Rechtsberatungsstelle Zentralschweiz ... - CARITAS - Schweiz

caritas

Rechtsberatungsstelle Zentralschweiz ... - CARITAS - Schweiz

_Rechtsberatungsstelle Zentralschweiz

Jahresbericht 2011


Inhalt

- 1 -

1. Allgemeines 2

2. Fallschilderung aus der Praxis 3

3. Rechtliche Vertretung von unbegleiteten 11

minderjährigen Asylsuchenden

4. Statistik der rechtlichen Vertretung von 12

unbegleiteten minderjährigen Asylsuchenden

5. Rechtsberatungen für Caritas Luzern 13

6. Statistik der Rechtsberatungsstelle 2011 13

7. Öffnungszeiten, Anschrift und Mitarbeitende 20


1. Allgemeines

- 2 -

Die Rechtsberatungsstelle Zentralschweiz (mit Beratungsstellen in

Goldau und Luzern) bietet Personen in einer Notlage mit Wohnort in

den Kantonen Luzern, Ob- und Nidwalden, Schwyz, Zug oder Uri

juristische Beratung in den Rechtsgebieten des Asyl- und Ausländerrechts,

sowie des Sozialhilfe- und des Sozialversicherungsrechts an.

Die Beratungen finden in Luzern und Goldau statt. Die Sprechstunden

erfolgen nur nach telefonischer Voranmeldung. Die

Beratungsstelle ist von Montag bis Freitag jeweils nachmittags

telefonisch erreichbar.

Der Grossteil der Beratungen betrifft das Asylrecht. Beratungen in

den übrigen Rechtsgebieten (Ausländerrecht, Sozialhilferecht und

Sozialversicherungsrecht) nehmen aber zu. Während der unentgeltlichen

persönlichen Erstberatung erhalten die ratsuchenden Personen

eine rechtliche Einschätzung ihres Problems durch eine Fachperson.

So werden z.B. negative Asylentscheide des Bundesamtes für

Migration oder Verfügungen anderer Behörden den Betroffenen

erklärt und auf ihre Rechtsmässigkeit überprüft. Im Falle, dass eine

Beschwerde möglich ist, werden die Erfolgsaussichten geklärt.

Massgebend für eine Mandatsübernahme ist nicht der Wunsch des

Klienten eine Beschwerde einzureichen, sondern die objektive

Einschätzung des Entscheides durch die Juristin bzw.

Rechtsanwältin. So wird bei asylrechtlichen Fällen ein Mandat nur

übernommen, wenn die Flüchtlingseigenschaft nicht richtig beurteilt,

ein Wegweisungsentscheid zu Unrecht gefällt wurde oder

schwerwiegende Verfahrensfehler vorliegen.

Mitarbeitende der Rechtsberatungsstelle Zentralschweiz beraten

sodann im Rahmen eines Leistungsauftrages auch Sozialarbeitende

von Caritas Luzern sowohl im Asyl- und Flüchtlingsbereich wie

auch im Bereich der offenen Sozialberatung, falls sich in ihrer sozialarbeiterischen

Tätigkeit rechtliche Fragen stellen. In diesem Bereich

wird ein breites juristisches Feld abgedeckt: Sozialhilferecht,

Sozialversicherungsrecht, aber auch Fragestellungen im Bereich des

Datenschutzes, des Privat- und des Strafrechts. Mit den Kantonen

Nidwalden und Zug bestehen Leistungsvereinbarungen zur

Vertretung und Begleitung von unbegleiteten minderjährigen Asyl-


- 3 -

suchenden (UMA), wobei sich der Auftrag des Kantons Zug alleine

auf die Rechtsvertretung beschränkt, während im Kanton Nidwalden

für UMA auch Vertrauenspersonen und allenfalls Beistände gestellt

werden.

2. Fallschilderung aus der Praxis

Wird aus Leere Lehre?

Das Asylgesuch eines unbegleiteten Minderjährigen wird abgelehnt.

Der Gesuchsteller fällt in eine Leere, seine Zukunft ist fraglich. Nach

Hause kann er nicht, weil die Situation in seinem Herkunftsland nach

wie vor schlecht ist. Mit Hilfe der Rechtsberatungsstelle reicht er

gegen den Entscheid Beschwerde ein und obsiegt. Dank der

Aufenthaltsregelung findet er einen Job. Gelingt es ihm, mit guten

Leistungen am Arbeitsplatz eine Lehrstelle zu finden?

