Gold – ein Metall mit vielen Gesichtern - uni-bonn.tv

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Gold – ein Metall mit vielen Gesichtern - uni-bonn.tv

1 forsch

Februar 2011

Bonner Universitäts-Nachrichten

Gold ein Metall

mit vielen Gesichtern


Kurz nach redaktionsschluss ...

... haben wir noch folgende Meldungen erhalten:

Ausgezeichnete Aufsätze: Für ihre Texte zum reformvertrag

von Lissabon sind Golo Kahlert, stephan schäfer und Marius

Kranzkowski vom Bonner rechtsjournal, einer studentischen

Jura-Fachzeitschrift, ausgezeichnet worden.

Für die ehrung der Preisträger hatten die studierenden

Bundesjustizministerin sabine Leutheusser-schnarrenberger

gewonnen.

richtfest auf dem Venusberg: Auf dem Gelände des Universitätsklinikums

entsteht ein neubau für die Medizinische

Klinik III, Teile der Medizinischen Klinik I, die Ambulanzzonen

des centrums für Integrierte onkologie (cIo) und vier

oP-säle für ambulante eingriffe. Das 30 Millionen euro teure

Bauvorhaben wird größtenteils aus dem Konjunkturpaket II

finanziert.

Kooperationsvertrag: IhK und Universität Bonn wollen

künftig enger zusammenarbeiten. Ziel ist es, Forschung,

Wissenschaft und Lehre durch wirtschaftliches und unternehmerisches

engagement zu fördern, den Wissenstransfer

und das regionale Wissenschaftsmarketing auszubauen

sowie Aus- und existenzgründungen aus dem wissenschaftlichen

raum zu unterstützen.

Editorial

Liebe Leserinnen und Leser,

eDITorIAL

nichts ist so gut, dass es nicht noch besser werden könnte.

Das gilt für die Gleichstellungsbemühungen unserer Universität

genauso wie für dieses Magazin. Darum haben wir uns für 2011

vorgenommen, unser redaktionelles Konzept zu überarbeiten.

Sie können uns dabei helfen, indem Sie uns Ihre Einschätzung

der „forsch“ wissen lassen (s. S. 43). Als kleines Dankeschön

nehmen alle, die bei der Umfrage mitmachen, an der Verlosung

von gefragten Uni-Artikeln und Kulturtickets teil. Die Redaktion

wird die kommenden Monate nutzen, die dadurch gewonnenen

Erkenntnisse in die Praxis umzusetzen. Das Ergebnis stellen wir

Ihnen mit dem nächsten Heft vor, das voraussichtlich im Juli als

Doppelnummer 2-3/2011 erscheinen wird.

Mit freundlichen Grüßen

Ihr Redaktionsteam

forsch 1/2011 universitätbonn

1


Foto: nAsA, esA, M. Jee and h. Ford (Johns hopkins University)

InhALT

Inhaltforsch1/2011

16 Mysteriöser Sternenkitt

Gibt es sie nun? oder etwa doch nicht? Die Frage nach der existenz

Dunkler Materie sorgt momentan in der Fachwelt für erregte Debatten.

Wenn es sie nicht gäbe, wären die Konsequenzen für die Physik enorm:

Unter anderem müssten newtons Gravitationstheorie und die einsteinsche

allgemeine relativitätstheorie abgeändert werden. Zwei Physiker

der Uni Bonn zeichnen in unserem streitgespräch die Argumente für

bzw. gegen den mysteriösen sternenkitt nach.

schwerpunktthema

Gold ein

Metall mit vielen

Gesichtern

34 Ausstellung: Die sonderausstellung

Goldrausch“ im

Mineralogischen Museum

informiert über das begehrte

edelmetall

35 Aktionstag: Die Universitätsmuseen

planen gemeinsame

Beiträge zum Thema „Gold

36 Goldsplitter: Wozu benötigen

staaten Goldreserven? Welche

rolle spielte Gold bei der entdeckung

der neuen Welt? Kann man

mit Gold heilen? Kann man mit

Gold töten? Ist die Goldplombe

ein Auslaufmodell?

38 online-Ausstellung: Das Akademische

Kunstmuseum zeigt seine

Münzsammlung im Internet

38 cartoon: herr schnabulak im

Goldrausch

2 forsch 1/2011 universitätbonn

9 Bierchen vom Blech-Butler

ein Butler für jedermann, der beim Fernsehen

das Bier bringt, anschließend die chips-

Krümel wegsaugt und sich danach selbst in

der Abstellkammer verstaut? Am Institut für

Informatik wollen Forscher diese Vision

Wirklichkeit werden lassen. erste Prototypen

gibt es schon.

hochschule

4 Gleichstellung: Die Universität will

einen ausgeglichenen Frauenanteil und

macht das Thema zur chefsache

5 Antrittsbesuch: Wissenschaftsministerin

svenja schulze informierte sich über

die Bonner Alma mater

Forschen

6 Zahnmedizin: neuartige „Laserbohrer“

sollen künftig eine weitgehend schmerzfreie

Zahnbehandlung ermöglichen.

ein erster Prototyp existiert bereits

8 Physik: Vier Uni-Wissenschaftler haben

vollbracht, was lange als unmöglich

galt: sie haben eine Art „super-Photon“

hergestellt

9 Biochemie: Professor Dr. Michael

Famulok möchte aus der erbsubstanz

DnA winzige Motoren bauen

11 Informatik: Uni-Informatiker entwickeln

haushaltsroboter, die Getränke servieren

13 Medizin: Bonner Forscher haben aufgekärt,

warum es nach operationen am

Verdauungstrakt so häufig zu einer kompletten

Lähmung des Darms kommt

Foto: AG Behnke

14 Psychologie: Träger einer bestimmten

erbgutvariante spenden signifikant

mehr Geld ist Altruismus genetisch

bedingt?

15 5 Fragen an den neuen Leiter der

chirurgischen Klinik Professor Dr. Jörg

c. Kalff

16 Genetik: Professor Dr. regina Betz

erforscht die Ursachen genetisch

bedingter Formen des haarausfalls

18 Astrophysik: Interview mit Professor

Dr. hans Peter nilles und Professor

Dr. Pavel Kroupa zur existenz Dunkler

Materie

23 Mathematik: Professor Dr. holger

rauhut will Algorithmen erarbeiten,

die aus minimal wenigen Messwerten

komplexe Daten rekonstruieren

Lernen und Lehren

26 NrW-Stipendien: Das Programm

geht mit 30 neuen stipendiaten in die

zweite runde

25 Sprachen lernen: ein neues Webportal

bündelt Angebote für über 50

sprachen von Akkadisch bis Yukatekisches

Maya


34 Facettenreiches Edelmetall

25 Fotografie: Zwei angehende Juristen

informieren in einem Blog über das

„recht am Bild“

27 Medizin: Die Fachschaft Klinik organisierte

zum ersten Mal eine Promotionsbörse

mit riesigem erfolg

27 Schule: In einem dreitägigen Kurzpraktikum

konnten schülerinnen viel

Wissenswertes zum Thema Lebensmittelsicherheit

lernen

28 Archäologie: Bonn und Umgebung

bieten studierenden viele Möglichkeiten,

Ausgrabungspraxis zu sammeln

29 Alte Geschichte: Freunde und Förderer

des Fachs haben den Verein „Minervia

e.V.“ gegründet

30 Geographie: Die studentin rebekka

oostendorp ist der Frage nachgegangen,

wie die stadt euskirchen auf den

demographischen Wandel reagiert

Weite Welt

Wohl kein anderes Metall beflügelt unsere Phantasie

so sehr wie Gold. Doch es ranken sich nicht nur

Abenteuergeschichten, Mythen und Lieder um das

begehrte edelmetall. In unserem schwerpunkt zeigen

wir, dass Gold sehr unterschiedliche Gesichter haben

kann.

31 Vietnam: Der Doktorand sven Genschick

forscht im Mekong-Delta über

den Umgang mit Land und Wasser

Foto: nicola Vernizzi, fotolia.com

46 Der Kartenzeichner

32 Austausch: Das Marie curie-Programm

„Menschen“ soll Forschern Auslandsaufenthalte

ermöglichen

33 ArTS: Die Teilnehmer des internationalen

Aufbaustudiengangs zeigen aktiv

und vielseitig Flagge

33 Musik: In einem internationalen chor

treffen sich studierende und Doktoranden

aus verschiedenen Weltregionen

Kultur

39 Theater: Die studentengruppe s.U.B-

Kultur bringt unter Anleitung eines

Profis ihr drittes stück zur Aufführung

40 Lampenfieber: eine neue Ambulanz

am Uniklinikum nimmt Musikern die

lähmende Angst vor dem falschen Ton

Service

41 Neuberufene: Mit dem serviceangebot

„startkabel“ unterstützt die stabsstelle

Personalentwicklung neue Professorinnen

und Professoren

41 Neue Medien: uni-bonn.tv präsentiert

seine Podcasts bei „iTunes U“

43 Umfrage: Wie finden sie die forsch?

henning Freiherr von Bernewitz ist nach

eigenem Bekunden der weltweit einzige

Zeichner von „Kulturkarten“: Auf seinen

großformatigen Werken verewigt der

77-jährige Alumnus nicht nur die

sehenswürdigkeiten und markanten

Punkte einer region, sondern auch

ihre Geschichte. selbst durch einen

schlaganfall ließ er sich nicht

von seiner Leidenschaft

abbringen.

44 hochschulsport: In „halle 5“ können

sich Uni-Angehörige fit machen

forsch-redakteurin Ulrike eva Klopp

hat es ausprobiert

Menschen

45 Alumni I: James Bond als Thema

einer kunsthistorischen Abhandlung?

Petra Kissling-Koch hat mit ihrer

preisgekrönten Dissertation gezeigt,

dass man auch mit ungewöhnlichen

Themen erfolg haben kann

46 Alumni II: henning Freiherr von Bernewitz

malt Kulturlandkarten nach

alter Tradition

47 Spenden: Auf der Promovenden-Feier

der Mediziner griffen die frisch gebackenen

Doctores für ihre Alma mater

in die Tasche

48 Ausgezeichneter Nachwuchs

49 Vorgestellt

49 Meldungen

51 Aus Technik und Verwaltung

52 Last but not least: „Veranstaltungsmeister“

Ansgar Leitzke erzählt über

sein Tätigkeitsfeld

52 Impressum

InhALT

Foto: Volker Lannert / Universität Bonn

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3


hochschULe

Foto: Frank homann / Universität Bonn

5Unter den Studierenden

stellen Frauen an der Uni-

versität Bonn schon heute

rund 55 Prozent.

Mit steigender Qualifikations-

stufe nimmt ihr Anteil

dagegen deutlich ab. Bei den

Professuren liegt er momen-

tan nur bei 12 Prozent.

Mit einem umfangreichen

Maßnahmenbündel versucht

die Universität, dieses

Ungleichgewicht abzubauen.

4 forsch 1/2011 universitätbonn

Quantifizierbare Ziele

Universität Bonn unternimmt weitere

Anstrengungen zum erreichen von

Gleichstellung

Foto: Frank homann / Universität Bonn

Mitte 2009 hatte das

rektorat der Universität Bonn eine Selbstverpflichtung

zu den forschungsorientierten Gleichstellungsstandards verabschiedet.

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat alle hochschulen

ermutigt, auf diese Weise ihre Bemühungen um eine Gleichstellung der

Geschlechter auf allen Ebenen zu kanalisieren und zu verstärken. Jetzt

steht der erste Zwischenbericht an, und es zeigt sich, dass bei allem

bislang Erreichten noch viel zu tun ist.

Den Grad der Umsetzung der

Gleichstellungsstandards an den Universitäten

hat die DFG auf eine vierstufi

ge Skala aufgetragen. Die Universität

Bonn kam dabei im ersten Anlauf nur

in die erste Bewertungsstufe. Es besteht

also Handlungsbedarf, will Bonn bei

der Förderung durch die größte deutsche

Forschungsförderorganisation

nicht ins Hintertreffen geraten. „Es ist

damit zu rechnen, dass die DFG künftig

bei gleichwertigen Anträgen im

Zweifel für den Antrag der Hochschule

votieren wird, die bei den Gleichstellungsmaßnahmen

die Nase vorne hat“,

sagt die Gleichstellungsbeauftragte der

Universität Bonn, Ursula Mättig.

Auch der Druck aus Düsseldorf

wächst. So ließ die neue Wissenschafts-

ministerin Svenja Schulze kürzlich

wissen: „Die Landesregierung hat sich

selbst darauf verpfl ichtet, dass zukünftig

40 Prozent Frauen in Führungspositionen

und Gremien vertreten sein sollen.

Hier sollten die Hochschulen nicht

nachstehen.“ Der noch immer geringe

Anteil von Professorinnen (landesweit

16,6 Prozent) sei eine Verschwendung

von Chancen und Talenten, die nicht

länger mit einem Schulterzucken hingenommen

werden dürfe.

Ziel aller Gleichstellungsmaßnahmen

ist ein angemessener Frauenanteil,

der sich am Kaskadenmodell

orientiert und zwar für alle Qualifi kationsstufen.

Dahin ist es noch ein weiter

Weg: Schon heute sind in den grundständigen

Studiengängen in Bonn mehr

Foto: Barbara Frommann / Universität Bonn

Frauen als Männer eingeschrieben (rund

55 Prozent), bei den Promotionen dominieren

die Männer mit 56,6 Prozent.

Nur knapp ein Fünftel aller Habilitationen

wird von Frauen eingereicht. Und

am wissenschaftlichen Personal haben

die Frauen einen Anteil von 35 Prozent,

von 517 Professuren sind nur 62 mit

Frauen besetzt (12 Prozent). Immerhin:

2000 lag der Frauenanteil bei den Professuren

noch bei etwa 9 Prozent.

In den vergangen Jahren haben das

Rektorat und das Gleichstellungsbüro

verschiedene Initiativen auf den Weg

gebracht, um Frauen den Weg auch in

höhere Qualifi kationsebenen der Universität

zu ebnen, darunter das Mentorenprogramm

MeTra und das Maria

von Linden-Förderprogramm. Auch

setzt sich der Rektor derzeit persönlich

für eine neue Kindertagesstätte für

Universitätsangehörige in Endenich

ein. Darüber hinaus wurde eine Projektkraft

engagiert, die das Thema Studieren

mit Kind bearbeitet. Hier gibt es

schon im Kleinen noch viel zu tun: So

gibt es etwa in der Mensa derzeit keine

Kinderportionen.

Alle sollen an einem Strang

ziehen

Die bisherigen Bemühungen der

Universität Bonn gehen der DFG jedoch

noch nicht weit genug. Kritisiert

wird unter anderem, dass Gleichstellung

nicht auf den Leitungsebenen

etabliert und nicht Teil der Steuerungselemente

der Universität ist, sondern alles,

was Teil der Gleichstellungsarbeit


ist, auf das Gleichstellungsbüro „abgewälzt“

werde. Rektor Prof. Dr. Jürgen

Fohrmann hat dieses Problem schon

bei seinem Amtsantritt aufgegriffen

und nun eine Steuerungsgruppe unter

seinem Vorsitz einberufen, in der neben

der Gleichstellungsbeauftragten

auch Multiplikatoren aus allen Fakultäten

vertreten sind. „Nur wenn auch

die Fakultäten mit uns an einem Strang

ziehen, werden wir unsere ehrgeizigen

Ziele in Sachen Gleichstellung erreichen“,

betont der Rektor.

Das Gremium ist Teil des neuen

Gleichstellungskonzepts der Universität

Bonn. Es soll alle Fördermaßnahmen

überwachen und koordinieren.

Die bisherigen Fördermaßnahmen

sollen ausgebaut und um weitere Angebote

ergänzt werden. Neben der wissenschaftlichen

Nachwuchsförderung

sind Aktivitäten für Schülerinnen und

Studentinnen vorgesehen. Maßnahmen,

die die Vereinbarkeit von Beruf,

Studium und Familie fördern, „Dual

Career“-Angebote für die Partner

von neuen Beschäftigten, Personalentwicklungsmaßnahmen

und eine

wissenschaftliche Erforschung von

Bedingungen, die Gleichstellung ermöglichen

oder verhindern sind ebenfalls

Teil des Maßnahmenkatalogs.

Quantifizierbare Ziele

Die Uni setzt künftig auf koordinierte

personelle und strukturelle

Maßnahmen zur Verbesserung der

Gleichstellungssituation. So hat das

Rektorat beschlossen, einschlägige

Zahlen genauer als bisher zu erheben,

um auf dieser Basis quantifi zierbare

Ziele für den Zeitraum bis 2013 festlegen

zu können. Erste Zielmarke ist es,

den Frauenanteil an den Professuren

auf den Bundesdurchschnitt von 17

Prozent anzuheben.

Ursula Mättig begrüßt es, dass

Gleichstellung nun auch Chefsache ist,

und hofft, künftig mehr Zeit als Ideengeberin

zu haben. Für die Umsetzung

des Gleichstellungskonzepts hat ihr

die Universität eine zusätzliche Stelle

zur Verfügung gestellt, die sich neben

der Datenerfassung vor allem um ein

strategisches Controlling kümmern

wird. Arc/ForSch

Weitere Informationen:

www.gleichstellung.uni-bonn.de

Fotos: Volker Lannert / Universität Bonn

Antrittsbesuch:

Wissenschaftsministerin svenja schulze hat im Januar der Universität

Bonn ihren Antrittsbesuch abgestattet. Im Gespräch mit dem rektorat

ging es unter anderem um die Profilbereiche der traditionsreichen

Bonner Alma mater. rektor Professor Dr. Jürgen Fohrmann betonte in

diesem Zusammenhang unter anderem die Bedeutung der Landwirtschaftlichen

Fakultät für die Uni als nrW-weites Alleinstellungsmerkmal.

Besonders erfreut zeigte sich die Ministerin über die geplante

Wiedereinführung der Lehrerausbildung. Auch sonst fand sie lobende

Worte: „Die Universität Bonn ist auf einem guten Weg.“ Der rektor

nahm das ministerielle Lob als gutes omen gerade auch mit Blick auf

die anstehende zweite runde der exzellenzinitiative. FL/ForSch

hochschULe

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5


Forschen

6 forsch 1/2011 universitätbonn

Per Laserschwert gegen Karius und Baktus

Forscher entwickeln neues Therapiesystem für Zahnärzte

Bonner Wissenschaftler entwickeln momentan mit Partnern aus Forschung

und Industrie ein neuartiges Lasertherapiesystem. Das Gerät

soll künftig eine nahezu schmerzfreie und sehr präzise Zahnbehandlung

ermöglichen. 6,8 Millionen Euro stellt das Bundesforschungsministerium

für das Projekt zur Verfügung, das bereits seit 2009 läuft. Jetzt wurde

ein erster Prototyp fertig gestellt, den Ärzte und Physiker in Bonn

momentan testen unter anderem an Stoßzähnen von Mammuts.

5Prof. Frentzen (links) und Florian Schelle

beobachten gespannt, wie der „Laser-Meißel“

die quadratische Elfenbein-Probe bearbeitet.

Auf dem unteren Bild dient dagegen ein

menschlicher Zahn als Versuchsobjekt.

Fotos: Volker Lannert / Universität Bonn

Der Zahn ist schon etwas älter,

rund zehntausend Jahre, grob geschätzt.

Und jetzt soll er sein erstes

Loch bekommen. Energisch schiebt

sich Florian Schelle die Schutzbrille

über die Augen und schreitet zur Tat.

Mit ein paar Drehungen am Rändelrad

bewegt er die Elfenbeinscheibe in den

Strahlengang des Lasers. Es puckert

leise, ein helles Rauchwölkchen steigt

auf und verschwindet im Absaugstutzen.

„Pulverisiertes Zahnbein“, kommentiert

der Physiker. Nach wenigen

Sekunden ist alles vorbei: Der Laser

hat eine würfelförmige Ausschachtung

im Mammut-Stoßzahn erzeugt,

kaum größer als ein paar Zuckerkristalle.

So präzise würde das kein normaler

Bohrer hinbekommen.

Der Strahl, mit dem die Bonner

Forscher ihre Proben malträtieren, be-

steht vor allem aus Dunkelheit. 500.000

Mal pro Sekunde „tropft“ aus dem

Laser ein kleines Lichtpaket, ähnlich

wie Wasser aus einem Wasserhahn.

Zweieinhalb Millimeter ist jeder Lichttropfen

lang; zwischen zwei Tropfen

liegen 600 Meter Finsternis. „Unser

Laser arbeitet mit ultrakurzen Pulsen“,

erklärt Florian Schelle. „Das ist auch

der Grund, warum man mit ihm Löcher

in Zähne bohren kann.“ Zwar ist

die Gesamtenergie des Strahls gar nicht

mal besonders hoch. In seinen „lichten

Momenten“ bringt er jedoch für extrem

kurze Zeit dieselbe Leistung wie

ein modernes Windkraftwerk. Wenn

so ein Lichttropfen mit geballter Wucht

auf den Zahn aufschlägt, zerreißt er

die Moleküle. Wärme und Vibrationen

werden dabei kaum übertragen. Daher

dürfte die Methode für Patienten so gut

wie schmerzfrei sein.

Das Projekt MiLaDi (Minimalinvasive

Laserablation und Diagnose

von oralem Hartgewebe) könnte für

die Zahnheilkunde eine kleine Revolution

bedeuten. Und zwar nicht

nur deshalb, weil der Lichtbohrer

Patienten die Angst vor dem Zahnarztstuhl

zu nehmen verspricht. „Wir

können den Bohrer beispielsweise

mit einem Diagnoselaser kombinieren“,

erklärt Projektleiter Professor

Dr. Matthias Frentzen von der Poliklinik

für Parodontologie, Zahnerhaltung

und präventive Zahnheilkunde. „So

können wir während der Behandlung

analysieren, ob wir uns noch in einem

Kariesherd befinden oder schon im

gesunden Gewebe und den Bohrer

rechtzeitig stoppen.“

Es gibt heute bereits Laser, die das

können. Sie haben aber ein begrenztes

Einsatzspektrum. Grund: Jedes Gewebe

spricht auf eine andere Lichtfarbe

an. Ein Laser, der besonders gut Karies

entfernt, eignet sich daher nicht,

um altes Füllungsmaterial abzutragen

oder die Aussparung für ein Inlay in

den Zahn zu präparieren. Nicht so

ultrakurzgepulste Laser: Sie können

aufgrund ihrer hohen Leistungsdichte

beinahe jedes Material bearbeiten.

„Wir wollen eine Art all-in-one-System

bauen“, betont Frentzen.


Frei programmierbarer Bohrkopf

Ein weiterer Vorteil ist die hohe

Präzision des Laserbohrers: Der

Strahl ist nicht einmal halb so dick

wie eine Wimper und damit streng

genommen sogar zu fein, um damit

vernünftig zu arbeiten. Die Forscher

verpassen ihrem Bohrer daher einen

virtuellen Bohrkopf: Sie lenken den

Laser über zwei Spiegel so ab, dass

er rasend schnell ein frei programmierbares

Muster abfährt. „Sehen Sie

hier“, sagt Florian Schelle und holt mit

ein paar Mausklicks ein aus vielen

parallelen Linien zusammengesetztes

Quadrat auf den Bildschirm. „Das

ist unser Bohrkopf: Der Lichtstrahl

fährt die Linien nach und fräst so eine

viereckige Aussparung in den Zahn.“

Durch Variation des Musters könnten

die Forscher auch runde oder sogar

herzförmige Löcher bohren und das

auf hundertstel Millimeter genau.

Fast 7 Millionen Euro stehen für

das vom Bundesministerium für Bildung

und Forschung geförderte Projekt

zur Verfügung. Bis 2012 wird die

Förderung zunächst laufen. Mehr als

anderthalb Jahre haben die Bonner

Wissenschaftler zusammen mit zwei

Industrieunternehmen an der Entwicklung

des Prototyps gearbeitet. Jetzt

stehen weitere Forschungsarbeiten auf

dem Programm: Welche Pulsparameter

eignen sich für verschiedene Materialien

am besten? Wirkt der Strahl

tatsächlich nur lokal, oder schädigt er

auch die Umgebung der behandelten

Stelle? Werden beim Bohren gefährliche

Substanzen frei?

„Elfenbein eignet sich aufgrund

seiner dentinähnlichen Struktur besonders

gut für unsere Experimente“,

erläutert Frentzen. Stoßzähne von

Elefanten sind verständlicherweise

aus Artenschutzgründen tabu. Glücklicherweise

birgt aber der sibirische

Permafrost-Boden Mammut-Stoßzähne

zuhauf. In Zukunft wird der Bedarf

der Forscher nach den eiszeitlichen

Funden aber wohl zurückgehen: Sie

führen viele ihrer Tests inzwischen an

Schweinekiefern durch. Die sind nicht

nur leicht zu bekommen, sondern ihre

Zähne ähneln auch frappierend denen

des Menschen. FL/ForSch

4 Weitere Informationen im Internet:

http://www.miladi.uni-bonn.de

BESSErE ErFoLGE BEI KÜNST-

LIchEr BEFrUchTUNG

eine neue Untersuchungsmethode

lässt kinderlose Paare auf eine höhere

erfolgsquote bei einer künstlichen

Befruchtung hoffen. Das

Verfahren kann chromosomenschäden

in der eizelle mit knapp

90-prozentiger Wahrscheinlichkeit

sichtbar machen. Das zeigt eine

studie der Universität Bonn und

des Zentrums für reproduktionsmedizin

in Bologna, Italien. Ärzte

können so ganz gezielt diejenigen

eizellen in die Gebärmutter implantieren,

deren chromosomen in ordnung

sind.

Bislang führt eine künstliche Befruchtung

nur in einem Drittel der

Fälle zu einer erfolgreichen schwangerschaft.

chromosomen-Defekte

gelten dafür als wesentlicher Grund.

Um derartigen erbgutfehlern auf

die schliche zu kommen, untersucht

man an vielen reproduktionsmedizinischen

Zentren kugel-

förmige Abschnürungen der eizelle,

die so genannten Polkörperchen.

„sie verhalten sich hinsichtlich ihres

erbguts komplementär zur eizelle“,

erklärt Professor Dr. Markus

Montag. „Indem wir sie untersuchen,

können wir daher auf die genetische

Ausstattung der eizelle

schließen.“

Für den Biologen aus der Abteilung

für reproduktionsmedizin sind derartige

Polkörperanalysen seit vielen

Jahren routine. Doch funktionierte

das Verfahren bislang nicht gut genug,

um wirklich alle chromosomenfehler

auszuschließen. „Wir

haben nun zusammen mit unseren

Partnern in Bologna eine empfindlichere

Analysemethode getestet“,

sagt der Bonner reproduktionsmediziner

Professor Dr. hans van der

Ven. „Das Verfahren macht nicht

nur Veränderungen der chromosomenzahl

sichtbar, sondern auch

Brüche und andere kleinere Fehler.

In fast 90 Prozent der Fälle konnten

wir so den chromosomalen status

der jeweiligen eizelle fehlerfrei bestimmen.“

Aufsehen erregend ist die unerwartet

hohe rate an chromosomendefekten:

Vier von fünf analysierten

eizellen wiesen derartige Fehler auf.

„Wir hatten in die Untersuchung nur

Frauen über 40 Jahre aufgenommen“,

nennt studien-Koautorin

Professor Dr. Katrin van der Ven einen

Grund für die hohe Zahl. „Dennoch

hat uns diese Fehlerrate

überrascht.“

BESTrAhLUNG „VoN INNEN“

ZErSTÖrT TUMorE

eine vergleichsweise neue Methode

der Krebsbekämpfung ist augen-

scheinlich erfolgreicher als gedacht:

einer studie der Universität

Bonn zufolge lassen sich durch die

so genannte Peptidrezeptor-radionuklid-Therapie

(PPrT) auch relativ

rasch wachsende Tumore zerstören.

Die PrrT funktioniert allerdings

nur bei so genannten neuroendokrinen

Geschwulsten. Diese bilden

auf ihrer oberfläche massenhaft

bestimmte rezeptoren. Damit

schnappen sie sich spezifische eiweiße

in ihrer Umgebung und

schleusen sie in die Krebszellen.

Bei der PPrT werden diese eiweiße

wie ein Trojanisches Pferd mit

einem radioaktiven Isotop beladen.

Der strahler gelangt so in die

Krebszelle und zerstört diese von

innen.

„Wir erzielen mit dieser Methode

verblüffende erfolge“, erklärt der

Bonner nuklearmediziner Professor

Dr. hans-Jürgen Biersack. Das

könne soweit gehen, dass sich die

Krankheitssymptome temporär

komplett zurückbildeten. selbst

Patienten im endstadium sprächen

mitunter so gut auf die Therapie

an, dass sie noch einige Jahre

lebten. Zudem seien die nebenwirkungen

äußerst gering.

Bislang behandelte man allerdings

nur solche Patienten mit einer

PrrT, die unter sehr langsam

wachsenden neuroendokrinen Tumoren

litten. Bei etwas aggressiveren

Verläufen wurde dagegen

häufig die chemotherapie bevorzugt.

Augenscheinlich zu unrecht,

wie die aktuelle studie nun zeigt:

„Wir haben die PrrT auch bei Betroffenen

eingesetzt, deren Tumore

eine höhere Teilungsaktivität

zeigten“, sagt der Bonner oberarzt

Dr. samer ezziddin. „Die erfolgsquote

war mit der bei weniger aggressiven

Tumortypen vergleichbar.

sie lag zudem deutlich höher als

bei einer klassischen chemotherapie.“

eine wirkliche heilung sei allerdings

nur in seltenen Fällen

möglich.

Foto: fl

Forschen

5 Professor Dr. Markus

Montag möchte die

Erfolgsquote bei künst-

lichen Befruchtungen

verbessern.

forsch 1/2011 universitätbonn

forschenkompakt

7


Illustration: Jan Klärs, Universität Bonn

Forschen

Künstlerische Illustration

des photonischen Bose-

Einstein-Kondensats

5Die Schöpfer des „Super-

Photons“ (von links):

Julian Schmitt, Jan Klärs,

Dr. Frank Vewinger und

Professor Dr. Martin Weitz

8 forsch 1/2011 universitätbonn

Foto: Volker Lannert / Universität Bonn

Bonner Physiker stellen „Super-Photon“ her

Völlig neue Lichtquelle mit vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten

Physiker der Universität Bonn haben eine völlig neue Lichtquelle hergestellt,

ein so genanntes Bose-Einstein-Kondensat aus Photonen. Bis vor

kurzem hatten Experten das noch für unmöglich gehalten. Die Methode

eignet sich unter Umständen zur Konstruktion neuartiger laserähnlicher

Lichtquellen, die im röntgenbereich leuchten. Eventuell ließen sich

damit unter anderem leistungsfähigere computerchips bauen.

Wenn man Rubidiumatome sehr

stark abkühlt und genügend von ihnen

auf kleinem Raum konzentriert, werden

sie plötzlich ununterscheidbar: Sie

verhalten sich wie ein einziges riesiges

„Superteilchen“. Physiker sprechen von

einem Bose-Einstein-Kondensat.

Für „Lichtpartikel“, die Photonen,

müsste das eigentlich auch gehen. Leider

scheitert diese Idee aber an einem

fundamentalen Problem: Wenn man

Photonen „abkühlt“, verschwinden sie.

Licht zu kühlen und gleichzeitig zu konzentrieren,

schien daher bis vor einigen

Monaten unmöglich. Den Bonner

Physikern Jan Klärs, Julian Schmitt,

Dr. Frank Vewinger und Professor

Dr. Martin Weitz ist das nun dennoch

gelungen eine kleine Sensation.

Wie warm ist Licht?

Wenn man den Wolfram-Wendel

einer Glühbirne erhitzt, beginnt er zu

glühen zunächst rot, dann gelb und

schließlich bläulich. Man kann auf

diese Weise jeder Lichtfarbe eine „Entstehungstemperatur“

zuweisen: Blaues

Licht ist wärmer als rotes. Wolfram

glüht aber anders als beispielsweise

Eisen. Physiker eichen die Farbtemperatur

daher anhand eines erdachten

Modellobjekts, eines so genannten

schwarzen Körpers. Wenn man diesen

Körper auf 5.500 Grad erhitzen würde,

hätte er etwa dieselbe Farbe wie

Sonnenlicht zur Mittagszeit. Anders

gesagt: Mittagslicht hat 5.500 Grad

Celsius oder knapp 5.800 Kelvin. Die

Kelvin-Temperaturskala kennt keine

negativen Werte, sondern beginnt

beim absoluten Temperaturnullpunkt

von -273 Grad; daher sind Kelvin-

Werte immer 273 Grad höher als die

entsprechenden Celsius-Werte.

Wenn man einen schwarzen Körper

abkühlt, leuchtet er irgendwann gar

nicht mehr im sichtbaren Bereich, sondern

gibt nur noch unsichtbare infrarote

Photonen ab. Gleichzeitig nimmt seine

Strahlungsintensität ab: Die Menge der

Photonen wird mit sinkender Temperatur

immer niedriger. Das macht es

so schwierig, auf die für eine Bose-

Einstein-Kondensation nötige Menge

kühler Photonen zu kommen.

Die Bonner Forscher haben das

dennoch geschafft. Sie nutzten dazu

zwei hochrefl ektive Spiegel, zwischen

denen sie einen Lichtstrahl ständig

hin- und her warfen. Zwischen den

Refl exionsfl ächen befanden sich gelöste

Farbstoff-Moleküle, mit denen die

Photonen regelmäßig kollidierten. Bei

diesen Kollisionen verschluckten die

Moleküle die Photonen und spuckten

sie danach wieder aus. „Dabei nahmen

die Photonen die Temperatur der

Farbstoff-Flüssigkeit an“, erklärt Professor

Weitz. „Sie kühlten sich also auf

Raumtemperatur ab, und zwar ohne

gleichzeitig verloren zu gehen.“

Ein Kondensat aus Photonen

Die Physiker erhöhten nun die

Menge der Photonen zwischen den

Spiegeln, indem sie die Farbstoffl ösung

mit einem Laser anregten. So konnten

sie die abgekühlten Lichtteilchen so

stark konzentrieren, dass sie zu einem

„Super-Photon“ kondensierten.

Dieses photonische Bose-Einstein-Kondensat

ist eine völlig neue

Lichtquelle mit laserähnlichen Eigenschaften.

Sie bietet aber gegenüber

Lasern einen entscheidenden Vorteil:

„Wir können heute keine Laser herstellen,

die sehr kurzwelliges Licht

erzeugen also etwa UV- oder Röntgen-Licht“,

erläutert Jan Klärs. „Mit

einem photonischen Bose-Einstein-

Kondensat sollte das dagegen gehen.“

Diese Aussicht dürfte vor allem

Chip-Designer freuen: Sie nutzen


Laserlicht, um logische Schaltkreise

in ihre Halbleitermaterialien zu gravieren.

Wie fein diese Strukturen sein

können, wird unter anderem durch die

Lichtwellenlänge begrenzt: Langwellige

Laser eignen sich für Feinarbeiten

weniger gut als kurzwellige das ist,

als wollte man einen Brief mit einem

Malerpinsel unterschreiben.

Röntgenstrahlung ist viel kurzwelliger

als sichtbares Licht. Mit Röntgenlasern

sollten sich daher im Prinzip

Professor Dr. Michael Famulok dreht am rad und zwar an einem ganz

kleinen: Der Bonner Biochemiker möchte an winzige reifen aus dem

Erbmolekül DNA einen molekularen Antrieb schrauben und so eine Art

Nano-Motor erschaffen. Derartige Mini-Antriebe könnten in Zukunft

möglicherweise in winzige Fahrzeuge eingebaut werden, die Medikamente

an die passende Stelle bringen oder Ablagerungen in Adern

entfernen. Das ist aber nur ein Ziel eines Projekts, für das das European

research council (Erc) nun ein Advanced Investigator Grant in höhe von

knapp 2,5 Millionen Euro bewilligt hat.

