Naturfreunde Internationale

qualitaet.gr.ch

Naturfreunde Internationale

Natur | Erlebnis | Region

Ein Leitfaden zur

Etablierung von nachhaltigen

Natur erlebnisangeboten

für Gemeinden und Regionen


Inhalt

2

3

1 Natura Trail Hochwienerwald

2 rund um´s moor

3 Kelten.Baum.Weg

4 Alchemilla–Kräuterprojekt

N

1

4


Inhalt

VORWORT 5

NATURFREUNDE –

Aktiv für Mensch und Natur 6

NATUR | ERLEBNIS | REGION –

Ein Leitfaden zur Etablierung von

nachhaltigen Natur erlebnisangeboten

für Gemeinden und Regionen 7

Naturerlebnisangebote

Was bringt’s – Was steckt dahinter? 8

Naturerlebnisangebote boomen!

Was verstehen wir unter einem

8

Naturerlebnisangebot? 8

Brauchen wir Naturerlebnisangebote? 9

Was bringt es den Gemeinden / Regionen? 10

Naturerlebnis – was steckt dahinter? 12

Kelten.Baum.Weg

Themen- und Naturerlebnisweg 18

Darum geht´s 18

Von der Idee zum Kelten.Baum.Weg 19

Deshalb funktioniert´s 21

Das bringt´s der Region 22

Das ist das Besondere 22

rund um´s moor

Erlebnisweg – Garten der Sinne –

Beweidungsprojekt mit Moorochsen 23

Darum geht‘s: 23

Von der Idee zu „rund um´s moor“ 25

Deshalb funktioniert‘s 27

Das bringt´s der Region 28

Das ist das Besondere 28

Alchemilla–Kräuterprojekt im Biosphärenpark

Großes Walsertal – Kräuterwanderungen

und Führungen durch Kräutergärten,

Kräuterkurse, Kräuterprodukte 29

Darum geht‘s 29

Von der Idee zum Alchemilla-Kräuterprojekt 30

Deshalb funktioniert´s 33

Das bringt´s der Region 34

Das ist das Besondere 34

Natura Trail Hochwienerwald

Wander- und Naturerlebnisweg 35

Darum geht‘s

Von der Idee zum Natura Trail

35

Hochwienerwald 36

Deshalb funktioniert´s 39

Das bringt´s der Region 40

Das ist das Besondere 40

So wird‘s gemacht

Wie Natur zum Erlebnis wird

Was soll mit dem Naturerlebnisangebot

41

erreicht werden? 41

Welche Besonderheiten hat die Gemeinde?

Wen soll das Naturerlebnisangebot

42

ansprechen? 43

Wer soll eingebunden werden?

Wie kann das Naturerlebnisangebot

44

finanziert werden? 44

Wie kann das Thema umgesetzt werden? 49

Was macht gute Texte aus? 53

Wie wird das Naturerlebnisangebot bekannt? 54

Was sagen die BesucherInnen?

Schritt für Schritt zum erfolgreichen

55

Naturerlebnisangebot 56

Literaturverzeichnis 57

Impressum 58


4 | Natur | Erlebnis | Region

„Dieser Leitfaden zeigt, welche

Bedeutung Naturerlebnisangebote

für Gemeinden und Regionen haben

und ist mit praktischen Beispielen

eine wichtige Umsetzungshilfe für

lokale und regionale AkteurInnen.“


VORWORT

Im Rahmen der Strategie „Bildung für nachhaltige

Entwicklung“ verankern wir in Österreich in

den unterschiedlichsten Lebensbereichen umwelt-

und ressourcenschonende Konzepte. Ein wichtiger

Schwerpunkt dabei ist der Tourismus- und Freizeitsektor.

Gerade hier kann nachhaltiges Wirtschaften

viel bewirken, weil es einen umfassenden Lösungsansatz

für die Herausforderungen des Klimawandels,

der steigenden Nachfrage nach Energie, der

Stärkung regionaler Wertschöpfung, der Sicherung

gesunder Lebensmittel und des Erhalts der biologischen

Vielfalt bedeutet.

Ideen wie innovative Naturerlebnisangebote haben

dabei einen großen Stellenwert: Sie motivieren

dazu, Ausflugsziele vor der eigenen Haustüre

für die Freizeitgestaltung zu nutzen – das bringt

mehr Lebensqualität, reduziert den Freizeitverkehr

und entlastet das Klima. Zusätzlich wird damit das

Bewusstsein für das heimische Naturerbe sowie

für die Attraktivität der Regionen geweckt und

gestärkt. Darüber hinaus ergänzen Naturerlebnisangebote

das bestehende touristische Angebot,

fördern den sanften Tourismus und unterstützen

damit das Regionalmarketing und die regionale

Gästebindung. Davon profitieren sowohl Tourismus-

und Gastronomiebetriebe als auch Anbieter

regionaler Produkte.

Das Lebensministerium forciert die nachhaltige

Regio nalentwicklung auch mit der Vergabe des

Österreichischen Umweltzeichens für Tourismusbetriebe

sowie mit der Initiative „GENUSS REGION

ÖSTERREICH“, die darauf abzielt, regionale Spezialitäten

und Erzeugnisse zu stärken und – auch international

– bekannter und damit wettbewerbsfähiger

zu machen. Zusätzlich haben wir die Kampagne

„vielfaltleben“ gestartet, die mit unterschiedlichsten

Projekten zum Schutz und Erhalt der biologischen

Vielfalt beiträgt und arbeiten eng mit den

Österreichischen Nationalparks zusammen, die

unverfälschtes Naturerlebnis in Kombination mit

Umweltbildung anbieten.

Der Leitfaden „Natur | Erlebnis | Region“ zeigt,

welche Bedeutung Naturerlebnisangebote für Gemeinden

und Regionen haben und ist mit praktischen

Beispielen eine wichtige Umsetzungshilfe

für lokale und regionale AkteurInnen. Ihnen allen

wünsche ich bei Ihren Aktivitäten zu einer nachhaltigen

Entwicklung gutes Gelingen! D

Niki Berlakovich

Landwirtschafts- und Umweltminister

Natur | Erlebnis | Region | 5


Vorwort

6 | Natur | Erlebnis | Region

NATURFREUNDE

Aktiv für Mensch und Natur

Seit über 110 Jahren engagieren sich die Naturfreunde in Belangen des Natur- und

Umweltschutzes und für eine Nachhaltige Entwicklung. Von der Forderung nach dem

freien Zugang zur Natur in den Anfängen der Bewegung über die Schaffung einer

preiswerten touristischen Infrastruktur in Form des Hüttenwesens zu Beginn des 20.

Jahrhunderts bis hin zur Etablierung von organisiertem Umweltschutz in den 70er und

80er Jahren waren die Naturfreunde immer maßgebliche Impulsgeber an den Schnittstellen

von Tourismus, Umwelt- und Naturschutz und nachhaltiger Entwicklung.

In den letzten Jahren bilden Projekte, die das Naturerleben fördern und durch die Vermittlung

der Schutzwürdigkeit der Natur zu einem natur- und umweltverträglichen

Freizeitverhalten motivieren, einen wichtigen Schwerpunkt unserer Aktivitäten. Gerade

auch im Rahmen unseres Natura Trail Projekts (www.naturatrails.net) konnten

wir wertvolle Erfahrungen sammeln, wie sich Anliegen des Naturschutzes sinnvoll mit

einer sanften Freizeitnutzung in der Natur verbinden lassen und so gemeinsam zu

einer nachhaltigen Regionalentwicklung beitragen.

Wir freuen uns, mit diesem Leitfaden den Erfahrungsschatz der Naturfreunde nun

einer breiten Öffentlichkeit zugänglich machen zu können, und hoffen dadurch einen

weiteren Beitrag zu einer nachhaltigen Entwicklung zu leisten. D

Manfred Pils Christian Baumgartner

Präsident Generalsekretär

Naturfreunde Internationale Naturfreunde Internationale


NATUR | ERLEBNIS | REGION

Ein Leitfaden zur Etablierung von nachhaltigen

Natur erlebnisangeboten für Gemeinden und Regionen

Sich bewegen, Spaß haben und die Natur mit

allen Sinnen erfahren – dazu laden erfolgreiche Naturerlebnisangebote

ein. Dabei sprechen sie sowohl

die örtliche Bevölkerung, für die sie ein attraktives

Freizeitangebot „vor der Haustüre“ darstellen, als

auch Tagesausflugsgäste und UrlauberInnen an

und leisten so einen wertvollen Beitrag zu einer

nachhaltigen Regionalentwicklung.

Doch was macht ein Naturerlebnisangebot eigentlich

aus? Was sind die Faktoren für erfolgreiche

Angebote? Und worin liegt der Unterschied zu

den zahlreichen Wander- und Freizeitangeboten,

die wie Pilze aus dem Boden schießen?

Diese und zahlreiche andere Fragen stehen im Mittelpunkt

dieses Leitfadens, der VertreterInnen von

Gemeinden und Regionen zur Etablierung von Naturerlebnisangeboten

motivieren und zugleich auch

bei der Umsetzung unterstützen und vor etwaigen

Fehlern warnen soll.

Drei Module setzen sich auf informative und verständliche

Art und Weise mit den relevanten Themenkomplexen

auseinander:

Modul 1 bietet eine Einführung zu Naturerlebnisangeboten,

wobei zum einen der Begriff „Naturerlebnisangebot“

definiert wird, zum anderen die

Vorteile erfolgreicher Naturerlebnisangebote für

die Regionen aufgezeigt werden.

Modul 2 enthält vier Beispiele für unterschiedliche

Naturerlebnisangebote – beschrieben werden jeweils

Idee und Finanzierungskonzept, die Einbindung

verschiedener AkteurInnen, Öffentlichkeitsarbeit

und Marketing, der Erhaltungsaufwand und

die Erfolgsfaktoren. Persönliche Erkenntnisse und

Tipps der BetreiberInnen sowie Kommentare aus

der Bevölkerung runden die Beschreibungen ab.

Modul 3 bietet schließlich mit „Schritt für Schritt

zum Naturerlebnisangebot“ eine konkrete Anleitung

und nützliche Informationen für die Umsetzung.

Angesprochen werden u. a. die Zielformulierung

und die Frage der Zielgruppen, die

Berücksichtigung der regionalen Besonderheiten

und bereits vorhandener Infrastruktur, die für das

Projekt genutzt werden kann (z. B. Wanderwege),

naturschutzfachliche Überlegungen, die Beteiligung

der Bevölkerung, die Finanzierungsmöglichkeiten,

die mediale Umsetzung (z. B. Erlebnisstationen,

Infotafeln, Folder) und die Bedeutung der

Öffentlichkeitsarbeit.

Der vorliegende Leitfaden basiert auf jahrelanger

eigener Erfahrung im Naturerlebnisbereich und

auf Erfahrungsberichten von BetreiberInnen von

Naturerlebnisangeboten sowie von regionalen AkteurInnen.

Unser besonderer Dank gilt daher all

jenen, die mit ihrem Beitrag den Leitfaden unterstützt

haben.

Wir hoffen, dass der Leitfaden mit seinen praktischen

Beispielen und mit den anschaulichen Erklärungen

und Umsetzungsanleitungen zur Entwicklung

neuer, kreativer Ideen und zur erfolgreichen

Etablierung von authentischen und innovativen

Naturerlebnisangeboten beiträgt und wünschen

dabei viel Erfolg! D

Andrea Lichtenecker Renate Eder

Naturschutz & Institut für Landschafts-

Umweltbildung, entwicklung, Erholungs- und

Naturfreunde Naturschutzplanung,

Internationale BOKU Wien

Vorwort

Andrea Lichtenecker

Renate Eder

Natur | Erlebnis | Region | 7


Einführung

c Was ist ein

Erlebnis, S. 12

8 | Natur | Erlebnis | Region

Naturerlebnisangebote

Was bringt’s – Was steckt dahinter?

Naturerlebnisangebote boomen!

Naturerlebnisse anzubieten ist in – diesen Eindruck vermittelt zumindest die lange Ergebnisliste

die erscheint, gibt man den Begriff Naturerlebnis oder Naturerlebnis angebot

in Internetsuchmaschinen ein. Die Bandbreite der aufgelisteten Angebote ist groß:

Abenteuerrundreisen, die Naturerlebnisse in Süd- oder Mittelamerika versprechen,

finden sich ebenso darunter wie Umweltbildungs- und Exkursionsprogramme von

National- und Naturparks oder Themen- und Erlebniswege von einzelnen Gemeinden.

Doch auch viele Sportangebote wie Langlaufen, Klettern, Bergsteigen, Schneeschuhwandern,

Canyoning oder Mountainbiking werben mit dem Begriff Natur erlebnis.

Das Verständnis, das die einzelnen Anbieter vom Begriff Naturerlebnis angebot haben,

scheint demnach recht unterschiedlich zu sein.

Was verstehen wir unter einem Naturerlebnisangebot?

Im vorliegenden Leitfaden werden Naturerlebnisangebote als Outdoor-Angebote verstanden,

deren vordergründiges Ziel es ist, die Menschen für Natur und Landschaft

zu sensibilisieren und die Wertschätzung dafür zu fördern. Die BesucherInnen bekommen

die Möglichkeit die Natur- bzw. Kulturlandschaft aktiv und mit allen Sinnen

zu erleben.

Charakteristisch für Naturerlebnisangebote ist …

■ dass sie die naturräumlichen, landschaftlichen und kulturellen Besonderheiten eines / einer

Ortes / Region thematisieren und für die BesucherInnen wahrnehmbar und erlebbar

machen,

■ dass sie authentisch und somit in das lokale / regionale Umfeld integriert sind (sowohl die

Inhalte, als auch deren Vermittlung),

■ dass sie eine aktive Auseinandersetzung mit der Natur und Landschaft beinhalten. Die eigene

Aktivität ist für ein ganzheitliches Naturerlebnis notwendig (Wanderungen, Radtouren

etc.),

■ dass sie ein ganzheitliches Erleben möglich machen („Erleben mit allen Sinnen“,

Ansprechen der unterschiedlichen Erlebnisdimensionen)

■ dass sie zu einem bewussten und respektvollen Aufenthalt in der Natur

anregen.

R


Brauchen wir Naturerlebnisangebote?

Unsere Gesellschaft ist von einem hohen Bedürfnis nach Bildungs- und Informationsangeboten

in der Freizeit geprägt. Informelles Lernen, das im Gegensatz zum formalen

Lernen in der Freizeit stattfindet, und Umweltbildungsangebote in der Natur werden

immer beliebter. Gut konzipierte Naturerlebnisangebote tragen sowohl der Natursehnsucht

als auch dem Informationsbedürfnis des Menschen Rechnung. Gefragt

sind Angebote mit einer ausgewogenen Kombination aus Information, Erlebnis und

Konsum. Ganzheitliches Erfahren und das Wecken von Emotionen sind dabei Kernelemente,

ebenso wie der Aufenthalt in attraktiven Landschaften und die Möglichkeit

zum zwanglosen, eigenständigen und aktiven Lernen ohne Belehrung.

Wanderungen in intakter Natur und attraktiven Kulturlandschaften liegen nach wie

vor im Trend. Naturerlebnisangebote abseits der Hauptbesucherströme, die zu einer

schönen Wanderung einladen und ihre BesucherInnen zu mentalen wie körperlichen

Übungen animieren, sind Orte der Ruhe, Erholung und Entschleunigung. Sie können

ihre BesucherInnen in andere, oft längst vergangene Zeiten oder andere (Natur)Welten

versetzen und schaffen so Abstand vom hektischen Alltagsleben.

Charakteristisch für unsere heutige Zeit ist eine immer stärker werdende Globalisierung.

Als Gegenpol dazu zählt auch die Rückbesinnung auf das Lokale und Regionale, auf

das Ursprüngliche und Unverfälschte. Angebote, die regionale oder lokale Themen

aufgreifen, lokale Besonderheiten wie gastronomische Spezialitäten, Handwerksprodukte,

landschaftliche Ressourcen und kulturelle Angebote authentisch miteinbeziehen,

werden immer stärker nachgefragt.

Naturerlebnisangebote finden sich besonders häufig in intakten, abwechslungsreichen

Landschaften. Diese wiederum sind häufig nicht nur für menschliche BesucherInnen,

sondern auch für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten attraktiv. Bei entsprechender Planung

unter Berücksichtung ökologischer Kriterien können durch die Etablierung von

Naturerlebnisangeboten die BesucherInnen in weniger empfindliche Zonen gelenkt

werden, um besonders sensible Zonen zu schonen.

Zugleich bieten Naturerlebnisangebote die Chance, die Akzeptanz

der Bevölkerung für Schutzgebiete zu heben und zu einem

naturverträglichen Freizeitverhalten zu motivieren, indem die

Besonderheiten und der Wert der Gebiete vermittelt werden.

Diesem Punkt kommt aktuell angesichts der Einrichtung des europäischen

Natura 2000-Schutzgebietsnetzwerks eine besondere

Bedeutung zu.

Ein immer wieder diskutiertes Problem unserer Gesellschaft ist

die zunehmende Naturentfremdung. Viele Kinder kennen Natur

fast nur noch aus zweiter Hand, sei es über den Fernseher oder

das Internet. Im Rahmen einer Studie zur Waldschulpädagogik

in Wien gab gut ein Fünftel der befragten SchülerInnen im Alter

zwischen 8 und 12 Jahren an, noch nie mit den Eltern einen Wald

besucht zu haben. Zugleich belegen jedoch empirische Studien,

dass die Begegnung mit der Natur und möglichst vielfältige Naturerfahrungen

für Kinder sehr wichtig sind. Die Natur bietet den

GAnzhEitLichES

ERLEbEn

I Wohlers (2003)

I Eder & Arnberger (2007)

AuSGLEich zum ALLtAG

I Opaschowski (2002)

GEGEnpoL zuR

GLobALiSiERunG

I Schröder (2006)

bESuchERLEnkunG

I Pröbstl & al. (2009)

VERStändniS

füR nAtuRSchutz

bEWuSStSEinSbiLdunG

I Eder (2008)

Einführung

I Bögeholz (1999), Lude (2001), Gebhard (2001)

Natur | Erlebnis | Region | 9


Einführung

I Eder & Arnberger

(2007, verändert)

10 | Natur | Erlebnis | Region

Kindern die Möglichkeit, sowohl Veränderung als auch Kontinuität zu erleben und ihre

Bedürfnisse nach Abenteuer und Wildnis ausleben zu können. Darüber hinaus bilden

positive Naturerfahrungen die Grundlage für das Entstehen einer umweltbewussten

Einstellung, die wiederum die Basis für ein natur- und umweltverträgliches Verhalten

darstellt. Der häufig zitierte Satz „Nur was ich kenne, schütze ich“ wird durch diese

Ergebnisse untermauert.

Was bringt es den Gemeinden / Regionen?

Es gibt zahlreiche Motive die zur Errichtung eines Naturerlebnisangebotes animieren

können. Grob vereinfacht lassen sich diese Motive auf ökonomisch, gesellschaftlich

oder didaktisch orientierte Absichten zurückführen.