Foto: Pia Zanetti (Symbolbild)


- 4 -

Alireza K. 1 reist Mitte 2008 in die Schweiz ein. Anlässlich der

Erstbefragung gibt er zu Protokoll, aus dem Zentralirak zu stammen

und noch minderjährig (17 Jahre) zu sein. Aufgrund einer

Knochenaltersanalyse bezweifelt das Bundesamt für Migration aber

seine Minderjährigkeit. Die von ihm eingereichten Identitätspapiere

werden sodann aufgrund einer Überprüfung als gefälscht oder

verfälscht vermutet. Die Behörde bleibt einen Beweis hierfür

schuldig. Ebenfalls in Frage gestellt wird sein Herkunftsort, zu dem

er aus unserer Sicht jedoch detaillierte Angaben machen kann.

Obwohl das Bundesamt für Migration das Alter von Alireza K.

bezweifelt, wird er dem Kanton Nidwalden als Minderjähriger für

die Dauer des Asylverfahrens zugewiesen. Aufgrund des zwischen

unserer Rechtsberatungsstelle und diesem Kanton bestehenden

Leistungsvertrags übernehmen wir das Mandat. Im Herbst 2008 wird

das Asylgesuch abgelehnt. Wir erheben gegen diesen Entscheid beim

Bundesverwaltungsgericht Beschwerde.

In unserer Eingabe legen wir dar, weshalb die Überprüfung der

eingereichten Identitätspapiere und das daraus resultierende

Abklärungsergebnis des Urkundenlabors zweifelhaft sind. Aufgrund

eigener Abklärungen im Herkunftsland von Alireza K. gelingt uns

sodann der Nachweis, dass seine Angaben zur Erlangung und

Echtheit der Papiere sowie zu seinem Herkunftsort zutreffend sind.

Das Bundesverwaltungsgericht erachtet unsere Begründung für

überzeugend. In seinem Urteil führt es aus, dass die seitens des

Bundesamtes für Migration gemachten Feststellungen und

Vermutungen nicht geeignet sind, die Unglaubwürdigkeit von

Alireza K. in Frage zu stellen. Zudem hält das Gericht der

Vorinstanz vor, weitere Abklärungen zum Sachverhalt unterlassen zu

haben. Die Beschwerde wird deshalb im Sommer 2010 gutgeheissen

und der Fall zur Neubeurteilung an das Bundesamt für Migration

zurückgewiesen.

Während der fast zweijährigen Verfahrensdauer am

Bundesverwaltungsgericht lernt Alireza K. deutsch. Er findet sich

sprachlich schnell zurecht und ist sehr motiviert, eine Arbeitsstelle zu

1 Alle Namen geändert


- 5 -

finden. In Eigeninitiative wird er fündig und erhält eine Anstellung

als Casserolier in einem bekannten Touristenhotel der gehobenen

Klasse. Sein Arbeitgeber und Küchenchef ist sehr zufrieden mit ihm.

Anfangs 2011 lässt das BFM ein sog. Lingua-Gutachten (Sprach-

und Herkunftsanalyse) erstellen. Der Experte kommt in seinem

Gutachten zum Schluss, dass Alireza K. ganz klar aus der von ihm

genannten Herkunftsregion stammt. Das BFM verfügt deshalb im

Frühling 2011 seine vorläufige Aufnahme, da eine Wegweisung in

den Zentralirak aus Sicherheitsgründen als unzumutbar erachtet wird.

Alireza K. ist glücklich. Zum ersten Mal hat er eine Bewilligung und

damit eine bessere Rechtsstellung.

Im Herbst 2011 begegnen wir Alireza K. wieder, als er einen

Landsmann als Übersetzer auf unsere Beratungsstelle begleitet. Er

berichtet, dass ihn sein Küchenchef, aufgrund der nun bestehenden

Perspektive hier bleiben zu können, fördern möchte. Überzeugt von

dessen Fähigkeiten als Koch, hat er Alireza K. im Sommer für einen

Kochkurs angemeldet. Sein Traum ist der Beginn einer Kochlehre.

Eine Option, die nun realistisch ist.


- 6 -

Junges Familienglück – eine Odyssee

Ein Flüchtling aus Eritrea lernt im Sudan eine junge Frau aus

Äthiopien kennen und verliebt sich in sie. Er muss jedoch nach

kurzer Zeit nach Italien zurückkehren, wo er eine humanitäre

Aufenthaltsbewilligung hat. Nach drei Monaten teilt ihm seine

Geliebte telefonisch mit, dass sie von ihm schwanger ist. Der Kontakt

bricht jedoch kurz darauf ab, weil sie nach Europa flüchten muss.