Aus Metall wird der geplante

Nano-Motor nicht bestehen: Das Baumaterial

von Professor Dr. Michael Famulok

ist DNA das Molekül, das fast

allen Lebewesen als wichtiger Informationsspeicher

dient. „Die Bausteine

der DNA lassen sich wie Legosteine

frei miteinander kombinieren“, sagt er.

„Außerdem ist das Molekül aufgrund

seiner strickleiterähnlichen Struktur

vergleichsweise stabil. Wir können mit

DNA also relativ einfach komplizierte

Gebilde bauen.“ Ein Beispiel dafür sind

die so genannten Rotaxane, die Famulok

kürzlich mit seinen Mitarbeitern

am Life & Medical Sciences (LIMES)-

Institut konstruiert hat.

Rotaxane bestehen aus einer Achse

und einem darüber gefädelten winzigen

Ring. Stopper an den Enden

der Achse verhindern, dass der Ring

herunter fällt. Rotaxane sind winzig

Tausende von ihnen auf einem Haufen

würden gerade mal soviel Platz

einnehmen wie der Punkt am Ende

dieses Satzes. Famulok hat mit ihnen

aber Großes vor: Sie sollen als Basis

für einen Nanomotor dienen.

Was noch fehlt, ist der Antrieb.

Doch dafür haben der Chemiker und

auf derselben Siliziumfläche erheblich

komplexere Schaltkreise unterbringen

lassen. Das würde eine neue Generation

von Hochleistungschips ermöglichen

und damit leistungsfähigere Computer

für den Endanwender. Auch bei anderen

Anwendungen wie zum Beispiel

der Spektroskopie oder der Photovoltaik

könnte das Verfahren nützlich sein.

Die Wissenschaftler sind inzwischen

als „patente Erfinder“ ausgezeichnet

worden. Der gleichnamige

Nano-Motoren aus dem Genlabor

Bonner Biochemiker erhält Millionenförderung

sein Team eine pfiffige Idee. Sie basiert

darauf, dass der aufgefädelte Ring

(ebenso wie die Achse selbst) aus DNA

besteht. Es gibt nun bestimmte Eiweißmoleküle,

welche die Information im

DNA-Faden abschreiben und so Kopien

des Erbguts einer Zelle herstellen.

Dazu hangeln sie sich am Faden entlang

ähnlich wie ein Zirkusakrobat,

der von Strickleiter-Sprosse zu Strickleiter-Sprosse

klettert. Famulok möchte

diese Bewegung der DNA-Kopierer

nutzen, um den Reifen des Rotaxans in

eine Drehbewegung zu versetzen.

Das ist nur eine der Ideen, die Famulok

in seinem Projektantrag für das

European Research Council (ERC)

skizziert hat. Ihnen allen ist gemeinsam,

dass die Forscher damit wissenschaftliches

Neuland beschreiten. „Es

ist noch nicht klar, ob es klappt“, gibt

Famulok zu. „Auch wenn wir natürlich

fest daran glauben. Wenn alles so

funktioniert, wie wir es planen, wäre

das der Durchbruch zu einem neuen

Forschungsfeld.“

Das Interesse an Nanomotoren ist

immens: In nicht allzu ferner Zukunft

könnten sie beispielsweise winzige

„Fahrzeuge“ antreiben, die im Körper

Wettbewerb wird vom Innovationsministerium

NRW und der Patentvermarktungs-Gesellschaft

Provendis ausgerichtet.

Knapp 120 Forschergruppen

hatten daran teilgenommen. Die Webseite

des Institute of Physics, Großbritanniens

und Irlands Hauptberufsverband

für Physiker, hat das

„Super-Photon“ zudem unter die „Top

10-Durchbrüche des Jahres 2010“ im

Fach Physik gewählt (http://physicsworld.com/cws/article/news/44618).

FL / ForSch

Medikamente an die passende Stelle

bringen oder Ablagerungen entfernen.

Möglicherweise lassen sich mit ihnen

sogar hauchdünne Gewebe konstruieren,

die etwa bei Menschen mit einer

Muskelschwäche die nachlassende

Muskelfunktion kompensieren.

Es gehört zur Strategie des ERC,

vorzugsweise derartige „high risk,

high gain“-Projekte zu fördern. Dabei

fließt das Geld ausschließlich an

Wissenschaftler, die sich bereits in

der Vergangenheit durch Erfolge auf

besonders innovativen Gebieten ausgezeichnet

haben. Professor Famulok

beispielsweise hat vor einigen Jahren

bereits den Leibniz-Preis erhalten

die höchst dotierte Auszeichnung, die

in Deutschland regelmäßig an Forscher

vergeben wird.

Insgesamt zählt Bonn bei der

Brüsseler Spitzenförderung zu den

fünf erfolgreichsten Hochschulen in

Deutschland. Das ist umso erfreulicher,

wenn man die niedrige Bewilligungsquote

bedenkt. So hatten sich in der vorangegangenen

Förderperiode knapp

1.600 Wissenschaftler aus ganz Europa

um einen Advanced Grant beworben.

Deutschlandweit konnten sich lediglich

31 von ihnen über eine Zusage aus

Brüssel freuen. Die aktuellen Zahlen

stehen noch nicht fest. FL / ForSch

4Informationen und Beratung zu

den Erc-Grants: Dr. Ulrike Pag

EU-referentin im International office,

Universität Bonn

Telefon: 0228/73-3073

E-Mail: upag@uni-bonn.de

Foto: Universität Bonn

Forschen

5Der Bonner Biochemiker

Professor Dr. Michael

Famulok möchte aus DNA

Motoren bauen.

forsch 1/2011 universitätbonn

9


forschenkompakt kompakt

Forschen

10 forsch 1/2011 universitätbonn

DIE ZEIT hEILT NIchT ALLE

WUNDEN

Die Zeit heilt alle Wunden: Dieser

tröstlich gemeinte spruch scheint für

Trennungen nicht zu gelten. stattdessen

bewirkt häufig erst eine neue

Partnerschaft die endgültige Lösung

von der oder dem ex. Das zeigt

zumindest eine studie von Bonner

Psychologen, an der 144 Versuchspersonen

teilnahmen. Darin erfragten

die Forscher explizit, was die

Probanden von ihren ex-Partnern

hielten. Zudem ermittelten sie expe-

rimentell die verborgenen (impliziten)

Gefühle zu dem

oder der Verflossenen.

ergebnis:

Je

positiver

die implizite

einstellung zum

ehemaligen Partner,

desto unzufriedener

waren die Teilnehmer

mit ihrem Leben. Anders

gesagt: Wer noch an

seinem oder seiner ex

hängt, ist unglücklicher.

Das klingt zunächst wenig überraschend.

„erstaunlicherweise ist es

mit den expliziten Meinungen aber

genau andersherum“, betont der Leiter

der Bonner sozial- und rechtspsychologie

Prof. Dr. rainer Banse:

„Wer sich positiv über den expartner

äußert, ist tendenziell zufriedener.“

Denn gut über den Verflossenen oder

die ex zu reden, ist ein Zeichen der

souveränität. Und die besitzt man

erst, wenn man wirklich mit der zerbrochenen

Beziehung abgeschlossen

hat.

Überrascht waren die Forscher von

einem weiteren Befund: Demnach

gibt es keinen eindeutigen Zusammenhang

zwischen der Zeit seit der

Trennung und der Lebenszufriedenheit.

„Unsere studie zeigt, dass man

sehr lange unter einer Trennung lei-

den kann“, betont der Bonner Psychologe

roland Imhoff. „oft scheint

erst mit einer neuen Beziehung auch

eine neubewertung des expartners

einher zu gehen, der damit an einfluss

auf das Lebensglück verliert.“

MAGNETFELDEr hELFEN BEI

DEPrESSIoNEN

starke Magnetfelder eignen sich augenscheinlich

sehr gut zur Therapie

schwerer Depressionen. Das konnten

Mediziner der Uni Bonn in einer

neuen studie zeigen, in der sie insgesamt

zehn Patienten mit der so

genannten Magnetkrampftherapie

(MKT) behandelten. Bei sechs von

ihnen besserte sich der Zustand daraufhin

deutlich. Die neue Methode

ist damit ähnlich erfolgreich wie die

elektrokrampftherapie (eKT), der

sich ebenfalls zehn Patienten unterzogen.

Diese gilt momentan bei

schweren Depressionen als Behandlungsmethode

der Wahl, kann aber

zu Gedächtnisstörungen führen. „Unseren

ergebnissen zufolge ist die

MKT deutlich schonender“, erklärt

Dr. sarah Kayser von der Klinik für

Psychiatrie und Psychotherapie.

Angesichts der kleinen Patientenzahl

sei das ergebnis aber noch mit Vorsicht

zu betrachten, betont der Bonner

Depressionsexperte Professor

Dr. Thomas e. schläpfer. „Wir müssen

jetzt unbedingt weitere Patienten

behandeln, um unsere ergebnisse

zu bestätigen.“ Für Menschen, die an

Depressionen leiden, sind die resultate

aber schon jetzt Anlass zur hoffnung:

Während die eKT trotz ihrer

großen Wirksamkeit aufgrund ihrer

nebenwirkungen eher als „ultima ratio“

eingesetzt wird, hat die MKT mit

diesem Manko nicht zu kämpfen. sie

könnte daher bei Patienten, die auf

Medikamenten und Psychotherapien

nicht ansprechen, als Alternative

zum einsatz kommen. Das könnte so

manchem Betroffenen einen jahrelangen

erfolglosen Behandlungsmarathon

ersparen.

JoDVErLUSTE DUrch

rEIchLIchES TrINKEN

Wer viel trinkt, sollte seine Jodversorgung

im Auge behalten. Zu dieser

empfehlung kommen Wissenschaftler

des Forschungsinstituts für Kinderernährung

einer der Uni Bonn

angegliederten einrichtung anlässlich

einer aktuellen studie. Darin ha-

ben die Forscher festgestellt, dass

reichliches Trinken zu Jodverlusten

führen kann. Da Deutschland abgesehen

von den Küstengebieten ohnehin

Jodmangelregion sei, solle man

dieses ergebnis nicht auf die leichte

schulter nehmen. „Kinder und erwachsene,

die bewusst richtig also

reichlich trinken, sollten daher

ebenso bewusst auf eine jodreiche

ernährung achten“, betont studienleiter

Professor Dr. Thomas remer.

hierzu gehören neben seefisch auch

Milch und Milchprodukte sowie alle

Lebensmittel, die gezielt mit Jodsalz

hergestellt werden. Dazu zählen inzwischen

auch viele Fertigprodukte

wie Brot, Wurstwaren, Käse, suppen

oder Pizzen. Keinesfalls solle man

jedoch auf eine reichliche Flüssigkeitszufuhr

experten empfehlen

zwei Liter pro Tag verzichten, denn

die sei für die Gesundheit äußerst

wichtig.

NETZWErK GEGEN KrANKhEITS-

ErrEGEr

neue erkenntnisse über Krankheitserreger

gewinnen und daraus neue

strategien gegen sie entwickeln: Das

sind die zentralen Aufgaben des

„Deutschen Zentrums für Infektionsforschung“

(DZI). Das DZI wurde

durch das Bundesministerium für

Bildung und Forschung (BMBF) initiiert;

als Partner wurden sieben

Forschungseinrichtungen in ganz

Deutschland benannt darunter auch

die Universität Bonn. In den kommenden

Monaten sollen die nominierten

standorte gemeinsam konkrete

Ziele und Konzepte erarbeiten.

nach der endgültigen Festlegung der

beteiligten einrichtungen wird das

DZI voraussichtlich Mitte 2011 seine

Arbeit aufnehmen. Die Wissenschaftler

des deutschlandweiten netzwerks

werden ihre Arbeit dann auf die erforschung

von Krankheitsursachen und

-verläufen sowie neuer Ansätze für

Diagnostik, Prävention und Therapie

konzentrieren.

Die Universitäten Bonn und Köln sowie

das Kölner Universitätsklinikum

waren mit einem gemeinsamen Antrag

für ein „Bonn-cologne-center

for Infectious Diseases“ erfolgreich.

Im Antrag ist eine rotierende Koordinatorenschaft

vorgesehen. Zu Beginn

wird der Bonner Parasitologe

Professor Dr. Achim hoerauf diese

Aufgabe übernehmen.


Ein Butler der besonderen Art

haushaltsroboter der Uni Bonn können Gäste bedienen

Dynamaid und cosero heißen die beiden roboter, die am Institut für

Informatik für Aufgaben im häuslichen Bereich entwickelt wurden. Unter

der Leitung von Professor Dr. Sven Behnke hat die AG „Autonome

Intelligente Systeme“ menschenähnliche Maschinen konstruiert. Durch

ihre besondere Bauweise und speziell konzipierte Software können sie

nicht nur Kühlschränke öffnen, sondern auch Getränke servieren und

chips in Schüsseln füllen.

Ein weißes Gesicht aus Kunststoff,

ein roter Körper mit gelben

Armen und eine Art Fuß mit acht

Rädern. Auf dem Fuß ein Notebook

und auf dem Rücken ein roter Not-

Aus-Knopf. So steht sie regungslos da

die „Dynamaid“ (von engl. maid =

Dienstmädchen), der erste Haushaltsroboter,

den das Team von Professor

Dr. Sven Behnke entwickelt hat. Man

erkennt sofort, dass sie eine Maschine

ist. Doch eine, die menschliche Züge

annimmt. „Durch die sieben Gelenke

in ihren Armen kann sie sich auch

mal auf dem Rücken kratzen“, lacht

Behnke. Außerdem schaut sie immer

dahin, wohin sie greift oder fährt. Der

Benutzer weiß dann, was der Roboter

als nächstes tun wird, und erschrickt

nicht, wenn dieser plötzlich eine Bewegung

macht. Auch Dynamaids

Rumpf hat eine gewisse Beweglichkeit:

Sie kann ihn zur Seite drehen sowie

nach oben und unten fahren. Das

ist nötig, damit Dynamaid in verschiedenen

Höhen Sachen greifen kann.

Sie kann sogar Dinge vom Boden aufheben.

Durch ihre acht Räder, die in

drehbaren Paaren montiert sind, kann

sie sich auch sehr geschickt im Raum

bewegen und beispielsweise gezielt an

eine Stelle des Tisches fahren.

Komplizierte Technik an Bord

Dass Dynamaid alles selbständig

macht, ist durch eine Menge Sensoren

und ihr „Gehirn“, das Notebook auf

ihrem Fuß, möglich. Lasersensoren

messen in verschiedenen Höhen die

Entfernung zu Hindernissen, eine

Farbkamera ist für die Gesichts- und

Objekterkennung zuständig, und ein

Mikrophon dient zur Spracherkennung,

damit Dynamaid die Befehle

ihres Benutzers versteht. „Zum Beispiel

kann man ihr sagen, dass sie ein

Bier aus dem Kühlschrank holen soll“,

erklärt Behnke.

Die größte Herausforderung bei

Robotern wie Dynamaid ist es, ihre

Sinne zu schärfen. Damit die Maschine

sinnvoll agieren kann,

muss sie zunächst einmal ihre

Umgebung wahrnehmen: Wie

sieht der Raum aus, wo sind

Menschen und wo Objekte? „Solche

Fragen zu klären, ist nicht ganz

einfach“, weiß Behnke. „Uns Menschen

fällt das sozusagen zu. Wir öffnen die

Augen und sehen, was in unserer Umgebung

los ist. Da bei uns die Verarbeitung

unbewusst abläuft, sind wir uns

der Schwierigkeiten dabei überhaupt

nicht bewusst.“

Das Problem ist, dass Mehrdeutigkeiten

entstehen, wenn eine dreidimensionale

Welt auf ein zweidimensionales

Bild reduziert wird. Die Sensoren liefern

so genannte Punktwolken, die für

den Computer erst einmal nur irgendwelche

Datenpunkte sind. Betrachtet

ein Mensch eine Punktwolke, erkennt

er sofort einen Tisch. „Das funktioniert

aber nur, weil wir es gewohnt sind, mit

unserem visuellen System Szenen zu

interpretieren. Der Computer muss

erst beigebracht bekommen, die Daten

entsprechend zu verarbeiten“, erläutert

Behnke. Und dafür mussten erst die

entsprechenden Algorithmen entwickelt

werden.

Sensibler händedruck: Beim

robocup-Wettbewerb konnte

Dynamaid bereits ihre Fähigkeiten

unter Beweis stellen.

Forschen

forsch 1/2011 universitätbonn

Foto: AG Behnke

11


Forschen

5Das Bonner Team beim

robocup-Wettbewerb.

Gegenüber ihren Fußballer-

Kollegen rudi, Jürgen,

robotinho & co. hält sich

Dynamaid (3. v.r.) beschei-

den im hintergrund.

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12 forsch 1/2011 universitätbonn

Das Team hat aber nicht die komplette

Software der Haushaltsroboter

selber erarbeitet. Es benutzt das offene

System ROS (Robot Operating

System). Dieses bietet die Möglichkeit,

bestimmte Softwarekomponenten, die

schon von anderen Forschergruppen

entwickelt wurden, kostenfrei zu verwenden.

So werden die gleichen Komponenten

nicht von mehreren Gruppen

programmiert, wodurch unnötige Arbeit

vermieden wird. „Es ist einfach

nicht praktikabel, alles selber zu machen“,

sagt Behnke. „Das ROS-System

ermöglicht uns, die Punktwolken zu

visualisieren. Das Programm, das diese

Daten interpretiert, haben wir dann

selber entwickelt.“

Unter den Besten der Welt

Und diese Software ist sehr gut. Bei

dem internationalen RoboCup-Wettbewerb,

der durch die Roboter-Fußballweltmeisterschaft

bekannt ist, hat das

Team von Professor Behnke im letzten

Jahr in Singapur den 2. Platz in der Liga

für Haushaltsroboter

belegt. In dieser Liga

sind die Regeln deutlich

komplexer als

beim Fußball. In drei

Phasen müssen die

Haushaltsroboter beweisen,

dass sie nützliche

Dinge in häuslicher

Umgebung

leisten können. Dynamaid

hat hier voll

überzeugt. Beispielsweise

hat sie ihren Benutzer

ohne Probleme

wiedererkannt, auch

wenn mehrere Personen

im Raum waren.

Sie hat in einem Spielzeugladen,

den sie zuvor nicht kannte, als einzige

das vom Benutzer bestellte Objekt aus

dem Regal gegriffen. Und im Finale

holte sie ihrem Benutzer eine Büchse

Bier aus dem Kühlschrank. Dynamaid

war der erste Roboter, der die Kühlschranktür

öffnen konnte. „Leider war

die Zeit abgelaufen; sonst hätte sie ihm

auch noch Chips in eine Schüssel gefüllt

und Müll vom Boden aufgehoben“,

berichtet Behnke stolz.

Foto: AG Behnke

Gesellschaft bekommen

Dynamaid kann sich inzwischen

über Gesellschaft freuen. Das Team

von Prof. Behnke hat ihr in diesem

Jahr Cosero (Cognitiv Service Robot)

an die Seite gestellt. Vom Prinzip her

ist er Dynamaid sehr ähnlich. Allerdings

ist der neue Roboter insgesamt

stabiler. Während Dynamaid rund 25

Kilogramm wiegt, bringt Cosero 33

Kilogramm auf die Waage. Seine Arme

sind mehr als zweimal so stark. „Wir

haben die Erfahrung gemacht, dass es

bestimmte Tätigkeiten im Haushalt gibt,

bei denen ein bisschen mehr Kraft nötig

ist“, erklärt Behnke. „Eine große, gefüllte

Wasserflasche würde Dynamaid

überfordern. Auch Türklinken brauchen

eine gewisse Kraft, um sie nach

unten zu drücken.“ Einen zusätzlichen

schwenkbaren Lasersensor hat Cosero

auch bekommen. Der erleichtert es ihm

unter anderen, sich in Regalen zurecht

zu finden.

Fernziel des Teams um Professor

Behnke ist es, Roboter zu entwickeln,

die selber in der Lage sind, ihre Umgebung

wahrzunehmen, flexibel Entscheidungen

treffen und sich dadurch

nützlich machen. Nicht die Umwelt soll

sich dem Roboter anpassen, sondern

der Roboter der Umwelt. „Im Moment

funktionieren die meisten Roboter nur

in Bereichen, in denen alles auf sie abgestimmt

ist“, sagt Behnke. Zudem sind

die Maschinen noch sehr teuer. „Wenn

man nur die Teile nimmt, die in Cosero

verbaut sind, kommt man auf den Preis

eines Mittelklassewagens. Dazu kommen

dann noch die Arbeitsstunden, die

für seine Entwicklung und Programmierung

nötig waren.“

Wenn man Dynamaid und Cosero

so ins Gesicht sieht, kann man fast

nicht glauben, wie viel Technik, Arbeit

und Forschung in ihnen steckt.

Legen sie aber los und zeigen, was sie

können, wird das deutlich. Wer will,

kann sich davon anhand eines (augenzwinkernden)

Videos überzeugen, das

Behnke mit seinen Mitarbeitern bei

Youtube eingestellt hat (http://uni-bn.de/

cOKghg). Man darf gespannt sein, was

ein Haushaltsroboter alles kann, wenn

er irgendwann einmal im Laden steht.

ThoMAS DITTKo/ForSch

FACHBUCHHANDLUNG

JAMES HELMUT ZOWE

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Königstr. 86 • 53115 Bonn-Südstadt


Immunsystem lähmt Darm nach operationen

Ursache der gefürchteten Komplikation aufgeklärt

Eine ebenso häufige wie gefürchtete Komplikation nach operationen

am Verdauungssystem ist eine Lähmung des kompletten Darmtrakts.

Bonner Mediziner haben nun die Ursache für diesen so genannten

postoperativen Ileus gefunden: Demnach sorgen bestimmte Immunzellen

zunächst für eine lokale Entzündung in der Nähe des operierten

Gebiets. Mit dem Blutstrom gelangen die Abwehrzellen jedoch auch zu

anderen Darmbereichen. Dort sorgen sie dafür, dass sich die Entzündung

auf das komplette organ ausdehnt.

Unser Darm zieht sich regelmäßig

in geordneter Abfolge zusammen und

auseinander und transportiert dadurch

den Speisebrei Richtung After. Nach

Operationen am Magen-Darm-Trakt

stellt er diese Bewegung jedoch häufig

ein und zwar nicht nur in der Nähe

des operierten Gebiets, sondern überall.

Dabei kommt es zudem zu einer

generellen Entzündung aller Darmsegmente.

Dieses operativ-bedingte Darmversagen,

der „postoperative Ileus“,

ist eine sehr häufige Komplikation

und tritt nach einer Vielzahl verschiedener

Eingriffe auf. Die Folge sind

Bauchbeschwerden und eine erhöhte

Infektionsrate. Zudem müssen frisch

operierte Patienten oft durch Infusionen

ernährt werden. Das verlängert

den Krankenhausaufenthalt und führt

zu erheblichen Kosten.

Als Ursache vermuteten Ärzte bislang

eine Fehlsteuerung der Nerven,

die die Darmbewegung steuern. Die

bisherigen Versuche, die Nervenfunktion

wiederherzustellen, waren jedoch

wenig erfolgreich: „Zur Zeit gibt es weder

eine Therapie noch eine Prophylaxe

gegen den postoperativen Ileus“, betont

Professor Dr. Jörg Kalff, Direktor der

Chirurgischen Klinik.

Der Mediziner weiß, wovon er

redet: Er hat von 2004 bis 2009 eine

klinische Forschergruppe zu postoperativen

Darmbeschwerden geleitet,

die durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft

gefördert wurde. Zusammen

mit seinem Kollegen Dr. Arne

Koscielny sowie Dr. Daniel Engel und

Professor Dr. Christian Kurts von den

Instituten für molekulare Medizin und

experimentelle Immunologie hat er

nun eine völlig andere Erklärung für

den Stillstand im Darm erarbeitet: Die

Forscher zeigen, dass die Entzündung

auf der einen und die Lähmung auf der

anderen Seite in einem ursächlichen

Zusammenhang stehen.

Für beide Symptome verantwortlich

sind demnach die so genannten T-

Helfer-Zellen sowie die dendritischen

Zellen, die diese T-Zellen regulieren.

Beide Zelltypen patrouillieren normalerweise

durch den Körper und

bekämpfen eingedrungene Viren und

Bakterien. Im Magen-Darm-Trakt

befindet sich eine sehr große Anzahl

von dendritischen Zellen und T-Zellen.

Sie verhindern, dass der Darm durch

Krankheitserreger besiedelt wird.

Außerdem halten sie die natürlichen

Darmbakterien in Schach: Diese sind

für eine ordnungsgemäße Verdauungsfunktion

erforderlich. Sie dürfen aber

nicht „ausbrechen“ und sich in anderen

Körperorganen vermehren.

Immunzellen haben einen

schlechten orientierungssinn

Bei Darmoperationen kommt es

zwangsläufig zu einem Gewebeschaden,

den immunologische Sensorzellen

wie z.B. Makrophagen und die den-

dritischen Zellen wahrnehmen. Sie

alarmieren dann die T-Zellen und

aktivieren diese. Folge ist eine

lokale Entzündung, in deren Zug die

Darmmuskulatur gelähmt wird. Zudem

verlassen einige T-Zellen den

Ort des Geschehens über die Pfortader

und die Leber und gelangen in

den Blutkreislauf. Sie können sich

jedoch gewissermaßen an ihre Herkunft

„erinnern“ und kehren nach

wenigen Stunden wieder in den Darm

zurück. „Sie wissen jedoch nicht genau,

aus welchem Bereich des Darms

sie stammen“, erklärt Professor Kurts.

„Sie gelangen bei ihrer Rückkehr daher

an irgendeinen anderen Ort des

Fotos: Foto- und Medienzentrum UKB

Magen-Darm-Trakts. Da sie jedoch

nach wie vor aktiviert sind, rufen sie

auch dort eine Entzündung hervor. Auf

diese Weise kommt es zur Ausbreitung

der Entzündung und zur Lähmung des

gesamten Magen-Darm-Trakts.“

Aus der Entdeckung der Bonner

Forscher ergeben sich neue Ansätze

für die Diagnose und Therapie dieser

alltäglichen Komplikation: Die Ärzte

können beispielsweise die im Blut

zirkulierenden T-Zellen nachweisen

und so den Verlauf der Erkrankung

messen. Auch eine gezielte Therapie

sei denkbar: „Bei Darmoperationen

können wir nicht einfach die gesamte

Immunabwehr herunterfahren“, betont

Professor Kalff. Einerseits seien die

Patienten oft geschwächt und damit

infektanfällig. Andererseits könnten

ansonsten die Darmbakterien außer

Kontrolle geraten. „Unsere Erkenntnisse

klären jedoch, welcher Teil des

Immunsystems beim postoperativen

Ileus beteiligt ist. Wir können nun versuchen,

ganz gezielt diesen Teil durch

Medikamente zu beruhigen, ohne die

Gesamtfunktion der körpereigenen

Abwehr zu sehr zu beeinträchtigen.“

Derartige Methoden könnten Patienten

in Zukunft eventuell postoperative

Komplikationen ersparen. FL/ForSch

Forschen

5Nach operationen am

Verdauungssystem streikt

häufig der Darm.

Forscher der Uni Bonn

sind nun den Ursachen

des „postoperativen Ileus“

auf die Schliche gekom-

men.

forsch 1/2011 universitätbonn

13


Forschen

Foto: W-FoTo, fotolia.com

forschenkompakt

14 forsch 1/2011 universitätbonn

Bonner Forscher finden „Altruismus-Gen“

Variante führt zu signifikant erhöhter spendenbereitschaft

Tun Sie Anderen gerne etwas Gutes? Falls ja, sind vielleicht Ihre Gene

dafür verantwortlich. Das legen zumindest die Ergebnisse einer Studie

nahe, die Forscher der Universität Bonn durchgeführt haben. Eine

winzige Änderung in einer bestimmten Erbanlage geht demnach

mit einer signifikant höheren Spendenbereitschaft einher.

Personen mit dieser Änderung gaben im Schnitt doppelt soviel

Geld für einen wohltätigen Zweck wie andere Probanden.

Die Forscher um den

Psychologen Professor

Dr. Martin Reuter hatten

ihre Studenten zu einem

„Merkfähigkeitstest“ ein-

geladen: Die rund 100

Teilnehmer sollten sich

Zahlenfolgen einprägen

und anschließend möglichst

korrekt wiedergeben. Dafür

bekamen sie die Summe von

fünf Euro. Sie konnten ihr hart verdientes

Geld im Anschluss mit nach

Hause nehmen oder einen beliebigen

Teil davon für einen wohltätigen

Zweck spenden. Diese Entscheidung

erfolgte freiwillig und in scheinbarer

Anonymität. „Wir wussten aber stets,

wie viel Geld zuvor in der Kasse gewesen

war, und konnten daher den

gespendeten Betrag errechnen“, erklärt

Reuter.

TrÄUME VErrATEN NUr WENIG

Unsere Träume werden augenscheinlich

viel weniger durch unsere

Lebenssituation beeinflusst als

häufig angenommen. Zu diesem

ergebnis kommen Forscher der

Universitäten Bonn und Frankfurt

sowie der harvard Medical school

in einer aktuellen Untersuchung.

sie haben darin die Träume von

taubstumm oder gelähmt geborenen

Menschen mit denen von Personen

ohne handicap verglichen.

selbst geschulte Analytiker konnten

nicht zuordnen, von welcher

Personengruppe die jeweiligen

Traumbilder stammten.

Die studienteilnehmer führten ein

Traumtagebuch; innerhalb von zwei

Wochen kamen so mehr als 350

detaillierte Beschreibungen zusammen.

Interessanterweise spielte die

Behinderung in den wenigsten Träumen

eine rolle: Gelähmte gingen,

Zuvor hatten die Wissenschaftler

ihre Probanden zu einem Wangenabstrich

gebeten. Aus den dabei entnommenen

Zellen konnten sie DNA für

genetische Analysen gewinnen. Sie

konzentrierten sich dabei auf eine Erbanlage,

das so genannte COMT-Gen. Es

enthält die Bauanleitung für ein Enzym,

das bestimmte Botenstoffe im Gehirn

inaktiviert. Der wohl bekannteste dieser

Botenstoffe ist das Dopamin.

Seit fast 15 Jahren ist bekannt,

dass es zwei verschiedene Varianten

des COMT-Gens gibt: COMT-Val und

COMT-Met. Die beiden Versionen,

die in der Bevölkerung etwa gleich

häufig vorkommen, unterscheiden

sich nur in einem einzigen Baustein.

Bei Menschen mit der COMT-Val-

Variante arbeitet das zugehörige Enzym

bis zu viermal effektiver. Es wird

rannten oder schwammen; Taubstumme

konnten hören und sprechen.

Diese ergebnisse spiegeln

wohl nicht die sehnsucht der Betroffenen,

ihre Behinderung hinter

sich zu lassen: „In den Träumen der

gelähmten Teilnehmer spielte das

Motiv ‚Bewegung’ keine besondere

rolle“, betont die Bonner Psychologin

Dr. Ursula Voss. „es tauchte

weder häufiger noch seltener auf

als bei nichtgelähmten. Bei den

taubstummen Probanden war es

genauso.“

eventuell sieht man in Träumen

nicht sich selbst, sondern eine Art

menschlichen Prototypus ohne ekken

und Kanten. Das zeigen auch die

ergebnisse eines noch unveröffentlichten

experiments: Die Forscher

malten auf die hände gesunder Versuchspersonen

einen roten Fleck

und frischten diese Markierung über

mehrere Wochen immer wieder auf.

also drastisch mehr Dopamin im Gehirn

der Betroffenen inaktiviert.

„Studenten mit dem COMT-Val-

Gen spendeten im Schnitt doppelt so

viel Geld wie Kommilitonen mit der

COMT-Met-Variante“, erläutert Reuter.

Es ist das erste Mal, dass Forscher einen

Zusammenhang zwischen einer

speziellen Erbanlage und altruistischen

Handlungen feststellen konnten. Allerdings

wusste man bereits aus Zwillingsstudien,

dass altruistisches Ver-

halten zum Teil auch durch unsere

Gene beeinflusst wird.

Dass sich die Wissenschaftler bei

ihrer Analyse auf das COMT-Gen konzentrierten,

hat seinen guten Grund:

Schon seit einigen Jahren ist nämlich

bekannt, dass Dopamin bei Tieren und

Menschen an der Steuerung des Sozialverhalten

beteiligt ist. So beeinflusst

der Botenstoff z. B. Sexualität und

Bindungsbereitschaft. Dopamin hängt

zudem mit positiver Emotionalität zusammen.

Auch die Eigenschaft, sich

durch Anreize motivieren zu lassen,

wird durch diesen wichtigen Neurotransmitter

gesteuert. FL/ForSch

Außerdem baten sie ihre Probanden,

sich vor dem einschlafen gedanklich

mit dem Farbklecks auf ihrer hand

auseinander zu setzen. In die Träume

stahl sich die Markierung dennoch

nicht.

EMoTIoNALE INTELLIGENZ hILFT

BEI DEr KArrIErE

In den UsA enthalten einstellungstests

oft ein ganzes Bündel Fragen,

die auf den „eQ“ der Bewerber

abzielen. Anders in Deutschland:

hierzulande spielt der „emotionale

Intelligenzquotient“ bei Besetzung

von stellen eher eine untergeordnete

rolle. Dennoch gilt auch bei uns:

Wer sich gut in die Gefühle anderer

hineinversetzen kann, steigt im

Beruf schneller auf das zeigen

zumindest die Daten einer neuen

studie. Allerdings trifft dieser Zusammenhang

nur für besonders

karriereorientierte Personen zu.


5 Fragen an ...

... den chirurgen Professor Dr. Jörg c. Kalff

Herr Professor Kalff, was macht

einen guten Chirurgen aus?

Vor allem die Fähigkeit, zügig Entscheidungen

zu treffen. Bei Operationen

muss man sich andauernd schnell

entscheiden. Im Unterschied zu anderen

medizinischen Disziplinen kann

man oft nicht lange über die verschiedenen

Optionen nachdenken.

Dazu kommt die manuelle Geschicklichkeit.

Ein Chirurg sollte es

mögen, handwerklich zu arbeiten.

Wer daran wenig Interesse hat, ist in

unserem Fach fehl am Platz.

Und schließlich benötigt ein Chirurg

ein breites Fachwissen. Das unterscheidet

uns aber nicht von anderen

medizinischen Fachgebieten.

Sie sind seit dem 1.12. Direktor

der Chirurgischen Klinik. Welche

Veränderungen kommen auf Ihre

140 Mitarbeiter zu?

Wir werden die Klinik grundlegend

umstrukturieren. Wir werden kleine

Teams gründen, die jeweils ganz spezielle

Bereiche der Chirurgie bearbeiten.

Wenn ein Patient mit einem entsprechenden

Leiden kommt, wird er von seinem

Team über den gesamten Verlauf

Für sich allein genommen, erlaubt

das Maß emotionaler Intelligenz

kaum Voraussagen über den

Berufserfolg.

Die Wissenschaftler haben untersucht,

wie eQ und ehrgeiz beim

beruflichen Aufstieg zusammen

spielen. Dazu konfrontierten sie

insgesamt 71 Betriebswirte mit

verschiedenen situationsbeschreibungen.

Die Teilnehmer sollten

schätzen, wie sich die Protagonisten

in der jeweils geschilderten

Lage wohl fühlten. Die ergebnisse

verrieten also, inwieweit sich die

Testpersonen in die emotionen

anderer hineinversetzen konnten.

Darüber hinaus ermittelten die

Forscher mit einem Persönlichkeitsfragebogen

den beruflichen

ehrgeiz ihrer Probanden.

Um den Karrierefortschritt zu

messen, erhoben die Wissenschaftler

zudem im Abstand von

begleitet: Von der Sprechstunde vor der

OP-Planung, auf Station und während

der Operation bis hin zur Nachsorge.

Die Ansprechpartner bleiben für den

Patienten und die Zuweiser gleich, und

der Kontakt wird enger. Wir wollen dadurch

auch Informationsverlusten vorbeugen

und Doppeluntersuchungen

vermeiden. Außerdem hoffen wir, so die

Arbeitsbelastung ein wenig reduzieren

zu können.

