Volles Rohr Salzburg Gesucht – gefunden - ALPINE Bau GmbH

alpine.at

Volles Rohr Salzburg Gesucht – gefunden - ALPINE Bau GmbH

PROJEKT

Volles Rohr

1.2012 // Das Konzern-Magazin von ALPINE

UNTERNEHMEN

Gesucht gefunden

CITY PORTRAIT

Salzburg


Schnittstelle zwischen Alt und Neu

SEITE 14


1.2012

Andreas Eder

ALPINE Marketingleitung

Editorial

Liebe Leserinnen und Leser,

ich war in letzter Zeit ein paar Mal krank. Und damit meine ich wirklich krank, also mit

Bettruhe, Medikamenten und Fieber. Dabei bin ich nie krank. Es ist Jahre her, ich kann mich

gar nicht mehr erinnern. Möglicherweise als Kind oder Jugendlicher. Also vor sehr langer Zeit.

Und ich habe keine Ahnung, wovon ich krank geworden bin. Da es wirklich ungewöhnlich

war, war ich natürlich auch verunsichert. Gründe gibt es viele - Allergien, aggressive Viren,

der Klimawandel oder einfach Stress. Oder einer von Millionen anderen Gründen. Ich war

unsicher, ob ich einen Arzt brauche oder sogar im Krankenhaus vorbeischauen sollte. Unsicher

war ich auch, ob denn der Arzt- oder der Krankenhausbesuch unserem Gesundheitswesen

weniger Kosten verursachen würde. Wo ich doch eigentlich kerngesund bin. Letzten Endes

war ich weder da noch dort. Aber ich gebe zu, in einem Krankenhaus hätt ich gern mal wieder

vorbeigeschaut. Aber natürlich lieber nicht meinetwegen, sondern einfach nur so. Die Götter

in Weiß, hektischer Betrieb, straff organisierte Abläufe, zufriedene Patienten. So kenne ich das

aus meiner Kindheit, wo mir bedauerlicherweise der Blinddarm entfernt werden musste. Und

wahrscheinlich ist das immer noch so. Nur der Bedarf wird immer größer. Und die Gebäude

werden moderner. Die Anforderungen an Krankenhäuser und Kliniken wachsen stetig.

Genau hier kommen wir ins Spiel. Denn irgendwer muss es ja bauen. Und wie das Beispiel

des Landesklinikums Mistelbach nördlich von Wien zeigt, wird selten alles plattgemacht und

neuer, größer und schöner wieder aufgebaut. Nein, im Normalfall wird bestehende Substanz

erweitert. Klingt recht einfach. Was das aber in Wirklichkeit bedeutet, wie es den Alltag

bei laufendem Betrieb beeinflusst und wie viel Sensibilität hier gefordert ist, das sollten Sie

unbedingt lesen. Ich kann nur so viel sagen, wäre ich dort ins Krankenhaus gegangen, ich

hätte nichts gemerkt. Gott sei Dank.

Keineswegs so unauffällig verhalten sich die Dinge, wenn es um Bauverträge geht. Schon gar

nicht bei internationalen Großprojekten. Angesichts der langen Projektlaufzeiten und der unglaublichen

Dimensionen ist es kaum fassbar, dass man die Rahmenbedingungen zweier und

oft mehrerer Partner überhaupt juristisch einwandfrei zu Papier bringen kann. Aber es geht

und ist auch unerlässlich. Wie das läuft und worauf geachtet werden muss, haben wir versucht,

in dieser Ausgabe annähernd darzustellen. Und eines ist klar, ohne Spezialisten würden wir

hier richtig alt aussehen. Diese fehlen leider bekanntermaßen inzwischen an allen Ecken und

Enden. Dieser Umstand wirft viele Fragen auf. Wie gewinnt man Spezialisten für das Unternehmen,

wie hält man sie und wo findet man sie überhaupt? Wann spricht man eigentlich von

einem Spezialisten? Natürlich haben wir die Antworten. Nicht nur darauf.

Fragen Sie sich auch ab und zu, woher die Stimme aus Ihrem Handy kommt? Und damit meine

ich jetzt nicht, wenn sich jemand versehentlich auf die Wiederwahl setzt oder Ihr Nachname

mit „A“ beginnt und Sie ständig versehentlich angewählt werden. Nein, wieso kommt die

Stimme Ihrer Frau, Ihres Mannes, Ihrer Freundin oder Ihres Freundes aus dem - wie man so

schön sagt - mobilen Endgerät? Wieso ist sie manchmal glasklar und dann wieder weg? Auch

auf diese Fragen, selbst wenn Sie sich diese noch nicht gestellt haben, gibt es die Antworten in

diesem Heft. Denn Spezialisten in unserem Unternehmen sorgen dafür.

Und um sich von all den Fragen und Antworten ein wenig zu erholen, begleiten wir Sie noch

durch das schöne Salzburg. Flanieren Sie mit uns durch eine der schönsten Städte der Welt, wo

auch ALPINE seinen Firmensitz hat. Der Frühling ist übrigens eine hervorragende Jahreszeit,

um dieser Stadt einen echten Besuch abzustatten. Stichwort „Mirabellgarten“. Viel Vergnügen.

03


INTERVIEW

MARKT

PROJEKT

UNTERNEHMEN

LEBENSRÄUME

INNOVATION

CITY PORTRAIT

RESSOURCEN

//

INHALT

06 ALPINE in Bewegung Johannes Dotter stellt sich vor

10 Vom Bau für den Bau

14 Operation Krankenhaus

19 Einblicke

20 Volles Rohr

24 Container mit Aussicht

28 Gesucht gefunden

31 Expats // Singapur

32 Juchtenkäfer müsste man sein

36 Leben in alten Mauern

39 Einblicke

40 Anytime Anywhere

43 Aufgeladen

44 Salzburg zu Füßen des Mönchsbergs

47 Einblicke

Das Konzern-Magazin von ALPINE

Ausgabe 6 / April 2012

48 Zurück zur Natur

50 Erbauliches // Daumen hoch für die modernen Gladiatoren

50 Impressum

Weitere Inhalte im Web aktuell auf

INSIDE.alpINE.at

Ü


TOP-THEMEN

MARKT

Großprojekte im Ausland

Neue Vertragspartner, Unterschiede in der Mentalität und mitunter sogar

religiös verwurzelte Rechtssysteme schaffen immer neue, andere Rahmenbedingungen

für internationale Bauverträge. Diesen Faktoren müssen sich

die Bauunternehmen stellen. „Learning by Doing“ und eine Vertragsbasis

für internationale Bauverträge schaffen eine Grundlage.

10

ToTAluNTERNEhMERSchAfT

Krankenhausumbau

Es beginnt bei den Grundrissen und hört bei der Psychologie von

Menschen mit ihren unterschiedlichen Bedürfnissen auf. Beim Umbau

eines Krankenhauses muss eine Vielzahl an Faktoren berücksichtigt

werden. Vor allem wenn der laufende Krankenhausbetrieb nicht gestört

werden soll - und Zeit und Geld eine Rolle spielen.

14

uNTERNEhMEN

Spezialisten gesucht

Bereits heute fehlen in Europa quer durch alle Berufsgruppen Fachkräfte

vor allem in know-how-intensiven Branchen. Dabei bedeutet gerade

am Bau gut ausgebildetes Personal einen eindeutigen Wettbewerbsvorteil.

Unternehmen können entgegensteuern, indem sie die Besten für das

Handwerk begeistern das gelingt nicht nur mit monetären Anreizen.

28

PRoJEKTMANAGEMENT

Wellenbewegung

Über den Wolken oder besser gesagt in den Wolken sogenannten Clouds

werden in Zukunft Daten zur Verfügung stehen. Flächendeckend, auch in

den ländlichen Regionen. Dafür braucht es neue Mobilfunkstandards. Und

schlagkräftige Unternehmen, die die Infrastruktur planen und einen Rollout

umsetzen können, um eine optimale Flächenabdeckung zu erzielen.

40

cITY PoRTRAIT

Salzburg

In Schokolade getunkte Marzipankugeln, die nie eroberte Festung Hohensalzburg

auf dem Mönchsberg, zahlreiche Kulturveranstaltungen und die

kleine, fast kitschige Innenstadt samt dem Schloss Mirabell mit seinem

verspielten Garten locken das ganze Jahr über Besucher an. Im Schnelldurchlauf

erkunden lässt sich die überschaubare Innenstadt jedoch nicht.

44

05


06 // INTERVIEW

Alpine in Bewegung

JohAnnes Dotter stellt

sich vor

INTERVIEW Er will gestalten und motivieren: Der 51-jährige Baumanager

Dipl.-Ing. Johannes Dotter leitet seit Jahresanfang den ALPINE Konzern. Im Interview

spricht er über seine Ziele, Chancen für das Unternehmen und seine Freude am

Umgang mit Menschen.

// Claudia laGleR

Sie stehen seit einigen Wochen an

der Spitze des ALPINE Konzerns.

Was hat Sie in dieser Zeit am meisten

überrascht?

Die Bereitschaft zur Veränderung.

Die Menschen in diesem Unternehmen

wollen etwas bewegen.

Was hat Sie gereizt, diese Aufgabe

zu übernehmen?

Es ist sehr ehrenvoll, die Leitung

des zweitgrößten Bauunternehmens

in Österreich zu übernehmen. Ich

kann mein Wissen, meine Erfahrung

einbringen und viele Ideen

umsetzen. Es macht Spaß, gestalten

zu können.

Welche Rolle hat Ihre Familie bei

der Entscheidung gespielt?

Ich habe das Angebot natürlich mit

meiner Frau und meinen beiden

Töchtern besprochen, sie unterstützen

mich. Wenn man in einer

Führungsposition vollen Einsatz

bringen muss, ist der Rückhalt in

der Familie sehr wichtig.

Was macht das Besondere an

ALPINE für Sie aus?

Es ist die Dualität zwischen einem

in Österreich stark verwurzelten

Bauunternehmen und der Zugehörigkeit

zu einem internationalen

Konzern und dem damit verbunde-

nen Wachstum. Im Kern ist ALPINE

ein sehr gut aufgestellter Baumeisterbetrieb

mit ausgezeichnetem

Know-how.

Wo sehen Sie für den Konzern die

größten Herausforderungen?

Die Werte der ALPINE gewinnbringend

und kosteneffizient zu

arbeiten, Sparsamkeit und die

absolute Orientierung an den

Wünschen des Kunden mit den

Anforderungen eines internationalen

Konzerns in Einklang zu bringen.

Und natürlich geht es darum,

Marktentwicklungen rechtzeitig

zu erkennen und schneller zu sein

als die anderen.


08 // INTERVIEW

»Ich möchte, dass wIr unter dIe top 3

In europa kommen.«

johannes dotter

dipl.-ing. Johannes dotter wurde 1961 in Wien

geboren, er absolvierte die HTl Mödling und

danach das Studium Bauingenieurwesen

Baubetrieb und Bauwirtschaft an der Technischen

universität Wien. Seit 1987 ist er

in der Baubranche, seit Jahresanfang 2012

Vorsitzender der Geschäftsführung der alPiNe

Holding GmbH. dotter ist mit der architektin

Gabriela dotter verheiratet und Vater von zwei

Töchtern: laura und Natalie.

Mit welchen Marktentwicklungen

rechnen Sie?

Ich denke, dass wir in den Kernmärkten

Österreich und Deutschland

in den nächsten Jahren einen

rückläufigen Markt haben werden.

Die öffentliche Hand muss sparen,

es gibt weniger Geld für große

Infrastrukturprojekte. Solche Entwicklungen

bieten auch Chancen,

die wir nützen werden.

In welchen Regionen sehen Sie

Wachstumspotenzial?

In Ost- und Südosteuropa wird die

Europäische Union auch weiterhin

viel Geld für die Finanzierung der

Infrastruktur zur Verfügung stellen.

In diesen Märkten müssen wir uns

gegen lokale Mitbewerber durchsetzen

und sehr stark auf das Risikomanagement

achten. Außerhalb

Europas sehe ich im Fernen und

Mittleren Osten viele Möglichkeiten

für uns, mit Erfahrung und Spezialwissen

zu punkten. Eines ist klar:

Wir werden Chancen ergreifen,

aber sicher nicht um jeden Preis.

Für welchen Baubereich orten Sie

große Entwicklungsmöglichkeiten?

Die Verbindung des Bauens mit

Energiefragen wird immer wichtiger.

Der Umstieg auf alternative

Energieformen, der Transport von

Energie, die Nutzung von Solar-

oder Windstrom, der Ausgleich von

tageszeitlichen Schwankungen im

Verbrauch: All das sind Themen,

die viel Potenzial haben und wo

wir mit ALPINE-ENERGIE sehr gut

aufgestellt sind.

ALPINE-Gründer Dietmar Aluta-

Oltyan hat kürzlich seine Anteile

an den FCC-Konzern verkauft. Was

bedeutet das für das Unternehmen?

Das ist natürlich eine große Veränderung.

Wir müssen viel lernen, um

seine Erfahrung zu kompensieren.

Er wird uns aber auch weiterhin mit

Rat und Tat zur Seite stehen.

Welche Ziele haben Sie sich für die

nächsten Jahre gesetzt?

ALPINE soll eingebettet in den Gesamtkonzern

FCC einer der großen

Player im Baugeschäft in Mitteleuropa

sein. Ich möchte, dass wir unter

die Top drei in Europa kommen.

Das werden wir nur erreichen,

wenn wir uns auf das konzentrieren,

was wir gut können und wir

exzellent in der Ausführung sind.

Es braucht effiziente Prozesse, ein

vernünftiges Risikomanagement,

eine hohe Liquidität und die Freude

an der Weiterentwicklung.

Sie leben in Wien, ALPINE ist ein

Salzburger Unternehmen. Wird die

Zentrale auch in Zukunft in Salzburg

bleiben?

Natürlich, ALPINE bleibt ein

Salzburger Unternehmen. Es wäre

wirtschaftlich und inhaltlich unvernünftig,

daran etwas zu ändern.

Sind Sie persönlich eher ein Teamplayer

oder ein Einzelkämpfer?

Als Konzernchef muss man beides

sein: Ohne ein Team kann man

nichts bewegen. Es ist aber auch

Teil meines Jobs, Entscheidungen


allein zu treffen und sie zu verantworten.

Wie würden Sie Ihren Führungsstil

beschreiben?

Fordernd, motivierend, unterstützend,

verlässlich und mit einem

Schuss Pragmatismus.

Sie sind seit 25 Jahren in der Baubranche.

Ist es in Ihrer Karriere

immer linear nach oben gegangen

oder hat es auch Brüche und Enttäuschungen

gegeben?

Es gab Phasen, in denen es nicht so

schnell und reibungslos gegangen

ist, wie ich mir das gewünscht

hätte. Ich würde das aber eher als

Seitwärtsbewegungen beschreiben.

Es waren Zeiten, in denen ich nachdenken

und mich neu orientieren

konnte.

Sie haben Ihre Ausbildung an

einer HTL gemacht, dann an einer

technischen Universität studiert.

War es immer klar, dass Sie in die

Baubranche wollen, oder war das

eher ein Zufall?

Mein Vater war in der Baubranche

und hat mich schon als kleines Kind

oft auf Baustellen mitgenommen.

Die Erinnerung daran hat mich bewogen,

eine HTL zu machen. Nach

der Matura war ich ein paar Monate

in einem Architekturbüro. Da ist

mir rasch klar geworden, dass mich

weniger das Planerische, sondern

vor allem der Baubetrieb interessiert.

Der Fokus lag bei mir klar auf

der Wirtschaft.

Was fasziniert Sie daran?

Ich mag das Miteinander auf der

Baustelle, den Umgang mit Menschen.

Von der Planung über die

Ausführung bis hin zur Übergabe

des Objekts an den Kunden diese

Gesamtheit macht es spannend.

Sie haben zwei Töchter. Spielen sie

lieber mit Puppen oder mit Lego

Technik?

Meine Frau ist Architektin, es gibt

also eine gewisse Technikaffinität

in der Familie. Ich versuche meinen

Kindern eine breite Palette an Möglichkeiten

zu zeigen. Sie müssen

dann selbst entscheiden, wohin sie

einmal gehen wollen.

Sehen Sie einen Vormarsch der

Frauen in technischen Berufen?

Ich glaube, es ist der Zug der Zeit,

dass Frauen in diesem Bereich stark

aufholen. Ich bemühe mich, Frauen

zu fördern.

Wie verbringen Sie Ihre Freizeit?

Mit Reisen und Lesen. Und vor

allem mit meiner Familie. In den

vergangenen Jahren haben wir zu

Weihnachten immer große Reisen

unternommen. Wir waren in Australien,

in Südafrika, im asiatischen

Raum. Ich möchte meinen Kindern

etwas von der Welt zeigen und

ihnen damit neue Horizonte öffnen.

Diese gemeinsamen Reisen machen

uns allen sehr große Freude.

Und was lesen Sie gerade?

„Der Hund aus Terracotta“ von

Andrea Camilleri ist derzeit meine

Entspannungslektüre. Als Sachbuch

habe ich mit „Tatort Hypo Alpe Adria“

begonnen. Und dann lese ich

natürlich auch immer Fachliteratur,

um am Laufenden zu bleiben.

Womit kann man Ihnen Freude

machen?

Mit Engagement, Verlässlichkeit

und guten Ideen.

Und was mögen Sie gar nicht?

Unehrlichkeit.

Danke für das Gespräch! //

09


10

// MARKT

BAUVERTRÄGE Bauaufträge im Inland realisiert man meist mit

Stammpersonal, bekannten Projektpartnern und in der Regel

auf der Grundlage heimischen Rechts. Bei Baugeschäften

im Ausland werden Vertragspartner und Mentalitäten immer

wieder neu zusammengewürfelt. Mit den Gepflogenheiten,

beginnend bei Auftragsvergabe über Rahmenbedingungen bis

zur Bauabwicklung, vertraut zu werden, erfordert Zeit.

Internationale Standard-Bauverträge erleichtern die rechtliche

Auftragskomponente.

// KaRiN leGaT

VOM BAU

FüR DEN BAU


E

ine Industrieanlage in Abu

Dhabi, der Gotthard-Basistunnel

in der Schweiz,

Stadien in Polen für die Fußball-EM

oder U-Bahn-Baulose in Singapur

und in der Londoner City all das

sind aktuelle Großprojekte von AL-

PINE Bau, für die es internationaler

Bauverträge (IBV) bedarf.