Motive zur Errichtung von Naturerlebnisangeboten

Motive Beispiele

Gesellschaftlich

orientierte Motive

Ökonomisch

orientierte Motive

Didaktische Motive

Besucherlenkung

idEntifikAtion duRch

pARtizipAtion

■ Steigerung der regionalen Identität der Bevölkerung

■ Erhöhung der Lebensqualität der lokalen Bevölkerung

■ Nachhaltige Entwicklung der Region

■ Umweltbildung, Wertewandel und Änderungen von Umwelteinstellungen

und -verhalten

■ Erhaltung der Natur- und Kulturlandschaft

■ Beitrag zur Gesundheit

■ Reduzierung des Freizeitverkehrs

■ Beitrag zur regionalen Wertschöpfung durch Stärkung des

Nächtigungs- und Tagestourismus

■ Stärkung des Innovationspotenzials und der Wettbewerbsfähigkeit

der Region

■ Förderung des sanften Tourismus

■ Verkaufsförderung lokaler Produkte

■ Verstärkte Gästebindung

■ Einkünfte für BetreiberInnen

■ Schaffung von Arbeitsplätzen

■ Lernort für Schulen, Kindergärten etc.

■ Besucherlenkung in Naturschutzgebieten

■ Lenkung zu weiteren touristischen Angeboten in der Region /

vor Ort

R

Ein wichtiges Motiv kann die Steigerung der Identität der Bevölkerung mit der Region

sein. Dies funktioniert vor allem dann, wenn das Angebot direkt von einer Gruppe

aus der Region / dem Ort entwickelt und getragen wird. Bereits in der Konzeption und

auch später bei der Umsetzung gilt es, möglichst viele AkteurInnen und Stakeholder

wie z. B. Vereine, Schulen und Betriebe zu beteiligen – Partizipation ist mehr als reine

Information! Nur so lässt sich sicherstellen, dass sich die Bevölkerung mit dem Angebot

identifiziert, es mitträgt, akzeptiert und auch stolz darauf ist.


Naturerlebnisangebote können helfen, das Bewusstsein der Bevölkerung für das regionale

Naturerbe zu wecken bzw. zu erhöhen. Vielen Menschen ist die Attraktivität

ihrer Heimat oft nicht bewusst, was sie dazu veranlasst, an den Wochenenden häufig

weite Strecken – meist per PKW – zurückzulegen, um entfernte Ausflugsziele zu

erreichen, statt Wanderwege und Ausflugsziele vor der eigenen Haustüre zu nutzen.

Naturerlebnisangebote in der Gemeinde erhöhen die Lebensqualität, vergrößern das

Freizeitangebot für die lokale Bevölkerung und tragen so auch zur Reduzierung des

Freizeitverkehrs und zum Klimaschutz bei. Andererseits machen spannend konzipierte,

authentische Naturerlebnisangebote den Ort auch für Tagesausflugsgäste aus Nachbarregionen

und Touristen attraktiv. Gastronomiebetriebe können davon ebenso profitieren

wie AnbieterInnen von regionalen Produkten. Wird bereits in der Planungsphase des

Projekts die Möglichkeit einer umweltverträglichen Anreise mitgedacht (z. B. öffentliche

Verkehrsmittel, Fahrrad), vermeidet man ein zusätzliches Verkehrsaufkommen.

Naturerlebnisangebote erweitern, ergänzen oder vertiefen das bestehende touristische

Angebot und fördern den sanften Tourismus. Als zusätzliche Angebote unterstützen

sie das Regionsmarketing und die regionale Gästebindung. Je nach Art und Größe

des Angebotes können damit auch (Teil)Arbeitsplätze geschaffen werden.

Das Erleben von Natur steht heute bei vielen Touristen hoch im Kurs. Angebote im

Sinne eines sanften, naturnahen Tourismus sollen es den Gästen ermöglichen, die

natürlichen und kulturellen Attraktionen aktiv und mit allen Sinnen zu erleben.

Eine Studie aus Deutschland schreibt den an Naturerlebnissen interessierten Gästen

u. a. folgende Eigenschaften zu:

■ Vor allem Familien und ältere Paare

■ Sind neben der Natur auch an Kultur und Bildung interessiert

■ Wollen etwas für die Gesundheit tun

■ Wandern und radeln gerne

■ Unternehmen gerne Ausflüge

Erlebnisangebote die einen engen Bezug zu den natürlichen, landschaftlichen und

kulturellen Charakteristika eines Ortes oder einer Region aufweisen – also authentisch

sind – haben das Potenzial diese Besuchergruppen anzusprechen. Darüber hinaus lassen

sich mittels neuer Medien (Internet, GPS / Geocoaching etc.) diese traditionellen

Besuchergruppen erweitern.

Didaktisch gut aufbereitete Angebote eignen sich sehr gut als außerschulische Lernorte

für Kindergärten oder Schulen aus der Region.

hEbunG dER

LEbEnSquALität

bEitRAG zum

kLimASchutz

c Welche besonderheiten

hat die Gemeinde, S. 42

REGionALE

WERtSchöpfunG

föRdERunG EinES

SAnftEn touRiSmuS

I nach Siegrist (2008)

I Deutscher Tourismusverband (2005)

biLdunGSAnGEbot

I Lichtenecker (2008)

Authentische Naturerlebnisangebote sind ein wichtiger

Schritt zur nachhaltigen Regionalentwicklung und können

einen bedeutenden Beitrag zur Erhaltung von Natur- und

Kulturlandschaften und zur Umweltbildung leisten.

Einführung

Natur | Erlebnis | Region | 11


Einführung

ERLEbniSbEGRiff

I Bertelsmann (1995, S. 91)

I Pine & Gilmore (1999)

I Scheurer (2003, S. 14)

12 | Natur | Erlebnis | Region

I Scheurer (2003)

I Vester (2004, S.11)

ERLEbniSdimEnSionEn

Naturerlebnis – was steckt dahinter?

Was ist ein Erlebnis?

Der Begriff „Erlebnis“ wird heute fast inflationär verwendet: Wir besuchen Erlebnispfade,

vergnügen uns in Erlebniswelten, gehen ins Einkaufszentrum zum Erlebnisshopping,

gönnen uns ein Wochenende in der Erlebnistherme mit abschließendem

Erlebnisdinner. Auch im Urlaub möchten wir so viel wie nur möglich erleben. Doch

was sind eigentlich Erlebnisse?

Im Lexikon der Psychologie wird Erlebnis als ein „stark gefühlsbetontes und unmittelbares

Ergriffenwerden anlässlich eines Ereignisses oder einer Begegnung“ erklärt.

„Ein Erlebnis ist ein Ereignis im individuellen Leben eines Menschen, das sich vom

Alltag des Erlebenden so unterscheidet, dass es ihm lange im Gedächtnis bleibt“

oder anders gesagt: „Erlebnisse sind bewusst oder unbewusst wahrgenommene,

subjektbestimmte, unwillkürliche innere Gefühle, welche erst durch Reflexion und

Verarbeitung zu Erfahrungen werden“.

Aus diesen Definitionen lassen sich folgende Merkmale für Erlebnisse formulieren:

Erlebnisse …

■ unterscheiden sich vom Normalen und Gewohnten

■ sind beeindruckende, „merk-würdige“ Ereignisse

■ sind sehr emotional

■ passieren und lassen sich nicht erzwingen

■ sind subjektiv und daher abhängig von der Lebensgeschichte

jedes Einzelnen

■ werden erst durch Reflexion zu Erfahrungen.

R

Erlebnisse können einerseits vom Menschen selbst bspw. durch Sport herbeigeführt

werden. Andererseits können sie auch durch eine Veränderung der äußeren Umwelt,

sei es durch Sinnesanreize wie Farben oder Gerüche oder durch die Interaktion mit

anderen Menschen, ausgelöst werden. Erlebnisse sind vielfältig. Sie können positiv

oder negativ sein, sowohl Freude, Ergriffenheit, Staunen, Überraschung als auch Trauer

oder Angst verursachen.

Fachleute unterscheiden drei Dimensionen des Erlebens, die aufeinander aufbauen

und einander ergänzen:

■ Kognitive Erlebnisdimension

Kognitiv kommt vom lat. cognoscere und bedeutet wahrnehmen. Erleben bedeutet

daher Wahrnehmung und Wahrnehmung beruht auf Unterscheidungen. Je kontrastreicher

und differenzierter die Wahrnehmungswelt ist, je weniger Eintönigkeit,

Gleichförmigkeit und Erwartbarkeit vorherrschen, desto lebendiger und aufregender

wird das Erlebnis.


■ Affektive Erlebnisdimension

Das Erlebnis wird intensiver, wenn die Wahrnehmung des Unterschiedes auch die

Gefühlsebene anspricht. Um Erlebnisse zu ermöglichen, sollten daher immer auch

Emotionen angesprochen, produziert und transportiert werden. Ereignisse, die

Emotionen hervorrufen, haben einen größeren Erlebniswert.

■ Lokomotorische (Bewegungsimpuls) und

behaviorale (Verhaltensimpuls) Erlebnisdimension

Das Erlebnis wird komplett, wenn nicht nur Unterschiede wahrgenommen und

Emotionen gefühlt werden, sondern es auch zu einem Bewegungsimpuls (lokomotorisch)

und einem Verhaltensimpuls (behavioral) kommt. Eine innere Bewegtheit

macht sich bemerkbar, die sich auch körperlich zeigt.

Ein Erlebnis wird dann vollkommen, wenn alle Erlebnisdimensionen angesprochen

werden. Allerdings müssen nicht immer alle drei Dimensionen gleich stark an einem

Erlebnis beteiligt sein. Durch die unterschiedliche Gewichtung ergeben sich Unterschiede

in der Erlebnisintensität: Eine Wanderung auf einen Berggipfel hat meist eine

höhere Erlebnisintensität als eine Autofahrt durch die Bergwelt.

E i n t r a g in d a s gi p f E l b u c h d E s Ko s i a K (Ka r a w a n K E n ):

„Nur wo du zu Fuß warst,

warst du wirklich.“

VoLLkommEnES ERLEbniS

Einführung

Natur | Erlebnis | Region | 13


Einführung

14 | Natur | Erlebnis | Region

optimALE

AnGEbotSGEStALtunG

I Pine & Gilmore (1999)

I nach Pine & Gilmore (1999)

vgl. auch Freericks & Brinkmann (2006)

I Freericks & Brinkmann (2006)

fLucht & fLoW

I Pine & Gilmore(1999)

I Csikszentmihalyi (2008)

I Hartmann (2006)

I Weichbold & Gutternig (2004)

Lassen sich Erlebnisse planen?

Die Antwort ist nein! Erlebnisse lassen sich nicht herstellen, sie sind immer von der

jeweiligen Person abhängig – also subjektspezifisch. Es besteht jedoch die Möglichkeit

mit vielfältigen Inszenierungsinstrumenten und Vermittlungsmedien günstige Rahmenbedingungen

zu schaffen, die das Entstehen eines Erlebnisses fördern.

In der Tourismusforschung steht der Begriff Erlebnis seit rund 20 Jahren im Zentrum der

Diskussion über eine optimale Angebotsgestaltung. Hier spielen die vier Dimensionen

Unterhaltung, Bildung, Ästhetik und Flucht aus dem Alltag eine Schlüsselrolle in der

Entwicklung eines attraktiven Angebotes. Die vier Dimensionen des Erlebnisraumes

lassen sich zwischen der kognitiven bzw. emotionalen Orientierung des Angebotes

und der Art der Beteiligung der BesucherInnen aufspannen.

Dimensionen der Erlebnisgestaltung

Passive Beteiligung

Zuschauer, Zuhörer, Betrachter, Publikum

Aufnahme neuer Information (kognitiv)

Unterhaltung Bildung

Ästhetik Flucht & Flow

Eintauchen (emotional)

Aktive Beteiligung

spielen, testen, probieren, wandern

Kognitive Angebote zielen auf das Aufnehmen von Information, während emotionale

Angebote die BesucherInnen in andere Welten eintauchen lassen. Bei den Dimensionen

Unterhaltung und Ästhetik nehmen die BesucherInnen eine passive Rolle ein. Sie

sind hier BetrachterInnen, ZuschauerInnen, Publikum, KonsumentInnen. Hingegen

sind sie bei den Dimensionen Bildung und Flucht aus dem Alltag („Flucht & Flow“)

aktiv in das Geschehen eingebunden.

Der Dimension Flucht aus dem Alltag wird aus verkaufsökonomischer Sicht der höchste

Erlebniswert zugeschrieben. Dabei werden die BesucherInnen so intensiv angesprochen,

dass sie ganz in ihrer Aktivität aufgehen und die Außenwelt ausblenden. Ist dies der

Fall, dann spricht man von einem Flow-Erlebnis, das zugleich auch den Wunsch nach

Wiederholung in sich trägt: Die BesucherInnen wollen den Ort der Stimulierung erneut

aufsuchen. Mit dem Meistern von Herausforderungen, körperlicher wie geistiger Art,

dem Erweitern der eigenen Fähigkeiten und Kompetenzen finden die BesucherInnen

Selbstbestätigung und (Erfolgs)Erlebnisse.

Angemerkt sei hier, dass der Aufenthalt in der Natur eigentlich immer ein Erlebnis ist

und dass stiller Naturgenuss an sich bereits Flucht aus dem Alltag darstellt. Allerdings


sind die Schätze in unserer Natur- und Kulturlandschaft oft verborgen und unscheinbar

und müssen für die BesucherInnen erst wirkungsvoll in Szene gesetzt werden, damit

sie ihren besonderen Charakter offenbaren.

Ein erfolgreiches Erlebnisangebot greift auf alle

vier Erlebnis dimensionen zurück, betont aber die aktive

Einbindung der BesucherInnen und lässt sie über

die emotionale Komponente in das Erlebnis eintauchen.

Naturerleben in der Umweltbildung – Naturpädagogik

In der Umweltbildung versteht man unter Naturerleben ein didaktisches Prinzip, das

die Sensibilisierung der Menschen für die Natur anstrebt. Naturerlebnisse sollen Prozesse

der Näherung, der Wertschätzung und des einfühlsamen Verstehens zwischen

Mensch und Natur fördern.

Naturbegegnen, Naturerfahren bzw. Naturerleben sind Begriffe, die in der Umweltbildung

eine lange Geschichte haben. Als Gegenbewegung zur „klassischen Umwelterziehung“,

wo die reine Wissensvermittlung (kognitive Komponente) stark betont wurde,

entwickelten sich im Laufe der Zeit unterschiedliche Konzepte der Naturpädagogik.

Hintergrund war die Annahme, dass der moderne Mensch den Bezug zur Natur verloren

hätte und daher ein neues Mensch-Natur-Verhältnis zu gründen sei. Einen zentralen

Schwerpunkt in der Naturpädagogik nimmt dabei das Erleben, das Wecken von Gefühlen

und Freude an der Natur, das intensive Erfahren bzw. Wahrnehmen der Natur

mit allen Sinnen, ein. Durch die Naturerfahrung soll der verloren gegangene Bezug zur

Natur wieder hergestellt werden. Natur soll als etwas Lebendiges mit eigenem Sein

verstanden werden. Die einzelnen Konzepte der Naturpädagogik zielen also weitaus

stärker auf die emotionale Ebene als auf die kognitive Wissensvermittlung ab.

I Lehnes (2006)

I Maaßen (1994)

I Lude (2001), Kalff (1994),

Killermann (2000)

Einführung

Natur | Erlebnis | Region | 15


Einführung

fLoW LEARninG nAch

JoSEph coRnELL

16 | Natur | Erlebnis | Region

I Cornell (1991)

nAtuRERLEbniSmodELL

Von JAnSSEn und

tRommERS RuckSAckSchuLE

I Ebers & al. (1998), Trommer & Prasse (1991)

ERLEbniSpädAGoGik

I Muff (2001)

dAS kLiSchEE

dER hEiLEn WELt

I Lude (2001)

Das bekannteste und von vielen in der Umweltbildung Tätigen auch heute noch angewendete

Konzept ist das Flow Learning (Fließendes Lernen). Es wurde in den 1970er

Jahren vom amerikanischen Naturpädagogen Joseph Cornell entwickelt. In seinem

Buch „Mit Freude die Natur erleben“ beschreibt er wie Naturerfahrung inszeniert

werden kann. Am Beginn steht das Wecken der Begeisterung, dann wird die Aufmerksamkeit

auf die Phänomene in der Natur gelenkt. In der nächsten Stufe geht es

darum Situationen zu schaffen, in denen Natur direkt erlebt werden kann. Besondere

Bedeutung misst Cornell der letzten Stufe zu, der Reflexion und dem Teilhabenlassen

der anderen an den eigenen Erlebnissen und Erfahrungen.

Auch im Naturerlebnismodell von Janssen und in Trommers Rucksackschule liegt der

Schwerpunkt auf der Ansprache der emotionalen Ebene. Aufbauend auf positivem

Naturerleben und durch individuelle Naturerfahrungen soll Wissen über ökologische

Zusammenhänge gewonnen werden. Die Symbiose von Naturerfahrung und Kenntnissen

über die Natur soll zu ökologisch motiviertem Handeln führen.

Immer mehr Naturerlebnisse wie bspw. Segeltouren, Bergwanderungen, Klettertouren

oder Outdoorkurse werden in den letzten Jahren im Rahmen der Erlebnispädagogik

angeboten. Ziel ist es, durch Gemeinschafts- und Naturerlebnisse die Persönlichkeitsentwicklung

und soziale Kompetenzen zu fördern. So soll auch der Entfremdungsprozess

des Menschen von der Natur gestoppt und vor allem bei jungen Menschen ein

Bewusstsein für die komplexe Vernetzung von natürlichen Lebensvorgängen geschaffen

werden. Durch direkte Naturerfahrung soll ökologisches Bewusstsein entstehen.

Den Konzepten der Naturpädagogik wird oft eine Flucht in die Idylle der Natur und

eine Verklärung der Natur vorgeworfen. Wenn Umweltbildung nur auf einer positiven

Naturbegegnung beruht, wird verhindert, dass die TeilnehmerInnen mit Konflikten

konfrontiert werden. Studien aus Deutschland zeigen zudem eine deutliche

Naturentfremdung unter Jugendlichen, deren Ursachen unter anderem auch auf die

Verklärung der Natur zurückgeführt werden, die in der Umweltbildung immer wie


der passiert. Die Nutzung der Natur wird häufig gänzlich ausgeblendet – so halten

laut einer Studie drei Viertel der befragten Jugendlichen das Fällen von Bäumen für

waldschädlich. Auf diese Weise kann natürlich auch kein Verständnis für den Begriff

der Nachhaltigkeit entstehen.

Seit der UN-Konferenz für Umwelt und Entwicklung 1992 in Rio de Janeiro wird eine

Neuorientierung der Umweltbildung nach der Leitidee einer nachhaltigen Entwicklung

gefordert, welche „die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt ohne zu riskieren, dass

künftige Generationen ihre eigenen Bedürfnisse nicht befriedigen können“. D

I Brämer (2006)

biLdunG füR nAch -

hALtiGE EntWickLunG

Einführung

I Brundtland-Bericht der Weltkommission

für Umwelt und Entwicklung (1987)

I Gärtner & Hellberg-Rode (2001)

Grundvoraussetzung im Rahmen der „Bildung für nachhaltige

Entwicklung“ (BINE) ist die Fähigkeit zum vernetzten Denken.