Endet die Odyssee glücklich?

Foto: Pia Zanetti (Symbolbild)

Mehari H. 2 stammt aus Eritrea, wo er politisch verfolgt ist. Vor

einigen Jahren flüchtet er nach Italien. Er erhält dort eine humanitäre

Aufenthaltsbewilligung. Im Sommer 2008 reist er an die Hochzeit

eines Freundes in den Sudan, wo er die ebenfalls als Gast anwesende

Äthiopierin Abeba G. kennenlernt. Es ist Liebe auf den ersten Blick.

Drei Tage später muss Mehari H. wieder nach Italien zurückkehren,

2 Alle Namen geändert


- 7 -

Telefonnummern werden ausgetauscht. Drei Monate später teilt ihm

Abeba G. mit, dass sie von ihm ein Kind erwartet. Danach bricht der

Kontakt ab, denn Abeba G. muss den Sudan fluchtartig verlassen.

Sie weiss nur, dass ihr Geliebter irgendwo in Europa ist. Der

Schlepper bringt sie in die Schweiz, wo sie bald Asyl erhält. Sie ist

in den nächsten drei Jahren sehr unglücklich, dass ihre Tochter

Salome ohne Vater aufwachsen muss und vermisst ihren Freund.

Mehari H. gibt die Suche nach ihr nicht auf, hört aber erst 2011 von

einem Bekannten, dass Abeba G. irgendwo in der Schweiz sei. Er

begibt sich sofort in die Schweiz, wo er ein Asylgesuch stellt. An der

Anhörung gibt er an, er wolle seine Freundin und Tochter suchen

und mit den beiden eine gemeinsame Zukunft in der Schweiz

verbringen. Das Bundesamt für Migration findet Abeba G. jedoch im

Zentralen Migrationsinformationssystem (ZEMIS) nicht, weil

Mehari H. einen Buchstaben ihres Namens anders angibt (Grund:

einige Buchstaben des amharischen Alphabets lassen sich

verschieden ins lateinische Alphabet umschreiben).

Einige Tage später gelingt es ihm selber, seine Freundin und seine

Tochter zu finden. Das Wiedersehen ist sehr emotional. Es steht für

alle fest, dass sie einander nie mehr verlieren wollen. Drei Tage

später erhält Mehari H. jedoch vom Bundesamt für Migration einen

Nichteintretensentscheid mit Wegweisung nach Italien. Das

Bundesamt für Migration weiss noch nicht, dass Mehari H. seine

Freundin und seine Tochter unterdessen gefunden hat und glaubt

nicht, dass sie wirklich in der Schweiz leben.

Verzweifelt wendet sich die kleine Familie nun an unseren

Rechtsdienst und bittet um Hilfe. Wir erheben Beschwerde beim

Bundesverwaltungsgericht. Auf unsere Empfehlung hin lässt Mehari

H. einen DNA-Test machen, um seine Vaterschaft beweisen zu

können. Das positive Testresultat leiten wir sofort ans

Bundesverwaltungsgericht weiter. Unglücklicherweise kreuzt es sich

mit dem bereits gefällten Urteil und bleibt unberücksichtigt. Das


- 8 -

Urteil ist negativ, denn das Bundesverwaltungsgericht findet, die

Vaterschaft von Mehari H. sei nicht belegt. Da unserem Klienten nun

erneut die Wegweisung nach Italien und damit die Trennung der

Familie droht, reichen wir beim Bundesverwaltungsgericht

umgehend ein Revisionsgesuch ein. In diesem Verfahren kann der

DNA-Test berücksichtigt werden. Die Vaterschaft ist nun belegt.

In der Folge wird unser Revisionsgesuch gutgeheissen. Mehari H.

muss definitiv nicht nach Italien zurück. Jetzt geht es plötzlich

Schlag auf Schlag: Das von uns gestellte Gesuch um Wechsel in den

Kanton, wo Abeba H. und Salome wohnen, wird bewilligt. Wenige

Tage später erhält Mehari H. Asyl. Die Familie ist überglücklich,

dank unserer Hilfe eine gemeinsame Zukunft in der Schweiz haben

zu können.


