„MEIN LIEBER SCHWAN!“ - PersPagina

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„MEIN LIEBER SCHWAN!“ - PersPagina

„Mein lieber Schwan!

richard wagner und Seine wurzeln in SachSen

1 | S a c h S e n . L a n d v o n W e L t .

SOnderVerÖFFenTlichung der TMgS


„Nie sollst Du mich befragen…

So geheimnisumwittert wie bei „Lohengrin,

der seiner Braut Abstammung

und Namen verschweigen muss,

ist die Herkunft Richard Wagners

nicht – dennoch bringt man den großen

Komponisten umgehend mit Bayreuth

in Verbindung, betrachtet stets

den vollendeten Künstler, sieht ihn nur

auf dem Zenit seines Schaffens. Dabei

ist gerade das Werden bei Wagner so

interessant. Entscheidende Impulse

und Einflüsse, die ihn veranlassten,

sich der Musik zuzuwenden und sein

Leben bestimmten, haben ihren Ursprung

in seiner Heimat Sachsen.

Als Wagner 1813 in Leipzig geboren

wurde, war Mitteldeutschland die

Wiege der Musik schlechthin. Hier

lernte er viele berühmte Komponisten

und Persönlichkeiten kennen, wurde

inspiriert und führte Ideen und Anre-

gungen weiter, die letztlich nicht nur

Auswirkungen auf die Oper und das

Musiktheater, sondern beispielsweise

auch auf die Filmmusik von Heute haben.

Wir nehmen den 200. Geburtstag Richard

Wagners zum Anlass, um die

bisher noch eher im Dunkeln liegende

Seite des Genies zu beleuchten, zu zeigen,

was ihn prägte und wo in Sachsen

man überall auf den bedeutenden

Komponisten trifft.

Trauen Sie sich zu fragen – es lohnt

sich!

Ihre Tourismus Marketing Gesellschaft

Sachsen

2 | S a c h S e n . L a n d v o n W e L t .

Impressum

Herausgeber:

Tourismus Marketing Gesellschaft Sachsen mbH

Tel: +49 351 4917 00

info@sachsen-tour.de

www.sachsen-tourismus.de

Redaktion:

Presse-Service Manuela Geiger

Fotografen:

Titelseite, Seite 2, 3, 4, 5, 6, 8, 10, 11, 12, 13,

14, 15: René Pech; Seite 3 unten: Andreas

Schmidt; Seite 4 Porträt Ulf Schimer: Andreas

Birkigt; Seite 7 oben: Silvio Dittrich; Seite 8, Porträt

Ulrike Hessler: Semperoper Dresden; Seite 9: Foto

MDR; Seite 9, Porträt Bettina Bunge: Sven Döring;

Seite 13, Felsenbühne Rathen: Martin Krok/Martin

Reißmann; Seite 16: Jens Lott;

Seite 17: TV Vogtland

Karte: Dr. Harald Schubärth

Design + Produktion:

S.I.M. – Special Interest Magazines

Zeitschriftenverlagsges.m.b.H., Wien

Redaktionsschluss: 15 Juli 2012


Volles Engagement für Wagner

„Richard Wagner war ein exaltierter

Typ, nur 1,66 Meter – das musste zum

Leipziger Größenwahn führen. Er war

ganz groß in der Selbstvermarktung,

hat viel geredet, am liebsten über sich

und seine Werke und er ist einer der

schillerndsten und spannendsten Komponisten,

die es gibt. Als Erster schuf er

nicht nur die Musik, sondern mit Textbuch

und Anweisungen ein Gesamtkunstwerk.

Alles, was wir auf der Bühne

sehen, hat sich dieser Mann bis ins

letzte Detail ausgedacht. Wenn Thomas

Krakow von Richard Wagner

spricht, reißt er mit, überzeugt er auch

diejenigen, die dem Komponisten eher

distanziert gegenüberstehen, sich auf

das Abenteuer Wagner einzulassen.

Und das, gerade weil Krakow die Persönlichkeit

Wagners durchaus kritisch

sieht und auch seine negativen Seiten

nicht verleugnet.

Thomas Krakow selbst hat Richard

Wagner relativ spät für sich entdeckt.

In der Nähe von Magdeburg geboren,

zog er 1985 nach Leipzig, um dort Afrikanistik

und Geschichte zu studieren

und hatte bis dahin „wenig Zugang zu

klassischer Musik, bis heute kann er

keine Noten lesen. Als er über die verschmutzte

und kaum leserliche Bronzetafel,

die an der Stelle, an der einst

das Geburtshaus des Musikers stand,

„stolperte, erwachte langsam das Inte-

Neue CD: Wagners Werke mit Leipzig-Bezug

„Ein bisschen Wagner geht

nicht. Seine Musik ist wie

eine Droge, entweder hat

man keinen Zugang oder

man verfällt ihr.

Thomas Krakow

3 | S a c h S e n . L a n d v o n W e L t .

resse in ihm. Er kaufte sich Sampler

mit Ouvertüren von Wagner, hörte

sich in dessen Musik ein. „Der Durchbruch

kam, als ich 1998 den ‚Tannhäuser‘

in der Oper sah, da fing die

Abhängigkeit an. Mittlerweile ist Krakow

ein höchst kompetenter Wagner-

Experte. Er hat an die 400 Bücher über

ihn gelesen, polierte selbst medienwirksam

die Bronzetafel wieder auf

und bemüht sich als Vorsitzender des

Richard-Wagner-Verbands Leipzig,

dass die Erinnerung an den großen

Sohn der Stadt lebendig gehalten wird.

Ein Engagement, das die Stadt Leipzig

zu schätzen weiß und Thomas Krakow,

der auch Vizepräsident des Internationalen

Richard-Wagner-Verbands ist,

als offiziellen Koordinator des Jubiläumsjahres

2013 eingesetzt hat. „In seiner

Geburtsstadt wird es mit den Richard-Wagner-Festtagen

vom 16. bis

26. Mai das umfangreichste Festprogramm

überhaupt geben, freut sich

der Organisator, der eng mit den anderen

Stätten in Mitteldeutschland und

Bayreuth zusammenarbeitet, um Überschneidungen

wichtiger Veranstaltungen

zu vermeiden – zur Freude der

Wagner-Fans.

Richard-Wagner-Verband Leipzig

Tel. +49 (0) 341 30 86 89 33

www.wagner-verband-leipzig.de

Musikalisches Souvenir

Von allen historischen musikalischen Größen, die eine Verbindung zu

Leipzig haben, wurde nur eine in der Handels- und Messestadt geboren:

Richard Wagner. Um seinen 200. Geburtstag zu feiern, hat der regionale

Verband eine Doppel-CD herausgebracht, die den Komponisten in Beziehung

zu seiner Geburtsstadt setzt. Sämtliche Stücke sind mit Leipzig

verknüpft, beispielsweise die Symphonie in C-Dur, die er als 19-Jähriger

in seiner Heimatstadt komponierte, oder das Vorspiel der Oper „Die

Meistersinger von Nürnberg, dessen Uraufführung im Gewandhaus

1862 Wagner selbst dirigierte und dabei aus Zorn über die wenigen

Zuschauer den Taktstock zerbrach.


Leipzig

1

Richard ist Leipziger

Von den Fenstern der altehrwürdigen

Nikolaischule blickt man auf die Gassen

von Leipzig und die Nikolaikirche,

auf vorübereilende Passanten und

Händler. Richard Wagner hat diesen

Blick allerdings nicht allzu häufig genossen.