Wichtig ist daher eine „mehrperspektivische Erschließung

von Umweltproblemen und -situationen aus unterschiedlichen

Wissens feldern und lebensweltlichen Erfahrungsbereichen

heraus“. Natur erleben und Naturerfahrung sind dabei

unbestritten wichtige Komponenten.

Natur | Erlebnis | Region | 17


Von Beispielen lernen

R

Lage

4880 St. Georgen im Attergau

(Oberösterreich)

Ausgangspunkt:

1000-jährige Linde im Ort oder Kreisverkehr

westlich von St. Georgen

Erreichbarkeit mit

öffentlichen Verkehrsmitteln:

vom Bahnhof Vöcklamarkt mit der

Lokalbahn


Projektträger / Information

Tourismusverband Attergau,

4880 St. Georgen im Attergau

www.keltenbaumweg.at

18 | Natur | Erlebnis | Region

Kelten.Baum.Weg

Themen- und Naturerlebnisweg

Darum geht´s

Entlang eines alten, landschaftlich sehr reizvollen Wanderweges über den Kogelberg

mit beeindruckenden alten Alleen und weiten Ausblicken in die Landschaft entführt

seit 2006 der Kelten.Baum.Weg auf eine Zeitreise in die geheimnisvolle Welt der

Kelten, die einst rund um den kleinen Berg im Westen von St. Georgen lebten. Die

weithin sichtbaren und unverwechselbaren Zeichen der Stationen des Weges sind die

mit den Wurzeln in den Himmel ragenden Bäume – die Idee dahinter: „Wir zeigen

unsere Wurzeln“. Die BesucherInnen erfahren, dass die Kelten an die „Anderswelt“

glaubten, dass ihre Götter in Bäumen, Steinen, Flüssen und Quellen wohnten und ihr

gesamtes Leben eng mit der Natur verknüpft war. Aber auch was der modebewusste

Kelte von damals trug, und dass seine Lieblingsbeschäftigung das Feiern war, bleibt

kein Geheimnis.

Interaktive und sensorische Stationen regen immer wieder zum aktiven Mitmachen und

selber entdecken an. Informationstafeln erläutern die große Bedeutung der Bäume für


die Menschen von früher: Wer weiß heute noch, dass man süßen Sirup aus Ahornbäumen

holte, aus Birkenrinde eine Art Superkleber herstellte und Buchenasche zur

Glaserzeugung brauchte? Beim Baumquiz können die BesucherInnen ihr Wissen rund

um heimische Bäume unter Beweis stellen. Ein von Archäologen original nachgebautes

Keltenwohnhaus lädt an den Sommerwochenenden zu einer Besichtigung ein und

manchmal kann dabei Brot aus dem Lehmbackofen verkostet werden. Neben den

vielen interessanten Informationen über die Keltenzeit werden die BesucherInnen auf

den zwei „Inseln der Natur“ auch für die bewusste Wahrnehmung der Umgebung

sensibilisiert – Natur kann hier mit allen Sinnen erfahren und entdeckt werden. Für

besonders Wissbegierige werden Exkursionen mit speziell ausgebildeten KeltenführerInnen

angeboten. Ein „Keltenkorb“, der viele Materialien und Arbeitsblätter zum

Thema enthält und beim Tourismusverein ausgeborgt werden kann sowie ein Buch

über den Kelten.Baum.Weg ergänzen das Angebot.

Von der Idee zum Kelten.Baum.Weg

Am Anfang war die Idee …

Begonnen hat alles 2003 mit der Idee des Gruppenleiters der Österreichischen Naturschutzjugend

(önj) in St. Georgen, einen bestehenden Wanderweg in das Blickfeld der

Öffentlichkeit zu rücken. Die beeindruckenden alten Alleen entlang des landschaftlich

reizvollen Weges waren bis dahin selbst den Einheimischen kaum bekannt. Ziel war

es daher, der Bevölkerung die landschaftlichen Schönheiten vor der eigenen Haustür

wieder näher zu bringen. Eine engagierte Ferialarbeiterin der Naturschutzjugend,

zugleich Studentin der Kunstgeschichte, bekam den Auftrag, den Weg „in Szene“

zu setzen. Zeitgleich wurden in der Region keltische Hügelgräber entdeckt – die Idee

des Kelten.Baum.Weges war geboren. Ein erstes Konzept für einen Erlebnisweg,

der die Epoche der Kelten in der Region mit dem Erleben von Natur und Landschaft

verbinden sollte, wurde entwickelt.

… Klärung der Finanzierung

Dieses Konzept wurde bei einem Ideenwettbewerb des Regionalentwicklungsvereins

eingereicht und mit dem Preis für Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit ausgezeichnet.

Nach Vorlage eines genauen Finanzierungsplanes gelang es, den Kelten.Baum.

Weg im Rahmen des EU-Förderprogramms LEADER zu 79 % aus EU-Fördermittel zu

finanzieren. Für die erforderlichen Eigenmittel kamen der Tourismusverband Attergau,

der auch die Projektträgerschaft übernahm, und die Gemeinden St. Georgen, Berg

und Strass auf.

Nach einjähriger Bauzeit wurde der Kelten.Baum.Weg am 24. Juni 2006 mit einem

großen Keltenfest eröffnet. Die Gesamtkosten für Planung, Bau, Marketing und

Eröffnungsfest lagen bei ca. 200.000 Euro und zahlreichen unentgeltlich geleisteten

Arbeitsstunden.

Von Beispielen lernen

Facts X

Weglänge:

5 km langer Rundweg; kürzere Wegvarianten

möglich (ca. 2,5 km)

medien zur Vermittlung:

Informationstafeln, interaktive und

sensorische Stationen, Führungen,

„Keltenkörbe“ mit diversen Anschauungsmaterialien

und Arbeitsblättern

zum Ausborgen, Buch über die Inhalte

des Weges, periodische Veranstaltungen

zielgruppe:

keine spezielle; durch seine abwechslungsreiche

Aufbereitung eignet sich

der Pfad besonders für Familien

pRoJEktidEE

finAnziERunG

c LEAdER, S. 47

koStEn

Natur | Erlebnis | Region | 19


Von Beispielen lernen

20 | Natur | Erlebnis | Region

umSEtzunG

… das Projekt startet durch

Für das Konzept und die Bauleitung ist Familie Hubelnig aus St. Georgen verantwortlich:

das dreiköpfige Familienteam (Eltern sind Lehrer, Tochter ist Studentin der

Kunstgeschichte) hat durch großes Engagement und viele Arbeitstunden die Basis für

das Gelingen und den Erfolg des Kelten.Baum.Weges gelegt. Als Projektträger konnte

der Tourismusverband Attergau gewonnen werden. Mitgearbeitet an der Realisierung

haben zahlreiche Vereine, KünstlerInnen, PädagogInnen, eine Behindertenwerkstätte,

Schulen und Gemeinden aus der Region. Zum Bau des Weges wurden fast ausschließlich

regionale Betriebe herangezogen. Archäologen wurden als wissenschaftliche Begleiter

in die Konzeption miteingebunden.

„Aus vielen großen und kleinen Beiträgen ist ein Erlebnisweg

entstanden, der touristische und wirtschaftliche Impulse setzt

und über die Grenzen unserer Region Beachtung findet.“

f amiliE hu b E l n i g

mARkEtinG

inStAndhALtunG

LAufEndE koStEn

bESuchERAuSLAStunG

… lebendig bleiben

Den Initiatoren war bewusst, dass es nicht ausreicht den Weg nur zu errichten. Um

positive Impulse für die Region zu bringen, muss er erhalten, vermarktet und weiterentwickelt

werden. Die Entwicklung von Werbefoldern, einer Website, Führungen für

Erwachsene und Kinder, verschiedenen touristischen Veranstaltungen, Merchandising-

Artikeln, kulinarischen Angeboten in Gasthäusern (Keltenwirte) usw. war deshalb

von Anfang an im Konzept enthalten. In den zweieinhalb Jahren seit der Eröffnung

wurden bereits viele dieser Ideen umgesetzt und der Weg dadurch ständig mit „neuem

Leben“ erfüllt.

Die Instandhaltung wurde von der Gemeinde übernommen. Probleme hat es bisher vor

allem durch Sturm- oder Hagelschäden gegeben. Die Kosten für die Instandhaltung und

für die laufende Ergänzung des Angebots beliefen sich in den letzten beiden Jahren

auf durchschnittlich 2.000 bis 2.500 Euro / Jahr für Sachkosten, ca. 4.000 Euro / Jahr

für Personalkosten. Ein kleiner Teil der Kosten konnte aus den Einnahmen durch eine

am Weg angebrachte Spendenbox beglichen werden, der Großteil wurde vom Tourismusverband

finanziert. Zukünftig sollen alternative Einnahmequellen forciert werden

(z. B. Keltenfeste, Picknickkörbe).

Es gibt keine Besucherzählungen, aber laut Beobachtungen der Betreiber ist der Weg

gut besucht, vor allem an den Wochenenden tut sich immer sehr viel. Zwischen Mai

und September 2008 gab es 48 Führungen.


Deshalb funktioniert´s

Die Kombination von spannenden Informationstafeln, interaktiven und sensorischen

Stationen, die gelungene Verknüpfung der Themen Kelten und Natur, der landschaftlich

ansprechende Wegverlauf über den Kogelberg, der Besuch des keltischen Wohnhauses

und die in manchen Gasthäusern servierte Keltenjause machen den Besuch des Kelten.

Baum.Weges zu einem eindrucksvollen, authentischen Erlebnis.

Authentische Erlebnisse zu ermöglichen ist das Um und Auf jedes erfolgreichen Naturerlebnisangebotes

– beim Kelten.Baum.Weg wurde das vor Ort vorhandene Potenzial

sowohl themen- als auch ressourcenmäßig bestmöglich genützt.

Vorbildhaft ist die Einbindung von zahlreichen lokalen AkteurInnen (Vereine, Schulen,

Gemeinden, Privatpersonen …), die alle bei der Realisierung des Projektes mitgeholfen

haben und sich daher mit dem Weg identifizieren. Viele betrachten ihn als Bereicherung

der Lebensqualität: der Weg hat ihnen wieder die Augen für die landschaftliche

Schönheit vor der eigenen Haustür geöffnet. Stolz wird der Kelten.Baum.Weg auch

den Gästen präsentiert.

Von Beispielen lernen

„Am schönsten sind für uns aber die Berichte von den Ein heimischen.

Sie erzählen uns, dass sie bisher gar nicht gewusst hätten, wie schön

es auf dem Koglberg ist, dass sie nun mit Besuchern voller Stolz auf

‚ihrem‘ Erlebnisweg spazieren gehen würden und dass sie früher zum

Sonntagsspaziergang oft weit weg gefahren sind.“

f amiliE hu b E l n i g

u

ERLEbniSWERt

AuthEntizität

bEtEiLiGunG /

idEntifikAtion

Natur | Erlebnis | Region | 21


Von Beispielen lernen

E in sc h ü l E r s c h r i E b in E i n E m au f s at z:

„Ich lebe in St. Georgen, wo es den berühmten Keltenbaumweg gibt.“

u

22 | Natur | Erlebnis | Region

AktiVitätEn

tEAm

REGionALE

WERtSchöpfunG

kLimASchutz

Dass der Kelten.Baum.Weg ein lebendiger Weg ist, zeigen die vielen Aktivitäten die in

den ersten drei Jahren seit seiner Errichtung bereits gesetzt wurden. Durch regelmäßig

stattfindende Schwerpunktveranstaltungen wird das Projekt immer wieder aufs Neue

ins Bewusstsein der regionalen Bevölkerung und der TouristInnen gerückt.

Hinter dem Kelten.Baum.Weg steht ein sehr engagiertes Team, das erkannt hat,

dass zu einem erfolgreichen Naturerlebnisweg mehr gehört, als nur die Errichtung

einzelner Stationen.

Das bringt´s der Region

Zum Bau des Weges wurden fast ausschließlich regionale Betriebe herangezogen.

Durch das laufende Angebot der Keltenführungen können sich mittlerweile vier

Personen aus der Region ein kleines „Zubrot“ verdienen. Die laut Betreiber zufrieden

stellenden Besucherzahlen geben dem Konzept des Kelten.Baum.Weges Recht: er hat

sich zu einem attraktiven touristischen Zusatzangebot in der Region entwickelt, von

dem auch die regionale Gastronomie profitiert.

Durch seine hohe Attraktivität für die regionale Bevölkerung motiviert der Kelten.Baum.

Weg zu einer umwelt- und naturverträglichen Freizeitgestaltung „vor der Haustüre“

und kommt so durch die Verringerung des motorisierten Freizeitverkehrs auch dem

Klimaschutz zu Gute. D

Das ist das Besondere

u

■ Lokales sehr engagiertes „Kernteam“ bei Konzeption, Umsetzung und Bauleitung

■ Aufbereitung eines authentischen Themas (Keltenbesiedelung)

■ Nutzung lokaler Ressourcen (Landschaft, bestehender Wanderweg, Planungsteam, Vereine,

Firmen …)

■ Integration von kompetenten AnsprechpartnerInnen und ExpertInnen

■ Tourismusverband und Gemeinden als wichtige Partner in der Region

■ Gute Finanzierungsgrundlage für den Bau des Weges (LEADER)

■ Rechtzeitige Kommunikation mit den betroffenen AnrainerInnen und GrundbesitzerInnen

(Grund wurde kostenlos zur Verfügung gestellt)

■ Beauftragung regionaler Betriebe für die Ausführung und den Bau

■ Einbindung vieler AkteurInnen aus der Region beim Bau und beim laufenden Betrieb

■ Identifikation der lokalen Bevölkerung mit dem Weg – hohe Wertschätzung, Stolz

■ Gutes Marketing (großes Eröffnungsfest mit ORF, Website, Folder, Buch, Werbeschaltungen in

Printmedien)

■ Regelmäßige Veranstaltungen und ständige Erweiterung des Angebotes

■ Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln

R


und um´s moor

Erlebnisweg – Garten der Sinne –

Beweidungsprojekt mit Moorochsen

Darum geht‘s

In unmittelbarer Nähe der Ortschaft Rohr befindet sich das Naturschutzgebiet „Auwiesen

Zickenbachtal“ mit einem der wertvollsten Feuchtgebiete des Südburgenlandes.

Doch die intensive ackerbauliche Nutzung der umgebenden Flächen, die zu massiven

Nährstoffeinträgen in das Moor führte, wurde immer mehr zu einer Bedrohung für

den sensiblen Lebensraum. Um die langfristige Erhaltung des Feuchtgebiets mit seiner

charakteristischen Tier- und Pflanzenwelt zu sichern, wurden innerhalb der letzten Jahre

100 ha an landwirtschaftlichen Flächen aus der ackerbaulichen Nutzung genommen.

Hier weiden nun die „Zickentaler Moorochsen“, Ochsen der Rassen „Galloway“ und

„Aberdeen Angus“, die das ganze Jahr im Freien verbringen und sich ausschließlich

von den Gräsern und Kräutern der Weiden ernähren.

Von Beispielen lernen

Lage R

7551 Rohr im Burgenland

Ausgangspunkt:

bei der Kirche in Rohr

Erreichbarkeit mit

öffentlichen Verkehrsmitteln:

Busverbindung

Projektträger / Information

Verein „rund um’s moor“

www.moorochse.at

Natur | Erlebnis | Region | 23

N N


NN N

Von Beispielen lernen

X

Facts

Erlebnisweg:

Weglänge: je nach Variante zwischen

1,5 und 5 km

Garten der Sinne:

Freiland-Gartenzimmer für alle Sinne

ganzjährig frei zugängig

medien zur Vermittlung:

Führungen, diverse Folder und Broschüren,

Kinder-Quizblatt, Wasserlupen,

Kescher, Moorbohrer, Schautafeln,

CD für Schulen, Kurzfilm, Internet

zielgruppe:

Familien, Schulklassen

24 | Natur | Erlebnis | Region

Von der Beweidung profitieren zahlreiche Tierarten: Wiesenbrütende Vögel wie das

Braunkehlchen haben in den Weiden ihre Brutflächen, andere Arten wie der Weißstorch

finden hier Nahrung.

Das Fleisch der Moorochsen wird in regionalen Betrieben verarbeitet. Für die kulinarische

Verbreitung sorgen einige angrenzende Gastronomiebetriebe – der „Zickentaler

Moorochse“ ist mittlerweile fester Bestandteil auf ihrer Speisekarte. Aber auch auf

nachhaltige Produktion bedachte Gasthäuser außerhalb der Region sind zu Abnehmern

des Moorochsenfleisches geworden.

Ergänzend zu der Beweidung durch die Moorochsen wurde ein vielfältiges Naturerlebnisangebot

rund um das Zickentaler Moor geschaffen. Mit ausgebildeten MoorbegleiterInnen

kann von Frühjahr bis Herbst entlang eines Erlebnisweges das Moor

erkundet werden. Verschiedene interaktive und sensorische Stationen helfen dabei,

die Entstehung des Moores nach zu vollziehen und die besonderen Pflanzen und

Tiere des Moores kennen zu lernen. Eine Moorbohrung ermöglicht sogar einen Blick

in die Vergangenheit. Wer das Moor lieber alleine entdecken will, kann sich mit dem

Folder „Natura Trail Zickental“, der auch eine Wanderkarte enthält, über das Moor

und seine Bewohner informieren. Ergänzend bietet der „Garten der Sinne“, ein kleiner

botanischer Garten, der sich zu Beginn des Moorweges befindet, die Möglichkeit,

rund 800 verschiedene Pflanzen mit allen Sinnen zu erleben.

„Die ganze Welt werden wir nicht verändern,

aber dieses Stückchen hier wollen wir erhalten,

um es weiterhin genießen zu können.“

p E t E r Kü h n E , mo o r b E g l E i t E r

N


N

Von der Idee zu „rund um´s moor“

Am Anfang war die Idee…

Der Bürgermeister der Gemeinde Rohr, Herr Ofner, hatte vor einigen Jahren den

Wunsch, das Naturschutzgebiet zu einer Bildungsstätte für Schulen zu machen und

zusätzliche Angebote zu schaffen, um die Region und ihre Besonderheiten erleben zu

können. Die Idee fand bei den relevanten EntscheidungsträgerInnen und Privatpersonen

schnell Anklang. So wurde im Jahr 2003 der Verein „rund um’s moor“ gegründet,

zu dem die Gemeinden Rohr, Kukmirn und Heugraben gehören.

Im selben Jahr wurde das LEADER-Projekt „rund um’s moor“ initiiert, welches zum Erhalt

des Moores und zugleich auch zur regionalen Wertschöpfung beitragen sollte.

