Amt für Wirtschaft und Arbeit - Kanton Zürich

awa.zh.ch

Amt für Wirtschaft und Arbeit - Kanton Zürich

Kanton

Zürich


Fläche

1729 km2

Einwohner (2010)

1371 000

Bevölkerungsdichte

793 Einwohner/km2

Höchste Erhebung

1293 m. ü. M., Schnebelhorn (Gde. Fischenthal)

Tiefster Punkt

330 m. ü. M., Hochrhein bei Weiach

Hauptort

Zürich

Offizielle Abkürzung

ZH

Flächennutzung

20% Siedlungsfläche

31% Wälder

44% Landwirtschaftliche Nutzfläche

5% Gewässer


Willkommen im Kanton Zürich

Internationale Ausstrahlung und lokale

Eigenständigkeit, wirtschaftliche Dyna

mik und gesellige Gemütlichkeit,

Leidenschaft und Pragmatik, kulturelle

und landschaftliche Vielfalt, die geballte

Energie der Metropole und die wohltuende

Ruhe der intakten Natur – diese

Gegensätze zeichnen unseren Kanton

Zürich aus. So überrascht es nicht, dass

Zürich hinsichtlich Lebensqualität regelmässig

Spitzenplätze bei internationa -

len Standortvergleichen belegt.

Kompakt, vielfarbig und facettenreich

wie der Kanton selbst, aber ohne Anspruch

auf Vollständigkeit, porträtiert

diese Publikation die grösste und bedeu -

tendste Zentrumsregion der Schweiz.

In Bildern und Geschichten, sowie

mit Fakten und Zahlen, vermittelt sie

einen Eindruck vom Leben und Arbeiten,

von Unternehmen und Infrastrukturen,

von Gewohnheiten, der Kreativität und

Innovationskraft der Menschen, die

die sen einzigartigen Wirtschafts- und

Lebensraum prägen. Und in diesem Sinn

richtet sie sich nicht bloss an Neuzuzüger

und Besucherinnen, sondern hält

auch für Einheimische Überraschun -

gen bereit.

Falls die folgenden Seiten Ihr Interesse

für weiterführende oder spezifischere

Informationen wecken, seien Ihnen

die folgenden Internetseiten empfohlen:

www.willkommen.zh.ch

www.zh.ch

www.sta tistik.zh.ch


Pfingstweidstrasse, Zürich

Ruedi Walter Strasse, Zürich-Oerlikon

Birchstrasse, Zürich-Oerlikon

Bachtel, Zürcher Oberland

Rheinviadukt bei Eglisau


01 Leben und Arbeit

02 Verkehr

03 Wirtschaft und Finanzen

04 Bau, Energie und Umwelt

05 Kultur

06 Schule und Bildung

07 Gesundheit

08 Sicherheit

09 Politik und Verwaltung

10 Zürich von A bis Z

12

34

46

58

68

76

94

106

116

124


Randy Knaflic

Alfred «Fredi» Bieri

Fast so multikulturell

wie die UNO

Höchste Lebensqualität

Sportkanton Zürich

Essen und Trinken

Zürich geht aus

Zürcher Eventkalender

14

20

24

25

25

30

30

30

Zürich

zum Leben

gern

Ob hier geboren oder zugewandert

– alle sind sich einig, dass man

den Kanton Zürich ganz einfach

zum Leben gern haben muss.

Einheimische und Zugezogene

fühlen sich hier gleichermassen zu

Hause und erteilen Stadt und Land

Höchstnoten bezüglich

Lebensqualität.

Leben A

12


01

und

rbeit


Leben und Arbeit

Der eine kam vor vier Jahren aus der amerikanischen

Metropole New York in die Limmatstadt und arbeitet

als Personalchef bei der Internetfirma Google. Der andere

ist Käser im Zürcher Oberland und sorgt mit dem

Unternehmen «Natürli»* für das Überleben von innovativen

Landwirtschaftsbetrieben. Zwei Männer, wie sie

unterschiedlicher kaum sein könnten. Doch wenn sie

über ihre Beziehung zu Zürich sprechen, entdeckt man

erstaunlich viele Gemeinsamkeiten.

* «Natürli», vom Wort «natürlich» abgeleitet

Randy Knaflic. US-Amerikaner.

37 Jahre alt. Chef rekrutierer und

Talentsucher bei der Firma Google

für Europa, den mittleren Osten und

Afrika mit Arbeitsort Zürich.

Frisch verheiratet.

«Ich hatte auch ein Angebot von Microsoft und eines von Amazon. Und

ich hätte bei beiden Unternehmen eher mehr verdient. Aber als Google

mir die Möglichkeit eröffnete, nach Zürich zu gehen, und hier praktisch

von null ein Personalsystem aufzubauen, musste ich keine Sekunde

mehr überlegen, wo ich unterschreibe,» sagt Randy Knaflic. Klar, ein

Projekt zu lancieren, ist immer reizvoll. Aber ist es auch reizvoll, der

Trendcity New York den Rücken zu kehren, um im beschaulichen Zürich

die Zelte aufzuschlagen?

Randy Knaflic lacht und verrät, dass er nicht wirklich ein Zelt habe aufschlagen

müssen, er habe eine gute Wohnung mit herrlicher Aussicht.

«Und kürzlich bin ich nach Kilchberg umgezogen, direkt neben das

Museum des Dichters Conrad Ferdinand Meyer.» Ein Amerikaner, der

C. F. Meyer kennt? «Kennen wäre übertrieben», gesteht er, «doch Kultur

interessiert mich sehr, besonders Musik, und da vor allem der Jazz.»

Jazz, konkret Montreux Jazz Festival, war auch der Grund für seinen

ersten Besuch in der Schweiz. Es sei praktisch Liebe auf den ersten

Blick gewesen, sagt der 37-Jährige, «ich wusste, ich würde wiederkom-

14


Randy Knaflic


Leben und Arbeit

men.» Und Knaflic, der an der Universität

Wisconsin Musik studiert und später in New

York gar ein eigenes Jazzlabel gegründet

hat, kam wieder. Allerdings nicht als Musiker,

sondern als Google-Chefrekrutierer für den

Bereich Europa, Mittlerer Osten und Afrika.

In New York hatte er sich zwischen 1997 und

2005 zu einem der landesweit bekanntesten

Staffing-Manager (so heisst die Berufsbezeichnung

auf Amerikanisch) für technisches

Personal emporgearbeitet, nun erntet er den

Lohn für diese Karriere. Seine Aufgabe in

Zürich: Er muss, zusammen mit seinem

50-köpfigen Team, aus Zehntausenden von

Bewerbungsdossiers die Besten der Besten

herausfiltern. Und weil Google rasch expandiert

– allein in Zürich, wo das europäische

Entwicklungszentrum auf dem Gelände der

ehemaligen Brauerei Hürlimann steht, hat

er die Belegschaft innert vier Jahren von 35

auf rund 400 Mitarbeiter aufgestockt –, trägt

Knaflic eine riesige Verantwortung. Dennoch

wirkt er relaxt. «Das Geheimnis?», wiederholt

der Senkrechtstarter, und lacht. «Das

Geheimnis ist wohl meine neue Heimat.»

16


Gesprächskabine, Google, Zürich


Leben und Arbeit

Und wenn er losschwärmt über das tolle Jazzprogramm im «Moods»,

über die erstklassige Kaffeekultur der Stadt, über Mountainbike-Touren

in der Region oder das Skifahren in den Flumserbergen, dann merkt man

bald: Dieser Satz mit der Heimat, der ist mehr als bloss eine charmante

Floskel. Hinzu kommt, dass Zürich für den Amerikaner auch zur Stadt

der Liebe geworden ist. Strahlend und in leicht gebrochenem Deutsch

sagt er: «Ick bin frish verloubt.»

Randy Knaflic ist also buchstäblich in Zürich gelandet. Was aber ist mit

New York? Ist da gar keine Wehmut? Nichts, das ihm fehlt? Er runzelt

die Stirn. Dann sagt er: Doch, der Komfort von New York, der fehle ihm.

«Dort bekomme ich an sieben Tagen die Woche rund um die Uhr alles,

was ich brauche: Essen, Haushaltsartikel, ein offenes Fitnessstudio …

so einfach ist das in Zürich nicht organisiert.» Dafür, fügt er postwendend

an, gelange man hier vom Stadtzentrum in einer halben Stunde

an den Eincheck-Schalter beim Flughafen und genauso schnell in die

schönste Natur, «und das ist wohl weltweit einzigartig».

Diese hohe Lebensqualität wird seit Jahren auch in Umfragen und globalen

Rankings immer wieder bestätigt. Ein «Sorgenkind», auch das ist

bekannt, ist jedoch die – zumindest anfängliche – zwischenmenschliche

Reserviertheit von Herrn und Frau Zürcher. Kommt jemand aus einem

anderen Kanton oder Land nach Zürich, braucht er oder sie eine gewisse

Ausdauer, um das Eis zu brechen und einen lokalen Freundeskreis

aufzubauen. Randy Knaflic hat das auch festgestellt, «die Menschen

hier sind zurückhaltend, manchmal auch misstrauisch». Und was hat

er dagegen getan? «Es hilft, wenn man offen auf sie zugeht. Sie nicht

überfährt, aber ehrliches Interesse bekundet.» Sein Vorteil sei, dass er

aus einem Kulturkreis komme, wo alle Leute mit «You» – also einem

«Du» – angesprochen werden. «Und mit Du ist halt alles schon mal viel

persönlicher und einfacher.»

18


Leben und Arbeit

Wohnbevölkerung nach Hauptsprache,

Geschlecht und Heimat, eidg. Volkszählung 2000

Total Männer Frauen Ausländer/in

Total 1 247 906 613 038 634 868 280 750

Landessprachen 1 110 209 545 688 564 521 167 940

Deutsch 1 040 168 508 563 531 605 124 242

Italienisch 49 750 27 515 22 235 38 797

Französisch 17 685 8 358 9 327 4 714

Rätoromanisch 2 606 1 252 1 354 187

Andere

europäische Sprachen 114 446 55 665 58 781 94 710

Serbisch, Kroatisch 21 334 10 666 10 668 19 442

Albanisch 19 983 10 379 9 604 19 551

Englisch 16 800 8 595 8 205 10 745

Spanisch 15 638 6 884 8 754 12 086

Portugiesisch 13 256 6 620 6 636 11 869

Türkisch 10 190 5 215 4 975 8 863

Übrige slawische Sprachen 4 261 2 633 4 261 4 610

Nordeuropäische Sprachen 3 221 1 256 1 965 2 453

Niederländisch 2 367 1 143 1 224 1 933

Griechisch 2 057 1 100 957 1 630

Übrige 2 706 1 174 1 532 1 528

Andere Sprachen 23 251 11 685 11 566 18 100

Asiatische Sprachen 17 825 8 131 9 694 13 936

Arabisch 3 031 2 129 902 2 227

Afrikanische Sprachen 1 990 1 213 777 1 740

Übrige 405 212 193 197

19


Leben und Arbeit

Alfred «Fredi» Bieri. Schweizer.

51 Jahre alt. Käser und Geschäftsführer

von «Natürli» in Saland.

Verheiratet, vier Kinder.

Auf den ersten Blick denkt man: Eindeutig, das ist der Steckbrief eines

typischen Landwirts aus dem Zürcher Oberland. Und beim Wort «typisch»

hechelt, wie ein stürmischer junger Sennenhund, auch schon das

Klischee des Stadtzürchers herbei. Das Klischee, das behauptet: Ein

Oberländer ist ein introvertierter «Chnorzi»*, der praktisch mit seinem

Grund und Boden verwachsen ist – und dafür die Urbanität, ganz besonders

die Städter, verabscheut wie der Teufel das Weihwasser.

Wenn man Alfred Bieri dann erstmals gegenübersitzt, an einer Bar der

Delikatessenausstellung Gourmesse im Zürcher Kongresshaus, wo er

seinen Stand betreut, sucht man vergeblich nach Spuren dieses Klischees.

Barfuss und locker hockt er da, nippt genüsslich am Weisswein

und erzählt Geschichten. Es sind Reisegeschichten aus Europa, den

USA oder Zentralasien. Das letzte Abenteuer hat Fredi Bieri vor zwei

Jahren unternommen. Gemeinsam mit einem Kollegen drang er mit dem

Motorrad bis nach Kirgistan und Usbekistan vor. «Und was stelle ich

immer wieder fest, wenn ich in der grossen weiten Welt unterwegs bin?»,

fragt er rhetorisch. «Mensch bleibt Mensch, hier wie dort. Die einen sind

halt verschlossen, andere offener. Aber im Kern des Wesens sind wir

doch alle gleich.» Gerade wegen solch vermeintlich banalen Erkenntnissen

liebe er das Reisen, so Bieri. Es sei die beste Medizin gegen

Vorurteile. «Zudem hilft es beim Loslassen der Sorgen und gibt mir das

Gefühl, frei zu sein.»

Reisen, loslassen, frei sein – hat es da überhaupt Platz für so etwas

wie Heimat? «Heimat ist für mich immer da, wo ich mich daheim, aufgehoben

und mit den Menschen verbunden fühle», sagt Bieri. Gefunden

hat er dieses Gefühl im Zürcher Oberland. Da, wo er geboren

ist, und da, wo er als Leiter der Marke «Natürli us de Region Zürcher

Berggebiet» arbeitet.

Das Label gehört dem Verein Pro Zürcher Berggebiete. Bieri aber hat

den guten Namen mit Inhalt gefüllt, indem er «Natürli» vor rund 16 Jahren

als Produktions- und Vermarktungsnetz etabliert hat. Was damals

20


Alfred «Fredi» Bieri


Leben und Arbeit

mit ein paar wenigen und teils maroden Käsereien

begann, ist heute eine einzigartige

Erfolgsgeschichte. Landwirtschafts be triebe,

die Em mentaler und Tilsiter herstellten, den

wegen des bereits gesättigten Marktes jedoch

niemand haben wollte, was viele an

den Rand eines Konkurses trieb, produzieren

auf Rat von «Natürli» inzwischen spezielle

Kuh-, Schaf- und Ziegenmilch-Käsesorten.

Und diese sind beliebt und gefragt.

Über 350 Detaillisten in der Region Zürich

und sogar in Frauenfeld, Baden oder Zug

führen die «Natürli»-Spezialitäten in ihrem

Sortiment. Und Fredi Bieri, der weltoffene

Oberländer, verhilft den Produkten an der

Züspa oder der Gourmesse zu noch grösserer

Popularität.

Gerade an diesen grossen Zürcher Messen

wird er auch zu einer Art Brückenbauer

zwischen Stadt und Land. Macht ihm, dem

selbst ernannten «Landei», die urbane Hektik

denn gar keine Mühe? «Im Gegenteil,

ich mag diesen Kontrast zwischen dem beschaulichen

und ruhigen Landleben und der

multikulturellen und schrillen Gesellschaft

der Stadt.» Er lacht. «Aber ich würde den

öffentlichen Verkehr ausbauen, bis es nicht

mehr geht.»

* «Chnorzi», typisch schweizerischer Ausdruck

für knorriger Typ.

22


Reifekeller, «Natürli», Saland


Leben und Arbeit

Fast so multikulturell

wie die

UNO

Im Kanton Zürich leben (Stand

August 2009) Menschen aus 186

Nationen. Das sind nur gerade

vier weniger, als die UNO an Mit -

gliedstaaten zählt. Die Liste der

Ausländische

Wohnbevölkerung nach Hei mat länder ist ein kunterbuntes

Staatsangehörigkeit Alphabet von A wie Algerien bis

Z wie Zypern. Der Anteil von Aus-

76 580 länderinnen und Ausländern an

Deutschland der Gesamtbevölkerung beträgt

49 212 rund 23 Prozent; an der Spitze

Italien stehen Deutschland, Italien und

Portugal mit über 150 000 Perso-

21945

Portugal nen. Genauere Angaben sind nicht

verfügbar, aber es kann geschätzt

21637 werden, dass im Kanton Zürich

Serbien

weit über 100 verschiedene Spra-

13 895 chen gesprochen werden. In

Türkei

an deren Worten: Die Wahrschein-

13 101 lichkeit, im Kanton Zürich einen

Mazedonien Landsmann oder eine Landsfrau

zu finden, ist gross.

11075

Österreich

9 715

Spanien

7 795

Grossbritannien

100 878

Übrige

Stand 2010

24


Höchste Lebensqualität

Das Beratungsunternehmen

Mercer bewertet jedes Jahr das

Leben in 215 Städten auf der

ganzen Welt. Ermittelt wird die

Lebensqualität nach verschiedenen

Kriterien wie Arbeiten, Wohnen,

Freizeit, Bildung, Sicherheit,

Verkehr und medizinische Versorgung.

Seit Jahren belegt Zürich

in dieser Untersuchung regelmässig

Spitzenränge; nach sieben

Jahren auf Platz 1 wurde Zürich in

der 2009er und der 2010er-Umfrage

von Wien entthront. (Dies nicht

etwa, weil sich Zürich verschlechtert

hätte, sondern weil sich in

Wien in der Vergleichsperiode der

Wohnungsmarkt verbessert hat.)

Ein anderes Indiz für die ausserordentlich

hohe Lebensqualität

in Zürich ist der Urban Audit, mit

dem die Lebenszufriedenheit der

Einwohnerinnen und Einwohner

verschiedener europäischer Städte

erhoben wird. Zufrieden und sehr

zufrieden mit ihrer Lebenssituation

sind in Zürich 98 Prozent der Befragten

– damit erreicht die Stadt

an der Limmat den höchsten Wert;

diesmal deutlich vor Wien.

Leben und Arbeit

Sportkanton Zürich

Egal, ob Gelegenheits-, Freizeit-

oder Leistungssportler, im Kanton

Zürich gibt es unzählige Möglichkeiten

sich fit zu halten. Über 200

Sportarten, 2400 Sportvereine

und 1700 Sportanlagen stehen

zur Verfügung. Hinzu kommen

2700 Kilometer Wanderwege und

Lauf strecken sowie 900 Kilometer

Velowege, die durch die schön-

sten Gegenden des Kantons füh-

r en. Daneben laden viele Seen

und Flüsse mit erstklassiger Wasserqualität

zum Baden ein. Und

wer gerne durch Pulverschnee

kurvt, carvt oder gleitet, findet in

Steg im Tösstal den längsten

Ski lift des Kantons. Die bekannten

Wintersportgebiete der Zentral-

und Ostschweiz sind ebenfalls in

kurzer Zeit zu erreichen.

Die Zürcherinnen und Zürcher

sind denn auch sehr sportlich.

Vier Fünftel sind mindestens ein

Mal pro Woche sportlich aktiv,

die Hälfte sogar mehrmals

wöchentlich. Radfahren/Mountainbiken,

Wandern/Walking und

Schwimmen sind die beliebtesten

Sport arten. Ein Viertel der

Bevölkerung ist Mitglied in einem

Sportverein, ein Sechstel in einem

kommerziellen Fitnesscenter. Die

Zürcherinnen und Zürcher sind

damit im Durchschnitt sportlicher

als die übrigen Schweizerinnen

und Schweizer.

25


Stadion Letzigrund, Zürich


Sechstagerennen, Hallenstadion Zürich


freestyle.ch, Landiwiese Zürich


Der Kanton Zürich setzt mit dem

Jugendsportprogramm Jugend +

Sport auf die Förderung des ausserschulischen

Sports.

Zürich ist im Übrigen der einzige

Kanton, der ein eigenes Sportzentrum

besitzt. Das Sportzentrum

Kerenzerberg bietet optimale

Trainingsmöglichkeiten zu günstigen

Preisen für die meisten

In- und Outdoor-Sportarten und

dient zudem als «Swiss Olympic

Training Base».

Essen und Trinken

Wer gerne auswärts essen oder

trinken geht, hat die Qual der

Wahl. Buchstäblich. Denn bei

über 3500 Bars und Restaurants

auf dem Kantonsgebiet bleiben

kein Durst und auch kein Hunger

ungestillt. Das gastronomische

Spektrum reicht von bäuerlichen

Besenbeizen über gutbürgerliche

Restaurants und Szenekneipen

bis hin zu Gourmettempeln auf

höchstem kulinarischem Niveau

und von der afghanischen bis

zur zypriotischen Küche.

Zürich geht aus

So attraktiv wie das Tag- ist auch

das Nachtleben. Filmfans zum

Beispiel kommen kantonsweit in

etwa 100 Kinosälen auf ihre Rech-

nung; die Magnetwirkung der

Stadt Zürich zeigt sich auch an

der Tatsache, dass sich auf ihrem

Leben und Arbeit

Gebiet weit über die Hälfte aller

Kinos befinden. Im Sommer spries-

sen zudem allenthalben Open-

Air-Kinos aus dem Boden. Hinzu

kommen mehrere hundert Clubs,

in denen man bis zum Chill-out

tanzen kann. Wer Musik lieber live

als ab Konserve hört, findet vor

allem in den grösseren Ortschaften

zahlreiche Konzertlokale für alle

Spielarten der Musik. Abgerundet

wird das reichhaltige Unterhaltungsangebot

durch eine Vielzahl

anderer Veranstaltungen, vom

Musical-Gastspiel über Lesungen

bis hin zu den subversiven Anlässen

des Dada-Hauses in der

Zürcher Altstadt.