Das ist natürlich eine gehörige

strukturelle Änderung, die sicher einige

Monate Umgewöhnungszeit für

alle mit sich bringen wird. Zumal das

auch bedeutet, dass nicht mehr jeder

an jedem Tag im OP stehen wird. Es

wird für jeden unterschiedlich feste

Operationstage geben, Tage für organisatorische

Dinge sowie für Forschung

und Lehre.

Man sagt, Ihr Vorgänger Professor

Hirner habe im OP gerne klassische

Musik gehört. Unter welchen

Bedingungen arbeiten Sie am besten?

Ich höre ebenfalls gerne und viel

klassische Musik, auch am Schreibtisch.

Ich habe allerdings einen etwas

anderen Geschmack als Professor

zwei Jahren das aktuelle Gehalt

der Teilnehmer. ergebnis: Der Verdienst

der Testpersonen entwikkelte

sich umso besser, je höher

ihr eQ war allerdings mit einer

wichtigen einschränkung: Das

ergebnis galt nur für diejenigen

unter ihnen, denen der Persönlichkeitstest

einen ausgeprägten

beruflichen ehrgeiz bescheinigt

hatte.

Doch warum spielt ein hoher eQ

für die Karriere überhaupt eine

rolle? „Menschen mit einem feinen

emotionalen sensorium sind

oft Meister in der Kunst, zwischen

den Zeilen lesen: Worauf kommt

es dem chef wirklich an?“, erklärt

der Bonner Psychologe Professor

Dr. Gerhard Blickle. Zudem könne

emotionale Intelligenz im Umgang

mit Vorgesetzten helfen, so manches

karriereschädliche Fettnäpfchen

zu umgehen.

Hirner; meine Liebe gilt der Barockmusik

vor allem Bach. Im OP arbeiten

wir jedoch im Team. Da müssen

alle konzentriert und mit Freude dabei

sein. Daher stimmen wir uns vorher ab:

Wenn es mehrere Klassikfreunde gibt,

hören wir schon mal klassische Musik.

Falls nicht, kann es auch mal ein lokaler

Radiosender sein.

Sie haben in Ihrem Berufsleben

schon viel erreicht. Welche beruflichen

Ziele haben Sie noch?

Wir haben schon noch Einiges vor.

In der Krankenversorgung wollen wir

uns gerade mit unseren Schwerpunkten

in der Maximalversorgung, der chirurgischen

Onkologie und der Transplantationschirurgie,

noch besser nach

außen darstellen auch international.

Wissenschaftlich wollen wir die Verbundforschung

weiter vorantreiben

und innerhalb der nächsten drei Jahre

einen Sonderforschungsbereich zum

Thema "Folgen des postoperativen

Traumas" einwerben. Das ist ja eine

Frage, die wir in den vergangenen Jahren

bereits in einer Forschergruppe

bearbeitet haben, dort in Hinblick auf

die Lähmung des Darms nach Eingriffen

am Verdauungstrakt (s. S. 13, die

Red.). Zudem wollen wir die wissenschaftlichen

Ergebnisse in die klinische

Anwendung transferieren, so dass sie

dem Patienten nutzen.

Sie haben es anfangs selbst betont:

Chirurgie erfordert Geschick

und eine ruhige Hand. Sind Sie auch

zu Hause fingerfertig, zum Beispiel

als Handwerker oder Koch?

Es gibt kaum etwas im häuslichen

Umfeld, was ich nicht selber mache

von der Autoreparatur über Gartenarbeiten

bis hin zu Renovierungen.

Manchmal ist das fast zu viel, vor

allem, wenn ich an meine Hände

denke, die ja auch noch für andere

Sachen wichtig sind... Zum Kochen

komme ich unter der Woche praktisch

gar nicht, dafür aber am Wochenende.

Das geht sicher auch auf

meine Kindheit zurück: Bei meinen

Eltern zuhause war am Wochenende

immer Familienkochtag; das haben

wir für uns und unsere Kinder übernommen.

Foto: Foto- und Medienzentrum UKB

Forschen

5Professor Kalff will

die chirurgische Klinik

grundlegend Umstrukturieren.

forsch 1/2011 universitätbonn

15


Forschen

5regina Betz

erforscht die Ursachen

des haarausfalls.

16 forsch 1/2011 universitätbonn

Bonner Professorin erforscht haarausfall

DFG finanziert neu eingerichtete heisenberg-Professur

Die humangenetikerin regina Betz bekleidet an der Uni Bonn eine

neu eingerichtete heisenberg-Professur für Dermatogenetik. Zentrales

Forschungsgebiet der 40-jährigen sind die Ursachen genetisch bedingter

Formen des haarausfalls. Diese Arbeiten wird sie in den

kommenden fünf Jahren mit Unterstützung durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft

(DFG) weiter intensivieren.

Es beginnt meist unspektakulär

mit einer kleinen kahlen Stelle am

Kopf, die langsam größer und größer

wird. Bei manchen Menschen ist

nur das Haupthaar betroffen, andere

büßen nach und nach ihre komplette

Körperbehaarung ein bis hin zu den

Augenbrauen und den Wimpern. Oft

wachsen die Haare mit der Zeit nach.

Einige Patienten bleiben jedoch kahl.

Die Krankheit heißt Alopecia areata

und ist gar nicht mal so selten: Etwa

eine Million Menschen in Deutschland

erfahren die Symptome zumindest

einmal in ihrem Leben am eigenen

Leibe. Der „kreisrunde Haarausfall“

so die deutsche Bezeichnung ist

eine Autoimmunerkrankung: Die

körpereigene Abwehr richtet sich gegen

die Zellen im Haarfollikel, die

den Haarschaft produzieren. „Bei Autoimmunerkrankungen

tragen genetische

Ursachen und Umweltfaktoren

zur Krankheitsenstehung bei“, erklärt

Professor Dr. Regina Christine Betz.

„Beispiele sind Rheuma oder Asthma.

Bei der Alopecia areata ist das nicht

anders.“

Größtes Patientenkollektiv

weltweit

Die gebürtige Münchnerin untersucht

zusammen mit Kollegen aus

ganz Deutschland, welche Erbanlagen

für den Haarausfall verantwortlich

sind. Dazu haben sie inzwischen

1.800 Betroffene mit einer Alopecia

areata gesammelt. „Das ist weltweit

das größte Patientenkollektiv“, betont

Betz nicht ohne Stolz.

Schon seit den 80er Jahren ist

bekannt, dass bei der Erkrankung

unter anderem der so genannte

HLA-Komplex eine wichtige

Rolle spielt. Das ist eine Genregion,

die beim Menschen

für die Erkennung „fremder“

Moleküle verantwortlich ist. Wenn

die Unterscheidung zwischen „fremd“

und „selbst“ nicht richtig funktioniert,

kann sich das Immunsystem gegen eigene

Strukturen richten.

Regina Betz hat zusammen mit

ihren Kollegen in den letzten Jahren

bereits einige weitere Gene identifiziert,

die zur Entstehung der Alopezia

areata beitragen. Diese Suche wollen

sie nun mit Hilfe des großen Patientenkollektivs

ausweiten. Die DFG

stellt dafür unabhängig von der Heisenberg-Professur

Fördermittel zur

Verfügung. „Damit ist es uns möglich,

die Patienten mit der so genannten

Chip-Technologie zu analysieren“,

sagt die 40-Jährige. „Diese Technik

erlaubt es, sich bei jedem Patienten

gleichzeitig über eine Million Orte auf

dem Genom anzuschauen.“

Alopecia areata ist eine genetisch

komplexe Erkrankung: Es sind

viele verschiedene Gene, die zu dem

Krankheitsbild beitragen. Es gibt aber

auch „monogene“ Formen des Haarausfalls,

für die jeweils nur eine einzige

Erbanlage verantwortlich ist. Ein

Beispiel ist die Hypotrichosis simplex,

die Regina Betz ebenfalls erforscht.

„Wir untersuchen zudem weitere seltene

Hypotrichose-Formen“, sagt

sie. „Das Problem dabei: Die Zahl

der Betroffenen

ist häufig so

klein, dass wir mit den bisherigen

Methoden keine neuen Krankheitsgene

identifizieren können.“

Abhilfe verspricht die so genannte

Exom-Sequenzierung. Mit dieser

Methode lassen sich zu vergleichsweise

geringen Kosten nahezu alle

Gene eines Menschen analysieren.

Mit ihrer achtköpfigen Arbeitsgruppe

versucht die Heisenberg-Professorin

derzeit, auf diese Weise mehreren

Erbanlagen auf die Spur zu kommen,

die für seltene Hypotrichose-Formen

verantwortlich sind. „Wir beschränken

uns aber nicht auf die Suche nach

neuen Genen“, betont sie. „Wenn wir

eine Erbanlage identifiziert haben,

wollen wir auch herausfinden, was

sie im Körper bewirkt. So hoffen wir,

bisher unbekannte Stoffwechselwege

aufzuklären, die für den Haarwuchs

eine Rolle spielen. Das ist das eigentlich

Spannende an unserer Arbeit.“

Enormer Leidensdruck

Mit diesem Verständnis, so die

Hoffnung, könne man mittelfristig

vielleicht neue Medikamente entwickeln.

Denn so harmlos sich Haarausfall

in Vergleich zu manch anderen

Krankheiten anhören mag: Für die Betroffenen

ist der Leidensdruck oft enorm.

Sogar psychiatrische Störungen

können die Folge sein. „Wir untersuchen

momentan zusammen mit dem

Zentralinstitut für Seelische Gesundheit

in Mannheim, welche Menschen

besonders unter dem Haarverlust leiden“,

sagt Professor Betz. „Möglicherweise

spielen auch hierbei bestimmte

Erbanlagen eine wichtige Rolle.“

FL/ForSch

Foto: Willee cole, fotolia.com


KEIN PLATZ FÜr „INTELLIGENTEN

DESIGNEr“

es ist eine der großen ungeklärten

Fragen unserer Zeit: Wie entstanden

vor rund 3,8 Milliarden Jahren aus

einem Dutzend chemischer elemente

die ersten lebenden Zellen? hatte

dabei ein geheimnisvoller „intelligenter

Designer“ seine hand im spiel?

Zellbiologen, Physiker, Mathematiker,

Philosophen und Theologen der

Uni Bonn haben nun ein neues Buch

zu dieser Frage vorgelegt. Darin erteilen

sie dem „Intelligent Design“

als Konkurrenz zur evolutionstheorie

eine klare Absage.

regina-Pacis-Weg 3: Wie lange müsste

wohl ein Kleinkind auf der computertastatur

herumhämmern, um

zufällig die Adresse des hauptgebäudes

der Uni Bonn zu Papier zu bringen?

Man kann leicht ausrechnen,

dass dazu selbst Milliarden von Jahren

nicht einmal in Ansätzen reichen

würden. noch unwahrscheinlicher ist

es, dass in den 4,6 Milliarden Jahren

seit der Bildung der erde auch nur

eine einzige Aminosäure per Zufall

entstehen konnte geschweige denn

ein so komplexes Molekül wie das

hämoglobin, eine Zelle oder gar ein

ganzer organismus. Auf diesem Argument

fußt das Gedankengebäude

des „Intelligent Design“, das gerade

in den UsA momentan enorm populär

ist: Das Leben sei zu komplex, als

dass es ohne lenkenden eingriff einer

intelligenten Macht hätte entstehen

können.

Doch dieses Argument ist wenig stichhaltig,

wie die Autoren des Buches

„Lebensentstehung und künstliches

Leben“ zeigen. Denn chemische reaktionen

gehorchen regeln. „In atomaren

und molekularen strukturen stecken

Informationen, die das rein Zufällige

der entstehung einschränken“, erklärt

der herausgeber Professor Dr. Volker

herzog. es ist, als würde das Kind nicht

auf der Tastatur eines computers, sondern

auf dem Bedienfeld eines navigationsgerätes

herumklimpern: Dort sind

nur eingaben erlaubt, die zu existierenden

Adressen führen können. Auch wer

gar nicht schreiben kann, kann mit so

einem Gerät also nur korrekte straßennamen

produzieren. Dass dabei zufällig

der regina-Pacis-Weg entsteht, ist

dann plötzlich gar nicht mehr so unwahrscheinlich.

Die Komplexität des Lebendigen

spricht also nicht unbedingt dafür,

dass dabei ein schöpfer seine hand

im spiel hatte. Doch wie ist das Leben

dann entstanden? Die Autoren

zeichnen die enormen Fortschritte

nach, die in dieser Frage bislang erzielt

wurden. selbst die herstellung

künstlichen Lebens erscheint heute

in nicht allzu ferner reichweite. Andererseits

gebe es aber noch viele ungeklärte

und möglicherweise unklärbare

Geheimnisse des Lebendigen.

Lebensentstehung und künstliches

Leben. naturwissenschaftliche,

philosophische und theologische

Aspekte der Zellevolution. 410 seiten.

Die Graue edition, 2010.

IsBn 978-3-906336-56-5

ZENTrUM FÜr BIoÖKoNoMIE-

ForSchUNG GEGrÜNDET

es ist ein Projekt der superlative:

Über 1.000 Mitarbeiterinnen und

Mitarbeiter kooperieren seit kurzem

in einem neuen Zentrum, dem Bioeconomy

science centre (Biosc).

Gemeinsames Ziel der europaweit

einzigartigen Initiative: Die Forscher

wollen eine strategie entwickeln, mit

der sich neue, auf biologischen

Grundlagen basierende Produkte

und Prozesse nachhaltig und umweltschonend

etablieren lassen.

Partner sind das Forschungszentrum

Jülich, die Universitäten Bonn

und Düsseldorf sowie die rWTh Aachen.

sie bündeln im Biosc die

Kompetenzen von mehr als 50 ihrer

Institute. Projektkoordinator in Bonn

ist der Bodenkundler Professor Dr.

Wulf Amelung.

Anlass für das Großprojekt ist unter

anderem die demographische entwicklung:

Bis zum Jahr 2050 werden

doppelt so viele nahrungsmittel

wie heute benötigt, um die Weltbevölkerung

zu ernähren. Der Klimawandel

wird deutlich spürbare

Konsequenzen haben, und die Vorräte

fossiler rohstoffe werden weiter

drastisch abnehmen. nachwachsende

rohstoffe haben in dieser situation

eine schlüsselfunktion für

ernährung, Produktionsprozesse

und energieversorgung. Zentrale

Themen für das Biosc sind daher

die nachhaltige Produktion von

Pflanzen, neue Verfahren zur Verarbeitung

von Biomasse und der einsatz

von Mikroorganismen zur

herstellung von Wertstoffen. ebenso

werden die Partner Fragen der

Foto: Ian hedge

wirtschaftlichen Umsetzbarkeit und

der gesellschaftlichen Akzeptanz bearbeiten.

PFLANZENATLAS AFGhANISTANS

ErSchIENEN

Bonner Botaniker haben zusammen

mit Kollegen aus Bielefeld und Gießen

einen zweisprachigen Pflanzenatlas

zu Afghanistan herausgegeben. Das

870 seiten starke Werk erfasst erstmalig

in dieser Breite die Pflanzenvielfalt

des von Kriegen gebeutelten

Landes. Die Bundesregierung hat

zwischen Weihnachten und neujahr

damit begonnen, 4.500 exemplare

des Werkes kostenlos an schulen und

Universitäten in Afghanistan zu verteilen.

Die Mittel dazu stammen vom

Auswärtigen Amt, dem Deutschen

Akademischen Austauschdienst

(DAAD) und dem sibbald Trust des

royal Botanic Garden edinburgh.

Autoren des „Field Guide Afghanistan

Flora and Vegetation“ sind Professor

Dr. siegmar-W. Breckle (Abteilung

Ökologie, Uni Bielefeld), Dr. Daud rafiqpoor

(nees-Institut, Uni Bonn) sowie

Mitarbeiter der Akademie der

Wissenschaften und der Literatur zu

Mainz. rafiqpoor wurde in Kabul geboren.

Ihm ist es maßgeblich zu verdanken,

dass die Texte nicht nur in

englisch, sondern auch in der offiziellen

afghanischen Landessprache

Dari gehalten sind.

Afghanistan gilt weltweit als einer der

hotspots der Biodiversität: In dem

Land am Fuße des hindukusch kommen

weit über 4.000 Pflanzenarten

vor. Fast ein Drittel davon ist endemisch,

also ausschließlich dort heimisch.

Im „Field Guide Afghanistan“

werden über 1.200 Arten aus 137

Pflanzenfamilien mit Farbbildern dokumentiert.

Dazu kommen Informationen

zu ihrer Verbreitung, Ökologie

und nutzung. Kapitel zum naturraum

Afghanistan sowie ein ausführliches

Glossar runden das Werk ab.

Forschen

5Das Titelbild

des „Field Guide

Afghanistan“

forsch 1/2011 universitätbonn

forschenkompakt

17


Foto: esA

Forschen

5Galaxien auf crashkurs:

Der so genannte Bullet

cluster zeigt zwei Galaxien-

haufen nach ihrem Zusam-

menprall. Durch den crash

wurde das Gas in den

Galaxienhaufen abge-

bremst; es ist in der

Abbildung pink eingefärbt.

hier sollte sich auch der

größte Teil der normalen

Materie befinden. Die

Gravitationseffekte sind

jedoch an den blau einge-

färbten Stellen am höch-

sten. Viele Forscher sehen

das als einen deutlichen

hinweis auf die Existenz

Dunkler Materie.

18 forsch 1/2011 universitätbonn

"Die bessere Theorie wird sich durchsetzen"

Interview zur existenz Dunkler Materie

Das Thema war zugkräftig: Über 300 Zuhörer besuchten im vergangenen

November das Bethe-Kolloquium an der Uni Bonn zur Existenz der

Dunklen Materie (s. Kasten). Das Interesse verwundert nicht, hat die

Antwort auf diese Frage doch womöglich weit reichende Konsequenzen:

Sollte es die mysteriöse Materieform nicht geben, müsste man unter

anderem die Newtonsche Gravitationstheorie und die Einsteinsche

relativitätstheorie abändern. Die Debatte ist unter uni-bonn.tv als

Podcast abrufbar. In unserem Interview zeichnen die Physiker Professor

Dr. Pavel Kroupa und Professor Dr. hans Peter Nilles die wichtigsten

Argumente der Auseinandersetzung nach.

Herr Professor Nilles, welches ist

für Sie das gewichtigste Argument,

das die Dunkle-Materie-Hypothese

stützt?

Nilles: Das ist der so genannte

Mikrowellen-Hintergrund. 300.000

Jahre nach dem Urknall wurde das

Universum kühl genug, dass sich

Wasserstoff-Atome bilden konnten.

Damit wurde das Universum auch

transparent: Die Photonen, die zuvor

mit den Elektronen ständigen Wechselwirkungen

unterlagen, konnten sich

plötzlich über weite Entfernungen bewegen.

Diese Hintergrundstrahlung

kann man bis heute sehen. Sie hat etwa

drei Grad Kelvin. Ihre Temperatur ist

jedoch nicht überall völlig gleich, sondern

variiert je nach Blickrichtung:

Dort, wo die Materie 300.000 Jahre

nach dem Urknall dichter war, ist die

Hintergrundstrahlung heute noch um

ein hunderttausendstel Kelvin höher.

Anhand der Verteilung und Stärke die-

Dunkle Materie

Galaxien rotieren so schnell, dass

die sterne in ihnen eigentlich aufgrund

der Fliehkraft auseinander

getrieben werden müssten. Das hat

die Physikerin Vera rubin schon vor

40 Jahren bei Untersuchungen des

Andromeda-nebels festgestellt.

eine rätselhafte Kraft scheint das

jedoch zu verhindern. Viele Forscher

vermuten daher, dass die so

genannte Dunkle Materie aufgrund

ihrer Masseanziehung die Galaxien

ser Unterschiede kann man messen,

wie groß der Anteil Dunkler Materie

im Universum ist.

Ich fi nde diesen Punkt deshalb so

überzeugend, weil die Temperaturfl uktuation

durch das Standardmodell des

Universums das ja die Dunkle Materie

beinhaltet vorhergesagt wurde.

Kroupa: Es gibt jedoch andere Vorhersagen

durch das Standardmodell,

die nicht stimmen. Die Theorie muss

aber in sich schlüssig sein.

Herr Professor Kroupa, eine der Vorhersagen,

die Sie ansprechen, ist die

Zahl und Verteilung der so genannten

zusammenhält. Laut Theorie soll

die „normale“ Materie gerade einmal

4 Prozent der Gesamtmaterie

im Universum ausmachen, dunkle

Materie dagegen 25 Prozent (der

rest gut 70 Prozent besteht

demnach aus der ebenso rätselhaften

Dunklen energie; nach der

berühmten einsteinschen Formel

e = mc 2 hat jede energie ein Masseäquivalent).

Bislang hat jedoch niemand

den mysteriösen sternenkitt

tatsächlich nachweisen können.


Satellitengalaxien in unserer Muttergalaxie,

der Milchstraße.

Kroupa: Das ist nur einer von einer

ganzen Reihe von Punkten, wo das

Standardmodell nicht funktioniert...

Nilles: Diese Kritik bezieht sich

auf Beobachtungen auf kleinen Skalen,

also kleinräumige Strukturen.

Meiner Meinung nach gibt es aber auf

kleinen Skalen gar keine verlässliche

Vorhersage des Standardmodells. Simon

White hat das Modell auf dem

Kolloquium mit dem Wetterbericht verglichen:

Kein Meteorologe kann heute

vorhersagen, ob es in drei Wochen in

Troisdorf schneien wird.

Kroupa: Diese Wetterberichts-Analogie

funktioniert nicht. Wir sind auf

einem ganz anderen Niveau: Das Modell

sagt voraus, dass es in der Sahara

schneien wird. Und zwar nicht einmal,

sondern immer wieder.

Nilles: Gehen wir weg von diesem

Bild. Was ich einfach behaupte: Heute

kann kein Mensch anhand des Standardmodells

ausgehend von den Anfangsbedingungen,

die wir kennen, verlässliche

Aussagen auf Galaxien- oder sogar

Subgalaxien-Niveau machen.

Sie meinen also, dass die Simulationen

bei diesem Detailgrad versagen?

Nilles: Bis zum Niveau von Galaxienclustern

mag das noch gehen. Aber

irgendwann ist der Punkt erreicht, wo

ich den Personen, die diese Simulationen

machen, einfach glaube, dass

man das nicht mehr verlässlich rechnen

kann.

Kroupa: Das kann man sehr wohl.

Gerhard Hensler aus Wien hat simuliert,

wie das Universum auf kleinen

Skalen im Standardmodell aussehen

müsste. Wir haben uns die Ergebnisse

bis ins Detail angesehen und mit tatsächlichen

Beobachtungen verglichen.

Und da gibt es riesige Diskrepanzen.

Die Berechnungen basieren übrigens

auf den weithin anerkannten Simulationen

des Max-Planck-Forschers Volker

Springel.

Nilles: Der sagt aber selbst, seine

Daten seien auf diesem Niveau nicht

mehr verlässlich. Und das ist kein

Problem des Modells an sich, sondern

es bedeutet einfach, dass wir es nicht

rechnen können.

Kroupa: Wir können es rechnen.

Wir sehen da keine signifi kanten Probleme.

Außerdem geht es nicht nur um

NEUE „BoNNEr DUrch-

MUSTErUNG“

Bonner radioastronomen haben

das vom südhimmel aus sichtbare

Wasserstoffgas in der Milchstraße

kartiert. Die „Bonner Durchmusterung“

präzisiert die Daten einer

ähnlichen studie, die dieselben

Forscher 2005 vorgelegt hatten.

Die damalige Wasserstoff-Kartierung

hat inzwischen hunderte wissenschaftlicher

Publikationen von

Physikern auf der ganzen Welt

nach sich gezogen. Die jetzt vorgelegten

Messungen lassen auf einen

ähnlichen ertrag hoffen: sie übertreffen

die Daten von 2005 erheblich

an empfindlichkeit und Detailreichtum.

Wasserstoff ist das häufigste element

im All. es entstand direkt

nach dem Urknall und bestimmt

die entwicklung des gesamten

sichtbaren Universums. Für das

menschliche Auge ist das häufigste

element im Weltraum unsichtbar.

Wasserstoff leuchtet jedoch kräftig

im radiobereich, bei einer Wellenlänge

von 21 Zentimetern. Diese

berühmte „21-Zentimeter-Linie“

lässt sich auf der erde mit großen

Parabolantennen auffangen. Genau

das haben die Bonner radioastronomen

zusammen mit australischen

Kollegen gemacht: Vom

radioteleskop in Parkes/Australien

aus haben sie für den gesamten

südhimmel die 21-Zentimeter-

Linienemission unserer Milchstraße

vermessen. Die Datenverarbeitung

fand dann unter Bonner Federführung

statt.

Die ergebnisse des „Galacitc All

sky survey“ (GAss) versprechen

reichen ertrag. so erlaubt die Wasserstofflinie

rückschlüsse auf Tem-

peratur und Geschwindigkeit der

Gaswolken in der Milchstraße. Dabei

hilft den Wissenschaftlern der

so genannte Doppler-effekt. er

sorgt dafür, dass sich die Wellenlänge

des Wasserstoffgases bei Bewegung

leicht verändert: Wenn sich

das Gas von uns wegbewegt, nimmt

die Wellenlänge zu die Wasserstofflinie

liegt dann beispielsweise

bei 21,5 Zentimetern. Im umgekehrten

Fall nimmt die Wellenlänge

ab. Gleichzeitig ist die Wasserstofflinie

ein gutes Thermometer: In heißem

Gas kommt es nämlich zu

Turbulenzen je heißer, desto stärker.

Diese Verwirbelungen sorgen

dafür, dass sich Teile der Wasserstoff-Wolke

auf uns zu, andere Teile

jedoch gleichzeitig von uns weg bewegen.

Durch den Doppler-effekt

„verschmiert“ die 21-Zentimeter-Linie

daher: sie verwandelt sich in

eine Art Dreieck, das an seiner Basis

umso breiter wird, je heißer die

entsprechende Wolke ist.

Mit einem Antennendurchmesser

von 64 Metern ist das australische

Parkes-radioteleskop das größte

seiner Art auf der südhalbkugel. In

Kürze werden die Wissenschaftler

ihre Messungen auf den nordhimmel

ausweiten. Dazu nutzen sie das

effelsberg-Teleskop, das mit 100

Metern Durchmesser noch einmal

deutlich größer ist. „Diese 21-Zentimeter-Durchmusterungen

sind Meilensteine

der radioastronomischen

Forschung“, sagt Dr. Peter Kalberla

vom Argelander-Institut für Astronomie

der Universität Bonn. „noch

niemals zuvor wurden die weltgrößten

radioteleskope gemeinsam genutzt,

um die Milchstraße und ihre

Umgebung vollständig zu erforschen.“

Foto: AIfA, Universität Bonn

Forschen

�Die Verteilung des

Wasserstoffgases der

Milchstraße beobachtet

mit dem 64-Meter-

Parkes-Teleskop in

Australien. Blau mar-

kiert regionen mit den

geringsten Wasserstoff-

mengen, weiß solche

mit den höchsten.

forsch 1/2011 universitätbonn

forschenkompakt

19


forschenkompakt

Forschen

5So soll das ccAT

bei seiner Fertigstellung

im Jahr 2016 aussehen.

20 forsch 1/2011 universitätbonn

UNI BoNN AN TELESKoPBAU IN

chILE BETEILIGT

Die chilenische Atacama-Wüste gilt

als trockenster ort der Welt: In einem

Jahr fällt hier im schnitt gerade einmal

soviel niederschlag wie im nordamerikanischen

Death Valley in einer

einzigen Woche. Das Gebiet erstreckt

sich bis in höhen von mehr als 6.000

Metern.

hier soll bald das höchst gelegene

astronomische Messgerät der Welt

entstehen: das cerro chajnantor Atacama

Telescope (ccAT). An der Konstruktion

des observatoriums sind

auch Astrophysiker der Universität

Bonn beteiligt. Grund für die standortwahl:

Die dünne, trockene Luft in

der Atacama-Wüste lässt strahlung

aus dem All im für viele astronomische

Beobachtungen wichtigen Wellenlängenbereich

0,2 bis 2 mm

nahezu ungehindert passieren. Dank

der niedrigen Temperaturen gibt es

zudem kaum thermisch bedingte

Verwirbelungen in der Atmosphäre,

die den Blick auf den nachthimmel

verzerren würden.

Das geplante spiegelteleskop wird

einen Durchmesser von 25 Metern

haben und soll bis spätestens 2016

in einer höhe von 5.600 Metern errichtet

werden. Geleitet wird das Projekt

von der Us-amerikanischen

cornell-Universität sowie dem california

Institute of Technology (caltech).

Die Universitäten Bonn und

Köln haben kürzlich in einem Kooperationsvertrag

in Aussicht gestellt,

zehn Prozent der Bau- und Betriebskosten

zu übernehmen. „Wir werden

aber auch unser Know-how einbringen“,

erklärt Professor Dr. Frank Bertoldi

vom Bonner Argelander-Institut

für Astronomie. „Gemeinsam mit un-

Foto: cornell-Universität & caltech

seren Kölner Kollegen sind wir beispielsweise

an der entwicklung der

hochpräzisen spiegelflächen beteiligt.“

Keine leichte Aufgabe: Die hochreflektiven

Paneele müssen extrem

genau gefertigt und gleichzeitig vergleichsweise

leicht sein. Die Bonner

und Kölner Forscher führen dazu mit

der Duisburger Firma Vertex Antennentechnik

gerade eine Designstudie

durch. „Wir setzen auf

Aluminium mit modernen Kohlefaser-

Verbundstoffen, die praktisch keiner

thermischen Ausdehnung unterliegen“,

erläutert Bertoldi. „Damit lassen

sich Fertigungsgenauigkeiten

realisieren, wie sie bei einem solch

großen Teleskop noch nie erreicht

wurden.“

Das ccAT Teleskop spielt in der mittel-

und langfristigen Perspektive eine

wichtige rolle in dem neuen sFB 956

„conditions and Impact of star Formation

Astrophysics, Instrumentation

and Laboratory research“, an dem

Forscher der Kölner Universität, der

Universität Bonn und des MPI für

radioastronomie in Bonn beteiligt

sind.

WELTGrÖSSTES NEUTrINo-

TELESKoP FErTIGGESTELLT

nach knapp sechs Jahren Bauzeit

und einem Jahrzehnt Vorbereitung

wurde im Dezember das neutrino-

Teleskop „Icecube“ fertiggestellt.

Forscher der Universität Bonn sind

an dem riesenprojekt beteiligt. Der

größte Teilchendetektor der Welt besteht

aus einem Kubikkilometer eis,

das mit höchstempfindlichen Lichtsensoren

durchsetzt ist. sie fangen

die spuren von neutrinos aus dem

Weltall auf, um durch diese himmelsboten

Informationen über weit entfernte

Galaxien zu erhalten. neutrinos

werden oft als Geisterteilchen bezeichnet,

da sie quasi unbemerkt

große Mengen Materie durchdringen

können.

Icecube ist im tiefen eis unter der

Us-amerikanischen Amundsen-scott-

station am geographischen südpol

installiert. Der Detektor besteht aus

86 Kabeltrossen, an denen in Tiefen

zwischen 1,45 und 2,45 km jeweils

60 Glaskugeln angebracht sind. Die

Löcher, in die die Kugeln herabgelassen

wurden, wurden mit 80°c heißem

Wasser ins eis geschmolzen.

Die Kugeln umschließen hoch-

empfindliche Lichtsensoren, die das

schwache bläuliche Leuchten auffangen,

das bei neutrinoreaktionen entsteht.

Milliarden dieser "Geister-

teilchen" prasseln pro sekunde auf

jeden Quadratzentimeter der erdoberfläche.

Die meisten von ihnen

durchdringen die erde, ohne mit einem

einzigen Atom zu kollidieren.

Weil sie kaum mit anderer Materie in

Wechselwirkung treten, können sie

praktisch ungestört weite strecken

im All zurücklegen. Das macht sie zu

einzigartigen kosmischen Boten.

Icecube sucht nach neutrinos aus

Quellen, die Tausende bis Milliarden

von Lichtjahren entfernt sind. Zu den

Forschungsobjekten zählen schwarze

Löcher, die im Zentrum von Galaxien

sitzen und Materie wie in einem Mahlstrom

in sich hineinziehen. Auch versprechen

sich die Forscher Aufschluss

über die rätselhafte Dunkle Materie,

die unser Universum erfüllen soll,

aber bisher nicht identifiziert werden

konnte (s. Interview s. 16).

An der Uni Bonn entwickeln Forscher

eine neuartige Methode, die die sensitivität

von Icecube für neutrinos

von supernova-explosionen steigert.

Der Leiter der Arbeitsgruppe experimentelle

Astroteilchenphysik am Physikalischen

Institut Professor Dr.

Marek Kowalski erklärt: „Dazu analysieren

wir am südpol mit computerprogrammen

rund um die Uhr die

aufgezeichneten Daten. Finden wir

eine statistisch auffällige häufung,

senden wir die himmelskoordinaten,

aus denen die neutrinos aufgefangen

wurden, an ein netzwerk von optischen

Teleskopen sowie den röntgensatelliten

sWIFT. Diese beobach-

ten dann für uns die entsprechen-

den himmelsregionen. Lässt sich in

den Bildern eine supernova identifizieren,

haben mir mit großer sicherheit

die neutrinoquelle gefunden.“

Das Projekt wird von einem internationalen

Konsortium unter Führung

der Us-amerikanischen national science

Foundation (nsF) betrieben.

Die nsF hat auch den größten Teil

der Baukosten von 279 Mio. Us-Dollar

übernommen. Der deutsche Beitrag

von etwa 18 Millionen euro

wurde durch Mittel des Bundesministeriums

für Bildung und Forschung,

der helmholtz-Gemeinschaft, der

Deutschen Forschungsgemeinschaft

(DFG) und über die Grundausstattungen

der beteiligten Universitäten

finanziert.


eine Satellitengalaxie auf einer Skala

von ein paar hundert Parsec. Diese Diskrepanzen

zeigen sich bis zu einer Größenordnung

von acht Millionen Parsec.

Das ist längst nicht mehr kleinskalig.

Ein Punkt, der für die Existenz Dunkler

Materie zu sprechen scheint, sind

die so genannten Rotationskurven der

Galaxien: Eigentlich sollten sich die

Sterne am Rand einer Galaxie langsamer

bewegen als in Zentrumsnähe,

weil sie sonst durch die Fliehkraft

aus der Galaxie getrieben würden.

Das ist aber nicht der Fall. Es scheint

also eine zusätzliche Quelle der Gravitationsanziehung

zu geben, die das

verhindert.

Nilles: Dieser Effekt wird durch

die kalte Dunkle Materie zumindest

qualitativ gut beschrieben: Nämlich

dadurch, dass man mehr Materie im

Zentrum der Galaxie hat, als man sieht.

Die Alternative ist, dass man die Newtonschen

Gravitationsgesetze so abändert,

dass die Kurven passen. Das ist

aber keine Theorie; sie erlaubt keine

Vorhersagen.

Kroupa: Es tut mir Leid, aber

das ist eine falsche Aussage. In der

MOND-Theorie (der modifizierten

Newtonschen Dynamik, die Red.) wird

eine einzige Naturkonstante an einer

einzigen Galaxie geeicht. Und damit

kann man die Rotationskurven Hunderter

anderer Galaxien vorhersagen.

Mach das mal mit kalter Dunkler Materie.

Das kannst du nicht.

Nilles: Grund ist, dass es verschiedene

Annahmen gibt, wie die Dunkle

Materie im Universum verteilt ist. Und

niemand weiß, welche richtig oder

falsch ist.

Setzt die Physik, wie Herr Kroupa

behauptet, momentan zu sehr auf ein

Pferd? Er sagt ja beispielsweise, dass

die Vertreter von Alternativtheorien

nicht genügend Beobachtungszeiten

bekommen, um ihre These überprüfen

zu können.

