Tourismus in Castrisch

castrisch

Tourismus in Castrisch

Gemeinde Castrisch

Kommission für Tourismus Juni 2006

Tourismus in Castrisch

Grundlagen und Entwicklungsmöglichkeiten

Gemeinde Castrisch

Bericht der Kommission für Tourismus

1. Juni 2006


Impressum

Herausgeber

Gemeinde Castrisch

Kommission für Tourismus

Redaktion

Bonolini Randolf

Caduff Giachen

Caveng Irma

Cavigilli Conrad

Caviezel Reto

Isenmann Markus

Postadresse

Gemeindeverwaltung Castrisch

Schulhaus, Casut 212

7126 Castrisch

Telefon: 081 925 18 82

Fax: 081 936 03 69

E-Mail: info@castrisch.ch


Vorwort

Der vorliegende Bericht ist kein Marketingkonzept, auch kein Massnahmenplan. Er

beschreibt kurz die regionale und kommunale Bedeutung des Tourismus, klärt den

Handlungsbedarf, und diskutiert drei Möglichkeiten, dem Tourismus auf Gemeindeebene

zu begegnen.

Der Bericht richtet sich an den Gemeindevorstand und an die interessierte

Bevölkerung von Castrisch.

Während der Arbeiten ist das Bewusstsein gestiegen, dass auch die für den regionalen

Tourismus weniger bedeutenden Gemeinden wie Castrisch einen aktiven Beitrag an die

touristische Entwicklung leisten können, um die regionale Wirtschaft in Schwung zu

bringen. Dies betrifft vor allem die Organisation, Koordination, Vernetzung und

Vermittlung der touristischen Angebote. Wir streben den Aufbau einer starken regionalen

Tourismusorganisation der Surselva an. Um dieses Ziel zu erreichen, müssen in den

Gemeinden die Voraussetzungen dafür geschaffen werden. Insofern richtet sich dieser

Bericht auch an denjenigen Nachbargemeinden, die sich noch nicht eingehend mit dem

Tourismus auseinandergesetzt haben. Viele im Bericht aufgearbeitete Grundlagen haben

gemeindeübergreifende Gültigkeit.

Das Zusammentragen aller für den Bericht erforderlichen Informationen war nur

möglich, weil uns viele Personen und Organisationen unterstützt haben. Hier möchten wir

uns bei allen bedanken, die uns Informationen zur Organisation des Tourismus und

betriebsinterne Statistiken oder andere Fakten geliefert haben. Insbesondere möchten

wir uns bei Andrin Perl der Kommission Stadtmarketing Ilanz, bei Enzo Schäffeler, dem

regionalen Betriebsleiter der RhB und beim Wirtehepaar unserer Dorfbeiz bedanken.

Castrisch, Juni 2006

Kommission für Tourismus Castrisch


Tourismus in Castrisch Bericht der Kommission für Tourismus

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Juni 2006

Inhaltsverzeichnis ................................................................................................ 1

Zusammenfassung ............................................................................................... 3

1. Einleitung .............................................................................................. 4

1.1. Auftrag an die Kommission.................................................................... 4

1.2. Zur Bedeutung des Tourismus für die Region ........................................... 4

1.3. Der Tourismus kennt keine Gemeindegrenzen.......................................... 5

1.4. Tourismus und Wohlfahrt überschneiden und ergänzen sich ....................... 6

2. Der Tourismus in Castrisch ....................................................................... 7

2.1. Bestehende Angebote........................................................................... 7

2.2. Potenziale und neue Ideen für Angebote und Einrichtungen ....................... 7

2.3. Logiernächte ....................................................................................... 8

2.4. Stärken .............................................................................................. 8

2.5. Chancen ............................................................................................. 9

2.6. Schwächen ......................................................................................... 9

2.7. Risiken ............................................................................................. 11

3. Organisation und Finanzierung der Tourismusförderung .............................. 12

3.1. Tourismusorganisation auf Gemeindeebene ........................................... 12

3.2. Die drei Säulen bei der Finanzierung von Tourismusorganisationen ........... 13

3.3. Eine ausgewogenere Kostenverteilung durch TFA und Kurtaxe.................. 14

3.4. Einnahmenpotenzial der Gemeinde Castrisch ......................................... 15

4. Kurtaxe ............................................................................................... 15

4.1. Was ist die Kurtaxe und wer hat sie zu entrichten? ................................. 15

4.2. Wofür können Kurtaxengelder eingesetzt werden? .................................. 16

5. Tourismusförderungsabgabe (TFA) .......................................................... 16

5.1. Was ist die Tourismusförderungsabgabe? .............................................. 16

5.2. Wofür können die Mittel aus der TFA eingesetzt werden? ......................... 17

5.3. Wer hat die Tourismusförderungsabgabe zu entrichten? .......................... 17

6. Varianten zum Umgang mit dem Tourismus in Castrisch ............................. 18

6.1. Variante "Status Quo: Kein Tourismusorgan, keine TFA, keine Kurtaxe"..... 18

6.2. Variante "Tourismusorgan ohne TFA und Kurtaxe, gemeindefinanziert"...... 19

6.3. Variante "Tourismusorgan mit Kostenverteilung durch TFA und Kurtaxe" ... 19

6.4. Beurteilung der Varianten nach ihren Stärken und Schwächen.................. 20

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Tourismus in Castrisch Bericht der Kommission für Tourismus

Juni 2006

7. Fazit und Empfehlungen der Kommission.................................................. 21

7.1. Vermitteln, vernetzen, koordinieren und kommunizieren ......................... 21

7.2. Voraussetzungen auf Gemeindeebene für eine regionale Organisation ....... 21

7.3. Finanzielle Rahmenbedingungen stärken und Kosten besser verteilen........ 21

Verzeichnis der Anhänge ..................................................................................... 23

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Tourismus in Castrisch Bericht der Kommission für Tourismus

Zusammenfassung

Juni 2006

Zusammenfassend stellen wir fest, dass Castrisch Angebote und touristische

Potenziale hat, die besser genutzt werden könnten. Diese gründen vor allem auf die

vielfältige und erlebnisreiche Natur- und Kulturlandschaft, auf die Landwirtschaft und auf

Aktivitäten der Vereine. Der Charakter des kleinen Bergdorfes mit seinen "Streglias",

Scheunen, Obstgürtel und Brunnen bietet eine besondere Atmosphäre und Ruhe. Die

touristischen Attraktionen in der Region sorgen für einen grossen Gästeauflauf, was uns

die Möglichkeit bietet, eine grosse Kundschaft für Produkte und Dienstleistungen

unmittelbar in unserer Umgebung zu gewinnen. Viele Ortsansässige erbringen in den

Nachbargemeinden Vorleistungen für touristische Unternehmen oder arbeiten direkt im

Tourismus.

Ein gemeindeübergreifendes, gut vernetztes, gut organisiertes und vermitteltes

regionales Angebot würde dem Gast Vielfalt, Wahlmöglichkeiten und Individualität in der

Gestaltung seiner Ferien oder Freizeit bieten. Leider ist das heute in der Region nicht der

Fall: Angebote einheimischer Firmen und Privatpersonen sind zu wenig bekannt. Bei

Marketing- und Kommunikationsleistungen herrscht Handlungsbedarf. Es mangelt an

Koordination im Tourismusangebot, die Kooperation ist ungenügend, die Vermarktung

ineffektiv.

Für die Initiative Einzelner müssen bessere Rahmenbedingungen geschaffen werden.

Die Gemeinde muss sich für die Verbesserung der Rahmenbedingungen für den

Tourismus in der Gemeinde und in der Region einsetzen. Die Koordination,

Kommunikation, Vernetzung und Vermittlung im Tourismus ist strukturell zu organisieren

und zu fördern. Wir empfehlen daher, eine Kommission einzusetzen, um die Bildung einer

regionalen Lösung voranzutreiben und die damit verbundenen Anpassungen auf

Gemeindeebene vornehmen zu können. Falls dies nicht gelingt, sollte sich eine

Kommission den oben genannten Aufgaben widmen, bestehend aus maximal drei

Mitgliedern, mit einem Vertreter des Gemeindevorstands als Bindeglied zur politischen

Gemeinde.

Die Finanzierung der Organisation des Tourismus lässt sich relativ einfach lösen,

strategische Mängel zu beheben ist hingegen schwierig und aufwendig. TFA und Kurtaxen

bringen eine ausgewogenere Verteilung der Kosten für öffentliche, gästeorientierte

Einrichtungen, so dass die Nutzniesser der Investitionen die Kosten tragen und im

Gegenzug die Gemeinde entlastet wird.

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Tourismus in Castrisch Bericht der Kommission für Tourismus

1. Einleitung

1.1. Auftrag an die Kommission

Juni 2006

Die Kommission für Tourismus hat im Dezember 2005 den Auftrag von der

Gemeindeversammlung erhalten, Entscheidungsgrundlagen im Zusammenhang mit dem

Tourismus zu erarbeiten. Der Handlungsbedarf soll geklärt, sowie Möglichkeiten

aufgezeigt werden, dem Tourismus auf Gemeindeebene zu begegnen. Eine an der

Gemeindeversammlung aufgeworfene Kernfrage lautet, ob der Tourismus ein Thema für

Castrisch ist oder nicht.