„Im IBV finden sich im Wesentlichen

alle Elemente des nationalen Bauvertrags.

Es gelten jedoch andere Detailrahmenbedingungen,

beginnend

beim Arbeitsrecht und endend in der

Gewährleistung“, informiert Univ.-

Prof. Dr. Andreas Kropik von der

TU Wien, Institut für interdisziplinäres

Bauprozessmanagement.

„Wer das erste Mal in einem anderen

Land arbeitet, bezahlt im Regelfall

Lehrgeld“, zeigt Kropik auf, der neben

seiner universitären Laufbahn

ein bauwirtschaftliches Beratungsunternehmen

führt. „Wir leben nach

der mitteleuropäischen Mentalität, die

gibt es im EU-Ausland nicht, oft nicht

einmal in der EU. In Saudi-Arabien

wickeln Vertragspartner Geschäfte

anders ab als in Russland.“ Diesen

Faktoren müssen sich Bauunternehmen

stellen.

Geänderte rahmenbedinGunGen

auSSerhalb

europaS

„Es gibt Erfahrungspotenzial. Teil

des Risikomanagements muss es sein,

Vergleichsprojekte zu untersuchen,

Fehler aufzudecken und auf das eigene

Projekt umzulegen“, betont Kropik.

„Die rechtlichen Gegebenheiten sind

außerhalb Europas generell schwierig“,

ergänzt Klemens Einspieler,

Leiter der Rechtsabteilung von AL-

PINE Bau. „Teilweise sind die Systeme

sogar religiös verwurzelt, wie in der

Scharia. Die Hauptschwierigkeit ist

das Erkennen der zwingend einzuhaltenden

Rahmenbedingungen, die auch

nicht durch eine anderslautende vertragliche

Vereinbarung mit dem Auftraggeber

abbedungen werden können.

Das beginnt mit der Klärung, ob

geeignetes Personal vor Ort vorhanden

ist bzw. eigenes Personal vor Ort

gebracht werden kann und ob bzw.

wie Material und Geräte eingeführt

werden können, dem Zollsystem und

der Bezahlung. Dazu kommt auf jeder

Baustelle die kulturelle Komponente.“

Der Zusammenarbeit mit ausländischen

Vertragspartnern steht Einspieler

aufgeschlossen gegenüber.

„Generell habe ich sehr unterschiedliche

Verhaltensmuster und kulturelle

Fragestellungen erlebt. Das hängt

auch davon ab, ob öffentliche Auftraggeber

wie Ministerien und Beamte

oder private Investoren Vertragspartner

sind.“

Faktor Zeit

Bei internationalen Bauvorhaben

bildet der Faktor Zeit einen wesentlichen

Part. „Die Bauzeiten sind sehr

knapp bemessen“, informiert Einspieler.

„Wenn man sich den Lebenszyklus

eines Gebäudes ansieht, ist die

Phase von Vorplanung, Entwurf und

Projektentscheidung durch den Bauherrn

relativ lang, danach folgen die

Bau- und die Nutzungsphase. Bauherren

wollen die Bauzeit daher immer

kurz halten, weil sie nach der langen

Vorlaufzeit rasch ein nutzbares Projekt

verfügbar haben wollen.“ Hier spielt

der internationale Standardbauvertrag

F.I.D.I.C. einen seiner Vorteile

aus. „Durch Standardvertragsklauseln,

die mittlerweile internationalen

Baustandard darstellen, wird das

Handling stark vereinfacht. F.I.D.I.C.

stellt kein national vorgeschriebenes

Vertragsmuster dar, als Basis

für internationale Großaufträge wird

F.I.D.I.C.-VERTRAGSTYPEN

f.I.D.I.c. ist nicht projektspezifisch, es gibt

mehrere Vertragstypen. Ein wesentliches

unterscheidungskriterium liegt in der Planungsverantwortung.

RED BOOK die Planung wird vom auftraggeber beigestellt.

Typisches Beispiel sind laut CMS klassische

Bauprojekte.

YELLOW BOOK das Vertragsmuster ist geprägt

durch das Schlagwort design-&-Build und wird vor

allem bei elektro- und haustechnischen anlagen

eingesetzt.

SILVER BOOK der auftragnehmer ist zu funktionaler

leistungserbringung verpflichtet. das silver book

eignet sich besonders für Turnkey-Projekte.

Neben diesen drei Kernkonzepten liegt f.I.D.I.c.

in folgenden Vertragsmustern auf:

GREEN Vertragsmuster für einfachere Bauvorhaben

mit geringem auftragsvolumen und kurzer Bauzeit

WHITE regelt vertragliche Beziehungen zwischen

ingenieuren/architekten und auftraggebern

BLUE Vertragsmuster für Bauprojekte mit einsatz

von schwerem Gerät und erschwerten Witterungsbedingungen

GOLD regelt komplexe Vertragskonstellationen, in

denen Planungsleistung, Bauleistung und Betrieb

einer anlage beauftragt werden

„TEIL DES RISIKOMANAGEMENTS MUSS SEIN,

VERGLEICHSPROJEKTE ZU UNTERSUCHEN, FEHLER

AUFZUDECKEN UND AUF DAS EIGENE PROJEKT

UMZULEGEN“ Univ.-Prof. Dr. Andreas Kropik

11

F.I.D.I.C. „Red Book“

Die Vertragstypen

unterscheiden sich in der

Art des Bauvorhabens,

für das sie verwendet

werden.


12 // MARKT

es aber von immer mehr Unternehmen

genutzt. Auch mit viel Erfahrung

greift man gerne auf derartige Muster

zurück, schon allein aus dem Grund,

um nichts zu vergessen“, berichtet

Nikolaus Weselik von der Anwaltskanzlei

CMS Reich-Rohrwig Hainz.

„F.I.D.I.C.-VERTRäGE

SIND BEI UNS NOCH

NICHT SO INS BE-

WUSSTSEIN GERüCKT.

DER BERATUNGS-

BEREICH IST NOCH

LANGE NICHT ABGE-

DECKT.“ Dr. Nikolaus Weselik

bei GroSSprojekten SetZen

inveStoren auF bekannte

vertraGSmuSter

Als Vertragsschablone wird die

Genfer Norm von der Weltbank und

anderen Großfinanciers herangezogen.

„Bei Großprojekten wollen die

Investoren auf Vertragsmuster zurückgreifen,

mit denen sie schon viel

Erfahrung haben und die als sicher

30 SEC. // F.i.D.i.c. FinAnzierung unD institutionen

das ist vor allem für aufträge wichtig, die von der Weltbank und anderen multilateralen entwicklungsbanken

(eBRd) bzw. der europäischen union (iSPa) finanziert werden. Viele nationale

und multilaterale entwicklungsbanken empfehlen F.i.d.i.C.-Vertragswerke im Rahmen ihrer

Kredit- und Vergabebedingungen (siehe z. B. die SBdW der Weltbank). Solche aufträge werden

daher regelmäßig auf der Grundlage von F.i.d.i.C.-Vertragsbedingungen ausgeschrieben und

abgewickelt. F.i.d.i.C.-Vertragswerke haben als Teil der Vergabebedingungen für entwicklungshilfeprojekte,

vor allem in afrika und asien, große Bedeutung gewonnen. aber auch die europäische

union und andere einrichtungen empfehlen für die von ihnen geförderten Vorhaben

diese Vertragsbedingungen. in vielen Teilen Osteuropas, afrikas und asiens ist F.i.d.i.C. daher

Standard für Straßenbau, dammbau etc. Genutzt wird insoweit das F.i.d.i.C.-Red Book (aufmaß-

und einheitspreisvertrag). in manchen Regionen (Osteuropa) und manchen ländern (z. B.

dubai, Vietnam, abu dhabi, Qatar, Rumänien) werden inzwischen regelmäßig F.i.d.i.C.-Bedingungen

eingesetzt. Rumänien hat eine lizenz von F.i.d.i.C. erworben, um zukünftig regelmäßig

F.i.d.i.C.-Vertragsbedingungen nutzen zu können, vor allem für infrastrukturvorhaben.

Quelle: www.germanfidicseminare.de

und zuverlässig gelten“, erklärt der

Anwalt. „Wenn man auf bewährten

Vertragsvorlagen aufbaut, muss

man sich im Fall des Scheiterns eines

Projekts zudem nicht den Vorwurf

gefallen lassen, dass die falsche

Vertragsstruktur gewählt wurde. Mit

F.I.D.I.C. kann der eigentliche Vertrag

mit dem Bauherrn zudem relativ

kurz ausfallen.“ Die spezifischen

Vertragspunkte wie etwa

ein besonderes Haftungsrecht und

spezielle Dokumentationserfordernisse

werden in den particular

conditions geregelt. Die general

conditions umfassen unter anderem

die Definition der Vertragsparteien,

Regelungen über Verzug,

Gewährleistung, Leistungsänderungen,

Vertragspreis, Materialien

und technische Ausführung,

Nachtragsforderungen, Grundsätze

der Haftung, Versicherung sowie

Rechtsstreitigkeiten. Letztere werden

nicht vor nationalen Gerichten

ausgetragen, sondern vor einem

Schiedsgericht. „Die Erfahrung

zeigt, dass die ordentliche Gerichtsbarkeit

vor allem in Entwicklungsländern

nicht ausreichend entwickelt ist.

Vor diesem Hintergrund wurde eine

Schiedsklausel in den F.I.D.I.C.-Vertrag

aufgenommen.“

international riSk

Risikomanagement genießt im internationalen

Baugeschäft besondere

Bedeutung. Die Risikozutei-

lung stellt für Paul Luiki von fellner

wratzfeld partner den größten

Kernbereich dar. Das hängt mit

dem Volumen von Großprojekten

zusammen. „Oft bin ich mit ausgefallenen

Jurisdiktionen konfrontiert.

Ansprüche einzuklagen und durchzusetzen

ist bei internationalen Verträgen

noch schwieriger als im nationalen

Recht. Einen Bauprozess im

Ausland zu führen bedeutet oftmals

ein Ding der Unmöglichkeit verglichen

mit dem gut funktionierenden

österreichischen System, das in vertretbarer

Zeit zu einer Lösung führt“,

ergänzt Weselik. Entscheidend sind

zudem die unterschiedlichen nationalen

Regelungen für Haftung und

Gewährleistung. „Es gibt Länder, in

denen weitreichende vertragliche Freiheit

bezüglich der Gewährleistungspflicht

herrscht. In anderen herrschen

dagegen strikte gesetzliche Vorgaben“,

so Einspieler. „In Rumänien

gibt es etwa eine generelle 10-jährige

Gewährleistungspflicht, die vertraglich

nicht eingeschränkt werden kann.

Darüber hinaus haftet das Bauunternehmen

für strukturelle Schäden während

der gesamten Lebensdauer des

Gebäudes.“

ibv-ZukunFt

„In unserem nationalen Bauvertragsrecht

gibt es verdichtetes Know-how,

im internationalen ist man oft noch im

weniger griffigen Bereich unterwegs.

F.I.D.I.C.-Verträge sind bei uns noch


nicht so ins Bewusstsein gerückt“,

bedauert der CMS-Anwalt. In diesem

Zusammenhang verweist er auf

eine F.I.D.I.C.-Seminarreihe des

Linde Verlags. Auch das ARS, die

Akademie für Recht, Steuern und

Wirtschaft, bietet ein F.I.D.I.C.-Seminar

an. „Der Beratungsbereich ist

noch lange nicht abgedeckt“, zeigt

Weselik auf. „Das wird sich aber in

den nächsten Jahren ändern.“ Große

Bauunternehmen stützen sich

gerne auf Fachexpertisen, externe

juristische Unterstützung wird vor

allem bei spezifischen Fragen etwa

zu möglichen Rechtsstreiten oder

zur Beweissicherung beigezogen.

Neben den anwaltlichen Dienstleistungen

können Unternehmen

vertragsrelevante Informationen

ferner bei den Außenhandelsstellen

der WKO einholen. „Es empfiehlt

sich zudem, Personen mit ins Boot zu

holen, die die Lage vor Ort kennen“,

rät Kropik. „Ansässige Subunternehmer

erleichtern die lokale Auftrags-

SHORTCUT

INTERNATIoNAlE AlPINE GRoSSPRoJEKTE

abwicklung“, bestätigt Luiki. Und

Einspieler ergänzt: „Durchgängig

erforderlich ist die Kooperation mit einem

lokalen Anwalt, um eine seriöse

Einschätzung der rechtlichen Risiken

vornehmen zu können.“ Michael

Hecht von fwp hat noch einen

Tipp im Zusammenhang mit UVPs.

„Unternehmen kümmern sich immer

zu spät um Umweltverträglichkeitsprüfungen.Umweltverträglichkeitsprüfungen

(UVPs) sind natürlich eine

gewisse Routinesache. Hier müssen

rechtzeitig einschlägig ausgebildete

Fachleute herangezogen werden -

Bauexperten für Bauunternehmen.“

Einschlägige und bewährte Muster

für internationale Bauverträge gibt

es seit Jahrzehnten. //

Ü www.fidic.org

Wasserkraftwerk tsankov kamak, bulgarien:

Speicherkraftwerk mit einer 130 Meter hohen Staumauer

mit 457 m Kronenlänge //

em-Stadien, polen: drei Stadien für die Fußball-EM 2012

in Polen (Bild 1) //

donaubrücke bei beska, Serbien: Bau einer Zwillingsbrücke

zwischen Novi Sad und Belgrad (Bild 2) //

autobahnabschnitt arad nadlac lot 2,

rumänien: zweispurige Autobahn mit einer Länge von

rund 16,6 Kilometern //

tapovan vishnugad headrace tunnel (hrt),

indien: Bau des Triebwasserstollens für ein Wasserkraftwerk

in Tapovan am Fuße des Himalayas //

pinglu tunnel: Tunnelausbruch, Betonauskleidung, Verfüllung

und Injektionsarbeiten eines 25 km langen Tunnels

des Yellow River Projects //

metro delhi amel-C6, indien: Planung und Bau einer

Tunnelröhre von ca. 2,4 Kilometern Länge //

metro Singapur baulos C917 und C918, Singapur:

drei neue Metrostationen und eingleisige Metrotunnel

mit einer Länge von 5,72 km (TBM) und 445 m in offener

Bauweise //

1

2

AUSLANDSANTEIL DER BAULEISTUNG

30+ 70+

M

13

2003 30% € 556 Mio.

36+ 64+

M

2004 36% € 688 Mio.

38+ 62+

M

2005 38% € 764 Mio.

63+ 37+

M

2006 63% € 1.409 Mio.

43+ 57+

M

2007 43% € 1.123 Mio.

49+ 51+

M

2008 49% € 1.701 Mio.

52+ 48+

M

2009

2010

52%

55+45+ M

55%

€ 1.763 Mio.

€ 1.763 Mio.


14 //

PROJEKT


KRANKENHAUSBAU Ein Krankenhaus-Umbau bei laufendem Betrieb

gehört mit zu den größten Herausforderungen der Baubranche. Auch weil davon

im besten Fall niemand so richtig Notiz nehmen soll.

// MiCHael KRieSS

D

er Krankenwagen schlittert

mit quietschenden

Reifen und heulender Sirene

die Zufahrt zur Notaufnahme

heran. Die Türen öffnen sich noch

bevor er zum Stillstand gekommen

ist, heraus springen Sanitäter

und Notarzt. Während die Trage mit

dem Schwerverletzten in höchster

Eile und mit präzisen Griffen aus

seinem Inneren hervorgeholt wird,

eilen bereits weitere Einsatzkräfte

zu Hilfe. Hoch konzentriert werden

knapp gefasste Fragen und Antworten

über den Zustand des Patienten

ausgetauscht, während er in rasender

Eile durch ein Gewirr an weiteren

Patienten, Angehörigen und

Krankenhauspersonal zielsicher in

den OP geschoben wird. Gut aussehende

Chirurgen warten dort schon

mit souveräner Lässigkeit auf ihre

nächste Herausforderung.

So sieht Krankenhausalltag aus.

Zumindest im TV. Seit vorwiegend

US-amerikanische Ärzte in heimischen

Wohnzimmern beinahe allabendlich

praktizieren.

Mit der heimischen - Realität haben

deren Arbeitsplätze in etwa genauso

viel zu tun wie „CSI Miami“

mit dem Polizeirevier ums Eck. Was

nicht heißt, dass in unseren Krankenhäusern

Langeweile herrscht.

Ganz im Gegenteil. Die Komplexität

der Abläufe, die ein reibungsloser

Betrieb erfordert, ist mindestens

15


16 // PROJEKT

Die Architekturprofessorin Christa Illera bereitet Architekten

darauf vor, Krankenhäuser zu entwerfen.

Bei der Krankenhausplanung

müssen schon

beim Grundriss

alle Eventualitäten

einkalkuliert

werden.

Der noch

bestehende

OP-Trakt des

Krankenhauses,

der nach Fertigstellung

in den

Neubau übersiedelt

wird

genauso spannend wie Hollywoods

Herz-Schmerz-Dramen in weißen

Kitteln.

planeriSChe

SpitZenleiStunGen

Etwa für Christa Illera. Die Architekturprofessorin

der Technischen

Universität Wien ist eine der ganz

wenigen in diesem Land, die Architekten

darauf vorbereitet, Krankenhäuser

zu entwerfen. Man muss ihr

nur wenige Minuten lauschen, um

zu erkennen, dass dies eine Aufgabe

ist, die mehr als „nur“ die architektonischen

Fähigkeiten erfordert,

einen Großbau zu planen. Eine Unzahl

von Faktoren muss einkalkuliert

werden und die Frage drängt

sich auf, wie deren Berücksichtigung

gelehrt und erlernt werden

kann, so verschieden sind sie.

Modell des neuen Landesklinikums Weinviertel

Es fängt an bei den Grundrissen

und hört auf bei der Psychologie

von Menschen mit unterschiedlichsten

Ansprüchen. „Sie wollen

eine gute Verkehrsanbindung und eine

optimale Lage der Küche und Verwaltung.

Dazu möglichst kurze Wege

bei gleichzeitig maximaler Raumnutzung.

Eine möglichst geringe Außenfläche,

denn das bedeutet geringere

Heizkosten, bei gleichzeitiger möglichst

guter Beleuchtung mit natürlichem

Licht.