Der Vierzehnjährige, der zu seiner

Mutter und den Schwestern in seine

Geburtsstadt zurückgekommen war

und an Neujahr 1828 in die Obertertia

der hoch angesehenen Schule aufgenommen

wurde, fühlte sich vom

„Hochmuth des Schulpedantismus 1

gegängelt. Hatte er doch zuvor bereits

in der Dresdner Kreuzschule die Secunda

besucht, das lockere Studentenleben

kennen gelernt und alleine in einer

Dachkammer gewohnt. Sich auflehnend

gegen das Lehrerkollegium verbrachte

der junge Richard seine Tage

lieber mit „Nachmittagspromenaden 2 ,

auf denen er mit seinem Onkel Adolph

tiefsinnige Diskussionen führte, mit

dem Erstellen eines Trauerspiels und

erarbeitete sich mithilfe von entliehener

Fachliteratur und heimlichen Unterrichts

in Harmonielehre erste musikalische

Grundlagen. Statt der vom Knaben

erwarteten wohlwollenden Reakti-

1) Richard Wagner „Mein Leben, Band 1, Elibron Classics 2005, S. 31

2) s.o. S. 32

3) s.o. S. 47

Richard-Wagner-Festjahr 2013 (Auswahl)

22. Januar

„Richard ist Leipziger – Benefizkonzert im

Gewandhaus

13. Februar bis 26. Mai

Ausstellung „Richard Wagner – zwischen

Leipzig und Bayreuth

13. Februar und weitere Termine

„Parsifal

16. Februar und weitere Termine

Premiere „Die Feen

„Wagners Werk erzählt

Geschichten, die jeden von

uns betreffen. Welcher

Familienvater hat nicht

schon mal mit einem

pubertierenden Halbstarken

wie dem jungen Siegfried zu

tun gehabt? Wie oft sind wir

mit Fluch und Segen des

Goldes konfrontiert? Fragen,

die uns bis heute nicht

loslassen. Wagner bringt uns

auf sinnliche Art und Weise

mittels seiner Musik den

Antworten ein Stück näher.

Prof. Ulf Schirmer, Intendant und

Generalmusikdirektor Oper Leipzig

2. März und weitere Termine

„Rienzi

4. Mai und weitere Termine

Premiere „Das Rheingold

16. Mai bis 15. September

Ausstellung „Richard Wagner, Max Klinger,

Karl May – Arbeiten am Pathos

16. bis 26. Mai

Richard-Wagner-Festtage u. a. mit Ausstellungen,

Kabarettprogramm, Motetten mit

dem Thomanerchor, Orgelkonzerten im Ge-

4 | S a c h S e n . L a n d v o n W e L t .

on seiner Familie auf sein erstes Stück,

sah sich Richard jedoch – wegen der

von ihm gemachten Schulden – entsetzten

Gesichtern gegenüber. Aus

Rücksicht auf Mutter und Schwestern

blieb der Junge noch einige Zeit an der

Schule, nahm jedoch „nicht die geringste

Notiz 3 von den Lehrstunden.

In den Räumlichkeiten, die Wagner

nur widerwillig besuchte, können Besucher

ab Mai 2013 eine Dauerausstellung

zu dem schwierigen Schüler besichtigen.

Das Museum in der Alten

Nikolaischule widmet sich vor allem

den Jugendjahren des späteren Meisters,

zeigt sein Leben bis 1834 und wie

ihn Leipzig, die Hauptstadt der musikalischen

Romantik im 19. Jahrhundert,

prägte. „Die Rezeption des jungen

Wagner kommt oft zu kurz, die

Forschung hat da noch große Defizite

und Leipzig als seine Geburtsstadt die

Verpflichtung, gerade diese Zeit darzustellen,

so Dr. Wolfgang Hocquél,

Geschäftsführer der Kulturstiftung

Leipzig. „Als Wagner von Leipzig wegging,

war er ein fertig ausgebildeter

Komponist, diese Entwicklung ist faszinierend.

Wer heute durch die Messe- und Handelsstadt

bummelt, kann den „WagnerWegen

in Leipzig folgen. Die vom

wandhaus, Richard-Wagner-Ballett-Abend,

Klaviermatinee & Lesung sowie Geburtstagskonzerten

(16./17. Mai), „Parsifal am

Völkerschlachtdenkmal (17. Mai), „Das

Rheingold (18. Mai), „Die Meistersinger

von Nürnberg (19. Mai), „Die Götterdämmerung

(22. Mai), „Die Feen (24. Mai),

„Das Liebesverbot (24./26. Mai), „Rienzi

(25. Mai), „Der Fliegende Holländer (26.

Mai) und Festakt (22. Mai)

18. bis 22. Mai

Internationaler Richard-Wagner-Kongress


Die 1956 bis 1960 erbaute Oper Leipzig wurde mit den „Meistersingern eröffnet, während der Wagner-Festtage gibt es Hausführungen.

„Richard Wagner kann

ein Anreiz für junge Leute

sein, dass man es zu etwas

bringen kann, auch wenn

man nicht die besten

Voraussetzungen hat.

Dr. Wolfgang Hocquél, Geschäftsführer

Kulturstiftung Leipzig

Richard-Wagner-Verband Leipzig herausgegebene

Broschüre arbeitet liebevoll

jedes Detail des Lebens des großen

Musikers in seiner Heimatstadt auf.

Da kommt man beispielsweise an die

Stelle, an der Richard am 22. Mai 1813

geboren wurde, zur Thomaskirche, in

der er seinen Namen erhielt, und zum

Richard-Wagner-Platz, an dem einst

das Stadttheater stand, in dem eine

Aufführung des „Fidelio mit Wilhelmine

Schröder-Devrient den 15-Jährigen

in seinem Wunsch bestärkte, Musiker

zu werden. Auch die Universität,

die er als Student der Musik besuchte,

das Hôtel de Pologne, in dem Wagner

mit Heinrich Laube und den Ideen des

„Jungen Deutschland in Berührung

kam, sowie das Grab seiner Mutter am

Alten Johannisfriedhof sind Stationen

des Stadtrundgangs, der die Sehenswürdigkeiten

Leipzigs mit dem Leben

Wagners verknüpft. Auf dem Augustusplatz,

auf dem heute die Leipziger Oper

steht, versöhnte sich Richard Wagner

im ehemaligen Neuen Theater nach

der erfolgreichen Aufführung des

„Rings von Angelo Neumann 1878

mit seiner Heimatstadt, der er lange

Zeit vorgeworfen hatte, seinen Werken

qualitativ nicht gerecht zu werden.

„Richard ist Leipziger…, ist man sich

seit einigen Jahren wieder stolz bewusst

und will den berühmten Sohn abermals

mit einem Denkmal ehren – auch

wenn dieses bei einigen umstritten ist

und Widerstände erzeugt, wie einst die

Schulzwänge bei dem angehenden

Komponisten.

Leipzig Tourismus und

Marketing GmbH

Informationen, Reiseangebote

und Zimmerreservierungen

Tel. +49 (0) 341 71 04 26 5

www.leipzig.de

www.richard-wagner-leipzig.de

5 | S a c h S e n . L a n d v o n W e L t .

Wagner-Menü im Weinstock

Auf der dem Königshaus, in dem der

junge Richard bei seinem Onkel Adolph

Wagner wohnte, gegenüberliegenden

Stirnseite des Marktes kann man sich

ein Wagner-Menü schmecken lassen.

Gritt Englert und ihr Team tischen hier

drei oder fünf Gänge auf, die sich

wohlhabende Bürger auch zu Zeiten des

Komponisten hätten munden lassen

können – liebevoll und innovativ

angerichtet und von köstlichen Weinen

aus dem hauseigenen Keller begleitet:

Bitterkräutersuppe mit Flusskrebsen und

Croutons, Mett auf Sauerbrot mit Wachtelei,

Ochsenfleisch in Kapern-Senfsauce,

Geflügel und Allerlei sowie

Bierschaum mit Baiserbröseln.

www.restaurant-weinstock-leipzig.de


Müglenz

2

Wenn Vergangenheit die Zukunft rettet

„Bei der Kreuzung mit dem Baum

nach links, Sie sehen rechts den Turm

der Kirche, dann den Feldweg, die

Sackgasse entlang, schon sind Sie

da… – inmitten der grünen Hügel

und blühenden Felder weist der Kirchturm

von Müglenz zusammen mit den

Erläuterungen von Pfarrer Schmidt

den Weg. Die Autotür fällt zu, danach

herrscht nur noch idyllische Ruhe, die

Blätter der mächtigen Eiche, die den

Blick auf die Kirche verdeckt, rascheln,

Vögel zwitschern. Hier also hat der

Großvater von Richard Wagner eine

„wunderschöne Kindheit verbracht –

sich das vorzustellen, fällt leicht.