Nilles: Dieses Argument ist nicht

naturwissenschaftlich. Klar ist, wir

stehen in der Wissenschaft in einem gewissen

Wettbewerb. Dennoch wird sich

die Theorie durchsetzen, die besser ist.

Kroupa: Wer Alternativen vorschlägt,

riskiert aber seine Karriere.

Nilles: Es gibt keine Alternative, die

auf allen Skalen funktionieren würde.

Kroupa: Doch, die gibt es. Zum

Beispiel kann man die Struktur der

anfangs angesprochenen Hintergrundstrahlung

auch in MOND erklären,

wenn man die Existenz eines

bestimmten Teilchens postuliert, des

sterilen Neutrinos...

Nilles: ...was nichts anderes ist

als heiße Dunkle Materie. Du führst

damit ein weiteres Teilchen ein und

hast noch keine einzige Vorhersage

gemacht.

Kroupa: Es bleibt die Tatsache: Es

gibt ein Alternativmodell, das die Hintergrundstrahlung

erklärt. Darin redet

man allerdings von Feldern und nicht

von Teilchen, auch wenn das praktisch

sicher synonym ist.

Nilles: Dann sag mir mal, wie du

damit die großräumige Verteilung der

Galaxien erklären willst. Mit heißer

Dunkler Materie?

Was ist heiße Dunkle Materie? Und

wie unterscheidet sie sich von kalter?

Nilles: Heiße Dunkle Materie

besteht aus leichten Teilchen, zum

Beispiel Neutrinos, die so leicht und

schnell sind, dass sie anders als kalte

Dunkle Materie keine "Klumpen" bilden.

Sie können also nicht als Kondensationskeim

für die sichtbare Materie

dienen. Laut Standardmodell können

sie daher nicht die großräumige Verteilung

der Galaxien erklären, die wir

heute beobachten.

Kroupa: Immerhin lässt sich damit

möglicherweise ein Aspekt klären, der

im Standardmodell gar nicht verstanden

wird: Nämlich dass die so genannten

Voids astronomische Strukturen

mit wenig Materie viel zu leer sind.

Das ist ein ernstes Problem für die

Standardtheorie. Eines ist klar: Astronomisch

ist die kalte Dunkle Materie als

relevantes Teilchen ausgeschlossen.

Nilles: Nein. Dem widerspreche ich

einfach. Und dem widersprechen 95

Prozent deiner Kollegen. Noch einmal:

Das Standardmodell hat Vorhersagen

gemacht. Und diese Vorhersagen haben

sich bewahrheitet. Und jetzt gibt

es zugegebenermaßen gewisse Strukturen,

bei denen es Fragen gibt. Nun

kann man sich die Frage stellen: Sind

das Newtonsche Gesetz und die allgemeine

Relativitätstheorie falsch? Ich

stelle sie mir nicht. Ich würde sie nur

aufgeben, wenn es was Besseres gäbe.

Man kann natürlich bei kleinräumigen

Strukturen sagen: Hier habe

Foto: Physikalisches Institut, Universität Bonn

ich eine Alternative, die besser funktioniert.

Aber es fehlt der Test, die

Vorhersage des Alternativmodells,

von der man sagen kann: Wenn sie

eintritt, dann haben wir gezeigt, dass

wir Recht haben.

Kroupa: Dazu brauchen wir jemanden,

der das berechnet. Und daran

scheitert es momentan.

Eine Beobachtung neueren Datums

bezieht sich auf das so genannte Bullet

Cluster das sind zwei kollidierende

Galaxienhaufen. Dort scheint

sich das Zentrum der Gravitationsanziehung

an einer ganz anderen Stelle

zu befinden als die sichtbare Materie.

Spricht das nicht doch für Dunkle

Materie, Herr Kroupa?

Kroupa: Es gibt eine relativistische

Formulierung von MOND also eine

Form, die auch die allgemeine Relativitätstheorie

beinhaltet , die den Bullet

Cluster schön erklärt. Allerdings muss

man dazu in der Tat etwas heiße Dunkle

Materie einführen.

Nilles: Jetzt mal im Klartext: Es

gibt also doch Dunkle Materie?

Kroupa: In dem eben beschriebenen

Modell von dem ich nicht weiß, ob es

stimmt braucht man heiße Dunkle

Materie. Und dieses Szenario ist ebenso

konsistent wie das Standardmodell:

Wenn man sich andere Galaxienhaufen

ansieht, braucht man dort laut dieser

Alternativtheorie auch heiße Dunkle

Materie mit exakt denselben Eigen-

Forschen

5Auf dem Bethe-

Kolloquium im November

diskutierten Professor

Dr. Simon White (Mitte)

und Professor Dr. Pavel

Kroupa (rechts) über die

Existenz Dunkler Materie.

Der Podcast zu der von

Professor Dr. hans Peter

Nilles (links) moderierten

Veranstaltung verzeichnet

bis heute enorm hohe

Zugriffszahlen.

forsch 1/2011 universitätbonn

21


forschenkompakt

Forschen

5Professor Dr. Pavel

Kroupa hält die Theorie der

modifizierten Newtonschen

Dynamik (MoND) für die

heute beste Beschreibung

von Galaxien.

22 forsch 1/2011 universitätbonn

Foto: Physikalisches Institut, Universität Bonn

schaften. Das wurde publiziert. Und

natürlich ignoriert.

Nilles: Für mich ähnelt MOND der

Epizykel-Theorie im ptolemäischen

Weltbild: Dort hat man immer, wenn

eine Ungereimtheit auftrat, etwas Neues

eingeführt, um das zu erklären.

Kroupa: Welche Epizykeln hat man

eingefügt? Sag das mal ganz konkret.

Nilles: Also: die Newtonsche Gravitation

ist falsch.

Kroupa: Das ist kein Epizykel, das

ist eine Beobachtung.

Nilles: Daraus folgt: Die allgemeine

Relativitätstheorie ist falsch; man

muss zwei neue Teilchen einführen, um

MOND relativistisch zu formulieren.

Man muss zudem ein steriles Neutrino

einführen was de facto Dunkle Materie

ist, nur eben heiße! , um die Fluktuationen

der Hintergrundstrahlung zu

erklären. Und dann kann man immer

noch nicht die großräumige Verteilung

der Materie im Universum erklären.

Das erste Argument von MOND

war: Man will kein neues Teilchen einführen,

also ändert man die fundamentalen

Gesetze. Nun stelle ich fest, dass

man schon drei neue Teilchen eingeführt

hat, nur um das eine Teilchen zu

verhindern.

Wie kann man die Frage nach der

Existenz Dunkler Materie entscheiden?

SAG MIr, Wo DIE STErNE SIND

Im Universum entstehen rund um die

Uhr neue sterne in der Milchstraße

sind es momentan etwa zehn pro

Jahr. Diese Geburtenrate schwankt;

früher lag sie teilweise um ein Vielfaches

höher. Aus den Werten in der

Vergangenheit lässt sich im Prinzip

berechnen, wie bevölkert das All heute

sein müsste. Das Problem: Die ergebnisse

derartiger Kalkulationen

stimmen nicht mit den tatsächlichen

Beobachtungen überein. „eigentlich

müsste es viel mehr sterne geben,

als wir tatsächlich sehen“, sagt der

Astrophysiker Dr. Jan Pflamm-Altenburg

vom Argelander-Institut für

Astronomie der Uni Bonn.

seit Jahren suchen Astronomen

weltweit nach einer plausiblen erklärung

für diese Diskrepanz. Zusammen

mit Dr. carsten Weidner von der

schottischen st. Andrews University

scheinen Dr. Pflamm-Altenburg und

Nilles: Eine mögliche Form der

Dunklen Materie sind die so genannten

"WIMPs" (Weakly Interacting

Massive Particles, zu deutsch

„schwach wechselwirkende massereiche

Teilchen“, die Red.). Das sind

stabile neutrale Teilchen, die sich im

frühen Universum gebildet haben.

Es gibt nun theoretische Modelle, die

Vorhersagen für ein solches schweres

Teilchen treffen. Demnach müsste

man in dem neuen LHC-Beschleuniger

am CERN in Genf derartige

WIMPs erzeugen können.

Außerdem gibt es Experimente, mit

denen man versucht, bisher unentdeckte

Teilchen aus dem All nachzuweisen.

Die eingesetzten Detektoren

sind bislang allerdings noch nicht

empfindlich genug. In fünf bis zehn

Jahren sollte man jedoch in Bereiche

vorstoßen, in denen das WIMP zu finden

sein sollte.

Wenn ich nun im LHC ein Teilchen

erzeuge, das Dunkle Materie sein

könnte, kenne ich seine Eigenschaften.

Ich weiß also genau, wonach ich unter

den Teilchen, die aus dem All auf uns

einprasseln, suchen muss. Würde tatsächlich

etwas gefunden, wäre das eine

Sache, an der Kritiker der Dunklen Materie

schlecht vorbei kämen. Könnten

wir dagegen kein entsprechendes Teilchen

aufspüren, wäre das ein gutes Argument

gegen die Dunkle Materie.

der Bonner Astrophysik-Professor

Dr. Pavel Kroupa nun des rätsels Lösung

gefunden zu haben: Vermutlich

hat man die „Geburtenraten“ bislang

einfach zu hoch eingeschätzt. Ganz

so simpel, wie sich diese Antwort anhört,

ist sie aber nicht: Der schätzfehler

schlägt nämlich wohl nur in

Zeiten besonders hoher sternenproduktion

zu. Die Forscher haben die

Geburtenraten nach den Vorhersagen

ihrer so genannten „stellar

crowding“-Theorie korrigiert. Mit ermutigendem

ergebnis: sie kamen

dadurch tatsächlich auf die sternenzahl,

die man heute sieht.

STArThILFE FÜr DIE QUANTEN-

KoMMUNIKATIoN

Das Bundesministerium für Bildung

und Forschung (BMBF) möchte die

Anwendung von Quantentechnologien

in der Informationstechnik vorantreiben.

Dazu hat es jetzt rund 13

Herr Kroupa, was wäre denn eine

Beobachtung, die zeigen würde, dass

Ihre Theorie falsch wäre?

Kroupa: Sie verstehen mich falsch.

Ich habe noch keine eigene Theorie.

Ich möchte die Entwicklungsgeschichte

der Milchstraße im Rahmen

des Standardmodells verstehen. Und

dabei finde ich, dass das Modell ganz

gravierend versagt. Ich sehe nicht,

dass es überhaupt noch physikalische

Argumente gibt, um das Standardszenario

mit den Beobachtungen in Einklang

zu bringen. Und diese Probleme

verschwinden nicht, wenn man ein

Teilchen findet.

Im Standardmodell kann man

das lokale Volumen nicht verstehen.

Das ist für mich Vergangenheit. Ich

schaue mich also um, welche Alternativen

momentan "am Markt" sind,

wenn man so will. Und darunter ist

die heute beste Beschreibung von

Galaxien die von Mordehai Milgrom,

der MOND vorgeschlagen hat. Das

sind die Keplerschen Gesetze für Galaxien.

Das ist zumindest, was die Empirie

hergibt. Die dahinter liegende

Theorie der Gravitation kennen wir

noch nicht ebensowenig, wie Keplers

Zeitgenossen die Newtonschen

Gravitationsgesetze kannten.

FL/ForSch

Millionen euro für insgesamt vier Verbundprojekte

zur Verfügung gestellt.

rund 500.000 euro fließen an das

Institut für Angewandte Physik der

Universität Bonn.

heutige chip-Technologien nutzen

zum rechnen die beiden klassischen

Bitzustände 0 und 1. „In der Quantenwelt

gibt es die Möglichkeit, diese

Zustände zu überlagern", erklärt der

Bonner Physiker Professor Dr. Dieter

Meschede: „ein Bit ist dann gewissermaßen

gleichzeitig zu einem gewissen

Teil im Zustand 0 und zu einem

anderen Teil im Zustand 1.“

Mit diesen „Überlagerungszuständen“

könnten sich z. B. nachrichten

abhörsicher übertragen oder Messgenauigkeiten

weiter steigern lassen.

Ziel des Projekts ist die entwicklung

eines Quantenrepeaters, der die

Übertragung abhörsicherer nachrichten

über große entfernungen ermöglicht.


Der Mess-Minimalist

Bonner Mathematiker erhält erc starting Grant

Professor Dr. holger rauhut kann sich freuen: Das „European

research council“ (Erc) hat ihm Fördergelder für ein anspruchsvolles

Forschungsvorhaben zugesagt. rund eine Million Euro fließen

in den nächsten fünf Jahren an den Mathematiker. Mit den Mitteln

dieses „Erc Starting Grants“ möchte er unter anderem nach neuen

Möglichkeiten suchen, aus minimal wenigen Messwerten komplexe

Daten zu rekonstruieren. Davon könnten beispielsweise medizinische

Tomographieverfahren oder radarsysteme profitieren.

Digitalkameras mit 10, 12, 16

Megapixeln? Völlig überholt! An

der Rice-University im texanischen

Houston haben Physiker vor vier Jahren

eine Kamera konstruiert, die mit

einem einzigen Pixel auskommt. Das

Spannende daran: Sie schießt damit

erstaunlich scharfe Bilder (Beispiele

gibt es unter http://dsp.rice.edu/cscamera).

Die US-Forscher arbeiten auf

einem Forschungsgebiet, das unter

Mathematikern momentan en Vogue

ist wie kaum ein zweites: dem

„Compressive Sensing“. Der Begriff

bezeichnet die Kunst, aus möglichst

wenigen Messpunkten ein möglichst

exaktes Bild der Realität zu rekonstruieren.

Professor Dr. Holger Rauhut hat

Algorithmen entwickelt, die das ziemlich

gut können. Er sitzt in seinem

Eckbüro im vierten Stock des Bonner

Hausdorff-Zentrums für Mathematik

und holt mit ein paar Mausklicks

ein Beispiel auf den Bildschirm: Ein

kompliziertes Tonfrequenzspektrum,

das er aus nur 25 Messwerten exakt

rekonstruieren konnte. „Normalerweise

misst man erst und komprimiert

die gewonnenen Daten danach“,

sagt er. „Wir versuchen dagegen, direkt

‚komprimiert’ zu messen.“

Weniger messen anstatt viel

wegwerfen

Kameras beispielsweise speichern

ihre Fotos meist als jpg-Dateien.

Dabei werfen sie 90 Prozent der aufgezeichneten

Informationen einfach

weg. Die Unterschiede zum Original

sind dennoch kaum wahrnehmbar:

Jedes Foto hat Bereiche, die fast keine

Informationen enthalten farbige

Flächen wie den blauen Himmel zum

Beispiel. Man könnte stattdessen

auch einfach nur zehn Prozent der

Daten aufzeichnen. Genau so funktioniert

die Kamera der Rice-Universität:

Sie macht nicht ein Einzelfoto,

das sich aus zehn Millionen Punkten

zusammensetzt. Stattdessen nimmt

sie hintereinander einige tausend

Ein-Pixel-Fotos auf. Daraus rekonstruiert

sie dann das Originalbild.

Und zwar nicht etwa, indem sie

zwischen den Einzelaufnahmen interpoliert.

Das Ganze funktioniert

nach einem komplett anderen Prinzip:

Das Bild wird über tausende von

Mikrospiegeln auf eine lichtempfindliche

Fotodiode gebündelt. Dabei

schaltet die Software jedoch einen

Teil der Spiegel blind. Wie viele und

welche, wechselt von Aufnahme zu

Aufnahme nach dem Zufallsprinzip.

Damit variiert auch die Lichtmenge,

die der Pixelsensor empfängt. Aus

dieser Variation und der Information,

welche der Mikrospiegel zum

jeweiligen Aufnahmezeitpunkt blind

waren, lässt sich das Originalbild rekonstruieren.

Das klappt umso besser,

je mehr Messungen der Algorithmus

auswerten kann.

Die Ein-Pixel-Kamera ist der Beweis,

dass Compressive Sensing bei

der Aufnahme von Bildern überhaupt

funktioniert. Für herkömmliche Digitalknipsen

ist sie dagegen keine

Konkurrenz: Sie benötigt für ein einziges

Foto aus mehreren tausend Einzelaufnahmen

einige Minuten. Das

reicht, um eine Eiche bei Windstille

zu fotografieren. Doch schon vor

dem Sonntagsausflug einer Schnecke

muss das Gerät kapitulieren. „Compressive

Sensing lohnt sich vor allem,

wenn der Messprozess sonst sehr

lange dauern würde oder mit hohen

Kosten verbunden wäre“, erklärt Professor

Rauhut. So soll beispielsweise

eine Tomographie nicht zu lange

Foto: fl

dauern, da der Aufenthalt in der engen

„Röhre“ viele Patienten belastet.

Auch wenn für die Erfassung und

Komprimierung der Daten vor Ort

wenig Rechenleistung zur Verfügung

steht, ist es besser, wenn nur wenige

Messwerte anfallen.

„Ich werde mit den ERC-Geldern

keine Kamera bauen“, betont Rauhut.

„Mich interessiert vor allem die Mathematik,

die dem ‚Compressive Sensing’

zugrunde liegt. Ein Kernpunkt

dabei ist der mathematische Beweis,

unter welchen Bedingungen und wie

effizient diese Verfahren funktionieren.“

Der 36-Jährige möchte die

bestehenden Algorithmen weiter entwickeln,

so dass sie sich beispielsweise

auch auf Radarsysteme anwenden

lassen. Außerdem will er das Prinzip

auf völlig andere Bereiche ausdehnen.

Ein Beispiel sind mathematische

Funktionen mit sehr vielen Variablen.

„Ich möchte versuchen, darunter die

wenigen wirklich wichtigen Parameter

zu identifizieren, ohne viel über

die Funktion als solche wissen zu

müssen“, sagt er. Derartige komplexe

Funktionen treten beispielsweise in

der Wettervorhersage oder bei ökonomischen

Simulationen auf.

Mathematisch sind das sehr anspruchsvolle

Themen. Rauhut wird

diese Aufgabe allerdings nicht alleine

schultern: Er will mit der Fördermillion

aus Brüssel für die kommenden

fünf Jahre einen Postdoktoranden

und zwei Doktoranden finanzieren.

FL/ForSch

Forschen

5Professor Dr. holger

rauhut will nach neuen

Möglichkeiten suchen,

aus minimal wenigen

Messwerten komplexe

Daten zu rekonstruieren.

forsch 1/2011 universitätbonn

23


L E R N E N U N D L E H R E N

�Zum Beispiel:

drei Spender und drei

neue Stipendiaten bei

der Talkrunde (v.l.n.r.)

Michael Kranz, Vorsitzender

der Universitätsgesellschaft

Bonn,

Bernd O. Engelien von

der Zurich Gruppe,

Philipp Storb von der

GEHE Pharma Handel

GmbH, Eva Börgens,

Henriette Günther

und Thomas Beiert

mit Moderator Klaus

Herkenrath.

� Zum Beispiel:

Die Mathematikerin

Lisa Hartung bekam

eine Verlängerung

ihres Stipendiums.

Foto: uk

24 forsch 1/2011 universitätbonn

Gefördert und gefordert

NRW-Stipendienprogramm ging in die zweite Runde

66 Studierende wurden in der ersten Runde des NRW-Stipendienprogramms

für besonders vielversprechende Leistungen belohnt und zu

weiteren angespornt. Privatpersonen oder Unternehmen übernehmen

dabei an den einzelnen Universitäten die Hälfte der monatlich

300 Euro umfassenden Stipendien. Im Januar wurden in der zweiten

Runde 30 Studierende neu in den Kreis der NRW-Stipendiaten aufgenommen,

50 erhielten eine Verlängerung.

Beim Gruppenfoto der ersten

NRW-Stipendiaten auf der Freitreppe

des Poppelsdorfer Schlosses war Lisa

Hartung kaum erkennbar. Nun ist die

Kamera beim Wiedersehen unter dem

Motto „Was ist daraus geworden?“

auf sie allein gerichtet. Der Mathematikstudent

Jan-Erik Tertilt verfolgt

amüsiert den Fototermin an der mit

Formeln bedeckten Tafel. Er hat kein

Problem damit, dass die drei Jahre

jüngere Lisa Hartung ihn unterrichtet:

„Wenn jemand weiß, was Sache

ist, und auch noch gut erklärt...“ Die

Studentin ist erst 19 Jahre alt. Trotzdem

gibt sie ihre eigene Begeisterung

für Mathematik inzwischen nicht nur

als Betreuerin der Teilnehmer des

Programms „Fördern Fordern Forschen“

für begabte Oberstufenschüler

weiter, über das sie selbst an die Uni

kam. Sondern sie ist auch Tutorin für

Masterstudenten. Mit ihrem selbst

verdienten Geld und dem Stipendium

kommt sie gut über die Runden.

In ihrem Endspurt für das Diplom

in Mathematik und den Bachelor in

Volkswirtschaftslehre wird sie nun

durch die Verlängerung ihres NRW-

Stipendiums unterstützt.

„Obwohl sich Spender und Stipendiaten

nicht in namentlicher Zuordnung

kennen lernen, sind zwei

neue größere Förderer dazu gekommen,

und ein Unternehmen hat aufge-

stockt“, freut sich Daniela Horstmann,

Koordinatorin des Programms an der

Uni Bonn. „Diesmal bekommen 45

herausragende Studentinnen und 35

Studenten ein Stipendium.“

„Wussten Sie, dass die Worte

‚geben‘ und ‚nehmen‘ dieselbe

Sprachwurzel haben?“ fragte Rektor

Professor Dr. Jürgen Fohrmann, bevor

er die Urkunden an die „Neuen“

persönlich überreichte. Anschließend

nutzten einige der Spender und der

Stipendiaten die Gelegenheit, sich

zu unterhalten. Für weitere Treffen

wünschen sich die Geförderten noch

mehr direkte Kontakte, zum Beispiel

in kleineren Gesprächskreisen zu

bestimmten Themen das ist bereits

angedacht. Und unter den Spendern

gibt es ebenfalls Ideen, wie sie weitere

Treffen gestalten könnten. Lisa Hartung

schätzt auch den Kontakt mit Stipendiaten

aus anderen Fachbereichen.

Studierende mit herausragenden

Studienleistungen können sich ab

dem 2. Fachsemester auf Aufforderung

bewerben. Auch frühere Bewerbung

in Eigeninitiative ist möglich,

wenn jemand zum Beispiel bereits

fachbezogene Preise erhalten hat. Die

Förderung beginnt immer mit dem

Wintersemester für mindestens zwei

Semester, maximal die Regelstudienzeit.

Jeder Beitrag ist willkommen:

Förderer können ganze Jahresstipendien

stiften oder einen Betrag nach

eigener Wahl.

Was bewirkt ein solches Stipendium?

Lucas Dörre und Paul Schoppe

sind Masterstudenten der Asienwissenschaften.

Die Verlängerung ihrer

Stipendien wollen sie in erster Linie

nutzen, um sich Fachbücher zu kaufen,

die sie sich sonst nicht leisten könnten.

Und um Sprachpraxis zu gewinnen,

wollen sie nach Japan auch dafür ist

der Zuschuss sehr willkommen. Henriette

Günther, Pharmazie, gehört zu

den „Neuen“. „Das Stipendium motiviert

mich, ich lerne jetzt mit noch

mehr Spaß“, sagt sie. Sie schätzt die

Anerkennung denn sonst höre sie

oft, sie lerne zuviel oder strebe sogar.

Lisa Hartung und Thomas Beiert,

Student der Medizin, können

sich durchaus vorstellen, mit eigenem

Einkommen selbst Spender zu werden.

Vorerst fördert die junge Mathematikerin

den Nachwuchs durch

Engagement auch privat. Die beiden

jüngeren Geschwister ihres Freundes

zum Beispiel fahren mit ihr zu Mathe-

Wochenenden. Denn mehrmals im Semester

verbringt sie als Dozentin nicht

nur Zeit mit Formeln, sondern auch

mit Schülern der Klassen 5 bis 13.

UK/FORSCH

�Die Veranstaltung mit

Talkrunde und Interviews

gibt es als podcast unter

www.uni-bonn.tv; Informationen

und wer alles zu den Förderern gehört,

findet man unter: www.nrwstipendienprogramm.uni-bonn.de

Foto: Volker Lannert/Uni Bonn


Neu: Sprachenportal

Angebote für über 50 Sprachen gebündelt

Ganz klassisch Englisch und Französisch oder darf es etwas Ausgefallenes

sein? Von Akkadisch über Pashto bis Yukatekisches Maya

reicht das Angebot an der Uni Bonn. Insgesamt mehr als 50 Sprachen

kann man hier lernen oder seine Kenntnisse erweitern. Um

in der Vielfalt der Möglichkeiten und Anbieter die Orientierung zu

erleichtern, gibt es nun ein Sprachenportal als zentrale Anlaufstelle.

Das neue Sprachenportal

ging Ende Januar online.

Es erfasst sämtliche

sprachpraktischen Lehrangebote

aller 15 Anbieter an

der Uni Bonn aus Fakultäten, Verwaltung

und zentralen Institutionen. Studierende

und Mitarbeiter, Gasthörer

und Schüler können hier fi nden, wer

was für wen anbietet. Dabei ist die

Reihenfolge der Eingaben unter den

Basisoptionen Sprache, Anbieter und

Interessengruppe beliebig. Die zur

Auswahl stehenden Felder folgen im

ganzen Programm bereits getätigten

Eingaben so gibt es keine leeren

„Treffer“.

Zum Beispiel: Eine Geodäsiestudentin

will sich auf ihr Praktikum

im Norden vorbereiten. Sprache des

Gastgeberlandes eingeben, Ergebnis:

Ja, unabhängig von ihrem Studiengang

kann sie Finnisch lernen, und

zwar am Institut für Germanistik,

Vergleichende Sprach- und Kulturwissenschaft.

Der Link zu „Basis“

zeigt ihr Anmeldefristen und Termine,

die Option „Details“ gibt Informationen

zur jeweiligen Veranstaltung. Wer

nicht nach einer bestimmten Sprache

sucht, sondern einfach wissen möchte,

was grundsätzlich geht, beginnt mit

„Zielgruppe“. So sehen Mitarbeiter

auf einen Blick, dass sie zum Beispiel

Russisch oder Sumerisch lernen können

Neuirisch oder Japanisch dagegen

nicht, denn das sind Studierenden

vorbehaltene Lehrveranstaltungen.

Auch in der Datenbank nicht erfasste

Zusatzangebote sind im Portal

verlinkt: Selbstlernmaterialien, Zertifi

kate, das Programm „Deutsch als

Fremdsprache“, Angebote des International

Offi ce und Veranstaltungen.

„Mit dem Sprachenportal haben

wir einen wesentlichen Baustein in einem

Gesamtkonzept, das die Sprachaus-

und Weiterbildung verbessern

soll“, sagt Koordinatorin Bettina

Grävingholt von der Zentralstelle für

Schlüsselkompetenzen, die das Portal

pfl egt und verwaltet. Zusammen

mit Alexander Scherr vom Sprachlernzentrum

hat sie die Internetseite

entwickelt. Unterstützt wurden sie

dabei vom Institut für Orient- und

Asienwissenschaften, dem Hoch-

Das Recht am Bild

Jurastudenten informieren per Blog

Wen und was darf ich fotografieren? Wer darf meine Bilder wofür

verwenden oder nicht? Das sind Fragen, die sich jeder Fotograf schon

einmal gestellt hat. Zwei Jurastudenten der Universität Bonn haben

sich auf die Suche gemacht und Antworten in einem Blog „Recht am

Bild“ zusammengestellt.

Mit ihrem Blog „Recht am Bild“

erläutern Dennis Tölle und Florian

Wagenknecht Fragen und Probleme

des Fotografenalltags. Die ständig

wachsende Datenbank enthält Artikel

sowie einschlägige rechtliche Informationen

und Urteile. „Unsere Zielgruppe

sind ambitionierte Amateure,

die zum Beispiel ihre Fotos auf der

eigenen Internetseite veröffentlichen,

aber auch Berufsfotografen, die ihre

Aufnahmen an Bildagenturen lizensieren“,

sagt Dennis Tölle. „Der Blog

ist aus privatem Interesse an der Fotografi

e und der studienbedingten Verbindung

zur Juristerei entstanden.“

Ausdrücklich ersetzt er jedoch keine

anwaltliche Beratung bei Streitigkeiten.

FORSCH

�Kontakt: d.toelle@rechtambild.

de; Internet: www.rechtambild.de uk

Facebook, Twitter, XING Foto:

schulrechenzentrum und externen

Partnern für Grafi kdesign und Programmierung.

Ins Leben gerufen

wurde die Arbeitsgruppe zur Sprachvermittlung

von höchster Stelle: Vor

gut einem Jahr hatte der Rektor sie

mit einem Gesamtkonzept beauftragt.

Das Sprachenportal wird aus zentralen

Studienbeiträgen fi nanziert.

UK/FORSCH

L E R N E N U N D L E H R E N

�Sprachen rund um

den Globus: Alle Lernangebote

der Uni Bonn

auf einen Blick finden

sich im neuen Portal.

�Bild-schön: das Köln-

Panorama von Dennis

Tölle (l). Florian Wagenknecht

und er bloggen

über Bildrechte.

forsch 1/2011 universitätbonn

Globus: Ramona Heim/fotolia; Logo: Reinhard Bosse

25


kompakt

L E R N E N U N D L E H R E N

Grafik: Dr. Torsten Klockenbring

26 forsch 1/2011 universitätbonn

STUDIENSCOUT „ACADEMICUS":

LEBENSWISSENSCHAFTEN

Mit der Einführung der gestuften Studiengänge

hat sich die Zahl der Wahlmöglichkeiten

für Studienanfänger

deutlich erhöht. Der virtuelle Studienberater

„Academicus" hilft Interessenten,

zu einer möglichst sicheren

Studienentscheidung zu gelangen.

Neu im Online-Self-Assessment ist

die Molekulare Biomedizin. Der Bachelor-Studiengang

verknüpft Methoden

und das molekulare Verständnis

der Naturwissenschaften mit aktuellen

Inhalten der Medizin: Mechanismen

und Funktionsweisen komplexer

Lebensvorgänge zu erhalten und die

Pathophysiologie menschlicher Erkrankungen

zu verstehen, ist das Ziel.

Dies ist auch die Grundlage für die

Entwicklung neuer Diagnostika und

Therapie-Ansätze, die zur Bekämpfung

menschlicher Erkrankungen

dienen sollen. Für die Ausbildung

stehen international renommierte

Wissenschaftler und modernste Laborausstattung

zur Verfügung. Mit

einem Mentoren-System erhalten die

Studierenden Studierenden eine studienbegleitende

Unterstützung.

Auch Auch wer wer noch nicht weiß, was er an

der Uni Bonn studieren kann, ist bei

„Academicus" in guten Händen, weil

er rund um das Studium Studium in Bonn Bonn informiert,

Studiengänge vorstellt und

Interessenten Interessenten eine Einschätzung Einschätzung ihrer

Erfolgschancen in bestimmten

Fächern gibt. Informationen: Informationen: http:// http://

www.studienscout.uni-bonn.de

LABORSICHERHEIT IN DER

CHEMIE ALS BLOCKKURS

Wer als Chemiker im Labor arbeitet,

sollte sich der Risiken seines

Handelns bewusst sein. Im Lehrangebot

„Laborsicherheit in Theorie

und Praxis" vermitteln Experten den

Studierenden in kompakter Form

die wichtigsten Kenntnisse rund um

die Laborpraxis und -sicherheit. Die

Veranstaltung wird im Rahmen des

Bachelor-Studiums als freies Wahlpflichtmodul

angeboten und ist in ihrer

Konzeption bundesweit einmalig.

Die Lehrveranstaltung findet als 14tägiger

Blockkurs in der vorlesungsfreien

Zeit statt. Die Teilnehmerzahl

ist dabei auf 20 beschränkt, was ein

intensives Arbeiten begünstigt.

Auch zuvor gab es natürlich Sicherheitsunterweisungen,

Vorlesungen

und sonstige Aktivitäten auf diesem

Gebiet. Auf Initiative der Fachkommission

Chemie der Mathematisch-

Naturwissenschaftlichen Fakultät

ging die Universität Bonn mit Einführung

des Bachelors neue Wege: Sie

schrieb Laborsicherheit als Zusatzmodul

im Curriculum des Bachelor-

Studiengangs Chemie fest. Dietrich

Reichard und Dr. Monika Schmitz

von der Abteilung für Arbeits- und

Umweltschutz der Univerwaltung

konzipierten das Modul.

Gefahren beim Experimentieren,

Regeln und Vorschriften, was man

im Notfall tun kann, um den Schaden

an Mensch und Material zu

begrenzen, stehen dabei im Mittelpunkt.

Berufspraktiker erklären den

richtigen Umgang mit Gefahrstoffen

und die besonderen Bedingungen

von Laborarbeiten, zum Beispiel

unter vermindertem Druck, mit genetisch

veränderten Organismen

und radioaktiven Substanzen. Auch

Haftungsfragen für Chemiker, sicherheitsrelevante

Themen der

Arbeitspsychologie sowie die Verantwortlichkeiten

und Zuständigkeiten

im Arbeitsschutz sind Thema, Umgang

mit Stress im Berufsalltag wie

Brand- und Explosionsschutz sowie

Erste Hilfe im Labor. Auf Exkursionen

und Betriebserkundungen lernen die

Teilnehmer moderne Verfahren des

Umweltschutzes und der Behandlung

chemischer Abfälle kennen. Informationen:

http://www.laborsicherheit.

uni-bonn.de

GUTE REGION FÜR CHEMIKER

Die Initiative ChemCologne will die

Zusammenarbeit zwischen Hochschulen

und Industrie in der Region

fördern. Beim „ChemCologne-Kooperationstag“

an den Chemischen

Instituten der Uni Bonn trafen sich

Wissenschaftler und Studierende mit

Vertretern aus Unternehmen unter

dem Thema „Vom Molekül zum Material“.

Gut ausgebildete Chemiker

seien im Rheinland der stärksten

Chemieregion Europas begehrt,

sagte der Geschäftsführer von Chem-

Cologne Bernd von der Linden bei einer

Podiumsdiskussion zum Thema

Arbeitsmarkt. Allerdings sei eine Verlagerung

der Inhalte absehbar.

SCHNUPPERWOCHE FÜR DIE

OBERSTUFE

Wer es noch nicht getan hat, kann

sich noch bis zum 9. Februar zur

„Schnupperwoche" für Oberstufenschüler

vom 14. bis 18. Februar anmelden.

Rund 30 Fächer von den

Asienwissenschaften bis zur Volkswirtschaftslehre

sind dabei. Sie

geben ab 15 Uhr in den jeweiligen

Instituten oder im Uni-Hauptgebäude

mit Vorlesungen, Präsentationen,

Führungen und Workshops einen Einblick

in den Studienalltag. Vorher informieren

Zentrale Studienberatung

und International Office an allen fünf

Tagen von 13:30 bis 14:30 Uhr über

Bewerbung, Zulassung, Finanzierung,

Wohnen in Bonn und Studium im Ausland.

Eingebettet in die Hochschultage

ist die Schnupperuni „Perspektive

Math-Nat“ am 16. Februar, die aus

Workshops zu mathematisch-naturwissenschaftlichen

Fächern besteht

und sich speziell an Schülerinnen

richtet. Anmeldung und Programm:

www.hochschultage.uni-bonn.de

BERUFSORIENTIERTE RELIGIONS-

PÄDAGOGIK

Mit dem Bonner Institut für berufsorientierte

Religionspädagogik kurz

„bibor“ gehen die evangelischen

Kirchen in Nordrhein-Westfalen zusammen

mit dem Land Nordrhein-

Westfalen und der Uni neue Wege für

den Religionsunterricht an Berufskollegs.