Den Schwerpunkt des Projekts bildet der Schutz des außergewöhnlichen Feuchtgebietes,

der nicht zu Nachteilen für die GrundeigentümerInnen führen, sondern vielmehr auf

einer schonenden Nutzung basieren sollte, von der Mensch und Natur profitieren. So

entstand die Idee der Umwandlung von 100 ha Ackerflächen in Weideland, auf dem

nun die Zickentaler Moorochsen gehalten werden. Das langsame Wachstum der Tiere,

die zwei Jahre auf den Weiden verbringen, und die Gräser und Kräuter der Weiden

bedingen ein zartes, feinfasriges Fleisch mit einem besonderen Geschmack.

Durch die Vernetzung des Beweidungsprojekts mit einem sanften, touristischen Angebot

sollten zusätzliche BesucherInnen in die Region gelockt werden.

…Klärung der Finanzierung

Für die Konzeption und Planung des Erlebnisweges und des „Gartens der Sinne“ wurden

Fördermittel aus dem LEADER-Programm bewilligt. Die Kosten für die Materialien

(z. B. der Druck von Foldern und Broschüren) wurden und werden von der Gemeinde

getragen.

Für die Planung des Naturerlebnisangebotes wurden rund 3.000 Euro zur Verfügung

gestellt. Die Errichtungskosten selbst beliefen sich auf rund 2.000 Euro für Personal

und rund 5.000 Euro für Sachmittel.

pRoJEktidEE

c LEAdER, S. 47

finAnziERunG

ERRichtunGSkoStEn

Von Beispielen lernen

Natur | Erlebnis | Region | 25


Von Beispielen lernen

LAufEndE koStEn

EntWickLunG nEuER idEEn

26 | Natur | Erlebnis | Region

mARkEtinG

inStAndhALtunG

NN

Der laufende Betrieb schlägt im Jahr mit etwa 3.500 Euro zu Buche. Die Kosten für

die Führungen inklusive der Entlohnung der MoorbegleiterInnen werden durch die

Einnahmen aus den Führungen gedeckt. Die Sachkosten für die Instandhaltung belaufen

sich auf rund 2.500 Euro pro Jahr. Ebenfalls 2.500 Euro werden noch einmal

für die laufende Erweiterung benötigt.

Die benötigten Geldmittel für den laufenden Betrieb, wie etwa die Bewerbung der

Naturerlebnisangebote, die Konzeption neuer Erlebnisangebote und Instandhaltungsarbeiten

werden von der Gemeinde Rohr getragen.

… das Projekt startet durch

Bei der Konzeption und Anlage des Erlebnisweges haben Fachleute und LehrerInnen

aus der Region zusammen gearbeitet, um die einzelnen Stationen erlebnisorientiert

zu planen.

Die meisten Objekte, wie zum Beispiel der Weidentunnel oder die Bildtafeln zur Wissensvermittlung,

wurden und werden von den Vereinsmitgliedern selbst gebaut.

Eine Gruppe von ausgebildeten MoorbegleiterInnen aus der Region bedient das touristische

Angebot. Sie haben sich in Eigenausbildung und durch Kurse ein pädagogisches

und ökologisches Basiswissen angeeignet, das sie laufend erweitern. Seit 2003 wird

das Naturerlebnisangebot vom Verein „rund um’s moor“ betreut.

… lebendig bleiben

Nicht am Anfang stehen bleiben ist die Devise des Vereins „rund ums moor“. Die

Konzeption und vor allem die laufende Weiterentwicklung erfolgen gemeinsam im

Team. Bereits in der Startphase war der Gedanke verankert, dass alle Ideen so entwickelt

werden, dass nicht nur die Errichtung gut gelingt, sondern auch der fortlaufende

Erhalt gewährleistet werden kann.

Für die Entwicklung neuer Ideen ist der Projektleiter zuständig. Ein Koordinator aus

dem Kreis der MoorbegleiterInnen übernimmt die gesamte organisatorische Arbeit,

wie zum Beispiel die Buchung der Führungen oder die Bereitstellung der Verpflegung

für die BesucherInnen. Folder und Broschüren ermöglichen den BesucherInnen des

Moores auch ein eigenständiges Erkunden des Moorweges.

Der „Garten der Sinne“ wurde von einer ebenfalls aus der Region stammenden

Gartenarchitektin konzipiert, die mit viel Engagement und Herz, gemeinsam mit den

MoorbegleiterInnen und anderen HelferInnen, auch für dessen Pflege sorgt. Ein Begleitblatt

für den Garten der Sinne ergänzt das Erleben vor Ort.

Beworben wird das Naturerlebnisangebot durch Plakate und Folder, die von einer in

der Region ansässigen Agentur gestaltet werden. Die Verteilung der Folder erfolgt

auf Messen, über Tourismusverbände und durch die direkte Ansprache von Schulen.

Die Website www.moorochse.at beschreibt das Projekt und informiert über das laufende

Angebot. Eine kontinuierliche Pressearbeit führt zur Präsenz des Projekts in den

Medien.

Für die laufende Instandhaltung und die Betreuung der Wege und Einrichtungen, die

Betreuung und die Pflege des „Gartens der Sinne“ sind lokale Arbeitskräfte zuständig.


Zwischen März und Oktober 2008 nahmen rund 2.000 BesucherInnen an insgesamt

58 Führungen teil, davon entfiel rund die Hälfte auf Schulklassen. Die BetreiberInnen

sind mit der Auslastung sehr zufrieden, verfügen aber über ausreichend Ressourcen,

um einer noch größeren Anzahl an BesucherInnen die Besonderheiten des Moores

näher zu bringen.

Deshalb funktioniert‘s:

Das Projekt „rund um’s moor“ hat ideenreich und sehr flexibel auf wirtschaftliche und

landschaftliche Veränderungen in der Region reagiert. Die Umstellung von intensiv bewirtschafteten

Äckern auf extensiv beweidetes Grünland und die Unterschutzstellung

des Moores wurden als Antrieb für neue Entwicklungen genutzt. Die AkteurInnen

des Vereins „rund um’s moor“ haben es geschafft, ihre eigene Erkenntnis, dass sich

ein wertvoller Lebensraum direkt vor ihrer Haustüre befindet, weiterzugeben und das

Zickentaler Moor für Einheimische wie auch Gäste erlebbar zu machen.

Die sehr gelungene Vermarktung des Fleisches der Moorochsen, der in Gemeinschaft

mit der lokalen Bevölkerung entstandene Erlebnisweg, der „Garten der Sinne“ und die

vielen anderen kleinen Erlebnisorte sind attraktive Angebote für Einheimische und BesucherInnen.

So trägt das Projekt auch zur touristischen Belebung der Kleinregion bei.

Der „Zickentaler Moorochse“ hat mittlerweile einen sehr hohen Bekanntheitsgrad erreicht.

Das Projekt ist seit 2005 auch in die „Genuss Region Österreich“ aufgenommen.

Der Verein arbeitet kontinuierlich an einer Erweiterung des Angebots. Die Erhaltung

und Neuanlage wird in Eigenarbeit geleistet und ist ein wichtiger Faktor für den Zusammenhalt

der Beteiligten. Auch hier besteht kein starres Gebilde, sondern Lebendigkeit

mit Raum für Ideen engagierter Menschen, die diese auch umsetzen wollen.

Durch die Verbindung von Naturschutzanliegen mit einem touristischen Angebot

liefert das Projekt ein wertvolles Beispiel für die Kooperation von Landwirtschaft und

Naturschutz im Rahmen einer nachhaltigen Regionalentwicklung.

Von Beispielen lernen

bESuchERAuSLAStunG

AuthEntizität, bEtEiLiGunG

& idEntifikAtion

touRiStiSchES AnGEbot

mARkEtinG

LEbEndiGkEit

„Das Projekt vereint in einmaliger Weise Naturschutz,

ökologisch wertvolle Landwirtschaft, Gewerbebetriebe,

Tourismus, öffentliche Hand und Gemeinden sowie private

Naturliebhaber und Vereine. Wir bewahren die wertvolle

Natur und wir nutzen ihre wunderbaren Schätze.“

d r. Jü r g E n fr a n K , pr o J E K t l E i t E r

Natur | Erlebnis | Region | 27


Von Beispielen lernen

REGionALE WERtSchöpfunG

biLdunGSStättE

idEntifikAtion

28 | Natur | Erlebnis | Region

Das bringt´s der Region:

Die Landwirte erzielen über die Naturschutzförderungen und die Vermarktung der

Moorochsen ein nachhaltig gesichertes Einkommen und zumindest die gleichen Erträge

wie in der konventionellen Landwirtschaft.

Auch die Gastwirte, die das Zickentaler Moorochsenfleisch auf ihrer Speisekarte stehen

haben, erkennen eine Belebung des Geschäfts.

Einige Personen erzielen durch Führungen, andere Personen durch geleistete Instandhaltungsarbeiten

ein kleines Taschengeld zur Verbesserung ihres Einkommens.

Das Moor hat einen hohen pädagogischen Wert für die Schulen in der Region, die

eifrig am Führungsangebot teilnehmen.

Der Erlebnisweg wird auch von Einheimischen genutzt, die sich dank der frühen Einbindung

in das Projekt damit identifizieren und stolz auf „ihr“ Moor sind.

Die Besonderheiten der Region wurden erkannt, das Potenzial, diese in die regionale

Wertschöpfung einfließen zu lassen, gemeinsam mit allen Beteiligten genutzt. D

„Qualität ist die Summe aller Bemühungen. Rindfleisch kann man überall

kaufen. Der Zickentaler Moorochse kommt aber aus der unmittelbaren

Nachbarschaft. Das Projekt sorgt nachhaltig für die Erhaltung

der Lebensqualität in der Region und das Fleisch ist einzigartig.“

m a r K u s lE i t g E b, ha u b E n w i r t „zu m a lt E n wE i n s t o c K “ in ru d E r s d o r f

N

N

Das ist das Besondere

■ Vereinigung von Naturschutz, ökologisch orientierter Landwirtschaft, Gastronomie und Tourismus

■ Nachhaltigkeit als Grundgedanke in allen Projektbereichen

■ Regionale Wertschöpfung (Landwirtschaft, Gastronomie)

■ Zusammenschluss lokaler AkteurInnen

■ Intensive Einbindung der Bevölkerung, daher hohe Identifikation mit dem Projekt

■ Engagiertes, lokales Projektteam

■ Gute Finanzierungsgrundlage (LEADER)

■ Eine Konzeption, die Erhalt und Erweiterung des Angebots von Anfang an berücksichtigt

■ Ermöglichung von Veränderungen durch eine lebendige Struktur

■ Zielgruppengerechtes Angebot (Schulen, Familien, …)

■ Professionelles Marketing – Zickentaler Moorochsen als eigene Marke etabliert

R

N N


Alchemilla–Kräuterprojekt

Von Beispielen lernen

im Biosphärenpark Großes Walsertal

Kräuterwanderungen und Führungen durch Kräutergärten, Kräuterkurse, Kräuterprodukte

Darum geht‘s

Im Biosphärenpark Großes Walsertal wird seit 2006 altes Kräuterwissen wieder lebendig

gemacht und mit neuen Ideen kombiniert. 13 Frauen aus unterschiedlichen

Gemeinden des Biosphärenparks haben das „Alchemilla-Kräuterprojekt“ ins Leben

gerufen: Man soll sie wieder sehen, wahrnehmen, riechen und schmecken können –

die Kultur- und Wildkräuter der Region.

Im Vordergrund steht die Gemeinschaft der am Projekt mitwirkenden Frauen. Ihr

häufig verborgenes Wirken, ihre Intuition und ihr behutsamer Umgang mit der Natur

werden durch gemeinsame Aktivitäten sichtbar gemacht. Dabei wird großer Wert

auf das Miteinander und den Erfahrungsaustausch gelegt. Die Einmaligkeit jeder

einzelnen Frau ist das Wesentliche. Eine jede von ihnen hat sich eine Medizinpflanze

gewählt, mit der sie sich verbunden fühlt. Da gibt es den Efeu, das Gänseblümchen,

Holunder, Kapuzinerkresse, Ringelblume, Lavendel, Rosen, Johanniskraut, Latsche,

Walderdbeere, Quendel, Königskerze oder Thymian. Durch die Vermarktung von

selbst hergestellten Produkten, die meist auf der ausgewählten Pflanze basieren, zum

Lage R

6 Gemeinden im Großen Walsertal

(Vorarlberg): 6721 Thüringerberg,

6722 St. Gerold, 6723 Blons, 6731

Sonntag-Buchboden, 6733 Fontanella-

Faschina, 6741 Raggal-Marul

Ausgangspunkt:

individuell

Erreichbarkeit mit

öffentlichen Verkehrsmitteln:

• für die Wanderungen:

Wanderbusse (Linienbusse), die zu

den Hochalpen führen (können auch

individuell bestellt werden)

• für Gartenbesichtigungen:

Die einzelnen Gemeinden sind mit

Bussen erreichbar, die im Stundentakt

fahren (Fahrplan auf www.vmobil.at)

Natur | Erlebnis | Region | 29


Von Beispielen lernen


Projektträger / Information

Projektträger des Dynalp-Projekts:

Biosphärenpark Management der

REGIO Großes Walsertal

Projektleiterin Netzwerk Alchemilla:

Susanne Türtscher,

E-Mail: susanne.tuertscher@gmx.at

Organisatorisches:

Ruth Moser (Biosphärenparkmanagerin)

E-Mail: moser@grosseswalsertal.at

X

Facts

Angebote:

• Gartentage

(Fixtermine und auf Anfrage)

• Verschiedene Kräuterwanderungen

(Fixtermine und auf Anfrage)

• Kräutermenüs (Fixtermine)

• Kräuterkochkurse, Kurse zur

Seifen- und Salbenherstellung

• Einmal jährlich Kräutertage

(dreitägiges Fest)

• Jahreskreisgruppe (geschlossenes

Angebot; mehrere Treffen übers Jahr,

Dauer 2 Jahre)

• Kräuterprodukte

medien zur Vermittlung:

Führungen, Broschüre, Website,

Erzeugnisse aus eigener Produktion

mit Alchemilla-Logo

zielgruppen:

• Frauen aus der Region, um in dem

Projekt mitzuwirken

• alle Menschen, die ihre Mensch-

Natur-Beziehung vertiefen wollen

• UrlauberInnen

30 | Natur | Erlebnis | Region

pRoJEktidEE

Beispiel Johanniskrautöl, Heublumenbad, Lavendelbalsam oder diversen Kräutertees,

haben die Frauen selbst bestimmte Erwerbsmöglichkeiten, die sich mit Familie und

Landwirtschaft gut vereinbaren lassen.

Das Wissen und die Wertschätzung für die Kräuter wollen die Frauen natürlich auch

weitergeben: Sie öffnen, nach Absprache, ihre privaten Gärten, die alle einem bestimmten

Thema gewidmet sind, zum Beispiel den Bergbauerngarten, den Garten

der Vielfalt oder den Garten der Mystik. Es sind keine Schaugärten, sondern private

Hausgärten, welche die Persönlichkeit und Interessen der einzelnen Frauen widerspiegeln.

Wer mehr wissen möchte als nur die Namen der Kräuter, erfährt beispielsweise

Näheres über die Wirkung verschiedener Kräuter in Tees oder bekommt Anregungen

zur Herstellung von Salben, Ölen oder Seifen aus Kräuterextrakten. So lernen die

BesucherInnen, dass Johanniskraut gut gegen leichte Depressionen oder Verstimmungen

hilft oder bestimmte Thymiansorten ein gutes pflanzliches Heilmittel bei

Hustenbeschwerden sind.

Einige der Frauen führen die BesucherInnen auch auf Wanderungen durch unterschiedliche

Orte des Großen Walsertals. Sie vermitteln dabei die örtlichen Besonderheiten,

sammeln gemeinsam mit den TeilnehmerInnen Kräuter und erzählen die eine oder

andere der zahlreichen Geschichten, die es über Kräuter gibt. Dabei steht ein bewusster

Umgang mit der Natur, vor allem aber die sinnliche Naturerfahrung im Vordergrund.

Im Anschluss wird aus den frisch gepflückten Kräutern ein Tee oder eine Mahlzeit

bereitet. Eigene Kochseminare und Kräutertage ergänzen das Angebot. Für Personen,

die tiefer in das Thema Kräuter eintauchen möchten, gibt es eine Jahreskreisgruppe,

die gemeinsam über einen Zeitraum von zwei Jahren die Welt der Kräuter erkundet.

Das Programm beinhaltet das Kennenlernen der Pflanzen im Verlauf der Jahreszeiten,

wann sie ihre größte Wirkkraft entfalten, Kochen mit Kräutern, Veredeln und

Haltbarmachen und auch Kräuterwanderungen, Räuchern, Medizinwanderungen,

Rituale und christliche Mystik.

Einmal im Jahr wird in Buchboden, einem der Orte des Großen Walsertals, ein großes

Kräuterfest veranstaltet, in dem das vielfältige Wirken der Frauen aus der Region

und für die Region in seiner Gesamtheit sichtbar wird. Die offenen Gärten einzelner

Kräuterfrauen, die im Rahmen der Veranstaltung besucht werden können, sind über

die unterschiedlichen Orte im Tal verteilt.

Von der Idee zum Alchemilla-Kräuterprojekt

Am Anfang war die Idee …

Susanne Türtscher, die Frau des Regionalobmanns des Biosphärenparkmanagements,

beschäftigt sich seit Kindheitstagen intensiv mit dem Thema Kräuter, ihrem Nutzen und

ihrer Verarbeitung. Auf der Suche nach Impulsen für die Entwicklung der Region kam

ihr der Gedanke, ein Kräuter-Projekt zu initiieren: Sie war davon überzeugt, dass ihr

besonderes Wissen und ihre Freude an den Kräutern viele Frauen aus den Gemeinden

des Tals ansprechen würde und sprach mit der Bezirksbäuerin, die durch ihre Funktion

weiterhelfen konnte. Die Idee war, ein bis zwei Frauen aus jeder Gemeinde zu finden,

die gern an dem Alchemilla-Projekt mitarbeiten wollten. Eine Idee, die rasch in die

Praxis umgesetzt wurde.


… Klärung der Finanzierung

Das Biosphärenparkmanagement, versiert im Thema Förderung, übernahm die Antragstellung.

So wurden 50 % der Gesamtkosten über das Dynalp2-Programm bewilligt,

die andere Hälfte übernahm der Biosphärenpark Großes Walsertal. Für die Start- und

Pilotphase (Vermarktungsschiene für die Kräuterprodukte, Broschüre, Konzept für

den Themenweg) des Alchemilla-Projektes stand in den Jahren 2006–2008 eine Fördersumme

von etwa 20.000 Euro zur Verfügung.

… das Projekt startet durch

Vor allem die Koordination in der Vorbereitungs- und Pilotphase brauchte einen

starken persönlichen Einsatz und viele Arbeitsstunden von Susanne Türtscher als

Projektleiterin und Ruth Moser, der Managerin des Biosphärenparks. Die Frauen des

Alchemilla-Projekts entwickelten während zahlreicher Treffen gemeinsam Ideen rund

um das Thema Kräuter und erarbeiteten Vorschläge zu ihrer Umsetzung.