Zürcher

Eventkalender

In Zürich steigt rund ums Jahr

praktisch jeden Monat ein Anlass

von internationalem Ruf. Zum

Beispiel: im Februar der CSI

Zürich, das weltweit höchstdotierte

Springreiten. Im April der Zürich

Marathon sowie das Sechseläuten,

das historische Frühlingsfest

der Zürcher Zünfte mit der Ver-

30


Lebenszufriedenheit (Anteil zufriedene oder sehr zufriedene Personen)

%

100

95

90

85

80

75

Sofia

Bukarest

Lebensqualitätsindex

Lebensqualitätsindex

Liubljana

Zürich

Kopenhagen

Luxemburg

München

Helsinki

Wien

Rom Amsterdam

Riga

Stockholm

Prag Barcelona

Lissabon Paris

Bratislava

Warschau

Madrid

Berlin

Brüssel

Budapest

London

Istanbul

70 80 90 100 110

New York = 100%

Das Beratungsunternehmen Mercer beurteilt die Lebensqualität von 215 Grossstädten.

Insgesamt werden 39 Kriterien (politische, soziale, wirtschaftliche und ökologische) auf einer Skala

zwischen 1 und 10 bewertet. Zürich erhielt in den letzten 8 Jahren ausser beim Klima

und Verkehrsstaus überall Noten zwischen 8 und 10. (Stand 2009) Quelle: www.mercer.com


18 571

Plätze in

99

Kinos

487 000

Besucher in

1221

Theaterveranstaltungen

150

Museen, davon

31 Kunstmuseen,

7 Historische und

archäologische Museen,

18 Wissenschaftlichtechnische

Museen,

5 Ethnografische und

anthropologische Museen

Stand 2009

Leben und Arbeit

brennung des «Böögg»* als finalem

Knalleffekt. Im Mai der FIFA Youth

Cup, ein international sehr gut

besetztes Junioren-Fussballturnier.

Im Juni die Zürcher Festspiele

mit Opern, Konzert- und Theateraufführungen.

Im August zuerst

die Street Parade, die grösste

Open-Air-Technoparty der Welt mit

jeweils rund einer Million Ravern

und Schaulustigen, dann das

Leichtathletikmeeting Weltklasse

in Zürich sowie das zweiwöchige

Theaterspektakel auf der Landiwiese.

Im September folgen das

Knabenschiessen (welches auch

Mädchen zulässt), der Greifenseelauf,

das traditionelle Radrennen

Züri Metzgete sowie der

Trendsportanlass freestyle.ch auf

der Landiwiese. Im Oktober rollt

erstens das Zurich Film Festival

den roten Teppich aus und groovt

zweitens das jazznojazz in der

Gessnerallee. Doch auch im De -

zember läuft noch allerhand –

nämlich halb Zürich beim Zürcher

Silvesterlauf durch die Innenstadt.

* «Böögg»: ein künstlicher Schneemann,

der den Winter symbolisiert. Am

Frühlingsfest der Stadt Zürich, dem

sogenannten Sechseläuten (in Dialekt

«Sächsilüüte»), sitzt er zuoberst auf

einem grossen Holzstoss und ist mit

Knallkörpern gefüllt. Je schneller

der Kopf des Schneemanns explodiert,

desto schöner soll anschliessend der

Sommer werden, sagt der Volksmund!

32


Der Kanton Zürich

in einem Tag

Westumfahrung – Bauwerk

von nationaler Bedeutung

7 000 Kilometer Strasse

Gut vernetzter

öffentlicher Verkehr

Flughafen Zürich

Förderung des Velo- und

Fussgängerverkehrs

Ver

Der

Kanton Zürich

in einem Tag

Unser Autor hat an einem

einzigen Tag mit möglichst

vielen unterschied lichen Verkehrsmitteln

möglichst viele Orte im

Kanton Zürich bereist:

lesen Sie nachstehend das

Ergebnis dieses Vorhabens. Wenn

Sie es gemü tlicher haben möchten:

kein Problem. Die Fahrpläne

aller Verkehrsmittel, die unter

dem Dach des Zürcher Verkehrsverbundes

(ZVV) fahren, lassen

der Kombinationsfreude fast

unendlichen Spielraum.

34

34

42

42

44

44

45


02

kehr


Flughafen Zürich Kloten


Verkehr

Eine Reise durch den Kanton

Zürich ist auf jeden Fall die beste

Gelegenheit, ihn näher kennenzulernen.

Unser Ausgangspunkt

ist der Flughafen. Wer weiss,

vielleicht reisen Sie ja einmal mit

dem Flugzeug an, um unseren

Kanton zu besichtigen.

07.26 Uhr

Die Glattalbahn fährt in elegantem Bogen

in die Haltestelle Flughafen ein. Sanfte Anfahrt,

und die Reise durch den Kanton Zürich

beginnt. Vorbei an Flughafengebäuden

und einem Sonnenblumenfeld bei der Haltestelle

Bäuler zum Bahnhof Glattbrugg,

wo auf einem Gleis nebenan eine einzelne

Lok vorbeirast. Bürogebäude, immer mehr

Passagiere, Oerlikon, der Milchbuck – und

dann die Haltestelle bei der Talstation der

Seilbahn Rigiblick. Mit ihr fahren wir in fünf

Minuten zum Rigiblick hoch, vorbei an Balkonen

und Gärten. Von oben Blick über Teile

der Stadt bis hin zum See. Wieder runter

zur Talstation und gleich rein ins Tram zum

Hauptbahnhof.

08.25 Uhr

Hier genehmigen wir uns mitten im regen

Treiben einen Kaffee, bevor wir in den Untergrund

abtauchen, wo die Sihltalbahn auf

uns wartet. Der rote Doppelstöcker fährt

dorthin, wo der Kanton Zürich urwüchsig

wird: ins Sihltal. Die Station Adliswil ist unser

nächstes Ziel, denn dort befindet sich

die Talstation einer weiteren Bergbahn, genauer

der einzigen Luftseilbahn im Kanton

Zürich, die auf die Felsenegg fährt. Mit einer

roten Kabine fahren wir hoch – und später

mit einer blauen wieder hinunter. Von der

Bergstation aus erreichen wir in fünf Minu-

37

Flugpassagiere und

-bewegungen Zürich-Kloten

2010

268 765

Bewegungen

22 878 251

Passagiere

411 037

Tonnen Fracht


S33

S17

S41

S6

Bremgarten

Birmensdorf ZH

Uetliberg

Wohlen

Bonstetten-

Wettswil

Adliswil

Hedingen

Sihlau

Thayngen

Herblingen

Schaffhausen

Neuhausen

Altenburg-

Rheinau

Jestetten

Lottstetten

Rafz

Hüntwangen-Wil

Eglisau

Glattfelden

Bülach

S21

S8

S2

S24

Baar

Zug

Kloten

Balsberg

Oerlikon

Urdorf

Hardbrücke Dübendorf

Wiedikon

Weihermatt

S9

S15

Verbundgebiet

S-Bahn

mit Zugshalt

Zugshalt nur zeitweise

Teilbetrieb

(siehe Fahrplan)

Fernverkehr

S-Bahnen

S5

S55

S12

S3

S10

S4

S9

S5

S22

S8

S14

Feuerthalen

Langwiesen

Effretikon

Ossingen

Stammheim

Stein am Rhein

Etzwilen

S30

S8

Thalheim-Altikon

Frauenfeld

Dinhard

Islikon

Seuzach

Wallrüti Rickenbach-Attikon

Wiesendangen

Oberwinterthur

Winterthur

Waldshut

Koblenz

Dorf

Rietheim

Bad Zurzach

Rekingen AG

Mellikon

Brugg AG

Rümikon AG

Aarau

Kaiserstuhl AG

Turgi

Lenzburg

Schloss Laufen

Baden Niederweningen

Zweidlen

Niederweningen Dorf

Dachsen

Mägenwil

Wettingen

Schöfflisdorf-

Neuenhof Würenlos

Oberweningen

Schlatt

Marthalen

Otelfingen

Killwangen-

Steinmaur

St. Katharinental

Spreitenbach

Otelfingen

Golfpark Dielsdorf

Diessenhofen

Buchs-Dällikon

Schlattingen

Dietikon

Niederglatt

Andelfingen

Glanzenberg

Niederhasli

Regensdorf-Watt

Embrach-Rorbas

Schlieren

O’Glatt Zürich

Henggart

Flughafen

Altstetten

Pfungen-Neftenbach

Hettlingen

Wülflingen

Weinfelden

Zürich

Töss

Märstetten

HB

Bassersdorf

Enge Stadelhofen

Müllheim-Wigoltingen

Dietlikon

Hüttlingen-Mettendorf

Affoltern am Albis

Felben-Wellhausen

Kilchberg

Seen

Mettmenstetten

Zollikon

Räterschen

Sennhof-Kyburg

Schwerzenbach ZH

Schottikon

Langnau-

Küsnacht ZH

Illnau

Kollbrunn

Thalwil

Elgg

Knonau

Gattikon

Nänikon-

Rikon

Zumikon Greifensee

Aadorf

Sihlwald

Steinhausen

Rämismühle-Zell

Guntershausen

Horgen Oberdorf Oberrieden

Forch

Uster Fehraltorf

Eschlikon

Horgen

Turbenthal

Sirnach

Wil

Pfäffikon ZH Wila

Meilen

Egg

Aathal

Au ZH

Saland

Uetikon

Esslingen

Kempten

Männedorf

Wetzikon

Bauma

Wädenswil Stäfa

Uerikon

Steg

Richterswil

Hinwil

Feldbach

Bäch

Bubikon

Freienbach Kempraten

S21

S41

S16

S2

S7

Sihlbrugg

Stettbach

S8

S2

S7

S16

S6

Burghalden

Samstagern

Schindellegi-Feusisberg

S16

S33

S18

S40

S13

S29

S8

S11

S12

S14

S9

S15

S5

Biberbrugg

S3

Ziegelbrücke

Bilten

Reichenburg

Schübelbach-B.

Siebnen-Wangen

Lachen

Altendorf

Pfäffikon SZ

Freienbach

SOB

S5

S40

Einsiedeln

Rüti ZH

Jona

Rapperswil

S35

S26

S26

Wald

Tann-Dürnten

S2

Fischenthal

Gibswil

© Zürcher Verkehrsverbund/PostAuto Region Zürich, 12.2009


Verkehr

ten das Restaurant Felsenegg, wo sich uns

eine grandiose Sicht auf den Zürichsee bietet

– von Zürich bis Rapperswil.

10.10 Uhr

Zurück im Tal, fahren wir mit der Sihltalbahn

nach Langnau-Gattikon, wo schon das Postauto

bereitsteht, das uns über die Gattikerhöhe

nach Thalwil bringt. In der Seeanlage

schalten wir eine Pause ein, bis das Schiff

von Zürich her anlegt und uns mitnimmt auf

eine Fahrt nach Stäfa. Damit haben wir gleich

auch den See überquert – und von der «Pfnüselküste»

zur «Goldküste»* gewechselt!

13.11 Uhr

Wir steigen wieder auf den VZO-Bus um

und fahren über Oetwil am See (liegt aber

gar nicht direkt am See!) und Grüningen

nach Wetzikon im Zürcher Oberland. Hier

holen wir kurz Schnauf zu einer Fahrt mit

der S-Bahn Nummer 5 quasi quer durch

den Kanton bis nach Rafz im untersten Zürcher

Unterland! Das wird eine runde Stunde

dauern. Wetzikon selber und auch Uster,

das nach fünf Minuten Fahrt erreicht wird,

haben sich in den letzten Jahren stark entwickelt,

was der Blick aus dem Zugfenster

eindrücklich zeigt. Dazwischen liegt das

enge Aathal, wo früher Spinnereibetriebe

standen und sich heute viel Verkehr auf der

Hauptstrasse durchzwängt. Ab Uster geht’s

in vollem Tempo ohne Halt bis Stadelhofen

– mitten in Zürich.

14.35 Uhr

Die stark besetzte S-Bahn leert sich im

Haupt bahnhof – aber fast ebenso viele Fahrgäste

steigen wieder zu. Ihr Ziel: Orte im Agglomerationsgürtel

von Zürich wie Glattbrugg

39


Verkehr

oder Rümlang – und dann natürlich Bülach,

das Zentrum des Unterlandes. Danach wird

es wieder ländlicher, und bald erreichen wir

den Höhepunkt dieser Fahrt nach Rafz: die

Eisenbahnbrücke über den Rhein bei Egli -

sau. Aus 50 Metern Höhe blicken wir auf das

idyllisch gelegene Städtchen und den grünfarben

dahinfliessenden Rhein. Dann hinaus

ins Rafzerfeld bis nach Rafz, wo die Fahrt mit

der S 5 endet.

15.17 Uhr

Wir haben eine kleine Verspätung eingefahren,

die uns zwingt, schnell umzusteigen,

damit wir das Postauto nicht verpassen,

das uns nach Winterthur bringen wird. Es

ist eine Fahrt durch hügeliges Gelände, eine

fruchtbare Gegend, wo sich Rebberge, Obst-

und Gemüsekulturen zwischen malerischen

Bauern dörfern mit vielen Fachwerkhäusern

ausbreiten. Schliesslich fahren wir durch

Neftenbach und hinunter nach Winterthur,

wo wir über die Wülflingerstrasse direkt zum

Hauptbahnhof kommen und nahtlos umsteigen

in die S 26 mit Zielbahnhof Bauma.

16.13 Uhr

Die Weite des Zürcher Unterlandes ist einer

Tallandschaft gewichen, an deren Seiten

sich bewaldete Hügel hinziehen, die im

oberen Teil des Tösstals in eine voralpine

Landschaft übergehen. Die Töss führt nur

wenig Wasser, und auf dem Veloweg**, der

den Fluss praktisch auf seiner ganzen Länge

säumt, herrscht kaum Betrieb an diesem

Werktag. Der Zufall will es, dass kurz nach

unserer Ankunft in Bauma ein Dampfzug

einfährt und sofort das Interesse der Umstehenden

auf sich zieht. Es ist eine Sonderfahrt,

denn normalerweise sind die Dampf-

40


Verkehr

züge auf der Strecke zwischen Bauma und

Hinwil nur an einzelnen Sonntagen von Mai

bis Oktober unterwegs. Eine romantische

Variante, diesen Teil des Zürcher Oberlandes

kennenzulernen!

16.59 Uhr

Wir nehmen den Bus, der uns in einer knappen

halben Stunde nach Wetzikon bringt.

Wetzikon? Genau, da waren wir schon mal,

bevor wir unsere Fahrt quer durch den Kanton

ins Zürcher Unterland angetreten haben.

Jetzt nehmen wir eine andere Route.

Es ist die S 3, die nach Effretikon fährt. Eine

vor allem in ihrem ersten Teil landschaftlich

wunderschöne Fahrt, auf der von ferne der

Pfäffikersee grüsst, eingebettet in unberührte

Natur.

18.09 Uhr

Von Effretikon aus ein kurzes Stück mit der

Bahn über Bassersdorf, und schon ist der

Flughafen erreicht. Es ist noch nicht ganz

halb sieben am Abend, so bleibt noch genügend

Zeit für einen Imbiss, bevor das Flugzeug

abhebt!

* «Pfnüsel-» und «Goldküste»: Das linke Ufer

des Zürichsees wird im Volksmund scherzhaft

«Pfnüselküste» (Schnupfenküste, wörtlich

übersetzt) genannt. Die Bezeichnung hat ihren

Ursprung im Vergleich zum rechten Zürichseeufer,

das als Goldküste bekannt ist und wegen der

Südhanglage in den Genuss von mehr Sonne

kommt, während das linke Seeufer wegen des

früher auftretenden Schattens im Verdacht steht,

zu Erkältungen zu führen.

** Velo sagen wir in der Schweiz – und meinen

damit das Fahrrad.

41


Westumfahrung –

Bauwerk von nationaler

Bedeutung

2009 konnten nach jahrzehntelanger

Planungs- und Bauzeit zwei

Verkehrsbauwerke von nationaler

Bedeutung dem Verkehr übergeben

werden: die Westumfahrung

Zürich mit dem Herzstück Uetlibergtunnel

sowie die Autobahn A4

im Knonaueramt mit dem Herzstück

Islisbergtunnel. Die Westumfahrung

stellt die Verbindung her

zwischen der Autobahn A1 (Zürich

Bern) und der A3 (Zürich–Chur),

die A4 führt von Zürich in die

Zentralschweiz.

7000 Kilometer

Strasse

Geprägt ist der Verkehr im Wirtschaftsraum

Zürich durch die geografische

Verteilung der Arbeitsplätze

und der Wohnorte. Insbeson

dere die Konzentration der

Arbeitsplätze in der Stadt Zürich,

im Glattal, im Limmattal sowie

in der Stadt Winterthur bestimmt

weitgehend die Verkehrsströme,

und die hohen Verkehrsbelastungen

Verkehr

ergeben sich denn auch in diesen

Räumen und den dazwischen

liegenden Verbindungen.

Der Kanton Zürich verfügt heute

über ein gut ausgebautes Strassennetz,

dessen Gesamtlänge mehr

als 7000 Kilometer beträgt. Die

Hochleistungsstrassen, darin eingeschlossen

die Nationalstrassen,

sowie die kantonalen Autobahnen

und Autostrassen machen

weniger als 10 Prozent des Gesamtnetzes

aus, bewältigen aber

fast 40 Prozent der Fahrleistungen

im motorisierten Strassenverkehr.

Aufgrund der heute verfügbaren

Prognosen ist damit zu

rech nen, dass auf dem Hoch leistungsstrassennetz

des Kantons

Zürich in den nächsten rund

20 Jahren mit einer Zunahme der

Fahrleistungen von etwa 40 Prozent

zu gewärtigen ist. Um diesen

wachsenden Verkehr bewältigen

zu können, hat der Kanton die

Strategie entworfen, die dicht ge-

42


Skymetro, Flughafen Zürich Kloten


nutzten Ge biete in der Stadt Zürich,

im mit tleren Glattal und

in Winterthur möglichst zu

umfahren. Auf diese Weise wird

sowohl ein vollständiges Netz von

Hochleistungs stras sen als auch

eine Entlastung der Hauptverkehrsstrassen

in den besiedelten

Bereichen ermöglicht.

Gut vernetzter

öffentlicher Verkehr

Alle Unternehmen des öffentli chen

Verkehrs im Kanton – Bahnen,

Busse, Trams, Postautos, Schiffe,

Stand- und Luftseilbahnen –

fah ren zu einheitlichen Tarifen

unter einem gemeinsamen Dach:

dem Zürcher Verkehrsverbund

(ZVV). Der Fahrplan ist äusserst

dicht, was dazu führt, dass das

Netz über weite Teile bis an die

Kapazitätsgrenze ausgelastet

ist. Zentrales Element für weitere

Ausbauschritte im S-Bahn- und

Fernverkehr bildet die neue Durchmesserlinie

mit dem unterirdi -

schen Bahnhof Löwenstrasse

unter dem Hauptbahnhof Zürich.

Ein einschneidender Engpass

ist auch der Korridor zwischen

Effretikon und Winterthur. Dieser

Verkehr

soll kurz- und mittelfristig durch

Spurausbauten, langfristig aber

mit einer Tunnellösung beseitigt

werden. Das im Dezember 2010

eröffnete Stadtbahnsystem für das

Glattal sowie die Erschliessung

von Zürich-West mit einer neuen

Tramlinie sind weitere Pro jekte,

die es ermöglichen werden, dass

der öffentliche Verkehr im Kanton

Zürich weiterhin seine Aufgaben

erfüllen kann und insbe sondere

auch die Vernetzung erhalten

bleibt.

Zürich ist aber auch bestens ans

europäische Bahnsystem angeschlossen.

Tägliche Verbindungen

in die Metropolen der umliegenden

Länder mit Tages- oder auch

Nachtzügen bieten attraktive

Alternativen zur Reise mit dem

Flugzeug.