Im Namen der Ehre

- 9 -

Endlich im sicheren Zielland Schweiz eingetroffen, wird ein Iraker

von einem Landsmann sexuell missbraucht. Sein Asylgesuch wird

abgewiesen und dem Gesuchsteller droht eine Rückschiebung in sein

Heimatland. Auf Grund des Vorfalls in der Schweiz droht ihm nun

noch ein Ehrenmord seiner Familie im Heimatland Irak. Kann er das

Bundesverwaltungsgericht von seiner Gefährdungslage überzeugen?

Foto: Pia Zanetti (Symbolbild)

Herr Mahmud A. 3 kommt aus dem Irak. Er trifft im

Asylbewerberzentrum einen Landsgenossen. Dieser erniedrigt,

bedroht und nötigt ihn sexuell. Nach Monaten ringt sich Mahmud A.

3 Alle Namen geändert


- 10 -

schliesslich mit Unterstützung der Sozialarbeiterin zur Strafanzeige

durch. Sein Peiniger wird verhaftet, taucht aber nach der Entlassung

aus der Untersuchungshaft unter und setzt sich in den Irak ab.

Telefonisch droht er Mahmud A., ihn bei der Rückkehr in den Irak

zu ermorden. Damit nicht genug, er wendet sich auch an die Familie

von Mahmud A. und informiert sie über die Geschehnisse in der

Schweiz.

Im Irak werden Opfer homosexueller Übergriffe als „unmännlich“

geächtet. Deshalb bricht seine Familie den Kontakt zu ihm ab.

Mahmud A. befürchtet nun einen Ehrenmord durch seine Familie im

Falle einer Rückkehr. Er ist völlig verängstigt, traut sich nicht mehr

alleine auf die Strasse, wird stark depressiv und suizidal.

Die Rechtsberatungsstelle (RBS) übernimmt das Mandat. Obwohl

wir die Gefährdung von Mahmud A. konkret darlegen, wird das

Asylgesuch abgelehnt. Das Bundesamt für Migration (BFM) stellt

sich auf den Standpunkt, würde Mahmud A. tatsächlich von seiner

Familie verfolgt, könnte er sich in einem anderen Landesteil in

Sicherheit bringen und die dortigen Behörden um Schutz ersuchen.

Zudem sei unwahrscheinlich, dass sein Peiniger im Irak sei, müsste

dieser wegen Homosexualität doch selbst mit Verfolgung rechnen.

Gegen den Entscheid führen wir Beschwerde. Wir rügen, das BFM

habe den spezifischen kulturellen Hintergrund weder berücksichtigt

noch abgeklärt und deshalb Mahmud A. zu Unrecht nicht als

Flüchtling anerkannt. In der Beschwerde werden Aussagen

islamischer Kulturwissenschaftlicher zitiert, wonach lediglich die

Opfer sexueller Übergriffe, nicht aber die Täter unter dem Stigma

der Homosexualität litten. Parallel beauftragen wir die

Schweizerische Flüchtlingshilfe (SFH) mit einem länderspezifisches

Gutachten. Dieses ergibt, dass Lesben, Homosexuelle, Bisexuelle

und Transgender (LGBT) im Irak diskriminiert, gefoltert und getötet

werden, die Täter hingeben meist straffrei bleiben. Homosexuelles

Dominieren ist ein Zeichen ausgeprägter Männlichkeit und damit

gesellschaftlich akzeptiert. Gefährdet sind nur die „passiven

Partner“. Homosexuelle gehören zu den besonders gefährdeten

Gruppen im Irak. Die Behörden sind weder fähig noch willig, sie zu

schützen. Im Gegenteil, es kommt sogar zur Misshandlung und


- 11 -

Vergewaltigung durch die Polizei. Ehrenmorde durch die eigene

Familie sind häufig. Der Abbruch des Kontakts durch die Familie ist

ein sehr schlechtes Zeichen.

Das Bundesverwaltungsgericht folgt unserer Argumentation. Es

heisst die Beschwerde vollumfänglich gut und erteilt Mahmud A.

Asyl.

3. Rechtliche Vertretung von unbegleiteten minderjährigen

Asylsuchenden

Mit den Kantonen Zug und Nidwalden bestehen Vereinbarungen für

die Vertretung von unbegleiteten minderjährigen Asylsuchenden

(UMA) zwischen dem Amt für Migration Zug bzw. dem Amt für

Asyl und Flüchtlinge Nidwalden und der Abteilung Anwaltschaft

von Caritas Schweiz. Diesen beiden Kantonen wurden 2011

insgesamt 8 neue unbegleitete minderjährige Asylsuchende

zugewiesen (Tabelle 1, Seite 11). Im Kanton Zug beschränkt sich die

Vertretung allerdings allein auf die Rechtsvertretung von UMA.