1.2. Zur Bedeutung des Tourismus für die Region

Die gesamte Tourismuswertschöpfung in der Region Surselva beträgt 436.2 Mio. CHF 1

(2003). Dies entspricht einem Wertschöpfungsanteil von 38.4% an der regionalen

Wirtschaft. Der Tourismus ist in der Region von grosser Bedeutung: Er bezieht die

Vorleistungen 2 mehrheitlich in der Region und verkauft die Produkte hauptsächlich

ausserhalb der Region. Anders ausgedrückt steigert er indirekt auch die Nachfrage nach

nicht touristischen Dienstleistungen und Gütern, was zusätzliche Beschäftigung und

Wertschöpfung mit sich bringt. Viele Produktions-, Handels-, und Gewerbebetriebe

profitieren auf diese Weise indirekt vom Tourismus. Personen, die dank dem Tourismus

(direkt oder indirekt) beschäftigt sind, geben einen Teil ihres Einkommens wieder in der

Region aus, was zusätzliche Wertschöpfung bringt 3 . Auch Branchen, die gemeinhin nicht

dem Tourismus zugeordnet werden, verkaufen einen Teil ihrer Produkte und

Dienstleistungen an Gäste.

Beispiel 1, indirekte touristische Wertschöpfung: Bei den tourismusverwandten

Branchen steuern vor allem der Detailhandel 4 (224 Mio. CHF), die Banken (215 Mio. CHF)

und das Baugewerbe (211 Mio. CHF) einen wesentlichen Beitrag zur gesamten

touristischen Wertschöpfung in Graubünden (3.04 Mrd. CHF) bei. Die Immobilienbranche

und private Personen, die Wohnungen vermieten oder selbst nutzen, generieren sogar

1 Die Zahlen stimmen für das Jahr 2003, (Bühler und Minsch. (2003). Wertschöpfungsstudie. HTW Chur)

2 Leistungen von Unternehmen für touristische Unternehmen

3 Einkommenseffekt: Nachfrageänderung nach einem Gut, die infolge einer Änderung des Einkommens eintrifft.

4 z.B. Coop, Migros, Denner, Zinsli,...

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Tourismus in Castrisch Bericht der Kommission für Tourismus

Juni 2006

rund 389.5 Mio. CHF. Etwa 69.1 % der touristischen Wertschöpfung in Graubünden wird

direkt durch Umsätze von Gütern und Dienstleistungen mit Gästen generiert.

Bestimmte Dienstleistungen in der Region können nur bzw. können besser angeboten

werden, weil neben den ortsansässigen Gästen auch Touristen sie beanspruchen.

Einheimische profitieren auf diese Weise vom Tourismus, indem ihnen mehr

Dienstleistungen zur Verfügung stehen. Solche Impulse sind vergleichbar gering in

anderen Wirtschaftsbereichen, wie z.B. in der Waldwirtschaft.

Beispiel 2, indirekte Abhängigkeit vom Tourismus: Unsere Dorfbeiz erfüllt neben den

wirtschaftlichen auch wichtige gesellschaftliche Aufgaben: Sie ist unsere wichtigste

Begegnungsstätte und trägt dazu bei, dass unser Dorf ein Zentrum hat. Sie wird von

vielen Ortsansässigen sehr geschätzt. Ohne den Tourismus, der etwa 30% vom Umsatz 5

im Winter und 50% vom Umsatz im Sommer in der Beiz generiert, könnte sie heute in

der momentanen Form nicht existieren. Wie auch viele andere Dienstleistungen in der

Region (z.B. Dorfladen, Poststelle) ist sie auf beide Gäste angewiesen, auf den

Einheimischen und auf den Touristen.

Beispiel 3, indirekte Abhängigkeit vom Tourismus: Ohne die zusätzliche Nutzung der

öffentlichen Verkehrsmittel durch auswärtige Gäste müssten die Frequenzen 6 vom Zug,

bzw. Postauto reduziert, Haltestellen evtl. gestrichen, und möglicherweise sogar Linien

geschlossen werden. Die Touristen machen einen Anteil von etwa 40% 7 des Umsatzes

der RhB in der Region aus (ohne Durchgangsverkehr, Glacier Express). Bei den Postautos

ist der Anteil etwas geringer.

1.3. Der Tourismus kennt keine Gemeindegrenzen

Viele Gäste, die in Castrisch logieren, gehen ihren Aktivitäten in den umliegenden

Gemeinden nach. Auf der Seite der Beschäftigten finden sich viele Ortsansässige, deren

Tätigkeiten ganz oder teilweise dem Tourismus in anderen Gemeinden zuzurechnen sind.

Beispiel 4: Familien in den Skiferien, die in Castrisch eine Ferienwohnung mieten.

Beispiel 5: Sportartikelverkäufer, Bergführer oder Skilehrer, der in Castrisch wohnt.

Viele wichtige touristische Angebote sind schon wegen ihrer räumlichen Ausdehnung

nicht alleine auf dem Gemeindegebiet realisierbar.

5 Schätzung vom Wirt

6 Anzahl Fahrten pro Tag

7 Schätzung von E. Schäffeler, RhB, regionaler Verkaufsleiter Surselva (2006)

5


Tourismus in Castrisch Bericht der Kommission für Tourismus

Beispiel 6: Wanderwegnetze, Kanu, Nordic Fitness Park 8 , Biketrails

Juni 2006

Ein gemeindeübergreifendes, gut vernetztes, gut organisiertes und vermitteltes

regionales Angebot würde dem Gast Vielfalt, Wahlmöglichkeiten und Individualität in der

Gestaltung seiner Ferien oder Freizeit bieten.

Beispiel 7: Am frühen Morgen eine geführte Wild- oder Vogelbeobachtung, ein

gesunder Lauf auf dem Nordic Fitness Park oder ein verträumtes Ausschlafen in ruhiger

Umgebung, anschliessend ein gemütlicher Brunch beim Bauern, ein erlebnisreicher

Picknickausflug in der Ruinaulta oder ein Mittagessen in einem gastfreundlichen

Restaurant. Am Nachmittag erste Golfversuche in Sagogn, aufregendes River Rafting

durch die Rheinschlucht, eine historische Stadtführung in Ilanz oder ein Abstecher nach

Vals mit anschliessender Entspannung in der Therme. Am Abend ein Besuch eines

Events, Konzerts, einer kleinen Theatervorführung, oder ein gemütlicher Spaziergang

rund ums urchige und lebendige Bergdorf.

1.4. Tourismus und Wohlfahrt überschneiden und ergänzen sich

Viele Dienstleistungen und Einrichtungen werden gleichzeitig vom Fremdenverkehr

sowie von Ortsansässigen und vom Nahverkehr genutzt. In solchen Fällen deckt der

Begriff "Tourismus", welcher sich auf den Fremdenverkehr bezieht, die Gäste nicht

umfassend ab.

Beispiel 8: Der Wanderweg von Castrisch nach Valendas wird von Ortsansässigen

benutzt, von Touristen und von Spaziergängern aus den Nachbardörfern oder aus der

Stadt Ilanz.

Beispiel 9: Einige Spezialitäten unserer Bauern sind beliebt und finden bei

Ortsansässigen sowie auch bei Touristen Anklang.

Tourismusförderung und Wohlfahrtsaufgaben der Gemeinde überschneiden und

ergänzen sich (siehe Beispiel 8). In Hinblick auf den Unterhalt und die Förderung von

Infrastrukturen und Dienstleistungen ist es daher sinnvoller und umfassender den Gast

zu betrachten, und nicht alleine den Touristen.

8

Die Arbeitsgruppe Nordic Fitness Park und Ilanz Tourismus haben ein Projekt für einen Nordic Fitness Park

erarbeitet, mit dem Ziel, die stark wachsende Entwicklung dieses Gesundheitssports auch in unserer Region

besser fördern und unterstützen zu können.

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Tourismus in Castrisch Bericht der Kommission für Tourismus

2. Der Tourismus in Castrisch

2.1. Bestehende Angebote

Juni 2006

Im Anhang 1 sind die gästeorientierten Infrastrukturen und Angebote in Castrisch in

Form einer Bestandesaufnahme aufgelistet. Die bestehenden Angebote gründen vor

allem auf die vielfältige und erlebnisreiche Natur- und Kulturlandschaft. Wanderwege,

Winterwanderwege und Biketrails erschliessen die flussnahe Kulturlandschaft mit ihrer

hohen Biotopvielfalt und die struktur- und mosaikreiche Bergwiesenlandschaft (Cuolm).

Die vielfältige Flora und Fauna bietet Highlights wie z.B. die Fledermäuse, den Reichtum

an Vögel oder die Vielfalt an Orchideen. Der Agrotourismus etabliert sich langsam auch in

Castrisch. Die Angebote aus der Landwirtschaft sind z.B. der Direktverkauf der

hofeigenen Produkte, Apéros und Buffets für Partys und Hochzeiten, Hofführungen mit

Degustationen, Schlafen im Stroh, Ferien auf dem Bauernhof,... Die Dorfvereine sind

nicht für den Tourismus, sondern für die einheimische Bevölkerung da. Einige der

Infrastrukturen der Vereine werden von Einheimischen und von Touristen benutzt (z.B.

Langlaufloipe, Kinderskilift). Die Handwerker in Castrisch bieten zurzeit den Gästen fast

keine Dienstleistungen und Güter an. Das Angebot an Ferienwohnungen und -häuser hat

in den letzten Jahren zugenommen. Die Auslastung ist stark saisonal geprägt und könnte

verbessert werden.