Im Pfarrhaus ist Klaus-Peter Schmidt

dabei, nach Dokumenten und Unterlagen

zu suchen. Als er 1991 als Pfarrer

nach Müglenz kam, war die Kirche nur

teilweise renoviert. Aus den Altarfenstern

waren die Bleiverglasungen gebrochen,

Falken und Eulen flogen ein und

aus und nisteten im Inneren. „Die Gemeinde

hatte sich mit dem Bau bereits

verausgabt, ich rechnete nach, dass es bei

dem Spendenaufkommen noch an die

30 Jahre dauern würde, bis genug Geld

da wäre, um die Fenster, die Orgel und

die Patronatsloge zu restaurieren. In alten

Büchern und Kirchenaufzeichnungen

hatte Pfarrer Schmidt gelesen, dass

Samuel Wagner als Schulmeister, Kantor

und Organist einst dort wirkte, wo

nun er verantwortlich war und sein Sohn

Gottlob Friedrich, der Großvater von

Richard Wagner, hier zur Welt kam.

Mit diesem Wissen wandte sich Schmidt

an die Leipziger Volkszeitung, die im

April 2001 vom „verlassenen Wagnerdorf

ohne Wagnerianer berichtete.

„Richard Wagner war für

mich ein Revolutionär.

Klaus-Peter Schmidt, Pfarrer von Müglenz

Im 240 Kilometer südlich gelegenen

Bayreuth flatterte dieser Artikel Wolfgang

Wagner auf den Tisch und bei

Pfarrer Schmidt klingelte eines Abends

das Telefon. „Peter Emmerich, der

Pressesprecher der Festspiele war dran

und meinte, der Enkel von Richard

Wagner würde sich gerne mit mir unterhalten

und vorbei kommen. Einige

Bewahrte Idylle: Wagners Vorfahren lebten in Müglenz, heute ist dort Pfarrer Schmidt für die Kirchengemeinde verantwortlich.

6 | S a c h S e n . L a n d v o n W e L t .

Tage später stand der damalige Leiter

der Bayreuther Festspiele vor der Tür

des Pfarrhauses. Beide Männer waren

sich auf Anhieb sympathisch, „wir haben

uns fantastisch verstanden, waren

auf einer Wellenlänge. Schmidt zeigte

Wagner die Kirche, in der seine Vorfahren

arbeiteten, erklärte ihm, was daran

noch renoviert werden musste.

Die Hilfestellung aus Bayreuth ließ

nicht lange auf sich warten. Eine Urkunde

im Büro von Pfarrer Schmidt erzählt

von dem Sonderkonzert, bei dem

alle Mitwirkenden auf ihr Honorar verzichteten.

Mit diesem Schriftstück und

einem Scheck über 200.000,– Mark

reiste Wolfgang Wagner zusammen mit

seiner Frau Gudrun im Oktober 2001

ein weiteres Mal nach Müglenz. Das

„herzlich innige Verhältnis, die

Freundschaft zwischen Schmidt und

dem Wagner-Enkel, blieb bis zu dessen

Tod bestehen. Wenn heute die liebevoll

restaurierte Orgel erklingt, denkt der

Müglenzer Pfarrer oft an ihren berühmten

Retter und an die Gänsehaut, die

ihm Richard Wagners Musik auf der

Trauerfeier verursachte.


Kulturelles und musikalisches Juwel: die sächsische Landeshauptstadt ist eng mit Wagner verknüpft.

Dresden

3

Wagners Wirkungsstätte an der Elbe

Fünf Kinder und ein Hund tänzeln

über eine Brücke, aus dem Wald treten

festlich gekleidet und sich innig zugewandt,

Braut und Bräutigam, denen

weitere Gäste folgen. „Das ist ein wichtiges

Exponat der Galerie Neue Meister,

es war das erste Bild, das das Museum

erwarb. Ludwig Richter wurde

zum ‚Brautzug im Frühling‘ durch

Wagners Oper ‚Tannhäuser‘ inspiriert.

Wenn man mit Cosima Curth

durch Dresden spaziert, stößt man an

allen Ecken und Enden auf den Komponisten

– selbst in der Gemäldesammlung.

Und man entdeckt, wie

eng verknüpft das Leben von Künstlern

aus allen Bereichen war, die wir

heute eher getrennt voneinander als

berühmte Persönlichkeiten wahrnehmen.

Robert Schumann diskutierte

mit Wagner im Engelclub, ob man

„Lohengrin vertonen könne, Gottfried

Semper beteiligte sich an seiner

„Richard Wagner ist für

mich ein begnadeter Komponist

und eine ganz schwierige

Persönlichkeit, auch was seinen

Umgang mit Frauen betrifft.

Eine spannende Frage

in Bezug auf Dresden ist seine

Beteiligung an der Revolution

1849 – was ist Mythos

und Legende, was Realität?

Dr. Erika Eschebach,

Direktorin Stadtmuseum Dresden

7 | S a c h S e n . L a n d v o n W e L t .

Seite an der Mai-Revolution – später

nutzte Wagner die Ideen seines Freundes

für den Bau des Festspielhauses in

Bayreuth.

Moritzstraße, Neumarkt, Waisenhausstraße,

Prager Straße, Schlossstraße,

Töpfergasse, Marienstraße, Ostra-Allee,

Marcolini-Palais – würde man auf einer

Karte die ehemaligen Wohnorte Wagners

in Dresden markieren, der Plan wäre

übersät mit Punkten. Der Musiker

verbrachte hier prägende Jahre seines

Lebens, schöne wie auch schlechte Zeiten.

Nachdem er einen Großteil seiner

Kindheit in der Stadt an der Elbe verlebte,

kehrte Wagner als 24-Jähriger

nach Dresden zurück und wurde hier

zur Oper „Rienzi inspiriert. „Richard

Wagner hatte seine erste Frau in Bad

Lauchstädt kennengelernt, wo sie für

das Magdeburger Theater als Schauspielerin

arbeitete. Aber bereits kurz nach

der Hochzeit 1836 gab es die ersten


„Wir leisten uns zwei

Geburtstagskonzerte.

Zunächst feiern wir in

Dresden mit einem Sonderkonzert

am 21. Mai, das bis

nach Mitternacht dauert, in

den Geburtstag Wagners

hinein. Ich mache dann

etwas Ungewöhnliches, fahre

mit einem Großteil der

Staats kapelle nach Bayreuth

und dirigiere an einem Tag

zwei Konzerte. Das kennt

man sonst nicht, aber wissen

Sie, wenn Richard Wagner

200 Jahre wird, dann muss

man mal die Zähne

zusammenbeißen.

Christian Thielemann, Chefdirigent

Sächsische Staatskapelle Dresden

Richard-Wagner-Festjahr 2013 (Auswahl)

SEMPEROPER

Sonderkonzert am 21. Mai 2013

Aufführungen der mit Dresden verbundenen

Opern „Lohengrin, „Der Fliegende Holländer

und „Tannhäuser sowie „Tristan und

Isolde und Werke von Halévy und Spontini,

die Wagner inspirierten

www.semperoper.de

FRAUENKIRCHE

18. Mai 2013

„Das Liebesmahl der Apostel

„Mich fasziniert Wagner,

weil er eine unglaublich

vielseitige Persönlichkeit ist,

was seine philosophischen

und politischen Schriften

sowie seine Kompositionen

betrifft. Ich finde den

Kontrast zwischen dem

revolutionären, wütenden,

aufbegehrenden Menschen

und dem fast selbstherrlich

herrschenden Komponisten

sehr interessant.

Bis in die heutige

Zeit bewegt er Künstler,

fordert eine

Auseinandersetzung mit

seinem Schaffen heraus.