Zukünftige Erweiterungen sollen

möglichst einfach vorzunehmen sein

und natürlich soll der Bau alle rechtlichen

Vorschriften vor allem hygienische

erfüllen und nicht Unsummen

verschlingen. Und wenn Sie an all diese

technischen Parameter gedacht haben,

dann stehen Sie erst vor der wahren

Komplexität des Vorhabens. Der

Psychologie derer, für die überhaupt

gebaut wird: und das sind neben dem

Krankenhauspersonal in allererster

Linie Patienten und unterschiedlich

schwer erkrankte Menschen. An ihren

Bedürfnissen muss sich jeder Krankenhausbau

orientieren.“

beSondere bedürFniSSe

Alleine die Hygienevorschriften

für den Bau einer Krankenanstalt

weisen verständlicherweise Telefonbuchdicke

auf. Hinzu kommen

rechtliche Vorgaben wie das Arbeitnehmerschutzgesetz.

In ihm wird

etwa geregelt, dass in Räume, in

denen Menschen mehr als 4 Stunden

am Tag Arbeit verrichten, Tageslicht

eindringen können muss.

Gerade OP-Teams würde die immer

gleiche, ermüdende Intensität

künstlichen Lichts die erforderliche


Bei laufendem Betrieb wird an den Altbestand angebaut.

Konzentration wohl unmöglich machen.

Sie brauchen wie alle anderen

Angestellten und vor allem auch

die Patienten die Möglichkeit des

„Weitblicks“. Zu Deutsch: Fenster,

die es ihnen ermöglichen, in ihrem

Sehen nicht nur auf den Umkreis

weniger Meter beschränkt zu sein.

Ist dies über längere Zeit der Fall,

ermüdet das Auge, mit unangenehmen

Folgeerscheinungen wie Kopfschmerzen,

Übelkeit oder Ermüdung.

Es braucht eben Arbeit.

Jenes der Patienten braucht zudem

Abwechslung „Und sei es die Möglichkeit,

eben nicht nur im Einzelzimmer

abgeschottet zu liegen was nur

in manchen Fällen notwendig ist -,

sondern in Mehrbettzimmern durchaus

den Besuch beim Bettnachbarn

mitzuerleben oder generell ein Kommen

und Gehen“, so Illera, die selbst

unlängst wieder eine unfreiwillige

Auffrischung ihrer Wahrnehmung

als Patientin bekam, musste sie

doch nach einem Beinbruch mehrere

Wochen in einem Krankenhaus

verbringen.

Aber auch der Akustik, Farbe und

Material von Wänden und Böden,

der Psychologie der Fluchtweggestaltung

oder einfach dem Vorhandensein

von Freiflächen wie Gärten

oder Terrassen kommt große Bedeutung

zu. „Letztlich geht es darum,

den Patienten nicht das Gefühl

von Eingesperrtsein zu geben“, gibt

die emeritierte Professorin zu verstehen,

wer sich nach wem zu richten

hat. Dass der Architektur ein

großer Einfluss auf das Befinden der

Patienten und damit auch eine besondere

Verantwortung zukommt.

„Schließlich kommen die nicht freiwillig

in ein Krankenhaus.“

von der theorie in die praxiS

All diese Dinge, die der Professorin

in ihren Vorlesungen Herzensangelegenheit

sind, und einige weitere

mehr, sind das täglich Brot von Mario

Reiter. Gemeinsam mit seinem

Vorgänger Anton Mayr sitzt er in

seinem Büro in einem der typischen

Baucontainer, in denen Projektleiter

üblicherweise anzutreffen sind.

Sein Projekt, das ist der Umbau des

Landesklinikums Weinviertel Mistelbach-Gänserndorf.

186 Millionen

Euro schwer und in den Augen

des 37-Jährigen selbst „nichts Besonderes“.

Vielleicht hat seine bescheidene

Zurückhaltung mehr mit

Pragmatismus zu tun. Schließlich

hat der ein Jahr als Oberbauleiter

vor Ort tätige Reiter die Projektleitung

erst vor kurzem übernommen,

nachdem die zwei Jahre dauernden

Vorarbeiten in dieser Position von

Anton Mayr erledigt wurden. Dazu

gehörten neben den Abstimmungs-

und Vertragsabschlussphasen sowie

der Einreichung des Projekts vor

allem Nutzerabstimmungsrunden.

Medizinisches und pflegerisches

Personal waren darin ebenso eingebunden

wie die Verwaltung, die

Materialwirtschaft, die Haustechnik

und natürlich die Architekten.

So wurde in insgesamt 30 oft

mehrstündigen Gesprächstermi-

ALPINE Projektleiter Mario Reiter in seinem Bürocontainer

nen für jede einzelne Abteilung sichergestellt,

dass die Erfahrungen

aller Beteiligten in den Entwicklungsprozess

einfließen konnten.

Eine Vorgehensweise, die auch dem

langjährigen kaufmännischen Direktor

des Krankenhauses imponierte.

„Wir bauen bereits seit 35

Jahren kontinuierlich dazu. So effektiv

ist das aber noch nie gegangen“,

nickt Josef Kober anerkennend.

novum

totalunternehmerSChaFt

Ein absolutes Novum beim Umbau

des LK ist aber die Totalunternehmerschaft

der ARGE aus ALPINE

Bau GmbH und VAMED. Der internationale

Marktführer in Errichtung

und Betriebsführung von Gesundheitseinrichtungen

mit Sitz

in Wien und der Bauriese aus Salzburg

erledigen zum Umbau nämlich

auch gleich die Finanzierung.

Die Baukosten sind wie die Bauzeit

gedeckelt, sollte der Umbau teurer

17

Die Architektur hat

einen großen Einfluss

auf das Befinden der

Patienten, damit kommt

ihr eine besondere

Bedeutung zu.


18 // PROJEKT

2000 — 2001

neubau landeSkrankenhauS

vöCklabruCk

2002 — 2005

neubau unFallkrankenhauS

linZ

2006 — 2009

lkh klaGenFurt/ver- und

entSorGunGSZentrum

2011 — 2017

landeSklinikum „Weinviertel“

in miStelbaCh

SPITALSENTLASSUNGEN &

AUfENTHALTSDAUER 1960 2010

35.000

30.000

25.000

20.000

15.000

10.000

5.000

0

1960 1970 1980 1990 2000 2010

Entlassungen pro 100.000 der Bevölkerung

Durchschnittliche Aufenthaltsdauer in Tagen

Quelle: Statistik Austria, 15.11.2011

Visualisierung des Landesklinikums Weinviertel

Mistelbach-Gänserndorf im Endausbau

35

30

25

20

15

10

5

0

werden, als angenommen, würde

dies die Steuerzahler keinen Cent

mehr kosten. Die ARGE müsste dafür

aufkommen. Ebenso wie für die

Überschreitung der bis 2017 angesetzten

Umbauzeit Pönalen fällig

würden.

In den milden Dezembertagen des

Jahres 2011 ist die Fertigstellung

noch Zukunftsmusik. Und der Besucher

der Baustelle hautnah mit

den Schwierigkeiten des Unterfangens

konfrontiert. Um den laufenden

Betrieb nicht zu stören, muss

hier behutsamer gebaut werden

als auf anderen Baustellen. Kaum

Baulärm dringt an das Ohr und mit

geradezu chirurgischer Präzision

enden die Baustellenbereiche an ihren

Absperrungen. Kein Schmutz,

kein Lärm man könnte denken,

die Arbeiten wären eingestellt. Sind

sie aber nicht. Nur eben in Einklang

mit dem laufenden Betrieb. Was sie

natürlich nicht schneller vorangehen

lässt. Alleine die Leitungsumlegungen,

die Errichtung der Baustraße,

eines Parkdecks sowie der

Abbruch von Bestand und die Verlegung

des Hubschrauberlandeplatzes

haben ein Jahr gedauert. Dazu

kommt, dass sich das Krankenhaus

in den mehr als 100 Jahren seines

Bestandes auf dem terrassenartigen

Gelände „den Hang hinauf entwickelt

hat“, wie es der Leiter Betriebsorganisation

und Funktionsplanung

der VAMED, Mathias Seraphin, beschreibt.

„Mit dem geplanten Bezug des Neubaus

Anfang 2015 werden die freiwerdenden

Flächen im Bestand zwischengenutzt

und ermöglichen so die

Sanierung des zentralen Bettenhauses.“

Was der erfahrene Seraphin

trocken mit „zwischengenutzt“

umschreibt, ist nichts anderes als

eine Übersiedlung bei laufendem

Betrieb. Im Falle eines Krankenhauses

ist das verständlicherweise

nicht nur ein enormer Aufwand,

sondern auch hochkomplex. Die

letzte Operation in den alten OPs

muss ebenso unbeeinträchtigt vonstattengehen

wie Minuten später

die ersten in den neuen. Die Betreuung

ambulanter wie stationärer

Patienten muss klappen wie

sonst auch. Zu keiner Zeit darf die

Versorgung der Bevölkerung des

Weinviertels gefährdet sein. Eine

gewaltige Herausforderung für alle

Beteiligten.

Auch nicht ohne: An drei Geschossen

des Hauptgebäudes wird der

Neubau am Altbestand andocken.

Das heißt nicht bloß einmal übersiedeln,

sondern zwei Mal. LK-

Direktor Kober traut den Projektleitern

zu, das für ihn wichtigste

Kriterium erfüllen zu können: „Mir

ist wichtig, dass es zu keiner Beeinträchtigung

von Patienten und Personal

kommt.“

Alt und neu:

an die

abgerissenen

Gebäudeteile

wird der

Neubau

andocken.

Am Ende soll die „qualitative Verbesserung

des Hauses“, wie Kober

es nennt, vollzogen sein. Die Technik

soll modernisiert, die Wege innerhalb

des Baus kürzer und die

Anzahl der Parkplätze bei gleichbleibender

Bettenzahl von 750 auf

1.000 aufgestockt werden. Den

rund 1.500 Bediensteten soll die

Betreuung von jährlich etwa 29.000

stationären und 135.000 ambulanten

Patienten in der neuen Umgebung

noch besser gelingen.

Und natürlich soll das umgesetzt

worden sein, was Christa Illera am

wichtigsten ist: den besonderen

Bedürfnissen der Kranken auf eine

besondere Art und Weise Rechnung

zu tragen.

Kein Stress für die Patienten also,

der soll weiterhin nur in TV-Krankenhäusern

herrschen. //


EINblICkE

Trüffel HOCH

SEITE 24

Salzburger

Nockerl SEITE 44

… sind süß wie die liebe und zart wie ein Kuss! So wurde die

aus Eiern, Zucker und wenig Mehl bestehende Dessertspezialität

in der Operette „Saison in Salzburg“ von Fred Raymond besungen.

Laut einer Legende soll diese typische Salzburger Dessert-Spezialität

die drei Hausberge der Altstadt darstellen, den Mönchsberg,

den Kapuzinerberg und den Festungsberg.

Die weltbesten Trüffel

findet man unterhalb

des Städtchens Motovun

in Istrien, wo sich neben

dem Fluss Mirna der periodisch

überschwemmte

Eichenwald befindet. Hier

wurde der größte weiße

Trüffel weltweit gefunden.

Die Delikatesse lockt

Küchenchefs aus ganz

Europa an, um die tollsten

Gerichte mit der Motovun-

Trüffel zu kreieren.

SEITE 10

GENF

Genf ist nach Zürich der zweitgrößte Finanzplatz der Schweiz,

gefolgt von Lugano. Hinter Zürich und Tokio gilt Genf als drittteuerste

Stadt der Welt und ist als Stadt mit höchster Lebensqualität

weltweit gelistet. Die Stadt Genf ist Sitz vieler internationaler

organisationen, darunter:

uNo Organisation der Vereinten Nationen

cERN Europäische Organisation für Kernforschung

IKRK Internationales Komitee vom Roten Kreuz

Who Weltgesundheitsorganisation

IAo Internationale Arbeitsorganisation

ISo Internationale Organisation für Normung

ITu Internationale Fernmeldeunion

WIPo Weltorganisation für geistiges Eigentum

WMo World Meteorological Organization

WoSM Weltpfadfinderorganisation

WTo Welthandelsorganisation

uNhcR Hoher Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen

SEITE 36

HINAUS

Altbau Raumhöhe: ca. 3,25 4,50 m

Neubau Raumhöhe: mind. 2,50 m

Neubau Geschäfte Raumhöhe: 3,20 m

Biedermeierhäuser: 2,70 4,00 m

cloud

computing

SEITE 40

Mit dieser Technologie werden Rechenkapazitäten, Datenspeicher,

Netzwerkkapazitäten und auch fertige Software

in abstrahierte IT-Technologien ausgelagert. Angebot und

Nutzung erfolgen dabei ausschließlich über technisch definierte

Schnittstellen und Protokolle. Die dem Nutzer

zur Verfügung gestellte IT-Infrastruktur

erscheint dem Nutzer undurchsichtig

und fern, wie in einer Wolke

verhüllt.


20 // PROJEKT

PIPELINEBAU Wenn wir von Nord-Stream, Opal und Gazelle hören,

sprechen wir nicht über polare Kaltluft, vorzugsweise in Australien

abgebaute Halbedelsteine oder grazile, in der afrikanischen Savanne

lebende Paarhufer. Es geht um etwas ganz anderes, etwas Essenzielles.

// iNeS SCHMiedMaieR

V O l l e S

R O H R


E

twas ganz Unauffälliges,

nicht Hörbares und kaum

Sichtbares, etwas, das unser

tägliches Leben sehr viel komfortabler

macht. Es geht um simple

Stahlrohre. Rohre, in denen über

weite Strecken unter Wasser und

an Land Erdgas an seinen Bestimmungsort

gebracht wird - sogenannte

Pipelines. Die klingenden

Namen bezeichnen einzelne Abschnitte

der manchmal tausende

Kilometer langen Transportwege.

Ein dichtes Geflecht solcher Transportrouten

durchzieht Europa.

Durch diese lückenlose Versorgung

mit Erdgas sind viele Annehmlichkeiten

des Alltags für uns selbstverständlich

verfügbar.

komFort auS der leitunG

Wenn es draußen kalt und unwirtlich

wird, verströmen mit Gasthermen

betriebene Heizungen angenehm-wohlige

Wärme in unseren

Wohnungen, Sterneköche fabrizieren

ihre köstlich-kreativen Gerichte

bevorzugt auf Gasherden und

die Zahl der mit Erdgas betriebenen

Fahrzeuge ist stark steigend. Doch

bevor die Gasmoleküle in unsere

Komfortzone gelangen, legen sie

große Entfernungen zurück.

Die größten Erdgasreserven befinden

sich nämlich nicht dort, wo

sie gebraucht werden nämlich in

Ballungszentren mit hoher Bevölkerungsdichte.

Der Nahe Osten, die

GUS-Staaten und Europa verfügen

über die größten natürlichen Erdgasvorkommen.

Derzeit wird rund

die Hälfte der in der EU benötigten

Gasmenge importiert, bis 2050

wird dieser Anteil noch auf 80 %

ansteigen. Ein Grund mehr, die Sicherheit

und Verlässlichkeit der

Transportwege sicherzustellen.

niCht GenuG der

klinGenden namen

Doch wie kann über so lange Distanzen

sichergestellt werden, dass

die Rohre keine Lecks haben oder

beschädigt sind? Zur Überprüfung

des einwandfreien Betriebes werden

spezielle Geräte, sogenannte

„Molche“ eingesetzt, im englischen

Fachjargon „Pigs“ (engl. Schwein)

genannt.

Diese Geräte spielten schon in drei

James-Bond-Filmen eine Rolle in

„Diamonds are forever“ setzte der

Geheimagent einen Molch außer

Gefecht, um aus einer Pipeline zu

entkommen. In the „Living Day-

lights“ wurde das Gerät umgebaut,

um eine Person durch den Eisernen

Vorhang zu schleusen, und in „The

World Is Not Enough“ wurden Nuklearwaffen

mit Hilfe von Molchen

transportiert.

Im alltäglichen Leben ist die Funktion

der Molche weit weniger spektakulär

- sie werden zur Reinigung

und Inspektion von Rohrleitungen

eingesetzt. Das Gerät füllt den Leitungsquerschnitt

aus und wandert

mit dem Produktstrom durch die

Leitung. Eingesetzt und nach dem

Prüfabschnitt wieder entnommen

werden die Molche in dafür vorgesehenen

Schleusen, sogenannten

„Molch-Fallen“. Nach Inbetriebnahme

einer Pipeline werden

21

Damit der co2-

Ausstoß weiter

reduziert werden

kann, wird

der Verbrauch

an Erdgas weiter

steigen. Wird

Erdgas als Kraftstoff

eingesetzt,

erzeugt es als

Verbrennungsrückstand

in erster

linie Wasserdampf

(h20).

Die Freisetzung

umweltschädigender

Kohlenstoffverbindungen

liegt deutlich unter

denen anderer fossiler

Brennstoffe.

Die Rohre werden

per LKW zu den

Rohrlagerplätzen

gebracht.


22 // PROJEKT

molCh

ein Molch (engl. „Pig“ (Schwein))

ist ein Reinigungs- oder

inspektionsgerät zum einsatz

in Rohrleitungen. Weitere

aufgaben können die saubere

Trennung zwischen aufeinanderfolgenden

Produktchargen

sein oder je nach Konsistenz des

Produkts eine unterstützung

des Transports selbst. in der

Regel soll dafür der Betrieb nicht

unterbrochen werden. diese

Technik wird in der Gas-, erdölund

Produkten-Pipeline-Technik

eingesetzt.

In einem LKW kann weniger Erdgas transportiert werden,

als in einer Stunde durch die Pipeline strömt.

Mit der Gazelle-

Pipeline wird

Gas aus bisher

kaum genutzten

Gasvorkommen

in der Provinz

Tyumen oblast

über das

Baltische Meer

und Nord-

deutschland

nach Europa

gebracht.

neben Reinigungsmolchen auch

‚intelligente Molche‘ (engl. ‚smart

Pigs‘) eingesetzt. „Ihre Aufgabe ist

es, die Rohrqualität hinsichtlich Beulen,

Spannungskorrosionen und Umhüllungsschäden

zu prüfen. Auch ein

komplettes Profil über die Wandstärken

und mögliche Rohrschwächungen

wird erstellt“, berichtet Albert

Schücker, Construction Manager

bei der tschechischen Betreibergesellschaft

NET4GAS, s.r.o. Die vom

Molch im Inneren der Pipelines gesammelten

Daten werden von einer

Software ausgelesen und geben

Aufschluss über den Zustand der

Leitung.

verSorGunGSSiCherheit

Für europa

Pipelines sind die umweltfreundlichste

Methode, um Gas zu transportieren

- trotz hoher Baukosten

ist der Transport von Erdöl und -gas

in Pipelines ökonomischer als der

Einsatz von Tankwagen. Pipelines

haben hohe Kapazitäten durch die

Gazelle-Pipeline können 4,73 Millionen

Nm3 (Normkubikmeter) Gas

pro Stunde strömen, das sind 113,52

Millionen Nm3 pro Tag. Im Vergleich

dazu können mit einem LKW ca.