Um das Projekt und sein vielfältiges Angebot bekannt zu machen, wurden Informationen

auf die Website des Biosphärenparks www.grosseswalsertal.at gestellt, Programmfolder

und eine Broschüre zum Projekt erstellt, ein Logo sowie ein einheitliches

Design für die Alchemilla-Produkte entwickelt.

Ein großes Fest im Jahr 2007 unter dem Motto „Die Kräutertage in Buchboden“

war der offizielle Startschuss für das Alchemilla-Kräuterprojekt. Eine Ausstellung

bot einen guten Einblick in die Vielfalt an unterschiedlichen Kräuterprodukten und

informierte über die Herstellungsprozesse. Zusätzlich dazu boten einige der Frauen

Kräuter exkursionen an.

Das sich über zwei Jahre erstreckende Programmangebot für die Jahreskreisgruppe

konnte TeilnehmerInnen aus Vorarlberg sowie Deutschland und der Schweiz für sich

begeistern.

… lebendig bleiben

Das Alchemilla-Projekt wird durch die Frauen auf vielfältige Weise präsentiert. Die selbst

gefertigten Kräuterprodukte werden nicht nur ab Hof und zu den Festen, sondern auch

im Tourismusbüro, Biosphärenparkbüro, in manchen Hotels und im neu eröffneten „Haus

Walserstolz“ in Sonntag, das auch eine Sennerei und eine Biosphärenparkausstellung

Von Beispielen lernen

koStEn & finAnziERunG

Dynalp2 ist ein eigenes Förderprogramm für den

Alpenraum mit dem Schwerpunkt auf Projekte

in Gemeinden, die einen konkreten Beitrag zur

Umsetzung einer nachhaltigen Entwicklung und

der Alpenkonven tion leisten. Die Themenbereiche

umfassen u. a.: Regionale Wertschöpfung, soziale

Handlungsfähigkeit, Schutzgebiete, Mobilität (sh.

www.alpenallianz.org/de/projekte/dynalp)

umSEtzunG

„Das war Pionierarbeit,

genauso anstrengend

wie sehr, sehr schön.“

s u s a n n E tü r t s c h E r , pr o J E K t l E i t E r i n

mARkEtinG

pRäSEnz in dER REGion

Natur | Erlebnis | Region | 31


Von Beispielen lernen

32 | Natur | Erlebnis | Region

ERWEitERunG

dES AnGEbotS

c LEAdER, S. 47

WEitERbiLdunG

pRofESSionELLE

untERStützunG

LAufEndE koStEn

bESuchERAuSLAStunG

beherbergt sowie von den Kräuterfrauen selbst auf verschiedenen Bauernmärkten angeboten.

Im Sinne der Nachhaltigkeit wird großer Wert darauf gelegt, dass nur saisonal,

nach Verfügbarkeit, Kraft und Zeit der Herstellerinnen produziert wird.

Partnerbetriebe, zum Beispiel ein Hotel, bewerben das Alchemilla-Kräuterprojekt als

touristisches Angebot.

Um das bisherige Angebot zu erweitern, soll ein Kräuter-Themenweg entstehen, der

auf vielfältige Weise das Thema Wild- und Kulturkräuter in der Region vermitteln

soll. Ein Konzept dazu ist bereits erstellt und wurde ebenfalls mit Mitteln aus der

Projektförderung des Dynalp2-Programms finanziert. Die Errichtung wird über das

LEADER-Programm gefördert.

Um ihr Wissen, aber auch Techniken zur Vermittlung zu erweitern, nehmen die Frauen

regelmäßig an internen Weiterbildungen teil oder sie besuchen externe Kurse, die

thematisch relevant sind. So macht zum Beispiel eine der Frauen zur Zeit eine Ausbildung

in Kräuterpädagogik.

Die meisten der Alchemilla-Kräuterfrauen sind in der Landwirtschaft tätig und haben

Familien zu versorgen. Zeit ist also ein knappes Gut. Sie erhalten daher vom Biosphärenparkmanagement

Unterstützung bei der Terminkoordination für die Führungen

oder bei der Erstellung von Pressetexten.

Um die laufenden Kosten decken zu können, werden für die Exkursionen und Gartentage

entsprechende Beiträge festgesetzt. Die Produkte werden zu von den Kräuterfrauen

selbst festgelegten Preisen verkauft. Ein geringer Teil der Einnahmen aus

dem Produktverkauf wird für das Projekt auf die Seite gelegt. Zusätzlich hat die Gemeinschaft

des Alchemilla-Projekts einen symbolischen Beitrag von 20 Euro pro Jahr

und Mitglied festgesetzt. Durch dieses kleine Budget wird gewährleistet, dass allfällige

Kosten für den Neudruck von Broschüren etc. gedeckt sind.

Die Besucherzahlen der letzten Jahre erfüllten die Erwartungen bei weitem. Die Gartentage

waren ebenso wie die 30 Fachexkursionen, die 2008 stattfanden, sehr gut besucht.


Neben den touristischen Angeboten gibt es eine Initiative des Netzwerks, die den Frauen

sehr am Herzen liegt: An bestimmten Tagen sammeln die Frauen Kräuter, mischen

diese gemeinsam und bieten die Mischung dann als „Frauentee“ zum Verkauf an.

Der Erlös kommt einer in Not geratenen Frau im Tal zu Gute.

Deshalb funktioniert´s

Es ist die starke Identifikation der Alchemilla-Kräuterfrauen mit ihrem Projekt, die

Bindung an ihre Region und die Freude am gemeinsamen Entwickeln von Ideen. Es

ist kein für touristische Zwecke entstandenes Netzwerk, sondern in erster Linie die

Chance für Frauen des Großen Walsertals, sich einem Thema zu widmen, das ihnen

am Herzen liegt. Dies zeigt sich auch in der Anerkennung ihres Wirkens im Großen

Walsertal, die ihnen von Einheimischen und Gästen entgegengebracht wird. Durch

die ganzheitliche Herangehensweise an das Thema Wild- und Kulturkräuter ist dieses

Naturerlebnisangebot auf vielen Ebenen verankert.

Eine Wanderung am Morgen, von den ersten Sonnenstrahlen des Tages begleitet, um

die Wildkräuter dort zu entdecken, wo sie wachsen, und anschließend einen heißen

Tee daraus zu bereiten, hinterlässt sicher eine bleibende, schöne Erinnerung. Sich mit

dem Thema Wild- und Kulturkräuter zu beschäftigen geht hier weit über die reine Wissensvermittlung

hinaus. Und es ist einfach viel schöner, die Dinge, über die man etwas

lernen möchte, anzufassen und zu probieren. Aber auch das Erfahren der Gemeinschaft

der Frauen stellt für die BesucherInnen ein beeindruckendes Erlebnis dar.

Die Gemeinschaft der Frauen konnte über die vergangenen Jahre zusammen wachsen.

Eine besondere Form der geleiteten Gesprächsführung, bei der das Zuhören und der

Dialog im Vordergrund stehen, ist die Basis für einen respektvollen Umgang innerhalb

des Projektteams, der es allen Beteiligten ermöglicht, eigene Ideen und Impulse

einzubringen.

GEmEinSchAft

„Es lohnt sich!

Es ist Arbeit und Freude.

Eine Herzensangelegenheit!“

s u s a n n E tü r t s c h E r , pr o J E K t l E i t E r i n

idEntifikAtion

ERLEbniSWERt

tEAm

Von Beispielen lernen

Natur | Erlebnis | Region | 33


Von Beispielen lernen

34 | Natur | Erlebnis | Region

LEbEndiGkEit

c Lebendig bleiben, S. 31

SELbStVERWiRkLichunG

REGionALE

WERtSchöpfunG

Dadurch bleibt das Projekt lebendig, Veränderungen werden möglich und es kommt

zu einer laufenden Erweiterung des Projektangebotes wie beispielsweise durch die

geplante Errichtung eines Kräuter-Themenweges.

Das bringt´s der Region

Durch gemeinsame Anstrengungen von einigen BewohnerInnen des Biosphärenparks

ist ein lebendiges Projekt entstanden, welches dazu beiträgt, dass die Frauen neben

Beruf und Familienalltag eine zusätzliche, selbst bestimmte Tätigkeit haben. Dies hat

zu einer Steigerung des Selbstwertes der Frauen geführt.

Durch den Verkauf der eigenen Produkte kann sich jede Frau einen geringen Nebenverdienst

sichern, gleichzeitig tritt durch das erfolgreiche Marketing auch eine Wertschöpfung

für regionale Betriebe ein. Die unterschiedlichen Programmangebote bringen

mehr BesucherInnen ins Tal. Kooperationen wie zum Beispiel mit einem Partnerhotel,

das die Kräuter verarbeitet, finden großen Zuspruch. Zusätzlich werden durch die

Aktivitäten auch andere Frauen aus der Region dazu angeregt, sich mit Kräutern zu

beschäftigen. D

Das ist das Besondere

■ Gemeinschaftsprojekt, um Frauen aus der Region zu stärken, zu vernetzen und mit

einem interessanten Thema für die Region zu begeistern

■ Sehr engagiertes, regionales Team

■ Stark ganzheitliche Ausprägung (bewusster Umgang mit der Natur, alle Sinne ansprechend)

■ Mehr als reine Dienstleistung für touristische Zwecke

■ Integration von kompetenten AnsprechpartnerInnen und ExpertInnen

■ Gute Vernetzung und gegenseitige Unterstützung

■ Nutzung lokaler Ressourcen (Landschaft, Hausgärten, Pflanzen der Region)

■ Regelmäßige Veranstaltungen und ständige Erweiterung des Angebotes

■ Regelmäßige Berichterstattung in den Medien

■ Funktionierendes Finanzierungskonzept

■ Weiterbildung der beteiligten Frauen, z. B. zur Kräuterpädagogin

■ Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln

R


Von Beispielen lernen

Natura Trail Hochwienerwald

Wander- und Naturerlebnisweg

Darum geht‘s

Entlang des alten Hochwienerwaldweges führt der Natura Trail Hochwienerwald über

die beiden höchsten Wienerwaldgipfel Schöpfl und Gföhlberg durch eine abwechslungsreiche

Kulturlandschaft.

Die vielfältigen Lebensräume entlang des Weges sind Heimat einer artenreichen Fauna

und Flora. Besonders vielfältig ist die Vogelwelt mit 150 Brutvogelarten, darunter

beispielsweise alle 10 europäischen Spechtarten.

Ein handlicher Folder dient als Wegweiser und erzählt zugleich über charakteristische

Tiere und Pflanzen, die entlang des Weges vorkommen, sowie über spannende ökologische

Zusammenhänge wie das Miteinander von Bäumen und Pilzen oder die Rolle

von Totholz. Zusätzlich erfahren die

LeserInnen Wissenswertes über den

Schutz des Gebietes, das zum einen

als europäisches Vogelschutzgebiet Teil

des EU-weiten Natura 2000 Schutzgebietsnetzwerks

ist, zum anderen auch

als Landschaftsschutzgebiet und Biosphärenpark

einen besonderen Schutz

genießt.

Lage R

3053 Brand-Laaben (Niederösterreich)

Ausgangspunkt:

Hauptplatz von Laaben

Erreichbarkeit mit

öffentlichen Verkehrsmitteln:

wochentags regelmäßige Busverbindung

Projektträger / Information

Gemeinde Brand Laaben

Laaben 100, 3053 Brand-Laaben

Information / Projektleitung

Naturfreunde Internationale,

Diefenbachgasse 36, 1150 Wien

www.naturatrails.net

Natur | Erlebnis | Region | 35


Von Beispielen lernen

36 | Natur | Erlebnis | Region

Natura Trails

Entlang des Weges informieren Übersichtstafeln über den Wegverlauf

und über die Besonderheiten der Tier- und Pflanzenwelt. Zusätzliche

Informationen sowie die GPS-Daten zum Wegverlauf sind auf der Projektwebsite

www.naturatrails.net verfügbar.

Von der Idee zum Natura Trail Hochwienerwald

R

Natura Trails © sind von der UNESCO im Rahmen der Dekade Bildung für nachhaltige Entwicklung

ausgezeichnete Themenwege durch für eine sanfte Freizeitnutzung besonders geeignete Schutzgebiete.

Die Informationsvermittlung erfolgt über handliche Folder, über ein Geocoaching-Tool auf

www.naturatrails.net, das den Download von GPS Daten und Zusatzinfos ermöglicht, sowie über

sparsam eingesetzte Infotafeln vor Ort. 2004 von der Naturfreunde Internationale als Pilotprojekt

initiiert und seit 2006 in Kooperation mit den Naturfreunden Österreich und der Österreichischen

Bundesforste AG durchgeführt, stehen Natura Trails mittlerweile als Marke für eine natur- und

umweltverträgliche Freizeitgestaltung. Zugleich unterstützen Natura Trails auch die Kommunikation

der Anliegen eines modernen, menschennahen Naturschutzes in den Gemeinden

und Regionen und geben Impulse für eine nachhaltige Regionalentwicklung durch die

Förderung eines sanften Tourismus.

pRoJEktidEE

Am Anfang war die Idee …

Als Bernhard Baumgartner, Wanderbuchautor, Naturliebhaber und Wanderer aus Leidenschaft,

vom Natura Trail Projekt der Naturfreunde erfuhr, war für ihn sofort klar:

Auch durch seinen Wiesenwienerwald, den südwestlichen Ausläufer des Wienerwaldes

mit einer abwechslungsreichen Kulturlandschaft, sollte ein Natura Trail beschrieben

werden, um die vielfältige Landschaft mit ihrer charakteristischen Tier- und Pflanzenwelt

für die BesucherInnen erlebbar zu machen.

Da die Natura Trails immer zumindest zum Teil durch Schutzgebiete verlaufen, war

auch der Wegverlauf bald geklärt: Von Laaben aus geht es auf dem alten Hochwienerwaldweg

über den Gföhlberg zur Klammhöhe, durch ein Gebiet, das als Natura

2000-Gebiet, Landschaftsschutzgebiet und Biosphärenpark unter Schutz steht, und

dann weiter über den Gföhlberg und durch die abwechslungsreiche Wiesenlandschaft

westlich des Laabentales zurück nach Laaben. Die recht anspruchsvolle Wanderung

von insgesamt sieben bis acht Stunden kann an mehreren Stellen unterbrochen bzw.

in Teiletappen aufgeteilt werden.

Die Gemeinde Brand-Laaben war von der Idee eines eigenen Natura Trails ebenso

rasch überzeugt wie die Ortsgruppe Eichgraben der Naturfreunde Österreich, deren

Vorsitzender Leopold Dworak das Projekt von Anfang an engagiert unterstützte.

Bereits zu Beginn sahen die VertreterInnen der Gemeinde die Chance, die der Natura

Trail als zusätzliches touristisches Angebot bot, indem er die Attraktivität einer traditionellen

Tagesausflugsregion steigert und so auch zur regionalen Wertschöpfung

beiträgt.


„Ich erwarte mir, dass der Natura Trail Bewährtes, vielleicht

ein wenig in Vergessenheit Geratenes belebt, mehr Besucher

in unsere Gemeinde bringt, also den Tagestourismus ankurbelt.

Mehr Besucher sind mehr Gäste für unsere Gastronomie

… Diese kann so leichter aufrechterhalten werden und

sorgt für lokale Wertschöpfung und Arbeitsplätze – und auch

für lokale Lebensqualität.“

h E l m u t li n t n E r , bü r g E r m E i s t E r br a n d -la a b E n

… Klärung der Finanzierung

Das Projekt Natura Trail Hochwienerwald wurde von der Gemeinde Brand-Laaben beim

Niederösterreichischen Landschaftsfonds eingereicht, der eine Finanzierung von 82 %

der Projektgesamtkosten zusagte. Die restlichen 18 % wurden von der Gemeinde als

Eigenmittel in Form von Arbeitszeiten übernommen. Die überregionale Pressearbeit

floss in Form von Eigenmitteln der Naturfreunde Internationale, die von der Gemeinde

mit der Durchführung des Projekts beauftragt wurde, in das Projekt ein.

Der Natura Trail Hochwienerwald wurde am 1. Oktober 2007 offiziell eröffnet. Die

Gesamtkosten für die inhaltliche Arbeit sowie Grafik und Druck von Foldern und

Infotafeln lagen bei rund 8.000 Euro und zahlreichen unentgeltlich geleisteten Arbeitsstunden

von Seiten regionaler AkteurInnen (Bernhard Baumgartner, Ortsgruppe

Eichgraben der Naturfreunde Österreich).

I Lichtenecker (2007)

finAnziERunG

c finanzierung, S. 44

koStEn

Von Beispielen lernen

Natur | Erlebnis | Region | 37


Von Beispielen lernen

umSEtzunG

c www.naturatrails.net

38 | Natur | Erlebnis | Region

„Dank der ausgezeichneten Ortskenntnisse der

am Projekt beteiligten Personen ist es uns gelungen,

die Besonder heiten der Region zu beschreiben und so

an die Besucherinnen und Besucher weiterzugeben.“

p r o J E K t l E i t E r i n an d r E a li c h t E n E c K E r

pRESSEARbEit

… das Projekt startet durch

Mit der Durchführung des Projekts wurde die Naturfreunde Internationale beauftragt,

die seit 2004 bislang 22 Natura Trails durch Österreichs Schutzgebiete erfolgreich

etabliert hat. Besonders wertvoll war jedoch die Unterstützung regionaler AkteurInnen,

allen voran der Initiator des Projekts Bernhard Baumgartner, der Vorsitzende der

Naturfreunde Eichgraben Leopold Dworak, der auch das entlang des Natura Trails

gelegene „Gföhlberghaus“ bewirtschaftet, sowie der Bürgermeister der Gemeinde

Brand-Laaben Helmut Lintner mit seinen MitarbeiterInnen.

… feierliche Eröffnung

Der Natura Trail Hochwienerwald wurde am 1. Oktober 2007 im Beisein der damaligen

niederösterreichischen Naturschutzlandesrätin Karin Kadenbach eröffnet.

Im Anschluss an die offizielle Eröffnung fand eine geführte Wanderung statt, auf der

auch die Einheimischen neues über ihre Region erfuhren.

Die intensive Pressearbeit im Zuge der Eröffnungsveranstaltung führte zu einer regen

Berichterstattung in regionalen und überregionalen Medien.


Deshalb funktioniert´s

Die Kombination von unterschiedlichen Informationsmedien – vom spannend aufbereiteten

Natura Trail Folder über die Übersichtstafeln vor Ort bis hin zum Web-basierten

Geocoaching Tool – spricht ein breit gestreutes Zielpublikum an.

Die gelungene Kombination von landschaftsbezogenen Themen (Tiere, Pflanzen,

Lebens räume, aber auch die Geologie sowie die historische Entwicklung der Region

mit ihrem Einfluss auf das Landschaftsbild) begleiten die BesucherInnen bei ihrer

Wanderung durch die reizvolle Region des westlichen Wienerwaldes. Zugleich werden

auch naturschutzrelevante Themen mittransportiert und um Verständnis für den

Schutz der Natur geworben.