Die wenigen bestehenden touristischen Angebote in Castrisch gründen auf die

Initiative Einzelner. Diese gestaltet sich heute vorwiegend sehr schwierig, u.a. aufgrund

der mangelhaften Organisation, Vernetzung, Vermittlung und Kommunikation der

touristischen Angebote in der Region (Beispiele und weitere Erläuterungen dazu, siehe

Kapitel 2.6).

2.2. Potenziale und neue Ideen für Angebote und Einrichtungen

Castrisch hat bereits einige Reize und Angebote. Es bestehen aber viele Möglichkeiten,

die Angebote noch zu erweitern. Da wir die Landschaft nicht verbauen und damit ihr

Charakter, ihr Bild und ihre Qualitäten erhalten wollen, muss dies im Rahmen des

"sanften Tourismus" geschehen. Castrisch hat das Potenzial, einerseits Erholung

suchenden Gästen etwas zu bieten, und andererseits auch Aktivitäten zu vermarkten.

Eine Liste mit neuen Ideen, Angeboten und Einrichtungen ist im Anhang 2 aufgeführt. Die

alten Handwerksberufe bieten ein bisher nicht genutztes Potenzial für Touristen und für

Gäste aus der nahen Umgebung (z.B. ein Angebot an Kurse oder Elebnistagen:

Holzskulpturen, Schnitzereien, Blockhausbauten, Bildhauerei, Schmiedekunst, Brot

backen, ...). Agrotouristische Angebote wie z.B. Schlafen im Stroh, Ferien oder Schule

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Tourismus in Castrisch Bericht der Kommission für Tourismus

Juni 2006

auf dem Bauernhof, Wellness auf der Alp oder ein Streichelzoo liegen im Trend und

sollten sich dank der guten Lage von Castrisch recht leicht vermarkten lassen. Die intakte

Kultur- und Naturlandschaft bietet neben der Erholungsfunktion Potenziale für sanfte

naturnahe Aktivitäten, wie z.B. für geführte Wildbeobachtungen, Spuren lesen im Schnee,

Waldspaziergänge mit dem Förster, Kräuter-Wanderungen, Kultur-Wanderungen, Besuch

der alten Minen in der Region oder für eine Megalithen-Route. Im Vordergrund bei der

Realisierung solcher Ideen steht die Initiative Einzelner, für die ansprechende

Rahmenbedingungen geschaffen werden müssen (mehr zu den Rahmenbedingungen in

Kapitel 2.5 und in Kapitel 3).

2.3. Logiernächte

Die Anzahl Logiernächte 9 in Castrisch schwankt bei den Ferienwohnungen zwischen

250 (1993) und 500 (1998) pro Jahr, die Zahl der Logiernächte in den

Gruppenunterkünften zwischen 0 (2003) und knapp 500 (2001) pro Jahr. Insgesamt

ergibt sich so eine durchschnittliche Summe von etwa 750 Logiernächten pro Jahr. Die

Anzahl Logiernächte in den Ferienwohnungen hat von 1992 bis 1998 kontinuierlich

zugenommen und sich fast verdoppelt, stagniert nun aber auf dem Niveau von 1998. Die

Gruppenunterkunft der Bertogg AG existiert nicht mehr. Diese Zahlen sind vergleichbar

mit denjenigen von Tiefenkastel, Bonaduz, Schnaus, Vrin und Ruschein.

2.4. Stärken

Der Charakter des kleinen Bergdorfes mit seinen "Streglias", Scheunen, Obstgürtel

und Brunnen bietet eine besondere Atmosphäre und Ruhe eingebettet in einer intakten,

facettenreichen Kulturlandschaft. Diese Eigenschaften grenzen unser Dorf von der Stadt

ab. Die touristischen Attraktionen in der Region sorgen für einen grossen Gästeauflauf,

was uns die Möglichkeit bietet, Kundschaft für Produkte und Dienstleistungen unmittelbar

in unserer Umgebung zu suchen. Die Stärken der Lage von Castrisch sind der gute

Anschluss an die RhB, der Beginn der Rheinschlucht, die Lage an der Strasse nach

Versam, und vor allem die Nähe zu Ilanz. Von Castrisch aus sind die vier touristischen

Zentren Laax, Disentis, Obersaxen und Vals sehr gut und schnell erreichbar. Der

öffentliche Verkehr ist in der Surselva stark ausgebaut und sichert den schnellen und

regelmässigen Transport zu oder auch von den touristischen Zentren.

9 Übernachtungen von auswärtigen Gästen

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Tourismus in Castrisch Bericht der Kommission für Tourismus

2.5. Chancen

Juni 2006

Durch die Hektik des Alltages und der Druck am Arbeitsplatz wird wieder vermehrt

Ruhe und Erholung gesucht. Werte, die wir bei uns bieten können. Die Chancen liegen im

naturnahen und kulturbezogenen Tourismus. Es gibt eine Reihe von Hinweisen darauf,

dass der naturnahe Tourismus in den kommenden Jahren in den Alpen eine

Bedeutungszunahme erfahren wird 10 . 30% der Schweizer machen gerne naturnahe

Ferien. Der naturnahe Sport, der Kontakt mit der Bevölkerung, regionale Produkte, die

erlebnisreiche Landschaft und eine intakte Kultur sind Stichworte, die zu diesen

Gästegruppen gehören. Viele potenzielle Gäste laufen am Dorf vorbei, ohne dass ihre

Anwesenheit für den Verkauf touristischer Angebote genutzt wird (z.B. liegt Castrisch am

Tor zur Ruinaulta oder an der Veloroute 2, die quer durch die Ostschweiz führt). Die

Initiativen Einzelner könnten besser unterstützt werden, um das Lancieren neuer

Angebote oder Verbessern bestehender Angebote zu erleichtern.

Verbesserungspotenziale finden sich vor allem in der Organisation, Vermittlung,

Vernetzung und Koordination von gästeorientierten Angeboten, Vermarktungsideen und

Vorhaben. Damit dies auf einer regionalen Ebene funktionieren kann, müssen in der

Gemeinde die strukturellen Voraussetzungen dafür geschaffen werden.

Beispiel 10, vernetztes und koordiniertes Angebot: "Herzblatt-Ausflug" eines Paars

mit einer Durchwanderung der Ruinaulta, Übernachtung im Stroh in Castrisch, eine

geführte Wildbeobachtung, Holzkühe bzw. Osterhase schnitzen, Fahrt mit der

Rodelbahn 11 in Ilanz oder River Rafting von Ilanz nach Reichenau.

2.6. Schwächen

Angebotsleistungen einheimischer Firmen oder einheimischer juristischer Personen

sind zum Teil zu wenig bekannt. Bei Marketing- und Kommunikationsleistungen herrscht

Handlungsbedarf. Es mangelt an Koordination im lokalen und regionalen

Tourismusangebot, die Kooperation ist ungenügend, die Vermarktung ineffektiv.

Beispiel 11, Internetauftritt: Will jemand aus Castrisch Gäste für seine Ferienwohnung

über das Internet finden, muss er dafür praktisch eine eigene Homepage programmieren,

die Qualitäten des Dorfes darin beschreiben usw., was ihm einen grossen Aufwand

10 Baumgartner (2002). Vom Ökotourismus zum nachhaltigen Tourismus in den Alpen. alpmedia.net

11

Die Marketingkommission der Stadt Ilanz arbeitet an der Realisierung einer Rodelbahn. In diesem Fall handelt

es sich um eine Abfahrtsstrecke (Strasse), die seitlich gesichert ist, und auf der im Winter geschlittelt und im

Sommer mit "Schlitten mit Rädern" hinuntergesaust werden kann.

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Tourismus in Castrisch Bericht der Kommission für Tourismus

Juni 2006

beschert. Seine Homepage ist dann eine weitere im Wirrwarr von Seiten zu Castrisch:

Schlecht verlinkt 12 und wenig diversifiziert 13 .

Beispiel 12, Nehmen wir an, ein Tourist, Verein oder eine Gruppe plant von daheim

aus einen zweitägigen Ausflug in die Region mit River Rafting als Hauptattraktion. Was

am Abend tun? Wo essen? Wo übernachten? Wie übernachten? Was am nächsten Tag tun

oder besuchen? Weiterfahren mit dem Glacier Express oder hier bleiben? Um diese

Fragen zu klären muss der Tourist einen grossen Aufwand betreiben, viel telefonieren

und / oder lange das Internet durchstöbern. Er muss sich fast an ein Reisebüro wenden,

das bei der heutigen Organisation die Angebote auch nicht optimal vermarkten kann.

Einige der Angebote (siehe Kapitel 2.1 und Kapitel 2.2) wird er nicht finden, bzw. nicht

wissen, dass es sie gibt.

Beispiel 13, Veranstaltungskalender: Touristen, aber teilweise auch ortsansässige

Gäste müssen lange und in verschiedenen Orten (Amtsblatt, Broschüren, Plakate,

unzählige Internetseiten) suchen, um eine gute Übersicht über die Veranstaltungen in der

Region zu erhalten. Von vielen Veranstaltungen bekommen potenziell Interessierte nichts

mit. Es gibt in der Region keinen interaktiven, gut verknüpften und kompletten

Veranstaltungskalender, der den individuellen Bedürfnissen der Gäste und der Anbieter

angepasst ist.

Die Finanzierung von touristischen Einrichtungen ist nicht geregelt. Wenn sie sich

überschneidet mit der Finanzierung von gemeinnützlichen Strukturen, übernimmt sie

heute die Gemeinde, engagierte Vereine, oder niemand, d.h. sie können nicht realisiert

werden.