„bibor“ will die Zusammenhänge

der Religions- und Berufsdidaktik

erforschen und für die Situation an

Berufskollegs entwickeln: Hier treffen

Schülerinnen und Schüler mit

verschiedenen Bildungsabschlüssen

sowie unterschiedlichen Migrations-,

Kultur- und Religionshintergründen

aufeinander. Im Mittelpunkt steht

die Auseinandersetzung mit den

Möglichkeiten und Grenzen des

Menschseins und des menschlichen

Handelns in beruflichen Kontexten

für den Berufsschul-Religionsunterricht.

Wissenschaftlich sollen die

Religions- und Berufspädagogik so

aufeinander bezogen werden, dass

junge Menschen mit einer ethischen

Handlungs- und Personalkompetenz

in ihr Berufsleben starten können.

Direktor des Instituts ist Prof. Dr. Michael

Meyer-Blanck.

Weitere Informationen finden Sie auf

der Homepage des neuen Instituts:

www.bibor.uni-bonn.de


Ideen zu vergeben

Erste Promotionsbörse an der Medizinischen Fakultät

Mit einer solchen Resonanz hätte die Fachschaft Medizin Klinik nie

gerechnet: Insgesamt 27 Arbeitsgruppen und über 300 Studenten

haben an der ersten „Promotionsbörse“ ihrer Fakultät teilgenommen.

Eine nächste ist schon angedacht.

Promovieren ja oder nein? Und

wie kommt man an ein Thema für die

Dissertation? Bisher eher durch Zufall

oder Mundpropaganda, meint die

Fachschaft Medizin Klinik. So kam

sie auf eine Ideenbörse. „Natürlich ist

es für eine Arbeitsgruppe aufwändig,

sich und ihre Themen zu präsentieren

und mit potentiellen Doktoranden

ins Gespräch zu kommen. Deshalb

haben wir uns für den von Lehrveranstaltungen

freien Dies academicus

entschieden hätten aber trotzdem

nicht mit so einer Resonanz gerechnet“,

sagt Philipp Jansen. „Dass wir

von mehreren Seiten unterstützt wurden,

hat sicher sehr dazu beigetragen.“

Gemeinsam mit den Vorsitzenden der

Promotionskommission, der BON-

FOR-Forschungskommission und des

SciMed-Programms versandten sie

über den Fakultätsverteiler eine Einladung

an alle Klinik- und Institutsleiter.

Arbeitsgruppen sollten sich mit einem

Kurzsteckbrief, der dort möglichen

Art von Arbeiten, Bewerbungskrite-

Vor der Praxis stand die Theorie.

Im Labor untersuchten die Schülerinnen

dann bei unterschiedlichen Temperaturen

gelagerte Fleischproben

mikrobiologisch, testeten verschiedene

Temperaturüberwachungssysteme

und berechneten die Haltbarkeit von

Lebensmitteln mit mathematischen

Modellen. Außerdem experimentierten

sie zu Hygiene und Lebensmittelsicherheit

sowie zum Einfluss

rien und angebotener Unterstützung

anmelden. Bei den Studierenden rührte

die Fachschaft per Rundmail die

Werbetrommel für die

Veranstaltung im Biomedizinischen

Zentrum.

Vor Beginn der eigentlichen„Börsengespräche“

bei Snacks und

Getränken gab es Rahmeninformationen

in

Kurzvorträgen: über das

Promotionsverfahren an

sich, das Promotionsstipendium

des BONFOR-

Forschungsprogramms

und die strukturierte

Doktorandenausbildung

im Rahmen des SciMed-Programms,

das Kenntnisse zur Durchführung

einer experimentellen Doktorarbeit

im Bereich der Molekularen Medizin

vermittelt. Aus der Praxis erzählten

erfolgreiche Promovenden von sich

und ihrer Arbeit. Ob und wie viele Be-

der Gaszusammensetzung in der

Verpackung. „Noch sind Frauen in

natur- und ingenieurwissenschaftlichen

Studiengängen unterrepräsentiert“,

sagt die Privatdozentin Judith

Kreyenschmidt. Sie leitet die Arbeitsgruppe

Kühlkettenmanagement

und hat das Praktikum organisiert.

„Wir wollen den Schülerinnen einen

Einblick geben und ihnen damit auch

Lust auf dieses Arbeitsfeld machen.“

sucher konkret im Dezember mit der

Idee für ein Dissertationsthema nach

Hause gegangen sind, weiß die Fachschaft

Medizin Klinik zwar nicht.

Anna Rieger hat bereits eins und

nur noch ein Semester vor sich. „Die

Kommentare zur ersten Börse waren

jedenfalls so, dass es unbedingt eine

nächste geben soll“, sagt sie. „Wieder

am Dies academicus, aber dann offen

auch für die jüngeren, vorklinischen

Semester und zusätzlich zu den

experimentellen Bereichen gerne mit

mehr klinischen und statistischen Arbeitsgruppen.“

UK/FORSCH

Sichere Lebensmittel richtig gelagert

Schülerinnen experimentierten an der Uni

Wie wichtig die richtige Lagerung für die Nahrungsqualität ist und

vieles mehr lernten im Dezember Schülerinnen bei einem dreitägigen

Kurzpraktikum an der Universität. Die Zehntklässlerinnen der

Bonner Liebfrauenschule nahmen nicht nur theoretisches Wissen

mit, sondern führten eigene Versuche durch. Das Projekt wird durch

die Hagen-Stiftung gefördert und will Schülerinnen Einblick in einen

Bereich geben, in dem Frauen noch in der Minderzahl sind.

Obwohl sie leicht verdorbenes

Fleisch untersucht hat, hat Nadine

Väth weiterhin Appetit auf ein Steak:

„Verderbnis erkennt man ja auch am

Geruch.“ Wo es überall Bakterien gibt

und wie schnell sie sich vermehren,

fand die Schülerin aus dem ersten

Jahrgang der Oberstufe besonders

spannend, zum Beispiel selbst auf relativ

frisch gewaschenem Haar oder

einer Brille. Wichtig ist für sie die Erkenntnis,

dass es zwar überall Bakterien

gibt, aber es normal ist, mit ihnen

zu leben, und viele davon wichtige

Funktionen haben und dass man in

ein Cremetöpfchen wegen der Hygiene

aber doch lieber mit einem Spatel

statt dem Finger gehen sollte.

UK/FORSCH

L E R N E N U N D L E H R E N

Foto: Arbeitsgruppe Kreyenschmidt

forsch 1/2011 universitätbonn

27

Foto: Fachschaft Klinik


L E R N E N U N D L E H R E N

�Gut verpackt gegen

das Novemberwetter:

Bianca Riessinger und

ihre Kollegin arbeiten

an einer eisenzeitlichen

Grabungsstelle.

28 forsch 1/2011 universitätbonn

Mit Schaufel, Pinsel und Geduld

in die Vergangenheit

Bonn und Umgebung sind eine Fundgrube für Archäologen

Ob ein Landwirt seinen Acker pflügt oder ein Bauunternehmer in

der Stadt eine Grube aushebt im Prinzip kann dasselbe passieren:

Spuren früherer Besiedlung kommen zu Tage. Und das ist im Rheinland

nicht selten, denn es ist reich an Relikten aus der Eisen- und

der Römerzeit wie dem Mittelalter. Auch die Archäologie der beiden

Weltkriege gewinnt immer mehr an Bedeutung. Eine Chance für

Studierende der Archäologie und verwandter Fächer, über das LVR-

Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland Ausgrabungserfahrung zu

sammeln.

„Vielleicht hätte ich lieber meinen

Indiana-Jones-Hut aufsetzen sollen“,

lacht Bianca Riessinger. Ihre Wollmütze

ist nicht so fotogen, aber bestimmt

wärmer. Sechs Schichten Kleidung

und vier Packen Socken zählen sie

und ihre Kollegin auf. „Eigentlich bin

ich eine Frostbeule.“ Trotzdem sind

die beiden Studentinnen heute vom

frühen Morgen bis zum Nachmittag

Foto: uk

auf dem Gelände einer Kiesgrube bei

Swisttal-Straßfeld aktiv Ende November.

Von weitem ist die Grabung

mitten im braunen Matsch nur an zwei

bunten Schirmen zu erkennen, die bedenklich

im Wind wackeln und nicht

wirklich vor dem Nieselregen schützen.

Ein Stückchen weiter rumort ein

Bagger. Für Pausen gibt’s einen geheizten

Bauwagen.

Voraussetzungen: Basiswissen,

Fitness und feine Hand

Der Laie erkennt wenig an der

Grabungsstelle. Die Studentinnen

kauern an einer gut schuhkartongroßen

Aushebung, in der eine Verfärbung

zu sehen ist. Der Experte weiß,

dass es sich hier um ein Pfostenloch

aus einer eisenzeitlichen Siedlung

etwa der Zeit zwischen 500 und 400 v.

Chr. handelt. Entdeckt wurde sie bei

der so genannten Landesaufnahme.

Dabei begingen in den 60er Jahren

Sachkundige regelmäßig umgepflügte

Äcker und schauten nach Knochenresten,

Eisen- und Keramikteilen. An

den von ihnen dokumentierten Stellen

stehen archäologische Grabungen an,

wenn die Grundstücke heute bebaut

oder wie in diesem Fall abgebaggert

werden sollen.

Für Dr. Michael Gechter, Lehrbeauftragter

der Universität Bonn und

Leiter der Außenstelle Overath vom

LVR-Amt für Bodendenkmalpflege,

ist Swisttal-Straßfeld eine von derzeit

vier laufenden Ausgrabungen. Wen

auch immer man nach Ausgrabungen

und Funden in Bonn und Umland

fragt, im Uniarchiv, im Rheinischen

LandesMuseum, im Akademischen

Kunstmuseum: Alle verweisen auf

Dr. Gechter. Er hat an der Uni Bonn

studiert und promoviert. Seit inzwischen

zehn Jahren arbeitet er selbst

mit dem Fachnachwuchs und betreut

diesen bei seinen Abschlussarbeiten.

„Wir haben einen guten Stamm an Interessenten“,

erzählt der Archäologe.

„Sowohl die Studenten selbst profitieren

mit Ausgrabungserfahrung als

auch derjenige, dessen Grundstück

schneller wieder für eine Baumaßnahme

oder den Abbau freigegeben wird,

weil mehr helfende Hände die archäologische

Arbeit beschleunigen.“ Bei

Bedarf heuern die Bodendenkmalpfleger

auf Kosten der Unternehmer

zusätzlich zum eigenen Team studentische

Arbeitskräfte an. Neben den

Wiederkehrern werden neue Helfer

per Aushang möglichst standortnah

in den Instituten der Unis Bonn und

Köln gesucht.

„Natürlich müssen sie bestimmte

Voraussetzungen mitbringen“, sagt

Grabungstechniker Michael Gran, der

die Ausgrabungen organisiert und die

Studierenden anleitet. Er zählt auf,

was wichtig ist: „Körperlich harte

Arbeit gehört zu Grabungen genauso

dazu wie das behutsame Freilegen,

Fotografieren und Zeichnen von

Foto: uk


Funden.“ Gerne plant er die Arbeitseinsätze

so, dass Studienanfänger gemeinsam

mit Erfahrenen arbeiten und

so von deren Kenntnissen profitieren.

„Leider wird es allerdings durch die

neuen Bachelor-Studiengänge mit

straffen Stundenplänen für Studierende

immer schwieriger, praktisch zu arbeiten.

Sie können nur noch während

ihrer vorlesungsfreien Zeit.“ Bianca

Riessinger ist gerade fertig mit ihrem

Magisterstudium der Ethnologie und

Archäologie. Sie kam aus eigener Initiative

dazu, über ihre Freundin, die

schon mehrfach an Grabungen beteiligt

war. Dass für solche Einsätze

wirkliche Motivation da sein muss,

wird spätestens bei großer Hitze oder

an Tagen wie diesem deutlich. „Wenn

es mir um ein paar Euro ginge, könnte

ich die bei diesem Wetter leichter verdienen“,

meint sie.

Paul Westhoff ist Vorsitzender

des neuen Vereins und Althistoriker

aus Leidenschaft. „Unsere Wurzeln

liegen nun mal im alten Griechenland

und dem Römischen Reich. Dass und

wie sie heute noch wirken, ist einfach

spannend“, sagt er. Auch der bekannte

Übersetzer und Autor unter anderem

historischer Romane Gisbert Haefs

weiß um „Die Verlockungen der Alten

Geschichte“. Sein Vortrag mit diesem

Titel war im Dezember offizieller

Auftakt zur Vereinsgründung. Dabei

betonte der Bonner Alumnus nicht

nur den ernsten Hintergrund: Die

Geschichte zu ignorieren führe zum

Einsturz der Gegenwart, manchmal

sogar wortwörtlich wie bei Neubauten

auf ungesichertem historischen

Untergrund. Dass sich manches nicht

ändert, illustrierte er am Beispiel

Rom-Alexandria zu Zeiten des Ptolemäus

XII: Banker wollen Geschäfte

machen, und einflussreiche Menschen

werden bestochen. „Ich weiß nicht

alles über Geschichte. Aber ich weiß,

Fundorte mitten in der Stadt

Immerhin müssen die Helfer nicht

immer so weit fahren, denn viele

Fundorte liegen mitten in der Stadt.

So lag im Norden Bonns das römische

Legionslager. In seiner Blütezeit bis

ins 3. Jahrhundert nach Christus verlief

dessen ziviler Ansiedlungsbereich

parallel zum Rhein bis zum heutigen

Rheinauenpark, und vom Vorgebirge

bis zum heutigen Friesdorf gab es zahlreiche

Gutshöfe. Bianca Riessinger

hat zuletzt in der Bonner Römerstraße

an einer Grabung mitgearbeitet. „Da

haben wir Mauerreste und Wandverputz,

Keramik und eine halbe Amphore

freigelegt. Hier haben wir weniger

Spektakuläres gefunden, aber auch

eine mutmaßliche Urne. Im vorletzten

Jahr durfte ich mit zu Grabungsarbeiten

in Mexiko in der Maya-Stadt Uxul

dass sie auch Spaß macht“, schloss er

mit einigen Anekdoten. Beim ständigen

Umgang mit Historikern amüsiert

ihn, dass bei ihnen Worte wie „neulich“

durchaus auch mal „vor 2000

Jahren“ bedeuten können.

Minervia e.V. möchte ganz im

Sinn der Namenspatronin die Möglichkeit

bieten, zum Beispiel bei

Vorträgen und Führungen am wissenschaftlichem

Leben und der aktuellen

Forschung teilzuhaben. Und das nicht

das war natürlich das Highlight. Ich

bin auf jeden Fall gerne wieder bei

Grabungen dabei!“

Was ist der größte Unterschied

zwischen archäologischer Arbeit hier

vor Ort und in der Welt? „In Ägypten

scheint eher die Sonne als hier“, lacht

Michael Gechter. „Und hier zählt oft

nicht die Masse, sondern das Zusammentragen

von eher kleinteiligen

Fundinformationen. Wir fügen sie zu

einem Gesamtbild zusammen, um rekonstruieren

zu können, wie die Menschen

vor mehreren tausend oder auch

hundert Jahren in der Region lebten.“

Der Jagd nach dem Heiligen Gral ähnelt

das eher nicht. Bianca Riessinger

lacht. „Aber Indiana Jones ist der Held

aller Archäologen, auch wenn viele

das nicht zugeben wollen.“

AYSEGÜL YASARI, UK/FORSCH

Alte Geschichte ist nicht von gestern

Freunde und Förderer gründeten „Minervia e.V.“

Die Göttin Minerva war nicht nur eine der wichtigsten Schutzgottheiten

Roms Göttin der Weisheit, der Kunst und Hüterin des Wissens.

Sie gab auch der in Bonn stationierten Legion ihren Beinamen. Im

vergangenen Jahr haben Freunde und Förderer der Alten Geschichte

an der Universität Bonn „Minervia e.V.“ gegründet.

Foto: uk

nur Uni-Angehörigen, sondern auch

allen Bürgern, die sich für Alte Geschichte

interessieren. Inzwischen hat

der Verein mehr als 40 Mitglieder. Der

Jahresbeitrag beläuft sich auf 30 Euro,

Studierende sind für die Dauer ihres

Studiums von der Zahlung befreit.

Paul Westhoff ist das Miteinander

von Jung und Alt wichtig. Denn als er

gleich nach seiner Pensionierung ein

Studium an der Uni Bonn aufnahm,

stellte er fest, wie konstruktiv das ist:

Von den Studierenden lernte er, wieder

zu lernen. Und sie merkten, dass

es der Senior unter ihnen wirklich

ernst meinte und Interessantes beitragen

konnte. Mit 67 Jahren machte er

seinen Magister Artium in Alter Geschichte

und hat nun ganz entspannt

L E R N E N U N D L E H R E N

�Bei Minervia e.V.

sind mehrere Generationen

vertreten auch

im Vorstand (v.l.n.r.):

Lennart Gilhaus, Paul

Westhoff und Seán

Hussmann. 2.v.r.: Gastredner

Gisbert Haefs

forsch 1/2011 universitätbonn

29


L E R N E N U N D L E H R E N

Foto: Yuri Arcurs/fotolia.com

30 forsch 1/2011 universitätbonn

den Doktortitel im Blick: „Irgendwann,

wenn ich mal mehr Zeit habe“.

Initialzündung, sich in seiner Uni zu

engagieren er ist bereits Mitglied im

Alumni-Netzwerk und der Universitätsgesellschaft

Bonn war für ihn das

Absolventenfest. Mit Talar und Barett

war er dabei und tief beeindruckt. Nun

bildet er zusammen mit jungen Absolventen

wie Lennart Gilhaus und Seán

Hussmann sowie Dozenten wie Prof.

Senioren sind heute gesünder,

aktiver und mobiler als ihre Vorgänger-Generation

und verfügen häufig

auch über einen höheren Bildungsgrad.

Aber sie bilden keine homogene

Gruppe: Die einen sind mit

75 Jahren fit, andere

gesundheitlich

eingeschränkt

bis hin zur

Pflegebe-

bedürftig-

keit, die ei-

nen unter-

nehmungs-

lustig und ge-

sellig, andere

eher zurückgezogen.

Rebekka Oostendorp

hat „geographische

Aktionsraumforschung“ betrieben

und zusätzlich zu einer repräsentativen

Umfrage qualitative Interviews

mit Personen ab 60 Jahren in Euskirchen

geführt. Dort zeichnet sich die

demographische Alterung deutlich ab,

und die Stadt setzt sich aktiv mit dem

Thema auseinander. Sie nimmt an

einem Förderprogramm des Bundesministeriums

für Familie, Senioren,

Frauen und Jugend teil und konnte so

auch die Umfrage der Diplomandin

zu Status quo und Bedarf fördern. Ein

Mehrwert für beide Seiten. „Alleine

hätte ich das in dem Umfang gar nicht

gekonnt“, sagt Oostendorp. Sie hat

sich schon im Studium viel mit dem

Dr. Dr. Klaus Rosen und Dr. Wolfgang

Will den Vorstand des Vereins.

Übrigens befand sich die Legionsziegelei

der „Legio I Minervia“ unter

dem heutigen Universitätshauptgebäude,

genauer unter dem Nordwestturm.

Dort wurden 1926 drei Ziegelöfen und

viele gestempelte Ziegel gefunden,

1962 beim Bau eines Kellerzugangs

nahe dem heutigen Etscheidhof Ton-,

Wissen, was möglich ist und mitreden

Diplomarbeit zu demographischem Wandel als Herausforderung

Die alternde Gesellschaft stellt Städte und Gemeinden vor große

Herausforderungen. Was ermutigt oder beschränkt Senioren in ihren

Aktivitäten und Aktionsräumen und wie können Kommunen Rahmenbedingungen

für aktives Altern schaffen? Die Geographin Rebekka

Oostendorp hat sich am Beispiel Euskirchen damit beschäftigt.

demographischen Wandel beschäftigt

und wollte dieses Thema auch in ihrer

Diplomarbeit behandeln. Dass es

nun das Beispiel Euskirchen wurde,

war eher Zufall: Die Demographie-

beauftragte der Stadt hat auch in Bonn

studiert und sich wegen der Vergabe

der Umfrage an die Geographen gewandt.

Die Nähe zu Angeboten eines

Wohnorts geben zwar den Aktionsraum

vor und mildern im positiven

Fall eingeschränkte Beweglichkeit.

In Euskirchen gibt es in der Kernstadt

ausreichende Versorgungs- und Freizeitmöglichkeiten

anders sieht es in

den 21 teilweise sehr dörflichen Orts-

teilen aus. Besonders jüngere Senioren

lassen sich jedoch von fehlenden Angeboten

in unmittelbarer Umgebung

selten bremsen. Von größerer Bedeutung

sind der Pkw und die damit verbundene

Unabhängigkeit, Alter und

Gesundheit, Sicherheitsempfinden

und die verfügbare Zeit. „Welche

Aktivitäten wo betrieben und welche

Angebote genutzt werden, bestimmen

aber letztlich individuelle Motive wie

Kontakte und der Bezug zu früheren

Wohnorten“, sagt Rebekka Oostendorp.

„Sie können auch motivieren,

Beschränkungen zu überwinden.“

Auf solche persönlichen Faktoren

kann eine Stadt wenig einwirken

sie kann jedoch Hilfen geben.

Ziegelreste und Verbrennungsspuren.

Der junge Verein hat seinen Sitz also

tatsächlich auf historischem Boden

und als Logo den Ziegelstempel der

Legion gewählt.

UK/FORSCH

�Kontakt: Lennart Gilhaus, Institut

für Geschichtswissenschaft/

Abt. Alte Geschichte, Telefon:

0228/73-7389, E-Mail: minervia@

gmx.de

Bei Sport-, Computer- und Sprachkursen

wollen Senioren eher unter

sich bleiben. Bei anderen Aktivitäten

suchen sie jedoch vielfach den Kontakt

zu Jüngeren und wollen ganz

„normale“ Angebote nutzen können.

Der Informationsfluss ist dabei wichtig:

Längst nicht alle Senioren wissen,

was es für sie in Euskirchen schon an

Möglichkeiten gibt. Das bestätigte

die Umfrage. Die Ergebnisse stützen

auch bereits laufende Aktionen wie

den Aufbau einer Ehrenamtsbörse.

Mobilität zu erweitern, ist in der Regel

mit Kosten verbunden. Auch hier

könnten Foren helfen, Interessenten

zusammenzubringen. „Neben den

ganzen Details hat die Umfrage eins

noch mal verdeutlicht“, sagt Rebekka

Oostendorp: „Die Kommunen müssen

wissen, was Senioren nutzen oder

vermissen und die Senioren selbst

sollten ihre Mitsprachemöglichkeiten

wahrnehmen.“ Vor allem Frauen

sagen häufig trotz Einschränkungen

energisch „Ich will“. In Euskirchen

gibt es Arbeitskreise, an denen sich

Ältere beteiligen können: Eine ihrer

Interviewpartnerinnen ist mittlerweile

Ansprechpartnerin für ein Projekt

„Miteinander der Generationen“.

Für ihre Arbeit hat Rebekka Oostendorp

sogar einen Preis bekommen

(s. Seite 48). „Darüber freue ich mich

sehr“, sagt sie. „Aber am wichtigsten

ist, dass meine Diplomarbeit auch in

der Praxis zu etwas gut ist.“ Sie selbst

ist noch aufmerksamer geworden,

wenn sie durch die Stadt geht und

findet die Erkenntnis ermutigend,

dass das Lebensalter oft gar nicht so

entscheidend ist. UK/FORSCH


E-Mail aus Vietnam

Doktorand Sven Genschick forscht über Aquakultur im Mekong-Delta

Derzeit läuft Sven Genschicks Endspurt in Vietnam: Ende März

kommt er nach einem Jahr Feldforschung nach Bonn zurück. Am

Zentrum für Entwicklungsforschung (ZEF) arbeitet der Doktorand

im WISDOM-Projekt des Bundesministeriums für Bildung und Forschung,

das den Umgang mit Land und Wasser im Mekong Delta

untersucht. Per E-Mail berichtet er, wie es ihm in Can Tho ergeht

von Herausforderungen bei der sozialwissenschaftlichen

Forschungsarbeit wie im Alltag und beim „Tönetreffen“.

Mein Forschungsschwerpunkt in

Can Tho ist in erster Linie die Fischzucht,

also die kontrollierte Aufzucht

von Fischen in Wasserbecken im Gegensatz

zum Fischfang in offenen Gewässern.

Außerdem die industrielle

Fischverarbeitung sowie die zuständigen

Behörden und Verbände. Problem

hier im Mekong-Delta ist, dass

die lokalen Wasserressourcen durch

die Fischzucht und -verarbeitung verschmutzt

und nicht nachhaltig genutzt

werden. Um zum Verstehen beizutragen,

welche Faktoren den Umgang

mit Wasser, Abwasser und Abfall beeinflussen,

befrage ich die Akteure.

Einen Großteil meiner Zeit verbringe

ich in meinen Untersuchungsgebieten,

die alle außerhalb der Stadt liegen.

Fast jeden Meter lege ich mit

dem Moped zurück. Das widerstrebt

mir zwar oft, aber bei den dauerhaft

hohen Temperaturen ist jede frische

Brise willkommen. Mit meinem

vietnamesischen ZEF-Kollegen Quy-

Hanh Nguyen teile ich mir ein Haus.

Wir haben mehr als genügend Platz.

Das führt dazu, dass wir nicht besonders

wohnlich, aber praktisch eingerichtet

sind. Ich fühle mich dennoch

sehr wohl und zu gemütlich soll es

auch nicht werden, denn ich habe ja

vor, wieder zurück nach Deutschland

zu kommen.

Im Rahmen meiner Forschungsarbeit

werde ich gut akzeptiert und

erhalte nur sehr wenige Absagen auf

meine Interviewanfragen, die meisten

aus dem fischverarbeitenden Gewerbe.

Wenn der „Ausländer“ in eine

Behörde kommt, kann es sein, dass

der Leiter den Termin gerne selber

wahrnehmen und seine Englischkenntnisse

anwenden möchte. Und

für die meisten Einheimischen ist es

immer noch etwas Besonderes, wenn

ein Ausländer ins Dorf kommt. Die

Teilnahme an den Interviews ist nicht

verpflichtend, aber die von unserem

vietnamesichen Projektpartner ausgestellte

Erlaubnis übt sicher einen

gewissen Druck aus. Generell sind

die Menschen herzlich und offen, sie

machen es einem leicht, sich wohl zu

fühlen. Nach einem Interview hat mir

mal ein Farmer erzählt, dass einige

Nachbarn zu ihm gekommen seien,

als sie gesehen hatten, dass ich am Tag

zuvor kurz wegen einer Interviewanfrage

bei ihm war. Sie waren der festen

Überzeugung, ich sei gekommen,

um eine seiner Töchter zu heiraten.

Unterstützt werden ist wichtig...

Das Doktorandenprogramm am

ZEF ich bin Student in der Bonn

Interdisciplinary Graduate School for

Development Research (BIGS-DR)

hat mich auf Vietnam sowohl theoretisch

als auch praktisch vorbereitet.

Zusätzlich konnten meine Kollegen

und ich an einem interkulturellen

Training teilnehmen. Das war eine

sehr gute Erfahrung. Trotzdem hatte

ich einen kleinen Kulturschock. Immerhin

ist es mein erster Aufenthalt

in Asien, und meine Erfahrungen von

einem längeren Aufenthalt in Kenia

waren hier so gar nicht zu gebrauchen.

Da ist Unterstützung wichtig: Mein

Mitbewohner, Kollege und Freund

Hanh hat mir den Start hier ungemein

erleichtert und sehr dabei geholfen,

mir fremde Dinge verständlich zu machen.

Und der langfristig in Can Tho

stationierte Projektkollege vom ZEF,

Simon Benedikter, hat mir zu einem

erfolgreichen Einstieg in die Feldforschungsphase

verholfen. Abseits der

Arbeit treffen wir uns gerne auf ein

Bier oder zum Tennisspielen oder

wir kombinieren beides. Außerdem

habe ich sowohl mit der Projektleiterin

am ZEF als auch mit meinem Su-

Foto: privat

pervisor am Geographischen Institut

regelmäßig Kontakt.

... und Improvisation gefragt

Die Arbeit läuft wirklich zufriedenstellend.

Trotzdem gibt es immer

mal wieder neue Herausforderungen.

So muss die fischverarbeitende Industrie

im internationalen Wettbewerb

konkurrenzfähig bleiben und ein sauberes

Image wahren. Aber dort kommt

es immer wieder zu Vorwürfen, dass

die lokale Fischproduktion und -verarbeitung

den internationalen Standards

nicht genüge. Die Pforten der Fabriken

sind entsprechend schwierig zu

öffnen. Da muss man beispielsweise

versuchen, sich zu vernetzen und so

über Dritte an Kontakte zu kommen

Networking ist in Vietnam von

hoher Bedeutung. Eine weitere Herausforderung

ist die Sprache. Ich bin

kein Sprachgenie, und Vietnamesisch

bedarf wirklich intensiven Studiums.

Trotz Einzelstunden ist mein Tönetreffen

weiterhin Glücksache das führt

bei einer tonalen Sprache natürlich

dazu, dass man nicht verstanden wird.

Ich versuche mein Bestes, und in je-

W E I T E W E L T

�Sven Genschick

unterstützt seinen

Interviewpartner beim

Füttern der Fische.

forsch 1/2011 universitätbonn

31


W E I T E W E L T

Foto: privat

�Interview mit

Einladung zum gemeinsamem

Essen

32 forsch 1/2011 universitätbonn

dem Interview sind die Menschen erfreut,

wenn ich wenigstens einleitende

Worte auf Vietnamesisch an sie richte.

Missverständnisse werden dann von

meiner Assistentin und Dolmetscherin

glattgebügelt ohne sie könnte ich

hier nicht arbeiten. Im alltäglichen Leben

muss ich improvisieren. Aber ein

Mix aus Vietnamesisch und Englisch

zusammen mit Gestik und Mimik ist

zumindest auf dem Markt oder im Restaurant

erfolgreich.

Das Programm „Menschen“ führt

die Marie Curie-Maßnahmen im 7.

EU-Forschungsrahmenprogramm

fort. Für die Laufzeit von 2007 bis

2013 ist es mit insgesamt 4.750 Mrd.

Euro ausgestattet und

in diesem Jahr steigt

das Budget sprunghaft.

„Das erhöht die Chancen

einer Förderung. Also

auf kommende Aufrufe

achten und sich bewerben!“

ermutigt Mareike

Vieth. „Gegebenenfalls

auch im zweiten Anlauf.“ Sie berät bei

EuroConsult zu „Menschen“. Im Unterschied

zu anderen gilt hier der „bottom-up

approach“: Gefördert werden

Themen nach eigener Wahl aus beliebigen

Fachbereichen. Bewerben können

sich Forscher aller Altersstufen ab

der Graduierung.

EuroConsult mit Sitz an der Universität

Bonn ist eine Einrichtung des

Ministeriums für Innovation, Wissenschaft

und Forschung des Landes Nord-

rhein-Westfalen. Sie will die Position

von Hochschulen und außeruniversitären

Forschungseinrichtungen aus

Nordrhein-Westfalen im Wettbewerb

um EU-Fördermittel stärken und den

Anteil an geförderten Projekten steigern.

Die Bonner Absolventin Mareike

Vieth war selbst zweieinhalb Jahre

Vorfreude statt Vermissen

Bisher habe ich hier eine wirklich

gute Zeit. Doch hin und wieder gibt es

Phasen, in denen ich Freunde und Familie

oder verschiedenste Dinge vermisse.

Aber die Zeit hier ist begrenzt

und so versuche ich, dieses Gefühl

in Vorfreude umzuwandeln. Abends

in Gesellschaft oder auch mal alleine

am Flussufer des Mekong ein Bier zu

trinken und auf einem kleinen Tongrill

Zum Forschen ins Ausland

im Ausland, in den USA und Schweden,

und empfindet das Kennenlernen

fremder Länder und das Leben dort

als große Bereicherung. Deshalb berät

sie Forscher nun gern dabei, den richtigen

Platz für sich im

Programm zu finden.

„Wir können keine Projekte

für sie erfinden“,

sagt sie. „Aber wir

helfen, einen Antrag so

zu formulieren, dass er

hoffentlich erfolgreich

ist, und begleiten den

Weg von dort bis zu den Vertragsverhandlungen.“

Das passiert ganz

persönlich in Form von Treffen, aber

auch telefonisch oder per E-Mail. Außerdem

finden regelmäßig Informationsveranstaltungen

zu verschiedenen

Themenbereichen statt.

Gutes Gehalt und Zusatzleistungen

„Menschen“ ist in Individuelle

und Institutionelle Maßnahmen aufgeteilt.

Bei den ersten wird die Mobilität

Einzelner gefördert. Vor allem

Postdoktoranden oder andere erfahrene

Forscher aller Fachbereiche sind

hier angesprochen. Dabei gelten alle

als erfahren, die mindestens vier Jahre

in Vollzeit in der Forschung gearbeitet

haben, oder sobald sie einen Doktortitel

innehaben das kann dann auch

Shrimps oder Hähnchen zu grillen,

mag ich besonders. Je öfter man sich

solche kleinen Oasen schafft, desto

weniger kommt man in Versuchung,

sehnsüchtigen Gedanken nachzuhängen.

Was ich in diesem Moment gerne

hätte? Nur eine Kleinigkeit. Die gibt es

aber auch erst wieder, wenn ich Ende

März zurück nach Bonn komme, um

mit der Datenanalyse zu beginnen und

dann meine Doktorarbeit zu schreiben:

Holzfällerbrot mit Nutella.

UK/FORSCH

EuroConsult berät zum Marie Curie-Programm „Menschen“

Interesse am Forschen im Ausland egal wo, wann und in welchem

Fachbereich? 50.000 Wissenschaftler sind seit dem Jahr 1996 über

die Marie Curie-Maßnahmen der Europäischen Union so in ihrer Karriere

gefördert worden. Mit Anhebung des Budgets steigen die Chancen

in diesem Jahr. Mareike Vieth von EuroConsult im International

Office berät nicht nur Bonner Forscherinnen und Forscher, sondern

NRW-weit vom Antrag bis zu den Vertragsverhandlungen.

schon nach zwei Jahren sein. Gefördert

werden Aufenthalte von 12 bis

24 Monaten innerhalb der EU oder

weltweit. Außerdem werden Aufenthalte

derselben Dauer für Forscher,

die nach Europa kommen möchten,

finanziert. Gemeinsam mit einer Gast-

einrichtung ihrer Wahl stellen sie zu

einem beliebigen Thema oder Projekt

einen Förderantrag. Die Forscher werden

an der Gasteinrichtung mit einem

Arbeitsvertrag angestellt, erwerben

einen Rentenanspruch für die im

Ausland verbrachte Zeit und erhalten

Zuschüsse für den Karriereaufbau.

Gemeinsam mit ihrem Ansprechpartner

der Gasteinrichtung entwickeln sie

einen „Personal Career Development

Plan“, in dem sie genau festlegen, was

sie in der Zeit im Ausland wie erarbeiten

werden.

Bei den Institutionellen Maßnahmen

werden Einrichtungen unterstützt:

Hochschulen, Forschungseinrichtungen

und Unternehmen. Diese

stellen gemeinsam mit solchen aus

anderen Ländern einen Antrag. Innerhalb

der Maßnahmen werden dann

einzelne Forscher gefördert. Auch

Institute oder Abteilungen der Universität

Bonn können solche Anträge

koordinieren oder als Partner an einem

Netzwerk teilnehmen. EuroConsult

gibt gerne Informationen dazu.

UK/FORSCH

�Kontakt: Mareike Vieth, Telefon:

0228/73-7293 oder -3291, Fax:

0228/73-1982, E-Mail: vieth@unibonn.de;

Infos: www3.uni-bonn.de/

forschung/forschungsfoederung/

euroconsult/7.-frp


Präsent in Anzug wie Fußballtrikot

Internationaler Aufbaustudiengang ARTS zeigt Flagge

Während ihrer Zeit in Bonn zeigen die Teilnehmer des internatio-

nalen Aufbaustudiengangs „Agricultural Science and Resource

Management in the Tropics and Subtropics“ an der Landwirtschaftlichen

Fakultät, kurz ARTS, aktiv und vielseitig Flagge. In ihrer

Heimattracht, in Anzug und Kostüm, aber auch in kunterbunt zu-

sammengestellter Fußballausrüstung auf der Hofgartenwiese.