Dr. Karen Kopp, Chefdramaturgin

Philharmonie Dresden

6. Juli 2013

Wesendonck-Lieder & Siegfried-Idyll

www.frauenkirche-dresden.de

DRESDNER PHILHARMONIE

5. und 6. Juli 2013

Arien und Orchesterstücke aus

Wagner-Opern

14. und 15. September 2013

Film & Musik: Stummfilm „Richard

Wagner von 1913

www.dresdnerphilharmonie.de

8 | S a c h S e n . L a n d v o n W e L t .

„Richard Wagner ist eine

der faszinierendsten

Persönlichkeiten der

deutschen Kulturgeschichte.

Eigentlich unfassbar, wie er

zu seinen Lebzeiten ein

europaweites Netzwerk

aufbauen und so nachhaltig

alle Kunstgattungen

beeinflussen konnte. Ein

Einfluss, der bis in unsere

Gegenwart reicht. Für jedes

Opernhaus, für jeden

Künstler, der sich mit seinem

Werk neu oder wieder

beschäftigt, gibt es kaum

eine reizvollere

Heraus forderung.

Dr. Ulrike Hessler, Intendantin

Sächsische Staatsoper Dresden

DRESDNER MUSIKFESTSPIELE

25. Mai 2013

Sängerfest für Richard Wagner mit Arien

und Chören aus Wagner-Opern

www.musikfestspiele.com

STADTMUSEUM DRESDEN

27. April bis 25. August 2013

Sonderausstellung „Richard Wagner in

Dresden: Mythos und Geschichte

www.stadtmuseum-dresden.de


Eindrucksvolles Erlebnis: ein Konzert in der Dresdner Frauenkirche, hier vom MDR am 7. Juli 2012.

Querelen, Minna floh nach Blasewitz,

das heute zur Stadt Dresden gehört.

Richard lief ihr hinterher, wurde vom

Schwiegervater ‚rund gemacht‘ und las

im Blasewitzer Gasthof den Roman

‚Rienzi‘ von Edward Bulwer-Lytton,

erzählt Cosima Curth. Die Gästeführerin,

deren Vater ein großer Wagner-Fan

war und seine Tochter nach der zweiten

Frau des Komponisten nannte, hat sich

unter anderem auf „musikalische Rundgänge

spezialisiert. „Bei dem Namen

muss man sich einfach mit Wagner beschäftigen,

meint sie lachend.

Zur Aufführung des „Rienzi – von

Webers Witwe Caroline initiiert – kamen

Wagners 1842 nach Sachsen zurück

und der Umzugs-Marathon begann.

Von einer repräsentativen in eine

günstigere Wohnung und dann wieder

umgekehrt, ständige Geldnot und die

Hoffnung auf hohes Honorar waren die

Gründe für den permanenten Wechsel.

Als Hofkapellmeister war Wagners Wirkungsstätte

die Hofoper, der Vorgängerbau

der heutigen Semperoper, wo er

seine „Wunderharfe dirigierte.

Nur wenige Schritte liegen die Prachtbauten

in Dresden auseinander. Ein besonderes

Juwel ist die Frauenkirche.

„Im In- und Ausland ist

teilweise noch nicht im vollen

Umfang bekannt, wie wichtig

Dresden für Richard Wagner

war und umgekehrt. Wir

werden das Jubiläum nutzen,

um unseren Bürgern und

Besuchern in spannenden

Geschichten zu erzählen, was

Wagner hier in seinen jungen

Jahren erlebt hat, wie er die

Stadt bis heute prägen

konnte und weshalb Dresden

und das Umland als Wagnerstätte

so einzigartig sind.

Dr. Bettina Bunge, Geschäftsführerin

Dresden Marketing GmbH

9 | S a c h S e n . L a n d v o n W e L t .

Legt man den Kopf in den Nacken und

blickt in ihre in zarten Pastellfarben

leuchtende Kuppel, könnte normalen

Menschen schwindlig werden – Wagner

hatte dabei einen genialen Einfall:

Für das Musikfest der sächsischen Männergesangvereine

1843 konzipierte er

„Das Liebesmahl der Apostel, in dem

100 Orchestermusiker im runden Kirchenschiff

spielten und 1.200 Sänger

auf den Emporen standen. „Wagner

war von der Idee, dass der Gesang von

oben kam, fasziniert. Viele Wissenschaftler

sind der Meinung, dieses Erlebnis

spiegle sich dann im ‚Parsifal‘ wider,

berichtet Cosima Curth. „Ich habe

vor einigen Jahren das ‚Liebesmahl‘ mit

nur 225 Sänger gehört und gedacht, die

Frauenkirche fliegt auseinander, so

Wagner-Experte Thomas Krakow über

den imposanten Klang. Im Jubiläumsjahr

2013 steht wieder ein derart eindrucksvolles

Schauspiel an, wenn die

Komposition unter Leitung von Christian

Thielemann erklingt und Mauern

und Zuhörer zum Zittern bringt.

Dresden Tourismus GmbH

Tel. +49 (0) 351 50 16 01 60

www.dresden.de/tourismus


Hosterwitz

„Kein Wagner ohne Weber

Webers Arbeitszimmer im Sommerhaus

4

Bedeutende Künstlerpersönlichkeiten

beeinflussen einander, ein Genie baut

auf das andere auf, wird inspiriert, führt

Gedanken weiter, bringt sie zur Vollendung.

Richard Wagner wurde durch

Carl Maria von Weber in seinen „frühesten

Knabenjahren so schwärmerisch für

die Musik gewonnen 1 , dass er Klavierspielen

lernte, nur um die Ouvertüre des

„Freischütz zu Gehör bringen zu können.

Nicht nur die musikalische Entwicklung,

auch die Lebensumstände

Wagners wurden entscheidend durch

die Existenz Webers gelenkt. Die Witwe

des „so innig geliebten Meister(s) 2 war

es, die ihn dazu drängte, 1843 die Stelle

als Königlicher Kapellmeister in Dresden

anzunehmen, die Wagner ablehnen

wollte. Die Beschäftigung brachte ihm

zunächst erstmals das „Gefühl des Wohlgelitten-

ja Angesehenseins 3 sowie mit

1.500 Talern einige finanzielle Sicherheit

ein.

„Kein Wagner ohne Weber sag ich immer,

erzählt Dorothea Renz, die Leite-

1) Richard Wagner „Mein Leben, Band 1, Elibron Classics 2005, S. 356/357

2) s.o. S. 295

3) s.o. S. 294

4) s.o. S. 356/357

„Wagners Musik wirkt

auf mich so euphorisierend,

fast berauschend, dass ich

sie nicht jeden Tag hören

kann. So wie ich mich auch

nicht nur von Schokolade

ernähren kann.

Dorothea Renz, ehemalige Sängerin und

Leiterin des Carl- Maria-von-Weber-Museums

rin des Carl-Maria-von-Weber-Museums

in Hosterwitz bei Dresden. In dem

Sommerhäuschen, in das sich der Schöpfer

des „Freischütz abseits der Stadt, mit

seiner Familie zurückzog, erfährt man

einiges über die beiden Komponisten.

Die Bodendielen knarren im ehemaligen

Arbeitszimmer Webers, wenn man zum

Tisch vor dem Fenster geht und wie der

1 0 | S a c h S e n . L a n d v o n W e L t .

Musiker einst in den Garten blickt.

„Weber mietete die obere Etage des

Hauses, von hier aus hatte er einen freien

Blick über die Weinberge, unten zog

Jagdhund Ali einen kleinen Wagen, in

dem Sohn Max, Katze Maunse und das

Kapuzineräffchen Schnuff saßen.

Es waren glückliche Zeiten, die Familie

Weber in Hosterwitz verbrachte, bis

der 39-jährige, gesundheitlich angeschlagene

Vater gegen den Willen der

Ärzte und seiner Frau Caroline nach

London reiste, um die Uraufführung

seines „Oberon zu dirigieren – er starb

1826 auf der Insel. 18 Jahre später

sorgte der als Junge schwer vom Tod

Webers getroffene Wagner dafür, dass

die sterblichen Überreste des Komponisten

aus England nach Dresden überführt

und in einem von Gottfried Semper

entworfenen Grabmal auf dem Alten

Katholischen Friedhof beigesetzt

wurden. „Für mich hatte es eine tiefe

Bedeutung, dass ich … nun im Mannesalter

durch dieses letzte zweite Begräbniss(!)

noch einmal mit ihm wie in

persönlich unmittelbare Berührung getreten

war 4 , so Richard Wagner, der

die Trauermusik komponierte und

selbst die Rede am Grab Webers hielt.