6.000 Nm3 Flüssigerdgas transportiert

werden. Das ist weniger, als

in einer Stunde durch die Pipeline

fließt.

Mit dem Bau von zwei Teilabschnitten

der Gazelle-Pipeline mit einer

Gesamtlänge von 105,8 Kilometern

trägt ALPINE maßgeblich zur

Versorgungssicherheit mit Erdgas

in Europa bei. Mit diesem Auftrag

wird die technische Infrastruktur

in Tschechien für eine lückenlose

Gasversorgung in Europa gewährleistet.

WeltWeit erSteS

automatiSierunGSverFahren

Doch bevor mit dem Bau von neuen

Pipeline-Routen begonnen werden

kann, müssen einige Hürden genommen

werden. Zuerst findet eine

Umweltverträglichkeitsprüfung

statt (EIA Environmental Impact

Assessment). Auch das Festlegen

der Pipeline-Route ist ein aufwendiger

Prozess, denn der Verlauf

muss bewohntes Gebiet, Nationalparks

und topografische Barrieren

berücksichtigen. Erst dann beginnen

die Grabungen für den Einbau.

„Das Verlegen von Rohren ist ein extremer

maschineller Aufwand“, berichtet

Christian Schadler, der als

ALPINE Projektleiter für den Einbau

der Rohre zuständig ist. „Für

den Einbau werden Seitenbäume mit

Seitenauslegern verwendet, die zwischen

60 und 80 Tonnen wiegen.“

Die Grabungen sind trapezförmig,

ca. 3 Meter tief und werden mit einem

sogenannten Trapezlöffel ausgehoben.

Bevor die Rohre eingehoben

werden, müssen sie noch

verschweißt, sandgestrahlt und mit

einem Schutzmantel umhüllt werden.

„Weltweit ist das die erste Baustelle,

auf der diese Arbeitsschritte

automatisch durchgeführt werden“,

erzählt Christian Schadler weiter.

Nach den Grabungsarbeiten wird

das Aushubmaterial wieder an seinem

ursprünglichen Ort verfüllt,

damit ist der Boden für die Agrarwirtschaft

wieder voll nutzbar.

Gleichzeitig mit den Rohren wird

ein optisches Kabel verlegt es ge


Die zwei Stränge der Nord Stream-Pipeline verlaufen durch die Ostsee von Wyborg,

Russland, nach Lubmin in der Nähe von Greifswald. Von dort verläuft die OPAL (Ost-

see-Pipeline-Anbindungsleitung) in den Süden Sachsens. Die neu gebaute Gazelle-

Pipeline verläuft in Nord-Süd-Richtung durch die Tschechische Republik von Brandov

zum übergabepunkt Rozvadov/Waidhaus. Dort wird sie an das Transitsystem MEGAL

angeschlossen, das Gas von Süddeutschland nach Frankreich transportiert.

20 SEC. // umweltFreunDlich

erdgas ist der umweltfreundlichste fossile energieträger und der umweltfreundlichste

Kraftstoff für Verbrennungsmotoren. erdgas als Kraftstoff

wird unter dem Kürzel CNG (Compressed Natural Gas) verkauft. CNG wird in

Kilogramm gemessen und verkauft. das komprimierte erdgas CNG ist nicht

zu verwechseln mit Flüssiggas - lPG (liquified Petroleum Gas), einem Raffinerieprodukt,

das bei der Rohöldestillation anfällt. lPG ist im Gegensatz

zum natürlichen erdgas schwerer als luft, verflüchtigt sich langsamer und

ist leichter entzündbar.

Quelle: Wien Energie

währleistet den Betrieb und die

Überwachung der Pipeline. Vor

der Inbetriebnahme werden alle

Schweißnähte visuell, ultraschallund

teilweise röntgengeprüft. Danach

erfolgt ein Stresstest mit Wasser:

Die Rohre werden mit Wasser

gefüllt und unter Druck gesetzt.

Verlaufen die Tests positiv, kann die

Pipeline übergeben werden. Nach

Inbetriebnahme werden die laufenden

Überprüfungen dann von den

„Molchen“ oder „Pigs“ übernommen.

Laut einem Lehrbeauftragten

für Pipelinebau an der Montanuniversität

Leoben bekamen die Molche

ihren Namen, weil sie wie ihre

Namensvettern aus der Familie der

Amphibien gerne „in dunkle Höhlen

kriechen“.

Aber ob sich der Name „Pigs“ von

dem quietschenden Geräusch, mit

dem sich die Geräte in der Leitung

fortbewegen, ableitet oder von der

Abkürzung „Pipeline Inspection

Gauge“ (PIG), darüber scheiden

sich die Geister. //

DE

SE

AT

cZ

Pl

SK

23

Die Rohre sind

18 Meter lang,

haben einen

Durchmesser von

1,4 Metern und

ein stolzes

Gewicht von

12 bis 14

Tonnen/Stück.

EE

lT

lV


24 // PROJEKT

CoNtaiNer

mit auSSiCht

TUNNELBAU Stellen Sie sich vor, Sie atmen salzige Meerluft und spüren immer eine leichte

Brise, sobald Sie einen Fuß ins Freie setzen. Und die Mittelmeersonne scheint Ihnen auch im

Winter milde ins Gesicht. Sie haben einen Arbeitsplatz mit Meerblick und beobachten von Ihrem

Büro aus die ein- und auslaufenden Containerschiffe. Das Team, das am Markovec-Tunnel in

Slowenien seine Arbeit verrichtet, kann den malerischen Ausblick genießen.

// iNeS SCHMiedMaieR


z

umindest manchmal.

Ihre Bürocontainer liegen

nämlich gegenüber dem

Hafen von Koper an der slowenischen

Adriaküste - Zeit und Muße,

um aus dem Containerfenster zu

schauen, haben die Arbeiter und

Projektleiter im Alltag wohl nicht

oft. Denn die meiste Zeit verrichten

sie ihre Arbeit an der staubigen,

lärmerfüllten Tunnelbaustelle unter

Tage.

Der Zugang zum Mittelmeer ist mit

47 Kilometern Küstenabschnitt auf

slowenischer Seite knapp und

der Landstreifen am Meer heiß begehrt.

Um mehr von dem exklusiven

Landstrich am Golf von Triest

für den Tourismus besser nutzen zu

können, wird ein Teil der Küstenstraße

in den Berg verlegt. Statt der

engen, kurvigen Straße wird ein

neuer Doppelröhrenautobahntunnel

die beiden Urlaubsorte Isola und

Koper verbinden.

der boden iSt GeSChiChtet

Wie ein ildeFonSo

Tunnelgrabungen, die in bergmännischer

Tunnelbauweise in der

Nähe des Meeres ausgeführt werden,

sind eine seltene Ausnahme.

Diese Besonderheit ergibt sich

durch die tiefe Gliederung der istrischen

Küstenlandschaft mit Kalkstein.

Istrien ist mit 2.380 Sonnenstunden

klimatisch sehr günstig

gelegen. Doch nicht nur das milde

Klima macht die touristisch sehr

gut erschlossene Halbinsel als Urlaubsdestination

attraktiv. Koper

und viele andere istrische Küstenstädte

bezaubern durch venezianisches

Flair und erinnern noch heute

an die vierhundert Jahre andauernde

venezianische Herrschaft.

Auch kulinarisch hat die Region

einiges zu bieten: Der italienische

Einfluss ist an der Küste besonders

ausgeprägt. Neben fangfrischen Fischen

und Meeresfrüchten werden

Risotti mit Trüffeln (Tartufi), Pasta

(Fuzi), Teigwaren aus Kartoffelteig

(Njoki) und ravioliähnliche Teigtaschen

(Zlikrofi) in den zahlreichen

Restaurants angeboten. Auch Weinbau

wird intensiv betrieben, vor allem

werden der gelbe bis grünliche,

leicht bittere Malvazija sowie

der helle rote Teran gekeltert. Diese

Rebsorten erfordern einen besonderen

Boden. Und der setzt sich

hauptsächlich aus Kalkstein, Dolomit,

Sandstein und Mergel zusammen.

25

Der Karst Teran

ist die typische

Rotweinspezialität

Sloweniens.

Zunächst verwundert

der

tiefdunkle Rote

durch seine

markante Säure,

verblüfft aber

im nächsten

Moment durch

Kraft und

Schmelz.


26 // PROJEKT

„In Slowenien sind es nur 100 Kilometer von den Alpen zum

Meer. Bei uns sagt man, dass Gott, als er die Welt erschuf,

auch ein Zimmerchen vermieten wollte. Zu diesem Zweck hat

er Slowenien erschaffen.“

Davo Karničar, Extremskifahrer und Nationalheld

Mergel und

Sandstein folgen

dem Prinzip des

Nougatwürfels

‚Ildefonso‘.

„Die Geologie ist mit Flysch relativ

einfach. Mergel mit Sandsteineinlagerungen,

flach gelagert. Das muss

man sich vorstellen wie eine Torte oder

ein Ildefonso“, berichtet der Geologe

Dr. Riepler von der Firma GWU

in Salzburg. Doch was für den Wein

gut ist, gestaltet sich als Herausforderung

für die Tunnelbauer.

kleiner tunnel,

GroSSe maSChine

Die über 100 Tonnen schwere

Teilschnittmaschine Sandvik MT720

hat eine Schneidleistung von über 300 kW.

Mit einer Länge von 2,2 Kilometern

zählt der Tunnel nicht zu den

großen Tunnelbauprojekten, eigentlich

ein Klacks für die erfahrenen

Ingenieure von ALPINE BeMo

Tunnelling. Möchte man meinen.

Doch so einfach, wie es klingt, ist

es nicht. Die Bohrarbeiten auf der

kurzen Strecke gestalteten sich äußerst

zäh. Die Arbeit unter Tage ist

an sich schon mit vielen Unwägbarkeiten

verbunden. Und manchmal

gibt es schon im Vorfeld Hindernisse

anderer Natur.

Beispielsweise schreibt die Ausschreibung

Spreng- und Bohrtechnik

fest. Obwohl alle gesetzlichen

Auflagen für die Sprengarbeiten

unter dem bewohnten Gebiet erfüllt

waren, wurden die Aushubarbeiten

wegen Beschwerden der

Anwohner durch den Auftraggeber

gestoppt. Erschütterungen durch

unterirdische Sprengungen wurden

befürchtet. Wegen der geringen

Überdeckung von 10 bis 35 Meter

mussten für den kritischen Bereich

von 500-600 Metern Teilschnittmaschinen

eingesetzt werden. Also

musste statt dem Sprengvortrieb

gefräst werden.

die maSChinen biSSen SiCh

die Zähne auS

Zu Beginn der Grabungen wurden

zwei kleinere Fräsmaschinen, die

man sich wie Bagger mit Schneidköpfen

vorstellen muss, für den

maschinellen Vortrieb eingesetzt.

Aufgrund erheblicher Änderungen

der geomechanischen Parameter

stellte sich heraus, dass die

Kraft der kleinen Maschinen nicht

ausreichen würde es gab kein Vorankommen

mehr. Das Gebirge war

viel härter, als angenommen.

Die Schneidköpfe bissen sich an

der harten Tunnelbrust im wahrsten

Sinne des Wortes die Zähne aus.

Die kleinen Schneidköpfe hatten

einen hohen Verschleiß, außerdem

konnte der notwendige Druck

auf die Tunnelbrust nicht ausgeübt

werden vor allem im östlichen

Bereich, wo die Bohrer auf

eine zwei bis drei Meter breite und

sehr harte Sandsteinschicht trafen.

„Das Risiko kann in beide Richtungen

gehen“, meint Scott Kieffer, geologischer

Gutachter und Professor an

der Technischen Universität Graz.

Er sieht in den unerwarteten Gegebenheiten

nicht unbedingt einen

Nachteil: „Im kritischen Gebiet mit

der geringen Überdeckung war das

Gebirge härter, als angenommen. Das

ist einerseits ein Vorteil, weil der Untergrund

stabiler ist, andererseits ein

Nachteil, weil man mit den Bohrungen

viel schwerer und langsamer vorankommt.“

Das harte Gebirge konnte nur mit

der weltweit einzigartigen, ca. 100

Tonnen schweren Teilschnittmaschine,

der Sandvik MT 720 mit einer

Schneideleistung von 300 KW,

geschnitten werden. Von dem österreichischen

Koloss gibt es weltweit

nur rund 60 Stück. Doch das

Team hatte Glück eine Maschine

war verfügbar nur befand diese

sich auf einem anderen Erdteil,

nämlich in Australien. Über den

Seeweg wurde die Maschine in Teilen

nach Bremen geliefert und von

dort per Schwertransporter zur

Tunnelbaustelle nach Slowenien gebracht,

wo sie im Juni 2011 ankam.

Der Schneidkopf, der Arm und das

Förderband wurden in einer Sand-


Die mittelalterlichen Gassen im Stadtkern zeugen von Izolas reicher Geschichte.

vik-Niederlassung in Zeltweg in der

Steiermark serviciert, während die

Maschine selbst direkt bei der Tunnelbaustelle

überholt wurde. Ende

Juli 2011 schließlich konnten die

Bohrungen fortgesetzt werden.

die analySen Geben

niCht alleS über daS

GeStein preiS

Trotz geologischer Messungen und

Gutachten weiß man nie genau,

was einen erwartet man muss

immer auf Überraschungen gefasst

sein. „Durch Laboruntersuchungen

kann man zwar die Beschaffenheit des

Gesteins analysieren, wie sich das Gebirge

dann letztendlich zusammensetzt,

kann man aber nicht genau sa-

10 SEC. // teilschnittmAschine

die Schneidköpfe einer Teilschnittmaschine können

durch einen schwenkbaren Schneidarm nach links,

rechts, oben und unten geführt werden. dadurch

werden nacheinander Teile aus der Tunnelbrust

gelöst, während beispielsweise eine Vollschnittmaschine

den gesamten Tunnelquerschitt gleichzeitig

bohrt und auch ausfüllt. Mit einer Teilschnittmaschine

kann ein beliebiges Tunnelprofil geschnitten

werden: rechteckig, bogenförmig oder sogar

trapezförmig. eine Vollschnittmaschine, wie eine

klassische Tunnelbohrmaschine auch genannt wird,

kann nur ein kreisrundes Profil schneiden. Jedoch ist

sie aufgrund ihrer höheren installierten leistung in

der lage, höhere Vortriebsleistungen zu erzielen.

gen“, ist vom Geologen Dr. Riepler

weiter zu erfahren.

Abgesehen davon sind noch weitere

Individuallösungen gefragt. Während

sich der Stahlkoloss lärmend

durch das Gestein frisst, ist die Luft

dicht mit Staub durchsetzt. Um jedoch

im Tunnel voranzukommen,

ist klare Sicht an der Tunnelbrust

unerlässlich. Die staubige Luft wird

abgesaugt, gefiltert und als Frischluft

wieder zugeführt, dafür sorgt

eine eigens konstruierte Entstaubungsanlage,

denn von „der Stange“

gibt es so etwas nicht.

Der Tunnel muss auch laufend entwässert

werden. Durch die besonderen

Eigenschaften von Mergel

müssen auch die Abwässer speziell

behandelt werden. Sie sind durch

den hohen Anteil an Tonmineralien

sehr trübe - das Sediment bleibt

lange in Schwebe und muss erst in

einer speziell dafür aufgestellten

Wasseraufbereitungsanlage behandelt

werden, bevor es in den nahegelegenen

Fluss gepumpt werden

kann.

GEOPHySIKALISCHE

UNTERSUCHUNGS-

METHODEN

Der Tunneldurchbruch erfolgte im

Jänner 2012. Wenn der neue Tunnel

befahrbar sein wird, sind die Tunnelbauer

längst wieder abgereist

und verrichten ihre Arbeit wieder

auf neuen Baustellen. Erinnern

werden sie sich aber sicher gerne an

die malerischen Küstenstädtchen -

und das gute Essen. //

Kalotte Aushubarbeiten mit der Teilschnittmaschine

27

BohRuNGEN Nadelstichproben

werden genommen und im Labor

untersucht.

GEoPhYSIKAlISchE uNTER-

SuchuNGEN Alle 10 Meter werden

Geophone in die Erde geschlagen. Mit

Hammerschlägen oder Minisprengungen

wird ein Impuls erzeugt und die

reflektierten Wellen mittels Software

ausgewertet.

Die Schneidleistung

konnte von

14 m³ auf 60 m3

Nettoschneidleistung

pro

Stunde erhöht

werden.


28 // UNTERNEHMEN

GeSuCht

GeFunden?

GEfRAGTE fACHKRÄfTE Warum immer mehr

Unternehmen über einen Mangel an Spezialisten

klagen und was sich dagegen unternehmen lässt.

// Claudia RiedMaNN

erwaiste Krankenhäuser,

unvollendete Stra-

V ßen, schlecht beleuchtete

Städte. Eine Vision, die schon bald

Realität sein könnte. Bereits heute

fehlt es in ganz Europa quer durch

die Branchen an qualifizierten Mitarbeiterinnen

und Mitarbeitern

zum Beispiel in der Krankenpflege,

in technischen Berufen oder im

Tourismus. Und in den kommenden

Jahren wird ihre Zahl weiter

zurückgehen. Der vielbeschworene

Fachkräfte-Mangel ist bei den

Unternehmen angekommen. Aber

woran liegt das und was lässt sich

dagegen unternehmen?

WaChStumSbremSen

Die in zehn Jahren notwendigen

Fachkräfte müssten heute bereits

die Schulbank drücken. Die Statistiken

sprechen jedoch eine andere

Sprache: Die geburtenstarken

Nachkriegsjahrgänge gehen in

Pension. Gleichzeitig kommen immer

weniger Junge nach: Seit 1960

ist die Zahl der Geburten in den

EU-Mitgliedsländern um beinahe

30 % gesunken. Um einer weiteren

Verschärfung am Arbeitsmarkt

entgegenzuwirken, raten Experten,

ältere Fachkräfte zu reaktivieren,

den Pensionsantritt zu verschieben

oder Arbeitslose zu qualifizieren.