Der Natura Trail Hochwienerwald zeigt auf beispielhafte Weise, wie mit relativ geringem

finanziellem Aufwand das Naturerleben in der Region gefördert werden kann.

Beispielhaft ist ebenso die Nutzung der bereits vorhandenen Ressourcen wie des bestehenden

Wanderweges und des umfassenden Wissens der regionalen Experten.

„Wenn ich auf meinen Wanderungen Leute treffe,

so sind sie sehr angetan vom Natura Trail.“

w a n d E r b u c h a u t o r bE r n h a r d ba u m g a r t n E r

„Mir gefällt am Natura Trail, dass das Rad nicht neu erfunden

wird, sondern neu verpackt – der alte Hochwienerwaldweg

kann neu entdeckt werden, man erfährt auch Neues über

die Umgebung und die Natur hier. … Auch den Einheimischen

wird sicher wieder mehr bewusst, in welcher schönen

Umgebung sie leben.“

h E l m u t li n t n E r , bü r g E r m E i s t E r br a n d -la a b E n

Von Beispielen lernen

muLtimEdiALE VERmittLunG

bEWuSStSEinSbiLdunG

bEStEhEndE RESSouRcEn

Natur | Erlebnis | Region | 39


Von Beispielen lernen

40 | Natur | Erlebnis | Region

AuthEntizität

bEtEiLiGunG /

idEntifikAtion

REGionALE

WERtSchätzunG

kLimASchutz

AkzEptAnz dES

nAtuRSchutzES

Durch die intensive Auseinandersetzung mit der Region und ihren Besonderheiten

wurde ein authentisches Angebot entwickelt, das sowohl für die einheimische Bevölkerung

als auch für BesucherInnen interessant ist.

Gut gelungen ist auch die Einbindung von zahlreichen lokalen AkteurInnen (Vereine,

Gemeinden, Privatpersonen), die sich daher mit dem Weg identifizieren und nun auch

wieder mit offenen Augen die Schönheiten ihrer Heimat betrachten.

Das bringt´s der Region

Der Natura Trail lockt einerseits Ausflugsgäste an und motiviert andererseits auch die

einheimische Bevölkerung zur Freizeitgestaltung in der Region. Davon profitieren die

entlang des Natura Trails gelegenen Gasthäuser. Eine umwelt- und naturverträgliche

Freizeitgestaltung in der Region kommt darüber hinaus auch der Reduktion des motorisierten

Freizeitverkehrs und somit dem Klimaschutz zu Gute.

Zusätzlich trägt der Natura Trail auch zur Hebung des Bewusstseins für das europaweite

Natura 2000-Schutzgebietsnetzwerk und für den Biosphärenpark Wienerwald bei,

zwei Initiativen, die gleichermaßen den Schutz der hohen biologischen Vielfalt durch

eine sorgsame und nachhaltige Nutzung zum Ziel haben, die auf die Bedürfnisse von

Mensch und Natur Rücksicht nimmt. D

Das ist das Besondere

■ In der Region entstandene Projektidee, die von regionalen AkteurInnen getragen wird

■ Aufbereitung eines authentischen Themas

(landschaftliche Besonderheiten des Hochwienerwaldes)

■ Nutzung lokaler Ressourcen (Landschaft, bestehender Wanderweg, Vereine, Privatpersonen, …)

■ Integration eines kompetenten Experten (Gebietskenner und Wanderbuchautor)

■ Förderung eines Großteils der Projektkosten aus nationalen Mitteln mit geringem administrativem

Aufwand (Niederösterreichischer Landschaftsfonds)

■ Relativ geringe Projektkosten

■ Identifikation der lokalen Bevölkerung mit dem Weg – hohe Wertschätzung, Stolz

■ Gutes Marketing (großes Eröffnungsfest mit Naturschutzlandesrätin, Website, Folder,

Berichte in regionalen und überregionalen Medien)

■ Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln

R


So wird’s gemacht

Wie Natur zum Erlebnis wird

Sie möchten in Ihrer Gemeinde ein Naturerlebnisangebot etablieren? Das Angebot

soll spannend und authentisch sein, BesucherInnen anlocken und Spaß machen? Aber

wie gehen Sie vor, was müssen Sie beachten?

Es gibt nicht das Patentrezept oder den Prototypen eines erfolgreichen Naturerlebnisangebotes.

Jedes Thema, jeder Standort ist anders, keine Gemeinde gleicht der anderen.

Daher braucht es immer individuelle Lösungen, abgestimmt auf die jeweilige

Situation vor Ort.

Ein Grundsatz gilt jedoch für jedes Angebot: Den Gästen muss ein kurzweiliges und

spannendes Erlebnis in der Natur- bzw. Kulturlandschaft geboten werden. Denn zufriedene

BesucherInnen sind der beste Indikator für ein erfolgreiches Angebot. Noch besser

ist es natürlich, wenn man es zusätzlich schafft, mit dem Angebot Naturschutzthemen

zu transportieren und das Bewusstsein der BesucherInnen für die Natur und die Landschaft

zu schärfen. Doch selbst dann bleibt noch die Herausforderung, das Angebot so

zu gestalten, dass es auch zukünftig lebendig bleibt und die BesucherInnen zu einem

Wiederkommen motiviert.

Das nachfolgende Kapitel gibt einen Überblick über einige wichtige Grundlagen, die

bei der Konzeption und Etablierung eines Naturerlebnisangebotes zu beachten sind.

Was soll mit dem Naturerlebnisangebot erreicht werden?

Es muss nicht ausschließlich der Naturschutzgedanke sein, der

zur Etablierung eines Naturerlebnisangebotes führt. Die

Steigerung der Lebensqualität in der Gemeinde und der

regionalen Identität oder die Stärkung eines umweltverträglichen

Tourismus können ebenso Beweggründe sein.

Prestige- und Wettbewerbsdenken, persönliche Selbstdarstellung

oder politische Imagepflege sind hingegen keine

Basis für ein langlebiges und erfolgreiches Angebot.

Bevor mit der konkreten Planung begonnen wird, ist es notwendig

sich klarzumachen, welche Ziele mit dem Angebot angestrebt werden sollen.

Die Aufbereitung und Umsetzung des Themas richtet sich nach den Zielsetzungen.

Ein Angebot, das ausschließlich die lokale Bevölkerung ansprechen soll, braucht eine

andere Umsetzung und ein anderes Marketingkonzept als eines, das Gäste in die Region

bringen soll. Für einen Themenweg, den vor allem die lokale Bevölkerung oder

Von Beispielen lernen

indiViduELLE LöSunGEn

ERfoLGSindikAtoREn

c deshalb funktioniert’s,

S. 21, 27, 33, 39

c Was bringt es den Gemeinden /

Regionen? S. 10

Natur | Erlebnis | Region | 41


So wird’s gemacht

Links:

Am baumkronenweg

in kopfing

(oö) lässt sich der

Wald aus einer

unbekannten perspektive

erleben

Rechts:

Eine attraktive

Wegeführung

erhöht das Landschaftserlebnis

ziELfoRmuLiERunG

AbStimmunG mit

VoRhAndEnEn AnGEbotEn

42 | Natur | Erlebnis | Region

AuthEntizität

Stammgäste besuchen, würden beispielsweise austauschbare Module die Möglichkeit

bieten, immer wieder neue Informationen zur Verfügung zu stellen.

Die Anlage von Naturerlebnisangeboten kann auch zu Kooperationen von mehreren

Gemeinden aus einer Region führen. Unerlässlich ist es auf jeden Fall, die einzelnen

Angebote in der Region aufeinander abzustimmen – sie sollen sich ergänzen und

nicht konkurrenzieren.

Welche Besonderheiten hat die Gemeinde?

Das geeignete Thema

Die Suche nach dem richtigen Thema braucht viel Zeit, schließlich sollte es außergewöhnlich

und originell sein. Es muss zur Region passen, umsetzbar sein und von

der Bevölkerung mitgetragen werden. Werden Themen aufgegriffen, die keinen

Bezug zur Region haben, besteht die Gefahr, dass sich das Angebot in der Masse

der zahlreichen Naturerlebnisangebote verliert. Hingegen erlauben lokale Themen

das Herausstreichen des so genannten „Alleinstellungsmerkmals“, einem wichtigen

Baustein des Marketings. Authentische Angebote, die sich auf die regionstypischen

Besonderheiten beziehen, eignen sich außerdem besser dazu, das Regionalbewusstsein

zu stärken und können Beiträge zur Erhaltung des kulturellen Erbes und zum Aufbau

eines Regionsimages leisten.

Ideen zum Thema liefert eine Dokumentation des Landschafts- und Naturraumes, der

kulturellen Besonderheiten und historischen Entwicklung. Eine besonders hilfreiche

Quelle bei der Suche nach Themen sind Personen aus der Region, die altes, lokales

Wissen besitzen. Sie kennen oft Anekdoten, Sagen, historische Ereignisse oder bedeutsame

Orte.

Mit einer guten Idee und einem kreativen Konzept lassen sich in jeder Region Themen

und Inhalte finden, die sich für die Entwicklung eines authentischen Naturerlebnisangebotes

eignen.


Der geeignete Standort / Wegverlauf

Ist das Thema festgelegt, gilt es die optimale Route bzw. den optimalen Standort für

das Angebot zu finden. Dem Weg fällt die Aufgabe zu, Landschafts- und Erholungserlebnisse

zu vermitteln und die BesucherInnen zu den naturräumlichen und / oder

kulturellen Besonderheiten der Gemeinde zu führen. Die Ausweisung eines optimalen

Wegverlaufes setzt eine ausführliche Bestandesaufnahme voraus. Zu erheben sind

dabei naturräumlich (z. B. Feuchtgebiete, Magerwiesen, naturnahe Wälder) und / oder

kulturhistorisch spannende Orte, die bereits vorhandene Erholungsinfrastruktur (Bänke,

Aussichts- und Ruheplätze, Spielmöglichkeiten), die angrenzenden Nutzungen – um

Nutzungskonflikte von Anfang an auszuschließen – und die Erreichbarkeit, vorzugsweise

mit umweltfreundlichen Verkehrsmitteln wie Bahn, Bus oder Fahrrad.

Wenn möglich, sollten bereits vorhandene Wege genützt werden, da eine Neuanlage

meist hohe Kosten verursacht und einen zusätzlichen Eingriff in die Landschaft darstellt.

Allerdings bieten vor allem Forst- und landwirtschaftliche Wege nicht immer

ein optimales Landschaftserlebnis, da sie rein aus Bewirtschaftungsgründen angelegt

wurden. Rundwege haben im Gegensatz zu Zielwegen den Vorteil, dass die BesucherInnen

wieder zum Ausgangspunkt zurückkommen.

Die Länge und der Schwierigkeitsgrad eines Weges müssen immer an die Bedürfnisse

der Zielgruppe angepasst sein. Ein 10 km langer Rundweg mit 1000 m Höhenunterschied

ist für Familien ebenso wenig attraktiv wie für Menschen mit körperlicher Beeinträchtigung.

Sportlich ambitionierte Wanderer werden sich wiederum auf einem

in der Ebene verlaufenden Güterweg langweilen.

Soll das Angebot in einem Schutzgebiet etabliert werden, hat der Schutz empfindlicher

Lebensräume oder seltener Tier- und Pflanzenarten oberste Priorität. In diesem

Fall sollten immer auch NaturschutzexpertInnen in die Auswahl des Standorts bzw.

des Wegverlaufs miteinbezogen werden!

Wen soll das Naturerlebnisangebot ansprechen?

Das Zielpublikum bestimmt die Gestaltung, die inhaltliche Aufbereitung, die Medien die

eingesetzt werden und den Bedarf an Infrastruktur. Gibt es keine Zielgruppendefinition

sind die Inhalte und Darstellungsweisen der verschiedenen Angebote häufig sehr subjektiv

gefärbt und entsprechen nicht immer den Erwartungshaltungen der BesucherInnen.

Was bringen mit lateinischen Fachbegriffen gespickte, wissenschaftliche Führungen

oder dicht beschriebene Informationstafeln, wenn Familien mit Kindern angesprochen

werden sollen? Was nützt die aufwändigste interaktive Installation, wenn sie für die

Zielgruppe nicht bedienbar oder uninteressant ist? Und was nützt eine wissenschaftlich

fundierte Beschreibung eines Wanderweges, die für die in der Regel nicht mit dem

entsprechenden Fachwissen ausgestatteten BesucherInnen unverständlich bleibt?

Kinder sind generell eine anspruchsvolle Zielgruppe. Angebote, die zum spielerischen,

aktiven Wahrnehmen und Lernen anregen, werden ihren Bedürfnissen am ehesten

gerecht. Für jüngere Kinder sind Leitfiguren oder Maskottchen hilfreich. Diese stellen in

potEntiALAnALySE

nutzunG

VoRhAndEnER WEGE

AnpASSunG An

ziELGRuppE

bESuchERLEnkunG

So wird’s gemacht

dEfinition dER ziELGRuppE

kindER

Natur | Erlebnis | Region | 43


So wird’s gemacht

poldi erklärt kindern

den Lebensraum Au.

44 | Natur | Erlebnis | Region

mEnSchEn mit

bEEintRächtiGunG

I Limberger (2007)

bEtEiLiGunG

finAnziERunGSpLAn

kindgerechter Sprache Fragen, erklären, worum es geht, animieren zum Nachdenken,

Hören, Schauen, Riechen, Spielen und Begreifen. Die gewählte Leitfigur soll immer

einen Bezug zum Thema haben, wie z. B. „Poldi“, der Laubfrosch, als alteingesessener

Bewohner des Auwaldes entlang des Auerlebnisweges Klosterneuburg.

Ebenso stellen auch Menschen mit besonderen Bedürfnissen wie beispielsweise Personen

mit körperlichen Beeinträchtigungen, die in ihrer Mobilität eingeschränkt sind,

besondere Ansprüche an ein Naturerlebnisangebot. Für sie ist es auch notwendig,

dass vorab Informationen über den Wegverlauf und die Nutzbarkeit des Angebotes

eingeholt werden können.

Wer soll eingebunden werden?

Wird bereits zu Beginn der Planungen ein Team aus VertreterInnen der lokalen Bevölkerung

und lokalen / regionalen Vereinen, Tourismusverantwortlichen und ExpertInnen

aus dem naturkundlichen und kulturhistorischen Bereich mit einbezogen, erreicht man

in der Regel eine gute Verankerung des Angebots in der Gemeinde / Region sowie eine

hohe Identifikation der Bevölkerung. Zusätzlich erhält man wichtige Inputs für den

weiteren Planungs- und Umsetzungsprozess und Unterstützung bei der Vermarktung

des Angebots.

Im Team werden die regionalen Bedürfnisse identifiziert, mögliche unterschiedliche

Sichtweisen und Ansprüche von Anfang an diskutiert und ein maßgeschneidertes, umsetzbares

und glaubhaftes Bildungsangebot für die Gemeinde bzw. Region entwickelt.

Auch wenn der damit verbundene Diskussionsprozess unter Umständen mehr Zeit in

Anspruch nimmt als das Angebot im Alleingang zu entwickeln, rechtfertigen die dadurch

erreichte Qualität, die höhere Akzeptanz bei der Bevölkerung und die bessere Verankerung

des Angebots in der Gemeinde / Region auf jeden Fall den Mehraufwand.

Viele Anfängerfehler lassen sich vermeiden, wenn eine Firma, die sich auf Planung und

Umsetzung von Naturerlebnisangeboten spezialisiert hat, beauftragt wird. Gleichzeitig

besteht aber die Gefahr, dass das Ergebnis ein „Naturerlebnisangebot von der Stange“

ist oder die Einbeziehung der Bevölkerung auf der Strecke bleibt. Die Zusammenarbeit

von verschiedenen Stakeholdern aus der Gemeinde / Region mit professionellen

ExpertInnen liefert meist die besten Ergebnisse.

Wie kann das Naturerlebnisangebot finanziert werden?

Liegt erstmal ein Grobkonzept für das Naturerlebnisangebot auf dem Tisch, sollte man

sich sogleich auch mit Fragen der Finanzierung auseinander setzen. Mit der Detailplanung

und der konkreten Umsetzung kann sinnvoller Weise erst begonnen werden,

wenn man zumindest eine grobe Vorstellung über die verfügbaren finanziellen Mittel

hat, die den Rahmen für die weiteren Schritte bilden.

Sodann muss Klarheit über die zu erwartenden Kosten geschaffen und ein Finanzierungsplan

erstellt werden, wobei zwischen Sachkosten, Personalkosten und Investitionskosten

unterschieden wird. Wichtig ist dabei, neben den Kosten für die Errichtung


des Angebots immer auch die Kosten für den laufenden Betrieb im Auge zu behalten.

Ebenso muss bereits in der Anfangsphase geklärt werden, ob und in welcher Höhe

Eigenmittel für die Errichtung und den Betrieb des Naturerlebnisangebots vorhanden

sind, sei es finanzieller Natur, sei es in Form von Arbeitszeiten, die der Errichtung

und / oder dem Betrieb des Naturerlebnisangebotes zu Gute kommen.

Die Differenz zwischen den Gesamtkosten und den vorhandenen Eigenmitteln ergibt

den Finanzierungsbedarf, der zum einen durch Sponsoring und durch Beiträge von

Projektpartnern, zum anderen durch diverse Förderungen gedeckt werden kann. Zusätzlich

können auch über Beiträge der BesucherInnen Einkünfte erzielt werden.

Somit sind wir bei einer der zentralen Fragen der Finanzierung angelangt, nämlich:

■ Woher können finanzielle Zuschüsse für das Naturerlebnisangebot kommen?

Unterstützung durch Sponsoren / Spenden

Sponsoring ist oftmals eine gute Ergänzung, um ein Naturerlebnisangebot zu realisieren

und zu unterhalten. Dabei kann es sich sowohl um einen finanziellen Zuschuss als auch

um eine Unterstützung in Form von Sachleistungen oder Arbeitszeiten handeln.

Bestehende Kontakte zu Firmen und / oder AkteurInnen in der Region stellen meist

einen guten Einstieg in das Sponsoring dar. Wichtig ist es, sowohl von der eigenen

Idee überzeugt zu sein, um andere dafür begeistern zu können, als auch die Sicht des

potentiellen Sponsors zu berücksichtigen und ihm seine Vorteile aufzuzeigen.

Beim Sponsoring wird immer eine Gegenleistung erwartet, z. B. die Abbildung des

Sponsorlogos auf diversen Druckwerken. Für Spenden muss hingegen keine Gegenleistung

erbracht werden. Spenden können auch von BesucherInnen des Naturerlebnisangebotes

erbeten werden, um den laufenden Betrieb mit zu finanzieren.

Förderprogramme

Das breite Spektrum an Fördermöglichkeiten für die Etablierung von Naturerlebnisangeboten

macht es nicht ganz einfach, den Überblick zu wahren und das geeignete

Förderinstrument zu finden.