Lage: Hosterwitz ist ein Stadtteil von

Dresden, direkt an der Elbe

Was es in Hosterwitz noch zu sehen

gibt: u. a. die Schifferkirche „Maria am

Wasser; das Keppschloss; das Blaschka-Haus

der Glaskünstler; die Dresdner

Straße mit vielen historischen Gebäuden;

den romantischen Keppgrund

Von hier aus gut erreichbar:

Schloss & Park Pillnitz, die größte

chinoise Schlossanlage Europas

Carl-Maria-von-Weber-Museum

Tel. +49 (0) 351 26 18 234

www.museen-dresden.de


Pirna/Graupa

„Sie bestand aus einem mittelgroßen,

weißgetünchten Zimmer mit primitivster

Einrichtung, in dem wir eben

gespeist hatten, einer ebenso getünchten

Kammer, knapp für zwei Betten,

einen Waschtisch und zwei Stühle ausreichend,

einer kleinen Küche und

dem Treppenflur als Musikzimmer.

Das war alles – und hier fühlte sich der

damals schon als luxuriös und verschwenderisch

verrufene Richard Wagner

so glücklich! Mit diesen Worten

beschreibt der Bildhauer Gustav Adolph

Kietz die Wohnung, die sich Wagner

für die Sommermonate 1846 in

einem Wohnstallhaus in Graupa mietete,

um sich von seiner Aufgabe als

Kapellmeister in Dresden zu erholen.

Der Komponist erhoffte sich von seinem

„Bauern-Leben, „das Musikmachen

gänzlich zu vergessen wie er in

einem Brief schrieb, doch die landschaftliche

Idylle und die Ruhe wirkten

so positiv auf ihn, dass er während

seines Aufenthalts die Musik für den

„Lohengrin skizzierte.

Bereits 1907 wurde das ehemalige Bauerngut

zur Gedenkstätte für den berühmten

Sommergast und heute widmet

sich das „Lohengrinhaus, in dem

man die nachgestaltete Stube und

Schlafkammer Wagners sieht, mit der

Ausstellung „Mein lieber Schwan vor

allem dem hier geschaffenen Werk.

Auf seinen Spaziergängen mit Hund

Peps, ist Richard Wagner wohl auch

sehr oft am nur wenige hundert Meter

entfernt gelegenen Jagdschloss vorbei

gekommen. Zwei Schwäne ziehen im

Teich vor dem Gebäude majestätisch

ihre Bahnen – im Inneren lädt das neue

Richard-Wagner-Museum ein, in die

Welt des Genies abzutauchen.

In den sechs, in Wagners geliebten kräftigen

Farben gehaltenen Räumen, nähert

man sich dem Künstler und seinem

5

Der Gralsritter aus Graupa

Werk immer mehr. Nach einer „Musik-

Dusche erlebt man zunächst die Stationen

des Komponisten in Sachsen und

Böhmen. Plötzlich sieht sich der Besucher

einem Bücherturm gegenüber,

kann es sich in einer Sitzecke gemütlich

machen und in den Werken mit mythologischen

Sagen schmökern, die Wagner

als Vorlage seiner Opern dienten.

Vom Text zum Gesamtkunstwerk: im

dritten Raum sind die zuvor erläuterten

Passagen mit Kompositionen hinterlegt

und die nächste Station widmet sich

dem Bühnenbild. So begegnet dem Besucher

plötzlich in einem Hologramm

das Geisterschiff aus dem „Fliegenden

Holländer. Den Blickwinkel des Dirigenten

einnehmen, kann man vor dem

Orchestergraben und anhand von

Lichtpunkten den verschiedenen Instrumenten

folgen, die die Partitur spielen.

Langsam in die Gegenwart zurück

gelangt man am Ende des Rundgangs,

wenn man sich mit der Rezeption Wagners

beispielsweise in der Zeit des Nationalsozialismus

oder während des

DDR-Regimes befasst.

Flucht aus der Stadt: in Graupa entspannte

sich Wagner bei Wanderungen in der Natur.

1 1 | S a c h S e n . L a n d v o n W e L t .

Schloss Hotel

Dresden- Pillnitz

Ob im Kaminrestaurant, im Winter -

garten-Café, auf der Terrasse, im

Weinkeller oder im Schloss-Biergarten:

direkt bei der malerischen Sommerresidenz

der sächsischen Könige,

serviert Familie Zepp kulinarische

Köstlichkeiten und edle Tropfen.

www.schlosshotel-pillnitz.de

Richard-Wagner-Stätten Graupa

Lohengrinhaus/ Jagdschloss Graupa:

Museum, Konzerte und Vorträge/

Richard-Wagner-Kulturpfad/ Wagner-

Denkmal im Liebethaler Grund

Tel. +49 (0) 35 01 54 82 29

www.pirna.de

www.richard-wagner-museum.de

Oben: Das neue Richard-Wagner-Museum

Unten: Wagners Wohnstube im Lohengrinhaus


Sächsische Schweiz

Bizarre Felsen, wilde Schluchten –

Bühnenbilder der Natur

Was für eine Aussicht – silbrig glitzert

die Elbe unter uns, der Fluss zieht

Schleifen durch die Landschaft. Wie

klein die Fähre, die uns von Rathen

über das Wasser gebracht hat, von hier

oben wirkt. Aus der Ferne grüßen die

sanft geschwungenen Tafelberge, allen

voran der Königstein, bekannt vor allem

für seine Festung, die lange als Gefängnis

diente. Hätte Richard Wagner an

einem Maimorgen 1849 den Gasthof in

Chemnitz gefunden, in dem er sich mit

seinen Mitverschwörern treffen wollte,

er wäre vermutlich wie Michail Bakunin

und August Röckel wegen des Aufstands

in Dresden dort inhaftiert worden.

Noch einige Minuten zwischen Wäldern

und Steinen bergauf und wir haben

die berühmte Bastei erreicht, eine

der größten Attraktionen der Sächsischen

Schweiz. Grandiose Felsen ragen

steil auf, formen Figuren und Gebilde,

die die Phantasie anregen. In unzähligen

Jahrtausenden schuf die Natur im Elbsandsteingebirge

eine Märchenwelt.

Kühl und feucht ist die Luft, die uns

beim Abstieg über die Schwedenlöcher

umgibt. Sie steigt von den bemoosten

Grandioser Ausblick: der Aufstieg wird mit einem schönen

Panorama auf die Sächsische Schweiz belohnt.

6

Felswänden auf, kleine Nebelschwaden

lösen sich von den Steinen, Wasser

sammelt sich in den Farnen, tropft hin

und wieder von den, mit gelbem

Schwefel gesprenkelten Felsdurchgängen.

Es ist düster, eng, hin und wieder

fällt ein Sonnenstrahl in die Schlucht,

grünlich gefärbt, der Himmel weit entfernt.

Und es geht weiter steil bergab.

„Ist gut, die Kulissen können nun wieder

weggeschoben werden, ist man

versucht zu sagen. So verwunschen, so

unwirklich erscheint alles um uns herum.

Kein Bühnenbildner könnte eine

mitreißendere Atmosphäre zaubern.

Es ist nicht überraschend, dass sich

zahlreiche Künstler seit jeher hier inspirieren

ließen. Maler wie Caspar David

Friedrich, Carl Gustav Carus oder

Ludwig Richter versuchten diese Landschaft

auf ihren Bildern einzufangen –

in der Galerie Neue Meister in Dresden

können die Ergebnisse bewundert

werden. Dichter wie Theodor Körner,

Hans Christian Andersen oder Theodor

Fontane beschrieben sie in ihren

literarischen Werken. Und auch auf

Komponisten hatten die Naturszenen

Anregender Anblick: die Kulissen

der Natur.