Die Gemeinde Castrisch bietet den anderen Gemeinden in der Region keinen klaren

Ansprechpartner in touristischen Belangen, der die Vermittlung, Vernetzung, und

Koordination der gästeorientierten Angebote und Vorhaben mit regionalen Produkten und

Marketingaufgaben organisiert, fördert, entwickelt und über gebundene 14 finanzielle

Mittel verfügt.

Beispiel 14, fehlender Ansprechpartner: Der Ansprechpartner für Tourismus in Ilanz ist

Andrin Perl. Da der von ihm angestrebte Nordic Fitness Park teilweise über Castrisch

führt, braucht er hier einen Ansprechpartner. Im Augenblick ist das der

Gemeindevorstand. D.h. für ihn, dass er über den Gemeindeschreiber kommunizieren

muss. Dieser leitet die Informationen dem Gemeindevorstand weiter, der sie erst bei der

12 mit anderen Internetseiten per Mausklick verknüpft

13 nur wenige Angebote auf derselben Homepage

14 für die Förderung des Tourismus vorgesehene Gelder (vergleiche Kapitel 4.2 und Kapitel 5.2)

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Tourismus in Castrisch Bericht der Kommission für Tourismus

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nächsten Sitzung behandeln kann. Angenommen ein Bauer aus Castrisch möchte seine

Produkte über den Nordic Fitness Park besser absetzen. Mit wem sucht er den Kontakt?

Mit Andrin Perl? Mit dem Gemeindevorstand? Wie erfährt er vom Nordic Fitness Park und

von seinen Möglichkeiten, ihn zu nutzen?

Bei vielen Ortsansässigen fehlt ein Tourismusverständnis (vergleiche Kapitel 1.2 - 1.4

und Kapitel 3.3). Besonders indirekte touristische Wertschöpfungen 15 und andere

Abhängigkeiten zum Tourismus werden ungenügend wahrgenommen. Das fehlende

Tourismusverständnis ist ein wichtiger Grund für die mangelhafte Organisation des

Tourismus in der Region.

2.7. Risiken

Risiken bestehen einerseits bei passivem Verhalten im Tourismusbereich und

andererseits im Zusammenhang mit der Förderung des Tourismus.

Bezogen auf ein passives Verhalten im Tourismusbereich stellt die indirekte

Abhängigkeit 16 von Castrisch von den touristischen Angeboten in der Region ein

unkontrollierbares Risiko dar. Umso wichtiger ist eine enge regionale Zusammenarbeit in

touristischen Belangen.

Beispiel 15: indirekte Abhängigkeit: Bankangestellter oder Verkäufer, der in Ilanz

arbeiten kann (weil dort viele Gäste seine Dienstleistungen beanspruchen).

Beispiel 16, indirekte Abhängigkeit: Stromer, Maler, Sanitäre, Schlosser, Maurer,

Poliere, Ingenieure oder Geologen, die in den stark tourismusabhängigen Branchen

Vorleistungen für touristische Leistungsträger erbringen (Bau eines Weges, Fundament

eines Liftmastens, Geländer oder Zaun für ein Hotel, Renovierung eines Ferienhauses,

Bau eines Hotels, Stromversorgung der Schneekanonen, Zulieferungen für die

Gastronomie, Sicherung eines Hanges, der touristische Einrichtungen bedroht, ...

Der Charakter des Dorfes und die struktur- und artenreiche Landschaft sollen uns

erhalten bleiben. Insbesondere touristische Aktivitäten im Freien sind so zu regeln, dass

die Naturpotenziale dabei nicht beeinträchtigt werden. Geführte Ausflüge (Sport, Kultur,

Natur) bieten die Möglichkeit, den Gast für den Umgang mit der Natur zu sensibilisieren.

15 Leistungen, die regionale Unternehmen für touristische Unternehmen erbringen

16 über Vorleistungen, d.h. über Leistungen für touristische Leistungsträger und dadurch, dass viele

Ortsansässige auswärtig in tourismusbezogenen Branchen arbeiten.

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Tourismus in Castrisch Bericht der Kommission für Tourismus

Juni 2006

Beispiel 17: Geführte ornithologische Ausflüge 17 sensibilisieren den Gast, die Natur

besser wahrzunehmen (hören, sehen), sie zu schätzen (Schönheit, Zauber, Eigenwert)

wenig Lärm in Naturschutzgebieten zu machen, Ferngläser zu benutzen anstatt die Wege

zu verlassen, und wecken das Interesse an das Zusammenspiel verschiedener

Lebewesen.

"Die Gunst der Stunde verpassen." Gerade im Tourismus sind viele Entwicklungen

nicht nachzuholen oder lassen sich nicht rückgängig machen. Das Risiko, bestimmte

Chancen und Gelegenheiten zu verpassen, ist ohne die Beteiligung an einer

Tourismusorganisation relativ gross.

Beispiel 18: Aufgrund der strengen Regelung der Labelvergabe "Nordic Fitness Park"

ist es unwahrscheinlich, dass in der Region zwei Einrichtungen als Nordic Fitness Park

anerkannt würden. Weil Ilanz Tourismus die Initiative als erster in der Region ergriffen

hat, sind wir an den Park angeschlossen, leider ohne an der Gestaltung und am

Entwerfen des Parks mitgewirkt zu haben. Wäre Disentis, Laax oder Vals Ilanz

zuvorgekommen, wäre für uns der Zug "Nordic Fitness Park" abgefahren.

3. Organisation und Finanzierung der Tourismusförderung

3.1. Tourismusorganisation auf Gemeindeebene

Grundsätzlich ist im Tourismus die gemeindeübergreifende Zusammenarbeit sehr

wichtig, vorzugsweise in Form einer Beteiligung an einer regionalen

Tourismusorganisation. Im Idealfall wäre der Tourismus national, evtl. kantonal, und vor

allem regional (Destinationen), bestens organisiert. Auch mit einer perfekt

funktionierenden regionalen Tourismusorganisation (wovon wir leider noch weit entfernt

sind) muss ein entsprechendes Organ auf Gemeindeebene vorhanden sein. Die Gemeinde

kann und sollte einen Ansprechpartner für Tourismus einrichten. Je weniger weit die

regionale Tourismusorganisation sich entwickelt hat, umso anspruchsvoller sind die

Aufgaben auf Gemeindeebene.

Die Organisation des Tourismus auf Gemeindeebene kann die folgenden

institutionellen Formen annehmen:

• keine Organisation

17 Beobachtungen von Vögeln

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Tourismus in Castrisch Bericht der Kommission für Tourismus

• Organ der Exekutive (Kommission oder Vorstandsmitglied)

• Verein mit oder ohne Leistungsauftrag 18

• private Marketingfirma mit Leistungsauftrag

Juni 2006

Beispiel 19: Die Tourismusorganisation in Ilanz war bis 2005 ein Kur- und

Verkehrsverein. Dieser erhielt von der Stadt keinen definierten Leistungsauftrag und

musste nicht Rechenschaft über seine Aktivitäten ablegen. Die Aufgabenverteilung

zwischen Kur- und Verkehrsverein und Stadtverwaltung war nicht klar geregelt. Bei

finanzgewichtigen Vorhaben stellte der Verein dem Stadtrat Anträge. Dieser behandelte

die Anträge und entschied über die Finanzierung und Umsetzung.

Beispiel 20: In Ilanz ist im Jahr 2005 der Kur- und Verkehrsverein abgeschafft und

seine Aufgabenbereiche in die Exekutive der Stadt integriert worden. Die

Marketingkommission mit den Sektoren Wirtschaft, Kultur, Veranstaltungen und

Tourismus wurde neu geschaffen. Jeder Sektor obliegt je einem Kommissionsmitglied.

Ein Mitglied des Stadtrates und ein Berater für Marketing sind in der Kommission

vertreten. Die Kommission hat einen Leistungsauftrag zu erfüllen und verfügt über

finanzielle Mittel (siehe Kapitel 3.2). Sie legt jährlich Rechenschaft über ihre Aktivitäten

ab.

3.2. Die drei Säulen bei der Finanzierung von Tourismusorganisationen

Bei der Finanzierung vom Tourismus haben sich folgende drei Finanzierungsformen

bewährt:

• Kurtaxe

Tourismusförderungsabgabe (TFA)

• Gemeindebeitrag (1-5% der Steuereinnahmen)

Informationen zum Gemeindebeitrag finden sich im Anhang 3. Informationen zur

Kurtaxe im Kapitel 4, Informationen zur TFA im Kapitel 5, Informationen zum

Einnahmepotenzial in der Gemeinde Castrisch im Kapitel 3, Informationen zur

Tourismusfinanzierung in der Stadt Ilanz im Anhang 4 und Informationen zur Stand der

Einführung von TFA und Kurtaxen in den Anderen Gemeinden der Region befinden sich

im Anhang 7.

18 Dokument, in dem steht, welche Aufgaben zu erfüllen sind und wie wichtig sie sind.

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Tourismus in Castrisch Bericht der Kommission für Tourismus

3.3. Eine ausgewogenere Kostenverteilung durch TFA und Kurtaxe

Juni 2006

Ein Tourismusförderungsgesetz mit einer Tourismusförderungsabgabe (TFA, siehe

Kapitel 5) und einer Kurtaxe (siehe Kapitel 4) kann gebundene finanzielle Mittel für

gästeorientierte Angebote beschaffen.