Wie viele Menschen so zu gesuchten

Fachkräften werden könnten, wird

allerdings unterschiedlich bewertet.

Know-how-intensive Branchen leiden

besonders unter dem Fachkräfte-Mangel.

In der EU könnten im

Jahr 2015 bis zu 700.000 IT-Spezialisten

fehlen, schätzt BUSINESS-

EUROPE, die Dachorganisation der

europäischen Arbeitgeberverbände.

Auch die Baubranche ist betroffen.

Alleine in Österreich sucht jede

dritte Baufirma qualifizierte Mitarbeiterinnen

und Mitarbeiter, wie

eine Studie der KMU-Forschung

Austria zeigt. Dabei ist der Einsatz

von Fachleuten am Bau enorm

wichtig. In Bereichen wie Spezial-Tiefbau,

Tunnel- oder Stadionbau

bedeuten ihr Wissen und ihre

Erfahrung einen klaren Vorteil im

Wettbewerb.


SpeZialiSten GeSuCht!

Einen Zuzug frischer Arbeitskräfte

verhieß die Arbeitsmarkt-Öffnung

in neuen EU-Mitgliedsländern wie

Polen, Tschechien oder der Slowakei

im Mai 2011. Aber die damit

verbundenen Hoffnungen haben

sich nicht bestätigt. Im Gegenteil:

Die Ostländer sind selbst vom Mangel

betroffen, da viele qualifizierte

Fachkräfte bereits vor Jahren ins

Ausland abwanderten. Wie prekär

die Lage ist, zeigt BUSINESS-

EUROPE am Beispiel Polens auf:

Hier fehlten schon vor fünf Jahren

fast 40 % der erforderlichen Ingenieure.

Der Fachkräfte-Mangel

wirkt sich laut Einschätzung der

Organisation auf die Entwicklung

der Infrastruktur aus. So gäbe es

Probleme, das 38-Milliarden-Euro-Straßenbauprogramm

für 2007-

2013 umzusetzen.

Die Arbeit am Bau leidet nach wie

vor unter einem schlechten Image.

Trotz Ausbildungsinitiativen und

Lehrlingsprämien tun sich Betrie-

be schwer, qualifizierte Bewerber

zu finden. „Wir brauchen die Besten.

Dafür müssen wir Jugendliche für

das Handwerk begeistern“, erklärt

Peter Scherer von der WKO-Geschäftsstelle

Bau, BAUAkademie

Österreich. Dass das funktionieren

kann, zeigt Alexander Aichinger.

Der 20-Jährige wurde 2011 zum

besten Jungmaurer Österreichs gekürt.

Er kam ursprünglich zu ALPI-

NE, um die Zeit bis zur Ausbildung

als Kunstschmied zu überbrücken,

sattelte um und begann eine Lehre

am Bau. „Es ist einfach faszinierend,

wenn man etwas baut, was Jahrzehnte

stehen bleibt. Diese Erfahrung

macht man bei einem reinen Bürojob

nicht“, ist Aichinger überzeugt.

29

„Praxisbezogene

Weiterbildung

ist unverzichtbar.

Das stellt sicher,

dass wir auf

der Baustelle die

gleiche Sprache

sprechen und die

passenden Management-Tools

einsetzen.“

Andrei Boghez,

Bauleiter ALPINE,

Rumänien


30 // UNTERNEHMEN

»eine lehre zu machen

ist nie verkehrt. das

kann einem niemand

mehr wegnehmen

ganz egal, wofür man

sich später beruflich

entscheidet.«

Alexander Aichinger

Bester Jungmaurer Österreichs 2011

Selbst die

ostländer sind

vom Arbeitskräftemangel

betroffen, da

viele qualifizierte

fachkräfte

bereits vor Jahren

ins Ausland

abwanderten.

dem manGel beGeGnen

»die einstellung muss

sich ändern:

ein Facharbeiter muss

als gleich wertvoll

angesehen werden wie

ein ahS-absolvent.«

Peter Scherer

Geschäftsstelle Bau

BAUAkademie Österreich

Tatsächlich mangelt es nicht nur bei

handwerklichen Berufen wie Maurern,

Schalungs- oder Tiefbauern

an Fachkräften auch in der Administration

und im kaufmännischen

Bereich ist die Lage mitunter

prekär. Gar nicht zu sprechen von

qualifizierten Technikern. Wie lässt

es sich bewerkstelligen, für ein Riesenprojekt

wie ein Kraftwerk oder

ein Stadion auf einen Schlag rund

30 Bauingenieure zu gewinnen?

Viele Studierende technischer Studienrichtungen

werden noch vor

Studienende auf Berufsfachmessen

angeworben. Um Nachwuchs zu

gewinnen, kooperiert ALPINE

mit zahlreichen Universitäten in

osteuropäischen Ländern von

der Vergabe von Diplomarbeitsthemen

und Stipendien bis zu Praktika

oder Traineestellen. Darüber hinaus

muss man die „Schätze“ im eigenen

Haus fördern. Wir müssen heute

anfangen, die Fachkräfte von morgen

heranzubilden. Dabei gilt es,

das vorhandene Potenzial zu nutzen

und den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern

Karrierechancen zu bie-

ten“, sagt Michael Pichler, der das

Recruiting und die Personalentwicklung

bei ALPINE leitet.

man lernt nie auS

fACTS & fIGURES

Die Anforderungen an Fachkräfte

steigen. Ein Bauleiter braucht heute

neben seinem Fachwissen auch

rechtliche Grundlagen, kaufmännisches

Verständnis und Social Skills.

Um dem gewachsen zu sein, müssen

sich selbst Experten mit akademischem

Abschluss laufend weiterbilden.

Ein Beispiel ist Andrei

Boghez, der derzeit den Bau der

Unterführung der Hauptverkehrsader

DN2A in der ostrumänischen

Stadt Constanţa leitet. Der 30-jährige

Rumäne begann bereits während

seines Studiums an der Technischen

Universität in Bukarest bei

ALPINE zu arbeiten.

Im Jahr 2009 durchlief Boghez das

interne Site Manager Development

Program, das 2010 mit dem Internationalen

deutschen Trainingspreis

in Silber ausgezeichnet wurde.

„Durch diese Weiterbildung habe

ich verstanden, wie wichtig die Organisation

eines Projektes ist und dass

fACH-KARRIERE BEI ALPINE

> Rund 200 lehrlinge

> Trainings on the Job; Fach- und Führungsseminare

> aufbauprogramme für Poliere, Techniker & Bauleiter

> Berufsbegleitendes Fernstudium mit der

Fachhochschule leipzig

> Traineeprogramme für Bauingenieure

> diverse lehrgänge für Techniker und Bauleiter

(z. B. Bauen im ausland)

Ü www.alpine.at/karriere

Ü www.alpinelehrling.at

nur Teamwork zum Erfolg führt“,

sagt Boghez heute. Das Besondere:

Den Großteil der Inhalte setzen

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

von ALPINE um, auf dem Stundenplan

stehen Projektmanagement

oder Controlling ebenso wie Exkursionen

zu Großbaustellen in Österreich

und im CEE-Raum.

Der Spruch „Was Hänschen nicht

lernt, lernt Hans nimmermehr“

hat ausgedient. Heute ist lebenslanges

Lernen angesagt und das

eröffnet neue Chancen für Unternehmen

und ihre Mitarbeiterinnen

und Mitarbeiter. Kein Patentrezept

gegen den Fachkräftemangel, aber

ein wichtiger Puzzlestein für die

Zukunft. //


eXpAts // SiNGaPuR

city:intro

Singapur liegt im Pazifischen ozean zwischen Malaysia und Indonesien.

Die Insel, auf der die Stadt Singapur erbaut wurde, wurde in

chinesischen Texten bereits im 3. Jahrhundert erwähnt. Sie war unter

dem Namen „Temasek“ bekannt, was so viel wie „Stadt am Meer“

bedeutet. Der heutige Name Singapur stammt aus dem Sanskrit und

heißt so viel wie „löwenstadt“. Sir Thomas Raffles erschloss die Insel

im 19. Jahrhundert für die East India Trading company und legte damit

den Grundstein für das heutige moderne Singapur.

expat:info

RAlf KäMMERER

50 Jahre // verheiratet // 1 Sohn // Studium zum

Bauingenieur // spricht Deutsch und Englisch //

insgesamt 12,5 Jahre für ALPINE tätig // lebt mit

Frau und Sohn derzeit in Singapur

expat:life

SIE HABEN SCHON IN AfRIKA, HONG KONG UND CHINA

GEARBEITET. WIE LANGE LEBEN SIE SCHON IMMER WIEDER IM

AUSLAND UND WIE HAT SICH DAS füR SIE ERGEBEN? Gleich nach

dem Studium waren 5 Jahre Auslandsaufenthalt geplant, insgesamt sind

es dann 21 Jahre geworden eins hat das andere ergeben. Jetzt hatte ich

die Wahl zwischen Hongkong und Singapur ich habe mich für Singapur

entschieden. WAS MöGEN SIE AN IHREM GASTLAND? Singapur ist

„Asien light“ sozusagen die Schweiz Asiens, alles ist gepflegt und

reglementiert. Das merkt man besonders am Bau, Vorschriften müssen

strikt eingehalten werden, besonders das „Safety System“ ist vorgegeben.

Singapur ist wirklich multikulturell. Obwohl der chinesische Teil der

Bevölkerung die Mehrheit bildet, sind alle Einwohner gleichberechtigt.

GIBT ES GENUG qUALIfIzIERTES PERSONAL AUf DER

BAUSTELLE? Es gibt viele Baustellen und immer neue Großbaustellen

das Angebot wird knapper, weil nicht mehr so viele ausländische

Arbeitskräfte nach Singapur dürfen. Aber die Reglementierungen seitens

der Regierung werden im Bedarfsfall wieder gelockert. Die Ausbildung ist

besonders bei Ingenieuren sehr gut, aber die Umsetzung ist anders. Vor

allem gilt ein anderer Zeitbegriff. WIE VERSTÄNDIGEN SIE SICH MIT

DEN ARBEITERN AUf DER BAUSTELLE? Auf Englisch die Baustelle

ist sehr international: Die Arbeitskräfte kommen aus Indien, Bangladesch,

China, England, Australien, Südafrika, Neuseeland, Dänemark, Malaysia,

Burma und Indonesien. WIE VERBRINGEN SIE IHRE fREIzEIT IN

SINGAPUR? Mit der Familie. Entweder gehen wir an den Strand,

besuchen einen der zahlreichen Spielplätze oder einen Freizeitpark

wenn es zu heiß ist oder regnet, gibt es auch Indoor-Angebote. WAS

BRAUCHEN SIE IM AUSLAND, UM SICH WOHLzUfüHLEN? Meine

Familie und ein zivilisiertes Umfeld, sodass sich meine Familie auch

wohlfühlt. Ganz besonders wichtig ist mir, dass der Teamgeist auf der

Baustelle passt.

region:facts

fläche: 712,4 Quadratkilometer

Stadtstaat, der flächenmäßig kleinste Staat

Südostasiens

Bevölkerungszahl: rund 5.076.700

Einwohnerdichte: 7.126 Einwohner pro km2

landessprachen: Englisch (Verwaltungssprache),

Chinesisch (Mandarin), Malaiisch (Nationalsprache) &

Tamilisch

Klima: Jahresdurchschnitt 27° C

Ethnische Gruppen: Chinesen 76,8 %, Malaien

13,9 %, Inder 7,9 %, Sonstige 1,4 %

höchste Erhebung: der 166 m hohe Bukit Timah Hill

alpine:project

Im Rahmen des Ausbaus der Downtown-Linie Bauphase

2 errichtet ALPINE drei neue Metrostationen

und eingleisige Metrotunnel mit einer Länge

von 5,72 Kilometer in Tunnelbauweise und 445

Meter in offener Bauweise. Die geotechnischen

Bedingungen und der Durchmesser der zu bauenden

Tunnels machen es erforderlich, speziell auf diese

Herausforderungen zugeschnittene Tunnelvortriebsmaschinen

zum Einsatz zu bringen. Davor

war ALPINE bereits bei zwei Baulosen der Circle

Line in Singapur beteiligt.


32 // UNTERNEHMEN

JucHTENKäFER

MüSSTE MAN SEIN

PROTESTKULTUR über Wutbürger, das Internet und moderne

Spannungsfelder in der Bauindustrie.

// aNdRee BOCK

N

iemals zuvor hat ein Insekt so viel mediale

Aufmerksamkeit bekommen wie seit einer

Weile der eher unscheinbare Juchtenkäfer. Er

ist weder besonders hübsch, noch fällt er durch besonderes

Verhalten auf. Er schillert nicht in tausend Farben

und schiebt keine Mistkugeln vor sich her; er stürzt

sich noch nicht mal in riesigen Schwärmen auf unsere

Ernte. Er ist ein einfacher, braunschwarzer Käfer. Was

ihn trotz seines durchschnittlichen Käferseins dennoch

so besonders macht, dass er durch die Presse getrieben

wird? Er ist selten, artengeschützt - und er lebt un-

ter anderem auf den Bäumen des Schlossparks Stuttgart.

Diese Bäume wiederum stehen dem Bauvorhaben

der Deutschen Bahn im Wege, die aus dem veralteten

Stuttgarter Kopfbahnhof einen modernen Durchgangsbahnhof

machen will.

der „WutbürGer“ Wurde Geboren

An diesen Käfern, aber beileibe nicht nur an diesen,

hat sich ein Protest entzündet, der die deutsche Sprache

um das viel zitierte Wort „Wutbürger“ ... kann man


wirklich sagen, bereichert hat? Um das moderne Protestbürgertum

weltweit geht es in diesem Artikel und

darum, wie sich Proteste durch den Einsatz des Internets

und der sozialen Netzwerke, des sogenannten Web

2.0, verändert haben.

Fakt ist, dass in Stuttgart mit harten Bandagen für und

gegen den neuen Bahnhof gekämpft wird. Das Besondere

daran aber ist, dass nicht der gewalttätige

Schwarze Block, also diejenigen, die traditionell gegen

alles sind, auf die Straße geht, sondern Menschen wie

Sie und ich. Die Normalos. Das Bürgertum.

So viel proteSt WeGen eineS unSCheinbaren

käFerS? natürliCh niCht.

Es wäre polemisch und unsachgemäß, die Massenproteste

gegen Stuttgart 21 auf den Schutz der Juchtenkäfer

zu reduzieren, auch wenn er derzeit eine große

Rolle spielt. Der Juchtenkäfer ist nur ein ahnungsloser

Beteiligter in einem Spiel, bei dem es um Politik geht,

um die Entwicklung einer ganzen Region und natürlich

auch um viel Geld.

manGelnde inteGrität Führt Zu

überbordendem proteSt

Von Seiten der Demonstranten geht es vor allem um

Glaubwürdigkeit und Integrität in puncto Baukosten.

Wenn man Integrität im Sinne von Wort geben/Wort

halten definiert, dann haben der Auftraggeber und

die zuständigen Politiker nicht integer gehandelt und

sich unglaubwürdig gemacht. Denn wer vier Milliarden

Euro als Baukosten angibt, braucht sich über den

Aufschrei der Steuerzahler angesichts der de facto acht

Milliarden Baukosten nicht zu wundern. Man übertreibt

wohl nicht, wenn man sagt, dass die Menschen

in Stuttgart sich verschaukelt, belogen und ohnmächtig

fühlen.

Dass sie zumindest Letzteres, also machtlos, nicht

sind, zeigt der voraussichtlich dreimonatige Baustopp

in Stuttgart, der beim Schreiben dieses Artikels gerade

von einem deutschen Gericht beschlossen wurde. Raten

Sie mal, worum es in diesem Verfahren ging. Genau,

um den Juchtenkäfer. Der Schutz seines Habitats

wurde gesetzeskonform als wichtiger eingeschätzt als

der Bau des Bahnhofs. Und so stehen alle Räder still.

ein SChelm, Wer böSeS dabei denkt

Böse Zungen mögen einwenden, dass es den Klägern

nicht ausschließlich um das Wohlergehen der Juchtenkäfer

ging. Sondern dass er ihnen einfach nur in

die Karten spielte, um den Bau zu verhindern. Das

ist selbstverständlich nur eine Hypothese, und selbst

wenn: Es entspricht den Gesetzen.

Und mal unter uns: Wer ertappt sich denn nicht zumindest

bei einem Schmunzeln angesichts der Tatsache,

dass ein schnöder Käfer die Deutsche Bahn vorüberge-

hend in die Knie gezwungen hat? David gegen Goliath

funktioniert eben immer. Und selten war David kleiner

und Goliath ... goliathischer.

Stell dir vor, eS iSt demo und alle

Gehen hin

Und selten war ein Protest besser organisiert und medial

begleitet. Wo vor ein paar Jahrzehnten in Fabriken

bei der Kaffeepause oder in dunklen Hinterzimmern

der Protest gegen Diskriminierung, Hunger oder

niedrige Löhne organisiert wurde, werden heutzutage

soziale Netzwerke wie Twitter und Facebook bemüht,

um einen Käfer zu schützen. Google Maps zeigt den

kürzesten Weg von der Uni zum Protestort - die genaue

Kenntnis des eigenen Stadtteils, die früher dem Katzund-Maus-Spiel

mit der Polizei zuträglich war, ist heute

nicht mehr entscheidend. Viel wichtiger ist es, ein

Smartphone mit GPS und Kamerafunktion bedienen

zu können. Aufmerksamkeitsstarke Bilder und Videos

landen so innerhalb von Sekunden im Netz und sorgen

für die Schlagzeilen in den Abendnachrichten.

alle Sehen alleS, überall und ZuGleiCh

Das ist im Übrigen die eigentliche Sensation, denn wir

leben heutzutage in internationaler Echtzeit. Das heißt,

wir bekommen den Großteil der weltweiten Ereignisse

live und in Farbe mit. Das war früher nicht möglich.

Zum Vergleich: Im Jahre 1938 fand die erste Weltmeisterschaft

im Fußball statt, und zwar in Uruguay.

176

291

Google Maps

zeigt den

kürzesten Weg

von der uni zum

Protestort.