Die folgende Übersicht über die Förderprogramme für die Bereiche Ländliche Entwicklung,

Naturschutz und Bildungsarbeit bietet die Gelegenheit, sich mit den diversen

Möglichkeiten vertraut zu machen. Weiterführende und detaillierte Informationen bieten

die am Ende des Kapitels angeführten Internetseiten und Links sowie die ebenfalls

angeführten AnsprechpartnerInnen der Naturschutzabteilungen der Bundesländer, die

mit den Förderprogrammen und allen Belangen der Antragstellung vertraut sind und

bei konkreten Fragen weiter helfen.

Informiert man sich bereits vor einem Informationsgespräch auf den Internetseiten

des betreffenden Bundeslandes über die bestehenden

Fördermöglichkeiten, fällt es leichter konkrete Fragen zu formulieren

und aus dem persönlichen Gespräch den größtmöglichen

Nutzen zu ziehen.

EiGEnmittEL

finAnziERunGSbEdARf

föRdERpRoGRAmmE

So wird’s gemacht

c tipps & Links, S. 49

c Ansprechpartnerinnen, S. 48

Natur | Erlebnis | Region | 45


So wird’s gemacht

46 | Natur | Erlebnis | Region

Prinzipiell gilt zu beachten: Es gibt nationale und von der EU kofinanzierte Förderprogramme mit

einem Finanzierungsanteil von in der Regel 50 %. Der verbleibende Anteil muss über nationale

Förderungen oder über Eigenmittel getragen werden. Die EU-kofinanzierten Förder programme

erfordern meist sowohl bei der Einreichung als auch bei der Abwicklung einen relativ hohen

administrativen Aufwand. Es empfiehlt sich also vorab zu überlegen, ob dieser in einem

vernünftigen Verhältnis zum Gesamtprojektvolumen steht.

c LEAdER, S. 47

ARtikEL 57A

I Suske (2008)

Relevante EU-Förderprogramme mit Naturschutzbezug (Kofinanzierung)

Europäischer Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung

des Ländlichen Raums 2007–2013 (ELER)

Das Förderprogramm ELER ist das mit Abstand umfangreichste landschaftsrelevante

Förderprogramm, das unter anderem auch naturschutzrelevante Fördermaßnahmen

regelt. Diese sind nach unterschiedlichen Schwerpunkten in drei Achsen gegliedert.

■ Achse 1: Wettbewerbsfähige Land- und Forstwirtschaft

■ Achse 2: Umweltschutz & Landmanagement

■ Achse 3: Lebensqualität & Diversifizierung

Dazu kommt das in ELER integrierte LEADER-Programm als Achse 4, das die Schwerpunkte

der ersten drei Achsen umfasst und auf LEADER-Regionen beschränkt ist.

ELER (2007–2013) Fonds für die Entwicklung des ländlichen Raumes

Achse 1

Wettbewerbsfähige

Landwirtschaft / Forstwirtschaft

Achse 2

Umweltschutz und

Landmanagement

Achse 4: LEADER 2007–2013

Achse 3

Lebensqualität

und Diversifizierung

Für das Umsetzen von Naturerlebnisangeboten ist der Artikel 57a des ELER-Programms

am wichtigsten. In ihm wird die Förderung von Organisations-, Planungs- und Bildungsarbeit

sowie von Investitionsaufwendungen für Naturschutzprojekte geregelt.

ELER gilt einheitlich für ganz Österreich. Die Einreich- und Bewilligungsstellen sind

jedoch von Bundesland zu Bundesland verschieden.


Förderfähige Projekte laut Art. 57a umfassen Projekte zur Sensibilisierung und

Bewusstseinsbildung der Bevölkerung für Naturschutzthemen wie z. B.:

■ Exkursionen & geführte Wanderungen

■ Konzeption und Herstellung von Naturlehrpfaden, Broschüren und sonstigen Materialien

Vorraussetzung für eine Förderung über ELER ist, dass sich das Areal, in dem das

Naturerlebnisangebot geschaffen werden soll, in einem ländlichen Gebiet befindet.

Nach Art. 57a werden als „ländliches Gebiet“ Gemeinden mit nicht mehr als 30.000

EinwohnerInnen definiert.

LEADER 2007–2013

Für die aktuelle Förderperiode ist Leader als 4. Achse Bestandteil des ELER. Das Programm

steht, in seiner Anwendbarkeit übergreifend über den Achsen 1 bis 3 und

findet nur in von der EU anerkannten LEADER-Regionen Anwendung. Innerhalb dieser

Regionen finden sich AkteurInnen aus Wirtschaft, Tourismus, Naturschutz, Landwirtschaft

und anderen Sparten in sogenannten Lokalen Aktionsgruppen (LAG) zusammen.

Sie entwickeln gemeinsam eine Strategie zur nachhaltigen Entwicklung der Region.

Generelles Ziel von LEADER ist eine kulturelle, wirtschaftliche, ökologische und / oder

soziale Stärkung ländlicher Regionen.

Förderfähige Projekte unter LEADER umfassen u. a.:

■ Exkursionen, geführte Wanderungen

■ ökotouristische Angebote

■ Anlage von Rad- oder Wanderwegen

Ob sich die Region, in der ein Naturerlebnisangebot geschaffen werden soll, in einer

LEADER-Region befindet, erfährt man über die LEADER-Netzwerkstelle. Dort ist auch

eine aktuelle Adressliste der Lokalen Aktionsgruppen erhältlich, die kostenfrei per

Email zugesandt wird.

National finanzierte Landschafts- oder Naturschutzförderungen

Neben den EU-kofinanzierten Programmen gibt es auch die Naturschutzfonds

bzw. Landschaftsfonds der einzelnen Bundesländer. Diese sind eine wichtige

Ergänzung für Projekte, die nicht den Kriterien der EU-Förderprogramme

entsprechen.

Bereits in der Konzeptionsphase ist mit der jeweiligen Naturschutzabteilung

Kontakt auf zu nehmen. Welche Fördermittel für das

Naturerlebnisangebot eingesetzt werden, wird ebenso wie die Höhe

des Förderanteils und eines etwaigen Eigenmittelanteils individuell

entschieden.

c tipps & Links, S. 49

nAtuRSchutz- und

LAndSchAftSfondS

So wird’s gemacht

Natur | Erlebnis | Region | 47


So wird’s gemacht

48 | Natur | Erlebnis | Region

Burgenland

Amt der Burgenländischen Landesregierung

Abteilung 5 – Anlagenrecht, Umweltschutz

und Verkehr

Hauptreferat III – Natur- und Umweltschutz

Mag. Anton Koo

Telefon: +43 (0) 57 / 600-2810

E-Mail: anton.koo@bgld.gv.at

www.burgenland.at

Kärnten

ÖPUL; N.A.B.L.; Cross Compliance

Dr. Roman Fantur

Telefon: +43 (0) 4784 / 32041

Mobil: +43 (0) 664 / 8053632041

E-Mail: post.abt20@ktn.gv.at

www.verwaltung.ktn.gv.at

Niederösterreich

Amt der NÖ Landesregierung

Abteilung Naturschutz

DI Sandra Simon

Telefon: +43 (0) 2742 / 9005-15279

E-Mail: s.simon@noel.gv.at

www.noel.gv.at

Oberösterreich

Abteilung Naturschutz

DI Josef Forstinger

Telefon: +43 (0) 732 / 7720-11898

E-Mail: n.post@ooe.gv.at

www.land-oberoesterreich.gv.at

Salzburg

Dienststelle Referat Naturschutzrecht

und Förderungswesen

DI Günter Jaritz

Telefon: +43 (0) 664 / 3046814

E-Mail: guenter.jaritz@salzburg.gv.at

www.salzburg.gv.at

AnsprechpartnerInnen der Bundesländer

Steiermark

Fachabteilung 13c Naturschutz

Mag. Dietlind Proske

Telefon: +43 (0) 316 / 877-5597

Mobil: +43 (0) 676 / 86665597

E-Mail: dietlind.proske@stmk.gv.at

www.verwaltung.steiermark.at

Tirol

Abteilung Umweltschutz

Vertragsnaturschutz und Naturschutzprojekte

Mag. Daniela Pöll

Telefon: +43 (0) 512 / 508-3475

E-Mail: naturschutzfoerderung@tirol.gv.at

www.tirol.gv.at / themen / umwelt /

naturschutz / foerderungen

Vorarlberg

Amt der Landesregierung – Umweltschutz

Gudrun Hämmerle

Telefon: +43 (0) 5574 / 511-24512

E-Mail: gudrun.haemmerle@vorarlberg.at

www.vorarlberg.gv.at

Wien

Magistratsabteilung 22-Fachbereich

Naturschutz

DI Michael Kubik

Telefon: +43 (0) 1 / 4000-73781

Mobil: +43 (0) 676 / 811873781

E-Mail: post@ma22.wien.gv.at

www.wien.gv.at


Tipps & Links

■ Einen allgemeinen Überblick über ELER bietet das Lebensministerium unter:

http://land.lebensministerium.at / filemanager/download/23918

(Stand 01.04.2009)

■ Detaillierte Beschreibungen der einzelnen Fördermöglichkeiten unter ELER im Art. 57a

sowie über die Umsetzungspraxis in der Ländlichen Entwicklung bietet das Netzwerk

Naturschutz und Ländliche Entwicklung unter:

http://netzwerk-naturschutz-le.at/projekte/files/Tipps_57a_A5.pdf

(Stand 01.04.2009)

■ Infos zu LEADER bietet die Netzwerk-Servicestelle LEADER, bei der auch eine

Adressliste der Lokalen Aktionsgruppen kostenfrei bestellt werden kann:

Netzwerk-Servicestelle LEADER

ÖAR-Regionalberatung GmbH

Tel: +43 1 512 1595-12, Fax: +43 1 5121595-10, Mobil: 0699 1139241

E-Mail: fidlschuster@oear.co.at

www.leader-austria.at

■ Besonders übersichtliche Beschreibungen zu Naturschutzförderungen der Bundesländer,

die auch viele für alle Länder relevante Informationen enthalten, bieten:

www.tirol.gv.at/fileadmin/www.tirol.gv.at/themen/umwelt/naturschutz/downloads/

Foerderungen_Naturschutz/FoeHB_Br_20080828.pdf

(Stand 01.04.2009).

www.salzburg.gv.at/themen/lf/elr_2.htm

(Stand 01.04.2009).

www.suske.at/projekte/foerdermanual_salzburg.htm

(Stand 01.04.2009).

■ Eine gute Übersicht über verschiedene Fördermöglichkeiten bietet auch die Website

von Suske-Consulting unter:

www.suske.at

Wie kann das Thema umgesetzt werden?

Um das Thema den BesucherInnen nahe zu bringen, können drei unterschiedliche

Vermittlungsmethoden zum Einsatz kommen und ggf. auch miteinander kombiniert

werden:

■ Beschreibende Vermittlung: Die Inhalte werden anhand von Texten, Fotos und

Grafiken erklärt. Die Lesenden bleiben dabei in einer passiven Rolle.

■ Interaktive Vermittlung: Die Gäste müssen selber aktiv werden, um eine gewünschte

Information zu bekommen. Die Aufnahme der Information erfolgt durch „learning

by doing“.

■ Sensorische Vermittlung: Mit den eigenen Sinnen die Inhalte ganzheitlich erleben

ist hier das Motto. Angesprochen wird die emotionale Ebene, die zu einem vertiefenden

Naturerlebnis beitragen soll.

I Ebers & al. (1998)

So wird’s gemacht

Natur | Erlebnis | Region | 49


So wird’s gemacht

mEdiEn

I Lang & Stark (2000),

50 | Natur | Erlebnis | Region

Eder & Arnberger (2007)

c Wen soll das naturerlebnis -

angebot ansprechen, S. 43

infoRmAtionStAfEL

c Geschichten erzählen, S. 53

informationstafeln sollten

grafisch gut gegliedert und

nicht mit text überladen sein.

intERAktiVE AnGEbotE

Wie Wasser die Landschaft

formt, kann bei dieser Station

im nationalpark Gesäuse

ausprobiert werden.

SEnSoRiSchE AnGEbotE

zum bewussten

in die Landschaft hören

animiert diese Lauschinsel

c Wen soll das naturerlebnisangebot

ansprechen, S. 43

bRoSchüRE

Basierend auf den unterschiedlichen Ansätzen der Vermittlung können nun verschiedene

Medien zum Einsatz kommen, die auf den folgenden Seiten beschrieben werden.

Sie spielen für den Erfolg des Naturerlebnisangebots eine zentrale Rolle, bleiben aber

dennoch immer nur „Hilfsmittel“, derer man sich bedient, um das gewählte Thema

zu vermitteln.

Bei der Wahl der Vermittlungsmethoden und Medien sollten neben der Zielgruppe

immer auch die regionalen Gegebenheiten und das gewählte Thema beachtet werden,

um ein authentisches Angebot zu schaffen: So lassen sich beispielsweise sensible

Naturthemen mit abenteuerlichen, lärmenden Erlebnisstationen nicht glaubwürdig

vermitteln – andererseits ist es in der Praxis meist schwierig, Kinder und Jugendliche

über rein beschreibende Vermittlungsmethoden (Broschüren, Infotafeln) anzusprechen

und zu fesseln.

Die Informationstafel ist das am häufigsten eingesetzte

Medium. Sie eignet sich gut, um komplexe Inhalte

und Zusammenhänge zu beschreiben und bildlich

darzustellen. Eine gute Informationstafel braucht eine

übersichtliche Gestaltung und sinnvolle Gliederung.

Sie darf weder mit Text noch mit Informationen überladen

sein.

Im Gegensatz zu einer rein beschreibenden Informationstafel

holen interaktive Angebote die BesucherInnen

aus der passiven Rolle des „nur Lesens“ und beteiligen

sie aktiv an der Informationsvermittlung. Interaktive

Medien folgen häufig dem gleichen Grundprinzip: Es

wird eine Frage gestellt, deren Antwort eigenständig

herausgefunden werden muss. Erst durch gezielte Aktivitäten

in Form von klappen, drehen, stecken, blättern,

drücken etc. erfahren die BesucherInnen, ob ihre

Antwort richtig ist.

Sensorische Angebote wie Lauschinseln, Duftblumen,

Fernrohre, Summsteine, Tastboxen und Barfußwege

sprechen gezielt die Sinne (Gehör-, Geruchs-, Geschmacks-,

Seh- und Tastsinn) an, um ein „Be-greifen“

der Umgebung zu ermöglichen und ganzheitliches

Wahrnehmen zu fördern. Ähnlich den interaktiven

Installationen erschließen sich die BesucherInnen den

Inhalt eigenständig. Damit vertieft sich das Erlebnis und durch die emotionale Ansprache

bleibt das Erfahrene länger in Erinnerung als bei ausschließlicher Textvermittlung.

Gerade Kinder brauchen interaktive und auch sensorische Elemente, die ein spielerisches

und eigenständiges Erarbeiten zulassen. Lernen soll ja schließlich Spaß machen!

In einer Broschüre können je nach didaktischer Aufbereitung sowohl beschreibende

als auch interaktive und / oder sensorische Vermittlungsformen vorherrschen. Durch

das Einfügen von Arbeits- und Suchaufgaben, Spielvorschlägen oder Malvorlagen

wandelt sich die Broschüre zu einem Medium, das die BesucherInnen zur aktiven


Teilnahme und zum Einsatz der Sinne animiert. Mehrere Broschüren zu einem Thema

ermöglichen es unterschiedliche Zielgruppen anzusprechen oder die Inhalte mehrsprachig

aufzubereiten. Mit der Broschüre kann zugleich eine Erinnerung mit nach Hause

genommen werden.

Wichtig beim Einsatz von Broschüren ist es, bereits vorab zu überlegen, wie die Broschüre

am effizientesten der Zielgruppe zugänglich gemacht werden kann. Eine unüberlegte Verteilung

von Broschüren erweist sich meist als wenig zielführend, verursacht hohe (Druck-)Kosten

und widerspricht durch den hohen Ressourcenverbrauch dem Nachhaltigkeitsprinzip.

Führungen haben den großen Vorteil, dass der / die Führende in direkten Kontakt zu

den BesucherInnen tritt und so auf ihre speziellen Interessen eingehen kann. Voraussetzung

dafür ist eine entsprechend ausgebildete Führungsperson, welche die TeilnehmerInnen

aktiv einbindet und die Themen authentisch vermittelt. Auch bei Führungen

können Themenausschnitte schwerpunktmäßig präsentiert oder unterschiedliche Zielgruppen

(z. B. Schulklassen, Jugendgruppen, UrlauberInnen) angesprochen werden.

Besonders wichtig bei Führungen ist ein funktionierender organisatorischer Ablauf,

der den BesucherInnen die Teilnahme erleichtert. Kostenpflichtige Führungen schaffen

Zuverdienstmöglichkeiten für interessierte Personen aus der Region.

Technische Geräte wie Mobiltelefone, GPS-Geräte oder Taschencomputer (PDA) kommen

immer stärker zum Einsatz und ermöglichen eine multimediale Informationsvermittlung.

Sie können die Funktion der Informationstafel oder Broschüre übernehmen

oder ein Zusatzangebot für diese darstellen. Die Vorteile der multimedialen Vermittlung

umfassen u. a.:

■ Ansprache von schwer erreichbaren Zielgruppen, wie z. B. Jugendlichen, durch den

technikbasierten Ansatz;

■ Selbstbestimmte Auswahl des Informationsangebotes über die Menüwahl;

■ Mehrsprachige Aufbereitung der Inhalte;

■ Integration von Informationen über lokale Gastronomie, weitere touristische Angebote,

Fahrpläne und Haltestellen öffentlicher Verkehrsmittel etc.;

■ Verlinkung zu anderen Angeboten / Websites bei Nutzung des Internets.

Unabhängig von den gewählten Medien bieten online verfügbare Informationen

über das Angebot generell die Möglichkeit, einen breiten Personenkreis

zu erreichen. Die BesucherInnen können sich via Internet vorab über

das Angebot informieren und etwaige Informationsmaterialien wie z. B.

Broschüren selbst ausdrucken. Zusätzliche Möglichkeiten wie der Download

von GPS-Daten erfreuen sich zunehmender Beliebtheit und ermöglichen

es, mit traditionellen Angeboten schwer erreichbare Zielgruppen

anzusprechen.

fühRunGEn

muLtimEdiALE

VERmittLunG

intERnEt

I Lichtenecker (2008)

So wird’s gemacht

Natur | Erlebnis | Region | 51


So wird’s gemacht

I Eder & Arnberger

(2007, verändert)

52 | Natur | Erlebnis | Region

Die folgende Liste bietet einen Überblick über die Vor- und Nachteile der einzelnen Medien und macht

zugleich auch klar, dass es „das optimale Medium“ in der Regel nicht gibt. Vielmehr gilt es in Abhängigkeit

vom Thema, der Zielgruppe und den vorhandenen Ressourcen die Vor- und Nachteile der in

Frage kommenden Medien abzuwägen und sich für die jeweils am besten geeignete Kombination zu

entscheiden.