Beispiele 21: Biketrails, Kinderskilift, Langlaufloipe, ...

Solche gästeorientierte öffentliche Einrichtungen, von Touristen genutzt und geschätzt,

sollten nicht alleine und können nicht immer von der öffentlichen Hand finanziert werden.

Die Tourismusförderungsabgabe bringt eine gerechtere Kostenverteilung und in der Regel

auch eine Stärkung der finanziellen Basis - eine oft nötige Voraussetzung für eine weitere

Professionalisierung des Marketings 19 . Die für die Tourismusförderung eingesetzten Mittel

(vergleiche Kapitel 4.2 und Kapitel 5.2) generieren durch das Beziehen von Vorleistungen

aus der Region und durch die Wirkung als Multiplikatoren 20 ein Vielfaches an

Wertschöpfung, was wiederum in Form höherer Steuereinnahmen für die Gemeinde

spürbar wird.

Beispiel 22, unausgewogene Kostenverteilung: Ist z.B. der Fall, wenn Markierung und

Unterhalt der Biketrails alleine von der Gemeinde bzw. vom Steuerzahler übernommen

werden müssen. Derjenige, der indirekt oder direkt von den Biketouristen profitiert

(Unterkunft, Essen, Sportgeschäft oder Werkstatt) zahlt gleich viel an den Trials wie

derjenige, der keine Wertschöpfung aus den Biketouristen ziehen kann.

Beispiel 23, unausgewogene Kostenverteilung: Der Kinderskilift wird vom Skiklub

unterhalten (Frondienst, Mitgliederbeiträge, Vereinsaktivitäten). Anbieter von

Unterkünften, Essen, oder z.B. Sportartikel profitieren vom Skilift, wenn ihre Gäste bzw.

Kunden unter anderem auch in Castrisch sind, weil sie hier ihre Kinder oder Enkelkinder

beim Skilift in gemütlicher Atmosphäre austoben lassen können.

Beispiel 24, ausgewogene Kostenverteilung: Da der Aufbau des Nordic Fitness Parks in

Ilanz mit Geldern aus den drei Säulen der Tourismusförderung (Gemeindebeitrag, TFA

und Kurtaxe) finanziert wird, leisten diejenigen, die von den Gästen des Nordic Fitness

Parks direkt oder indirekt profitieren, einen grösseren Beitrag an der Realisierung des

Parks.

19 Gesamtheit aller unternehmerischer Maßnahmen (Koordination, Vernetzung, Vermittlung, Kommunikation,

Imagepflege, Werbung, ...) die der Sicherung und Ausweitung des Absatzes dienen.

20 Person, Event oder Gut, das durch seine Position, sein Ansehen und seine Verbindungen Informationen über

ein Angebot oder den Ruf eines Angebotes stark verbreitet.

14


Tourismus in Castrisch Bericht der Kommission für Tourismus

3.4. Einnahmenpotenzial der Gemeinde Castrisch

Juni 2006

Gestützt auf die Angaben des Gemeindekanzlisten haben wir analysiert, welche

Einnahmen jährlich zur Verfügung stehen, wenn ein Gesetz analog jenes in Ilanz auch in

Castrisch beschlossen würde. Die Ergebnisse dieser Abklärungen sehen wie folgt aus:

Kurtaxen: Fr. 12'000.00 (insbesondere Ferienhaus- und Maiensäsbesitzer ohne

Domizil in Castrisch, problematisch abzuschätzen, wann

pauschal und wann nicht)

TFA: Fr. 5'000.00 (Firmen, Restaurants, Einheimische, welche Wohnungen

oder Zimmer zu Ferienzwecken vermieten)

Gemeinde: Fr. 8'000.00 (entspricht rund einem Prozenten des jährlichen

Total Fr. 25'000.00

4. Kurtaxe

Steuerertrags und damit sehr bescheiden, die Praxis in

anderen Gemeinden erlaubt eine grössere Beteiligung mit

Steuergeldern)

4.1. Was ist die Kurtaxe und wer hat sie zu entrichten?

Jeder in der Gemeinde XY übernachtende Gast hat eine Abgabe in Form der Kurtaxe

zu entrichten. Gast im Sinne der Kurtaxenpflicht ist man dann, wenn man in der

Gemeinde XY keinen steuerrechtlichen Wohnsitz hat, hingegen hier übernachtet und die

Möglichkeit hat, touristische Einrichtungen zu benützen.

Bezüglich des Kreises der kurtaxenpflichtigen Personen gibt es Ausnahmen. Von der

Taxe sind befreit: Kinder unter 6 Jahren; Personen, die sich in Ausübung militärischer

oder polizeilicher Pflichten, aus beruflichen Gründen, zum Besuch einer Schule oder zum

Erlernen eines Berufes in der Gemeinde aufhalten. Befreit sind auch Gäste, die

unentgeltlich im Haushalt von in der Gemeinde wohnhaften und damit der

Kurtaxenpflicht nicht unterstellten Personen übernachten. Hingegen sind Teilnehmer an

Tagungen und Veranstaltungen, auch wenn diese beruflichen Zwecken dienen,

taxpflichtig.

Normalerweise wird die Kurtaxe pro Logiernacht des Gastes erhoben. Eigentümer,

Nutzniesser und Dauermieter von Ferienhäusern und -wohnungen, die gemäss Gesetz

15


Tourismus in Castrisch Bericht der Kommission für Tourismus

Juni 2006

der Kurtaxenpflicht unterliegen, können auf Gesuch hin für sich eine jährliche

Familienpauschale entrichten.

Die Pflichten der Logisgeber sind im Anhang 5 aufgeführt.

4.2. Wofür können Kurtaxengelder eingesetzt werden?

Kurtaxen-Gelder dürfen insbesondere für touristische Einrichtungen und

Veranstaltungen eingesetzt werden, die für Ortsansässige alleine nicht oder zumindest

nicht in diesem Ausmass getroffen oder betrieben würden. Kurtaxen können demnach

wie folgt eingesetzt werden (die Aufzählung ist nicht abschliessend):

• Gästeinformation in allen möglichen Variationen

• Signalisation und Unterhalt von Spazier-, Wander- und Schlittelwegen, Skipisten,

Skiwander- und Langlaufloipen, Aufstellen und Unterhalten von Ruhebänken usw.

• Bau und Unterhalt von Sportanlagen

• Bau und Unterhalt von Parkierungsanlagen und Betrieb von Ortsbussen

• Entschädigungen an landwirtschaftliche Grundeigentümer für Bodennutzungen zu

touristischen Zwecken

• Schuldzinsen und Amortisationen von Investitionen im Interesse der Gäste

• Beiträge an Sportorganisationen, Sporteinrichtungen und Sportanlässe für ein

überwiegend touristisches Publikum

• kulturelle Veranstaltungen aller Art

• Personal- und Sachaufwand für ein mit allen modernen Hilfsmitteln ausgerüstetes,

reich dokumentiertes und den Besuchern mit Gratisauskünften dienendes

Tourismusbüro

5. Tourismusförderungsabgabe (TFA)

5.1. Was ist die Tourismusförderungsabgabe?

Tourismusförderungsabgaben wollen Aufwendungen, die einem bestimmten,

abgrenzbaren Kreis von Begünstigten zugute kommen, ganz oder teilweise durch eben

16


Tourismus in Castrisch Bericht der Kommission für Tourismus

Juni 2006

diese Begünstigten finanzieren lassen 21 . Eine Tourismusförderungsabgabe ist vor allem in

denjenigen Gemeinden opportun, deren Wirtschaft in erheblichem Mass

tourismusabhängig ist. Gegenstand der Tourismusförderungsabgabe sind im Lichte dieser

Zwecksetzung sämtliche Tätigkeiten von Handels-, Gewerbe- und

Dienstleistungsbetrieben in der betroffenen Gemeinde, die ganz oder teilweise dem

Tourismus zuzurechnen sind.

Die Tourismusförderungsabgabe ist anerkanntermassen eine gesetzlich festgelegte

Steuer. Sie muss deshalb strengen verfassungsmässigen Anforderungen genügen.

5.2. Wofür können die Mittel aus der TFA eingesetzt werden?

Die TFA wird zur Finanzierung des Tourismusmarketings verwendet. Die Mittel aus der

TFA werden für Massnahmen und Tätigkeiten eingesetzt, welche die Attraktivität und

Konkurrenzfähigkeit der Gemeinde bzw. Region als Ferien- und Erholungsgebiet stärken

und verbessern, insbesondere auch für eine wirksame Marktbearbeitung sowie für

sportliche und kulturelle Tätigkeiten. Die TFA darf nicht für ordentliche

Gemeindeaufgaben und für die mit der Kurtaxe finanzierten touristischen Aufwendungen

verwendet werden.

Beispiel 25: Ein Beitrag für den Aufbau und Unterhalt einer gut verlinkten,

gästefreundlichen, aktuellen und professionellen regionalen Homepage, die alle

gästeorientierten Angebote und Veranstaltungen aus unserer Gemeinde enthält und sie

via Internet vermarktet, bzw. sie mit dem übrigen regionalen Tourismus vernetzt.

Beispiel 26: Finanzierung des Gemeindebeitrags an die regionale, touristische

Vermarktung der Ruinaulta (Wanderkarte, Werbung, Informationstafeln oder -

Broschüren).