BäuME WuRDEN IM MITTLEREN

ScHLoSSGARTEN IM FEBRuAR 2012

GEFäLLT oDER VERPFLANZT, DAMIT DER

TRoG FüR DEN TIEFBAHNHoF AuSGE-

HoBEN WERDEN KANN.









BäuME WIRD DIE BAHN LAuT PLAN-

FESTSTELLuNGSBEScHLuSS IM RAHMEN

VoN GESTALTuNGSMASSNAHMEN

uND ZuR PARKERWEITERuNG NEu

PFLANZEN.

33


34 // UNTERNEHMEN

Aufmerksamkeits-

starke Bilder und

Videos landen

innerhalb von

Sekunden im Netz

und sorgen für

Schlagzeilen.

Knapp 60 % der

Bürger in Baden-

Württemberg

stimmten in

einer Volksab-

stimmung am

27. 11.2011

für den Weiter-

bau des neuen

Bahnhofs.

Nach dem Endspiel hat es drei Wochen gedauert, bis

die Nachricht von Uruguays Triumph per Schiff nach

Deutschland übermittelt wurde.

Stirbt der SeriöSe journaliSmuS auS?

Und es ist eine Entwicklung, die insbesondere gestandenen

Journalisten Sorgenfalten auf die Stirn wirft.

Denn wo es vor ein paar Jahren noch zwei Wochen

gedauert hat, bis ein Artikel den Weg durch die Blogosphäre,

also die Welt der Blogbetreiber, bis in die

Abendnachrichten fand, beklagt mancher seriöse Journalist,

dass sich die Medien heutzutage durch die Blogosphäre

Themen vorgeben lassen.

Die deutsche Zeitung mit den vier großen Buchstaben

hat das Ganze zur Kunstform erhoben. Leser werden zu

„Fotoreportern“, die Redaktion schreibt einen knackigen

Text und fertig ist die neue Schlagzeile, den neuen

Telefonen mit Fotoapparat sei Dank. Denken wird, wir

SHORTCUTS // STUTTGART 21

begrüßen einen weiteren Neuankömmling in der deutschen

Sprache, outgesourct.

Ein Ergebnis: Die Proteste in Stuttgart erreichten anfangs

eine Aufmerksamkeit wie die Revolutionen im

Nahen Osten, die ungefähr im gleichen Zeitraum stattfanden.

lieGt StuttGart im nahen oSten?

Allein diese Tatsache bietet ausreichend Stoff für eine

seitenlange Medienanalyse, aber wir lassen das zunächst

einmal unkommentiert so stehen und betrachten

lieber die Parallelen, die sich bei diesen beiden

Fällen aufdrängen. Denn die Aktivisten im Nahen Osten

und die in Stuttgart nutzten die gleichen medialen

Werkzeuge.

Gerade hier zeigt sich, welch großen Einfluss das Internet

auf die Protestkultur und die Öffentlichkeit hat: Die

BAhNhöfE Hauptbahnhof Stuttgart mit acht Bahngleisen // Filderbahnhof Flughafen mit Station Terminal und Station Neubaustrecke //

S-Bahn-Station Mittnachtstraße in Stuttgart // Abstellbahnhof untertürkheim

STREcKE 57 km Gesamtstreckenlänge // davon 29,9 km Schnellfahrstrecke // davon 33 km Tunnel- und Durchlassstrecke // 16 Tunnel und

Durchlässe // 18 Brücken // 3 Personenbahnhöfe // 1 Abstellbahnhof // etwa 9 Jahre Bauzeit

GESchWINDIGKEIT max. 250 km/h


Bilder der Demonstrationen und der Reaktionen der

Regime in Ägypten und Libyen gingen in Echtzeit um

die Welt, was den Entscheidungsprozess pro Intervention

enorm beschleunigt hat. Der öffentliche Druck auf

die Regime wurde immer größer und größer und so tat

sich die Weltöffentlichkeit viel leichter damit, zum Beispiel

Luftangriffe gegen das libysche Regime zu akzeptieren,

als dies ohne die Bilder der misshandelten Regimegegner

möglich gewesen wäre.

Aber nicht nur internationale Krisenherde, wir alle befinden

uns unter einer digitalen Lupe, was schon kleineren

Kalibern als Herrn Dr. von und zu Guttenberg

schlecht bekam.

Das ist Fluch und Segen zugleich. Man muss beispielsweise

kein Magier sein, um zu schätzen, dass sich BP

bei der Beseitigung der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko

etwas mehr Zeit gelassen hätte, wenn die Weltöffentlichkeit,

befeuert durch die Bilder des ausströmenden

Öls und der sterbenden Vögel, nicht Druck

ausgeübt hätte.

die herauSForderunGen von heute

Jeder Baukonzern, auch ALPINE, bewegt sich mit seinen

Aktivitäten in diesem Spannungsfeld aus Anforderungen

der Auftraggeber, wirtschaftlichen Notwendigkeiten,

umweltschutztechnischen Auflagen und den

Interessen der Anrainer. Als besonderes Beispiel dafür

kann wohl der Bau zweier U-Bahn-Stationen in der

dicht bebauten Londoner Innenstadt genannt werden.

Um die Lärm- und Staubbelästigung einzudämmen

und damit der sensiblen Umwelt und den Anrainern in

dicht bebautem Stadtgebiet gerecht zu werden, muss

die oberirdische Baustelle eingehaust werden. Dafür

sind besondere Kran- und Betonmischanlagen erforderlich.

Enge Zugangsschächte, über die die gesamte Tunnelbaustelle

versorgt werden muss, eine kritische Verkehrssituation

mitten in der Londoner City und beengte

Platzverhältnisse über den Zugangsschächten

stellten die Mitarbeiter vor logistische Herausforderungen.

und dann Sind da natürliCh noCh die

moraliSChen herauSForderunGen

Darf man in einem Land, in dem politisch Andersdenkende

verfolgt werden, einen Bauauftrag annehmen

und durchführen? Wie weit darf man in die Natur eingreifen?

Ein weltweit agierender Baukonzern wie ALPINE bewegt

sich in einem sehr komplexen Gebilde aus Interessengemeinschaften

und befindet sich damit in bester

Gesellschaft aller Beteiligten. Interessiert schauen

deswegen viele Baufirmen auf den Baustopp und fragen

sich, wie die beteiligten Unternehmen mit dem Baustopp

umgehen. Hier kann jeder Konzern viel über ge-

sellschaftlicheVerantwortung lernen, denn

wo Juchtenkäfer geschützt

werden, gedeihen

kleinere Sub-Unternehmer

eher schlecht.

Wer die meinunGShoheit

hat, GeWinnt?

Die ganze Stuttgart-21-Geschichte,

die diesem Artikel als Handlauf für

die modernen Anforderungen an

die Baubranche gedient hat, lädt

umso mehr zum Kopfschütteln

ein, wenn man sich vor Augen

führt, dass durch die mediale

Präsenz der Proteste der

Eindruck erweckt wurde, eine

ganze Region stünde geschlossen

hinter den Protesten. Bis

der Volksentscheid kam und

alles ad absurdum geführt hat.

Denn siehe da, auf einmal

stellt sich heraus, dass die

Mehrheit der Bürger den Bau

will. Vielleicht haben sie die Argumentationen

gelesen, dass Stuttgart

ohne den Ausbau des Bahnhofs langsam,

aber sicher vom europaweiten Güterverkehr

abgekoppelt werden würde und alle

mehr verlören als die abstrus gestiegenen

Baukosten.

Von all dem weiß der Juchtenkäfer zum Glück

nichts. //

35

Flashmob

KuRZER, ScHEINBAR SPoNTANER

MENScHENAuFLAuF AuF öFFENTLIcHEN

oDER HALBöFFENTLIcHEN PLäTZEN //

TEILNEHMER KENNEN SIcH NIcHT PER-

SöNLIcH uND TuN uNGEWöHNLIcHE

DINGE // SPEZIELLE AuSPRäGuNGSFoR-

MEN DER VIRTuELLEN GESELLScHAFT //

oNLINE oRGANISIERT // uRSPRüNGLIcH

NIcHT PoLITIScH MoTIVIERT


36 // LEBENSRäUME

hohe Räume,

Parkett, flügeltüren,

und große

fenster versus

Neubau

fASzINATION ALTBAU

Das Leben in alten Mauern ist in. Aber was macht den Reiz von Altbauten aus?

Wie wohnt und arbeitet es sich in historischem Ambiente?

Und was ist bei einem Umbau zu beachten?

q

uietschende Dielen, schiefe Wände, und der

Wind pfeift durch alle Ritzen. Mit solchen

Klischees haben modernisierte Altbauten

von heute nichts mehr gemeinsam. Sie verbinden den

Charme früherer Zeiten mit modernstem Innenleben

und zeitgemäßem Wohnkomfort. Aber bis es so weit

ist, sind Zeit und Fachleute gefragt.

Wohnen mit Charakter

Oft werden unter Altbauten Häuser aus der Zeit der

Jahrhundertwende verstanden. Sie zeichnen sich durch

hohe Räume, geräumige Zimmer und große Fenster

aus. Das sorgt für ein großzügiges Wohngefühl und viel

// Claudia RiedMaNN

Licht. „Die hohen Räume und das weite Ambiente befreien

den Geist“, sagt Gerlinde Baldauf. Die 40-jährige PR-

Beraterin bewohnt mit ihrem Mann und drei Kindern

eine umgebaute Altbauwohnung auf 140 Quadratmetern.

Besonders angetan haben es ihr die dicken Wände,

der Parkettboden, die Flügeltüren und die Kastenfenster.

„Ein Neubau mag schick sein, aber er ist sicher

nicht so heimelig“, verweist Frau Baldauf auf den Gegensatz

zu modernen Glas-Stahl-Bauten.

Alte Gebäude haben Charakter. Aber sie weisen auch

Nachteile auf, wie eine schlechte Wärmedämmung,

Feuchtigkeit in der Struktur oder zugige Fenster. Bis

eine Wohnung heutigen Standards entspricht, ist viel


Arbeit erforderlich, von der Entfeuchtung über die

Isolierung und neue Fenster bis zum Heizsystem.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren große Wohnungen

ein Statussymbol für bürgerliche Familien.

Hohe Räume galten als Zeichen des Wohlstands,

auch konnte die schlechte Luft nach oben steigen.

Die Arbeiterschicht lebte im Gegensatz dazu in beengten

Verhältnissen und musste ihren Lebensraum

mit nächtlichen „Bettgehern“ und Ungeziefer teilen.

Heute gelten revitalisierte Gebäude in Altstädten als

begehrte Immobilien. Sie verheißen ein tolles Lebensgefühl,

verfügen über exzellente Innenstadtlagen

und sind dadurch auch für Einzelhandel und Büros

interessant.

herauSForderunG Statik

Ein Beispiel ist das Palais an der Oper in München.

Auf dem fast 4.600 m2 umfassenden Grundstück

der ehemaligen Residenzpost entsteht bis Ende

2012 ein hochwertiges Gebäude-Ensemble mit rund

32.000 m2 Bruttogeschossfläche. Nach der Fertigstellung

wird das Gelände zum Flanieren zwischen Cafés

und Geschäften einladen und Wohnungen und Büros

in exklusiver Lage bieten. Die historischen Wurzeln

des Hauptgebäudes reichen bis ins 17. Jahrhundert

zurück. Im 19. Jahrhundert baute der Architekt Leo

von Klenze das Haus zum Stadtpostamt um, im Krieg

wurde es massiv beschädigt und in der Folge nach

Umbauten bis auf die denkmalgeschützten Bereiche

entkernt.

Eine Vorgabe für dieses Projekt war, die historische

Fassade und den Opernsaal zur Maximilianstraße

zu erhalten. Neu errichtete Gebäudeteile sollten sich

harmonisch in den Komplex einfügen. Dies stellte die

Experten von ALPINE beim Ingenieur-, Roh- und

Umbau vor spezielle Herausforderungen. „Die größte

Hürde bei solchen Projekten ist die technische Umsetzung

aus statischer Sicht. Und natürlich auch, dem Denkmalschutz

gerecht zu werden“, erklärt Bauleiter Alexander

Kümpel. Die Tragfähigkeit des Bestands darf beim

Umbau zu keinem Zeitpunkt gefährdet werden. Keine

einfache Vorgabe, angesichts des Herausbrechens

ganzer Geschossdecken sowie großer Mauerauswürfe

über mehrere Geschosse.

Wertvolle bauSubStanZ

Eines steht außer Frage: Das Leben im Altbau ist in.

In vielen Städten entstehen Projekte auf historischem

Boden. Aber die Umsetzung ist nicht einfach. Die vielen

erforderlichen Abstimmungen mit Architekten,

Denkmalschutzbehörden und sonstigen Beteiligten

können die Vorplanungszeit hinauszögern. Beim Umbau

muss äußerst sensibel vorgegangen werden und

täglich warten neue Herausforderungen auf die Ausführenden.

„Nicht immer steckt das hinter den Mauern,

was wir annehmen. Die Pläne entsprechen häufig nicht

mehr dem Bestand, vermeintlich stabile Wände weisen

Hohlräume auf“, erklärt Karl Kohn. Er ist Oberbau-

37


38 // LEBENSRäUME

HISTORISCHE LUxUS-IMMOBILIE Palais an der Oper, München

Geplante Fertigstellung: Ende 2012, Umfang: 4.590 m2 Grundstück, 32.000 m2

Bruttogeschossfläche, Nutzung: Büros, Praxen, Einzelhandel (Louis Vuitton),

Gastronomie, Wohnungen

Bauherr: LBBW Immobilien, Accumulata Immobilien Development GmbH

STIL IN BESTER LAGE N˚195 Kudamm, Berlin

Geplante Fertigstellung: Ende 2012, Umfang: 4.500 m2 Grundstück, 62.000 m3

Gebäudevolumen, 15.200 m2 Geschossfläche, Nutzung: Büros, exklusiver Einzelhandel,

Gastronomie, Tiefgarage

Bauherr: FREO Immobilien

EINzIGARTIG WOHNEN, SHOPPEN UND ARBEITEN Hofstatt, München

Geplante Fertigstellung: Ende 2012/Anfang 2013

Umfang: ca. 10.800 m2 Grundstück, ca. 42.500 m2 Geschossfläche, Nutzung: Büros,

Einzelhandel, Gastronomie, Wohnungen

Bauherr: LBBW Immobilien

leiter von ALPINE für die Hofstatt München, eines der

bedeutendsten Stadtentwicklungsprojekte der bayerischen

Hauptstadt.

Insgesamt sind hier ca. 18.000 m2 Büroflächen, ca.

15.500 m2 für Einzelhandel und Gastronomie sowie 69

Wohnungen geplant. Neben der Errichtung von zwei

neuen Gebäuden revitalisiert ALPINE zwei denkmalgeschützte

Altbauten ein Wohn- und Geschäftshaus aus

dem Jahr 1892/93 sowie das ehemalige Druckereigebäude

des Süddeutschen Verlags aus den 1920er Jahren.

Mit beträchtlichem Aufwand: Die genietete und tragende

Stahlkonstruktion blieb erhalten, aber das Innere

des Druckereigebäudes wurde komplett neu aufgesetzt.

Selbst das Fundament musste für eine im ersten Untergeschoss

geplante Verkaufspassage abgesetzt werden.

GeFraGte CurryWurSt-bude

Ein anderes Projekt von ALPINE erregte wegen eines

Alt-Mieters Aufsehen: Am Kudamm 195 in Berlin

befindet sich seit über dreißig Jahren Berlins wohl

berühmteste Currywurst-Bude. Es galt, ihr Geschäft

sowie den laufenden Betrieb einer ebenfalls eingemieteten

Bank beim Umbau zu erhalten. Das bestehende

Gebäude-Ensemble aus den 1960er Jahren wird derzeit

saniert, daneben entsteht ein gläserner Neubau. Künftig

sollen hier auf 15.200 m2 Fläche hochwertige Büro-

und Einzelhandelsflächen sowie Tiefgaragenstellplätze

zu finden sein.

Das denkmalgeschützte zwölfgeschossige Hochhaus

wird in originalgetreuer Optik wieder aufgebaut und in

das Projekt integriert. „Der Neubau musste eine Schrägfassade

erhalten, damit der Blick auf das historische Hochhaus

bestehen bleibt“, erklärt die ALPINE Projektleitung

eine der Vorgaben des Denkmalschutzes. Das Bestandsgebäude

wurde durch den Einbau einer weißen

Wanne von unten wasserdicht gemacht. Eine Herausforderung

ist, wie auch bei vielen anderen Projekten,

mit neuen Materialien den Altbestand nachzubauen.

Die Revitalisierung eines Altbaus verlangt allen Beteiligten

von den Hausherren über die Planer bis zu

den Ausführenden viel Kopfzerbrechen ab. Aber die

Arbeit lohnt sich, wie Altbau-Eigentümerin Gerlinde

Baldauf bestätigt: „Ob ich jemals wieder in einen Neubau

ziehen möchte? Nein danke!“ //


EINblICkE

SEITE 28

06.12.1774

Am 6. Dezember 1774 wurde die „Allgemeine Schulordnung

für die deutschen Normal-, Haupt- und Trivialschulen in

sämmtlichen Kayserlichen Königlichen Erbländern“ eingeführt.

Dadurch wurden der Schulbetrieb und die Unterrichtspflicht

geregelt. Für sechs- bis zwölfjährige Kinder

wurde eine einklassige Volksschule eingeführt. Nach dem

Tod Maria Theresias gab es 500 dieser

Trivialschulen. Damit gelang es aber

noch keineswegs, alle Kinder zu

unterrichten.

monovalent

und bivalent

SEITE 20

SEITE 43

Funketiketten

SALZBURGER FESTSPIELE 1N Z4HL3N

95 Prozent betrug die Auslastung der Festspiele 2010. Rund 250.000 Gäste aus 72 Nationen besuchten in 35 Tagen an 14 Spielorten

190 Aufführungen in den Sparten Oper, Konzert und Schauspiel. 3.145 saisonal angestellte Mitarbeiter und 200 Ganzjahresbeschäftigte

waren vor und hinter den Kulissen beschäftigt.