Flughafen Zürich

Der Flughafen Zürich ist 1948 er -

öffnet und seither in mehreren

Etappen ausgebaut worden. Er ist

heute eine tragende Säule des

Wirtschaftsraums Zürich, sichert

den Unternehmen den Anschluss

an die wichtigsten Wirtschaftsmetropolen

der Welt und erfüllt den

Wunsch der Menschen nach

Mobilität. Ein paar Zahlen illustrieren

seine Bedeutung:

Rund 23 Millionen Passagiere

fliegen gegenwärtig jährlich vom

Flughafen Zürich ab, kommen

44


hier an oder steigen um, rund

24 000 Menschen arbeiten in rund

270 Firmen am Flughafen. 60

der 100 grössten Unternehmen

der Schweiz sind in einem Umkreis

von nur 50 Kilometern rund

um den Flughafen angesiedelt,

mehr als 70 in einem Umkreis von

100 Kilometern.

Förderung des

Velo- und

Fussgänger verkehrs

Die Förderung des Velo- und

Fussgängerverkehrs hat im Kanton

Zürich grosses Gewicht. So werden

jährlich bis zu 15 Millionen

Franken in den Ausbau des Velowegnetzes

investiert. Förderung

des Veloverkehrs aber auch

auf ganz praktische Art: In der

Stadt Zürich gibt es das Angebot

«Züri rollt»: An verschiedenen

Standorten stehen Velos bereit,

die Sie gratis benutzen können.

Ein Beispiel auch bezüglich Förderung

des Fussgängerverkehrs:

Für rund 7,6 Millionen Franken

wird der Zürichseeweg zwischen

Verkehr

Wädenswil und Richterswil inklusive

Renaturierung des Uferbereichs

erstellt. Rund die Hälfte dieses

1,6 Kilometer langen Stücks

verlaufen direkt am See. Damit

entsteht von Horgen bis Bäch im

Kanton Schwyz eine durchgehende,

attraktive Wegverbindung.

Der Traum von einem durchgehenden

Seeweg rund um den Zürichsee

wird wohl noch für einige Zeit

ein Traum bleiben. Es gibt aber

bereits einen 124 Kilometer langen

Zürichsee-Rundweg, der über

weite Strecken auf Hügelzügen

entlang des Sees angelegt ist und

immer wieder herrliche Ausblicke

auf den See möglich macht.

45


Das unterirdische Geheimnis

Hervorragende Position

im inter nationalen

Standortwettbewerb

Seit Jahren die Bestnote AAA

Wirtschaftsmotor der

Schweiz

Strukturen im Wandel

Starker Finanzplatz

Bedeutende Kreativwirtschaft

Grosse Kleinunternehmen

Wirtscha

Fin

Der Wirtschaftsraum Zürich bildet

das wirtschaftliche Zentrum der

Schweiz. Rund 1,8 Millionen

Beschäftigte erwirtschaften in

ungefähr 160 000 Betrieben ein

Volkseinkommen von jährlich etwa

200 Milliarden Franken, Baisse-

und Boomjahre ausgenommen.

Doch die Wirtschaft besteht nie

nur aus Zahlen. Sie besteht auch

aus Geschichten, Symbolen und

Mythen. Ein Ort, der diese drei

Aspekte in sich vereint, ist

der Paradeplatz.

46

49

52

53

53

53

54

54

57


03

ft und

anzen


Wirtschaft und Finanzen

48


Wirtschaft und Finanzen

Das unterirdische

Geheimnis

Was befindet sich eigentlich unter dem Parade platz,

dem weltberühmten Symbol des Wirtschaftsstand ortes

Zürich? Die Kurzgeschichte einer Suche:

Er liegt mitten in der Stadt Zürich. Weil hier die Grossbanken Credit Suisse

und UBS ihre Hauptsitze haben, gilt er als Sinnbild unseres Geldes,

ja gar unserer Volks- und Marktwirtschaft. Wird im Fernsehen ein Beitrag

über das Bankgeheimnis ausgestrahlt, sind die Worte mit Bildern

vom Paradeplatz unterlegt. Genauso, wenn es um Börsenturbulenzen,

Finanzkrisen, Managerlöhne oder Wirtschaftsprognosen geht. Dass der

Paradeplatz auch beim beliebten Gesellschaftsspiel Monopoly die teuerste

Schweizer Destination ist, die man erwerben kann, versteht sich

praktisch von selbst. Kurz: ein durch und durch faszinierender Ort. Ein

Ort auch, über den man gerne mehr wissen möchte. Zum Beispiel, was

sich eigentlich unter seiner herausgeputzten Oberfläche befindet.

Wenn man in den Geschichtsbüchern blättert, kommt man diesbezüglich

nicht viel weiter. Man erfährt zwar, dass der Platz im 18. Jahrhundert

als Handelsort für grunzende Tiere genutzt wurde, weshalb man

ihn damals «Säumärt» nannte. Oder, und hier kommen wir zurück zum

Thema Wirtschaftsstandort, dass die Kreditanstalt (also die heutige Credit

Suisse) ihre Niederlassung an der Nordseite des Platzes anno 1873

eröffnete, der Bankverein (also die heutige UBS) seinen Geschäftssitz an

der Westseite des Platzes dagegen erst 1899 fertigstellte.

Weil uns die Vergangenheit bei der Erforschung der Unterwelt des Paradeplatzes

nicht weitergebracht hat, setzen wir die Spurensuche in der

Gegenwart fort. Der erste Anruf geht ans Tiefbauamt – und er endet

mit einer Überraschung. Eine freundliche Dame erklärt, dass tatsächlich

keine Karte existiere, auf der alle Einrichtungen verzeichnet sind, welche

sich unter dem Paradeplatz befinden. Das öffnet nicht bloss ein Feld für

Spekulationen, sondern ruft auch den Goldgräberinstinkt hervor – wir

nehmen uns vor, das Rätsel zu knacken, das Geheimnis zu lüften, koste

es, was es wolle. Akribisch telefonieren wir alle Institutionen durch, die

von ihrer Aufgabe oder ihrer Geschäftstätigkeit her «da unten» etwas

haben könnten: das Wasserwerk, das Elektrizitätswerk der Stadt Zürich

(EWZ), das Departement für Entsorgung und Recycling (ERZ), die Verkehrsbetriebe

sowie Telekommunikationsunternehmen. Das Resultat ist

ernüchternd. Hier wie dort berichtet man von Leitungen, Rohren, Glas-

49


Wirtschaft und Finanzen

faserkabeln. Aber da ist niemand, der erklären kann, wie es da unten

wirklich aussieht. Hat es einen Hohlraum? Kann man stehen, oder bloss

kauern? Ist es kalt, warm oder heiss? Gibt es Tiere? Gar mysteriöse Fabelwesen?

Die Fragen bleiben Fragen. Die einzige Möglichkeit des gewöhnlichen

Bürgers, unter den Paradeplatz zu gelangen, ist die Treppe

im Tramhäuschen. Die führt zu den öffentlichen Toiletten und Duschen

und somit auch nicht viel weiter.

Der letzte Trumpf – die zwei Grossbanken. Die UBS verlangt eine Anfrage

per Mail, die Antwort bleibt kryptisch, nichtssagend. Anders die

Credit Suisse. Der Mediensprecher erzählt, dass die CS unter dem Paradeplatz

neben Kommunikationsleitungen auch Banksafes und Schliessfächer

besitze. Endlich eine konkrete Aussage! Und dann wird es plötzlich

richtig spannend, denn er fügt lachend hinzu: «Das ist jedenfalls das,

was ich Ihnen sagen darf.» Damit sagt er natürlich noch viel mehr, als er

sagen darf, obwohl er danach wirklich nichts mehr sagt. Was sich aber

wirklich unter dem Paradeplatz befindet, wissen wir immer noch nicht –

und werden es wohl auch nie erfahren.

Die Erkenntnis ist nicht gross, aber sie ist doch irgendwie beruhigend:

Wir haben mitten in der Zürcher City ein Geheimnis, das noch weitaus

sicherer und besser gehütet ist als das Bankgeheimnis! Und wenn es in

Zürich, wie manchmal gemunkelt wird, tatsächlich Gnomen geben soll,

haben wir nun mehr als bloss eine Ahnung, wo sie hausen.

50


Wirtschaftsraum Zürich

Metropolitanraum Zürich

Agglomeration Zürich

Stadt Zürich

104 Gemeinden Kanton Zürich,

25 Gemeinden Kanton Aargau,

3 Gemeinden

Kanton Schwyz

236 Gemeinden und Städte in den acht Kantonen

Zürich, Aargau, Thurgau, Schaffhausen, Schwyz,

St. Gallen, Zug und Luzern

Kantone Zürich, Zug, Schwyz,

Schaffhausen, Aargau, Thurgau, Glarus,

St.Gallen, Graubünden, Solothurn,

Luzern


Die Komponenten

des Volkseinkommens

Primäreinkommen

in Mio. CHF

67951

Private Haushalte

21095

Kapitalgesellschaften

Volkseinkommen

88 928

Private Haushalte

in Mio. CHF

68 804

pro Einwohner/in in CHF

Stand 2008

Wirtschaft und Finanzen

Hervorragende

Position im internationalenStandortwettbewerb

Der Kanton Zürich hat sich in den

vergangenen Jahrzehnten im

inter nationalen Standortwett be-

werb eine hervorragende Position

er arbeitet. Der Zuzug von namhaften

internationalen Unternehmen

sowie die Tatsache, dass

Zürich regelmässig in den vorderen

Rängen bei Studien zur Lebens-

und Standortqualität von Städten

und Regionen erscheint, beweist

eindrücklich die hervorragenden

Rahmenbedingungen für unter neh -

merisches Handeln. Die Fakto -

ren, die den Standort Zürich

nach vorne gebracht haben, sind

unabhängig von kurzfristigen

Konjunkturschwankungen: Das

politisch stabile Umfeld und die

Rechtssicher heit, die hohe Lebensqualität

– nicht zuletzt dank

einer intakten Umwelt und Landschaft

– sowie die erstklassigen

Verkehrsinfra strukturen bilden weiterhin

die Basis für Spitzenleistungen

in verschiedensten Bran-

52


chen. Mit seinen Hoch- und

Fachhochschulen, darunter die

international renommierten Institutionen

Universität und ETH,

verfügt der Kanton über ein

reiches Potenzial an exzellent

ausgebildeten Arbeitskräften.

Seit Jahren die

Bestnote AAA

Der Kanton Zürich ist auch ein

be gehrter Wohnort – weil er vielen

ein finanziell attraktives Umfeld

bietet: So haben die meisten Einwohnerinnen

und Einwohner einen

guten Zugang zu der ausgezeichneten

Infrastruktur des Kantons

und werden trotzdem steuerlich

nicht über Gebühr belastet.

Im schweizerischen Vergleich der

steuergünstigsten Kantone nimmt

Zürich bei den mittleren und ho-

hen Einkommen seit Jahren einen

Spitzen platz ein. Auch in der Finanzwelt

hat der Kanton Zürich

mit Blick auf seine Haushaltführung,

seine politische Verlässlichkeit

und seine Finanzkennzahlen

einen ausgezeichneten Ruf:

Seit Jahren erhält er von der

Ratingagentur Standard&Poor’s

die Bestnote AAA. Die Agentur

hat den Kanton Zürich auch

Wirtschaft und Finanzen

während der Finanzkrise für seine

flexible Finanzpolitik der letzten

Jahre gelobt und für seine Zukunft

durchwegs sehr zuversichtliche

Aussagen gemacht.

Wirtschaftsmotor

der Schweiz

Der Kanton Zürich ist der Wirtschaftsmotor

der Schweiz. Die

auf dem Kantonsgebiet ansässigen

rund 70 000 Unternehmen

erwirtschaften rund ein Fünftel

des schwei ze ri schen Bruttoinland

produkts (BIP). Am BIP

gemessen, hat der Kanton Zürich

europaweit eine der höchsten

Wertschöpfungsraten pro Einwohner.

Strukturen im

Wandel

Innert weniger Jahrzehnte hat sich

die wirtschaftliche Struktur des

Kantons Zürich radikal verändert.

Noch vor 80 Jahren stammten je

ein Drittel der Betriebe aus dem

primären (Landwirtschaft), sekundären

(Industrie und Gewerbe) und

tertiären Sektor (Handel, Banken,

Dienstleistungen). Dann wurde

Zürich zum Industriekanton: 1960

arbeiteten 46 Prozent der Beschäftigten

in der Industrie. Seit

1985 reduzierten sich die Beschäftigtenzahlen

in der Industrie

um rund ein Drittel (rund 69 000

Arbeitsplätze); allerdings entstan-

53


den im gleichen Zeitraum 137 000

Arbeitsplätze im Dienstleistungssektor

– insgesamt wuchs so die

Zahl der Beschäftigten im Kanton

Zürich zwischen 1985 und 2005

um rund zehn Prozent oder 68 000

Personen. Parallel mit dem Niedergang

der klassischen Industriestandorte

Winterthur und Rüti

begann der Aufstieg der Agglomerationsgemeinden

im Glatt- und

Limmattal.

Wirtschaft und Finanzen

Starker Finanzplatz

Der Finanzplatz Zürich zählt

zu den Top Ten der globalen

Finanzplätze. Rund 20 Prozent

aller Arbeit nehmenden der Stadt

Zürich arbeiten in der Finanzindustrie,

etwa 12 Prozent sind es

im Kanton Zürich. Entsprechend

bildet sie die eigentliche Schlüsselbranche

des Wirtschaftsstandorts

Zürich und generiert zudem fast

die Hälfte der Steuereinnahmen

der Stadt Zürich. Die Finanz- und

Wirtschaftskrise hat weltweit zu

grossen Veränderungen auf dem

Bankensektor geführt. Auch die

Schweiz und Zürich blieben von

dieser Ent wicklung nicht ganz

verschont. Trotz dem präsentiert

sich die Ausgangslage im internationalen

Vergleich in Zürich besser

als auf vielen Konkurrenzfinanzplätzen.

Die Staatsverschuldung

als wichtiger Standortfaktor bleibt

in der Schweiz im internationalen

Vergleich auf tiefem Niveau.

Bedeutende

Kreativwirtschaft

Nicht zu unterschätzen ist der

Stellenwert der Kreativwirtschaft

im Kanton Zürich. Sie umfasst

die Branchen Musik, Kunst,

Kunst handwerk, Film, Rundfunk,

Presse, Buch, Design, Werbung,

Architektur sowie Software/

Games. Diese Branchen beschäftigten

2008 im Kanton Zürich

rund 56 000 Menschen; dies ent -

spricht knapp 47 000 Vollzeitstellen.

Die Kreativwirtschaft be -

schäftigt also annähernd so viele

Personen wie der Finanzsek tor,

unterscheidet sich von die sem

aber fundamental in der Struktur:

Während sich die Arbeitsplätze im

Finanzsektor (inkl. Versicherungen)

auf 2700 Ar beits stätten verteilen,

ist die Kreativ wirtschaft stark

fragmentiert und umfasst mehr als

9900 Betriebe. Die Kreativwirtschaft

besteht vorwiegend aus

Klein- und Mikrounternehmen, oft

sogar aus Einpersonenbetrieben.

54


Bevölkerungsdichte

in den grössten Schweizer

Wirtschaftsregionen

(Einwohner pro km 2 )

168

Région lémanique

173

Espace Mittelland

542

Nordwestschweiz

782

Zürich

95

Ostschweiz

165

Zentralschweiz

Stand 2009

Wirtschaft und Finanzen

Beschäftigte

in den grössten Schweizer

Wirtschaftsregionen

731523

Région lémanique

853 261

Espace Mittelland

557517

Nordwestschweiz

796 888

Zürich

527 876

Ostschweiz

372 086

Zentralschweiz

Stand 2008

55


Wirtschaft und Finanzen

Beschäftigte nach Branchen, Kanton Zürich

Total 796 888

Sekundärer Sektor 143 122 18%

Verarbeitung und Herstellung 87 785 11%

Baugewerbe und Energieversorgung 55 337 7%

Tertiärer Sektor 653 466 82%

Handel und Verkauf 123 537 16%

Unterhaltung und Gastgewerbe 52 104 7%

Information/Kommunikation und Verkehr 84 117 11%

Finanzdienstleistungen 88 043 11%

Unternehmensdienstleistungen 127 427 16%

Administrative und soziale Dienste 178 238 22%

NOGA, Erhebungsjahr 2008

Arbeitsstätten, Beschäftigte und Vollzeitäquivalente

2001 2005 2008

Arbeitsstätten 70 176 68 047 70 282

Beschäftigte 750 960 733 396 796 888

Vollzeitäquivalente 637 349 614 742 667 984

Kanton Zürich, 2001, 2005 und 2008. Im Vergleich zu früher publizierten Zahlen handelt es sich bei

den Daten der Jahre 2001 und 2005 um revidierte Werte.

Quelle: Bundesamt für Statistik, Betriebszählungen 2001, 2005 und 2008

56


Grosse

Kleinunternehmen

Ein typisches Merkmal für die

Schweizer und Zürcher Volkswirtschaft

sind die vielen kleinen

Betriebe. Mehr als 99 Prozent

aller Unternehmen im Kanton

Zürich zählen zu den sogenannten

KMU (kleine und mittlere

Unternehmen) mit weniger als

250 Mitarbeitenden. Mehr respektive

weniger noch: Knapp zwei

Drittel aller Betriebe haben weniger

als 4 Arbeitsplätze, und 97

Prozent beschäftigen weniger als

50 Personen. Betrachtet man die

Beschäftigtenzahlen, so stellen

die weniger als 1 Prozent Grossunternehmen

allerdings 25 Prozent

der Arbeitsplätze zur Verfügung.

Für viele KMU ist ihre Grösse

(respektive Kleinheit) indes keine

Belastung, sondern ein Erfolgsfaktor:

gerade weil sie so klein

sind, können sie rasch und flexibel

auf Änderungen des Marktes

oder der Bedürfnisse ihrer

Kunden reagieren. Und häufig

set zen KMU neue Technologien

schneller und innovativer ein als

Grossunternehmen.

Wirtschaft und Finanzen

Messekanton Zürich

Ein paar Highlights aus dem

Messekalender Zürichs:

FESPO

Messe für Ferien und Freizeit; Januar

Swiss Moto

Motorrad- und Roller-Messe; Februar

Giardina

Garten- & Lifestyle-Messe; März

Blue-Tech

Marktplatz für effiziente Energie-

lösungen; September

Züspa

Zürcher Herbstmesse; Oktober

Gourmesse

Zürcher Geniessermesse; Oktober

Expovina

Zürcher Weinausstellung; November

Auto Zürich Car Show

Autoausstellung; November

Blickfang

Designmesse für Möbel, Schmuck,

Mode; November

57


0B Energie u

Behagliches Wohnklima

im Minergie-Haus

Einsatz für eine

umweltfreundliche

Energieversorgung

Abhängigkeit von fossilen

Energieträgern verringern

Intensive Bautätigkeit im

ganzen Kanton

60

63

63

65

Umw

In Zürich wird intensiv an

der Zukunft gebaut. Eine bessere

Aus nützung der inneren Reserven

soll dazu beitragen, die

vor handene freie Landschaft zu

erhalten und Infrastrukturen

effizient zu nutzen; nicht zuletzt

im Dienst einer intakten Umwelt

und einer nachhaltigen

Energieversorgung.

58


4au,

nd

elt


Minergie-Standard

hat sich etabliert

In den vergangenen Jahren

hat sich im Bauwesen der

Minergie-Standard etabliert,

der energieeffiziente Bauten

garantiert. Minergie-Neubauten

verbrauchen weniger als

einen Viertel der Energie, die

ein in den 1970er Jahren erstelltes

Gebäude verbraucht,

und bieten ihren Benutzerinnen

und Benutzern erst noch

einen besseren Komfort.

Zurzeit machen die neuen,

energieeffizienten Bauten erst

rund ein Prozent des Zürcher

Gebäudebestands aus. Das

Ziel ist, auch die zahlreichen

Altbauten energetisch zu

sanieren. In Zukunft werden

neben Bauten im Minergie-

Standard die im Verbrauch

noch sparsameren Minergie-

P-Standard-Häuser sowie

die Nullenergiehäuser an Be-

deutung gewinnen.

Bau, Energie und Umwelt

Behagliches

Wohnklima

im Minergie-

Haus

Mit dem Energiegesetz hat der

Kanton Zürich ein Instrument geschaffen,

um eine ausreichende,

wirtschaftliche und umweltfreundliche

Energieversorgung

zu fördern. Rund ein Drittel des

gesamten Energieverbrauchs geht

auf Kosten des Wohnens und der

Wärmebedarf von Gebäuden ist

für mehr als die Hälfte der CO2-

Emissionen verantwortlich. In den

letzten zehn Jahren hat die Fläche,

auf der Gebäude im Minergie-

Standard stehen, um über 200 000

Quadratmeter pro Jahr zugenommen.

Ein Minergie-Gebäude

braucht rund 60 Prozent weniger

Energie als ein konventioneller

Bau. Der Zürcher Architekt Erhart

Peier baut und wohnt in Minergie.

