MEINE KLASSIKER

reingezeich.net

MEINE KLASSIKER

Erfinder revolutionierte die Arbeit der Uhrmacher.

Er entwickelte neue Werkzeuge und

eine Maschine zur weitgehend mechanisierten

Produktion von Rohwerken, rudimentären

Uhrwerken ohne Feder, Zifferblatt und

Zeiger. LeCoultres Meisterstück war das Millionometer,

ein Feinmessgerät mit einer Genauigkeit

von einem tausendstel Millimeter.

Das Tal entwickelte sich „zu einem wahren

Schlaraffenland, in dem es keinen einzigen

Armen mehr gab“, wie es der Uhrenhersteller

John César Piguet 1881 ausdrückte.

Heute sollte man auf jeden Fall eine Empfehlung

mitbringen, um bei den großen Namen,

das heißt Audemars Piguet, Blancpain,

Breguet, Jaeger-LeCoultre, Daniel Roth, Gérald

Genta und Vacheron Constantin, in die

blitzblanken Ateliers und lärmenden Maschinenhallen

vorgelassen zu werden. Andere lassen

gar niemanden rein. Gleiches gilt für die

Rohwerkefabrikanten Frédéric Piguet oder

Valjoux, die zur mächtigen Swatch Group

gehören. Viele Uhrenhersteller behandeln

ihre Mechaniken wie Staatsgeheimnisse.

Dafür lohnt es sich, bei Männern wie Philippe

Dufour vorbeizusehen, einem Einzelkämpfer,

der in einem alten Schulhaus in Le

Solliat seiner Handwerkskunst nachgeht. Der

Meister tüftelt in einem altmodischen Kittel

nach Väter Art an hochkomplizierten Mechaniken.

Doch bevor man sich auf Erkundungstour

begibt: Mit der deutschen Sprache

kommt man nicht weit. Hier ist jeder

stolz auf sein Französisch. Die Bereitschaft,

dem Gast auf Deutsch entgegenzukommen,

ist entsprechend niedrig.

Einfacher ist es in den Museen. Die gesamte

Bandbreite von Audemars Piguet

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zeigt ein Privatmuseum in Le Brassus. Nach

Anmeldung lässt sich auch das Gebäude

besichtigen, das ab 1875 die erste Werkstatt

von Jules-Louis Audemars und Edward-Auguste

Piguet beherbergte. Dort gibt es eine

Sammlung alter Taschen- und Armbanduhren

zu sehen.

Die Heritage Gallery, das 2007 in Le Sentier

eröffnete Firmenmuseum von Jaeger-

LeCoultre, versammelt hinter einer wie ein

Uhrglas gebogenen Scheibe etwa 300 Uhrwerke.

Das Spektrum reicht von der großkalibrigen

Taschenuhr bis zum Winzling, der

weniger als ein Gramm wiegt.

Einen Nachmittag sollte man sich daher

schon nehmen, um die vielfältigen Exponate,

die teilweise hochkomplexen Rohwerke,

die alten Werkzeuge und die unterschiedlichsten

Dokumente aus der jahrhundertealten

Geschichte des Vallée de Joux zu

studieren.

Und irgendwann bemerkt man, dass das

ganze Tal eine Zeitmaschine ist, in der die

Abläufe sich den Erfordernissen anpassen

und nicht umgekehrt. Denn obwohl die Zeit

stehen geblieben scheint, vergeht sie gleichzeitig

ganz schnell.

PRÄZISIONSWERK

DIE HERSTELLER

Firmen wie Breguet bestimmen

den Takt des Tals

Die Manufakturen

AUDEMARS PIGUET (u.) Stellt

26 000 Uhren pro Jahr her. Momentan

entsteht in Le Brassus eine neue Fabrik

BLANCPAIN 1735 gegründet, gehört

die Firma heute zum Swatch-Konzern

BREGUET Die Uhren tauchen in

Romanen von Jules Verne, Victor Hugo

und Stendhal auf

JAEGER-

LECOULTRE Die

Schweiz verschenkt

die Uhr „Atmos“

an hohe Staatsgäste

DANIEL ROTH Der

Newcomer: Roth fertigt

erst seit 1989 im Vallée de Joux

GÉRALD GENTA Der Uhrendesigner

schuf neben seiner eigenen Marke

die „Royal Oak“ und die „Nautilus“

VACHERON CONSTANTIN Markenzeichen

der 1755 gegründeten

Manufaktur ist das Malteserkreuz

D A S T A L D E R U H R M A C H E R

Egal, ob man von Osten oder Westen kommt – das Vallée de Joux ist gesäumt von Sehenswürdigkeiten

I L L U S T R AT I O N : VA N I T Y FA I R / S A B I N E H E C H E R

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