268

SEITE 14

Krankenanstalten in Österreich waren 2010

in folgende Versorgungssektoren unterteilt:

178

häuser Akut-Krankenanstalten

25

häuser langzeitversorgung

60

häuser Rehabilitation

5

häuser Genesung/Kur

RFID - „radio-frequency

identification“ lässt sich mit

„Identifizierung mit hilfe elektromagnetischer Wellen“

übersetzen. RFID-Responder können so klein wie ein

Reiskorn sein und implantiert werden. Ein System besteht

aus einem Transponder, der den kennzeichnenden Code

enthält, und einem Lesegerät, das den Code auslesen kann.

Die Einsatzbereiche liegen in Zutrittskontrollsystemen,

Zeiterfassungssystemen, aber auch der Verrechnung von

Leistungen und Waren.

Bivalent heißt, dass das Auto wahlweise mit Erdgas und Benzin betrieben werden

kann, also über einen Erdgas- und einen Benzintank verfügt. Beim bivalenten

Antrieb können die Kraftstoffe mittels Knopfdruck während der Fahrt problemlos

gewechselt werden. Die Zukunft gehört jedoch der monovalenten Variante.

Monovalente Fahrzeuge fahren nur mit Erdgas oder verfügen über einen kleinen Benzintank

bis maximal 15 Liter. Durch die Optimierung auf Erdgas werden die Vorteile

des Kraftstoffs besser genutzt als im bivalenten Antrieb.

SEITE 20

SEITE 44

drei

monate

3 Monate können die heimischen

Kunden aus Inlandsproduktionen,

Speichern und anderen Importquellen

mit Gas versorgt werden. Mit

diesen Vorräten liegt österreich

im europäischen Spitzenfeld.


40 // INNOVATION

LTE Manche Digital Immigrants werden sich noch mit Schaudern

an die Anfänge der digitalen Datenübertragung erinnern das Summen

und Surren in einer Ecke der Wohnung, während des Internet-

Surfens, oder das unmelodische dü-dü-dü beim Einwählen ins Internet.

Immer ein wenig Spannung, ob das Modem die Verbindung zum

World Wide Web auch schaffen würde.

// iNeS SCHMiedMaieR


D

ann der zeilenweise Aufbau

von Bildern, falls der

Webdesigner sie nicht

webkonform komprimiert hatte.

Minutenlanger Download von E-

Mails, denen ein zu großes Attachement

angehängt war … Geübte deaktivierten

im Browser die Anzeige

von Grafiken beim Surfen sogar, um

Textinformationen schneller laden

zu können. Ach ja, und telefonieren

konnte man auch nicht zur gleichen

Zeit. Zumindest nicht vom Festnetz,

denn in der Buchse für das Telefon

steckte ja das Modemkabel.

ortSunabhänGiGer

breitband-internetZuGanG

mit 4G-Standard

Die Kids von heute, deren Finger

mit den Touch-Screens ihrer Mobile

Devices bereits verwachsen zu

sein scheinen, können sich das gar

nicht mehr vorstellen. Für sie ist die

Übertragung von Sprache, Daten,

Videos und Bildern von einem einzigen

Gerät selbstverständlich geworden.

Was heute in den eigenen

vier Wänden mittels WLAN möglich

ist, nämlich auch zeitkritische Anwendungen

wie Spiele und Videos,

Fernsehsendungen und Internetradio

„ruckelfrei“ zu nutzen, soll nun

immer und überall verfügbar sein.

Mit LTE (Long Term Evolution) sollen

Endgeräte permanent mit dem

fACTS & fIGURES

LTE-GESCHWINDIGKEIT

die Geschwindigkeit beim neuen lTe-Standard soll

bis zu 100 mbit/sec im download und ca. 50 mbit im

upload betragen sie übertrifft damit uMTS um ein

Vielfaches. So werden (Stand März 2010) mit uMTS

maximale Geschwindigkeiten von 3,6 bis 7,2 mbit/sec

erreicht. in Vorführungen wurden mit Hilfe von lTe

bereits astronomische Werte von 1,3 Gbit (150 MB pro

Sekunde!) vorgeführt, dies entspräche dem 180-fachen

der aktuellen uMTS (Höchst-) Geschwindigkeit.

die Ziele für lTe sind die Verbesserung der effizienz,

eine Senkung der Kosten, die Verbesserung der

dienstleistungen und die Nutzung der neuen Frequenzen

sowie eine bessere integration mit anderen

offenen Standards.

Ü www.mobiles-lte-internet.de/lte-technik

Internet verbunden sein können

und drahtlosen, ortsunabhängigen

Breitband-Internetzugang gewährleisten.

jeder Standort Wird

individuell umGerüStet

Doch bevor das neue Netz zur Verfügung

steht, müssen die technischen

Voraussetzungen dafür

geschaffen werden. Der neue LTE-

Standard setzt auf den bestehenden

Infrastrukturen der UMTS- und der

GSM-Netze auf.

Welche bestehenden Standorte

sich für die Umrüstung eignen,

entscheidet zumeist die Funkplanung.

Abhängig von der Reichweite

der Funkzellen, der Bevölkerungsdichte

und Topologie ergibt

sich die optimale Verteilung und

Lage der Standorte. Bei bestehenden

Standorten werden vorhandene

Infrastrukturen nur noch erweitert,

Antennenanlagen ergänzt und ausgerichtet,

die Übertragungssysteme

installiert und die Anlage in Betrieb

genommen. Muss ein Standort neu

errichtet werden, müssen Tragekonstruktionen

auf den umliegenden

Dächern oder Masten befestigt

werden. Doch nicht nur die Funktechnik

ist entscheidend. Schon

während der Planung muss ähnlich

wie bei einer Baugenehmigung

eine Vielzahl von Faktoren mit

bedacht werden. Eigentümer der

bestehenden Funkstandorte müssen

über bevorstehende Baumaßnahmen

informiert werden oder

Anpassungen in Gestattungsverträgen

zustimmen. Die Planung ist

im Vorfeld genau abzustimmen, um

Interferenzen zwischen den Funkfeldern

der jeweiligen Anlagenbetreiber

zu vermeiden. In Deutschland

wird die Funkversorgung von

der Bundesnetzagentur reguliert.

daS herZStüCk iSt die

projektdatenbank

Eine besondere Herausforderung

bei solchen Projekten, die hunderte

einzelner Baustellen umfassen,

liegt in der sorgfältigen Ressourcenplanung

im Vorfeld und einem

immer verfügbaren Überblick über

den Status der Einzelprojekte. „Das

LTE-Sende-/Empfangseinheit (RRU - Remote Radio Unit)

41

für jeden

Standort gibt es

individuelle

Ansprechpartner,

die auch von

Region zu Region

variieren.

MMS, Video Chat,

HD-Radio, mobile TV,

HD TV, DVB und

normales Telefonieren

soll in diesem Netz

möglich sein.


42 // INNOVATION

SHORTCUT

DIGITAl NATIVES VS. DIGITAl IMMIGRANTS

„Digital Natives“ (dt.: Digitale Eingeborene) sind Personen,

die mit digitalen Kommunikationstechnologien wie computer,

Internet, Mobiltelefonie und digitalen Dateiformaten wie

MP3 aufgewachsen sind. Sie zeichnen sich durch schnelle

Informationsaufnahme und verarbeitung, Multitasking-

Fähigkeit, „Hyperlinking“ anstelle einer linearen Denkweise,

Lernen mittels Trial-Error-Prinzip, eine hohe Affinität zu

Spielen und Feedback Mechanismen sowie die Tendenz zu

Teamwork aus. Im Gegenzug dazu haben die „Digital Immigrants“

(dt.: Digitale Einwanderer) diese Technologien erst im

Erwachsenenalter erlernt und ihre digitale umwelt für sich

adaptiert, indem zum Beispiel E-Mails ausgedruckt werden

oder Websites gemeinsam angeschaut werden, anstatt

Links zu verschicken.

Das Vergessen

von einzelnen

Komponenten

kostet Zeit und

Geld.

Herzstück dabei ist eine umfassende

Datenbank, in der alle Baustellen

detailliert erfasst sind“, berichtet

Axel Lange von ALPINE-ENERGIE,

„alle Projektmitarbeiter greifen auf

die Datenbank zu“, so Lange weiter.

Damit ist es den Projektverantwortlichen

möglich, dem Auftraggeber,

das sind in der Regel die

Netzbetreiber, über den Status jeder

einzelnen Baustelle sowie über

den Gesamtstatus des Roll-outs

Auskunft zu geben. Die Datenbank

enthält genaue Informationen über

Plan- und IST-Stände einzelner

Funkstandorte und gibt Aufschluss

über die Erreichung wesentlicher

Meilensteine.

kein überbliCk ohne

datenbank

Detaillierte Informationen wie Namen

und Telefonnummern von

Standorteigentümern, Behörden

und Ansprechpartner der Netzbetreiber

die von Standort zu Standort

variieren können - werden genauso

erfasst wie die Gründe für

20 SEC. // lte-roll-out in DeutschlAnD

Richtfunksystem zur Datennetzanbindung

Verzögerungen und Anfahrtspläne

zu den einzelnen Funkstandorten.

Die Prozesse selbst, mit denen

ein neuer Standard eingeführt wird,

sind in einzelnen Prozessschritten

definiert und sehr eng mit den Prozessen

der Netzbetreiber verzahnt.

Oft verschieben sich jedoch die

Zeitpläne, wenn eine Genehmigung

fehlt oder die Witterung die Bautätigkeit

nicht zulässt. Mit fortschreitendem

Projekt laufen die Zeitschienen

der Einzelprojekte oft weit

auseinander. Ohne Datenbank wäre

es daher kaum möglich, den Überblick

zu bewahren.

die monteure Sind nomaden

Montag früh beladen die Monteure,

die in Teams von zwei oder drei

Technikern arbeiten, ihre Autos mit

Stahl-, Elektro- und Kommunikationsbauteilen.

Die ganze Woche

über fahren sie die Standorte auf

ihrer individuell geplanten Route

an. Genaue Stücklisten geben darüber

Auskunft, was mitgenommen

werden muss. Vergessen kos-

tet Zeit und Geld - denn wenn ein

Teil fehlt, muss vor Ort für Ersatz

gesorgt werden. Denn die Niederlassung

und damit das Materiallager

liegen oft hunderte Kilometer

entfernt. Zudem sind spezielle

Montagekomponenten nicht überall

erhältlich.

Flächendeckende Roll-outs finden

alle paar Jahre statt, meist wenn

eine neue Technologie eingeführt

werden soll. Dann werden Mitarbeiter

vielerorts gebraucht. Die

Ressourcenplanung bei ALPINE-

ENERGIE ist grenzüberschreitend,

ein Austausch innerhalb der Ländergesellschaften

findet statt. 2011

arbeiteten österreichische Monteure

in Mecklenburg-Vorpommern und

Schweizer Kollegen in Frankreich,

Deutschland und Luxemburg. Flexibel

müssen die Techniker sein,

denn die Funkstandorte können

überall sein von den ostfriesischen

Inseln bis zur Zugspitze oder

vom Montblanc-Massiv bis nach

Budapest. //

Zuerst soll die Netzabdeckung in den ländlichen Gebieten erfolgen, erst dann werden die Ballungsräume umgerüstet. der Roll-out des

uMTS-Standards erfolgte umgekehrt. Nach der Versteigerung der uMTS-lizenzen an die Netzbetreiber 2001 musste eine Netzabdeckung

von 50 % innerhalb von 5 Jahren in der Gesamtbevölkerung erreicht werden. Zuerst wurden die Ballungszentren und die stark frequentierten

Verkehrswege abgedeckt, die ländlichen Regionen blieben unerschlossen, zum Teil sind sie es noch heute. das soll sich jetzt

ändern, auch in den kleinen dörfern in dünn besiedelten Gebieten soll die Netzabdeckung mit dem neuen 4G-Standard zuerst erfolgen.


..... aufgeladen

STROMTANKSTELLEN Die Anzahl an strombetriebenen Fahrzeugen

ist im Steigen begriffen schon in naher Zukunft soll ein flächendeckendes

Netz an Stromtankstellen dafür sorgen, dass Fahrzeuge

immer und überall „unter Strom“ stehen.

ENERGIE TANKEN

Ob daheim oder am Arbeitsplatz,

in Parkhäusern, vor dem Supermarkt

oder im öffentlichen Bereich - in wenigen

Jahren wird es an vielen

Plätzen möglich sein, Elektromobile

ganz nebenbei zu laden.

ElEKTRoMoBIlE VIElfAlT

Die elektromobile Zukunft wird zunehmend

bunter - neben Elektroautos

sind auch immer mehr E-Bikes,

E-Scooter und Segways auf den

Straßen und Radwegen unterwegs.

ZAhluNGSMöGlIchKEITEN

Je nach Ladesäulentyp erfolgt die

Bezahlung über Kredit- oder EC-Karte,

für beschränkte Nutzergruppen

auch via Magnet- und RFID-Card. In

absehbarer Zeit kann über Near

Field Communication (NFC) auch per

Handy abgerechnet werden.

REIchWEITE

An über 80 % der Tage eines Jahres

werden weniger als 40 Kilometer zurückgelegt.

Die Summe der Tagesfahrleistungen

unter 40 Kilometer

entspricht mehr als 50 % der Jahresfahrleistung

- damit wird Elektromobilität

attraktiv.

lADEDAuER

Es wird zwischen Normalladung und

Schnellladung unterschieden. Für

eine typische Speichergröße von 20

kWh ergibt sich bei langsamer

Heimladung eine Ladezeit von

5.5 h (3,7 kW/16 A einphasig), mit

optimierter Heimladestation 30 min.

(22 kW/32 A dreiphasig) und mit

Schnellladung ca. 5 min (240 kW DC).

Ü www.alpine-energie.com

43


44 // CITy PORTRAIT

Salzburg-

zu Füßen des

Mönchsbergs

In Salzburg gibt man sich gerne die Kugel.

Meist bleibt es nicht bei einer. Man gibt die Kugel auch anderen. Ist der Gaumen erst einmal

durch den Pistazienkern und seinen Nougatmantel verwöhnt, will er mehr. Seit mehr als hundert Jahren

sorgt die vom Konditormeister Paul Fürst erfundene Mozartkugel für so manchen übergewichtigen

Bauch, aber auch für den Treibstoff zur Stadterkundung.

// alexaNdeR PeeR

D abei war Fürst nicht einfach ein

Marketingstratege, der von bloßem

Kalkül getrieben war. W. A.

Mozart gefiel ihm und seine verspielteste

Konditorerfindung nach

dem Lieblingskomponisten zu benennen

war schlicht ein Akt der

Würdigung. Zu dumm: Da er die

Mozartkugel nicht markenrechtlich

schützen ließ, begannen bald

Kopisten den Lohn seiner Entwicklung

einzuholen. Damit erging es

dem Konditor ähnlich wie dem Genie,

denn auch Mozart hatte obwohl

zweifelsfrei gut bezahlt mit


Backstube der Traditionskonditorei Fürst um 1905 Salzburger Festspiele, Felsenreitschule, Henry Purcells King Arthur

unter der Regie von Jürgen Flimm

Intriganten, Dieben und Widersachern

zu kämpfen. Es wundert

etwas weniger, dass Mozart eisiger

Wind entgegen wehte, wenn

man sich die zweifelsfrei impulsive

Art des Komponisten anschaulich

macht: „Ich hoffe nicht, dass es

nötig ist zu sagen, dass mir an Salzburg

sehr wenig und am Erzbischof

gar nichts gelegen ist und ich auf beides

scheiße.“ So steht es in einem

Brief von Mozart vom 12. Juli 1783.

Der dänische Neurologe Rasmus

Fog mutmaßt, dass Mozart am Gilles-de-la-Tourette-Syndrom

litt,

das heißt, er konnte gar nicht anders

als schimpfen. Wäre es so, ließe

sich sagen: So weit, so gut! Gehen

wir vom Umkehrschluss aus.

In Wahrheit liebte Mozart also Salzburg

(und den Erzbischof), hatte

jedoch gewiss nicht alle Tassen im

Schrank … vielleicht nicht einmal

eine.

148 763

Personen

mit Hauptwohnsitz (2011)

17 + 62

Museen und Ausstellungsorte

Frivoles Flanieren

Auch wenn die Stadt Salzburg mit

ihrer überschaubaren Innenstadt

Gäste dazu verführt, an eine leichte

Eroberung zu denken, wird vielen

klar, dass die Mozartkugeln auch

eine wichtige Begleitung durch Kirchen,

Museen und Kulturabende

sein können. Stete Süßstoffzufuhr

hat schon manchen Konzertbesucher

abends durchhalten lassen, der

am Nachmittag zuvor die Altstadt,

dieses UNESCO-Weltkulturerbe,

durchschritten hatte. Fast zwanzig

barocke Kirchenbauten beweisen

dem tapferen Wanderer nicht nur

die Üppigkeit der Sakralarchitektur,

sondern auch ob das passende

Schuhwerk gewählt wurde. Dabei

sind es gerade die Wege von einer

Sehenswürdigkeit zur nächsten, die

es erlauben, ein richtiger Müßiggänger

zu sein. Durch all die alten

2 173

Gässchen, sei es Getreidegasse, Judengasse,

Goldgasse oder auch die

Linzergasse, lässt es sich wunderbar

flanieren, entlang von Andenkenladen

mit „Kinkerlitzchen“,

Kulinarischem oder Kunstdevotionalien,

vorbei an allen stilbildenden

Epochen, Bauwerken des Mittelalters

wie romanischen bis klassizistischen

Häusern. Dieses kleine, fast

kitschige Reich der Salzburger Innenstadt

zu erkunden und über die

Salzach hinüber zum Schloss Mirabell

und seinem verspielten Garten

zu spazieren macht aus manchem

Touristen einen Flaneur, der seinen

neuen Beruf ernst nimmt und willens

ist, darin Überstunden zu machen.

Vielleicht findet sich ja gerade

im Mirabellgarten der Seelenverwandte

oder die Seelenverwandte,

die bis dahin erfolglos im Internet

gesucht wurde …

Franz & Maria

Die häufigsten Vornamen bis zum Jahr 2000

2 193 020

Durchschnittseinkommen

(m/w) in Euro

45

Die vielgestaltigen

Durchhäuser

und Innenhöfe

vermitteln

ein in sich geschlossenes

Bild einer mittelalterlichgeprägten

Straße.

Übernachtungen im Jahr 2010 in

allen Salzburger Beherbergungsbetrieben


46 // PORTRAIT

798

zum Sitz des Erzbischofs

erwählt

11. Jh.

Erste Bautätigkeit

zur festung

hohensalzburg

(eine der größten

europäischen

Burganlagen

des Mittelalters)

17. Jh.

Ausbau zur

Residenzstadt

1860

Beginn des Abrisses

der Stadtbefestigungen

1944/45

Große Teile der

Stadt werden

durch fliegerbomben

aus den

uSA beschädigt.