Das Haus mit

der Nummer ZH-062

1999 hat Erhart Peier in Greifensee ein Doppel-

Einfamilienhaus in Massivbauweise mit sehr

guter Schall- und Aussenwärmedämmung

sowie hinterlüfteter geschuppter Fassadenverkleidung

erstellt. Das Minergie-Gebäude,

das er selber bewohnt, ist von der kantonalen

Minergie-Zertifizierungsstelle (www.energie.

zh.ch) mit der Nummer ZH-062 zertifiziert

worden. Für den Bau seines Hauses verwendete

der Architekt unterhaltsarme, langlebige

Materialien und legte grossen Wert auf natürliche

und einheitliche Baustoffe. Wegen dem

60


Bau, Energie und Umwelt

hohen Grundwasserspiegel musste auf eine

Unterkellerung verzichtet und ein Hohlraum

unter der Erdgeschoss-Bodenplatte erstellt

werden.

Im Winter nur

mit dickem Pullover?

Erhart Peier erinnert sich noch gut an die

Bedenken seiner Frau in der Planungsphase.

So setzte sie Niedrigenergie mit wenig

heizen gleich und befürchtete, im Winter

nur noch mit dickem Pullover bekleidet

wohnen zu können. Auch bezüglich kontrollierter

Lüftung war sie skeptisch, da sie

glaubte, nur bei offenem Fenster Schlaf zu

finden. Das ganze Konzept hat sich jedoch

bestens bewährt, da der konstante geringe

Luftwechsel für frische Luft sorgt und somit

das Lüften ganz einfach vergessen geht. Im

Winter ist es daher stets angenehm warm

im ganzen Haus, und bei den wärmeren

Aussentemperaturen spielt es auch keine

Rolle, wenn die Fenster offen sind.

48 Franken

monatlich für

Heizung und

Warmwasseraufbereitung

Seit 1999 führt Ehefrau Beatrix Peier Buch

über die Energie- und Nebenkosten. So

liegen die Energiekosten für Heizung und

Warmwasseraufbereitung für die vergangenen

zehn Jahre bei Peiers im Durchschnitt

nur bei 48 Franken monatlich, was etwa einem

Drittel konventioneller Heizkosten entspricht.

Durch die inzwischen abgeschlossene

Bauaustrocknung sind die Heizkosten

61

Was ist Minergie?

Minergie ist ein eingetragenes

Markenzeichen für neue

und renovierte Gebäude.

Zusammen mit Gewerbe und

Industrie wird diese Marke

von der Schweizerischen

Eidgenossenschaft, den Kantonen

und dem Fürstentum

Liechtenstein gemeinsam

unterstützt.

Der reguläre Minergie-

Standard erfordert, dass der

allgemeine Energiekonsum

nicht höher als 75 Prozent

eines durchschnittlichen Ge -

bäudes ist und dass nicht

mehr als 50 Prozent des Ver-

brauchs aus fossilen Energien

gedeckt wird.

Der Minergie-P-Standard

definiert Gebäude mit einem

sehr niedrigen Energieverbrauch;

er ist in Bezug auf

den Heizenergieverbrauch

besonders anspruchsvoll.

Der Minergie-Eco-Standard

ergänzt die regulären Minergie-Anforderungen

mit

Umweltauflagen wie Rezyklierbarkeit,

Anforderungen

an die Raumluftqualität,

Lärmschutz, usw.

Minergie-Module sind Bau -

teile und Elemente der

Gebäudeausstattung, denen

eine ausserordentlich gute

Qualität in Bezug auf Energieeffizienz

bescheinigt wird.

www.minergie.ch.


So machten es die

Pfahlbauer

Gedanken, wie die Wärme

im Winter im Haus gehalten

werden kann, mussten sich

auch die Pfahlbauer machen,

die sich vor 5000 Jahren für

das Wohnen an den Ufern von

Zürich-, Greifen- oder Pfäffikersee

entschieden haben.

Die Hausdächer ihrer Pfahlbausiedlungen

waren mit

Stroh oder Schilf gedeckt, die

Wände aus Reisig eingeflochten

und mit Lehm verputzt.

Die Türöffnungen konnten sie

mit Holzbrettern und Scharnieren

aus Seilen schliessen.

Fenster gab es so gut wie

keine, da die Wärme durch

das Herdfeuer im Winter im

Haus gehalten werden sollte.

Im Dach befand sich eine

Öffnung für den Rauchabzug

des Herdfeuers, das zugleich

die Heizung war und auch

etwas Licht in die dunklen

Nächte brachte.

Auf dem Gebiet der Gemeinde

Greifensee sind bis jetzt

vier Fundstellen früherer

Pfahl bausiedlungen bekannt.

Sie liegen rund drei Meter

unter dem heutigen Wasserspiegel.

Die Fundgegenstände

sind 3000 bis 5000 Jahre

alt und in einer Vitrine in der

Eingangshalle des Gemeindehauses

von Greifensee

ausgestellt. Übrigens: Als

eine der weltweit am besten

erforschten prähistorischen

Siedlungskammern gilt das

untere Zürichseebecken!

Bau, Energie und Umwelt

in den letzten Jahren sogar nochmals merklich

gesunken. Die Minergie-Bauweise mit

guter Aussenisolation, die dichte Gebäudehülle

und die kontrollierte Lüftung mit Wärmerückgewinnung

sind wesentliche Faktoren

für die tiefen Energiekosten und auch für

die Behaglichkeit.

In der anderen Hälfte des Doppel-Einfamilienhauses

wohnt seit fünf Jahren Yvonne

Schneibel mit ihrem Mann und den beiden

Kindern. Die Familie schätzt das ausgeglichene

Wohnklima, das dank der kontrollierten

Lüftung mit Wärmerückgewinnung in

allen sechs Zimmern herrscht. Um sich vor

dem Lärm der Hauptstrasse zu schützen,

die direkt vor dem Haus durchführt, können

bei Schneibels die Fenster problemlos

geschlossen bleiben, denn die Räume sind

trotzdem angenehm gelüftet. Ist ein Fondueabend

angesagt, wird der dreistufige

Regler der kontrollierten Lüftung einfach auf

die maximale Stufe gestellt und nach Kurzem

ist die Luft wieder rein.

62


Bau, Energie und Umwelt

Einsatz für eine

umweltfreundliche

Energieversorgung

Durch das Energiegesetz soll die

Energie effizienter angewendet und

erneuerbare Energieträger sollen

vermehrt genutzt werden. Im Ge -

bäudebereich hat sich denn in den

letzten Jahren auch einiges bewegt.

Hat 1970 ein neu gebautes

Haus rund 20 Liter Heizöl pro Jahr

und Quadratmeter Wohnfläche

für Heizung und Warmwasser benötigt,

liegt heute der gesetzlich

maximal zulässige Wert bei rund

4,8 Litern. Mit dem Minergie-Standard

werden sogar nur noch vier

Liter benötigt.

Der Regierungsrat will zudem den

Ausstoss an CO2 massiv senken.

Heute beträgt er 6 Tonnen pro

Einwohner und Jahr, das Ziel sind

rund 2 Tonnen. Auf den Treibstoffverbrauch

von Fahrzeugen hat

der Kanton Zürich keinen Einfluss,

wohl aber auf den Wärmebedarf

von Gebäuden, und der ist für mehr

als die Hälfte der CO2-Emissionen

verantwortlich.

Abhängigkeit

von fossilen Energieträgern

verringern

Die Energieversorgung des Kantons

Zürich basiert zu drei Vierteln

auf Erdöl und Erdgas. Den verbleibenden

Energiebedarf deckt zu

gut 20 Prozent die Elektrizität, den

Rest Abwärme und Wärme aus

erneuerbaren Quellen wie Holz,

Sonne und Erdwärme. Der im Kan -

ton Zürich verbrauchte Strom

stammt vorwiegend aus Wasser-

und Atomkraftwerken und der

Abwärme von Kehrichtverbrennungsanlagen,

zu einem kleinen Teil

aber bereits auch aus erneuerbaren

Energiequellen wie Solaranlagen

und Biomassekraftwerken.

Die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern

ist nicht nur wegen der

Klimaerwärmung problematisch,

sondern auch volkswirtschaftlich

bedenklich – die enormen Ölpreisschwankungen

im Jahr 2008

waren eine Warnung. Umstellung

auf erneuerbare Energien und

effizientere Energienutzung lauten

deshalb die Aufgaben der Zukunft.

63


35 200

1989

Erdgas

36 000

1993

Erdöl

Energieverbrauch

Elektrizität

Abwärme,

erneuerbare Energien

Gesamtenergiebedarf

in GWh

37 500

1997

Licht, Geräte

10%

Elektrizität

38 600

2001

Verkehr

31%

Erdöl

Elektrizität

40 100

2005

Oben: Die Entwicklung des Gesamtenergieverbrauchs im Kanton Zürich in den letzten Jahren.

Kreis unten links: Anteile der einzelnen Energieträger.

Kreise unten rechts: Licht und Geräte, mit einem Anteil von 10% am gesamten Energieverbrauch

(100% Elektrizität), sowie Verkehr mit einem Anteil von 31% (Erdöl und Elektrizität).

Stand 2008


Bau, Energie und Umwelt

Intensive Bautätigkeit

im ganzen

Kanton

In den vergangenen Jahren wurden

alle Regionen des Kantons von

einer intensiven Bautätigkeit er -

fasst. In den vier Stadtlandschaften

Zürich, Limmattal, Glattal und

Winterthur wurden vor allem einzelne

Entwicklungsgebiete wie

Zürich-West, Zürich-Nord oder Winterthur-Zentrum

stark ausgebaut.

Die höchste bauliche Dichte findet

sich denn auch in der Stadt Zürich.

Überdurchschnittlich intensiv

genutzt wurden zudem Bauzonen

im Limmattal. Die Regionen

Glattal, Furttal, Stadt Winterthur

und Zimmerberg weisen ebenfalls

Werte auf, die über dem kantonalen

Mittel liegen. Unter dem

kantonalen Mittel der Bautätigkeit

liegen die ländlichen Regionen

Oberland Ost und Weinland.

Unbestritten ist, dass die anhaltende

Ausdehnung des bereits

dicht besiedelten Agglomerationsund

Wirtschaftsraums Zürich

negative Konsequenzen für die

Umwelt hat. Seit Anfang der

1990er-Jahre wurden im Durchschnitt

rund 150 Hektaren Bauzone

pro Jahr neu überbaut. So steht

die Landschaft – und mit ihr der

Boden, die Gewässer und die

Lebensräume – weiterhin unter

hohem Druck.

Gleichzeitig kam es vielerorts zu

einer intensiveren Nutzung der bereits

weitgehend überbauten

Bauzonen. Eine bessere Ausnützung

der inneren Reserven soll auch

in Zukunft dazu beitragen, die

noch vorhandene freie Landschaft

zu erhalten, die Ausdehnung der

Besiedlung zu begrenzen und

Infrastrukturen effizient zu nut zen.

Dadurch ergibt sich die Chance,

die Ortskerne zu beleben, attraktiver

zu gestalten sowie Wohnraum

und Arbeitsplätze an mit dem

öffentlichen Verkehr gut erschlossenen

Lagen zu schaffen.

Viele brachliegende Industrie- und

Gewerbeflächen – zum Teil auch

sanierte Altlastenflächen – können

in Städten und Agglomerationen

einer neuen Nutzung zugeführt

werden.

65


05

ultur

Zürich verfügt als Kulturplatz über eine

inter nationale Ausstrahlung. Attraktive Bühnen

bieten ein breites Spektrum von spannenden

Theateraufführungen an. Renommierte Orchester

und ein Opernhaus von Weltruf ziehen Musikfreunde

an, während die bildende Kunst

beispielsweise in der Winterthurer Museenlandschaft

mit weltberühmten Gemälden oder

zeitgenössischer Fotografie vertreten ist.

Eine vielfältige Clubszene macht Zürich zu einer

der Hauptstädte zeitgenössischer Musik. Das

breite kulturelle Angebot trägt in hohem Masse

zur Attraktivität des Kantons und zur

Lebensqualität bei.


Opernhaus Zürich

Casinotheater Winterthur

Theater Ticino, Wädenswil

Theaterspektakel Zürich

Kunsthaus Zürich

Live at Sunset Festival, Landesmuseum Zürich

Musikkollegium Winterthur


Spielerisch lernen

Individuelle Förderung

Gutes schulisches und

ausserschulisches Angebot

Internationale Schulen

Sprachenvielfalt

Berufsbildung oder

gymnasialer Weg?

Ein Kanton, drei Hochschulen

Zürcher Filmwirtschaft

Partizipation macht glücklich

Forschung der Spitzenklasse

Schu B

Spielerisch

lernen

In der Grundstufe Goldbühl in

Wetzikon im Zürcher Oberland

spielen und lernen vier- bis

achtjährige Kinder gemeinsam.

Betreut werden die 45 Kinder von

einem fünfköpfigen Lehrerteam.

Was sich wie eine «Mission

impossible» anhört, ist in Tat und

Wahrheit ein Projekt, bei dem

Kinder, Lehrpersonen und Eltern

gemeinsam profitieren. Ein

Schulbesuch.

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06

le und

ildung

77


Schule und Bildung

Seit fünf Jahren ist das Schulhaus Goldbühl ins Volksschulamt-Projekt

«Schulversuch Grundstufe» eingebunden. Dabei werden die Kindergartenstufe

und die erste Klasse zusammengeführt und die Kinder gemeinsam

geschult. Im ganzen Kanton gibt es in 21 Gemeinden 86 Klassen,

die an diesem befristeten Versuch teilnehmen. In den nächsten Jahren

wird im Kanton Zürich entschieden, ob das Modell zum Standard wird –

oder ob es beim Kindergarten bleibt.

Es ist Viertel vor acht. Die Schulzimmer sind leer. Fast zumindest. Drei

Personen huschen durch die Räume, die nach Farben benannt sind,

welche die Funktion definieren. Das blaue Zimmer ist der Ort der Stille.

Hier wird ruhig gespielt oder konzentriert gearbeitet, sei es am Computer,

sei es im Heft, das «Lernspur» heisst und für jedes Kind eine Art Reisetagebuch

durch das Abenteuer Grundstufe darstellen soll. Das gelbe

Zimmer ist die Kreativwerkstatt. Hier wird genagelt, gesägt, gehämmert,

genäht, geschnitten oder gebohrt; hier entstehen Puppen, Scherenschnitte,

Kerzenständer oder sonstige wunderbare Objekte. Das rote

Zimmer schliesslich ist die eigentliche Spielwiese. In der Ecke steht ein

Trampolin, hier hat es Kleider fürs «Theäterle», Lernspiele und Autos.

Und, wichtig: Im roten Zimmer darf man jauchzen, johlen, lachen und

sich auf positive Art austoben.

Zurück zu den drei Personen. Sie heissen Hildegard Schelbert, Ruth

Beck und Klaus-Peter Grundkötter und sind die Vollzeit-Lehrpersonen

im Goldbühl. Hildegard Schelbert und Ruth Beck sind ausgebildete Kindergärtnerinnen,

sie haben schon früher zusammen unterrichtet. Klaus-

Peter Grundkötter ist gelernter Primarlehrer, er stiess beim Start des

neuen Grundstufenmodells dazu. Sie sind jene drei Lehrkräfte, welche

die 15 Buben und 30 Mädchen die Woche hindurch begleiten.

Unterstützt werden sie stundenweise im Teamteaching von einer Fachperson

für Deutsch als Zweitsprache und einer Fachperson für schulische

Heilpädagogik. Auch wenn Hildegard Schelbert, Ruth Beck und

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Leon

Tim

Leandro

Luca

David

Nico

Noah

Gian

Julian

Levin

Andrin

Nils

Matteo

Alexander

Jan

Liam

Elias

Jonas

Diego

Finn

Lukas

Joel

Laurin

Gabriel

Loris

Maximilian

Dario

Janis

Linus

Daniel

Schule und Bildung

Die beliebtesten Knabennamen 2009

Klaus-Peter Grundkötter gemeinsam für die

Kinderschar verantwortlich sind, haben sie

der einfacheren Organisa tion wegen sogenannte

Stammgruppen à 15 Schülerinnen

und Schüler gebildet.

Es ist kurz nach acht. Hildegard Schelbert

ist mit fünfzehn «Knöpfen» im blauen Zimmer.

Alle sitzen im Kreis und singen ein

Gute-Morgen-Lied. Neben einem Mädchen

sitzt auch die Mutter. Das Mädchen weint,

es wirkt traurig, verunsichert, die Mutter hält

die Hand, versucht zu beruhigen. Zur selben

Zeit ist Ruth Beck im gelben Zimmer.

Sie hilft beim Suchen des Hammers oder

beim Einklemmen eines Holzklotzes. Auch

im roten Zimmer sitzen 15 Kinder im Kreis.

Ihre Aufmerksamkeit gilt jedoch nicht Lehrer

Grundkötter, sondern dem am Boden sitzenden

Verkehrspolizisten. Dieser erklärt mit

einer Fuchspuppe namens Ferox und einem

Fussgängerstreifen aus Plastik die Theorie

des «Luege-Lose-Laufe», welche später auf

der richtigen Strasse in die Praxis umgesetzt

wird. Zu diesem Zeitpunkt hat man den Eindruck,

einem ganz normalen Unterricht beizuwohnen.

Die Morgenrituale sind vertraut,

aussergewöhnlich ist höchstens, dass die

81


Schule und Bildung

Mutter tröstend neben ihrer Tochter sitzen darf – und dass die Unterrichtssprache

in diesem Moment Hochdeutsch ist.

Eine Stunde später aber offenbart sich ein anderes Bild. Im blauen Zimmer

helfen zwei ältere Mädchen einem Knaben beim Lösen von Rechenaufgaben.

Sie tun es so, wie Kinder generell Dinge erklären – mit

Fantasie und mit Bildern, die sie kennen. Nebenan macht Ruth Beck

mit der Digitalkamera ein Foto von einem Jungen und seiner Holzarbeit.

Das Foto wird in den Computer eingelesen, ausgedruckt und kommt ins

«Lernspur»-Heft des Jungen, versehen mit einem Datumsstempel. Dazu

schreibt Ruth Beck: «Du hast ein schönes Kunstwerk aus Holz gebastelt.

Mit welchen anderen Materialien könntest du auch noch ein Kunstwerk

basteln?» Im roten Zimmer spielen ein paar Mädchen Memory.

Klaus-Peter Grundkötter steht daneben, hilft beim Schälen einer Orange

und stellt Fragen zu den Tieren, die auf den Memory-Karten abgebildet

sind. Eine simple Methode, aus einem normalen ein besonderes Spiel zu

machen. Die drei Pädagogen sind präsent, handeln aber zurückhaltend.

Oft beantworten sie eine Frage mit einer Gegenfrage, je nach Alter des

Kindes ist es eine einfachere oder eine anspruchsvollere. Wenn jemand

lernen will, wie man die Schuhe bindet, nehmen sie dies genauso ernst,

wie wenn es um eine philosophische Kinderfrage geht.

Die Uhr zeigt zehn Uhr, Zeit für die grosse Pause. Während Ruth Beck

und Klaus-Peter Grundkötter mit den Kindern auf den Pausenplatz gehen,

bildet Hildegard Schelbert im blauen Zimmer aus Stühlen und Bänken

einen Kreis. Hier sitzen alle 45 Kinder nach der Pause. Das ist ein wö-

82


Lara

Sophie

Mia

Laura

Julia

Sara

Anna

Nina

Alina

Alessia

Leonie

Lia

Sophia

Chiara

Lena

Elena

Livia

Lina

Noemi

Sofia

Emma

Giulia

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Nora

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Selina

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Schule und Bildung

chentliches Ritual: Alle kommen zusammen

und besprechen gemeinsam ein Thema,

ein Erlebnis, einen Wunsch.

Ruth Beck ergreift das Wort. Sie erzählt,

dass sie mit Linus in der Pause die Baustelle

in der Nähe des Schulhauses beobachtet

hat, und dass sie zusammen gesehen haben,

wie der Bagger die Steine in den Kipper

des Lastwagens geworfen hat. Linus, sagt

Ruth Beck, habe einen Bagger, aber keinen

Kipper. Er würde aber gerne auch einen Kipper

haben. Dann fragt sie in die Runde, wer

diese Idee gut finde. Fast alle Hände gehen

in die Höhe. Linus strahlt. Ruth Beck fragt,

wie man zu einem solchen Kipper kommen

könne. «Wir könnten ihn aus Holz basteln.»

– «Wir könnten einen aufzeichnen und von

einem Handwerker bauen lassen.» – «Linus

kann meinen Kipper ausleihen, ich habe einen

zu Hause, er darf gerne mit ihm spielen.»

