annalive - St. Anna-Hilfe gGmbH

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Die demografische Entwicklung ist eindeutig. Die Menschen werden immer älter,

der Pflegeaufwand nimmt zu. Die naheliegende Konsequenz: In den kommenden

Jahren und Jahrzehnten werden von den Einrichtungsträgern der Altenhilfe zigtausende

interessierte und sozial kompetente Frauen und Männer gesucht, die

einen Pflege- oder Pflegehelferberuf wählen. Sonst droht auf sehr absehbare Zeit

ein erheblicher Engpass in der Versorgung pflegebedürftiger Menschen, mit gravierenden

Konsequenzen für die Pflegequalität.

Arbeit und berufliche Erfüllung sind elementare Bestandteile des menschlichen

Lebens und tragen eine Menge dazu bei, dass dieses gelingen kann. Und nach wie

vor gibt es zahlreiche Menschen, die von sich wissen, dass sie keinen Büro-Job anstreben,

sondern lieber konkret mit Menschen arbeiten wollen. Und die Ausbildung

zur Altenpflegerin, zum Altenpfleger bietet – wie Sie gerade in der anna live

lesen können – eine sehr hohe Arbeitsplatzsicherheit, zahlreiche berufliche Entwicklungschancen

und vielfältige Einsatzmöglichkeiten. Und das nahezu überall in

Deutschland.

Wo liegt also das Problem? Angebot und Nachfrage scheinen sich in nahezu idealer

Weise zu ergänzen. Auf der einen Seite gibt es interessierte Menschen mit

einem sozialen Anspruch an ihre Berufstätigkeit, auf der anderen Seite gibt es

eine Vielzahl an Ausbildungsplätzen und reichlich Arbeitsplätze.

Das eigentliche Problem liegt seit Jahren unverändert darin, dass die Altenpflege

ein gravierendes Imageproblem in der Gesellschaft hat und dass es bislang nicht

wirklich gelungen ist, dieses attraktive und zu Unrecht in Misskredit stehende Berufsbild

wirklich positiv zu besetzen. Daran konnten auch alle Kampagnen von Seiten

der Sozialverbände und der Sozialpolitik ebenso wenig etwas ändern wie die

sicher aus gut gemeinter und ehrlicher Überzeugung sprechenden Einrichtungsträger.

Man braucht kein Prophet zu sein, um die Prognose zu wagen, dass sich in

nächster Zeit ein intensiver Wettbewerb um qualifizierte Pflegekräfte entwickeln

wird.

Den schwarzen Peter ausschließlich bei den Medien zu suchen, die angeblich mit

negativer Berichterstattung über zwar seltene, dann aber meistens gravierende

Missstände die ganze Branche in ein schlechtes Licht rücken, ist auch kein stichhaltiges

Erklärungsmuster. Denn erstens ist es die Aufgabe der Medien, über solche

Vorfälle zu berichten, und zweitens muss selbst eine jahrelange negative Berichterstattung

keineswegs zu einem wirklich schlechten Branchenimage mit

Nachwuchsproblemen führen. Zu wenig Banker gibt es auch nach der Finanzkrise

nicht.

Es liegt vielmehr der Verdacht nahe, dass das Thema Altenhilfe generell negativ

besetzt ist, weil es unübersehbar und unabweisbar jeden Menschen an seine eigene

Endlichkeit und an den normalen Abbauprozess vor dem Sterben erinnert, der

die Menschen in unserer leistungsorientierten und technikgläubigen Gesellschaft

unangenehm berührt. Und es bedarf eines großen Herzens, eines stabilen Charakters

und einer gewissen Lebenserfahrung, um diese Dimension speziell dieses

Berufsbildes zu erkennen und sich trotzdem bewusst dafür zu entscheiden.

Personen, die diese Gedanken nicht nachvollziehen können, sind auch letzten

Endes nicht geeignet. Wer will schon von jemandem in einer Phase extremer persönlicher

Gebrechlichkeit, Schwäche und Verletzlichkeit bis hin zum Sterben be-

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