5.3. Wer hat die Tourismusförderungsabgabe zu entrichten?

Abgabepflichtig sind juristische 22 sowie selbständig erwerbende natürliche 23 Personen

unter den folgenden beiden Bedingungen:

1. Deren Tätigkeit ist ganz oder teilweise dem Tourismus zuzurechnen.

2. Deren Sitz oder bei juristischen Personen die tatsächliche Verwaltung bzw. bei

natürlichen Personen der steuerliche Wohnsitz oder Aufenthalt müssen in der

21 sogenannte Kostenanlastungssteuern

22 Aktiengesellschaften, Genossenschaften, Vereine, Stiftungen, Unternehmen, ...

23 Einzelne Menschen, in ihrer Rolle als Träger von Rechten und Pflichten

17


Tourismus in Castrisch Bericht der Kommission für Tourismus

Juni 2006

Gemeinde XY sein. Sie unterliegen auch dann der Abgabe für Tourismusförderung,

wenn sie in der Gemeinde XY nur Inhaber, Teilhaber oder Nutzniesser von

geschäftlichen Betrieben sind oder daselbst Betriebsstätten unterhalten.

Beispiel 27, Abgabepflichtige für TFA: Abgabepflichtig sind insbesondere: Inhaber von

Beherbergungsbetrieben wie Hotels, Aparthotels, Clubhotels, Kurhotels, Pensionen,

Gasthöfen, Berghäusern, Jugendherbergen, Gruppenunterkünften, Erholungs- und

Kinderheimen, Heilstätten, Vermieter von Ferienlogis, Privatzimmern sowie Zelt- und

Abstellplätzen für Wohnwagen und -mobile; Bergbahn- und Skiliftgesellschaften;

Handels-, Gewerbe-, Dienstleistungs-, Restaurationsbetriebe, Bars, Dancings,

Discotheken, Banken, Versicherungsagenturen sowie die übrigen selbständig

Erwerbenden wie Architekten, Ingenieure, Ärzte, Anwälte und Treuhänder.

Wer keines dieser Kriterien erfüllt, kann der Tourismusförderungsabgabe nicht

unterstellt werden, selbst wenn er vom Tourismus der betreffenden Gemeinde profitiert,

wie dies beispielsweise für auswärtige Bauunternehmer oder Immobilienhändler zutrifft,

wenn sie ein Ferienhaus in der Gemeinde erstellen bzw. vermitteln.

Im Anhang 6 sind Informationen zum Inkasso und zur Verwaltung der TFA aufgeführt.

Bei Einführung einer TFA empfehlen wir ein ähnliches Modell wie dasjenige von Ilanz

oder von Vella / Val Lumnezia, um die Höhe der Steuer festzulegen. Im Anhang 8 sind

zwei Beispiele (Kleinhandwert und Immobilienhandel) für die Berechnung der Höhe der

TFA aufgeführt.

6. Varianten zum Umgang mit dem Tourismus in Castrisch

6.1. Variante "Status Quo: Keine Organisation des Tourismus, keine TFA, keine

Kurtaxe"

Diese Variante steht unter dem Motto: "Weiter wie bisher." Der Tourismus wird auf

Gemeindeebene nicht organisiert und die Gemeinde beteiligt sich auch nicht an eine

regionale Lösung. Für die Tourismusförderung werden keine gebundenen Mittel generiert.

Der Einzelne ist in seiner Initiative gefordert und muss seine Ideen und Produkte direkt

regional vermitteln, sie selber zum Kunden bringen, den Internetauftritt z.B. selber

aufbauen, und den Kontakt zu möglichen Partnern selber herstellen. Tourismusfördernde

Aktivitäten, die für Einzelne alleine nicht durchführbar sind, finden selten statt.

18


Tourismus in Castrisch Bericht der Kommission für Tourismus

6.2. Variante "Tourismusorgan ohne TFA und Kurtaxe, gemeindefinanziert"

Juni 2006

Diese Variante steht unter dem Motto: "gemeindefinanzierte Tourismusorganisation,

aber keine zusätzlichen Steuern und Bürokratie". Das Tourismusorgan verfügt über

beschränkte finanzielle Mittel und kann dem Gemeindevorstand oder der

Gemeindeversammlung Anträge stellen, wenn weitere Mittel benötigt werden. Es erhält

von der Gemeinde einen Leistungsauftrag und legt Ende Jahr Rechenschaft über seine

Aktivitäten ab. Die Finanzierung wird vollständig von der öffentlichen Hand übernommen.

Das Tourismusorgan koordiniert die Angebote und vermittelt. Es ist, was den regionalen

Tourismus betrifft, immer an der Front mit dabei, und informiert auf Gemeindeebene, wo

Informationen bezüglich des Tourismus benötigt werden. Als Tourismusorgan für die

Gemeinde Castrisch wäre z.B. eine 3er Kommission möglich, die aus einer Person des

Gemeindevorstandes und zwei weitern Mitgliedern besteht. Eine zweite Möglichkeit wäre,

dass eine bereits bestehende Kommission der Gemeinde um ein Mitglied erweitert würde,

und für den Bereich Tourismus zuständig wäre. Eine dritte Möglichkeit wäre, dass ein

Mitglied des Gemeindevorstandes die Aufgaben als Tourismusverantwortliche/r

übernehmen würde (und die Tourismusorganisation auf Gemeindeebene verkörpert).

6.3. Variante "Tourismusorgan mit Kostenverteilung durch TFA und Kurtaxe"

Diese Variante steht unter dem Motto: "Organisation des Tourismus mit einer

ausgewogenen Finanzierung". Der Unterschied zur oben beschriebenen Variante besteht

in der Verfügbarkeit und Beschaffung der finanziellen Mittel. TFA und Kurtaxe bringen

eine grössere Gerechtigkeit in der Kostenverteilung (siehe Kapitel 3.3): Die Nutzniesser

des Tourismus zahlen den grössten Beitrag an der Organisation des Tourismus. Die Mittel

aus TFA und Kurtaxe sind an eine tourismusorientierte Verwendung gebunden (siehe

Kapitel 4.2 und 5.2) und können teilweise weitergegeben werden, um den Tourismus auf

regionaler oder kantonalen Ebene zu organisieren. Welche Anpassungen auf

gemeindeebene vorzunehmen wären, müsste bei der Erarbeitung einer regionalen

Lösung bestimmt werden. Das Tourismusorgan auf Gemeindeebene könnte so aussehen

wie in Kapitel 6.2 für die Variante "Tourismusorgan ohne TFA und Kurtaxe,

gemeindefinanziert" beschrieben. Die Veranlagung, das Inkasso, die Verwaltung und die

Verwendung der TFA können an eine Tourismusorganisation delegiert werden.

19


Tourismus in Castrisch Bericht der Kommission für Tourismus

6.4. Beurteilung der Varianten nach ihren Stärken und Schwächen

Juni 2006

Die unten abgebildete Tabelle 1 vergleicht die drei Varianten miteinander unter einer

einfachen Beurteilung nach ausgewählten Gesichtspunkten 24 . Die relative Bedeutung der

einzelnen Gesichtspunkte wurde nicht angegangen. Sie wird vom Einzelnen individuell

vorgenommen. Aufgrund der Beurteilung in Tabelle 1 empfehlen wir für Castrisch die

Variante "Tourismusorgan mit Kostenverteilung durch TFA und Kurtaxe", wenn möglich

eingebunden in eine regionale Tourismusorganisation.

Tabelle 1: Stärken und Schwächen der Varianten

1: Variante "Status Quo: Kein Tourismusorgan, keine TFA, keine Kurtaxe"

2: Variante "Tourismusorgan ohne TFA und Kurtaxe, gemeindefinanziert"

3: Variante "Tourismusorgan mit Kostenverteilung durch TFA und Kurtaxe"

+ Stärken

- Schwächen

o ausgeglichen

Gesichtspunkt/ Aspekt/ Kriterium/ Ziel 1 2 3

Ausgewogenheit in der Kostenverteilung - - +

Gebundene finanzielle Mittel für die Tourismusförderung - o +

Voraussetzungen auf Gemeindeebene für eine regionale und

kantonale Tourismusförderung

- o +

Bürokratie durch Pflichten für den Ortsansässigen + + -

Bürokratischer Aufwand der Verwaltung + o -

Bedarf an qualifizierten Kräften + - -

Vernetzung 25 der Angebote - o +

Koordination 26 der Angebote - + +

Vermittlung der Gäste (den Gast zum Angebot bringen) - o +

Vermittlung spezieller Vorleistungen für Angebote - + +

Ansprechpartner Tourismus auf Gemeindeebene (für

Ortsansässige und Tourismusorganisationen)

o + +

Beteiligung am Marketing für die Region - o +

Aktive Entwicklung 27 - o +

Nutzen von Parallelen zwischen Wohlfahrtsaufgaben und

Tourismusförderung

24 Ziele, Aspekte, Kriterien

25 Bündelung ähnlicher Angebote, interessante Kombinationen vermarkten

26 räumliche und zeitliche Abstimmung der Angebote

27 Die touristische Entwicklung nicht alleine den Nachbargemeinden überlassen

o + +

20


Tourismus in Castrisch Bericht der Kommission für Tourismus

7. Fazit und Empfehlungen der Kommission

7.1. Vermitteln, vernetzen, koordinieren und kommunizieren

Juni 2006

Aus der Analyse des Tourismus in der Region und der gästeorientierten Angebote und

Potenziale, sowie der Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken vom Tourismus in

Castrisch folgt, dass

a) Castrisch Angebote und touristische Potenziale hat, die besser genutzt werden

könnten,

b) für die Initiative Einzelner bessere Rahmenbedingungen geschaffen werden müssen,

indem die Koordination, Kommunikation, Vernetzung und Vermittlung für den Tourismus

in der Region strukturell organisiert und gefördert wird und

c) Castrisch sich aktiv an das regionale Tourismusmanagement (Organisation und

Vernetzung der Angebote und deren Vermarktung, Infrastrukturen und Events) beteiligen

sollte.