– «Wir könnten einen kaufen.» Linus

wird gefragt, was er tun möchte. «Einen

kaufen.» Ruth Beck fragt die Kinder, ob sie

einverstanden wären, und ein vielstimmiges

«Jaaaaaaa!» geht durch den Raum. Dann

wendet sie sich an Klaus-Peter Grundkötter,

den «Schatzmeister» der Schule, und

fragt ihn, ob noch genug Geld in der Kasse

sei. Er sagt, er müsse nachschauen, denke

aber, dass sich da was machen lasse. Die

Kinder jubeln. Es wird gemeinsam entschieden,

dass Linus und ein paar Kameraden

Die beliebtesten Mädchennamen 2009

83


Schule und Bildung

zusammen den Katalog durchschauen und

einen Kipper aussuchen werden. Eine Lektion

Lebensschule, vermittelt auf einfache und

spielerische Art und Weise.

Es ist halb zwölf. 15 Kinder sitzen im Kreis.

Nacheinander präsentieren sie ihr Tagwerk;

sei es ein Spiel, die Rechenaufgaben, eine

kleine Webarbeit. Die anderen Kinder dürfen

dazu Fragen stellen. Mittendrin sitzt auch

das Mädchen, das am Morgen geweint hat

und am liebsten mit seiner Mutter wieder

nach Hause gegangen wäre. Es lacht. Hildegard

Schelbert fragt, ob es froh sei, dass es

geblieben sei. «Ja, ich bin sehr froh. Und ich

freue mich schon auf morgen.» Dann steht

es auf, nimmt die Hand der Freundin, und

zusammen hüpfen sie zum Ausgang.

84


11 obligatorische Schuljahre >

2 4 6 8 10 12 14

Schuljahre

Universität

ETH

Gymnasiale

Maturitäts schulen

Untergymnasium

Das Schulsystem im Kanton Zürich

Päda-

go-

gische

Hoch-

schule

Hochschule der

Angewandten

Wissen schaften

Fachmaturität

Fachmittelschulen

Hochschule

der Künste

Quelle: Volksschulamt

Berufliche

Grundbildung

Höhere

Fachschulen

Berufsmaturität

Vorbe-

reitung

auf eidg.

Berufs-

und höhere

Fach-

prüfungen

Lehrbetriebe

Berufsfach schulen

Sekundarstufe A, B und C

Primarschule

Kindergarten

Sekundarstufe I und II Tertiärstufe Weiterbildung

Primarstufe


Individuelle

Förderung

Eines der zentralen Ziele des

Zür cher Bildungswesens ist die

Chancengleichheit. Jedes Kind

soll die bestmögliche Ausbildung

erhalten und dabei individuell

während seiner ganzen Schulzeit

gefördert werden – ob Knabe

oder Mädchen, hochbegabt,

durchschnittlich oder lernschwach,

Früh- oder Spätzünder, deutsch-

oder fremdsprachig, behindert

oder nicht behindert. Dazu braucht

es ein Schulangebot, welches

den Fähigkeiten, Möglichkeiten

und Bedürfnissen aller Kinder

und Jugendlichen Rechnung trägt.

Dementsprechend flexibel und

durchlässig ist das Zürcher Schulsystem.

Der Besuch der öffentlichen

Volksschule ist unentgeltlich.

Schule und Bildung

Gutes schulisches

und ausserschulisches

Angebot

Über 70 Prozent des Zürcher

Stimmvolks haben vor einigen

Jahren Ja gesagt zu einem neuen

Volksschulgesetz, das die Schu -

len des Kantons Zürich nachhaltig

verändert. So ist zum Beispiel

der Besuch des Kindergartens seit

dem Schuljahr 2008/09 obligatorisch

– womit sich die obligatorische

Schulpflicht im Kanton

Zürich von neun auf elf Jahre ver -

längert. Auch verpflichtet das

Gesetz die Gemeinden, bis zum

Schuljahr 2010/11 Tagesstrukturen

für alle Schülerinnen und

Schüler zu schaffen. Dazu gehören

Tagesschulen, Blockzeiten, Horte,

Kinderkrippen, Schülerclubs,

Mittagstische oder Tagesfamilien.

Die Angebote sind kommunal

unterschiedlich und vor allem in

den grösseren Gemeinden bereits

heute gut ausgebaut. Die Tagesstrukturen

lassen sich modulartig

wählen und sind kostenpflichtig.

Der von den Eltern zu bezahlende

86


Betrag hängt von ihrem Einkommen

ab, sodass wirklich alle Schü-

ler innen und Schüler daran teilhaben

können.

Zu den ausserschulischen

Bildungsangeboten gehören im

Kanton Zürich auch die Leistungen

der Kinder- und Jugendhilfe und

der Berufsberatung. Es sind Leistungen

in den Bereichen Mütter-/

Väter- und Erziehungsbera tung,

Elternbildung, Alimentenhilfe und

Stipen dien sowie Unterstützungsangebote

im Berufswahlprozess

und bei der Laufbahnberatung.

Internationale

Schulen

Im Kanton Zürich gibt es eine

Reihe von internationalen Schulen.

Sie sind speziell ausgerichtet auf

Kinder von international mobilen

Eltern, die vorübergehend im Kanton

Zürich wohnhaft sind:

– Schulen mit Unterrichtssprache

Englisch und internationalem

Curriculum:

Inter-Community School Zürich,

Zurich International School,

Swiss International School

Zurich North + Zurich West,

International School Winterthur

Schule und Bildung

– Unterrichtssprache Französisch:

Lycée Français de Zurich

– Unterrichtssprache Japanisch:

Japanische Schule Uster

– Zweisprachige Schulen

(Deutsch/Englisch) mit Unterricht

nach Zürcher Lehrplan

und Orientierung an internationalen

Rahmenplänen

Sprachenvielfalt

Der Deutschunterricht beginnt

schon in der ersten Primarklasse.

In der zweiten Klasse kommt

Englisch hinzu, und ab der fünf ten

Primarklasse der Französischunterricht.

Fremdsprachigen Kindern

und Jugendlichen offerieren die

öffentlichen Schulen den Anfangsunterricht

Deutsch als Zweitsprache

(DaZ), damit sie dem Unterricht

besser folgen können. In der

Stadt Zürich besuchen fremdsprachige

Kinder nach ihrer Ankunft

in der Schweiz zunächst eine

separate Einschulungs klasse. Dort

lernen sie Deutsch und wer den

gleichzeitig in die neuen Lebensumstände

eingeführt.

Berufsbildung oder

gymnasialer Weg?

Im Verlaufe der Schulzeit müssen

immer wieder Weichen gestellt

werden. Zum Beispiel: Wie geht es

weiter nach sechs Jahren Primar-

schule? Sekundarschule oder

87


Lang gymnasium? Oder Übertritt

ins sogenannte Kurzgymnasium

nach der zweiten oder dritten

Sekundarklasse?

Im Rahmen der Neugestaltung

des dritten Sekundarschuljahres

absolvieren alle Schülerinnen

und Schüler einen computergestützten

Test. Dieser dient als

Grundlage für die gezielte individu

elle Förderung der fachlichen

Kompetenzen der Jugendlichen

im Hinblick auf weiterführende

Schulen oder die Berufswahl.

Denn im Kanton Zürich beginnen

jedes Jahr über 10 000 Jugendliche

nach Abschluss der Sekundarschule

eine zwei- bis vierjäh rige

berufliche Grundbildung; den

Abschluss bildet je nach Art und

Dauer der Ausbildung ein eidgenössisches

Fähigkeitszeugnis (EFZ)

oder ein eidgenössiches Berufsattest

(EBA). Damit die Lehrbetriebe

besser beurteilen können, ob sich

Bewerbende für eine Lehrstelle

eignen, erarbeiten die Sekundarschülerinnen

und -schüler neu ein

sogenanntes Berufswahl-, Bewerbungs-

und Abschlussportfolio.

Während oder nach der Lehre

kann die Berufsmaturität erlangt

werden; sie ermöglicht den Besuch

einer Fachhochschule.

Schule und Bildung

Eben falls zur Berufsmaturität führt

der Besuch einer Infor matik- oder

Handelsmittelschule. Auf dem

vollschulischen Weg führt die

Fachmittelschule zur Fachmaturität,

die den Zugang zu bestimmten

Studiengängen an einer

Fachhochschule eröffnet.

Voraussetzung für ein Studium an

der Universität Zürich oder an

der Eidgenössischen Technischen

Hochschule (ETH) ist eine kantonale

oder eidgenössische Maturität.

Diese kann entweder am

Gymnasium oder auf dem zweiten

Bildungsweg an der kantonalen

Maturitätsschule für Erwachsene

erlangt werden.

Der Kanton führt folgende Maturitätsausbildungsgänge:

– Langgymnasium, Dauer

6 Jahre

– Kurzgymnasium, 4 Jahre

– Liceo Artistico, 5 Jahre

– Kunst- und Sportgymnasium,

5 Jahre

Kantonale Maturitätsschule

für Erwachsene (KME)

– Handelsmittelschule (HMS),

4 Jahre, inkl. 1 Praxisjahr

– Informatikmittelschule (IMS),

4 Jahre, inkl. 1 Praxisjahr

– Fachmittelschule (FMS),

3 Jahre mit Fachmittelschulausweis,

4 Jahre mit Fachmaturität

– Berufsmaturitätsschule,

3 oder 4 Jahre

88


An einigen Kurz- und Langgymnasien

werden zusätzlich die

Ausbildungsgänge zweisprachige

Maturität (Deutsch/Englisch,

Deutsch/Französisch) angeboten.

Das Liceo Artistico bietet ausschliesslich

den zweisprachigen

Ausbildungsgang Deutsch/Italienisch

an.

Ein Kanton,

drei Hochschulen

Zürich ist das eigentliche Hochschulzentrum

der Schweiz. Zur

Wahl stehen:

Die vom Kanton getragene Universität

Zürich (UZH). Mit 26 000

Studierenden, 7 Fakultäten und

etwa 150 Instituten ist sie die

grösste Universität der Schweiz.

Sie gehört zu den besten Forschungsuniversitäten

Europas und

bietet schweizweit das breiteste

Angebot an Studienfächern.

Die vom Bund getragene Eidgenössische

Technische Hochschule

(ETH), welche weltweit einen her-

vorragenden Ruf geniesst und

ihren über 16 000 Studierenden

Lehrgänge in den Bereichen

Mathematik, Naturwissenschaften

sowie Ingenieur- und Informatikwissenschaften

anbietet.

Schule und Bildung

Die stärker praxisorientierte Zürcher

Fachhochschule (ZFH)

mit ihren drei staatlichen und zwei

privaten Hochschulen:

– Pädagogische Hochschule

Zürich (PHZH; staatlich)

– Zürcher Hochschule für

Angewandte Wissenschaften

(ZHAW; staatlich)

– Zürcher Hochschule der

Künste (ZHdK; staatlich)

– Hochschule für Wirtschaft

Zürich (HWZ; privat)

– Hochschule für Technik Zürich

(HSZ-T; privat)

Die über 14 000 Studierenden der

ZFH haben die Wahl zwischen

Vollzeit- und berufsbegleitenden

Bachelor- und Masterstudiengängen

in verschiedenen Fachbereichen.

89


Zürcher

Filmwirtschaft

Zürich ist nicht nur das Zentrum

der schweizerischen Filmindustrie,

hier befinden sich auch die grossen

Fernsehstudios. In diesem

Umfeld bietet die Hochschule der

Künste (ZHdK) eine attraktive

Filmausbildung an. Der Master in

Film ist als Kooperationsstudiengang

der ZHdK mit Partnerhochschulen

in der Romandie und meh-

reren Universitäten der Schweiz

konzipiert, darunter auch mit den

Filmwissenschaften in Zürich. An

europäischen Festivals haben

Abschlussfilme aus Zürich zahl rei-

che Awards, Nominierungen und

Prämierungen gewonnen. Zürich

sorgt für Nachwuchs in Hollywood

und Europa.

Partizipation

macht glücklich

Neben der naturwissenschaftlichen

und medizinischen Forschung

haben auch die Sozialwissenschaften

auf dem Hochschulplatz

Schule und Bildung

Zürich Tradition. Heute ist die

wirtschaftswissenschaftliche

Fakultät mit einem Schwerpunkt

in der Erforschung der Grundlagen

menschlichen Sozialverhaltens,

insbesondere des Spannungsfeldes

Altruismus und Egoismus, ein

weltweit anerkannter Trendsetter.

Der Benoist-Preisträger Professor

Ernst Fehr und sein Team überraschen

regelmässig mit neuen

Erkenntnissen wie der Tatsache,

dass Partizipation glücklich macht

und die Bestrafung von Normbrechern

Ausdruck eines tiefen

menschlichen Bedürfnisses nach

Gerechtigkeit ist.

Forschung

der Spitzenklasse

Ein Blick in die Liste der «Zürcher»

Nobelpreisträger zeigt, dass

ETH und Universität in der wissenschaftlichen

Champions League

mitspielen: In den letzten 35 Jah-

ren ging die begehrte Auszeichnung

an sieben Forscher dieser

Institutionen. Aushängeschilder

der Universität Zürich sind un ter

anderen die Institute für Hirnforschung,

Neuroinformatik, Virologie

90


und Neurologie sowie die Klinik

für Herz- und Gefässchirugie.

Weltruf bei der ETH geniessen die

Nano- und Biotechnologie, Informatik

sowie die Werkstoff- und

Ma terialwissenschaften.

Schule und Bildung

1975 Vladimir Prelog (ETH) Chemie

1978 Werner Arber (ETH) Medizin

1986 Heinrich Rohrer und

Gerd Binnig (ETH, IBM) Physik

1987 Georg Bednorz und

Karl Alexander Müller

(UZH, IBM) Physik

1991 Richard Ernst (ETH) Chemie

1996 Rolf Zinkernagel (UZH) Medizin

2002 Kurt Wüthrich (ETH) Chemie

Die «Zürcher» Nobelpreisträger seit 1970

91

Folgende Doppelseite:

Versuchsanordnung

am Laboratorium

für Künstliche Intelligenz

der Universität Zürich


Täglich sechs Tonnen

Medikamente

Gut ausgebaute

Gesundheitsversorgung

65 Prozent sind mit dem

Gesundheitssystem zufrieden

bis sehr zufrieden

Gesamtstrategie für die

hochspezialisierte Medizin

Aktive Förderung der

Gesundheit

Gesu

Die medizinische Versorgung

eines der dichtest besiedelten Ballungszentren

Europas stellt hohe

Ansprüche an die Leistung, die

Qualität und die Innovationskraft

des Gesundheitswesens.

Die hervorragend ausgebaute

und allgemein zugängliche Grundversorgung

im Kanton Zürich wird

ergänzt durch Spitzenleistungen in

Wissenschaft und Forschung.

94

97

101

104

105

105


07

ndheit


Gesundheit

Täglich

sechs Tonnen

Medikamente

Gestelle, auf denen Fläschchen

stehen, die alle mit blauer Flüssigkeit

gefüllt sind, das Blau schön

abgestuft von hell bis dunkel.

Dieser Anblick bietet sich, wenn

Besucherinnen und Besucher im

Eingangsbereich der Kantonsapotheke

Zürich stehen. Ein cooles

Ambiente, das nur in Ansätzen

erahnen lässt, was sich dahinter

befindet: eine Spitalapotheke

eindrücklichen Ausmasses, eines

der grössten pharmazeutischen

Kompetenzzentren der Schweiz

mit einem vielseitigen

Leistungsspektrum.

Säugling Tim schläft ruhig in seinem Brutkasten.

Er ist elf Wochen zu früh zur Welt

gekommen. Ernährt wird der kleine Erdenbürger

mittels einer Sonde und einer speziellen,

von der Kantonsapotheke Zürich

produzierten Nährlösung für früh geborene

Kinder. Ein Glück für den Kleinen, denn auf

dem freien Markt gibt es kein entsprechendes

Produkt.

97


Gesundheit

Frau Müller wird mit der Ambulanz auf die Notfallstation gebracht. Sie leidet

unter starken Schmerzen. Die junge Frau ist mit dem Fahrrad gestürzt

und hat sich das Schlüsselbein gebrochen. Sie wird sofort medizinisch

versorgt und erhält die von der Kantonsapotheke gelieferte Infusion und

ein Schmerzmittel. Die anschliessende Operation verläuft erfolgreich und

ohne Komplikationen.

Herr Zürcher hat vor sechs Tagen eine Knochenmarktransplantation erhalten.

Nun benötigt er verschiedenste Spezialmedikamente, damit sein

Körper die gespendeten Knochenmarkzellen nicht abstösst. Neben dem

Patienten stehen eine Flasche und ein Glas. Er trinkt steriles Mineralwasser,

das von der Kantonsapotheke speziell hergestellt wurde. Seine

Rettung, denn das sterile Mineralwasser könnte er nirgends kaufen.

Medikamentenlager und

Produktions stätte

Drei Patienten, drei Krankengeschichten. Ihre Bedürfnisse an Betreuung

und medizinischer Versorgung haben wenig gemeinsam. Aber in jedem

dieser Fälle sorgt die Kantonsapotheke dafür, dass das richtige Medikament

zur richtigen Zeit beim richtigen Patienten ist. Um dies gewährleisten

zu können, führt sie ein umfassendes Medikamentenlager. Über 5000

Artikel, viele davon weltweit eingekauft, hält sie permanent an Lager: Medikamente,

medizinische Hilfsmittel wie etwa Infusionsbeutel sowie eine

Vielzahl von Grundsubstanzen, wie sie beispielsweise für die Herstellung

von Infusionslösungen benötigt werden. Eine immer grössere Rolle spielt

das spezifische Fachwissen über die Medikamente. Während 24 Stunden

an 365 Tagen im Jahr wird dieses Wissen zusammen mit den Medikamenten

bei Bedarf bis ans Krankenbett geliefert.

Die Kantonsapotheke kauft aber nicht nur ein. Viele Medikamente wie

Infusionslösungen und Narkosemittel, aber auch Nährlösungen stellt sie

98


Gesundheit

in ihren eigenen Labors und Produktionsstätten unter Einhaltung internationaler

Qualitätsnormen selber her. Und bei ganz seltenen Krankheiten

oder schwierigen Krankheitssituationen entwickelt sie Spezialmedikamente,

die individuell auf die Bedürfnisse des betroffenen Menschen

abgestimmt sind.

Gerüstet für Notfälle

Nur ambulante und stationäre Patientinnen und Patienten des Universitätsspitals

Zürich können beim Spitalaustritt ihre Rezepte für Arzneimittel

direkt am Schalter der Kantonsapotheke Zürich einlösen.

Als staatliche Apotheke, die in erster Linie kompetente Ansprechpartnerin

für Ärztinnen und Ärzte sowie Pflegepersonal des Universitätsspitals

Zürich und des Kantonsspitals Winterthur ist, erbringt sie Dienstleistungen,

die weit über das eigentliche Tätigkeitsfeld einer Spitalapotheke

hinausgehen. Bei Notfällen und Katastrophen wie einem verheerenden

Erdbeben, einem Grossbrand oder einer Grippeepidemie genügen die

normalen Kräfte nicht und die Ressourcen der Rettungsorganisationen

sind rasch einmal ausgeschöpft. Auf einen Schlag werden riesige Mengen

an Medikamenten, Verbandsstoffen und sonstigen Hilfsmitteln benötigt,

die auf dem schnellsten Weg zum Einsatzort gelangen müssen.

Für solche Notfälle führt die Kantonsapotheke Zürich im Auftrag des

Kantons ein Lager, zum Schutz der Bevölkerung.

2,6 Tonnen Salben, 60 000 Liter

Injektions lösungen und Infusionen

Die Mengen sind beachtlich: Täglich stellt die Kantonsapotheke sechs

Tonnen Medikamente für ihre Vertragspartner bereit. Und dies an 365

Tagen im Jahr. Die Kliniken bestellen ihren Bedarf jeweils am Morgen.

Die Kantonsapotheke liefert die verlangten Artikel noch vor dem Mittag

aus, auch die speziell für einen bestimmten Patienten hergestellten Medikamente.

Die Apothekerinnen und Apotheker der Kantonsapotheke stellen in

grossen Mengen nicht-sterile Arzneimittel her, unter anderem 2400 Kilogramm

Salben, Pasten und Gels. Den grössten Teil der Eigenproduktion

machen aber sterile Injektionslösungen und Infusionen aus: mehr als

60 000 Liter oder 600 Sorten. Alle diese Medikamente sind auf die spe-

99


Gesundheit

ziellen Erfordernisse der Spitäler abgestimmt und in dieser Form nicht

oder nicht mehr auf dem freien Markt erhältlich. Zudem produziert die

Kantonsapotheke mehr als 14 000 individuell auf die jeweiligen Patienten

abgestimmte Krebstherapien.

