwert darstellt für die Firmen,

und ich glaube, das ist ein Lernprozess, da haben die Firmen in den letzten 10, vielleicht 15 Jahren, leidlich erfahren

müssen, und strengen sich auch an. Der Punkt, warum das noch immer ziemlich schleichend geht und warum das nicht

so vorwärts kommt, wir haben‘s vorher schon angesprochen: es ist ein wahnsinnig weites Feld, das geht von Schule,

Unternehmen, Rollenbilder setzt aber klarerweise im Schulbereich an, auch im vorschulischen Bereich an, und ich

glaube, wir werden uns alle ganz besonders anstrengen müssen, dass wir ab dem Kindergarten und im Schulsystem

diese Themenstellung stark mitnehmen, in den Unterricht mitnehmen, und ich hab‘s vorher schon einmal gesagt: das

Feuer entfachen für die Naturwissenschaften. Ich glaube, das tragen die Mädchen genauso wie die Buben in sich,

das seh ich bei meinen Kindern, meine Erfahrung lehrt mich, dass es manchmal, also wenn ich mir befreundete Kinder

ansehe, es bei den Mädchen ein bisschen andere Methoden braucht, um das Feuer zu entfachen, manchmal, und das

kommt auch aufs Kind an, vielleicht ein bisschen länger dauert, aber es funktioniert. Auch wenn‘s vielleicht manchmal

ein bisschen anstrengend oder auch ungewohnt ist, ich glaube, wir sollten weitermachen.

MARtINA BeRtHolD: Ich mach jetzt eine schnelle Abschlussrunde und ersuche Sie um EIN Schlagwort als Abschluss

für den heutigen Nachmittag und auch für diesen Input. Und bei Ihnen, Herr Kern, fang ich an.

Augustin Kern: Es hat sich für mich ausgezahlt, dass ich da war, obwohl ich einen Halbtag dafür investieren musste

dankeschön.

Renate Saipt: Ich nehme heute mit, wie schon vorhin gesagt, mut zur Weiterarbeit in diesem Bereich. Dafür danke

ich Ihnen sehr.

sabine smutni: Ja, ich möchte mich auch bei mut! ganz herzlich bedanken, ich hab‘s eh vorher schon gesagt

Danke.

Wolfgang Haidinger: Wie gesagt, ich nehme viel mit, eins, dass ich noch nicht gesagt habe, ich wünsche mir als Vision

vielleicht in Anlehnung an Schule 2020, dass ich einmal bei einer genderorientierten Veranstaltung bin und nicht einer

unter nur 5 Männern …

Susanne Willi: mut! lebt.

Astrid Jakob: Sehr offene und anregende Diskussionen.

Martina Rauter: Ich nehme den mut mit, mit den Widersprüchen im Dialog zu bleiben.

MARtINA BeRtHolD: Herzlichen Dank für Ihre Statements, für Ihre Anregungen, für eure Anregungen und auch für

das, was Sie aufgegriffen haben schon in der letzten Zeit und was Sie auch weitertragen werden.

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mut! Bleibender Eindruck.


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ABScHlUSS tEIlNEHMENdE

Abschluss der Veranstaltung

Mag.ª Ruth Mayr, Projektleiterin mut! Österreich, Akzente Salzburg

Wir stehen jetzt am Ende dieser Veranstaltung und damit fast am Ende des Projekts. Wir haben sieben Jahre

lang sehr intensiv gearbeitet, es mangelt nicht an Know-how, wie hoffentlich an diesem Nachmittag einmal

mehr klar geworden ist. Was es jetzt braucht, sind einerseits den Willen, auch den politischen Willen, und

mittel, um weiterzumachen.

Es wird eine ausführliche Dokumentation dieser Veranstaltung geben, die noch vor September fertig sein

wird.

Ich kann nur an Sie alle appellieren, jetzt noch bis Juli bzw. bis Ende September das vorhandene Know-how, die

vorhandenen Angebote im Rahmen von mut! zu nutzen. Erzählen Sie weiter, was Sie heute hier mitgenommen

haben, das würde uns sehr freuen und zum Abschluss bleibt mir eigentlich nur mehr, die Gelegenheit zu

nutzen, um mich bei allen mitarbeiterinnen und mitarbeitern des projekts ganz herzlich zu bedanken, für

ihren professionellen Einsatz und für ihr Engagement in den vergangenen Jahren. Es war wirklich ein Vergnügen,

in diesem Projekt zu arbeiten, vielen Dank!

Besonderer Dank gilt aber jenen Frauen, die mut! überhaupt erst möglich gemacht haben, ohne die es das

Projekt nicht, schon lange nicht mehr oder schon viel länger nicht mehr geben würde. Ich bedanke mich

ganz herzlich bei den heute hier anwesenden Frauenreferentinnen und mitarbeiterinnen der Frauenreferate

und bei den mitarbeiterinnen der Abteilung für geschlechtsspezifische Bildungsfragen und Gender

mainstreaming.

Als Ansprechpartnerin für das Projekt im BMUKK darf ich diese Fassung der drei in mut! erarbeiteten positionspapiere

an Frau mag.ª pegac weitergeben, mit der Bitte, sie an Frau sektionschefin strohmeyer sowie

die Frau Bundesministerin weiterzuleiten.

Besonders möchte ich mich bei den Moderatorinnen und Referentinnen und Referenten der einzelnen Themenrunden

bedanken ...