1 2 | S a c h S e n . L a n d v o n W e L t .

eine anregende Wirkung. Richard

Wagner, dem während seiner „Auszeit

in Graupa die Musik der Oper „Wilhelm

Tell, die er in Dresden dirigiert

hatte, noch in den Ohren klang, kam

auf seinen Wanderungen durch den

Liebethaler Grund wieder zur Ruhe

und konnte daraufhin die Musik für

„Lohengrin entwerfen. Heute steht an

der Lochmühle, in der der Musiker

einkehrte, das als weltweit größtes

Wagner-Monument geltende Denkmal

von Richard Guhr, das den Komponisten

als Gralsritter zeigt.

Carl Maria von Weber wanderte von seinem

Sommerhaus in Hosterwitz ebenfalls

viel in der Sächsischen Schweiz und

verarbeitete die Bilder und Eindrücke

vor allem in der „Wolfsschlucht–Szene

des „Freischütz. „Schütze, der im Dunkeln

wacht, Samiel, Samiel! Hab Acht!

Steh mir bei in dieser Nacht, bis der

Zauber ist vollbracht! – Kaspars Kugelsegen

klingt vor den hoch aufragenden

Felswänden, in denen Greifvögel nisten,

noch wesentlich bedrohlicher als in einem

Theaterhaus. Seit mehr als 70 Jahren

machen sich die Landesbühnen

Sachsen die natürliche Kulisse des Rathener

Wehlgrundes zunutze und spielen

in den Sommermonaten auf der Felsenbühne

in einer beeindruckenden Szenerie

unter anderem den „Freischütz.

Der Sänger und Musik- und Theaterwissenschaftler

Guido Hackhausen

spielt seit einigen Jahren den Jägerburschen

Max und erzählt von den sportlichen

Herausforderungen, die die Felsenbühne

den Darstellern abverlangt.

Eine steile Treppe hoch – singen –

runter – singen, „da werden ganz andere

Wege zurückgelegt als sonst auf der

Bühne. Vor jeder Probe und Vorstel-


Theater unter freiem Himmel: der „Freischütz auf der Felsenbühne Rathen ist etwas Besonderes – für Zuschauer und Darsteller.

lung müssen zunächst auch einige hundert

Meter bergauf zurückgelegt werden,

bis man das Bühnengelände mitten

im Wald erreicht, hinzu kommen

Aufführungen auch bei widriger Witterung

– das erfordert Leidenschaft bei

Schauspielern, Orchester und allen

Mitwirkenden, doch die einzigartige

Atmosphäre macht alles wett. „Wenn

es dämmert und die Felsen sich in

amorphe Strukturen verwandeln, das

ist ein ganz besonderes Erlebnis.

Im Wagner-Jahr planen die Landesbühnen

Sachsen unter anderem einen

Wagner-Verdi-Abend, ein Chorkonzert

mit Wagner-Stücken und nehmen

„Das Liebesverbot ins Repertoire (Premiere

am 8. Dezember 2012 in Radebeul,

mehrere Aufführungen und Gastspiele

u.a. in Bad Elster). „Wir werden

zeigen, dass Wagner auch in einem klei-

„Wagner ist ein Künstler,

an dem man sich immer

wieder reibt, den man

ständig neu entdeckt.

Guido Hackhausen, Tenor und

Musik- und Theaterwissenschaftler

1 3 | S a c h S e n . L a n d v o n W e L t .

nen Theater funktioniert und spannend

ist, nicht nur in einem großen

Haus, denn Wagner selbst wollte ja,

dass die Leute nah am Bühnengeschehen

sind, so Hackhausen, der die Rolle

des Claudio spielen wird. Auf seinem

Wunschzettel stehen auch noch die

Wagner-Partien des „Siegmund und

„Walter von Stolzing, „musikalisch

sehr anspruchsvoll, schön zu singen

und revolutionäre Charaktere.

Tourismusverband Sächsische Schweiz

Tel. +49 (0) 35 01 47 01 47

www.saechsische-schweiz.de

www.nationalpark-saechsische-schweiz.de

Landesbühnen Sachsen

Tel. +49 (0) 351 89 54 0

Felsenbühne Rathen

Tel. +49 (0) 350 24 77 70

www.dresden-theater.de


Chemnitz

7

Wagners Schicksalsstadt

Mehr als 100 Jahre alt und eine der modernsten Bühnen Deutschlands: die Oper Chemnitz.

„Was wäre aus der Musikgeschichte

geworden, wenn Richard Wagner

nach dem Dresdner Mai-Aufstand

verhaftet und 15 Jahre auf der Festung

Königstein eingekerkert worden wäre?,

diese Frage stellt sich Volkmar

Leimert, Dramaturg der Oper Chemnitz

von 1967 bis 2005 hin und wieder.

„Als Wagner 1849 steckbrieflich

gesucht wurde, floh er mit Minna

nach Chemnitz, wo seine Schwester

Clara lebte. Ihr stand er sehr nahe, vertraute

ihr sogar seine Liebesgeschichte

mit Mathilde Wesendonck an. Er ließ

seine Frau in der Obhut Claras, die

nach Problemen mit ihrer Stimme in

der Schönherr Fabrik in Chemnitz arbeitete,

und erfuhr dort durch seinen

Schwager, dass einige seiner Mitverschwörer

bereits festgesetzt waren. Seit

dieser Zeit ist Chemnitz sehr stark mit

Wagner verbunden, auch wenn nach

seiner Amnestie 1862 nur noch zwei

Besuche des Komponisten in der Stadt

belegbar sind.

Die Chemnitzer sind Wagner immer

treu geblieben und haben sich mit Hingabe

den Stücken des Komponisten gewidmet,

so dass sich für die Stadt in den

20er Jahren des 20. Jahrhunderts unter

der Intendanz des jüdisch stämmigen

Richard Tauber der Beiname „sächsisches

Bayreuth herausbildete. „So viel

wie hier Wagner gespielt wurde, mit solcher

Begeisterung, das ist einmalig. Diese

Tradition hat sich bis in die DDR-

Zeit gehalten, bis sich mit den Vorstellungen

von Walter Felsensteins realistischem

Musiktheater, die Art und Weise

Theater zu spielen, änderte. Nach der

Wende haben wir uns wieder verstärkt

Richard Wagner zugewandt. Ich habe

nach historischem Material gesucht, wir

knüpften an die Tradition, die Chemnitz

wichtig war an. Mit Erfolg, denn

im Jahr 2000 wurde der komplette

„Ring der Nibelungen zum ersten Mal

in den neuen Bundesländern auf die

Bühne gebracht. In der Stadt, in der

sich das Schicksal Wagners entschied.

1 4 | S a c h S e n . L a n d v o n W e L t .

„Wagner ist für mich immer

ein Ansporn gewesen. Je mehr

man sich mit ihm beschäftigt,

es wird immer komplizierter,

aber auch spannender. Er

hat in unglaublich viele

Ecken hinein geleuchtet.

Volkmar Leimert, ehemaliger

Dramaturg Oper Chemnitz

Opernhaus Chemnitz:

Wagner-Festwoche

1./9. Juni 2013

Premiere von „Parsifal

30. Mai 2013

Wiederaufnahme des „Tannhäuser

2. Juni 2013

Wiederaufnahme von „Tristan

und Isolde

Was es in Chemnitz noch zu sehen gibt:

u. a. den Theaterplatz; den Kaßberg, eines

der größten zusammenhängenden Gründerzeit-

und Jugendstilviertel Europas; die

Kunstsammlungen mit der deutschlandweit

zweitgrößten Sammlung des Expres sionis ten

Schmidt-Rottluff; das Museum Gunzenhauser

mit Werken von Otto Dix; den

Schlossberg; die Villa Esche von Henry van

de Velde; die Burg Rabenstein

www.chemnitz-tourismus.de

Städtische Theater Chemnitz GmbH

Tel. +49 (0) 371 69 69 5

www.theater-chemnitz.de


Oederan

8

In der Heimat von Senta, Elsa und Fricka

Gut zehn Zentimeter dick, mehrere

Kilo schwer, abgegriffen und mit Flecken

aus den letzten 200 Jahren übersät

– Kantor Christian Liebscher wuchtet

das Taufregister von 1807 bis 1824

aus dem Archiv. Nach einigem Blättern

und Suchen findet sich zwischen

all den, mit Tinte in schnörkeliger

Schrift gemalten Einträgen der Beweis:

am 8. Oktober 1809 wurde Christiana

Wilhelmine Planer in der Stadtkirche

in Oederan getauft. Die Silbermann-

Orgel tönte durch das Kirchenschiff,

während das Baby von Pfarrer Josef

Friedrich Thierfeld seinen Namen erhielt.