7.2. Voraussetzungen auf Gemeindeebene für eine regionale Organisation

Eine Tourismusorganisation muss

a) einen Leistungsauftrag erfüllen, der die Verbesserung der Rahmenbedingungen für

den Tourismus in der Gemeinde und in der Region vorantreibt,

b) über zweckgebundene finanzielle Mittel verfügen, und

c) Rechenschaft über die Verwendung der Mittel ablegen.

Je früher sich Castrisch an einer regionalen Tourismusorganisation beteiligt, desto

weniger anspruchsvoll und umfassend werden die Aufgaben auf kommunaler Ebene.

Alternativ empfehlen wir für Castrisch bei der Zusammensetzung des Tourismusorgans

eine Kommission bestehend aus maximal drei Mitgliedern mit einem Vertreter des

Gemeindevorstandes als Bindeglied zur politischen Gemeinde.

7.3. Finanzielle Rahmenbedingungen stärken und Kosten besser verteilen

Die drei Säulen bei der Finanzierung von Tourismusorganisationen, mit TFA, Kurtaxe

und Gemeindebeitrag, würden

a) gebundene Mittel für das Tourismusmarketing (Organisation, Vermittlung,

Vernetzung und Vermarktung der Produkte) und für gästeorientierte Aufgaben zur

Verfügung stellen,

21


Tourismus in Castrisch Bericht der Kommission für Tourismus

Juni 2006

b) die Kosten für öffentliche, gästeorientierte Einrichtungen ausgewogener verteilen,

so dass sie vor allem von den Nutzniessern der Investitionen getragen werden. Heute

übernehmen die Gemeinde (Steuerzahler) oder Vereine die Kosten für öffentliche,

gästeorientierte Einrichtungen,

c) Einnahmen von etwa 25'000 CHF/a (12'000 CHF aus den Kurtaxen, 5'000 aus der

TFA, 8'000 aus dem Gemeindebeitrag) in der Gemeinde Castrisch generieren.

22


Tourismus in Castrisch Bericht der Kommission für Tourismus

Verzeichnis der Anhänge

Juni 2006

Anhang 1 Bestehende Angebote ............................................................. 1-1

Anhang 2 Potenziale, neue Ideen, Angebote und Einrichtungen................... 2-1

Anhang 3 Informationen zum Gemeindebeitrag ........................................ 3-1

Anhang 4 Tourismusfinanzierung in der Stadt Ilanz ................................... 4-1

Anhang 5 Pflichten der Logisgeber bei der Abgabe einer Kurtaxe................. 5-1

Anhang 6 Tourismusorganisationen und TFA ............................................ 6-1

Anhang 7 Gemeinden in der Surselva: Stand Einführung TFA / Kurtaxen ...... 7-1

Anhang 8 Berechnungsbeispiele Tourismusförderungsabgabe (TFA)............. 8-1

23


Anhang 1 Bestehende Angebote

Einrichtungen Aktivitäten

Gasthaus

Ferienwohnungen

Wanderwegnetz

Winterwanderwege

Skilift und Nachtpiste

Loipe und Nachtloipe

Schlittelweg und Nacht-Schlittelweg

Angebote aus der Landwirtschaft

Rafting

Kanu

Wanderungen

Biketouren

Skiunterricht

Snowboardunterricht

Schneeschuhtouren

Direktverkauf der hofeigenen Produkte: Milch, Käse, Butter u.a. Milchprodukte, Eier und

Brot

Brunch, Bienenhonig

Apéro, Imbiss, Buffet für Familienfeste, Geburtstagspartys oder Hochzeiten

offene Stalltüren

Durchführungen von Seminaren verbunden mit Ausflügen

Führungen auf Alpbetrieben

Hofführungen mit Degustationen der eigenen Produkte

Ferien auf dem Bauernhof

Schlafen im Stroh

Vermietung von Wohnungen, Zimmer, Infrastrukturen und Lokalitäten

Emotionale und kulturelle Angebote

Ruhe

Gutes Klima

Bergdorfcharakter mit Streglias, Brunnen, alten Scheunen, Obstgärten

Natur- und Kulturlandschaft

flussnahe Kulturlandschaft mit grosser Biotop- und Artenvielfalt

Aue von nationaler Bedeutung, Geotope, Ruinaulta

vielfältige und erlebnisreiche Bergwiesenlandschaft (Cuolm, Flachmoore, Blumenwiesen)

Obstgärten (1700 Obstbäume, über 100 Fruchtsorten)

Vögel, Schmetterlinge, Kleinsäuger, Reptilien, Grosswild, Steinadler, Fledermäuse

Orchideen, seltene Kräuter und Gräser

Lage und Erschliessung

Eingangstor zur Ruinalulta

Gute Erreichbarkeit mit dem öffentlichen Verkehr und auf der Strasse

Glacier-Express

Nähe zu Ilanz mit Einkaufsmöglichkeiten

Nähe zu grossen Wintersportzentren

Nähe zu Zürich (Kurzferien)

Anhang 1-1


Anhang 2 Potenziale, neue Ideen, Angebote und

Einrichtungen

Einrichtungen Aktivitäten

Erlebnis-Ferienhaus

Kinder Erlebnis-Pfad

Nordic Fitness Park

Holzskulpturen Weg

Themenwanderweg

Ferien auf dem Bauernhof

Schlafen im Stroh

Streichelzoo auf dem Bauernhof

Camping auf dem Bauernhof

Hochseilgarten

Iglu Hotel

Grössere Loipe in Castrisch bis Ilanz

Loipenbeiz auf Tschentaneras

Skibus von Versam bis Obersaxen

Hütten-Romantik im Stall mit Spezialitäten

Markierte Schneeschuhwanderwege

Kulturwanderungen

Megalithen-Route

Wildbeobachtungen

Waldspaziergänge mit dem Förster

Spuren im Schnee lesen

Kräuterwanderungen

Wellness auf der Alp

Brot backen

Erlebnistage mit Handwerkskunst

Handwerkliche Kurse (Holzskulpturen,

Schnitzereien, Blockhausbauten,

Bildhauerei, Schmiedekunst)

Schule auf dem Bauernhof

Kinder Skiunterricht am Lift

Gemeinsamer Loipenpass mit Trin / Flims

Reiten

Anhang 2-1


Anhang 3 Informationen zum Gemeindebeitrag

Die Theorie sieht vor, dass die Gemeinden jährliche Beiträge zahlen. Geregelt wird

dies ebenfalls im Gesetz über die Kurtaxen und die Tourismusförderungsabgabe. In der

Regel schränken sich die Gemeinden jedoch im Gesetz nicht all zu stark ein. Die Regel ist,

dass die Gemeinden ihren Beitrag im Rahmen des Budget aufzunehmen haben und die

Gemeindeversammlung darüber beschliessen lassen. Oft werden diese Beiträge mit

Dienstleistungen der Gemeinde für den Tourismus verrechnet.

Die Kriterien für die Höhe des Engagements der Gemeinde für den Tourismus sind

folgende:

Tourismusintensität

� Abhängigkeit der Bevölkerung vom Tourismus; Arbeitsplätze; Wertschöpfung

• Finanzielle Leistungsfähigkeit der Gemeinde

� Möglichkeiten der Gemeinde nach Erfüllung der Aufgaben des Zwangsbedarfs;

Ergebnis der Finanzplanung

• Betriebswirtschaftliches Konzept

� Management / touristische Organisation

� Finanzierungskonzept: Mitmachen Dritter (Private Investoren, Kanton, Banken)

� Drei-Säulen Prinzip bei der Tourismusfinanzierung (Gast / Kurtaxe, Betrieb /

TFA, Gemeinde / Gemeindebeitrag)

Anhang 3-1


Anhang 4 Tourismusfinanzierung in der Stadt Ilanz

Gesetzliche Grundlagen:

⇒ Gesetz vom 22.5.2003 (Gemeindeversammlung)

⇒ Ausführungsbestimmungen vom 10.11.2003 (Stadtrat)

⇒ Reglement für die Kommission Stadtmarketing vom 28.11.2005 (Stadtrat)

Inkasso:

TFA über Stadtverwaltung (Veranlagung Stadtschreiber Urban Battaglia)

Kurtaxen über RhB / Bahnhof (Heinz Schäffler)

Einnahmen (Budget 2006):

Kurtaxen 17'000 (ohne Ferienwohnungen)

TFA 195’000

Mittelverwendung (Budget 2006):

Kultur / Anlässe 40’000

Sport / Veranstaltungen 10’000

Tourismus (+ Kurtaxe 17’000) 102'000

Einlage in Reserve 43’000

Total Verwendung 195’000

Kommission Stadtmarketing (2006)

Präsidium: Präsident Stadtrat

Berater: Robert Wildhaber

Kommissionsmitglieder:

1. Tourismus (Andrin Perl)

2. Kultur (Arienne Degonda)

3. Wirtschaft (Markus Coray)

4. Veranstaltungen (Eugen Duff)

⇒ Kur- und Verkehrsverein abgeschafft / aufgelöst

in Buchhaltung der Stadt Ilanz: als Spezialfinanzierung geführt

⇒ Homepage Ilanz Info (auch Beiträge Castrisch vorgesehen / Rest Glenner usw.)