Die ARTS-Studenten informieren

Bonner Kommilitonen bei der

Auslandsstudienmesse des Interna-

tional Office über ihre Heimatuni-

versitäten. Sie schlüpfen bei der großen

Konferenz Bonn International Model

United Nations (BIMUN) jedes Jahr

im Dezember, zu der Studierende aus

vielen Ländern kommen, in die Rolle

von Diplomaten. Und sie sind gerne

dabei, wenn Aktionen am UN-Standort

Bonn stattfinden, zum Beispiel

beim Ghana-Tag in der Brotfabrik im

vergangenen Jahr. Denn Ghana ist

bei ARTS gut vertreten: Zum letzten

Sommersemester kamen sieben junge

Frauen und Männer von dort als Stipendiaten

des Ministeriums für Innovation,

Forschung, Wissenschaft und

Technologie NRW. Die Förderung soll

ihnen ermöglichen, sich voll auf ihr

Studium zu konzentrieren. Der Deutsche

Akademische Austauschdienst

fördert ebenfalls einen Ghanaesen.

Aber auch sportlich sind sie, zum

Beispiel die Fußballmannschaft Black

StARTS. Unter dem Motto „Anpfiff

für die Zukunft“ legten sich Studierende

aus Afrika am letzten UN-Tag

auf der Hofgartenwiese ins kunterbunte

Zeug: Sie spielten in Strandshorts,

Turnschuhen und ohne Schienbeinschoner

gegen eine überlegene und

besser ausgestattete UN-Mannschaft.

Die Begegnung, ausgerichtet vom

Bonner Hochschulsport, endete nach

einem fairen Spiel mit spannenden Momenten

3:1 für das UN-Team. Bismark

Yeboah aus Ghana schoss das einzige

Gegentor und war im Dezember

ebenso souverän bei BIMUN zu sehen,

da allerdings ganz korrekt im Anzug.

Die meisten ARTS-Masterstudenten

kommen aus Forschungseinrichtungen,

Universitäten und Ministerien

in Entwicklungsländern nach Bonn.

Nicht nur Verständnis für nachhaltiges

Seit dem Wintersemester gibt

es einen Internationalen Chor,

bei dem alle deutschen und

ausländischen Studierenden und

Doktoranden mitmachen können.

Die Idee eines Chores, der ausländische

und deutsche Studierende

bei den Proben und Auftritten zusammen

bringt, ist aus einer Chor-AG

des Internationalen Sommerkurses

entstanden. Geleitet wurde sie von

Martin Kirchharz, der nun auch den

neuen Chor dirigiert. Neben deutschen

singen zum Beispiel Studentinnen

und Studenten aus dem Iran, den

USA, aus Japan, Indien, Kolumbien,

der Türkei, Georgien, Australien,

Kanada, Polen und Usbekistan und

bringen Lieder aus ihren Heimatländern

in das Repertoire ein. Erste

Auftritte hat der Chor schon erfolg-

Fotos: Susanne Hermes (2), Dr. Richard Jansen

Management natürlicher Ressourcen

wird ihnen geboten, sondern auch intensive

Betreuung und ein Netzwerk

über die Studienzeit hinaus. 2006

zeichnete eine Jury des Stifterverbandes

für die Deutsche Wissenschaft

und des Deutschen Akademischen

Austauschdienstes ARTS, geleitet von

Professor Dr. Mathias Becker, mit dem

Qualitätslabel „Top 10 International

Master’s Degree Courses made in Germany“

aus. Der Verein zur Förderung

von ARTS unterstützt Studierende

und Ehemalige, ermöglicht Exkursionen

und Kolloquia und freut sich

über neue Mitglieder. UK/FORSCH

�www.arts.uni-bonn.de

Neu: Internationaler Chor

Lieder und Sänger von Australien bis Usbekistan

Foto: Wolfgang Gerkhausen

reich bestritten und damit die Interna-

tionalität seiner Uni Bonn auch musikalisch

in die Öffentlichkeit getragen.

Geprobt wird Montagabends ab 20

Uhr im Internationalen Club. Etwa

25 Sängerinnen und Sänger sind

schon dabei wer mitmachen möchte,

kann sich gerne per E-Mail im International

Office melden bei: sandra.

groeger@uni-bonn.de FORSCH

W E I T E W E L T

�Ob erfahrene Chorsänger

oder Anfänger:

Weitere Stimmen sind

willkommen!

forsch 1/2011 universitätbonn

33


K U L T U R

�Der riesige Nugget

auf dem Podest ist

natürlich eine Nachbildung

und zwar des

weltweit zweitgrößten:

„Welcome“ aus Australien

ist 62 Kilo schwer.

34 forsch 1/2011 universitätbonn

Am spannendsten fi ndet

die angehende Geowissenschaftlerin

Vera

Schmidt den Goldrausch

am Klondike-

und Yukon River. Viele

tausend Menschen traten Ende des 19.

Jahrhunderts den beschwerlichen Weg

auf der Suche nach dem Glück in diese

entlegene Region Kanadas an. „Wir

haben viel Anschauungsmaterial dazu

gefunden, konnten uns also sehr gut in

die Situation der Goldwäscher versetzen.

Welche Schwierigkeiten diese

Menschen auf sich nahmen, verdeutlicht

den Bann, in den das Gold zieht“,

erklärt sie. Ihre Vitrine Nummer 9 berichtet

von Menschen und Tieren, die

auf dem Weg zu Goldabbaugebieten

verschneite Pässe überqueren wollten

und dabei erfroren oder verhungerten.

Der White Pass, auch „Pfad

der toten Pferde“ genannt, wurde für

Goldrausch“ im

Poppelsdorfer Schloss

Von Nuggets, bizarren Mineralen und Jeanshosen

Kein anderes Metall beflügelt unsere Phantasie so sehr wie Gold.

Es gibt nicht nur Abenteuergeschichten, Mythen und Lieder rund

um das Edelmetall Nummer Eins, Gold ist auch ein Wirtschaftsfaktor.

Die Sonderausstellung „Goldrausch“ des Mineralogischen

Museums im Poppelsdorfer Schloss beleuchtet viele

Facetten. Bis zum 10. Juli können sich Interessierte dort über

Goldräusche, mineralogische Zusammenhänge sowie die Rolle

des Goldes in Religion und Gesellschaft informieren.

viele von ihnen zum Verhängnis. Um

dies zu verhindern, kontrollierte die

kanadische Regierung schließlich die

Männer auf Proviant und Ausrüstung

und gestattete nur gut gerüsteten

Goldsuchern die Passage. Auch heute

gibt es noch Zeugnisse aus dieser Zeit:

Eisenbahnlinien verlaufen entlang der

ehemaligen Goldwege. Abenteuerromane

von Zeitzeugen wie Jack London

erzählen die Geschichten der Männer

und Frauen, die dem Ruf des Goldes

folgten. Diese Zeit war auch die Geburtsstunde

der robusten Jeanshose,

denn einfache Stoffhosen hielten der

Arbeit nicht stand. Was viele nicht

wissen: Nicht nur wurde am Rhein erfolgreich

Gold gewaschen, sondern es

gab auch in Deutschland einen kleinen

Goldrausch, nämlich im Jahre 1877 im

hessischen Hungen.

Die Idee für die Ausstellung bekam

Dr. Renate Schumacher, Leiterin

des Mineralogischen Museums, bei einer

jährlichen Schau in den USA. Dort

hatte sie viele Kontakte geknüpft

und Sammler kennen gelernt,

die bereit waren, ihr Goldstufen

zu leihen natürlich

gewachsene Goldminerale

in unterschiedlichsten Formen.

„Viele Besucher

kennen Gold nur in

Form von Nuggets,

Münzen oder

Barren“, sagt Dr.

Schumacher.

„Sie sind überrascht

zu

sehen, welch

bizarre, zierliche

Formen

das Metall annehmen kann.“ Ihr Favorit

ist ein Stück, das sie das „Hirschgeweih“

nennt. Insgesamt konnte sie

über 20 Leihgeber mit Stücken aus der

ganzen Welt gewinnen. Zum Teil haben

Museen die Exponate per Kurier

geschickt, zum Teil hat die Mineralogin

sie in Begleitung ihres Ehemannes

persönlich abgeholt.

Überhaupt wäre diese Ausstellung

ohne die ehrenamtlichen Helfer

und Sponsoren nicht möglich gewesen,

denn die Kosten sind wegen der

umfassenden Sicherheitsmaßnahmen

deutlich höher als bei früheren. Die

Universität hat einen entscheidenden

Beitrag dazu geleistet und die Versicherungskosten

übernommen. Die

größte Leihgabe ist sicherlich der

dekorative Tresor. Ein befreundeter

Mineralienhändler aus Gelsenkirchen

möbelte den über eine Tonne schweren,

verrosteten Safe, der jahrelang

auf seinem Hof gestanden hatte, in

ehrenamtlicher Arbeit wieder auf und

ließ ihn nach Bonn ins Museum transportieren.

Nun ist er ein ebenso stilvoller

wie sicherer Aufbewahrungsort

für die kleinen Schätze hinter Panzerglas.

Der Fachnachwuchs ist mit Projektarbeiten

aktiv an „Goldrausch“

beteiligt: Die Studierenden haben

Vitrinen, Informationsplakate und

Graphiken erstellt. „Sie lernen geowissenschaftliche

Zusammenhänge

der Erde für den Laien zu übersetzen“,

erklärt Dr. Schumacher ihre Rolle bei

der Sonderausstellung. „Manche werden

in die Forschung gehen. In Zukunft

wird der Bedarf, Forschungsergebnisse

für die Bürger zu präsentieren

und ihre Fragen zu beantworten, immer

größer werden.“ Besonders aufwändig

war der Aufbau einer

Foto: uk / 3 Goldformen: Fa. Kristalle, Laguna Beach


großen Metallkiste, für die sie 600

Kilogramm Steine zusammen getragen

haben. Kleines Gegenstück ist

eine drei Gramm leichte Krügerrand-

Münze. Das Arrangement zeigt, wie

schwierig Goldgewinnung ist: Aus

so viel Gestein kommt so wenig Gold

zusammen.

In einer Vitrine hat der Mineraloge

Winfried Koensler, Ehemann von

Renate Schumacher und „Intensivtäter“

bei der ehrenamtlichen Hilfe, die

Rolle des Goldes im Glauben aufgearbeitet.

Sakrale Trinkbecher, Reliquien

und heilige Schriften mit Kalligraphien

aus Gold sind dort zu sehen. Denn

in allen Religionen und Glaubensrichtungen

spielte das Edelmetall eine

wichtige Rolle. „Gold hat eine sehr

hohe Duktilität, Verformbarkeit, und

gehört zu einem der ersten von Menschen

verarbeiteten Metalle“, erklärt

der Experte.

Gold verursachte seit jeher auch

Neid, Konfl ikte und Kriege. Heute ste-

Am Dies academicus am 25. Mai

laden die Universitätsmuseen im

Hörsaal 4 zu einem ersten gemeinsamen

Aktionstag ein. Alle beteiligten

Einrichtungen werden aus ihrem

Blickwinkel in Vorträgen und Poster-Ausstellungen

etwas zum Thema

beisteuern. Von Goldfi schen über

Goldzähne bis zu Goldenen Doktorjubiläen

erwartet die Besucher ein breites

Kaleidoskop an informativen und

unterhaltsamen Beiträgen. Zugleich

besteht die Möglichkeit, im Gespräch

mehr über die Bonner Universitätsmuseen

zu erfahren.

hen besonders die Abbaubedingungen

in der Kritik und werden in der Ausstellung

offen angesprochen. Zwar ist

der Abbau des Metalls mit dem giftigen

Quecksilber offi ziell nicht erlaubt,

doch gibt es immer wieder Lagerstätten,

in denen diese Praktiken auf der

Tagesordnung stehen. Der hohe Goldpreis

macht auch schlechte Lagerstätten

wieder attraktiv und forciert

den illegalen und gesundheitsgefährdenden

Abbau mit Quecksilber. Dr.

Schumacher weist in diesem Zusammenhang

auf fair gehandeltes Gold

hin, bei dem auf giftige Chemikalien

und Kinderarbeit verzichtet wird.

Die Resonanz auf die Ausstellung

ist sehr gut, schon am ersten Tag kamen

150 Besucher. „Ganz unterschiedliche

Gruppen fragen nach Führungen

und jede stellt andere Fragen“, sagt

die Museumsleiterin. „Darauf stellen

wir uns ein.“ Auch kleine Besucher

sind willkommen: Zum Beispiel zur

großen „Goldwaschaktion“ am 18.

Juni. AYSEGÜL YASARI/FORSCH

Einen weiteren Tag gestalten das

Mineralogische Museum und die

Botanischen Gärten am 18. Juni. Im

und am Poppelsdorfer Schloss gibt es

Vorträge, Führungen, Goldwaschen

und strahlend gelb blühende Blumen

und Pfl anzen vom Goldregen bis zum

Goldkugelkaktus. Die Botanischen

Gärten werden dann bis in die Nacht

hinein geöffnet haben.

Um ihre Gemeinsamkeiten stärker

zu zeigen und dass die Universität

Bonn über eine Vielzahl an

sehenswerten Museen verfügt , hatte

�„Goldrausch“ ist bis zum 10. Juli

im Mineralogischen Museum im

Poppelsdorfer Schloss zu besichtigen.

Öffnungszeiten: mittwochs und

freitags von 15-17 Uhr, sonntags von

10-17 Uhr, an Feiertagen geschlossen.

Der Eintritt kostet 5 Euro, ermäßigt

mäßigt 2,50 Euro, Kinder bis

sechs Jahre sind frei. Weitere

Informationen: http://uni-bn.

de/c4fNbp

Von Goldzähnen, Goldfischen und Jubiläen

Universitätsmuseen planen gemeinsame Aktionen

Gemeinsame Aktionen zum Thema „Gold“ planen die Universitätsmuseen:

Am Dies Academicus am 25. Mai wollen sie ein vielseitiges

Programm gestalten. Außerdem laden das Mineralogische Museum

und die Botanischen Gärten am 18. Juni zu einem Aktionstag ein.

sich Mitte 2010 ein loser Verbund der

Universitätsmuseen und öffentlich zugänglicher

Sammlungen zusammengeschlossen.

Sie präsentieren sich in

einheitlichen Flyern und stehen nun

auch im Vorlesungsverzeichnis: das

Ägyptische Museum, das Akademische

Kunstmuseum, das Arithmeum,

die Bonner Altamerika-Sammlung,

die Botanischen Gärten, das Goldfuß-

Museum, das Mineralogische Museum,

die Gustav-Korkhaus-Sammlung,

das Horst-Stoeckel-Musuem für

Geschichte der Anästhesiologie, das

Kunsthistorische Institut und das

Zoologische Forschungsmuseum Alexander

Koenig. Demnächst wird auch

das neue, zentrale Universitätsmuseum

dabei sein.

FORSCH

Informationen zu den Museen und Sammlungen, Ausstellungen und Sonderaktionen:

www.museen.uni-bonn.de

K U L T U R

Gold ein

Metall mit vielen

Gesichtern

Foto: uk Schwerpunktthema:

forsch 1/2011 universitätbonn

35


K U L T U R

Becher und Münze: Dr. Renate Schumacher

�Rheingold-Dukat,

geprägt 1767.

Im Vordergrund sind

Goldwäscher bei

der Arbeit zu sehen.

�vergoldeter präkolumbianischer

Becher

36 forsch 1/2011 universitätbonn

Herr Professor von Hagen, wozu

benötigen Staaten ihre Goldreserven?

Heute sind die Goldreserven längst

nicht mehr so wichtig wie früher.

Bis zum ersten Weltkrieg

galt jedoch in vielen

Ländern auch in

Deutschland

der so genannte

Goldstandard:

Der Wert des

Geldes war

fest an den

Goldpreis

gekoppelt, so

dass Münzen

Frau Professor Noack, welche Rolle

spielte Gold bei der Entdeckung der

„Neuen Welt“?

Der Antrieb für die Eroberung

Amerikas war zunächst nicht die

„Gier nach Gold“. Das Motiv der

ersten Reisen des Kolumbus

war es,

den westlichen

Seeweg

zu den „Gewürzinseln“

im Indischen Ozean

zu fi nden. Erst

nach der Eroberung

der karibischen Antillen

und Panamas vernahmen

die spanischen

Konquistadoren Gerüchte

und Erzählungen über ein

südlich liegendes riesiges

Land, in dem es sagenhafte

Goldschätze geben sollte.

Die Legende von El Dorado

(„Der Vergoldete“) wurde

Foto: Volker Lannert/Uni Bonn

und Papiergeld zu einem festen Kurs

in Gold getauscht werden konnte.

Zwischen allen Währungen, die dem

Goldstandard unterlagen, galt damit

auch ein fi xer Wechselkurs.

Nach 1914 brach der Goldstandard

zusammen. 1944 unterzeichneten die

Finanzminister von 44 Ländern das

so genannte Bretton-Woods-Abkommen,

das sich nach dem Krieg zu einem

Weltwährungssystem entwickelte.

Die USA verpfl ichteten sich, durch

Goldkäufe und -verkäufe den Wert

des Dollar gegenüber dem Goldpreis

stabil zu halten. Die anderen Staaten

sorgten zugleich für einen stabilen

Wechselkurs ihrer Währungen zum

Dollar. Ziel war es, den Welthandel

durch fi xe Wechselkurse zu fördern.

Der Preis dafür waren Einschränkungen

des internationalen Kapitalverkehrs

in fast allen Ländern; das war

der wichtigste Unterschied gegenüber

dem klassischen Goldstandard.

1973 brach auch das Bretton-

Woods-System auseinander. Seitdem

brauchen wir eigentlich keine Goldreserven

mehr. Dennoch verfügen die

Zentralbanken teilweise noch über

genährt durch Tauschobjekte der Indianer

der Karibik-Küste aus Tumbaga,

einer Kupfer-Gold-Legierung, für

die sie von den Spanien Glasperlen

erhielten. Die Eroberung Amerikas

wurde in erster Linie durch privates

Kapital ermöglicht.

Das Gold von „Las Indias“, von

dem man jetzt zu wissen glaubte,

wurde nun als Motor betrachtet, zu

Ansehen und einer hohen sozialen Position

in der iberischen Gesellschaft

zu gelangen durch die fi nanzielle

Ausstattung von Eroberungsfeldzü-

Foto: Anne Bormann

riesige Bestände, die einen Teil des

staatlichen Vermögens darstellen. Der

Grund dafür, das Gold zu behalten,

ist einfach: Wenn die Banken Gold in

großen Mengen verkaufen, fällt der

Preis so stark, dass die Zentralbanken

und damit die Staaten große Vermögenseinbußen

erleiden würden. Um

solche Preiswirkungen zu vermeiden,

sprechen sich die Zentralbanken der

wichtigsten Länder untereinander ab,

bevor sie größere Mengen Gold auf

den Markt werfen.

Manche Ökonomen träumen

heute noch von einer Rückkehr zum

Goldwährungssystem. Doch das ist

unrealistisch: Geldpolitik hat eine zu

wichtige Steuerfunktion für die Wirtschaft;

sie entscheidet mit über kurzfristiges

Wachstum, Arbeitslosigkeit

und Infl ation. Eine Geldpolitik, die

ihre Hauptaufgabe in der Stabilisierung

des Goldpreises sieht, wäre in einem

modernen, demokratischen Staat

politisch nicht mehr akzeptabel.

Professor Dr. Jürgen von Hagen leitet

das Institut für Internationale Wirtschaftspolitik

an der Uni Bonn.

gen oder auch durch neu erlangten

„Reichtum“. El Dorado vermuteten

die Eroberer an verschiedenen Orten,

zum Beispiel im heutigen Kolumbien

oder auch im peruanischen Amazonas-Gebiet.

Der Ursprung der Goldverarbeitung

ist in der Chavín-Kultur

in den nördlichen Zentralanden zu

suchen (ca. 850 v.Chr.). Gold wurde

in Peru im Bergbau gewonnen sowie

an den Ufern der Flüsse Magdalena

und Cauca im heutigen Kolumbien.

Die Verarbeitungstechniken des Goldes

und dessen Legierungen waren

vielfältig: Es wurde gehämmert, gegossen,

geschweißt und gelötet.

Gold hatte für die indigenen Gesellschaften

Amerikas einen anderen

Stellenwert als für die Spanier; es

diente aber auch dazu, sozialen Status

und politische Machtpositionen

anzuzeigen.

Prof. Dr. Karoline Noack ist stellvertretende

Geschäftsführende Direktorin der

Abteilung für Altamerikanistik


Herr Dr. Seidel, kann man mit

Gold heilen?

Heilen nicht, aber immerhin werden

Goldsalze seit vielen Jahrzehnten

vor allem zur Therapie von Gelenkrheuma

eingesetzt, und das durchaus

mit gutem Erfolg. Die Wirkung tritt

zwar erst

nach einigenWochen

ein,

ist aber

zumindest

einigen

Studien

zufolge

mit der

moderner

Rheumapräparate

vergleichbar. Der Wirkmechanismus

ist nicht vollständig geklärt.

Es sieht aber so aus, als würden Goldsalze

bestimmte Immunzellen stabilisieren.

Außerdem scheint Gold

entzündungshemmend zu wirken.

Das Problem sind die möglichen

Frau Dr. Kissling-Koch, kann man

mit Gold töten?

Zumindest wird im Film „Goldfi

nger“ die James-Bond-Gehilfi n Jill

Masterson umgebracht, indem der

Oberschurke sie mit

Gold überzieht und sie

dadurch erstickt. Das ist

natürlich eine ziemlich

spektakuläre Todesart

und war denn auch vor

allem als Machtdemonstration

gedacht.

In Wirklichkeit benutzte

man natürlich eine

Goldfarbe. Dennoch war

das nicht ganz ungefährlich:

Die Haut hat eine

wichtige Rolle für den Temperaturausgleich.

Wenn man den kompletten

Körper einfärbt, wird diese Funktion

beeinträchtigt. Daher ließen die Maskenbildner

am Rücken eine Stelle frei.

Zu dieser Szene war übrigens viel

Presse geladen, weil sie so spektakulär

war.

Der Film handelt davon, dass ein

Großkrimineller Auric Goldfi nger

Foto: Medienzentrum UKB

starken Nebenwirkungen. Eine Komplikation

ist die so genannte gelbe

Leberatrophie das ist eine medikamentös

verursachte Leberentzündung,

die meistens tödlich verläuft.

Außerdem kann es zu allergisch-toxischen

Reaktionen kommen. Die

Goldtherapie ist also nicht ganz ungefährlich.

Zudem ist sie ziemlich

aufwändig: Die Patienten müssen

anfangs zweimal wöchentlich in die

Klinik kommen, um sich die Spritze

geben zu lassen. Später reduziert sich

das auf eine Injektion pro Woche oder

weniger. Außerdem müssen regelmä-

das Gold in Fort Knox radioaktiv

verseuchen möchte, damit seine eigenen

Goldbestände an Wert gewinnen.

Der Set-Designer Ken Adam

hat im kompletten Film sehr viel mit

dem Leitthema Gold gespielt. So war

der Düsenjet von Auric

Goldfi nger von innen

mit Gold ausgekleidet,

und in einer Schlüsselszene

taucht ein goldenes

Architekturmodell

auf. Die Schlussszenen

spielen in Fort Knox.

Ken Adam ließ dazu

am Set meterhohe Goldbarrenstapel

aufbauen.

Das hätte in Realität

aufgrund des hohen Gewichts

nicht funktioniert. Die Film-

Barren waren aber in Wirklichkeit aus

Aluminium.

Foto: privat

Dr. Petra Kissling-Koch forscht über den

oscarprämierten James Bond-Setdesigner

Ken Adams. Für ihre Dissertation hat

sie kürzlich den Ulrich-Weidner-Preis für

Kunstgeschichte der Universität Bonn

erhalten (siehe Seite 44).

Foto: uk

ßig Blut-, Leber- und Nierenwerte bestimmt

werden.

Wir in Bonn führen die Goldtherapie

nur in Ausnahmefällen durch,

nämlich dann, wenn es keine anderen

Behandlungsoptionen mehr gibt aus

welchen Gründen auch immer. Wir

liegen damit im deutschlandweiten

Trend. Es gibt aber einige Zentren,

auch hier in Nordrhein-Westfalen, die

noch viel mit Gold arbeiten.

Der Privatdozent Dr. Matthias Seidel ist

Oberarzt in der Medizinischen Klinik I

und leitet dort die Rheumatologie.

�Arthritisch versteifte

Gelenke in einer Hand

�In der Ausstellung „Goldrausch“

findet sich auch die

Szene mit der tödlich vergoldeten

Assistentin von 007

K U L T U R

Schwerpunktthema:

Gold ein

Metall mit vielen

Gesichtern

Foto: Sebastian Kaulitzki/fotolia.com

forsch 1/2011 universitätbonn

37


K U L T U R

Schwerpunktthema:

Gold ein

Metall mit vielen

Gesichtern

38 forsch 1/2011 universitätbonn

Herr Professor Bourauel, ist die

klassische Goldplombe ein Auslaufmodell?

Im Gegenteil, Gold ist in der

Zahnheilkunde immer noch beliebt.

Es ist beileibe nicht so, dass es von Keramiken

oder Kunststoffen komplett

verdrängt wurde. Streng genommen

Antike Münzen

online

Die wenigsten sind aus Gold,

und nicht alle glänzen aber das

Akademische Kunstmuseum verfügt

seit seiner Gründung über

eine umfangreiche Sammlung

römischer und griechischer Münzen.

Sie sind in einer Datenbank

erfasst, die nicht nur Forschung

und Lehre dient, sondern auch

der Öffentlichkeit zugänglich ist.

Viele der Münzen stammen sogar

aus Bonn. Denn die Sammlung

geht auf den Ankauf von Kanonikus

F. Pick 1819 zurück: Er war nicht nur

einer der bedeutendsten Sammler von

Antiken im Rheinland, sondern auch

der erste Leiter der Ausgrabungen des

römischen Legionslagers Castra Bonnensia.

In den letzten Jahren sind die

Münzen unterstützt durch den Förderverein

des Akademischen Kunstmuseums

e.V. und die Philosophische

Fakultät neu bestimmt, inventarisiert

und in die Datenbank aufgenommen

worden. Mit großem Erfolg, wie die

Zahl der täglichen Klicks beweist.

�www.antikensammlung-muenzen.

uni-bonn.de

Foto: fl

muss man übrigens von Goldlegierungen

sprechen: Reines Gold eignet sich

nicht als Plombe, Inlay oder Krone; es

ist zu weich. Es gibt auf dem Markt

nahezu 2.000 verschiedene Dentallegierungen

mit wechselnden Zusammensetzungen,

z.B. mit Gold, Platin,

Silber, Kupfer oder Palladium. Über

das Mischungsverhältnis kann man

die Legierung genau auf die zur Aufgabe

passende Festigkeit einstellen.

Gegenüber anderen Materialien

hat Gold verschiedene Vorteile. Zum

Einen lässt es sich angenehm verarbeiten.

Man muss es beispielsweise nicht

fräsen, sondern kann es einfach erhitzen

und dann in die gewünschte Form

gießen. Außerdem ist Gold ausgesprochen

reaktionsträge: Es korrodiert

nicht, im Gegensatz zum günstigeren

Amalgam, und kann daher im Mund

Jahrzehnte lang praktisch unverändert

überdauern. Gold kommt heute unter

anderem als Material für Kronen zum

Einsatz. Aus kosmetischen Gründen

wird es dabei an sichtbaren Stellen

meist mit Keramik ummantelt. Für

kleinere Füllungen greifen Zahnärzte

dagegen inzwischen oft zu zähflüssigen

Kunststoffen, die unter Bestrahlung

mit Licht aushärten. Da diese

Materialien beim Härten schrumpfen,

sind sie für größere Defekte nicht geeignet:

Die Spalten, die dabei entstehen

würden, ließen sich kaum gegen

einen erneuten Kariesbefall versiegeln.

Bei Gold hat man diese Probleme

nicht: Der Zahnarzt bohrt, macht

von der Bohrung einen Abguss, fertigt

nach dieser Schablone das Inlay

und befestigt es mit Zement im Zahn

fertig. Mit Keramik geht das auch;

das Prozedere ist aber komplizierter

und damit fehleranfälliger. Außerdem

sind Keramik-Inlays noch teurer. Ich

selbst würde daher im Fall der Fälle

immer noch Gold den Vorzug geben.

Der Physiker Professor Dr. Christoph

Bourauel beschäftigt sich an der Stiftungsprofessur

für Oralmedizinische

Technologie unter anderem mit neuen

Materialien für die Zahnheilkunde.


Ein Wesen nach Idealvorstellungen formen

Theater S.U.B.-Kultur übt sich an Stück im Studentenmilieu

Ihre Feuertaufe hat die Theatergruppe S.U.B.-Kultur im vorletzten

Sommer mit Bravour bestanden: Dreimal volles Haus. Nach einer

Komödie und einem Stück, das in den Folgejahren der Weltwirtschaftskrise

1929 spielt, probt die Gruppe nun für ihren dritten

Aufführungszyklus. Regie führt der Schauspieler und Dozent

Marcus Brien.

„Du hast eine süße Nase nur

dieser kleine Knubbel…“, sagt

Evelyn honigsüß. Adam wirkt nur

leicht verunsichert. Marcus Brien ist

mit der ersten Leseprobe noch nicht

recht zufrieden. „Du sitzt in einer

Klinik für plastische Chirurgie und

sollst Dir die Nase operieren lassen.

Willst Du da sein?“ fragt er Nicolas

Mittler. „Nein!“ Er wendet sich Maria

Deger zu. „Willst Du, dass er da

ist?“ „Ja!“ „Dann nehmt das noch

mehr mit rein, lasst es hören.“ Das

Team betreibt gerade Charakterstudien

an Auszügen aus „Das Maß der

Dinge“ von Neil LaBute: Für Adam

ist es eine Liebesbeziehung. Was aber

ist es für Evelyn? Wie sind die einzelnen

Charaktere angelegt, in welchem

Verhältnis stehen sie zueinander: der

verliebte Student, seine Freunde, die

im Lauf der Handlung ausgebootet

werden, seine Kommilitonin, die an

ihm testet, wie weit sie ihn in Verhalten

und Aussehen nach ihrem Bild

formen kann? Adam überkommt

eine leise Ahnung: „Vielleicht bist Du

ja eine Sadistin.“ Aber daran glaubt

er erst einmal nicht wirklich. „Gut

so!“ lobt der Regisseur, Produktionsassistentin

Eugenia Fabrizi nickt

beifällig.

Wie kommt ein Profi wie Marcus

Brien, der Engagements am Ernst-

Deutsch-Theater Hamburg oder dem

Düsseldorfer Schauspielhaus hat

und selbst Dozent am Centrum of

Dramatic Arts in Koblenz ist, dazu,

eine Studententheatergruppe zu leiten?

„Ich habe über das Junge Theater

Bonn Walter Mik, den Leiter des

Zentrums für Kulturelle Zusammenarbeit

an der Uni, kennen gelernt. Er

hat gefragt und ich habe ja gesagt“,

erzählt er. Aber bevor er den Lehrauftrag

übernahm, hat er sich erst einmal

vergewissert, welche Motivation dahinter

steckt: Wollen die Studierenden

wirklich ernsthaft Theater spielen und

engagiert arbeiten? Im vorausgegangenen

Stück „Kasimir und Karoline“

ging es darum, inwieweit Arbeit den

Wert eines Menschen bestimmt. In

der neuen Produktion geht es wieder

um ein gesellschaftliches Thema.

Gleich zu Anfang des neuen Probenzyklus

wurden Terminkalender

gewälzt: Eine der studentischen Darstellerinnen

hatte ein Zeitproblem.

Marcus Brien fand eine Lösung, die

allen passte. Noch ging das aber bei

fortgeschrittenen Proben ist Fehlen

gerade bei einer Produktion mit nur

wenigen Darstellern heikel. Einen

Termin zu verlegen würde wiederum

ein Raumproblem verursachen. Denn

wie andere Theatergruppen an der Uni

ist S.U.B.-Kultur auf Zufallslösungen

angewiesen: Der Seminarraum im

Hauptgebäude ist nur zu bestimmten

Zeiten für mehrere Stunden frei. Auch

einen Aufführungsraum gibt es nicht

idealerweise wären beide identisch.

So müssen die Gruppen Ausweichquartiere

finden und notfalls bei den

letzten Proben und den Aufführungen

täglich auf- und wieder abbauen, weil

die Räume zwischendurch anderweitig

gebraucht werden.

Bei Gründung der Gruppe innerhalb

des Zentrums für Kulturelle

Zusammenarbeit an der Uni hatten

sich über 60 Studierende fürs Mitmachen

beworben. Zwei Jahre bestand

ein festes Ensemble, nun sind fünf

Aktive durch Studienabschluss und

Ortswechsel verloren gegangen. „Wir

bleiben in Verbindung“, verspricht

eine von ihnen auch für die Zukunft:

Sie ist gerade aus Paris zu Besuch

und sagt schnell bei der Probe Hallo.

Dafür sind zwei Neue dabei. Marcus

Brien hat Kandidaten zunächst

vorsprechen lassen und in drei Einheiten

mit ihnen gearbeitet, bevor er

sich entschied. Wer aktuell nicht als

Darsteller eingesetzt ist, arbeitet bei

der Produktion mit, betreut Internetpräsenz

oder Werbung. Aus kleinem

Budget ein Bühnenbild zu zaubern,

übernimmt diesmal ein Profi bei

den vergangenen Stücken lief alles in

Eigeninitiative. Im Juni soll Premiere

sein, dafür angedacht ist das Akademische

Kunstmuseum. Marcus Brien

freut sich: „Das ist ohne Zweifel eine

attraktive Umgebung.“ Und seufzt.

„Aber wieder nichts Festes.“

UK/FORSCH

�Kontakt: s.u.b.kultur@uni-bonn.de

K U L T U R

�Der Regisseur als

Fotograf: Marcus Brien

hat sein Ensemble

selbst in Szene gesetzt

forsch 1/2011 universitätbonn

39


S E R V I C E

�Die Gründer der

Lampenfieberambulanz

sind selbst

Hobbymusiker: Martin

Landsberg spielt

Waldhorn, Dr. Déirdre

Mahkorn singt und

spielt Klavier.

40 forsch 1/2011 universitätbonn

Lähmende Angst vor dem falschen Ton

Lampenfieber-Ambulanz für Musiker gegründet

Das Herz schlägt bis zum Hals,

und der Atem rast: Viele Musiker

leiden unter extremem Lampenfieber.

Die Angst vor dem Auftritt

kann so groß werden, dass sie

sogar Karrieren zerstört. Hilfe

finden Betroffene jetzt am Universitätsklinikum

Bonn. Dort gibt

es seit kurzem die deutschlandweit

erste Lampenfieber-

ambulanz speziell für Musiker.

So mancher Musiker braucht das

Prickeln vor dem Auftritt, um brilliant

zu sein. Doch andere entwickeln

eine solche Angst davor, den falschen

Ton zu treffen oder aus dem Takt zu

kommen, dass sie vor lauter Nervo-

Neues

Regenwalderlebnis

In den Botanischen Gärten steht die

Sommersaison mit vielen Aktionen

und ab 1. April wieder längeren Öffnungszeiten

bevor. Das mit großem

Aufwand seit Ende 2009 renovierte

Regenwaldhaus vermittelt dann mit

neuem Konzept die Vielfalt tropischer

Regenwälder. Alle Gewächshäuser

wurden neu verglast, ein Lehrgebäude

sogar komplett neu errichtet.

Auf der Homepage konnten die Bauarbeiten

in Text und Bild verfolgt

werden. �Aktuelles gibt es unter:

www.botgart.uni-bonn.de

Foto: Gerhard Thuener/UKB

sität nicht mehr auftreten können.