Ob Minna wie viele kleine Täuflinge

bei der Zeremonie weinte, wissen

wir nicht. In ihrem weiteren Leben

zeigte sie Durchhaltevermögen, auch

in widrigen Situationen.

Bereits als kleines Mädchen fertigte sie

filigrane Wollhaken, die ihr Vater für

die Weber und Tuchmacher in der Region

erfunden hatte, um damit die

Spurensuche in der Kirche von Oederan: Minna Planer, die erste Ehefrau Wagners, wurde hier geboren und getauft.

1 5 | S a c h S e n . L a n d v o n W e L t .

Existenz der Familie zu sichern. „Sie

wusste aus Nichts etwas zu machen,

selbst für ihren Lebensunterhalt zu sorgen,

das war auch später in ihrer Ehe

mit Richard Wagner so, erzählt Erika

Wünsch, Kulturverantwortliche der

Stadt Oederan. Erst in den letzten Jahren

wird der ersten Ehefrau des Komponisten

etwas mehr Aufmerksamkeit

gewidmet, lange Zeit war sie in den Büchern,

die sich mit Wagner befassten,

nur eine Randfigur. Dabei hat sie für

einige weibliche Rollen wie die Senta,

Elsa oder Fricka als Vorlage gedient

und musste während ihrer Ehe mit einigem

fertig werden: mit finanziellen

Sorgen, der Flucht vor Gläubigern und

drohender Haft sowie mit der Untreue

ihres Mannes. Wer ihren Spuren folgen

will, kann ihren Geburtsort Oederan

und ihr Grab auf dem Alten Annenfriedhof

in Dresden besuchen.

Lage: Oederan liegt ca. 55 km südwestlich

von Dresden und 22 km östlich von

Chemnitz im Silbernen Erzgebirge

Was es in Oederan noch zu sehen gibt:

u. a. den Marktplatz und die Altstadt;

den weltweit ältesten Miniaturpark

Klein- Erz gebirge Oederan; das

web Museum, eines der modernsten

Weberei-Museen Deutschlands

mit Mitmach-Konzept (Textil- und

Druck kurse); Wagner-Denkmal im

Stadtpark

Von hier aus gut erreichbar:

Schloss Augustusburg; Talsperre

Kriebstein; Burg Scharfenstein

Stadtinformation Oederan

Tel. +49 (0) 372 92 27 128

www.oederan.de

monatliche Konzerte auf der

Silbermann-Orgel

www.kirche-oederan.de


Markneukirchen

Wenn im „Ring der Nibelungen das

Walhall-Motiv erklingt, Hunding erscheint

oder die Walküre den nahen

Tod Siegmunds verkündet, erklingt

das wirkungsvolle Quartett der Wagner-Tuben.

Um die düstere Stimmung

zu betonen, wollte der Komponist ein

dunkelgefärbtes Blechbläserregister,

das als Bindeglied zwischen den Hörnern

und Posaunen fungieren sollte

und ließ um 1870 zwei Tenortuben in

B und zwei Basstuben in F herstellen.

Ob diese Instrumente im 100 Kilometer

von Bayreuth entfernten Markneukirchen

produziert wurden, ist nicht

überliefert, doch wahrscheinlich, war

doch das Vogtland um die Jahrhundertwende

der Großlieferant, der komplette

Orchester und Musikchöre ausstattete

und einen Großteil des weltweiten

Bedarfs an Musikinstrumenten

deckte. „Markneukirchen ist nach wie

vor das Zentrum des deutschen Orchesterinstrumentenbaus.

Hier gibt es

eine einmalige Konzentration von

Herstellern fast aller Musikinstrumente,

man findet Werkstätten von Kunsthandwerkern

neben mittelständischen

Manufakturbetrieben mit globalem

Absatz, erläutert Dr. Enrico Weller,

der seit zwanzig Jahren die Tradition

seiner Heimatstadt erforscht.

9

Paradies für Musik-Liebhaber

Bad Elster feiert 2013 Wagner und Verdi

In der Kultur- und Festspielstadt Bad

Elster, ca. 12 km von Markneukirchen

entfernt, stehen jährlich rund 100 verschiedene

Produktionen von Konzerten

bis Kabarett in sieben historischen

Spielstätten auf dem Programm.

Vor allem beim Musik theater hat der

traditionsreiche Kurort ein breitgefächertes

Repertoire. Gast- Ensembles

wie beispielsweise von den Landesbühnen

Sachsen sorgen für viel Abwechslung

und eine sehr hohe Qualität.

„Wenn man einmal intensiv

in die Welt Wagners ein -

gedrungen ist, lässt sie einen

nicht mehr los! Seine Musik

aufzuführen, bedeutet für

mich weit mehr als sie ‚nur‘

zu dirigieren: Richard

Wagner ist ein Quell

unerreichbarer Emotion

und Inspiration!

Florian Merz, Generalmusikdirektor und

Intendant König Albert Theater Bad Elster/

Chursächsische Philharmonie Bad Elster

2013 feiert man das Wagner-Verdi-Jahr

u.a. mit folgenden Veranstal tungen:

27. Januar

Festkonzert im Kerzenschein

1. Februar

Berühmte Opernchöre von

Wagner & Verdi

13. Februar

Serenade zu Wagners Todestag

1 6 | S a c h S e n . L a n d v o n W e L t .

Wie entstand dieser Musikwinkel

Deutschlands, ein Fleckchen Erde, an

dem nahezu jeder Einwohner musikalisch

oder zumindest von der Musik begeistert

ist? In den die berühmtesten

Musiker pilgern, der Yehudi Menuhin

ebenso gesehen hat wie Mitglieder von

Rockbands? „Während des Dreißigjährigen

Kriegs siedelten sich die ersten

Geigenbauer hier an, zwölf Meister

gründeten 1677 eine Geigenmacher-

Innung, erzählt Heidrun Eichler, Direktorin

des Musikinstrumenten-Museums

von Markneukirchen. Nach und

nach zog der Ort wie ein Magnet immer

weitere Instrumentenbauer an,

hinzu kamen wichtige Gewerke wie

Schallstückmacher, Saitenhersteller

oder Halsschnitzer. Stilvolle Villen und

repräsentative Bürgerhäuser zeugen von

der Bedeutung und dem wirtschaftlichen

Erfolg der Region, wobei am

meisten die „Fortschicker genannten

Händler profitierten und die prächtigsten

Häuser hatten. Noch heute sind

rund 1.200 Menschen in 113 Betrieben

mit der Herstellung klingender Kunstwerke

beschäftigt.

Und die Erlebniswelt Musikinstrumentenbau

ermöglicht es Hobbymusikern,

einen Blick in diese Werkstätten zu

werfen, zu sehen, wie beispielsweise aus

1. Mai

Symphoniekonzert Wagner & Bruckner

22. bis 24. Mai

Wagner-Tage mit Festkonzert „Alles Gute

Richard! und „Das Liebesverbot

8. Juni

Orchesterkonzert Schumann & Wagner

7. September bis 13. Oktober

Chursächsische Festspiele: Wege um

­Wagner­&­Verdi­•­www.chursaechsische.de


Künstler ihres Fachs: in Markneukirchen arbeiten 1.200 Instrumentenbauer, die auch mal eine Riesen-Tuba fertigen.

einem Stück Blechrohr eine Posaune

entsteht und mit den Produzenten ins

Gespräch zu kommen. „Es ist für die

Gäste sehr eindrucksvoll, wenn sie erfahren,

wie Instrumente maßgeschneidert

werden können, so Franz Bilz

vom Verein Musicon Valley, der komplette

Reisen für Interessierte zusammenstellt.