«Pharmatrack» –

ein Mitarbeiter der besonderen Art

Die Kantonsapotheke beschäftigt rund 100 Mitarbeitende. Ein Mitarbeiter

der besonderen Art heisst «Pharmatrack»: Er lässt sich per Computer

steuern, holt auf Befehl das richtige Medikament aus seinem «Bauch»

und spuckt es über eine kleine Rutschbahn aus. Wenn er Hunger hat,

das heisst, wenn Medikamente in seinem Sortiment fehlen, werden diese

von «lebendigen» Mitarbeitenden der Kantonsapotheke eingefüllt.

Und dies geschieht mit einem Leuchtsystem, das verhindert, dass Medikamentenschachteln

an einen falschen Ort gelangen.

Ursprünglich

«Cantonale-Armen-Apotheke»

Ihren Ursprung hat die Kantonsapotheke, ein Dienstleistungsbetrieb

der kantonalen Gesundheitsdirektion, in einem Beschluss des «Kleinen

Rathes» aus dem Jahr 1809: Damals beschloss man den Aufbau einer

staatseigenen «Cantonalen-Armen-Apotheke» als Provisorium. Ziel dieser

Institution war es, die Arzneimittelkosten für die arme Bevölkerung

durch eine eigene Medikamentenproduktion zu senken. Der eingeschlagene

Weg erwies sich als richtig. 1819 schliesslich wurde die Apotheke

zu einer permanenten Institution, die sich immer wieder den wechselnden

Ansprüchen der Zeit angepasst hat und heute als Kantonsapotheke

einen wichtigen Beitrag zum guten Funktionieren des Gesundheitswesens

im Kanton Zürich leistet.

100


Gut ausgebaute

Gesundheitsversorgung

Der Kanton Zürich verfügt über

eine gut ausgebaute Gesundheitsversorgung.

Die Basis bilden rund

30 öffentliche und private Akutspitäler

und 20 psychiatrische

Klini ken sowie rund 230 Heime mit

Pflegeplätzen und Altersheime.

Das grösste medizinische Zentrum

ist das Universitätsspital Zürich

mit rund 900 Betten, gefolgt vom

Zürcher Stadtspital Triemli mit

rund 550 und dem Kantonsspital

Winterthur mit rund 500 Betten.

Das Universitätsspital bietet in

40 Spezialkliniken und Instituten

qualitativ hochstehende medizinische

Leistungen für alle und betreibt

Spitzenforschung.

Verschiedene weitere Stellen sorgen

dafür, dass die Gesundheit

der Bevölkerung sichergestellt ist:

– Die Gesundheitsdirektion erteilt

den Spitälern und Kliniken die

Aufträge, um im ganzen Kanton

eine ausreichende und wirtschaftlich

tragbare Gesundheitsversorgung

sicherzustellen.

Gesundheit

– Der kantonsärztliche Dienst

stellt sicher, dass Ärztinnen und

Ärzte, Spitäler, Heime und

Spitex-Insti tu tionen ihre Aufga-

ben fachlich einwandfrei erfüllen.

Bei übertragbaren Krankheiten

wie Masern oder bei

Pandemien stellt er Impfprogramme

und die Information

der Bevölkerung sicher.

– Die kantonale Heilmittelkontrolle

sorgt dafür, dass sich die Bevölkerung

auf sichere Arzneimittel

verlassen kann.

– Das kantonale Labor untersucht

praktisch sämtliche

Produkte des täglichen Bedarfs

auf ihre Qualität, schreitet sofort

ein, wenn etwas zu Beanstandung

Anlass gibt, und informiert

gleichzeitig auch die Bevölkerung.

– Das Veterinäramt setzt sich im

Rah men des Tierschutzes für

die Gesundheit, das Wohlergehen

und die Würde von Tieren

ein und sorgt für Prophylaxe

und Bekämpfung von Tierseuchen.

Dies minimiert das Risiko

für Mensch und Tier bei der

Tierproduktion und bei der Ge -

winnung von tierischen Le bensmitteln.

101


Hochspezialisierte

Versorgung

Universitätsspitäler

Universitätsspital Zürich

Universitätsklinik Balgrist

Kinderspital Zürich

1200

Bettenbestand

396 151

Verrechnete Pflegetage

8,4

Aufenthalt in Tagen

90,5

Bettenbelegung in %

1287,8

Betriebsaufwand

in Mio. Franken

Spitalstatistik 2009

Spezialisierte

Versorgung

Ergänzungsspitäler

Schweiz.

Epilepsie-Zentrum

Schulthess-Klinik

199

Bettenbestand

61 464

Verrechnete Pflegetage

7,6

Aufenthalt in Tagen

84,6

Bettenbelegung in %

173,0

Betriebsaufwand

in Mio. Franken

Grundversorgung

Schwerpunktspitäler

Spital Bülach

Spital Limmattal

Spital Männedorf

Spital Uster

Stadtspital Waid

GZO Spital Wetzikon

Spital Zimmerberg

Spital Zollikerberg

1605

Bettenbestand

512 826

Verrechnete Pflegetage

7,1

Aufenthalt in Tagen

87,6

Bettenbelegung in %

761,3

Betriebsaufwand

in Mio. Franken

102

Spezialisierte

Versorgung

Zentralspitäler

Kantonsspital Winterthur

Stadtspital Triemli

1061

Bettenbestand

332 007

Verrechnete Pflegetage

7,5

Aufenthalt in Tagen

85,7

Bettenbelegung in %

633,3

Betriebsaufwand

in Mio. Franken

Grundversorgung

Ergänzungsspitäler

Bezirksspital Affoltern

Stiftung

Zürcher Lighthouse

Stiftung

Krankenhaus Sanitas

Sune-Egge

197

Bettenbestand

65 166

Verrechnete Pflegetage

26,5

Aufenthalt in Tagen

90,3

Bettenbelegung in %

111,7

Betriebsaufwand

in Mio. Franken


Private

Ergänzungsspitäler

(ohne Staatsbeiträge)

735

Bettenbestand

226 308

Verrechnete Pflegetage

6,2

Aufenthalt in Tagen

84,3

Bettenbelegung in %

603,1

Betriebsaufwand

in Mio. Franken

Rehabilitationskliniken

Zürcher Höhenklinik Wald

Zürcher Höhenklinik Davos

244

Bettenbestand

80 302

Verrechnete Pflegetage

22,8

Aufenthalt in Tagen

90,2

Bettenbelegung in %

54,6

Betriebsaufwand

in Mio. Franken

Gesundheit

Körperliche

Aktivität

in der Freizeit

in Prozent der Gesamtbevölkerung

42,0

aktiv

103

44,2teilaktiv

13,6inaktiv

Tägliche

Unterwegszeit

Min./Tag pro Einwohner/in

54 zu Fuss

22

mit dem Velo

Stichprobenerhebung 2007


Praktizierende

Ärzte/Ärztinnen

3283

Total

2551

Spezialärzte

226

Apotheken

410

Einwohner/innen

pro praktizierende/n

Arzt/Ärztin

Stand 2009

Gesundheit

65 Prozent sind mit

dem Gesundheitssystem

zufrieden bis

sehr zufrieden

Jedes Jahr werden in einer re präsentativen

Umfrage 1 600 im Kanton

Zürich wohnhafte Personen

ab 18 Jahren zur persönlich wahrgenommenen

Qualität des Zürcher

Gesundheitssystems befragt.

Die Ergebnisse sind erfreulich,

zeigen sich doch fast 65 Prozent

der Befragten zufrieden bis sehr

zufrieden. Gute Noten erhält die

medizinische Behandlung im Spi -

tal, und die Befragten sind der

Meinung, dass sie Zugang zu den

Medikamenten haben, die sie

brauchen und dass die Beratung

in einer Apotheke nützlich ist.

Sie sind überzeugt, dass sie die

Möglichkeit haben, bei einem

guten Arzt bzw. einer guten Ärztin

oder in einem guten Spital behandelt

zu werden und dass sie bei

Bedarf Spezialisten konsultieren

können. Das Wissen der Ärztinnen

und Ärzte beurteilen sie als aktuell

und die Pflege im Spital als

sorgfältig und kompetent.

104


Gesamtstrategie

für die hochspezialisierte

Medizin

Es ist erklärtes Ziel des Regierungsrates

des Kantons Zürich,

Spitzenleistungen im Wissens-

und Forschungsbereich sowie in

der hochspezialisierten medizinischen

Versorgung zu ermöglichen

und zu fördern. Um dieses Ziel

erreichen zu können, ist eine Gesamtstrategie

festgelegt worden.

Darin werden drei medizinische

Bereiche bezeichnet, die sowohl

für die Forschung als auch für die

klinische Versorgung besonders

wichtig sind. Es sind dies die Neurowissenschaften,

die Onkologie

und der Herz-Kreislauf-Bereich.

Zukunftsorientierte Forschungsfelder

sind zudem Transplantationsmedizin,

Immunologie und mole -

kulare Medizin. Innovationsträchtige

Dienstleistungsbereiche sind

unter anderem Traumatologie und

Orthopädie. Diese strategischen

Schwerpunktbereiche sollen gezielt

gefördert und die Forschung

an den Hochschulen und die

klini sche Versorgung in den universitären

Spitälern systematisch

vernetzt werden.

Gesundheit

Aktive Förderung

der Gesundheit

Der Kanton Zürich misst der aktiven

Förderung der Gesundheit der

Bevölkerung grosse Bedeutung

bei. Mit der Kampagne «Leichter

leben – gesundes Körpergewicht

im Kanton Zürich» soll die Bevölkerung

für die Probleme rund um

die Themen Übergewicht oder

Fettleibigkeit sensibilisiert werden.

Die Umsetzung des kantonalen

Sportkonzepts, die Förderung von

Alltagsbewegung und gesunder

Ernährung, die Bildung und die kindergerechteVerkehrswegplanung

sind Massnahmen dagegen.

Wichtig ist, dass die Gesund-

heitsförderung möglichst früh ein-

setzt und die einzelnen Massnahmen

mit Spass und positiven

Erlebnissen verbunden sind.

Dies soll erreicht werden mit Prä-

ventionsarbeit bei Eltern von Klein-

kindern, der Anleitung zu guter

Ernährung im Rahmen von Schuleinsätzen

der Zahnpflegehelferinnen

oder Projekten zur Bewegungsförderung

in Kindergärten,

Schulen, Kinderhorten oder bei

Mittagstischen.

105


Naheliegend:

die persönliche Sicherheit

Ein tragfähiges Netz für alle:

die soziale Sicherheit

Vertrauen ist gut, Kontrolle

ist besser: die Sicherheit im

Verkehr

Sicherheit heisst auch

Rechtssicherheit

Ein Kilo ist ein Kilo ist ein

Kilo: die metrologische

Sicherheit

109

110

113

113

114

Sich

Wie sicher lebt es sich im Kanton

Zürich? Sehr – und zwar in jeder

Hinsicht. Sicherheit wird definiert

als «Zustand der Gefahrlosigkeit».

Und da immer etwas Unvorhergesehenes

passieren kann, ist

Sicherheit relativ. Andererseits ist

die anerkannt hohe Lebensqualität

im Kanton Zürich ein Indiz dafür,

dass sich auch die Sicherheit

auf sehr hohem Niveau bewegen

muss; denn sonst würde Zürich in

entsprechenden Umfragen nicht

regelmässig weltweite Spitzenränge

belegen. Doch von welcher

Sicherheit ist eigentlich die Rede?

Sicherheit ist nicht nur relativ,

sondern auch vielschichtig.


08

erheit


Sicherheit

Naheliegend:

die persönliche Sicherheit

Wie ist es um die Sicherheit von Leib und Leben und Hab und Gut im Kanton

Zürich bestellt? Zuständig dafür ist die Kantonspolizei, die sich dieser

anspruchsvollen Aufgabe in Zusammenarbeit mit den Stadtpolizeien Zürich

und Winterthur sowie verschiedenen Kommunalpolizeien annimmt.

Insgesamt sorgen über 4100 Polizistinnen und Polizisten der Kantons-,

Stadt- und Kommunalpolizeien für Sicherheit im Kanton Zürich.

2009 ereigneten sich im Kanton Zürich 7223 Einbrüche in Wohnräume;

3475 davon in der Stadt Zürich. Das klingt nach sehr viel und ganz so,

als wäre man in seinen eigenen vier Wänden nicht sicher. Auf die Anzahl

Wohnobjekte umgerechnet, bedeutet dies: In einem Jahr wurde in rund

1,3 Prozent aller Wohnungen in der Stadt Zürich und in 0,8 Prozent der

Wohnungen auf dem übrigen Kantonsgebiet eingebrochen – in Zürich

wird man folglich im Schnitt alle 77 Jahre Opfer eines Einbruchs, ausserhalb

der Stadt sogar nur alle 125 Jahre. Es besteht also wenig Grund,

sich übermässig vor Einbrechern zu fürchten – aber auch keiner, sich

nicht an die polizeilichen Ratschläge zur Vermeidung von Einbrüchen

zu halten.

Des Weiteren ist die Kantonspolizei Zürich auch zuständig für die Sicherheit

auf dem Flughafen Zürichund hat damit alle Hände voll zu tun. Im

Jahr 2010 zum Beispiel wurden 11,4 Millionen abfliegende Passagiere,

134 000 Zuschauer, die Besatzungen von mehr als 260 000 Flügen sowie

täglich mehrere tausend Flughafenangestellte kontrolliert. Hinzu kamen

über 9 Millionen registrierte Gepäckstücke sowie über 490 000 kontrollierte

Postpakete. Den Passagieren wurden durchschnittlich 725 kg

«Liquids» pro Tag abgenommen.

Trotz der vergleichsweise hohen Sicherheit können Menschen Opfer von

Gewalttaten werden. In einem solchen Fall bietet die Opferhilfe Unterstützung

bei der Verarbeitung der Folgen einer solchen Tat. Die Staatsanwaltschaften

oder Jugendanwaltschaften wiederum untersuchen in

Zusammenarbeit mit der Polizei begangene Straftaten und sind darum

besorgt, dass Täterinnen und Täter angemessen bestraft werden.

109


Sicherheit

Ein tragfähiges Netz für alle:

die soziale Sicherheit

Zur sozialen Sicherheit zählen die Sozialversicherungen und die Sozialhilfe.

Sie ermöglichen einen Anspruch auf Hilfe und Betreuung in

schwierigen Lebenslagen, ein Leben in Würde und ohne Not, mithin ein

menschenwürdiges Dasein. Die Sozialversicherungen decken typische

soziale Risiken wie Alter, Krankheit, Invalidität und Arbeitslosigkeit ab.

Finanziert werden sie durch Lohnprozente, Prämien, Arbeitgeberbeiträge

und Beiträge der öffentlichen Hand. Die Sozialhilfe kommt dann

zum Zug, wenn der sozialversicherungsrechtliche Schutz gänzlich fehlt,

wenn er sich im Einzelfall als ungenügend erweist oder wenn Leistungen

nicht rechtzeitig erhältlich sind.

Die schweizerische Bundesverfassung garantiert ein Grundrecht auf

Existenzsicherung. Die Sozialhilfe liegt in der Kompetenz der Kantone,

wobei die Gemeinden für den Vollzug zuständig sind. Finanziert wird die

Sozialhilfe durch Mittel der öffentlichen Hand – also durch die Steuerzahlerinnen

und Steuerzahler.

110


Aufklärungsquoten

Betrug Diebstahl Vermögensdelikte

89%

18%

4 026 Fälle 37 386 Fälle 77 029 Fälle

Raub Schwere Gewalt

624 Fälle

354 Fälle

2010

21%

Betäubungsmitteldelikte

38% 84% 97%

18 457 Fälle


Busterminal und Baustelle «Prime Tower» an der Hardbrücke, Zürich


Sicherheit

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist

besser: die Sicherheit im Verkehr

Das kantonale Strassenverkehrsamt mit Standorten in Zürich, Winterthur,

Regensdorf, Hinwil und Oberrieden (Schifffahrtskontrolle) ist in mehrfacher

Hinsicht für die Sicherheit des Verkehrs auf Strassen und Gewässern

des Kantons zuständig.

Erstens prüfen die Strassenverkehrsämter jährlich etwa einen Viertel der

rund 850 000 Motorfahrzeuge sowie 11 000 Boote, die im Kanton Zürich

zugelassen sind. Wie streng die Anforderungen sind, zeigt sich an

der Tatsache, dass rund 40 000 Fahrzeuge die Kontrolle im ersten Anlauf

nicht bestehen.

Zweitens nehmen die Strassenverkehrsämter auch die Führerscheinprüfungen

ab – jährlich ungefähr je 30 000 theoretische und praktische Prüfungen;

je ein Drittel der Teilnehmenden besteht übrigens die Theorie-

und Praxisprüfungen nicht. Oder zumindest nicht im ersten Anlauf.

Und drittens sind die Strassenverkehrsämter auch für die sogenannten

Administrativmassnahmen zuständig. Darunter fallen Verwarnungen und

Führerscheinentzüge; pro Jahr werden etwa 7500 Lenkerinnen und Lenker

verwarnt und ungefähr 11 500 Führerausweise entzogen.

Sicherheit heisst auch

Rechtssicherheit

In einem Rechtsstaat dürfen Behörden nur in den Schranken von Recht

und Gesetz handeln. Bürgerinnen und Bürger haben das Recht, Entscheide

von Behörden von einer höheren Instanz überprüfen zu lassen.

Wer sich ungerecht behandelt fühlt, kann vor Gericht gehen.

Und wer beispielsweise einer Straftat beschuldigt oder Opfer einer

solchen wird, hat das Recht auf eine angemessene Vertretung seiner

Interessen vor Gericht. Sicherheit bedeutet also auch Schutz

vor ungerechten oder willkürlichen Entscheiden einer staatli chen Behörde.

Der Kanton Zürich legt grossen Wert auf einen wirksamen Rechtsschutz

mit gut funktionierenden Gerichten und Justizbehörden.

113


Sicherheit

Ein Kilo ist ein Kilo

ist ein Kilo:

die metrologische

Sicherheit

Nein, es handelt sich nicht um einen Schreibfehler.

Denn bei der Meteorologie gibt es

bekanntlich keine Sicherheit – ausser, dass

das Wetter anders wird als angekündigt.

Dieser Abschnitt handelt von der Metrologie

– von der Wissenschaft des Messens – und

von der Sicherheit, dass die Waagen in den

Lebensmittelgeschäften im Kanton Zürich

haargenau ein Kilo anzeigen, wenn Sie ein

Kilo Bananen drauflegen. Und von der Sicherheit,

dass die Anzeige an der Tankstelle

aufs Promille genau stimmt. Oder dass in einer

500-Gramm-Packung Butter nicht mehr

und nicht weniger als 500 Gramm Butter

stecken. Verantwortlich dafür sind die vier

Eichmeister des Kantons Zürich. Sie kontrollieren

jedes Jahr rund die Hälfte der registrierten

Messmittel (2009 waren das 30 187

Waagen, Tanksäulen, Messgefässe, Heizöl-

Tanklastwagen, Abgastestgeräte in den Autogaragen

und vieles mehr). Anders gesagt:

Sie können ziemlich sicher sein, dass Sie

nicht weniger Benzin bekommen, als Sie bezahlen.

Aber leider auch nicht mehr…

114


Seestrasse bei der Badeanstalt Tiefenbrunnen, Zürich


09

Politik

und

rwaltung

Die Gemeinden bilden die kleinste politische Einheit.

Die kleinste Zürcher Gemeinde ist Volken – mit knapp

300 Einwohnern rund tausend Mal kleiner als

die Stadt Zürich.

117


Dielsdorf

78 336

Dietikon

78 572

Affoltern

46978

Bezirke des Kantons Zürich

Zürich

365 098

Bülach

129177

Andelfingen

29 210

Meilen

95697

Horgen

113 216

Uster

117 116 834 111

Winterthur

149 988

Bevölkerungszahlen Stand 2009

Pfäffikon

53 54 945 740

Hinwil

86020


Politik und Verwaltung

1Kanton

Der Kanton Zürich, der 1351 in den Bund der Eidgenossen eintrat,

ist heute mit mehr als 1,3 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern

der bevölkerungsreichste Kanton der Schweiz.

3 Gewalten

Wir unterscheiden auf kantonaler Ebene die gesetzgebende Behörde

(Legislative, der Kantonsrat), die oberste leitende und vollziehende

Behörde (Exekutive, der Regierungsrat) und die Rechtspflege (die Gerichtsbarkeit).

7 Regierungsrätinnen und

Regierungsräte

Die kantonale Verwaltung besteht aus sieben je von einer Regierungsrätin

oder einem Regierungsrat geführten Direktionen (Justiz und

Inneres, Sicherheit, Finanzen, Volkswirtschaft, Gesundheit, Bildung,

Bau) und der vom Staatsschreiber geführten Staatskanzlei (Stabsstelle

der Regierung). Darauf baut die Verwaltungsstruktur auf. Die sieben

vollamtlich tätigen Mitglieder des Regierungsrates werden alle vier

Jahre im Mehrheitswahlverfahren vom Volk gewählt. Ihre Beschlüsse

119


12 Bezirke

Politik und Verwaltung

fassen die Regierungsmitglieder gemeinsam, als Kollegialbehörde.