Anhang 4-1


Anhang 5 Pflichten der Logisgeber bei der Abgabe einer

Kurtaxe

Die Logisgeber haben in erster Linie die Meldepflicht zu erfüllen. Weiter sind sie für

den richtigen Einzug und die Weiterleitung der Kurtaxe an die touristische Organisation

verantwortlich. Deshalb haften sie solidarisch für die von den Gästen geschuldete Taxe.

Die für die Erstattung der vorgeschriebenen Meldungen und Abrechnungen

erforderlichen Formulare sind bei der touristischen Organisation bzw. bei der

Gemeindeverwaltung gegen Entrichten der Selbstkosten zu beziehen.

Bei Beherbergungsbetrieben sind deren Inhaber verpflichtet, Ankunft und Abreise ihrer

Gäste in ein Gästeverzeichnis einzutragen. Zusätzlich sind Ankünfte und Logiernächte in

die Erhebungsblätter des Bundesamtes für Statistik einzutragen. Kopien von

Anmeldescheinen werden nicht als Gästeverzeichnis anerkannt.

Der Betriebsinhaber meldet bis zum 5. Tag des folgenden Monats auf einem

besonderen Formular die Logiernächte des Vormonats.

Die Vermieter von Ferienlogis sind in gleicher Weise wie die Betriebsinhaber zum An-

und Abmelden ihrer Logisnehmer verpflichtet. Die Betriebsinhaber haben bis spätestens

am 5., die Vermieter von Ferienlogis bis spätestens am 15. Tag eines jeden Monats die

Meldescheine und Meldeformulare des Vormonats dem Tourismusverein abzuliefern. Im

Falle einer Fakturierung der Abgabe gilt das darin vermerkte Zahlungsziel. Für verspätete

Zahlungen ist ein Verzugszins geschuldet.

Werden vom Pflichtigen die nötigen Unterlagen der Tourismusorganisation

vorenthalten oder wird deren Aufgabenerfüllung in anderer Weise behindert, so ist die

Tourismusorganisation berechtigt, eine Veranlagung der Kurtaxe nach Ermessen

vorzunehmen. Ermessensentscheide sind an den Vorstand der Gemeinde weiterziehbar.

Wer seinen Pflichten nicht nachkommt, hat mit einem Strafverfahren der Gemeinde zu

rechnen. Es können Bussen bis zu 5'000 Franken ausgesprochen werden. Schliesslich

sind hinterzogene Kurtaxen nachzuzahlen.

Anhang 5-1


Anhang 6 Tourismusorganisationen und TFA

Die Veranlagung, das Inkasso, die Verwaltung und die Verwendung der TFA können an

eine Tourismusorganisation delegiert werden. Die TFA wird jährlich erhoben. Die

Rechnungsstellung erfolgt jeweils zu Beginn des Sommerhalbjahres (1. Juni). Als

Bemessungsgrundlage gilt das vorangehende Kalenderjahr. Die Anzahl der für die

Vermietung vorhandener Betten ist gegenüber der Tourismusorganisation periodisch zu

deklarieren. Die übrigen Abgabepflichtigen werden durch Zustellen eines Formulars

aufgefordert, die AHV-Lohnsumme bzw. die Personenverkehrseinnahmen zu deklarieren.

Es besteht auch die Möglichkeit zur Deklaration mittels der AHV-Abrechnung, wobei

persönliche Angaben wie Personalien und Einzellohnsummen aus Gründen des

Datenschutzes ohne weiteres unkenntlich gemacht werden können.

Das Gesetz über die TFA berechtigt die Gemeindeexekutive sowie die

Tourismusorganisation, die für das Erheben der Abgabe erforderlichen Kontrollen

durchzuführen bzw. durchführen zu lassen. Die gewünschten Auskünfte sind zu erteilen.

Ebenso sind die verlangten Unterlagen vorzuweisen. Wird dies von einem Pflichtigen

verweigert oder behindert, so ist der Tourismusverein berechtigt, eine Veranlagung der

TFA nach Ermessen vorzunehmen. Diese Ermessensentscheide sind an den Vorstand der

Gemeinde weiterziehbar. Weiter hat derjenige, welcher seinen Pflichten nicht nachkommt,

mit einem Strafverfahren der Gemeinde zu rechnen. Es können Bussen bis zu 5'000

Franken ausgesprochen werden. Hinterzogene Abgaben sind nachzuzahlen.

Anhang 6-1


Anhang 7 Gemeinden in der Surselva: Stand Einführung TFA /

Gemeinden

TFA und

Kurtaxe

Kurtaxen 2006

Alle 45 Gem. 24 7 14

nur

Kurtaxe nichts Bemerkungen

Safien x eigener Kur- und Verkehrsverein

Tenna x eigener Kur- und Verkehrsverein

Versam x eigener Kur- und Verkehrsverein

Valendas x keine gesetzliche Grundlage/in Abklärung

Castrisch x in Abklärung

Sevgein x

Riein x

Pitasch x

Duvin x

Suraua x TFA ist ein Thema, Gemeinde wartet vorerst ab

St.Martin x

Vals x Inkasso TFA Gemeinde/Inkasso Kurtaxe Visit Vals (VV)

Vrin x

Lumbrein x

Vignogn x

Degen x

Vella x

Morissen x

Inkasso TFA Vella / Kurtaxe Verkehrsverein Val

Lumnezia

Inkasso TFA Vella / Kurtaxe Verkehrsverein Val

Lumnezia

Inkasso TFA Vella / Kurtaxe Verkehrsverein Val

Lumnezia

Inkasso TFA Vella / Kurtaxe Verkehrsverein Val

Lumnezia

Inkasso TFA Vella / Kurtaxe Verkehrsverein Val

Lumnezia

Inkasso TFA Vella / Kurtaxe Verkehrsverein Val

Lumnezia

Inkasso TFA Vella / Kurtaxe Verkehrsverein Val

Cumbel x

Lumnezia

Luven x Inkasso über Gemeinde/kein Kurverein

Flond x Inkasso TFA Surcuolm / Kurtaxe Mundaun Turissem

Surcuolm x Inkasso TFA Surcuolm / Kurtaxe Mundaun Turissem

Obersaxen x Inkasso TFA Gemeinde / Kurtaxe K-V-Verein

Ilanz x Inkasso TFA Stadt / Kurtaxe RhB-Bahnhof

Schnaus x

Ruschein x in Abklärung/dringend

Ladir x in Abklärung/dringend

Anhang 7-1


Gemeinden

TFA und

Kurtaxe

nur

Kurtaxe nichts Bemerkungen

Schluein x in Abklärung

Sagogn x eigener Kur- und Verkehrsverein

Falera x Inkasso über Gemeinde, Vereinb. mit Tourismusorg.

Laax x Inkasso über Gemeinde, Vereinb. mit Tourismusorg.

Flims x Inkasso über Gemeinde, Vereinb. mit Tourismusorg.

Trin x Inkasso über Gemeinde, Vereinb. mit Tourismusorg.

Rueun x

Siat x kein Kurverein / bei Gemeinde / in Abklärung

Pigniu x

Waltensburg x Inkasso und Verwaltung BWA-Turissem

Andiast x Inkasso und Verwaltung BWA-Turissem

Brigels x Inkasso und Verwaltung BWA-Turissem

Trun x Inkasso über Trun Tourismus

Schlans x

Sumvitg x Inkasso über Sumvitg Tourismus

Disentis x Inkasso über Sedrun/DisentisTourismus

Tujetsch x Inkasso über Sedrun/DisentisTourismus

Medel x Inkasso über Kur- und Verkehrsverein

Anhang 7-2


Tourismusfinanzierung in der Surselva

(Februar 2006)

24 Gemeinden mit TFA und Kurtaxen

7 Gemeinden mit nur Kurtaxen

14 Gemeinden ohne Tourismusfinanzierung

Bemerkung: In der Surselva zieht keine Gemeinde in der Grösse von Castrisch die

Tourismusförderungsabgabe selbständig ein. Die Beteiligung an einer regionalen

Tourismusorganisation ist in jedem Fall wünschenswert.

Anhang 7-3


Anhang 8 Berechnungsbeispiele Tourismusförderungsabgabe

(TFA)

Beispiel 1: Gruppe Kleinhandwerker

Abhängigkeit 1.5 Punkte

Wertschöpfung 2.0 Punkte

Total 3.5 Punket

Grundtaxe (bei 3.5 Punkten) 250 CHF

Promille der AHV-Lohnsumme bei 3.5 Punkten 1.7 ‰

Lohnsumme 80'000 CHF, davon 1.7 ‰ 136 CHF

Total Tourismusförderungsabgabe jährlich 386 CHF

Beispiel 2: Gruppe Immobilienhandel

Abhängigkeit 2.0 Punkte

Wertschöpfung 3.0 Punkte

Total 5.0 Punkte

Grundtaxe (bei 5.0 Punkten) 400 CHF

Promille der AHV-Lohnsumme bei 5.0 Punkten 2.6 ‰

Lohnsumme 250'000 CHF, davon 2.6 ‰ 650 CHF

Total Tourismusförderungsabgabe jährlich 1050 CHF

Anhang 8-1

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