Foto: Pia Zanetti (Symbolbild)


- 12 -

4. Statistik der rechtlichen Vertretung von unbegleiteten

minderjährigen Asylsuchenden (UMA)

Neu zugewiesene UMA:

Tabelle 1

Hängige Mandate von UMA, jeweils per Ende Jahr:

Tabelle 2


- 13 -

5. Rechtsberatungen für Caritas Luzern

Die Rechtsberatungsstelle Zentralschweiz führt wöchentlich an

einem Nachmittag Rückberatungen für Sozialarbeitende der Caritas

Luzern durch. Gemäss der Datenerhebung wurden durch die

zuständigen Juristinnen insgesamt 160 Beratungen geleistet (Tabelle

3, Seite 13).

Beratungen für die Sozialdienste der Caritas Luzern nach

Rechtsgebiet (insgesamt 160 Beratungen):

Tabelle 3

6. Statistik der Rechtsberatungsstelle 2011

Eine Erstberatung auf der Rechtsberatungsstelle dauert in der Regel

ca. 30 Minuten. Die nachfolgenden Grafiken (Tabellen 4 bis 7)

stützen sich auf alle persönlichen Beratungen von Ratsuchenden, die

von der Rechtsberatungsstelle im Jahr 2011 geleistet worden sind.


- 14 -

Die Juristen und Juristinnen der Rechtsberatungsstelle führten per

Ende 2011 insgesamt in 145 Fällen das Mandat. Die in diesem

Zusammenhang geleisteten, teils sehr aufwendigen Folgearbeiten

(Abklärungen, Rechtsschriften, Akteneinsichtsgesuche) sind in den

Grafiken nicht enthalten.

Die Rechtsberatungsstelle erteilt von Montag bis Freitag jeweils

nachmittags telefonische Auskunft. Eine Erhebung in den Monaten

Dezember 2011 und Januar 2012 hat ergeben, dass jährlich rund

4‘500 Anrufe über die Nummer der Rechtsberatungsstelle eingehen,

was pro Beratungshalbtag durchschnittlich etwa 18 Anrufe ergibt.

Anrufe auf Direktnummern sind darin nicht enthalten, ebenso auch

ausgehende Telefonate wie Rückrufe. Bei ca. der Hälfte der Anrufe

handelt es sich um Anfragen, die durch das Sekretariat erledigt

werden können (z.B. einfache Rechtsauskünfte, Triage,

Terminvergaben). Im Jahr 2011 wurde das Sekretariat der

Rechtsberatungsstelle um 40 Stellenprozente ausgebaut,

insbesondere für die telefonische Beratung.

Bei der anderen Hälfte der Telefonate handelt es sich um komplexere

rechtliche Anfragen, die den verschiedensten Rechtsgebieten

zugeordnet werden können. Die Anfragen kommen von

Asylsuchenden, aber auch von Betreuerinnen und Betreuern,

Anwältinnen und Anwälten, Behörden, Pfarreien, Ärzten usw.

In Luzern ist eine leichte Abnahme und in Goldau eine leichte

Zunahme der persönlichen Beratungen gegenüber dem Jahr 2010 zu

verzeichnen. Im mehrjährigen Vergleich liegen die Zahlen auf einem

etwas tieferen Niveau. Der leichte Rückgang der persönlichen

Beratungen kann vor allem auch auf die Umstrukturierung beim

Bundesamt für Migration zurückgeführt werden, die zu weniger

Entscheiden im vierten Quartal 2011 geführt hat. Auch werden

immer mehr Gesuche nach dem Dublin-Verfahren direkt an den

Empfangsstellen entschieden und die Personen mit einem

Nichteintretensentscheid aus der Schweiz weggewiesen. Insgesamt

wurden 2011 in der Schweiz 22‘551 Asylgesuche gestellt, was einer

Zunahme von 44.9 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Aus

diesem Grund werden trotz vieler Dublin-Entscheide an der Grenze


- 15 -

und vielen Wegweisungen wieder mehr Personen den Kantonen

zugewiesen als dies 2010 noch der Fall war.

Anzahl Beratungen 2008 – 2011:

Tabelle 4

In den Beratungen der RBS Luzern sind bis 2010 die Beratungen

unbegleiteter minderjähriger Asylsuchender (UMA) aus dem Kanton

Luzern noch zusätzlich enthalten; diese wurden durch die Fachstelle

Mandatsführung erbracht. Im Dezember 2010 wurde die Fachstelle

Mandatsführung der Caritas Luzern übergegeben.