Der Regierungsrat tagt jeweils am Mittwoch. Die Verhandlungen finden

im Rathaus statt und sind nicht öffentlich. Im Kanton Zürich gilt allerdings

das Öffentlichkeitsprinzip. Es gewährt den freien Zugang zu

amtlichen Dokumenten wie zum Beispiel Regierungsratsbeschlüssen

und das Recht jeder Person auf Akteneinsicht, solange keine Geheimhaltungspflicht

für ein bestimmtes Dokument besteht.

Die zwölf Bezirke – meist landschaftliche Einheiten – verfügen im

Unter schied zu Kanton und Gemeinden über keine «Regierungen». Sie

sind Teile der kantonalen Verwaltungs­ und Gerichtsorganisation. So

fällen zum Beispiel die Bezirksgerichte Urteile in Zivilstreitigkeiten

und Straffällen. Die Bezirksräte sorgen unter anderem dafür, dass die

Gemeindebehörden ihre Aufgaben korrekt erfüllen.

171 Gemeinden

Sie sind die kleinsten politischen Einheiten und nehmen alle öffentlichen

Aufgaben wahr, für die weder Bund noch Kanton zuständig sind.

Die politischen Entscheide fallen an den Gemeindeversammlungen

oder aber an der Urne. Zwölf Gemeinden, darunter die Städte Zürich

und Winterthur, haben anstelle der Gemeindeversammlung ein Parlament,

einen Grossen Gemeinderat. Neben den politischen Gemeinden

gibt es auch Schul­ und Kirchgemeinden, deren Gebiete nicht überall

mit denjenigen der politischen Gemeinden übereinstimmen. Mehrere

Gemeinden können sich auch zu Zweckverbänden zusammenschliessen,

wenn sie bestimmte Aufgaben gemeinsam erfüllen wollen.

120


Politik und Verwaltung

180

Kantonsrätinnen und

Kantonsräte

Der Kantonsrat ist das Parlament des Kantons Zürich. Jeweils am

Mon tagmorgen treten die 180 vom Volk gewählten Mitglieder im Rathaus

am Limmatquai in Zürich zu ihren Sitzungen zusammen.

Gewählt werden die Mitglieder des Kantonsrates alle vier Jahre, zusammen

mit den Mitgliedern des Regierungsrates.

Zu den Aufgaben des Kantonsrates gehören in erster Linie die Gesetzgebung,

die Beschlussfassung über einmalige und wiederkehrende

Ausgaben sowie über Voranschlag und Rechnung des Staatshaushaltes,

die Oberaufsicht über die kantonale Verwaltung und die Justiz, die

Wahl der Mitglieder der kantonalen Gerichte und weiterer Behörden.

Die Verhandlungen des Kantonsrates sind öffentlich und können von

der Zuschauertribüne des Rathauses aus verfolgt werden.

33000

kantonale Angestellte

Der Kanton Zürich ist einer der grössten Arbeitgeber der öffentlichen

Hand in der Schweiz. In der in sieben Direktionen und der Staatskanzlei

organisierten Verwaltung arbeiten rund 33 000 Personen.

121


SP

35

AL

3

GP

19

GLP

19

Kantonsparlament

Sitzverteilung 2011–2015

EVP

7

CVP

9 BDP

6

FDP

23

Alternative Liste (AL)

Sozialdemokratische Partei (SP)

Grüne Partei (GP)

Grünliberale Partei (GLP)

Evangelische Volkspartei (EVP)

Christlichdemokratische Volkspartei (CVP)

Bürgerlich­Demokratische Partei (BDP)

Freisinnig­Demokratische Partei (FDP)

Schweizerische Volkspartei (SVP)

Eidgenössisch­Demokratische Union (EDU)

SVP

54

EDU

5


Rechtspflege

Im Kanton Zürich gibt es richterliche

Instanzen auf allen Ebenen.

Jede Gemeinde und jede Stadt

verfügt über eine/n oder mehrere

Friedensrichterinnen und Friedensrichter.

Auf Bezirksebene fin ­

den sich die Bezirksgerichte mit

den Einzelrichterinnen und

­rich tern und angegliedert die

Miet gerichte. Seit 2011 gibt es

bei den Bezirksgerichten auch

Arbeitsgerichte, die bis jetzt nur in

den Städten Zürich und Winterthur

zu finden sind. Auf kantonaler

Ebene schliesslich sind das

Obergericht, das Handelsgericht,

das Verwaltungsgericht und das

Sozialver sicherungsgericht für die

Rechtsprechung zuständig.

Die politischen

Rechte

Stimm­ und wahlberechtigt sind

alle im Kanton Zürich wohnhaften

Schweizerinnen und Schweizer

ab 18 Jahren. Für eine Volksinitiative

müssen innert 6 Monaten

mindestens 6000 Unterschriften

von stimmberechtigten Bürgerinnen

und Bürgern gesammelt werden.

Eine stimmberechtigte Person

kann auch eine Einzel initiative

einreichen. Im Unterschied zur

Volksinitiative kommt es hier aber

nicht zu einer Volksabstimmung,

wenn der Kantonsrat die Einzelinitiative

ablehnt.

Politik und Verwaltung

Bei Änderungen der Kantonsverfassung

haben die Stimmberechtigten

das letzte Wort, bei

Gesetzen und Kreditbeschlüssen

nur dann, wenn es entweder von

3000 Stimmberechtigten (Volksreferendum),

von 12 Gemeinden

oder der Stadt Zürich oder der

Stadt Winterthur (Gemeindereferendum)

oder von 45 Kantonsratsmitgliedern(Kantonsratsreferendum)

verlangt wird.

Kirchen und

Religionsgemeinschaften

Als selbstständige Körperschaften

des öffentlichen Rechts sind im

Kanton Zürich die Evangelischreformierte

Landeskirche und ihre

Kirchgemeinden, die Römischkatholische

Körperschaft und ihre

Kirchgemeinden sowie die

Christ katholische Kirchgemeinde

anerkannt.

Von den weiteren Religionsgemeinschaften

sind die Israelitische

Cultusgemeinde und die Jüdische

Liberale Gemeinde vom Kanton

anerkannt.

123


Züric A


10

h von

bis Z

Dieses ABC gibt Neuzuzügerinnen

und Neuzuzügern Tipps rund ums

Einleben, Wohnen und Arbeiten im

Kanton Zürich. Wer noch mehr

Informationen wünscht,

findet diese unter

www.willkommen.zh.ch

125


AAbfall

Ärzte, Apotheken

AHV

Anmeldung

Arbeits-/Aufenthaltsbewilligung

Drittstaatsangehörige

(Nicht­EU/EFTA­Bürge­

r innen und -Bürger)

Zürich von A bis Z

Die Schweiz hat weltweit eine der höchsten

Recyclingquoten. Haushaltsabfall, Dosen,

Glas, Papier, Karton, PET, Batterien, Altöl

und andere Abfälle werden getrennt entsorgt.

Haushaltsabfall ist kostenpflichtig; je

nach Gemeinde müssen entweder spezielle

Abfallsäcke («Züri-Sack») oder Gebührenmarken

verwendet werden. Die Gemeinden

informieren auch, wann, was, wie

und wo entsorgt wird.

> Notfalldienste; eine rund um die Uhr

geöffnete Apotheke findet sich am Bellevue

in Zürich. Beratungs- und Notfallnummer

der Apotheken 0900 55 35 55.

> Sozialversicherungen

Ausländerinnen und Ausländer müssen

sich bei der Einreise sowie bei jedem Wohnungswechsel

innert acht Tagen bei der

zuständigen Stelle (Einwohnerkontrolle,

Kreisbüro) des neuen Wohnorts regi strieren

lassen. Diese Regelung gilt auch für

Schweizer Staatsangehörige.

Drittstaatsangehörige (Nicht­EU/EFTA­

Bürgerinnen und -Bürger), die zur Erwerbstätigkeit

einreisen, benötigen eine

Arbeits- und Aufenthaltsbewilligung. Die

wichtigsten sind: Kurzaufenthaltsbewilligung

«L» (bis zwölf Monate), Aufent halts -

bewilligung «B» (befristet) und Niederlassungs­bewilligung

«C». Wer einen

Schweizer Pass oder eine Niederlassungsbewilligung

«C» besitzt, be nötigt keine

Arbeitsbewilligung.

126


Zürich von A bis Z

Für alle anderen gilt:

Angehörige dieser Staaten benötigen grundsätzlich

keine Arbeitsbewilligung, wenn sie

den Hauptwohnsitz in die Schweiz verlegen

und einen Schweizer Arbeitgeber nachweisen

können. Sie müssen sich lediglich innert

acht Tagen bei der Einwohnerkontrolle

ihrer Wohngemeinde anmelden. Dies auch,

wenn sie zwecks Stellensuche in die

Schweiz einreisen. Die Einwohnerkontrolle

leitet die Daten an das zuständige Migrationsamt

weiter. Dieses erteilt dann eine

Kurzaufenthaltsbewilligung von sechs

Monaten mit dem Vermerk «Stellensuche»

maximal verlängerbar auf insgesamt zwölf

Monate. Hat man eine Stelle gefunden,

meldet man sich erneut bei der Einwohnerkontrolle

mit einer Kopie des Arbeitsvertrages,

worauf man eine neue Aufenthaltsbewilligung

zur Erwerbstätigkeit erhält,

die die bisherige ersetzt.

Wichtig: bei Erwerbstätigkeit Angehörige

der EU­25­/EFTA­Länder, die von einem

Hauptarbeitgeber im Ausland mit Einsatzort

in der Schweiz entsendet werden

(Dienstleistungserbringer), müssen vor

Ar beitsbeginn eine Arbeitsbewilligung einholen.

Liegt eine Arbeitsbewilligung vor,

kann die Aufenthaltsbewilligung erteilt

werden.

Ein Arbeitsvertrag mit einem Schweizer

Arbeitgeber muss nachgewiesen werden.

Grenzgänger benötigen keine Arbeitsbewilligung

und werden direkt über das

zuständige Migrationsamt geregelt.

127

EFTA­ und

EU­25­Länder

Grenzgängerbewilligung

für EFTA­/EU­25­Länder


Arbeitsmarkt

EU­2­Länder

sowie Drittstaaten

EFTA

Fürstentum Liechtenstein,

Island, Norwegen, Schweiz

EU-25

Belgien, Deutschland, Dänemark,

Estland, Finnland,

Frankreich, Griechenland,

Grossbritannien, Irland, Italien,

Lettland, Litauen, Luxemburg,

Malta, Niederlande,

Österreich, Polen, Portugal,

Schweden, Slowakei, Slowenien,

Spanien, Tschechische

Republik, Ungarn, Zypern

EU-2

Bulgarien, Rumänien

Drittstaatsangehörige

Nicht­EU/EFTA­Bürgerinnen

und -Bürger

Zürich von A bis Z

Angehörige dieser Nationen brauchen bei

einer Neueinreise eine Arbeitsbewilligung,

die vor Arbeitsbeginn durch den Arbeitgeber

eingeholt werden muss. Es besteht

eine Kontingentierung. Zudem ist der Inländervorrang

nachzuweisen. Die Aufenthaltsbewilligung

kann erteilt werden, wenn

eine Arbeitsbewilligung vorliegt. Angehörige

von Drittstaaten müssen zudem die

entsprechenden Einreise- und Visumsvorschriften

beachten.

Der Arbeitsmarkt im Wirtschaftsraum

Zürich zeichnet sich durch eine grosse

Vielfalt an Arbeitsplätzen und ein breites

Angebot von qualifizierten Arbeitskräften

aus. Die öffentliche Arbeitsvermittlung

betreibt 17 Regionale Arbeitsvermittlungszentren

(RAV) im Kanton Zürich. Die

RAV haben Zugang zu den Profilen von

Zehntausenden von Stellensuchenden.

Die Hauptaufgabe der RAV ist die Vermittlung

von Stellensuchenden in den

Arbeitsmarkt sowie die optimale Besetzung

der Stellen, die den RAV gemeldet

werden. Weitere Informationen finden Sie

unter www.rav.zh.ch

128


Zürich von A bis Z

Zur Einreise in die Schweiz benötigen ausländische

Staatsangehörige ein gültiges

und von der Schweiz anerkanntes Reisepa

pier. Rechtmässig eingereiste ausländische

Besucherinnen und Besucher, die

keine Erwerbstätigkeit ausüben, benötigen

für einen Aufenthalt bis zu drei Monaten

keine Aufenthaltsbewilligung. Wer sich länger

als drei Monate in der Schweiz aufhält,

benötigt eine Bewilligung, die vom

kantonalen Migrationsamt erteilt wird.

Auf Schweizer Autobahnen gilt Vignettenpflicht.

Die Vignette für Personenwagen und

Motorräder ist jeweils für ein Kalenderjahr

gültig und ist u. a. bei der Post, an Tank ­

stellen, bei Garagen und Zollämtern

erhältlich.

Um ein Konto bei einer Schweizer Bank

oder bei der Post zu eröffnen, benötigen in

der Schweiz wohnhafte Ausländerinnen

und Ausländer einen gültigen Pass oder eine

Identitätskarte, die Anmeldungsbestätigung

ihrer Wohngemeinde, den Ausländerausweis

(oder die Zusicherung des Ausländerausweises)

sowie den Arbeitsvertrag.

Der CH-Aufkleber (CH steht für Confoede

ratio Helvetica) ist in der Schweiz

nicht mehr Vorschrift – aber nach wie vor

obligatorisch, wenn man ein Fahrzeug

mit Schweizer Kennzeichen im Ausland

bewegt.

129

Aufenthalt

ohne Erwerbstätigkeit

Autobahnvignette

BBankkonto

CCH-Schild


D

Doppelbesteuerungsabkommen

EEinreise

Elektrizität

eWorkPermits

Zürich von A bis Z

Die Schweiz hat mit über 100 Staaten –

darunter alle EU­ und EFTA­Länder – Doppel

besteuerungsabkommen abgeschlossen.

Diese verhindern eine zweifache Besteue

rung von Einkommen, Vermögen oder

Erbschaften; teilweise sehen sie auch eine

Reduktion der Verrechnungssteuer vor.

Die Schweiz ist Teil des Schengen-Abkommens.

Angehörige von EU­/EFTA­Staaten

benötigen zur Einreise eine gültige Identitätskarte;

bei Drittstaaten ist ein gültiger

Reisepass nötig. Informationen über die

Visumspflicht finden sich auf der Website

des Bundesamtes für Migration (www.bfm.

admin.ch).

Das Stromnetz in der Schweiz ist 230 Volt,

50 Hz. Geräte mit einem dreipoligen

Schuko-Stecker brauchen ein neues Netzkabel,

um an die Schweizer SEV-Steckdose

angeschlossen werden zu können.

Zürich bietet eine Internetlösung für die

Ein holung von Arbeitsbewilligungen. Mit

den «eWork Permits» können Arbeitsbewilligungen

online be antragt werden –

schnell, sicher, einfach und rund um die Uhr.

(www.arbeitsbewilligungen.zh.ch)

130


Beim Umzug in die Schweiz können Fahrzeuge

während maximal zwölf Monaten mit

ausländischen Kontrollschildern benutzt

werden – vorausgesetzt, die Versicherung

und die ausländische Zulassung sind

während dieser Zeit gültig. Danach muss

das Fahrzeug beim > Strassenverkehrsamt

registriert werden. Informationen finden

Sie auf der Website der Eidg. Zollverwaltung

(www.ezv.admin.ch). Alle Motorfahrzeuge

müssen periodisch vom Strassenverkehrsamt

technisch geprüft werden.

Unabhängig davon müssen alle Autos mit

Katalysator alle zwei Jahre zur Abgaskontrolle

in die Garage; das Abgasdokument

muss immer im Auto mitgeführt werden.

Offizielle Feiertage sind 1. Januar, Karfrei ­

tag und Ostermontag, Auffahrt, Pfingstmontag,

1. Mai, 1. August (Nationalfeiertag)

sowie 25. und 26. Dezember. In der Stadt

Zürich sind zudem die Nachmittage des

Sechseläuten- und Knabenschiessenmontags

arbeitsfrei.

Der gesetzliche Ferienanspruch beträgt

mindestens 20 Arbeitstage pro Jahr

(Jugendliche bis 20 Jahre: 25 Arbeitstage);

Arbeitnehmende über 50 Jahre erhalten

häufig 25 Ferientage.

Innerhalb von einem Jahr (Einreisedatum

in die Schweiz) muss beim > Strassenverkehrsamt

der ausländische Führerausweis

in einen schweizerischen Führerausweis

umgeschrieben werden. Bei berufsmässigen

Fahrten gelten spezielle Regelungen.

Zürich von A bis Z

F

131

Fahrzeuge

Feiertage

Ferien

Führerschein

auch: Fahr­ oder Führerausweis


Zürich von A bis Z

GWer aus dem Ausland in den Kanton

Zürich zieht, versteht im Gespräch mit den

Einheimischen in aller Regel nur «Bahnhof».

Das liegt am Schweizerdeutschen,

das zwar den gleichen Stamm hat wie das

Hochdeutsche, sich aber dennoch erheb-

Grüezi lich unterscheidet. Erschwerend kommt

hinzu, dass Schweizerdeutsch nicht einfach

Schweizerdeutsch ist; vielmehr unterscheiden

sich die regionalen Dialekte sehr.

Und doch ist unser Idiom identitätsstiftend

– Schweizerdeutsch ist das Deutsch der

Schweizerinnen und Schweizer. Sagen Sie

deshalb niemals «Grützi», sondern «Grüezi»

(«Grü-äzi» ausgesprochen).

HHalbtax

Haustiere

Ein sehr populäres 1- bis 3-Jahres-Abonnement

der Schweizerischen Bundesbah nen

SBB, mit dem man praktisch alle öffentlichen

Verkehrsmittel zum halben Preis be

nutzen kann.

Hunde und Katzen können relativ problemlos

aus dem Ausland in die Schweiz

eingeführt werden. Bei Hunden aus EU­/

EFTA­Ländern zum Beispiel reichen in

der Regel eine gültige Tollwutimpfung, der

EU­Heimtierpass sowie Mikrochip oder

Tätowierung. Wichtig: Hunde müssen erstens

in der Schweizer Wohngemeinde und

zweitens vom Tierarzt in der Schweizer

Hundedatenbank angemeldet werden. Und

drittens brauchen Mieter das schriftliche

Einverständnis des Vermieters zum Halten

von Haustieren in der Wohnung. Für Hunde

ist zudem eine jährliche Gebühr («Hunde-

132


Zürich von A bis Z

steuer») bei der Gemeinde zu entrichten.

Weitere Informationen über die Einfuhr von

Heimtieren finden sich auf der Website des

Bundesamtes für Veterinärwesen.

Gemäss Lexikon «jede sprachliche Be­ Helvetismus

sonderheit, die typischerweise im Schweizer

Hochdeutschen und nicht im gesamten

deutschen Sprachgebiet verwendet wird

(Beispiel: Müesli, > parkieren)». Weitere

verwirrliche Helvetismen sind: zügeln (umziehen),

wischen (fegen) oder versorgen

(wegräumen).

Der Kanton Zürich betreibt eine innova -

I

tive Integrationspolitik nach dem Prinzip

«Fördern und Fordern». Es werden Begrüssungs-

und Informationsveranstaltungen

sowie Sprach- und Integrationskurse angeboten.

Informationen dazu finden Sie unter

www.integration.zh.ch

Integration

Weitere hilfreiche Informationen zur Internet

Schweiz und dem Kanton Zürich finden

sich unter www.ch.ch, www.zh.ch,

www.willkommen.zh.ch und auf den Web ­

seiten der Gemeinden (in der Regel

www.gemeindename.ch).

J

Der Schweizer Nationalsport. Im Kanton

Zürich wird dieses Kartenspiel mit deutschen

Karten gespielt; wenn’s ums Gewinnen

geht, gilt «Stöck, Wys, Stich».

Jassen

133


K

Kinderbetreuung

Kirchensteuer

Konsens

Zürich von A bis Z

Die Gemeinden des Kantons Zürich sind

gesetzlich verpflichtet, Tagesstrukturen für

Kinder und Jugendliche zur Verfügung

zu stellen. Die Ausgestaltung des Angebots

bleibt den Gemeinden überlassen. Der

Kinderbetreuungsindex des Statistischen

Amts des Kantons Zürich informiert detailliert,

welche Gemeinde was anbietet

(www.kinderbetreuung.zh.ch).