Medien Vorteile Nachteile

Informations tafeln ■ gut bei Vermittlung von komplexen

Themen (z. B. Biotopbeschreibungen,

Stoffkreisläufe, Wechselwirkungen)

■ gut für den Einsatz von Grafiken und

Interaktive

Angebote

Sensorische

Angebote

Fotos

■ relativ geringe Kosten

■ weniger Wartungsarbeiten als bei interaktiven

und sensorischen Angeboten

■ kann mit sensorischen und interaktiven

Angeboten erweitert werden

■ Handlungsorientierung

■ aktives Einbeziehen der BesucherInnen

■ Bessere Aufnahme der Informationen

durch in der Regel intensiveres Erlebnis

■ der Einsatz unterschiedlicher Sinne liefert

stärkere Eindrücke und Erlebnisse

■ bewusste Naturwahrnehmung wird

ermöglicht

■ emotionale Erlebnisse verstärken Bindung

zur Umwelt

Broschüren ■ können zu mehr Eigenaktivität

animieren

■ Ansprache von unterschiedlichen

Zielgruppen

■ gut bei Vermittlung von komplexen

Themen

■ interaktive und sensorische Elemente

können eingebaut werden

■ keine Beeinträchtigung des Landschaftsbildes

■ kein Wartungsaufwand

■ ermöglichen sowohl eine Vorbereitung

auf den Besuch als auch ein Nachlesen

■ gute Ergänzung zu vor Ort aufgestell-

ten Tafeln / Stationen

■ schnelles Vergessen bei rein

beschreibender Wissensvermittlung

■ BesucherInnen bleiben in einer

passiven Rolle

■ meist wird nur eine begrenzte

Textmenge gelesen

■ „Beschilderung“ der Landschaft

■ Vandalismusanfälligkeit

■ höhere Kosten als bei Infotafeln und

Broschüren

■ mehr Wartungsarbeiten als bei

Infotafeln

■ „Möblierung“ der Landschaft

■ Vandalismusanfälligkeit

■ höhere Kosten als bei Infotafeln und

Broschüren

■ mehr Wartungsarbeiten als bei

Infotafeln

■ „Möblierung“ der Landschaft

■ Vandalismusanfälligkeit

■ BesucherInnen ohne Broschüre können

nicht an der Informationsvermittlung

teilhaben

■ Effiziente Verteilung der Broschüre

innerhalb der Zielgruppe ist meist

schwierig

■ Breit gestreute Verteilung der Broschüre

ist meist wenig zielführend, kommt

teuer und widerspricht dem Prinzip der

Nachhaltigkeit


Medien Vorteile Nachteile

Technische

Geräte

(GPS, PDA, …)

■ Eigenständige Steuerung der

Informationsmenge

■ Information kann an Ort und Stelle

abgerufen werden

■ Je nach Aufbereitung aktive Miteinbeziehung

der NutzerInnen

■ Attraktiv für schwer erreichbare

Zielgruppen (z. B. Jugendliche)

■ Mehrsprachige Aufbereitung

der Inhalte möglich

■ problemloses Aktualisieren der Inhalte

■ keine Beeinträchtigung des Landschaftsbildes

Führungen ■ authentische Vermittlung der Inhalte

■ direkte Kommunikation mit den

Was macht gute Texte aus?

BesucherInnen

■ Beantwortung spontan auftretender

Fragen

■ Ansprache von unterschiedlichen

Zielgruppen

■ Bessere Aufnahme der Informationen

durch in der Regel intensiveres Erlebnis

■ mögliche Einnahmequelle

■ BesucherInnen ohne Geräte können

nicht an der Informationsvermittlung

teilhaben

■ hohe Anschaffungskosten

■ Verfügbarkeit der Geräte

■ Kaution für Gerät muss hinterlegt

werden

■ Rückgabe der Geräte, vor allem bei

Zielwegen schwierig

■ Regelmäßige Wartung der Geräte

■ nur zu bestimmten Zeiten

■ meist nur gegen Kostenersatz

■ gewisse Anzahl an BesucherInnen ist

Voraussetzung

■ Qualität in hohem Maße von der

Eignung der Führungsperson abhängig

Das „Erzählen von Geschichten“ fesselt BesucherInnen mehr als die Aufzählung von

trockenen Fakten. Dabei geht es darum, die einzelnen Informationen in den Handlungsrahmen

einer Geschichte zu packen, durch die sich ein „Roter Faden“ zieht. Die

Geschichte stellt eine Beziehung zu den BesucherInnen her, am besten über konkrete

Beispiele aus ihrer Lebenswelt, bietet überraschende Erkenntnisse (Aha-Effekt) und

enthüllt Zusammenhänge. Im Kopf der BesucherInnen entstehen Bilder, die Emotionen

wecken. Eine „gute Geschichte“ braucht eine durchgehende Inszenierung des Themas,

den Aufbau einer Dramaturgie und eines Spannungsbogens sowie das gezielte

Heranführen an einzelne Höhepunkte.

Ebenso wichtig wie der „Rote Faden“ ist eine inhaltliche Fokusierung auf einige wenige,

für die BesucherInnen spannende Themenbereiche, die mit kompakten, leicht

verständlichen Texten beschrieben werden. Dem steht oftmals der Ehrgeiz, möglichst

viel Wissen vermitteln zu wollen, entgegen. Vor allem Infotafeln werden oft mit Texten

überfrachtet, die von den BesucherInnen kaum gelesen werden.

In diesem Zusammenhang hilft es, sich folgende Zahlen vor Augen zu halten:

■ Ein Mensch liest durchschnittlich 200 Wörter in der Minute.

■ Die durchschnittliche Verweildauer bei einer Tafel liegt bei maximal 60 Sekunden.

GESchichtEn

ERzähLEn

fokuSiERunG

I Ludwig (2005), Wohlers (2003)

So wird’s gemacht

Natur | Erlebnis | Region | 53


So wird’s gemacht

54 | Natur | Erlebnis | Region

Der Haupttext einer Tafel sollte nicht mehr als 200 Wörter umfassen.

Ein Absatz sollte aus maximal 2–3 Sätzen bestehen, ein Satz aus 10 bis 15 Wörtern,

eine Zeile aus maximal 50 Zeichen.

SpAnnEndE

übERSchRiftEn

I Ludwig (2005), Wohlers (2003)

c Wer soll eingebunden

werden? S. 44

öffEntLichkEitSARbEit

infoRmAtionSmAtERiALiEn

coRpoRAtE

dESiGn

ERöffnunGS-

VERAnStALtunG

Eröffnung des natura trails

feldaist im beisein des oö. klubobmanns

und Vorsitzenden

der naturfreunde österreich

dr. karl frais (3. von links)

Spannende Überschriften machen neugierig auf die weiteren Inhalte und animieren

zum Weiterlesen. Der Text selbst sollte wie ein Pressebericht aufgebaut sein: Das

Wichtigste steht immer am Beginn. Eine einfache Sprache ohne Fremdwörter, Fachausdrücke

und Schachtelsätze unterstützt das Eintauchen in das Thema ebenso wie

eine persönliche Ansprache durch Aufforderungen zum Mitdenken, Vergleichen oder

Fragen beantworten.

Wie wird das Naturerlebnisangebot bekannt?

Die Basis für jedes erfolgreiche Naturerlebnisangebot ist die Identifikation der Verantwortlichen

und regionalen AkteurInnen mit dem Angebot. Wurden beispielsweise die

MitarbeiterInnen des zuständigen Tourismusbüros frühzeitig über das Angebot informiert

und im Idealfall auch in die Umsetzung miteinbezogen, werden sie ihr Wissen

gerne an die UrlauberInnen weitergeben.

Angesichts der hohen Anzahl an Naturerlebnisangeboten bedarf es einiger Anstrengungen,

um in der Öffentlichkeit wahrgenommen zu werden. Denn was bringt das

perfekte Angebot, wenn es keiner kennt? Die günstigste Öffentlichkeitsarbeit ist zugleich

auch eines der effizientesten „Marketing-Instrumente“: die Mund-zu-Mund

Propaganda. Sie setzt nur eines voraus: zufriedene BesucherInnen, die ihre positiven

Erfahrungen mit einem attraktiven, spannenden Angebot gerne an ihren Bekanntenkreis

weiter geben.

Informationsmaterialien wie Folder oder Broschüren können weit gestreut werden und

den Bekanntheitsgrad des Angebotes auch außerhalb der Region erhöhen. Ebenso

kann mit informativ gestalteten und gut verlinkten Websites, die zugleich auch Zusatzinfos

wie Tipps für die Anreise oder Hinweise zu Veranstaltungen (z. B. Führungen)

bereitstellen, ein breiter Personenkreis angesprochen werden. Plakate oder Werbetafeln

sind Werbemittel, die v. a. für größere Angebote eingesetzt werden und an zentralen

Orten oder an Verkehrswegen auf das Angebot hinweisen.

Die Gestaltung des Informationsmaterials sollte einem einheitlichen Design folgen,

damit es wieder erkannt und gleich dem Angebot zugeordnet wird. Bei der Gestaltung

des Inhaltes ist es wichtig, das Besondere des Angebotes hervorzuheben: was

unterscheidet es von anderen Angeboten, was macht es einzigartig?

Eine gut inszenierte Eröffnungsveranstaltung eignet

sich für einen medienwirksamen Auftritt mit großer

Breitenwirkung. An der Eröffnung sollten möglichst

alle an der Planung und Umsetzung Beteiligten sowie

lokale AkteurInnen aus den unter schiedlichen

Bereichen (z. B. Gastronomie, Vereine, Schulen,

Behörden) teilnehmen. Gelingt es, dar über hinaus

auch noch in der Region bekannte PolitikerInnen

für eine Teilnahme zu gewinnen, ist einem die

Aufmerksamkeit der Medien meist sicher.


Wesentlich ist es, die VertreterInnen der Presse (Printmedien, Radio, TV) rechtzeitig einzuladen,

wobei hier persönliche Kontakte zu MedienvertreterInnen besonders wertvoll

sind. Nach der Feier sollte ein kurzer, aussagekräftiger Pressetext versandt werden.

Nach der Eröffnung helfen regelmäßige Veranstaltungen, wie beispielsweise Feiern,

Führungen oder Wettbewerbe für Schulen, das Angebot in der Öffentlichkeit präsent

zu halten.

Was sagen die BesucherInnen?

Rückmeldungen der BesucherInnen liefern wertvolle Hinweise auf die Qualität des

Angebots und einen etwaigen Veränderungsbedarf.

Eine Evaluierung bietet die Möglichkeit,

■ zu überprüfen, ob die zu Beginn definierten Ziele erreicht wurden

■ zu überprüfen, ob die Zielgruppe das Angebot nutzt

■ die Zufriedenheit der BesucherInnen mit dem Angebot festzustellen

■ eventuelle Schwachstellen im Angebot zu entdecken

■ durch Beseitigung von Schwachstellen und Kritikpunkten das Angebot zu verbessern

und weiterzuentwickeln.

Für eine Evaluierung können unterschiedliche Methoden wie Fragebögen, Beobachtungen

oder Interviews eingesetzt werden. Ausschlaggebend für die Qualität und Repräsentativität

der erhobenen Daten sind der Ablauf der Erhebung, die Formulierung

der Fragen und die Größe der Stichprobe. Eine umfassende Evaluation sollte daher

immer in Zusammenarbeit mit ExpertInnen geplant werden. Ist dies aus Kostengründen

nicht möglich, sollte zumindest auf die vorhandene Fachliteratur zurückgegriffen

werden, um ein schlüssiges Evaluierungskonzept zu erstellen.

Die schriftliche Besucherbefragung vor Ort anhand eines Fragebogens ist eine der

am häufigsten angewendeten Methoden. Neben allgemeinen Informationen zu den

BesucherInnen (Alter, Familienstand etc.) können dabei die Zufriedenheit mit dem

Angebot, die Motive für den Besuch, Verbesserungsvorschläge und beispielsweise

auch der Grad der Wissensaneignung durch das Angebot erfragt werden. Daneben

können regionalwirtschaftlich relevante Informationen wie die Verweildauer in der

Region und getätigte Ausgaben (z. B. Besuch von Gasthäusern) erhoben werden.

Jede Form von Feedback – auch negative Kritik – ist immer als Chance zur Verbesserung

eines Angebotes zu sehen!

pRESSE

VERAnStALtunGEn

EVALuiERunG

I Atteslander (2006)

So wird’s gemacht

I z. B. www.univation.org, Siekierski (2003)

bESuchERbEfRAGunG

Natur | Erlebnis | Region | 55


So wird’s gemacht

✓ Zieldefinition:

✓ Potenzialanalyse:

✓ Zielgruppendefinition:

✓ Finanzierung:

✓ Medien:

✓ Beteiligung:

✓ Marketing:

✓ Feedback:

56 | Natur | Erlebnis | Region

Schritt für Schritt zum erfolgreichen Naturerlebnisangebot

Was will ich mit meinem Naturerlebnisangebot erreichen?

Welche Motive liegen der Idee zugrunde?

Welche charakteristischen Themen gibt es in meiner Gemeinde

/ Region, die sich für die Konzeption eines Naturerlebnisangebotes

eignen? Welche Themen, Ereignisse oder Besonderheiten

machen die Gemeinde / Region einzigartig?

Wen will ich mit meinem Angebot ansprechen?

Wie kann mein Angebot finanziert werden? Welche Fördermöglichkeiten

können in Anspruch genommen werden?

Mit welchen Medien bzw. Medienkombinationen kann ich das

Thema am besten für meine Zielgruppe aufbereiten?

Wer soll in die Planung und Umsetzung des Angebotes eingebunden

werden?

Wie kann ich mein Angebot am Besten der Öffentlichkeit

präsentieren?

Wie zufrieden sind die Gäste mit dem Angebot? Welche

Kritikpunkte gibt es? Wie kann die Qualität des Angebotes

verbessert werden?

c Was soll mit dem naturerlebnisangebot

erreicht werden?

S. 41

c Welche besonderheiten hat die

Gemeinde?

S. 42

c Wen soll das naturerlebnisangebot

ansprechen?

S. 43

c Wie kann das naturerlebnisangebot

finanziert werden?

S. 44

c Wie kann das thema umgesetzt

werden?

S. 49

c Wer soll eingebunden werden?

S. 44

c Wie wird das naturerlebnisangebot

bekannt?

S. 54

c Was sagen die besucherinnen?

S. 55


Literaturverzeichnis

Atteslander, P. (2006): Methoden der empirischen Sozialforschung. Erich Schmidt Verlag, Berlin.

Bertelsmann Institut (Hrsg.) (1995): Bertelsmann Lexikon der Psychologie, Bertelsmann Verlag, München.

Bögeholz, S. (1999): Qualitäten primärer Naturerfahrung und ihr Zusammenhang mit Umweltwissen und Umwelthandeln.

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Brämer, R. (2006): Natur obskur. Wie Jugendliche heute Natur erfahren. Oekom Verlag, München.

Csikszentmihalyi, M. (2008): Das flow-Erlebnis: Jenseits von Angst und Langeweile. Im Tun aufgehen. Klett-Cotta

Verlag, Stuttgart.

Cornell, J. (1991): Mit Freude die Natur erleben. Naturerfahrungsspiele für alle. Verlag an der Ruhr, Mühlheim an

der Ruhr.

Deutscher Tourismusverband (2005): Natur – Erlebnis – Angebote. Entwicklung und Vermarktung. Bonn.

Ebers, S., Laux, L., Kochanek, H. (1998): Vom Lehrpfad zum Erlebnispfad, Handbuch für Naturerlebnispfade.

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und Naturschutzplanung, Universität für Bodenkultur, Wien.

Eder, R., Arnberger, A. (2007): Lehrpfade. Natur und Kultur auf dem Weg. Grüne Reihe des Lebensministeriums,

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Freericks, R., Brinkmann, D. (2006): Zwischen Thrill und Zauberland: Freizeit in inszenierten Erfahrungsräumen. In:

Reuber, P., Schnell, P. (Hrsg.): Postmoderne Freizeitstile und Freizeiträume. Schriften zu Tourismus und Freizeit,

Band 5. Erich Schmidt Verlag, Berlin, S. 181-191.

Gärtner, H., Hellberg-Rode, G. (Hrsg) (2001): Umweltbildung und nachhaltige Entwicklung. Schneider-Verlag,

Hohengehren.

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Natur | Erlebnis | Region | 57


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58 | Natur | Erlebnis | Region

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Impressum R

Natur | Erlebnis | Region

Herausgeber: Naturfreunde Internationale

Autorinnen: Andrea Lichtenecker, Renate Eder, Grit Restetzki

Redaktion: Andrea Lichtenecker, Florian Rosenberg

Grafik: Hilde Matouschek | www.officina.at

Druck: gugler cross media, Melk, www.gugler.at

Gefördert aus Mitteln des Lebensministeriums und der Europäischen Union.

Mit Unterstützung der Oö. Akademie für Umwelt und Natur

und der Bildagentur 4nature (www.4nature.at)

Gedruckt nach der Richt linie „Schad stoff arme Druckerzeugnisse“

des Österreichischen Umwelt zeichens,

gugler cross media, Melk; UWZ 609; www.gugler.at

Bildrechte: Arge NATURSCHUTZ: 45; Arnberger, A.: 7; Bauer, M.: 13; Biosphärenpark Management Großes Walsertal: Umschlag 1 u. 2, 29, 30,

31, 32, 33; Bildagentur 4nature: 17, 35, 37, 41; Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft: 5;

Eder, R.: Umschlag 1 u. 2, 10, 41, 42, 44, 47, 50, 53; Kovacs, F./ÖBf AG: 47; Lichtenecker, A.: Umschlag 1, 2 u. 3, 4, 27, 36, 37, 39, 42,

43, 46, 50, 51, 59; Maier, A.: 12; Matouschek, H.: 6, 15; Matouschek, K. & L.: 8, 11, 15; Matouschek, St.: 16, 17; Nagy, M.: 7; Naturfreunde

Internationale: 24, 42, 44, 47, 48, 54; Nüsken, U.: 43; Österr. Naturschutzjugend St. Georgen im Attergau: 18, 19, 20, 21;

Pachinger, B.: Umschlag 1, 9, 10; Rosenberg, F.: 38; Verein „rund um’s moor“: Umschlag 1 u. 2, 23, 24, 25, 26, 27, 28.

Wien, Mai 2009


„Kreative Ideen – nachhaltig umgesetzt:

Der Schlüssel zu erfolgreichen Naturerlebnisangeboten.“

a n d r E a li c h t E n E c K E r , pr o J E K t l E i t E r i n na t u r | Er l E b n i s | rE g i o n


„Erfolgreiche Naturerlebnisangebote motivieren

zu einem bewussten Aufenthalt in der Natur und

tragen zu einer nachhaltigen Regionalentwicklung bei.“

a n d r E a li c h t E n E c K E r , na t u r f r E u n d E in t E r n a t i o n a l E

Naturfreunde

Internationale

Diefenbachgasse 36

A-1150 Wien

Tel.: +43 1 8923877

Fax: +43 1 8129789

office@nf-int.org

www.nf-int.org

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