Herkunft der Klienten 2011:

Tabelle 5

- 16 -

Gegenüber den letzten Jahren hat sich die Herkunft der Gesuchsteller

immer mehr diversifiziert. Der Anteil von Staatenlosen und von

Personen mit unklarer Herkunft hat sich vergrössert. Ein nach wie

vor grosser Anteil der Gesuchsteller stammt aus den Staaten Eritrea,

Irak, Iran und Sri Lanka. Weiterhin hoch ist auch der Anteil an

Klienten aus verschiedenen afrikanischen Ländern.

Die Herkunft der Ratsuchenden ist nach wie vor sehr vielfältig, was

die Beratungstätigkeit aufwendig gestaltet. Die Rechtsberaterinnen

benötigen gute Kenntnisse über die allgemeine Lage in den

Herkunftsländern der Asylsuchenden.


Beratungsinhalte 2011:

Tabelle 6

- 17 -


- 18 -

Mandate und Behördenentscheide:

Tabelle 7

*Die Gutheissungsquote der RBS Zentralschweiz ergibt sich aus der

Anzahl positiver Entscheide des Bundesverwaltungsgerichtes

(BVGer) im Verhältnis zur Gesamtzahl der Entscheide des BVGer.


- 19 -

Trotz weniger Entscheiden des Bundesamtes für Migration im Jahr

2011 (-17.2 Prozent gegenüber Vorjahr) hat die

Rechtsberatungsstelle Zentralschweiz erneut viele neue Mandate

übernommen. In der Tabelle 7 (S. 18) sind 2008, 2009 und teilweise

auch 2010 noch die Fallübernahmen der Fachstelle Mandatsführung

(Anzahl neue Mandate) enthalten, die Ende 2010 an die Caritas

Luzern übergeben worden ist.

Foto: Pia Zanetti (Symbolbild)


- 20 -

7. Öffnungszeiten, Anschrift und Mitarbeitende

Rechtsberatung in Luzern

Telefonische Erreichbarkeit:

Montag bis Freitag jeweils nachmittags von 13.45 bis 17.00 Uhr

Persönliche Beratungen:

Montag- und Dienstagvormittag, nur auf telefonische Voranmeldung

Beratungsort und Postadresse:

Caritas Schweiz

Rechtsberatungsstelle Zentralschweiz

Löwenstrasse 3

Postfach

6002 Luzern

Tel. 041 419 23 85

Rechtsberatung in Goldau

Telefonische Erreichbarkeit:

Montag bis Freitag jeweils nachmittags von 13.45 bis 17.00 Uhr

Persönliche Beratungen:

Dienstagvormittag, nur auf telefonische Voranmeldung

Beratungsort: Postadresse:

Caritas Schweiz Caritas Schweiz

Rechtsberatungsstelle Rechtsberatungsstelle

Zentralschweiz Zentralschweiz

Bahnhof SBB Löwenstrasse 3

6410 Goldau Postfach

Tel. 041 419 23 85 6002 Luzern

Tel. 041 419 23 85


Mitarbeitende 2011

- 21 -

Isabelle Bindschedler, lic. iur., Leiterin Abteilung Anwaltschaft

Isabelle Müller, lic. iur., juristische Mitarbeiterin

Claudia Tamuk, lic. iur., juristische Mitarbeiterin

Susanne Gnekow, lic. iur., Rechtsanwältin, juristische Mitarbeiterin

Georg Sommeregger, Dr. iur., Mutterschaftsvertretung

Reto Bernhard, Sekretariat (bis 30.6.2011)

Miriam Blunschy, Sekretariat (ab 1.7.2011)

Adrian Bühlmann, Sekretariat

Postscheckkonto: Caritas Schweiz

6000 Luzern

Konto 60-7000-4

Vermerk: Rechtsberatungsstelle Zentralschweiz


Wir helfen Menschen.

Caritas Schweiz

Rechtsberatungsstelle Zentralschweiz

Löwenstrasse 3, Postfach Telefon: +41 41 419 23 85 Internet: www.caritas.ch

CH-6002 Luzern Telefax: +41 41 419 24 26

Bild: Pia Zanetti / Das verwendete Papier stammt von Holz aus vorbildlich bewirtschafteten Wäldern.

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine