Arbeitsmarkt Kultur - Kupf

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Teil I: Der Kultursektor in der Stadtregion Linz ...

2.2 Der sozialwissenschaftliche Kulturbegriff im 20. Jahrhundert

Mit dem sogenannten Linguistic Turn um die Wende zum 20. Jahrhunderts, in dessen Folge

die Bedeutung der Sprache für die Möglichkeiten zur Erkenntnis in den Vordergrund gestellt

wurde, kam es auch zu einem Paradigmenwechsel in den Kultur- und Sozialwissenschaften.

Zembylas (2005: 30ff) und Lüddemann (2008: 54ff) verweisen diesbezüglich auf Ernst

Cassirer, der mit seiner „Philosophie der symbolischen Formen“ ein zentrales Werk schuf.

Nach Cassirer ist Kultur ein Ensemble von „aktiven Ausdrucksformen“ (Lüddemann 2008:

54), die durch symbolische Formen konstituiert werden. „Die symbolischen Formen gestalten

nicht nur die Weltsicht, sondern verhalten sich zugleich produktiv, indem sie Weltbilder

ermöglichen. [...] Nunmehr sollte die Kultur und nicht der Geist oder das Bewusstsein die

generative Instanz sein, die alle menschlichen Hervorbringungen (Diskurse, Artefakte,

Praktiken) ausbildet.“ (Zembylas 2005: 31). Damit ist der Cultural Turn der

Sozialwissenschaften ab der Mitte des 20. Jahrhunderts vorbereitet: Bedeutungsproduktionen

und Sinngebungen werden nun als kulturell bedingte Akte untersucht, die durch die

symbolischen Formen in sozialen, kommunikativen und praktischen Gemeinschaften geprägt

sind (vgl. Zembylas 2005: 32) Kultur ist demnach Grund und Ergebnis des Menschseins, der

Mensch ist „Schöpfer und Geschöpf von Kultur“ (Landmann 1961 zit. n. Burkhart/Prechtl

1999: 311).

Kultur als „Geflecht von Bedeutungen“, in denen „Menschen ihre Erfahrungen interpretieren

und nach denen sie ihr Handeln ausrichten“ (Geertz 1987: 99 zit. n. Lüddemann 2008: 54)

findet sich auch in der Begriffsdefinition der UNESCO Mexico City Declaration on Cultural

Policies 1982 wieder:

„Therefore [...] the Conference agrees:

that in its widest sense, culture may now be said to be the whole complex of distinctive spiri-

tual, material, intellectual and emotional features that characterize a society or social group. It in-

cludes not only the arts and letters, but also modes of life, the fundamental rights of the human be-

ing, value systems, traditions and beliefs;

that it is culture that gives man the ability to reflect upon himself. It is culture that makes us

specifically human, rational beings, endowed with a critical judgement and a sense of moral

commitment. It is through culture that we discern values and make choices. It is through culture

that man expresses himself, becomes aware of himself, recognizes his incompleteness, questions

his own achievements, seeks untiringly for new meanings and creates works through which he

transcends his limitations.“ (UNESCO 1982)

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