Denn ein Fehler lässt sich nicht durch

Improvisation überspielen und ist so

für den Zuhörer auf jeden Fall hörbar.

Schätzungsweise jeder zweite Berufsmusiker

leidet unter Lampenfieber.

Dem Sänger versagt die Stimme, der

Bläser hat einen trockenen Mund und

dem Geiger zittert die Bogenhand

jede Musikergruppe hat ihr spezielles

Problem.

Doch die Ursache ist für alle

gleich, weiß Dr. Déirdre Mahkorn,

Oberärztin an der Bonner Universitätsklinik

für Psychiatrie und Psychotherapie:

„Es sind leistungsorientierte

Perfektionisten mit hohem Ehrgeiz.

Sie sind mit sich selbst zu streng und

hadern im Rückblick über jeden Fehler.“

Es entsteht ein Teufelskreis: Das

Scheitern wird vorweggenommen,

obwohl es noch gar nicht passiert ist.

Dadurch erhöht sich die Angst vor

dem Auftritt.

Über die Jahre kann das Lampenfieber

immer stärker werden. Manche

Musiker greifen dann zu Alkohol,

Drogen oder Beta-Blockern, die das

Herzrasen senken. Irgendwann ist

eventuell sogar der Punkt erreicht, an

dem der Künstler nicht mehr seinen

Beruf ausüben kann. Auch Studenten

können bereits ein so starkes Lampenfieber

allein vor dem Vorspielen

vor Mitstudenten, Lehrern oder für

ein Engagement entwickeln, dass sie

das Studium abrechen und sich nach

einem anderen Beruf umsehen.

„Wir wollen betroffenen Musikern

helfen, diesen Teufelskreis zu durchbrechen“,

sagt Martin Landsberg,

Psychologe an der Universitätsklinik

für Psychiatrie und Psychotherapie.

Zusammen mit seiner Kollegin Mahkorn

geht er bei jedem Patienten der

Ursache für das Lampenfieber auf

den Grund. Dazu erstellen sie ein

Persönlichkeitsprofil und nutzen ein

individuelles Angst-Tagebuch. Hinzu

kommen Entspannungsübungen,

um die Lampenfiebersymptome zu

lindern. Je länger das Problem bereits

bestand, desto länger braucht der

Betroffene, um sein Lampenfieber zu

kontrollieren.

„Ein solches Angebot speziell

für Musiker gab es so bisher nicht in

Deutschland“, sagt Mahkorn. Dabei

ist der Bedarf hoch, wissen die beiden.

„Lampenfieber ist ein Tabuthema,

über das gerade unter Kollegen nicht

gesprochen wird. Umso höher ist die

Resonanz auf unsere neue Ambulanz.“

Dabei ist Anonymität das höchste Gebot:

Die Termine werden möglichst so

koordiniert, dass die Betroffenen sich

nicht zufällig vor Ort begegnen.

IV/FORSCH

�Kontakt: Dr. Déirdre Mahkorn,

Telefon: 0228/287-19316, E-Mail:

Deirdre.Mahkorn@ukb.uni-bonn.de

Foto: Botanische Gärten


Für einen erfolgreichen Einstieg

„Startkabel“ unterstützt Neuberufene

Für neu berufene Professorinnen und Professoren heißt es gleich zu

Beginn ihrer Tätigkeit, entscheidende Weichen für den erfolgreichen

Einstieg zu stellen. Dazu gehört auch, Leitungsaufgaben in Teamführung

und Wissenschaftsmanagement zu übernehmen. Die Stabsstelle

Personalentwicklung informiert inzwischen bereits während der

Berufungsverhandlungen über ihr Angebot „Startkabel“: flexible,

professionelle und vertrauliche Unterstützung.

Um Neuberufenen das Ankommen

zu erleichtern, bietet die Stabsstelle

Personalentwicklung (PE)

ihnen umfangreiche Unterstützung

an. Sowohl individuelle Beratung und

Coaching als auch strukturierte Qualifi

zierungsmodule gehören dazu.

Wenn Wissenschaftler gemeinsam

mit ihrem neuen Team daran arbeiten

möchten, von Anfang an erfolgreich

und konstruktiv zusammen zu

fi nden und gegenseitige Erwartungen

zu klären, berät die PE

sie zum Beispiel gerne dabei.

Auch wenn Neuberufene Veränderungsprozesse

durchführen wollen

oder müssen, unterstützt die Personalentwicklung

sie in allen Phasen von

der Strategieentwicklung bis zur

Über 250 Videopodcasts umfasst

das Download-Angebot der Universität

Bonn bei iTunes U. Die Filme und

Veranstaltungsmitschnitte stammen

größtenteils aus dem Podcast-Portal

uni-bonn.tv. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft

hat das Projekt

in den vergangenen drei Jahren an der

Universität Bonn gefördert, inzwischen

ist es eine feste Einrichtung. Die

Podcasts spiegeln die breite Vielfalt

der Bonner Forschungsprojekte von

den Geistes- über die Naturwissenschaften

bis zur Medizin und Agrarforschung

wider. Viele davon wurden

von studentischen Videojournalisten

produziert. Neben Podcasts aus der

Gestaltung von Kommunikationskonzepten.

Besorgnis im Sinne von

„Hast Du schon gehört? Der Neue

hat da so seine Ideen…“ wird auf

diese Weise konstruktiv entgegengewirkt.

Eine Kompakteinführung zu

Finanz- und Arbeitsrecht geben die

entsprechenden Dezernate der Universitätsverwaltung.

Für Wissenschaftler

mit Führungsveranwortung bieten

die Module der „Führungswerkstatt“

nicht nur vertiefende Kenntnisse, sondern

auch die Möglichkeit, Kollegen

kennen zu lernen. Im Bereich „bedarfsgerechte

Fort- und Weiterbildung

der Mitarbeiter“ können sie sich ebenfalls

Unterstützung holen. Angedacht

sind weitere Angebote, zum Beispiel

ein USB-Stick mit kompakten Infos

und Tipps speziell für Neuberufene.

Forschung bietet uni-bonn.tv auch

Mitschnitte von Vorlesungen, Vorträgen

und Symposien bei iTunes U an.

forsch-Abo über das Album

Auch die forsch ist auf der Homepage

der Uni Bonn unter iTunes

U vertreten: Sowohl die neuesten als

auch die älteren Ausgaben werden in

einem eigenen Album als pdf-Dateien

angeboten. Man kann einzelne Ausgaben

oder alle auf einmal herunterladen

oder auch das Album abonnieren

und bekommt so immer die aktuelle

Ausgabe. Das Angebot wendet sich

nicht nur an die 27.000 Studenten und

„Besonders jüngere Professoren nehmen

‚Startkabel’ gerne an, um ihren

Weg am neuen Arbeitsplatz und in

neuer Verantwortung zu fi nden“, sagt

Tatjana Chrosciel von der PE. Professorin

Dr. Julia Hegewald, Asiatische

und Islamische Kunstgeschichte,

bestätigt gerne: „Rundherum empfehlenswert!

Man erfährt etwas über

interne Strukturen, merkt, dass man

nicht alleine mit seinen Fragen dasteht

und kann in kleiner Runde auch

eigene Fälle einbringen. Besonders

gefallen hat mir, Ansprechpartner aus

der Verwaltung und der Personalentwicklung

persönlich kennen zu lernen.

Sie haben uns ermutigt, sie auch

später einfach anzurufen, wenn wir

Fragen oder Anregungen haben. Und

das fällt natürlich viel leichter, wenn

man sich schon einmal gesehen hat.“

UK/FORSCH

� www.personalentwicklung.unibonn.de;

Kontakt: tatjana.chrosciel

@uni-bonn.de, Tel.: 0228/73-4685

und nicola.thiele@uni-bonn.de, Tel.:

0228/ 73-1822

Uni Bonn präsentiert sich bei „iTunes U“

Über 250 Videopodcasts und die forsch stehen zum Abruf bereit

Die Universität Bonn ist seit Ende letzten Jahres bei iTunes U

vertreten, einem Bereich des iTunes Store. Hier gibt es kostenlos

Audio- und Video-Inhalte von führenden Bildungseinrichtungen aus

aller Welt.

rund 10.000 Mitarbeiter der Universität

und des Universitätsklinikums

Bonn, sondern auch an Schüler, Nachwuchswissenschaftler

und die breite

Öffentlichkeit, die sich für Wissenschaft

und Unileben interessiert.

FORSCH

�http://www.itunes.uni-bonn.de;

die Software ist erhältlich unter

http://www.itunes.de

S E R V I C E

forsch 1/2011 universitätbonn

41


S E R V I C E

servicekompakt S E R V I C E

42 forsch 1/2011 universitätbonn

GEWINNSPIEL RADLER-ENERGIE

Wie lange muss ein durchschnittlicher

Freizeitradler in die Pedale treten, um

den Energiebedarf eines Büroarbeitsplatzes

bestehend aus TFT-Monitor,

PC und Drucker für eine Stunde zu

erzeugen? So lautet die Frage in der

letzten forsch vom November 2010.

Hier die Lösung: Der

durchschnittliche

Radler tritt auf dem

Ergometer 100 Watt,

der durchschnittliche

Stromverbrauch

einer Bürostandar-

Foto: Wolfgang Pütz

dausrüstung ergibt

einen Bedarf von ca. 150 Watt der

Radler müsste also 90 Minuten dafür

strampeln. Die Gewinner erhielten inzwischen

ihre Energiemessgeräte.

MIT DEM RAD ZUR ARBEIT:

ENERGISCH AN DIE SPITZE

Bei der Aktion „Mit dem Rad zur Arbeit“

2010 stellte die Uni Bonn mit

Kanzler Dr. Reinhardt Lutz selbst

begeisterter Radler nicht nur den

Schirmherrn für Bonn und den

Rhein-Sieg-Kreis. Lutz konnte auch

noch stolz auf seine Einzelstarter und

Teams sein, die die Uni nach einem

Eröffnungskorso bei Nieselregen auch

bei dieser zweiten Teilnahme wieder

ganz an die Spitze radelten. Und

nicht nur das: Brachten Universität

und Universitätsklinikum es 2009 auf

227 Radler, so traten 2010 361 in die

Pedale. Insgesamt sind dem Aufruf

2.566 Teilnehmer aus Bonn und dem

Rhein-Sieg-Kreis gefolgt 33 Prozent

mehr als im Vorjahr. Damit hat die

Region so große Städte wie Köln mit

649 Teilnehmern und Düsseldorf mit

634 Teilnehmern weit hinter sich gelassen.

Bei einer Feier im Festsaal

wurden die Gewinner geehrt. Die Aktion

wird von der AOK, der Stadt Bonn

und dem ADFC Bonn/Rhein-Sieg getragen

und auch im nächsten Jahr

fällt der Startschuss am 1. Juni.

Für die Uni-Angehörigen brachte die

Teilnahme darüber hinaus auch noch

einen Punkt im hauseigenen Gesundheitscheckheft

dem Bonussystem

für gesunde Aktivitäten, eingeführt

beim 2. Gesundheitstag. Aber Radfahren

ist nicht nur gesund, sondern

entlastet auch die Umwelt und die

Verkehrsströme in der Stadt.

Einen guten Tipp hat Professor Dr.

Clemens Simmer. Der Meteorologe

gehört zu den regelmäßigen Radlern.

„Bei der Aktion wollte ich mitmachen,

habe aber vergessen, mich anzumelden“,

sagt er. Er pendelt zwischen

Villiprott und dem Institut in Endenich,

das sind 11 km für eine Strecke

und guckt vorher im eigenen

Regenradar nach, was ihn erwartet,

um bei schlechtem Wetter wenigstens

Regenlücken zu nutzen. Das

System ist räumlich genau und kann

sogar zwischen Regen, Graupel, Hagel

und Schnee unterscheiden: www.

meteo.uni-bonn.de/messdaten/

radarbilder

PILOTPROJEKT ENERGIESPAREN

MIT ANREIZ

Das Studentenwohnheim Pariser

Straße bekam kürzlich mit Unterstützung

mehrerer Kooperationspartner

einen Energiemonitor. Er kann den

Verbrauch einzelner Flure in dem

zehnstöckigen Gebäude anzeigen

und soll die Bewohner zu umweltbewusstem

Verhalten anregen. Bisher

verlangte das Studentenwerk Bonn

unabhängig vom Verbrauch eine

Bruttowarmmiete. Aber wenn man

nie Nebenkostenabrechnungen sieht,

motiviert das naturgemäß nicht zum

Energiesparen. Hier wird nun Gruppensinn

gefragt und belohnt: Der

Flur, der bis Mai diesen Jahres am

sparsamsten war, erhält eine spürbare

Mietminderung.

Auch sonst ist das Studentenwerk,

das über 4.200 Zimmer in über 40

Wohnanlagen betreut, in Sachen Energiesparen

aufmerksam. Auf seiner

Homepage zum Beispiel gibt es im

Rahmen des Projekts „Sustainable

Bonn“ Tipps: Von offensichtlichen

wie dem Ausschalten der Beleuchtung

beim Verlassen eines Raums bis

zu eher versteckten wie der Kontrolle

von Kühlschrankdichtungen.

UMWELTFREUNDLICHE

TRANSPORTER: „STUDI-BUS“

Schon die ersten Tage verliefen mit

vielversprechenden Anfragen, und

inzwischen ist der „Studi-Bus“ ein

Renner. Für Umzüge und sonstige

Transporte stehen seit Ende September

2010 neben anderen Unistädten

auch in Bonn Transporter der Carsharing-Firma

einfachmobil“ an einer

Tankstelle in der Landsberger Straße

bereit. Sie haben 10 Kubikmeter

Stauraum; Sitze können bei Bedarf

selbst montiert werden, sie sind

mit Partikelfiltern ausgestattet und

entsprechen der Euro-5-Abgasnorm,

die bisher nur für PKW verbindlich

ist. Bei dem Angebot in Kooperation

mit dem AStA heißt es: rechtzeitig

buchen! Das geht ganz unkompliziert

online unter: http://studibus.de

ENERGIEZUFUHR IN DER MENSA

Mike Koch, Chefcoach der Telekom

Baskets Bonn, und die Spieler Alex

King und Tim Ohlbrecht mussten sich

mit ihrem Gardemaß zwischen 1.90

und 2.10 Metern schon ducken, um

nicht mit den Tagesangebotsschildern

an der Essenausgabe der Mensa

Nassestraße zu kollidieren. Ilse Wagner

wies die „langen Kerls“ ein. Das

Studentenwerk Bonn hatte die Sportler

zusammen mit der AOK Rheinland/Hamburg

als Paten im Rahmen

der bundesweiten Aktion „Cooking for

friends“ eingeladen. Drei Tage lang

gab es Lieblingsgerichte der Studenten

und das Kochbuch dazu. Aktionen

finden rund ums Jahr statt; Infos:

www.studentenwerk-bonn.de

Foto: uk


Sie sind gefragt!

Helfen Sie uns, unser Magazin zu verbessern. Unter den Teilnehmern verlosen wir Bonner Kulturtickets

und eine ganze Reihe von Uni-Artikeln. Bitte senden Sie uns Ihre Antworten bis zum

11. März an die Abt. Presse und Kommunikation, Poppelsdorfer Allee 49, 53115 Bonn, Fax:

0228/73-7451. Online gibt es den Fragebogen unter: http://www.forsch.uni-bonn.de/umfrage

Welche Titelseite der forsch gefällt Ihnen am besten? ���

Welchem Leserkreis der forsch gehören Sie an?

Wissenschaftliches Personal � Studierende � Journalisten �

Technik und Verwaltung � Ehemalige � Externe �

Welche der Informationsangebote der Uni Bonn kennen und nutzen Sie?

nutze ich oft nutze ich selten kenne ich nicht

Universitätsmagazin forsch � � �

Internetangebote www.uni-bonn.de � � �

E-Mail Newsletter der Uni � � �

Online-Presseschau � � �

Interner Newsletter des Rektorats � � �

Intranet der Uni Bonn � � �

Podcasts www.uni-bonn.tv � � �

Podcasts der Uni auf iTunes U � � �

Facebook-Seite der Uni Bonn � � �

Twitter-Dienst der Uni Bonn � � �

Welchen Stellenwert haben die folgenden Rubriken und Inhalte der forsch für Sie?

wichtig eher wichtig eher unwichtig unwichtig

Hochschulpolitik � � � �

Themen aus der Forschung � � � �

Lehren & Lernen � � � �

Weite Welt/Internationales � � � �

Kultur, Geschichte � � � �

Service/Tipps � � � �

Menschen/Personalia � � � �

Freunde und Ehemalige � � � �

Cartoon � � � �

Folgen Sie den Links zu Webseiten und Podcasts, die unter manchen Artikeln stehen?

oft � selten � nie �

Wie beurteilen Sie folgende Attribute der forsch?

Die forsch ist... ja eher ja eher nein nein

aktuell � � � �

informativ � � � �

verständlich � � � �

interessant � � � �

ansprechend gestaltet � � � �

lesernah � � � �

übersichtlich � � � �

unterhaltsam � � � �

glaubwürdig � � � �

traditionell � � � �

abwechslungsreich � � � �

Wie beurteilen Sie folgende Aussagen zur forsch

ja eher ja eher nein nein

Ich wünsche mir mehr längere Artikel. � � � �

forsch sollte mit dem Internet vernetzt werden. � � � �

Die Personalnachrichten interessieren mich. � � � �

forsch fördert die Identifikation mit der Uni. � � � �

forsch würde ich auch online lesen. � � � �

Ich vermisse Meinungsbeiträge und Leserbriefe. � � � �

Wechselnde Schwerpunktthemen finde ich gut. � � � �

Was wollen Sie uns sonst noch mit auf den Weg geben?

Danke! Wie erreichen wir Sie, falls Sie gewonnen haben? Mailadresse, (Haus-)Postadresse:

S E R V I C E

1

Februar 2011forsch

Bonner Universitäts-Nachrichten

Gold ein Metall

mit vielen Gesichtern

forsch 1/2011 universitätbonn

43


Foto: uk

S E R V I C E

� Kleines Gerät,

große Wirkung: Eine

unterschiedliche

Handhaltung trainiert

unterschiedliche Muskelpartien.Fitnesstrainerin

Corinna Lipp

macht‘s vor.

44 forsch 1/2011 universitätbonn

Ich hab’s doch geahnt. Mein Einführungstermin

im Fitnessstudio des

Hochschulsports bestätigt: Viele Jahre

Schreibtischarbeit in Vollzeit gehen

trotz sportlichem Hobby nicht spurlos

an einem vorbei. Auf dem Ergometer

trete ich anfangs ganz fröhlich in die

Pedale. Aber dann schaltet das Gerät

auf immer mehr Widerstand. Wo habe

ich kürzlich noch gelesen, dass die

zehn Testminuten jemandem unglaublich

lang vorkamen? Physiotherapeutin

Christine Rehbach erklärt mir das

Diagramm. Wir halten fest, was ich

hauptsächlich erreichen möchte. Um

meinen ganz persönlichen Trainings-

Ziehen, Drücken, Treten für alle

Fitnesstraining in „halle 5“ des Hochschulsports

Sechs Apfel-Aufkleber sind im Gesundheits-Scheckheft zusammen

gekommen. Zum Beispiel durch den Besuch des Uni-Gesundheitstags,

die Teilnahme an der Aktion „Mit dem Rad zur Arbeit“

oder den Arbeitsplatzcheck. Zeit, sich für eine der Prämien zu

entscheiden und dabei vielleicht auch eine sportliche Herausforderung

anzunehmen: einen der kostenlosen Kurse von Gymnastik bis

zum anstrengenden Indoor Cycling oder die sechs Wochen Training

im Fitnessstudio des Hochschulsports. „halle 5“ kann preiswert und

mit Öffnungszeiten an sieben Tagen in der Woche von allen Angehörigen

der Uni genutzt werden. Ulrike Eva Klopp hat es ausprobiert.

plan mit Aufwärmphase und gezielten

Übungen zu entwerfen, probieren wir

gemeinsam einige der vielen Geräte in

„halle 5“ aus. Zunächst auf leichtester

Stufe für den Bewegungsablauf, dann

mit Widerstand.

Das Rudergerät ist mein spontaner

Favorit. „Achtung, das hier ist heftig“,

warnt Christine Rehbach. Dabei sieht

es so einfach aus: Auf einem großen

Ball sitzend muss ich einen kleinen

an einem Zugseil vor dem Körper hin

und her bewegen. Geht doch, aber ich

spüre ganz genau, welche Muskeln

und Sehnen gemeint sind. „Oh die

Bauchmuskeln sind

gut!“ meint die Physiotherapeutin,

als ich

platt auf der Matte liege,

eine Pilates-Übung

mache und sie nachfühlt,

was sich da in

Rücken und Bauch tut.

Will sie mich trösten?

Sie scheint es ernst zu

meinen.

Foto: Dr. Richard Jansen

Nach einer guten

Stunde sind wir durch.

Wie oft ich wie lange

kommen könne? Da

habe ich gute Vorsätze

für meine „Apfelwochen“

mal sehen,

ob ich sie durchhalte.

Die großzügigen Öffnungszeiten

von halle

5 an sieben Tagen in

der Woche helfen sicher

dabei. Heute probiere

ich noch mal auf

eigene Faust „meine“

Geräte aus, während

Christine Rehbach oben im Büro den

künftigen Trainingsplan ausdruckt.

Bei der Armpresse bin ich stolz, wie

geschmeidig das schon geht stelle

dann aber fest, dass ich gerade mal bei

Level 4 bin. Das Gerät hat 20. Na gut,

um satte Muskeln geht es mir ja auch

nicht. Ein Fortgeschrittener macht

mich nett darauf aufmerksam, dass

man den Sitz auch höher stellen kann,

damit der Winkel der Arme stimmt.

Danke!

Beim Ziehen, Drücken, Treten und

Dehnen schaue ich mich in der Halle

um. Schmale oder gut durchtrainiert

wirkende Männer und Frauen laufen

hier genauso herum wie solche, die

nicht unbedingt nach großem Sport

aussehen. Eine Frau am Nachbargerät

lächelt mir zu, und ich spreche sie

einfach mal an. Sieh da, eine Kollegin

aus der Verwaltung. Auch sie hat sich

die Teilnahme als Scheckheft-Prämie

ausgesucht. Nebeneinander auf Laufbändern

trottend neben uns sind

echte Renner unterwegs sind wir

uns einig: Bei dieser ungezwungenen

Vielfalt braucht einem auch als nicht

mehr so junger Mitarbeiterin nichts

peinlich zu sein. Vielleicht sehen wir

uns demnächst öfter.

Der nach den ersten Trainingseinheiten

erwartete Muskelkater bleibt

aus. Auch wenn bei winterlichem

Wetter und Dunkelheit der Weg in

die Sportanlagen an der Römerstraße

etwas Überwindung kostet: Hinterher

fühle ich mich jedes Mal gut. Das

meint auch eine Studentin, mit der ich

mich im Umkleideraum unterhalte,

als wir uns für den Rückweg warm

verpacken. Aber: Hätte ich vielleicht

doch erstmal weitere Apfelaufkleber

sammeln sollen? Denn schon für drei

mehr gibt es ein Vierteljahr kostenlos

„halle 5“.

UK/FORSCH

�Für die 6- und 12-Monatsabos für

„halle 5“ ist seit dem Jahreswechsel

Ratenzahlung möglich. Informationen

zu den insgesamt mehr als

95 Sportarten in rund 450 Kursen:

www.sport.uni-bonn.de


„Ich kann mir 007 gar nicht mehr

normal anschauen!“

Bonner Alumna erforschte die Film-Sets bei James Bond

Petra Kissling-Koch mag James-Bond-Filme. Allerdings achtet sie

dabei auf ganz andere Dinge als der Durchschnitts-Kinogänger: Ihr

Hauptaugenmerk gilt dem „Look“ der Inszenierung, genauer: der

Machtarchitektur. Das war auch das Thema ihrer Dissertation an der

Universität Bonn. Darin hat die Kunsthistorikerin den Einfluss des

oskarprämierten Szenenbildners Ken Adam auf die James-Bond-

Ästhetik untersucht.

Petra Kissling-Koch ist gefragt in

diesen Tagen: Auf Welt Online ist ein

Text über sie erschienen, der Bonner

Generalanzeiger hat ihr auf der Titelseite

einen Artikel gewidmet, und

nun hat noch WDR5 um ein Interview

angefragt: „Ich freue mich sehr, dass

man so viel Interesse an meiner Arbeit

hat“, sagt sie. Und klingt dabei fast ein

wenig erstaunt.

Grund für den Medienrummel

ist eine Auszeichnung, die die Kunsthistorikerin

gerade erhalten hat: Die

Abteilung für Kunstgeschichte der

Uni Bonn verlieh ihr für ihre 500

Seiten starke Dissertation „MACHT

(T)RÄUME. Ken Adam und James-

Bond-Filme“ ihren Ulrich Weidner-

Preis. Und 007 sorgte stets für reges

Publikumsinteresse.

Das liegt sicher auch an der Arbeit

von Sir Ken Adam. Der deutsch-britische

Szenenbildner hat den Stil der

frühen Bond-Verfilmungen geprägt

und so wahrscheinlich entscheidend

zu ihrem Erfolg beigetragen. Petra

Kissling-Koch hat den Oskarpreisträger

1994 über eine Ausstellung kennen

gelernt. Seitdem war sie von seiner

Arbeit fasziniert. „James-Bond-Filme

fand ich schon immer toll, vor allem

die frühen Werke“, erzählt sie. 2002

hatte sie bereits ihre Magisterarbeit

darüber geschrieben, die sie im Anschluss

zur Doktorarbeit ausweitete.

Die Untersuchung erstreckt sich über

Adams Wirken als Production Designer

vom ersten James Bond-Film „Dr.

No“ über den Klassiker „Goldfinger“

bis hin zu „Moonraker“, seinem letzten

„Bond“.

„Mit dem Hintergrundwissen, das

ich habe, sieht man die Filme ganz anders“,

erklärt die Autorin. „Auch wenn

ich einen neuen James-

Bond-Film betrachte,

schaue ich zuerst, was

von der alten Ästhetik

übrig geblieben ist. Auf

die Handlung achte ich

weniger. Die wiederholt

sich sowieso immer

wieder. Ich schaue nach

dem Look. Ich glaube,

ich kann mir 007 gar

nicht mehr normal anschauen.“

Visuelles Zeugnis

der Nachkriegs- und

Konsumgesellschaft

Foto: privat

In ihrer Dissertation

zeichnet Kissling-

Koch die Entwicklung von Adams

Arbeit nach. So habe er für den ersten

Film nur ein sehr kleines Budget

in Anspruch nehmen können. Bis zu

„Moonraker“ sei es aber geradezu explodiert.

Dies zeige die Bedeutung des

Szenenbildners für die weltweit populärste

Agenten-Saga. „Das Design der

James-Bond-Filme unter Ken Adam

ist ein visuelles und architektonisches

Zeugnis seiner Zeit, der Nachkriegs-

und Konsumgesellschaft“, bilanziert

die Kunsthistorikerin. „Seine gestalterische

Entwicklung ist enorm.

Anfangs hat er sich am Bauhaus-Stil

orientiert und im Anschluss andere

Formsprachen im Stil der 1960er Jahre

entwickelt. Dabei offenbart sich vor

allem der Konflikt zwischen Tradition

und Moderne.“

Ihr Hauptthema „Machträume“

veranschaulicht sie mit einem ganz

einfachen Beispiel: „Adam hat ganz

bewusst mit kleinen Details gespielt,

wie zum Beispiel Kunst. In Dr. No hat

er ein Bild von Francisco de Goya in

den Empfangsraum von Dr. No eingearbeitet.

Tatsächlich war es kurz zuvor

aus der National Gallery gestohlen

worden. Die Geschichte ging durch

die Medien. So hat er nur mit diesem

Detail klar gemacht: Die haben es gestohlen,

die sind die Bösen.“

Petra Kissling-Koch hatte ursprünglich

in Mainz studiert und war

anschließend als Erasmusstudentin

nach Perugia gegangen. Nach Bonn

habe es sie „der Liebe wegen“ verschlagen:

„Mein Mann absolvierte

dort damals sein Referendariat.“ Heute

lebt die 38-jährige zusammen mit

ihrer Familie in München. Für ihre

Dissertation liegen ihr bereits mehrere

Angebote von Verlagen zur Veröffentlichung

vor.

In Bonn war sie das letzte Mal im

November, zur feierlichen Preisverleihung.

„Filmarchitektur als Thema

einer kunsthistorischen Arbeit ist ja

eher ungewöhnlich. Ich finde es hervorragend,

wie sie im konkreten Fall

mit Methoden der Kunstgeschichte

analysiert wurde“, begründete Roland

Kanz, Professor und Jurymitglied,

damals die Entscheidung. „Mit der

Auszeichnung möchten wir weitere

Studenten dazu ermutigen, sich innovativen

Themen zu widmen.“

TOBIAS AL SHOMER/FORSCH

M E N S C H E N

Alumni & Freunde

forsch 1/2011 universitätbonn

45


M E N S C H E N

�Henning Freiherr

von Bernewitz

zeichnet Karten, die

ebenso informativ wie

dekorativ sind.

46 forsch 1/2011 universitätbonn

„Viel gelernt und noch mehr gelacht“

Henning Freiherr von Bernewitz malt Kulturlandkarten nach alter Tradition

Henning Freiherr von Bernewitz (77) ist ein leidenschaftlicher Zeichner.

Spezialisiert hat er sich auf großformatige Kulturlandkarten

von Städten und Regionen, die nicht nur Sehenswürdigkeiten und

markante Punkte zeigen, sondern auch die Geschichte des Ortes.

Studiert hat der Jurist unter anderem in Bonn.

Henning von Bernewitz malt seine

„Kulturkarten“ mit Liebe zum Detail.

Sie machen Land und Leute in ihrer

kultur- und wirtschaftsgeschichtlichen

Dimension erlebbar. Berlin, Hamburg,

Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-

Anhalt, Schleswig-Holstein und den

Harz hat er so schon verewigt, jetzt

sind das Ruhrgebiet und bald Bonn

dran. Farbenfroh und detailreich folgt

er der Tradition der Kartenmacher des

Fotos: Volker Lannert

17. und 18. Jahrhunderts. „Damals

sollten Karten nicht nur informativ,

sondern auch dekorativ sein“, sagt

der passionierte Zeichner. „Technisch

gesehen ist meine Arbeit eine aquarellierte

Federzeichnung.“ Rundherum

malt er Episoden aus der Geschichte,

den Himmel ziert er mit alten Wappen.

Studentenbude im

„Nachtjackenviertel“

Nach eigenem Bekunden ist der

gebürtige Schlesier der einzige auf

der Welt, der Karten in dieser Art

zeichnet. Im Riesengebirge erblickte

Henning Freiherr von Bernewitz 1934

als Sohn eines Baustofffabrikanten

das Licht der Welt. 1945 erlebte er die

Schrecken von Krieg und Vertreibung.

Nach einer Verlagslehre studierte er

Jura in Bonn, Marburg und Berlin.

Die Erinnerung an seine Bonner Studienzeit

ist noch immer hellwach. „Ich

wohnte 1958 in der Nähe der Viktoriabrücke

in einer Gegend, die als

‚Nachtjackenviertel’ verschrien war.“

Auf die zaghafte Frage, wie es denn

mit Damenbesuch bestellt sei, lächelte

die Bonner Wirtin vielsagend und

klärte auf gut Bönnsch: „Ihre Vorgänger

haben sich hier alle verlobt!“

Stolz „outet“ sich Bernewitz als

„Schneiderianer“, der seinen Abschluss

dem berühmten Repetitor Dr.

jur. Paul Schneider verdankte. Das

Bonner Original war für seinen unterhaltsamen

Unterricht weithin bekannt.

„Der Schneider war meine letzte Rettung!

Ich habe bei ihm viel gelernt

und noch mehr gelacht.“ Schneider

pflegte trockene juristische Sachverhalte

mit lebendigen Erzählungen zu

vermitteln. So wurde auch schon mal

ein „Fisternöllsche“ (rheinisch für Liebesverhältnis)

juristisch aufgearbeitet,

als Statisten dienten dabei Staatsmänner

wie US-Außenminister John Foster

Dulles oder eine Tänzerin namens

Josepha Tramm. Nach dem Studium

arbeitete der Jurist als Rechtsanwalt

und später als Notar, bis er sich eines

Tages ganz aufs Kartenmalen

verlegte. Derzeit arbeitet Henning

von Bernewitz in jeder freien Minute

an einer großen Kulturkarte des

Ruhrgebiets, die eigentlich im Kulturhauptstadt-Jahr

2010 fertig werden

sollte. Doch daraus wurde nichts: Vor

zwei Jahren machte ihm ein schwerer

Schlaganfall einen Strich durch die

Rechnung aber nur für kurze Zeit.

Denn der Freiherr hat gelernt, sich

von Widrigkeiten nicht entmutigen zu

lassen. Und machte sich wieder an die

Arbeit Strich für Strich, wie er es

schon immer getan hat.

Kreatives Künstlerpaar

Seine Frau Dagmar Freifrau von

Bernewitz, Geborene von Kurmin, ist

ihm dabei eine große Stütze. „Ich tue

alles, um Henning mit seinem großen

Talent zu helfen.“ Dabei ist sie selbst

eine begnadete Künstlerin. Ihre Karriere

als Schauspielerin begann unter

Gustaf Gründgens. Sie war in den 60er

Jahren Fernsehansagerin und wirkte

seitdem auch in vielen Fernsehfilmen

mit. In den 70-er Jahren hat sie sich

als Sprecherin und Regisseurin von

Hörspielen einen Namen gemacht. Bis

heute ist sie auf diesem Gebiet eine gefragte

Stimme.

Im Theater haben sich die beiden

kennen und lieben gelernt. Seither

sind der Freiherr und sein „Täubchen“

ein unzertrennliches Team.

Seiner Gehbehinderung wegen zogen

die beiden kürzlich nach Rolandseck,

wo sie eine Wohnung direkt am

Rhein bezogen. Den Blick auf den

Strom genießt von Bernewitz jedoch

nur selten, denn vor ihm liegt ja sein

aktuelles Zeichenprojekt. Und das

nächste Ziel ist schon gefasst: die

große Bonn-Kulturkarte. In der Stadt

hat sich seit seinem Studium viel verändert.

Post-Tower, Telekom-City,

Kameha-Hotel und T-Mobile alle

sollen darin einen Platz finden. Und

natürlich auch die Alma mater im

Herzen von Stadt und Karte.

ARC/FORSCH


Geschenk für die Alma mater

Universitätsgesellschaft verdoppelt Spenden der Medizin-Doctores

Dass erfolgreiche Geschäftsleute

für ihre alte Alma mater

in die Tasche greifen, kommt

inzwischen auch hierzulande

vor. Dass Absolventen auf ihrer

eigenen Abschiedsfeier ihrer Uni

und speziell den nachfolgenden

Studentengenerationen ein

Geschenk machen, ist jedoch

ungewöhnlich.

Auf der Promovenden-Feier der

Mediziner im Dezember ließen sich

die frisch gebackenen Doctores nicht

lumpen, sondern spendeten 985 Euro

für einen geplanten Infopoint für

Studierende. „Die Universitätsgesellschaft

wird jeden Betrag, den Sie

geben, verdoppeln“, versprach ihr

stellvertretender Vorsitzender Professor

Dr. Max P. Baur, bevor er den

Hut herumgehen ließ. Und ergänzte

Auch für die Allerjüngsten

gibt es jetzt Uni Bonn-Artikel

zum Anziehen und die werden

sogar jenseits des Atlantik

getragen. Die Eltern der kleinen

Donya Shakibaei aus New Jersey/USA

schickten dem stolzen

Onkel an der Uni dieses Foto.