1972

Von Salzburg

ausgehend

expandiert

AlPINE in alle

Bundesländer.

Blick auf die Salzburger Altstadt

Da Salzburg jedoch eine Stadt ist,

die sich durch ihr fast 4.000 Veranstaltungen

bietendes Kulturprogramm

einen internationalen Rang

erworben hat, ist der Abend noch

lange nicht das Ende des Tages.

Manche meinen, er beginne erst

dann. Weltberühmt sind die seit

1920 beeindruckenden Festspiele

mit ihrem jährlich von Juli bis September

stattfindenden Reigen an

Theaterstücken, Opern, szenischen

Lesungen und vielem mehr. Tatsächlich

ist Salzburg zu einer Bühne

für alle Disziplinen geworden

und bietet zu jeder Jahreszeit triftige

Gründe für Besuche an. Mit dem

Literaturhaus Salzburg in der Strubergasse

23 zeigen Stadt und Land

ferner, dass nicht nur die Geschichte

der Literatur eine Bedeutung hat.

Die Salzburger AutorInnen-Gruppe

ist eine von mehreren Initiativen,

die versuchen, den zeitgenössischen

SchriftstellerInnen ein wenig

mehr an Öffentlichkeit zu geben.

2

3

1

Moderne mag man eben

Erst vor kurzem ist auf dem

Mönchsberg, auf welchem die niemals

eroberte Festung Hohensalzburg

thront, ein architektonischer

Kontrapunkt gesetzt worden, der

als Zeitklammer der verschiedenen

Hochzeiten der Stadt verstanden

werden kann: das Museum der Moderne

Mönchsberg. In seiner kubischen

Form repräsentiert es nicht

nur die Aktualität der bildenden

Kunst, sondern auch eine Gegenwart,

die immer auf dem Sprung

in die Zukunft ist. Am anderen

Ende des Plateaus manifestiert sich

mit der Burg der Beginn der Größe

Salzburgs als Sitz des Erzbischofs.

In Salzburg weiß man außerdem

sehr genau, dass die Gefahr, zum

anachronistischen Freistadt-Museum

zu werden, ernst zu nehmen ist,

will man im globalen Wettbewerb

der Städte nicht aus den vorderen

ALPINE Projekte in Salzburg

Rängen abrutschen. Zu der Vielfalt

gehört auch die ökonomische

Qualität der Bundeshauptstadt.

ALPINE hat zahlreiche Projekte in

Salzburg erfolgreich und stilbildend

abgewickelt. Ein ganz aktuelles

Beispiel ist die Fertigstellung

der neuen Multifunktionshalle im

Messezentrum Salzburg im vergangenen

Herbst. Beachtliche 502.045

Besucher zählte das Messezentrum

2009. In Kürze wird der Tagungsbereich

eröffnet: Eine besondere

Herausforderung dieses Projektes

war die Aufbereitung des schwierigen

Untergrunds. Drei Kilometer

Pfähle wurden benötigt, 30.000 m³

Erdmassen bewegt sowie 25.000

m³ Beton und 5.000 Tonnen Stahl

verbaut.

ALPINE hat damit einmal mehr gezeigt,

dass zeitgenössischer Gewerbebau

eben nicht „Jedermanns“

Sache ist. //

1 Messezentrum Salzburg // 2 Wissenspark urstein (fachhochschule

Salzburg) // 3 Red Bull Arena Salzburg // Bürogebäude

der Wirtschaftskammer Salzburg // Parklife lehen Wohnbau- und

Seniorenwohnprojekt // Neubau Kinderzentrum am landeskrankenhaus

Salzburg // AMEDIA hotel


EINblICkE

SEITE 40

mIlESToNE

Als Meilenstein werden (engl. Milestone, ugs. Markstein) unter-

60 m2

50 m2

40 m2

oder Zwischenziele im Projektmanagement bezeichnet. Meilen-

30 m2

steine sind relevante überprüfungspunkte bei der Zielerreichung eines

Projekts. Sie sind qualitativ und quantitativ kontrollierbar, in der Anzahl

20 m2

überschaubar und stellen sicher, dass das Projekt auf Kurs ist. 10 m2

Wein statt (Steinbruch-)Wüste

Im Kalkwerk Istein in Baden-Württemberg

bringen heute rund sechs hektar Rebflächen

edle Tropfen hervor, wo früher

kräftig abgebaut wurde. Mit der

Rekultivierung des stillgelegten

Teils wurde in den 1980er

Jahren begonnen. Neben dem

regionstypischen „Markgräfler“

gedeihen hier u. a. auch

Pinot Noir, Merlot, Weißburgunder

SEITE 48 und Riesling.

steinalt

… ist die unter jungen Männern wieder beliebte Sportart des Steinschleuderns

auf den Baleareninseln. Dabei werden mandarinengroße

Steine, vom Schützen an einem jeweiligen Lieblingsplatz eigenhändig

gesammelt, mit einer selbstgebauten Steinschleuder mit bis zu 200

km/h auf eine 100 Meter entfernte, ca. 40 cm große gusseiserne

Zielscheibe geschleudert. Trifft der Schütze ins Schwarze, zerbirst

der Stein in seine

Einzelteile. Schon

in der Antike waren

die Einwohner

der Inseln für ihre

Treffsicherheit

bekannt.

SEITE 48

SEITE 36

MEHR PLATz

80 m2 Nutzfläche je Wohnung / je Bewohner

70 m2

1961 1971 1981 1991 2001

Seit 1961 stieg die durchschnittliche Wohnnutzfläche

in Wien pro Person um ca. 72 Prozent an.

25%

SEITE 20

Rund 25 Prozent mehr Erdgas werden bei länger

anhaltenden Temperaturen um die 10 Grad Celsius

verbraucht.

gas geben

SEITE 20

Gas geben bekommt eine neue Bedeutung: Das

Erdgasauto ist ganz klarer Testsieger in puncto

umweltverträglichkeit und wirtschaftlicher

Betrieb. Es emittierte im dichten Stadtverkehr zehn

Prozent weniger Kohlendioxid als die Konkurrenten. Der

Ausstoß an Ruß war sogar 85 Prozent geringer als beim

Diesel-Pendant ohne Partikelfilter.


48 // RESSOURCEN

Zurück

Zur Natur

RENATURIERUNG Steinbrüche assoziieren wir in erster Linie mit reger Bautätigkeit und

Lärm. Mitunter schreiben sie durch Anrainerproteste Schlagzeilen. Inside hat sich auf

Spurensuche begeben, was passiert, wenn die „Löcher in der Landschaft“ ihre Aufgabe als

Lieferant von mineralischen Rohstoffen erfüllt haben.

// MiCHaela HOCeK

D

as Schlagwort „Nachhaltigkeit“ hat sich in

den letzten Jahren in unserem Wortschatz fix

etabliert und wird beinahe schon inflationär

benutzt. Dass das Bewusstsein für Umweltschutz und

Ressourcenschonung aus dem Wirtschaftsleben nicht

mehr wegzudenken ist, ist jedoch unumstritten. Dass

für den Städte- und Straßenbau nach wie vor Tonnen

von Gesteinsmassen benötigt werden, ist ebenso Fakt.

Während die Bedeutung von Recyclingmaterialien,

wie Asphalt- und Betonbruch oder wiederverwertbaren

Ziegelmischungen steigt, sind weiterhin frisch abgebaute

mineralische Rohstoffe gefragt. Die Höhe des

Anteils von altem und neuem Material variiert je nach

Einsatzgebiet. Steinbrüche bleiben somit ein unverzichtbarer

Bestandteil der Bauindustrie. Nach deren

Stilllegung liegt der Fokus auf der Renaturierung der

FACHBEGRIFFE

stummen Zeugen des Fortschritts. Der Wandel von der

tristen Steinlandschaft zur wiederaufkeimenden Naturoase

vollzieht sich in anschaulicher Gemütlichkeit.

die Saat Geht auF

Die ersten Überlegungen drehen sich um die Weiterverwendung

stillgelegter Steinbrüche. Von Rekultivierung

spricht man, wenn an eine Nachnutzung unter

land- oder forstwirtschaftlichen Aspekten gedacht

wird. Der Anbau von Energiepflanzen ist eine Möglichkeit.

Hier eignen sich beispielsweise Elefantengras oder

Pappeln für die Erzeugung von Biomasse. Rentabel ist

dieser Weg allerdings nur, wenn der Zugang mit Maschinen

möglich ist. Bei der sogenannten Renaturierung

werden keine direkten ökonomischen Ziele ver-

RENATuRIERuNG Anstreben des ursprünglichen Erscheinungsbildes der jeweiligen Region und die Schaffung

naturnaher Lebensräume mit gezielter Bepflanzung ohne direkten ökonomischen Nutzen.

REKulTIVIERuNG Bepflanzung, die eine Nachnutzung für Land- oder Forstwirtschaft ermöglicht.

SuKZESSIoN Natürliche Entwicklung ohne menschliches Zutun.

INGENIEuRBIoloGIE Wissen und Einsatz von Pflanzen, die Landschaftsschäden vor allem der Erosion vorbeugen.

BERME Horizontaler Abschnitt, der die Sicherheit bei Dämmen, Baugruben und Hängen erhöht, indem der Druck auf das

Erdreich genommen wird. Bei Erdrutschen haben sie die Aufgabe, Material abzufangen.


folgt. Fauna und Flora erobern möglichst ungestört ihr

Terrain zurück. Meistens ist die Wiederherstellung des

Ursprungszustands das Ziel. Zu diesem Zweck wird

nach der Auffüllung mit mineralischer Baurestmasse,

die aus Aushubmaterial und Bauschutt besteht, eine

Rekultivierungsschicht mit humusreichem Oberboden

aufgebracht. Für die Rückkehr zu Waldflächen werden

Mischungen von Gehölzsamen ausgesät. Für größtmöglichen

Erfolg wird mit autochthonem (= gebietstypischem)

Saatgut gearbeitet, welches das gute Anwachsen

von ortsüblichen Bäumen, Sträuchern, Gräsern und

Kräutern fördert.

auF nummer SiCher Gehen

Pflanzenvielfalt ist erstrebenswert, um die Erosion auf

steilen Böschungen einzudämmen. Während schnell

keimende Gewächse den Boden mit einer Vegetationsdecke

befestigen, können Bäume in aller Ruhe heranreifen.

Zusätzlich locken Samen, Beeren und Fruchtstände

Tiere an und der Naturkreislauf beginnt sich zu

regenerieren. In der Praxis ist die Artenvielfalt nach abgeschlossener

Renaturierung häufig umfangreicher als

im Originalzustand. Geringe Wartungskosten werden

mit einem Mix angestrebt, der keine künstliche Bewässerung

benötigt und das Schneiden von Büschen oder

Mähen von Gräsern erspart. Prädestiniert sind immergrüne,

ganzjährige Pflanzen. Tief wurzelnde Gewächse,

die in die Dichtschicht eindringen könnten, oder

zu hohe Pflanzen, die kippen könnten, werden vermieden.

Fachexperten aus den Bereichen Naturschutz,

Forstverwaltung und Vertreter der Gemeinden entscheiden

von Steinbruch zu Steinbruch, wie die Renaturierung

auszusehen hat. Die Qualitätskriterien steigen,

wenn statt der Forstwirtschaft der Nahrungspfad

betroffen ist. Grundsätzlich gilt: „Es muss nicht sauberer

als das Nebengrundstück sein“, verrät Ökotechna-Geschäftsführer

Günter Gretzmacher bei einem Rundgang

auf seinem Betriebsgelände für Entsorgungs- und

Umwelttechnik in Perchtoldsdorf. Er ist zuversichtlich,

dass die vollständige Bepflanzung der Deponie in fünf

bis sieben Jahren abgeschlossen ist und das ökologische

VoRzEIGEPRojEkTE IN ÖSTERREICh

Gleichgewicht des Wienerwalds auf dem Areal wiederhergestellt

ist. Heutige Deponiestraßen werden in Zukunft

als Forststraßen fungieren. Die Lehm-Dichtschicht,

die hier bei der Renaturierung zusätzlich angebracht

wurde, erfüllt ihre Schutzfunktion und sichert

das Grundwasser. Das Problem der steilen Flächen

wurde hier mit „learning by doing“ gelöst. Nachdem

fetter Humus nach ausdauerndem Regen auf dem Lehm

abrutschte, wurde er mit Trockenboden vermischt, um

die Oberflächenstabilität zu erhöhen.

Finale SprenGunGen

Allgemein gilt es das Abrutschen von Hängen bei hohen

Bruchwänden zu verhindern. Ein sensibler Prozess

bei der Renaturierung ist das Anlegen von Bermen.

Diese horizontalen Absätze bilden Terrassen, die den

Druck der Gesteinsmassen dezimieren und im Notfall

ihre Auffangfunktion erfüllen. Ein versierter Forscher

auf diesem Gebiet ist Florin Florineth, der Leiter des

Instituts für Ingenieurbiologie und Landschaftsbau

an der Wiener BOKU. Wenn es darum geht, von der

beim Abbau entstandenen Etagenform und senkrechten

Wänden zum Bild des natürlichen Felsbruchs

zurückzukehren, ist er der richtige Ansprechpartner.

Seine Erkenntnisse rund um Struktursprengungen

tragen maßgeblich dazu bei, dass Sprühsaat auf rauen

Oberflächen Fuß fassen kann. Die begrünten Flächen

sind spätestens nach zwei Jahrzehnten nicht mehr als

ehemalige Steinbrüche auszumachen und geben nicht

selten gefährdeten Tier- und Pflanzenarten eine neue

Heimat. //

Mit Struktursprengungen bekommen ehemalige Steinbrüche ein naturnahes facelifting. Mit rauen und geneigten

flächen wird natürlicher felsbruch nachgeahmt und eine großflächigere Begrünung möglich.

Bad Häring im Westen Österreichs findet sich in der Nähe von Kufstein „am Pölven“ ein alpiner Kalksteinbruch in

einem Kurgebiet. Seit 1998 begleiten diplomandinnen des Studienzweiges ingenieurbiologie und landschaftsbau

der universität für Bodenkultur Wien den Renaturierungsverlauf. umringt von Fichtenwald wurden vor rund vierzehn

Jahren Gräser-Kräutermischungen und Gehölzsaat aufgebracht, die gemeinsam mit Spontanvegetation für erfolgreiche

Felsbesiedelung gesorgt haben.

Berndorf erschwerten Bedingungen ist Steinbruch „andrea“ im niederösterreichischen Berndorf ausgesetzt. extreme

Witterung, die lage in einem Kessel und die erhöhte erosion des dolomitgesteins sind Wachstumshemmer, denen

zu Beginn der Renaturierung mit einer Heumulchdecke getrotzt wurde. Schafgarbe, Klee und Spitzwegerich setzten

sich früh durch. und auch der Baumbestand hat sich im lauf der Jahre mit dem Klima arrangiert.

49


50 //

ErBauLIcHES

KOLUMNE VON ANDREE BocK

Daumen hoch für die

modernen Gladiatoren

Diese Kolumne hat sich beinahe von

selbst geschrieben, denn ich hatte

die seltene Gelegenheit, mein Lieblingsthema

Fußball aufzugreifen.

Eigentlich, so die Vorgabe des

Chefredakteurs, soll diese Kolumne

ja „etwas mit Bauen“ zu tun haben.

Kinderspiel, denn wir schreiben das

Jahr 2012, die Fußball-Europameisterschaft

in Polen und der Ukraine

steht vor der Tür und ALPINE hat

in Warschau das Nationalstadion

gebaut eines der modernsten

Fußballstadien der Welt, in dem das

Eröffnungsspiel der EM ausgetragen

wird.

Ist Ihnen übrigens auch aufgefallen,

dass die wenigsten Fußball-Stadien

noch so genannt werden, sondern

heutzutage „Arena“ heißen?

Arena ist das lateinische Wort für

Sand. Es bezeichnete ursprünglich

mit Sand bedeckte Plätze, die

für kultische Wettkämpfe genutzt

wurden. Gladiatorenkämpfe beispielsweise.

Und irgendwie ist das Bild der

Gladiatoren in den Arenen stimmig,

denn man kann die Fußballer von

heute sehr gut mit den Gladiatoren

von früher vergleichen. Gut ausgebildete

Athleten, die sich zur Belustigung

des Volkes messen, Mann

gegen Mann. (Wobei im modernen

Fußball natürlich die Raumdeckung

praktiziert wird und statt Dreizack

und Netz heute Abseitsfallen zum

Einsatz kommen.)

Die Arenen boten und bieten

Platz für Zigtausende Menschen.

Aber dort, wo früher Otternasen

feilgeboten wurden, werden heute

Bratwürste verkauft. Wo früher

vergorener Wein aus Tonkrügen

getrunken wurde, strömt heute gekühltes

Bier durch Hunderte Meter

Rohrsysteme in die vom Singen

durstigen Kehlen der Zuschauer.

Wo früher der Daumen gehoben

oder gesenkt und über Leben und

Tod entschieden wurde, werden

heutzutage vergoldete Pokale

überreicht. Die verstauben dann

zwar in irgendwelchen Vitrinen und

dienen neben der schönen Erinnerung

hauptsächlich dem Vergolden

von Werbeverträgen, aber da sage

noch einer, früher sei alles besser

gewesen.

Der Sport nicht, denn irgendwie erscheint

mir die Philosophie des „11

Freunde müsst ihr sein“ sympathischer

als das „morituri te salutant“

der Todgeweihten. Jeder Fußballer

(mit Ausnahme der Torhüter) liebt

die neuen Bälle, die nicht mehr aus

sechseckigen Lederstücken gefertigt

werden und gefühlte 10 Liter

Wasser speichern können, sondern

aus Kunststoff und deswegen den

Regen abweisen. Und schon gar

nicht die Arenen. Auf Rasen spielt

es sich einfach besser Fußball als

auf Sand.

Und seien Sie versichert, dass die

von ALPINE gebauten Arenen im

Gegensatz zum römischen Kolosseum

nicht erst zur Ruine werden

müssen, um eine Touristenattraktion

zu sein.

In diesem Sinne: Gutes Spiel!

// IMPRESSUM

HERAUSGEBER - ALPINE Holding GmbH

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