„Ein Mundstückmacher

schaut sich die Zähne und Lippen an

und das Instrument spielt sich fast wie

von alleine, denn Erfahrungswerte wurden

über die Generationen hinweg weitergegeben.

Die Meister nehmen sich

Zeit und fachsimpeln mit den Musikern,

es ist ein Erfahrungsaustausch

auch für die Instrumentenmacher.

Gut drei Monate dauert es, bis Ekkard

Seidl aus Fichten-, Ahorn und Ebenholz

eine Violine gefertigt hat. „Die Wölbung

und Ausarbeitung von Decke und Boden

sowie die Höhe der Zargen spielen

für den Klang eine entscheidende Rolle,

so der Geigenbaumeister. „Es sind

subtile Dinge, die den Unterschied ausmachen

und zu hören sind. In seiner

kleinen Werkstatt, in der es nach Holz

duftet, erfährt der Besucher auch, dass

ein unlackiertes Instrument vom Klang

am besten wäre, der Lack zum Schutz

aber nötig ist. Als Seidl vor einiger Zeit

mit Kollegen zusammen beim Feierabendbier

saß, hatte er die Idee, ein

überdimensionales Instrument als

Wahrzeichen des Musikwinkels zu bauen.

Zum 650. Geburtstag von Markneukirchen

im Jahr 2010 stemmten 15

Meister ihres Fachs das Projekt und bauten

eine spielbare Riesengeige, die sieben

Mal so groß wie eine normale Violine

ist. 4,27 Meter lang und 131 kg schwer,

benötigt sie drei Spieler: einen für die

Saiten und zwei, die den 5 m langen und

15 kg schweren Bogen führen. „Die

Schritte müssen dabei vorher auf dem

Boden mit Strichen markiert werden,

berichtet Ekkard Seidl von der speziellen

Choreografie, die nötig ist, um die eigens

für diese Geige komponierte Rhapsodie

zu spielen. Auch die Metallblasinstrumentenbauer

haben vor kurzem ein

Riesen-Instrument gefertigt: eine Tuba,

1 7 | S a c h S e n . L a n d v o n W e L t .

bei der alle Teile doppelt so groß sind,

die insgesamt 50 kg schwer ist und von

mehreren Menschen transportiert werden

muss. „Es ist wie ein 100-Meter-

Lauf in sechs Sekunden, vergleicht

Prof. Jörg Wachsmuth von den Dresdner

Philharmonikern das Spielen auf der

Riesen-Tuba, für die elf Meter Rohr benötigt

er viel Atem. Beide Riesen-Instrumente

können im Musikinstrumenten-

Museum in Markneukirchen bewundert

werden, das in seinem großen Fundus

auch Wagner-Tuben beherbergt.

Tourismusverband Vogtland

Tel. +49 (0) 3744 18 88 60

www.vogtlandtourist.de

Erlebniswelt Musikinstrumentenbau

Musicon Valley

Tel. +49 (0) 374 22 40 29 40

www.erlebnisweltmusikinstrumentenbau.de

Musikinstrumenten-Museum

Tel. +49 (0) 374 22 20 18

www.museum-markneukirchen.de


Zeittafel

Richard Wagner in Sachsen

22. Mai 1813

Geburt in Leipzig

16. August 1813

Taufe in der Thomaskirche in Leipzig

1814

nach dem frühen Tod des Vaters, Umzug mit

Mutter und Schwestern zum Stiefvater Ludwig

Geyer (gest. 1821) nach Dresden; nach

Adoption bis 1828 Richard Geyer

1822

Aufnahme in die Dresdner Kreuzschule

1826

Richard lebt allein in Dresden während

seine Familie in Prag ist

1827

Konfirmation in der Dresdner Kreuzkirche

Weihnachten 1827

Wagner folgt Mutter und Schwestern nach

Leipzig

1828–1830

Besuch der Nicolaischule in Leipzig, Besuch

von Gewandhauskonzerten; heimlicher

Kompositions-Unterricht

1829

Entschluss, Musiker zu werden nach Besuch

von Beethovens „Fidelio mit Wilhelmine

Schröder-Devrient in der Hauptrolle

1830

Aufnahme in die Thomasschule; Teilnahme

an polit. Unruhen

1831

Immatrikulation als Student der Musik an

der Universität Leipzig; Auseinandersetzung

mit dem polnischen Freiheitskampf

Frühjahr 1832

Thomaskantor Christian Theodor Weinlig erklärt

Wagners Musik-Unterricht für abgeschlossen;

Komposition der Sinfonie C-Dur

1834

Wagner (seit 1833 Chordirektor in Würzburg)

kehrt für 6 Monate nach Leipzig zurück; Bekanntschaft

mit dem „Jungen Deutschland

Engagement in Magdeburg; Wagner lernt

die aus Oederan im Erzgebirge stammende

Minna Planer kennen; Hochzeit 1836 in

Königsberg

1837

Wagner folgt seiner ersten Ehefrau Minna

nach einer Ehekrise nach Dresden;

Inspiration zu „Rienzi

1842

Rückkehr von Paris nach Dresden,

Uraufführung des „Rienzi

1843–1849

Königlich Sächsischer Hofkapellmeister

1843

Uraufführung von „Der Fliegende Holländer;

Dirigent der Dresdner Liedertafel; Uraufführung

„Das Liebesmahl der Apostel in der

Frauenkirche; Beginn der Freundschaft

mit Semper

1844

Trauermarsch und Rede für Webers

Begräbnis in Dresden

1845

Uraufführung von „Tannhäuser am

Dresdner Hoftheater

1846

Urlaub in Graupa; Wanderungen in der

Sächsischen Schweiz; Arbeit am

„Lohengrin

1847

Interesse an den polit. Ereignissen des

Vormärz; Idee der „Ring-Tetralogie

1848

Tod von Wagners Mutter in Leipzig; Beginn

der Freundschaft mit Liszt; 300-jähriges

Kapelljubiläum; erste Entwürfe zum „Ring

1849

Teilnahme am Dresdner Mai-Aufstand;

Wagner wird steckbrieflich gesucht;

Flucht in die Schweiz

1856

Wagners Gnadengesuch an König Johann

von Sachsen wird abgelehnt

1 8 | S a c h S e n . L a n d v o n W e L t .

1862

Amnestie auch für Sachsen; Wagner dirigiert

in Leipzig das Vorspiel der „Meistersinger;

Besuch in Dresden

1866

Tod Minna Wagners in Dresden

1868

Wagner lernt in Leipzig Friedrich Nietzsche

kennen

1871

Wagner wirbt in Leipzig erstmals für die

geplanten Bayreuther Festspiele

1873

Wagner und seine zweite Ehefrau Cosima

besuchen Dresden

1878/1879

Aufführung des „Ring der Nibelungen in

Leipzig durch Angelo Neumann; Versöhnung

Wagners mit seiner Heimatstadt

1881

Besuch mit Cosima und den Kindern Eva

und Siegfried in Dresden; Besuch in Leipzig

zu Verhandlungen über „Ring-Tournee mit

Neumann

Zeitgenossen in Sachsen

(Auswahl)

Caspar David Friedrich (1774–1840)

Fürst von Pückler-Muskau (1785–1871)

Friedrich Brockhaus (1800–1865)

Gottfried Semper (1803–1879)

Ludwig Richter (1803–1884)

Heinrich Brockhaus (1804–1874)

Heinrich Laube (1806–1884)

Felix Mendelssohn Bartholdy (1809–1847)

Robert Schumann (1810–1856)

Franz Liszt (1811–1886)

Clara Schumann (1819–1896)

Hans von Bülow (1830–1894)

Friedrich Nietzsche (1844–1900)

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