�htttp://www.unishop-bonn.de

augenzwinkernd: „Das fällt ja auch

leicht, weil Sie demnächst bestimmt

alle Mitglieder sind...“ Am Infopoint

soll nach der Fertigstellung eine Pla-

kette mit der Aufschrift „Promovenden

der Medizin 2010“ angebracht

werden. Ein Beispiel, das Schule machen

könnte?

FL/FORSCH

Alumni in Bonn und anderswo

Zehn leuchtend blaue Fahrradständer laden jetzt an verschiedenen Uni-Standorten

in Bonn ein, sein Rad dort anzuschließen und sich selbst dem Alumni-Netzwerk.

Für das Mathematikzentrum nahm Dr. Thoralf Räsch zwei Fahrradständer

von Alumni-Koordinatorin Juana Juan-Banner in Empfang. Sind Sie Alumna

oder Alumnus und haben Lust, für das Portal „Bonner Alumni weltweit“ einen

Fragebogen auszufüllen und ein Foto zur Verfügung zu stellen? Beispiele unter:

www.alumni.uni-bonn.de, anmelden unter: alumni@uni-bonn.de

Gut verbunden.

http://www.ugb.uni-bonn.de

Foto: Medienzentrum UKB

Foto: Barbara Frommann

M E N S C H E N

�Diese Promovenden

haben nicht nur gut

lachen über den

eigenen Abschluss,

sondern denken auch

an ihre Nachfolger.

forsch 1/2011 universitätbonn

47


M E N S C H E N

Foto: Pressestelle der NRW-Akademie

�Dr. Thomas Riesenweber

(oben) und Dr.

Philipp Sasse wurden

in einen exklusiven

Kreis junger Forscher

aufgenommen.

48 forsch 1/2011 universitätbonn

Ausgezeichneter Nachwuchs

Junges Kolleg NRW

Das Junge Kolleg der Nordrheinwestfälischen

Akademie der Wissenschaften

und der Künste nahm im

Januar 15 neue Mitglieder auf unter

ihnen zwei Nachwuchswissenschaftler

der Universität Bonn. Dr. Thomas

Riesenweber ist wissenschaftlicher

Mitarbeiter in der Abteilung für Griechische

und Lateinische Philologie,

seit September Gastwissenschaftler

an der Universität Leiden; Dr. Philipp

Sasse ist Junior-Professor für funktionelle

Stammzellphysiologie am Universitätsklinikum

Bonn. Das Kolleg

wird von der Stiftung Mercator gefördert.

Es handelt sich um eines der größten

Förderprogramme einer privaten

Stiftung für den wissenschaftlichen

Nachwuchs in NRW. Die Mitglieder

dieses exklusiven Kreises erhalten bis

zu vier Jahre ein jährliches Stipendium

von 10.000 Euro sowie intensive

fachliche Begleitung.

BONFOR-Preisträger 2010

Beim BONFOR-Symposium 2010

wurden erneut Promotionsstipendien

und das Gerogk-Stipendium verliehen.

Außerdem wurden ein Startup

und drei Nachwuchsgruppen ausgezeichnet.

Bei den Promotionsstipendien

ging der erste Preis an cand.

med. Tobias Brügmann (Institut für

Physiologie I), der zweite an cand.

med. Benjamin Ewald (Institut für

Rekonstruktive Neurobiologie), der

dritte an cand. med. Torsten Becker

(Institut für Physiologie I) und dervierte

an cand. med. Robert Maresch

(Klinik und Poliklinik für Epileptologie).

Das Gerok-Stipendium erhielt

Dr. med. Monika Fleckenstein von

der Augenklinik, den Startup-Preis

Dr. med. Franz-Georg Bauernfeind

vom Institut für Klinische Chemie

und Klinische Pharmakologie. Preise

für Nachwuchsgruppen erhielten in

dieser Reihenfolge Dr. med. Stefan

Remy von der Klinik und Poliklinik

für Epileptologie, Dr. med. Evelyn

Gaffal von der Klinik und Poliklinik

für Dermatologie und Allergologie

und Dr. med. Daniela Wenzel vom

Institut für Physiologie I.

Walter-Christaller-Preis 2010

Rebekka Oostendorp erhielt für

ihre hervorragende Diplomarbeit

den mit 1.500 Euro dotierten Walter-

Christaller-Preis 2010 des Deutschen

Verbands für Angewandte Geographie

(DVAG). Unter dem Thema „Aktivitäten

und Aktionsräume älterer Menschen.

Kommunale Handlungsfelder

für ein aktives Altern in der Stadt Euskirchen“

zeichnet sie nicht nur ein sehr

differenziertes Bild des Alltags älterer

Menschen, sondern gibt darüber hinaus

Handlungshinweise für Kommunen

und verknüpft wissenschaftliche

Gründlichkeit mit allgemeinem Verständnis.

Betreuer war Professor Dr.

Manfred Nutz.

Postdoktorandenpreis

der Robert-Koch-Stiftung

Dr. Tanja Schneider wurde von der

Robert-Koch-Stiftung e.V mit einem

von drei Postdoktoranden-Preisen

2010 ausgezeichnet. Die wissenschaftliche

Mitarbeiterin im Labor von Prof.

Dr. Hans-Georg Sahl von der Medizinischen

Mikrobiologie für Pharmazeuten

gehört damit aus Sicht der Jury

zu den besten und originellsten Forschern

ihrer Altersklasse, die in den

führenden Journalen publiziert haben.

Gewürdigt wurde Dr. Schneider

für Untersuchungen zur Charakterisierung

neuer antimikrobieller Substanzen.

Sie hat insgesamt 13 Beiträge

in hochrangigen Journalen publiziert

und ihre Arbeiten auf mehreren nationalen

und internationalen Kongressen

vorgestellt.

Bürgermedienpreis

Lisa Mattil, Christian Esser und

Eva Adelseck vom Sender bonncampus

96,8 haben in der Kategorie

Hörspiel/Feature/monothematische

Sendung den Bürgermedienpreis

Bürgerfunk NRW 2010 der Landesanstalt

für Medien gewonnen.

Hauptkriterien sind lokaler Bezug und

Kreativität. In Kooperation mit dem

Bürgerfunksender Studio 1 hatten die

Drei ihr Feature zum Thema „Was

wäre ein Leben ohne den Tod? Tod

und Trauer in unserer Gesellschaft“

eingereicht. Ausgehend von der Arbeit

der Bonner Rechtsmedizin und

eines Bestattungsunternehmen ging

es zum Beispiel um den ersten Präp-

Kurs einer Medizinstudentin oder den

Umgang einer Psychiatrieschwester

mit dem Suizid von Patienten.

Erstmals: BAS-Förderpreis

Christian Klingler ist der erste

Träger des Förderpreises, den der

Verein für Amerikanistische Studien

(BAS) anlässlich seines 40. Jubiläums

für eine hervorragende Magisterarbeit

im Bereich der Altamerikanistik

ausgeschrieben hatte. Er erhielt den

mit 1.000 Euro dotierten Preis für

seine Arbeit „Wíinik ku suutkubaj de

ba‘alche‘ Der Mensch, der sich in ein

Tier verwandelt: Das Phänomen der

wáayo‘ob unter der mayasprachigen

Bevölkerung Yucatáns“.

Lempertz-Preis 2010

Dr. des. Kirsten Lee Bierbaum

erhielt den Lempertz-Preis 2010. Der

alle zwei Jahre für exzellente Dissertationen

in der Kunstgeschichte verliehene,

mit 5.000 Euro dotierte Preis

wurde 1995 von dem internationalen

Kunsthaus Lempertz gestiftet. Der

Inhaber Prof. Dr. Henrik R. Hanstein

persönlich übergab die Auszeichnung

für die Arbeit „Die Ausstattung

des Lateranbaptisteriums S. Giovanni

in Fonte unter Urban VIII“, betreut

von den Professoren Dr. Roland Kanz

(Bonn) und Dr. Hans Ost (Köln).

Turbo-Preis für Geodäten

Anne Springer, jahrgangsbeste

Bachelorstudentin der Geodäsie und

Geoinformation, und die drei besten

Master-Absolventen Lisa Bernhard,

Christian Eling und Christoph Holst

erhielten den „Turbo-Preis“ des Deutschen

Vereins für Vermessungswesen.

Er setzt nicht nur Bestnoten voraus,

sondern auch einen Abschluss in der

Regelstudienzeit. Der Bachelorpreis

ist mit 400 Euro dotiert, die Masterpreise

mit jeweils 1.000 Euro.

Beste Physik-Bachelors geehrt

Gemeinsam mit der Universität

vergab die Stiftung Physik und Astronomie

in Bonn Preise als Ansporn für

die zehn besten Physik-Studierenden

des Bachelor-Jahrgangs 2009/2010.

Buchpreise im Wert von 150 Euro

gingen an: Michel Thomas Borchard,

Pascal Cremer, Lisa Feustel, Melanie

Hampel, Alexander Harder, Niklas

Kulke, Maximilian August Wilhelm

Oehm, Lara Katharina Schildgen,

Florian Martin Seidler und Jonathan

Zopes.


Vorgestellt

Professor

Dr. Moritz

Brinkmann,

LL.M.,

Rechts- und

Staatswiss.

Fakultät

Prof. Dr. Moritz Brinkmann ist

seit November 2010 Inhaber des

Lehrstuhls für Bürgerliches Recht,

deutsches und europäisches Zivilverfahrensrecht

sowie Insolvenzrecht

(Nachfolge Prof. Dr. Eberhard

Schilken). Er hat in Hamburg und

Heidelberg Rechtswissenschaften

studiert und promovierte 2000 an

der Universität Heidelberg. Das

Referendariat absolvierte er am

Berliner Kammergericht. Nach

einem Aufenthalt an der McGill

University (Montréal) als Stipendiat

des Bucerius-Jura-Programms

der Studienstiftung war er Wissenschaftlicher

Assistent am Institut

für Verfahrensrecht der Universität

zu Köln. Er wurde 2009 mit einer

Arbeit zum Kreditsicherungsrecht

habilitiert.

Professor

Dr. Heiko

Röglin

Mathe-

matisch-

Naturwiss.

Fakultät

Dr. Heiko Röglin wurde zum W2-

Professor für Theoretische Informatik

ernannt. Geboren 1981,

studierte er Informatik an der

Universität Dortmund und promovierte

2008 an der RWTH Aachen.

Nach einem zweimonatigen Aufenthalt

als Gastwissenschaftler bei

Microsoft Research in Peking ging

er für ein Jahr als DAAD-Stipendiat

an die Boston University. 2009

trat er eine Stelle als Assistant Professor

für Operations Research an

der Universität Maastricht an. Seine

Arbeitsschwerpunkte sind die

Analyse von Algorithmen und die

algorithmische Spieltheorie.

Professor Dr.

Wolfgang Lück

Mathematisch-

Naturwiss.

Fakultät

Prof. Dr. Wolfgang Lück wurde zum

W3-Professor im Exzellenzcluster der

Mathematik am Hausdorff-Institut für

Mathematik ernannt (Nachfolge Prof.

Dr. Matthias Kreck). Er studierte Mathematik

und Physik in Göttingen und

absolvierte Diplom wie Promotion mit

Auszeichnung. Seit 1982 war er Wiss.

Mitarbeiter, dann Hochschulassistent

und nach der Habilitation 1989 C2-

Oberassistent am Mathematischen

Institut der Georg August-Universität

Göttingen. 1990 ging er als Associate

Professor (with tenure) an die University

of Kentucky, Lexington/USA und

übernahm nach seiner Rückkehr Ende

1991 eine C3-Professur an der Johannes

Gutenberg-Universität Mainz.

1996 wechselte er an die Westfälische

Wilhelms-Universität in Münster.

Prof. Dr. Lück ist Träger des Max-

Planck-Forschungspreises und des

Gottfried Wilhelm Leibniz-Preises.

Professor Dr.

Andreas Meyer

Landwirtschaftliche

Fakultät

Dr. Andreas Meyer wurde zum W2-

Professor für Chemical Signalling ernannt.

Er studierte Biologie in Münster

und promovierte 1995 in Karlsruhe.

Nach Postdoc-Phasen in Oxford (UK)

und Freiburg übernahm er die Vertretung

einer Professur für Molekulare

Zellbiologie der Pflanzen in Karlsruhe,

bevor er 2003 an nach Heidelberg

wechselte und sich dort 2008 für das

Fach Botanik habilitierte. Forschungsschwerpunkte

sind die Untersuchung

der zellulären Redoxhomöostase und

redox-vermittelter Signaltransduktion

sowie der Glutathionmetabolismus in

Pflanzen.

Fotos: privat

Meldungen

Katholisch-Theologische Fakultät

Priv.-Doz. Dr. René Buchholz

wurde zum apl. Professor ernannt.

Priv.-Doz. Dr. Rainer Schwindt

wurde zum Professor für Biblische

Theologie/Neutestamentliche Exegese

an der Universität Koblenz-Landau

ernannt.

Der em. Professor für Christliche

Gesellschaftslehre, Prälat Dr. Lothar

Roos, wurde mit der Ehrendoktorwürde

der Katholischen Universität

Lublin/Polen ausgezeichnet.

Der polnische Kirchenrechtsprofessor

Apost. Protonotar Dr. Remigiusz

Sobanski, Ehrendoktor der

Fakultät für seine Verdienste um die

Partnerschaft mit der damaligen Warschauer

Theologischen Akademie,

verstarb am 11. Dezember 2010.

Rechts- und Staatswissen-

schaftliche Fakultät

Gleich zwei am Institut für Römisches

Recht und Vergleichende Rechtsgeschichte

entstandene Arbeiten

wurden im Rahmen des VIII. Premio

Romanistico Internazionale „Gérard

Boulvert“ in Rom ausgezeichnet. Dr.

iur. Sebastian Lohsse erhielt für seine

Doktorarbeit „Ius adcrescendi Die

Anwachsung im römischen Vermächtnisrecht“

den Preis der Juristischen

Fakultät der Universität Neapel, Priv.-

Doz. Dr. iur. Jakob Fortunat Stagl den

Franco Salerno-Preis für seine Habilitationsschrift

„Favor dotis Die

Privilegierung der Mitgift im System

des Römischen Rechts“. Der alle drei

Jahre ausgeschriebene Boulvert-Preis

und die Nebenpreise sind die wichtigste

Auszeichnung auf dem Gebiet der

antiken Rechtsgeschichte und einer

der prestigeträchtigsten internationalen

Preise in der Rechtswissenschaft.

Mit zwei prämierten Arbeiten hält das

Bonner Institut seine weltweite Spitzenposition

bei der Vergabe aufrecht.

Professor Dr. Hendrik Hakenes,

Universität Hannover, wurde mit Wirkung

vom 1. März zum Universitätsprofessor

für Betriebswirtschaftslehre

mit Schwerpunkt Finanzwirtschaft

am Institut für Wirtschafts- und Gesellschaftswissenschaften

ernannt

(Nachfolge Prof. Dr. E. Theissen).

Dr. Alexander Stremitzer, Yale

M E N S C H E N

forsch 1/2011 universitätbonn

49


M E N S C H E N

Meldungen

50 forsch 1/2011 universitätbonn

University, hat den Ruf auf die befristete

W2-Professur für Law and Economics

angenommen.

Prof. Dr. Carl-Friedrich Stuckenberg,

Universität des Saarlandes, hat

den Ruf auf die W3-Professur für

Strafrecht und Strafprozessrecht angenommen.

Medizinische Fakultät

Dr. Evrim Anadol, Medizinische

Klinik I/Allgemeine Innere Medizin,

erhält für ihr Forschungsprojekt das

MSD-Stipendium HIV/AIDS, dotiert

mit 12.000 Euro.

Dr. univ. Ildiko Bilkei-Gorzo,

wissenschaftliche Mitarbeiterin am

Institut für Molekulare Psychiatrie,

erhielt die venia legendi für das Lehrgebiet

Molekulare Psychiatrie.

em. Prof. Dr. Hubertus Büchs,

Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde,

ist am 30. Oktober 2010 im Alter von

89 Jahren verstorben.

Prof. Dr. Andreas Hirner, Klinik

und Poliklinik für Allgemein-, Viszeral-,

Thorax- und Gefäßchirurgie, trat

mit Ablauf des November 2010 in den

gesetzlichen Ruhestand.

Prof. Dr. Jörg Kalff wurde in

Nachfolge von Prof. Dr. Andreas

Hirner auf die W3-Professur an der

Klinik und Poliklinik für Allgemein-,

Viszeral-, Thorax- und Gefäßchirurgie

berufen.

Dr. rer. nat. Jutta Elisabeth Maria

Kirfel, wissenschaftliche Angestellte

am Institut für Pathologie, erhielt die

venia legendi für Molekulare und Experimentelle

Pathologie.

Dr. med. Luisa Hildegard Klotz,

wissenschaftliche Assistentin an der

Klinik für Neurologie, erhielt die venia

legendi für Neurologie.

Dr. Natalija Novak, Universitätsprofessorin

auf Zeit für Immundermatologie,

ist zur Universitätsprofessorin

W2 ernannt worden.

Dr. med. Matthias Martin Lucius

Pölcher, Oberarzt in der Allgemeinen

Frauenheilkunde und Gynäkologischen

Onkologie, erhielt die venia legendi

für das Lehrgebiet Gynäkologie

und Geburtshilfe.

Dr. med. Matthias Frank Seidel,

wissenschaftlicher Angestellter an der

Medizinischen Klinik und Poliklinik

I, erhielt die venia legendi für Innere

Medizin.

Dr. Valentin Stein, Max-Planck-

Institut Martinsried, hat den Ruf auf

die W2-Professur für Neurophysiologie

angenommen (Nachfolge Prof. Dr.

Anton Wernig).

Dr. Jonel Trebicka, Medizinische

Klinik und Poliklinik I, erhielt

die Ludwig-Heilmeyer-Medaille in

Silber, dotiert mit 5.000 Euro. Die

Gesellschaft für Fortschritte in der Inneren

Medizin verleiht den Preis alle

zwei Jahre für grundlegende Arbeiten

über aktuelle Themen, hier zur Leberzirrhose.

Prof. Dr. Karl-Heinz Utz, Poliklinik

für Zahnärztliche Prothetik,

Propädeutik und Werkstoffwissenschaften,

wurde einstimmig zum Präsidenten

der Deutschen Gesellschaft

für Funktionsdiagnostik und Therapie

(DGFDT) gewählt, einer Fachgruppierung

der Deutschen Gesellschaft

für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde.

Die Amtszeit beträgt drei Jahre.

Dr. med. Rolf-Michael Walther,

Senior Immundosist Malaria Programm,

MRC Laboratories Fagara

Gambia, erhielt die venia legendi für

das Lehrgebiet Tropenmedizin und

Infektionsimmunologie.

Prof. Dr. Thomas-Friedrich Wienker,

Institut für Medizinische Biometrie,

Informatik und Epidemiologie,

tritt mit Ablauf des Monats Februar in

den gesetzlichen Ruhestand.

Philosophische Fakultät

em. Prof. Dr. Karl Heinz Daniels,

Deutsche Sprache und Literatur sowie

Didaktik, ist am 20. November

2010 wenige Tage vor Vollendung

seines 82. Lebensjahres verstorben.

Er wurde 1968 Professor an der Pädagogischen

Hochschule Rheinland/

Abteilung Bonn und lehrte nach deren

Auflösung bis zu seiner Pensionierung

1993 an der Pädagogischen Fakultät

der Universität Bonn.

em. Prof. Dr. Hermann-Josef Fisseni

ist am 16. Dezember 2010 kurz

vor Vollendung seines 78. Lebensjahres

verstorben. Von 1982 bis zu

seiner Emeritierung 1998 war er am

Psychologischen Institut in der Diagnostik,

Persönlichkeitspsychologie

und Gerontologie tätig und verfasste

als Klassiker geltende Lehrbücher.

Prof. Dr. Wolfgang Kubin, Institut

für Orient- und Asienwissenschaften,

tritt mit Ablauf des Februar in den

gesetzlichen Ruhestand.

Dr. Dirk Lanzerath, Geschäftsführer

des Deutschen Refe-

renzzentrums für Ethik in den Biowissenschaften

(DRZE) und Dozent

am Philosophischen Seminar, wurde

für eine weitere Amtsperiode vom

Vorstand der Bundesärztekammer in

die Zentrale Ethikkommission bei der

Bundesärztekammer in Berlin wiederberufen.

Dr. Dr. h. c. Harald von Petrikovits

ist am 29. Oktober 2010 im Alter

von 99 Jahren verstorben. Der Direktor

des Rheinischen Landesmuseums

Bonn war seit 1961 Honorarprofessor

für Provinzialarchäologie und Geschichte

der Rheinlande in Römischer

Zeit.

Prof. Dr. Ernst Portner, Neuere

Geschichte, ist am 27. Oktober 2010

im Alter von 85 Jahren verstorben.

Er war ein begeisterter und beliebter

akademischer Lehrer und bis zuletzt

als solcher engagiert.

Prof. Dr. Sabine Sielke hat den

Ruf auf die Universitätsprofessur

für Amerikanistik an der Universität

Wien abgelehnt.

Prof. Dr. Ernst Konrad Specht,

Philosophie, ist am 8. Oktober 2010 im

Alter von 84 Jahren verstorben. Er habilitierte

sich 1961 in Bonn und lehrte

bis zu seiner Pensionierung 1991 hier.

Schwerpunkt seiner wissenschaftlichen

Arbeit war die Philosophie des

20. Jahrhunderts.

Prof. Dr. Stefan Zimmer, Institut

für Anglistik, Amerikanistik und Keltologie,

trat mit Ablauf des Dezember

2010 in den Ruhestand.

Mathematisch-Naturwissenschaftliche

Fakultät

Im Jahr 2009 gingen gleich zwei

von vier Phoenix-Pharmazie-Wissenschaftspreisen

an die Pharmazie der

Universität Bonn. Prämiert werden

ausgewählte, in Fachmagazinen veröffentliche

Forschungsarbeiten mit

jeweils 10.000 Euro. Ausgezeichnet

wurde zum einen die Arbeitsgruppe

von Prof. Dr. Christa E. Müller,

Pharmazeutische Chemie, mit Younis

Baqi, Kerstin Atzler, Meryem Köse

und Markus Glänzel. Zum anderen

wurde die Arbeitsgruppe in der Pharmazeutischen

Technologie unter der

Leitung von Prof. Dr. Alf Lamprecht

mit Saad Hasani und Yann Pellequer

geehrt.

Priv.-Doz. Dr. Sven Beuchler,

Senior Postdoc an der Österreichischen

Akademie der Wissenschaften


in Linz/Professorenvertreter an der

Universität Bonn, wurde zum W2-

Professor für Wissenschaftliches

Rechnen/Numerische Simulation ernannt

(Nachfolge Prof. Krause).

Prof. Dr. Karsten Buse, Experimentalphysik,

ist seit Jahresbeginn

neuer Leiter des Fraunhofer-Instituts

für Physikalische Messtechnik in

Freiburg und gleichzeitig Professor an

der Universität Freiburg.

Dr. Sven Jan Freudenthal, Akademischer

Oberrat am LIMES, wurde

zum Akademischen Direktor

ernannt.

Dr. Thorsten Geisler-Wierwille,

Wiss. Assistent (Heisenberg-Stipendiat)

Uni Hamburg/Uni Münster, wurde

zum W2-Professor für Geochemie ernannt

(Nachfolge Prof. Münker).

Prof. Dr. Hans-Werner Hammer,

Helmholtz-Institut für Strahlen- und

Kernphysik, wurde vom Council der

American Physical Society (APS)

zum Fellow gewählt.

Priv.-Doz. Dr. Diana Imhof,

Friedrich-Schiller-Universität Jena,

wurde zur W2-Professorin für Medizinische

Chemie/Wirkstoffsynthese

ernannt.

em. Prof. Dr. Dr. h. c. Wilhelm

Klingenberg ist im Alter von 86 Jahren

verstorben. Von 1966 bis zu seiner

Emeritierung 1989 hatte er den

Lehrstuhl für Geometrie am Mathematischen

Institut inne. In dieser Zeit

baute er das Gebiet der Differentialgeometrie

national und international mit

auf und prägte es maßgeblich.

Prof. Dr. Kurt Recker, Mineralogie

und Kristallographie, ist am 15.

Dezember 2010 im Alter von 86 Jahren

verstorben.

Prof. Dr. Walter Jürgen Schwille,

Physikalisches Institut, ist am 6. November

2010 im Alter von 72 Jahren

verstorben. Unter seiner Leitung entstand

der SAPHIR-Detektor, der entscheidende

Daten u.a. zur Erzeugung

„seltsamer Teilchen“ lieferte; auch

nach dem Eintritt in den Ruhestand

2003 blieb er bis zu seinem plötzlichen

Tod in der Forschung engagiert.

Prof. Dr. Clemens Simmer, Allgemeine

und Experimentelle Meteorologie,

erhielt den Georgi-Preis der

GeoUnion 2010. Der Preis ist mit 7.000

Euro dotiert. Gewürdigt wurden seine

hervorragenden und innovativen Arbeiten

zur Verwendung von Messwerten

in numerischen Wettermodellen

und seine Initiativen zur Vernetzung

der meteorologischen Forschung in

Deutschland.

Prof. Dr. Matthias Winiger, Geographie,

tritt mit Ablauf des März in

den gesetzlichen Ruhestand.

Max-Planck-Institut

für Mathematik

Prof. Dr. Gerd Faltings, Direktor

am MPI, wurde für seine bahnbrechenden

Methoden zur arithmetischen Geo-

metrie ausgezeichnet: Er erhielt den

Heinz-Gumin-Preis für Mathematik

der Carl-Friedrich-von-Siemens-Stiftung

München, der mit 50.000 Euro

als höchstdotierter Mathematikpreis

in Deutschland gilt. Zu den zahlreichen

Auszeichnungen des Wissenschaftlers

gehört die Fields-Medaille,

eine Art Nobelpreis der Mathematik.

Alexander von Humboldt-Stiftung

Dr. Tat‘ána Vykypêlova aus

Brno/Brünn (Tschechische Republik)

ist seit Anfang Januar bis Ende

Mai als Forschungsstipendiatin in

der Slavistik am Institut für Sprach-,

Medien- und Musikwissenschaft zu

Gast.

Aus Technik und Verwaltung

25. Dienstjubiläum

Philipp Müller, Radioastronomie, am

3. Dezember 2010

Sven-Olof Härtzsch, Abteilung 5.1/

Kasse, am 7. Dezember 2010

Reiner Reintgen, Institut für Geschichtswissenschaft,

am 15. Januar

Hans-Wilhelm Schäfer, Abteilung 4.1,

am 15. Januar

Sabine Gummersbach, Institut für

Skandinavistik, am 3. Februar

Dr. Peter Stauder, Universitäts- und

Landesbibliothek Bonn, am 3. Februar

40. Dienstjubiläum

Friedhelm Marx, Institut für Lebensmittelwissenschaft

und Lebensmittelchemie,

am 1. Februar

In den Ruhestand verabschiedet

Jörg Seul, Helmholtz-Institut, am 30.

November 2010

Bernd Neff, Physikalisches Institut,

am 30. November 2010

Nydia Heber, Institut für Internationales

Privatrecht, am 31. Dezember 2010

Clemens Bücher, Physikalisches Institut,

am 31. Dezember 2010

Franz-Josef Feuser, Verwaltung/Abt.

4.3, am 31. Januar

Dieter Zedow, Laborleiter am Institut

für Organischen Landbau, ist seit

1968 an der Uni Bonn. Damals hat er

hier gelernt, seit mehr als zehn Jahren

ist er selbst Ausbilder. Mit viel Engagement

koordiniert er außerdem die

Ausbildung der Che-

mielaboranten und

wirbt bei Messen um

motivierten Nachwuchs

für die Uni

Bonn. Aus der Humangenetikwechselte

Dieter Zedow in

die Ernährungswissenschaft

und dann

in den organischen

Landbau und ist davon dank seiner

Vorkenntnisse über Lebensmittelqualität

sehr überzeugt. Vor der offiziellen

Urkundenübergabe zum 40. Dienstjubiläum

durch Kanzler Dr. Reinhardt

Lutz gab es Ende Oktober eine Institutsfeier,

bei der sein Chef Professor

Dr. Ulrich Köpke zusammen mit dem

Team gratulierte.

Auch Regine Margarete Fuchs

aus der Universitäts- und Landesbibliothek

blickt auf 40 Jahre im öffentlichen

Dienst zurück. Kanzler Dr.

Reinhardt Lutz gratulierte und ließ

sich von ihren unterschiedlichen Arbeitsbereichenerzählen:

Einerseits ist

sie für die Altbestände

zuständig, andererseits

für digitale

Inhalte wie moderne

Datenbanken und

e-books. Bevor sie

nach Bonn kam, war

sie im Hochschulbibliothekszentrum

in Köln tätig: „Das ist sozusagen die

andere Seite, ein Dienstleistungszentrum

für Bibliotheken. Dort war die

Arbeit rein theoretisch, hier habe ich

endlich wieder richtige Bücher in der

Hand!“

Verstorben

Christa Eiblmair ist am 2. Januar im

Alter von 53 Jahren verstorben. Sie

war seit Ende 1981 am Institut für

Lebensmittel- und Ressourcenökonomik/Politik

und Märkte beschäftigt.

Korrektur: Elmar Barkhausen gehör-

te nicht dem Philosophischen, wie irrtümlich

in forsch 4/2010 gemeldet, sondern

dem Philologischen Seminar an.

M E N S C H E N

forsch 1/2011 universitätbonn

Foto: uk

Foto: Barbara Frommann

51


M E N S C H E N

�Ansgar Leitzke

im Technikraum von

Hörsaal X. Reibungslos

funktionierende Tontechnik

ist ein Muss

bei Veranstaltungen.

52 forsch 1/2011 universitätbonn

Last but not least

Ansgar Leitzke betreut als Veranstaltungsmeister in der Abteilung

Infrastrukturelles Facility Management Ereignisse aller Art an der

Uni Bonn. Besonders Veranstaltungen neben dem Alltagsgeschäft

Tagungen und Workshops ebenso wie Konzerte und Ausstellungen

erfordern nicht nur technische Betreuung, sondern müssen zahlreichen

Sicherheitsvorgaben entsprechen.

Herr Leitzke, warum gibt es nun

die Stelle eines Veranstaltungsmeisters

und was ist Ihre Aufgabe?

Ich kümmere mich um die technische

und rechtliche Organisation von

Veranstaltungen im Hauptgebäude

und Poppelsdorfer Schloss mit ihren

Innenhöfen. Dort gibt es Veranstaltungen

von ganz kleinen bis zum Universitätsfest

mit um die 5.000 Teilnehmern.

Zu den Vorgaben der Versammlungsstättenverordnung

NRW gehören

auch Organisationsstrukturen wie

eine Fachkraft und die Uni Bonn ist

eine der ersten, die 2009 mit mir einen

Meister für Veranstaltungstechnik eingestellt

hat.

Ein Rundbrief zur Versammlungsstättenverordnung

führte kürzlich zu

sehr vielen Rückfragen. Warum?

Viele sind verunsichert, ob und

wann sie betroffen sind. Niemand muss

reguläre Seminare, Vorlesungen und

Dienstbesprechungen in dafür vorgesehen

Räumen genehmigen lassen,

die der normalen Nutzungserlaubnis

IMPRESSUM

herausgegeben im Auftrag

von Rektorat und Senat

der Rheinischen

Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

von der

Abt. Presse und Kommunikation

Leiter:

Dr. Andreas Archut (verantwortlich)

Poppelsdorfer Allee 49, 53115 Bonn

Telefon 0228/73-7647

Fax 0228/73-7451

E-Mail forsch@uni-bonn.de

Foto: uk

forsch/Bonner Universitäts-Nachrichten

entsprechen. Hier geht es um Veranstaltungen

außerhalb des alltäglichen

Lehr- und Forschungsbetriebs: Tagungen,

Ausstellungen, Institutsfeiern

oder Studentenaktionen, außerdem

Termine von und mit externen Dritten.

Dafür müssen bauliche Voraussetzungen,

Brandschutz und Rettungswege

geprüft und eine Gefährdungsanalyse

erstellt werden. Das passiert in einem

mehrstufigen Punktesystem von Infotischen

und Kaffeeständen auf dem

Flur bis zu Sicherheitsvorkehrungen

bei prominenten Gästen. Manchmal

liegt der Unterschied nicht so auf

der Hand: Wenn zum Beispiel in der

Schlosskirche während eines Gottesdienstes

Orgel gespielt wird, ist das

etwas anderes als ein Orgelkonzert.

Ist dieser Aufwand auch bei einer

kleineren Veranstaltung nötig?

Im Zweifelsfall gilt: Lieber einmal

zuviel nachfragen. Denn selbst

wenn eine Veranstaltung nur 20 Teilnehmer

hat, müssen wir von belegten

Nachbarräumen ausgehen, vor allem,

wenn es für alle gemeinsam nur einen

Zugangsflur und damit Fluchtweg

gibt. Grundsätzlich sollte man die

Veranstaltung umso früher beantragen,

je größer oder ungewöhnlicher

sie ist. Denn gegebenenfalls muss

zusätzlich eine behördliche Genehmigung

eingeholt werden. Die Kollegen

der Abteilung 4.6/Kaufmännisches

Facility Management nehmen Anträge

entgegen, erfragen per Formular

Informationen zu der geplanten Veranstaltung,

veranlassen die fachtechnischen

Prüfungen und schließen die

Redaktion

Ulrike Eva Klopp (uk)

unter Mitarbeit von:

Dr. Andreas Archut (arc),

Frank Luerweg (fl)

Layout

Ulrike Eva Klopp, Wolfgang Bialek

Titel: Nicola Vernizzi/fotolia.com

forsch online und Archiv

www.forsch.uni-bonn.de

Umsetzung: Triantafillia Keranidou

Verträge. Auch wenn eine Veranstaltung

nicht genehmigungspflichtig ist,

ist es besser, wir wissen davon, falls

mal was passiert. Wir treffen uns wöchentlich

und sprechen aktuelle Anfragen

durch. Ohne Genehmigung trägt

allein der Veranstalter alle Haftungsrisiken

und Bußgelder gehen bis zu

500.000 Euro.

Sind auch wiederkehrende Veranstaltungen

betroffen?

Wir arbeiten daran, Rahmengenehmigungen

für eine immer gleiche

Nutzung des gleichen Raumes zu erteilen.

In den Hauptveranstaltungsorten

im Hauptgebäude, dem Poppelsdorfer

Schloss und einigen großen Hörsälen

wie dem Wolfgang Paul-Hörsaal geht

das einfacher. Aber wir müssen alle

in Frage kommenden Räumlichkeiten

in den über 300 Unigebäuden kennen

lernen deshalb das vorerst manchmal

etwas verzögerte Verfahren.

Veranstaltungen müssen von fachlich

geschultem Personal begleitet

werden. Wer ist das?

In allen Arbeitseinheiten sollte jemand

diese Schulung mitmachen. Die

ersten Teilnehmer waren skeptisch

und haben sich schließlich sehr positiv

geäußert. 2011 gibt es vier zweitägige

Schulungen.

Was ist dabei die größte Herausforderung

für Sie und Ihre Kollegen?

Zu zeigen, dass der Eindruck, wir

wollten Veranstaltungen verhindern,

nicht stimmt. Wir wollen sie nach gesetzlichen

Vorgaben sicherer machen!

Notfalls schlagen wir Alternativen vor

und mussten bisher sehr wenige Absagen

erteilen.

Und was macht am meisten Freude?

Pannen, die das Publikum nicht

oder kaum bemerkt. UK/FORSCH

Druck & Anzeigenverwaltung

Köllen Druck+Verlag

Ernst-Robert-Curtius-Str. 14

53117 Bonn-Buschdorf

Tel.: 0228/98982-0

Fax: 0228/98982-22

E-Mail: druckverlag@koellen.de

Auflage: 15.000

nächste Ausgabe: Juli

Für Mitglieder der Universitätsgesellschaft

Bonn Freunde, Förderer, Alumni. e.V. ist

der Bezug im Mitgliedsbeitrag enthalten.

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