Und ganz besonders bedanke ich mich bei Martina Berthold, die uns durch diesen Tag ge- und begleitet hat.

und last, but not least, bedanke ich mich bei Ihnen allen, dass Sie heute hier waren, dass Sie trotz dieser

Temperaturen jetzt noch immer da sind, ich hoffe, Sie nehmen etwas mit und sie haben heute auf jeden Fall,

um bei diesem Bild zu bleiben, einen kleinen Teil zum mut!igen Ganzen hinzugefügt. Ich wünsche Ihnen

noch einen schönen Abend und eine gute Heimreise.

Teilnehmerinnen und Teilnehmer

1 Arztmann Doris sprungbrett für mädchen 42 Niedermayer regina Stadtschulrat für Wien

43

2 Auer marlies Frauenstiftung Steyr 43 Ofenböck Gertrude Frauenbüro der Burgenländischen Landesregierung

3 Berthold martina Land Salzburg 44 pegac Helga

BMUKK, Abt. für geschlechtsspezifische

Bildungsfragen & GM

4 Bican margarete sprungbrett für mädchen 45 pernsteiner Christina Mafalda

5 Bichler Doris Frauenreferat der NÖ Landesregierung 46 pietsch Alice Pädagogische Hochschule Steiermark

6 Buxhofer Elisabeth WUK faktor i 47 plahs Elfriede

7 Eidenberger Johanna Praxisschule der PH OÖ 48 pommer Iris

8 Erlacher Ingrid Mafalda 49 pucher michaela Frauen für Frauen

9 Etlinger robert Pädagogische Hochschule Wien 50 puchinger Beatrix Studentin KPH Wien

10 Fischnaller maria Frauenreferat des Landes OÖ 51 Quast marina WUK/Clearing Plus

11 Frick Claudia sprungbrett für mädchen 52 raab rosa

Höhere Bundeslehranstalt für Land- und

Ernährungs-wirtschaft Sitzenberg

12 Fritz Isabella 53 rauter martina Mädchenzentrum Klagenfurt

13 Gebhart marion MA 57 Frauenabteilung der Stadt Wien 54 reidl sybille Joanneum Research

14 Göltl ursula Realgymnasium Glasergasse 55 rotschopf romana

Büro für Frauenfragen & Chancengleichheit des

Landes Salzburg

15 Gschwandtner Helga Verein Einstieg 56 ruf Amanda Mädchenzentrum Amazone

16 Guggenberger Doris

BMUKK, Abt. für geschlechtsspezifische

Bildungsfragen & GM

57 saipt renate BMUKK, Abt. für Berufsschulen

17 Gugrel susanne sprungbrett für mädchen 58 sassmann Gabriela

18 Hack marlene HTL Wels 59 schaffer Nicole Joanneum Research

19 Haidinger Wolfgang

Industriellenvereinigung, Bereich Bildung,

Innovation und Forschung

60 schneider Christine

20 Heger Nora matkovits + geiger 61 schneider margit TGM

BMUKK; ExpertInnengruppe:

LehrerInnenausbildung NEU

21 Ischepp Claudia Stadtschulrat für Wien 62 schulz Emmanuela Hertha-Firnberg-Schulen

22 Jakob Astrid Verein Einstieg 63 schütz Josef Pädagogische Hochschule OÖ

23 Kaufmann Angelika mut! Burgenland 64 smutni sabine BMUKK, Abt. für HTL

24 Kern Augustin BMUKK, Sektion I 65 spreitzer Barbara FrauenTrainingsZentrum Rohrbach

25 Klostermann Johanna FiT/TU Graz 66 steiner Hannah

Netzwerk österreichischer Frauen- und

Mädchenberatungsstellen

26 Knie Daniela BG/BRG Rosasgasse 67 stögerer-schwarz

Elisabeth

Frauenreferat der Tiroler Landesregierung

27 Koller Elisabeth BRG 22 68 sturm rainer KPH Wien/Krems

28 Krebitz Alexandra

Frauenbüro der Burgenländischen

Landesregierung

69 sutterlüti Evelyn Studentin

29 Lang Agnes LSR OÖ, Schulpsychologie 70 Teutsch rüdiger BMUKK

30 Langenecker Evelin

BMUKK, Abt. für geschlechtsspezifische

Bildungsfragen & GM

71 Traunsteiner Bärbel sprungbrett für mädchen

31 Lausegger Eva BORG 3 72 Tschenett roswitha

BMUKK, Abt. für geschlechtsspezifische

Bildungsfragen & GM

32 mair Olivia Mädchenzentrum Amazone 73 Vogel Walter Pädagogische Hochschule Graz

33 mandl Esther 74 Vogel-Gollhofer Claudia amg-tirol

34 matkovits susanne matkovits+geiger 75 Wagner Doris Landesschulrat für NÖ

35 mayr ruth Akzente Salzburg 76 Wallner Burgi Institut für Unterrichts- und Schulentwicklung

36 meeßen Nicole Realgymnasium Glasergasse 77 Wiesinger silvia Pädagogische Hochschule OÖ

37 mischak ursula

Koordinationsstelle für geschlechtssensible

BO NÖ

78 Willi susanne Mädchenzentrum Amazone

38 mistlberger Werner Akzente Salzburg 79 Wimpissinger Daniela MA 57 Frauenabteilung der Stadt Wien

39 Nathan Veronika WUK Domino 80 Zeiler Christiane

40 Nehfort robert mut! Burgenland 81 Zöhling melanie HTL Ottakring

41 Neubacher Erwin WRG Salzburg

mut! Bleibender Eindruck.

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