Bei der Anmeldung in der Wohngemeinde

wird nach der Konfession gefragt. Kirchensteuerpflichtig

sind im Kanton die beiden

Landeskirchen (evangelisch-reformiert und

römisch-katholisch) sowie die christkatholische

Kirchgemeinde. Die Kirchensteuer

wird mit der Einkommens- und Vermögenssteuer

verrechnet und beträgt zwischen 8

und 16 Prozent der einfachen Staatssteuer

für Katholiken und zwischen 6 und 14

Prozent bei der evangelisch-reformierten

Kirche sowie 14 Prozent bei der christkatholischen

Kirchgemeinde.

Ein wesentliches Merkmal der Schweizer

Demokratie ist, dass alle Parteien in die

Regierungsverantwortung eingebunden

sind. Gut möglich, dass die Schweizer den

Konsens deshalb höher einstufen als den

Konflikt. Und gut verständlich, dass sich

deshalb manche Neuzuzügerinnen und

Neuzuzüger bisweilen schwertun mit der

typisch schweizerischen Eigenart, stets

den Kompromiss zu suchen und Konfrontationen

auszuweichen.

134


Zürich von A bis Z

Das Krankenversicherungs ge setz (KVG) Krankenkasse

schreibt für alle in der Schweiz wohnhaften

Personen jeden Alters eine obligatorische

Grundversicherung vor. Diese deckt

alle medizinischen Grundleistungen,

Medikamente sowie den Aufenthalt in der

Allgemeinabteilung von Krankenhäusern.

Die Krankenkassen bieten Zusatzversicherungen

für Ansprüche an, die nicht in der

Grundversicherung enthalten sind; darunter

fallen unter anderem Privatspitäler oder

zahnärztliche Behandlungen. Da der obliga

torische Leistungsumfang bei allen

Krankenkassen gleich ist, lohnt sich ein

Prämienvergleich.

Wo wohnen – im Grünen, in der Stadt

L

oder am See? Mit tiefem Steuerfuss oder

günstigen Mieten? Mit viel Sonne oder viel

Kultur? Antwort gibt der «Loc@lisator»,

eine interaktive Webapplikation des Statistischen

Amts des Kantons Zürich: Man

gibt seine Präferenzen ein und sieht auf Loc@lisator

einen Blick, wo man sich am ehesten

zu Hause fühlen wird.

Der Normalsatz von 7,6 Prozent wird

M

zwischen 2011 und 2017 zugunsten der

Invalidenversicherung auf 8 Prozent

angehoben.

Mehrwertsteuer

135


Mieten

N

O

Notfalldienste

Öffentlicher Verkehr

Zürich von A bis Z

Die Schweizerinnen und Schweizer sind

ein Volk von Mieterinnen und Mietern;

an ders als im umliegenden Ausland ist

Wohn eigentum eher die Ausnahme.

Schweizer Mietwohnungen verfügen über

eine komplett eingerichtete Küche; Waschmaschine/Wäschetrockner

finden sich

entweder in der Wohnung oder in einer

Gemeinschaftswaschküche. Der Mietvertrag

regelt Mietzins, Mietnebenkosten,

Kaution («Depot»), Mietbeginn und

Kündigung.

Polizei: 117; Feuerwehr: 118; Sanität: 144;

Strassenhilfe: 140; Rettungsflugwacht:

1414; Vergiftungen: 145; Seelsorge: 143;

Notfallarzt (Stadt Zürich): 044 421 21 21;

Tierärztlicher Notfalldienst: 044 830 10 00;

Zahnärztlicher Notdienst 044 363 31 00;

Kinderspital Zürich 044 266 71 11.

Der Kanton Zürich verfügt über eines der

dichtesten öffentlichen Verkehrsnetze der

Welt. Die Trams, Busse und S­Bahnen

des Zürcher Verkehrsverbundes (ZVV) verkehren

im Taktfahrplan und erreichen

(fast) jede Gemeinde auf Kantonsgebiet.

Siehe auch > Halbtax

Preise für Mietwohnungen

in CHF

1 Zimmer 3 Zimmer 5 Zimmer

Schweiz 640 1200 1895

Zürcher Oberland 850 1730 2460

Winterthur 830 1700 2470

Stadt Zürich 1270 2520 3850

Quelle: Immo­Monitoring 2011/1 Wüest & Partner

136


Zürich von A bis Z

In der Schweiz wird nicht geparkt, sondern

parkiert. Vor allem in den Innenstädten

ist die Nachfrage nach Parkplätzen oft

grösser als das Angebot.

Ausländische Arbeitnehmende ohne

Niederlassungsbewilligung «C» unterliegen

der Quellensteuer. Das heisst: Der Arbeitgeber

zieht die Gemeinde-, Staats- und

Bundessteuern direkt vom Lohn ab. Bei

einem Bruttoeinkommen von mehr als

120 000 Franken pro Jahr wird nachträglich

eine Steuerveranlagung durchgeführt –

es muss also eine Steuererklärung ausgefüllt

werden. Bei einem Brutto einkommen

von 100 000 Franken beträgt die Quellensteuer

knapp elf Prozent (un verheiratet,

ohne Kinder, konfessionslos).

> Umzug

> Grüezi

137

P

Q

Parkieren

Quellensteuer

R

S

Relocation

Schweizerdeutsch


Shopping

Sozialversicherungen

Stellensuche

Zürich von A bis Z

Die exklusivsten Shops finden sich in

Zürich an der Bahnhofstrasse und Umgebung

sowie in der Winterthurer Altstadt.

Lebensmittel und Artikel des täglichen

Bedarfs findet man bei Grossverteilern sowie

bei verschiedenen Discountern. Wer

gerne alles an einem Ort einkauft, wählt

eines der zahlreichen Shoppingcenter. Ausserdem

gibt es attraktive Wochenmärkte

sowie Bau- und Sportfachmärkte.

Zu diesen gehören die AHV (Alters- und

Hinterlassenenversicherung), die IV

(Invalidenversicherung), die ALV (Arbeitslosenversicherung)

und EO (Erwerbsersatzordnung

für Militär oder Zivildienstleistende).

AHV, IV und EO sind obligatorisch

für alle in der Schweiz wohnhaften oder

erwerbstätigen Personen. Die Beiträge

(AHV: 8,4 Prozent, IV: 1,4 Prozent, EO: 0,3

Prozent des Einkommens) werden zu

gleichen Teilen von den Arbeitnehmenden

und Arbeitgebern bezahlt. Die ALV ist obligatorisch

für alle Arbeitnehmenden. Die

Prämie beträgt zwei Prozent des Einkommens

und wird hälftig von den Versicherten

und den Arbeitgebern bezahlt. Selbstständig

Erwerbende können sich privat ge-

gen Arbeitslosigkeit versichern. Siehe

auch > Vorsorge.

Für die Stellensuche bieten sich an:

– Stellenvermittlungsbüros/–börsen und

die RAV (Regionale Arbeitsvermittlungs-

zentren; www.rav.ch, siehe EURES

Europäische Arbeitsvermittlung)

– Stelleninserate in fast allen Zeitungen

– Stellensuchportale im Internet

(www.stellenlinks.ch)

138


Zürich von A bis Z

Die Steuerbelastung im Kanton Zürich ist

im internationalen Vergleich relativ moderat.

Typisch für die föderalistische Struktur

der Schweiz ist, dass jede Gemeinde und

jeder Kanton den Gemeinde­ und Staatssteuersatz

selbst bestimmen kann; einzig

die eidgenössische Bundessteuer ist

schweizweit gleich. Durch die Wahl des

Wohnortes lässt sich folglich die Steuerbelastung

beeinflussen; sehr oft wird jedoch

die tiefere Steuerbelastung durch höhere

Miet- und Bodenpreise kompensiert.

Der Steuerfuss des Kantons Zürich beträgt

100 Prozent (Stand 2010). Die Bandbreite

der Gemeindesteuerfüsse reicht im Kanton

Zürich von 73 bis 122 Prozent (2010),

wobei der Gemeindesteuerfuss als Multiplikator

für die einfache Staatssteuer dient.

Das Einkommen wird von Bund, Kantonen

und Gemeinden progressiv besteuert,

wobei die Progression bei der Bundes-

und bei der Staatssteuer nach oben be grenzt

ist. Kantone und Gemeinden erheben zudem

eine progressive Vermögenssteuer

bis maximal 3 Promille; Schulden können

vom steuerbaren Vermögen abgezogen

werden. Mit Ausnahme der > (ausschliesslich)

quellensteuerpflichtigen Ausländerinnen

und Ausländer füllen alle in der Schweiz

wohnhaften Personen jährlich eine Steuererklärung

aus. Darin werden sämtliche

Einkünfte deklariert und Ab züge geltend

gemacht (zum Beispiel Berufsauslagen,

Unterhaltskosten, Unterstützungsbeiträge

oder Einzahlungen in die gebundene Vorsorge

der 3. Säule).

139

Steuern

Beispiel

Steuerbelastung

Staats- und

Gemeindesteuern

bei einem Ehepaar

(beide evangelisch

Basis 2010) mit einem

steuerbaren Einkommen

von CHF 100 000 und

steuerbaren Vermögen

von CHF 150 000: In

der steuergünstigsten

Gemeinde wären

CHF 9390, in der Stadt

Zürich CHF 11 802

zu bezahlen.


Strassenverkehrsamt

TTelefon

TV/Radio-Gebühren

Zürich von A bis Z

Die Standorte des Strassenverkehrsamtes

des Kantons Zürich finden sich in Zürich,

Winterthur, Regensdorf und Hinwil sowie

Oberrieden (Schifffahrtskontrolle). Sie sind

zuständig für die Führerprüfungen und für

die periodischen Kontrollen aller Motorfahrzeuge.

Wohnungsumzüge müssen dem

Strassenverkehrsamt gemeldet werden,

welches dann einen neuen Fahrzeugausweis

ausstellt.

Das Abonnement für einen Festnetzanschluss

(und die Telefonnummer) löst man

bei Swisscom. Danach ist man frei in

der Wahl des Telefonanbieters; neben Swisscom

bieten auch Sunrise sowie Cablecom

(über das Kabel­TV­Netz) Festnetztelefonie.

Die grössten Anbieter von Mobiltelefon-Abonnementen

sind Swisscom,

Orange und Sunrise; hinzu kommt eine

Reihe von Prepay-Anbietern. Bei Neuzuzügerinnen

und Neuzuzügern aus Nicht­EU/

EFTA­Staaten ohne Niederlassungsbewilligung

«C» wird Swisscom eine Kaution für

den An schluss verlangen.

Die meisten Wohnungen im Kanton Zürich

sind an Kabelnetze mit einem grossen

Angebot an TV- und Radiostationen angeschlossen.

Alternativ bieten Swisscom

und Cablecom auch TV-Empfang über den

Internetanschluss. Da praktisch in je dem

Haushalt ein Gerät steht, das TV- und

Radioprogramme empfangen kann, muss

140


Zürich von A bis Z

auch praktisch jeder Haushalt eine

Em pfangsge bühr für TV- und Radioprogramme

be zah len (pro Jahr Fr. 462.40,

Stand 2011). Dazu meldet man sich bei

der In kassostelle Billag (www.billag.ch) an.

Zu diesen Ge bühren für das öffentlichrechtliche

Fern sehen und Radio können

noch Kosten für den Kabelnetzanschluss

kommen; diese werden in der Regel mit

den Miet-Nebenkosten ver rechnet.

Am einfachsten ist der Umzug in die

U

Schweiz mit einem auf internationale Umzüge

spezialisierten Transportunternehmen,

das über Niederlassungen in der

Schweiz verfügt. Alternativ kann man sich

auch mit einer Relocation-Agentur vor Ort UUmzug

in Verbindung setzen, die von der Wohnungssuche

bis hin zur Einschulung der

Kinder behilflich sein kann.

Berufstätige sind durch ihren Arbeitgeber

obligatorisch gegen Berufs- und Nicht-

berufsunfälle versichert. Die Kosten für

die Berufsunfallversicherung deckt der Ar -

beitgeber, die Prämie für Nichtbetriebsunfälle

(höchstens zwei Prozent des Lohns)

übernehmen die Arbeitnehmenden. Nicht

Berufstätige und Kinder können die Unfalldeckung

bei der Krankenkasse integrieren

oder eine separate Unfallversicherung

abschliessen.

141

Unfallversicherung


VVereine

Verkehrsregeln

Verrechnungssteuer

Zürich von A bis Z

Ob Sport-, Quartier-, Debattier-, Musik-

oder Rosenzüchterverein: Der Kanton

Zürich hat auch eine bunt blühende Vereinslandschaft.

Vereine sind gerade

auch für Neuzuzügerinnen und Neuzuzüger

ein probates Mittel, schnell neue

Menschen kennenzulernen und sich sozial

zu vernetzen. Auskunft über das Vereinsangebot

geben die Gemeinden (meist

auch auf dem > Internet).

Die wichtigsten in aller Kürze – Höchstgeschwindigkeiten:

Falls nicht anders

si gnalisiert, gelten innerorts 50 km/h, ausserorts

80 km/h und auf Autobahnen

120 km/h. Kontrollen sind häufig und die

Bussen – schon bei geringen Übertretungen

– happig. Rechtsabbiegen bei Rotlicht

ist, anders als zum Beispiel in den

USA, nicht gestattet. Mobiltelefone dürfen

während der Fahrt nur mit einer Freisprechanlage

benützt werden. Im Auto gilt auf

allen Vorder- und Rücksitzen Gurttragepflicht,

und auf allen motorisierten Zweirädern

muss ein Helm getragen werden.

Auf allen Zinsen aus Guthaben auf Schweizer

Banken sowie auf allen Erträgen aus

schweizerischen Wertpapieren wird eine

35-prozentige Verrechnungssteuer erhoben

und von der Bank direkt vom Zinsgutha

ben abgezogen. Die Verrechnungssteuer

wird auf Antrag zurückerstattet, nachdem

die belasteten Wertschriftenerträge in der

Steuererklärung deklariert wurden.

142


Zürich von A bis Z

Die Bewohnerinnen und Bewohner der

Schweiz geben weltweit am meisten für Versicherungen

aus. Zum einen für die obligatorischen

(> Sozialversicherungen; >

Krankenkasse; > Unfallversicherung), zum

anderen für freiwillige Versicherungen.

Zwei davon sind so wichtig, dass sie

fast schon wieder obligatorisch sind. Die

erste dieser beiden ist die Privat-Haftpflicht

versicherung: Sie deckt alle Schäden,

die die Bewohner eines Haushalts (inkl.

Haustiere) Drittpersonen zufügen; darunter

fallen auch Haftungs ansprüche gegen -

über Wohnungsvermietern. Eine Police mit

fünf Millionen Franken Deckungssumme

kostet zwischen 100 und 150 Franken pro

Jahr. Die zweite ist die Hausratversicherung:

Sie kommt für Schäden auf, wel -

che durch Einbruch, Diebstahl, Feuer,

Wasser usw. am Hausrat entstehen. Der

Wert des Hausrats sollte möglichst genau

bestimmt und regelmässig aktualisiert

werden – bei einem Schadensfall kommt

eine Unterdeckung teuer zu stehen.

Fahrzeugversicherungen: Für sämtliche

Motorfahrzeuge ist eine Haftpflichtversicherung

obligatorisch; sie kann mit Teil­

oder Vollkaskoschutz ergänzt werden.

> Einreise

Das Vorsorgesystem der Schweiz kombiniert

die staatliche, betriebliche und indi vi -

duelle Vorsorge zum sogenannten Drei-

Säulen-Prinzip. Die staatliche Vorsorge

(erste Säule) besteht aus der AHV und IV

(> Sozialversicherungen). Die zweite

143

Versicherungen

Visum

Vorsorge


WWohnungssuche

Zürich von A bis Z

Säule – die betriebliche Vorsorge (BVG) –

ist obligatorisch für alle Arbeitnehmenden,

deren Jahressalär einen Mindestbetrag

übersteigt (Anschluss bei Vorsorgeeinrichtung

des Arbeitgebers). Die Prämien

sind abhängig von Alter und Leistungsumfang

und betragen zwischen 7 und 18

Prozent des Bruttolohns; mindestens

die Hälfte davon übernimmt der Arbeitgeber.

Die dritte Säule ist die individuelle

Vorsorge und wird von Finanzdienstleistern

(Banken, Versicherungen) angeboten.

Angestellte und selbstständig Erwerben -

de können im Rahmen der dritten Säule

steuerfrei in ihre private Vorsorge investieren.

Das Mindesteinkommen für die

zweite und die Freibeträge der dritten

Säule werden jedes Jahr durch die Bun desbehörden

neu festgelegt.

Neuzuziehende unterschätzen oft den Aufwand

für die erstmalige Wohnungssuche

und sind noch nicht mit den Preisstrukturen

vertraut. Wichtig ist es zu wissen, dass

es die sonnige, ruhig und zentral gelegene

5­Zimmer­Wohnung mit grossem Garten

für 1500 Franken pro Monat zwar schon

gibt, aber leider nur sehr selten. Tatsache

ist, dass die wirklich guten Wohnungen

meistens im Freundes­ und Bekanntenkreis

vermittelt werden. Es gilt also, sich rasch

möglichst breit zu vernetzen (zum Beispiel

in > Vereinen, Facebook). Die attraktiven

Mietangebote in Tageszeitun gen und auf

Internetportalen locken jeweils Scharen

von Interessenten an. Um sich gegen die

Mitbewerber durchzusetzen, braucht

es Glück – und ein gutes Bewerbungs-

144


Zürich von A bis Z

dossier. Dieses darf originell und muss

vollständig sein; enthalten sollte es einen

aktuellen Betreibungsauszug (erhältlich

beim Betreibungsamt der Wohngemeinde),

Referenzen von ehemaligen Vermietern

sowie den Nachweis über eine feste An stellung.

Wer möglichst schnell eine Wohnung

braucht, kann auch einen Makler

beziehen (die Erfolgsprovision beträgt

zwischen einer halben und einer ganzen

Monatsmiete). Eine andere Option sind

Relocation-Agenturen, die Neuzuzügerinnen

und Neuzuzügern nicht nur bei der

Wohnungssuche behilflich sind, sondern

gleich auch noch den Umzug in die

Schweiz organisieren. Wer etwas mehr

Zeit hat, sollte sich bei möglichst vielen

Immobilienverwaltungen, Gemeinden,

Wohngenossenschaften auf eine Warteliste

setzen lassen – gerade bei grossen Verwaltungen

wird man relativ rasch das eine

oder andere Angebot erhalten (auch hier

hilft das Bewerbungsdossier). Abschliessend

zwei Tipps. Erstens: Da preis lich

attraktive Wohnungen in Zürich, Winterthur

und in den steuergünstigen Gemeinden

am rechten Zürichseeufer dünn gesät sind,

lohnt es sich, auch in anderen Regionen

145


X Y

Z

Zügeln

Züri-Sack

Zürich von A bis Z

(z. B. Limmat­/Glatttal, Zürcher Wein­

und Oberland) Ausschau zu halten. Der

Loc@lisator unter www.statistik.zh.ch

hilft bei der Beurteilung des Stand ortes.

Zweitens: Suchen Sie getreu der Devise

«Lieber den Spatz in der Hand …»

bei der ersten Wohnung nicht nach

dem ab soluten Maximum. Eine umfassende

Liste mit hilfreichen Links zum

Thema «Wohnungssuche» findet sich

auf www.willkommen.zh.ch.

Schweizerisches Hochdeutsch für

Umziehen > Helvetismus

> Abfall

146


Zürich von A bis Z

147


Impressum

Herausgeber

Staatskanzlei und Standortförderung, Amt für

Wirtschaft und Arbeit, im Auftrag des Regierungsrates

des Kantons Zürich

Texte

Christian Rintelen, Thomas Wyss,

Gabriele Rohrer, Heinz Grütter

Fotos

André Roth und Marc Schmid, Zürich.

Seite 26/27(Stadion Letzigrund):

Zürich Tourismus

Seite 68/69 (Opernhaus Zürich):

Susanne Schwiertz

Seite 70 (Casinotheater Winterthur):

Casinotheater

Seite 71 (Theater Ticino Wädenswil):

Bernhard Fuchs

Seite 72 (Theaterspektakel):

Hans X. Hagen

Seite 73 (Kunsthaus Zürich):

www.jpg­factory.com

Seite 74 (Live at Sunset Festival Zürich):

Zürich Tourismus

Seite 75 (Musikkollegium Winterthur):

Musikkollegium

Gestaltung

Richard Feurer und Matthias Michel,

feurer network AG, Zürich

Produktion

Kantonale Drucksachen- und

Materialzentrale (kdmz), Zürich

Druck

Druckerei Feldegg AG, Schwerzenbach

Gedruckt im FM­Staccatoraster. Hergestellt in

nachhaltigen Prozessen (Umweltmanagementsystem

ISO 14001). Klimaneutral hergestellt.

PDF-Version und Bestellung

bestellung@sk.zh.ch

www.willkommen.zh.ch

Mai 2011

148

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